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Full text of "Des Hocherleuchteten Sel. Johann Arndts, General-Superintendentens des Fürstenthums Lüneburg, Fünff geistreiche Bücher, vom wahren Christenthum ... : Welchen noch beygefüget drey andere kleine Bücher welchen zu des sel. Joahnn Arndts wahren Christenthum gehörig .."

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9 Des Hocherleuchteten 


Sel. Johann Arndts, 


General· Superintendentens des Fuͤrſtenthums 
uͤneburg, 


—* 
Fuͤnff Geiſtreiche Buͤche, 
Vom 


yahirn — 

LOhriſtulhum 
Welche handeln 

Von heilſamer Buſſe, hertzlicher Reue 


und Leid uͤber die Suͤnde, und wahrem Glauben, 
auch heiligem Leben und Wandel der wahren Chriſten, auch 
wie ein wahrer Chriſt Suͤnde, Tod, Teufel, Hölle, Welt, Ereuß - 
und alle Trübfal, durch den Glauben, Gebet, Gedult, GOttes 
Wort und himmlifchen Troft übermwins 


den fol; | 
Und daflelbe alles in CArifto eff: 

Anietzo aufs neue zumfunffzehenden malaufgeleget, 
und diefer ietzige Druck, uber alle vorige Editiones, mit neuen 
7 Anmerchungen aug dem ſel. Herrn Luthero, Dorfcheo und Varenio, von 

einem Hocherleuchteten Theologo unferer Kirchen mit Fleiß zufammen 
getragen, und mit vielen Marginalibus vermehret, auch alle Loca Scri. 
prurz von neuen nachgefchlagen, und felbige niit groben Littern gedruckt, 
wobey ein doppeltes nügliches Bibel-Negifter, da man ſowol die Haupt⸗ 
Sprüche ale auch andere Sprüche, welche in dieſem Buch etwas erflärer 
werden, nachfchlagen fan, nebent einem nötbigen Negifter, fowol über 
alle denckwuͤrdige Sachen, fo in diefem Buch enthalten, als auch über 
die Sonn: und Feſt⸗Tags Evangelia und gantzen Catechifmum, ſamt 
vielen fehenen SinnsBildern und derfelben doppelten müglichen Erfläs 
gung, wie auch mit geiftreichen Geberen, darinnen der gange 
Innhalt eineg ieden Capitels enthalten, und deren⸗ 
felben Negifter, 
Meiftentheils aus Magdeburgifcher und Riegiſcher Edition 
genommen, wozu auch noch des feligen Autoris merckwuͤrdiger 
Lebens⸗Lauff fommens 
- Melchen 





Welchen noch beygefuͤget 


Deey andere kleine Buͤcher, 


welche 


| zu | 
Des tel, Sodann Arndts 


Ehriicnlbin 


gchorig: 


1 Die Wiederholung J Verantwortung der 
| Lehre vom wahren Chriſtenthum. 

1 Zwey Sendſchreiben an gute Freunde, die Bits 
| her des wahren Chriftenthums betreffend, 
11. Bedencken über Tauleri Teutſche Theologie, wie 

hoc) ſolche zu halten, 


Allen Chriſten zu ihrer Seelen Heil 


und Seligkeit, infonderheit Lehrern un d predigern, 
wie auch allen Chriſtlichen Haus⸗Vaͤtern und Müttern, (es 
hen fonderlich zum ‘Beten fowol die Bibliſchen Allesara, 
als auch anderes Lateinifches, ſo darinnen vorkommt, verteut⸗ 
ſchet worden,) zu ihrer Haus⸗Andacht nuͤtzlich und hoͤchſt⸗ nie 
thig zu lehren und zu gebrauchen, weil naͤchſt der Bibel 
wenig N RAR Bücher 


Mir Boͤnigl. Pohln. und — wie auch Bönigl, 
Preußiſchen und Chur⸗ Brandenb. PRIVILEGIIS. 





Leipzig 
Verlegts Johann Sams Heinfius, 
Im Jahr EHrifi 1749, 


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wuͤnſchte fich zu feinem 


Glaubens⸗KGchilde 
Das 


WMahre Senn 


Voeidben Vide. 


Die Tugend kam, 
und ſprach: 


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Kimm das Vildniß hin, 
Wir fahens an, 


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Koͤnigin. 








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Fllerdurchlauchtigſten, Groß: 
maͤchtigſten Fuͤrſtin und 
Frauen, 


Frauen Vhriſtianen 
Sherhardinen, 
Foͤnigin inBolen,Stoß- 


Hergogin in Biethauen, 
Hertzogin in Reuſſen, Preuſſen, Ma: 
ſovien, Samogitien, Kyovien, Volhinien, 
Podolien, Podlachien, Livonien, Smo⸗ 
lenskien, Severien, Scherni⸗ 
kovien, ꝛc. 
Hertzogin zu Sachſen, Juͤlich, 
Kleve und Berg, Engern und 
WBeltphalen, 


Des Heil, Kom. Reichs Thur- 
Fuͤrſtin, 
ENGE Land: 


Land - Gräfin in Thuͤringen, Marg⸗ 
Grafin zu Meiffen, auch Ober: und 
- Nieder s Laufiß, 


Burg⸗Graͤfin zu Magdeburg, Gefuͤr⸗ 
fteten Gräfin zu Nenneberg, 


- Gräfin zu der Mard, Ravensberg und 


Barby, 
Sranen zum Navenftein, 


Meiner Allergnaͤdigſten Foͤ⸗ 
nigin, Chur» Fuͤrſin und 
Frauen. 


Aller⸗ 


Flerdurchlauchtigſte Groß—⸗ 
maͤchtigſte Königin und Chu 
Fuͤrſtin 


FFlergnaͤdigſte Frau. 


dor E, Koͤnigl. Majeſtaͤt 
allergnaͤdigſten Augen erſchei⸗ 
y) net ein Bud), das von dem 
7 wahren Chriſtenthum den 
Namen führet, und es hat ſich unteritanden, 
E. Koͤnigl. Mai, Bildniß und Namen 
voran zu ſetzen. Denn es will die Hoheit, ſo 

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die Göttliche Majeftät Dero geheiligten 
Perſon von oben herab gegeben, in allerun 
terthaͤnigſter Demuth verehren,unddenbimm: 


liſchen Glang, womit der Geift GOttes 
Dero allertheureſte Seele fo herrlich ge: 
ſchmuͤcket hat, allen GOtt⸗ ergebenen Gemuͤ⸗ 
thern zur Verwunderung vorſtellen. 


Es præeſentiret ſich dieſes GOtt⸗geheiligte 
Buch in einer neuen Geſtalt, und hoffet in 
dem Cabinet E. Koͤnigl. Maj. einer gnaͤdi⸗ 
gen Aufnahme gewuͤrdiget zu werden, nad) 
dem es bisher fo vielmal zu Dero Seelen: 
Wergnügunggedienethat. Es ifteine Schrifft, 
welche fd lange Zeit in der wahren Kirche 
EHrifti beruͤhmt und angenehm geweſen, drum 
nahet fich dieſelbe zudem Thron einer Welt⸗ 
geprieſenen Königin, welche mit: Grunde 
der Wahrheit ein Troſt des Saͤchſiſchen Zions, 


and eine Augen⸗Luſt der gantzen Evangeli- 
ſchen Kirche muß genennet werden. Aus dem 


geoffenbarten Worte GOttes iſt gegenwaͤrti⸗ 
ges Buch zuſammen getragen, drum will es 
daſelbſt aufgehoben ſeyn, wo man das Wort 
des Allerhoͤchſten hoͤher als Gold und Perlen 
ſchaͤtzet. Aus dem Garten des HErrn ſind 
dieſe gottſeligen Gedancken, als ſchoͤne und 

wohl⸗ 





wohlriechende Blumen zufammen gelefen, 
und aus denenfelben find diefe Glaubens⸗ und 
Tugend⸗Kraͤntze gemwunden; Drum fuchen fie 
den Ort im Saͤchſiſchen Luft- Gefilde, 
wo eine Hocherhabene Braut CHriſti 
mit folchen Blumen erquicet, und mit Aepf- 
feln der himmliſchen Güter gelabet wird. Das 
wahre Chriſtenthum wird auf diefen 
Dlättern abgebildet, und die lebendige Krafft 
will in einem auserlefenen Erempel erfennet 
ſeyn: Alſo beziehet es ſich auf eine groſſe 
Koͤnigin, deren wahres Chriſtenthum 
dem gantzen Lande, ſo viel tauſend Untertha⸗ 
nen, ſo viel tauſend andern Chriſten in die Au⸗ 
gen und in das Hertze leuchtet. Eben dieſes 
Chriſtenthum nennet den Namen einer von 
Gott auserwehlten Chriſtianen, weil Sie 
CHriſti Sinn hat, und den Namen mit der 
That vortrefflich beweiſt. 
Wir finden Ihr Bild in dieſem Buche, 
und das Buch ſelbſt in Ihrem Bilde. 
Der Kuͤnſtler hat die Aehnlichkeit im Portrait 
kaum fo wohl treffen koͤnnen, als dieſes Bud) 
Sie ſelbſt, ohne Ihren Namen zu nennen, 
ſtillſchweigend vorftellet. Das Original 
aber übertrifft mit [einer Schönheit das un 
5 un 


und in der Tugend wird eine lebendige Probe 


des wahren Ehriftentbums abgeleget. Die 


Pflicht und die gute Meynungdes Berleners 


ift zwar bemuͤhet geweſen, zu denen erleuchtes 
ten Gedancken des vorfrefflichen Aucoris auch 
ein lichtes Papier, und zu dem fchönen Inhalt 
des Buches reine Buchftaben zu verfchaffen: 
Allein die vornehmfte Schönheit berubef in 
dem Bilde einer unvergleichlichen Köni- 
Hin, Deren Angeficht ift wie eines Engels 
Angeficht, weil das Englifche Wefen auch) in 
der Auflerlichen Mine und Geftalt ausbre- 
hen will. 


So iſt auch E. Majeſtaͤt holder Rame 
denen Unterthanen im Lande, und den Voͤl⸗ 
ckern auſſer dem Lande gar zu angenehm. 
Wenn Fremde Dero hohen Ramen 
nennen, ſo haben ſie einen Begriff von einer 
Koͤnigin, deren Tugend- Ruhm durch gang 


Europa fidy ausgebreitet hat, und fie denden, 
an eine Kürftin, die fich mit ihrer Trefflichkeit 
über allen Preiß geſchwungen hat. Wennaber 


die getreuen Unterthanen dieſen Namen 
ausfprechen, oder auch Denſelben nur nen: 
nen hören, fo ift ihnen dag eine£ofung, welche 
‚macht, daß alle Hergen vor Veneration und 
Liebe zerſchmeltzen. Ja die Hergen, welche 


mit 


mit dem Himmel verbunden find, hören einen 
Namen, vondem fie wiſſen, daß er im Himmel 
angefchrieben ift, und es wird vielleicht ohne‘ 
Bewegung nicht abgehen, wenn einem Buche, 
das die Kinder GOttes allezeit geliebet haben, 
fo ein auserfvehlter Name gleich an der 
Stirne gefchrieben ſtehet. 

E. Koͤnigl. Majeftät erlauben dannen- 
hero allergnädigft, daß Dero Bild und 
Namen , dem groſſen GOtt zu Ehren, den 
getreueſten Unterthanen zu Liebe, den From⸗ 
men zur Erbauung, denen Unbekehrten zur 
Beſſerung, diefem werthen und beliebten Bu⸗ 
che eine neue Zierde geben darff. 


Das wahre Ehriftenthum wird von allen 
erfodert, und die Richtſchnur ift fo vollkom⸗ 
men, daß mir auffer derfelben meiter nichts 
verlangen dürffen. Allein die menfchliche 
Schwachheit verlanget offt etwas, fo Die aͤuß 
ferlichen Sinne zugleich vergnügen Fan, und fie 
wuͤnſchet eine augenfcheinliche Probe, wodurch 
das Gemuͤthe foll gewonnen werden. Wo der 

urpur den Thron bedecket, da wird die aröfte 

lugheit gefucyet; mo die Majeſtaͤt aus dem 
Gefichte ftrabiet, da wollen die Menfchen aud) 
einen Verſtand von tieffern Einfehen ange: 
troffen haben; und mas der Königliche Hu! 
su 


su thun gewohnet ift, das wird gemeiniglich 
von dem Volcke nachgethan. Dmas vor ein 
hoher Gottesdienft Fan in Königlichen Pallaͤ⸗ 
fien verrichtet werden! menn dag gegebene ' 
Erempel nicht ſowol in einer elenden Eitelkeit, 
als vielmehr in der edlen Sottfeligfeitbeftehet. 
Nun die Göttliche Fürfehung bat das werthe 
Sachſen⸗Land fo glückielig gemachet, daß e8 
ſich einer Königin rühmen fan, welche nicht 
nur an irdifcher Herrlichkeit einen Uberfluß 
hat, ſondern auch das unfchägbare Kleinod der 
‚rechten Klugheit befiget, und aller Welt ein 
vollfommenes Ebenbild der wahren Got: 
fesfurcht zu erkennen giebet. Wer unfere 
allerdurchlauchtigſte Königin ſiehet, 
der ſiehet lauter Ehre GOttes und lauter wah— 
res Chriſtenthum. Ihr Glaube uͤberwindet 
die Welt, und machet Sie zu einer Königin des 
Himmels. Ihre Liebe und Leutſeligkeit be— 
muͤhet ſich demſelben aͤhnlich zu ſeyn, der die 
Liebe ſelber iſt. Ihre Hoffnung ift ſeliger, als 
alle Gluͤckſeligkeit auf Erden, groͤſſer, als alles 
Creutz, womit auch die Geſalbten des HErrn 
nicht verfchonet werden. Ihr inbrünftiges 
Gebet ift eine unübermindliche Seftung. Ihre 
unübermindliche Gottesfurcht unfer König: 
ſtein. Und wenn Sie das Land der Göttli- 
chen Gnade befichlet, fo Eönnen Ihre Seuffzer 
mehr 


mehr ausrichten, als die formidableften 
Armeen. Sie betrachtet fi) als cine Maje⸗ 
ftät, und doch) als eine Linterthanin, welche 
die Majeſtaͤt im Himmel anzubeten verbun- 
den iſt; Sie ermeifet fich als eine groſſe Köni- 
gin, und zugleich als eine liebreiche Mutter im 
Bande, 
Großmaͤchtigſte Königin, alfo wird 
von E. Majeſtaͤt der Göttliche Name ger 
ehret, das Volck geliebet, und alle werden zur 
ſchoͤnſten Rachfolge angelocket. Je höher, als 
E. Majeſtaͤt von GOtt gefeget find, ie mehr 
muß das Göttliche Leben, das Sie führen, in 
die Augen fallen, gleichwie eine Stadt,die auf 
einen hohen Berg gebauet ift. Alſo leuchtet 
Dero Licht vor den Leuten, daß fie die guten 
Wercke fehen, und den Vater im Himmel preis 
fen. Da fehen die Unterthanen, daß nichts 
‚in der. Welt das höchfte Gut ift, wenn 
die Königin ſelbſt was hoͤhers verlanget, die 
doch in der Welt den hoͤchſten Grad der zeitli⸗ 
chen Gluͤckſeligkeit erreichet hat. Und wie viel 
tauſend fromme Seelen werden durch dieſes 
Koͤnigliche Beyſpiel ermuntert, auf dem Him⸗ 
mels⸗Wege beſtaͤndig fortzugehen, weil ihnen 
auf demſelben ihre Koͤnigin vorgehet. Hin⸗ 
gegen werden diejenigen beſchaͤmet, welche das 
* Chri⸗ 


Chriſtenihum nur dem geringen Poͤbel⸗Volck 
überlaffen wollen, da doc) die Hohen in.der 
Melt nirgendsmwo, als nur in Ehrifto die wah⸗ 
re Ruhe vor ihre Seele findenfönnen. Ja,ſo 
muͤſſen die Welt-gefinnten Leute mit Schan⸗ 
den beftehen, welche ſich aliegeit mit der Lin: 
moͤglichkeit entſchuldigen, wenn fieden grofien 
GoOtt von ganzem Hergen und von gantzer 
Seelelieben follen. Unſere Großmaͤchtigſte 
Königin machet fiezufchanden, unſere Ko- 
Nigin,dieeine Fuͤrſtin nach dem Hergen GOt⸗ 
tes iſt. Was ein hocherleuchteter Theologus 
mit grofem Nachdruck vom wahren Ehriften- 
thum allbie gefchrieben bat, da8 wird von einer 
allerdurchlauchtigſten Koͤnigin im ſchoͤn⸗ 
ſten Grade der Vollkommenheit ausgeuͤbet. 
Das Bild und der Name des Verfaſſers er: 
oͤffnet uns den Namen und den Inhalt des 
Buches. Das Bild aber und der Name 
E.Koͤnigl. Majeſtaͤt, führer ung gleichſam 
in das innerſte Heiligthum deſſelben. Wir ſte⸗ 
hen bey uns an, ob die Schrifft des Mannes 
GOttes, oder das Leben einer jo himmliſch⸗ 


geſinneten Königin am meiften zur Buſſe 
bewegen Fan; ob die fchönfte Glaubens und 
Tugend Lehre von der Eangel oder von dem 
Königlichen Thron gegeben wird, ö 

d 


So viel ift gewiß, daß dieſes Bud) eine 
Königliche Prorektion ſich verfpricht, ja eine 
Königliche Protection wider den eiffrigen 
Mißverſtand, der bey unterfchiedenen Ne: 
dens- Arten bat entftehen wollen, damit ein 
allzu hartes Verfahren in Sanfftmuth und 
Gelindigfeit möchte verwandelt, und die gute 
Meynung nicht allenthalben nach den Wor⸗ 
en, jondern die Worte nach einer gufen Miey- 
nung möchten ausgeleget werden. 


Und in diefen allergnädigften Schuß 
perlanget auch der allerunterrbänigfte Verle⸗ 

ger Die RE Buchs genommen zu werden, er bit⸗ 
tet um E. Majeftät Königliche Huld und 
Gnade in demuthigfter Submiffion, und wuͤn⸗ 
ſchet, Daß der HErr, der arofle Beichüger aller 
Königeihen Häupter, E, Majeſtaͤt Schi 
und fehr groffer Lohn ſeyn möge. Der HErr er⸗ 
höre Dero geheitigte Perfon, wenn Sie 
Dero eigene und des Eandes Wohlfahrt dem 
Himmel vortragen, daß Guͤte und Treue einan« 
der begegnen, Gerechtigkeit und Friede ſich kuͤſ⸗ 

fen. Er ſetze E. Koͤnigl. Majeſtaͤt zum Se- 
gen ewiglich und erfreue Sie mitFreuden feines 

Antlitzes. Das Gluͤck Dero hohen Hauſes 

muͤſſe ſeyn, wie die Sonne aufgehet in ihrer 

Macht, 


. Macht, und die Zufriedenheit ihrer Seelen, | 

fie der Thau aus der Morgenröthe. | 

Gott, der einem Könige langes Leben giebt, | 
der gebe es auch unferer allergnädigiten 


Königin, zum Troft der Unterthanen, zur 
Freude der Frommen. Ja ergebe Ihr langes 
geben a Dergnügen vieler Hertzen, welche 
niemals glüclicher leben Eönnen, als wenn fie 
unter einer ſo gottſeligen Königin fterben 
füllen. Und in diefer Zahl wird mit unver 
wandter Treue und kieffiter Devorion Lebens 
lang verharren | 


Fllerdurchlauchtigſte, Groß—⸗ 


maͤchtigſte Königin und Chur— 


Fuͤrſtin, 
Fllergnaͤdigſte Grau, 
E. Koͤnigl. Majeſtaͤt 


allerunterthaͤnigſt⸗gehorſamſter 
Knecht, 


Dir Derleger, 


BE) ol ER 


Erklaͤrung des Haupt⸗ und Titel⸗Kupffers. | 


er ift aufder erſten Geiter, zu fehen das Bildniß des fel. Arnds. 2. Wird über 
“ — praͤſentiret die ewige Himmels⸗ Freude, welche in dem ſel. er ng 
gobe desdreyeinigen GOttes beftchet, und von den heil. Engeln, ſamt allen andern 
iligen und Gläubigen, feliglich genoffeu wird. 3. Auf der rechten Geite wird abge: 
bildet, wie glaͤubige Chriſten durch ein rechtfchaffenes aläubiges Ehriktenthununter 
vielem Creutz den Himmels⸗Berg hinan Elettern und ſteigen 4. Aufder lincken Sei⸗ 
ten aber wird vorgeſtellet, wie der Teufel und ſeine Engel von dem Ertz⸗ Engel Nichael 
aus dem Himmel geſtoſſen und verworffen werden, Offenb. Joh. 12. v. 8.9. Und wie 
die Teufel die Gottloſen mit ſich in den Abgrund der ale ſtuͤrzen 5. Wird unten 
deutlich gezeiget die Belohnung ſowol der gläubigen Ehriften, als auch der Heuchler 
und Unchriften, denn diejenigen,welche ein rechtfchaffenesChriftenthum im&lauben 
geführet, werden zur Rechten von einem Engel mit derCrone des Lebens oder derße- 
sehtigkeit gecrönet,und indenDimmel eingeführet ; Dielnchrüten aber und Heuch- 
jer welche ein fleifchliches wollufiges Leben in dieſer Welt geführet,dergleichen find 
° Hurer, Ungüchtige, Säuffer, Spieler, Zäneker, Geitzige 2e. die werden von dem Teuz 
Imit dem feurigen Schwefel⸗Krantz gerronet, und dem ewigen Feuer zugeführet 
= Auf derandern Seite ift zu finden die Gefihicht, welche im 1.3. Sam, 17. be: 
ſchrieben wird, wie nemlich der Eleine David mit dem groſſen Niefen Goliath ae- 
fteitten, und ihr mit einer Schleuder überwunden und getodtet. Damit wird ab: 
gebildet, daß das falſche Chriſtent hum in der Weit nur auſſerlich znsar ein groffeg 
Anfehen hat, nicht anders als ein groffer Niefe, dennoch aber von dem wahren 
Ehriftenthum, fo in und vor der Welt klein und verächtlich iſt, nie ein Kleiner 
Knabe, mit der Schleuder der Soͤttlichen Wahrheit, des Glaubens und der Liehe 
überwunden und über den Hauffen geſchmiſſen wird. 





1. Corinth. T. v. 20. 

- Wo find Die Alugen? Wo find Die Schrifftgelehreen? Wo find 
die Weltweifen? Ast nicht GOtt Die Weisheit diefer Welt 
zur Thorheit gemacht? 

| 1. Corinth. 10. v. 4. 5. 

Die Waffen unferer Ritterſchafft find nicht fletfehlich, fondern 
— ——— nn gen. Damit 
wir verſtoͤren Die Anfchläge und alle Aöhe, die ſich erhebet 
wider des Erkaͤnntniß GOttes. Sm taljebe 


His Volck an Hertz und Ohren unbefchnitten 
Sitzt mitten in der Chriſtenheit, 
Und lieget wider Ffrael, 
Dem fein GOtt feine Sitten 
Und Rechte Sonnenchell 
Ins Herge ſchrieb, zu Felde iederzeit. 
Das falſche Chriſtenthum, drauf dieſer Hauffe ſich 
a Gantz troßiglich 
Verläft und fieurt, gleich einem Riefen, 
Wird mit Verwunderung von iedermann 
Angefehn und hoch geprieſen, 
Und was e8 thut, ift wohl gethan. 
Es Breiter fich, führe Schwerdt und Spieß, und tritt bereit 
Mir Centner⸗ſchweren Schrirten 
4 


Pr 


Und 


E)ol 


Und uͤbermachtem Pracht und Schein, 
Es haucher Blut und Brand; 
Und wenn die mörderifche Hand 
Nicht zureicht, würgt es mit der Zungen, 
Und ſchaͤumet Spott und Hohn, und bittre Lälterungen, 
Hingegen hat das wahre Chriftenehum 
Gar fchlechted Anfehn, fhlechten Ruhm 
Bey der verfehrten Welt, 
Dienur auf das, was hoch und praͤchtig hält, 
Es ift in fein und fremden Augen Plein, 
Gleich einem zarten Anaben, 
Zu Schwerdt und Harnifch ungefchickt, 
Eutbloͤſt von äufferlichen Gaben, 
Bon Freund und Feind verachtet und gedruͤckt 
Es kaͤmpfft auch nicht aus eigenen Gerriche, 
- Beſondern durch des Geiftes Kraft; 
Daß ſchlechte Wort, und Glaub und Liebe, 
Das find die Waffen feiner Nitterichafft. 
Darum, obgleich dag übertüncte Weſen 
Zu diefer Gnadenzleeren Zeit 
Das Haupt empor trägt, fchnarcht und pocht, 
Und der geringen Schaar, die GOtt von Ewigkeit 
Zu feinem Erbtheil auserlefen, 
Beſchaͤmung und Verderben fucht: 
So mag es ihm doch nicht gelingen. 
Die Wahrheit muß beftchn, 
Ohn allen Fleiſches⸗ Arm den Sieg erringen, 
Gekrönet von dem KampffsPlag gehn. 
O fichre Welt, wenn wilt du diß erkennen 
Und legen den verdammten Srrfal ab? 
Du ſieheſt ja dag Licht der Gnaden brennen: 
Wie lange foll dag faule Suͤnden⸗Grab 
Dir Leben und Gefühl entwenden ? 
Wie lange dich die Finfterniß verblenden ? 
Steh auf! die Fackel träger Dir 
Der theure Arndt aus GOttes Worte für, 
Der theure Arndt, der auch die fcharff geftälten Pfeil 
Des Lafterers genug empfinden, 
Und dennoch ainverletzt in Chriſto, feinem Heil, 
Durch eben diefe Schmach und Leiden überivunden. 
Dem folge nach, fo wirft auch du 
- Den Weg zur wahren Ruh 
Und Seligkeit, von EOtt geleitet, finden, 
Und endlich fiegreich überwinden. 


a )ol 
Chriſt⸗ 




















SITZ 
ITGEERN 
I LUZZOR Y))) 





1Asder meifte Hauffe der heutigen Chri⸗ 
ſtenheit, die aus GOttes Worte weiß, 
daß nach dem Tode,öchlen Stunde un- 
gewiß it, a) ein Bericht vorhanden, 
| vor weiches fie werde geftellet werden, 
| und empfaben b) nachdem fie ge- 
handelt habe bey Keibes 2 eben, es fey gut oder 
böfe; doch wandelrwie die HGeyden c) vormalenge- 
wandelt in der Eitelkeit ihres Sinnesbey verfin- 
ſtertem Verſtande entfremdet von dem Leben, 
Das aus GOtt iſt/ in Unwiſſenheit und Blind⸗ 
beit des Hertzens iſt ruchlos, ergiebet fich Der 
Unzucht, treibet allerley Unreinigkeit ſamt dem 
Bag; anderer Gerechtigkeit d) aber nicht beſſer 
iſt als der Schrifftgelehrten und Pharifäer, 
welche wie die uͤbertůnchte e) Graͤber auswendig 
huͤbſch fheinen, aber inwendig voller dencheley und 
Untugend find; deffen ift nicht eine geringe Mit- 
Urſach daß fie Chriſtum ſo gelernet, f)als in dem 
Fein rechtfchaffen Weſen iſt, der ihnen wird dag 
Himmelreich geben, wenn fienur Herr HErr Dfa- 
gen ob fie gleich nicht thun den Willen des Vaters 
im Himmel. Die Heil. Schrifft, das ungezweifelte 
az | ort 
a) Hebr. 9,27. b) 2.Cor.5, ro. c) Eph. 4,17.18.19. d) Matth. 5,20, 

e) Matıh.23,27.28. { ) Epb. 4, 20, 2. g) Masıh. 7, 28. 


Vorrede. 


Wort GOttes, Ichret uns EHriftum fo, daßer ger | 
macht babe die Reinigung 3) unferer Sünden | 


durch ſich ſelbſt und eineewige b) Erloͤſung er⸗ 
funden durch welche c) wir gerecht werden ohn 
unſer Verdienſt, und ohne die Wercke des Geſetzes; 
ſintemal GOtt den. d) der von keiner Sůnde wu⸗ 
Re, für uns zur Suͤnde gemacht, auf Daß wir 
wuͤrden in Ihm dießerechtigkeit, dievor@®trt 
gilt. Sie giebt aber durch dieſe heilige und troſtliche 
LTehre dem Fleiſche ©) nicht Raum, nach eigenem 
Willen zuleben, ſondern Paulus, der eiferige Glau⸗ 


bens⸗Lehrer / lehret uns EHriftumfo,daßunferalter 


Menſch ) ſamt ihme gecreugigerfey,aufdaßder 
ak eh anfböre, daß 53133 Sun⸗ 
den nicht dienen. Er lehret ung, fo iemand in 
Coriſto ift, o) ſo ſey er eine neue Creatur, (der h) 
nicht mehr nach dem Fleiſch, ſondern in CHriſto neu 
leben folle) der nernenert ı) wird zu der Erkaͤnnt⸗ 
niß / nach dem Ebenbilde deflen der ihn geſchaf⸗ 
fen bat 9 in CHriſto IEſu zu guten Wercken, 


daß er darinn wandeln ſolle und hinfort nicht ih⸗ 


me ſelbſt leben, fondern Demme, |) der für ihn ge⸗ 
ſtorben und auferſtanden iſt. Er lehret uns CHri⸗ 
ſtum ſo, der ſich m) ſelbſt fuͤrunſere Suͤnde dahin 
gegeben, daß er uns errette von dieſer gegen⸗ 
wärtigenargen!Delt,dag iſt von Augen⸗ Luſt, 
Fleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtigem Leben; und 
werden wirtheitbafftig dieſer Erloſung, oder geſchicht 
(mie Lutherus 0) uͤber Dielen Tert ſchreibet) die Erlo⸗ 


fung, wenn die Seele flirbet und geereutziget wird der 


Welt, 
a) Hebr. q. b) Hebr. % 12) c) Rom. 3, 24. d) 2.Cor. 5; 21. 
e) Gal.5,13. f) Rom.6, 6. g) 2. Cor.5, ı7. h) Zub: T. 3. 
Ali.p 827. i) Col. 3,10. k)Eph. 2, 10. 1)2.Cer,5, 15. 

m) Gal, 1,4. n)ı. Job.2,16. 0) T.r. Alt. p. 156. 137. 


% 


Vorrede. - 


Melt das ift, denen boͤſen Wolluͤſten und Begierden, 
die denn ſeyn imFleiſche aller Menſchen. So dich denn 
nun CHriſtus erloͤſet von der argen Welt, ſo hat er 
dich von dir ſelbſt erloſet, als von deinem allerargſten 
Feinde, (Denn die CAriftum angehören, a) die 
creutzigen ihr Sleifch famt den Lüften und Be⸗ 
- gierden, verleugnen b)fich ſelbſt und folgen ihme 
nah.) Erichrer unse Hritum fd, der fich ſelbſt 
füruns gegeben auf daß er ung erlöfete c) von 
aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm felbee 
ein Dold zum Kigenthum, das fleißig wäre 
zu guten Werden. d) Denn die Stınde thut 
zwern Schaden: den erflen, daß fie ung gefangen 
nimmet, daß wir nichts Gutes thım, noch erken⸗ 
nen, noch wollen, nod mögen, beraubet uns alfo 
der Freyheit des Lichts und Der Krafft. Dar- 
aus folgst fo bald der andere, dag wir, pom Gu⸗ 
ten alſo verlaſſen, nichts denn eitel Sünde und 
Unreinesmüffen würden, und den hoͤlliſchen Pha⸗ 
rao fein Land zu Egypten bauen, mit faurer ſchwe⸗ 
rer Arbeit, Wenn nun EHrifus kommet durch 
den Glauben, fo erlöfer er ung von den Gefüng- 
niß Eghpti, machet uns frey, giebt Arafft Gu⸗ 
tee zu thun; das iſt der erſte Gewinn. Darnach 
iſt die ganse Ubung unſers Lebens, dag wir die Un⸗ 
gerechtigkeit des gnadloſen weltlichen Weſens ausfe- 
a Leib und Seel daß diß gantze Leben big in den 
od ſey nichts anders denn eine Reinigung. Denn 
der Glaube, ob er uns wol erloͤſet auf einmalvon aller 
Schuld des Geſetzes, und machet uns frey; ſo bleiben 
dennoch irbrig boſe Neigungen im Leib und Seele, 
gleichwie der Stanck md Kranckheit vom Gefaͤ nr 
| 0 niß; 
 2)Gal.5,24. b) Matth.6, 24. ©) Vit. 2,14. d) Lach. Kirchen: 
Poſtill. pag: zu. | 


Vorrede. 


RER UNO nr — 
niß; damit arbeitet fid) der Glaube , alles gang zu 
reinigen, gleichwie im Evangelio ob, 1. v. 43. 44. 
azarus ward miteiner Stimme vom Tode erwe⸗ 
efet, aber das Todten⸗Tuch und Bindel muſte man 
darnach auch abthun. Lind der halb todte Menſch/ 
den der Samaxitan verband und heimbrachte, muſte 
im Stall eine Weile liegen und gang geſund werden. 
Erschretunse Hriftum fo, o der die Gerechtigkeit 
vom Geſetz erfordert inungerfüller, das ift, deſſen 
Gerechtigkeit b) uns zugerechnet wird, daß wir 
Dadurch fo gerecht werden für GOtt, als haͤtten wir 
alles, was das Sefegerfodert, vollkommlich geleifter ; 
aber zeiger auch darneben, daß ſich dieſes Troſtes nur 
anzumaffen haben, die nun nicht nach dem Fleiſch 
wandeln fondernnach dem Geiſt / das ift, dieſeni⸗ 
gen, die zwar noch Steifh und Blur an fic fragen, 
und deffen Neigungen fühlen, aber nicht geborfam 
find dee Sünden in ihren Lüften, H nadıdeni 
fie abgewafchen:. d) gebeiliget und gerecht wor- 
Den Durch den Llamıen des HErrn JEſu und 
durch Den Geiſt ıbres GOttes. Sumima, die 
gantze Heil. Schrifft weiß nichts von ſolchem EHrifto, 
der unter dem Purpur- Mantel feines Verdienſts 
unbußfertige Sünder bidecke, und ung Freyheit 
gebe, nach eigenem Willen zu leben: Sie lehret aber 
EHriftum einhellig fo, Der dazu erſchienen daß 
er e) die Wercke des Teufels in uns zerſtoͤre, 
deſſen Blue) unfere Gewiſſen reinige von den 
todten Werden, zu Dienen dem lebendigen 
GOtt, welchen wer da bat, der babe 2) das Le⸗ 
ben und bleibe nicht mehr todt h) durch Ubertre⸗ 
sung u. Suůůnde ſondern werde ſamt ihm — 
ig 

a) Rom. $, 4. b) Rom. 4,6. €) Rom.6, 12, ) 1.Gor. 6,11. e)r.Job. 

318. f) Hebr. 9,14. g)r. Joh.5,ı2. h) Epb.2,1.5.6. 


| Vorrede. 

dig gemacht , und ſamt ihm auferwecket von den 
Todtena) im neuen Leben zu wandeln in Ari 
ſio IEſu. Wenn denn der groſſeſte Hauffe derer, 
die ſich Chriſten nennen, dienet der Suͤnden, nicht 
begehret erneuert zu werden im Geiſt b) des Ge⸗ 
muthes/ und den neuen Menſchen anzuziehen, 
der nach GOtt geſchaffen ift in rechtſchaffener 
Gerechtigkeit und Heiligkeit, fondern bleibet bey 
dem vorigen Wandel nach dem alten Menſchen/ 
der durch Luͤſte in Irrthumſich verderbet iſt c) 
fleiſchlich gefinner,<) lieber die Welt/ und laͤſſet in 
inn herrſchen Augen⸗ Luſt/ Fleiſches⸗Luſt und 
hoffaͤrtiges Leben, ©) wandelt in allen Stuͤcken 
nad) dem X auff dieſer Welt, obgleich nicht in allen 
groben Laftern, doch in einem fleiſchlichen Sinn und 
entfremdet vondem Leben/ das aus GOtt iſt; 
dabey aber ſich ohne Buſſe, die aus ihren rechtſchaffe⸗ 
nen Fruͤchten f)erkanne wird, der Bergebung der 
Suͤnden Gnade GOttes und deg ewigen Lebens ge⸗ 
troͤſtet, weil CHriſtus geſtorben iſt, und fie diß Wort 
des Evangelii hoͤren, auch der Sacramenten ſich be⸗ 
dienen: So kan es ja nicht anders ſeyn, die meiſten 
in der Chriſtenheit machen ihnen einen falſchen, hal⸗ 
ben, getheilten CHriſtum, welches auch eine falſche 
Seligkeit ſetzen wird, wo ſie nicht in der Gnaden⸗Zeit 

nüchtern werden aus ſolchem Stricke des Satans, 
Aus diefem falfhen Grunde entſtehet denn fer- 
ner, daß man die Lehrevon der Nachfolge CHri⸗ 
ſti, und erneuert g) zu werden nach deffen Hilde, 
wie auch die Lehre, daß der h) innerliche Menſch 
von Tagezu Tage muß erneuert werden, theils 
als uͤbernuͤßig und unnoͤthig / theils — —— 

* thei 
a) Rom. 6,24.b) Eph. 4, 22. j. 24. c) Rom. 8,7. d)1. Job.2,15. 

e) Epb. 2. 1. f) Matth. 3,8. g) Col. 3,10. h) 2. Cor. 4,16. 


Vorrede. 


— TE RE ET Du Fl 
theils als irrig ausſchreyet; da doch, was die Noth⸗ 
wendigkeit betrifft, unſer Heyland ausdruͤcklich 
ausſaget, es konnea)nicht fein Jünger ſeyn der ibm 
nicht nachfolget und Petrus es habeCHriſtus der 
HErr uns ein Fuͤrbild gelaſſen daß wir ſollen 
b) nachfolgen nen Fußſtapffen. EHrili Bild 
muß inunsanfangen aufgerichtet zu werden, c) und 
muͤſſen wir verElsret werden in daſſelbe Bilde wo 
wir Kinder GOttes ſeyn und bleiben wollen, Davon 
d) Lutherus fein fihreiber uber die Wortes _e) Wie 
wir getragen haben Das Bild des er fo 
werden wit auchtragendas Bild des Himmli- 
fchen: Das himmliſche Bid iſt EHriftus, der war 
ein Menſch voll Liebe, Barmhertzigkeit und Gnade, 
Demuch, Gedult, Weisheit, Licht und alles Gutes, 
alſo, daß all fein Weſen dahin gerichtet war, daß 
er iederman dienete und niemand ſchaͤdlich wäre. 
DE Bilde müffen wir aud tragen, und ihme gleich⸗ 
foͤrmig werden. In das Bilde gehoͤret auch, wieer 
geſtorben iſt und re hat, und alles, was an ihme 
iſt, ſeine Auferſtehung, Reben, Gnade, Tugend, iſt al⸗ 
les dahin gerichtet, daß wir daſſelbe Bild auch anzie⸗ 
hen. Der Art ſind nun alle himmliſche Menſchen, 
das iſt, alle Glaͤubigen. Was aber die Moͤglichkeit 
anlanget, koͤmmt dieſelbe nicht von ung. fondern von 
CHriſto/welcher geprediget wird ) Goͤttl Area, 
 Dderdie Glaͤubigen maͤchtig machet / daß ſie in 
me alles vermoͤgen, welcher auf glaͤubiges Anhal⸗ 
ten Krafft giebet d) ſtarck zu werden durch feinen 
Geiſt an dem inwendigen Menſchen: Welches 
dennoch nicht die Meynung hat, als ob wir ChHriſto 
nachfolgen ſolten in Wunder thun; i) denn, wi 
te 
a) Zue.14,27.b) 1. Per.2, 21.c) 2.Cor.3,18:.d)T.4.Alt:p.13. ©) 1.Cor, 
4349. f)1.Cor. 1,24. g) Phil. 4,13. h) Epb.3, 16. i) Job. 5, 36. 


Porrede, 


diefelben folten zengemdaB ihn der Dater geſandt 
babe, werden ſie von uns nicht erheiſchet, gleichwie 
wir aud in folder Bollfommenheit ihme, der mit 
dem a) Bel der Freuden gefalbet if, mehr denn 
ſeme Geſellen nicht konnen nadhfolgen, wie er vorge⸗ 
angen iſt, ob wol zwiſchen ihme und uns eine Aehn⸗ 
lichkeit ſeyn muß,und ſolte ſie auch nur ſeyn, wie unter 
er Sonnen, und einem angezuͤndeten Strohhalm, 
welche uͤbereinkommen daß fie beyde Licht und Waͤr⸗ 
18, iedes nach feiner Maaß, geben. Denen Gottes⸗ 
J—— die die Lehre des — Geiſtes vom inn⸗ 
wendigen Menſchen wenn dieſelbe in dem Verſtande 
der H. Schrifft getrieben wird, daß nemlich der nicht 
einEhriftfey,b)der auswendig ein Chriſt ift, und 
die Handlungen mit begeber,diewahre Chriſten nach 
GOttes Wort auch thin, fondern der ſey ein Chriſt, 
der innwendig verborgen if, CHriſtum und dag 
Reich GOttes/ Gerechtigkeit, Friede und 
Freude in dem %. Beift, d) inwendig in ihme 
e) wohnend und herrfihend habe, ꝛc. Tältern, Dem 
Fr Geift feine Nedens- Arten reformiren, dariiber 
oͤtteln, und wohlgar mit Paulo zuͤrnen, daß er des 
innwendigen Menſchen etliche mahl gedencket, denen 
ſolte billig der Hencker antworten, und die verfluchte 
Laͤſter⸗Zunge zuͤchtigen. Wahre Kinder EOttes 
wiſſen aus der Lehre ihres Herrn, ) daß der nicht 
rein ſey, Der auswendig rein iſt und daß Die 
Erneuerung / die der Heil. Geiſt in denen Glaubi- 
n wuͤrcket, nicht fen LIbertünchung eines Todten⸗ 
-abes, da der im Hersen verborgene Suͤnden— 
uff unter einem feinen Schein bedecket werde, 
ſondern daß fie geſchehe DO im Geiſt unfers Ge⸗ 
. 6 muͤthes, 
a) Pfi 45, 8..b) Rom. 2, 28.29. c) Rom. 14, 17. d) Eph. 3, i7. 
e) Luc, 17, 21, f) Luc. 11, 40. g) Eph. 4 233. 


Vorrede. 

můthes, und Daß der alte Menſch nicht mit einer 
feinen ſaubern Larve gezieret, fondern a)abgeleget, 
gecreutziget/ getödtet, begraben werden muͤſſe; 
daß der Heil, Geiſt die Hergen zu vor reinige durch 
den Glauben, b) welder iſt dee Sieg der die 
Melt überwindet, hernach fortfahre in der c) Gei⸗ 
ligung und heilige die Gläubigen d) durch und 
dũrch daß ihr Beift ganız ſamt der Seele und 
Leib behalten werden unjträfflich auf Die Zu- 
kunfft unſers HErrn IEſu Coriſti. 

Aus obgedachtem Grunde, daß man lernet einen 
CHriſtum, in dem fein rechtſchaffen Weſen iſt, ent⸗ 
ſpringet ferner, daß man die Lehre von der Gottſelig⸗ 
keit achtet zu ſeyn eine ldeam eines Dinges, das nicht 
practicabel; wie menſchliche Gemuͤther viele Sachen 
fpeculiren, die nie zum Efſect kommen, oder kommen 
koͤnnen; Alſo ſey auch e)die Lehre vonder Gott⸗ 
ſeligkeit eine Idea und Speculation zwar wohlmey⸗ 
nender Gemuͤther, die aber dabey ſo ſchwachen Ver⸗ 
ſtandes ſind, daß ſie nicht erkennen, weil wir doch mit 
einem Heil. Leben die Seligkeit nicht verdienen kon⸗ 
nen, Chriſtus auch das Geſetze fuͤr ung erfuͤllet, da⸗ 
zu die Ubung der Gottſeligkeit, wie ſelbige der Heil. 
Geiſt erheiſchet, unmöglich ſey ſo muͤſſe man die Men- 
ſchen nicht berruben mit Auflegung einer unnoͤthi⸗ 
gen,uberflüßigen unmöglicen Bürde, ſondern ſo zu⸗ 
frieden feyn, wenn ſie aufs hoͤchſte nad) Arikorelis 
Ethica leben, und dabey die Hiftoriam von CHriſto 
wiffen, auch in dem Wahn ſtehen, es habe nun ferner 
feine Noth mit ihnen, Diß iſt die feine Erfindun 
etlicher, die hierdurch den alten Adam in ihnen ſelb 
und andern bey Leben und Krafft erhalten, von jpg | 

| er, | 

a) Rom. 6, 4. 6..b) Apoft. Geſch. 15.0.5. Du. Pas.u4 | 

d) 2. The]: x. V. 23. ©) 1. Tim. 6, 9.7. > 





Porrede, 


her, weil fie den Grunddes gangen Ehriftenthums 
übern Hauffen wirfft, wir billig fagen, daß fir aus 
einem im Grunde Atheiſtiſchen und teuffeliſchen Her⸗ 
gen herkomme. Diefelbigenunabzufertiaen, willic) 
nicht wiederholen, was kurtz ae von Nothwen⸗ 
digkeit der Nachrolge E-Hrifli, welches auch auf die- 
kn Punet zu applieiren iſt, gehandelt worden, fon- 
dern nur beweiſen, daß die Lehre von einem aus dem 
wahrenlebendigen Glauben flieffenden heiligen e- 
ben nicht eine bloffe Idea oder muͤßige unnuͤtze Specu- 
lationfey. Denn l. ſind die Principia oder Grund⸗ Leh⸗ 
ren, auf welche ein heilig Leben gegruͤndet iſt, nicht 
ſpeculativa, ſondern practica principia, das ift, ſolche 
ruͤnde, die nicht alleine im Gehirne zu betrachten, 
nderndieinder That befindlich find. Diefe Principia 
find: 1.Daß ein GOttſey, Jund denen, die ihn ſu⸗ 
den, ein Bergelter ſeyn werde. 2. Daß er feyein b) 
geiftliches, reines, heiliges Wefen, c) dem Eein gottlos 
Weſen gefalle, und erfordere, d) wir füllen heilig ſeyn, 
wie er heilig iſt; ©) maſſen ohne Heiligung ihn nie⸗ 
mand ſehen wird.zʒ. Daß Sunde ſey; Der Menſch 
durch dieſelbe aus Betrug des Teuffels und ſeines ei⸗ 
genen böfen Willen verderbet; auch die Stunde dag 
geöffefte bel, und alles Straff⸗Ubels Urſach ſey. 
Daß eine Erloͤſung fen aus denen Sünden, ge- 
eben £) Durch den Tod des eingebohrnen Sohnes 
Ottes, und felbige Erloͤſung nicht fruchtlos fin. 
5. Daß ein Blaube fen, Krafft deffen die Glaͤubigen 
dieferErlöfung wuͤrcklich theilhafftig werden, 6. Zaß 
eine Einwohnung / Regierung /Heiligung Er⸗ 
neuerung Des Heil. Weifier fey, welche den a. 
— 2 en 


2) Hebr. 1.0.6. b) Joh.4.9.24. c) Pf.5s.v.5. d) 3.9. Mof 
11.0,45, €) Hebr. 12.0.14. f) Efa. 53. ».1, 12. 


Vorrede, 


fen wahrhaftig andere und beſſert. 7. Daß ein 
Funfftiges Bericht, und darauf folgendes 3.ewi- 
geo Leben oder ewige Verdammuiß fin. Wer 
iefe und dergleichen Dinge für bloffe Speculationes 
und Meynungen halt, der ift ein offenbarer Atheiſt; 
Sind fie aber inder That alfo, fo Fan die Lehre vom 
heiligen Leben nicht als eine bloſſe gute Meynung 
angeſehen und verachtet werden. Denn iſt em 
GOtt und derſelbe ein geiftlich und heilig Weſen/ 
fo muß ihm im Beiftundin der Wahrheit, nicht mit 
dem Leibe allein, fondern auch mit dem Geiſte gedie⸗ 
net und geprieſen ſeyn. Iſt Suͤnde, und iſt dieſelbe 
das groͤſte Ubel, wie wahre Bußfertige MR gnug em⸗ 
pfinden, fo ſoll ja die natuͤrliche Eigenliebe in uns er⸗ 
wecken eine ernſtliche und hertzliche Furcht, und Be⸗ 
gierde, von dem groͤſſeſten Ubel los zu werden. Iſt eine 
Erloͤſung/ und dieſelbe durch den Glauben unter, ſo 
find die Jläubigen nicht mehr Änechte der Sůn⸗ 
den, davon fie losgemacht ſind; maſſen es ja mit ein⸗ 
ander ſtreitet, erloſet; und im Gefaͤngniß und Scla⸗ 
verey zu ſeyn; Denn b) die der Sohn frey machet/ 
die ſind recht frey. Iſt eine Erneuerung, Begie⸗ 
rung des 9. Beiftes, fo muͤſſen ja etliche Menſchen 
in der That im Geiſt ihres Gemuͤths erneuert und ſo⸗ 
thane Erneuerung nicht eine Wuͤrckung Fleiſches 
und Blutes, ſondern des 9. Geiſtes ſeyn; ſo muß ja 
der Geiſt GOttes etliche (nemlich die Knder GOttes 
treiben: Denn ſonſten ware keine Erneuerung, feine 
Heiligung, deren doch die Schrifft ſo offt gedencket. 
Daß auch das juͤngſte Gericht und die darauf fol⸗ 
gende Verdammniß etwas thaͤtliches, und nicht 
bloſſe Meynung oder Speculation ſey, Werden die 

Berächter zu feiner Zeit mit Angſt ccſahten P 
‚Ein 


a) Rom. 6». 2. 14. b) Jeb. 8. ». 34. 38. 


Vorrede. 

Ein Ding daß in bloſſer Speculation beſtehet, kan 
nicht zu Wercke gerichtet werden; die Lehre aber von 
der Gottſeligkeit wird deßwegen gelehret, daß, die da 
worden find, im Stande guter Wer⸗ 
de erfunden werden, ») damit fie nicht un⸗ 
fruchtbar find. Darum kan dieſelbe in die Ubung 
gebracht werden. Welches fo viel weniger zulaugnen 
ift, als offenbar find die herrlichen Yalffs-AMfıtrel, 
die hierinnen unferer Schwachheit auf heiffen. Wel⸗ 
che ſind: b) Chriſtus in uns der nie zu feinemTem- 
pel kommt, ) er reinige ihn denn. Der, wie Lu⸗ 
therusredet, in unfer Ders nicht blog und arm kommt, 
fondern mit ſich bringet fein Xeben, Geift und alles, 
was er ift und vermag. Derfeine Braurberrlich 
machet d) inwendig.e) Der uns von GOtt ge 
machtiftzur Heiligung. Der Geiſt EArifti der 
in f) denen Gläubigen, als in feinem Tempelwob- 
net,und denfelben heiliget. Der himmliſche Vater 
ſelbſt, der @) einen ieglichen Reben in CHriſto reini- 
get, dag er mehr Frucht bringe, . Die hochgelobte 
Dreyeinigkeit, h) dieda kommt zu denen glaubigen 
Licbbabern IEſu, und Wohnung bey ihnen machet. 
Hat nun das wenige Licht der Natur, das nach dem 
Fall im Menſchen übrig geblieben, oder gar Ehr⸗ 
ſucht, die Heyden koͤnnen zu einem tugendhafften 
Leben bewegen, mit welchem ſie viele ſogenannte 
Chriſten an i) jenem Tage beſchaͤmen werden, ſo 
waͤre ja eine Gotteslaͤſterung und eine k) Schms- 

ung des Beiftes der Bnade, zufagen: 1) EHri- 
us habe ſich zwar dahin gegeben, dag er feine Glaͤu⸗ 
3 bigen 
@) Tit,3.9.8.14: .b) Col.1.v.27. c) Mal.3.v.1.2. d) Pfal. 45. 
| V. 14. €) 1. Cor.1.0.30. f) 1.Cor.3. v.16. 17. g) Joh. 15. 
v. 2. h) Job, 14.v.23. i) Matth.ı2. 9.41.42. k) Hebr.ıo. 

v. 29. |) Eph.5.». 26. 


Vorrede. 


——, na 
bigen heilige, konne aber feine wahre Aeiligung in’ 
ihnen anfangen hie in dieſem Leben. Es ſey zwar a) 
des Heil. Geiſtes Amt, daß er (nicht allein auſſer⸗ 
lid) firefam mache, fondern) heilige, aber der Teu⸗ 
fel und die Suͤnde ſey ihm zu liſtig und mächtig, er 
Fonne in dieſem Leben nicht dazu gelangen, fein Amt 
zu thun und fen deswegen nicht ſein Ruhm, wic fein 
Nameift. Es waͤre zwar die hochgelobte Dreyeinig⸗ 
keit in uns, aber alles, was ſie wuͤrcke, ſey, daß wir 
kaum erbare Heyden werden, die etliche grobe Laſter 
dann und wann unterlaſſen, und einige uns ruͤhm⸗ 
liche oder nuͤtzliche Tugenden blicken laſſen. 

‚11. Daß die Lehre von der Gottſeligkeit nicht 
eine bloſſe Idea oder Entwurf eines unthunliden 
Dinges fin, iſt auch daher klar, weilnicht zu laugnen, 
daß etliche Slaubigen in der That und Wahrheit der 
Heiligung hie in diefem Leben feyn tbeilbafftig 
worden. b) Paulus betäuber feinen Leibund 
zaͤhmet ihn, daß er nicht andern predige, und 
ſelbſt verwerfflich werde. Sein c) Wandel iſt 
im Himmel, und darum iſt ihme die d) Welt ge- 
creutziget. Dasift, er achtet ſich mit aller ihrer Ehr 
und Luſt, wie man ſonſten einen aufgehenckten Dieb 
achtet, e) Er dienet GOtt im Geift, und erweiſet ſich 
in allen Stücken als ein f) Diener EHrifti, daher er 
auch s) fih und feines gleichen zum Fuͤrbilde vorftel- 
let, deſſen Nachfolger andere ſeyn tollen, h) wie er 
EHrifti. Es iftaber nicht ) Paulus und die Apo⸗ 
ftel alleine, fondern auch die durch ihr Wort zum le⸗ 
bendigen Glauben an Chriſtum gebracht worden, 
Krafft der Vorbitte CHriſti/ geheiliget, nicht etwan 
dem Schein nad), ſondern) inder Wahrheit. 

e 


a) Rom.ı.v.4.b) 1. Cor.g, 27.c) Pbil.3, 20.d) Gal. 6,14. €) Pbil.z,3. 
f)2.Cor. 6,4. g) Pbil.3,r7. h)ı.Cor.ır, 1. i) Job. 17, 20. 


| 
1 
| 


J 

ches, wenn es nicht fo ware, würde GOtt kein Volck 
haben in der Welt. Es hat aber GOtt ein Volck 
inder Welt, deſſen GOtt eriff, in deren Hertz er fein 
Geſetz giebet.») Er hat Kinder,deren Barer er if, 
die er felig machet Durch Das dad der Wieder⸗ 
geburrb, 6) und Erneuerung des 9, Geiftes. c) 
welchen er ausgegoflen bat über fie reichlich, 
oucch JEfum Cyriſtum unfeen YEren De- 


zu aber, dab man fo weit kommt, als mer Phari⸗ 


fäer, d) der es Doch fchon weiter gebracht als 
andere, Fein Räuber, Ehebrecher, Ungerechter, 
Zoͤllner war, der inden Tempel gebet, Denen Ge- 
fegen der Kirchen fich unterwirfft, feinen Leib bißwei⸗ 
len cafteyet, denen Armen Gursrhut,i. ware nicht 
nörbig gemwefen, daß GOtt feinen Geift fülte aus⸗ 

ieffen, und zwar reichlich, Weil nun derfelbe aus⸗ 
gegoſſen ift, und daß er ausgegoſſen werden fünte, 
das Blut des ewigen Sohnes GOttes zuvor ver⸗ 
offen werden mufte, fo iſt diß ja ohne Zweiffelmit 


darum geſchehen, e) daß er unsleiten, f) ung weiter 


bringen, als alle Philofophia und natürliche Kräffte 
thun Fonten, und wir img) Geiſt wandeln folten, 
damit wir die Lüfte des Fleiſches nicht voll- 
brachten. 2) Wo nicht eine wahre innere Heili⸗ 
gung des Hergens in dieſem Leben anftenge, fo ware 
BHO unwahrhafftig in feinen Derbeiffungen, 
— verſpricht den Heil. Geiſt zu geben allen, Die 
hn darum bitten, ſolche Leute aus denen Glaͤubigen 
au machen, i) die in feinen Gebothen wandeln, feine 


Rechte halten und darnach thun. Kan aber die 


Wahrheit ſelber etwasreden, und nicht thun? Oder 
9 ba | fan 
2) Jerem,31.v.33. b) Epb.g. v.ı5. c) Vit. J. v. x. d) Luc. 18 
v.ı1.12. €) Joh. i0. v. 13. f) Pf.143. 9.18. g) Gal. 5. v. 16 

h) Zuc. ıı. v. 13. i) Ezech. 26, v. 27. 


Dorrede. 


Hergen, zu der Ehre GOttes gefchehen) zeuger, a) 
daß ſie find entfremdet von dem Leben das aus 
GOtt if, obne GOtt und Hoffnung bleiben, 
ja dag auch die Weiſeſten unter ihnen in ihrer <) 
Weisheit zu Narren geworden! Sondern biß 
unfere Berechtigkeit befjer Br als der Schrifft- 
gelehrten und Pharifäer. Zuder volllommenen 
Heiligkeit werden wir gelangen, wenn wir in jenes 
Leben verſetzet, d) den Engeln gleich feyn wer; 
den, bey e) denen Beiftern der vollkommenen 
Berechten. Indeſſen geherder Weg zudem Aller: 
heitigften durch dag Heilige, wieder Tempel zu Jeru⸗ 
falem ſolches vorbildet, und muß hie anarfangen, 
was dorten ſoll vollkommen gemacht werden. Wahr 
iſts auch, daß fleißige Vorſorge muß getragen wer⸗ 
den, daß wir unſere Heiligkeit nicht für GOtt brin⸗ 
gen, ſondern den Artickel vonder Rechtfertigung, 
welche ohne unfer Berdienft aus Gnaden allein um 
EHrifti willen denen Gläubigen wicderfährer, von 
deme von der Erneuerung und Heiligung wohl 
unterfheiden.  Aberder Borwand, daß der Articul 
von der Rechtfertigung nicht Noth leide, muB den 
Articulvonder Heiligung nicht aufheben, ja es muß 
eben fo groſſe Sorgfalt gebraucher werden, diefen 
als jenen unverfaͤlſcht beyzubehalten. ) Wovon 
Lutherus gegen die Antinomer fleißig lehrer, welche 
Unterweifung ihrer Würde halben anbero zu legen 
nicht unterlaſſen kan. So ſchreibet aber Lutherus: 
Der Luther ſchilt die Papiſten, ſie lehren den 
Chriſtlichen Glauben nicht, auch keine gute 
Werck: Sofeyernfieauchnicht, *— wie⸗ 
erum 


a) Epb.4. v.ı8. b)Epb.2.v.ı2. c) Rom. ı.v.23. d) Matth.22. 
».30. €) Hebr. i2. . 23. f) Luth. T. Alt.7.p. 271. 272- 


Dorrede. 


derum den Luther viel befftiger, er lehre den 
Enriftlichen Glauben nicht recht, und ver: 
bietegute Werde. Woran ftößtfichs denn, 
daß ſie nicht eins find, fo fieeinerley bekennen? 
Das will ic) dir fagen: Es ift ein Neltorius 
über den Idiomaten irr worden. DerLuther 
ill die guten Wercke haben, aber fie follen 
nicht Die herrlichen Goͤttlichen Idiomata tra⸗ 
gen, daß fie gnug thun für die Suͤnde, GOt⸗ 
tes Zorn verfühnen, und die Sünder gerecht 
machen; denn folche Idiomara gehören einem 
andern zu, der heiſt GOttes Lamm, das 
der Welt Suͤndetraͤgt. Ja freylich dem 
Blut und Sterben ENrifti ſoll man ſolche 
Idiomata laſſen, gute Wercke follen andere 
Idiomara, andere Berdienft und Lohn haben, 
Solches wollen die Papiften nicht, fondern 
geben den guten Werden, daß fie für Die 
Stunde genug fhun, und die Leute frommma- 
chen. Darum fchreyen fie, der Luther lehre 
nicht gute Werck, fondern verbiete fie, fie aber 
fehen die Folge oder Confequens nicht, Daß wo 
man folche gute Werde lehret, diegnugthun 
für die Sünde, daß eben fo viel ift als Feine 
gute Werck lehren. Denn ſolche gute Werck 
find nihil inrerum natura, nichts und nirgend, 
und fönnen auch nicht fenn. : Darum eben 
in dem, daß fie feſt und faft gute Wercke ia 
un 


Vorrede. 


und bekennen, lehren ſie gar keine gute Wercke. 

Lind bald darnach: Alſo thun ietzt meine Anti⸗ 
nomer auch, die predigen ſehr fein, und (wie 
ich nicht anders dencken kan) mit rechtem 
Ernſt, von der Gnade CHriſti, von Verge— 
bung der Sünden, und mag mehr vom Arti⸗ 
cul der Erloͤſung zu reden iſt. Aber, diß Con- 
ſequens fliehen ſie wie der Teufel, daß ſie den 
Leuten ſagen ſolten vom dritten Articul der 
Heiligung, das ift, vom neuen Leben in 
CHriſto. Denn fie meynen, man folle die 
Leute nicht erfchredien noch betrüben, ſon— 
dern immer tröftlid) predigenvon der Gnade 
und Bergebungder Sündenin CHriſto, und 
bey Leibe ja meiden diefe oder dergleichen- 
Wort: Höreft du eg, du wilt ein Ehrift ſeyn, 
und gleichtvol ein Ehebrecher, Huren- Jäger, 
volle Sau, hoffartig, geitzig, Wucherer, neiz 
diſch, rachgierig, boshafftig bleibenzc. Son⸗ 
dernfofagenfie: Hoͤreſt dus, biſt du ein Ehe: 
brecher, ein Hurer, ein Geitzhalß oder ſonſt 
ein Sünder, glaͤubeſt du nur, fo biſt du felig, 
darffft Dich. für dem Gefeg nicht fürdyten, 
EHriftushatsalleserfüllet. Lieber fage mir, 
heiſt das nicht Antecedens concedirt,und Con- 


' fequens negirf? Ja esheifteben in demſelben 


CHriſtum wegnehmen und zunichte 
SEEN UT TESEEN 911 4 UOUOEELIEEND 


....Vörrede, | 
machen, wenn er am höchften geprediget 
wird. Und iſt alles eitel ja und nein in einer⸗ 
ley Sachen. Denn ſolcher Chriſtus iſt 
nichts und nirgend, der fuͤr ſolche Suͤnder 
geſtorben ſey, die nicht nach Vergebung der 
Stunden von den Suͤnden laſſen und ein neues 
Leben führen. Alſo predigen ſie fein auf Ne⸗ 
ſtoriſch und Eutychiſche Dialectica CHriſtum 
alfo, daß CHriſtus ſey, und ſey es doch nicht, 
und find wohl feine Oſter⸗Prediger, aber 
ſchaͤndliche Pfingſt Prediger. Dennfie 
predigen nichts de Sanctificatione & vivifica- 
‚tione Spiritus$. vonder Heiligung und geben: 
digmachung des Heil, Geiftes, fondern allein 
don der Erlöfung EHrifti, ſo doch CHriſtus 
(den fie hoch predigen, wie billig) Darum 
CHriſtus ift, oder Erlöfung von Sünden 
und Tod ertvorben hat, daß unsder Heil, 
Geift fol zu neuen Menfchen machen, 
aus dem alten Adam, daß wir der Sünden 
todt / undder Gerchtigkeit leben, wie S. Pau⸗ 
lus lehret; hie auf Erden anfahen und zu⸗ 
nehmen, und dort vollbringen. Denn CHri⸗ 
ſtus hat uns nicht allein Gratiam, die Gnade, 
ſondern auch Donum,die Gabedes H. Geiſtes 
gar ver⸗ 


Vorrede. ar 4 
verdienet, daß wir nicht allein Vergebung 
der Sünden, fondern auch aufhören - 
von den Sünden, haften. Wer nun 
nicht aufhöret von den Sünden, fondern 
bleibt im vorigen böfen Weſen, der muß eis 
nen andern EHriftum von den Antinomern 
haben, Der rechte EHriftus ift nicht da, 
und wenn alle Engel fchrepen, eitel Chriſtus, 
Chriſtus, und muß mit ſeinem neuen 
Chriſto verdammt werden. Nunfie 
he, wie böfe Dialedtici wir find in hohen Sa: 
chen, fo über uns; oder ungeübt, daß wir 
zugleich ein Ding halten und nicht halten. 
ber in niedrigen Sachen, da find wir übers 
aus fcharffe Dialectici. Dennein Bauer, wie 
grob er ift, hat er das bald verftanden und 
gerechnet: Wer mir einen Grofchen giebt, 
der giebt mir Feinen Gulden, denn es folgef 
von ihm felber, und er fichet die Folge fein, 
Aber unfere Antinomi fehen nicht, Daß fie 
predigen ohn und wider den Heiligen Geiſt, 
weil fie Die Leute wollen laſſen in ihrem 
alten Wefen bleiben, und gleichwol 


felig. ſprechen, ſo doc) die Confequenz dag 
will, daß cin Ehrift foll den Heil. Geift ha⸗ 
ben, und ein neu Leben führen, oder av 


Vorrede, 
daß er feinen CHriftumhabe; a) Chriftliche 
Giiligfei oder gemeiner Ehriftenheit Heilig: 
feit ift Die, wenn der Heil. Geift den Zeuten 
Glauben giebt an ENrifto, und fie dadurch 
heiliget, Ads. Das ift, er mache neu 
Hertz, Seel, Leid, Werd und Velen, 
und fchreibet die Gebot GOttes, nicht in ſtei⸗ 
nerne Tafeln, fondern in fleifcherne Hergen, 
2.Cor.3. Solches thutder Heil. Geift, der 
heiliget und erwecket auch den Leib zu foldyem 
neuen Leben, biß er vollbrachtiwerdein jenem 
geben. Und das heift die Ehriftliche Hei— 
ligkeit, und folche Leute müflen immer auf 
Erden feyn, und fülten gleich nur zween oder 
Dren, oder allein die Kinder feyn. Der Alten 
find leider! wenig, und welche es nicht find, die 
ſollen ſich nicht für Ehriften rechnen, man foll 
fie aud) nicht tröften, als feyn fie Ehriften, 
durdy viel Geplauder von der Vergebung 
der Sünden und Gnaden EHrifti, wie die 
Antinomer thun. Denndiefelben, nachdeme 
‚fie die gehen Gebot verwerffen, und nicht ver⸗ 
fiehen, predigen ſie dieweil von der Gnade 
CHriſti viel,ftardenaber undtröften diejeni⸗ 
gen, fo in Sünden bleiben, daß fie ſich nicht 
fürchten noch erfchrecken follen für den Suͤn⸗ 
den, denn fie alle weg find Durch re ; 
N 


a) Pag. 285. 


Vorrede. 


Und ſehen und lafiengleichtvolgehen die£eute 
in öffenflichen Suͤnden, ohne alle Neuerung 
oder Beflerung ihres Lebens, daraus man 
wohl mercket, daß ſie warlich auch den Glau⸗ 
ben und ENriftum nicht recht verftehen, und 
eben damit aufheben, da fie ihn predigen, 
Denn wie kan derrecht von den Wercken des 
Heil, Geiftes in der erften Tafel, vom Troft, 
Gnade, Vergebung der Stunden reden, der 
die Wercke des Neil. Geiftes in der andern 
Tafel nichts achtet noch treibet, welche er ver⸗ 
ſtehen kan und erfahren, jene aber nie verſucht 
noch erfahren hat. Darum iſts gewiß, daß 
fie weder CHriſtum noch den Heil. Geiſt ha⸗ 
ben oder verſtehen, und ihr Geſchwaͤtz ein 
lauter Schaum auf der Zungen iſt, und, wie 
geſagt, rechte Neſtorii und Eutyches find, die 
EHriftum befennen oder lehren in antece- 
denti, inder Subftang, und Doch leugnen in 
confequenti, oder Idiomaten, das iſt ſie lehren 
EHriftum, und vertilgen CHriſtum, indem 
fieihnlehren. Bis hicher Lutherus, welcher aud) 
approbiret den Unterricht derer Viftacorum an die 
Pfarrherren in Sadfen, da fie alofihreiben: Diel 
ſchreyen einhin ohne Vernunft: a) Gute Werd 
vberdienen nichts: Viel beſſer ware, man triebe die 
Leute gute Wercke zu thun, und lieſſe die ſcharffen 
Hiſputationes fallen, Denn wahr iſts, daß GOTT 
Guͤts giebt um ſeiner Verheiſſung, nicht um 
er 


a) Tom. 7. Alt. p. 6. 


Vorrede. 


Werck willen: Aber doch muͤſſen gute Wercke, die 

ED gebothen hat, geſchehen. 

Unter denen Lehrern der Kirchen GOttes, die 
FHriftum nad Apoſtoliſcher Art ſo gelehret, daB in 
ihn ein rechtfchaffen Weſen fey, 9 und daherin 
Denen Gläubigen die Gabe der Heiligung mit Ernff 
getrachtet haben zu erwecken, iſt billig zu rechnen der 
in GOtt ruhende Herr Johann Arndtius wie da- 

Bon feine unterſchiedliche geiſtreiche Schriften, infon- 
derheit die Bücher vom Wahren Chriftenthum, 

zeugen. Weil aber derfelbe wicht allein der groben, 

oder aud) der ſcheinheiligen Welt ihre Bosheit 
und Heuchelen entdecker,(d hat rauch von dem Gott 
und Kindern diefer Welt den Lohn bekommen, den 
EeHriftus und alle feine gerreue Nachfolger iederzeit 
gehabthaben Die Welt hat ibn gebaffer; b) weil 
er. nicht von det Weltiwar, und die den Haus-Da- 
ter hatte Beelzebub gebeiffen, c) machte auch aus 
dieſem Haus genoſſen Hriffieinenbeiligen Ten- 
fel: Denn kaum kamen die Buͤcher vom Wahren 
Chriſtenthum ans Tages⸗Licht, da war die Hölle 
und deren Benoffen auf mit Luͤgen und Laͤſtern (des 
nen gewöhnlichen Waffen des Reiche der Finſterniß) 
da war fein aͤrger Ketzer als der arme Hendt, und 
das am meiften zu beklagen, fuͤhreten die, d) die Amts 
wegen, Leiter der Blinden ſeyn und diefelben aus 

‚der Finfterniß zum Licht bringen folcen, den armen 
unwiſſenden Hauffen an, den Heil. Geift in diefem 
Werckzeuge ChHriſti zu läftern, e) Welcher Hauffe 
um ſo viel lieber annahm, daß die Lehre von wahrer 
gruͤndlicher Reinigung des Hertzens, und neuem J 

| | c 3 en 






a) Bph. 4. v.21. b) Joh. 17. %. 14.6) Matt 16 9.55. 
9 d) Rom: 8, v. 19, €) is Petr, 4%, 14. 


Vorrede. 


ben in EHrifto, Enchufiafterey und alfo zu meiden 
wäre, als gewünfchte Polſter und Küffen ihnen fel- 
biges war, darauf fie fein ruhen, bey ihrem rohen 
Weſen bleiben, oder mit einem Heuchelſchein und 
etlichen Eeremonien es beftellen fonten. Der An- 
fang diefer Lügen - Befhuldigung gegen den feligen 
Mann erhub fid) in Braunfhweig, wohin er von 
Quedlinburg berufen war. Denn als er dafelbft 
anfiengmitdem von GOtt ihm verlichenen Pfund 
zum Dienfte feines HErrn zu wuchern, auıd der 
HErr die Arbeit, fegnete, daB das Wort GOttes 
fiine Kraft erwiefe, erbitterten: darüber einige 
Prediger des Orts, welhen ihr Gewiſſen fagte, 
wo Johann Arndt den Weg EOttes recht Ichrete, 
fo waren fie zu befihuldigen, daß fie bisher ihrem 
Amte nicht Genuͤge gethan. Damit aber ihre Heu⸗ 
cheley nicht entdecket wuͤrde, achteten ſie den ſicher⸗ 
ſten Weg, Arndt zum Ketzer zu machen, fo wuͤrde ih⸗ 
me niemand glauben und folgen, und ſie ihren Credit 
beybehalten; allerdings nach der Mechode, die die 
Phariſaͤer mit Chriſto geuͤbet. Dannenhero brach⸗ 
ten ſie in dem Beichtſtuhl, und bey andern Gelegen⸗ 
heiten, ihren Beicht⸗Kindern dieſen Wahn bey er⸗ 
mahneten, als getreue Seelſorger, dieſelben, vor 
Arndts Lehr und Gifft ſich zu huͤten: Welche getreue 
Warnung auch die, ſo um ihre Seele ſich nicht groß 
bekuͤmmerten, zu Dancke annahmen, weil fie ohne⸗ 
dem keine groſſe Luſt hatten Arndti Lehre zu folgen. 
Nachdem dieſe Vorbereitung geſchehen, wolten ſie 
auch auf der Cantzel nicht ſtumme Hunde ſeyn, ſon⸗ 
dern kuͤhleten daſelbſt, als Waͤchter uͤber die reine Leh⸗ 
re, ihr Muͤthlein wider Arndtium: Wie er deſſen ges 
dencket in dein Abdanckungs⸗Schreiben anden Herrn 
Buͤrgermeiſter in Braunſchweig mit a 

ebe 


Vorrede. 


Gehe E.E. W. freundlich zu betrachten, was 
das ſey, einen öffentlich fuͤr der gantzen Gemei⸗ 
ne zu verketzern, zu verſchwaͤrmen, alle ſein 
Thun und Predigten Jokeley fuͤr Hudeley zu 
ſchelten, einen nicht allein als den groͤbſten un⸗ 
gelehrteſten Eſel, als der die Theologiam nicht 
gelernet, auch nicht verſtehet, zu beſchreyen, 
ſondern auch der Lehre halber verdaͤchtig zu 
machen, und die Leute füreinen zu warnen; da 
id) Doc) die reine £ehrein öffentlichen Verfol⸗ 
gungen, ungefpartes£eibes und Gutes, ohne 
unziemlichen Ruhm,befannt und verthädiget 
habe: Und muß fuͤr GOtt und E. E. W.beken⸗ 
nen daß mir niemals meine harte Verfolgung 
und Verſtoſſung aus meinem liebẽ Vaterlan⸗ 
de, dem Fuͤrſtenthum Anhalt, ſo wehe gethan, 
als dieſe; und wenn mich nicht mein gut Ge⸗ 
wiſſen, und das Exempel meines HErrn JEſu 
CHriſtiund feiner werthen Apoſtel getroͤſtet, 
ſo waͤre ich des Todes geweſen. Habe auch 
damals meinen lieben GOtt mit Thraͤnen ge⸗ 
bethen, mir ein ander Oertlein, es ſey ſo gerin⸗ 
ge als es wolle, zu zeigen, und haͤtte ichs da⸗ 
mals gewuſt, ich waͤre auf Haͤnden und Fuͤſ⸗ 
ſen hinaus gekrochen. Welcher Geiſt dieſe Geiſt⸗ 
lichen getrieben und angefeuret, wird ein ieglicher aus 
denen Fruͤchten leicht erkennen. Der Vorwand ih⸗ 
res Eiffers war, daß Joh. Arndt durch fein embſiges 
Treiben DIESEN Ernensrung des Geis 
2 


ſtes, 





Vorrede. 


fies, der ihre vonder Rechtfertigung, Die aus Gna⸗ 
den gefchicht, zu nahe Fame; wie auch, daß er einige 
Redens ⸗Arten gebrauchere,die ihnen unbekannt, und 
alſo verdaͤchtig waͤren. Wiewol er ſich nun offt erklaͤ⸗ 
ret, daß er die Wercke nicht als Urſachen, ſondern 
Früchte der durch den Glauben erhaltenen Recht⸗ 
fercigung achtete, auchdie Redens⸗Arten, welche fei- 
ne Widerfacher, weil fie von der Wuͤrckung des Gei⸗ 
ſtes GOttes in denen Gläubigen wenigerfahren,nicht 
verftunden, aus GOttes Wort, Luthero und andern 
bewieſe/ ſich darneben erklarete, daß er feine Schriff- 
ten nicht anders, als nach denen Symboliſchen Buͤ⸗ 
chern der Evangeliſchen Kirchen wolte verſtanden 
haben, ſo mochte doch diß bey feinen Widerwaͤrti⸗ 
gen die ihn nicht unſchuldig haben wolten nichts 
verfangen, ſondern ſie thaten mit ihm nach ihrem 
Willen. Dazu kam daß, nachdem fein erſtes Bud) 
vom wahren Chriſtenthum heraus fam, einige Ro⸗ 
ſencreutzer, Schwenckfelder, Weigelianer und der⸗ 
gleichen Fanatici, des Arndts Arbeit lobeten, und daß 
er mit ihnen eshielte, vorgaben: Welches Lob aber, 
wie es von ihme ſo wenig geſuchet oder geachtet, als 
wenig er ihre fanatiſche Irrthuͤmer gebilliget, alſo 
ſolte es ihme auch nicht zugerechnet worden ſeyn: 
Geſtalten Lutherus ») ebener maſſen klaget, daß die 
Antinomer ſich auf ihn berieffen, ob waͤre er mit ih⸗ 
nen eins: Ich ſorge, ſpricht er wo ich zu Schmalz 
kalden im Tode blieben waͤre, hätte ich muͤſſen 
erpiglich ſolcher Geifter Patron heiflen, weil 
ſie ſich auf meine Bücherberuffen, und folches 
alles hinter mir her, ohne Wiſſen und wider 
meinen Willengefpielef?c. Nachdemobgeſagte 
Widerſacher den Anfang des unbiligen Argwohns. 
3) T.7.Alt.p.30. — aus 


a Vorrede; 

aus Neid wider Arndtium gemacht, wurde derfelbe 
von andern, ſowol durch Predigten als Schriften 
vermehret. Es hat aber der getreue GOtt, 9 der 
feinen Gläubigen allezeit den Sieg giebet in CHriſto, 
Weil der fel. Arndt dem Teufel fo viel nicht zu willen 
ſeyn noch feine Zeit, die er zu GOttes Ehre beffer 
anlegen Fonte, mir Beſtreitung feiner Widerſacher, 
verderben wolte) erwecket den Geiſt gottfeliger und 
gelehrter Männer, als der Hochlödlichen Theologi- 
fehen Facultät zu Wittenberg , und, infonderbeit 
Herrn D. Franzi, D. Gerhardi, D. Dorſchæi, Henrici 
"Varenii, M. Dilgert, Pauli Egardi, und anderer, Die der 
Unſchuld dieſes redlichen Mannes fi ernſtlich ange- 
nommen, und mir Briefen, auch gantzen Tradätfein 
dieſelbe gerettet. Wie dann auch nad) feinem Tode, 
da der Neid und Mißgunſt gegen ihn aufgehoͤret, 
mehr und mehr die wider ſeine Buͤcher vom Wahren 
Chriſtenthum ausgegoſſeneLaͤſterungen verſchwun⸗ 
‘den, und dieſe Buͤcher die Gewiſſen durch die Krafft 
der darinn verfaſſeten Wahrheit fo uͤberzeuget ba- 
ben, dag der, Teufel mit allen einen Lügen daran zu 
- handen geworden. Dannenhero find fiezum oͤff⸗ 
tern an unterfchiedlichen Derrern zu. groffem Nutz 
und Erbauung der Gemeine Chriſti zum Druck be⸗ 

fördert, und dißmal allhie in Riga aufgelegt. 
WVon dieſer Edition kuͤrtzlich zu berichten, fo dienet 
zur Nachricht, daß in derfelben ı, die in der zu Franck⸗ 
urt und Leipzig Anno 1674. ausgegebenen Edition 
beygefügte Anmerkungen und Marginalien einge 
ruͤcket. 2. Damitder Liebhaber des Wahren Chris 
ſtenthums angewieſen werde, wieer Kt durch 
Betrachtung der in der Natur oder Kunſt vorkom⸗ 
menden Dinge ſein Gemuͤth zur Andacht erwecken, 
und daſſelbe von der Erden abgezogen zu GOtt erhe⸗ 
a) 2. Cor. 2. v. 14. 63 ben 





Vorrede. 

ben möge find hin und wieder feine Sinnbilder,neben 
dev, zu felbigen Zweck dienlichen, und ieglichem Bilde 
beygefuͤgten Erflärung binzugethan. 3. Wennaud 
die Pelagianifche Bermeffenheit, da man nad) em⸗ 
pfangener Llberzeugung im Gewiffen, und gefaffe- 
ten Dorfag, fid) zu beſſern, heimlich feinen Kräften 
vertrauet, und Die ftete glaubige Anruffung GOttes 
um noͤthige Snaden-Hülffezur Vollbringung einer 
en Ehriftlihen bung verabſaumet, in der 
Ehriftenheit leider! gang gemein iſt; dadurd aber 
der Lauffdes Chriſtenthums ſehr gehindert wird, in- 
dene die im guten Dorfag ftehende, wenn fie feine 
Krafft Haben weiter zu kommen, oft gar ermuͤden, 
ſich wieder auf ihre vorige Wege wenden, oder bez 
friedigen, das Auffere grobe abgethan zu haben, und 
alſo Heuchelen ihre Zuflucht zu machen, unter dem 
Vorgeben daß man doch weiter nicht kommen koͤnne: 
So iſt noͤthig erachtet, denen Anfangenden Anleitung 

ugeben, wie fie dag, deſſen ſie, ihre Schuldigkeit zu 

eyn,ünberzeiget, dazu fie auch willig find, ins Werck 
zu bringen, die Krafft und Gnade von GOtt im 
Glauben erbitten follen. Zu welchem Ende denn ieg⸗ 
lichen Eapitel ein Gebet, welches die Summam der in 
dem Capitel vorgeftelltenEhriften-Bebubr verfaſſet, 
und den HErrn zu ſolcher uns zu bereiten bittet, an⸗ 
gehaͤnget; deren etliche aus Herrn Johann Arndts 
Paradig-Gärtliin genommen find, weil in demſel⸗ 
ben Buch der Aucor ſich auf die Bucher des Wahren 
Chriſtenthums beziehet. 4. Sind diefer Edition bey⸗ 
gifliger drey ſchoͤne Tractätlein des Autoris: Vom 
wahren Blauben und heiligen Leben: Von der Ber- 
einigung der Gläubigen mie ChHriſto ihrem Haupte: 
Don der Heil. Dreyfaltigkeit, der Perfon und Amt 
Chriſti, und Wohlthaten dis Heil, Geiftes, welche 
einige 








Voörrede, 


einige das Fuͤnffte Buch vom wahren Ehriften- 

thummennen. 5. Sinderfich hierbey zuende ein vier⸗ 
faches Regifter, über die Evangelia, Catehifmum, 
Bibliſche Sprüche, und alle darinnen enthaltene 
denckwuͤrdige Sachen. Wienunindiefem allen die 
Erbauung des zerfallenen Ehriftentbums, und da> 
durch die Beförderung der Ehre des fo wunder-gli= 
tigen GOttes geſuchet wird, fo wolle der HErr vom 
Himmel Gnade und Segen geben, daß folder Zweck 
erreicht, der Saran aber und fein unbußfertiger La- 
fter-Hauffe mit Schande gefleidet werde! Amen! 


Gegeben in Riga, 1679, den 8. Septembr. 











a iſt freundlicher lieber Leſer, was ben dama⸗ 
liger Ausfertigung dieſes hochwerthen Buchs in 
Riga vor Fleiß angewandt, und zu groſſem Nutz und 
Erbauung hinzu gethan worden, um ſolches der 
Chriſtenheit deſto beliebter zu machen. Nach welcher 
Rigiſchen Edition dieſe unfere erſte Leipziger verferti⸗ 
get, und alles dasjenige, was in gedachter Rigiſchen 
anzutreffen, behalten, ja noch ein mehrers beyge- 
bracht, auch fonften ein mercklicher Unterſcheid unter 
beyden gemacht worden. Denn da ſind (i) unter dem 
Titel des Sechſten Buchs aus der Franckfurti 
ſchen Edition hinzukommen I. des ſel. Joh. Arndts 
Wiederholung und Verantwortung der Lehre vom 
Wahren Chriſtenthum: II Zwey Send⸗Schreiben 
an gute Freunde, ſeine Buͤcher vom Wahren Chri⸗ 
ſtenthum betreffend: III.Sein Bedencken über Tau- 
leri teutſche Theologie. (2) Weil in der Rigiſchen 
Edition bey vielen Capiteln Feine abfonderlichen Ge⸗ 
bete zu finden, fondern fich felbige oftmals wegen‘ 
Gleichheit der Mareris entweder auf N 

| c4 oder 











Vorrede. 

oder nachfolgende nur heziehet, und den Chriſtli⸗ 
chen Leſer dahin verweiſet: Als ſind ſolche von neuen 
hinzu gethan worden, () Weil man ſich auch da⸗ 
hin bemuͤhet eine correcie Edition an Tag zu brin⸗ 
gen, find mit niche geringer Mühe alle angezogene 
und erklärte Sprüche H. Schrift von neuem nach⸗ 
geſchlagen, darneben auch, wo ſich fonft einiges du- 
bium ereignet, mit der Franckfurtiſchen Edition fleiſ⸗ 
fig conferiget worden, Uher dieſes find auch (4) die 
Sprüce Börtliher Schrifft mit andern etwas grö- 
bern Littern unterfbieden worden, welches bishero 
ben feiner Edition anzutreffen geweien. Und letzlich 
find auch €) gan neue und hequemere Regiſter ver⸗ 
fertiget worden, | 


I HRS iſt es nun, was hey unſerer vorigen Edition 
8 zu ihrer Verbeſſerung geſchehen. Ben dieſer 
iegigen und andern Edition aber ift noch fernerweit 
nachſolgendes gethan und verbeffert worden: Sind 
dem gemeinen Mann zum Beſten die Lateiniſchen 
Allegara aus der Bibel, wie auch alles Lateiniſche, 
fo in diekm Buch ſonſten vorfömme, verteutſchet 
worden, 2. Sind oben uͤber den Columnen die Büs 

cher und Capitel angemercket worden, damit man 
im Aufſchlagen alsbald ſehen kan, was vor ein Buch 
und Capitel man vor ſich habe. Denn dieſes bey vo⸗ 
riger Edition nicht mit geweſen. 3. Weil in der vori⸗ 
gen Edition bey manchen Gebeten keine Schrifftſtel⸗ 
len waren, fo ſind ſie ietzo vollends dazu gethan wor⸗ 
den, Damit man ben einem ieglichen Gebet erkennen 
fan, wie und woher es aus der Schrifftgenommen. 
4. Weil im Sunfften Buch) fonft Feine Gebete gewe⸗ 
fen, fo hat man bey denen Capiteln Anweiſung ge> 
than, welche Gebet ausden vorigen Büchern, die ſich 
zur 


Vorrede, 


zur Materia ſchicken, koͤnnen gebrauchet werden. 
Dergleihen auch Fürglich bey dem erften Theil des 
Sechſten Buchs gefchehen. Denn andere und neue 
Gebere hatten diß Bud) allzugroß gemacht. 5. Dat 
man die. Gebete alle mit einander nicht nur unter 
gewifle Titel, fondern auch nach der Ordnung der 
Bücher und Capitel in ein Regifter gebradıt, und 
dabey zugleich mit angemerdet, welche aus des ſel. 
Arndts Paradig-Gartlein genommen. 6. Hat 
man nicht nur hin und wieder die Marginalia ver⸗ 
mehret, fondern auch meiſtens nur diefe Spruͤche 
auf den Rand geſetzet, weiche entweder etwas er⸗ 
klaͤret werden, oder bey derer Anfuͤhrung etwas 
merckwuͤrdiges erinnert wird, damit ſie im Auf⸗ 
ſchlagen dem Leſer alsbald in die Augen fallen. 
7. Denn bisweilen Spruͤche nur mit den Anfangs⸗ 
Worten ſonſt angeführer waren, bat man fie bey 
Diefer iegigen Edition, ſo viel nöthig geweſen, zu defto 
beſſerm Berftandeder Sache, völlig gefeget. 8. Ob- 
wor bey ieglichem Sinn⸗ Bild an ſtatt der Erklaͤ⸗ 
rung gewiſſe Verſe ſtehen, ſo gar fein ſind; Den⸗ 
noch weil viele tiber die eine und andere Undeutlich⸗ 
feit derfelben geflager, und daß manche, zumal Un- 
gelehrte, gar nicht einmal wuͤſten, was in diefem 
oder jenem Sinn⸗Bilde abgebildet fen, fo hat man 
ietzo noch eine andere und deutlidere Erflarung 
aller Sinn Bilder hinzu thun wollen, alfo, daß 
man Cı) gezeiget, was im Sinn-Bild ftehe, und 
denn (2) alebald die Application fürrslich dazu ge— 
than, was nemlich durch ein iedes im Geiſtlichen 
angedeutet werde, 9. Weil der merckwuͤrdige Le—⸗ 
bens⸗Lauff des feligen Arndts fonft in den alten 
kleinern Editionibusjzu finden gewefen, als har man 
denſelben auch bey dieſer neuen Edition — 
” 5 azu 





Voörrede. 


dazu bringen wollen. 10. Sind die Regifter, ſo⸗ 
wol der Biblifhen Sprüche, als aud der denck⸗ 
würdigen Sachen, ordentlicher, deutlicher und zum 
Gebraud in vielen Stuͤcken beffer eingerichtet wor⸗ 
den. Aus diefem allen wird ein ieder erkennen, 
daß eine dergleichen Edition dieſes herrlichen Buchs, 
als diefe ietzige ft, no) nie heraus kommen, in⸗ 
dem wir dabey nichts unterlaffen, was man zu ih⸗ 
rer Verbeſſerung nuͤtzlich zu ſeyn erkennet. Der 
Chriſtliche Leſer laſſe ſich ſolches gefallen, und 
lebe der Gnade GOTTES empfohlen. 
Datum Leipzig, den 29. Sept. 
Anno 1696. 


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Vorrede 


IE EEE EEE ET EL-EEESEELSELEELEE 


EREEFFEFFELELFEFF EEE 
Ei Vorrede Des Autoris | 
In den Chriſtlichen Lefer. 


As für ein grofer und ſchaͤndlicher 
Migbraud des Heil. Evangelii in 
diefer Testen Welt fen, Ehrifflicher 
lieber Leſer, bezeuget gnugfam das 
gottloſe unbußfertige Leben derer, die 
ſich EHrifti und feines Worts mit vollem Munde 
ruͤhmen, und doch ein gang unchriſtliches Leben füh- 
ren, gleich als wenn fie nicht im Chriſtenthum, fon- 
dernim Heydenthum lebeten. Solch gottlos Weſen 
hat mir zu dieſem Buͤchlein Urſach geben, damit die 
Einfaͤltigen ſehen moͤchten, worinn das wahre 
Chriſtenthum ſtehe, nemlich, in Erweiſung des wah⸗ 
ren, lebendigen, thaͤtigen Glaubens, durch recht⸗ 
ſchaffene Gottſeligkeit, durch Fruͤchte der Gerechtig⸗ 
keit; wie wir darum nach ChHriſti Namen genennet 
ſeyn, daß wir nicht allein an EHriftum glauben, ſon⸗ 
dern auch in Chriſto leben ſollen, und Chriſtus 
in uns; wie die wahre Buſſe aus dem innerſten 
Grunde des Hertzens geben muͤſſe; wie Hertz, Sinn 
und Muth muͤſſe geaͤndert werden, daß wir Chriſto 
und feinem Heiligen Evangelio gleichformig wer— 
den; wie wir durchs Wort GOttes muͤſſen taͤglich 
erneuert werden zu neuen Creaturen. Denn gleich⸗ 
wie ein ieder Saame ſeines gleichen bringet, alſo 
muß das Wort GOttes in uns taͤglich neue geiſtliche 
Fruͤchte bringen; und ſo wir durch den Glauben 
neue Creaturen worden ſeyn, ſo muͤſſen wir RR 

gr 





Vorrede 


der neuen Geburt leben. Summa, wie Adam in uns 
ſterben, und Chriſtus in uns leben ſoll: Es iſt nicht 
genug GOttes Wort wiſſen, ſondern man muß auch 
daſſelbige in die lebendige thatige Übung bringen. 

Viel meynen, die Theologia ſey nur eine bloſſe 
Wiſſenſchafft und Wort⸗Kunſt da ſie doch eine le⸗ 
bendige Erfahrung und Ubungiſt. Jederman ſtu⸗ 
dieret ietzo, wie er hoch und berühmt in der Welt 
werden möge, aber fromm ſeyn will niemandlernen. 
Jederman ſucht ietzo hochgelehrte Leute, von denen 
er Kunſt, Sprachen und Weisheit lernen moͤge, 
aber won unſerm einigen Dodtore und Lehrer JEſu 
CHriſto will niemand lernen Sanfftmuth und 
hertzliche Demuth, da doch fein beiliges, lebendiges 
Exempel die rechte Regel und Richtſchnur unfers 
Lebens iſt, ja die hoͤhſte Weisheit und Kunſt, daß 
wir ja billig fagen koͤnnen: 

Omnia nos Chrifti vita docere poteft. 


» Das iff: 

Das Leben Ceyriſti ſolluns alleslebren. 
Jederman wolte gerne E.Hriftt Diener ſeyn aber 
Chriſti Nachfolger will niemand ſeyn. Er ſpricht 
aber Johannis am 12. Cap. v. 26. Wer mie die: 
nen will der folge mir nach: Darum muß ein 
rechter Diener und Liebhaber EHrifft andy ein 
Nachfolger CHriſtiſeyn. Wer EHriftum lieb bat, 
der hat auch lieb Das Exempel ſeines heil. Lebens, 
ſeine Demuth, Sanfftmuth, Gedult, Creutz, 
Schmach, Verachtung, obs gleich dem Fleiſche wehe 
thut. Und ob wir gleich die Nachfolge des heiligen 
und edlen Lebens Chriſti in dieſer Schwachheit 
nicht vollkommlich erreichen Fonnen, (dahin auch 
mein Buͤchlein nicht gemeynet) fo ſollen wirs doch 
lieb Haben, und darnach ſeuffzen: denn alſo leben wir 

in 


des Autoris. 

in Chriſto/ und Chriſtus in ung,wieSt, Johannes 
in der 1. Epift, am 2. Cap. v. 6, ſpricht: Wer da 
faget, daß er in ihm bleibet, der follauch wan- 
deln, gleichwieer gewandelt hat. Jetzo iſt die 
Welt alfo geſinnet, dag fie gerne alles wiſſen wolte, 
aber dasjenige, das beſſer ff, denn alles Wiſſen, 
nemlich CHriſtum lieb haben, will niemand ler⸗ 
nen, Es kan aber EHriftum niemand lieb haben, 
er folge denn auch nad) dem Exempel feines Heil, 
‚Lebens, Viel find, ja die meiften in diefer Welt, 
die fic) des Heil, Exempels CHriſti ſchaͤmen, nem⸗ 
lid) feiner Demuth und: Niedrigkeit; das heiſſet 
fih des Herrn Chriſti geſchaͤmet/ davon der Herr 
fagt: Marci am 8,0.38, Wer fich. meiner febs- 
met in diefer ehebrecherifchen Welt, deß wırd 
fich auch des Menſchen Sohn ſchaͤmen wenn 
er Eommen wird. Die Chriften wollen ietzo einen 
ſtattlichen, pradırigen, reihen, weltförmigen Chri⸗ 
ftum haben; aber den armen, ſanfftmuͤthigen, de 
muͤthigen, verachteren, niedrigen EHriftum will 
. niemand haben, noch befennen, noch demfelben fol- 
gen. Darum wird er einmal fagen: Ich Fenne 
euer nicht; ihr habt mich nicht wollen kennen 
in meiner Demurh, darum Fenne ich euer nicht in 

eurer Hoffart. ' | | 
Micht allein aber it das gottlofe Leben und Wefen 
EHriko und dem wahren Chriſtenthum gang zu- 
wider, fondern «8 haͤuffet täglich GOttes Zorn und 
Strafe, alfo daß GOtt alle Erearuren wider uns ruͤ⸗ 
ften muß zur Rache,/ dag Himmel und Erde, Feuer 
und Waſſer wider uns ſtreiten müffen, ja die. gange 
Natur angfterfihdarüber, und will brechen. Daher 
mußelende Zeit kommen, Krieg. Hunger und Peſti⸗ 
lentz; Ja die letzten Plagendringenfo beffrig Ani 
walk 


Vorrede 


Gewalt herein, daß man faft für. feiner Ercarur 
wird fiher ſeyn koynen. Denn gleichwie die greu⸗ 
lichſten Plagen die Egypter überfielenvorder Erlo⸗ 
fungund Ausgangder Rinder Iſrael aus Egypten: 
Alfo werden für der endlichen Erlöfung der Kinder 
GoOttes ſchreckliche, greulihe, unerhorte Plagen 
die Gottloſen und Unbußfertigenüberfalfen. Dar- 
um ift hohe Zeit Buſſe zu thun, ein anderXeben an- 
zufahen, ſich von der Weltzu Chriſto zu bekehren, 
an ihn recht glauben, und in ihm Chriſtlich leben, 
auf dag wir unter dem Schirm des Hoͤchſten und 
Schatten des Allmaͤchtigen ſicher feyn mögen, Pſalm 
gu verſ. . Darzu ung auch der HErr vermahnet 
Luc. 21, verf 36. So ſeyd num wacker allezeit, 
und betet, daß ihr —5 werden moͤget zu 
entfliehen dieſem allen. Solches bezeuget auch 
der 2. Pſaln. 

Darzu werden dir, lieber Chrift, diefe Buͤchlein 
Anleitung geben, wiedunicht alleindurd) den Glau⸗ 
ben an Chriſtum Vergebung deiner Suͤnden erlan= 
gen ſolt, fondern auch wiedude 5nae GOTTES 
recht folr gebrauchen zu einem heiligen Reben, und dei⸗ 
nen Glauben mit einem Chriſtlichen Wandel zieren 
und beweiſen. Denndas wahre Chriſtenthum fies 
het nicht in Worten, oder in aufferlihem Schein, ſon⸗ 
dern im lebendigen Glauben, aus welchem rechtſchaf⸗ 
fene * und allerley Chriſtliche Tugenden ent⸗ 
ſprieſſen, als aus CHriſto ſelbſt. Denn weil der 
Glaube menſchlichen Augen verborgen und unſicht⸗ 
barift, ſo muß er durch die Fruͤchte erwieſen werden: 
GSintemal der Glaube aus Chriſto ſchoͤpffet alles 
Gutes, Gerechtigkeit und Seligkeit. 

Wenn er nun beffändig erwartet der verheiſſe⸗ 
nen Guͤter/ die dem Glauben verſprochen ROM, Ken 

2 prieſſe 


des Autoris. 


| nn 


forieffer aus dem Blaubendie Hoffnung. Denn was 
iſt die Hoffnung anders,denn ein beftändiges,beharr- 
liches Erwartenderwerheiffenen Güter im Glauben? 
Wenn aber der Glaube dem Naͤchſten die empfan⸗ 
gene Guͤter mittheilet, ietzo entſpringet aus dem 
Glauben die Liebe, und thut dem Naͤchſten wieder 
alſo, wie ihm GOtt gethan hat: Wenn aber der 
Glaube in der Probe des Creutzes beſtehet, und ſich 
dem Willen GOttes ergiebt, ietzo waͤchſet die Gedult 
aus dem Glauben: Wenn er aber im Creutze ſeuff⸗ 
zet, oder GOtt fuͤr empfangene Wohlthaten dan⸗ 
cket, ietzo wird das Gebeth gebohren; Wenn es GOt⸗ 
tes Gewalt und des Menſchen Elend zuſammen 
faſſet, und ſich unter GOtt ſchmieget und bieget, 
ietzo wird die Demuth gebohren: Wenn er ſorget, 
daß er nicht moͤge GOttes Gnade verliehren, oder, 
wieSt. Paulus ſpricht: mit Furcht und Zittern 
fchaffer, daß er felig werde /ietzo ift die Gottes⸗ 
furcht gebohren. | 
Alfo ficheft du, wie alle Chriftliche Tugenden des 
- Glaubens Kinder feyn, und aus dem Glauben wach⸗ 
fen und entſprieſſen, und Fonnen nicht vom Blanben, 
als von ihrem Urfprung, getrennet werden, füllens 
anderswahrhafftige, lebendige, Chriftliche Tugenden 
ſeyn, aus GOtt, aus EHrifto, und aus den H.Geifte 
entfprofien. Darum kan fein GOtt⸗wohlgefaͤllig 
Werck ohne dem Glauben an E Hritumfeyn. Denn 
wie kan wahre Hoffnung, rechte Xicbe,beftändige Ge⸗ 
dult, herslich Geber, Ehriftlihe Demuth, kindliche 
Bene ohneGlauben ſeyn? Es muß alles aus 
Hriſto dem Heyl⸗Brunnen durch den Glauben ge⸗ 
ſchoͤpffet werden beydes Gerechtigkeit / und alle Fruͤch⸗ 
te der Gerechtigkeit. Du muſt dich aber wohl fürfehen, 
daß du ja beyleibe deine Werck und anſahendeTugen⸗ 
4 en, 


Vorreove. 


den, oder Gaben des neuen Lebens, nicht mengeft in 
deine Rechtfertigung fir GOtt; denn da gilt feines 
Menſchen Werck, Berdienft, Gaben oder Tugend, 
wie fhon auch diefelben feyn, fondern das hohe volf- 
kommene Berdienft JEefu Chriſti durch den Glau⸗ 
benergriffen, wie ſolches im 5, 19,34. Und 41. Cap. die- 
ſes Buchs, undindendreyen erſten Capiteln des an- 
dern Buchs gnugſam angefuͤhret il. Darum ſiehe 
dich wohl für, daß du die Gerechtigkeit des Blau- 
bens, und die Berechtigkeit des Ehrifil. Lebens 
nicht in einander mengeſt, fondern wohl unterſchei⸗ 
deſt; denn diß iſt das gantze Fundament unſer Chriſtl. 
Religion. Nichts deſtoweniger aber muſt du dir deine 
Buſſe laſſen einen rechtſchaffenen Ernſt ſeyn, oder du 
haſt keinen rechtſchaffenen Glauben, welcher taͤglich 
das Hertz reiniget, andert und beſſert: Solt auch wiſ⸗ 
fen, daß der Troſt des Evangelii nicht hafften kan, 
wo nicht vechrfchaffene wahre Neu und Goͤttliche 
Traurigfeit vorhergebet, dadurch das Her zubro- 
chen. und zufhlagen wird; denn es heiſſet: Den 
Armen wird das Evangelium geprediget. Lind 
wie kan der Glaube das Hertz lebendig machen / wenns 
nicht zuvor getoͤdtet wird durch ernſtliche Reu und 
Leid, und wahre Erkaͤnntniß der Suͤnden: Darum 
fole du nicht gedenken, daß die Buſſe ſo ſchlecht und 
leicht zugehe, Bedencke, wie ernfte und ſcharffe 
Worte der Apoſtel Paulus brauchet, da er gebeut das 
Fleiſch zu toͤdten und zu creutzigen ſamt den! ü- 
ſten und Begierden / feinen Teib aufzuopffern, 
der Sündenabzufterben,deridelr gecreutziget 
werden. Warlich diß geſchicht nicht mit Zartelung 
des Fleiſches. Die Heil, Propheten mahlen auch die 
Buſſe nicht lieblich abe, wenn fie ein zubrochen zu⸗ 
ſchlagen Hertz und einen zerknirſchten vege 

* 


des Autoris.. 


derm und ſagen: Zureiftt enre Hergen, beuler, 
Elager und weinet. Wo finder man ietzo ſolche 
Bulk? Der Herr Chriſtus nennets ſich ſelbſt 
verleugnen, abfagen alle Dem, das man 
bat, will man anders fein Junger feyn. Solches 
gehet warlic nicht mit lachendem Mundezu, Def 
fen. allen haſt du ein lebendig Exempel und Contrefaic 
in den 7. Buß⸗Pſalmen. Die Schrift ift voll des 
Goͤttlichen Eifer, dadurch die Buffe neben ihren 
Früchten erfordert wird, bey Verluſt der ewigen 
eligkeit; darauf kan der Troſt des Evangelii feine 
rechte natürliche Kraft erzeigen: Beydes aber muß 
GOttes Beift durchs Wort in ung würden. 
Bon ſolcher ernten, wahrhafften,innerlihen Her⸗ 
geng- Buffe, und von derſelben Fruͤchten handelt dig 
mein Büchlein, und von der Praxi und Libung deg 
wahren Glaubens auch wie ein Chriſt alles in der 
Liebe thun ſoll: Denn was aus Chriſtlicher Liebe 
geſchicht, das gehet auch aus dem Glauben. Es ſind 
aber in demſelben, ſonderlich in dem Franckfurtiſchen 
Druck, etliche Reden nach Art der alten Scribenten, 
Tauleri, Kempiſii, und anderer mit eingemiſcht, die 
das Anfehen haben, als wenn fie menſchlichem Ven 
mögen und Werden zu vieltibuiren: (Dartoider 
doch mein gang Büchlein ſtreitet.) Darum foll der 
Chriſtliche Lefer freundlich erinnert ſeyn, daß er 
fleißig ſehe nach dem Scopo und 2“ des gantzen 
Buͤchleins, fo wird er befinden, daß es vornemlich 
dahin gerichtet ift, daß wir den verborgenen ange 
bohrnen Greuel der Erbfiinde erkennen, unfer 
‚Elend und Nichtigkeit betrachten lernen, an ung 
ſelbſt und all unſerm Vermoͤgen verzagen, uns ſelbſt 
alles nehmen, und EHrifto alles geben, auf daß er 
alles allein in uns fen, Rn in ung wuͤrcke / allein 
| un 


Vorrede des Autoris. 


uns lebe alles in uns ſchaffe, weil er unſrer nt | 
rung und Seligkeit Anfang, Mittel und Ende iſt; 
wie ſolches deutlich und uͤberfluͤßig an vielen Dertern 
diefes Buͤchleins erklaret iſt; dadurch der Papiften, 
Syner giſten, Majſoriſten Lehr ausdruͤcklich refutirt 
und verworffen wird. Auch iſt der Artickel von der 
Rechtfertigung des Glaubens in dieſem, ſonderlich 
aber im andern Buch alſo geſchaͤrffet und ſo hoch ge⸗ 
trieben, als es immer moͤglich. Doch damit aller 
Mißverſtand aufgehoben ‚fo habe ich dieſelben in die⸗ 
ſem ietzigen Druck corrigiret und bitte den treuher⸗ 
tzigen Leſer, er wolle den Mompelgardiſchen und 
aͤllen vorigen Druck, und Luͤneburgiſche, Braun⸗ 
ſchweigiſche Exemplar, nach dieſer corrigirten Magde- 
burgiſchen Edition verſtehen und judiciren. Prote- 
ſüre auch hiermit, daß ich diß Buͤchlein, gleichwie in 
allen andern Artickuln und Puncten, alſo auch in 
Articulo de libero Arbitrio, Jufüficatione peccatoris 
coram Deo, nicht anders, denn nach dem Verſtande 
Librorum Symbolicorum Eccleſiarum Auguſtanæ Con- 
feſſionis, als da ſeyn, die erſt unveraͤnderte Augſpur⸗ 
giſche Conſeſſion, Apologia, Schmalkaldiſche Artickel, 
veyde Catechiſmi Lutheri, und Formula Concordiz, 
will verſtanden haben. GOTT erleuchte uns 
alle mit ſeinem Heil. Geiſte, daB wie lauter 
und unanftößig feynim Glauben und Leben, 
bis auf den Cag unfers Hren JEſu CAnıfti, 
welcher nabe vor der Thür ıft) erfüller 
mit Fruͤchten der Gerechtigkeit, zu 
Lob und Preife GOttes! 
Amen!; 


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a. Kurtzer Bericht 
Bon Ankunft, Leben und feligem Abfterben 


Serrn Johann Arndts. 


rn Fe Ankunft dieſes Geiſtreichen und beruͤhm⸗ 
S:% ten Mannes betreffend, iſt derſelbe Anno 
Ey 1555. den 27. Decembr. zu Ballenſtaͤdt im 
Fuͤrſtenthum Anhalt gebohren. Sein Va⸗ 
ter ift gewefen der Ehrwürdige und Wohlgelahrte 
Herr Jacobus Arndt, welcher Anno 1553 zum Pre⸗ 
digt- Amt beruffen, und des Durchlauchtigen und 
Hochgebohrnen Sürken und Herrn, Herrn Wolf 
gangi, Fuͤrſten zu Anhalt, Hof⸗Prediger an gende. 
derem Orte geworden, Seine Mutter ift geivefen. 
Anna Schörtinge. Don diefen feinen Chriſtlichen 
Eltern ift er alfobald zur heiligen Tauffe befordert, 
folgends Ehriftlich erzogen , und ſonderlich, weil 
fie an ihm ein ſchoͤn Ingenium befunden, fleißig zur 
Schulengebaltenworden. Der Vater aber iſt ihm 
eitlich mit Tode abgegangen, nemlich Anno 1565. da⸗ 
er. er denn zwar an andere Derter ſich zu begeben. 
genothiget worden, dennod aber gleichwol auch da⸗ 
felbfien GOttes gnaͤdige Vorſorge wunderlich ges 
ſpuret, indem von feiner goͤttlichen Allmacht gute 
Leute erwecker, die fich feiner väterlich angenommen, 
und durch deren Beförderung er in Particular - Schu 
fen zu Afchersleben, Halbertiadt und Magdeburg 
eine Zeitlang fich aufgehalten, und in feinem Studi- 
ven fleißig geiibet hat. Anno 1576. iff er ferner auf 
hohe Schulen geſchicket werden und hat von A 
— eit 






an. Johann Acndts Lebens» Lauff. 


Sn derfelben vier nach einander mit fonderbarem 
Rus ud Ruhm beſuchet, als Helmſtaͤdt, Witten- 

‚berg, Bafel und Straßburg: Und ſich fonderlich 
auf den beyden legten eine geraume Zeit aufgehalten, 
auch andern Studiofis privatim Philofophica und Phi- 
lologica mit ruͤhmlichen Fleiß und Nutzen geleſen. 
Und was inſonderheit Baſel betrifft, iſt er daſelbſt 
einem Polniſchen Freyherrn vorgeſetzt, allda ihm 
auch eine ſonderbare Gefaͤhrlichkeit zu handen ge⸗ 
ſtoſſen, indem er unverſehens in den Rhein gekom⸗ 
men, darinn er auch geblieben waͤre, wenn er nicht 
aus GOttes gnaͤdiger Schickung, durch denſelben 
ſeinen Untergebenen, als der zu ihm hinein geſprun⸗ 
gen, ihn bey den Haaren erwiſcht / und wiederum her⸗ 
aus gezogen, waͤre errettet worden. Weil er nun von 
Jugend auf, durch des Heiligen Geiſtes Gnade ‚eine 
38 Zuneigung, Luſt und Liebe zu der Heil. 
Schrift und Predigtamt gehabt, auch neben dem lie⸗ 
ben Gebete, und inſtaͤndigem möglichen Fleiß, alle 
fein Studiren zu dem einigen Zweck, wie er nemlich 
GOTT IM Hinmmeh und deſſen Kirche hie auf Erden 
am Worte fruchtbarlid dienen möchte, gerichtet, 
als hat cr auch in ſolchen feinen Scudiis, vermittelſt 
Goͤttlicher Hülffe,dermaffen zugenommen, daß ers 
andern weit zuvor gethan, wie das Werck ſelber aus⸗ 
weiſet, und ſeine in offenen Druck ausgegangene 
Geiſt⸗Lehr⸗und Troſtreiche Schriften klaͤrlich bezeu⸗ 
gen. Nachdem er ſich nun ſolchermaſſen zum hei⸗ 
ligen Wercke des HErrn bereitet, hat ihm derſelbe 
auch eine Thür geöffnet; welches geſchehen Anno 1583. 
im 28. Jahre feines Alters, da er von Herrn Joachim 
Ernſten, Sürften zu Anhalt, zum heiligen Predigt⸗ 
amt beruffen, und den 30.Odtobr. deffelben Jahres 
zu Bernburg, im Fuͤrſtenthum iin + n 
ud) 


an. Johann Arndts Cebens Lauff. 


Auch im ſelbigen Fahre mit Jungfer AnnaWagnerin 
in heiligen Eheſtand getreten. Und als er zu Bal⸗ 
lenſtaͤdt in feinem Vaterlande und zu Baderborn,7. 
Jahr GOttes Wort nad) H. Schrift, auch ungean⸗ 
derter Augſpurgiſchen Confeflion und Formula Con- 
cordie, lauter und rein gelehrer, iffer von den Calvi⸗ 
niften deren Meynung er weder beppflichten Fönnen 
noch wollen, von dannen vertrieben joorden. Indem 
er nun das Fuͤrſtenthum alfo bey Sonnenſchein raͤu⸗ 
men muͤſſen, hat es GOTTder HErr gar fuͤglich ge⸗ 
ſchickt, daß ihm eben zwey Vocationes die eine nad) 
Mannsfeld, die andere nad) Quedlinburg vorgefal- 
len unter welchen die Quedlinburgiſche vor ſich gegan- 
gen, allda er zu St. Nicolai in der Menftadto, Jahr 
gewelen, Von dannen iſt er Anno 1599. nach Braun⸗ 
ſchweig in die alte Stadt, an St Marting- Kirche vo- 

. .eiret worden, und daſelbſt zehendehalb Jahr gelch- 
ret. Undweil es zu der Zeit, ſonderlich in dem letzten 
Jahr, ſehr unruhig da geſtanden, ja auch noch groͤſ⸗ 
ſere Unruhe und Bedraͤngniß zu befahren geweſen, 
und ihm eben darauf Anno ı608 die Vocation zum Pa- 
ſtorat nach Eißleben, ohne allen Zweifel aus ſonder⸗ 
barer Schickung GOttes , vorgeſtanden, hater lieber 
in Friede als Unfriede leben wollen, und derowegen 
dieſelbe angenommen, und ſich im Mamen GOttes 
nad Eißleben begeben, allda er drittehalb Jahr Pa- 
ſior und Oonſiſtorii Aſſeſſor geweſen. Er ware auch 
daſelbſt wohl geblieben, wenn Anno i6u. die Vocation 
zur General· Superintendur des Fuͤrſtenthums Luͤne⸗ 
burg nicht gekommen, welche er denn, als einen 
Goͤttlichen Beruf, nicht ausſchlagen koͤnnen, ſon⸗ 
dern endlich, nach gnugſam gehabtem Bedencken, 
angenommen hat, Sonſt hat er auch noch andere 
unterſchiedene Vocationes an vornehme Oerter ge⸗ 
d 3 habt, 


an. Johann Arndts Lebens+Lauff. . 


habt, als nad Nordhauſen Anno 1594, In die Graf: 
ſchaft Schwartzburg zum Superintendenten, Anno 
1597. Nach Halberſtadt, Anna 1605. Nach Gruͤnin⸗ 
gen, Auno 1607. Nach Weiſſenfels gleichergeſtalt zum 
Superintendenten, Anno 1609. Item nach Magdeburg 
zum Dohm - Prediger ‚und Hamburg: Welche er 
aber alle mit gebuͤhrender Beſcheidenheit abgeſchla⸗ 
gen hat, und alſo an ben Orten, da erdero Zeiten ges 
wefen, gerne bleiben, und ungern fich verändern wol- 
len, wenn er nicht durch erhebliche und unumgaͤng⸗ 
liche Urſachen dazu bewogen worden. Immittelſt 
bey welchen Gemeinen er ſich durch goͤttliche Schi⸗ 
ckung beſtellen laſſen, bat er allenthalben dieſen un⸗ 
ſterblichen Ruhm nachgelaſſen, daß er ſein heiliges 
Amt mit ſonderlichem Fleiſſe, Treue, Sorgfalt, Vor⸗ 
ſichtigkeit, Weisheit und guter Ordnung gefuͤhret: 
Daß er ſowol ob der reinen und unverfalſchten Leh— 
re gehalten; als auch zum Vorbilde eines rechtſchaf⸗ 
fenen, Gott = gefalligen und erbaulichen Ehriffen- 
Wandels fich geſtellet. Doc iſt er nicht vergnuͤgt 
gewefen ‚feine anvertraneten Bemeinen nad denen 
von GOtt verliehenen groffen Gaben, im Dredigen 
aufs fleißigſte zu erbauen ſondern er bat auch andern 
in Schriften zu dienen ſich bemuͤhet, daher er des 
Pſalters Erklaͤrung, eine Poſtilla, vier Buͤcher 
vom wahren Chriſtenthum, das Paradießgaͤrtlein, 
und andere mehr ausgefertiger, welche fo erbaulich 
und geiftreich, daß fie bis anietzo von vielen, ſowol 
Gelehrten als Ungelehrten, mit Begierde und große 
fen Nutzen gebraucher undaelefen werden, Seine 
Kranckheit und Leibes⸗Schwachheit betreffend, hat 
er zwar denſelben gantzen Winter und Fruͤhling vor 
ſeinem ſeligen Ende groſſe Mattigkeit empfunden, 
darneben auch nicht wohl ſchlaffen konnen, aber 
| no 


‚an. Johann Arndts Lebens + Lauf. 


noch gleichwol fein Amt allezeit felser verrichtet, ctlie 
che wenige Tageausgenommen, Am 3. Majı aber iffer 
alfererft bertlägerig geworden, an welchem Tage er 
auch feine letzte Predigt gerhan, und zwar aus dem 
126, Palm: Wenn der Alkır die Befangenen 
Zion erlöfen wird. fo werden wie ſeyn wie Die 
Traͤumende ec. Auch als er aus der Kirche gekom⸗ 
men, alſobald zu ſeiner Hausfrauen geſaget: ietzt ha⸗ 
be ich meine Leih- Predigt gethan. Was es aber vor 
eine Kranckheit geweſen iſt dem lieben GOtt bekannt, 
Nach menſchlichem Urtheil hat es ſich aufaͤnglich an⸗ 
gelaſſen, als wenn ihm ein hitziger Fluß im Halſe ge⸗ 
fallen: Und obwol ſolches hernach ſich ein wenig ge⸗ 
lindert, alſo daß er etwas beſſer wieder reden koͤnnen, 
iſt doch die Lunge dadurch verletzet geweſen, daß er 
daher einen ſchweren Athem bekommen, und iſt auch 
ſonſt ein hitziges Fieber dazu gekommen, daß er ſtete 
groſſe Hitze empfunden, und dadurch gar ſchleunig 
von Kraͤfften gekommen. Und weil er wohl gefuͤh⸗ 
let, wie nahe ſein Ende waͤre, hat er den 9. Maji, des 
Morgens um 6. Uhr, feinen Beicht⸗Vater, Herrn 
Wilhelm Storch, zu ſich fordern laffen,und dag hei⸗ 
lige Abendmahl begehret: Sich auch alſobald aufs 
bringen laſſen, und nicht lange darnach auf dem 
Scuhl ſitzend ſeine Beichte mir Andacht gethan, und 
die Heil. Abſolution darauf gebeten, und nachdem 
dieſelbe geſprochen, das hochwuͤrdige Abendmahl in 
Gegenwart ſeiner Herren Collegen und anderer em⸗ 
pfangen. Und weil er immer zu ie laͤnger ie ſchwa⸗ 
cher geworden, hat ihm ſein Herr Beichtvater mit 
den vornehmſten Troſtſpruͤchen der Schrift zugere⸗ 
det, die er alle mir Andacht angehoͤret und gemeini- 
glich ſelber beſchloſſen. Lind wie ihm fein gedachter 
Herr Beichtvater mena unter andern alſo * des 
+ rider: 


Zn. Johann Arndts Lebens - Bauff. ⸗ 


redet; Mir zweifelt nicht, gleichwie er bis daber nie 
einem einigen Irrthum, ſo GOttes Wort zuwider, 
zugethan geweſen, ſondern allezeit bey dem reinen, 
klaren, lautern Wort GOttes, bey den Schriften der 
Propheten und Apoſtel, bey der erſten ungeaͤnder⸗ 
ten Augſpurgiſchen Sonfeſſon und Formula concor- 
die (laut ſeines Teſtaments) feſt und ſtandhaft ge 
blieben, und alle Gegenlehren ernſtlich und hertzuch 
gehaffer und verworffen, alſo werde er auch ohn 
mein Erinnern bey derfelben Lehr und Glauben, 
bis an ſein Ende, gleichergefkalt, laut feines Teftas 
mente, bleiben; Hat er ſolches mit einem etliche 
mal wiederhohleten Ja beantwortet, Er bat ſich 
auch felber mit vielen Sprüden und Gebeten dem 
fiber GOtt befohlen; unter andern bat er denfel- 
ben Abend, als er verfhieden, aus den 143. Pfalm - 
alſo gebetet: ALEerr, gebe nicht ins Bericht mit 
deinem Knechte ec. Darauf ihm denn geantwor⸗ 
tet worden; es ffünde Foh.s. Wer EHrifti Wort 
hoͤrete, und glaubte dem, der ihn geſandt hatte, der 
hätte das ewige Reben „und kaͤme nicht ins Gericht, 
Und darauf üf er alfobald ein wenig eingefchlaffen, 
und alser wieder erwachet, hat er feine Augen aufge 
haben, und aus dem eriten Cap. Johann. allo gefa= 
get? Vidimus gloriam ejus, gloriam quafi unigenitia _ 
‚ Patre, plenus gratia & veritate. Wir ſahen feine 
Herrlichkeit eine Herrlichkeit als Des einge- 
hohrnen Sohns vom Vater/ voller Ensde 
und Wahrheit, Und weil ihn feine Haus- Frau 
gefrager, wenn er fülhe Herrlichkeit geſehen haͤtte? 
bat er geantwortet: est babe ich fie gefeben, ey 
welch eine Herrlichkeit iſt das, die Fein Auge geſe— 
hen, fein Ohr gehörer,und in Feines Menſchen Herz 
tze kommen iſt; Dieſe Herrlichkeit habe ic schen 
| | Vor⸗ 


an. "Johann Arndts Kebenss Lauff. 
Woraus denn offenbar if, wie Eräfftig der Heilige 
Geiſt in feinem Hergen gewohnet, und lauter Troft, 
Friede und Freude in demfelben erwecken, Denſel⸗ 
ben Abend, wie. cs 8. gefihlagen, hat er gefragt, wie 
pielesfehlüge? Undwieesy.gefchlagen hat er aber⸗ 
mal gefraget. Und als ihm geantwortet worden: 
Es flüge Neun: Hat er bald darauf geſagt; 
Nun babe ih überwunden. Und das ift fein leg> 
es Wort geweſen, denn darauf ift er ſtill hinge— 





legen bis halb zwoͤlffe, da er fanfft und felig einge⸗ 
ſchlaffen, den ı1. Maji, Anno 1621. als chen deffelben 


Tages eine merckliche Sonnen- Finfterniß mit ein- 


fiel. Seines Alters im 66. feines Predigt- Amts 
und Eheſtandes, welchen er mit feiner en 


zwar unfruchtbar doch Chriſtlich und fehr friedlid) 
befeffen, im 38. Jahr, worauf er den ı5, dito zu 


Zell in der. Pfarr⸗Kirchen mic Chriſtlichen und 


- herrlichen Ceremonien zur Erden, welche unfer 


aller Matter, beſtattet: Da denn Ihre Fuͤrſt⸗ 
liche Durchlauchtigkeit zu Luͤneburg mir ihrer hohen 
Gegenwart diefe Procefion vornemlich gezieret, 


indem Sie zu Bezeugung Ihrer Fuͤrſtlichen Gnade, 


damit ſie dem theuren Lehrer im Leben zuge— 


than, deſſelben verblichenem Coͤrper das Geleite 
zu feiner Ruheſtaͤtte perſoͤnlich gegeben. Bey der⸗ 
—* iſt ſein Bildniß in gantzer Statur und Le— 


bens -Gröffe, ihm zu Ehren und Gedaͤchtniß, in 
obgedachter Zellifchen Pfarr- Kirdyen aufgerichter 
worden. Dis if Fürglih der Bericht von der 
Ankunft, Ehriftlihen Leben, und ſeligem Ab- 
fterben dieſes hocherleuchteten Mannes , der ohn 
allen Zweifel nunmehro feine Seelen nad) in 
dem Reich der ewigen Herrlichkeit, wo die Lehrer 
suchten wis des Himmels Slang, und Die, fü 9— 

e zu 


An. Johann Arndts Lebens + Lauff. 


zur Gerechtigkeit gevoiefen , wie die Sterne immer 
und ewiglih. Indeß bleiber fein Gedadhtniß bey 
uns im Segen, die wir wuͤnſchen, daß der Aller- 
höchfte feine Gebeine in der Erden bewahren, und 
- fanfft ruhen laffen wolle ‚bis an den Tag der groffen 
Erſcheinung unfers HERAN JZESU Chriſti, 
da er fie mit der Seelen wieder vereinigen, und zur 
ewigen Sreude wirdeinführen. Bebe uns BOtr, 
einem jeden zu feiner öeit eine ſelige Nachfahrt, 
auf daß wir auch alle dabın gelan- 
| gen, um Chriſti willen! 
AmeEn 


J 





Inhalt 


Inhalt der vier Bücher: 
REN Das J. N | 
LIBER SCRIPTURZ, 
Wie in einem wahren Chriſten Adam 
täglich ſterben, Chriſtus aber in ihm leben foll: Lind 
wie er nach dem Bilde GOttes taͤglich erneuert 


werden, und inder neuen Geburth 
leben müfle. 


ur Das Il, 

LIBER VIT#& CHRISTUS, 
Wie CHrifi Menſchwerdung, Liebe, 
Demurb, Sanftmuch, Gedult, Leiden, Sterben, 
Creutz, Schmach und Tod unferer Seelen Artzney 
und Heyl- Brunnen, Spiegek und Bud) unfers Le- 
bens fey: Und wie ein wahrer Chriſt Stunde, Tod, 
Teufel, Welt, Hole und alle Trübfal durch den 
Glauben, Gebet, Gedult, GOttes Wortund himm⸗ 

lichen Troftüberwinden fol: Und daſſelbe alles 
in Chriſto JEſu, durch deffelben Kraft, 
Stärke und Sieg in uns. 


_LIBER CONSCIENTIE, 
Wie GOtt den höchften Schaß, fein 


Reich, in des Menſchen Herg geleger hat, als einen 
verborgenen Schagim Acer, alsein Göttlie 
ches innerliches Licht der Seelen. 


Das IV. 

LIBER NATURE, 
Wie das groſſe Welt⸗Buch der Natur 
von GOTT zeuget, und ZU GOCT — 

Hier⸗ 


Hierbey find angefüget an ſtatt des 
Fuͤnſſten Buchs 
Drey ſchoͤne geiſtreiche Tractätlein: 
I Dom wahren Glauben und heifi- 
gen geben. 

II. Bon der Vereinigung der Glaͤu— 
bigen mit EHrifto ihrem Haupt. 
III Bon der Heil, Dreyfaltigkeit, 
von der Derfon und Amt EHrifti, und 

den Wohlthaten des Heil, Geiſtes. 


"ingleichen 
Noch drey andere, geh zuſammen den Titul 


Sechſten Buchs 


fuͤhren moͤgen: 
Als: 
J. Die Wiederholung und Verant— 


wortung der Lehre vom wahren er | 
ftenthbum. 


II. Zwey Send Schreiben, die Bu⸗ 


cher des wahren Chriſtenthums be 
treffend, 


Il. Bedengen uͤber Tauleri Teutſche 


Theologie. 





Das 




















IF 
— DIT! 








obald Jic an regt, 
mut- fe innen. Nr ai eıV, 
Ra ich Zu PER uC MENT 
er mich — iften 
* Fol m tag hei: ih ) 
Tanut Crintmur fe 
Und, Stets mitfeurer Curd 


un nreinem herbenjchwe 














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25 
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Mein des Haupt · Bildes zum erſten Buch. 


Jer ſi nd zwey Jungfern, da in der erften Ihrem 
Hertzen der Sall Adams abgebildet ift, wodurch 
der alte Menfeh wird angedeutet der mit * 
Meſſer der taͤglichen Buſſe ſoll getoͤdtet werden; 
der andern Jungfer Hertzen iſt zu ſehen die Aufers 
ı ftebung Coriſti darch deſſen Krafft der neue 
Menſch in ung ſoll auferſtehen. Denn in der 
Toͤdtung des alten Adams, und in der Lebendigwer⸗ 
dung und Wachsthum des neuen Menfchens beſtehet 
das gange Chriſtenthum. 





























































































































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| wol 2: ief elbe.| 


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WULTERSSIETTIDTTTBTSTTETTETSTETTTEFTTHSETIETEERT LET 











⸗ 
Das Erſte Buch, Cap.l. pog.t 

Hier iſt zu ſehen die am Morgen aufgehende Sonne, welche 
eben dieſelbe ift, die den vorigen Abend untergangen, womit 
wird angedeutet, daß ein Chrift gleich der Sonnen, dem alten 


Menfchen nach, täglich muß untergehen umd doch auch täglid 
als J neuer Menſch durch wahre Buff aufſtehen. 


2. Corinth. 4. verſ. 16. 
Ob unſer aͤuſſerlicher Menſch verweſet, ſo wird 
doch der innerliche von Tage zu Tage ver⸗ 
neuert. 


I E rechter Chriſt muß taͤglich untergehen 
(Dem alten Menſchen nach) durch wahre Neu und Leid, 
* Und tagfid) wieder aufferftehen , 
Ein neuer Menfch, in Krafft des Geiſtes Thaͤtigkeit. 

Erſt muß er nackt und bloß ins Grab, 
Und fterben feines Fleiſches Lüften ab: 
Erſt muß er vecht fein eigen Nichts erkennen, 
Vrernrwittelſt tieffjter Demuth 
Sic) unwerth alles GnadensTrofts ernennen 
Mit Zagen, Angft und Wehmuch, 
Eh er zum neuen Leben 
In voller Pracht und Ziet 
31 I Sich thut berfut, 

Und das Vermoͤgen hat, das Haupt empor zu heben. 
Wenn F er suvor in ſeinen Augen klein 
Geworden und der Welt verſchwunden; 

So bhricht heran des Glaubens helles Schein, 
So hat der Menſch ſich ſelbſt gefunden. 

— O Wunder! die der GOtt 
Der Allmacht nur kan der aus der Nacht 
Und Finſterniß das Licht herfuͤr gebracht, 
Das Leben aus dem Tod: 

Und deſſen Werck es iſt, 

Daß du o Menſch, N doch ein andrer biſt 


Erſte Buch 


Vom 





ſtenthum; 

LIBER SCRIPTURZ, 
Pie ineinem wahren Ehri- 
fien Adam täglich ſterben, CHri⸗ 


ſtus aber in ihm leben fol, und wieer 
nach den Bilde GOrtes taͤglich erneuert 
werden, und in der neuen Geburtl) 
leben muͤſſe; 
Durch 
Herrn JoHANNEM ARNDT, 
foeiland General - Superintendenten 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg x. 
. Matth. 7. verf. 14. 
Die Pforte ift enge, und der Weg iſt ſchmal, 
der zum Leben führer, und wenig find. 
ihre, die ihn finden. 
Pf; ug. verf: 131. | 
Der halben, lieber GOtt, laß meinen Bang ger 
wiß ſeyn in deinem Wort, und laß kein 
Unrecht uͤber mich herrſchen. 





Im Jahr CHriſti 1740. 





Das ae Sud 


Vom 


Wahren Chriſtenthum, 


heilſamer Buffe, hertzlicher Neue und 
Leid über die Sünde, wahren Glauben, beili- 
gem Leben-und Wandel der rechten wahren | 


Ehriften. 
Das 1. Capitel. 


Was das Bid GOttes im 
Menſchen ſey? 3 


Eph.4.0.23.24. Erneuert euch im Geiſt eures Ge⸗ 
muͤthes, und ziebet den neuen Menfchen an, 
der nach GOtt gefchaffen ift, in rechtſchaffe⸗ 

ner Gerechtigkeit und Aeiligkeir, 


— As Bid GOttes im Menſchen iſt die 
Bildes Gleichfoͤrmigkeit der menfchlichen 


Gotles. Seelen, Verſtandes, Geiſtes, Ge⸗ 
muͤths, Willens, und aller innerlichen 
und aufferlichen Leibes> und Seelen⸗ 
Kräffte, mit GOtt und der Heiligen 
Dreyfaltigkeit, und mit allen ihren 
Goͤttlichen Arten, 5 Tugenden, Willen und Eigenfchaff- 
ten. Denn alfo lautet der Rathſchlag der Heil. Drey⸗ 
faltigkeit, 1..B.Mof. 1.0.26, Laſſet uns Hien chen 
mathen; ein Bild, das uns gleic) fep, die da herr⸗ 
ſchen uͤber die Sifehei im Meer, uͤber die Vögel unter 
dem AZimmel, * alles Viehe und uͤber die gantze 
Erde. Daraus 





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Das Erſte Buch, Cap. 1. - pag. 2, 

Hier iſt ein heller Spienel auf einem Tifh, in welchem die 
Sontie fich helle ſpiegelt: Alſo wiegelt ſich auch in einer glaͤubi⸗ 
gen Seelen die Kiarheit des HErrn, oder das Bild GOttes 
mir aufgedecktem Angeſicht. 


2. Corinth. 3. — 18. 


ſpiegelt ſichi in uns allen des HErrn Blarheit 

mit aufgedecktem Angeficht, und wir wer- 
den verklärer in daflelbige Bild, von einer 
arbeit zu det: andern. 


o>! ſpiegelt fich das Leben wuͤrckend Licht 
us In einer Lafteizfreyen Seelen, 
| Darin man keine Hoͤlen 
roch Hoͤcker fpürt, mir offnem Angeficht: 
De gang vollkommne Schönheits> Dlick, 
Gebildet ab im Willen und Verſtande, 
Prellt Winckel⸗recht in GOtt zuruck 
Und haͤngt an Ihm durch gar verborgne Bande. 
Der Schopffer ſtehet und beſchauet ſich, 
8 Menſch, in dir mit ſolchem Wohlgefallen, 


Daß ihm Gemuůth und Sinn vor heiſſer Liebe wallenz 


Er zielt mit aller feiner Huld auf did), 
Kaft feiner € Güte Strahlen ſchieſſen 
Bis in Dein Innerſtes, und giebt ſich div 
Mit fehnlicher Begier 
Zu ſchmecken und genieffen. 

O höchites Gut! O wahre Seligkeit! 
O ftete Ruh! O lautre Freuden! 
Von welchen uns des Teuffels Neid 
Und uͤnſre Suͤnden ſcheiden! 

Doch, CHriſtus hat es alles wiederbracht, 
Und/was der Feind und Sünden Fall vernichtet, 
Indem ihn Gtt für uns zur Sünde hat en 
Erneurt m» wieder aufgerichten, 


Vom Bilde GOttes im Menſchen. 3 


Daraus erſcheinet, daß ſich Die Heil. Dreyfaltigkeit Der 
im Menſchen abgebildet, auf Daß in feiner Seele, Ber}. 
and, Willen und Hersen, ja in dem gansen Leben 9. »- 
und Wandel des Menfchen, eitel Göttliche Heiligkeit, PM" 

Gerechtigkeit, Gütigkeit erfiheinen und leuchten ſolte; 

gleichwiein den H. Engeln eitel Göttliche Liebe, Kraͤffte 

und Reinigkeit ft: Daran wolte GOtt feine Luſt und 

Wohlgefallen haben, als an feinen Kindern. Denn, 
‚gleichwie ein Vater fich felbft ſiehet und erfreuer in ſei⸗ 

nen Rinde; alfo hat auch GOtt am Menſchen feine 

Cuſt gehabt; Spruͤchw. 8.0.31. Denn obwol GOtt 

der HErr ſeinen Wohlgefallen gehabt an allen ſeinen 
Wercken, ſo hat er doch ſonderlich feine Luſt an dem 
Menſchen geſehen, weil in demfelben fein Bild in hoͤch⸗ 

ter Unſchuld und Klarheit geleuchtet. Darum find drey 
fuͤrnehme Braͤffte der menſchlichen Seele von GOtt 
eingeſchaffen: Der Verſtand, der Wille, und das 
Gedaͤchtniß. Dieſelben zeuget und bewahret heiliget 
und erleuchtet die H. Dreyfaltigkeit, und ſchmuͤcket und 

zieret dieſelben mit ihren Gnaden⸗Wercken und Gaben. 

Denn ein Bild iſt, darinn man eine gleiche Form Bild der 
und Geſtalt ſiehet; und kan kein Bildniß ſeyn, es muß ER 
ein Gleichniß haben deffen, nach dem es gebilder iſt. ver Serie. 
Als, in einem &piegel Fan Fein Bild erfiheinen, es em⸗ 

pfahe denn Die Gleichniß, oder gleiche Geſtalt von ei- 

nem andern: Und ie heller der Spiegel, te reiner das 

Bild erſcheinet: Alſo ie reiner und lauterer Die menſch⸗ 

liche Seele, ie klaͤrer GOttes Bild darinn leuchtet. 

Zu dem Ende hat GOtt den Menſchen vein, lau⸗ Worinn 
ter, unbefleckt erſchaffen, mit allen Leibes⸗/ und Seelen⸗ e 
Kraͤfften, daß man GOttes Bild in ibm ſehen ſolte: ehe. 
Nicht zwar als einen todten Schatten im Spiegel, 
ſondern als ein wahrhafftiges lebendiges Contrafayt 

und Gleichniß des unſichtbaren GOttes, und ſeiner 
überaus ſchoͤnen, innerlichen, verborgenen Geſtalt. 

Das iſt: ein Bild ſeiner Goͤttlichen Weisheit im 
Verſtand der Menſchen; Ein Bild ſeiner Guͤtig⸗ 

keit, Langmuth, Sanfftmuth, Gedult in den 7 

Az Gemuͤth 


4 Bl.Er. - Dom Bilde GOttes 


Gemuͤth des Menſchen: Cin Bild feiner Liebe und 
Barmbergigkeit in den Afferten Des Hertzens des 
tenfchen, Ein Bild feiner. Bercbeigkeit, Heilig⸗ 

feit, Lauterkeit und Reinigkeit indem Willen des 

AREA: Ein Bild der Sreundlichkeit, Holdfelig- 

Zeit, KieblichFeit und Wahrheit in allen Geberden und 

Worten des Menfchen: Ein Bild der Allmacht in 

der gegebenen Herrſchafft über den / gantzen Erdboden, 

und in der Furcht über alle Thiere: Ein Bild der 

Ewigkeit in der Unſterblichkeit des Menſchen. | 

Mechter ä Daraus folte der Menſch GOtt feinen Schopffer 
Deo Bunes Und fich felbft erkennen. Den Schöpfer alfo, daß 
So GOtt alles wäre, und das einige höchfte Weſen von 
welchem alles ſein Weſen hat, auch daß GOtt alles 
weſentlich waͤre, deſſen Bild der Menſch truͤge: Denn 
weil der Menſch ein Bild der Guͤtigkeit GOttes iſt, 
ER fo muß GOtt weſentlich das hoͤchſte Gut, und alles 
eentiin, Gut ſeyn, er muß weſentlich die Liebe feyn , er muß _ 
wefentlich das Seben feyn, er muß wefentlich heilig 
Marım feyn. Darum auch GOtt alle Ehre, Lob, Ruhm, 
ee Preiß, Herrlichkeit, Stärcke, Gewalt und Krafft ger 
dährer. buͤhret, und Feiner Creatur, fondern allein GOtt, der 
diß alles wefentlich iſt. Darum als Matth. 19.0. 17. 
einer den HErrn fragte, der ihn für einen pur lautern 
Matth.19. Menfchen anfahe: Guter Meifter, was muß ich 
»17 thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Antwor⸗ 
tete der HEw: Was beiffeft du mich gut? Nie⸗ 
mand ift gut, denn der einige GOtt. Das iftz 

GDtt ift allein wwefentlich gut, und ohne und auffer ibm 

kan £ein wahres Gut feyn. 

Sich ſelbſt aber folte der Menfch aus feinem 

Bildniß alfo erkennen, daß ein Unterſcheid ſeyn jolte 

In bem „sroifchen dem Menfchen und zwilchen GOtt. Der 
on Menſch folte nicht GOtt felbft ſeyn fondern GOttes 
nichts Bild, Gleichniß, Contrafayt und Abdruck, in welchem 
ns allein fich GOtt wolte fehen laffen, alfo, daß nichts 
anders in dem Menfchen folte leben, leuchten, wuͤrcken, 

wollen, lieben, gedenifen, veden, freuen, Denn Kot: 

elbſt: 


im Mienfchen. 5 


a N 2 9 
felbit: Denn wo etwas anders in dem Menſchen folte 
gefpüret werden, Das nicht GOtt felbft wuͤrcket und 
chut, ſo Eönte der Menſch nicht GOttes Bild ſeyn, 
ſondern deſſen, der in ihm wuͤrcket, und ſich in ihm ſehen 
laͤſt. So gar ſolte der Menſch GOtt ergeben und ger 5 fol 
(affen feyn, welches ein bloß lauter Leiden des Goͤtt⸗ Menfgen 
lichen Willens, daß man GDtt alles in ihm Laft wuͤr⸗ fen. 
cken, und feinem eigenen Villen abfagt. Und das heift 
EDt: gan gelaffen feyn, nemlich, wenn der Menfc) 
ein bloß, lauter, veines, heiliges Werckzeug GOttes 
und feines. heiligen Willens ft, und aller Goͤttlichen 
Wercke, alfo, daß der Menfch feinen eigenen Willen 
nicht thue, fondern fein Wille folte GOttes Wille 
feyn. Daß der Menſch Eeine eigene Liebe habe; GOtt 
ſolte feine Liebe ſeyn: Keine eigene Ehre, GOtt ſolte 
feine Ehre ſeyn; Er folte Einen eigenen Reichthum har 
ben, GOtt folte fein Befis und Neichthum feyn, ohn 
alle Creatur⸗ und Welt⸗Liebe. Alſo fülte nichts in 
ihm ſeyn, leben und wuͤrcken, denn GOtt lauter allein. 
Und das ift die höchfte Unſchuld, Neinigkeit und Heiz 
ligEeit des Menfchen: Denn diefes ift te die hoͤchſte 
Unfhuld, wenn der Menſch nicht feinen eigenen Wil⸗ 
len vollbringet, fondern laft GOtt alles in ihm wür⸗ 
cken und vollbringen. Ja, das ift Die hoͤchſte Lin- Ahlen 
falt, wie man fichet an einem einfältigen Kinde, in Einfalt. 
dem Eeine eigene Ehre, Feine eigene Ktebe ft. 

Alſo folte GOTT den Menfchen gar befigen 
von innen und auffenz vote wir Deffen ein Srempelbar 
ben an unferm HErrn JEſu EHrifto, welcher ein voll⸗Hrige⸗ 
Eommen Bild GOttes ift, indem er feinen Willen ommen 
gantz aufgeopffert feinem himmlifchen Vater im hoͤch⸗ Bild 
ftem Gehorfam, Demuth und Canfftmuth, ohn alle GO. 
eigene Ehre, ohn alle eigene Liebe, ohn allen eigenen 
Mus und Beſitz, ohne alle eigene Luft und Freude, 
Sondern er hat &Dtt alles in ihm und durch ihn laſſen 
wircken, was cr gedacht, geredt und gerthan. Summa, 
‘ fein Wille iſt GOttes Wille und Wohlgefallen; 
Darum GHDtt vom Himmel geruffen; Dis ift mein 

A 3 lieber 


6 B.J. C. ꝛ. Vom Bilde GOttes 


Matth. 3. lieber Sohn, an dein ich Wohlgefallen babe. Alſo 
mM iſt er das rechte Bild, GOttes, aus welchem nichts anz 
Ders leuchtet, denn allein das, was GOtt ſelbſt iſt; nem⸗ 
lich) eitel Xiebe und Barmhertzigkeit, Langmuth, Gedult, 
Sanfftmuth, en Heiligkeit, Troſt, Leben 
8Htt in und Geligkeit. Alſo wolte der unfichtbare GOtt in 
of EHriſto fichtbar und offenbar werden, und fich im ihm 
| dem Menfchen zu erkennen geben; wiewol er auf eine 
viel hohere Weiſe GOttes Bild ift nach feiner Gott 
heit, nemlich, GOtt felbjt, und GOttes wefentlicyes 
Hebr. . vz. Ebenbilde, und der Glanz feiner Aerrlichkeit: 
Davon wir auf dismal nicht reden, fondern allein, wie 
er in feiner H. M enſchheit gewandelt und gelebet hat. 
en SGot. ine foiche heilige Unſchuld it das Bild GOttes 
ER Adam auch geweſen; und daffelbe folte er in wah⸗ 
bewahret. rer Demuth) und Gehorſam bewahret und erkannt 
haben, daß er nicht ſelbſt das hoͤchſte Gut wäre, ſon⸗ 
dern daß er nur des hoͤchſten Gutes Bild waͤre, das 
ſich in ihm haͤtte abgebildet: Da ers aber ſelbſt ſeyn 
wolte, das iſt, GOtt ſelbſt, da fiel er in die greulichſte 
und ſchrecklichſte Suͤnde. 

Fuͤrs andere, folte der Menſch ſich alſo ſelbſt er- 
kennen, daß er durch dis Bildniß GOttes faͤhig waͤre 
worden der Goͤttlichen, lieblichen, holdſeligen Liebe, 
Freude, Friede, Lebens, Ruhe, Staͤrcke, Krafft, Lichts, 
auf das GOtt alles allein im Menſchen ware, allein 
in ihm lebete und wirckete: Und alſo in dem Menfchen 
nicht ware Eigen Wille, Eigen⸗Liebe, eigene Ehre und 
Nuhm, jondern daß GDtt allein des Menfchen Ruhm 
und Ehre waͤre, und allein den Preiß behielte. Denn 
ein Gleiches iſt feines Gleichen fübig, und Feines Wi⸗ 
derwartigen: Ein Gleiches freuet fich ie feines Öleichen, 
und hatfeine Luft in demſelbigen: Alſo woltefih GOtt 
gang ausgieffen in den Menſchen mit aller feiner Guͤ⸗ 
tigkeit, So ein gang mittheilendes Gut iſt GOtt. 

In der Und letztlich ſolte der Menſch aus dem Bilde 
Feige GOTTES ſich alfo erkennen, daß er dadurch mit 
SH die GOTT vereiniger waͤre, und Daß in dieſer Vereini⸗ 

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. Das Erſte Buh Cap. II. pag.7 


h Hier wird abgebildet die fo genannte Camera obfeura, welche 


ift, wenn die Stube bis auf ein Shößgen gang verfinftert, 


und ein gewiſſes Glaß vor das Schöfigen gehalten wird, ba gez 
ſchicht eg, daß die Leute, die auf der Gaffen vorüber gehen, in der 
Stuben gefehen werden aberdoch alfo, daß fie gantz verkehrt 
‚ aufden Köpffengehen. Hiemit wird angedeutet daß der Menfch 
durch den Häglichen Sünven-Fal in feinem Hertzen und Ver⸗ 


ſtand leider! gang verfinftert, ja ein verfehrtes Bild worden, 


nemlich aug dem Bild GOttes ein Dild des Satans. 
| Epheſ. a,.verhrg. 7 
Ihr Derftand iſt verfinfterr, und find entfrem- 
det von dem Leben, das aus GOtt iſt, durch) 
‚ die Unwiſſenheit, ſo in ihnen ift, durch die 
Blindheit ihres Hertzens. 
Wer dur, o Menſch, von Hoffart aufgeſchwollen, 
"SHDrt felbft willſt fen, und weigerſt dich zu zollen 
Was du dem hoͤchſten Weſen ſchuldig biſt, 
Drum iſt das Bild, das vor fo ſchoͤn gefunckelt, 
Aunietzo fo verdundkelt, - - . 
Daß es ihm felbft nicht aͤhnlich iſt 


Der Will iſt gantz verkehrt, verfinftert der Verſtand, 


Die Neigungen zerſtreut und abgewichen: 
An ftatt du GOtt und dich erkannt, 
Iſt Finſterniß und Blindheit eingefchlichen, 
O Menfeh, wie biſt bu zugericht! 
Du biſt getreten in der Teufel Drden, 
Ein Greul vor GOttes Angeſicht 
Und Satans Ebenbild geworden, 
Du waͤrſt ein ſolcher auch geblieben, 
Und koͤnteſt der Verdammniß nicht entgehn, 
Kenn GHDtt, durch Lieb und Beyleid angetrieben, 
Dich nicht m CHriſto angefehn. 
In ibm iſt dir ein neues Licht geſchencket: 
ie felig iſt der ernftlich diß bedencker, 

Und nimme dig Licht 
Gebuͤhrlich auf mit herslichem Vertrauen ! 
Ein folcher Menſch wird GOtt don Angeficht 

Dort in der Herrlichkeit ohn Ende fehauen! 


im Menſchen. 7 


gung des Menfihen höchfte Ruhe, Friede, Freude, Le⸗ hoͤchſte Rus 
ben und Seligkeit finde: bie im Gegentheil des ’* 
Menſchen höchite Unruhe und Unſeligkeit nirgend an- 
ders ber entitehen kan, denn wenn er wider GOttes 
Bild handelt, fich von GOtt abwendet, und des höch- 
ſten ewigen &uts verluftig wird. 


Gebet,” 


Eiliger ewiger GOtt und Vater, ich preife dich für beine Roͤm. 4. 
groffe Güte, daß du dem Menſchen, da ev nicht war, gezv. 17. 
ruffen, daß erfey; Ja, daß er deinem Gsttlichen Bilde aͤhn⸗.BMoſ.r. 
lich ſey. O wie groß war die Herrlichkeit und Seligfeit deg '?9-?7: 
Menfchen, da er in volfommener Erfänniniß deiner und der 
Natur in dir allein feine Luft, nach dir fein einig Verlangen, 
mir dir einen Willen hatte, nichts wuſte von Sünde und darz 
aus fommender Roth, Elend und Tode: Da er, als ein Kind 
in feines Vaters Haufe, alles, was er bedurffte, ohne Sorge 
von dir, und alles, was auf Erden lebet, zu feinem Gebote ı. Cor, 2, 
batte! Hingegen, wie groß ift nun dag Elend und Unfeliafeit v. 24. 
des natürlichen Menfchen, der fein Vergnuͤgen in der Richtig⸗ 
feit, fein Heil im Verderben, fein Leben im Tode fuchet! Ach 
mein GOtt! laß nicht zu, daß Satan dein Werck gar vernichte. 
Nichte du in mir wieder auf dein verlohrnes Ebenbild; ers 
leuchte meinen Verftand, daß ich dich rech£erfenne: Der Er 
den, darüber du mich zum Herrn gefeßet haft, nicht als ein 
Knecht diene, fondern in der Freyheit der Kinder GOttes der Roͤm. 8. 
Greaturen Dienft dazu gebrauche, daß fie mich zu dir führen :v.21u 
Nicht wehle, was ich, oder mein Sleifch und Blut will, fondern 
was du wilt: Meine Luft und Freude andir und deinen Gebo: 
ten habe, unter deiner gnädigen Regierung nicht forge, fondern 
alles Anliegen auf dich merffe. Laß mich hie in diefer Zeit Bfal. 17. 
anfangen zu tragendag Bild deg himmlifchen Adams, big ich d. 15. 
dich endlich) fchauen werde, wenn ic) erwache nach deinem Bilde, 
durch IEſum EHriftum unfern HEren, Amen, 


Das II. Copitel, 
Mas der Fall Adams ſey? 
Nöm.s.0.19. Wie durch einesMenfchenlingebor- 
fam viel Sunder worden ſeyn; Al find durch 
eines Menſchen Gehorſam viel gerecht worden. 


Fr Fall Adams ift der Ungehorſam wider GOtt, Fr 


dadurch fih der Menfch von GOtt abge⸗ zaus 
AR .- wendet Adanıs, 





N 


8 B.J. C.2. Vom Fall Adams. 


— ——— nn ___ 
wendet hat zu ihm felbit, und GOtt die Ehre geraubet, 
indem er ſelbſt GOTT feyn wollen: Dadurch er des 
heiligen Bildes GOttes beraubet, nemlich der voll 
kommenen Erb + Gerechtigkeit und Heiligkeit: Im 
Derftande verblendet, im Willen ungehorfam, und 
GOtt widerfpenfiig, in allen Aräfften des Hertzens 
verfehret, und GOktes Feind worden: ABelcher 
Greuel auf alle Menfchen durch fleifchliche Geburt 
fortgepflanget und geerbet wird; Dadurch der Menſch 
geiftlich todt und geftorben, ein Kind des Zorns und 
Verdammniß ift, wo er nicht, durch CHriſtum erlöfet 
wird. Darum folt du, einfaltiger Chriſt, den Fall 
| Adams für Feine fehlechte und geringe Sünde achten, 
— als ware derſelbe nur ein bloſſer Apffel⸗/Biß; ſondern 
lihfleSiin, das iſt fein Fall geweſen, daß er GOtt ſelbſt hat ſeyn 
be. wollen : Und das war aud) des Satans Fall. Das 

iſt aber die fehrecklichfte und abfeheulichite Stunde. 

Diefer Fall ift erftlich in feinem Hertzen gefcheben, 
hernach durch den Apffel⸗Biß herausgebrochen und of 
fenbar worden. Das kan man etlicher maffen abneh⸗ 
men in dem Fall und Sünde Abfalons. Denn (r) 
5 SM 14 war derfelbige eines Koniges Sohn; (2) der ſchoͤnſte 
Menſch, an welchem vom Haupt bis auf die Fuß⸗ 
foblen kein Schlwar; (3) war er feinem Dater ein 
ſehr lieber Sohn, wie man am den Thränen Davids 
fiehet. 2. Cam. 18.0.33. An diefer Herrlichkeit wolte 
fid) Abfalon nicht begnugen laffen, fondern wolte felbft 
König feyn, und raubete ihm die Konigliche Ehre. Da 
er nun das in fein Herg nahm, da ward er feines Va⸗ 
» ters abgefagter Feind, und trachtete ihm nach dem Keben. 
Luc.3. v. 38. 2 Cam. ıs. Alſo war Adam (1) GOttes Sobn, 
- (2)der Schönfte unter allen Cresturen, alfo, daß 
Fein Kehl an ihm war an Leib-und Seele? und war 
auch fürs (3) GOtt ein liebes Kind: Alser ſich nun 
an diefer Herrlichkeit nicht wwolte begnügen laflen, ſon⸗ 
dern GOtt felbft feyn, da ward er ein Feind GOttes, 

und wenn es möglich geweſen, hätte er GOtt vertilger. 
ie Eunte nun eine greulichere und ie 
unde 


Dom Sall Adams. 9 

sunde feyn? Daraus diefer Greuel erfolger: Erſt—⸗ giide 
1, daß der Menfeh dem Satan gleich worden in ſei⸗ Ahanıs und 
m Hertzen; denn fie haben beyde gleiche Stunde ber des Sa— 
angen: und ift demnach der Menfeh aus GOttes ans. 
Bilde,des Satans Bild, und fein Werckzeug worden, 








fähig aller Bosheit des Satans. Darnach iſt der 


MNenſch aus einem Gottlichen, geiftlichen, himmliſchen 


Bilde gar irdifch, Heifchlich, viehiſch und thierifch worz 


‚ 
L 


den: Denn erftlich, damit der Satan fein teufelifih 


Bildniß im Menfchen pflangete, fo hat er durch feine Bild des 


4 
N 


SE 


fiftige, gifftige, verführifehe Worte und Betrug feinen Satans. 
Schlangen⸗Saamen in den Menfchen gefaet, welcher 
heijt eigene Liebe, eigener Wille, und GOtt ſelbſt ſeyn. 


- Daher die Schrifft alle die, fo in eigener Liebe erfoffen 


feyn, nennet Ottern⸗Gezuͤchte, Matt. 3. v. 7. und 
Schlangen-Saamen, die des Teufels Art an fich has 
ben. 2. B. Mof. 3.0. 15. Ich will Seindfchafft 
ſetzen zwifchen der Schlangen Saamen und des 
Weibes Saamen. | 

Aus diefem Schlangen⸗Saamen Fan nun nichts 
anders wachfen, denn eine folche greuliche Frucht, die 
da heift des Satans Bid, Kinder Belial, des Teu- 
fels Binder, Joh. 8. v. 44. Denn gleichrote ein na⸗ Gleichnis. 
tuͤrlicher Saame verborgener Weiſe in ſich begreiffet 
des gantzen Gewaͤchſes Art und Eigenſchafft, ſeine 
Groͤſſe, Dicke, Laͤnge und Breite, ſeine Zweige, Blaͤt⸗ 
ter, Bluͤte und Fruͤchte, daß man ſich billig verwundern 
muß, daß in einem kleinen Saͤmlein ſo ein groſſer 
Baum verborgen liegt, und ſo viel unzehliche Fruͤchte: 
Alſo iſt in dem gifftigen boͤſen Schlangen⸗Saamen, in 
dem Ungehorſam und eigener Liebe des Adams, ſo auf 
alle Nachkommen durch fleiſchliche Geburt geerbet, ſo 
ein gifftiger Baum verborgen, und fo unzehliche boͤſe Giftiger 
Früchte, daß in ihnen das ‘Bilde des Satans mit aller Vaum. 
bofen Unart und Bosheit erfeheinet. | 

Denn fehet ein kleines Kind an, wie fich von Mutz 
terleibe an die böfe Unart in ihm reget, fonderlich aber 
der eigene Wille und —— — und wenn es 
| $ ein 


J 


10 B. J. C. 2. Vom Sell Adams. 


Früätedes ein wenig erwaͤchſet, bricht hervor die —7 — ei⸗ 
giftigen gene Liebe, eigene Ehre, eigen Lob, eigene Rache, Luͤ⸗ 

” gen und dergleichen: Bald bricht hervor Heft, 
Stoltz, Hychwuth Gomeslaͤſterung Fluchen, Schwoͤ⸗ 
ven, Boͤſes wuͤnſchen, Lügen und Truͤgen, Verach⸗ 
tung GOttes und feines Worts, Verachtung der &b 
tern, Obrigkeit. Es bricht hervor Zorn, Zanck Haß, 
Neid, Feindfchafft, Rachgierigkeit, Blutbergieſſen und 

— —— alle Greuel; ſonderlich wenn die aͤuſſerlichen Aerger⸗ 
die Unart niſſen darzu kommen, welche die Adamiſche fleiſchliche 
im Mens Unart im Menſchen erwecken: Denn dadurch gehet 
hervor die Unzucht, Umeinigkeit, huriſche Phanta⸗ 
ſeyen und ehebrecherifche Gedancken, ungüchtige Reden, 
ſchaͤndliche Geberden, Wort und Wercke, die Luſt zur 
Voͤllerey, Uberfluß in Speiß und Tranck, in Kleiz 
dung, Leichtfertigkeit, Uppigkeit, Feeſe en und Sauffen. 
Es gehet — Geitz, Wucher,? Betrug, Vortheil, 
Naͤncke, Liſt, Spitzfindigkeit: und in Gumma, alle 
Schande und Lafter, alle Büberey und Schaldheit 
auf fo vielfältic ge unerhoͤrte mancherien Weiſe, Daß es 
nicht moͤglich zu zehlen, wie im Jerem. am 17. v. 9. 
ſtehet: ‚Wer kan des Menſchen Hertz ergruͤnden? 
ueun a, das noch mehr ift, fo die ketzeriſchen verführifchen 
je. 9° Seifter darzu kommen, fo gehet beraus Derleugnung 
GOttes, Abgoͤtterey, Verfolgung der Wahrheit, die 
Suͤnde in den Heiligen Geiſt, die Derfalfebung des 
Glaubens, Verkehrung der Schrifft, und alle Ver⸗ 
fuͤhrung aufs allerſchrecklichſte. Das find alle Die 
Früchte des Schlangen-Saamens im Menfchen, und 

das Bild des Satans. | 
kn Wer hatte nun anfänglich gemeynet, daß in einem 
In Den fo Eleinen, ſchwachen und blöden Kinde ein ſolcher 
(den. Wuſt aller Kafter , ein fo verzweifelt bofes Hertz, ein 
folcher greulicher Wurm: und Baſiliske verborgen 
gelegen wäre, wenn es der Menſch nicht ſelbſt hervor 
drückte mit feinem Leben und Wandel, mit feinem 
böfen Tichten und Trachten von jugend auf? 


1. B. Moſ. 6. 0.5. C. 8. 0,21, 
Laß 





Lowen⸗ Art? ft dein Neid und unerfättlicher Geis‘ 


Dom Sall Adams. IT 


Laß mir nun das eine bofe Wurtzel feyn, daraus 
fo ein gifftiger Baum waͤchſet; einen bofen Schlan⸗ 
gen-Saamen, und Dftergegüchte, Daraus fo ein 
fcheußlich Bild hervor kommt; Denn das wachfet 
ja alles von innen heraus, und wird mehrentheils 
durch die aufferliche Aergerniß erwecket. Darum der Verum 
Her EHriftus die Aergerniffe der Jugend halben fo grgernis 
hart verboten, Dieweil der Schlangen» Saamen in boten, 
den Kindern verborgen ift, in welchen fo viel Schand Pat. 18. 
und Lafter heimlich verfteckt liegen und ruhen, als ein 
Gifft im Wurm. 

Darum, o Menſch, lerne den Fall Ada und die Sbluͤnde 
Erb⸗ Suͤnde recht verſtehen; denn die Verderbung uht ars 
iſt nicht auszugruͤnden. Lerne dich ſelbſt erkennen, 
was du durch den Fall Adaͤ worden biſt: Aus GOt⸗ 
tes Bilde des Satans Bild, in welchen alle Unar⸗ 
ten, Sigenfihafften und Bosheit des Satans begrif- 
fen fen. Gleichwie in GOttes Bild alle Arten, 
Eigenfchafften und Tugenden GOttes begriffen was 
ten; und gleichwie vor dem Fall der Menfch trug 
Das Bild des Aimmlifehen, daß ift, er war gang — 


himmliſch, geiſtlich, Goͤttlich und Engliſch: So tra Si, 


get er nun nach dem Fall das Bild des Irdiſchen; ?-Eor- ıs. 
Das ift, er ift inwendig gang. irdiſch, Reifchlich und” 9 


beftialifch worden. 

Denn fiehe, ift dein Zorn und Grimmigkeit nicht —5 
nicht Hundes⸗ und Wolffes⸗Art? ft deine Unrei⸗ 
nigkeit, Unmaßigkeit nicht Säuifche Art? Sa du 
wirft in Dir felbft finden eine gantze Welt voller boͤ⸗ 
fer Thiere, auch in dem Eleinen Glied deiner Zungen 
allein, wie St. Jacobus C. 3. v. 6. ſagt; einen gantzen 
Pfuhl voller boͤſer Wuͤrme, eine Behauſung voller 
unreinen Geiſter, und voller unreinen Vogel, wie Eſaias 
E. 13. v. 21. und Offenb. Joh. C. 18.0. 2. jeugen; daß 
auch offt kein wild Thier fo grimmig iſt als ein Menſch, 
kein Hund fo neidiſch, kein Wolff fo reiſſend und gei⸗ 
sig, kein Fuchs fo liſtig, kein Baſiliske fo gifftig, a 

Sau 


ı2 B.l.E.2. Vom gall Adams. 


BE ER is — 
Gau fo unflätig. Um welcher thierifchen und viehi⸗ 
fehen Unart willen der HErr CHriftus Jerodem einen 
Fuchs nennet, Luc. 13.09.32. Die unreinen Aunde 
und Säue, welchen man das Heiligthum nicht ge- 
ben, noch die Perlen furwerffen foll, Matth. 7.0. 6, 

Wenn fic) nun der Menfch von folcher Unart nicht 
befehret, und in Ehrifto nicht erneuret wird, fondern 
alſo ſtirbet, fo bleibet er ewiglich einer folchen hochmuͤ⸗ 
thigen, ſtoltzen, hoffartigen, Satanifchen Art, ein grim⸗ 
miger Löwe, ein neidiſcher Hund, ein reiffender Wolff, 

a ein gifftiger Wurm und Bafıliske, Fan auch nimmerz 

nöthig. Mehr von folchem Greuel erlediget werden, fondern 

muß des Satans Bid ewig tragen und behalten in 
der ewigen Sinfterniß, zum Zeugniß, daß er nicht in 
EHrifto gelebet, und nad) dem Bilde GOttes erneuert 
worden , wie die Dffenbabhrung Johannis faget: 
Drauſſen find die Hunde, die Abgoͤttiſchen und 
Zauberer, und alle, die da lieb baben und thun 
die Kügen,zc. Cap. 21.0.8. E,.22.0. 15. 


Gebet. 


e on AR O Du groſſer und erſchrecklicher GOtt, zu dir ſchreye ich aus 
San der Tiefe, und flage dir meines Hertzens Jammer-Stand. 
18. - Dubhatteft mich erfchaffen zu ſeyn einficht in dir,fo hat durch des 
Serem. 2. Satans Liſt und mein eigen Verfehen, Sinfterniß meinen Vers 
p. 27. ftand um und um bedecket: Sich vernehme von mir felbft nicht, 
5 A. was des Geiſtes GOttes iſt; es iſt mir eine Thorheit, und kan es 
1 Fuch Nicht erfennen: Daher ift feine wahre Furcht GOttes für meiz 
Mof.g.v, nen Augen. An ftattdaß ich dich, dag hoͤchſte Gut, lieben und ſu— 
eı. chen folte,Fehre ich dir den Mücken zu, und nicht dag Angeficht. 
Epheſ. 2. Ja ich bin aus fündlichem Saamen gezeuget, und meine Mutter 
uch Fu hat mich in Sünden empfangen: Co iſt auch. das Tichten und 
Trofis za. Trachten meines Hertzens nur boͤs von Jugend auf. Ich bin ein 
v5. Kind des Zorng, eine bofe, verkehrte abtrünnige Art, die des 
Efa. 1. v. 5. Abweichens nur immer mehr machet: und was das elendefte iſt, 
Pſolm 19. Fan ich mein Elend nicht genung erkennen noch ergründen. Alle 
— Kraͤffte meiner Seelen ſind verderbet; ich liebe Finſterniß 
a 19. mehrdenn dag Licht: Auch wennich will bag Öute thun, fo finde 
Roͤm. 7. ich in mir cin Gefeg, daß mir dag Boͤſe anhaͤnget. Ich elender 
p. 21. 24: Menfch, wer will mich erretten von dem Leibe diefes Todeg ! 
Hiob 15. v. Mein GOtt, ich erfenne wohl, daß du, dag allerreinefte und alz 
*. lerheiligſte Weſen, nicht kanſt Gemeinſchafft haben mit einem, 

der ſo ein Greuel und ſchnoͤde iſt; Derowegen mich wJ 

o 


Dom Sall Adams. 13 


Noth, Kammer und Elend triffe: Fa, ich muͤſte in der Zeit und Ei. 64. 
Ewigkeit von dir gefchieden ſeyn in meinen Sünden ſeuffzen Bi 
und verfhmachten, wo deine Erbarmung nicht hätte ein Mit? —— 
tel zu meinem Heil erfunden, Guͤtiger GOtt, der du Dich er. 
barmeft aller deiner Wercfe, laß dag Gemächte deiner Hände 

nicht vergehen, Deffne die Bande des Todes, darinnen ich 
verſtricket bin; gieb mir wahre Erfänntnig und Empfindlich 

feit meines Elendes, laß folches in mir würden hergliche Des 

mutb, inniglich Erbarmen und Mitleiden gegen meinen Näch- 

ften, brünftig Gebet vor denfelben, Mißtrauen auf meine eige— 

ne Kräffte, ängftliches Sehnen nach deiner Gnade und Hülffe. 

Befreye mich auch, mein GOtt, daß diefe bufe fündlihe Unart Roͤm. 6. 
nicht länger berrfche in meinem fterblichen Leibe, mich gefanı 5; in a: 
gen zu nehmen nach ihren Lüften, fondern gieb mir Krafft und Kine 
Muth, zu creugigen mein Fleiſch mit allen Lüften und Begier: pfal, 142. 
den, aufdaß der fündliche Leib aufhore, und ich hinfort der w 8. 
Sünden nicht diene: und endlich führe meine Seele aug diefem 

Kercker, hilff mir gaͤntzlich aus dieſem Tode, aufdaß ich lebe, 

und deine Gnade und Treue verfündige ewiglich, mein GOtt, 

mein Heil, durch ICſum EHriftum unfern HErrn, Amen. 


Das III. Capitel, 


Wie der Menſch in CHriſto zum ewigen 
Leben wieder erneuert wird. 
Gal.6. v. 1y. In Chriſto JEſu gilt weder Beſchnei⸗ 
dung noch Vorhaut , ſondern eine neue Creatur. 
Je neue Geburth iſt ein Werck GOttes des Heil. Was die 
Geiſtes, dadurch ein Menfch aus einem Kinde des parunıe 
> Zorns und Verdammniß ein Kind der Gnaden 
und Seligkeit wird; Aus einem Eünder ein Gerechter 
durch den Glauben, Abort und Sucrament: Dadurch 
auch unfer Hers, Sinn und Gemuth, Berftand, Wille 
und Affecten erneuert, erleuchtet, gebeiliget werden in 
und nach Chriſto JEſu, zu einer neuen Ereatur. Denn Derfeben 
die neue Geburth begreift zwey Haupt⸗Wohlthaten Zeduha⸗ 
in ſich, die Rechtfertigung und die Heiligung, oder 
rneuerung, Tit. 3. v. 5. 

Es iſt zweyerley Geburth eines Ehriften-Menfchen ; Zwenerlen 
die alte fleiſchliche, fündliche, verdammte und vers Eeburtd. 
fluchte Geburt), fo aus Adam gehet , Dadurch der 
Schlangen⸗Saamen, des Satans Bilde, und die ir⸗ 
diſche viehifche Art des Menfchen fortgepfianget m ; 

n 


14 31. C. 3. Don der Erneuerung 


Und die geifkliche, heilige, felige, gebenedeyte neue Ge⸗ 
burth, fo aus CHriſto gehet, dadurch der Saame GOt⸗ 
tes, das Bild GOttes, und der himmliſche Gott + fürs 
mige Menfch geiftlicher Weiſe wird fortgepflanger. 
Alſo hat ein ieder Ehriften-Menfch zweyerley Ge 
Alte und burths> Linien in ihm; die fleifchliche Linie Adams, 
bare und die geiftliche Linie CHriſti, fo aus dem Glauben 
gehet: Denn gleichwie Adams alte Geburth in ung 
ift, alfo muß EHrifti neue Geburth auch in uns feyn. 
Und das heift der alte und neue Menfeh, die alte und 
neue Geburth, der alte und neue Adam , das irdiſche 
und himmlische "Bilde, das alte und neue Jeruſalem. 
Fleiſch und Seift, Adam und EHriftus in uns, der ins 
wendige und aufferliche Menfch. 
Wie die Nun mercket, wie wir denn aus CHriſto neu geboh⸗ 
Te ren werden. Gleichwie die alte Geburth fleifchlicher 
föich, Xeife aus Adam fortgepflantzet wird: alſo iſt die neue 
Geburth geiftlicher Weiſe aus EHrifte : Lind das ges 
Saame ber ſchicht durchs Wort GOttes. Das Wort G&Dttes iſt 
Dur Der Saame der neuen Geburth, 1. Petr. 1.0.23. Ihr 
ſeyd wiederum gebobren, nicht aus vergüngli- 
chem, fondern aus unvergänglihem Saamen, 
nemlich aus dem lebendigen Wort GOttes, das 
da ewiglich bleiber. Und ac. am ı. v.ı8. Er 
bat uns geseuget durchs Wort der Wabrbeit, 
daß wirmwären Erſtlinge feiner Cresturen. Dip 
ort erwecket den Glauben, und der Glaube hält fich 
an diß Wort, und ergreifft im Wort JEſum CHriſtum 
Mittel der ſamt dem Heil, Geiſt: Und durch des Heiligen Geiſtes 
unbe Krafft und Wirckung wird der Menſch neusgebobren. 
Saoo geſchicht nun Die neue Geburth erftlich durch den 
Zeil: Beift, Joh, 3.0.5. Und das nennet der HErr 
aus dem Geift gebohren werden. Zumandern, durch 
den Glauben, 1. Joh. 5.0.1. Wer de glaͤubet, daß 
JEſus ſey CHriſtus, der iſt aus GOtt gebohren. 
Zum dritten, durch die H. Tauffe. Joh. 3.0.5. Es 
ſey denn, daß iemand neu⸗gebohren werde aus dem 
Waſſer und Geiſt. Davon mercket folgenden Nr 
us 


in CHriſto. 15 


Aus Adam und von Adam hat der Menſch erer⸗ Frähteher 
bet das hoͤchſte Ubel, als Suͤnde, Fluch, Zorn, Tod, neuen Ges 
Teuffel, Hoͤll und Verdammniß; das find Die Fruͤchte burib. 

der alten Geburth: Aus C.riſto aber ererbet der 

Renſch das hoͤchſte Guth Durch den Slauben, nemlich, 
Gerechtigkeit, Gnade, Seegen, Leben und Die eivige 
digkeit. Aus Adam hatder Menſch einen fleiſch⸗ 

lichen Geift, und des boͤſen Geiſtes Herrſchafft und Ty⸗ 

ranney ererbet: Aus CArifto aber den Heiligen Geiſt 

mit feinen Gaben und troͤſtlicher Regierung. Denn Carter 
waſerley Geift der Menfch hat, ſolcherley Geburth, Art werten 
und Eigenſchafft hat er anfich, wie der HErr Luc. 9. En) und 
v. 55. fpricht: Wiſſet ihr nicht, welches Geiſtes 4 
Rinder ihr ſeyd? Aus Adam hat der Menſch be — 
kommen einen hoffartigen, ſtoltzen, hochmuͤthigen Geiſt ausChriko 
durch die fleiſchliche Geburth: Will er nun neu⸗geboh⸗ alles Gutes. 
ren und erneuert werden, ſo muß er aus CHriſto einen 
demuͤthigen, niedrigen, einfaͤltigen Geiſt bekommen 

durch den Glauben. Aus Adam hat der Menſch geer⸗ 

bet einen unglaͤubigen, gotteslaͤſterlichen, undanckba⸗ 

ren Geiſt: Aus CHriſto muß er einen glaubigen, GOtt 
lobenden, danckbaren Geiſt befommen durch den Glau⸗ 

ben. AusAdam hat der Menfch befommen einen unz 
gehorfamen, Frechen, freveln Seit: Aus Chriſto aber 

muß er bekommen einen gehorfamen, fittigen, freundli⸗ 

chen Geiſt Durd) den Glauben. Aus Adam hat der 

Menſch geerbet einen zornigen, feindfeligen, rachgieri⸗ 

gen, mörderifchen Geift ducch die fündliche Geburth ; 
AuscHrifto muß er ererben einen liebreichen, ſanfft muͤ⸗ Wir Haben 
tigen, Langmüthigen Geift durch den Slauben. us SprN 
Adam hat der Menſch bekommen einen geisigen, uns 1. Cor. x, 
barmhertzigen, eigennüßigen, rauberifchen Geift: Aus" 16. 
EHrifto muß er erlangen einen barınbergigen, milden, 
hulffveichen Geift durch den Glauben. . Aus Adam 

hat der Menſch ererbet einen ungüchtigen, unfaubern, 
unmaßigen Geiſt: Aus CHriſto einen reinen, keu⸗ 

fhen, mäßigen Geift. Aus Adam hat der Menfch 

einen luͤgenhafften, falfchen, verleumderiſchen pr 

r us 


16 9.1.8.3. Von der Erneuerung 


Aus EHrifto einen wahrhafftigen, beſtaͤndigen Geiſt. 
Aus Adam hat der Menſch einen viehiſchen, irdiſchen, 
thieriſchen Geiſt erlanget; aus CHriſto einen himmli⸗ 
ſchen, Goͤttlichen Geiſt. 
Darum hat CHriſtus muͤſſen Menſch werden, und 
vom Heiligen Geiſt empfangen werden, auch mit dem 
Eſa.u. v. 2. Heiligen Geiſt ohn alle Maaß geſalbet werden: Ja, 
darum ruhet auf ibm der Geiſt des SErrn, der 
Geift der Weisheit, des Derftandes, des Ratbs, 
der Stärde, der Erkänntniß,der Furcht GOttes, 
Durch auf daß in ihm und durch ihn Die menfihliche Natur 
Hrium erneuert werde, und wir in ihm, aus ihm, und Durch ihn 
Geik die neusgebohren, und eine neue Ereatur würden, auf daß 
menkhliche wir yon ihm den Geift der Weisheit und des Ders 
neuert. ſtandes ererben für den Geift der Thorheit, den Geift 
der Erkaͤnntniß für unfere angebohrne Blindheit, den 
Geiſt der Furcht GOttes für den Geift der Verach⸗ 
tung GOttes. Dasiftdasneue Leben, und die Frucht 
der neuen Geburth in ums, 
In CHrifto Denn gleichwie wir in Adam alle aeiftlich geffor- 
EDEN wir hen waren, und nichts thun Eunten, denn todte Wercke 
neiftiich le⸗ des Todes und Finſterniß: Alfo müffen wir in CHriſto 
bendig „, wieder lebendig werden, und thun die Wercke des 
Giauben- Lichts, ı.Cor.15.0.22. Und wie wir durch die fleifch- 
„Cor as liche Geburth Die Sünde aus Adam geerbet haben: 
*Alſo müffen wir durch den Glauben die Gerechtigkeit 
erben aus CHriſto. Und gleichwie uns durchs Fleiſch 
Adams Hoffart, Geis, Wolluſt und alle Unreinigkeit 
angebohren wird: Alſo muß durch den Heiligen Geift 
unfere Natur erneuert, gereiniget und geheiliget werden, 
undalle Hoffart, Geis, Wolluſt und Neid muß in uns 
fterben, und müffen aus CHriſto einen neuen Geiſt, ein 
neu Hers, Sinn und Muth befommen, gleichwie wir 
aus Adam das fündliche Fleifch empfangen haben. 
ale gute Und wegen folcher neuen Geburth wird CHriſtus 
möffen ang Unfer ewiger Dater genennet, Eſa.9. v. 6. Und alſo 
der neuen werden wir in EHrifto zum ewigen Leben wieder erneu⸗ 





a er, aus CHriſto neu⸗gebohren, und in CHriſto ee nen i 


gehen. 
| Ins 


in CArifto, 17 
Creatur: Und alle unfere Wercke, Die SDtt gefallen 
follen, müffen aus der neuen Geburth gehen, aus CHri⸗ 
fto, aus dem Heiligen Geiſt, und aus dem Glauben. 
Alſſo leben wir in rn neuen Geburth, und die neue Beſchrei⸗ 
. Geburt) in uns; alfo leben wir in CHriſto, und CHri⸗ uns Der 
ſtus inuns, Salat. 2.0.20. Alſo leben wir im Geiſt, burch und 
und der Geift EHrifti in ung. Diefe neue Geburth Et 
und derfeiben Frucht heift St. Paulus Epheſ. 4.0.23. * 
erneuert werden im Geiftdes Bemütbs, den elten 
Menſchen auszieben, und den neuen anziehen; 
2.Cor. 3. v. 18. indes Ebenbild GOttes verkläret 
werden; Col. 3. v. 10. verneuert werden zu der 
Erkaͤnntniß nach dem Ebenbilde deß, der uns ge⸗ 
ſchaffen hat; Tit. 3.0. 5. die Wiedergeburth und 
Erneuerung des Heiligen Geiſtes; Ezech. ı 1.0.19. 
das ſteinerne Hertz wegnehmen, und ein fleiſchern 
Hertz geben. Alſo entſpringet die neue Geburth aus 
der Menſchwerdung Criſti; denn weil der Menſch 
Durch. eigene Ehre, Hoffart und Ungehorſam fich von 
EDtt abgewandt, und gefallen war, fo Fonnte dieſer Neue Ge⸗ 
Fall nicht gebeſſert noch gebuͤſſet werden, denn durch die — 
allertieffſte Demuth, Erniedrigung und Gehorſam des 
Sohnes GOttes. Und wie nun EHriftus feinen der 
müthigen Wandel auf Erden unter den Menfchen ges 
führer hat: Alſo muß er auch in dir leben, und das Bild ER 
GOttes in dir erneuern. | ieben. 
Da ſiehe nun an den liebreichen, demuͤthigen, ge⸗ ChrlſtiEe⸗ 
horſamen, gedultigen CHriſtum, und lerne von ihm, ne in 
das ift,lebeinihm, Matth.ı 1.0.29. Siebe! Zinmerzfers Lebens. 
fen, warum hat er alfo gelebet? Darum, daß er ein zu. a 
Spiegel und Regel waͤre deines Lebens. Eriftdierechte 
Regula vitæ, die Lebens⸗Regel. Nicht die Regel 8. Bene- 
dich iſt die Regel unſers Lebens, oder ander Menſchen⸗ 
Tand, ſondern CHriſti Exempel, darauf uns die Apoſtel 
weiſen. Zum andern, ſiehe auch an fein Leiden, Tod Frucht des 
und Auferſtehung; Warum hat er folches altes gelid⸗ Kuncne 
ten? Warum iftergeftorben und auferftanden? Dar- bunsCHrb 


um, daß ar der Sünden mit n folt abfterben, a — 
i n 


18 31€ 3. Don der Erneuerung 


in ihm, mit ihm, und durch ihn geiftlich wieder auferfte- 
hen, und in einen neuen Leben wandeln: Horn. 6, 

v. 3. Beſiehe hiervon ferner das ı 1.und 3 1. Capitel. 
Neue Sr 2 Dersiwegen quillet und entfpringet aus dem Heyl⸗ 
Br brumnen des Leidens, Todes und Auferftehung CHriſti 
und Aufer die neue Geburth; 1. Petr. 1.0.3: Wir find neu ge» 
ER bobrei zu einer lebendigen Hoffnung duch die 
Auferſtehung Chriſti. Darum auch die heiligen 
Apostel allezeit zum Grund der Buſſe und des neuen 
Lebens legen das heilige Leiden CHriſti; als zu den 
1.Yetr.r. Roͤm. 6. v. 3. und 1. Petr. 1.0.17.18. Fuͤhret einen 
v7 guten Wandel, ſo lange ihr bie wallet, und wij: 
fer, daß ihr nicht mit vergänglichen Silber oder 
Bold erlöfer ſeyd, fondern mit demtbeuren Blut 
Chriſti, als eines unfchuldigen unbefleckten 
Urſache des Laͤmmleins. Da feset St. Petrus v. 18. die Urſa⸗ 
kon. Le⸗ che, warum wir einen heiligen Wandel führen füllen, 
»nemlich darum, weil wir fo theuer erlöfer find. Und 
abermalfpricht er 1. Petr. 2.0.24. Chriſtus hat un⸗ 
fere Suͤnde felbft geopffert an feinem Keibe auf 
dem Holtze, auf daß wir der Sünden abgeftorben, 
der Berechtigkeit leben, durch welches Wunden 
ihr fepd beil worden. Go fpricht auch der Herr 
CHriſtus Lue. 24.0.47. Muſte nicht CAriftus ſol⸗ 
ches leiden, und am dritten Tage auferſtehen, und 
predigen laſſen in feinem Namen Buſſe und Ver⸗ 
gebung der Zuͤnden. Da hoͤren wir, daß der HErr 
ſelbſt beydes das Predigt-Amt und die Buſſe, als le⸗ 
bendige Stroͤmlein, heraus leitet aus dem Brunn⸗ 

quell ſeines Leidens, Todes und Auferſtehung. 

enerlen So ift nun das Leiden CHriſti beydes; nemlich, 
Bruch des eine Bezahlung. aller unferer Sünde, und eine Er 
EHrifi. neuerung des Menfchen durch den Glauben: Und 
beydes gehöret zu des Menſchen Aßiederbringung. 
Denn das iftdie Frucht und Krafft des Leidens CHri⸗ 
Frucht der (fi, welches auch in uns wuͤrcket die Erneuerung und 
Zeiligung: 1. Cor. 1.0.30. Undalfo kommt die neue 
Geburth aus E-Hrifto in uns, dazu auch das Be der 
yeiligen 








IIIIIE„EIIæIEI0IIDCOCOCCG, — 


In Seilender 


2 


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ÜRNERBAPEEIHNRAIN 



































Das Erſte Buch, Cap. V. pager9 
Hier iſt ein Wochen⸗ Bette dabey zu ſehen eine Wiege, in 


welcher ein neu⸗gebohrnes Kind lieget welches aus Liebe zu 


feinem Beſten in Windeln eingewickelt, und mit einem and 

oder Seil umwunden ift Alſo wird der neusgebohrne 

u u feinem Heyl von GOtit indie Windeln des Gehorfams 
ande der Kiebe eingerichelt und eingebunden, welches 


08 wol dem Sleifch ein bitter — — dem —— 


ein ſanfftes Joch if, 


Matth. It. * 
Mein Joch iſt ſanfft, meine Laſt iſt leicht. 


So bald ein GOttes⸗Kind 
Durchs Wort und durch den Geiſt gebohren worden, 
Und Buͤrger⸗Recht in Iſrael gewinnt ,/ 
So tritt es indes Heilgen Geiſtes Orden: 
Es wird von ſeines lieben Vaters Hand 
In Windeln des Gehorſams eingewunden, 
Und durch ein fanfftes Liebes Band 
Zu feinem eignen Heyl gebunden, = 
Obgleich dem Fleiſch es ſchwer und bitter deucht, 
Dieweil es feine Freyheit kraͤncket; 
So iſt es doch dem neuen Menſchen leicht 
Und ſuͤß, dem GOtt hiedurch die wahre Frebheit 
ſchencket, 
Die darinn fteht, daß er der Sünden | 
Nicht untercbah, fich felbft beherrſcht, und feiner Luͤſte 
Und Begierden Meifter iſt. i | 
er wollte nun nicht fo fich lieber Laffen binden, 
Als unter dem gefärbten Steyheit-Schein 
Des Satans Sclave feyn? 
Ihr Menfchen, folgt dem treuen Rath 
Den euch der Heyland felbft gegeben hat, 
Und nehmt fein edles Joch auf euren Rücken, 
Folgt ihm in Sanfft- und Demuth nach, 
Verleugnet Eigen» Chr, Luft, Vortheil und Gernach, 
Sp wird er eure Seel in ſtoltzer Ruh erghicken = 









in CArifto, 19 


a TEE, GET BITTEN HERE er rer TEE TEE 
heiligen Tauffe geordnet ift, da wir in den Tod CHri- Röme.nz, 
fkigetauffet werden, daß wir mit EHriſto Der Suͤn⸗ 
den füllen abfterben durch Krafft feines Todes, und 
jederum von Sünden auferftehen Durch Krafft feiner 


Auferftehung rc. | 
Ber, Gebet. 


 Permdersige, getreuer GOtt, dir dande ich von gantzem 

I Herzen, daß du nach dem Abgrund deiner Liebe ein Mittel 
erfunden haft, ung fo tieff gefalienen Sundern aus unferm Ver: 

derben durch. deinen eingebohrnen Sohn CHriſtum JEfum zu 

heiffen. HErr, deine Güte ifi, fo groß der Himmelift, und deine Pſ. 36. b. 6, 
Wahrheit, fo weit die Wolcken gehen! O mildreicher GOtt und 

Bater, laß num, was Satan und Sünde inmir verderbet, alleg 

duch CHriſtum wieder zurecht gebracht werden! Sch bin durch 

die Sünde indeine Ungnadegefallen, [aß den Tod Chriſti gültig Roͤm. 5. 
ſeyn vor dir, zu mieiner Verſoͤhnung. Weilich dem Zürfien der o. 18. 
Finſterniß gefolget, foift auch mein Verſtand verfinſtert, und bin Erbef 4 
entfrembet von dem keben, das aus GDttift. Ach laß mich ab⸗ "gr, g 
gewaſchen, geheiliget und gerecht werden, durch den Namen yın 
des HErrn JEſu und durch den Seift unſers GOttes. Gatan 

hat mich beraubet des ſchoͤnen Goͤttlichen Bildeg, und mit feiner 
ſcheußlichen Suͤnden⸗Larve abſcheulich gemacht; Du aber haft 

mich durch CHriſtum errettet von der Obrigkeit der Finſterniß, Col. 1, 9,15, 
und verſetzet in das Reich deines eben Sohnes. Ach laß mich 

nicht nur den Namen meines Erloͤſers im Munde führen, fon» 

dern gieb mir auch in feinem Bilde verflärct zu werden von einer 2. Cor. 3, 
‚Klarheit zur andern, alsvom Geiſt des HErrn! Gieb mirGna-. 18. 

de umzukeheen, und zu werden wie ein Kind, ja eine neue Crea⸗ Matih, 15, 


‚tur, damit das.alte in mir aufhöre, ich alles auffer CHriſto für Bil, 0.8 
Drecfachte, in ihm aber erfunden, inihme babe die Gerechtige 1. Cor. 1, 
keit, Weisheit, Heiligung uud Erlöfung, in ihme durd) feinen v. 30, 
Geiſt gang erneuert, in ihme neussebohren lebe, allein von ſei⸗ 

| nem Seiftregierer, ein Erbe ſeyn moge deiner Gnaden bie inder 

Zeit, und deiner Herrlichkeit in der Emwigfeit, durch CHriſtum 

Sefum unfern HErrn! Amen. 


| Das Iv. Capitel, | 

Was wahre Bufle fey, und dag rechte 
Creutz und Joch Chriſti. 

Gal. 5. v. 24. Die CHriſtum angehoͤren, die creutzi⸗ 
gen ihr Sleifch ſamt den Luͤſten und Begierden. 
Se Buſſe oder wahre Bekehrung iſt ein 
Wert GOttes des Heiligen Geiſtes dadurch der 
Menſch aus dem Geſetz ſeine Suͤnde erkennet, 
* ——* | und 





26 BLE.4. Von wabrer Buſſe. 


ein, „ und den Zorn GOttes wider Die Sünde, dadurch Neu 

bat der ad Leid im Herhen erwecket wird AusdemEvange- 

Bu. lio aber GOttes Gnade erfennet, und durch den Glaus 

ben Vergebung der Stunde in LEriſto erlanget. 

Duurch die Buſſe aber geſchicht die Todtung und Creu⸗ 

tzigung des Fleiſches und aller fleiſchlichen Luͤſte, und 

boͤſen Unart des Hertzens, und die Lebendigmachung 

des Geiſtes; dadurd) Adam, und alles, was feiner . 

Der Bi Unart ift, in uns ſtirbet durch wahre Heu, und CArie 
at ſtus in uns lebet durch den Blauben, Sal. 2. d. 20. 

vor forms Denn se hänget beydes aneinander: Auf die Todtung 

nn des Fleiſches folget Die Lebendigmachung und Erneues 

der alte rung des Geiſtes, und auf die Erneuerung des Geiſtes 

Den Be die Toͤdtung des Fleiſches · Wenn der alte Menſch ges 

todtet- wird, ſo wird der neue lebendig, und wenn deu 

neue (ebendig wird, fo wird der alte getödtet, 2.Cor. 4. 

v.16.©bunfer altermi enſch verwejet,fo wird doch 

der inmerliche von Tag zu Tage erneuert. Col. 3. 

v.5. Toͤdtet eure Glieder, ſo auf Erden ſeyn. Roͤm. 

6.v. 11. Haltet euch dafuͤr, daß ihr der Sünde ge⸗ 
ſtorben feyd, und lebet GOtt in Chriſto JEſu. 

Durch Warum aber die Toͤdtung des Fleiſches durch 

Betr Bu wahre Buffe gefchehen müffe, fo mercket alfa: Air 

Bleiich ge haben droben gehoͤret, daß der Menfch durch den Fall 

de  Hdams gank teuflifch, irdiſch, fleiſchlich, gottlos und 

lieblos worden ift, das ift, ohne GOtt und ohne Liebe, 

abgekehret von der Liebe GOttes zu der Liebe dieſer 

Welt, und fürnemlich zu fish felbft, und zu feiner Eigen» 

Liebe, alfo, daß er in allen Dingen fich felbft fuchet, lies 

bet, ehret, und allen Fleiß anwendet, wie er hochgehal⸗ 

ten werde von iedermann. Das rühret alles her aus 

dem Fall Adams, da er GOtt ſelbſt feyn wolte, welcher 

Greuel allen Menfchen angebohren wird. Dieſe vers 

kehrte boͤſe Unart des Menfchen muß nun geändert und 

gebeſſert werden durch wahre Buffe, das iſt durch wahre 

Göttliche Neue, und durch den Glauben, ſo Verge⸗ 

bung der Suͤnden ergreiffet, und durch die Toͤdtung 

deiner Eigen⸗Liebe, Hoffart und Wolluſt des Shoe. 

enn 


Bl E.4. Don wahrer Buſſe. De 


Denn Buffe * ift nicht allein, wenn man den groben ER 
Aufferliehen Sünden Urlaub giebt, und davon abläffet aus vem 
fondern wenn man in ſich ſelbſt gehet, Den innerjten Hersen ge 
Grund feines Hergens aͤndert und beffert, und ſich ab⸗ Niy, AD, 
wendet von feiner eigenen Kiebe zu GOttes Kicbe, von mern 
der Welt und allen weltlichen Lüften zum geiftlichen ge Ser 
himmlifchen Leben, und durch den Glauben Des Ver nens. 
dienftes CHriſti theilhaffiig wird. " “= 
Daraus folge, daß der Menfch ſich ſelbſt muß Wahre 
verleugnen, Luc 9.0.23. das ift, feinen eigenen Aßite DT era, 
Ten brechen, ſich GOttes Willen gan ergeben, fich nicht dopein . 
ſelbſt lieben, und ſich für den umvürdigiten, elendeften Denid, , 
Menfchen halten, abfagen alle dem, das er bat, und der 
- Luc. 14.0.26.das ift, die Welt verfehmähen mit ihrer TB Sn, 
Ehre und Herrlichkeit feine eigeneIßeisheit und VBermoz 9. v. 27. 
gen für nichts achten,fich aufnichts und auf keine Ereatur Sein vu 
- verlaffen, fondern bloß und allein auf GOtt: Sein ei= fen. 
con Keben baflen, das ift, die fleifchlichen Lüfte und Berk 
"Segierden (als Hoffart, Geis, Wolluſt, Zorıy Neid) * 
tödten, Eeinen Wohlgefallen an ihn felbft baden und 
alles fein. Thun für nichts achten, ſich Feines Dinges 
ruͤhmen, feinen Krafften nichts zufchreiben, ihme felbft 
nichts zueignen: fondern ihm felber mißfallen, der Melt Der Belt 
abfterben, das ift, der Augen-Luft, des Fleiſches Luft, Eds 
dem hoffartigen Xeben, der Welt gecreugiget wer: v. 16. 
den, Sal, 6.0. 14. Dasiftdie wahre Buſſe und Tod, Hd. 
tung des Fleiſches, ohne welche niemand fan EHrifti 
Juͤnger feyn. Das heiftdie wahre Bekehrung von der 
Belt, von ihm felbft, ja vom Teufel zu GOtt, ohne 
welche niemand Fan Vergebung der Sünden erlangen, 
noch felig werden. Apoft. Geſch. 26. 0.18.19. 

Die Buffe und Bekehrung iſt die Verläugnung 

— DB3 fein 


En Bu a a ET 

* Er gedencfer hier beyder Theile der Buffe; (1) der Neue, die 

er befchreibet durch die Ablaffung von äufferlichen Sünden, 
Gehung in fich felbft, oder fein felbft Erfännenif, Aenderung 
und Befferung des Grundes des Hergeng, und Ablegung 
ber Eigen Liebe. (2) des Glaubens, dadurd) der Menſch 
des Verdienſts CHeiſti theilhafftig werde. 


BETT, B.. C. 4. Von wahrer Buſſe. 


fein fe feibpt, * ur * und das iſt das vechte ** Ereuß, und das. 
Das Joch rechte Joch EHriff,davan der HErr Matth. 1.0.29. 
SE in fpricht: Nehmet auf A mein "och, und lernet 
or mir, denn ich bin fü mnfftmuͤrhig und von Her⸗ 
— demäthig. Das iſt Durch hergliche, gründliche, 
| ein fi s innerliche Demuth ſolt du deine eigene Liebe und Ehre 
daͤmpffen, und ‚durch Sanfftmuth deinen eigenen 
Fu " Zorn und Rachgier. Welches zwar dem neuen Men 
| (cn ein, fanfftes och und eine leichte Laſt iſt, aber 
dem Fleiſch ein bitter Creutz: Denn das heiſt fein 
Lleiſch creutzigen ſamt den Lüften und Begler⸗ 
den, Gal. 5.9.24. 

‚Qusredhte Itren Demnach Dieje nigen, die allein weltliche Teübs 
Es, fal und Abiberwärzigkeit für Creutz achten, und wiſſen 
richt, daß die innerfiche Buſſe und Todtung des Flei⸗ 
ſches Das rechte Cre us fen, das wir täglich Chriſto ſollen 
nachtragen das iſt, in groſſer Gedult unſere Feinde tra⸗ 
gen, in heiliger Sanfftmuth unſere Laͤſterer, in hertzlicher 
puren — en Stoltz und Ubermun 
EHrißi Srüberw en: wie uns CHriſtus iſt vorgegangen mit 
empel. groſſer Sanfftmuth, hat der et und allem, was in 

ber Welt — und iſt der Welt abgeſtorben. 
os da DR Joch Criſti iſt unfer Creutz, das wir tragen 
Beufiet der follen, und Das heiſt der Welt abſterben. Welches nicht 
a iſt in cin Kloſte er Lauffen, fonderliche Drden und Regeln 
- annehmen, und doch gleichwol in feinem Hertzen nichts 
denn eitel Welt bleiben, voll gehfkticher Hoffart, Pha⸗ 
riſaͤiſcher Verachtung anderer 8 Ele, vol Wolluſt, voll 
heimiliches Haſſes und Neids. Denn das Abſterben der 
Welt *6* iſt die Toͤdtung des Sreifehes, und alles def, 
darzu das Fleifch Luft hat; Stetige, inwendige, verbor⸗ 
gene 


* Das iſt — eigenen ı fündlichen Willens und fleifchlicher 

Luͤſte und Begierden: Tit. 2. v 12. Farem, 

** Paulus ſelbſt beſchreibet die Buſſe durch die Creutzigung: 
Gal. 5. v. 29. Cap. 6. v. 14. Mom. 6.0.6. Parem. 

** Solches geſchiehet durch hechliche Reu und Reid. Luch. 
Eine ſolche Rene, die der Suͤnden Luſt nicht toͤdtet, ſondern 
alſo gethan iſt, daß der Menſch lieber mehr ſandigte, wenn 
es frey waͤre/ iſt nur Heucheley. Faren, 


B.IJ. C.4. Von wahrer Buſſe. 23 


gene Reue und Leid, dadurch man ſich innerlich zu 
GoOtt von der Welt abwendet, und taͤglich im Hertzen 
der Welt abſtirbet, und in CHriſto lebet im Glauben, 
in berslicher Demuth und Sanfftmuth, und ſich der 
Gnade EHDttes in EHrifto tröfte. 
Zu dieſer Buffe hat uns EHriftus beruffen, nemlich 
su der rechten innerlichen berglichen Buſſe und 
Belehrung des Hersens won der Welt zu GOtt; Und 
alfo hat er uns * Vergebung der Sünden zugefaget, 
und Die Impurationem juftitix, die Zurechnung feiner 
Gerechtigkeit, und feines heiligen Gehorſams, in Krafft 
des Glaubens. Denn ohne folche innerliche Buſſe iſt a 
ChHriſtus dem Menfchen nichts nüse: das ift, er iſt F Men- 
nicht tbeilbafftig feiner Gnade und der Frucht feines ſcheu nichts 
Virdienſts, welches nit reuendem, zerbrochenem, buß- "WE" 
fertigem, glaubigem und demüthigem Hertzen muß erz | 
griffen werden. Denm as ift. die Frucht des Todes en 
EHifE in uns, daß wir durch. die Buſſe der Stunde abs Auferte’ 
fterben:. und das ift die Srucht ver Auferftehung Bun Chr 
EHI, daß CHriſtus in ung lebe, und wir in im, MIT 
Das beift denn eine neue Creatur in EHrifte, 

und die neue Geburt, die allein vor GOtt gilt: 2. Cor. 
9.0. 17. Sal. 6.0. 15. Beſiehe hiervon ferner 
das ıa. Eapitel. 

Derowegen lerne die Buſſe recht verftehen; denn 
daran irren viel Leute, daß fie meynen, das fey rechte 
Buſſe, wenn fie von aufferlicher Abgötterey, Gotteslaͤ⸗ 

fterung, Todtſchlag, Ehebruch, Unzucht, Dieberey, und 
andern groben aufferlicyen Suͤnden abftehen. Und 
zwar das ift wol aufferliche Buſſe, Davon etliche Aeufferlk 
- Sprüche der Propheten lauten: Cha. 55. v. 7. Der a 
Gottloſe bekehre fih vom Srevel feiner Haͤnde. rehre 
Und Ezech. 18. verf. 27. und Eap. 33. verſ. 14. Aber — 
die Propheten und Apoſtel haben viel tieffer gefehen, Ies ausdem 
nemlich ins Hertz hinein, — uns eine viel hoͤ⸗ — ges 
a 4 here 


Er ſetzet hiermit nicht den Glauben vor die Buffe, fondern 
vor Die Zurechnung der Gerechtigkeit CHriſti, nicht der 
Zeit nach, fondern der Ordnung. 


YInnerliche 
F au 


24 B. l. C.4. Von wahrer Buſſe. 


here innerliche Buſſe, da der Menſch abſterben ſoll 

der Hoffart, dem Geitz, der Wolluſt; ſich ſelbſt ver⸗ 
laͤugnen, haſſen, der Welt abſagen, und alle dem, das 
der Menfch hat; ſich GOtt ergeben, ſein Fleiſch ereu⸗ 


DL. 520.19. zigen, taͤglich GOtt das rechte Opffer bringen, ein 


Rechte 
mahre 
Yuffe. 


- Matth, 7. 
‚v2, 
Welche 


Chriſtus 
nicht fär 


zerbrochen, zerfchlagen und erſchrocken Aertz und weis 
nende Seele im Leibetragen. Wie inden Buß⸗Pſal⸗ 
men folche innigliche Hertzens⸗Buſſe befchrieben ift. 

Darum ift dis die rechte Buffe, wenn das Hertz 
innerlich Durch Reu und Leid zerbrochen, zuriffen, zus 
fehlagen, und durch den Glauben und Vergebung der 
Suͤnden geheiler, getroͤſtet, gereiniget, geändert und 
gebeffert wird, darauf auch die Aufferlihe Befferung 
des Lebens folget, 2 

Nenn nun gleich ein Menfd) von auffen Buſſe 
thut, und ablaͤſſet von den groben Laftern aus Furcht 
der Strafe, bleibt aber im Hertzen unverandert, und 
fähet nicht das innere neue Leben in CHriſto an, fo 
mag er gleichwel verdammt werden, und wird ihm 
fein HErr! Here! ſchreyen nicht helffen; fondern 
das nefcio vos, Ich kenne euer nicht, wird Darauf fol 
gen. Dennnichtalle, Ote da fagen: HErr! HErr! 
werden ins Aunmelveich kommen, ſondern die den 
Millen tbun meines Daters im Himmel. Hierins 
nen iind alle Standes Perfonen, Gelehrte und Unge⸗ 


tie Eeinen Lehrte begriffen, denn die in ihrem Hersen nicht wahre 


erkennet. 


Roͤm. 6, 
t.6, 


Buſſe thun und eine neue Ereatüt in CHriſto werden, 
die wird CHriſtus nicht für die Seinen erfennen. 


Gebet. * 


Wiger G—tt und Vater, der du Hertzen und Nieren pruͤfeſt, 

für dir bekenne ich meinen Abfall und Verderben, welches dir 
beſſer als mir bekannt ift: Du allem weiſt auch, D HErr!der dus 
alles weift, was für eine ſchwere Laſt es mir ift, den Leib der Suͤn⸗ 
den fo umzutragen, und den Schlangen; Gifft in mirzu empfins 
den. Gerechter GOtt! du koͤnteſt billig die Seele, die dich zuerſt 
per. ffen, verwerffen von deinem Angeficht, und von aller Hof: 
nung der Gnaden; Aber du offenbareft dich in deinem guadigen 
Worte, als ein Vater: Darum femme ich zu dir, und bitte dich in 
CHeiſto JEſu/ lag meine Seele etwas gelten indeinen u 











mr 























IIIIIIIIILI 





















































IHREN NEN 


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ÄisHRNESED HIERHIN UN NmIHTNNMNTNUHE 


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ALLTLNKBETTTT N N ! 


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Das Erſte Buch, Cap, V. | pre. 25 

‚Hier iſt zu fehen ein Brenn, Gloß, durch melches die 

. Sonne fcheinet, und das gegen über liegende Hol anzindet 

und anbrennet. Diefem Brenn-Elaß it gleich der wahre 

Glaube, weicher mit der Sonnen der Gerechtigkeit vereiniget, 

durd) Die Krafft von oben das Hertz des Menfchen erleuch- 
tet, und in ihm das Feuer der herglichen Liebe anzundet. 


Bas“ Ephef. 'x. verf. 19. 

Es iſt eine überfehwenglicye Gröffe feiner Krafft 
an uns, die wir glauben nach der Würdung 

feiner mächtigen Stärde, 


Di Sonne der Gerechtigkeit, 
Die in dem Gnaden-Worte ſtrahlet, 
Wird iederman ohn Untericheid 
Vor Augen zwar gemahlet; 
Doch, ſoll ihr heller Schein 
Ein rohes Hertz durchdringen 
Und zum Gehorſam bringen, 
So muß der Glaub allhier das Mittel ſeyn. 
Der muß den Gnaden⸗Ausfluß faſſen; 
Den muͤſſen wir durd) die in ihm vereinte Brafft 
Der wahren Chriſten Eigenſchafft 
In unſrer Seelen wuͤrcken laſſen. 
Durch ihn wird im Verſtand 
Ein Licht uns angezuͤndet; 
Er knuͤpfft und ſchnuͤret zu das edle Band, | 
Das uns und unſern GOtt in ſuͤſſer Huld verbindet. | 
Er iſt kein todtes Ding, das einen Schein nur giebet, | 
k Damit ihr die betrogne Welt 
Selbſt fehmeichelt und ihr wohlgefaͤllt; 
Er iſt ein Weſen, das die Tugend über, | 
Die es gefaßt, und durch die Liebe thätig if, 
Drum forfche dich, o m und fich, ob auch dein | 
aube 


Geſund und rechter Art, Damit des Satans Fit 
Dich nicht betrug und Deine Erone ranbe, 


\ 


— — — 


B.I. C.5. Was der wabre Blaube fey? 25 


Gieb du mir Gnade zur wahren Umkehrung: Laß mich nicht durch Jerem. 35. 
eine Heuchel-Buffe miine Seele betrügen, ſondern bekehre dud. 18. 
mich recht, daß ich bekehret werde: hilff du mir, fo iſt mir geholf: 

- fen. Laß meine Gerechtigkeit beffer feyn, als der Schrifftgelehr-Matth. 5. 
ten und Pharifder ; Laß nicht allein meine Lippen und aͤuſſereb 20. 
Glieder fich zu deinem Dienft begeben, fondern erneure auch den 

Grund des Herkeng, damit ich der Sünden abgeftorben, dir a, Röm. & 
lein lebe in CHriſto IEſu meinem HErrn ; deffen Joch freudig!» 13. 
auf mich nehme, und von feinen Fußtapffen nicht weiche, weder 

gur Rechten noch zur Lincfen. Du, mein GOtt, muftdiß in mie 
wuͤrcken, und wenn du ung führeft, fo lauffen wir. Ach führe, lei⸗ 

te, treibe mich, mein GOtt, und laß mich nicht, biß du mich vol; 

lig zu dir befehret, von meiner Suͤnden⸗Schuld durch das Blut 

SEſu wereiniget, mit dir auf ewig vereiniget haft, durch CHri⸗ 

fum JEſum unſern HErin! Amen. 


Das V. Capitel. 
Was der wahre Glaube ſey? 


r. Joh. 5. v. 1. Wer da glaͤubet, daß JEſus ſey 
CHriſtus, der iſt aus GOtt gebohren. 


Er Glaube iſt eine hertzliche Zuverſicht und unge⸗ Beſchrei⸗ 
eg sweifeltes Vertrauen auf GOttes Gnade in utße 
I EHrifto verheiffen, von Vergebung der Sünde i 

und ewigem Leben, durch das Wort GOttes und den 
Heiligen Geiſt angezuͤndet. Durch dieſen Glauben er⸗ 
langen wir Vergebung der Sünden, lauter umſonſt, ohn 
allen unſern Verdienſt, aus lauter Gnade, Eph. 2 v. 8. 
um des Verdienſts CHriſti willen,auf daß unſer Glaube 
einen gewiſſen Grund habe und nicht wancke. Und dieſe 
Vecrgebung der Suͤnden iſt unſere Gerechtigkeit, die 
wahrhafftig, beſtaͤndig und ewig iſt vor GOtt; denn 
es iſt nicht eines Engels Gerechtigkeit, ſondern des Gehor⸗ 
ſams, Verdienſtes und Blutes EHE, und wird unſer 
eigen durch den Glauben. Ob nun dig wol in groſſer 

Schwachheit zugehet, und wir noch mit vielen übrigen 
Suͤnden behafftet feyn, dennoch werden diefelben zuge⸗ 
Decker, aus Gnaden um EHrifti willen, Pf. 32.0. 2. 

Durch diefe hersliche Zuverficht und herhliches Art und 
Vertrauen giebt dev Menſch GOTT fein Herz gantz ak 
| N ER und 


26 B. J. C.5. Vom wahren Blauben. 


Be — und gar, ruhet allein in GOtt, laͤſt ich ihm, hanget ihm 
alles deß, was GOttes und EHrifti iſt, wird ein Geiſt 
mit GOtt, empfähet aus ihm neue Kräfte, neues Leben, 
neuen Troſt, Sriedeund Freude, Ruhe der Seelen, Ger 
rechtigEeit und Heiligkeit, und alfo wird der Menſch aus 
GoOtt durch den Glauben neu gebohren. Denn wo 
der wahre Glaube ift, da iſt CHriſtus mit aller feiner 
Gerechtigkeit, Heiligkeit, Exlöfung, Derdienft, Gnade, 
Vergebung der Sünde, Kindſchafft GDttes, Erbe des 

neue E ewigen Lebens. Das ift die neue Geburt, Die da 
koͤmmt aus dem Glauben an EAriftum. Daher die 
Epiftel an die Hebr. am ı 1. verf. 1. den Glauben eine 
Subftanz nennet, oder eine ungesweifelte wahrhaffz 
tige Zuverſicht derer Dinge, die man boffet, und 
eine Uberzeugung deß, ſo man nicht ſiehet. ‘Denn 
der Troſt des lebendigen Glaubens wird dermaflen im 

Kraft des Herken Eräfftig, daß er das Hertz überzeuget, indem 

u man das hinnnlifhe Gut empfindet in der Seelen, 

Röm.s.vı.nemlich Rube und Sriede in GOtt, fo gewiß und 
wahrhaftig, daß man aud) darauf fierben Fan mit 
freudigen Hergen. Das iſt die Starcke im Geiſt an 
dem inwendigen Menfchen, und die Freudigkeit des 
Glaubens, oder Parchefia, Epheſ. 3.0. ı 2. Phil. 1.0.4 
1. Joh. 2.0, 28.und Cap. 3.0.21. Das iſt die Freu⸗ 
digkeit in GOtt, 1. Theſſ. 2. v. 2. und die Plerophoria, 

die gang ungegweifelte Gewißheit, 1. Theſſ. 1. v. 5. 

Glaubens ¶ Wborauf ich nun ſterben foll, das muß mic) in 


Gemipbeit- meiner Seelen ftarcen, und muß mich von * itinen 


a den Heiligen Geiſt verfichern, das muß ** ein ins 
nerer 


* Damit werben nicht ausgefchloffen die äufferlichen Mittel, 
welche zur Wurdung jenes innerlichen verordnet find. 
“rm Hersen muß GOtt⸗s Wort leben, tröften, und feine 
Kraffı erzeigen, und folches durch den Grit GOttes, der 
im Hertzen iſt. Die denfelbeu un We Meifler haben, 
denen iſt mit feinem Schribn,e ehren, Vermahnen, Ant⸗ 
worten nimmermehr zu helffen Lucb6. Alſo werben wir von 
innen durch dag Wort, dag wir ins Hertz gefaßt haben, ge⸗ 
tiöftet. Karen, 


allein an, vereiniget ſich mit GOtt, wird theilhafftig 


B1.E,5. Vom wahren Blauben. 27 


nerer lebendiger, ewiger Troſt ſeyn, das muß mich auch 
als eine uͤbernatuͤrliche, Goͤttliche, himmliſche Krafft ſtaͤr⸗ 
cken und erhalten, in mir den Tod und die Welt uͤber⸗ 
winden; und muß eine ſolche Verſicherung und Verei⸗ 
nigung mit CHriſto feyn, die weder Tod noch Leben 
feheiden kan: Rom. 8.0.38. Darum Gt. Johan⸗ 
nes 1. Joh. 5. v. 4. fpricht: Alles, woas aus GOtt 
gebohren iff, überwindet die Welt, 
©. Aus GOtt gebobren ſeyn, ift warlich Fein Aus Bor 
Schatten Werck fondern ein vecht Lebens⸗Werck, Aline 
GOtt wird nicht eine todte Frucht, ein lebloſes und lebendiges 
" Hrafftlofes Werck gebähren; fondern aus dem leben⸗ Te: , 
digen GOtt muß ja ein lebendiger neuer Menſch gern. 9. 
bohren werden, And unſer Blaube ifE der Sieg, €w-5-%.4 
der die Welt uͤberwindet. Was nun überwinden 
ſoll, das muß eine maͤchtige Krafft ſeyn: Soll derviva et & 
Glaube der Sieg ſeyn über die Belt, fo muß er einehaie a, 
lebendige ‚ obfiegende , thatige, wuͤrckliche, Göttliche ndes, 
Krafft ſeyn: Ja CHriſtus muß alles thun Durch den Der Blau 
Glauben. Durch Diefe Krafft GOttes werden wwirdie, um 
wiederum in GOtt gegogen, zu GOtt geneiget, — 
GOtt verſetzet und eingepfiantzt, aus Adam, als aus bihrhaß 
einem verfluchten Weinſtock, in CHriſtum den geſeg⸗tis iR. 
neten und lebendigen Weinſtock, Joh. 15. v. EN 
Alſo, daß wir in Chriſto befigen alle feine Güter, 
und in ihm gerecht werden. | 
Gleichwie ein Dfropff- Retslein in einem guten Shin . 
Stamm eingepfropfjet, in Demfelben grünet, bluͤhet Gleichniß 
und Frucht bringet; auſſer Demfelben aber verdorret: 
Alſo ein Menſch auffer EHrifto iſt nichts, denn ein ver⸗ 
fluchtee Weinſtock, und alle feine Wercke find Suͤnde; Was ein 
5: B.Mof. 32.0.32.33. Ihre Trauben find Ball, Fb 
fie haben bittere Beere, ihr Wein ift Drachen: in CHrifio 
Gifft. In EHrifto aber ift er gerecht und felig. f- 
Darum St. Paulus 2. Cor. 5. v. 21. fpricht: GOtt 
bat den, der von keiner Sünde wuſte, für uns zur 
Blinde gemacht, auf daß wir würden in ihme die 
Gerechtigkeit, die für GOtt gilt. | 
| Daraus 


28 B.1. C. 5. Vom wabren Glauben. 


Aue den Daraus ſieheſt du nun, daß dich die Wercke 
Hamnd nicht koͤnnen gerecht machen; denn du muſt zuvor in 
—— CHriſtum verſetzet ſeyn durch den Glauben, und in 

sechtigkeis, ihm gerecht feyn, ehe du ein einig gut Werck thun an 
| und fieheft ja, Daß deine Gerechtigfeit GOttes Gnade. 

und Gabe ift, Die allen deinem Derdienft zuvors 
koͤmmt. Wie Fan ein todter Menſch gehen, ftehen, 
und etwas Gutes thun, wenn man ihn nicht zuvor les 
bendig machet? Alſo weil du in Suͤnden todt, und 
GOtt abgeftorben bift, Fan ja Fein GOtt mohlgefällig 
Merck von dir gefchehen, wenn du zuvor in CHriſto 
Binfee ‚De nicht wirft febendig gemacht. Alfo Fommt die Ge⸗ 
ale aus vechtigteit allein aus CHriſto durch den Glauben: 
EHrito. Denn der Glaube it im Menfchen als ein neugebohr- 
nes, Eleineg, nackendes und bloffes Kind, das ftehet da 
a bloß vor feinem Erlöfer und Seligmacher, unbeklei⸗ 
det, und empfaͤhet alies von dem, der es gebohren hat, 
neimlich Die Gerechtigkeit, Die Frömmigkeit, die Heili⸗ 
gung, die Gnade und den Heiligen Geiſt. 
Alſo wird dis nackende bloſſe Kindlein mit GOt⸗ 
tes Barmhertzigleit bekleidet, hebet beyde Hände auf, 
Bo aber und empfaͤhet alles von GOtt, die Gnade ſamt aller 
nis, Seligfeit und Frömmigkeit. Dis Empfahen mas 
keit? chet fromm, heilig und felig. 
zemaun: Darum Eommt die Gerechtigkeit allein aus dem 
Sünde, Glauben, und nicht aus den Wercken; jader Glaube 
Zodund empfaͤhet EHriftum gar, und macht denfelben ihm 

— 9 gar zu eigen, mit alle dem, was er iſt und hat: Da 
ben find muß weichen Suͤnde, Tod,‘ Teufel und Holle. Und 
ale anter wenn du auch gleich aller Welt Sünde allem auf die . 
EHrifo, hätteft, kan fie dir nicht ſchaden; fo ſtarck, maͤchtig 
u la und lebendig it EHriftus in Die mit feinem Verdienſt 
ben. durch den Glauben. 

De ar Und weil nun CHriſtus durch den Glauben in 
EHrifum dir wohnet und Lebet, fo iſt ja ſeine Einwohnung nicht 
a ein todtes Werck, ſondern ein lebendiges Werck. Das 
— her kommt die Erneuerung aus Chriſto durch den 
rn Glauben; denn der Glaube thut in Dir zwey D —— 


ger d ; 
Denen. vſt⸗ 


B.LE.s. Vom wahren Glauben 29 


———— ———— ———— — — 
Erſtlich verſetzet er dich in CHriſtum, und machet dir 
ihn zueigen. Zum andern erneuert er dich in CHriſto, 
daß du inihm grüngft, bluͤheſt und lebeſt. Denn was 
fol das Pfropff- Neißlein in Stamm, wenns nicht 
will grünen und Frucht bringen? Und gleichwie zus 
vor durch den Fall Adams, durch die Verführung 
und Betrug des Teuffels, in den Menfchen gefaet it 
‚der Schlangen» Saame, das iſt, Die böfe Satanifche 
Art, daraus fo eine bofe giftige Frucht gewachſen: 
Alſo wird durch GOttes Wort und den Heiligen Geijt Glaube 
der Glaube in Menfehen geſaͤet, als ein Saame GDt- Coma 
tes, in welchen alle Göttliche Tugenden, Arten ud Cr 
genſchafften verborgener Weiſe begriffen feyn, und 
heraus wachfen zu einem fchonen und neuen Bilde 
GOttes, zu einem fehonen neuen Baum, darauf die 
rüchte feyn, Liebe, Gedult, Demuth, Sanfftmuth, 
Friede, Keufchheit, Gerechtigkeit, der neue Menfch, 
und das ganke Reich GOttes. “Denn der wahre Des wad⸗ 
feligmacbende Glaube erneuert den gangen Men Kin Ar, 
fehen, veiniget das Herb, vereiniget mit GOtt, ma⸗ dung. 
chet das Hertz frey von irdiſchen Dingen, hungert und 
duͤrſtet nach der Gerechtigkeit, wuͤrcket die Liebe, giebt 
Friede, Freude, Gedult, Troſt in allem Creutz, uͤber⸗ 
windet die Welt, macht GOttes Kinder und Erben 
‚aller himmliſchen ewigen Güter, und Mit-Erben 
Chriſti. Befindet aber iemand die Freudigkeit des 
Glaubens nicht , fondern ift ſchwachglaͤubig und troſt⸗ 
los, der verzage darum nicht, fondern tröfte fich der 
verheiffenen Gnade in CHriſto; denn diefelbige bleibet 
‚allegeit feit, gewiß und ewig. Und ob wir gleich aus Die 
Schwachheit fallen und ftraucheln, fo fallet doch GOt⸗ en 
‚tes Gnade nicht hin, wenn wirnur durch wahre Buſſe 
wieder aufſtehen. EHrijtus bleibet auch immer CHri⸗ 
ſtus und ein Seligmacher, er werde mit ſchwachem 
doder ſtarckem Glauben ergriffen. Es hat auch der 
chwache Glaube fo viel an ChHriſto, als der ſtarcke, 
enn ein ieder, er ſey ſchwach⸗ oder ſtarck⸗ glaͤubig, hat 
Coriſtum gantz zu eigen. Die verheiſſene Gnade 
Be il 


so B1.E6 Wie GOttes Wort 


iſt allen Chriſten gemein, und iſt ewig, darauf muß der 
Glaube ruhen, er ſey ſchwach oder ſtarck. GOtt wird 
dir zu ſeiner Zeit den empfindlichen freudenreichen Troſt 
wohl wiederfahren laſſen, ob ers gleich in deinem Her⸗ 
Ken eine Zeitlang verbirget: Pf. 37.0. 24. und Pf. 77. 
0.8,9,. 10, 11. Davon im 2. Buche. 


Gebet. 


>) allerliebſter himmliſcher Vater, ich bitte dich hertzlich, res 
giere mich boch mit deinem Heiligen Geift, und "nd durch 
Denfelben den rechten, wahren, lebendigen Glauben an deinen 
allerliebften Sehn IJEſum Ehriftum in mir an, daß ich denfelben 
möge recht erkennen, und betrachten, wie groffe Liebe er mir er; 
tiefen, damit ich mit ihm möge vereiniget werden, und aus ihm 
neue Krafft, neues Reben, neuen Troft, Friede und Freude em⸗ 
pfinden, und alfodurch den Glauben neu gebohren werden. So 
erde ich denn als ein Wiedergebehrner immerdar in deinen 
Geboten einher gehen: Laß meine Seele hungern und türfien 
nad) deiner Gerechtigfeit, die da wuͤrcket Liebe, Friede, Freude, 
Gedult, Troft in allem Ereuß. Achmein Vater! Laß mich in 
ſolcher Erkaͤnntniß und Glauben an meinen allerliebften Heyland 
und Seligmacher CHriſtum JEſum zugleich wachſen und zuneh⸗ 
men, ſo will ich dir nicht nur hier dancken in der Zeit, ſondern 
auch dort in alle Ewigkeit! Amen. 


Das VI. Capitel. 
Wie GOttes Wort muͤſſe in Menſchen 
durch den Glauben ſeine Krafft erzeigen, 
und lebendig * werden. | 
£uc.17.0.21, Sebet, dus Reich GOttes ift in- 
wendig in euch. 


Dergange N Jeweil alles an der Wiedergeburtb und Er⸗ 
Menfch neuerung des Menſchen gelegen, fo hat 
mirdin der GOtt alles das, was im Menſchen geiftlich 


Schrift im G ͤſſe, in Die aͤuſſerli fi 
2 A „. im Glauben geſchehen uff, in die aufferliche Sen 


# Luther. Diejenigen, die GOttes Wort nicht im Herten ſchme⸗ 
chen, fühlen und empfinden, die bangen noch mit den Ohren 
ander Menſchen Mund oder Feder,fie faffen das Wort GOt⸗ 
tes nur Aufferlich allein init dem Buchftaben. Hutter. Do- 
ctrina eriamEvangelii per feitanude accepra& confiderata, 
niſi aliud accelat, tantum annunciat, fidem in Chritum & 

r vitam 


im Menfcben erfüllee werde ° 31 


verfaffet, und Darinn den gantzen neuen Menſchen abges 
bildet. , Denn dieweil GOttes Wort der Saame 
EHDttes in uns ift, ſo muß er ie wachfen ineine geiftliche 
Fracht, und muß das dargus werden durch den Glau⸗ 
ben, was die Schrifft aufferlich zeuget und lehret, oder 
es if eintodter* Saame und todte Geburth, Ich muß 
im Geift und Glauben rröftlich einpfinden, daß 
dem alſo ift, wie die Schrift ſaget. | 
- 68 bar auch GOTT die heilige Schrift nicht SDttes 


darum offenbaret, daß fie auswendig auf dem — 


pier als ein todter ** Buchſtabe fol ſtehen bleiben; bendis wer⸗ 
| | fondern den 


etz e —⸗ñe — 
vitam pollicerur credentibus, & præterea nihil efficit; 
quia ficnude tantum ratione doctrinæ & prædicationis ne- 
que fidem largitur, neque vitam: Alioquin omnes, qui au- 
diunt Evangelium, reciperent fidem, & per fidem vitam 
æternam. Das iſt: Auch die Lehre des Evangelii an und vor 
ſich ſelbſt alſo bloßhin genommen und betrachtet, wo nicht 
noch etwas anders dazu koͤmmt, verkuͤndiget nur den Glau⸗ 
ben an Chriſtum, und verheiſſet das Leben den Glaͤubigen, 
und uͤber dieſes thut ſie nichts mehr, weil ſie alſo bloß, ſo 
ferne fie nur eine Lehre und Predigt iſt, weder den Glauben 
noch das Leben giebet. Denn fonften empfiengen alle, die 
das Evangelium hören, den Glauben, und durd) den Glau⸗ 
ben dag ewige Leben. Cchlüffelb. Non eft dubium, quin 
Scriptura, nifi per Spiritum $. inteiligatur, parum fir uti- 
lis, & magis occidat, quam vivificet, Das iſt: Es iftfein 
Zweifel, daß, wo die Heil. Schrift durch den Heiligen Geiſt 
nicht verftanden werde, wenig nüße, und mehr tödte, als 

lebendigmache. Varen. Siehe auch drunten Eap. 36. 
*Die Schrifft iſt allezeit in ſich ſelbſt lebendig, aber fie wird 
ein todter Saame, wo fie auf einen Acker fällt, der ungläus 
big ift, und dem Heil. Geifte winerftrebet. 

#* Brent, Omis:s hominum doctrinæ mortua litera funt, nifi 
Chriftus fua cœleſti voce eam vivificantem reddat. Das iſt: 
Alle Menfchen Lehren (verftehe, fo ferne fie von Menſchen 
gelchret und geprediget werden,) find ein todter Buchftabe, 
wo nicht Chriſtus diefelbige mit feiner himmliſchen Stimme 
lebendig machet. D. Adenarius, Ohne des Heiligen Geiſtes 
Gnade und innerliche Erleuchtung ift dag Wort ein todter 
Buchſtabe, und Fein Nuß, hat auch feine Krofft nod) Leben. 
Arndis Meynung iſt: Die Schrift ift nicht von GOTT 
darum geoffenbaret, daß fie auswendig auf dem Papier als 

au 


32 BLEs Wie GoOttes Wort | 





fondern fie foll-in ung lebendig werden im Geift und 
Glauben, und foll ein gang innerlicher neuer Menſch 
daraus werden, oder die Schrifft iſt uns nichts nuße, 
1.8. Mof. Es muß alles im Menfchen gefchehen durch E-Hriftum 
le der at, im Geiſt und Glauben, was die Schrift * auffer- 


‚teundneuelich Iehret., Als zum Exempel, befiche die Hifterie 


Dee in Cain ** und Abels, fo wirft du in ihren Arten und 
vorgebilder Eigenſchafften finden dasjenige, was in dir ift, nem⸗ 
ee fi) den alten und neuen Menſchen mit allen ihren 
indie. Werken. Diefe beyde find in dir wider einander; 
denn Cain will immer den Abel unterdiicken und 
erwurgen: Was ift das anders, denn der Streit 
zwiſchen dem Fleiſch und Geift, und die Feindfchafft 
- des Schlangen» Saamens und Weibes⸗Saamens? 
1.8.Mof. Die Suͤndfluth muß in dir gefchehen, und die boͤſe 
7.92 Unart des Fleiſches erfauffen: Der glaͤubige Noah 
muß in dir erhalten werden. GOtt muß einen neuen 
1.B. Moſ. Bund mit dir machen, und du mit ihm. Das ver- 
Bram worrene Babel muß in dir miht aufgcbauet werden 
Babel im in feiner Pracht. Du muft mit Abraham ausge= 
Menſchen. hen von aller deiner Sreundfebafft, alles laflen, - 
aauch dein Keib und Leben, und allein in dem Wil⸗ 
1.3. Moſ. len GOttes wandeln, auf daß du den Gegen erlan⸗ 
Matıh, 10, gef, ins gelobte Land und ins Reich GOttes koͤmmſt. 
0.37... Was ift dasanders, denn dasder HErr Tuc. 14.0. 26. 
Bein fagt: Wernichtverläßt Vater, Mutter, Rinder, 


Sarpf .. Schwefter, Haus, Aecker, Güter, ja fein Keben, 
and Sıreit | der 





ein todter Buchftabe, das ift, als wäre es ein todter Buchs 
ftabe, vergeblich ohne Ubungfteben bleiben folle. Yaren. 

* Dasift: Es muß die Schrift mit gläubigen und geiftlich« 
- gefinnten Hergen angenommen durch des Heiligen Geifteg 
kraͤfftige Würcfung und des Glaubens lebendige Ubung in 

ung erfüllet, und in unſer Leben verwandelt werden. Nicht 
aber muß alles von ung geiftlich veritanden werden, Ein 
anders ift, der heiligen Schrift gerftliche Bedeutung und 
Berftand, ein anders, der geiftliche Gebrauch, Ubung und 

. Erfüllung der Schrift. Haren. } j 

xx Leuhber. Ein ieglicher Abel hat feinen Cain, der ihm wider 

die Seele ſtreitet. Farem, 


im Menſchen erfüller werde, 33 


der kan nicht mein Juͤnger ſeyn: Das ift, che er des @einss 

Chriſtum wolte/ verleugnen? Du muft mit Abra- 1" le 

ham ftreiten wider die fünff Könige, die in Dir Schlacht 

* nemlich Fleiſch, Welt, Tod, Teuffel und Suͤnde. vorgebüdet, 

Du mußt mit Loth aus Sodom und Gomorrha, net 
ausgeben: Das iſt, das ungöttliche Keben der Welt E. 19. v. 
perleugnen, und mit Loths Weibe nicht zurücke fe- @aaı 
ben, wie der HErr Luc, 17.0, 32: fpricht: Summa: Sodoma 
GHDtt hat die gange heilige Schrift in den Geiſt innen 
und Slauben gelegt, und muß alles in dir geiftlich * Borbitde 
geſchehen. Daher gehören. alle Kriege der Sfraeliten ale 
wider die Heydnifchen Voͤlcker. Was iſt dasanders, erfüller 

denn der Streit zwifchen dem Fleiſch und Geiſt? Da⸗ EB. hof 
her gehöret des gange Mofaifche aufferlicye Prieſter⸗ 17.0.8. 

thum mit dem Tabernackel, mit der Lade des Bundes, 

mit dem Gnaden-Gtuhl: Das muß alles in dir geiſt⸗ 

lich feyn, durch den Glauben mit dem Opffern, Raus 

chern, Beten. Dein Herr EHriftus muß das alles. 

indir ſeyn; Er hats alles zufammen gefaffet in dem 

neuen Menfchen, und in dem Geift, und wird alles in 

dem Slauben vollbracht, ja offt in einem Seuffzen: 

Denn die gange Bibel fleuft zufammen in ein Centrum 

oder Mittel Punct in dem Menſchen, gleichtvie auch 

die ganke Natur. ED i 

Alſo, was ift das, Neue Teftament dem Buchſta⸗ Gang Neu 

ben nach anders, denn ein aͤuſſerlich Zeugniß, Daß zenament 

es alles im Menfchen alfo muß ** im Glauben ges neuen 

+1Cheil, - | A, ſchehen? 


*Die Meynung iſt nicht, daft deßwegen alles muͤſte geiſtlich 
verſtanden werden; denn auch die klaren hellen Sprüche muͤſ⸗ 
fen in ung geiftlich erfülfer werden; Das iſt, in unfern geiftlis 
chen Nutzen, Gebrauch und Ubung gebracht werden, und zie⸗ 
ben doch feinen geiftlichen Verſtand an,fendern bleiben in 
‘ihrem buchftäblichen Berftande, wie fie lauten. Yaren. 
Alle klare helle Sprüche des Neuen Teſtaments, die in ihrem 
buchſtaͤblichen Verſtande bleiben, müffen doch imung geiſt⸗ 
lich im Glauben gefihehen und erfüllet werden. Die Ges 
fhichte des Neuen — 555* belangend, koͤnnen dieſelben 
auch beydes nach dem buchſtaͤblichen Verſtand und nach 
—* Beilichen Deutung in ung gefchehen oder erfüllet wer⸗ 
ein Faren, \ 


34 B.1.€.6. Wie GOttes More 


“Menfehen fehchen? Denn das ganse Neue Teſtament Auß gank 
erfüllt und garin ung ſeyn, und dringet auch mit Gewalt. 
Zue.170.21. dahin, weil das Reich GOttes in uns ift. Denn 
"wie EHriftus it durd) den Heiligen Geiſt im Glau⸗ 
ben von Maria empfangen und gebohren, alfo muß 
EHrifi Le: er in mir geiſtlich empfangen und gebohten werden; 
„ber muns Gy * muß im mir geiſtlich wachſen und gunchimen. _ 
muß Und weil ich aus CHriſto bin eine neue Ereatur ges 
fchaffen, ſo muß ich auch in ihm leben und wandeln; 
Ich muß mit ihm und in ihm im Extlio und Elend 
ſeyn; Ich muß mit ihm in Demuth und Verſchmaͤ⸗ 
hung der Welt, in Gedult und Sanfftmuth, in der, 
Liebe wandeln. Ach muß mit ihm meinen Feinden 
vergeben, barınhergig feyn, Die Feinde tieben, den Wil⸗ 
Ion des Vaters thun: Sch muß mit ihm vom Satan _ 
verſucht werden, und auch überwinden: Sch muß mit“ - 
ihm um der Wahrheit roillen, Die in mir iſt verfpottet, 
verathtet, verhönet, angefeindet werden, und ſo es feyn 
foll, auch den Tod um feiner willen leiden, wie alie feine 
Heiligen, um -Zeugniß vor ihn und allen Auserwehl⸗ 
fen, daB er in mir, und ich in ihm geweſen und gelebet 
babe durch den Glauben. 
Wie men Das heiſt recht dem Bilde Coᷣriſti aͤhnlich wer⸗ 
DR BD den, nemlich mit ihm und in ihm gebohren werden, 
ui Cetiſtum recht anziehen, mit ihm und in ihm wachfen 
wid und zunehmen, mit ihm im Elend walten, mit feiner 
Tauffe getaufft werden , mit ihm verfpotiet werden, 
mit ihm gecreugiget werden, mit ihm fterben und aufs 
erftehen, mit ihm auch herefchen und regieren, und. 
daſſelbe nicht allein durchs heilige Creutz, fondern auch 
Durch tägliche Buſſe und innerliche Neu und Leid über 
die Sünde. Ro a 
Da 


— mh — — — —— 
x Lucher. ad Gal.4.v.19. Non dixit, donec in Chriſtum for- 
{ memini, fed formetur Chriftus in vobis, quia vita Chriftia- 
ni non eft ipfius, fed Chrifti in eo viventis, Gal, 2. v.20, 

Das ift: Er ſaget nicht, daß fie in EHriftum mögen gebildee 
werden, fondern daß Chriſtus felbft in ihnen mochte gebildee 
werden: Denn eines Ehriften Leben ift nicht fein eigen Leben, 

fondern EHrifti,der in ihm lebet. Faren. % pP: 


im Menſchen erfüllee werde, 35 
Da muft du räglich mit CHriſto ſterben, und CHritus 
bein Sleife) creusigen, Nom.6. v.5.6. Galat. sn dir 
v. 24. oder du Fanft mir CHriſto, als deinem Haupt, 
nichtvereiniget bleiben; Du haft ihn auch ſonſt nicht in. 

Dir, fondern auffer div; auſſer Deinem Stauden, "Ders 
und Seit. Und da wird er dir nicht. helffen ſondern 
in die will er lebendig feyn, tröften und felig machen. 

Siehe, das thut dev Glaube * alles, Der machet Im Glau⸗ 
das heilige Wort GOttes in, dir ** lebendig, und iſt el 
in die ein lebendiges Zeugniß alles deſſen, Davon die ſeyn. 
Schrifft zeuget. Und das heift, der Glaube iſt eine 
Subltanz und Weſen, Eor.ı1.d. 1, 

Alſo tft hieraus genugfam offenbar, wie alle Pre⸗ 
Bigten und Neden, fo aus EHrifti, dev Propheten und 





Apoſtel Munde sangen, und die gantze heilige Schrifft, Ale 
—* gerichtet eyn auf den Menſchen, und auf einen —32 
jeden unter uns! Alle Parabolen CHriſti gehen auf Wenſchen. 
mich, und auf einen ieden inſonderheit, ſamt allen 
Wunder⸗Wercken. 

Und darum iſts auch geſchrieben, daß es in ung Coriſti 
geiſtlich geſchehe. Denn CHriſtus bat andern ge —— 
holffen; er muß mir auch helffen: Denn er iſt in mir, geitti in 
er lebt in mir; Er bat Blinde fehend gemacht; ich En 
bin auch geiftlich blind 5 darum muß er mich auch fe en an 
hend machen: Und alfo mit allen Wunder⸗Wercken. 

De, eg, Da 


* J * 


* Inh, Wer nicht glaͤubet, wäre beſſer, daß derſelbe nichts in 

der Vibel wuͤſte, oder ſtudirete: Denn er verfuͤhret ſich und 

iedermann mit feinem irrigen Licht, welches er meynet, es 
ſey der Schrifft Licht, welche ſich doch nicht laͤſſet verſtehen 
ohne dem rechten Glauben. 

*unſer Glaube giebt nicht erſt GOttes Wort dag Leben oder 
Zeugniß, ſondern GOttes Wort machet den Anfang, zeuget 
von GOttes Willen, Gnade und Liebe: Dee Glaube, der 
aus dem Wort wächfet, ergreiffets, und bringet das Aufferli« 
‚he Gezeugniß ins Hers, und fchöpffet lebendigen Troft herz 
aus, und wird alfoein innerlich Gezeugniß daraus, und da 
ea dann eine liebliche Harmonie des innerlichen und 
‚Aufferlichen Gezeugniſſes, wenn wir es im Hertzen alfo em 

‚pfinden, wie die Schrift Äufferlich zeuget und lehret, Farem, 











36 B1.E.6. Wie GOttes Wort B 
are | 


Da erkenne dich für einen ‘Blinden, Lahmen, Krüppel, 
Tauben, Auffasigen, ſo wird er dir heiffen. Er hat 
Todte lebendig gemacht: ich bin auch todt m Suͤnden: 
Er muß mid) in ihme lebendig machen, auf daß ich 
Theil habe an der erſten Auferſtehung. 


Aeuſſerli · Summa: Der Glaube thut diß alles im Men⸗ 
der Bud fchen, was die Schrifft von auſſen zeuget. Sie bes 
A ſchreibet das Bild GSttes von auffen; das muß in 
mugim mir feyn durch den Glauben. ie befchreibet das 
ei er Reich GOttes aufferlich im Buchftaben; das muß. 
in mir feyn durch den Glauben. Cie befchreibet 
CHriſtum von auffen: Cr muß in mir feyn duch 
den Glauben. Die Schrift befihreibet den Adam, 
feinen Fall und Wiederbringung; es muß alles in 
mir feyn. Die Schrift befchreibet Das neue Ferufaz 
lem; das muß in mir * feyn, und ich muß es ſelbſt 
Offenb. ſeyn. * Die Schrift zeuget von auffen von der 
Job. 2% neuen Geburth, von der neuen Erearur ; das muß 
alles in mir feyn, * und ich muß es felbft feyn durch 
> den Glauben, oder die Schrift iſt mir nichts nuse, 
Das iftalles der Glaube, und des Glaubens Werck 
in uns, ja GOttes Werck, und das Reich GOttes in 
unferm Hertzen ıc, 


* Gebet. 





* Wir muͤſſen durch den Heiligen Geiſt von innen unſers 
Glaubens verſichert werden; es muß ein inniger Troſt ſeyn: 
Denn der Geiſt GOttes ung in der letzten Noch nicht von 
auffen, daß er drauffen bleibe, fondern inwendig im Hergen 
troͤſtet, ftarcker und freudig machet, daß wir durch dem 
‚Glauben, der auch im Hergen ift, alles überwinden, Wels 
| - cher Glaube aber nicht fan ohne GOttes Wort feyn, daran 
ſich der Glaube allein halten muß, und durchs Wort auch 
geftärcher werden, Darm. 
x DVerfiche, was das Wort Ichret, daß ich foll gläubig, geduls 
tig, getroft, gottfelig feyn. Varen. 
xxx Solche Wiedergeburth, welche die Schrifft beſchreibet, 
muß freylich in dem Menſchen ſelbſten ſeyn, ob ſie wol nicht 
von ihm ſelbſt iſt. 


im Menſchen erfüllet werde. 57 


O Her JEſu CHrifte, du ewiges Wort des Vaters, der du Joh-r. v 13. 
. unsdein heiliges Evangelium aus dem Schooß und Herz 

gen deines himmliſchen Vaters herfür bracht undgeoffenbaret 

haft, ich klage und befenne dir von Hertzen daß ich dein Wort offt 

‚gering ee ungern gehöret, unfleißig gelernet, nicht von 

Hergen betrachtet, nicht rechtfchaffene Luft und Liebe dazu ge⸗ 

habt, fondern vielmehr die weltliche Eitelkeit demfelben vorge: ' 

sogen ; da Doch dein Wort ein theures werthes Wort ift, der edel⸗ 
HeSchat, die höchfte Weisheit, welche auch die Engel gelüftet 

anzufhauen. Ach vergieb mir folche meine Unachtſamkeit und ı. Petr. r. 
. Verachtung deines ſelſgmachenden Worts, wende bon mir ab v- I. 
"die ſchwere Straffe, die du draueft: Weil du mein Wort verz — 

worffen haſt, will ich dich wieder verwerffen. Zuͤnde aber in mir" * 
an ein heiliges Verlangen zincn hitzigen Hunger nach dem Brod 

des Lebens, ald.nach der edlen Geelen-Speife; einen heiligen 
feurigenDurft mach dem Brunnen undWaffer desLebens: Denn 
bey die ift die lebendige Duelle, und in deinem Richt ſehen wir Df.36. v. io. 

das Licht. Lak dieſen edlen himmliſchen Saamen auf dem guten Luc. 8. d.8- 

Acker meines Hettzens hundertfaͤltige Fruͤchte bringen/ an Weis⸗ 

heit, an Erleuchtung, an Troſt. Ach befeuchte das duͤrre Erd. 
reich meines Hertzens mit dem göttlichen Thau und Regen dei⸗ 
nes H. Geiſtes, daß dein Wort in meinen Hertzen bekleibe, und 

nicht leer wieder zu dir bkomme; ſondern mein Hertz gruͤnend und Zef.sg.d.1r- 

bluͤhend mache in deiner Liebe, in deiner Furcht, in deinem Er; 
fänntniß, in allen Ehrifilichen Tugenden, und alles augrichte, 
dazu du es gefandt haft, daß eg, als dein gotklicher und unver⸗ 
weslicher Saame, mich zum Neugebehrnen GOttes mache, daß 

- du, o GAtt Vater, Sohn und H. Geift, durch dein Wort zu mir Joh. 14, 

- kommieft, und Wohnung bey mir macheft. Ach gieb, daß ich aus v. 23. 
deinem Wort dich und mich recht erkenne, mein Elend und deine 
Barmhertzigkeit, meine Suͤnde und deine Gnade, meine Armuth 
und deinen Reichthum, meine Schwachheit und deine Staͤrcke, 
meine Thorheit und deine Weisheit, meine Finſterniß und dein 

"Licht. Ach erleuchte die Finſterniß meines Hertzens mit dem 
Glantz deines göttlichen Lichts; Erleuchte du meine Leuchte, 
HErr mein GOtt, mache meine Sinfternifilicht. Ach fchreibe 

dein Wort durch den Finger deines 9. Geiſtes in die Tafel mei; 
nes Hergeng, auch deine Erkaͤnntniß, deine Liebe, Deine Furcht, 
daß ich dein nimmermehr vergeffe, noch aus meinem Hertzen vers 
liehte. Ah HErr JEſu, niein Präceptor; mein Doctor, mein 
Prophet, laß mich das befte Theil erwehlen, und mit Maria zu ?uc. 10. 
deinen Füffen figen, dein Wort lernen, den höchften Schaf in b. 4? 

‚ ben Schrein meines Hertzens faffen, ſammlen und einfchlichen, 

daß ichs ewiglich bewahre, und Frucht bringe in Gedult. Ach 
Krim €3 wohl 





38 DLE,6. Wie GOttes Wort 


B. \ HI 1 ne —— 
Pſ. z4. v. 5. wohl den Menfchen, die in deinem Haufe wohnen, die loben dich 
immerdar! Wohl dem, den du erwehleſt, und zu dir läffeft, daß 
Pſ. 65.0.5. er wohne in deinen Höfen, ber hat reichen Troft von deinem hei⸗ 
\‚ ligen Tempel. Gieb daß ich veinetheure Verheiffang möge bes 
denken: Wer mein Wort wird halten, ber wird den Tod nicht 
Joh. 8.0.5. fehen ewiglich. Meine Schaafe hören meine Stimme ; Forſchet 
5 10. 0.27, in der Schrift, denn ihr meynet, ihr habet das ewige Leben dar⸗ 
2 2 ge ‚Innen, und fie iſts, die von mir zeuget: Wir haben ein feſtes Pros, 
v.19.  . . pbetifihesißort,dag da ſcheinet als ein L.cht imSinfterniß. Mein 
Röm.r, Wort follnicht-Ieer wieder zu mir fommen. Es iſt eine Krafft 
v.16..° Gttes ſelig zu machen, diedrangläuben. Wohl dem der kuft 
— 1 a hat am Gefe des HErrn, und davon rede Tag und Nacht. Gieb 
gig. fog, Mir, HErr,doß ich mich deines Wortes freue überallerkepReich» 
7 thum. Eröffne mir die Augen, daß ich fehe die Wunder an deis 
nemGefeg. Sieb mir Luft zu deinen Ziugniffen, und laß fie meine 
Rathsleute feyn. Zeige mir, HErr, den Weg deiner Rechten, 
daß ich fie bewahre biß ans Ende. Neige mein Herg zudeinen 
Zeuguiffen, und nicht zum Geiß. Wende meine Augen ab, daß 
fie.nicht fehen nach unnüger Lehre, fondern erquiche mich auf 
Deinen Wegen, und nimnı ja nicht von mir das Wort der Wahr⸗ 
heit. Das iſt mein Troſt in meinem Elende, dein Wort erquicket 
mich. Laß das mein Schatz feyn, daß ich deinen Befehl halte. 
Laß das mein Erbe feyn, daß ich deinen Weg halte, Lehre mich 
beilfame Sitten und Erfänntnig. Laß das Gefeß deines Muns 
des mir lieber feyn, denn viel tanfend Stück Geldes und Eils 
berg. Wenn dein Gefeß nicht wäre mein Troft gemefen, fo twäre 
ich vergangen in meinem Elende, Sch habe alles Dinges ein 
‘  Endegefehin, aber dein Gebot währet erviglich. Laß dein Wort 
‚meinem Munde füfer fenn,denn Honig und Honigfeint. Laß deis 
N ne Zeugniß mein ewiges Erbe fenn,denn fie find meines Hertzens 
Troſt. Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe, und laß mich 
nicht zu ſchanden werden uͤber meiner Hoffnung. Laß ſich meine 
Augen ſehnen nach deinem Heil, und nach dem Wort deiner Ge⸗ 
rechtigkeit. Handele mit deinem Knecht nach deiner Gnade, und 
lehre mich deine Rechte. Ich bin dein Knecht, unterweiſe mich, 
"daß ich erkenne deine Zeugniß. Laß mir dein Wort offenbar wer⸗ 
den, daß es mich erfreue und flug mache, Wende dich zu mir,und 
fen mir gnadia-toie du pflegeft zu thun denen, die deinen Namen 
* lieben. Die Gerechtigkeit deiner Zeugniß ift ewig > Untermweife 
mich, folcbe ich.» Dein Heil ift ferne von den Sottlofen ; denn fie 
achten deiner Nechten nicht. Groffen Frieden haben die, fo dein. 
Gefeg lichen, und werden nicht ſtraucheln. O HErr, bein Geſetz 
iſt ohne Wandel, und erquichet die Seele. O HErr,dein Zeugniß 
ift gewiß, und machst die Altern weiſe. HErr,deine Befehle find 
richtig, und erfreuen das Hertz. HErr,deine Gebote find lauter, 
. und erleuchten die Yugen HErr, deine Furcht iſt rein, und 02 
t 


im Menſchen erfuͤllet werde. 39 
bet ewiglich. Die Rechte des HErrn ſind wahrhafftig, altefam! 
recht, fie find koſtlicher denn Gold, und viel feines Goldes, fie 
find füffer deun Honig und Honigfein, auch wird dein Knecht 
durch fie erfreust, und wer fie halt, hat groffen Lohn. 
Ey? Des VII. Capitel. ; 
Wie das Geſetz GOttes ın aller Men⸗ 
ſchen Hertzen geſchrieben ſey, welches fie übers 
zeuget, auf daß fie an jenem Tage keine Entſchul⸗ 
N; digung haben. ST, £ 3 
Kom. 2.v.14.15 Indem die Heyden des Geſetzes 
Wercke thun, beweifen fie, daß das Gefeg in 
‚ihrem Hertzen gefehrieben fep. dig | 
| Ls GOtt der AKrrdentfienfhennachfeinem: 3. Hof. 
Bilde fehuff, in vollkommener Gerechtigkeit wu 26.27 
undNeiligkeit,und ihn mit ho hen Goͤttlichen Tu⸗ 
genden und Gaben zierete und ſchmuͤckete, und als ein 
vollkommenes ſchoͤnes Meiſterſtuͤck ausarbeitete, als 
ein hoͤchſtes und edelſtes Werck und Kunſtſtuͤck, hat 
er drey fuͤrnehme Kigenſchafften den menſchlichen Drey Ei⸗ 
Gepwiſſen ſo tieff eingepflantzet, daß fie nimmermehr, denkbar 
Be nicht Eonnen ausgetilgei werden: Zum 1..Seeien ein 
das natůrliche Zeugniß, daß ein GOtt iſt. Zum 2. Lepflautzet. 
das Zeugniß des juͤngſten Gerichts, Nom. 2. v. 5. 
Zum 3. das Geſetz der Natur, oder natuͤrliche Ges 
rechtigkeit, dadurch Ehre und Schande unterſchieden, 
Sreudeoder Traurigkeit empfunden wird. 
. Denn es it. nie ein Dolch fo wild und barba⸗ 
riſch geweſen das da verläugnet hätte, daß ein GOtt 
‚wäre; denn die Natur hat fie inwendig und auswen⸗ 
‚Dig überzeuget. Ja ſie haben aus ihrem Gewiſſen em⸗ 
pfunden, daß nicht allein ein GOtt fep, fondern- 
aß er auch müfle ein gerechter GOtt feyn, der dag 
Boͤſe ftrafe, und das Gute belohne, weil fie in ihrem 
Gewiſſen entweder Schrecken oder Freude empfuns 
den. Daraus haben fie ferner geſchloſſen, daß .Die Liebe der 
Seele müffe unfterblich feyn; wie Plato davon gewal⸗ Natue. 
tig diſputirt; And legtlich haben fie aus dem Geſetz 
der Natur, Das ift, aus der angebohrnen natürlichen 
C4 Liebe 


40 B.l. C.7. Wie das Geſetz GOttes 


Liebe wohl geſehen, daß GOtt ein Urſprung alles 
Guten ſey in der Natur: Daher ferner fie geſchloſ⸗ 
fen, daß demfelben müffe mit der Tugend und reis 
nem Hergen gedienet’ werden. Darum fie in die 
Tugend Das höchfte Gut gefeet haben. Daher die 
' Tugend⸗ Schulen des Sorraris und anderer. weifen 
Fündtein Philoſophen entftanden feyn. Daraus ſehen wir 
Tepen nun, wie GOtt ein Fuͤncklein des natürlichen Lichts, 
Pänutnifes oder cine Spur und Merckmai, auch nach dem Fall, 
96 laſſen übrig bleiben, auf daß der Mienfeh feinen Urz 
17.0.28. fprung foll erkennen lernen, woher er kommen, und 
demſelbigen nachgehen. "Wie auch etliche der Hey⸗ 
ddoen ſolches gemercket, als der Poet Ararus bejeuget, 
welchen St. Paulus anfuͤhrt, Apoſt. Geſch. ı 7. v. 28. 
Wir ſind GOttes Geſchlecht. Und Manilius: An du- 
bium eſt, habitare DEum ſub pectore noſtro, in cœ- 
lumque redire animas, cœloque venire? Das iſt: Es 
iſt kein Zweifel, es wohnet GOtt unter unſerm Her⸗ 
Gen, und die Seelen kommen wieder in Himmel und 

vom Himmek a; 
Heyden ha· Heil nun die Heyden das natürliche Zeuaniß 
a, GOttes wider ihr Gewiſſen verachtet, und alfo den 
sun.  chöpffer felbit, werden fte durch ihre eigene Schuld 
| verdammet werden, und Feine Entfchuldigung haben; 
len ı Denn fo fihleuft Br. Paulus: Mer da weiß, daß 
9 ein OOtt iſt, und fraget nicht danach, oder ach- 
| tet nicht, wie er ihn recht erkennen, und ihm die⸗ 
nen möge, der wird am Tage des Gerichts Feine 
Entſchuldigung baben,Köm.1.0:19.20. Und fehleuft 
ferner: [Weil die Heyden GOttes Gerechtigkeit 
erkannt baben, indem fie von Natur gewuft, daß, 
die Boͤſes thun, des Todes werth fepn, haben 
aber das Böfe nicht allein gethan, fondern auch 
 - Gefallen dran gebabt, ſo baben fie fich ſelbſt ver- 
Km. 2. urtheile v. 32. Item Rom. 2.0.15. Ihre Gedan⸗ 
* F "den, die ſich ſelbſt unter einander verklagen oder 
R entfehuldigen, haben fie überzeuget des zukuͤnfftigen 
Gerichts. So nun die Heyden Feine ——— 
1 m, 


in die Hertzen geſchrieben. 4 


haben, die nicht allein von Natur wiſſen, daß ein 

GOtt iſt, ſondern auch wider ihr Gewiſſen GOtt 

nicht geſucht haben; vielweniger werden, Die Ent- Eprifien 

fehuldigung haben, weldyen GHOtt fein Wort geoffen⸗ Penn a 

baret hat, und fie durch IEſum EHriflum feinen lie⸗ Euiſchut⸗ 

ben Sohn: hat laffen zur Buſſe ruffen, das ift, von zn, 

Sünden abzuftehen, fi) von dem gottlofen Weſen Heyden. 

abzuwenden, auf Baß fie durch den Glauben Des Ders 

dienſtes EHrifti mochten. fahig und theilhafftig, und 

ewig felig werden. > J | 
‚Darum wird ein ider Menfeh, der CHriſti Na⸗ Job. 12. 

men Eennet, und fich nicht befehret hat, an jenem Tage Zukenzen 

zwey gelvaltige Zeugen wider fich haben; Zum 1. gen, fo ade 

ſein eigen erg, Bewiffen, und Das Gefeg der Dias nanskr, 

tue: Zum 2. GOttes geoffenbartes Wort, wel⸗ dammen 

ches ihn richten wird an jenem Tage. Darum auch werden. 

ein ſchreckliches Urtheil und Verdammniß Darauf er⸗ 

folgen wird, wie ver Herr ſpricht: Daß es Sodoma 

und Gomorra an jenem Tage ertröglicher wird - 

ergeben, und die Königin von Mittage wird aufe 

ſtehen, und dis Gefhlecht verdammen. Matth. 

2.0. 24.0.1329, 42. |. | 

. > Und daher wird die ewige Guaal und Pein ents Woher die 

ftehen, weil GOtt die Seele unfterblich erfchaffen, und Cyan, der 

in der Seelen das Gewiſſen, Das. immer und ewig 

GOttes eingedenck ift, und kan doch nimmermehr zu 

GOtt kommen; welches ift die gröfte und ewige Pein 

der Seelen. | " EN. 

Und ſolche innere ewigwährende Seelen Pein Woher die 

wird fo viel deſto gröffer feyn, fo viel immer mehr und un, der 

‚mehr durch Unbußfertigkeit GOttes Zorn gehaͤuffet Dein. 

wird, Mom. 2.0.5. auf den Tag des Gerichts. 

Denn gleichwie GOtt der Herr nach feinem ge⸗ 

rechten Gerichte die Heyden in einen verkehrten Sinn 

gegeben, weil fie das innere Gefeg der Natur 

und eigen Gewiffen, ad GOTTES Geredtig- 

keit in ihr Her gefchrieben, verworfen, und nichts 

geachtet, fondern demfelben als GOtt felbft wider⸗ 

&.5: ſtrebet; 


* 


42 B. IJ. C.7. Wie das Geſetz GOttes 
ſtrebet; durch welche Verblendung ihrer Sinne ſie 
in greuliche abſcheuliche Suͤnden und Greuel gera⸗ 
then ſeyn, dadurch fie GOttes gerechten Zorn achaufs 

Woher es fet haben: Alſo, weil, die, fo Ehriften feyn voollen, 

ta beyde das innere und aufferliche Wort und Zeugniß 

Ehrifen GOttes verwerffen, und nicht allein nicht wollen 

ef sräffere Buſſe then ſondern Dem Heiligen Geiſt widerſtreben, 

geicheben, und GOtt laͤſtern, giebt fie GStt dahin i in einen vers 

nn Eehrten Sinn, daß fie Arger werden, denn Die Deyden 

a und Tuͤrcken; fendet- ihnen Eräfftige Irrthum, 
daß fie den Aigen glauben, auf daR geſtraft 

werden alle, ſo Auft baben an der Ungerch- 

tigkeit, 2. Theſſ. 2.0. 11. ı2. 

Abſcheuli⸗ Daher ſolche abſcheuliche Laſter bey den Chri⸗ 

rd fien im Schwange gehen, die nie erhöret ſeyn; ſolche 

Ba leuteliſche Hoffart und Pracht, fo uneufäktlicher Geit, 
fehändliche Woluſt, viehiſche Unzucht, und unmenfch- 

liche Thaten, welche alle aus Verblendung und Ver⸗ 

ſtockung eines verkehrten Sinnes geſchehen. Denn 

weil die Chriſten nicht wollen in ihrem Leben folgen 

‘Dem niedrigen, arınen, fonfftmüthigen und demuͤthi⸗ 

gen Criſto, ſondern ärgern ſich an ihm, ſchaͤmen ſich 

feines heiligen Lebens, da ihnen doch GOTT. den⸗ 

ſelbigen zum Licht der Welt hat vorgeſtellt, daß 

Wer En fie ſollen nachfolgen feinen Fußſtapffen, Joh. 8. 





‚ fonichtfo , 12. fo giebt ſie GOtt dahin, daß fie dem Satan 


gen will, 
muß den folgen, und * teufeliſch Leben annehmen durch aller⸗ 


er ſol⸗ ey Greuel, Zügen und Unharmhertzigkeit, zu vollbrin⸗ 
gen die Wercke der Sinfternig, weil man nicht will 
im Picht wandeln, ald der HERR Johann. am ı2, 
v. 35. richt: Kieben Binder, wandelt im Kichte, 
teil ibrs — auf daß euch die Finſterniß 

| nicht überfalle, 

Gott if Und legtlich, weil GOTT die Heyden mit ſo 

— ſchrecklicher Blindheit und verkehrten Sinn geſtra⸗ 

nes Mei: fet, weil fie dem kleinen innerlichen Lichtlein, fo in ih⸗ 

* ers nen von Natur iſt, und ihrem eigenen Gewiſſen, und 


* Geſetz der Natur nicht haben Folge * * 


in die Hertzen gefehrieben. Re 


wie Et, Paulus redet, Nom. 1. v. 28. nicht geachtet 
haben, daß fie GOtt erkennen, alſo, daß fe durch ihre 
eigene Schuld verluftig worden ſeyn der ewigen Se⸗ 
ligkeitz wie vielmehe werden Die der ewigen Seligkeit 
beraubet werden, welchen nicht allein von Natur, ſon⸗ 
‚dern Durchs geoffenbarte Wort GOttes und Durch 
den neuen Bund, GOttes Wort ins Hertz geſchrie⸗ Der neue 
ben, und achten doc) dieſer groſſen Gnade und Ser Sup ins 
ligkeit nicht, Davon Ser. 31. v. 33. ſtehet: Das ſoll järieden. 
der nette Bund feyn: ch will mein Gefer in 
ihr Hertz geben, und in ihren Sinn führeiben, 
und ſoll keiner den andern lebren, und fagen: 
Erlenne den Errn; fondern fie follen mich alle 
kennen, groß und Bein, fpricht der HErr: denn 
ich will ihnen ihre Miſſethat vergeben, und ih⸗ 
rer Sünden nimmermebr gedenden. 


So wir num, ſpricht die Epiftel an die Hebraer Hebr. 18. 
am 10. v. 26. muthwillig fündigen, nachdem wir" 26. 

die Erkaͤnntniß der Wabrbeit empfangen, ba> 

ben wir förder Eein ander Opffer mehr für die 

Binde, fondern ein fehredlich Warten des Be- Schrediih 
richts und des deuer Eifers, der die Widerwaͤr⸗ nkahfen 

tigen verzehren wird, Denn fo iemand das Be-tigkeit, 
feg Miofis bricht, der muß fterben ohne Barm⸗ 
berzigkeit, durch zwey oder drep Zeugen; Wie 

viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den 

Sohn GOttes mit Süflen tritt, und das Blut 

des Teſtaments unrein achtet, durch welches er 

geheiliget iſt, und den Geiſt der Gnaden ſchmaͤ⸗ 

het? Denn wir wiſſen, daß er ſagt: Die Rache 

iſt mein, ich- will vergelten, fpricht der Ar. 
Schrecklich aber ifts, in die Hand des lebendigen _ 

Gottes fallen. Welcher Spruch nicht von denen, 

1 aus Schwachheit, fondern muthwillig wider die 

erkannte Wahrheit fündigen, und in Unbußs | 

fertigkeit verharren, zu verftes 
ben iſt. | 


Geber, 


Mn, 15. 16, 


44 B.LE 8. Ohne Buffe hat niemand 
Gebet. 


tie GoOtt und Vater, wie haft du doch fo eineherkliche 
Degierde zu unferm Heil begeuget, darinnen, daß du nicht 
Roͤm 2.0. allein in uns ſetzeſt einen Richter, unfer Gewiſſen, für dem wir 
. ans nırgend verbergen konnen, der ung beftraffet, wenn wir Un— 
‚ recht thus, und wenn wir dariunen beharren,mehr als alte Pei⸗ 
niger quä let; fondern thuſt ung auch diefe@nade, und laͤſſeſt dei⸗ 
nen Geiſt durch dein Wort ung offt erinnern, lehren, zůch —* 
w und ermahnen. HErr mein GOtt, id; befenne,daß ich offt diefe 
deine Önade vergeblich empfangen habe. Offt hat mein Gewiſ⸗ 
s ſen, offt hat der Heilige Geift durch dein Wort mich erinnert, 
‚ph. 14. uno ich habe dem Eingeben Sleifches und Blutes mehr gefolget, 
26.als diefemguten Wecweiſer Haͤtte dawit wohl verdienet, daß 
Eſa. 54. du mich uͤbergeben ſolteſt in einen verkehrten Einn. Erbarme 
Hebr gi dich. aber mein, 05; Eır, mein Erbarmer, und reinige mein Ge- 
v.14, toiffen dutch dag Alur Jeſu von dentodten Werden, zudienen 
dir, dem lebensigen GStt. Weil du auch ſieheſt die Bosheit des 
Satans, der mich erſt ſuchet in Vergeſſenheit deines Willens 
und Verheiſſung zu bringen, wenn er mich zum Unglauben und 
Epbeſ. 6. Sicherheit verleiten will; ſo gieb du mir in die Hand den Schild 
v. 16, des Glaubens, in welchem ıch alle feurig: Pfeile des Boſwichts 
—F — konne. Erwecke mein Gewiſſen in mir, daß ſelbiges 
BES. n amer traͤge werde, fein Amt zu thun: Laß auch deinen Geiſt 
icht von mir genommen werden, noch aufhoren mich zu ſtraf⸗ 
fen und zu rechte zu bringen, und gieb mir endlich ein gehorfam 
Herk, denen Erinnerungen deines Geiftes willig zu folgen, alſo 
in ſtetem Gehorſom und kindlichem Glauben bir zu dienen die 
gange Zeit meines Lebens, durch JEfumCHriftum — dag 
BAen HErrn, Amen. 


Das VIll. Capitel. 
Daß ohne wahre Buſſe ſich niemand 
Chriſtt und feines Verdienſtes zu troͤ⸗ 
jten habe. 
' 2.8. Mof. 12.0. 48. Bein Unreiner durffte das 
DR Pyſſah eflen. | 
| BEN D) Bestand, fpricht Matt. am 9.0. 12.13. 





Die Starcken bedürffen des Argtes nicht, 
jondern die Aranden: Ich bin kommen, 
die Sünder zur Buſſe zu ruffen, und nicht die 
Gerechten. 
obneveſe Hiermit lehrer ung der HErr, daß er zwar Die 
9 nie Sünder ruffet, aber zur Buſſe. Und daraus erfolget, - 
and in daß 



























































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NUN am UT) 


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G 


; Das Erſte Buch, Cap. VII. pag. 44 
Hier iſt abgebildet ein Feigen-Baum der zwar aus einer 
bittern Wurzgel waͤchſet, wie denn auch die Rinde und Blaͤt⸗ 
ter bitter ſchmecken) aber doch ſuͤſſe Fruͤchte bringet: Alſo iſt 
die Buſſe zwar dem alten Adam ſehr bitter, aber doch brin⸗ 
get fie herrliche Früchte des Glaubens, der Liebe, der Gedult, 
der Sanfftmuth und Demuth, auch des Friedens, der Freude, 
des Goͤtilichen Troſts und dergleichen, 


Matth. 3. ver. 8. 
Sehet zuy thut rechtſchaffene Seüchte der Buſſe. 


O Boleich der Buſſe Wurtzeln bitter ſeyn, 

So traͤgt ſie doch die allerfüßten Früchte: 
Duͤnckt ſie dem Fleiſch gleich lauter Gall und Pein, 
Iſt ſie dem Geiſte doch ein niedliches Gerichte. 
Sie iſt ein Gifft der lieben Bufen - Sünden, 
Die wir ſo feywerlich überwinden; 

Sie iſt dem alten Adam eine Peſt, 
Der ohne fauren Streit fich nicht entwaffnen laft: 
Sie iſt ihm gar ein bittres Creutz, 
Und toͤdtet feine Glieder, 
Die Luft, die ihr fo hart zumider, 
Die Hoffart und den Geis: 
Dooch fieht man an den Lebens Bäumen 
Aus dieſem herben Safft die fehönften Früchte kaͤumen. 
Zuerſt ſproßt reine Lieb herfuͤr, 
Die dich mit GOtt verbindet, G tt mit dir, 
Darauf entfpringer vollenfommne Freude, 
Mit Feinem Schmergen oder Leide 
Vermiſcht noch unterbrochen; 
Und fichrer Fried, der Noth und Tod kan pochen, 
"Und Gut, und — u Sanfftmuth, und 
R RNedu t, 
Und Keuſchheit, welcher GOtt und Engel hold, 
O welch ein Unmenſch ift, der das nicht liebt und über, 
Was fo erwoͤnſchete und theure Sruchte gieber! 


— 


fih Chriſti zu troͤſten. As 
| daß niemand zum Errn kommen kan, obneCHrite 
wahre Buffe und Bekehrung von Suͤnden, und ohne kommen. 
‚wahren Glauben. — 

MNun iſt die Buſſe nichts anders, denn durch wahre Was wahre 
Heu und Leid der Guͤnden abſterben, und durch den Buſſe fer. 
Glauben Vergebung der Sünden erlangen, und der ’ 
Gerechtigkeit lebenin CHriſto. Und muß in der Buſſe 
vorhergehen die wahre Börrliche Reue, dadurch 
das Hertz jerbrochen, und das Fleiſch gecreugiget wird. 

Und darum nennet es die Epiftel an die Jhebyaer die 
Buffe der todten Werde, das iſt, Nachlaſſung der Jebr-s.nz- 
Wercke, die den Tod wuͤrcken. Es a 
Wo nun dieſelben nicht gelaffen werden, fo iſt Foſlichtte 
EHriftus mit alle feinem Verdienſte dem Menſchen Games 
nichts nutze; denn Ccriſtus unfer HErr ſtellet fich . 
ung felber vor als einen Artzt, und fein heilig Blut als 
die Eöftlichfte, heilfamfte Suͤnden Artzeney. RE 
Yun Fan auch die allerköftlichte Artzeney nicht 
helffen, und nicht würcfen , wenn der ‘Patient dag 
nicht will lafjen, das ihm fchadlich iſt: Derohalben 
hilfft keinem CHriſti Blut und Tod, wer nicht. will 
von Stunden ablaffen.. Daher fpriht St. Paus - 
Ins Gal.s. Die folches thun, (verſtehe die Wercke Sals.n.r. 
des Kleifches ) die werden das Reich GOttes 
nicht ererben. ‚Das ift, fie haben Fein Theil an 
EHrifte. — ER EEE Ki 
Ferner, fol CHriſtus und fein heilig Blut unferemateh. 9. 
Artzney feyn, fo müffen wir zuvor Franck ſeyn; denn eg ekiripe 
. Gefunden bedürffen des Arztes nicht, ſondern Kranden 
die Aranden. Nun find aber alle, die nicht geiftlich —2 — 
kranck, die ohne wahre Buſſe ſeyn, die ohne hertzliche im 6.und 
Reue uber ihre Suͤnden ſeyn, die kein zerbrochen zu⸗38. Pſalm. 
ſchlagen Hertz haben, und fuͤr GOttes Zorn nicht er⸗ 
ſchrecken, die nicht fliehen wollen die weltlichen Luͤſte, 
die da trachten nach eiteler Ehre, Reihthum und Wol⸗ 
luſt, ſorgen nicht für ihre Suͤnde: Dieſe, füge ich, find 
nicht kranck, darum beduͤrffen ſie auch des Artztes nicht, 
Das iſt, CHriſtus iſt ihnen nichts nüße, 
Darum 


| 46 | BL. 8. Ohne Buffe bat niemand 





Ey » Darum mercke diß wahl: CArifkus iſt Eommen 


Embn „Ole Sünder zu ruffen, aber zur Buſſe. Warum? 
tig dena © Denn allein ein bußfertiges, zerbrochenes, zerfhlagenes, 
dem ie big glaͤubiges Hertz iſt faͤhig des theuren Verdienſts, Bluts 
—5 und Todes JEſu Coriſti. 


Gore Gelig ift der Menſch, der dieſen heiligen Beruff 
ranzigteit 0 feinem Hertzen empfindet: Das ift, die Goͤttliche 


—— Traurigkeit über die Suͤnde, die da wuͤrcket eine 
RXReue zur — die niemand gereuet, 2. Cor. 


mio, 7.1 a Diele Göttliche Traurigkeit wuͤrcket der 
e 


Heilige Geiſt durchs Geſetz, und durch ernſtliche Be—⸗ 


Das geiden trachtung des heiligen Leidens EHrifti: Denndas Lei⸗ 


Ä — fi ei den ChHriſti iſt zugleich eine Buß-Predigt, und der 


tm 


ums ya alterfehrecklichfte Spiegel des Zorns GOttes, und 


en eine Gnaden- Predigt. Denn bedencket die Urfach, 


werum unfer fieber HErr den bitten Tod gelidten ? - 


Nemlich um unſrer Sünde willen. Bedencket auch 
Die Liebe GOttes, daß er uns feinen Sohn geſchen⸗ 


cket, Kom. 5.0.8. Da fehen wir GOttes Berechtige - 


Zeit und Barmhertzigkeit. 
Chritt ie folte nun einer, der. an CHriſtum glaubet, zu 
ben (U im denfelbigen Sünden Luft haben, oder von denfelbigen 


" pärden" nicht wollen abftehen, welche. CHriſtus mit feinem 


Bluteund 2 Tode, mit feinen Leben bat bezahlen muͤſſen? 


Sehet, wie hat er unſere Hoffart und Ehrgeitz mit ſo 
tieffer Demuth und Verachtung buͤſſen muͤſſen: und 
Du haft noch Luſt zur Hoffart, und kanſt der Ehre dieſer 
Welt nicht fatt werden? Wie hat CHriſtus deinen 
Geitz mit ſo groſſer Armuth muͤſſen buffenz und du 
haſt nimmer genug, und kanſt des Reichthums nimmer 
ſatt werden? Wie hat CHriſtus mit ſo groſſer Angſt 
und Todes⸗Schmertzen deines gleiſches Luſt buͤſſen 
muͤſſen, Matth. 26. v. 38. und du haſt alle deine Freude 
an des toͤdtlichen Fleiſches Luſt? Wie kan Doch Das deine 
Luſt ſeyn, das deinem HErrn Cehriſto die hoͤchſte Pein 
Frucht des geweſen iſt? Wie kan doch das deine Freude feyn, das 
Erin Deinem Hein CHriſto die höchfte Traurigkeit geweſt 
uns. bisinden Tod? Giche, mit was tieffer — 


ſich Coriſti zu troͤſten. 47 


nn TE er 
und hoher Gedult dein HErr gebüffer hat deinen Zorn, 
Haß Feindſchafft, Bitterkeit, Rachgier ; Unverfohns 
fichkeit, und DU zuͤrneſt fo leichtlich, und iſt Div die 
Hachgier ſo ſuͤſſe, füffer denn dein Leben? Iſt Dir das 
fo füfle, Darum dev HErr einen ſo bittern Todes⸗Kelch 
irincken muſſen J 
Darum alte die, fo ſich Chriſten nennen, und von unbugfer⸗ 
Suͤnden nicht ablaffen , die creugigen CArifkum games 
aufs neue, und belten ihn für einen Spot, wie kun aufs 
sum Ebr. am 6. v. 6. geſchrieben ift. ie Fönnen eirs.n.c. 
auch des Leidens CHeiſti nicht theilhafftig werden ;K.20.van 
denn fig treten das Blur Chriſti mir Säffen, wie 
aberınal zum Ebr. 10. v. 29. gefchrieben iſt: Achten 
das Blur des Teffaments unrein. Das ift, fie 
haltens für Eeine Neinigung ihrer Suͤnde; achten gar 
nicht drauf, daß es zur Bezahlung ihrer Stunde vergoſ⸗ 
ſen ift, und ſchmaͤhen den Geiſt der Gnaden. Das 
iſt, verſtoſſen, verwerffen, ſpotten und laͤſtern die hohe, 
theurbare, angebotene Gnade mit ihrem gottloſen Lre 
ben, alſo, daß das Blur EHrifti, Das auch fuͤr fie ver- Na de 
goſſen ift, Rache muß uber fie fchreyen, und fie dem ge⸗ EHriki wi 
rechten Gericht GOttes übergeben: Dafür wir billig der dienw . 
erſchrecken füllen. Denn es ifE zumal febrecklich, in en 
‚die Hand und Rache des lebendigen GOttes fal- 
len, wie aud) an demfelbigen Drt flehet, v.3 1. Denn 
unfer GOtt iſt nicht ein ohnmaͤchtiger todter Goͤtze, Der 
ſich wird immer ſpotten, und ſeine Gnade ſchmaͤhen 
laffen, ſondern ein lebendiger GOtt. Re 
Und zwar unfer eigen Hertz ubergeuget ung, daß eine 
groſſe Rache und Zorn GOttes darauf erfolgen werde, 
wenn einer nicht von Suͤnden ablaßt, und hoͤret doch, 
wieder ewige Sohn GOttes fo einen fchrerflichen Tod 
um der Sünde willen hat leiden muͤſſen. 
Doss iſt nun die Urſach, warum in der ganken Welt 
iſt Buſſe geprediget worden, fo bald der heil, Tod CHri⸗ 
ſti geſchehen war, nemlich: Sum 1, dieweil derſelbige 
fuͤr der gantzen Welt Sünde geſchehen war, 1. Joh. 2. 
v. 2. Zum 2. Daß alle Menſchen an allen gr Warum 
* u e 


\ 


48 BLE. 8.‘ Ohne Buffe bat niemand 


er 7 
Som von Buſſe thaͤten, wie Ayofl. Geſch. 17.v. 30. geſchrie⸗ 
allen Den: hen ſtehet, und dieſe Arkeney mit ——— reuenden, 


ſchen Buſſe 
defodert. 


4 / 


Sünde 


wird ohne 
Buſſe nich 


bußfertigen Hersen annehmen, auf daß diß theure 
Gaaden⸗Geſchenck GOttes am Menfchen nicht vers 
(shren werde. » 
Und auf folche hertzliche Buſſe ſolte Vergebung 
‚der Sünden folgen: denn wie kan doc) die Suͤnde 


vergeben. vergeben werden, Die einem nie leid gervefen, und da man 


no) immer Luſt zu hat, davon man nicht will ablaffen? 


Iſts nicht ein.nävrifch, verfehrter Handel, wollen Ver⸗ 
gebung der ‚Sünden haben, und doch von Sünden 
nicht wollen ablaffen? Sich des Leidens CHriſti troͤ⸗ 
ften, und doch die Saͤnde nicht laffen, um welcher wil⸗ 
len CHriſtus hat fterben pain? 

WViel Leute find, welche Die Zeit ihres Lebens 


* 


nicht wahre Buſſe gethan, und wollen doch 


Vergebung der Sünden haben; die da nie haben 
abgelaffen von ihrem Geis, Hoffart, Zorn, Daß, 


Neid, Falſchheit Ungerechtigkeit, ja haben noch twol- 


darinnen zugenommen, und tollen ihnen EHriftt 
Derdienft zurechnen: Haben fich ſelbſt überredet, fie 


; Batrogene find gute Chriſten, weil sie wiffen und glauben, Chris 


— —— ſtus ſey fuͤr ihre Suͤnde geſtorben, und gedencken alſo 


Glauhe. 


abfterben- 


felig zu werden. Ach du betrogener falſcher Chriſt! 
Das hat dich nie GOttes Wort gelehret, daß du alſo 
ſolt ſelig werden. So hat nie kein Prophet und Apo⸗ 


ſtel geprediget; ſondern alſo predigen ſie: Wenn 


du wilt Vergebung der Zuͤnden ae ſo muſt 
du Buſſe thun, und von Suͤnden ablaſſen, dir 
deine Suͤnde laſſen leid ſeyn, und an CHriſtum 
glaͤuben. 

Wie ſolten einem aber die Suͤnden leid ſeyn, die 
er nicht zu laſſen gedencket? Und wie ſolte einer die 
Suͤnden laſſen, die ihm nie leid geweſen? Darum 


——— lehret dich Chriſtus, ſeine Propheten und Apoftel: 
u folt der Suͤnde und Welt abjterben; Das iſt, 


Deiner eigenen Hoffart, Geis, Wolluſt, Zorn, , Feind 
ſchafft/ und dich zum Do befehren , und um 


Snade 


ſich Chriſti su troͤſten. 49 


Gnade bitten. Seo haft du Vergebung der E unden, 

jeßo kommt der Artzt, Der die zerbrochenen Hertzen 

verbindet, und beilet ihre Schinergen, DM. 147. 

0.3. Sonſt iſt dir CHriſtus nichts nüge, und bilfft 

dir nichts, daß du viel vom Glauben fageft. Denn 

der: rechte Gl aube verneuert den Menſchen, und toͤdtet Art des 

die Suͤnde im Menfchen, macht den Menfihen in I 

E-Hrifto lebendig, das it, daß er in CHriſto lebet, im 

Glauben, in feiner Liebe, Demuth, Sanfftmuth, Se 

dult. Siehe, alfo it dir CHriſtus der Weg zum Le⸗ 

ben, alſo bit du in ihm eine neue Creatur. Wenn 2. Cor.5. 

du aber in deinen lei verharreſt, wilt denfelbigen 97: 

nicht * abfterben, ſondern laͤſſeſt Dir ailes gefallen, was 

dein alter Adam thut; wie kanftdu cine neue Creatur 

feyn? Wie kanſt du Tarifen angehören, weil du 

dein Sleifeh nicht wilt creugigen ſamt den Lüften 

und Begierden? Salat. 5.0.24. | } 

Wenn du nun gleich alfo zehen Predigten! des Tas Vergebli- 

ges hoͤrteſt, beichteſt alle Monat, sienge et zum Tiſch des Keane 
HEcrn; fo huͤlffe es dich doch nicht, haͤtleſt doch nicht 

| Dergebung der Sünde: Urſach, es ift Fein bußfertig, 

zerbrochen, gläubig Her da, welches da fahig ift der 

heilſamen Araney. Bdttes Wort und Sacrament 

ſind wol heilſame Artzneyen, fie helffen aber keinem Un⸗ 

bußfertigen, der Fein ſtetig reuendes glaͤubiges Hertz hat. 

Geuß den koͤſtlichſten Balſam auf einen Stein, was 

wird ihm das helffen? Es dienet für ihn nicht Saͤe 

den beſten Weitzen unter einen Hauffen Dornen, er 

wird nicht Frucht bringen, du reuteſt denn zuvor die 

Dornen aus, Luch8. v.7. Schluͤßlich: Der in fir us: v.5. 

nen Sünden verharven will, dem iſt CHriſtus nichts 

nüße: Der mit Chriſto nichtmill neusgebohren werden, Denen, die 

dem ift feine, Geburt) nichts nuͤe Der mit CHriſto 1 Sünden 

nicht will der Stunde abfterben, dem iſt ſein Tod nichts it EHrini 

nuͤtze, Rom.6.0.1 1. Dernicht willin EHritet von@uns — 

den hen. dem iſt feine — nichts snüßg. 

eil. er 


* Siehe bey Cap. 4. 











so Bl. C. 8. Ohne Buſſe hat niemand 


Br Der nicht im bimmliichen Weſen und Leben will wan⸗ 
dein, dem iſt CHriſti Himmelfahrt nichts nuͤtze. 
Allein die Wenn aber ein Menſch mit dem verlobrnen 
er Sohn umkehret, Luc. 15. v. 18. feine Suͤnde bez 
‚Siku vfnen reuet und beweinet, diefelbige meidet und haſſet, GOtt 
ae um Gnade bittet, und jiehet im Glauben an den ger . 
Du.  creusigten JEſum, und feine blutige Wunden, (wie 
i die Iſraeliten die rothe Füpfferne Schlange, 4. B. 
Mol. 21.0.8.) und ſpricht: GOtt fep mir armen 
Suͤnder gnaͤdig! Luc. 18. v. 13. Je fo it alles 
vergeben und vergei fen, und wenn gleich ein Menſch der 
gangen Abelt Suͤnde allein gethan hatte. 

So viel gilt das heilige Blut CHriſti, und fein hei⸗ 
liger Tod! Tantaeft perfectio inredemtione, parta fan- 
ee Chrifti, & tanta eft perfelio applicationis grotiz - 

& imputari nis totius meriti Chriftı perfilem. Solche 
Vollkommenheit ift in der Erloͤſung, fo durchs Blut 
CeHriſti geſchehen iſt und wird einem bußfertigen Her⸗ 
tzen das gantze Verdienſt CHriſtivollkommlich zugerech⸗ 
net durch den Glauben; denn GOtt will Buſ⸗ an⸗ 
Weish.i2. neben für. Sünde, Weish. ı 2. v.19.-Das ift, 
„”  GDttvergiebt den Buffertigen vollfommlich aus lau⸗ 
ter Gnade un ChHriſti willen: Ja es iſt GOttes Luft 
und Freude, barmhertzig feyn, und die Sunde aus Gna⸗ 
den vergeben. Es bricht mir mein Hertz, ich muß 
- mich dein erbarmen, fpricht er, Ser. 31. v. 20, Hoſ. 
11,0. 8. Urſach, es gehet alsdenn der Tod Cehriſti in 
ſeine Frucht und Krafft, und denn iſt Sreude im Him⸗ 
mel vor den Engeln GOttes, daß an den arınen 
Sundern das theure Blut C Be nicht verlehren, um 

weicher willen es vergoſſen iſt, Lue. 15.0.7, 


Gebet. 


Err mein GOtt, daß du ewiges vollkommenes Weſen, deſ⸗ 

ſen Vollkommenheit durch Feine Cregtur vermehret oder 

Meisy.rz. gemnindert werden Fan, dich in deinem Worte erklaͤreſt, Buſſe 
2.19, - ehr Ende anzunehmen, nicht zu gedenden aller Sünden des 
Elech. 33. Gottloſen, wenn er fich bekehret; daffelbe iſt eine foldye Gna⸗ 
v. i5. 10. de, die billig alle Wels fole bewegen, zu dir zu — 
er, 


| fich EArifti zu troͤſten. 51 


Aber, o HErr, ie groͤſſer dieſe Gnade iſt, ie mehr wird fie gemiß⸗ f.64.0.13. 
braucht. Satan und die Weltverkchret dir alle deine Wercke Ap. Geſch. 
und Worte. _ Du fehenckeft ung deinen Sohn, und erhoͤheſt ihn $; 9-31. 
zu einem Fürften und Henland, daß er gebe Buffeund Verge- * v.⸗ 
bung der Suͤnden, und log mache vom Suͤnden⸗Dienſt, unddie J 
Wercke des Teufel zerſtoͤre; mir gebrauchen ihn, die Wer⸗ Waͤtth. 5. 
de des Teufels jo vielgeruhiger zu treiben und in allen Boshei⸗ u. 8. 
ten aufihn ung zuberuffen. Du forderftrechtfchaffene Früchte 
derduffe von ung; wir opffern dir ein leb⸗ und witzloſes Geſchwaͤ⸗ 
tze vom Glauben und Buſſe: Sagen, daß ung die Sünden leid 
fenn, die wir doch lieben, hegen, entfchuldigen, ja darinnen wir 
unfer Leben und Freunde haben. Ach HErr, getreuer Schepffer, 
übergicb mich doch nicht in fo verfchrten Sinn, daß ich einen 
andern Weg zur Grligfeit fuche, als dein Wort mir vorgefchries 
ben,und fo janımerlich mich vom Satan betrügen laffe. Entde⸗ 
de mir den Grund meines Hergeng, damit ich ja nicht nit fals 
ſchem Wahn der Buſſe mich felbft verführe. Dampffe, creußige 
und ertödte in mir ale Wels und Suͤnden-Liebe: Gieb mir ein 
— glaͤubiges Hertz, das in Liebe zu deinem heiligen 

ege ſtets liege an dem Creutz und Wunden JEſu, in ihm er⸗ Eph. 4. b.7, 
fuͤllet werde mit Heil, Krafft und denen Snaden-Gütern, deren 
Reichthum du in ihme zu ſchencken uns verheiffen haft. Erhoͤre 
nich, mein GOtt, um deines Kindes JEſu willen! Amen. 


Das IX. Copitel, 
Durch das iegige unchriftliche Leben 
wird EHriffus und der wahre Glaube 
% verleugnet. 
2.21m.3.0.5. Sie haben einen Schein eines gottfe= 
ligen Weſens, aber feine Arafft verleugnen fie, 


SER ſich jedermann einen Chriften nennet, und gorifus 





doch nichts Chriftliches that, fo wird CHriſtus durch ein 

X Dadurch verleugnet, verachtet, verfpottet, verlaͤ⸗ guttlos Le⸗ 
ſtert, gegeiffelt , gecteugiget, ausgerottet und getoͤdtet; fpottet- 
wie Die Epiftel an die &br. am 6.0.6. ſpricht: Daß et⸗ ey. c.n.c. 
liheden Sohn GOttes wiederumcreugigen und 
verſpotten: Wie der heilige Prophet Daniel hat 
geweiffaget, daß in den legten Tagen EHriftus werde 
ausgerottet werden, Dan. 9.0.26. Dan. 9. 

Welches ausgeleget wird von der Creutzigung ". ?* 
su Ferufalem, da die Juden ſchryen: Weg , weg, 
creutzige ihn, Matth. 27.0. 23. Ja wenn EHriftus 
Dicht täglich gecreutziget, und alfo ausgerottet wuͤrde 

D2 durch 


UNIVERSIIF DI 


ILLINOIS LIBRARY 


N 


Da Fein. 
Eh iſtlich 


Leben iſt, da 


s2 B.LE.9. Durch das unchriftl. Keben 


durch Das unchriftliche Leben, Daß man ihn, das ift, fein 
heiliges edles Leben, faſt nirgend mehr findet ; denn 
wo CArifti Leben nicht iſt, da ift Chriſtus auch 
nicht, und wenn man noch fo viel vom Glauben und 


iREHrimus von der Lehre ruͤhmete: Denn was ift doch der Chriſt⸗ 
auch nicht: (che Glaube ohne ein Ehriftlicy Leben? Ein Baum 


Wahrer 


ohne Früchte, wie. der heilige Apoſtel Judas v. ı 2. die 
falfchen Apoftel nennet: Bahle unfruchtbare Baͤu⸗ 
me, derer man ietzo Die gantze Welt vollfindet. Darum 
auch der Herr fpricht Luc. 8.0.18. Wenn des Mien- 
ſchen Sohn kommen wird, mepneft du auch, daß 
er werde Blauben finden auf Erden? 
Da hat der HERR warlich! nicht einen folchen 
Glauben verftanden, Den die Welt iego im Munde 
fuhret, und mit der That verleugnet, da man EHrir 
ſtum init der Zunge liebet, und nicht mit der That und 
Wahrheit; jondern er hat den gangen neusgebohrnen . 
Menſchen verftanden, den ‘Baum mit den Früchten, 
der durch den Glauben erneuert ift, in welchen Mens 
fehen CHriſtus durch den Glauben wohnet und lebet, 
Epheſ. 3.9.17. Solches Slaubens wird er wenig 


Slaube. finden; denn, wo der wahre Glaube ift,da ift CHrẽ 


* 


ſtus und fein heilig Leben; Und wo man Cehriſto in 
ſeinem Leben nicht nachfolget durch den Glauben, da 
iſt weder Glaube noch CHriſtus, ſondern iſt ausgerot⸗ 
tet und verleugnet. 


fuc.1a.0:9; Tun fpricht aber der Herr Luc, 12. 0.9. Wer 


Chriftus 
ird mit 
gottloſem 


Leben ver⸗ 


worffen, 


mich verleugner vor den Menſchen, den will ich 
wieder verleugnen vor GOtt und feinen Engeln, 
DIE Verleugien gefchicht nicht allein, wenn man 
den Slauben und CHriſtum mit dem Munde verleugs 
net, fondern vielmehr mit der That und mit dem Le⸗ 
ben, wenn man Chriſto und dem Heiligen Geift muth⸗ 
willig widerftrebet, wie St. Paulus fagt: Mit der 
That verleugnen fie es. Ja EHriftus wird mit 


Sit.v.ıe. dem gottlofen teufelifchen Leben eben ſo hart_verleugs 


net, als mit dem Munde, ja auch mit der Heucheley 
und Scheinbeiligkeit, wie die Parabel bezeuget von 
zweyen 








— 











— 

















ihini 





















































"Das befl Le 
 Mangeli eilt 























Das Erſte Buch, Cap.X. . Pae-53 

Hier iſt ein Sonnen Zeiner, auf weichem bie Zahl der 
‚Stunden gezeichnet, und welcher von der Sonnen befibienen 
wird; Das Beſte ader, nemlich der Weifer, welcher mit feinem 
Schatten die Stunden zeigen foll,mangele: Alſo iſt es nichts, - 
wenn gleich einer fich deg Glaubens rühmer, und doch dee Chriſt⸗ 
lichen Lebens oder der guten Werche,damit er feinen Glauben bes 
weiſen fol, mangelt, Denn derGlaube ohne gute Wercke iſt todt. 


2. Timeth, 3, verſ. s, 


Sie baben den Schein eines gertfeligen Weſens, 
aber feine Brafft verleugnen fie, 


Inweg mit diefem Aborwitze 
° 97 Da einer ſich des Glaubens ruhmt, 
Und dennoch weder GOtt noch Menſchen nüße, 
Noch Keifig ift in Dem, was Gläubigen geziemt: 
> Da man ein Chriſt zwar beiffet, 
- Und zeiget es doch mit den Wercken nicht: 
Da man des Gpttesdienfts fich mit dem Maul 
| -  beleiffet, 
Und mit der That es widerſpricht. 
Die Gnaden⸗Sonne ſcheint ja dern veraebeng, 
| Dem e8 an diefem einen feblt, 
Und der die Zeichen des aus GOtt entfprungnen Lebens 
Nicht an ihm felber merkt und zehlt. 
‚Ein ſolcher Menſch ift freylich wie cin Blinde, 
Der ſich andern, die nicht minder 
Stockblind, als er, den Weg zu weifen unterfangt, 
Und fich in das, was ihm zu hoch ift, mengt. 
Da kan es ja nicht anders feyn, 
Es muͤſſen die, ſo in dein Duͤſtern wallen, 
Sich ſtoſſen an den Stein, 
| “ Und in die Grube fallen. 
O toch der Chriftenheit! Die bey dem Gnaden⸗Licht. 
Das feinen Schein ſo helle giebet, \ 
\ Die Finſterniß fo hefftig lieber, | 
Und ſieht ihr eigen Heyl mit iehnden Augennicht, 


I 


* wird Chrifkus verleugnet. 53 


zweyen Soͤhnen, Matth. 21. v. 28. zu welcher einem am: at. 
der Dater ſpricht: Mein Sobn, gebe bin, und ar⸗ grofegen, 
beite inmeinem Weinberge. Und er fprach: Ich «rung 
willsniche £bun. Und über eine kleine Weile ge- San ao 
reuete es ibm, und gieng bin. Zu dem andern loſenLeben. 
forad) er: Gehe du auch bin, und arbeite, Kr 

forad ja. Und gieng nicht bin. Welcher hat 
nun des Vaters Villen gethban? Nemlich, der Nein 

fagte, und gieng doch hin. And welcher hat den Va⸗ 

ih re Nemlich, der Ja fagte, und gieng doch 

nicht hin. | 

Alſo find ießo Die falſchen Chriſten auch, die fagen: Eee 

Sata! Her! HErr! Und find inwendig die boshaffz ; 
tigſten Menſchen, und thun doch nicht, was der Vater 
befohlen hat, Matth.7.v. 21. Bon denen fpricht St, _ 
Paulus 2. Tim. 3.0. 5. Sie haben den Schein der > Tin. 3. 
Gottſeligkeit, aber ihre Krafft verleugnen fie." ” 
Mas ift aber die Brafft der Gottſeligkeit verleug- 

nen anders, denn den Glauben und CHriſtum verleug- 
nen? Ein Heyde fepn unter dem Chrifklichen Na⸗ Eph.2. v. 2 
men? Darum nennet fie St. Paulus Epheſ. 2. v. 2. 
- Binder des Unglaubens, die Eeinen Glauben haben. 
- Darum wird er die, fo ſich Ehriften genennet haben, 

und nichts Ehriftliches gethan, wieder verleugnen, und 
fprechen: Ich Benne euer nicht, weicher von mir, 

ihr Ubelthaͤter. Matth. 7. v. 23. | 

Daß hierher gehörige Gebet fiehe zu Ende des folgenden 
10. Gapitelg, 
Das X. Capitel, 2 


Das Leben der iegigen Welt⸗Kinder ift 
gar wider CHriſtum, darum iſts ein fal- 
ſches Leben, und ein falſch Chriſtenthum. 
Matth.12. v. 30. Wer nicht mit mir iſt, der iſt 
wider mich. | 
Enn man das Keben der ietzigen Welt ger Das Lehen 
gen EHrifti Lehr und Leben halt, fo befindet Ar Sacn, 
ſichs auch augenſcheinlich, daß Das Leben Des xinver. 
re! meifien 


54 B.1.E. 10. Das Heben der ietzigen Weltkinder 


meiften Theils der Welt gar wider CHriſtum ift; 
denn was ift aller Menfchen Leben ieko, denn Geis, 
Sorge der Nahrung und Bucher, Fleifches > Luft, 
Augen = Luft, hoffartiges Leben? Das it das meifte 
und befte, fo in der Welt iſt; Groffe Ehre auf Er 
den, groß Anfehen, groſſer Name, Ungehorſam, Zorn, 
Zanck, Krieg, Uneinigkeit, Feindſchafft, Rachgier in 
Worten und Wercken, heimlicher Neid, Unvberſohn⸗ 
lichfeit, Ungerechtigkeit, Unteinigkeit, Berrug, Falſch⸗ 
heit, Nerleumdimg. Und in Summa, das gantze 
Leben der Welt-Kinder zu diefer Zeit iſt nichts 
denn Melt-Kiehe, eigene Liebe, eigene Ehre, ci- 
gen Nutz. | 

Leben Dagegen iſt Chriffus und fein Leben nichts 


ok ‚anders, denn eitel veine, lautere GOttes- und Mens 


rahren ſchen⸗Liebe, Freundlichkeit, Sanfftmuth, Demuth, 
Chriſten. Gedult, Schorfam bis zum Tode, Barmbersiakeit, 
Gerechtigkeit, Wahrheit, Neinigkeit, Heiligkeit, Der 
ſchmaͤhung der Welt, und aller weltlidyen Ehre, Reich⸗ 
thums und Wolluſt, Derlaugnung fein felbft, ein ſte⸗ 
tig Creutz, Leiden, Truͤbſal, ein ftetig Sehnen und 
Seuffzen nach dem Reich GOttes, und cine emſige 
Begierde zu vollbringen den Willen GOttes. 

wenn. Mun ſpricht CHriſtus: Wer nicht mie mir iſt, 
Wer nicht der iſt wider mich, Das Leben aber der ietzigen 


* 


eines Sin⸗ 


mes ot mie Welt iſt nicht mit CHriſto, es ſtimmet nicht mit ihm 
EHrto, überein. Es it faſt niemand eines Herkens, Sin⸗ 
deren, nes, Gemüthes, Geiftes mit CHriſto wie es denn 
Sum. ſeyn fol, und Paulus zeuget 1. Corinth. 2. verf. 16. 
Wir haben Chriſti Sinn. Und abermal Phil. 2. 

& 5. vermahnet er, daß ein ieglicher gefinner fer, 

wie Chriſtus: Derohalben fo find alle Welt⸗Kin⸗ 

der wider EHriftum. Wer aber wider CHriſtum 

ift, der ift ein Wider⸗Chriſt. Iſt ers nicht wit der 

Lehre, fo ift ers mit dem Leben. 

Wahre °— Wo will man nun wahre Ehriften finden? Es 
» —* — „ mag wol diefe Zahl eine Bleine Heerde fern, wie fie der 
Yäuffein. Herr felbft nennet, Luc.ı 2.0.3 2, Oder wieder Prophet 
| Eſaias 


} 


iſt gar wider CHriſtum. gr 


Eſaias Tap. 1. v. 8. Die. Kirche vergleichet einem Gaͤus⸗ 
lein in den Weinbergen, einer acht Autten in 
dein Bürbis- arten, einer verheerten Stadt. 
Oder wie fie der Prophet Micha vergleichet im 7. Cap. 
v. Heinem Träublein, jo nach Der Weinleſe am 
Weinſtock hangen blieben, da er fpricht: Es geber 
mir fo übel, als einem, der nachliefer inden Wein- 
bergen. Dder wie ſie der liebe David vergleichet einer 
einfamen Turtel-Tauben, Pſ. 74. v. 19. einem einſa⸗ 
men verfehüchterten Vogel auf dem Dache, der da 
wache; einem Baͤutzlein in der Wuͤſten, und in 
“den verfförten Städten, MM. 102.0. 7, 

Nun die kennet GOtt, wer, und wo ſie ſind; CHri⸗ 
ſtus iſt bey ihnen / ja in ihnen alle Tage, bis an der 
Melt Ende, Matt). 28.90.20. Er wird fie nicht 
Miifen laſſen, Joh. 14.9. 16. -Der feſte Grund 
GoOttes befteber, und bat dis Siegel: Der HErr 


kennet die Feinen, 2. Tim. 2.0.19. Wer ſind aber die. Tim. a, 


Seinen? Da ſtehet darbey: Es treten ab von der" 
Ungerechtigkeit alle, die den Namen Chriſti nen⸗ 
nem. Wer das nicht thun will, der laſſe CHriſti Na⸗ 
men zufrieden, und nenne ſich nach wem er will. 


Gebet. 


Geregter und wahrhafftiger GOtt, mag du in deinem Wor⸗ 2. Tim.5. 
te gedraͤuet haft denen legten Zeiten, dag ſehen wir leider b. 1.2.3. 4 
mehr dennzu viel erfüllet: Darum brechen auch deine geheime}: of es ı 
Hpheffenbare Gerichte täglich mehr und mehr herein. Wir fehen I zner. I. 
täglich mehr und mehr in allen Ständen die Früchte des ausge: u. 10. ıu, 12, 
offenen Schwindel⸗Geiſtes, des harten (fehmweren, unruhigen) Efa. 19. 
Schlaffes. Deine Ehriftenbeit ift verfehret gegen dir, fo bil du d. 14 
ihnen aud) verkehret. Du Duelle des emigen Lebens bift ſchier — 29. 
geworden wie ein Born, der nicht mehr quellen noill. Im Hei: pyatın 13, 
ligthum hat der Feind alles verderbet ; unfere Zeichen ſchen wir v. 27. 
nicht mehr. Wir find allefamt wie die Unreinen, und alle unfere Fer. 15 
Gerechtigkeit ift wie einunflätig Kleid. Wir find alle verwelcket * 

wie die Blaͤtter, und unſere Suͤnde fuͤhret uns dahin wie ein ‚io je 7m 
Wind. Niemand ruffer deinen Namen an, oder mache ih auf, &iu. 44. 
daß erdich halte; denn du verbirgeft dein Angeſicht fur ung, und ». %. 7. 
laͤſſeſt uns in unfern Sünden verfehmachten. Ach HErr, diß ift Offenb. zu 


die Zeit der VBerfuchung, die da kommenſoll über den Kreiß der b. 3% 
D4 Erden. 


Eſa. 63. 9 Feinde Vermögen befprenger waren: Mache des Verderbens 


ssPBı1Eır. Kin wahrer Chrift 





Erden. Unter fo viel Xergerniffen in folder Menge, Anfehen 
Matth. 7. und Schein derer, die aufdem breiten Wege wandeln, zu erweh⸗ 
‚d14- len den engen, verachteten, verlaͤſterten ſchmalen Weg, ift nicht 

Menſchen-Werck und Kraft. Ergreiffe du mich, mein GOtt, 

Efa- 8.0.11. peyder Hand, doß ich nicht wandele auf dem Wege des Volcks, 
das ſo getroſt in ſein Verderben eilet. Laß mich nicht ſehen auf 
das, was andere thun, ſondern was dein Wort mir ſaget, daß ich 

thun ſoll, und ſolches zu thun, gieb du mir Krafft und Staͤrcke. 

2. Tim. 2. Erinnere mich, fo offt ich den Namen IEſu nenne, daß ich auch 
1. muͤſſe abtreten von der Ungerechtigkeit. Kan ich nicht heben vie 
Greuel, die ich fehen muß, fo laß doch deinen Geift in mir ſtets 

darüber feuffzen, damit ich vemfünfftigen Zorn entgehen moöge. 
E00 9 Unpindlich, o HErr, erhebe dich in deiner Krafft, zeuch an deis 
2. Buch, men alten Eyfer, und deine vorige Tracht, wie du £hateft, da du 
of. 14, Por deinem Bolde hergiengeft, und deine Kleider mit deiner 


— ein Ende, errette deine Auserwehlten, die Tag und Nacht zu dir 


pn 1. ruffen, in einer Kuͤrtze. Tritt ven Satan mit allen Aergerniſſen 


Kin. 18, unter unſere Fuͤſſe kraͤfftiglich. Führe hinaus den Sieg, o JEſu, 

». 20, den du über die Hole, und dag Neich ver Finfterniß erhalten 

Kol I. v.25. haft, auf daß das Heil, die Krafft, die Macht, die Bir, nachdem 
der Satan verworfen, geworden ift, auch bleiben möge ewig⸗ 
ih! Amen. ’ 


Das X. Capitel. N 


Mer eNrifto in feinem Leben nicht fol- 
get, der thut nicht wahre Buffe, ift fein Chriſt, 
und iſt nicht GOttes Kind: Auch was Die 
neue Geburt ſey, und das Joch 
Cehriſti. 
1. Petr. 2. v. 21. Chriftus bet uns ein Exempel 
gelaſſen, daß wir ſollen nachfolgen feinen 
Fußſtapffen. 


BURN. De En nn a _ BES EEE En nn 





matt. 3. COTT bat uns feinen lieben Zohn zu einem 

Ro 1.0 day Propheten, Docter und Lehrer verordnet, und 

Sur 2,035 denfelben durch eine Stimme vom Himmel 
Hriſtu 


n recommendirt, und zu hoͤren befohlen. Dis Lehr⸗ 
ter Doctor Ant bat der Sohn GOttes nicht allein geführt mit 
mit ken Worten, fondern auch mit Werfen und fehönen 
" Exempeln feines allerbeiligiten Sebens, wie En 
recht? 


muß Chriſto im Leben folgen. 57 


rechtſchaffenen Lehrer gebuͤhret; davon St. Lucas 
Apoft, Geſch. 1. zeuget: Die erſte Rede babe ich ap. Geſch. 
swar getban, lieber Theophile, von alle dem, vbeJ. 
das Xſus anfieng, beydes zu thun und zu leh⸗ 
ren, bis auf den Tag, da er aufgenommen ward, 
Da ſetzet der Evangelift das Abortlein Thun der 
Lehre vor, anzudenten, daß Thun und Zebren foll 
beyſammen feyn. Sa ein volllommener Lehrer muß 
erſt ſelbſt thun, was er andere lehrer. Alſo iſt 
Chriſti Leben die rechte Lehre und Das rechte Buch 
des Lebens. | | 
> Darum iſt GOttes Sohn Menſch worden, Soban. x 
"und hat auf Erden gewandelt unter den Menſchen, gekiaus 
auf daß er uns ein fichtbar lebendig Exempel zeigete das Licht 
"eines Göttlichen, unfehuldigen, vollkommenen, heiligen ars ze 
- Lebens, und auf daß wir ihm folgen follen als einem Sop.g.0.12, 
Licht in der Finſterniß; darum nennet er. fich das 
Licht der Welt, und wer ihn folget, der wan⸗ 
. delt nicht im Sinfterniß. 
Daraus iftnun offenbar, daß der im Finftern 
‚bleiben muß, der CHriſto im Glauben und heiligen 
Leben nicht nachrolget, und Fan nimmermehr das. 
Licht des Lebens haben. Was ift aber Sinfker- Seiftliche 
miß? Nichts anders denn ein unbußfertiges Leben; Km an 
welches St. Paulus nennet Wercke der Sinfterniß, wm 
Die wir ablegen follen, und anlegen die Waffen 
des Kichts, weiches wir mit einem Wort nennen: 
Buſſe thun. 3 
Mrun iſt zwar droben genungſam geſagt, daß die 
Goͤttliche Reue und wahrer Glaube den gantzen Men⸗ 
ſchen aͤndere, das Fleiſch creutzige, und ein neues Leben 
durch den Heil. Geiſt wuͤrcke. Damit es aber nicht 
allein bey den Worten bleibe, ſondern wir auch ein le⸗ 
bendig augenfcheinlich Exempel hatten des lebendig In CHrife 
gemachten Geiſtes, oder neuen Menſchen; fü fteller For nen 
uns GOtt feinen lieben Sohn vor unfere Augen, nicht bendig ab» 
allein als einen Heyland, fondern auch als einen Spie⸗ —— * 
gel der Gottſeligkeit mit feinem heiligen Leben, als den felter. 
ö N D 5 rechten 


* 


58 DIE ır. Kin wahrer Chrift 


rechten * neuen Menſchen, in weldyem nicht das 
Adamiſche ſundliche Fleiſch geherrſchet und gelebet bat, 
ſondern GOtt ſelbſt, zu dem Ende, daß wir auch nach 
feinem Bilde taͤglich erneuert würden. Davan müf 
fen wir folgenden "Bericht mercken. 

Wir wiffens und erfahrene leider! täglich, wie unz 
fere ſuͤndliche Natur, Fleifd) und Blur, Leib und Seele 
mit fo vieler Unreinigkeit, Bosheit, Sünde und Laſter 

| behafftet ift, welches-alles des Teufels Werck, Unart 
und Figenfchafft im fleifchlichen natürlichen Menfchen 

Arfornng ift, fonderlich der böfe Wille des Menſchen; denn 
der @äm aus dem böfen Willen kommt alle Suͤnde Waͤre 
fein boͤſer Wille, es geſchaͤhe nimmermehr £eine 

Boͤſer Suͤnde. Das ift aber der böfe Wille, der ſich von 
Wille. GoOtt und feinem Willen abwendet: denn alles, was - 
fi) von GOtt, als von dem ewigen Gut, abwendet, 

das ift und muß nothwendig bofe ſeyn: Und diß Ab- 
wenden ift des Zeufels und des Menfchen all, und 

Daher ift Die Sunde kommen, und auf alle Menſchen 

geerbet und fortgepflanget. 
Zenfels Daraus iſt nun offenbar, daß unſer Fleiſch und 
nie, Blut don Natur mit des Teufels Unart, und. unſer 
Ferien. fleiſchlicher Wille mit des Satans Bosheit vergiff⸗ 
tet ift, als mit Lügen, Hoffart, boͤſer Luft, und aller 
Lintugend, fo wider GOtt ſeyn. Um welcher bofen 

Unart willen der HERR EHriftus die Phariſaͤer 
Teufels- Binder nennet, Joh. 8. v. 44. ja etliche 

feiner Apoſtel für Teufel ſchilt, Joh.6. v. ro. Gleich 

als waͤre Geitz, Luͤgen, Hoffart, und alle boͤſe Luſt der 

Teufel 


x Mag der Menſch werden ſoll durch feine Wiedergeburt und 
MWiederbringung, dag iſt CHriſtus ſchon vorher auf eine viel 
höhere Weije, nicht durch eine Wiedergeburt oder Lebendig⸗ 

machung, deren er erft beduͤrffte, fondern durch fine unbes 
fleckte Empfoͤngniß aus Uberfehattung des Heiligen Geiſtes 
in der Jungfrau Maria.ChHriſtus wird nicht ein ermeuerz 
ter, fondern neuer Menfch genennet,nicht als wenn er zuvor 

"den alten Adam an ſich gehabt fondern weiler gant heilig, 
nfchnidig gewefer, und dag Adamiſche fündkiche Fleiſch in 
bh nie geherrfcher und gelebet hat. Farm. 





._— 


mug Chrifto im Leben folgen. 59 


ee en en 72 
Teufel feldft, damit der natürliche fleifchliche Menſch 
behafftet iſt. | a 

Daraus denn folget, daß alle die, fö in Unbuß- Im Satan 
fertigkeit leben, in Hoffart, Geis, Wolluſt und er 

Neld Die leben im Teufel, und find mit des Teufels 
Unart behafftet; fie ſchmuͤcken fich auch von. auffen 
fo ſchoͤn als fie immer wollen, fo bleiben fie doc) im 
Kerken Teufel; wie der HErr zu den Juͤden fpricht. 
GWelches obs wol fehrecklich iſt, fo iſts Doch Die 
Wahrheit. 

Wbeil nun unſere elende, hochverderbte menſch⸗ unſereVer⸗ 
liche Natur mit fo unausſprechlichem erſchrecklichen — 
Sammer behaftet ift, fo bat fie nun müffen gebeffert ig uſen 
‚und ernenert werden. Wie aber? Alfo: weil fie hoͤchſten 
mie dem greulichften übel ift verderbet worden, fo hat ku manch 
fie mit dein hoͤchſten Gut müffen verbeffert und er⸗ den. 
neuere werden, nemlich mit GOtt ſelbſt, darum hat . 
Gott muͤſſen Menſch werden. 

Nun aber iſt GOttes Sohn nicht um ſeinet Warum 
willen Menſch worden, ſondern um unſert willen, Sotes 
auf daß er uns durch ſich ſelbſt mit GOtt wieder —*2 
vereinigte, und des hoͤchſten Guts theilhafftig machte, e 
und uns wieder reinigte und heiligte: denn was ſoll ee 
‚gebeiliget werden ‚das muß durch GOtt und mir uns vereis 
Gott geheiliget werden. - Wie nun GOtt in Cehriſto Bun: 
iſt perſoͤnlich: Alſo * muß auch GOtt mit uns den Glau⸗ 
durch den Glauben vereiniget werden, und muß der 
Menſch in GOtt leben, und GOtt in ihm, in CHriſto, 
und EHriftus in ihm, 2. Cor. 5.0.19. GOttes 
Wille muß im Menfchen feyn, und der Menfch in 
Ggttes Willen leben; Und muß alfo EHriftus JE⸗ 
ſus unfeer verderbten Natur Artzney ſeyn. Je mehr 
num EHriftus im Menfchen lebet, ie mehr die menſch⸗ 
liche Natur gebeffert wird. 

Woaͤre das nun nicht ein edler Menfeb,in welchem Edler 
CHriſtus alles wuͤrckete, deſſen Wille CHriſti Wille Fr, 

waͤre, 


* Aber nur im Glauben ang Gnaden, nicht perſoͤnlich. Farm. 


N 


CHriſtus 
lehet. 


Des nenen 
Menſchen 
Leben iſt 
EHrifus. 


* 


Nach der 
Vollkom⸗ 
men heit 


ſoll man 


ſtreben. 


Kampff 


und Streit 
mitunfrer 


böfen Na⸗ 
Wr 


Wie der 
Menſch 
taͤolich 


60 Bl. C. 11. Ein wahrer Chriſt 
waͤte, feine Gedancken CHriſti Gedancken, fein Sinn 


Cehriſti Sinn, wie Sanet Paulus ſpricht: Wir ha⸗ 


ber Chriſti Sinn, 1. Cor. 2. v. 16. feine Rede 
und Wort EHrifti Wort? Und zwar, es muß frey⸗ 
lich alſo feyn: E-Hrifti Leben ift das neue Leben im 
Menfehen, und der neue Menfch ift, der in EHrifto 
lebet nach dem Geiſt. EHrifti Sanffemurb muß des 
neuen Menfchen Sanfftmuth feyn: EHrifti Demuth 
ijt des neuen Menſchen Demuth, CHriſti Gedult iſt 
des neuen Menſchen Gedult, und alfofort, das gantze 
Leben CHriſti muß des neuen Menfchen Leben werden. 
Das heift denn eine neue Crestur, 2.Cor. 5.0.17. 
und Das edle Leben EHrifti in uns, wie Et. Daulus 
fpricht: Ich lebe nicht, fondern Chriſtus leber in 
mir, Sal.2.0.20. Und das heiſt denn recht EHrifto 
gefolget; das heiftrecht Buffe getban: Denn dadürch 
gehet der alte Menſch gar unter, und das fleifchliche 
Leben ftirbet, und faͤhet an das geiftliche himmliſche 
Leben. Der ift denn ein wahrer Ehrift, nicht mit 
den Titel und Namen, fondern mit der That und 
Wahrheit: Ja der ift ein wahres Kind GOttes, aus 
GOtt und EHrifto gebohren, in Chriſto erneuert, 
und durch den Glauben lebendig. 

Ob wirsnun wol in dieſer Schwachheit nicht koͤn⸗ 
nen sur Vollkommenheit bringen fo follen wir dennoch 
darnad) ftreben, Danach feuffzen, und Daffelbe von Ders 
gen wünfchen, daß EHriftus und nicht der Satan in 
unsleben, und fein Reich haben möge, 1. Joh. 3.0. 9. | 
Cph.2.0.5.Sa,roir füllen darob Fampffen,und durch taͤg⸗ 
liche Ren den alten Menfchen toͤdten. Denn fo viel ein ' 
Menſch ihm ſelber abſtirbet, ſo viel lebet CHriſtus in ihm: 
So viel die boͤſe Natur durch den Geiſt GOttes abe. 
nimmt / ſo viel nimmt die Gnade im Menſchen zu: So viel 
das Fleiſch geereutziget wird, fo viel wird der Geiſt leben⸗ 
dig gemacht: So viel die Wercke der Finſterniß im 
Menſchen gedaͤmpffet werden, ſo viel wird der Menſch 
ie mehr und mehr erleuchtet: So viel der aͤuſſere 
Menſch verweſet und getoͤdtet wird, ſo viel * 

r 





muß CArifto im Keben folgen. 61 


N. — 
der imere erneuert, 2. Cor. 4.0.16. Col. 3. v. Ri ae 
So viel die-eigenen Affecten und dag gange fleifchliche 3. Cor.4. 
Leben im Menfchen ftirbet, als eigene Liebe, eigene Ehre, v. 16. 
Zorn, Geitz, Wolluſt, fo viel lebet CHriſtus in ihm. 

Je mehr die Welt vom Menſchen ausgehet, als Aus 

gen Luſt, Sleifches= Auft, hoffaͤrtiges Keben, 
1.%0b. 2.0. 26. je mehr GOtt, EHriftus und der. Heil. 

Seift in den Menfchen eingehen, und ihn befigen: Und 
hinwieder, ie mehr die Natur, das Fleiſch, Die Sinfters 
or Welt im Dienfchen berrfchen, ie weniger Gnade, 

Beift, Licht, GOtt und EHriftus im Menſchen ift. 

Wenn nun das geſchehen foll, fo iſts dem Fleiſch ere 
ein bitter Creutz; denn dadurch wirds gedaͤmpffet, yirre@zeus 
gecreutziget famt den Küften und Begierden, demgieiih, 
Sal. 5. 0.24. Unddas ift die rechte Krafft und Frucht Ast 
der Buffe. Steifch und Blut wünfcher ihm lieber ein 
freyes, ruchloſes, ficheres Leben, nad) feinen eigenen Luͤ⸗ 
ften und Villen, das ift dem Fleiſch das allerfüffelte und 
Iuftigfte Leben. EHrifti Leben aber ift dem Fleiſch und 
dem alten Menfchen ein bitteres Creutz: Dem neuen 
geiftlichen Menfchen aber ein fanfftes Joch, eine leichte 
Laſt, und eine liebliche Ruhe. Denn worinn ftehet die 
lieblichfte Rube, als im Glauben an ESHriftum, in 
feiner Sanfftmuth, Demuth, Gedult, und in der Liebe 
Criſti? Matth. 11.90.29. So werdet ihr Rube Matth. 1m, 
finden für eure Seele, Ja, wer EHriftum recht "9 

lieb hat, dem ift auch Ber Tod um EHrifti willen. die 
höchfte Freude. Das ift das fanffte Joch Chriſti, 

‚Das wir auf uns nehmen follen, darinn die wahre 

Ruhe der Seelen iſt. 

So wir nun das och CArifti auf uns nehmen Aues, mas 
füllen, wie er befiehlet, das ift, fein heiliges edles Leben, fo en 
müffen wir des Teuffels Joch fahren laffen, Das ift, Das mus unter 
fleifchliche, fichere, ruchloſe Leben, und müffen das Fleiſch —2 
nicht herrſchen laſſen über den Geiſt; ſondern es muß — 
alles, was im Menſchen iſt, unter das Zoch EHrifti, 

und unter feinen Gehorſam, der ABille, der Verſtand, 

die Bernunfft, die‘Begierde, und alle Adamifche fleiſch⸗ 

liche Luͤſte Nom, 6,0, 12, Es 


62 B.r.&ır. Ein wahrer Chriſt 


Was dad Es gefället dem Fleiſch wohl, geehret werden, hoch⸗ 
2. ki gehalten und geruhmet werden, Reichthum, gute Tage 
m! und Wolluſt pflegen; ‚aber das alles unter das Joch 
ChHriſti zwingen, das it, unter CHriſti Schmach, 
Verachtung und Yrmuth, ja ſich deffen allen nicht 
werth achten, ſich deſſen alles verzeihen, was in der 
Welt hoch, herrlich, anſehnlich, prächtig und gewaltig 
Verda⸗ iſt, das iſt das Creutz CHriſti, welches dem Fleiſch 
En Nik, wehe thut, und feine Ereugigung ift. Das ift die 
wahre Demuth CHriſti, und fein edles Leben, und fein 
Matth.ı. ſanfftes Joch, welches dem Geiſt eine leichte Laſt ift, 
ae, Matth. 11.90.30. Gleichwie er fommen ift, nicht daß 
mi Lehen er ihm Dienen laffe, fondern daß er uns diene, und D gebe. 
ſey? ſein Leben zur Bezahlung fuͤr unſere Suͤnde. Denn 
was iſt CHriſti Leben anders, denn heilige Armuth, 

aͤuſſerſte Verachtung und hoͤchſte — 
Geifſilich⸗ Ein fleiſchlicher Menſch iſt, der nach Ehren trach⸗ 
kin, fleiſch ger, und gerne etwas feyn wolte; ein geiftlicher Menfch 
Dienich. if, der Demut) lieb hat in EHriſto, und der gern nichts 
ſeyn wolte. Alle Menſchen befleißigen ſich etwas zu 
ſeyn; aber niemand will lernen nichts ſeyn. Jenes 
iſt Adams Leben; diß iſt CHriſti Leben. Ein fleiſch⸗ 
licher Menſch, der noch nicht weiß, was EHriftus iſt, 
nemlic) lautere Demuth, Sanfftmuth und Liebe, dem _ 
duͤncket das Leben E-Hrifti eine groſſe Ihorbeit ſeyn, 
und halt das: freye fi here, fleifchliche Reben für groffe 
Aeisheitz und aus geoffer Blindheit meynet er, er 
habr das beite und luſtigſte Leben, und weiß nicht, daß 
er im Teufel lebet: Darum ſind ſie von dieſem fal⸗ 
Salfch Licht ſchen Licht ihrer fleiſchlichen Q Weisheit betrogen, und bez. 
a res truͤgen andere mit ihnen. Die aber mit dem ewigen 
wahren Kicht erleuchtet. feyn , Die erfihrecken dafür, 
wenn fie Pracht, Ubermuth, Stoltz, Wolluſt, Zorn, 
Rachgier und dergleichen Fruͤchte des fleifchlichen Le⸗ 
bens ſehen, und gedencken: Ach lieber GOtt, wie 
weit iſt der noch von CHriſto und ſeinem Erkaͤnntniß, 
von wahrer Buſſe, vom wahren Chriſtenthum, und 
von der Frucht der neuen Geburth der DE 
inder 


muß Cärifto im Leben folgen. 63 


Kinder GOttes! Ja, er lebet noch in Adam, und in Matbwil⸗ 
der alten Geburth, ja im Teufel ſelbſt; denn murb- arg 
willig und wiffentlich in Stunden leben, ifErrichts it im Tew 
anders, denn un Teufel leben, In welchem Men; fel leben. 
ſchen nun das Leben EHrifti nicht iſt, in dem ift auch 
Eeine Buſſe; der ift auch Fein wahrer Ehrift, vielwe⸗ 
iger ein Kind GOttes: Er Eennet auch CHriſtum 
nicherecyt. Denn wer EHriftum recht Fennen will, 
als einen Heyland und Seligmacher, und als ein 
Sempel des Lebens, der muß willen, daß ev eitel Lie⸗ 
böeitel Sanfftmuth, Gedult und Demuth ift: Und 
dieſe Liebe und Sanfftmuth Cehriſti muß er in ihm 
haben, ja im Hertzen lieb haben und empfinden. 
Gleichwie man ein Gewachs an feinem Geruch und EHrifile 
Schmack erkennet; alfo muß CHriſtus in div er Einen, 
kannt werden, als das edelfte Gewachs, Davon deine nig, 
Seele Leben, Krafft, Troſt und Ruhe empfindet. 
So ſchmecket man, wie freundlich der SErr Pf.zi. 02. 
iſt; fo erkennet man die Wahrheit, fo empfindet 
man das hoͤchſte und ewige Gut. Da wird erkannt, 
daß Chriſti Leben das allerbeſte, edelfte, lieblichfte 
Leben ſey, und daß Fein Keben ſo gut, fo Föftlich, fo 
fanfft, fo ruhig, ſo fried- und freudenveich fey, ſo 
holdſelig, fo abnlic) fey dem ewigen Leben, als das 
Leben Chriſti. | 
Und weils nun das beſte Keben ift, fo folls auch Das befe 
uns das liebfte feyn. In welchem Menfhen aber bi nenn, 
das Leben EHrifti nicht ft, da wird auch die Ruhe r 
und Friede des ewigen Lebens nicht vecht erkannt, noch“ 
Das hoͤchſte Gut, noch die ewige Wahrheit, noch der Erfänntnig 
techte Friede und Freude, noch das rechte Licht, noch Khshten 
die wahre Liebe, welches alles EHriftus felbft ift. wahren 
Darym pricht St. Johannes 1.%05.4.0.7.8. Wer en } 

b bit, der iſt von GOtt gebobren, und erken-u.7... 
> Wer ber nichtlieb bat, der erkennet 

Ott nicht; denn GOtt iſt die Liebe, / 

Daraus iſt offenbar, daß der neuen Geburth, ſo m 
aus GOtt ift, ihre Früchte und Das neue eben, nicht Frucht ift 

ſtehet when 


Lebendig 

Erkännts 

nis GOt⸗ 
tes. 


DR v. 3. 


1. Petr. — 
V. a1. 


64 B. J. C. 11. Lin wahrer Chriſt 





ſtehet in bloſſen Worten, oder im aͤuſſerlichen Schein, 


fondern in der höchften Tugend, die GOtt ſelbſt iſt, 
nemlid) in der Liebe; denn woraus jemand gebohren 
it, deffen Art, Eigenfchafft und Gleichniß muß er ha⸗ 


ben. Iſt eraus GOtt gebohren, ſo muß er die Kiebe 


haben. Denn GDit iſt die Liebe. | 

Alſo iſts aud) nit den wehren Erkaͤnntniß GOt⸗ 
tes, daſſelbe fteyet auch nicht in Worten, oder in einer 
bloffen Wiſſenſchafft, fondern in einem lebendigen, lieb⸗ 
lichen, holdfeligen, Erafftigen rofl, daß man Die Süß 
figkeit, Sreudigkeit, Lieblichkeit und Holdſeligkeit GHDtz 
tes im Hertzen ſchmecke, durch den Glauben. Jetzo 
ifts ein Jebendig Erkähntni? GDites, das im Hertzen 
empfunden wird und lebet. Das its, das der 
84. Pſalm verf. 3. ſpricht: Mein Leib und Seel 
freuen fich in dem lebendigen GOtt. Und im 
63. Pſalm verf. 4. Deine Güte iſt beſſer denn Les 
ben: Da die lebenme Freude und Sußigkeit GOt⸗ 
tes im glaubigen Hertzen befihrieben wird. Und alfo 
Leber der Menfh in GOtt, und GDtt in ihm: Er 
Eennet GOtt in der Wahrheit, und wird von GOtt 


erkannt ıc, 
Gebet. 


TECH du Holdfeliger, freundlicher, liebreicherHerrgEfu CHri⸗ 
fte, du fanfftmüthiges, demüthiges, gedultiges Her, wie 
ein ſchoͤnes tugendreiches Exempel eines heiligen Lebens haft 


du ung gelaffen, daß wir nachfolgen follen deinen Fußſtapffen. 
Dubift ein unbefleckter Spiegel aller Tugend, ein volfonmen 
Erempel der Heiligkeit, eine untadelhaffte Negel der Frommig⸗ 
feit, eine gewiffe Richtſchnur der Gerechtigkeit. Ach mie uns 
gleich ift doch mein fündliches Leben deinem heiligen Leben! 
Ich folte in dir ald eine neue Creatur leben, fo lebe ich mehr in 
der alten Ereatur, nemlich in Adam, als in dir, meinem lies 


ben HErrn JEſu Chriſto. Ich folte nach dem Geifte leben, 


Roͤm. 8. 
v. 13. 


Das y 13. 


fo febe ich leider! nach dem Sleifch; und weiß doch mas die 
Schrift agt: Wo ihr nach dem Fleifch lebet, fo werdet ihr 
fterben. Ach du freundliches, gedultiges, langmürbiges 
Herb, vergieb mir meine Sünde, decke zu meine Gebrechen, 
überfiche meine Mifferbat, verbirge deine heilige zarte Aus 
gen für meiner Unreinigkeit, verwirff mich nicht von deie 
nem Aygeſicht, verſtoß mich nicht aus deinem aus 
gine 


* 














































































































































































































































































































VE ee — — = 
il n cc0— MEINER NUN am 


— EIS, 


—IV 


























HER ANNBEAONIDULBUNTETSDUREIKTERERRIENANN RTRDETHEN. AUTDORTLDANIE IHN 


Al... 1 Im ‚ll A 





* — 


Das Erſte Buch, Cap. X. pasg. 65 
Hier ift einBienen-Stoc,in welchen die Bienen mit groſſem 
Fleiß und Mühe ihr Honig eintragen, nicht zwar ihnen feloft, 
fondern denen MenfchenzumNuß: Alfo find gläubige Ehriz 
ften der Welt abgeitorben, und leben darinnennichtfich, fenvern 
. EHrifto, der für fie gefiorden und auferftanden, und füchen in 
Den ne riſtenthum nicht bag ihre, fondern das Be ; 
Uiſt. 


— 


Philipp. 2, — 21, 
Sie ae alle das Ihre, niche Das Corifi, 


(1 ef iſt 
En Ehrift, in wehen der Geiſt des kebens 


Eryweiſt ſteht hurtig aus ee Soͤnden⸗Luder auf, 
J thaͤtig und geſchaͤfftig 
In ſeinem gantzen Lebens⸗Lauff. 
| Er freuet ſich ins freye Feld zu fliegen, 
Nicht wie ein Erden Kind, daß Geiſt⸗ und Flügel-los 
| In feiner Mutter Schooß 
Gewohnt zu liegen, 
Er lebt ibm felber abgeftorben 
Und feiner eignen Angelegenheit, 
Mas hinterftellig noch in Diefer Zeit, 
a dem allein, der ihn mit Blut erworben, 
Er trägt zu deffen Ruhm, 
Als fein erfaufftes Eigenthum, 
Au fein Vermögen bey: Er wuͤrcket Speiſe, 
Die nicht vergänglich-ift: Er fuͤllet ihm fein Haug, 
Giebt einen Vorrath nach dern andern aus; 
Iſt für und für bemüht, daheim und aufder Keife, 
Wohl dem, der hier das Werck des HErren fleißig thut! 
Der wird, dem Fluch entriffen, 
Die Früchte feiner Arbeit dort genieffen, 
Wenn dis Verweßlich in der leisten Glut 
pink wird, ımd durch einander geben, 
d fein Werck * und RN beſtehen. 


muß CArifo im Leben folgen, — 5 


einen Unreinen und Auſſoͤtzigen. Tilge aus meinem Hertzen alle 
Hoffart / als des Teufels Unkraut, und pflantze in mir deine Des 
much, als die Wurtzel und Fundament ver Tugend: Reute zu 
Grumd ansin mir alle Rachgier, und gieb mir deinz edle Sanfft⸗ 
muth. Ach du höchke Zierde alter Tugend, ſchmuͤcke mein Herg 
mit reinem Glauben, mit fenriger Liebe, mit lebendiger Hoff: 
nung, mit heiliger Andacht, mit kindlicher Furcht. Odu mer; 
ne Zuverficht, meine Liebe und meine Hoffnung, meine Ehre mei⸗ 
ne Zierde, dein Leben iſt ja nichts anders geweſen denn Liebe, 
Sanfftmuth und Demuth; Darum laß diß dein edleg Leben in 
mir auch fiyn, dein tugendhafftes Leben fey auch mein Leben. 
Laß mich einen Geiſt, einen Leib und Seele mit dir feyn,aufdaß 
ieh in dir, und du in mir lebeft. Kebe du in mir, und nicht ich ſelbſt 
laßmich dir leben, und nicht mir felöft. Gieb daß ich dich alfo 
kenne und Lieb. habe, daß ich auch alfo wandele, gleichwie du ges 
wandelt haft. Biſt du mein Licht, fo leuchte in mir; Biſt du mein. Joh, > 
Leben, ſo lebe in mir: Biſt du meine Zierde, fo ſchmuͤcke v. 6. 
mich ſchoͤn: Biſt du meine Sreude, fo freue dich in mir: Bin ic) 
deine Wohnung, fo befige mid, allein. Laß mich allein dein 
Werckzeug feyn, daft mein Leib, meine Seele und mein Geift hei⸗ 
lig fey: Du ewiger Weg leite mich, du ewige Wahrheit lehre 
mich, du ewiges gebenerquickemich. Laß mich ja nicht deg bo» 
fen Geiſtes Werchzeug ſeyn, daß er nicht feine Bosheit, fügen, 
Hoffati, Geis, Zorn, Unfauberfeit, durch mich und in mir übe 
und vollbringe. Denn dag ift des SatansBilde, davon du mich, 
o du ſchoͤnes vollkommenes Ebenbild GOttes, erloͤſen wolleſt. 
Erneuere aber meinen Leib, Geiſt und Seele taͤglich nach deinem 
Bilde, biß ich vollkommen werde. Laß mich der Welt abſterben, 
auf daß ich dir lebe: Laß mich mit dir auferſtehen, auf daß ich 
mit dir gen Himmel fahre: Laß mich mit dir gecrenhiget werden, 
auf.daß ic) zu dir in deine Herrligfeit eingehen moͤge! Amen. 
nn Das Xi» Capitel, “aM 
‚Ein wahrer Ehrift. muß ihm felbit und 
der Welt abſterben, und in Chriſto 
— leben. 
2. Cor. 5.0. 15. Chrifkus iſt darum für uns ge- 
ſtorben, Einer für alle, auf daß die da leben, 
‚nicht ihnen ſelbſt leben, ſondern dem, der für 
fie geftorben und auferftanden iſt. 
Eben dem, daß diefes ein ausbindiger Troſt⸗ 
Spruch iſt, weil er Deutlich zeuget, daß CHri⸗ aueh 
DI feus für alle geftorben fer, fo ifts auch ein rin,” 
j 2 > R 0 N f . 
| Ion Lehr⸗Spruch vom heiligen Reben, wie wir uns muß der 


» Theil, nicht 


66 BL.E.r2. Ein Chriſt muß der WWelt — 


Welt abe * ſelbſt leben ſollen, ſondern dem, der für uns 
ſierben. geſtorben ft. Sollen wir nun dem leben, fo müffen 
wir zuvor uns und der Welt abfterben, denn es Fan 
nicht anders ſeyn wer in CHriſto leben will, der muß 
den weltlichen Lüften abfterben; Und wer der böfen 
Welt und ihm felber leben will, der muß CHriſtum 
fahren laffen. 
Dreverlen Es find dreperlep Tode: Erftlich, ein geiftliches 
a re Tod, wenn der Menfch täglich ihm felbft, das ift, feines 
— Fleiſches Lüften abſtirbet, dem Geis, Hoffart, a 
und ewiger dem Zorn ꝛc. Der andere ift der natürliche T 
und dann fürs dritte der ewige Tod. 
Dom natürlichen Tode hat St. Paulus zum 
Bhitipp.x, Philipp. 1.0. 21. geredt: Criſtus ift mein Leben, 
»2, Sterben ift mein Gewinn, Das ift: Wenn ein 
Ehrift gleich eines natürlichen Todes ftirbet, fo iſt 
EHriftus fein Leben, und Sterben ift fein Gewinn; 
das ift, er bekommt ein befferes Leben, Reichthum, das 
Eivige für * Irdiſche, und das iſt ſein Gewinn. 
Das edle Wer aber dieſen Spruch auch vom geiſtlichen 
3 Suͤnden⸗ Tod verſtehet thut nicht unrecht; denn das 
HE iſt eine ſelige Seele, welcher Leben EHuſius ift, das 
iſt, in welcher Seelen CHriſtus lebet, oder wer das 
Leben EHrifti an fich nimmt, das ift, feine Demuth 
De Zen und Sanfftmuth. “Die meiften Leute haben des Teus 
fels 2eben. fels Leben an fich, denen der Teufel ihr Leberrift, Geis, 
Hoffart, Wolluft, Zorn, Lafterung ie. das ift alles des 
Zeufels Leben. 

Mare Darum habe wohl Achtung, wer in dir lebet; 
dal ihm fefig iſt der Menfch, der da von Hertzen fagen Fan: 
kubt en Chrifkus ifE mein Zeben, nicht allein nach dieſem 
abſterden. Leben, fondern auch ietzo. Weil du noch allhier lebeſt, 
muß EHriftus dein Leben feyn, das ift, in die leben; 
und alfo muß Sterben dein Gewinn feyn, das ift, 
wenn in dir ſtirbet die Hoffart, Geis, Wolluſt, Zorn 
und Feindſchafft, wenn du Dir felbft und der Welt abs 
ſtirbeſt. O — groſſer Gewinn! Denn ſo lebet CHri⸗ 
Br in. dir; Denn ie mehr du der Welt abſtirbeſt, J 

me 


nd in CArifto leben. 67 

mehr CHriſtus in dir lebet. Solte das nicht ein 
groſſer Gewinn ſeyn? Lebe nun alſo, daß CHriſtus 
—— der Zeit, auf daß du mit ihm lebeſt nach 
de N 

Wboo viel Begierden Diefer Welt find, da kan Feine unruhe. 
Ruhe und Friede ſeyn, denen muß man allen abſter⸗ 

ben ehe man CHriſto leben Fan. Diß iſt uns vorge⸗ 
> bildet: in vielen Geſchichten und Exempeln des Alten 

Zeftaments: Als, in der lieben alten Sara , da ihr Woher Sa⸗ 
"alter Leib aller weiblichen Begierden erſtorben war, Fagın Sir 
da ward fie fehwanger, und gebabr den Iſaac, ten und 
"Das heift ein Gelachter. Nach — ihres Leibes huch Ge⸗ 
gebahr ſie den Sohn der Freyen: 1. B. Moß 18.0. 12.1.9. nf. 
Cap. 21.0,6.7. Alſo, wenn nicht die weltlichen Bez 8.v. 13. 
gierden in dir fterben, Fanft du nicht Die Freude des Gei⸗ 
fiesempfangen und gebahren. BU Ä 

In Abraham iſts auch vorgebildet : Denn er be⸗ Abraham 
kam die Berheiffung von E-Hrifto und der Beſchnei⸗ sit Sürbith 

dung nicht. ehe, er war denn aus feinem Daterlande bung der 
\ausgangen, (1. B.Mof.ı2. d.r. Cap. 17: d.10.) ER, 
- und hattefein Erbe verlaffen: Alſo, ſo lange ein Menfch mv.r. 
noch feft mit feinem Hertzen an der Welt hanget, fo 

lange kan er CHriſtum in feinem Dersen nicht ſchme⸗ 

cken noch empfinden. — 

Und ſo bald Herodes geſtorben war, kam EHri- Matth.⸗. 
Rus in Judaͤam, Matth.2. 0.19.20. So lange der" ?* 
Fuchs Herodes in deinem Hersen ift mit feiner irdis 

Shen Welt⸗Liſt, fo lange koͤmmt EHriftusnicht: Wenn 

er aber in dir geſtorben iſt, ſo wird CHriſtus kommen. 

il Adam in Dir herrſchet, kan CHriſtus in dir nicht Adam muß 
leben. Darum ſpricht St. Paulus zum Gal. am 2. p,dirfir 
v 20. "Ich lebe zwar, aber nicht ich, ſondern Chri⸗ EHrifus 
ſtus lebet in mir. Und zum Col.am 3, v. 3. Ihr in dir leben. 

ſeyd geſtorben, (und redet doch mit den Lebendigen, 
und euer Leben iſt verborgen in Chriſto. 
Alsdenn biſt Du aber vecht geſtorben, wenn du Falfher 
aufhöreft gu feyn, das Du geivefen bift, das ift, wenn Giukae 
Deine Sünde in Dir ſtirbet, en 6. vom 1,0, Re ohne 
2 9 









‚682 PB1.E.12. „in Cbeiftmuß berwer abſterden 


Frucht des, So wir im Geiſt leben, ſo laſſet uns auch im Geiſt 
le wandeln; das ift, fo wir uns tühmen des Glaubens 
und Beiftes, fo laſſet ung auch Die Fruͤchte deg Geiſtes ber 
weiſen: Galat. s.verl.2s. nd abermal: Wo ihr 
nach dem Sleifch lebet, ſo werdet ihr ſterben: So 
‚ihr aber durch den Geiſt des Sleifhes Geſchaͤffte 
codtet, werdet ihr leben, Im. 0.13. > 
Gar. 1. Sam. 15.00.89. Saul warff den Agag, der 
ar Amalekiter König, ins Gefaͤngniß, da er doch aus GOt⸗ 
Böfezuk tes Befehl ihm hätte tödten follen: Alfo verbergen ihrer 
en viel ihre Begierden heimlich, Die fie Doch tödten follen. 
bergen fon: Denn es ijt nicht genug, Daß du Deine boͤſe £uft- vers 
‚pernedße birgeſt, Du RN fie tödten, oder du wirſt darum vom 
7 Königreich verftoflen werden, wie Saul, das ift, aus 
Schrift dem ewigen Leben. Cs geht die gantze heilige Schrifft 
N enen mit alen Hiltotien, Bildern und Figuren auf Ehri 
Menichen. fun, dem wir im heiligen Leben folgen fellen: - Ja 
das groff e Welt⸗Buch der Natur zeuget von GOtt und 
Bo: feiner Liebe, 
Slelchnis. Viel Menſchen ſind wie die Baͤume i im Wimer, 
welche zu derſelbigen Zeit keine Blaͤtter haben, aber auf 
den Fruͤhling ſchlagen ſie wieder aus: Alſo ſind ihrer 
viel, wenn ihnen der kalte Winter des Ungluͤcks uͤber⸗ 
gehet, daͤmpffen ſie die boͤſen Luͤſte: Aber ſo bald die 
Sonne wieder ſcheinet, und es ihnen wieder wohlge⸗ 
het, ſchlagen die boͤſen Luͤſte mit Hauffen aus. Das 
ſind Heuchler: Ein Chriſt aber iſt fromm, beyde in 
guten und boͤſen Tagen, und hat GOtt gleich lieb, im 
Gluͤck und Ungluͤck, im Haben und Darden, im Man⸗ 
| del und Uberfluß. 
1.Rn.20  1.K0N. 20.042. leſen wir don Achab, daß ihm 
vd. Gott den König in Syrien in ſeine Haͤnde gegeben 
hatte, daß er ihn ſolte gefangen halten, zum Zeugniß, 
daß GOtt ſtaͤrcker ſey denn alle Feinde; und ihn uͤber⸗ 
wunden hätte, darum daß er. den HErrn geläftert, 
Peg Und da ihn Achab im Streit fing, nennet er ihn ſei⸗ 
* nen Bruder, und ließ ihn ziehen. Aber es kam ein Bros 
phet zu Io und wram Darum, daß du den J 


und in Cariſto leben. 69 


haſt von dir gelaffen, der des Todes werth ift, 
fol deine Seele für feine Seele ſeyn. Alſo nen⸗ 
nen ihrer viel die bofen Lufte ihre Bruder, und laffen 
fie feben, Die fie tödten folten, darum muffen fie, ihre 
Seele dafür gebtn. | | 
> Dhne Tödtung des Fleifches Fan nichts. geiftliches Ohne Tb: 
im Menſchen feyn, weder recht Gebet noch Andacht. Stan 
Darum verbot GOtt Dr Her 2. B. Moſ. 19. 9. 13.nichts guts 











. daß Bein Diebe ſolte zu dem beiligen Berge Sinai In Men 


l 


iſt ein Untertreter: Alſo, wo du nicht zuvor ein Facob ig, wird. 
biſt, das ift, ein Untertreter deiner bofen Lüfte durch kein Ifrael 


ſich nahen, oder es ſolte getödtet werden: Alſo muftı.%.Mof. 
a die viehiſchen Lüfte toͤdten, wilt du zum heiligen 9- v. 13. 
Berge GOttes nahen, beten und GDttes Wort be 


trachten, oder du wirft ewig getödtet werden. 


"eLB Mof. am 32.0. 28. lefen wir, daß "Iecobt. B Mol. 

einen andern Namen bekam, Iſrael, das ift, GOttes " **- 

Kaͤmpffer, oder GOttes Fürft, da er in dem Asmpff 

‚mit dem Ingel, GEttes Angeficht fabe: Daher 

er auch die Stätte Drriel nennet, das ift, GOttes 

Angeficht. Er mufte aber zuvor ein Jacoh feyn, das Wer nicht 
—— 


den Heil. Geiſt, ſo wirſt du nicht Iſrael werden, das iſt, 


Go0ttes Fürft, und wirſt nicht an die Stätte Pniel 


Tommen, das ift, zu GOttes Angefichte, 


KARO 1.3. Mof. 29.80.17. 25. fefen wir,da Jacob die 1.8. Mol 
Rabel fein ſchoͤnes Gemahl haben twolte, da mufte 9" " 


er erf® Keam nehmen. Lea aber war blödes An⸗ 


| at Rebel war bübfeh und ſchoͤn; Alfo, wilt 


ie fehöne Rahel haben, das ift, foll deine Seele 
das liebſte Gemahl werden des Jacobs , das ift, Criſti, 


ſo muſt du erſtlich die Leam nehmen, das iſt, du Niemand 
muſt die ſelbſt mißfallen, du muſt dir ſelber heßlich a 
werden, ungeftalt, muſt dich ſelbſt haſſen und verleug- wenn er 


nen. Ach wie viel werden betrogen, wie Jacob, von un 
ihrem eignen Leben, das ift, von ihnen felbft, die Da fätter, und 
mepnen, fie haben die fehöne huͤbſche Nabel, das iſt fic 16 act 
mepnen, fie haben ein Chriftlich Leben, dag SOLIDE 
lieb haben ſoile; — zuſehen, ſo iſts Lea, — 

| 3 i 


70 B.E.12. EinChriſt muß der Welt abfterben, 


———— iſt ihr Leben heßlich und ungeſtalt vor GOttes Augen · 
merıh fepn, Sey Die erſtlich ſelbſt unwerth in Deinen Augen, wie die 
Kir Lea, die die Untverthefte war in ihres Vaters Haufe: 
wertg.  Lerne erſt Demuth, Sanfftmuth, Gedult, fo wirft du 

Die ſchoͤne Rahel werden. A: 
.BMoſ. Siehe, wie treulich dienete Jacob ſieben Jahr um 
=9d.20.. die Rahel, und es dauchte ihn, es wären einzele 
Dei bimm: Tage gewefk, folieb hatte er fie: Alfo hat dein HErr 
ob CHriſtus um Deine Seele gebienet drey und drenfig 
gedisne, Jahr in diefer Welt, und hat zumal einen harten Dienft 
i am Deineiwöillen ausgeftanden, wie Jacob foricht: - 
ö 1. B. Moſ. 31.0.38.40. Diefe zwantzig "Jahr babe 
ich dir gedienet, des Tages verfehmachtete ich fuͤr 
BSitʒe, und des Nachts für Froſt, und kam kein 
2° Schlaf in meine Auges. Siehe, jo hat der Here 
EHriflus um dic) auch gedienet,wie er fpricht Matth. 
20.0, 28. Des Menſchen Sohn iſt nicht kommen 
daß er. ihm dienen laffe, fondern daß er diene, und 
„gebe fein Leben zur Bezahlung für viele. War⸗ 
um woltejt du denn nicht CHriſtum lieb haben, und 
„Der Welt, feiner Zeindin, abfagen? 


Gebet. 


Röm.s v.5. He ger GOtt und Vater, ich weiß aus deinem Worte, wann 
ich will CHriſto in der Auferſtehung gleich ſeyn, ſo muͤſſe ich 
auch mit ihme gepftantzet werden zu gleichen Tode, mit ihm der 
Welt und mir ſelbſt abſterben: Ich weiß auch, daß kein edler 
noch ruhiger Leben ſeyn kan, als wenn nicht ich, ſondern CHri⸗ 
a\,a.m120, fig in mir lebet, wuͤrcket, herrſchet, denn fo weiß ich daß der an⸗ 
20. dere Bob keine Macht uͤber mich hat. Aber mein GDtt, du ken⸗ 
hr neh, was furein Gemächte wir find, und wie viele Ausfluͤchte 
Dura, Adam ſachet, wenn er gecreugiget werden und fterbenfol; So 
bitte ih dich, mein GDitt, fchreibe du den Tod CHriſti und fein 
Leyden Ts in mein Hertz, daß es in mir wuͤrcke eine Begierde, ſei⸗ 
nen? Bäde ähnlich zu werden, und ich,da mein Haupt, HENN, ı 

E 30. 0.6, und Heyland, fein Angeficht nicht verborgen für Schmach und 
Speichel, auch nach feinem Erempel gedultig leide: Da er von. 
R Hertzen Demüthig ift, ih allem Stolge feind werde, und in allen 
2.705. Tirgenden ihmfolge. Gieb mir recht zu betrachten wie die Welt 
vergehe mit ihrer Luft, wie der Menfc dadurch betrogen und 
verderbet werde, wiefie dag Gemuͤthe verunrubige, ” * 

e 


und in CArifto leben. - 71 
Ende nichts als Bitterkeit hinterlaſſe, auf daß ich dieſen Gifft Ephna v.ee. 
des Satans ſo viel ernſtlicher fliehen moͤge. Laß deinen Geiſt 
mich ſtets erinnern deiner heiligen Gegenwart, des zukuͤnfftigen 
Gerichte, vor welchen ich empfangen werde, nachdem ich ges 
handelt habe bey Leibes Leben; der Seligfeit deiner Nachfol- 
‚ger, der ewigen Berdanminiß derer Welt⸗Kinder, auf daß da; ?- Cor. 5. 
durch der welt⸗ und fleiſchliche Sinn in mir aufhore, ich in 9 19. 
CHriſtum verſetzt himmliſch geſinnet, durch ſeines Geiſtes Krafft 
im himmliſchen Weſen wandeln möge, durch CHriſtum ZE- Erb. b. €. 


fum unfern HErrn! Amen, 
ns. Das XI. Capitel, 
Umder Liebe CHriſti willen, und um der 
ewigen zukuͤnfftigen Herrlichkeit willen, darzu 
wir erſchaffen und erloͤſet ſeyn, ſoll ein Chriſt ihm 
0 felber, und auch dev Welt gerne 
er - "abterben, NR 
2. Cor. 8. v. 9. Ihr wiſſet die Gnade unfers HErr 
fir Chrifki, welcher, ob er wol reich war, 
iſt er doch arm um euert willen worden, auf 
daß ihr durch feine Armuth reich wuͤrdet. 
FM deines Haren EHrifti willen folt du billig ggarum 
oA Dir felber, deinen Sünden, und der Welt ab- man fih 
| ſterben, Gutes thun, und ein Goͤttlich, heilig gap 
Leben führen: nicht zwar darum, daß du etwas Damit ſierbden fol. 
verdienen wolteft: CHriſtus hat dir alles verdiene 
Sondern nur aus lauter Liebe zu EHrifto, weil er 
für dich geftorben ift. 
Haft du EHriftum lieb, fü liebe ihn nicht mit der Cyritum 
Zungen, fondern mit der That und Wahrheit: Haftlie beten; 
du ihn lieb, fo halte fein Wort. Wer mich lieber, re 
Ppricht der HENN, der wird mein Wort balten, leben. 
und mein Dater wird ihn lieben, und. wir wer= 
den zu ihm kommen, und Wohnung bey ihm ma⸗ 
chen, Joh. 14.0. 23. Und das iſt die Liebe zu GOtt, 
ß wir feine Gebot halten, und feine Gebot 
find nicht ſchwer, fagt St. Johannes +. Joh. 5.0. 3. 
Und der HErr ſelbſt fpricht Matth. 11.9, 30, Mein 
| E4 Joch 


72 B.1. E.r3. Um der Liebe C Arifti willen | 


4 Bath. ı. Joch iſt fanfft, und meine Laſt ifE leicht: Das 
EHrifi gie Mt, einem techten wahren Liebhaber CHriſti ifts eine 
be üten Kufk umd Freude Gutes zu thun. Die Liebe machet 
elrund alles leichte. Wer aber EHriftum nicht recht lieb 
ben Tod. hat, der thut alles mit Berdruß und Unmuth, und 

‚wird ihm ſchwer Gutes zu thun: Einem rechten Lieb⸗ 
haber CeHriſti ift auch der Tod um CHriſti willen eine 
Philıv.29. Freude. Denn uns iſt gegeben, nicht allein an 
ECEchriſtum zu aläuben, ſondern mie ihm auch zu 
leiden und zu fterben. 
Sehet Moſen an, von welchem die Epiftel an die 
Ebr.am ıı.9. 24. zeuget: Ourch den Glauben wolte 
Moſes, da er groß ward, nicht mehr heiſſen ein 
Sohn der Tochter Pharao, und erweblete viel 
lieber mit dem Volck GOttes Ungemach zu lei- 
j den, denn diezeitliche Ergoͤtzung der Suͤnden zu 
haben, und achtete die Schmach CArifti für gröf- 
fer Reichthum, denn die Schaͤtze Egypti 
Liebedr - Sechet ven Daniel an, Dan. 1:0. 8. denſelben er⸗ 
heit wehlete der König zu Babel neben feinen Geſellen unter 
bet vie. den Gefangenen zu Babel, daß fie feine Diener werden 
Wolluſt. often, und lieh fie von feinem Tiſche fpeifen, und gab 
ihnen von dem Wein, den er grand, lich fie er⸗ 
ziehen, bis daß fie tüchtig wurden ju des Königs Dienz » 
fien: Aber Daniel und feine Gefellen baten des Kir 
ges Kaͤmmerer, er mochte fie verfchonen mit der koſt⸗ 
lichen Speiſe von des Königs Tiſche, und ihnen Zu= 
gemuͤſe zu eſſen, und Waſſer zu trincken geben. 
Das thaͤten fie aus der Liebe zur Weis heit, auf Daß die 
Weisheit von oben berab in ihre Seele Fame, Alfo 
muſt du Dich der Wolluſt des Fleiſches entſchlagen, die 
da ift als eine niedliche Speife, foll Ehrifius Die ewige 
Weisheit in deine &ecle kommen. Und gleichwie die 
‘ Knaben fehon wurden, da fie mäßig lebten, Zugemüfe 
often, und Waller truncken: Alſo wid deine Seele 

2. Petr. 1. fehöner werden vor GOtt, ja der Goͤttlichen Natur 

"4 . theilhafftig werden, wirft du die Suͤnde und die 

fleifehlichen Küfte meiden, *1 
RN St. Paw 


der Welt abſterben. 73 


Et. Vaulus piicht um Sal. am 6.0. 14. Durch Gals. 14. 
CAriftum iſt mir die Welt gecreugiget, und ich 
der Welt; Das ift; ich bin der Acht abgeſtorben, 
und die Welt ift mir wieder abgeftorben. Alſo ift Pet 
\ein Ehrift wol in der Belt, aber nicht won der Walt: Zar der 
Er febet wol in der Welt / aber er licbet fie nicht. Der Hit kin 
Apelt Pracht, Ehre, Anfehen, Herrlichkeit, Augen: Share. 
Luft, Fleiſches Luſt, hoffaͤrtiges Leben iſt den Christen - 
als ein todt Ding, ein Schatte, fie achten es nicht, 
Alſo if ihnen die Welt gecreutziget und geftorben, 
umd fie find der Welt wieder gecreutziget und geſtor⸗ 
ben, das ift, fie begehren Keiner weltlichen Ehre, 
Meichtbum, Luft und Freude, N 
7. Das ijt ein felig her, dem GOtt diefe Gnade Wunſch 
giebt, daß er Feiner weltlichen Ehre, Reichthum und her Ehri 
Wolluſt begehret, Und Darum ſolte ein ieder Ehrift 
täglich bitten, daß ihm GOTT dieſe Gnade geben 
wolte, Daß er Feiner weltlichen Ehre, Reichthum und 
Wolluſt möge begehren. ! | | 
‚Salomon, der weife König, fpricht: Zweyerley Spr. Sal. 
bitte ich von dir, die wolleft du mir nicht we-?%* %7- 


gern, ebe denn ich ſterbe: Abgoͤtterey und Luͤ⸗ 


— 


gen laß ſerne von mir ſeyn; Armuth und Reich⸗ 

thum gieb mir nicht, ſondern laß mich mein be- 

beiden Theil dahin nebmen. Aber ein Ehrift 

ſoll auch alſo beten, und fprechen: Zweyerley bitte. Kein Chrif 

ic) von Div, daß ich mir felber möge abfterben, und ande, 

der Welt. Denn ohne diefe beyde Fan kein wah⸗ Dinge. 

ver Chrift feyn, fondern es it ein falſch Werck, zu 

Denen der HErr fagen wird, Match. 7. v. 23. Cap. 

25.0. 12. "Ich kenne euer nicht: | — 

Wiewol nun dieſes dem Fleiſch ein bitter Creutz Geitlichte: 

it, nemlich ibm ſelbſt und der Welt abfterben, Aucces 

ſich der Welt verzeihen, auf Daß er den Himmel erbe: Ereus 

So überwindet es Doch der Geiſt und Die Liebe CHri⸗ 

ſti alles, es wird dem Geiſt ein ſaufftes Koch und eine Die Welt 

‚leichte Zaft. Lind wiewol die Welt folche, Leute hafer Dis 

die der Welt abgeſtorben ſeyn, haſſet: So lieber fie horden 
E 5 doch find. 


74 B.1.E.13. Um der Liebe Chriſtiwillen 


doh GOTT: : Denn der Welt Feindſchafft ift 
GOttes Sreundfehafft, und hinwieder der Welt - 
Freundſchaͤfft ift GOttes Feindſchafft. Wer der 
Welt Freund ſeyn will, der wird GOttes Feind 
ſeyn, Jac. 4. v. 4. Wie auch der HErr ſelbſt pricht 
Joh. 15. v. 19. Waͤret ihr von der Welt, ſo hätte 
die Welt das Ihre lieb: Nun ich euch aber 
ge Melt erwebler babe, fo baffer euch die 
elt. | 
Dear Die Welt ift wie das Meer, daffelbe leider nur - 
Art. in ſich, was lebendig iſt; alles, was todt und geſtor⸗ 
ben iſt, wirffts aus: Alſo, wer der Welt abgeſtorben 
iſt, den wirffet und ſtoͤſſet ſie aus: Die anderen, ſo ein 
anſehnlich, praͤchtig, herrlich Leben fuͤhren koͤnnen, das 
find der Welt liebe Knder. er 

Wagda ſey, Summa: Wers dahin gebracht hat, daß in fei- 
Br per nem Herken alle Hoffart, Geis, Wolluſt, Zorn, Rach⸗ 
fepn. gier geftorben ift, dem ift Die Welt geftorben, und er 
der Welt, und der faͤhet erſt an in CHriſto zu leben, 
Mas da und EHriftus in ihm. Die erfennet EHriftus für 
DNS die Seinen; zu den andern fpricht er: Ich kenne 
foämen. eich nicht; Urfache, denn ihr Eennet mich wicht, ihr 
Darc.s. habt euc) in eurem Reben meiner geſchaͤmet, das ift, 
“3 meiner Demuth, Sanfftmuth, Gedult, datum ſchaͤme 
ich mich esser wieder, Summa, wer mit CHriſto 
hier nicht lebet in der Zeit, Der wird mit ihm Dorf 
nicht leben in der Ewigkeit. In welchem CHriſtus 
hier nicht lebet, in dem wird er Dort auch nicht leben. 
Deffen Leben EHriftus hier nicht ift, deſſen Seligkeit 
wird er Dort auch nicht feyn. — 
Vereini⸗ Siehe darauf, mit wem ſich hier dein Leben am 
ae meiften vergleichet und vereiniget, mit CHriſto oder 
oderdem mit dem Teufel, mit demfelben wirft du and) vereini- 

Satan... get bfeiben nach dem Tode in Creigkeit. 

| Per ihm nun felbft alfo abgefterben ift, der kan 
auch hernach leicht der Welt abfterben. Der Welt 
1 aber abſterben heiſt, die Welt nicht lieb haben, nach 
alles, was in der Welt ift, wie St. Johannes hr 

RN er 


\ J 


der Welt. abfterben. 75 


— — ren 

Wer die Melt lieh bat, iſt nicht von GOTT. !. ze. 2 
Denn was folte dem die Welt, der in feinem Herz 
gen der Welt angeftorben ift? und wer Die Welt ep 
lieb hat, wird leichtlich von der Welt überwunden, wird man 
wie Simſon von der Delila, Richt. 16. v. 6. und Bau De 
muß das alles leiden, was die Welt für Zerize- yumen 
leid mit fich bringet. ! 

So gehöret auch die Welt⸗Liebe zu der alten Crea⸗ Welt Liebe 
tur, nicht zu der neuen Geburth; denn die Welt —— 
nichts denn Ehre, Reichthum und Wolluſt, oder Flei⸗ aten Erea⸗ 
febes-Luft, Augen⸗Cuſt, boffärtiges Leben, darz 
inn erfreuet fich zer alte Menfch: “Der neue Menſch Neue 
aber hat feine Freude allein in EHrifto, der ift feine hs 
Ehre, Reichthum und Luft. | nichtinder 

GOttes Bild durch CHriftum erneuert, ift des yacıt/ fon 
Menſchen höchfte Zierde und Ehre, darnach follen EHrifio, 
wir fürnemlich ftreben. Solte Dich der liebe GOtt Seas, 
nicht baß erfreuen Tonnen, denn Die verdorbene Crea⸗ it BO 


tur? fagt Taulerus. — 

So befindet ſich auch in GOttes Wort, daß 
nicht der Menſch um der Welt willen, ſondern 
die Welt um des Menſchen willen geſchaffen ſey. 
Sa, daß der Menſch zu einem viel hoͤhern Leben Der 
und Wohnung geſchaffen fey, nicht um Eöftliches Menkh it 
Effens und Trinckens voillen, nicht um groffes Neichz dern Dins 
thums, vieler Stadte und Dorffer willen, nicht um en — 
viel Aecker und Wieſen willen, nicht um Pracht und zu diefer 
Töftlicher Kleidung willen, nicht um Gold und Silber, Welt. 
noch einiges vergänglichen und zeitlichen Dings willen, 
es fcheine fo gut und koͤſtlich als es wolle, oder daß er 
ein Beſitzer und Erbe des Erdbodens feyn folle, dar⸗ 
auf ferse Luft, Ergögung, Freude und Paradieß ha— 
ben, und nichts mehr wiffen und hoffen, denn was - 


. 
“ 


man mit den viehifchen Augen fiehet, Mein, traun, Der. 

darum ift der Menfch nicht gefchaffen, darum iſt er Denfb iR 

nicht in der Welt; denn er muß wieder heraus, und diefer vers 

Fan nicht drinnen bleiben. Und ob wir fchon mit gäuglicen 

Hauffen in dieſe Welt gebohren werden, fo — Im gelchaß 
d 19 


76 Pl. C. 132 Un der Liebe CAriffi willen 
BRDCNILOEN EINE, —— 


doch der Tod mir Hauffen wiederum hinweg, und trei⸗ 
bet uns heraus, laͤſt ung nicht ein Staͤublein mitneh⸗ 
men, ob wir noch ſo reich ſeyn. 
Der Dass iſt ja ein groffer augenfcheinlicher Beweis, 
N Daß wir zu dieſem Leben nicht gefchaffen feyn, und 
fen geben Diefe Welt nicht fey principalis-finss nuftr creationis, 
—— das. iſt, der vornehmſte Endzweck unſerer Erſchaffung 
ſonſt wuͤrden wir wol drinnen bleiben: Darum muß 
ja ein ander herrlicher Anis noſtræ creationis, und End⸗ 
zweck unferer Erfchaffung ſeyn. Das jeiget unſer 
Utſprung an, welcher GOtt feibft- iſt, und das Gott 
liche Bildniß,/ welches wir tragen in CHriſto, und zu 
groriiiter weichen mir erneuert feyn. - Denn daffelbige bezeu- 
| hal. er ger, daß wir fuͤrnemlich zu dem Reich GOttes ge- 
fehaffen ſeyn, und zum ewigen Leben, darzu find wir 
auch von. CeHriſto erlöfet, und durch den Heiligen 
Geiſt wiedergebohren. 
Adel und Solte nun ein Menſch fein Herg an diefe Welt 
Herrlich haͤngen, und feine edle Seele mit dem Zeitlichen bes 
des On ſchweren, da doch eines Menfchen Seele edler und beſ⸗ 
18. ſer iſt denn die gantze Welt? Denn der Dierfchift die 
edelſte Creatur, weil er traͤgt das Bildniß GOttes in 
CHriſto, und darzu erneuert iſt. Darum, wie vor 
geſagt, der Menſch nicht um der Welt willen; 
Warum ſondern die Welt um des Menſchen willen ge 
ed ſchaffen iſt, weil ey, trägt das Bildniß GOttes in 
Menfchen C.Hrifto, der Liebe, welches fo. edel ift, daß die gantze 
ner Welt mit allem ihrem Neichehum, und alle Menfehen 
| mit all ihren Kraͤfften und mögen nicht vermocht 
hat; eine Seele wiedersubringen , noch wieder aufzu⸗ 
richten das Bid GOtzes: Denn dafür hat CHriſtus 
sterben müffen, auf daß im Menfchen das verblichene 
und.erftorbene Bild GOttes wiederum erneuert wurde 
durch den Heiligen Geiſt, damit der Menſch wiederum 
wurde GOttes Haus. und Wohnung in Ewigkeit. 
orle  - :Solte ich nun meine Seele, die CHriſtus fo theuer 
— Herkaufft hat, für eine Hand voll Gold und Silber ge⸗ 
Äiche © Sol. —— fuͤr dieſer Welt Reichthum, Ehr und Luſt? vorn 


f 


der Welt abfterber. * 





heiſt vedlich die Perle in den Dreck und vor die geben ſör 


Saͤue geworffen, Matth. 7.0. 6. Das meynet bad Mesh 
der HErt, da er richt: Was bülffe es dem yprip.ie, 
Menkben, wenn er die ganze Welt hätte, und v.26. 
perlöbre feine Seele, das it, ſich ſelbſt? Die gange 

Welt kan mit aller ihrer Derrlichkeit nicht einer Seele 


Kein: Denn die Seele ift unfterblich, Die Welt aber 
Bi | | | 


rgaͤnglich. 
a | 


5 Bio Erloͤſer, getreuer Heyland, du haft mit deinem Le— 


ben und Erempel gnugſam gezeiget, daß die Dinge diefer 
Welt nicht der Würden feynd, wie Underftändige fie fchägen; 
Du hättefi fie können haben, aber du verachteteft fie, und lehrez 
teft ung, wie wir folten allein trachten das Werck zu ehun,warıum 
wir in diefe Welt kommen find. Du bift aberdoch auch ders Foh.4.0.34. 
fücht vom Satan, auf daß du fonnteft Mitleiden Haben mit un- Matrb.4. 


 ferer Schwwachheit, und barmherkig würdefl. Du ficheft, wie Gebr, F 
‚Satan, fo lange wir in dieſer Welt find, ſich bald unferer Dürfen 7 


15. 


"tigkeit, wider welche wir die Dinge diefer Welt nothig haben; €.z. v.17. 
bald unſers Standes, darein du ung gefeßet; bald unferer 
Guͤter oder Gaben, die du ung gegeben, fich bedienet, die Welt 


uns angenehm und nothig zu machen, aufdaß er ung her- 
nad) zur Liebe der Augen⸗Luſt, Steifches - Luft und hoffärtigem 1. Joh. 2. 


Reben verführe. Er Hat zu feinem Vortheil unfere Sinne, diev- 16. 


nichts, ald mag gegenwärtig und fichtbar ift, achten, und al- 


les Leiden fheuen. In diefer unferer Gefahr, laß doch, O Pſal. 143. 
getreuer Hoherprieſter, deinen Geift nicht weniger bemüher !- 19: 


feyn, ung auf rechter Bahn zu führen, als Satan, ift, ung. zu 


„verführen; Lehre du ung diefe Welt fo gebrauchen, daß wir 1 Eor 7. 
% nicht mißbrauchen. Laß uns nicht in derfelben Dienftbar- d.31. 
keit verfallen, noch ruhen in einigem zeitlichen Dinge, fondern 
laß fie ung dienen, und ſtets näher zu Dir führen. Gib ung 
"Zufriedenheit, wenn wir auf dem Wege unferer Wallfahre 
nicht haben von der Welt, wag wir wollen, und laß eben da⸗ 


“durch unfere Luft in dir geftärcket, unfer Verlangen nach dem | 


exwigen Leben gemehret werden. Heilige unfer keiden, daß, Gal.6.0.14. 


wie wir dadurch der Welt ein Scheu, Fegopffer und gecreu; 


ji 


tziget, alfo die Welt auch ung gecreugiget und zumider ters 
de, damit wir fo mehr und mehr dem Gemüthe nach von 
der Erden erhoben, endlich nach wohl überftandenem 
Kampff die Erone der Ehren davon tragen 
mögen! Amen. 


/ Das 





78 B.LC. 14. Sein Leben baflen 
Das XIV, Capitel. 


Ein fahrer Ehrift muß fein eigen ee— 

ben in dieſer Welt haſſen, und die Welt 
verfehmahen fernen, nach dem Erempet 

Cehriſti. | 

"Luc. 14.0.26. So iemand zu mir kommet, und 

haſſet nicht fich ſelbſt, ja fein eigen Leben, der 

fan nicht mein Jünger ſeyn. ; 

Joh. ı2. v. 25. Wer fein Leben lieb hat, der 

wirds verlieren, und wer fein Leben in die- 

fer Welt baffet, der wirds erhalten sum ewi= 

gen Beben. ‚ 


Xou ein Menſch ſich ſelbſt haſſen, ſo muß er 
erſtlich ſich ſelbſt nicht lieben: Zum an⸗ 
5 Y dern, muß ertäglich der Suͤnde abfterben; 
Zum dritten, muß er täglich mit ihm felbft, das ift, 
| mit feinem Fleiſch, kaͤmpffen. 

Eigene Li Erſtlich iſt Fein Ding auf Erden dem Menſchen 
1 I; das mehr ſchaͤdlich an feiner Seligkeit, als fich ſelbſt lie— 
Gift ver ben, welches nicht von natürlicher Liebe und Erhaltung 
ge und fein felbfi,fondern vonder fleifchlichen unordentli= 
er chen Kiebe und-Philauria im gangen Bud) zu Bere 

695 ben: Dennes foll nichts geliebet werden, denn GL 
allein. Liebet fich nun der Menfch ſelbſt, fo Ne 
er fich felbit zum Gott, und it fein Selbſt⸗ Gott. Was 
ein Menfch Liebet, darauf ruhet fein Hers, daran hans 
get fein Herk, ja das nimmer einen Menfchen gefanz 
gen, und machet ihn zum Knecht, und beraubet ihn, 
- feiner edlen Freyheit. So viel irdifcher Dinge du 
lieb haft, Al: vieler Dinge Knecht und Gefangener 
biſt du. Iſt nun deine Liebe lauter, rein und einfaltig, 
in —— fo bleibeſt Du von allen‘ ar ungez 
fangen ‚ und behafteft alle deine Sreybeit. Dur folt 
nichts begehren, das dich hindern mag an der Liebe 
GDttes. Wile du GOTT gar baben, ſo muſt 
du dich ihm gang gebem Liebeſt du Dich * 

u 


\ 


und die Welt verfehmäben. 79 


a Te a enden 
und haft an dir felber Gefallen, fo wirſt du viel Sorge, 
urcht, Unruhe und Traurigkeit für dic) ſelbſt haben: 
iebeit du. aber GOtt, und haft deinen Gefallen an 
ihm, und. ergiebeft Dich ihm gang, fo wird GOtt für 
dich forgen, und wird Feine Furcht und Traurigkeit auf | 
dic) fallen. Ein Menfch, der fich felbft liebet, und in Ligene Lie— 
allen Dingen fich felbft ſuchet, feinen Nutz, Lob, Ehre, ekunaet 
„Der hat nimmermehr Feine Ruhe: Denn er findet im⸗ rupe. 
‚mer etwas, das ihm felbft zuwider iſt, dadurch er verz 
unruhiget wird. Derowegen nicht ein teglich Ding, 
Das zu deinem Nutz, Lob und Ehre gereichet, Dir gut iſt, 
zen Das ift Dir gut, ſo du es verſchmaͤheſt, und Die 
oͤſe Wurtzel augrotteftz denn es hindert Dich an Der 


= 
f 


Liebe GOttes. A Ä 
Dein eigen Nutz, Lob und Ehre ift alles mit Der GOtteekie 
Welt vergänglich, GDites Liebe aber ifE endig. nr male 
Der Triede und die Ruhe, fo ausder Liebe dein ſelbſt, Seite. 
und der zeitlichen Dinge koͤmmt, beftehet nicht lange ; Hnsekätbi 
denn aus geringen Urfachen Ean entftehen, Das Diefe der er. 
Ruhe jerftöret:- Wo aber das Hertz allein in GOtt Sulapie 
und feiner Liebe rubet, da ift eroiger Friede. _ Alles, Ale 
was nicht aus GHDtt koͤmmt, dag muß vergehen, und 805 
iſt umſonſt · Darum mercke eine Eurge Regel: Verlag &dernicht 
alle Dinge, fo findeft du durch den Glauben alle gefanden 
‚Dinge. Denn GHDtt wird nicht gefunden von einen" 
Liebhaber fein felbjt, oder der Welt. 
Eigene unordentliche Liebe ift irdiſch, und nicht 
aus GOtt; eigene Liebe hindert die himmlifche Weis⸗ Himmtt, 
‚beit. Denn die wahre himmliſche Weisheit haͤlt fee 
ek, von ihr felbft, und ſuchet nicht, daß fie auf nicht viel 
Erden gelobet werde; Darum ift fieein fehlecht und ger er 
ringe Ding, und ift fehier in Vergeſſen Eommen, wie⸗ Sroife 
wol viel von ihr geprediget wird; aber weil man u 
dem Leben fern davon ift, fü bleibet diß edle Perlein für ikeigeneos 


— 


vielen verborgen. Wilt du fie aber haben, jo muſt du und Ehre. 
menfchliche ABeisheit, eigen Wohlgefallen und eigene - 

unordentliche Liebe verlaffen: Alſo kanſt du für Die HOtestie 
hohe, koͤſtliche, irdiſche, menfchliche Weis heit, die himm⸗ yinımtifche 
| —J üſche Weisheit, 


80 Bl &. 14. Sein Leben baffen 


aber gerin- liſche erlangen. Du befommeftfür die hohe Weisheit 
ge vor der dieſer Welt ein gering und ſchlecht Ding für der Welt, 
welches aber himmliſch und ewig iſt. \/ 
Eigene eie · Es kan niemand OOtt lieben, er muß fich ſelbſt 
on, baflen, das iſt, er muß an ſich ſelbſt und feinen Sun 
Siebe wider den ein Mißfallen haben, feinen Willen tödten und 
‚ einander. hintanſetzen. Und ie mehr ein Menſch GOtt Tiebet, 
ie mehr. er feinen bofen Willen und Affecten haſſet, ſein 
eigen Fleiſch eveusiget famt den Lüften und Begierden. 
Und fo viel ein Menſch von-ihm ſelbſt und feiner Kiebe 
ausgehen mag durch des Heiligen Geiftes Krafft ſo 
il, viel mag er in GOtt und in feine Liebe eingehen durch 
den Glauben. Denn gleichwie auswendig nichts be 
‚ gehren, den Innern Friede machet: Alſo kommt man 
zu GDtt, ſo man inwendig alles verläßt, und an, Eeiz 
ner Ereatur mit dem Hertzen hanget, ſondern allein 
| an GOtt. Sr) 
Eprii eWer nur ſich felbft will verleugnen, der muß nicht 
| Ermpel ihm ſelbſt und feinem Willen fondern CHriſto folgen: 
ter rechte Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Le⸗ 
us ben, fpricht er Joh. 14. v. 6. Denn ohne Weg ges 
det Weg, het man nicht, ohne Wahrheit erkennet man nicht, 
— ohne Leben lebet man nicht. Ich bin der Weg, den 
das Leben, du gehen ſolt; Ich bin die Wahrheit, die du glauben 
a mit (sit; und das Teben, das du leben und hoffen ſoit. Ich 
Khobitha⸗ bin der unvergaͤngliche Weg, die unbetruͤgliche Wahr⸗ 
— nn beit, und das unendliche ewige Leben. Ich bin der 
pel; tichtigfte Weg des ewigen Lebens in meinem Verdienft, 
 I140.6 · die hoͤchſt Mahrheit in meinem Wort, und das ewige 
Leben in Krafft meines Todes. So du auf dieſem 
Wege bleiben wirft, fo wird dich die Wahrheit 
führen zum ewigen Leben... Wilt du num nicht ir⸗ 
ren, fo folge wir: Wilt du die Wahrheit erkennen, 
fo glaube mir: Wilt du das ewige Keben befigen, 
fo tröfte dich meines Todes. — » 
Master. Was iſt aber diefer fichere richtige YWeg , Diefe 
ee unberrügliche Wabrbeit, diß edelfte und bejte Te— 
und das Le ben? Der Weg iſt Chriſti heiliges und theures Ver⸗ 
RT..." | dienſt: 





* 


und die Welt verſchmaͤhen. 81 


dienft: Die Wahrheit ift CHriſti ewiges Wort: 
Das Leben iſt die ewige Seligkeit. Wilt du nun in 
Himmel erhoben werden, fo glaube an CHriſtum, und 
demütbige Dich auf Erden, nach feinem Ereinpel, das ijt 
der Weg. Wilt du nicht betrogen werden von der 
Welt, fo halt dic) an ſein Wort im Glauben, und folge 
demfelben im heiligen Leben, das ut die Wahrbeir, 


Wilt du mit EHrifto leben, fo muft du mit ihm, in. 


ihm, und durch ihn der Suͤnde abfterben, und eine 
neue Ereatur werden, Das ift Das Leben. Alſo ift 
EHriftus der Weg, die Wahrheit und dag Les 
ben, beyde in feinem Verdienſt, und mit feinem 
Exempel. 


Seyd Cheifti Nachfolger, als die lieben Bin⸗ Unfertesen 
der, fagt St. Paulus Eph.5. Darum fol all unfer[el © 3 


Fleiß dahin gerichtet feyn, daß unfer Leben dem Leben 
CHriſti ahnlich werde. Wenn fünften nichts anders 
ware, die falfchen Ehriften zu widerlegen, die nur mit 
dem Namen Chriften feyn, fo ware dad) das Exempel 
EHrifti genug. Ein Ehrift fol fich fchamen, in Wol⸗ 
luft und Freude zu leben, da unfer Herr EHriftus fein 
Leben in Sammer und Elend zugebracht hat. Kein rech⸗ 
ter Krieges Mann Fan feinen Dberften fehen Eampffen 
bis in den Tod, der nicht vergefle feiner APoluft: Wenn 
Du ficheft Deinen Fuͤrſten Schmach tragen, und du trache 
teftnach Ehren, iſt es nicht ein groß Zeichen, daß du nicht 
unter feinem Faͤhnlein biſt? 


lich wer 
dem, 
Eph. 59T. 


Wir wollen ale Ehriften feyn, und wenig find Biel Chri⸗ 


ihr, die Chriſti Leben nachfolgen. Wenn einen Fe 
uten Ehriften machte, nad) Neichthum und eiteler Rachfotger 


Ehre trachten, fo hatte EHriftus nicht befohlen, dieſelben EHriki. 


geringe zu achten gegen Die eivigen Güter, Siehe an 
ein Leben und Lehre, fo wirſt du fehen, wie ungleich 
dieſelben find dieſer argen Welt. Seine Krippe, der 
Stall, die Windeln, find ale-Spiegel der Verſchmaͤ⸗ 
hung diefer Welt. Nun ift er aber nicht kommen, 
daß er dich mit ſeinem Exempel verfuͤhre: Nein, ſon⸗ 
dern daß er dich auf den rechten Weg fuͤhre mit ſei⸗ 
J. Theil. F | nem 


82 B. J. C. 14. Bein Leben haſſen 


nem Exempel und mit feiner Lehre. Darum’ fpricht 
Ungleiher ev: Er ſey der Weg und die Wabhrbeit. Weil 
ae er erwehlet hat, duch Schmach und Leiden in Die 
Ene Herrlichkeit einzugehen, ſo erwehleſt du ohne Zweiffel 
durch Ehre und aroffen Pracht in die Hölle einzugez 
hen. Darum kehre um von deinem breiten Wege, 
und gehe den Weg def, der nicht irren kan; folge der 
Wahrheit, die nicht betrugen Fan; lebe in den, der 
das Leben felber it. Diefer Weg ift die Wahr⸗ 
heit, und diefe Wahrheit it das Leben. O groſſe 
Blindheit, Daß ein armer Wurm auf Eiden fo groß 
feyn will, und der HErr der Herrlichkeit ift auf Erden 
Be fo Elein geweſt! Darum, du glaubige Seele, wenn 
Demush, du fieheft Deinen Braͤutigam, den himmliſchen Iſaac, 


2. 3 Mof dir zu Fuſſe entgegen gehen, fo folt du dich Khamen, 


ak auf einem, groffen Cameel zu reiten. Wie Reberea - 


ihren Brautigam, Iſaac, fichet kommen, und fie faß 
| auf einem Cameel, verhüllete fie ihr Angeficht, ſtieg eis 
> lend herunter, und gieng zu Fuß zu ihm: Steige du | 
nen Eiche, auch herunter von dem holen Cameel deines Hertzens, 
und gehe zu Fuß mit tieffer Demuth deinem Braͤuti⸗ 
gam entgegen, ſo wird er dich lieb haben, und mit Freu⸗ 
den aufnehmen. 
1.B. Moſ. Gehe aus deinem Vaterlande, und aus dei⸗ 
mu nes Vaters Hauſe, ſprach GOtt zu Abraham, Ar 
ein Land,das ich dirzeigen werde. - Gehe du aus 
aus dem Luſt⸗ Haufe deiner eigenen Liebe, und deines 
Beſchrei· eigenen WBillens. Die eigene Liebe machet verkehrte 
ee Irtheile, verdunckelt die Vernunfft, verfinſtert den 
erdentie Verſtand, verfuͤhret den Willen, beflecket das Ge⸗ 
chen Liebe. wiſſen, und ſchleuſt zu die Pforte des Lebens: Sie er⸗ 
kennet GOTT nicht und den Naͤchſten, vertreibet 
alle Tugend, trachtet nach Ehre, Reichthum und 
Wboolluſt, liebet die Welt mehr denn den Himmel. 
Zen ehen Wer alſo fein Leben liebet, der wirds verlieren, 
fein &even Joh. 12.08.25. Wers aber verleuret, das ift, feiner 
Bien: eigenen Liebe abfaget, der wirds zum ewigen Leben 


— erhalten. Eigene unordentliche Liebe iſt eine * 
DW 


"und die Welt verfehmäben. 83 


TE Ta — 

der Unbußfertigkeit und ewigen Verderbens. Denn 

die, fo mit eigener Liebe und Ehre beſeſſen find ohne Eigene fie, 
Demuth und Erkänntniß der Sünde: Darum ee 
Feine Vergebung ihrer Sünde ie erlanget, wiewol fie feund fals, 
diefelbe mit Thranen gefuchet. Denn fie haben fic) de Tori 
mehr bekümmert und Leide getragen um ihren eiges 

nen Schaden, denn daß fie GOtt hatten beleidiget. 

Non fuerunt lacrym& oflenfı DEI, fed proprii damni, 

das it: Es find geweſen Thraͤnen, nicht wegen des 
beleidigten GOttes, fondern wegen ihres eigenen 
Schadens. 
Matth.13. ftehet: Das Himmelreich iff gleich Die irdiſcht 
einer Perlen, um welcher willen ein Kauffmann Vena 
alles verkauffte, und Eauffte diefelbe Perle, Dasfeon, witt 
iſt es muß ein Menſch in feinem Hertzen alles verkaffen, inamiifage 
und fich felbft, will er die. edle Perle haben, das ift, GOtt Perle da⸗ 
felbft, und Das ewige Leben. Siehe Deinen HErrn th. 
EHriftem an, der ift vom Himmel kommen, nicht daßn.as.as. 
ex ſich ſelbſt fuchte, liebete , ihm ſelbſt nüßete, fondern nt, 19 
Dir, Luc. 19.0.10. Warum fuchft du auch nicht den 
- allein, der fein felbjt vergeffen hat, und fich felbft für Dich 
gegeben? -- , k 

. Das ift eine rechrfehaffene Braut, die fonft nier Werde 

‚Band gefallen will, denn ihrem Bräutigam: Warum Serleeine 
wilt du aber der Welt gefallen fo du doch CHriſti Brautẽ Hrũi ik 
biſt? Br Seele ifteine reine Braut EHrifti, die fonft erh 
nichts Iebet in der Belt denn EHriftum: Derowe⸗ 

‚gen muſt du alles, was inder Welt iſt, geringe achten, | 
und in Deinem Hertzen verſchmaͤhen, auf daß du würs 

Dig werdeft, von CHriſto deinem Braͤutigam geliebet 

zu werden. Die Liebe, die nicht EHriftum allein lie 
bet und meynet in allen Dingen, die ift eine Ehebreche⸗ 
"ein, und nicht eine veine Jungfrau: Die Liebe der Chris 
ſten folleine Jungfrau feyn. | 

Es iſt im Geſetz Mofis geboten, daß die Prie-+.%.Mof. 
fer follen Jungfrauen nehmen ; EHriftus ift Der  *"* 
rechte Hohepriefter, der will eine Seele haben, die 

eine Jungfrau it, de ff nichts mehr lieb Ka: 

u: er 


i 9 
84 B. J. C. 14. Sein Leben baffen, 


der Welt, denn ihn allein, ja auch ſich ſelbſt nicht, darum 
Luc, der HErr fpricht: Wer zu mir kommt, und baffer 
2°. fich nicht felber, darzu fein eigen Leben, der Ean 
mein Juͤnger nicht fepn. | 

Mas da Merckernun, was heiffet, fich ſelbſt haſſen. Wir 
en tragenden alten Menfchen am Halſe, und find felbjt der 
fein eigen alte Menfih; Deß Art und Natur iſt nichts anders, 
en ba denn fündigen, ſich ſelbſt lieben, feine eigene Ehre und 
Des Flei⸗ Nutz fuchen, dem Fleiſch feine £uft buffen. Denn Fleiſch 
Be. und Blut laßt feine Unart nicht, es liebet ſich ſelbſt, ehret 
at, ſich ſelbſt, ruhmet ſich ſelbſt, ſuchet ſich ſelbſt in allen Din⸗ 
gen, laft ſich bald erzuͤrnen, iſt neidiſch, feindſelig rach⸗ 
ierig. Diß alles thuſt du ſelbſt, ja du biſt diß alles 

elbft, * es kommt aus deinem eigenen Hertzen, und iſt 

dein eigen Leben , das Leben des alten Menfchen. 

Darum muft du dich ſelbſt baffen, und dein eigen 

Masda Leben, wilt du Chriſti Juͤnger ſeͤn. Wer * 
| Be En liebet, der liebet feine eigene Untugend, feine Hofe 
ben. Fark, Geis, Zorn, Hab, Neid, feine Lügen, Falſchheit, 
Ungerechtigkeit, feine bofe Luft. Diele Dinge muft 

du nicht lieben, entfchuldigen, befchönen ; fondern du 

mujtfie haffen, ihnen abfagen und abjterben, wilt du ein 


Ehrift ſeyn. 
| Gebet. 


2.Cor.a. Ach mein hertzlieber HErr JEſu Chriſte, du HErr der Herr⸗ 
% lichkeit, wie habe ich Diefe elende vergängliche Welt ſo lieb ges 
habe! Ach was habe ich fofehr gelieber? Eine Blume, die ver» 
welcket, Heu, das verdorret, einen Schatten, der dahin fleucht. 
Ach wie habe ich meine Liebe und mein Herg an fo ein nichtiges 
und lüchtigesgehänget, wie habe ich doch einen leblofen Schate 
ten, der garnichts ift, fo fehr geliebet! Wie habe ich mir daruni 
Bf. 39.0.7. fo viel vergebliche Unruhe gemacht, fo viel Schmertzen, fo viel 
\ ‚Sorgen und Grämen ! Was fan doch meiner unfterblichenSees 
Matth. 6, Tenein fterblic) Ding helfen? Wo ift alle Herrlichkeit Salomo« 
v. 49. nis? Sie iſt als eine Blume verwelcket: Wo iſt feine Ehre, wenn 
ihn GOTT nicht ehren wird? GOTT ehren ift des Menfchen 

1.@am,a, rechte Ehre; . wer mich ehret, den will ich wieder ehren. Wels 
2.30. chennun GDttnichtehret an jenem Tage, wer will ihn ur 
ie 


* Nicht dem Weſen nach, fondern nach den verderbten Ei⸗ 
genfchafften. 6% 


und die Welt verfehmäben. 85 
a — — 
DieEhre dieſer Welt faͤhret niemand nach, aber wer GOtt ehret, Pf.49.v.18. 
def Ehre wird ewig bleiben. In Menfchen Augen groß feyn, ift 
nichts, und währet eine Heine Zeit, aber für GOtt aroß fenn, daß 
ift, gottsfuͤrchtig feyn, Das waͤhret ewiglich. Was hilfft nun 
groſſe Ehre auf Erden, wenn man für&Dernicht geehret iſt? Wie 
fagt derEngel Gabriel zumProphetenDaniel? Du lieber Mann, Dan. 9. 
du biſt GDit lieb und wereh. Ach mein GOtt, laß mich nach) dies & 23. 
fer Ehre trachten, daß ich vir lich feyn moͤge, und nicht nach der 
Ehre diefer Welt, dadurch ic) dir unlieb und unmerth werde. 
Was ſchadets, für der Welt verachtet und verſchmaͤhet werden, 
wenn man von GOtt geehret wird? Laß mich, o HErr CHrifte, Hebr. 12. 
mit dir hie deine Schmach tragen, auf daß ich dort deiner Herr⸗ 9 13- 
lichfeit theilhafftig werde. Gieb mir, daß ich deine Cchmach, o 
HErr EHrifte, gröffer achte, denn alle Schaͤtze Egypti, ja der Hebr. ız. 
Gen Welt. Ach was Fan mir auch aller Keichthum helfen, 9 2% 
wenn ich fterben ſoll? Werde ich auch etwas mitnehmen? Darum, 
8 mein GOtt und HErr, laß mich den ewigen Neichtbum bebals 
ten, roelchen ich nimmermebr verliehren Fan, nemlich dich ſelbſt, 
beine Gnade und Barmbersigkeit, dein heilig Verdienſt, HErr 
Acfu, die Vergebung der Sünden, den 9. Geift und ewiges Le⸗ 
ben. Bleibet doch fonft alles in dag Welt, und vergehet mit der 
Melt: Was würde mirs denn helffen, wenn ich gleich aller Welt 
Gut hätte? Was wird mirg denn fehaden, wenn ich nichts 9% 
habt habe? Im Himmel ift mir aufgehoben das ewige, unver» 
gängliche, unverwesliche und unbeflechte Erbe, Ach wag ift auch 1. Petr. 1. 
alle Luft dieſer Welt und des toͤdtlichen Fleiſches? Iſts nicht der 4 & Moſ. 
verbotene Baum, davon wir den Tod effen? Iſts nicht lauter; I Rob. 
Gifft? Bringets nicht Grämen, Schmeigen, Reue, boͤſe EG 
iffen, und einen nagenden Wurm, Weinen und Heulen? Wie 
1gen die Berdammten, Weish. 5.0. 8. Wag hilft ung nun der 
tacht, Reichthum und Hochmuth ?. ft doch alles dahin gefloe 
hen, wie cin Schatten, wie ein Gefihrey, das dahin fähret. Ach 
mein HErr JEſu EHrifte, Laß mich meine Luft an dir haben, fo 
gi meine Sreude ewig feyn. Laß mich meine Ehrean dir has 
ben, fo wird meine Ehre ewig feyn. Laß mich meinen Reichthum 
an dir haben, fo ift mein Neichthum ewig. Laß mich meine Herra 
lichkeit an dir haben , ſo iſt meine Herrlichkeit ewig. Ach mein HErr 
Eſu EHrifte, in dir habe ich tauſendmal mehr Güter, denn ich 
m der Melt laffen muß ; In dir habe ich viel gröffere Ehre, ob 
ic) gleich von allen Menfchen verachtet werde; In dir. habeich 
Biel gröffere Liebe, ob mich gleich die gantze Welt haffet: An dir 
babe ich den allerliebſten und beften Freund, und die hoͤchſte 
Sreundfchafft, ob ich gleich feinen Freundin der Welt habe : In 
Dir habe ich vielmehr Segen, da mich gleich die gantze Welt vers 
uchet: In dir habe ich viel geöffere Freude, ob mich gleich die 
ange Welt betruͤbet Summa: + dir habe ich alles, und yr. —F 
3 alles, 






86 B.l. C. 15. Der alte Menſch muß ſterben, 


alles, und wenns moͤglich waͤre, daß mein Leib tauſendmal er⸗ 
wuͤrget würde, fo bleibeſt du dech, HErr EHrifie, mein Leben, 
ja mein ewiges Leben, und mein ewiges Heyl! 


Das XV. Capitel. 


In einem wahren Chriſten muß der alte 
Menſch taͤglich ſterben, und der neue Menſch 
taͤglich erneuert werden; und, was da heiſſe, ſich ſelbſt 
verleugnen, was auch das rechte Creutz der 
Chriſten ſey. | 
Luc. 9.0. 23. Wer mein Juͤnger ſeyn will, der 
verleugne fich felbft, und nehme fein Creug 
auf fich, und folge mir nach. 
Erb.4.n.22. Om alten und neuen Menfthen ſpricht Sant 
32% ASS Paulus zum Epheſ. am 4.0.22.23.24. So 
‚leget nun von euch ab, nach dein vorigen 
Wandel den alter Menſchen, der durch Luͤſte in 
Irrthum ſich verderbet, Erneuert euch aberim- 
Beift eures Gemürbs, und ziehet den neuen Men⸗ 
ſchen an, der nach GOTT gebildet iff, in recht- 
ſchaffener Gerechtigkeit und Aeiligkeit. Cr feßet 
aber 1. Eor. 6.9. 20. die Urfache: Ihr ferd nicht: 
euer felbft, denn ihr ſeyd theuer ertaufft: Darum 
preifet GOtt an euren Leibe und an eurem Beift, 
welche find GOttes. 
Mas der tun iſt aber der alte Menſch nichts, * denn 
— Hoffart, Geis, Wolluſt des Fleiſches, Ungerech⸗ 
tigkeit, Zorn, Feindſchafft, Haß, Neid, x. Dieſe 
Dinge alle muͤſſen in einem wahren Chriſten ſterben, 
fol der neue Menfch hervor Fommen, und täglich er 
| neuert werden. 
"Was der Aenn nun diefer alte Menſch ftiebet, fo wird das 
Dieufhlr. gegen der neue Menfch lebendig, als, fo die par 


* Nicht bloß dahin und wefentlich, fondern in gewiſſer Maaß 
and Übficht auf den Stand der Verderbniß. 
#* Luther, Der alte Adam ift nichts anderg, denn daß wir inung 
finten boͤſe Neigung zu Zorn, Haß, Unkeuſchheit, Geiß, 
Ehre, Hoffart, und dergleichen. Yarem, 








doer nette menſch muß leben. 37 


fart in dir ſtirbet, ſo wird dargegen die Demuth durch 
den Geiſt GOttes erwecket: ſo der Zorn ſtirbet, ſo 
wird dargegen die Sanfftmuth gepflantzet: ſo der 
Geitz ſtirbet, ſo wird dargegen das Vertrauen auf 
Gott in dir. vermehret; ſo Die Wele-Kiebe in dir 
ftirbet, fo wird dagegen GOttes Kiebe aufgerichtet. 
Das it nun der neue inwendige Menſch mit feinen 
Gliedern, es find Srüchte des Aeiligen Geiftes, es ift 
der lebendige thaͤtige Blaube, Sal. 5. v.2 2. 6. Esift 
EHrijtus in uns und fein edles Leben, es iſt der neue 
Gebhorſam, das neue Gebot Chriſti, es ift die Frucht 
„der neuen Geburt in uns, in welcher du Leben muſt, wilt 
° Da, ein Kind GOttes feyn. Denn die in der neuen 
Geburth leben, die find allein GOttes Rinder. 

Daher Eommts nun, daß ein Menfch fich felbft Warum 
verleugnen muß, das tft, fich felbft verzeihen feiner fi a 
Ehre, feines Willens, feiner eigenen Kiebe und Wohl⸗ verleugnen 
gefallens, feines eigenen Nutzes und Lobes, und was muß und 
deſſen mehr ift, ja ſich felbft verzeihen feines Mechts, fen. 
‚und ſich aller Dinge unwurdig achten, und feines Le⸗ 
bens. Denn ein wahrer Ehrift, in dem die Demuth Alles in 
EHrifti ift, erkennet wohl, daß ein Menfch zu Feinem Sit 
Dinge, fo von oben. herruhret, Necht hat, fintemal ex en. 
‚alles aus Gnaden hat: Darum braucht er alles mit 
- Furcht und Zittern, als ein fremdes Gut, zur Noth- 
durfft, und nicht zur Wolluſt, nicht zu feinem eigenen 
Nutz, Lob und Ehre. 1 
Zum Gyempel, laft uns gegen einander halten Verglei⸗ 
‚einen rechten wahren Chriften, der. fich felbft ver⸗ dung eine 
euguet; und einen falfehen Cheifken, der mit eige- Mulverti 
ner unordentliäyer Liebe befeffen ift. Wenn ein fol- den Men 
eher verachtet wird, fo thut ihm die Verachtung fehr 9" 
wehe, wird zornig, ungedultig, fluchet, Laftert wieder, 
will fich ſelbſt vachen mit Worten und Wercken, und 
-Darff_deffen noch wol einen Eyd ſchwoͤren; Das ift 

der alte Menfch, der ift ein folcher Toͤlpel, zuͤrnet leicht, 
ift feindfelig und rachgierig. Dargegen der fich felbft 
verleugnet, iſt ſanfftmuͤthig, gedultig, verzeihet Sich 

| 54 aller 


4 


88 B.I. C.r5. Der alte Menſch muß fterben, 


aller Drache, achtet ſich wuͤrdig und fehuldig alles zu ” 
leiden: Das heift ſich felbit verleugnen. 1 
Wie CH In ſolcher hohen Gedult, Ganfftmuth und Des 
— muth iſt der HExxr Cohriſtus dir vorgegangen. Er 
leunen bat ſich ſelbſt verleugnet, da er ſprach Matth. 20. v. 28. 
Des Menſchen Sohn iſt nicht kommen, daß er 
ihm dienen laſſe. Item: Ich bin mitten unter 
euch wie ein Diener. Luc. 22. v. 27. Des Men— 
ſchen Sohn bat nicht ſo viel, da er fein Haupt 
hinlege. Lue. 9.0.58. Ich bin ein Wurm, und 
kein Menſch. Pſ. 22. v. 7. Alſo verleugnete fich 
David felbft, als ihm Simei fluchte, und fprach, 
s ch 2. Sam. 16. v. 10. Der SErr hats ihn gebeif: 
Heitigeund ſen. Als wolte er fprechen: Du bift für GOtt 
Ba ein arıner Wurm, und wert; daß du alles leideſt. 
fit ver Alſo, die lieben Heiligen und Propheten haben fich 
eugnet. ſelbſt verleugnet, ſich unmurdig geachtet alles, was 
In Seit. einem Menfchen zu gut gefcheben mag, darum has 
3.7.0.60. ben fte alleg gedultet: Dat ihnen iemand gefluchet, fie 
. a2 paben ihn dafür gefegnet; ‚hat fie iemand verfolget, 
J fie haben GOtt dafuͤr gedancket, Apoſt. Gel. 1. 
v. 40. 41. Hat fie iemand getoͤdtet, fie haben fir 
ihn gebeten, Ap. Geſch. 7. v. 60. und ſind alſo 
durch viel Trübfal ins Reich GOttes eingegan⸗ 
gen. Apoſt. Geſch. 14.0. 22. 
Washeiffet Giche, das heiffet, fich ſelbſt verleugnen, ſich 
—— gicht-werth achten alles, was ihm möchte zu gut und 
"Liebe geſchehen; und hinwieder fich wohl wuͤrdig hal⸗ 
ten alles deß, was ihm zu leide geſchicht. 
weg... Diß Verfeugnen iſt nun das Creug Chriſti das 
gr wir auf uns nehmen follen, wie der HER fpricht: 
SAH Mer mein Jünger fepn will, der verleugne fich 
felbft, und nehme fein Creutz auf fich, und folge 
mir nach. Das it dem Fleiſche cin bitter Creußz 
denn es wolte lieber ficher, Frey, ruchlos nach feinen 
eigenen Füften leben, denn daß es folte leben in der Des 
muth, Sanfftmuth und Gedult ChHriſti, und das Les 
ben EHrifti anfich nehinen. Denn Dis geben Font 
s j 





der neue Menſch muß leben; 8.9 


N — — 
ift dem Fleiſch ein bitter Creutz, ja es iſt fein Tod; Neu Leben 
denn der alte Menſch muß fterben. a 
Ales was dem Menfchen von Adam angebohren Tor. 

ift, das muß in einem rechten Chriften fterben, Denn Ser cken 
wenn man will die Demuth EHrifti an ſich nehmen, Verwelong 
fo muß die Hoffart fterben ; will man die Armuth n Er 
EHrifti an ſich nehmen, fo muß der Geitz ſterben; fpengehen. 
will man die Schmach CAärifki tragen, fo muß die”. 
Ehr⸗Ducht fterben; wenn man die Sanfftmurh 
CAhrifti an ſich nehmen will, fo muß die Rachgier 
fterben; will man die Gedult Coriſti an ſich neh⸗ 

„men, jo muß der Zorn, fterben. 

Siehe, dis alles heift, fich felbft verleugnen, 

fein Creutz auf ſich nehmen, und Cärifto folgen; 

und dis alles nicht um feines Verdienftes, Lohns, 
Nutzens, Ruhms und Ehre willen, fondern allein 

um der Liebe CHrifti willenz weil ers gethan bat, 

weil dis fein edles Leben ift, und weil er uns ihm zu 
folgen befohlen hat: Dem dasiftdas Bildniß GOt⸗ Be 
tes in CHriſto / und in uns, welches des Menfchen ves men, 
hoͤchſte Ehre it, daran fich ein Menſch billig foll ger fen hoͤch⸗ 
nügen faffen, und sum emfigften darnach ſtreben. Mr Edrs. 

Und was iſts, daß ein Menfch fo ſehr nah Ehren 

dieſer Welt ftrebet, da er doch dadurch vor GOTT Sapz.n. 5, 
nicht beffer wird, denn andere Leute? Das begeuget die  _ 
Stunde unferer Geburth, und die Stunde des Todes, 

Der Allergeofte in der Welt hat eben einen Leib von Kein 
Fleiſch und Blut, als der gerinfte Menſch; Alſo iſt Penfh eh 
kein Menfch um eines. Haars breit beffer, denn der ans der andere, 
dere. Einer wird gebohren wie der andere, einer ftirbt 

tie der andere; noch plaget ung die Ehr⸗Sucht alſo. 3 
Das machet alles die eigene Liebe, die verbothen iſt, Eigene Lies 
weil wir uns ſelbſt haffen ſollen. Nun ift das geroiß, bein verbor 
wer fich felber alfo lieber, das ift, ihm felber wohls mir uns 
gefällt, Hoffart treibet und ftolgiret, Ruhm und Ehre feloR baſen 
füchet, der wendet feine Seele von GOtt und EHrifte ME" 

ab auf ſich felbft, und auf die Welt. Da kommt 

nun EHriftus, und — du ſelig werden, M Wer ſich 

5 m 


90 B1.E, rs. Der alte Menſch muß fferben, 


felbftfiebet, muft du Dich felbft haffen und verleugnen, und nicht 
Mo ion fo lieb haben, oder du wirt Deine Seele verlieren. 
" Das will nun der alte Adam nicht thun, ſondern will 
immer etwas, in der Welt ſeyn. 

Ach wie wenig find ihr, die dieſe Adamiſche Unart in 
ihnen erkennen, und derfeiben widerftreben! Und weil 
uns Diefelbe angebohren, und mit uns gebohren wird, ſo 

"müffen wiraud) derfelben abfterben. Ach wie wenigfind 
Abe, vie diefesthun! Alles, was uns von Adam ange 
CHriſtus bohren wird, daß muß in EXHriftofterben. Inder De 
. unferer much CHriſti ſtirbt unſere Hoffart; in der Armuth 
tur&rauen. CHriſti ftirbt unſer Geitz, in dem bitteren Leiden Chriſti 
ftirbe unfere Wolluſt; inder Schmach EHrifti ſtirbt 
unfere Ehre; inder Gedult EHrifti ſtirbt unfer Jorn. 
Mer der ger nun ihm felber alfo abftirbet, der Fan auch - 
Ban darnad) leicht der Welt abfterben, und diefelbige mit ' 
teuer all ihrem Deichthum und Herrlichkeit verfchmahen, 
Gott. alſo, daß er Feiner weltlichen Ehre, Reichthum und 
Wolluſt begehret, fondern feine Ehre, Reichthum und 
Wolluſt allein an GOtt hat. GEOtt ift Jene Ehre, 
Reichthum und Wolluſt; er iſt ein rechter Saft und 
Fremdling in diefer Welt, er iſt GOttes Saft, und 
Gott wird ihm bald das fröliche Jubel⸗Jahr in ſei⸗ 
nem Hertzen anrichten, und ihn voller geiſtlicher Freude 
machen, und denn dort das Jubileum æternum, das 
ewige Jubel⸗Jahr mit ihn h.ten, ꝛc. | 


n Gebet. 


2 du edle und hoͤchſte Zierde aller Tugenden, HErr JEſu 
-EHrifte wie Haft du dich doch felbft in diefer Welt fo hoch ver» 
leugnet, dich geaͤuſſert deiner göttlichen Herrſchafft, und bift ein 

Yhil.2.v:7. armer Knecht worden? Du haft Dich geauffert deiner gottlichen 
Herrlichkeit, und biſt aufs aͤuſſerſte verſchmaͤhet worden ; Du 

haft dich geaͤuſſert deines ewigen Reichthums , und bift gang arım 

worden; Dur haft dich geaͤuſſert deiner göttlichen Alimacht, und 

- bift fo ſchwach worden; Du haft dich geäuffert deiner göttlichen 
Weisheit und bift für einen Unweiſen gehalten worden; Du haft 

dich verziehen der Menfihen Sreundfchafft, und bit von allen 
Menſchen veriaffen worden; Du haſt dich geäuffert deiner himm⸗ 

lifchen Freude, und bift der allerttaurigfis auf Erden worden; 

u 





der neue Menſch muß leben. 91 


Du haft dich deiner ewigen Gewalt geaͤuſſert, und haft Schläge 

erlidten; Du haft dich des gangen Erdbodens verziehen, und 

nicht fo viel gehabt, da du dein Haupt hinlegteſt. Du haft dich Luc.9. v. 48. 
nichtfelbft gelieber, fondern ung; Du haſt dich nicht felbft geeh⸗ JOb.8.0.49. 
ret, fondern deinen himmlifben Vater. Summa, du bijt ein 
vollkommenes Erempel der Verlengnung fein ſelbſt; Du biſt ein 

rechter Lebrer,nicht mit Worten, fondern mit der That; was du 

gelehrt Haft von ver Berleugnung fein felbft, das haft vu felbft 

getban. Du fprichft: Wermir folgen will, der verleugne fich Luc. 9.0.23. 
ſelbſt. Ach mein HErr, ich habe mich biß daher noch nicht feloft 
verleugnet, darum hab ich dir noch nierechtnachgefolget. Du 

ſprichſt: Wer nicht fein eigen Leben haſſet, der Fan mein Jünger Eue, 14, 
nicht feyn, und zumirfommen. Ach mein HErr, ich habe mich v. 26, 
noch nie recht gehaffer, wwiehabe ich denn koͤnnen zu dir fommen? 
Wie habe ich koͤnnen dein rechter Jünger ſeyn? Ich habe mich 


ſelbſt geliebet, geehret, und meine Eyre in allen Dingen felbft ges 


ſuchet, wieder Satan, der feine Ehre, Luft und Herrlichkeit allein 
fucher. Ad) mein lieber HErr, giebmir ein ander Her, cin neues 
Chriſtliches Her, dag deinem Hertzen gleichformig fen, daß ich 
abfage alle dem, das ich habe, und es dir alirin aufopffere; daß v. 3% 
alle eigene Liebe in mir fterbe, und ich allein liebe was du liebeft, 


und haffe was du hafleft. Laß mich ja meine Liebe feiner andern 
Creatur geben, denn dir. Du haſt dich, o HErr, deiner eigenen 


Liebe verziehen, und uns arme Menſchen mehr geliebet, denn 
dich ſelbſt; Du haſt nicht allein das Geſetz mit deiner Liebe erfuͤl⸗ 
let, ſondern weit übertroffen. Du, HErr, biſt ja das hochſte Gut, 
der Edelfte, der Schoͤnſte, der Lieblichfte,der Neichfte, der Sreunds ‘ 
lichfte, der Gnaͤdigſte; Ach was folte mir denn lieber feyn denn 


du? Du folt mir taufendmaphl lieber feyn, denn ich mir felbft, 
‚denn mein Leben und meine eigene Seele; denn was hilfft mie 


‚mein geben und meine Seele, wenn ich dich nicht habe ? Wag 
fol mir der Himmel, wenn ich den HEren dee Himmels nicht 
habe? Wag foll mir der Erdboden, wenn ichden HErrn deg 
Erdbodeng nicht habe? Und was frag ich nachdem Himmel, wenn 


„Ich den HEren des Himmelsnur habe ? Was frageich nach der 
Erden, wenn ich den HErrn des Erdbodenshabe? Was frage 


z 


ich auch nach mir feloft, wenn ich GOtt habe, der beffer ift, denn . 
ic) felbft, und alles, was ich habe. 


Ach du demüthiges Herß,CHrifteFEfu,laß mich abfagen aller 


- eigenen Ehre, laß fie in mir fterben, wie fie in dir geftorben  ır. 


Ach mirgebühret ja feine Ehre, du bift gerecht, wir muffen ung Dan.y.v.7. 


ſchaͤmen: Dir allein die Ehre,ung aber Shmac und Schande. 

D laß ung mit den Heiligen im Himmel unfereCrone abnehmen, Offenb. Jo⸗ 

und dir, o du unbeflecktes Laͤmmlein GOttes, zu deinen Fuͤſſen 4. b. 20. 

legen,und fagen : Das Lamm, das erwuͤrget iſt für DASNER ER 5.0.9 
elt, 


S 


v.22, ;0, 


92B.l. C.15. Der alte M. muß fterben,derneue:c. 


Melt, iſt würdig zunehmen die Crone, ihm gebuͤhret allein die 
Ehre, Macht und Staͤrcke, Sieg, Herrlichkeit, kob und Preiß 
von Emigfeit zu Emigfeit, Du bift der Brunnen alles Guten, 
alles Lichts, aller Weisheit, Herrlichkeit, Macht, Stärde, ein 
Urfprung aller lebendigen Ereaturen, alles Reichthums; darum 
gebuͤhret dir allein die Ehre. Ach Laß mich nicht rauben,mag dein 
allein ift, daß ich mich nicht ſelber ehre, und zum Gott mache, wie 
Lucifer, und dadurch zum Teufel werde. D ein erfchrecklichen 
Fall, aus einem Engel ein Teufel werden, durch eigene Ehre 
und Hoffart; aus einem Menfchen ein Wurm werden, und ein 
unvernünfftig Thier, wie Nebucadnezar. Ach du gedultigeg, 
ſanfftmuͤthiges Hertz, laß mich auch meinem eigenen Willen ab⸗ 
ſterben und abfagen, wie du mein lieber HErr thateft,da du ſpra⸗ 





S6h.6.0.39. cheft: ch bin nicht fommen, daß ich meinen Willen thue, fon» 


dern des Vaters, der mich gefandt hat: meine Speiſe ift, daß ich 


€09,4.034. GOttes Willen ihue. Ach laß mich durch deinen Wien meinen 


Willen brechen, laß mich meinen Willen deinem atıten Willen 
mit gantzem Gehorſam untermwerffen. Laß deinen Willen meine 
Höchfte Freude ſeyn, auch mitten im Creutz. Ach mein HErr und 


GoOit, laß deinen Willen auch meinen Willen ſeyn, daß da ſey 


zwiſchen ung ein Wille, ein Geift,ein Hertz. Ich bin gewiß, daß es 
beffer ſey, mit deinem Willen in Creutz und Truͤbſal ſeyn in Trau⸗ 
rigkeit und Elende, denn mit meinem Willen in Herrlichkeit Luft 
und Freude. Ja wenn du mich gleich in die Hoͤlle fübreteft,und 
ich gebe mich gang in deinen Willen, fo weiß ich, daß dein Wille 
fo aut, fo Heilfam, fo Hülffreich ift, daß er mich nicht wird in der 
Höfe laſſen, fondern mich in den Himmel bringen und führen, 
Mein Wille aber ift fo boͤſe und fo verkehrt, daß er mich auch, fo 
ich gleich im Himmel wäre, nicht würde darinnen laffen, fondern 
in die Hole ffürgen. Ach du edles Hertz, ICſu CHriſte, duBrun⸗ 
nen der ewigen Weisheit, laß mich auch abfagen meinem eiges 
nen Verftande und Klugheit, daß id; mich nicht ſchaͤme, in diefer 
Welt für einen Thoren gehalten zu werden, um deines Worte 
willen, alö der ich nicht mehr wiſſe, denn dich, meinen HErrn 
CHriſtum, den Gecreusigten. Laß dag meine höchfte Weisheit 
ſeyn, daß ich weiß. dag dein Wort die ewige Weisheitfen. Gieb, 
daß ich mich ja nicht an dir, deinem Wort und Sacrament ärge« 
re, und meiner Bernunfft mehr folge, denn deiner Wahrheit. 
Laß mich auch um deinet willen abfagen aller Freundſchafft der 


Jae.4. v. 4 Welt, (denn ver Welt Freundſchafft it GOttes Feindfchafft) 


auf daß ich allein deine Freundſchafft, o du allerliebſter Freund, 
du befter Freund, du beftändigfter Freund, du getreufter, 
du höchfier, du fhenfter Freund, allezeit in 
; Ewigkeit behalten möge! 
Amen. 


Das 

































































































































































































































































AED n IHR NN ! 


ill ıı ll 


gi DIET Ldll IIEITEITIFT ES ELTIT 























[x ] 


Das Erſte Buch, Cap. XVI.  pag. 93 
Hier liegt ein grün ſafftig Holß im Feuer, da Don der Hiße 
das Waffe? heraus läuffr, welches daher zwar fehr rauchet, aber 
Koch nur in wenig glimmet, weil dag Feuer und Waffer hier 
mitizander gleidyfam einen harten Krieg halten, bis endlic) 
dag Feuer die Ober⸗Hand behält: Alfo ift auch in einer buffer: 
tigen Seele ein fehr harter Streit zroifchen dem Sleifh und 
Geift, bis endlich der Geift durch die Krafı Ehrifti das Fleiſch 
beswinget, überwindet, und den edlen Sieg davon trägt, 


Salat. 5. ver. 17. 


Das Zleiſch gelüfter wider den Geift, und den - 


Geiſt wıder das Fleiſch; diefelbigen find wis 
der einander, 


©? bald der Geiſt der Lieb ein rohes Her ergriffen, 
Da geht das Widerſtreben an, 
Da fperrt und ftreubt das Fleiſch ſich, was es Fan, 
Da preft uns mancher harter Strauß 
Die Thranen aus, 

Und macht das Hertze ſelbſt vor Wehmuth trieffen, 
er diefen Streit in ihme nicht empfindet, 
Nicht feines Fleiſches Unart überwindet, 

Der iſt lebendig todt, er iſt ein faules Glied, 
Ein Leſch⸗Brandt, der zwar raucht, doch wenig 
glimmet, 

Und dem ein ander Feur beſtimmet. 

Wer aber ernſtlich ſich bemüht 

Den alten Menſchen zu betämnpffe), 
Die böfen Lüft in der Geburt zu daͤmpffen, 

Und treiber diß beftandig, unverwandt, 

Dem wird des groſſen SiegesFürften Hand 
Die Thranen, Die er hier mit Seuffzen zu vermifchen 
Gewohnt, dort von den Augen wifchen, 

Den wird er felbjt, nach ausgejtandnem Streit, 
Nebſt andern edlen Ritter⸗Soͤhnen 
Sm Reich dev Herrlichkeit 
Mit unverwelcktem Schmuck und Ehren eroͤnen. 


3) ol 93 
Das XVI. Capitel. 


In einem wahren Ehriften muß allezeit 
ſeyn der Streit des Geiſtes und des 
Fleiſches. 
om. 7.0.23. Ich ſehe ein ander Geſetz in mei⸗ 
nen Bliedern, das da widerſtrebet dem Geſetz 
in meinem Gemuͤthe. A 


GE» einem ieden wahren Chriften find zweyerley Zwenerten 

FAR Menfchen, ein innerlicher und äufferlicher, Menden 
Dieſe zwey find wohl bey einander, aber wider miver ein, 
eina:der, alſo, Daß das Leben des einen des andern Azer leo, 
Tod ift. Lebet und herrſchet der Aufferliche Menfch, vs. 
fo ftirbet der innere. Leber der innere Menfch, ſo muß 
der aufferliche fterben, wie St. Paulus 2. Cor. 4.0. 16, 
ſaget: Ob unfer äufferlicher Menſch verwefer, ſo 
wird doch der innere taͤglich erneuert. 

Dieſe beyde nennet St. Paulus zum Roͤmern am Geſſtlicher 
7. v. 23. das Geſetz feines Gemuͤths, und das Ge⸗— td ſeiſch— 
ſetz ſeiner Glieder. Und zum Galat. am 5. v. 17. WMeunſch 
nennet er dieſe zwey, Geiſt und Fleiſch: Das Fleiſch 
geluͤſtet wider den Geiſt, und den Geiſt wider 
das Fleiſch. 
Ulberwindet nun der Geiſt, ſo lebet der Menſch in Wie Seit 
EHrifto und in GOtt, und wird geiftlich genannt, Kur Seit 
und lebet in der neuen Geburth: Uberwindet aber das ders 
aus, fo lebet der Menſch im Teufel, in der alten 

eburth, und gehöret nicht ins Reich GOttes, und 
wird fleifchlicy genannt. Sleifchlich aber gefinnet 
ſeyn, iſt der Tod, Nom. 8.0.6. Darum von dem, 
der die Herrfchafft im Menfchen &chält, yat der Menfch 
feinen Damen in der Schrift, daß er fleifchlich oder 
geiftlich heiſſet. 

‚ Wenn einer nun in diefem Kampff überwindet Brause 
die böfen Lüfte, das ift die Staͤtcke des Geiſtes Des Hd Geik 
Innern Menfchen: Wo aber nicht, fo ifts des Glaur 
bens und des Geiſtes Schwachheit; denn — 

eil 


94 Bl. &.16. In einem Chriften muß fepn 


“  &eift* ijt eins, wie gefchrieben ftehet 2. Cor. 4.0. 13. 
Weilwir den Beift des Glaubens haben, ſo —— 
wir auch. 


@röfter Es ift der viel ftärcer, der fich felbft aberwinden 
a I und feine boͤſe Lüfte, denn der die Feinde überwindet, 
minden. Wie in Epr. Salom. 16.0. 32. geſchrieben ift: Kir 
Gedultiger ift beffer denn einStarder: und der 
feines M uths ein Herr, iſt beſſer, denn der Staͤdte 
Was das gewinner. Wilt du nun einen groſſen Sieg en, 
en "ren fo überwinde dich felbjt, deinen Zorn, Hoffart , Geiß 
Satans. ° und böfe Luft, fo haft du das Reich des Satans übers 
Pe mwunden ; denn in Diefen Dingen allen hat der Gas 
2” tan fein Reich. Es find wol viel Kriegs⸗Leute, fie has 
ben helfen Städte geivinnen, aber fich felbft haben fie 
nie überwunden, 


Hangeft du dem Fleiſche altzufe hr nach, fo eööteft 
Gicader du die Seele. Yun aber ifts beffer, daß die Seele 
bei A überwinde, auf daß auch der Leib mit erhalten werde, 
dei a oem Yenn daß der Leib uͤberwinde, und Leib und Seel ver⸗ 
lohren werde. Und allhie heiſts: Wer ſein Leben 
den. [ich bat, der wirds verliebren, und wer fein Leben 
in diefer Welt baflet, der wirds zum ewigen Le⸗ 

ben —— oh. 12.0.275. 


run its wol ein ſchwerer Kampff, aber er gebieh⸗ 

ret einen herrlichen Sieg, und erwirbet eine ſchoͤne 

Crone: Sey getreu bis in den Tod, ſo will ich dir 

die Crone des Lebens geben, Offenbar. 2. verſ. to, 

- Mas heift, Item: Unſer Glaube iſt der Sieg, der die Wels 

der überwindet: 1. Joh. 5.0.4. Die Welt aber it in 

den. deinem Hertzen. Uberwinde did) felbft, fo haft du 
die Welt überwunden. 

Yun 


® Durch eine geiftliche, nicht wefentliche Vereinigung. Der 

Geiſt heiff:t bier der innsre Menſch, oder des innern und 

wiedergebohrnen Menfchen geiftliche Kraft und Stärde 

wider das Sleifch und die weltlichen Lüfte zu ſtreiten. Da 

ift num der Glauͤhe und folcher Geift eins. Denn folche 

Be Kraffe ſtehet im Glauben, 1. Johan, 5. verſ. 4 
Farım, 


der Streit des Geiſtes und des Sleifhes. 95 


Naun moͤchte einer fagen; Wie ſoll ich ihm denn 
thun, wenn mich die Suͤnde bisweilen wider meinen 
Willen überwindet , fol ich darum verdammt, oder 
kein Kind GOttes ſeyn? wie St. Johannes fügt: 
Wer Sünde tbut, der ift vom Teufel, 1. Joh. 3. 
v.8. Antwort: Wenn du den Streit Is Geiſtes 
wider das Fleiſch in dir befindeft, und ebur,c offt, das 
du nicht wilt, wie &t. Paulus fpricht, fo its eine An⸗ 
zeigung eines gläubigen Hergens, dab denn dein Glapbe 
und Geift wider das Fleiſch Fampffen. Denn Ct. 
Paulus lehret uns mit feinem eigenen, Exempel, daß Kampf des 
olcher Streit in den Frommen und Gläubigen ſey, da gm ar 

erfpricht Nom, 7.0.23. Er fühle ein ander Gefey u.a. 
n feinen Gliedern, das widerftrebe dem Beleg 
feines Gemuͤths, das ift; dem neuen inwendigen Mens 
ſchen, und nehme ihn gefangen in der Sünden 
Geſetz, daß er thue, was er nicht wolle, Das 
Mollen babe er wohl, aber das Pollbringen 
nicht; Das Gute, das er wolle, das thue er nicht, 
und das Böfe, das er nicht wolle, das thue er 3 
und Elaget daruber; "ch elender Menſch, wer will Roͤm. 7. 
mich erlöfen von dem Keibe des Todes? das iſt, ** 
von dem Leibe, Darinn die Sunde und Tod ſtecket, die 
mic) fo plagen. Iſt eben das, das der HErr ſpricht: Natth. 26 
Der Geiſt iſt willig, aber das Sleifeh iſt ſchwach, frarc. 14. 
Matth. 26. v. 41. Marc. 14. v. 38. | DE Be 
+ &o lange nun dieſer Streit im Menſchen waͤh— rl 
ret, fo lange herrſchet die Sünde, nicht im Menfthen : Herrfgaft. 
Denn wider welchen man immer freitet, der Fan 
nicht herrfchen. Und weil fie im Menſchen nicht herr⸗ 
ſchet, weil dev Geiſt rider die Stunde ftreitet, ſo vers 
dammet fie auch den Menſchen nicht. Denn obwol 
alle Heiligen Sünde haben, wie St. Paulus fpricht: 
Ich weiß, daß in meinem Sleifche nichts Gutes Einwed, 
wobnet, Rim. 7.0.18. und St. Johannes; So wirge voran 
ſagen, wir haben Feine Simde, fo betrügen wir mir, fons 
uns felbft, 1.$coh.1.v.8. So verdammt doc) Die pesrfgenne 
inwohnende Suͤnde nicht, fondern Die berefpende Sind, 


=. 


96 B.LE, 16, In einem Chriften muß ſeyn 


— — — — — —— —— — — — 
Suͤnde. Und weil der Menſch wider die Suͤnde ſtrei⸗ 
tet, und nicht darein bewilliget, ſo wird ihm die Suͤnde 
nicht zugerechnet, wie St. Paulus zum Roͤmern am 8. 
ſpricht: Es iſt nichts verdammliches an denen, die 
in Chriſto IEſu find, die nicht nach dem Fleiſch, 
ſondern nach dem Geiſt leben, das iſt, die das Fleiſch 
nicht herrſchen laſſen. In denen aber ſolcher Streit 
nicht iſt, die ſolchen Streit nicht fuͤhlen, die ſind nicht 
Hettſden Renati, oder Wiedergebohrne, die haben herrſchende 
nm, Sünde, find überwunden, find Knechte der Sünde und 
he Sünde, des Satans, und find verdammt, fo lange fie die Sünde 
in ihnen herefchen laffen. 
Schönes Diefes hat uns GOtt durch den Typum oder Vor⸗ 
Vorbild. bild der Cananiter vorgebildet, fo im gelobten Lande 
wohneten, aber nicht herrſchen durfften. GOtt 
laͤßt die Cananiter unter Iſrael wohnen, Joſ. 16. v. 10, 
aber ſie ſolten nicht herrſchen, fondern Iſrael ſolte Herr 
ſeyn, und nicht die uͤberbliebenen Cananiter: Alſo blei⸗ 
ben viel Suͤnden uͤbrig in den Heiligen, aber ſie ſollen 
nicht herrſchen. Der neue Menſch, der Iſrael heiſſet, 
Gottes Baͤmpffer, 1. B.Moſ. 32. v. 28. der ſoll herr⸗ 
ſchen, der alte Reuſh fü ſoll gedaͤmpffet werden. 
Das beweiſet, ſtaͤrcket und erhält den neuen 
Menfchen, daß er einen — Kampff fuͤhret wider 
den alten Menſchen: er Sieg und Staͤrcke des 
Geiſtes beweiſet einen rechten Iſraeliten, einen neuen 
Menſchen. Militia probat Chriftianum: Terra Canaan 
bellando oceupatur & retinetur. Das ift: Der Streit 
beweiſet einen Chriſten; Das Land Canaan wird 
mit Streit und Kampff eingenommen und bebhaus. - 
ptet. Bekoͤmmt aber bisweilen der Cananiter und 
Geiſt mug Das Fleiſch das Dominium und Herrfchafft, fo muß 
le feael und, der neue Menſch nicht lange unterliegen, 
—* und die Suͤnde und den Cananiter nicht lange herrſchen 
haften. - laſſen; ſondern er muß ſich durch die Gnade GOt⸗ 
es wieder ſtaͤrcken in CHriſto, durch wahre Buſſe an 
Vergebung der Stunde wieder auferftehen, und den 
rechten Joſuam, den Fuͤrſten des Volcks, — 


der Streit des Geiſtes und des Sleifches, 97 


das er ihn ſtaͤrcke, und in ihm fiege, ſo iſt der vorige Fall 
zugedeckt, vergeſſen und vergeben, und iſt der Menſch 
wieder erneuert zum Leben, und in CHriſtum verſetzet. 
Und ob du gleich noch viel Schwachheit des Fleiſches 
fuͤhleſt, und nicht alles thun kanſt, wie du gern wolteſt; 
fo wird Die, als einem bußfertigen Menfthen, das Ver⸗ 
Dienft CHriſti zugerechnet, und mit feinem volllommes 
nen Gehorſam deine Sundezugederfet. Und alfo hat. 
in ſolcher täglichen Buffe, wenn man von Sünden wie 
der aufjtehet, Die Impuratio meriti, die Zurechnung des darech⸗ 
Derdienits Chriſti, allegeit Raum und Statt. Denn yuaped 
daß ihm ein gottloſer unbußfertiger Menſch, Der die kescs:im 
Suͤnde weidlich in ihm herrſchen laͤſt, und Dem Fleiſch des ahein 
feine Luft weidlich büffet, das Verdieuſt CHriſti wolte Bayterst; 
zurechnen, iſt umſonſt und vergeblich: “Denn was fülte 898 Ratt- 
dem Chrifti Blut nüsen, der daſſelbige mit Süffen 
tritt? ꝛc. Hebr. 10.029, 


‘ Gebet. 


SP} Nemberbiger EHrt und Vater, ich bekenne vor dir mein 

Verderben, daß ich träge bin zu allem Guten, fertig aber 

zum Bofen; daher dein Geift ſtets mit der in mir wohnenden 

Suͤnde zu kaͤmpffen hat. Ach HEre,taßdoch dieſen ftrafenden, Joh.· 16; 

erinnernden und führenden Geiſt nimmer von mir genommend 8,17, 

werden. Laß das Fleiſch nie in mir herrfchen, fondern, da ich in 

Diefer Unvollfommenheit deſſelben Verfuchung dulten muß, fo 

laſſe es doch ſtets fenn alg ein uͤberwundener und bezwungener 

Knecht. Mein GOtt, du weiſt, wie gerne ich wolre ohne Wider 

ſprechen und Unwillen in deinen Wegen wandeln, erbarme dich 

mein, und hilff mir dazu um deines Namens willen. Sch vers 

Elage felder vor dir ale Eingebung des Fleiſches, die mich träge Heben, 
acht, zulauffen den Kampff, der mir verordnet iſt: Ach rech-o, x 

ne fie mir nicht zu. Lehre du mich recht, wider fie zu ftreiten, zu 

koͤmpffen ven guten Rampff des Glaubens, und zu ergreiffen dag ı. Tim, 6 

eivige Reben ; ja dämpffe, rodteund tilge du felberfiein mir. Lagv.ız - 

den Sieg, den mein Heiland wider dag Reich der Finfterniß er; 

Halten, auch zur Unterdrückung derer in mir fichregenden Wer⸗ 

cke der Finfterniß, mirzu ftatten fommen; und endlich befreye 

mich von allem Kampff, und verfeße mich nach vollendetemkauff 2. Tim. 4. 
dahin, da keine Sünde mehrift, da ich famt denen Geiftern der v. 7. 
vollkommenen Serechten dich Toben und preifen moͤge ewiglich, Ben: 1a, 
vn JEſum EHriftum deinen lieben Sohn unfern HEren !"*#* 


men. 
L, Theil, G Das 





98 B.1.E.17. Der Chriften Güter und Erbe 


— Das XVII. Capitel. | 

Daß der Chriſten Erbe und Güter nicht 

inmn dieſer Welt ſeyn, darum fie des Zeitli⸗ 

chen als ber: gebraucyen 
sum. 


1,Timoth.6.0.7.8. Wir Haben nichts in die Welt 


bracht, darum offenbar iſt wir werden auch 


nichts hinaus bringen: Wenn wir aber 
Nahrung und Bleider haben, ſo laſſet uns 


begnuͤgen. 


J gegeben an zeitlichen Gütern, das iſt von GOtt 


zur Noth⸗ 


nur zur Leibes⸗-Nothdurfft geſchaffen, dar⸗ 


| 


7 


{ 
“ 


— MD: was GOtt gefehaffen, und dem Menfchen 


durft. zu wirs auch allein gebrauchen fallen, und alles von 


GOtt nehmen mit Danckfagung, mit SurchtundZits | 
Keichtbum tern. Iſt etwas uberley, Gold und Silber, Cpeis 


feine Pro und Tranck, Kleidung, rc. fo iſt alles dem Menfchen 
be des Men⸗ Een: * 2 20% 
fhen. zur Probe vorgeftellet, wie ex ſich Damit erjeigen, und 


damit umgehen will, od er GOtt wolle anhangen, und 


allein auf die unfichtbaren himmliſchen Güter ſehen, 


und fich in GOtt erfreuen; oder ob er von GOtt 


abgefallen, und fich in Die zeitlichen Lüfte und irdiſche 


er 


Welt begeben, das irdiſche Paradies mehr lieber, denn 


das himmlifche, 


Darum hat GOtt dem Menfchen der zeitlichen | 


Der 
Menfhhat Dinge halben eine freye Wahl geleget, und probiz 


u vet ihn durch Reichthum, durd) hohe Gaben, durch 
sung. Ehr und Bunt, wie feſt ee an GOtt halten wolle, ob 


er fich auch dadurch von GOtt wolle laffen abwenden, 

ob a in GOtt, oder auſſer GOtt, mit GOtt, oder wis 

der GOtt leben wolle, und alsdenn nach feiner eigenen 

Wahl gerichtet würde, und Feine Entichuldigung hatte, 

esift ihm wie Mofes fpricht 5.3. Moſ 30. v. 19. Siebe, ich 


gehen 4 nehme heut Himmel und Erden zu Zeugen, daß ich 


Isatı euch vorgeleger babe den Segen und Sud) das 


eben 


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— KAERSTERIEEIITHN IEEHTNT 


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Das Erſte Buch, Cap. XVII. pag. 98° 


Hier if zu fehen ein brennend Licht auf einem Leuchter, um 
welches ein paar Nachtfalter oder Licht-Muͤcken herum fliegen, 
welche, wenn fie dem Licht zu nahe kommen, fich verbrennen, 
ie unten am Leuchter ſchon eine liegt, die fich, weil fie dem 
Licht zu nahe fommen, verbrannt hat. Hiemit wird abgebils 
det, daß gläubige Ehriften der Welt zwar gebrauchen koͤnnen, 
aber ihr nicht zu nahe kommen müffen, dag ift, fie nicht miß» 
brauchen noch lieben follen, als wodurch man dag ewige Leben 
wieder verfchergen Fan. 


1. Sorinth. 7. verſ. 3r. 


Die diefer Welt brauchen, ſollen derfelbigen nicht 
mißbrauchen; denn das Weſen in diefer 
Melt vergeber, 

Sen bift du GOttes Gnaden-Kind geworden, 
Und haftvon ihm ein unbefchrändktes Heil; 

So bift du nicht mehr in der WBeltling Orden, 
Und haft mit ihnen hier Fein Erbe Theil, 
Dubift ein fremder Gaft auf Erden, 

Und walleft durch die Zeit, 
Nicht ohne Schmach, und Armuth, und Befchwerden, 
Den ABeg zur Ewigkeit: 
- Dein Bürgev, Necht, dein Daterland, 
Sind dort in jenem Reben, 
Da wird dein Königlicher Stand 
Sich erftlich zu erkennen geben. 
Dort, dort ifE dir dag Erbe beyaeleget, 
Das unbefleckt und unverweslich iſt, 
Der Krans, der nie verwelckt, fich nie verträget, 
Der Schat, den weder Roſt noch Motte frißt. 
So wache nun, und fiehe ja wohl zu, 
Daß du diß theure Kleingd nicht verſchertzeſt, 
Noch mitderabgefagten Feindin deine hub 

Und Seligkeit, der Weit, dic) zu vertraulich herkeft, 

Laß dir Fein irdifch Gut die Augen blenden, | 
So wirft dureich an Himmels-Gütern ſeyn; 

Fleuch zeitlich Ehr und Luft, fo wirdauch Schand und 

ei 


n 
Auf ewig dis den Ruͤcken wenden, 


" ifE nicht in diefer Welt. 09 


Leben und Tod, daß ihr das Keben erweblen fol- 
let, und den Segen überbömmen, . 

Darım ſtehen alle Dinge in diefer Welt vor un⸗ usertunie 
fern Yugen , nicht um Wolluſt und Ergesung willen, wär sar 
fondern als eine vorgeftellte Probe, daran wir uns leicht Bm ” 
vergreiffen koͤnnen, wo wir das hoͤchſte Gut fahren laſ⸗ den, fon 
fen: Denn das alles ift der verbotene Baum mit fein ninie 
nen Fruͤchten, davon wir nicht eifen füllen, das ift, ung der Goites 
nicht geläften laſſen dieſe Welt, alſo, daß wir unſers lorcht. 
Hertzens Luſt und Freude daran haben; wie denn ietzo 
die gantze Welt thut, die ihre Wolluſt im Zeitlichen ſu⸗ 
chet zur Ergetzung ihres Fleiſches, mit koͤſtlicher Speiſe 

und Tranck, mir koͤſtlicher Kleidung und anderer its 
diſchen Freude, welches die meiſten Leute von GOtt ab⸗ 
wendet. 

Daargegen die Chriſten ſollen gedencken, daß fieein Chriß 
hier Pilgrimme und GOttes Gaͤſte ſeyn; darum Ne a ice 
nor follen zum Nothdurfft, und nicht zur Wolluſt dasan ver 
Zeitliche gebrauchen: GOTT fol allein unfere Luſt Welt. 
und Freude feyn, und nicht Die Welt. Iſts anders, 
fo thun wir Sünde, und effen täglich mit der Eva Br Cult 
von dem verbotenen Baum durch die bofen Külke kanue m 
Chriſten haben ibre Luſt nicht an der irdiſchen Baum 
Speife, fondern ihre inwendige Augen find gerichtet 
auf die ewige Speife: Chriſten prangen nicht mit 
den irdifchen Kleidern, fondern fehnen ſich nach der 
himmlischen Kleidung der Klarheit GOttes, und | 
‚Der verklarten Leiber. In diefer Welt iſt alles den Ageaymas 

Chriſten ein Creutz, eine Verſuchung, eine Anrei-" el 
Kung zum Bofen, ein Gifft und Galler Denn was pen Ehrfe 
nm Menſch mit Luft anrühret und braucher zur Erge⸗ ken ein 

Kung des Fleiſches, ohne Furcht GOttes, das ift der — 
Seelen ein Gifft, obs gleich dem Leibe eine Artzeney 
und gut zu ſeyn ſcheinet. Aber niemand will den 
verbotenen Baum mit ſeinen Fruͤchten kennen ler⸗ 
nen: iedermann greifft mit groſſer Begierde nach 
= verbotenen Luft des Fleiſches; Das ift der verbotene 

num, 


G 3 Wer 





100 B.1.€,17. Der ChriftenBüter und Erbe 


Ein Ehrift Wer nun ein rechter wahrer Chriſt iſt der brauchet 

brauchtab alles mit Furcht, als ein Saft, und fiehet ſich wohl für, 

Sucht. daß er GOtt, als den oberfien Haus⸗Vaͤter, m mit Eſſen 

und Trincken, mit Kleidern und Wohnungen, oder mit 

dem Gebrauch zeitlicher Dinge nicht erzuͤrne, und feine 

Mit⸗ Gaͤſte beleidige; huͤtet ſich fur dem Mißbrauch, 

und ſiehet immer mit dem Glauben ins ewige, zukuͤnff⸗ 

tige und unfichtbare Weſen, da die rechten Güter feyn: 

Denn was hilffts dem Leibe, wenn er lange feine Wol⸗ 

luft in diefer Welt gepflogen, darnach frefien ihn Die 

Wuͤrmer? Gedendfer an den heiligen Job, da er 

gos.var. ſprach: Ich bin nackend von meiner Mutter Leibe 

kommen, nackend muß ich davon. Wir bringen 

nichts mit, denn einen nacfenden, dürfftigen, ſchwachen 

und bloͤden Leib: Alſo muͤſſen wir wieder hinaus in 

jene Welt, muͤſſen auch unſer Leib und Leben hinter uns 

laſſen, koͤnnens nicht mitnehmen. 

Ehriftens Was wir nun von der Siunde der Geburch an 
Brov ih, big in die Stunde des Todes in dieſer Welt empfanz 
Drod. gen haben, an Epeije, Tranck, Kleidung und Woh⸗ 

Pa trip nung, ift alles Panis ——— & doloris, das Gna⸗ 
Me gig denz und Schmertzen-zBrod geweſen, und die biajfe 

reich · Nothdurfft des Leibes; muͤſſen alles dahinten laſſen 
Tim.c. In Der Stunde des“ Todes, und drmer von binnen 

vr. . feheiden, denn wir berein kommen: Denn ein | 

denſch ſürbt aͤrmer, denn er gebohren wird. Wenn 

er in die Welt koͤmmt, bringet er ja noch Leib und 

Seele mit, und iſt alſobald ſeine Decke, Speiſe und 

Wohnung da; aber wenn er ſtirbt, muß er nicht al 

lein das (afien, fondern fein Leib und Leben dazu. 
Kelten Wer ift nun arıner, wenn er ſtirbt, denn dev Menſch? 
Dan 4 Iſt er aber nicht reich in GOtt, wie koͤnte eine aͤrmere 

sun  Ereaturfeyn? 

Weil wir denn nun Sremdlinge und Gafte feon, 
und alles Zeitliche weiter nicht gehet, denn zur Er⸗ 
haltung des ‚todtlichen Leibes, was plagen und. bez, 
ſchweren wir denn unfere arınd Seele damit ? Denn 
nach dem Tode iftes uns nichts mehr nuße, ae 
30 wel 








iſt nicht in diefer Melt. 101 


welch eine Thorheit iſts, ſo viel Güter für einen armen Geitz ik 
tödtlichen Leib. fammlen, welche du doch in der Welt a 
laſſen muſt? Luc. ı2.0.20.21. Weiſt du nicht, daß" 
eine andere beffere Welt ift, daß ein ander beffer Leib 
und eben ift, Denn dieſer toͤdtliche Leib und elend zeitli⸗ 
ches Leben? Weiſt du nicht, daß du ein Gaſt und 
Sremdling vor GOtt bift? MM. 39. 0.13. Vor 
mir, ſpricht der HErr, vor meinen Augen, wiewol ihre 
nicht gedenchet und meynet, 3. B.Moſ. 25.9. 23. 
Weil denn nun der, HErr fügt, wir find Gaͤſte Betrach⸗ 
‘und dremdlinge, fo muß notwendig andersivo unfer Kerle 
Vaterland feyn: Das findet fich, wenn wir betrach- und Eiis 
ten die Zeit und Croigkeit, die fichtbare und unfichtbare Fr mapeie, 
Belt, die irdiſche und himmliſche Wohnungen, das heit. 
tödliche und untoͤdtliche Weſen, Das vergangliche 
und unvergaͤngliche, das zeitliche und ewige Weſen. 
Wenn wir Diefe Dinge gegen einander halten, und 
betrachten, fo wird unfere Seele gelautert, und wir 
fehen mit dem Glauben viel Dinge, die da von allen 
denen unerkannt bleiben, die folche Betrachtung nicht 
haben; Die füllen ſich mit irdifchen Kotly dieſer Welt, 
weltzen ſich darinnen, vertieffen fich in ihren weltlichen 
"Sorgen, Geiß und Wucher, Die find blind an ihren 
Seelen, ob fie wol in zeitlichen Dingen noch fo ſcharff⸗ 
' fichtig feyn. Denn fiemeynen, eg fen keine edlere und Die Welt 
beſſere Freude, Eein edler und beffer Leben und Weſen, dan nt 
denn in diefer Welt; die doch den wahren Ehriften Janmers 
nur ein Exibum und Jammerthal ift, ja eine finftere and 
Grube und tieffer Kercker.  Greuße 
Darum auch diejenigen, die dieſe Welt lieb ha: ee 
ben, und ihr ‘Paradies darinne fuchen, ‚die Fommen pimmtirhe 
uber den viehifchen Verſtand nicht, fahren Davon Sedanden 
"wie ein Diebe, Pſ. 49.0. 21. find blind am innern eye 
Menſchen, haben Feine himmlifche Gedanken , koͤn⸗ dem viehir 
nen ſich in GOtt nicht erfreuen, freuen fich nur im rag 
Dreck dieſer Welt, darinn ift ihre Ruhe, wenn fie das 
haben,foift ihnen wohl; Das find rechte Vieh⸗Men⸗ 
fhen. Ach die elenden blinden Leute! fie ſitzen im 
| & 3 Sins 


ide DB. L.E,a7. Der Chriften Büter und Erbe 


Sinfferni und Schatten des Todes, Luc 1.d, 79. 

und fahren in die ewige Finſterniß. 
Und damit wir wohl lernen mögen, daß wir 
Fremdlinge und Gaͤſte in dieſer Welt ſeyn, ſollen wir 
auf Das Exempel CHriſti ſehen, und ihm nachfolgen, 
Coriaus feiner Lehr und Leben: Derſelbige it unſer Vorgaͤn⸗ 
an 11, ger geweſen, unfer Eremplar und Vorbild, dem follen 
fer Zei. Chriften begehren gleichformig zu werden. Siehe die 
Leber und Leben Chriſti an, fiehe, Der mar Der 
edelſte Menſchi in der Weit; was war. aber fen Le⸗ 


ben? Nichts anders denn eitel Armuth und Verach⸗ 


tung der weltlichen Ehre; Luft und Guter: 
Quæ tria pro trino Numine mundus habet. 


Das it: welche drey Die Welt vor ihren Dreyfachen 


Dit hält. 


Sagt er nicht felbft: Des Menſchen Sohn bat 


nicht ſo viel, da er fein haupt binlege? M atth. 8, 
dert. 20. 


An: —* Siehe an den David, wie arm, verachtet und 


vi h 


* verfolget er war, ehe er zum Koͤnigreich kam: Und 


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keit im als er König ward, hat er alle feine Königliche Ehre 


Himmel. 


und Wuͤrde ſo hoch nicht geachtet, als die Freude des 
Vj.24. v. 2. ewigen Lebens, wie er im ga. IM. v. 2. ſpricht: Wie 
lieblich find deine Wohnungen, are Zzebaoth! 
meine Seele verlanget und ſehnet ſich nach den 
Vorhoͤfen des HErrn. Wein Leib und Seel 
freuet ſich in dem lebendigen GOtt. Kin Tag 


in dei nenDor böfen iſt beſſer denn fonfttaufend.c. 


Sch habe ja Land und Leute, aud) eine Königliche 
Wohnung, die Burg Sion: aber es iſt nichts gegen 
Deine liebliche ahnung. So thaͤt auch Job, da 
er ſich ſeines Erloͤſers troͤſtete, Job. 19. v. 25. 
Wie die  Giche an Petrum, Paulum, und alle Apoſtel, 
ln . wie ſie ihre Güter, ihren Reichthum nicht in diefer, 
kebet. _ fondern in der kuͤnfftigen Welt gefucht haben; wie fie 


das edle Leben CHriſti an fich genommen, gewandelt. 


in feiner Liebe, Sanfftmuch, Demuth und Gedult, 
wie fie diefe Welt verſchmaͤhet haben. Hat ihnen 
einer 


iſt nicht in diefer Welt. 103 


einer geflucht, fie haben ihn Dafür gefegnetz hat fie 
jemand gefehmahet, fie haben ihm dafuͤr gedancket, 
1,691.4.0.12. Ap. Geſch. 5.2.41. Hat fie iemand 
verfolgst, fie haben GOtt dafür gedienet: hat. fie ie⸗ 
mand gegeiffelt, fie habens mit Gedult gelidten, und ges 
fagt: Wir müffen durch viel Teubfal ins Reich 
Gottes eingeben, Ap. Geſch. 14.0. 22. und, bat 
fie jemand getodtet, fie haben für fie gebeten, und mit ih⸗ 
vom Erlofer gefagt: Vater, vergiebs ihnen, rechne 


ihnen diefe Sünde nicht zu, Ap. Geſch. 7. v. 59. So Die Heili— 
gar find fie abgeftorben dem Zorn, der Rachgier und Wehed mer 
Bitterkeit, dem Ehr⸗Geitz, der Hoffart, Der Liebe dieſer ihnen ſelbſt 
Reit, und ihres eigenen Lebens, und haben gelebt in beſtorden. 
C⸗Hriſto, das ift, in feiner Liebe, Sanfftmuth, Gedult 
und Demuth. Die find recht in EHrifto lebendig 
worden im Glauben, die alfo leben. 

Bon Diefem edlen Leben Cärifti Eönnen die 
Welt⸗Kinder nicht viel wiffen, Denn Die in CHriſto 
nicht leben noch willen, daß in CHriſto ein rechtſchaf⸗ 
fen Mefen fep, Eph. 4.0. 21. die find todt in Sünden, Were Kin 
in ihrem Zorn, Daß, Neid, Geis, Wucher, Hoffart der Rıd 
und Rachgier; und ſo lange ein Menſch Darinnen bfeiz Sünven. 


bet, thut er nimmer Buff wird nimmermehr in EHrifto 
lebendig durch den Glauben, er gebe es auch ſo gut 


vor, als er immer wolle: Die wahren Chriſten aber 


wiſſen, daß ſie in die Fußſtapffen ihres Erloͤſers treten 


muͤſſen, 1. Petr. 2. v. 21. und fie haben ſein Leben zum Chriſti Le⸗ 
urbilde, und ihr Buch iſt CHriſtus ſelbſt, fie lernen Ai Ei das 
eine Lehr und Leben von ihm, da heiſt es: In EAsrifko Epriten, 
iſt ein rechtfchaffen Leben. 

—* Omnia nos Chrifti vita docere poteſt. 

Das iſt: Das Leben Cehriſti Fan uns alles lehren. 
Die fprechen mit den Apoſteln: Wir ſehen nicht auf 
das Sichtbare, fondern auf das Unfichtbare: 
Denn was fichtbar ift, das iſt zeitlich, was un⸗ 
fichtbar ift, das iſt ewig, 2. Cor. 4.0. ı8. Item: 
Wir haben bier Feine bleibende State, fordern 
die zukuͤnfftige ſuchen wir, Hebr. 13, v. 14. 
S 4 So 


104 B. I. C. 17. Der Ehriften Büter und Erbe 


So wie denn nun Fremdlinge und Gaͤſte in dieſer 

Welt ſeyn, und hier keine bleibende Statt haben, ſo 

muß ie daraus folgen, daß wir nicht um dieſer ſicht⸗ 

baren Welt willen erſchaffen ſeyn: Darum iſt dieſe 

— 5 Welt nicht unſer rechtes Vaterland und Eigenthum, 

ab MIT wiſſen cin beſſers und edlers, um welches willen 

Valerlaud. wir lieber ſolten vo Welt verliehren, ja Leib und Leben, 

daß wir jenes behalten moͤchten. Darum freuet ſich 

ein Chriſt dieſer Erkaͤnntniß, Daß er reich moͤge in GOtt 

werden, und daß er zum ewigen Leben erſchaffen ſey. 

Gebet doc), wie elende und verblendete Leute die Welt⸗ 

Narren ſind, welche Thorheit ſie in der Welt begehen, 

daß fie Ihre edle Seele um des Zeitlichen willen bez 
ſchweren, ja wohl gar verliehren, ıc. 


Gebet. 


Gerr mein EDtt, die vergaͤngliche Nichtigkeit aller zeitlichen 
Dinge, ſamt der kurtzen Zeit, die wir haben, dieſelbe zu ge⸗ 

. brauchen, die geringe Bergnügung, die, der Gebrauch felber ung 
geben fan, folten mich ja antreiben, geringe Gedancken davon 
in meinen Hertzen zu haben, und um Genieß oder Verluſt ders 
felben mich nicht groß zu bemühen: Ja die Gefahr, die meiner 
Seelen aug unorvenilihem Gebrauch derfeiben entfichen Eon, 
felte mich anmweifen, fo mit geitlichen Dingen umzugehen, wie ich 
thue mit Seuer, Pulver, oder dergleichen Sachen, davon ich 
leicht beſchaͤdiget werden fan. Aber, mein GOtt, wie offt vers 
geſſe ich dieſes alles, und forge, arbeite, ftreite, alg wenn meine 
Scligkeit allein in Beſitz, und meine Unfeligkeit in Verluſt zeitlis 
cher Dinge beftünde. Vergib mir, o getreuer Vater, dieſe unbefons 
nene Vergeſſenheit, und gieb mir deine Gnade , ſtets zu bedencken, 
Pſalm 39. daß ich hier dein Pilgrim, dorten aber dein Bürger fen, daß ich 
*24 dieſes Leben nicht anders anfche, als einen Weg. den ich gehe 
zum bimmlifchen Vaterlande; Daberin Hoffnung der zukuͤnff⸗ 
tigen Berbeiffung mich wohl begnuͤgen laſſe, ob ich aleich als ein 
Haft — — z auf Erden Ungemach mit dem Volcke GOt⸗ 
hal.4v. as. tes leiden muß, und warte ſtets auf die Stadt, die einen Grund 
bat, deren Baumeifter und Schöpfer du GOtt bift, eile ſtets 

nach dem himmliſchen Jeruſalem, das droben ift, bier auf der 
Wallfahrt aber mich mit unnoͤthigen Dingen nicht beläftige,oder 

xim, g, dadurch an meinen Lauff aufhalten laffe. Colteich auch dar⸗ 
14. nach gaffen, ſo laß deinen Geiſt mich treiben, zu vergeffen, was 
3023. dahin en bleiben muß, und mich zu ſtrecken nach dem vorgefteche 
ten Ziel. Ach wie Fan eine iegliche Creatur mir fo leicht — 

werden! 


Hebe ır, 
de IO, 12, 5, 


. 













































































































































































































































































































































































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Das mindeste | | 
ruhrt — * Ph 


INN 
HIN 


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Das Erſte Buch, Cap. XIIX. pag. 105 
Hier iſt eine runde Kugel, ſo auf der Erden liegt, aber doch 
mit ihrem mindeſten oder wenigſten Theil die Erde beruͤhret: 
Alſo machen es auch glaͤubige Chriſten die, ob ſie gleich auf der 
Erden leben, und der Creaturen zur Nothdurfft gebrauchen, ſo 
hängen fie doch ihr Hertz nicht daran, und trachten nicht nad) 
dem Ssedifchen, fondern nur meiftentheilg nach dem, das dro⸗ 
ben ift, oder nad) dem Himmlifchen. 


Coloſſ. 3. verf. 2. 


Trachtet nach dem, das droben ifE, nicht nach 
dem, das auf Erden ift. 


En Menſch aus GOtt gebohen, 
Zum Erben feines Reichs erfohrn, 
Nachdem er in dem HErren zugenommen, 
Iſt, wie ein wohlzgerathnes Kind, 
Gleich feinem Vater vsllenfommen 
Und bimmelifch gefinnt. 

Er laͤſt fich nicht an das, mas fichtbar, hefften, 
Sieht ſtets in allen Handeln und Gefchäfften 
Den Himmel, feineLuft und Hoffnung, an; 

Und ober gleich der Ereatur gebrauchet, 

So weiß er doch, daß fie im Huy verrauchet, 
Und hangt dermegen nie das Hertze dran. 

Er ift mit Lieb und Huld nur feinem GOtt verpflichtet, 
Er ftehe ftil, 

| Er wende fich, wohin er will, 
So iſt fein meiftes über fich gerichtet. 
Das mindfte rührt die Erd. O Welt-Kind,zeuch 
den Sinn 
Des Heilands an, 3 wirff, was irdiſch, von 
ir hin! 
Wie lange wilſt du ir der Hölen- Flammen 
pielen, 
Und waͤltzen dich in ſchnoͤder Fleiſches⸗Luſt? 
Hör auf, es wird fich ſonſt Gedult in Grimm verkehren, 
Und, wie das Feur die Stoppeln, Dich verzehren. 


iſt nicht in der Welt. «05 


werden! Darum gerfeihe mir, du getreuer Menſchen Hüter, 

daß ich vorfichtig wandele, alle Dinge diefer Wlt in hetiger 

Furcht und Zittern gebrauche zu deinen Ehren. Vor allen gieb 

mir, alg einem Fremdling und Pilger, mich zu enthalten von de- 1. Petr. 2. 
nen Aleifchlichen Lüften, welche wider die Seele ſtreiten, und zu v. I. 12, 
führen einen guten Wandel unter den Heyden, auf daß die, fo 

Bon mir affterreden, als vom Ubelthäter, meine gute Wercke 

fehen, und GOtt preifen, wenns nun an ben Tag kommen 

toird ! Amen. 


Das XVII. Capitel. 


Wie hoch GOtt erzuͤrnet werde, wenn 
man das Zeitliche dem Ewigen vorzeucht; 
und wie, und warum wir mit unſerm Hertzen 
nicht an den Creaturen bangen 
ſollen. 
. BMef.ır. v. 1. Der HErr zuͤndete ein Feuer 
unter ihnen an, das verzehrete die aͤuſſerſten 
. Köger, 
Je Kinder Iſrael murreten wider Mofen, und 
wprachen: Wer will uns Kleifch su eflen 
>> geben? Wir gedencen an die Zifebe und 
Rürbis ir Egypten. Dadurch werden uns vorge 
bildet die Leute, fo bey dem Evangelio nur weltliche Kennzei⸗ 
und fleifchliche Dinge fuchen, Neichtyum, Ehre und Eryın“ 
Wolluſt, und mehr Fleiß anwenden, wie fie reich werz und mh 
den, denn wie fie felig warden moͤgen; baben lieber ve Cori⸗ 
die Ehre bep den Menſchen, denn die Ehre bep keur 
GOtt, Joh. 12.0.43. Suchen mehr des Fleiſches 
Luſt, denn des Geiſtes Armſeligkeit und Zerſchlagen⸗ 
heit. Dagegen iſt die Probe eines wahren Chriſten, 
daß er mehr ſorget fuͤr ſeine Seele, denn fuͤr ſeinen 
Leib, ſiehet auf die kuͤnfftige Ehre und Herrlichkeit mehr, 
denn auf die zeitliche Ehre; Er ſiehet mehr auf das 
Unſichthare, das ewig iſt, denn auf das Eichibare, 
ſo vergaͤnglich iſt: Er ereugiget und todtet fein Fleiſch, 
auf daß der Geiſt lebe, | | 
| Und in Summa, das ift das ganke Chriſten⸗ 
thum, EKrifte unferm un nachfolgen. Summa 
| 5 * reli- 


106 9.1.8. 18. Das Zeitliche dem — 


religionis eſt, imitari eum, quem colis, fagt Au 
nus: Das iſt, die Religion beſtehet vornemlich dar⸗ 
innen, daß du demſelben nachfolgeſt, welchen du ehreſt 
und dieneſt. Und Pleto hats aus Dem Lcht der Nas 
tur verfranden, und gefügt: Perfedio hominis confiftie 
in imitatione DEI. * Das ift, die Vollkommenheit des 
Menfchen beficher in der Nachfolge GOttes. ** Go 
CHriſtns foll nun CHriſtus unfer HErr unſer —5 ſeyn, und 
nn, die Richtſchnur unſers gangen Lebens, dahin unſer 
und En. Hertz, Sinn und Gedancken ſollen gewendet ſeyn, 
mie wir zu ihm Eommen, Durch ihn felig werden, und 
ewig mit ihm leben mögen, daß wir unfers Endes 
} mit Freuden mögen warten, 
Ne: fol Das muß nun alfo gefhehen, daß alle unfere 
— Arbeit, Handel, Wandel, Beruff im Glauben ge 
erheben. hehe, in der Liebe und Hoffnung des ewigen Lebens; 
i Oder noch deutlicher, daß in allen Dingen, was man 
thut, des ewigen Lebens und der ewigen Seligkeit 
nicht vergeffen werde, 
Weitttte. Durch Diefe Gottesfurcht waͤchſet in einem Mens 
buch den ſchen eine heilige Begierde des Ewigen, und wird die 
gscämpriet. groſſe unerſaͤttliche Begierde des Zeitlichen gedaͤmpffet. 
&L3,0.77. Das lehret Sanct Paulus fein in dem artigen 
GSprüchlein, Col. 3.0.17. Alles was ibr thut mit 
Worten und Wercken, das thut im Namen des 
Errn JEſu, und dander GOtt und dem Das 
‚ter durch ibn. 





GoOttes tun heiſt GOttes Name GOttes Ehre, Ruhm, 
Name. Lob und Preiß, Pſalm a8. verſ. 11. GOTT, Fa 
ein 





* Die Meynung ift nicht, daß derienige, welcher diefe hoͤchſte 
Vollkommenheit der Nachfolge nicht erreicher, deswegen 
aus dem Buche der Lebendigen aus getilget werde ; fonderm 
CHriſtus wird ung zum Surbild und Mufter, nad) dem wir 
ung richten muͤſſen, vorgeſtellt jedoch fo, daß, wo wire nicht 
allerdings erreichen fönnen, wir unfere Schwachheit erfenz 
men, und CHriſti Verdienſt fuchen. 

x Wir werden zur Vol kommenheit angemahnet, nicht aber 
gelchret, daß wir diefelbige in diefer Welt vollkoͤmmlich er⸗ 
reichen konnen. Varen. 


nicht vorzuziehen. 107 


— 


dein Name, ſo iſt auch dein Ruhm bis an der 

Welt Esde. Wenn wir dahin al unſer Thun und 

geben richten, fo if es ins Ewige gerichtet, und find 
die Wercke, die in GOtt gethan ſeyn, Joh. 3.0. 2 1. Job. var. 


Dienb. 
und die uns nachfolgen nach unferm Tode, Offenb. Fin 
Sabina. 0.13.47 v.2, 


Summa wir muͤſſen GOtt in allen Dingen für 
chen; das höchfte Gut und das ewige Leben, wollen 
wir GOtt und Das ewige Leben nicht verliehren. Das 
lehret uns aud St. Paulus fein, 1. Tim. 6. v. ıı. 
er uns für dem Geis warnet, und ſpricht: Du Got- ı. Tim. 6. 
tes Menſch, euch daſſelbige. Nennet den Chri⸗ gores 
ſten einen Gottes⸗Menſchen, darum, dab er aus Menfh 
-EDE gebahren, in GOtt und nach GOtt lebet, en 
Gottes Kind und Erbe Hi: Wie ein Welt⸗Menſch 
ift, Der nach Dev Welt lebet, und feinen Theil in die— 
fer Weit bet; den Gore den Bauch füller 
mit feinen Guͤtern, Dfaln ı7.0.14. Das follein 
Chriſten⸗Menſch fliehen, und nachjagen dem Glau⸗ 
ben, der Liebe, und ergreifen Das ewigeXeben, darzu er 
beruffen iſt. 
Wo nun dieſes nicht geſchicht, da wird eine groſſe 
Suͤnde begangen, die GOtt mit dem ewigen hoͤlli⸗ 
ſchen Feuer ſtrafen wird, welches uns die Hiſtorie 
vorbildet: Da die Kinder Iſrael die Bauch- Fülle 
ſuchten, zuͤndete GOtt ein Feuer unter ihnen an, 4 B. Moſ 
‚welches ihre Laͤger verzehrete. Iſt ein wunder" "= ſeq. 
lic) Feuer geweſen, ein Rach⸗Feuer, und iſt der Zorn 
GDites und fein Eifer gewefen. 
Wenn wir nun ſolche Strafen fehen, es ſey zorn 69% 
euer, Waſſer, Krieg, Hunger, Peſtilentz, fo füllen — —— 
ie nur nicht anders gedencken, denn daß es GOites a. 
Zorn ſey, allein daher verurſachet, daß man nur das 
Zeitliche ſuchet, und das Ewige vergißt, das Zeitliche 
dem Ewigen vorzeucht, mehr den Leib als fuͤr die 
Seele ſorget; welches die hoͤchſte Undanckbarkeit und 
Verachtung GOttes iſt, ſo er zeitlich und ewig ſtra⸗ 
fen wird. Denn ein ieder bedenck es ſelbſt, ob Das mat 
ie 


| 108 B.1.8.18. Das Zeitliche dem Ewigen 
Groſſe Uns die höchfte Undanckbarkeit fey, den Ewigen, Allmaͤch⸗ 


it und igen Gtt, von dem einer Leib und Seel hat, hinte 
Berad» am feßen, und die ohnmachtigen Creaturen ihm zum 
OR Abgott machen? Iſt es nicht die höchfte Verachtung 
Gsottes, die Creaturen mehr lieben denn den Schoͤpf⸗ 
fer? Dem Dergänglichen mehr anhangen, denn dem 
AR Unvergaͤnglichen? 
e Hat OB GOtt der HErr die Creaturen und 
erfhafen, Alles geittiche geſchaffen zu unferer Nothdurfft, aber 
MET EI URL zu dem Ende, Daß wir daran bangen füllen mit 
De en unſerer Siebe; fondera daß wir GOtt in den zeitlis 
folien. chen Freaturen ſuchen und erkennen füllen, und den 
Schöpffer mit unferer Liebe und Hertzen anhangen: 
Das iſt, die Fresturen find allein GOttes Fußſtapf⸗ 
fen, GOttes Zeugen, die ung zu GDtt führen follen, 
fo bfeiben wir an denfelbigen bangen. 
Aus det ° Nas wird aber endlich aus ſolcher Welt⸗Liebe, 
ee darinnen GOtt nicht iſt? Nichts anders denn Feuer 
Farer zu und Holle, wie das Exempel Sodom und Gomorra 
Sodom. bezeuget, 1. B. Moſ. 19. v. 24. und dis Vorbilde, daß 
der HErr ein geuer unter ihnen ans zůndet, welches 
ein Spiegel iſt des ewigen Feners und Verdammniß 
Wos die Es ſind die Creaturen GOttes alle gut, wie fie 
Ges Ott geſchaffen; aber wenn des Menfehen-Herk dar⸗ 
und Such an hanget, und diefelbigen gleichfam zum Abgott mas 
mat. chet, fo Sind fie dem Fluch unterworffen, und ein Greuel 
vor GOtt: Wie die guͤldenen und ſilbernen Goͤtzen dar⸗ 
an das Silber nd Gold gut iſt; aber der Greuel, der 
dran hanget, machet es zum Fluch, und daraus wird 
Das ewige Feuer, und die ewige Pein. 
Summa, ein Chriſt muß fein Hertz Liebe, Luſt, 
Reichthum und Ehre im Ewigen haben, darauf folget 
das ewige Leben; denn wo dein Schatz iſt, da iſt 
dein Hertz, Puc.ı2.d. 34. Matth. 6.0. zı. Aus der 
öruche der Liebe und Luft dieſer Welt Ban nichts anders fommen, 
elt Liebe denn ewige Verdammniß. Denn die Welt verges 
bet mit ihrer Luft, wer aber den Willen GOttes 
thut, der bleibet in Kwigkeit, .Johann. 2.0.17 
Darum 








> nicht vorzusieben. 109 





Darum faget Sohannes ı.%0h. 2. v. 15. Aieben 1.Joh a. 
Vindlein, habe nicht lieb die Welt, noch was in" ' 

der Welt ift. Lehret uns damit, Daß GOtt nicht 
haben will, daß wir einige Creatur lieben follen, 
Urſach: RER & 

ı. Denn die Liebe ift das ganke Herb Des Warum 
Menſchen, und der edelfte Affect, Darum gebuhrei ee 
diefelbige GOtt allein, als dem edelften und höchiten ven. 
Bu. _ 

2, So iſt es auch eine groffe Thorheit, dasjenige 
-fieben, fo uns, nicht kan wieder lieben: Das zeitliche, | 
ohnmaͤchtige, todte Ding hat Feine Liebe zu uns, darum 
ift es vergeblich, daß wirs lieben. Vielmehr ollen wir 
SGDtt von Harken tiber alle Ereatur lieben: denn er 
liebet ung alfd, daß er uns zum ewigen Leben gefchaffen, 
erlofet und geheiliget hat. | 

3. Es it natürlich, daß ein teglicher feines gleichen Warum 
liebet: GOtt hat dich darum zu feinem Gleichniß und nen 
Bilde gefcharfen, Daß du ihn und deinen Naͤchſten lier Zide ges 
ben folteft. | ſchaffen. 

4, Unſere Seele iſt wie ein Wachs, was man Des Men: 
hinein druͤcket, deß Bild behälts: Alſo fol man SHOrz Fer Serte 
tes Bild in deiner Seelen fehen, wie in einem Spie= Spiegel. 

- gel, wo man ihn hinwendet, das fichet man Drinnen, 
Wendeſt du einen Spiegel um gegen den Himmel, fo 
ſieheſt du den Himmel drinnen ,. wendeft du ihn gegen 
Die Erde, ſo fteheft da die Erde darinnen: Alſo deine 
Seele, wohin du Diefelbige wenden wirft, defjen Bild 
wied man darinnen ſehen. > 

5. Da der Erg- Pater Jacob in fremden Landen ı. 8. Mof. 
war, in Mefdpotamis, und Dienete vierzehen Jahr um 3% v 17. 
feine Leider, und ſechs Fahr um feinen Kohn, find 
zwantzig Jahr; war doch immer fein Hertz gefinnet, 
wiederum heimzuziehen in fein Vaterland, wie er - 
auch endiich that: Alſo, ob wir wol in Diefer Welt Wohin uns 
ſeyn und Leben muͤſſen in unferm Amt und Beruff, ſoll Krrgnpor 
Doc) unfer Ders immer gerichtet feyn ins himmliſche feon. 
ewige Vaterland. 


0 BLE. 18. Das Zeitliche dem Ewigen zc. 


Der Liebe 6. 2illes was ein Menſch hat, es ſey Boͤſes oder 
Frucht. Gutes, das hat er von dem, das er lieber: Sieber er 
GoOtt, fo hat er alle Tugenden und alles Gutes von 
GOtt; ‚lieber er die Welt, fo hat er alle Laſter und 
alles Hofes von der Welt. z 
Welt Liebe 7. Dader Koͤnig Nebucadnezar Die Welt allzu⸗ 
bh aus ſehr Itebete, verlohr er Das Bild des Menſchen, und 
enſchen re 21er re 

ein Vieh. ward in eine Beſtie verwandelt: Denn der Tert ſagt 
Dan.4. ausdrücklich: Zr fep wieder zu feiner vorigen Bes 
"a ſtalt kommen. Derohalben, fo muß er fe dverlohren, 
\ oder eine unmenfchliche Geftalt an ſich gehabt haben; 
Alfo verlieren alle Diejenigen das Bid GOttes aus ih⸗ 
rem Hertzen, die die Welt allgufehr lieben, und werden in⸗ 
wendig Hunde, Loͤwen und Baͤren werden gar ein Vieh. 
Dort wird 8. Summa / was ein Menſch in ſeinem Hertzen hat, 
das aa} dag wird Dorf offenbar werden, und das wird er auch 
ee behalten, entiveder GOit, oder die Welt; behält erdie 
Welt, ſo wird daraus eitel Feuer werden, wie diefer 

Typus oder diß Surbild vorbildet. 

Gebet. 
Mare. 10, Eiliger GOtt, der du biſt dag höchſte und einige Gut, von 
2.184 dem alles Gute / das wirfenwen, feinen Urſprung bat: Dich 
folte ich ja billig allein und über alies lieben, gegen Dir aeg 
Zeit: und Vergaͤngliche verfhmiähen. Allein ich bekenne und 
beflage, daß mein Hertz fo feſt an dieſer Welt, und was dieſelbe 
vorſtellet, hange: Darum muß mir auch vie Welt, die ich fo 
fehr liebe, zu Dornen, ja zum Feuer werden, und mich verune 
ruhigen, weil ich in deiner Liebe nicht die wahre Ruhe ſuche. 
So eiferſt du um meine Seele, du Karcher eiferiner E Dit, und 
wilt fiedadurch reiben, zu dir, ihrem rechten Manne, wieder 
Hoſ. 2. zu kehren, wenn du meine Wege mit Dornen vermacheſt, und 
2.6.7. eine Wand davor zieheſt. Go treibeſt du mich verlohrnen 
Lur.ıs. ‚Sohn, an meines Vaters Haus zu gedenken, wenn die ae 
2.15.16. Lichte Welt mir auchdie Säu-Träber verfaaet. Ah HERR, 
ng iR was ift ein Menfch, daß du ihn groß achteſt, und bekuͤmmerſt 
N dich umihn, du fucheft ihn töglich beim, und verſucheſt ihn alle 
Stunden! Mein GOTT, weil du noch un mich eiferft, gt 
denceft du an mid. Ach mache mich los ven alle dem, dag. 
dich zu eifern reigek, und gieb mir deine Gnade, dich über 
alles zu lieben, ſtets darnach zu ringen, daß ich deiner 
ewig genisffen möge, durch CHriſtum IJEſum deinen Sohn 
unſern HErrn! Amen. 

Das 








v 


eo IT 


Das XIX. Capitel, Mr 


Der in feinem Hertzen der Elendefte ift, 
der it bey GOTT der Liebſte: Lind durch 
Chriſtliche Erkänntni feines Elendes ſuchet man 

Dre Gnade. 
Efa. 66. v. 2. Ich ſehe an den Elenden, der 3er- 


brochenes Hertzens iſt, und der ſich fürchter 
J fuͤr meinem Wort. 






Eeſen Spruch hat der gnaͤdige und barmhertzige 
Kr ED ſelbſten durd) den Propheten Eſaiam 
SO ausgefpeschen , unfer betrübtes Has zu troͤ⸗ 
ften durch, fein gnadiges Anſehen. Coll dich nun gott fer 
GOtt gnadig aufehen, ſo muſt Du in deinem Hertzen bet nur die 
bei) dir feibft elende feyn, und Dich nicht werth achten Seen 
eines Göttlichen oder menfhlichen Troſts; fondern 
dich gar für nichts achten, und allein im Glauben 
CHriſtum anfchauen: 
Wbelcher Menſch fich noch für etrwas hält, der ift 
nicht elend in ſeinem Hertzen, und den fiehet auch 
GOTT nicht an. Daher fagt St. Paulus Balat. 

6. verſ. 3. Wer fich důncken laͤſt, er ſey etwas, 
da er doch nichts iſt, der betreugt fich ſelbſt: 
Urſach, GOTT iſt alles allein. Und wenn du 
GOTT vilt lernen erkennen, ſo muſt du nicht al 
lein wiſſen, daß ex alles allein ſey; fondern du muft 
es in Deinem Deren dafur halten, und an dir felbit 
beweiſen. 

Solt du nun daſſelbige mit der That beweiſen, daß ein Elen⸗ 
EOtt alles allein ſey fo muſt du in Deinem Hertzen —— fein 
nichts werden, fo Elein, fo gering, als waͤreſt du nichts, ee 
Wie der liebe David, als ihn feine Michal verach- 
tete, da er tangete vor der "Bundes ⸗Lade, ſprach er; 

Sch will noch geringer wesden in meinen Augen 2.@am. & 
wor den „ren, va, © 


Da 


112 Ba. C. 19. Der Elendeſte in feinem Hertzen 


Voraus Der Menſch, Der etwas feyn wiil, iſt die Materie, 
—— daraus GOtt nichts macht, ja daraus er die Narren 
mache. machet: Ein Menſch aber, der nichts ſeyn will, und 
fich für nichts haͤlt, if die Materie, daraus GOtt etz 
was machet, und herrliche weife Leute für ihm. Ein 
Menſch, der fich vor GOtt für den Geringſten ad)tet, 
für den Elendeſten, iſt bey GOtt Der Groͤſte und Herr⸗ 
lichſte; der ſich fuͤr den groͤſten Suͤnder haͤlt, iſt bey 
GOtt der groͤſte Heilige. 
GOTT Eiche, diß iſt die Niedrigkeit, die GOtt erhohet, 
aaa das Elend, das GOtt anfichet, und die Nichtigkeit des 
las. Menſchen, da GOtt etwas aus machet: Denn gleiche 
wie GOtt Himmel und Erden aus nichts gemachet hat 
‚zu einem herrlichen und wunderbaren Schau; alſo will 
erden Menfihen, der auch nichts iſt in feinem Hertzen, zu 
iwas herrliches machen. FE 
Aus der Sehet den David an, wie fahe GOtt fein Elend 
Ni tisfen an, nahm feine Niedrigkeit, und machte fo ein herrlich 
GSTT Üere daraus, Ingleichen den Jacob, der da Ipracht 
— Err, ich bin viel su gering aller der Wohltha⸗ 
” ten, die du mirerzeiget haft, 1.B.Mof. 32. v. 10. 
Sehet den HErrn IEſum an, wie GOtt aus ſei⸗ 
ner Niedrigkeit und aus ſeinem Elende, ja aus ſeiner 
Nichtigkeit, da er fuͤr uns ein Fluchund Wurmwerd, 
Pſ. 22 0.7. der Geringſte und Verachteſte unter 
den Menſchen⸗Kindern, Ein. 53. b. 3. fo groſſe Herr⸗ 
lichkeit gemacht. Zu —— 
Sehet einen Kuͤnſtler an, ſoll er ein Kunftftücke 
machen, fo muß er gar eine neue Materie haben, darz 
aus ers machet, es muß Fein anderer daran gefudelt ha⸗ 
ben: Alſo thut GOtt aud), ſoll er aus dem Menſchen 
etwas machen, ſo muß er nichts ſeyn. Der aber ſich 
ſelber zu etwas machet, und meynet, er ſey etwas, der 
| iſt nicht GOttes Materie, daran er Luft bat zu arbeiz 
ee ten: Denn GOttes Materie, daraus er etwas mar 
daranser het, It nichts, ja GOtt fichet ihn nicht an. ‘Dar 
erwasmar her fpricht die Jungfrau Maria: Der HERR bat 
an : feine elende Magd angejepen, fiehe, von ru 
N werde 


- 


— 


der Liebſte bey GOtt. 113 


"werden mich felig preifen alle Bindes - Rind: 


Luc, 1.0.48. 

Der iſt nun in feinem Hertzen elend, der ſich ſo EinMenfg 
ering haft, daß er ſich Feiner Wohlthaten GOttes, KA ae 

ie ſeyn geijtlich oder leiblich, werth achtet; denn wer meithad: 

fich etwas werth achtet, der meynet, er fey etwas, da m 

er Doc) nichts ift, findet GOttes Gnade nicht, fondern | 

verleuvet Diefelbige: Denn GDttes Gnade bleibet 

bey feinem Menſchen, der fich für etwas halt, «Denn 

wer ſich eines Dinges wuͤrdig achtet, der empfaͤhet 

t alles von GOtt aus Gnaden: Gnade iſts, und 

pt Würdigkeit, was du um und um biſt. Ein 
J— hat nichts das fein iſt, denn feine Suͤnde, fein Bade des 
Elend, Nichtigkeit und Schwachheit; das andere iſt en 
alles GOttes. 

Ein Menſch nichts andets denn ein Schatte, EinMenfh 
Siehe an einen Schatten eines Baums, wag ift er? AnScha. 
Nichts. Reget fich der Baum, fo beweget fich der 
Schatte auch; web iſt nun Die Benegung? Nicht 
des Schattens, fondern des Baums: Alſo, weh iſt 
dein Leben? Dicht dein, fondern GOttes, wie geſchri⸗ 


ben ſtehet, Apoſt. Geſch. 17. v. 28. In ihm leben, 


weben und find wir. Die Aepffel des Baums er: 
ſcheinen auch wol im Schatten, aber ſie ſind nicht des 
Schattens, ſondern des Baums; Alſo traͤgſt du gute 


Schoͤn 
Sieihnif, 


% Feuchte, fie find nicht ei erfcheinen wol in dir, aber 


als ein Schatte, fie Eommen aber aus dem ewigen Ur⸗ 
fprung, welher ft GOtt; wie ein Apffel nicht aus dem 
Hole wächfet, wie die Unverftändigen meynen, ob er 
wol daran hanget, wie ein Kind an der Mutter Brüs 
fin; ; fondern aus der grünenden Krafft, ex centro fe- 
minis, aus dem innerften Saamen, ſonſt truͤgen auch Die 
duͤrren Holger Aepffel. 

Der Menſch aber iſt von Natur ein duͤrrer Denidh ein 
Baum, GOit ift feine grünende Krafft, wie der 27. Mer 
Palm v. 2. fpricht: Der HErr ift meines Lebens 
Krafft. Und wie der. Herr fpricht Kuc, 23.0. 31. Luna3030 
ee das am grünen Holtz, was will am duͤr⸗ 

L Theil, I ren 


114 B.1.E,19. Der Elendeſte in ſeinem Hertzen 
— 666666 


ren werden? Darum find alle Menſchen durre Hol⸗ 
ger, GOtt iſt ihre gruͤnende Krafft, Oſeaͤ 14. v.9. Ich 
will ſeyn wie eine gruͤne Tanne, an mir ſoll man 
deine Frucht finden. Joh. 15. v. 5. Werder ihr in 

mir bleiben, ſo werdet ihr viel Srüchte bringen. 
Gnaͤdigan Wenn nun ein Menſch in feinem Hertzen elend, ges 
gehen Dr yigg und ‚nichts ift, teöfter fich aber der lautern Gnade 
; GOttes in CHriſto, ſo ſiehet ihn GOtt an: Nun aber 
iſt GOttes Anſehen nicht alſo zu verſtehen, wie ein 
Menſch einen anſiehet, davon man keine Krafft empfin⸗ 
1.B.Moſ. det; ſondern GOttes Anfeben iſt Brafft, Leben 
Wahre De: und Trost; Und eines folchen Anfehens iſt ein elend 
med gläubig Her fähig, und ie mehr daffelbe GOttes Troft 
fh, nl empfindet; ie geringer und unwerther es fich deffen ach⸗ 
sen tet. Welches uns in Jacob vorgehildet, welcher fich 
| viel zu gering achtete aller Wohlthaten GOttes, 
und des leiblichen Segens. Alſo achtet ſich ein recht 
elend Hertz nicht werth eines himmliſchen ewigen Se⸗ 
gens und Troftes, und ſpricht auch zu GOtt: Ich bin 
zu gering der groffen Liebe und Barmhertzigkeit, fo du 
mir in Chriſto erzeiget haft; ich bin nun nod) zwey 
Heer worden, indem du mir deinen Sohn gefehencket 
haft, und. alles mit ihm, bona gratix & glorie, das iſt, 
die Güter der Gnade und Herrlichkeit. Und wenn 
ein Menſch ſo viel Thraͤnen vergoͤſſe, fo viel Waſſer im 
Meer iſt, ſo waͤre er doch nicht werth eines himmliſchen 
Troſtes: Denn es iſt lauter unverdiente Gnade, darum 
iſt der Menſch nichts wuͤrdig, denn der Strafe und ewi⸗ 

gen Verdammniß. 

Welche Sicehe, wer das recht erkennet im Glauben, der 
gienb kom, eyEennet fein Elend, und den wird GOtt anfehen, und 
Goran. ohne diß Elend fiehet GOtt den Menfchen nicht an, 
Be und ohne Erfänntniß fülches Elendes findet em Menfch 

nicht GOttes Gnade. Darnm fpricht St. Paulus 
2.Cor. 11. 9,30. will ich mich meiner Schwach- 
beit rübmen, auf daß die Krafft Chriſti in mir 
wohne. Denn ſo gütig und barmhertzig it GOtt, 
daß er fein Weyck nicht will verderben laſſen, ſondern ie 
ſchwaͤcher 


der Liebſte bey GOtt. 115 


ſchwaͤcher es in ihm ſelbſt iſt, ie ſtaͤrcker GOttes Krafft 

in ihm iſt, wie der HE Paulo ſpricht: Meine Cor, a, 

Krafft iſt in den Schwachen mächtig. ‚9 
Se elender nun ein Chriſten⸗Menſch in feinem Herz 

gen it, ie mehr ihn GOtt anfiehet, auf daß er den 

Reichtbum feiner Büte erzeige an den Gefäffen Rhm. 9, 

feiner Barmhertzigkeit: Und darum begnadet er #3 

den Menfchen ohn alle fein Derdienft mit dem himm⸗ 

liſchen Troft über alle menſchliche Weiſe; denn GOt⸗ 

tes Troſt iſt mit der Menfchen Troft nicht zu vergleis 

chen. Und alfo ſiehet GOtt den Elendenan mit feinem 


Troſt. | | BE: 
Ein Menfeh ift nicht darum efend, foll fich auch Warum 
nicht darum elend achten, daf er arm ift, und in der Sn teufeh 

Welt Erinen Troſt hat; fondern darum, daß er ein 
Sünder iſt; Denn ware Feine Sünde, fo ware auch 

Fein Elend. Einem Menſchen Fan nicht fo groß Elend 
wiederfahren, er hat es noch gröffer verdienet, Darum. 

foll er nicht deshalben trauren, daß ihme nicht groffe EinWenfep 
Wohlthaten wiederfahren, er iſt der allergeringften gaabınn, 
nicht werth, auch feines eigenen Keibes nicht. Und wie⸗ ien Ottes 
wol das Fleiſch und Blut nicht gerne hoͤret; den verib. 
noch foll um der Wahrheit willen ein iederfeine Sünde 

Pt ftrafen, auf Daß die Gnade GOttes bey ihm 

wohne, 

Was foll fich nun ein Menſch rühmen , Ioder Das Sekte, 
warum foll er feinen Mund aufthun? Das Beſte, yeeukp 
das ein Menfch mit feinem Munde reden Fan, find thun kam, ' 
Diefe zwey Worte: Ich babe gefündiget, erbarme 
dich mein! GOtt fodert nichts mehr von dem Men⸗ 
fen, denn diefe zwey Worte, daß der Menfch feine Was ein 
Sünde bereue, und beweine, und um Gnade bitte, Mrufo Ir 
Wer dag verfaumet, der hat das Beſte in feinem Le 
ben verfaumet, Beweine nur nicht deinen Leib, 
daß er nackend und bloß ift, hungrig und durftig, verz 
folget und gefangen, arın und kranck ift: fondern 
beiveine deine Seele, daß fie in dem fündlichen und 
fterblichen Leibe wohnen muffe: Ich elender ATenfcb, 

H 2 ſagt 


116 B1.E.19. Der Elendeſte infeinem Hertzen 


Iaat St. Paulus, wer will mich erlöfen aus dem 
Leibe diefes Todes? 7.0.24. Siehe, diß 


Ehär, der Chriſtliche Erkaͤnntniß deines innerlichen Elendes, 


—* * * diefe Ginaden = hungerige Reue, und der Glaube, fü 
——— allein CHriſto anhanget, thut die Thuͤr der Gnaden 


bei, iſt de 


ande, in EHriſto auf, dadurch SOTT zu dir eingehet. 
Ohenb. 3. Dffenb. 3. verl. 20. So thue nun Buſſe, fiebe, 
»° ich fEebe vor der Thür, und Elopffe an, So ie⸗ 
mand meine Stimme hören wird, und die Thür 
aufthun, zu dem will ich eingeben, und mit ihm 
das Abendmahl halten, und er mit mir. Diß 
Abendmahl ift Vergebung, der Suͤnden, TIroft, 
nr, Leben und Seligkeit. In dieſer Thüre des Glau- 
laubens Zens begegnet zu rechter Zeit der gnädiafte GOTT 
“Der elendejten Seelen, Apoſt. Geſch. 4.0.27. Die 
waͤchſet Treu auf Erden, und Berechtigkeit 
fhauet vom Himmel. Nie begegnen einander 
Güte und Wahrheit, Gerechtigkeit und Friede 
SHRIME küffen einander, Pſ. 85. v. 11012. Hie koͤmmt die 
— bzrz. arme Suͤnderin Maria Magdalena, die weinende 
Seele des, Menſchen, und- ſalbet dem HErrn feine 
 güffe, waͤſchet fie mit Thränen, und trocknet fie 
mit den Haaren der herglichen Demuth und Dies 
Geiſtlicher drigkeit. Die kommet der geiftliche Prieſter, Offenb; 
Driefer. 7, perf. 6. in feinem heiligen Schmuck des Glaubens, 
. und. bringet-das rechte Opffer, ein serbrochen und 
zerfchlagen Hertz, Pſ. 51. v. 19. und den beiten 
—26 eis Weyrauch der hertzlichen Neue: Diß ift das rechte 
fen, 53 " geheiligte Weyh⸗ Waſſer, die Thraͤnen uͤber die 
Suͤnde, auf daß im Glauben und in Krafft des 
Blutes Edhrifn die geiſtlichen Iſraeliten gewaſchen 

und gereiniget werden. 
Siehe alſo, lieber Chriſt, findeſt du durch Chriſtlich 
Erkaͤnntniß deines Elendes, und durch den Glauben 


— 


GoOttes Gnade; ie elender du in deinem Hertzen biſt, 


ie fieber du GOit bift, ie mehr und gnädiger Mac GOtt 
lei 


Geber, 


der Liebſte bey GOtt. 117 
- Gebet, 


SYZ Irmbersiger GOtt und Vater, der du denen geiftlich Ar- Matthı 5. 
men das Himmelreich, und denen Leidtragenden Troft verzv. 3. 4 
ficherit, ich befenne vor dir, daß ich unmerth bin aller deiner ,, 3, Mof. 
Barmhergigfeit und Treue. Mein GOtt, öffne mir die Augen, 32: vs 10, 
dafs ich meine Nichtigkeit und Unwuͤrdigkeit ſowol, als den un- 
erforfhlichen Reichthum CHrifti recht erfenne, dadurch) zur Eph. 3. v. 8. 
wahren Demuth und feften beftändigem Glauben gebracht 
werde. Du ficheft, wie Satan, mich enttveder auf mich felbft 
zu führen, als flünte ich in meiner Krafft; ‚oder wenn die bes 
zrühte Erfahrung durch fo manchen Fall mir ein anderg zeiget, 
mich zur Berzweifelung zu reißen, ſuchet. Diefer Bosteit wis 
derſtehe du, getreuer Vater, in Önaden, zur Nechten und zur Eins 
cken, und verleihe mir, in meinen Augen immer geringer, in dir 
aber und deiner Krafft ftärefer zu merden. Laß mic) in meiner. Cor. & 
Schwachheit nicht jagen, fondern, wenn ich auch tiber die Maſſe v. 3 9 
beſchweret werde uns über Macht, dein vaͤterlich Herg erkennen, 

welches mich dadurch lehren will, mein Vertrauen nicht auf 

mich felbft zu ftellen, fondern auf die allmächtige Gnade, die die 

Todten auferwecket; auch inder That erfahren, wie deine Krafft 2. Eor. 12. 
in den Schwachen mächtig ſey. HEr, ich ruffe zu dir aus der. 9- 
Sieffe meines’ Elendeg, du forfcheft, was des Geiſtes Einn BE, iS. 
und erfenneft die Noth, die ich nicht weiß dir zu Hagen oderzu" 7 
befchreiben ; erhöre dur das.unaugfprechliche Seuffzen meiner 

Seelen ; führe du mich in die Hölle, damit ich mein Elend erzı. Sam. 2. 
kenne, haffe und ablege; fiihre mich wieder heraus, damit ich v. 6. 

den Neichthum deiner herrlichen Gnade in CHrifto JEſu liebe, 

ergreiffe und preiſe. Laß mich fo umtragen dag Sterben des 2. Cor, 4, 
HErrn JEſu, daß aud) dag Leben des HErrn JEfu an mir of:v. 10. 
fenbar werde! Amen. 


Das XX. Capitel. 


Durch Chriſtliche wahre Reue wird 
das Leben taͤglich gebeſſert, der Menſch zum 
Reich GOttes geſchickt, und zum ewigen 
geben befordert. 
2. Cor. 7. v. 10. Die Böktliche Traurigkeit wuͤrcket 
eine Reue sur Seligkeit, die niemand gereuet: 
DieTraurigkeit aber der Welt wuͤrcket der Tod, 
As wahre Chriſtenthum ftehet allein im rei- 
nen Glauben, in der Liebe und beiligem gaoper ein 
Leben, Die Heiligkeit aber des Lebens baligkeben. 
7.9 kommt 


u 


a) 


118 B.I. C.20. Wahre Reue 


koͤmmt aus wahrer Buſſe und Reue, und aus Er⸗ 
kaͤnntniß fein ſelbſt, daß ein Menſch täglich feine Ge⸗ 
brechen erkennen lernet, und dieſelbigen taͤglich beſſert, 
und durch den Glauben der Gerechtigkeit und 
0. Cärifti theilhafftig wird, 1. Cor. 1. v. 30. 
Furcht Soll nun daſſelbige geſchehen, ſo muſt du, lieber 
Ehre. Chriſt, ſtets in kindlicher unterthäniger Furcht GOt⸗ 
tes leben, und in deinem Gemuͤthe nicht allzufrey ſeyn, 
zu thun, was. deinem Fleiſche wohlgefällt: Wir 


J 


haben wol alles Macht, ſpricht St. Paulus, aber 


es nuůtzet nicht alles, 1. Cor. 6. v. ı 2. das iſt, es beſ⸗ 
ſert nicht alles, ı. Cor. 10. v. 23. Gleichwie ein 
Kind im Haufe nicht alles thun muß aus eigener Frey⸗ 


beit, was ihm gut duͤncket, fondern muß fid) für dem _ 


Pater fürchten, und ein Auge haben auf feinen ABohls 


gefallen: Alfo auch ein wahrer Ehrift und Kind GOt⸗ 


tes muß bewahren feine Sinne in Ehriftlicher Zucht, 
nichts reden noch thun ohne Sottesfurcht, wie ein wohls 
gezogenes und furchtfames Kind zuvor den Vater ans 
fiehet, wenn es etwas reden oder thun will, und mit 
Furcht alles thut. 

Freude dee Die meiſten Leute ergeben ſich der zeitlichen 


Die Bunde Freude, ohn alte Gottesfurcht: Beſſer iſt es, ſte⸗ 


Gounes tige Surcht GOttes im Hertzen haben, denn ſte⸗ 
tige Welt⸗Freude: Denn dieſe Furcht GOttes iſt 
ein Urſprung vieler Andacht, und vieler Weisheit; 
aber durch die leichtfertige Freude dieſer Welt ver— 
leuret man die Goͤttliche Weisheit, alle Andacht, alle 

FFurcht GOttes. 

— Duurch taͤgliche Reue und Toͤdtung des Fleiſches 

Meufcheu wird der Menſch taglich erneuert, 2. Cor. 4.0.16. Ob 

und derfels unſer aufferlicher Mienfch verwefer, ſo wird Boch 

den grucht or inmerliche täglich erneuert, und bringet Goͤttli⸗ 

Srofer che himmlische Freude mit fich , da bingenen der Welt 

Eade der Freude Traurigkeit gebichret, und einen böfen Wurm 

der Wet: im Hertzen. Wenn der Menſch wüfte den groffen 

See Schaden feiner Seelen, und den groffen Verluſt der 


bimmlifchen Gaben, ſo ihm wiederfaͤhret durch Fe 


beflert das Leben. 119 


luſt des Fleiſches und diefer Welt⸗Freude, er würde 
fich fürchten und erſchrecken für aller Belt Freude. 
Zwey Dinge find, wenn ein Menſch die recht bes 
dencken, und in feinem Hertzen betrachten mochte, ſo 
würde er von der Welt⸗Freude nimmer froͤlich, und 
vom zeitlichen Unglück nimmermehr traurig werden: 
Das erfte ift die ewige Pein der Derdammten. So Enigepein 
Diefe ewige Dein im Hertzen vecht betrachtet wird, ſo An 
laͤſſet fie einen Menfchen nimmermehr feolich werden ; mas fie 
"und das darum, weil fie awig iſt. Das andere it UA 
die ewige Freude des ewigen Lebens. So das Hertz 
dieſelbe vecht begreift, fo Laft fie den andächtigen Men⸗ 
schen von keinem Unglück diefer Welt betruͤbet werden; 
"und das darum, weil fie ewig iſt. Aber die Keichifer- Barum. 
tigkeit unſers Hergens macht, daß wir Diefer keines recht — 
bedencken. Darum kommt ſelten weder heilſame heilſam 
Reue noch Traurigkeit, noch heilſame himmliſche ger erätiep 
Freude in unſer Hertz. wird. 
Ein Ehrift ſoll fich Feines zeitlichen Dinges allzu⸗ Warum 
ſehr freuen, fondern GOttes und des ewigen Lebens man KO. 
Er ſoll fich auch über Eein zeitlich Ding allzuſchr betruͤ⸗ berrüben 
ben: aberum eine verlohrne Seele, die ewig verloh⸗ ſoll. 
ven iſt, tool fein Lebtag trauren. Denn das zeitliche 
‚Gut der Ehriften kan nicht verfohren werden, man 
findets tauſendfaͤltig im ewigen Heben wieder, 
Maith. 19.0. 29. aber eine verlohrne Seele wird 
weder hier noch dort wiedergefunden. 
Selig ift der Menſch, der alfo vecht Goͤttlich trau⸗ @ätttrh 
rig und recht geiftlich und himmlifch froͤlich feyn kan. FERN 
Air lachen offt leichtfertig und uͤppig, da roir billig —28 
weinen ſolten. Es iſt keine wahre Freyheit noch Freu⸗ 
de, denn in der, Furcht GOttes mit einem guten Ges 
wiſſen: Ein gut Gewiffen aber Fan ohne dem Glauben 
und ohne ein heilig Leben nicht feyn.. “Der Glaube 
‚und die. Göttliche Neue durch den Heiligen Geift 
beſſern des Menfchen Gebrechen täglich. Wer taͤg⸗ 
lich fein Gebrechen nicht beſſert, der verſaͤumet das Als Hinderung 
lerbefte in dieſem Leben, widerſtrebet der neuen Ce ihne 
| | SD 4 | burth, 


120 B1.C. 30, Wahre Reue * 


burth, und hindert das Reich GOttes in ihm ſelbſt, 
und kan von der Blindheit feines Hertzens nicht erloͤ⸗ 
-  fet. werden. 
Weiſer und Der ift ein weiſer und Eluger Menfch, der mit Fleiß 
nt alles fleucht und meidet, was da hindert Die Beſſerung 
euſch ſeiner Gebrechen, und das Zunehmen in den himmli⸗ 
ſchen Gaben. Selig iſt der Menſch, der vermeiden 
lernet, nicht allein was feinem Leib und Gute ſchaͤdlich 
iſt, ſondern vielmehr, was feiner ca ſchaͤdlich iſt, 
und dieſelbe beſchweret. 

Lerne maͤnnlich ſtreiten; denn eine lange und 
boͤſe Gewohnheit kan überwunden ‚werden mit 
einer guten Gewohnheit. Denn Ct. Paulus 
fpricht zum R oͤmern am 12. v. 21. Laß dich nicht 
das Höfe überwinden, fondern uͤberwinde das 

Mie cin Boͤſe mit Gutem. Der Menfch Fan wol gebeffert 
ug Werden, wenn ex nur. feine Augen und Gedancken auf 
gebeflere ſich ſelbſt wenden auf ſeine eigene Gebrechen, und 
werden. nicht auf andere Leute, Sir. 18.0. 21. Siehe dich 
allemal immer ſelbſt an, ehe du andere urtheileſt, und 
vermahne dich felbft, che du andere Deine liebjten 

N Freunde ſtrafeſt. 

Lebeſt du nun in Goͤttlicher Traurigkeit und ſteter 

Neu, und wirſt darüber verachtet, haft nicht viel Gunſt 

unter den Leuten, traure nicht darum, fondern darum 

- Warm traure, daß du cin Chriſt genennet bift, und Eanft nicht fo 
en urn Chrijti ch leben als du ſolteſt; daß du CHriſti Nas 
fol. men träget, und thuft doch nicht viel Chriftlicher 
Wercke. Es ift Dir gut und beilfam, daß did) die 
Welt betrübet, denn fo erfreuet dich GOtt. Ich der 

Are wohne im Himmel, im Heiligthum, und 
serbrochenen Seren, daß ich ihren Beift erquice, 
| ea. 57. d. 15. 

so, Ortes greude und der Welt Freude find gar 
Der Belt wider einander, und Eonnen zugleich auf, einmal in 
dar mi dem Hertzen ſchwerlich ſeyn, ja es iſt unmöglich, denn 
N ſie haben ungleichen Urſprung: Der Welt — 
wir 





beſſert das Leben. | 121 


wird in guten Tagen gebohren, und die himmliſche ee 
Freude in der Trubfal, en 
Es iſt nicht natürlich, daß fich ein Menſch in der — 


Truͤbſal freuen koͤnne, als St. Paulus ſpricht 2. Cor. fh freuen 


6,9, 10. Alsdie Traurigen, und doch allezeit frö- —— 
lich: Als die Sterbenden, und doch nicht ertoͤd⸗ 
tet: Als die Armen, und die doch viel reich ma⸗ 
chen. Aber die Gnade GOttes beffert Die Natur, 
darum freueten fich die Apoftel, Daß fie wurdig 
wurden, etwas zu leiden um des ’lamens IJEſu 
willen, Apoſt. Geſch. 5. v. 41. | 

Ein Chriſt ift eine neue Creatur, dem Truͤbſal eine Lebt ei⸗ 
Sreudeift: Wir ruͤhmen uns der Trübfal, Nom. agee 
5.0.3. Den alten Menſchen betrubt die Trübfal, 
den neuen Menfchen erfreuet fie. Es ift die bimm- 
lifche Freude viel edler, Denn die irdifche Sreude. Die 
Schmach und Verachtung Criſti iſt einem Ehriften 
eine. Sreude: Air aber find felbit fchuldig daran, 
daß wir die himmliſche Freude fo felten empfinden, 


weilen wir fo fehr an der Welt⸗Freude bangen. 


‚Ein recht demütbiger Menſch achtet fich wuͤr⸗ Ein recht 
dig viel Leidens und Betruͤbniß, aber GOttes Troſts Zemuidi⸗ 
achtet er ſich nicht werth; ie mehr er aber fich deffen 


mit demuͤthigem und gerbrochenem Hergen unwuͤrdig 


achtet, ie mehr. ihn GOtt feines Troſts wuͤrdiget; ie 
mehr ein Menfch feine Suͤnde bereuet, ie weniger 
Troſt hat er an der Welt, ja ie.bitterer und ſchwerer 


ihme die fange Welt wird und ift. 


Nenn ein Menfch fich felbft anfichet, fo findet er par mehr 
mehr Urſach zu trauren, denn fich zu freuen; und Urſech su 
wenn er anderer Keute Leben recht anfichet, fo findet denn zula, 
er mehr Urfach über fie zu weinen, denn fie zu neiden. den und 
Warum weinete der HErr über Terufalem, die Kenn, 
ihn doch verfolgete und todtete? Ihre Sünde und Lur.ıy.v.4. 


- Blindheit war die Urfach feines IBeinens. - Alfo die 


gröfte Urſach gu weinen foll unfere Sünde feyn, und 
die Unbußfertigkeit der Leute, 


Ss Gedaͤchte 


Urſach der 
Bellerung. 


Urſach d 
fach er 


Des Flel⸗ 
ſches en 
2a 8 Seit 


El. v.24. 


Das aefuns 
deſte Brod. 


> 


N 


Thraͤnen⸗ 
Brod. 


2. Cor. 7. 
v. 10. 


Erunt der 
—5 


** 


122 B.J. C. 20. Wahre Reue 


er 1, 2 
x Gedaͤchte ein Menſch ſo offt an ſeinen Tod, und 
wie er vor Gerichte muß, ſo offt er an ſein Leben ger. 
denckt, daß er das erhalten möge, er wäre mehr frauz 
rig, und würde ſich ernftlicher beſſern. Bedächte ein 
Menfeh Die Holen: Dein, es wuͤrde ihm alle Luft Diefer 
Melt vergehen, und in eine groffe Bitterfeit verwan⸗ 
delt werden, und gegen der ewigen Pein würde ihm 
das gröfte Leiden in diefer ABelt füffe werden: Dies 
weil wir aber die Schmeichelung des Slefees fo lieb 
haben, fo werden wir nicht mit ſolcher brünftigen Anz 

dacht entzündet, 
In Gumma, das muß ein Chriſt lernen: Iſt 
feinem Leibe wohl, und lebet derfelbe in Freuden, das 


* ſt des Geiſtes Tod: Ereußiget er aber den Leib famt 


den Lüften und Begierden, fo lebet der Seit. Eines” 
ift hier des andern Tod: Soll der Geiſt leben, fo muß” 

Der Leib geiftlich fterben, und geopfrert werden zu einem 
lebendigen Opffer, Mom. ı 2. v. 

Alle Heiligen haben vom Anfang alfo gelebet, fie. 
haben mit Danckſagung ihr; Thränen- Brod set ion, 
und mit Freuden ihren Thraͤnen⸗Tranck getruncken, 
wie David ſpricht im 80. Yfalm verſ. 6. Du ſpeiſeſt 
mich mir Thrönen-Brod, und traͤnckeſt mich mit 
groffem m aaß voll Thränen. Ingleichen Pſ. 42. 
dv. 4. Mieine Thraͤnen find meine Apeife Tag und 
Yradt; daß ich vergeffe mein Brod zu eſſen, 

Di. — 

Solch 8 Thränen-Btod machet der Glaube füffe, 
und ſolcher Thraͤnen⸗Tranck wird gepreffer aus dee 
zarten Bein Trauben der andachtigen Hertzen durch 
wahre Buſſe; und das ıft die Reue gut Seligkeit, die 
niemand gerenet. 

Im Segentheil wuͤrcket die Traurigkeit dieſer 
welt den Tod, fpricht St. Paulus 2. Cor.7. v. 10%, 
Dieſer Welt Traurigkeit koͤmmt ber aus Verluſt 
zeitlicher Ehre und zeitlicher Guͤter, daruͤber viel Leute 
in ſolche Traurigkeit gerathen, daß fie ſich ſelbſt erhen⸗ 
cken und erjtechen:; der Exempel find maͤchtig viel gez 

ſchehen 





beflert das Keben. 123 





ſchehen unter den Heyden: Ehriften aber foltens. ja 

beffer willen. Was fülte der Verluſt zeitlicher Guͤ⸗ 

- ter einen Menſchen um das Leben bringen, da doc) das 

Leben beffer ift, denn’ alle Güter der Welt? 

Traure nicht um den Derfuft zeitlicher. Güter, Warum zu 
ſondern um den Verluſt des ewigen Guts: Die zeig: Mauren. 
- Fichen Güter befigen wir Doch eine Fleine Weile, und 

im Tode werden wir Derfelben alle berauber werden: 

Im Tode werden wir alle gleich arm, und unfere 
Zerrlichkeit führer uns nicht nach, "Pf. 49.0. 18. 

Die Schmad) des Todes tragen wir alle am Halſe; 

Es muß eines Koniges Leib ſowol verfaufen und verz 
weſen, als eines armen Bettlers Leib. Da iſt ein les 
bendiger Hund beſſer als ein todter Loͤwe, ſagt 
Salomo in ſeinem Prediger am 9. Capitel, v. 4. Aber 
Gott wird die Todes⸗Schmach einmal aufheben von 

- feinem Volck/ und die Huͤlle, damit alle Voͤlcker 
verhüllet finds. Ex wird den Tod verfehlingen 
ewiglich, und alle Thränen von unfern Augen 
abwiſchen, Sf. 25. 0.7.8. Dffenb. 7.0. 17. BER 

Darum betrübe dich nicht fo fehr um Des Zeitliz Liebe des 
chen willen: Es ift die ganze Welt nicht fo viel Agtlihen 
werth, als deine Seele, für welche CHriſtus geftor: Sraukige 
ben ift. Liebe auch das Zeitliche nicht allzufehr, daß keit. 
es dich nicht bis in den Tod betrübe, wenn du e8 verz 
leureſt: Denn was man allzufehr lieb hat, das betruͤ⸗ 
bet allzuſehr, wenn man e8 verleuret, du muft es doch 
endlich im Tode verlieren. Labor ftultorum affliget eus. 
Dasift: Die Arbeit des Narren wird ihm ſauer, 
und berrüber ibn, fpricht der Prediger Salomo 
 Eap. 10. v. 15. 

.. Ein Welt⸗Kind erwirbet feine Güter mit groſſer meirzran 
‚Arbeit, befiset fit mit groſſer Furcht, und verlaͤßt rigteir. 

ie mie groffen Schmerzen: Das it der Welt 
Zraurigkeit, Die den Tod wuͤrcket. 

Offenb. 14. verſ. ır. ſteht; Die das Thier an- ghoher 
gebetet baben, die haben Leine Rube: Alfo die grofeum, 
das groſſe ſchoͤne Thier Des weltlichen a —95 

N v 11. 


\ 


"124 B.I. C. 20. Wahre Reue 
und ihren beſtialiſchen viehiſchen Geitz anbeten, koͤn⸗ 


Schoͤn 
Gleichniß. 


Lerne die 
Welt ver⸗ 
“bg inder 


Schön 
— 


FE ng 


Wir brin⸗ 
gen nichts 
aus dieſer 
Welt. 





nen Feine Ruhe haben, ſondern viel Plagen. Sie 
find gleich den Cameelen und Maul-Tbieren, mit | 
welchen man über die hohen Gebirge koͤſtliche Seide⸗ 


Waaren, Edelſteine, Gewuͤrtz und koͤſtliche Weine fuͤh⸗ 
ren, und dieſelben haben viel Trabanten die auf ſie war⸗ 
ten, und bey ihnen her lauffen, weil fie Die Kleinodien 


tragen; aber wenn fte in die Herberge Eoinnen, wer⸗ 


den die "schönen bunten Decken und Eoftlichen Dingeven | 


ihnen genommen, und fie haben nichts mehr davon als | 


Schläge und Striemen, und daß fie müde feyn, und. 


werden im Stall allein gelaffen: Alſo hat einer in die 
fer Welt, der Seiden und Cronen getragen hat, auf den 


Abend feines Abſchieds nicht mehr davon, denn Strie⸗ 


men und Schläge feiner Sünde, die er gethan hat 
durch den Mißbraud) feines Neichrhums, und wenn er 
noch ein fo herrlicher Menfch geweſen. 

Darum lerne die Welt verlaffen, ebe fie dich 
verlaͤſt, ſie wird dich ſonſten Fhrecklich betruͤben. 
Aber in ſeinem Leben in ſeiner Seele die Welt ver⸗ 
laͤſſet, che er fie mit feinem Leibe verlaſſen muß, der 


ftirbt frolich, und Fan ihn das Zeitliche nicht betruͤben. 


Da die Rinder Iſrael ietzt holten aus Ägppten ge 
ben, legte ibnen Vharso immer mehr und meyr 
F inerträgliche Laſt auf, und vermeynte ſie zu tilgen: 


Yale 


Alſo der hoͤlliſche Pharao, der Teufel, giebt uns in das. 


Hertz, dab, ie näher unfer Ende if, ie mehr wird er 


uns mit dem Zeitlichen beſchweren, dab er ung avig 


unterdruͤcke und vertilge, 
Man kan ja aus dem irdiſchen Reich nichts mit⸗ 
nehmen in das himmliſche Reich, auch unſern eiges 


— 


nen Leib muͤſſen wir hinter uns laſſen bis zur froli⸗ 


chen Auferſtehung. Es iſt ein ſolcher ſthmaler Weg 


zum Leben der da alles der Seelen abſtreiffet, was 


irdiſch iſt, Matth. 7. d. 14. Der Weg iſt eng und 
ſchmal, der zum Leben führer, und wenig iſt ihr, 


die ihn finden. Gleichwie man auf der Tennen den 


Weißzen und Spreu ſcheidet: Alſo geſchichts im I Sk 
em 





beſſert das Leben. 425 


Dem Weitzen der glaubigen Seelen werden erſt durch 
den Tod alle Hüffen dieſer Welt abgeklopffet, und die 
zeitlichen. Güter und Ehre find als Spreu, die der 
Mind verftreuet, IM. 1.0.4. | 


Gedencke nun an St. Paulum: Die Traurigkeit 
diefer Welt würcer der Tod: die Goͤttliche 
Traurigkeit aber wuͤrcket sur Seligkeit eine Reue, 
die niemand gereuet, ꝛc. 2. Cor. 7.0. 10. | 


Gebet. 


———— mie gar vernimmt doch der natuͤrliche 
| Menfch nicht, was des Seifles GOttes ift, es ift ihm eine 1. Eor. =, 
Thorheit, und er kan es nicht erkennen Fleiſch und Blut trach- V-14- 
tet immer nach üppiger Luſtigkeit, und achtet für Wolluft dag Fett. 2. 
zeitliche Wolleben: Hingegen lehret ung dein Wort famt der Er: Bde 
fahrung, daß Trauren beffir fey denn Lachen; und weil durch Pred. Sat. 
Trauren dag Herß gebeffert werde, fo fey dar Hert der Weifen 7.0.4 5. 
im Klag⸗Haufe, unddag Hertz der Narren im Haufe derFreu⸗ 
den. Gieb du mir denn. du Geber aller guten Gaben, die Jar. 1.0.17. 
Klugheit der Gerechten, daR ich mir ſtets deine allerheiligfte Ge 
genwart vorftelle, und als vor deinen Augen in Eindlicher Furcht 
mandele, daß ich ſtets bedencke, wie ich noch eben ietzo gefündts 
get, und die Verdammniß der Hollen über mich gezogen; wie 
ich bald muß vor Gericht geftellet werden, und Kechenfchafft ges Matth. 12, 
ben von iedem unnügen Worte, das ich geredt habe, und der; d.3%. 
" wegen zwallem eitlen Lachen der Welt foreche, du bift toll; und. Pred. Sal. 
- zur Freude, was macheft du? Deffne mir die Augen, im rechten * "* 
Glauben anzufihauen die reine und heilige Freude derer trium: 
phirenden Seelen; Laß mich Barmbergigfeit finden, fromm 
und dir getreu zu ſeyn, und fprich denn meiner Geelen die Ver: 
fiherung ein, daß fie auch ſoll eingeben bald in diefelbe Freude Matth. 25. 
ihres HErrn, fo. wird alle Kälber: Freude der Weit mir bitter d 21. 
und Galle feyn. Es iſt ja aller Welt Luft und Ergeptichkeit ei- 
“ tel, fie ift wie dag Krachen der Dornen unter den Toͤpffen, dag Pred. Gal. 
nichts erhißet, auch mit feinem Schall feinen weifen Mann er- 7 %7- 
freuet; fie muß vergehen mit der Welt... So erwecke mich, - J0d- *» 
mein GOTT; zu ringen und zu erlangen die Gewißheit, mich BR 
‚denn darüber in ſteter Bußfertigkeit zu erfreuen, daß mein Pa: 2. Petr. 1, 
me im Himmel angefchrieben fey, und dagegen zu verſchmaͤhen v. 10. 
aller Welt eirele Luft und Freude, nachdem Exempel und  LUC 1% 
um des Todes ICh EHrifti unfers KErrn Mg 
willen! Amen. 





N 


Das 


Mas das 
fremde 


Feuer if. 


alſcher 
ottes⸗ 
dienſt. 


Strafe des 


falſchen 
Gottes⸗ 
dienſts. 


Rechter 
Gottes: 
bien im 


126 B.1.E.21. Dom wahren Borresdienft 


Das XXL Capitel. 
Vom rechten wahren Gottesdienſt. 


3. B. Moſ. 10. v. 1. 2. Die Soͤhne Aarons brach⸗ 
ten fremd Feuer vor den HErrn, da fuhr 
Seuer aus von dem SErrn ‚und verzeh⸗ 
rete ſie. 


— Iß fremde Seiter bedeutet einen falfchen Got⸗ 

n tesdienft; Denn e8 tft nicht geweſt von dem 

Teuer, fo ftets auf dem Altar brannte, denn 

das hatte GOtt befohlen zu gebrauchen zu Anzindung 
der Opffer; Weil nun die Sohne Aarons wider GOt⸗ 
tes Befehl täten, ſtrafete fie GOtt mit einem Nad)> 
Feuer, welches fie verbraunte. | 
Da fehen wir den Craft GOttes, fo er geübet hat 

um des freinden Feuers willen, und will uns damit fürs 
bilden den falſchen Gottesdienft aus eigener Andacht 
und felbjterwehlter Heiligkeit und Geiftlichkeit, welche 
GOtt nicht gebothen noch befohlen, Damit ihn auch 
nicht gedienet wird, fondern erveget nur feinen Kifer, | 
Zorn und Mache, twelche ift ein verzehrendes Seuer, - 
2. ‚Dit. 6.0, [5. 


Run iſt vonnöthen, daß wir wiffen, was der rechte 


Gottesdienſt fey, auf daß uns nicht desgleichen wole 
derfahre: ‘Denn daß GOTT den falſchen Gottes⸗ 
dienſt im Alten Teſtament geſtrafet mit zeitlichem 
Feuer, iſt eine Bedeutung in das Neue Teſtament, 
daß GOTT daſelbſt den falſchen Gottesdienſt mit 
ewigem Feuer ſtrafen wolle, und auch zeitlicy mit 
Blutvergieffin , Verwuͤſtung Land und Reute ’ —* 
ches ein ſchrecklich Feuer iſt, durch den 3 Zorn GOtte 
angezuͤndet. 

Wenn wir aber nun verſtehen wollen, welches 
der rechte Gottes dienſt ſey muͤſſen wir das Alte und Neue 
Teſtament gegen einander halten, ſo wird fichs aus 
der Gollation und Pergleichung finden. Jener aͤuſ⸗ 
ſerlicher figuͤrlicher Gottes dienſt war ein Vorbild und 

Zeugniß 


B.1.C,2r. Vom wahren Gottesdienft. ı27 ' 


Zeugnig des Meßiaͤ in deu Aufferlichen Ceremonien, Aten La . 
welche fie verrichten muften, nach dem Elaren Buchfta- Kamen. 
ben des Geſetzes. In welchen wunderlichen ‚Bildern 
und Figuren die glaubigen Juden den Meßiam gleich» 
farm von ferne gefehen, an ihn geglaubet, und nad) der 
Verheiſſung durch ihn felig worden * feyn. Unſer 
Gottesdienft im Neuen Teſtament iſt nicht: mehr Im Neuen 
Aufferlich in figuͤrlichen Teremonien, Satzung und Tehamen. 
Zwang, fondern innerlich im Geift und Wahrheit, 
das it, im Glauben an CHriſtum, weil durch) ihn 
das gange myralifihe und ceremonialifche Gefes erfuͤl⸗ 
let, Tempel, Altar, Opffer, Gnaden⸗Stuhl und Prie⸗ 
fierthum: Daͤdurch wir auch in die Chriſtliche Frey⸗ 
heit gefeßet feyn, erlöfet von dem Sluch des Gefeges, 
Salat. 3.0.13. von allen Juͤdiſchen Ceremsnien, 
Salat. 5.9. 1. daß wir durch die Einwohnung des 
Heiligen Seiftes GOtt mit frepwilligem Hertzen 
und Beift dienen Eönnen, Jerem. 3 1.0.33. Nom. 8. 
v.14. Und unfer Gewiſſen und Glaube an Feine Men⸗ 
ſchen⸗Satzungen gebunden iſt. | 
Es gehoͤren aber zum wahren geiftlichen innerliz Wabrer 
chen Ehriftlichen Gottesdienft drep Stücke: Erſtlich, ne 
rechte Erkaͤnntniß GOrtes: Zweytens, wabre r= her in drens 
kaͤnntniß der Side und Buffer: Drittens, Er- euStuͤcken. 
kaͤnntniß der Bnaden und Deraebungder Sünde, 
Und die drey find eins, gleichwie GOtt einig und drey⸗ 
faltigift: Alſo ſtehet auch der wahre Gottes dienſt in eiz 
nem und dreyen, oder in dreyen Stücken, die eins find: . 
Denn in dem einigen Erkaͤnntniß GOttes ſtehet Buffe 
und Dergebung. ! 
Nun ftchet GOttes Erkaͤnntniß im Glauben, 
welcher EHriftum ergreift, und in ihm und Durch ihn 
GOtt erfennet, GOttes Allmacht, GOttes Kiebe 
und 


1, 0 RE ern 
*, Er redet von den Juͤdiſchen weltlichen und Kirchen: over 
exemonial⸗Geſetzen es iſt aber feine Meynung gar nicht, 
daß bey dem Gottesdienft nichts äufferliches in dem Neuen 
— ſeyn ſolle, als nemlich die Predigt, Sacramenten, 


128 B.1.E.21. Vom wahren Bortesdienft. 


Was GOtt und Barmbersigkeit , GOttes Gerechtigkeit, | Wahr⸗ 

fen. beit und Weisheit, und das alles iſt GOTT Felt. 
Was it GOtt? Nichts denn citel Almasıt, nichts 
denn eitel Liebe und Barmhertzigkeit, nichts denn eitel 
Gerechtigkeit, Wahrheit und Weisheit; und alſo auch) 
von S Hriſto und dem Heiligen Geiſt. 

Nun iſt aber GOtt alſo fuͤr ſich nicht allein, ſondern 
in feinem anädigen Willen i in CHriſto | au ift 
er auch alſo: Er iſt mein allmaͤchtiger GoOtt, er iſt 
mein barmhertziger GOtt, er iſt mir die * —5 
und meine ewige Gerechtigkeit in feiner Gnade gegen 
nic), und in Vergebung meiner Sünde, er ift mir die 

Wabre Er ewige Wahrheit und Weisheit. Alle Crijtus 
Keniß mein HErr iſt mir die ewige Allmacht, mein altınach 
tiges Haupt und Furft des Lebens; Er iſt mein barm⸗ 
hertziger Heyland, und mir die woge Liebe: Er iſt 
meine ewige Gerechtigkeit, © Wahrheit und Weisheit. 
Denn CAriftus iſt uns gemacht von GOtt zur 
Gerechtigkeit, Weisheit, Aeiligung und Erlös 
fung, . Cor. 1.0.30. Und alſo aud) vom Heiligen 
Seit: Er iſt meine awige Liebe, Gerechtigkeit, Wahr⸗ 

heit und Weisheit ꝛc. 
Lebendige Diß iſt nun GOttes Erkaͤnntniß, ſo im Glauben 
anna ftchet, und nicht ein bloß Wiſſen; jondern eine froͤliche, 
ci nicht ein freudige, lebendige Zuverſicht, dadurch ih GOttes All⸗ 
Be macht an mir kraͤffliglich und troͤſtlich empfinde, wie er 
nic) Bil und tragt, * ich in ihm lebe, webe und 
bin, Apoſt. Geſch. 17. v. 28. dab ich auch feine Liebe 
und Barmhertiokeit on nic fühle und empfinde. Iſts 
nicht eitel Kiebe, das GOtt der Dater, CHriſtus und 
der Heilige Geiſt an dir, mir und an uns allen thut? 
Siehe, ift das nicht eitel Gerechtigkeit, was GOTT 
an uns beweifet; | daß er uns errettet von der — 
Tod, Holle und Teufel? Iſts auch nicht eitel Wahr⸗ 

heit und Weisheit. 

Glaube it Siehe, das iſt der Glaube, jo in lebendiger, troͤſt⸗ 
eine &raft licher Zuverſicht ſehet, nicht, in bloſſem Schall und 
ort, Und in dieſem Erkaͤnntniß GOttes in 
dieſem 





B.J. C. 21. Vom wahren Bottesdienff. 129 
DR ee FRE er a 


diefem Glauben müffen wir nun taglicy als Kinder 
GoOttes wachen, daß wir immer völliger darin 
nen werden, 1. Theſſ. 4.9.1. Darum St. Paus 
{us diefen Wunſch thut, daß wir nur möchten die 
Liebe Chriſti kennen, die alle Erkaͤnntniß übers 
‚trifft. Als wolte er fprechen: An dieſem einigen 
Stücke, an der Liebe CHriſti, hatten wir wol unfer 
Sebenlang zu lernen: Nicht, daß wir dahin allein fe 
hen follen, daß es bey der bloffen Wiſſenſchafft der 
Liebe EHrifti bleibe, fo uber die gantze Welt gehetz 
fondern daß wir auch. derfelben Suͤßigkeit, Krafft 
und Leben in unfern Hersen im Wort und Glau⸗ 
‚ben ſchmecken, fühlen und empfinden. “Denn wer 
kan die Liebe CHriſti vecht erfennen, der fie nicht ges 
ſchmecket hat? Aber kan denn wiffen, was fie fey, der 
‚fig nie empfunden hat? wie die Epiftelan die Hebraer 
am 6. verf. 4. richt; Die gefehmecker haben die 
himmliſchen Gaben, das gütige Wort, und die 
Bräffre der zukünfftigen Welt: Welches alles 
Durchs Wort im Glauben gefchicht. Lind das ift das 
Ausgieſſen der Liebe GOttes in unfer erg, durch 
den Zeiligen Geift, Roͤm. 5. verſ. s. welches ift Die 
Frucht und Krafft des Worts GOttes. Und das ift Lebendige 
die rechte Erkaͤnntniß GOttes, fo aus Exrfährung Efännu 
gehet, und im. lebendigen Glauben fteyet. Darum tes. 
die Epiftel an die Hebraer den Glauben eine Sub- San 
ſtanz nennet, ein Wefen und unläugbsre UÜberzeu- 
gung, Cap. 11. v. 1. Und das ift ein Stück von 
dem innerlichen geiftlichen Gottesdienft, die Erkaͤnnt⸗ 
niß GDttes, die da ftchet im lebendigen Glauben, 
und der Glaube ift-eine geiftliche, lebendige, himm⸗ 
liſche Gabe, Licht und Krafft GOttes. 

Wenn nun diefe wahre Erkanntnif GOttes vor Göttes le⸗ 
hergehet, durch welches fich GOTT unfter Seelen TIEF 
gleichfam zu ſchmecken und zu koſten giebt, wieder 34. ändert das 
Malm verſ. 9. fpricht: Zchmecket und feber, wie Genitb, 

ö ; a3 3 — ud pflan⸗ 
freundlich der Ar iſt: So Fans nicht fehlen, es ger die Zw 


folge wahre Buffe darauf, das ift, Aenderung und geud 
J. eil. — 3— Erneu⸗ Pr. 34: v. 


’ 


. 130 Bl. E21. Dom wahren Bortesdienft. 


Demuth, 


Varmher⸗ 


tzigkeit. 


Liebe, 


Gedult. 


Verge⸗ 
bung. 


Erkaͤunt⸗ 
uiß der 
Sünde. 


Erneuerung des Gemuͤths, und Beſſerung des Lebens.* 
Denn wenn einer GOttes Allmacht recht gefuͤhlet und 
erkannt hat in ſeinem Hertzen, ſo folget Demuth dar⸗ 
aus, daß man ſich unter die gewaltige Hand GOttes 
demuͤthiget. Wenn einge GOttes Barmhertzigkeit 
recht gekoſtet und erkannt bat, ſo folget Liebe dar- 
aus gegen den Naͤchſten: Denn es kan niemand 


unbarmhertzig ſeyn, der GOttes Barmhertzigkeit 


recht erkennet. Wer kan ſeinem Naͤchſten etwas ver⸗ 
fagen, dem ſich GOTT aus Barmhertzigkeit ſelbſt 
mittheilet? Aus GOttes Erbarmung folget die hohe 
Bedule gegen den Naͤchſten, daß, wenn ein rechter 
Chriſt des Tages fiebenmal ermordet wirde, und 
würde fiebenmal wieder lebendig, ſo vergäbe ers doch 
feinem Feinde um der groffen Barmhertzigkeit GOt⸗ 
tes willen. Aus GDttes Gerechtigkeit fleuft Er— 
kaͤnntniß der Simde, daß wir mit dem Propheten 


ſagen: HErr, du bift gerecht, wir aber müffen 


uns ſchaͤmen, Dan. 9.9.7. Gebe nicht ins Bericht 
mit deinem Bnecht, denn vor dir iſt fein Leben⸗ 
diger gerecht, Pſ. 143. verf. 2. HErr, wenn dur 
wilt Sinde surechnen, wer Ban befteben ? WM. 


.130.0.3. Aus Erkänntniß der Wahrheit GOttes 


fleuft Treu gegen den Nächten, und vertreibet alle 
Falſchheit, Betrug und Lügen, daß ein Chrift dencker: 
Siehe, handelft du unrecht mit deinem Nachften, fo bes 
feidigeft du die ewige Wahrheit GOttes, di GOTT 
felbft ft: Darum, weil GOtt treulich und wahrhaff⸗ 
tig mit die handelt, fo handele mit deinem Nächten 
auch alſo. Aus der Erkanntnig der ewigen Weisheit 

GoOttes 


* Wenn das Hertz zuvor frech, hart, ſicher, trotzig und gottlos 
geweſen, wird aber durch rechtſchaffene Erkaͤnntniß der 
Sünden aus dem Gefeg gedemuthiger;zerfnirfchet und bes 
truͤbet, fo iſt dag eine Xenderung des Hertzens als der erſte 
Theil der wahren Buffe. Wenn nun das Hertz hinwieder⸗ 
un durch den Glauben an EHriftum wird getröftet und ers 
quicket, folte man dag nicht eine Erneuerung de Gemuͤths 
nennen? Darauf folget die Beſſerung des Lebens, die auf 
die Srucht der Buſſe gehet. Haren, 


. 


B. l.&.21. Vom wahren Gottesdienſt. 131 


GOttes fleuſt Gottesſurcht: Denn weil du weiſt, Gottes, 
daß EHE ein Hertzenkuͤndiger iſt, und in das Verbor⸗furcht. 
gene ſiehet, fo fürchteft Du dich billig für den Augen ſei⸗ 
ner heiligen Majeftat. Denn der das Ohr gepflan- 
Bet, folte der nicht hören? und der das Auge 
gemacht bat, folte der nicht feben? Pſ. 94. 2.9. 
Webe denen, die vor dem AKrrn verborgenTer. 2, 
feyn wollen, ihr Thun zu verbeelen im Finſtern! get ,,, 
Wie feyd ihr ſo verkehrt? gleich als wenn einv.s. 
Thon zu feinem Meifter fpräche : Er Fennet mich ara 
nicht, und ein Topff zum Töpffer: Er hat mich ' 
nicht. gemachet, Gel. 29. darf. ıs. 16. Siehe auch 
Jer. 23.0.24. Cap. 32. v. 19. 
Difß iſt nun das rechte Erkaͤnntniß GOttes, 
darinn die Buſſe ſtehet, und die Buſſe ſtehet * in 
Aenderung des Gemuͤths, und die Erneuerung des 
Gemuͤths in Beſſerung des Lebens. Und das iſt das 
andere Stuͤck des innerlichen wahren Gottesdienſts, 
und iſt das rechte Feuer, das man zum Opffer mitbrin⸗ 
gen muß, ſonſt kommt der Zorn GOttes und Rache 
Feuer uͤber uns. 

Diß iſt auch dadurch bedeutet, daß die Prieſter Vorbild⸗ 
muften Beinen Wein, oder ſtarck Getraͤncke trin⸗der But, 
cken, wenn fie in die Huͤtten des Stiffts giengen. 
Das iſt: Wer in die ewige Huͤtten GOttes eingehen 
will zum ewigen Leben, der muß ſich dieſer Melt 
Wolluſt, Fleifches-Kuft, und alles, dadurch das 
Fleiſch den Geift überwindet, enthalten, daß das 
Fleiſch dem Geiſt nicht zu ſtarck werde, und ihn uͤber⸗ 
winde: Denn die Welt⸗Liebe, Wolluſt, Hoffart ꝛc. 
iſt der ſtarcke ſuͤſe Wein, damit die Seele und Geiſt 
uͤberwunden wird. Gleichwie Noah und Loth durch 1.9. Moſ. 
den Nein überwunden wurden, Daß fie fich entbiöfs9- "2". 
feten: Alſo iſt groffe Ehre, Wolluſt und Reichthum Bolufein 
ein ſtarcker Nein, der die Seele und Geift überzggen. 

—8 windet, 
Nicht eben, ob wären ſolche derſelben Theile, ſondern Zeichen 
und Fruͤchte. | 


EZ 


133 B,1.E&,21. Vom wabren Bottesdienft. 


windet, daß man nicht kommen Fan in die Wohnung 
GOttes, zu GOttes Erkaͤnntniß und Heiligthum; 
0 und. fo Fan man nicht unterfcheiden, was heilig und 
eines unbeilig, rein oder unrein ift, dag iſt, man verſtehet 
Vorbild. nichts von Goͤttlichen himmliſchen Sachen , und * 
fan fein Volck nicht recht ** lehren, das. ift, fein 
Berftand und Gedancken werden vom ewigen Licht 
nicht erleuchtet, Tondern ift vom Wein dieſer Welt 
überwunden, und fahres in die Finfternik. " Auf 
F dieſe Buſſe, das iſt, auf hertzliche Reue und Leid uͤber 
die Suͤnde, und auf den wahren Glauben an Chri⸗ 
Oyneuſſe ſtum folget denn auch Dergebung der Sünden, die 
allein ftehet in dem Verdienſt JEſu E-Hrifti, und 
des DVerdienftes Fan niemand genieſſen ohne Buſſe, 
darum. gefehicht ohne Buſſe Feine Vergebung der 
Sünden. Sehet den Schächer am Creuz an, ' 
“folte er Vergebung der Stunden haben, und mit 
EHrifty im Paradieß feyn, fo mujte er am Creutz 
Buſſe thun; und das gefchahe mit reuendem und 
glaubigem Hertzen, als er fprach zu feinem Gefellen: 


uc. 3. Und du fürchteft dich auch nicht fuͤr GOttes 


ne orn? wir empfaben, was unfere Thaten wertb 
En: Und fprad zu JESU: JZERR, gedende 
an mich, wenn du in dein Reich kommeſt. Da 
fehen wir ein reuendes und glaubiges Hertz. 


Chriſtus Die gnaͤdige Vergebung ‚der Sünden, fo das 
ea teuende Hertz im wahren Glauben ergreiffet und em⸗ 
hate  pfühet, erjtattet alles vor GOtt, was wir nicht koͤn⸗ 
nen oder vermögen wiederzubringen. Da ift denn 
Coriſtus mit ſeinem Tode und Blute, und erſtattet 

alles: 





Er will / daß derjenige, welcher mit weltlichen Wolluͤſten er⸗ 
fülfet und eingenommen iſt, nicht könne fein Volck, das iſt, 

ſeinen Verſtand- und Affecten alſo maͤßigen und vegieren, 
daß ſie nicht den Heiligen Geiſt, der ſie erleuchten wolte, von 
ſich ſtoſſen. Wird alſo damit nicht geſaget daß dergleichen 
Lehrer Predigt⸗Amt an fich felbft unkraffiig ſey. 

Es wird hier nicht geredet fürnemlicd) von den Lehrern, 
fondern insgemein von allen Chriſten. 


BLE2ı. Vom wahren Gottesdienſt. 133 


alles; Jetzo iſts fo vollkoͤmmlich vergeben, als wenn 

es nie gefchehen ware, ja. die Bezahlung iſt gröffer, 

denn. Die Schuld. Daher fagt Dabid Pſ. s1.v.9.Pesnog 
daß ich nicht allein von meinen Sünden gereiniget, 
— ich ſchneeweiß werde, ſondern weiſſer 
denn der Schnee. Sintemal Coriſti Bezahlung 

groͤſſer iſt, denn alle meine Suͤnde. 

Und daher kommts nun, daß GOtt aller meiner Warum 
Sonde nicht mehr gedencken will, wenn ſich der nn ae 
Sünder bekehret. Ezech. 18. verſ. 22. C. 33. verſ. ı L.vergißt. 
Denn was volkkoͤmmlich und uͤberfluͤßig bezahlet iſt, 
ja gantz und ger getilget iſt, wie Eſa. 43. v. 25. ſte⸗ 
het, Das muß auch vergeſſen werden. Aber Das Ber 
ehren muß vorhergehen, wie der Prophet fpricht: 
Waſchet, reiniget euch, und denn kommt, ſo wol- Ea.ı. 0.26. 
‚den wir mit einander rechten Wenn eure: 
Suͤnde blutroth wäre, foll fie ſchneeweiß wer⸗ 
den, als wolt er ſagen: Ihr wollet Vergebung der 
Suͤnden haben; iſt recht, ich habs euch zugeſagt: 

Aber kommt her, ſpricht er, wir wollen mit einander 
‚ rechten. Habe ich.euch nicht Buſſe predigen laffen, 
darnach Vergebung der Sünde? Wo ift eure Buſſe? 
Wo iſt der wahre lebendige Glaube? Iſt das da, wohl⸗ 
an ſo iſt hie Vergebung der Suͤnde. Und wenn deine 
Suͤnde blutroth wäre, das iſt, fo tieff gefaͤrbet und 
ſo groß, daß weder Himmel noch Erde ſie tilgen koͤnne, 
ſo ſoll ſie doch ſchneeweiß werden. Buſſe, Buſſe 
iſt die rechte Beichte; haſt du die in deinem Hertzen, 
nemlich wahre Reu und den Glauben, ſo abſolvirt dich 
EHrifti Blut und Tod von allen deinen Suͤnden: 
Denn das ift das Schreyen des vergoffenen Bluts Wahre Ab 
ZEſu EHrifti zu GOtt im Himmel, das ift die rechte folutton. 
Abjolution. | | 
Diẽs iſt die rechte Flucht zu den Frey⸗Staͤdten, Die zn 
da man für dem Öluträcher fiber iſt, wie Moſes Bee. 
den Kindern Iſrael ausgefondert drey Frey⸗Staͤdte, 1.41.42. 
J. B. Mof4.0.41.42.43. Bezer, Ramotb und Go⸗ 
lan, daß dahin floͤhe, wer ſeinen Naͤchſten unverſehens 
33 haͤtte 


Geifllicher 
Zodtfchlag, 


Geiſtliche 
Deutung 
PR Jũdi⸗ 

en Fre 
Städte, — 


134 B.I.E.2r. Vom wahren Gottesdienſt. 
haͤtte todt geſchlagen, und wenn er dahin kam, war er 


vor dem Blutraͤcher ſicher. 

Aber, o GOTT! wie offt ſchlagen wir unſern 
Naͤchſten unverſehens todt mit der Zungen, mit den 
Gedancken, mit Haß und Neid, mit Zorn, Rachgier 
und Unbarmhertzigkeit? Laß uns fliehen durch die 


Flucht der Goͤttlichen Reue und des Glaubens zu den 


Krey⸗Staͤdten der Gnade und Barmhertzigkeit 
Gottes, und zu dem heiligen Creut des HERAN, 
zu feinem theuren Verdienft, da werden wir die rechte 
Frey⸗Stadt finden, daß uns der Bluträcher nicht 
ergreiffe, und uns mit dem Maaf wieder meffe, damit 
wir gemeffen haben. Denn EHriftus ift durch jene 
Frey⸗Staͤdte bedeutet worden: Denn Bezer heiſt ein 


feſter Thurm, turris munita; Ghriſtus iſt der rechte 


Bezer, ein feſter Thurm: der Name des EErrn iſt 
ein feſtes Schloß, der Gerechte laͤufft dahin, 
und wird beſchirmet Spruͤch. Salom. 18. v. 10. 
Dos iſt der Name JEſus. Ramoth, heiſt hoch er⸗ 
haben; ol auch der rechte Ramoth, hoch er= 
baben, Ela. 52.0.13.&.57.0.157. Der Allerhoͤch⸗ 


ſte; in ſeinem Aamen beugen fich alle Anie im 


Geifliche 
Deutung, 


- warum un 


Prieſter 


Himmel und auf Erden, und unter der Erden, 
Phil. 2. v. 10. Golan heiſt ein Hauffe der Menge: 
EHriftus ift auch der rechte Golan, überhaufft mit 
viel Gnade und Vergebung, IM. 130. v. 7. reich 
und barmhergig über alle, die feinen Tamen ans 
ruffen, Rom. 10.0. 12. 

Und dis ift das dritte Stück des rechten innerli⸗ 


* 


chen, geiſtlichen wahren Gottesdienſts, ‚der da fleuſt 


aus Erkaͤnntniß GOttes; und aus dem wahren Erz 
kaͤnntniß GOttes 8 Bulle; und aus der Buſſe die 
Vergebung der Sinde. Dis find wol drey, aber 
in Wahrheit eins: Denn dis ift das einige wahre 
Erkaͤnntniß GOttes. 
Und ſolch drittes Stuͤck iſt darinn abgebildet, daß 
die Prieſter haben vom Opffer eſſen muͤſſen, das iſt 
das riesige des Todes und Blutes Chriſti —* 
en 


B.l.E,2r. Vom wahren Bottesdienft. 1375 


den Glauben ; und daß cs an heilige Staͤtte hat muͤſſen vom Opffer 
gegeffen werden, Das ift die Buſſe. Denn der Glaube dir ;. 2, 
in Der Krafft des Bluts CHriſti macht Dich vor GOtt Mof. #- 
fo heilig, als wenn du nie Feine Sünde gethan Hatten. E. io. 
Das iſt die heilige Stätte, wie der Prophet richt: 

Wenn fich der Gottloſe bekehrer, fo ſoll ibm nicht 
ſchaden, daß er getilos geweſen, und aller feiner 

‚vorigen Stunde ſoll nicht mehr gedacht werden, 

Gied). 18. 0.22. E. 33.0. 16. — 

Eiche, alſo iſt Moſis Geſetz nun in den Geiſt Moſis Ge⸗ 
und innerlich heilig neues Leben verwandelt und Mo⸗ iu. 
fis Opffer in die wahre Buſſe, dadurch wir GOTT den Seit 
unfer Leib und Seel opfern, auch ihm ein ſchuldiges gar 
Danck⸗Opffer bringen, und ihm allein die Ehre geben 
feines. geoffenbarten. Erkaͤnntniß, der Belehrung, der 
Mechtfertigung, der Vergebung der Suͤnde; auf daß 
GDtt alles allein bleibe, feine Gnade recht erkannt, und 
mit danckbarem Hergen und Munde gelobet und gez 
preifet werde in Ewigkeit. Und das ift der rechte 
wahre Sottesdienft. Mich. 6. v. 8. Es iſt dir gefagt, 
Hienfch, was guet ft, und was der HErr von dir 
fordert, nemlich, GOttes Wort balten, Kiebe 

‚üben, und demütbig feyn vor dem HGErrn deinem 
GoOtt. Ach! wenn wollen wir doch denn nun Buſſe 
thun, auf daß wir zur Vergebung der Sünde kom⸗ 
men mögen? Denn sur Vergebung der Suͤnde HpneBufle 
‚Ban ınan nicht kommen ohne Buſſe. Wie kan gun 
doch Ende vergeben werden, wenn nicht Gottliche bung. 
Onadenzhungrige Neue Über die Suͤnde ift? Wie 
Fan aber bey dem Reue über die Suͤnde feyn, der die 
Suͤnde nicht laſſen will, und fein Leben ändern? GOtt 
bekehre uns alle um EHrifti willen! 

Alſo verficheft du nun, daß der wahre Bortes- Wahrer 
dienft fEebet im Hertzen, in Erkänntniß GOttes, in ie: 
wahrer Buffe, dadurch das Fleifch getödtet, und der Sersen, 
Menfch zum Bilde GOttes wieder erieuert wird; richt Auf 
Denn dadurch wird der Menfch zum heit. Tempel Fhneriicher 
GOttes, in welchem der innerliche Gottesdienſt durch Bores 

% 4 den dienft, 





136 BI. C. 21. Dom wabren Bottesdienft. 


den Heiligen Geift verrichtet wird, Glaube, Liebe, 
Hoffnung, Gedalt, Gebet, Danckfagung, Lob und’ 
Preiß GOttes. 3— 
Warum es Dicht aber heiſts darum. ein Gottesdienſt, daß 
Denk heif GOtt unſers Dienfts bedürffe, oder daß er Nutzen 
fet. davon hatte: Sondern fo barmhertzig und gütig ift 
er, daß er ſich felbft. uns mit alle’ feinem Gute gerne 
mittheilen- wolte, in uns leben, wurefen und wohnen, 
wenn wir ihn durch feine Erkaͤnntniß durch den Glau⸗ 
ben und wahre Buſſe aufnehmen tvolten, daß er feine 
Ä Werckſtatt in ung haben möge. 
on Denn e8 gefallen ihm Eeine Wercke, die er nicht 
GOTT ge, Feb in uns würdet: Darum bat er uns befohlen 
fallen. Buſſe zu thun, gläuben, beten, faften, auf daß wir, 
und nicht er, Nutzen davon hätten. Denn GOtt Ean 
niemand geben oder nehmen, frommen oder ſchaden; 
Sind wir fromm, ift der Nutz unſer; find wir bofe, 
der Schaden ift unfer. Wenn du gleich fündigeft, 
was wilt du GOtt fehaden? 
on Ni Daß uns GDtt aber ihm dienen heiffet, thut er 
Hasen nicht ſeinetwegen, fondern unfertiwegen: denn weil 
dienen, it GOtt felbft die Kiebe iſt, fo thut man ihm einen 
np Dienft daran, und gefällt ihm wohl, fo er viel fin 
nicht Gon den mag, Die feiner Kiebe genieffen mögen, denen ex 
ka fich Fan mittheilen: Gleichwie ein Kindlein der Mut 
ter einen Dienft daran thut, wenn es ihr die Milh 
ausfauget, und das alles aus Liebe; Diel milder ber 
gnadet GDtt feine Liebhaber. 


| Gebet. 


Getectet GOtt, dein heiliges Wort warnet ung, daß auch 
Jar.ı.v26. der, der ſich laͤſſet duͤncken, er diene GOtt, fein Hertz vers 

.  führen;und fein Gottesdienſt eitel feyn konne; daß viele fich ach: 

Efa. 58.0.2. ten, als ein Volck, das Gerechtigkeit ſchon gethan,und das Recht 
. ihres GOttes nicht verlaffen hätte; daß vieler Gottesdienſt ver» 

geblich fey, dannenhero fie ein meit ander Urtheil auf ihre Wer⸗ 

Marc.7, clean jenem Tane hören werden, als fie ihnen eingebilder; So 
d. 2, bitte ich dich, mein GOtt, erfülle mich mit Erkaͤnntniß deines 

Darth. 7. Willens in allerley geiftlicher Weisheit und Verftand, daß ich 
AR | | wandele 























































































































Allein den 
BERGER; 





LEITET wa IL ALDI: 


am fi | EN IM 











Das Erſte Buch, Cap.XXIL.  pag.137 


Hier find abgebrochene gruͤne Zweige in einem Krug mit 
Waſſer gefüllt, in welchem fie grünen und blühen, und alfo den 
Schein der Früchte von ſich geben: allein weil fie den rechten. 
Eafft von dem Baum nicht genieffen, fo wird nichts aus den 
Fruͤchten, fondern eg fällt alles ab, und haben alfo allein den 
Augen gut gefchienen: So ift e8 auch bewandt mit dem Heu⸗ 
chel⸗Chriſtenthum, welches einen feinen Schein hat, aber feine 
voliommenen Früchte der wahren Liebe bringet, weil es des ie» 
bendigen Saffts JEſu CHrifti mangelt. 


Matth. 7. verf. 20. 
An ihren Srüchten follt ihr fie erkennen, 


So weit kan es ein Heuchler bringen, 
Der EOtt nicht hertzlich liebt 
Noch vorzeucht allen Dingen, _ 
Daß er den Schein des Glaubens von ſich giebt: 
Kr blübr und grünt 
Mit manchem um die Wett, der HHDrt aufrichtig dient: 
Er fiehet luftig aus, und ſchmeichelt dem Geſichte; 
och wenn man ihm das Laub abftveifft . 
Und in fein Inners greifft, _ _ 
Erhafcher man an ftatt gewuͤnſchter Früchte 
Nur Schatten Werk und Wind, 
Aufs böchfte, Dinge, die zwar Früchten gleichen, 
Doch niedie Vollkommenheit erreichen, 
Und weder GOtt noch Menſchen nüse find, 
Diellrfach ift, erziehet feinen Safft 
Nicht aus dem Baum des Lebens, 
Und mühet fich vergebens 
Durch eignen Wis und Krafft 
Zu thun des guten Geiftes Wercke. 
Menich! kehre bey dir felber ein, und mercke, 
Db du nicht folch ein kahl Sefträuche bijt, 
Das in das Feur gehört. O laß dich lencken! 
Ergieb dich dieſer Hand, die ausgeftrecker ift 
Dich in den echten Weinſtock einzufencken : 
Wirſt du nicht widerftreben, 
So wirft du fruchtbar feyn, ererben Deil und Leben | 


B.1.E.21.. Pom wahren Bottesdienft. 137 





wandele würdiglich, die meinem HErrn zu allem Gefallen, und Col. 1. 0.9. 
fruchtbar fey in allen auten Werden, und wachfe in deinem Er⸗10. 11. 12. 
kaͤnntniß, und geſtaͤrcket werde mit aller Krafft, nach deiner 
Goͤttlichen Macht in alter Gedult und Langmuͤthigkeit niit Sreus 

den, und Danck fage dir dem Bater,der ung tüchtig gemacht hat 

zum Erbtheil der Heiligen im Licht. Ach laß mich nicht mit der 

Welt die Hulfen und Schein eines gottfeligen Wefeng erweh-2. Tim. 3. 
len,da ich veffen Krafft verleugne; fondern gieb mir, durch taͤgli⸗b. $- 

che Buffe den alten Menfchen zu ereußigen und zu toͤdten, am in» Epb. 3. d. 
wendigen Menfchen aber ftarck u. erneuert zu werben zu deinem 16. 17. 
Dilde, CHriſtum wohnend zu haben durch den Glauben in mei; 
nemHertzen, und durch diekicbe in ihm eingewurtzelt und gegrün- 

det zu ſeyn. Laß mein Hertz deinenTempelfenn,in welchem der 9.1. Cor. 6. 
Geiftdich in wahrem Glanben mir zueigne, mich in wahrer Kicbe ”- 19* 
gegen dich entzünde, und zu danckbarem Gehorfam anführe, Nm. 14. 
und ich alfo den dir gefäligen Gottesdienſt unabläßiwverrichte., Gar 2 
Laß alles mein Thun aus dem Glauben geben, in der Liebe aery. 1“. 17 
fchehen, zu deinen Ehren und meines Naͤchſten Heil durch JE⸗. Eor. 10, 
fum CHriſtum unfern Herrn! Amen. v. 30. 31. 


Ins Das XXI. Capitel. 

Ein wahrer Ehrift Fan nirgend an er: 
kannt werden, denn an der Liebe undtäglichen 
Beſſerung feines Lebens, tie ein Baum an 

‚ feinen Früchten. | 
Sf. 92.0, 13.14.15. 16. Der Berechte wird gruͤ⸗ 
‚nen wie einPalmbaum: Er wird wachfen wie 
ein Ceder auf den Libano. Die gepflanger 
find in dem Hauſe des SErrn, werde: in den 
' Vorböfen unfers GOttes grimen: Und wenn 
fie gleich alt werden, werden fie dennoch blü- 
ben, fruchtbar und frifch ſeyn, daß fie verfün- 
. digen, daß der HErr fo fromm iſt, mein Hort, 
und ift kein Unrecht an ihm. 


Ne der Name, fondern ein Chrifklich Ce⸗ Was einen 


‚ben beweiſet einen wahren Chriſten; und Edritten be⸗ 
wer ein rechter Ehrift feyn will, foll ſich befleißi⸗ weiſet. 
gen, daß man EHriftum felbft in ihme fehe an feiner 
Siebe, Demuth und Freundlichkeit: Denn niemand 
us Tan 


138 B. J. C.22. Ein Chrift wird 


EHriius kan ein Chriſt ſeyn, in welchem CAriffus nicht 
lebt. Gin ſolch Leben muf von innen aus dem Herz 
—— gen und Geiſt gehen, wie ein Apffel aus der innerli⸗ 
- chen grünenden Krafft des Baums: Denn der Geift 
EHrifti muß das Leben regieren, und CHriſto gleichfoͤr⸗ 
mig machen, ivie St. Paulus Nom. 8. v. 14. fericht: 
Welche der Beift GOttes treiber, die find GOt⸗ 
tes Kinder; Wer den Geift GOttes nicht bat, 
der iſt nicht fein, v.9. Was nun für ein Geift den 
, Menfchen inmwendig treibt und beweget, fo lebet er aus⸗ 
‚ Ein ieglih wendig: Darum zu einen rechten Chriſtlichen Le⸗ 
eetz gedet gem der Zeil. Beift hoch vonnoͤthen iſt. Dennein 
Geik. - ieglich Keben gehet aus dem Geiſt, es fey gut oder bofe: 
Darum hat uns der HErr befohlen, um den Aeiligen 
Geift zu bitten, und er hat ung denfelbigen verbeif: 
fen, Luc. 11.0. 13. Underift der Beift der neuen 
Geburth, der uns in EHrifto lebendig machet zu ei⸗ 
nem neuen, geiftlichen, himmlifchen Reben, Tit. 3. v. 5. 
Aus. demfelbigen immer grünenden lebendigen Geiſt 
Gottes müffen hervor blühen die Chriftlichen Tugen⸗ 
den, daß der Berechte grüner wie ein Palmbaum, 
und wächfet wie eine Leder auf dem Kibano, die 

der Err gepflanget bat. 

Darum muß der Menfch erftlich inwendig er— 
neuert werden in dem Geift feines Gemütbes 
nach GOttes Bilde, und feine innerliche Begierden 

und Affeeten muͤſſen Chriſto gleichformig werden, 
welches St. Paulus nennet, nad) GOtt gebildet 

Ein Ehrid werden, Ephef. 4.0.23. auf daß fein aufferlich Le— 
mußvon ben aus Dem Grunde feines Hertzens gehe, und er 


innen all , { N j 
fen, wie er von innen alfo fey, wie er von auffen vor den Mens 7 


"von auſſen. ſchen iſt. Und billig fol inwendig im Menfchen viel 
mehr, feyn, denn auswendig geipuhret wird: Denn 
Gott fichet ind DVerborgene, und prüfer Hertzen 
und Nieren, Pſalm 7. v. 10. 

Nach ber Und ob wir wol inwendig nicht fo rein feyn als die 

Ännerlichett Engel, ſollen wir Doch darnach feuffgen, und dis glaͤu⸗ 


AO ige Seuffzen nimmt GOtt an / uns zu reinigen; Denn 
Der 


feuffien. 


an der Liebe erkannt. 139 | 


ED Be Au one 
der Heilige Beift Hilft unferer Schwachbeit, und 
vertritt uns bey GOTT mit unausfprechlichen 
Seuffzen, Roͤm. 8. v. 26. Ja, das Blur CArifti 
reiniget uns alfo durch den Glauben, Ay. Sch. ı 5. 
v. 9. Daß Eein Rungel oder Flecken an uns ift, Eph. 5. 
v. 27. Und das noch mehr ift, unfere Reinigkeit, 
Heiligkeit, Gerechtigkeit, ifE nicht eines Engels Rei⸗ 
aidkeit, fondern fie it CHriſti Neinigkeit, EHriftt 
Heiligkeit, EHrifti Gerechtigkeit, ja CHriſtus ſelbſt, 
1,601, 7.0. 30, | 

Darum wir unſere Heiligkeit weit über aller Enz Der Chri⸗ 
gel Neinigkeit und Heiligkeit fesen follen: denn fie fen Deilige 
it EHriftus fawft, Ser. 33. v. 16. Und diefe em⸗ Keinigket. 
pfangene, unverdiente, aus Gnaden geſchenckte Ge 
rechtigkeit, Neinigkeit und Heiligung foll billig Leib, 
Geele und Geift erneuern, und ein heilig Leben würs 
cken. Darum müffen wir ſeyn in unferm Chriſten⸗ 
thum, wie ein junges Palmbaumlein, das immer gruͤ⸗ 
net, fortwoachfet, und gröffer wird; Alſo müffen wir 
wachfen und zunehmen in CHriſto. Sp viel wach“ 
fet aber ein Menfch, in EHrifto, fo viel er am Glau—⸗ 
ben und an Tugenden und Ehriftlichem Leben zus 
nimmt, und fich taglich beffert, und fo viel CHriſtus 
in ihm lebetz und das heif-grünen wie ein Palm- 


sum, REN N 
Ein Ehrift mußfich taglich erneuern, Eph. 4, 9.23. Ein Chriſt 
ol. 3.0. 10. und auffprieffen wie ein Palmbaum Ir Ren,, 
und ihme vorfegen, feinem Namen gnung zu thun, als Palm: 
ob er heut erſt ware ein Ehrift worden, und. foll täglich baum. 
darnach teuren, daß er nicht ein falſcher Chriſt 
feyn möge, ie ein ieglicher, der beruffen iſt zu eis 
nem Amt, ſich befleifigen muß, feinem Beruff genug 
zu thuns Alfo find wir'beruffen zu EHrifto mit ei= EinesEhrl- 
nem beiligen Öeruff. Und wo ein ſolcher heiliger Ken Deruf 
Dorfag nicht ift, da ift auch Feine Befferung, und Gruͤ⸗ ) 
nen und Zunehmen in EHtifto, ja der lebendigmachende . 
Geiſt CHriſti iſt nicht da: Denn ein folder Vorſatz 
Gutes zu thun koͤmmt aus dem Heil. Geiſte, und iſt 
die 


140 BE. 22. Ein Chrift wird 


REED IT FESTE TEE TE TREE 7 21 Del Zeus 
— — vorlauffende * Gnade GOttes, die alle Men⸗ 
ses rufer ſchen locket, reitzet und treibet. Wohl dem, der ihr. 
uns, Statt und Raum giebt, und die Stimme der Meis- 
beit GOttes höret, die auf der Gaflen ruffer! 
Spruch. Sal. 1.0.20. Alles, was ein Menſch anfiesı 
het, ift eine Erinnerung feines Schoͤpffers, Dadurch 
rufft ihr GOtt, und will ihn zu ſich ziehen. { 
Kenn Und ſo offt wir nun dag mercken, daß wir gerufen 
Dun und gelocket werden, ſollen wir bald anfahen Gutes Zu. 
die rechte thun; denn das iſt die rechte Zeit, da wir nicht verhin⸗ 
Zeit · dert werden: Es wird bald eine andere Zeit kommen, 
da mwirverbiridert werden Gutes zu gedenefen, hören, 
reden und .thun. Darum fiehet daſelbige Die ewige 
Weisheit GOttes zuvor, und ruffet uns an allen Or⸗ 
ten, daß wir die Zeit nicht verſaͤumen. 
Gneden⸗ Siehe einen Baum an, der ſtehet immer und war⸗ 
Schein, , tet. auf den Sonnenſchein und gute Sinflüffe des Hims 
GHrres, mels, und ift immer bereit, Diefelbe zu empfahen: Alſo 
Pi.1 0.3 fcheinet Die Gnade GOttes und himmliſche Ein- 
fluͤſſe auf dich, wuͤrdeft du nur nicht von_der Belt 
verhindert, Diefelbe zu empfaben. 
Nechtigfelt Bedencke die kurtze Zeit deines Lebens, wie viel 
une * Übungen Chriſtlicher Tugenden du verfaumet haft; 
die halbe Zeit deines Lebens haft du gefchlafen, Die 
andere Helffte haft du mit Eſſen und — — 
oracht, 


x Nicht daß ſie vor der Rechtfertigung vorlauffe, als auf welche 
fie folget, fondern daß fie dem Menſchen zuvorkomme, ihn zu 
guten Wercfen anzutreiben, und ihn zu erneuern. Lach. Kir 
chen Poftill Dom. 1. Adv.Ehe denn duGOtt anruffeſt, und ſu⸗ 
cheſt, muß GOtt zuvor kommen, und dich funden haben. Es 
ift fein ander Anfang fromm zu werden, denn das dein König 
zu dir komme, und fahe in dir an. Tom. Il Lat. £. 218.2, Non 
nobis cogitantibus, fapientibus, volentibus, oritur in no- 
bis fides Chrifti, fed.incomprehenfibili & occulto opere 
Spiritus prevenitur, quisquis fide donatur in Chrifto, Das 
iſt: Damir nicht dran denen, darnach verlangen und bes 

ierig find, entftehet in ung der Glaube CHritti, fondern 

B9tt koͤmmt einem ieden durch die unbegreiffliche und vers 

borgene Würdung des 9. Geiſtes zuvor, der da.mit dem 

Glauben CHriſti beſchencket wird. 





an der Kiebe erkannt, 141 


— — — — — — — — — an — 
bracht, und wenn du nun ſterben ſolt, haft du kaum 
angefangen recht zu leben, und Gutes zu thun. A 
Wie ein Menſch zu ſterben begebret, ſo hen 
er auch leben. Du wolteſt ja nicht gerne ſterben pou. 
als ein Sottlofer; ey fo foit du auch) nicht leben als 
ein Gsttlofer: Wilt du fterben als ein Chriſt, fo 
muft du leben als ein Chriſt: Der lebet aber als ein 
Ehrift, der alfo lebet, als wenn er heut fterben ſolte. 
Ein Knecht muß immer bereit feyn, vor feinem Herrn 
. zu erfcheinen, wenn er ihn ruffet: Nun ruffet GOtt 
einen ieglichen durch den Tod. ' —— 
Selig iſt der Bnecht, den der HErr wachend Luc. 12. v. 
findet, wenn er kommt! Er wird ihn über alle d, 
feine Büter fegen. Aber it aber, der da wachet? Fende 
Der fich die Welt; und die nad) der Welt leben, Fredt- 
nicht laͤſt verführen. Die Aergerniffen find die bs 
fen Pfropff⸗Reiſer Die offt einen guten ’Baum verder⸗ 
ben, daß er nicht grünen und blühen Fan, ıc, 


Gebet, - 


Chmein himmliſcher Bater, von welchem alle gute Gaben, Zac.ı. 17 
und alle vollfommene Gaben von oben herab fommen, vom 
Vater des Lichte, der du in uns würckefi beyde dag Wellen und Philmv.y. 
° Bollbringen nach deinem Wohigefallen: O HErr JEfu CHri- 
fie, ver du bift ver Anfänger und Vollender des Glaubens, und, Hebr. 12. 
o GOtt Heiliger Geift, ver du würckeſt alles in allem, nach "2. 
deinem Wohlgefallen: Ich bitte dich von Hergen, du wolleſt Dit u 
das gute Werck, das du in mir angefangen, vollführen biß in 
‚den Tag JEſu EHrifi, daß ich möge ie mehr und mehr reich 
„werden in alleriey Erkaͤnntniß und Erfahrung ; daß ich prüfen 
möge, was dag Beſie fiy, aufdaß ich fey lauter und unanſtoͤßig 
biß auf den Tag EHrifli, erfüllet mit Früchten der Gerechtig⸗ 
keit, diedurch ZEfum EHriftum gefchehen in mir, zur Ehre und 
Lob GOttes. Ach mein GDtr, ich trage meinen Schatz im iv, 2. Cor. 4. 
difchen Gefäffe ; der Teufel, die Welt, und mein eigen Fleifch * 7° 
plagen mich, und ftreiten wider meine Seele. Gieb, daß ic) 
ritterlich kaͤmpffe, und den Sieg behalte, daf ich diefe Feinde 
uͤberwinde, daß ich meinen Leib gebe zum Opffer, das da heilig, 
lebendig und GOtt wohlgefaͤllig ift ; und mich verändere durch Roͤm. 1a. 
Erneuerung meines Einneg ; daß id) prüfen moͤge, was da fiy - * 
der gnädige, gute, mohlgefälige und vollfommene GOttes 
Wille. Gieb mir, D HErr ZESU, Krafft nach ven Neich; Epheſ z. 1 
shum deiner Derrlichkeit, durch deinen Geiſt ſtarck zu werden 1917892 
an 


142 B.J. C.22. Kin Chrift wird 


an dem inwendigen Menfchen,und daß du durch den Glauben in 

meinem Hertzen wohnen mögeft,und durch die Liebe eingewurtzelt 
und gegruͤndet; daß ich lerne erkennen, wie hoch deine Liebe, wie 

tief, wie breit und lang diefelbe fey,undEhriftum lieb haben beſſer 

ſey / denn alles wiſſen, u. erfüllet werde mit allerleyGSDttesFülle. 

%05.6.0.39. Ach mein liebfter himmliſcher Vater, eg ift ja dein Wille, daß du 
feinen verliereft von alle denen, die du deinem lieben Sohn ges 

geben haft; darum erhalte mich im Glauben, befeftige mich in 

der Liebe, färcke mich in der Hoffnung, und wenn ich ftrauchele, 

fo erhalte mich, wenn ich fincke, fo reiche mir deine Hand, und 

wenn ich aus menfchlicher Schwachheit falle, forichte mich wies 

Pf.14s. der auf, denn du hälteft alle, die da fallen, und richteft auf die 
D,14, niedergefählagen find. Du fpeileftdie Hungerigen, bu loͤſeſt die 
. Gefangenen, du macheft die Blinden fehend, und behüteft die 
Srembdlingen und Wänfen, und erhälteft die Witwen, du heileft 

Pſ. 147.09. die zerbrochenes Hertzens find, und verbindeft ihre Schmergen. 
Ich du heilige Dreyfaltigkeit, komm zu mir, und mache Wohs 

nung bey mir; erfülle mich bier mit deiner Gnade, und dorg 

mit deiner ewigen Herrlichkeit; erhöre mein Gebet, gieb mir deis 

nen Heiligen Geift, der mich mit deinem göttlichen Wort erleuchz 
te, heilige, lehre, tröfte, ſtaͤrcke- Fräfftige, gründe, erhalte zum 

Pſ.43. 9.3. ewigen Leben. Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß fie 
/ mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berge, und zudeiner 

2. Tim· 4. Wohnung: Laß mic) einen guten Kampff kaͤmpffen, daß ich den 
v.7. Glauben und gut Gemwiffen behalten möge. Leite mich in deiner 
Wahrheit, und lehremich, denn du bift der GOtt, der mir hilft, 

DH. 05, v. z. täglich harre ich dein. Gedencke, HErr, an deine Barmherkige 
€. 7. keit, und an deine Guͤte, die von der Welt her geweſen iſt: Ge: 
dencke nicht der Sünden meiner Jugend, noch) meiner Ubertrez 
fung, gedencke aber mein nach deiner Barmhertzigkeit, um dei⸗ 

ner Guͤte willen. Ach HErr JEſu, gieb mir wahre Buffe, hergs 

2. Cor.7. liche Neu und Leid über meine Sunde,eine göttliche Traurigkeit, 
v. io. die in mir wuͤrcke eine Reue zur Seligkeit, die niemand gereuet, 
daß mein Hertz bereitet werde, fähig zu werden deines Trofteg, 

‚ und der hochtwärdigen Vergebung der Sünden. Gieb mirden 

Geiſt der Liebe, der Sanfftmuth, der Demuth, der Gedult, der 
Andacht, der Gottegfurcht, der Gnaden und des Gebetg, daß 

ich mit allen Heiligen befigen möge dein Reich, ergreiffe deine 

Tim.6. Liebe und dag ewige Leben. O GOtt Heiliger Geift, erleuchte 
v. 15. mein Hertz mit dem ewigen Licht wende mein Hertz ab von der 
Joh . 2. Welt, vonder Augen⸗Luſt, Fleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtigem Leben, 
8 — daß ich vergeſſe, das dahinten iſt, und ſtrecke mich nach dem, dag 
Vbil.z. v. 3. 5 forneift. Gieb, daß ich den heiligen und hochgelobten Nas 
men GHDttes recht heilige, alegeit preiſe nimmermehr läftere, in 
Verfolgung nicht verleugne, in Todes-Noch befenne. Sieb, Sr 
| er 14 GOites Reich in mir ſey und Dleibe,umd des Teufels Neich zerſt h 

X 





6 


IT Ten 






























































Am — 
abgefondert . 





li) —IIDDDIDIOIIDDCDCCDCDV 


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ML... LEE V — 








rn 3m 


asmam 


>22 


Das Erſte Buch, Cap. XXIIL. pag. 143 
Hier ift ein Pomerantzen Baum, der in einem Kaften gang 
abgefondert fiehet, und gegen dem Winter zu in eine Etube oder 
Keller getragen wird, daß weder Wind, noch Froft, noch Schnee 
ihm fchaden, fondern er hernach auf den Frühling und Som; 
mer defto beſſer wachfen und Srüchtebringen fan. Alfomächft 
ein Ehrift am beften im Glauben, Liebe und andern Tugenden, 
wenn er von der Welt abgefondert lebet, und die weltliche Ge⸗ 
fellfchafft meidet. Denn wenn Unglück die gottlofen Welt 
Kinder trifft, fo ift er in der Hütten und Gezelt GOttes bede⸗ 
cket und verborgen. 
Ü Palm 26. verf. 4. 
Ich fie nicht bey den eiteln Leuten, und babe 
nicht Gemeinfchafft mir den Salfehen: Ich 
baffe die Derfammlung der Bosbafftigen. 


ag Fall ein Chriſt foll wachfen, und allein 
Seinem Herren Früchte bringen, _ 
So muß er von der Welt und ird ſchen Dingen 
"in Zinfamteit | 
Des Geiſtes abgefchieden feyn: 
Denn diß iftdie Selegenheit, 
Daß ihn der HErr mit nicht gemeiner Sorgfalt heger, 
Und fein mit eignen Handen pfleget, 
Daß er infeiner Hütten ihn bedeckt, 
Und heimlich im Gezelt 
Verborgen halt, 
Kenn Blaft und Sturm die Baum im Wald ers 
\ ſchrecken; 
Kein Wetter kan ihm ſchaden, 
Kein Froſt gefaͤhrlich ſeyn, 
Weil er in ſeines GOttes Gnaden 
Und Vater⸗Arm geſchloſſen ein. 
Muß er gleich hier auf Erden 
Das Elend baun, und von der argen Welt, 
Die ihn als einen Fremdling halt, 
Rerachtet und gehaffet werden, 
So ift er doch getroft, und ruht in deffen Hand, 
Der ihn gepflangt und wuͤrdig ſchaͤtzet, 
Daß er ihn mit der Zeit verfeßer 
Ins Paradies und rechte Darerland, 


ander Kiebe erkannt. 143 


2001120011 nn nn — — — 
vet werde; behuͤte mich für Lügen, für Laͤſterung, für Irrthum, Ppil4 v.7. 
Blindheit und Finfterniß ; wuͤrcke in mir Gerechtigkeit, Friede 
und Sreudeim H. Geift, und der Friede GOttes, der höber ift, 
denn alle Bernunfft, bewahre mein Herg und Sinn, in CHriſto 
JEſu meinem HErrn. Gieb,daß ich den Willen meines GOt⸗ 
tes gerne thue, und meinem fleifchlichen Willen abfage,und dens 
felben tödte; und wenn mein letztes Stündlein koͤnmt, fo laß 
den ewigen Namen JEſu mein legtes Wort und Seuffzen feyn, 
daß ich in ihm felig einfchlaffe, und froͤlich am jüngften Tage zum 
ervigenLeben möge auferfiehen, durch) ZEfum CHriſtum! Amen. 


Das XXIII. Capitel, 


Ein Menſch, der in CHriſto will wach⸗ 
ſen und zunehmen, muß ſich vieler welt 
lichen Geſellſchafft entſchlagen. fr 
Pſ. 84.0.2. 3. Wie lieblich find deine Wohnun- 
gen, HErr Zebaoth! Mein Zeib und Seel 
freuet fich in dem lebendigen GOtt. 


Llzuvieler und oͤffterer weltlicher Geſellſchafft Der viele 
N) muft du dich Auffern und a au weitichen 
gleichwie dem menfchlichen Leibe nicht beffer ift, Kbaft fol 
denn wenn er in feinem Haufe ift: Alſo ift der Seele Mani 
nicht beffer, als wenn fie in ihrem eigenen Haufe ift, das — 
iſt, in GOtt ruhet, daraus ſie gefloſſen iſt, da muß ſie 
wieder einflieſſen, ſoll ihr wohl ſeyn. 
Eine Creatur ruhet nicht beſſer, als in dem, daraus 
ſie worden iſt: Ein Fiſch im Waſſer, ein Vogel in der 
Lufft, und ein Baum im Erdreich: Alſo die Seele in 
GOtt, wieder 84. Pſ. v. 4. ſpricht: Der Vogel bar 
ein Haus funden, und die Schwalbe ihr Neſt, ꝛc. 
Und wie esnicht gutift, daß man die Jungfrauen und 1.8, Mor. 
Kinder viel ſpatzieren gehen laͤſt: Alſo its nicht gut, 3% 9 
daß du deine Gedancken und Norte viel laffeft unter 
andere Leute fpagieren gehen: Behalte ſie im Haufe dei- 
nes Hertzens, ſo werden ſie nicht von den Leuten geaͤrgert. 

In den Vorhoͤfen unſers GOttes grünen Yf.92n.14 
die Pflanzen des HErrn, wie Cedern auf dem Die Vor 
Libano. Was find die Vorhöfe unfers GOites⸗ hen 
Es ſind die innerlichen geiftlichen Feyertage des Her: 
Gens, und der innerliche geiftliche Sabbath, und der 

bluͤhende 


Sobelied 3. 


v. 1. 


Nichts zu 
gebrau⸗ 
chen, das 
nicht beſ⸗ 
ſert. 


* 
/ 


Beſchrei ⸗ 
bung des 


Menſchen · 


144 Bu C. 23. Ein Chriſt muß ſih vieler. 


blůͤhende Libanus in der Wuͤſten, in der Einſamkeit 
des Geiſtes. Suche denfelben, fo kanſt du dich felbft 
erforfchen, und GOttes Wunder und Wohlthaten 
betrachten. 

Mancher hat Luft, Flug und ſpitzig Ding zu lefen 


und zu erforfchen, dadurch Doch das Hertz mehr gearz 


gert als gebeffert wird. Was nicht Ruhe des Her 
tzens und Beſſerung mit ſich bringet, das foll nicht 
gehöret, geredt, gelefen Oder gedacht werden: Denn 
Die Baume des Herten follen immerdar wachfen und 


zunehmen in CHriſto. Et. Paulus hat fi) gehal⸗ 


ten als einer, der nichts mehr wäjte, denn IE⸗ 
ſum Chriſtum den Gecreusigten, 1, Cor. 2.0. 2 


Darum die Heiligen GOttes fi) immer befliſſen has 


ben, in der Stille mit inniger Andacht Goͤttlich zu les 
ben, und den himmlifchen Gemuͤthern gleich zu wer⸗ 
den, und in GOtt zu ruhen, das iſt die hoͤchſte Ruhe 
der Seelen. Darum einer von denfelben gefagt: 
So offt ich unter den Mienfchen bin, Eomme ich 
minder denn cin Menſch wieder beim. Denn 
die Menfchheit ftehet indem Gleichniß GOttes, dar⸗ 
um GOtt den Menfthen alfo definirt und befchrie- 
ben, daß ein Menſch ein Bild fer, das ibm gleich 


ſey, 1. B. Moſ. 1.0.26. Je ungleicher GOtt, ie min⸗ 


der Menſch; ie mehr ſich aber der Menſch zu GOtt 
wendet, ie gleicher e GOtt wird. Soll ſich aber der 
Menfch zu GOtt wenden, fo muß er fich von der Welt 


abwenden. Ein ieglich Samlein bringet eine Frucht, 


Saame 

GOttes 

bringt 
Örrliche 
rucht- 


Nergerliche 


Morte ber 


flecken die 


Gene 


die ihm gleich iſt; Alſo iſt der Saame GOttes in Dir, 
der Heilige Geiſt und das Wort GOttes, ſo wirſt du 
ſeyn ein Baum der Gerechtigkeit, ein Pflaͤntzlein 
zum Lob und Preiß GDttes, Eſa. 61.0. 3. 
tanchmal wird ein Wort geredt, oder man tes 
dets feibit, das einem ein Stachel wird im Hertzen, 
welcher die Seele verwundet, Darum ift niemand 
ſicherer und ruhiger, denn -fo er daheim it, und auch 
feine Gedanken, Wort und Sinn in dem Haufe feines 
Hertens behaͤlt. Man lieſet von Diogene, dem Phi- 
— 


— 


Geſellſchafft entſchlagen. 145 


— da ihn einer, vexiret bat mit dieſer Schluß⸗ 
Rede: Was ich bin, das biſt du nicht: "ch bin 
ein Menſch, darum biſt du Bein Menſch; hat er 
geſagt: Der Schluß iſt nicht recht; job von mir an, 
ſo iſt er recht. 
Will einer wohl reden lernen, ſo lerne er zubor wohl Tugend 
fehweigen; denn viel waſchen heilt nicht wohl veden, Kyaman 


Will einer wohl regieren, der lerne zuvor wohl unter⸗ tafeit de⸗ 


thänig ſeyn; Dem niemand kan wohl regieren, der bohren. 
SDTT nicht felbiten unterthänig und gehorſam iſt. 
Bil einer: Ruhe und Friede im Hertzen haben, fü bes 
wahre er feinen Mund wohl, und befleißige fich eines gu⸗ 
sen Gewiſſens: ‘Denn ein boͤſes Gewiſſen iſt die groͤß Gröffekte 
ſeſte Unruhe; doch findet auch ein boͤſes Gewiſſen ſeine aan * 
Ruhe in EHrifto Durch Wiederkehrung und Buſſe. Deutung 
Gleichwie das Täublein Noa nirgends fand, da Pride 
es möchte ruben, obne in der Archen, darum Fam 8.0.9. 
es wieder; Die Arche iſt CHriſtus und feine Ehriften- 
heit, die nur eine Thür oder Fenster hat, das ift die 
Buſſe, dadurch man zu EHriite eingehet. Und wie 
das Taublein bald wieder koͤmmt zu Der Archen: Alfo 
muftdu bald wieder einkehren in dein Hertz zu CHriſto, 
von den vielen Waſſern dieſer Welt; oder du wirft 
Feine Ruhe finden. 

Biſt du nun unter den Reuten, und muſt der Belt nit oh⸗ 
gebrauchen, thue es mit Furcht und Demuth ohne Sir! Surdt 


iu 3 
cherbeit, und fey wie ein junges Baͤumlein an den Stab en. 


der Demuth und Gottesfurcht gebunden, daß nicht ein | 


Sturm-IBind aufjtche, und dich zubreche. Wie offt 
wird mancher betrogen, der-allzuficher die Welt ges 


brauche! Wie dem Meer nicht zu trauen ift, alfo ift 


der Welt auch nicht zu trauen: Denn die auswendige 


 Ergeglichkeit und Troft der Welt kan bald in ein Uns 


geſtum verkehret werden, und die Welt⸗Freude kan bald 
ein bös Gewiſſen machen. 

D wie ein gut Gewiſſen bebielte der, der keine Wahre Kir 
zergängliche Freude füchte, und ſich nimmer mit Zrop, 
van Belt bekummerte! O wie ein ruhig und Ar: 

eil, a: jam 


146 B..E.23. Ein Chriſt muß ſich vieler 


ſam Gewiſſen haͤtte der, der allein Goͤttliche Dinge bes 
trachtete, und alle ſeine Hoffnung auf GOtt ſetzte! 
O wie groſſen und ſuͤſſen Troſt wuͤrde der von GOtt 
haben, der ſich nicht auf der Welt Troſt verlieſſe! 
ers... Wie mancher Menfih würde offt feine Bekehrung, 
Diefferung und heilige Andacht bey ihm felbft finden, 
Feinengrie die ex bey andern Leuten * verleuret: Denn in deinem 
vn Hertzen findeſt du das, das du auffer Demfelbigen ver⸗ 
feureft. Ein Baumlein waͤchſet nicht beffer, denn in 
feinem eigenen Grunde und Erdreich: Alf, der innere 
Menſch waͤchſet nicht beffer, denn im innern Grunde 

des Hertzens, da EHriftus iſt. FRE 
Gewiſſens Freude und Traurigkeit ift des Menſchen Gewiſ⸗ 
Art. fen: Braucheft du es zu Göttlichen innerlichen Din⸗ 


gen, fo wird dein Gewiſſen Deine inwendige Freude: 


Braucheft du es zu aufferlichen weltlichen Dingen, ſo 
wird es Deine inwendige Traurigkeit und Hertzeleid, 
2,601,7.0.10. ; { 
Heilfamt So offt fi eine andaͤchtige Seele um der Suͤnden 
— willen betruͤbet, jo offt beweinet ſie ſich heimlich, da fin⸗ 
keit. det fie den Thraͤnen⸗Brunnen und Thranen-Quellen, 
mit denen fie fich alle Nacht im Glauben und Geiſt 
durch den Namen JEſu waͤſchet und reiniger, 
auf daß fie heilig und würdig ſey einzugehen in dag 
verborgene Allterheiligfte, da GOtt heimlich mir ihr 
reden fan, 1. Cor. 6. v. ur. 
Gbttliche Und weil GOTT ein verborgener GOtt iſt, 
* m Eſa. 45. v. 15. muß ihm die Seele heimlich werden, 
; mit welcher ex reden fol, Pf. 85.0,9. Audiam, quid 


— A en > 


in me loquatur Dominus. Ach daß ich hören folte, 


daß GOtt der HErr redete! Pſ. 34.0.5. Da ich 
den Errn ſuchte, antwortete er mir, und er- 
rettete mich aus aller meiner Furcht. Da diefer 


Elende rieff, höret der HErr, und balff ibm aus: 


allen 





® Nicht zwar, daß fich ein Menfch gar folte aller Gefellfchafft 
entziehen und Auffern, fondern nur allzuvieler und öffterer 

en Geſellſchafft, weiln folche ohije Gefahr nicht aba 

us ge 


Gefellfebafft entfblagen. 147 
allen feinen Noͤthen. DES. verſ. 4. AKrr, frübe 


+ 


wolleft du meine Stimme bören, frübe wili ich 

mich zu dir fehicken, und darauf mercken. Sie 

wird aber fo viel deſto heimlicher,, ſo viel fie von der 
Welt abgeſchieden ift. Wie der Ertz⸗ Vater Jacob, Wie GOtt 
da er von feinen Kindern und Freunden abzog vedere Vetter 
GOtt und die Engel mit ihm: Denn GDtt und Die unsrever. 
Engellieben eine heilige Seele über die Maße, und laffen ,d- Mor 


fie nicht allein. ; 33. v. Mſca⸗ 
al Gebet. 


dein GOtt, unter denen Befihwerden, bie uns aͤngſten, ſo Cor ; 
Yr%y Lange wir von dir entferne, indiefer Huͤtten wallen, iſt diep.g,&, ! 
Gefahr, von der Welt und deren Geſellſchafft beflecket zu wer- 
den; Du haftmich, o mein GOtt, in den Stand gefeker, darin⸗ 
nen ich viel umgehen muß mit Öefchäfften und ſolcher Geſell⸗ 
ſchafft dieſer Welt, davon meine Seele wenig erbauet wird. Ach 
verleihe mir einen folchen Sinn, daß ich nicht auffer Noth welk⸗ 
liche Geſellſchafft ſuche, alle fündliche und eitele Befenfehafft wie 
eine Schlange meide, mit übermäßigen aus verberbter Eigen? 
Liebe felbfizermehlten weltlichen Geſchaͤfften mich nicht beſchwe⸗ 
re; fondern mich übe, meine Seele indie zu ſetzen und zu ſtillen, 
‚auf daß fie nicht eniwehnet werde wie einer von feiner Mutter Pſtzt. v. 2. 
entwehnet wird. Es iſt umfonft frübeaufftehen, und hernach Pf. 1a7. 0.2, 
fange figen, und effen fein Brod mit Sorgen, denn deinen F 
en giebft du es fchlaffend ; Dein Segen machet reich ohne Sprüche, 
erkquälende Mühe, Wenn mich aber mein Beruff treibei mit Sul. 10, 
der Welt umzugehen, fo nimm du meiner Seelen wahr, du ge⸗b. 22. 
treuer Vater, kehre ab nieine Augen, daß fie nicht fehen nach Eis 
telfeit; meine Ohren, daß fie feinen Gefallen haben an Verlaͤum⸗ 
bung des Nächften, Narrentheicung und Schertz, fo den Chri⸗Epheſ. 5. 
ften nicht geziemet. Zaͤhme meine Zunge, daß fein faul Gezv. 4. 
hmäg aus meinem Munde gehe, fondern was nuͤtzlich zur Beſ⸗ Cap: 4. 
ferung ift, da es noth thur, daß es holdfelig ſey zu hoͤren, damit" 293% 
ich nicht betrübe den Geiſt GOtzes, mit welchen ich verfiegelt 
bin aufden Tag der Erlöfung. Vor allen bemahre mein Herb, 
daß daſſelbe ſtets, mo ich bin, mit dir rede, umgehe und zu dir ges 
richtet ftehe, durch deine Gnaden-Befuchung auch mitten uns 
ser der Welt-Unruhe erquicket, geftärcket und in dir befeftiget 
merde. Dein Geift erhielte Joſeph auch in Potiphars Haufe. B Mof. 
und Pharaonis Hofe unbeflecket; Durch deine Krafft verunrei:39- v.8.9: 
nigte ſich Daniel nicht mit desPerfifchen Königs Speiſe u. Wein. Dan. 1.0.8. 
DieÖnade gib mir auch,mein®Htt,auf daß ich auch in Geſchaͤff⸗ 
ten undGeſellſchafft der Welt mich von derWelt unbefleckt halte, Jaen. v.a7. 
———————— habe mit den unfrwtbaten Cpd.5.0.3. 
2 er⸗ 


⸗ 


x 


148 B.1.E.24. Von der Liebe GOttes 


Wercken der Finfterniß,fondern fie vielmehr firafe, durch CHri⸗ 
ſtum JEſum, deinen Sohn, unfern YEren! Amen. 


Das XXIV. Capitel. - 


Von der Liebe Gottes und des 


Naͤchſten. 


r. Tim. 1. v. 5. Die Summa aller Gebote iff, Liebe 
von reinem Hertzen, von gutem Gewiſſen, und 
ungefaͤrbtem Glauben. 


Siehe bi SN dieſem Spruͤchlein lehret uns der Apoſtel bie 
—— = 70% höchfte und ebeifte Tugend der Liebe, und 
berichtet uns viererley: 
DieSum  KErjtlic), fpricht er, ıfE fie eine Summa aller Bee 
eng bote: Denn die Liebe ift des Geſetzes Krfüllung, 
" Mom. 13.90.10. in tvelcher aller Gebote begriffen feyn, 
ohne welche auch alle Gaben und Tugenden fruchtlos 
und untuchtig feyn. 
Reine Liebhe Darnach fpricht er: Die wahre Liebe fol gehen 
Gottes. von reinem Hertzen. Diß Abort begreifft in fich 
die Liebe gegen GOtt, daß das Hertz rein ſey von 
aller Welt⸗Liebe, dafür uns St. Johannes wars 
net, 1.%0b. 2.0. 15.17. Kieben Rinder, babtnicht 
lieb die Welt, noch was in der Welt iſt, als da 
ift, Augen - Luft, Sleifches-Luft, boffärtiges Le⸗ 
ben, und die Welt vergeber mit ihrer Luft; 
‚Wer aber den Willen GOttes thut, der bleiber 
in Ewigkeit. Aber nun von aller CregturzKiebe 
ein vein Hertz hat, alſo, daß er ſich auf Fein zeitlich 
Ding, es habe Namen wie es wolle, verläffet, oder 
einige Ruhe feines Hertzens darauf feet, fondern al 
lein auf GOtt, wie David im 73. Pſalm, verf, zy. 
fpricht: HErr, wenn ich nur dich babe, ſo frage 
ich nichts nach Himmel und Erden, und wenn 
mir gleich Leib und Seel verſchmachtet, ſo bift 
du doch, GOtt, allezeit meines Hertzens Troſt, 
Vebe von und mein Theil; deflen Liebe gehet von reinem Here 
a ar een. Sngleicen, wenn es auch mit Luſt und F 
icht, 








—3 
LAS} | 


und des Tächften 149 


fehicht, wie im 18. Pſ. v. 2. eine folche reine Liebe - 
GOttes befchrieben iſt: Hertzlich lieb hab ich dich, 
herr, Err, meine Stärcke, mein Sels, mein 
Erretter, meine durs, mein „ort, mein GOtt, 
auf den ich traue, mein Schild und Horn mei⸗ 
nes Heils, und mein Schu, J——— 

Zum dritten, lehret uns der Apoſtel, daß die Liebe Liebe von 
feyn joll von gutem Bewiffen, Dis gehet nun an en Ge⸗ 
die Liebe des Naͤchſten, daß man den Naͤchſten 
nicht liebe um Genieſſes oder Nutzes willen; denn 
das iſt eine falſche Liebe, vom boͤſen Gewiſſen; Auch 
wiſſentlich ſeinen Naͤchſten nicht beleidige mit Wor⸗ 
ten oder Wercken, ihn nicht heimlich oder oͤffentlich 
anfeinde, haſſe, neide, Zorn oder Groll im Hertzen 

trage, daß ihn ſein Gewiſſen nicht anklage in ſeinem 
Gebet vor GOtt. X 

Zum vierdten, ſoll die Liebe ſeyn von ungefaͤrb⸗ Liebe von 

tem Glauben, daß man wider feinen Glauben und ugeſt 
Ehriftenthum nicht handele, GOtt verleugne heimlich ven. 
oder öffentlich, in. dem Creutz oder guten Tagen, in 

Unglück und Gluͤck. Und das iſt die Summa diefes 
er en. Wollen iedes Theil nun nach einander 
"befehen. - | u 


i I. — 
Erſtlich ſpricht der heilige Apoſtel Paulus: Die 
Liebe ſey die Summa aller Gebote; das iſt, Die 
Liebe, ſo aus wahrem Glauben gehet, iſt das alleredel⸗ 
ſte, beſte und hoͤchſte Werck und Frucht des Glaubens, 
das ein Menſch thun kan, und das GOtt am beſten 
gefällt. Denn EDtt fordert: nicht groſſe, hohe und Ott for- 
ſchwere Wercke von ung, ihm damit zu dienen, fon per. Men 
dern hat den ſchweren Gottesdienſt des alten Tefta- devonuns. 
ments, und die vielen. Gebote in Glauben und Liebe 
verwandelt, und uns darzu den Heil. Geiſt gegeben, 
wie Roͤm⸗ 5. v. ssftehet> GOrt bat feine Liebe 
durch den Heil. Geiſt in unſere Hertzen ausge⸗ 
goſſen. Da hoͤren wir den rechten Urſprung dieſer 


Tugend. 
| 83 Dar⸗ 


150 B.LE.24. Von der Liebe GOttes 


Fiebeif iſt Darum iſt nun die Liebe nicht ein ſchweres Werck, 
ne ra tfondern leicht einem frommen glaubigen Menfchen: 
a: Seine Gebot find nicht fehwer, fpricht Sanct Jo⸗ 
bs Hannes, 1. Johann. 5. ©, 3. verftehe einem erleuch- 
teten Ehriften: Denn der ade Geiſt ein freywil⸗ 
Both fig gütig Hertz machet. GOTT fordert auch nicht 
orogeKunf groſſe Kunft und tiefe von ung, fondern als 
von und. fein die Liebe: wenn diefelbe brünftig und hertzlich ift 
“ohne Falſch, da iſt GOttes Wohlgefallen, darinn fi 
Gott mehr beluftiget und erfreuet, und ihm das ges 
> falten LÄft, denn alle Kunſt und fBeisheit der Welt. 
Dre Siehe Und zwar, wo Die Liebe nicht ift Bey aller Weisheit, 
Bertennd Kunft, Wercken, und allen Gaben, fo iſt alles untuͤch⸗ 
tig und nichts gültig, ja todt, wie der Leib ohne Leben, 
wen 1. Cor. 13. v. 1. ſeq. 
Groſſe Geſchicklichkeit ift gemein den Henden ımd 
Chriften: groffe Wercke find gemein den Glaͤubigen 
und Unglaͤubigen; Allein die Liebe iſt die rechte 
Probe eines C briften, und fcheidet das Falfche von 
dem Guten. Denn wo Feine Liebe bey it, da ift 
nichts Gutes bey, and wenns noch fo Eöftlich und groß 
ſcheinet; Urſach, GOTT iſt nicht darbey: Denn 
GoOtt iſt die Liebe, und wer in der Liebe blei— 
bet, der bleider in GOTT, und GOtt in ihm, 
Fi Sol. — WLT6E, 
tiebe macht Die Liebe iſt auch kieblich beyde GOTT und 
ale Dinge Menſchen, und deine, der fie über: Denn alle andere 
befehmeret Kuͤnſte, Geſchicklichkeit und Weisheit, wenn man den⸗ 
wemand. ſelben nachgruͤndet, verzehren den Leib, machen Sorge, 
Mühe und Arbeit, die des Leibes Plage und Pein ſeyn; 
allein die Liebe beffert, erquicket, erhält beyde Leib und 
Seele, und ift niemand fehadlich, fondern bringt ihre 
reiche Srüchte: Denn wer liebet, dem wird Liebe zu 
Lohn. Die Tugend it ihr Selbſt⸗Lohn; Suͤnde und 
Schande lohnet übel. 
Alle Kraͤffte Leibes und der Seelen nehmen ſonſt 
Die Siehe ab, und werden müde: Aber die rechte Liebe wird 
u uicht nicht müde, und hoͤret ee auf, m 
| di 


und des Ylächften. 151 


ſonſt alle Erkaͤnntniß/ Sprachen, auch der Glaube 
ſelbſt auf hoͤren wird, ı. Cor. 13.0.8. 
Alles, was GOtt gefallen ſoll in unſerm Thun, Was aus 


das muß aus GOtt gehen: Denn GHDtt gefällt nichts, var yarae 


was ex nicht ſelbſt in ung wuͤrcket, GOtt aber ift felbft der aus 
Die Kiebe, darum muß alles aus dem Glauben gehen, ln und 
was GHDtt gefallen foll; aus der Kiebe aber, was Sort. 


den Menſchen nuͤtzlich und dienlich feyn foll, ohn 


alle eigene Ehre und Ruhm: Alſo muß auch das Ge— 
bet aus herglicher Liebe gehen. . Gedencfe nun, was 
für ein Gebet aus einem folchen Hertzen gehet , das 
voller Zorn und Feindfehafft ift? Und wenn ein fol 
cher den gansen Pſalter lle Tage betete, fo ift alles vor 
GHDtt ein Greuel. Das wahre Anberen beitehet im 
Beift, im Glauben, in der Liebe, und. nicht in den 
Worten, Zoh.4.0. 23.24. Gedencket anden HErrn 
EHriftum, der mit erbarmenden Hertzen ſprach: Va⸗ 
fer, vergieb ihnen, Luc. 23. 0.34. Wer GOTT 
nicht liebet, der. betet auch nicht: Wer aber GOtt Wer GOtt 
herblich liebet, dem ift Beten eine Freude. Wer GHtt hr hat-bee 
fiebet, der dienet ihm von Hertzen: Wer ihn nicht liebet, und recht. 
der dienet ihm auch nicht, und wenn er auch einen 
Berg auf den andern truͤge. 

Darum mag dem Menſchen nichts nuͤtzlichers 


und beſſers geſchehen, denn wenn GOttes Liebe in 


ihm erwecket wird. —— | 
Der Glaube fol alles in einen Chriften thun, graue ſon 


was er thut dutch die Liebe, wie die Seele alles thut alles im 


durch den Leib. Die Seele fichet, höret, fehmecker, Menden 
redet durch den Leib; Alſo foll die Kiebe alles in Dir laffen durch 
thin, du iſſeſt, trinckeſt, hoͤreſt, redeſt, ſtrafeſt, Lobeft, zu, ciete: 
laß es alles in der Liebe aefchehen, gleichwie es in mit dem 
ChHriſto war; er thats alles in der Liebe. Sieheſt Pe x 
du deinen Nachften an, fo fiehe ihn mit erbarmender fou altesin 
Liebe an, höreft du ihn, höre ihn mit Liebe; vedeft du der £iebe 
mit ihm, fo rede mit Erbarmung. serdeben, 

Behalt die Wurtzel der Liebe allegeit in dir durch 
den Glauben, fo mag nichts denn Gutes aus Dir gehen, 

84 und 


152 B. J. C.24. Von der Liebe GOttes | 


‚ und wirſt anfahen die Gebote GOttes zu erfüllen, die 
not 16. alle in der Kiebe befihleffen feyn. Darum ein hel⸗ 
—* der liger Lehrer ſpricht: O du Liebe GOttes im Hei⸗ 


Lebe. ligen Geiſt, eine Suͤßigkeit der Seelen, und eini⸗ 


ges Goͤttliches Leben der Menſchen: Wer dich 
nicht bat, der iſt lebendig toöt, wer dich bat, der 
ffirbe vor GOtt nimmer, - Wo dur nicht biff, 
da iſt des Menſchen Keben ein ſtetig Sterben. 
Mo dur bift, da iſt des Nenſchen Leben ein Vor⸗ 


ſchmack des ewigen Lebens, Gebet, alfo iſt die 


Liebe die Summa aller Gebote. — 
I, KLEE 
GOtt des Wie der Menſch GOtt lieben ſoll von reinem 
ae, Hertzen. Das Hers fol rein feyn von aller Welt⸗ 
Sur Liebe, GOtt ſoll des Menſchen hoͤchſtes und beſtes 
Gut keyn Pf. 16. v. 5. Der HErr iſt mein Gut 
uno mein Theil, u erh; Hefe: mein Erbtheil. Pf. 
37.0.4518, Der „er kennet die Tade der From⸗ 
‚men, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. Habe 
deine Luſt an dem HErrn, der wird dir geben, 
was dein Hertz wuͤnſchet. An GOtt folder Menſch 
ſeines Hertzens Luſt und Freüde haben. 
Das Beſte Darum ſoll GOtt unſerer Seelen das Liebſte 
Ki tes Kun, weil er das hoͤchſte und beſte Gut ift, weil er als 
Was 691 les Gut und alle Tugend felbt Hi: Dean GOtt iſt 
il. nichts denn eitel Gnade, Liebe, Freundlichkeit, Gedult, 
Treue, Wahrheit, Troſt, Friede, Freude, Leben und 
Seligkeit. Und das hat er alles in CHriſtum gelegt; 
wer den hat, der hat dieſes alles: Und wer GOtt (ieh 
hat, der bat GOttes Wahrheit, Barmhertzigkeit, 
Goͤtigkeit und alle Tugend lieb. 


“ 


Denn ein rechter Nebhaber GOttes bat alles das 

2 Ne En fieb, was GOtt lieb bat, und hat einen Verdruß an ° 
alle dem, das GOtt verdreuft, Darum foll man die 

Gerechtigkeit lieb haben, denn GOtt iſt ſelbſt die 


Gerechtigkeit; darum ſoll man die Wahrheit lieb ha⸗ 
ben, denn GDit iſt ſelbſt die Wahrheit; darum 
man lieb haben die Darmbergügkeit, weil GOTT 


Neo 


u 
9 


und des Naͤchſten. 153 


ſelbſt iſt Barmhertzigkeit; darum ſoll man die 
Sanfftmuth und vemuch lieb haben um des ſanfft⸗ 
muͤthigen und demuͤthigen Hertzens Chriſti willen. 
Hinwileder haſſet ein wahrer Liebhaber GOttes alle Warum 
Untugend, denn ſie iſt GOit zuwider, und GOttes Iwan) 
Feind, und ein Werck des 5 Teufels. Darum haffei Bn Seil 
ein Kiebhaber GOttes die Lügen, denn der Teufel 

ift ein Lügner; und alfo-von allen Laftern, ꝛc. Und 

ein ieglicher Menfeh, der Die Lafter liebet, ale Lügen 

und Ungerechtigkeit, dev it ein Teufels-Kind, wie 

Joh. am 8.0.44. ſtehet. Und ein jeglicher Menſch, der 

€ EHrifkum als einen Heyland und Seligmacher lieb 
bat, der hat auch das Exempel des heiligen Lebens 
EHrifi lieb, feine Demuth, Sanfftmuth, Gedult, x, 

und der iſt ein Kind GOttes. 

Und eine ſolche Liebe von reinem Hertzen muſt du um die rei: 
von GOtt erbitten, daß er fie in dir angunde durch ne 
Liebe CArifti: Und GOtt zündet gern dieſe Fiebesehitren, 
Flaͤmmen an in deinem Hertzen, wenn du ihn nur dar⸗ 
um bitteft, nd ihm nur dein Here darzu feiheft, und 
daffelbe alle Tage, ja alle Stunden und Augenblicke. 

Iſt Die Liebe ſchwach und Fatt, ja verloͤſcht fie bisweilen | 
in dir, und du ſtrauchelſt: Ey fo ſtehe wieder auf, Die ersigen 
günde wieder an, es iſt darum das ewige Licht, Die skaen 
Liebe GOttes nicht verlofehen, er wird Dich wieder er⸗ vertöfchen 
feuchten: Doch ſolt du GDtt täglich bitten, daß er mic. 

die Gottliche Liebes Flamme nimmermehr in deinem 

Hertzen laffe eriefchen. 

Das iſt nun die Kiebe von reinem Hertzen, 
das rein it von aller — Und Creatur⸗Liebe. 


Liebe von gutem —— {ft des Nächten dee öt 
Liebe. Die Liebe GOttes und des Nachften ift einig, a ich 
und muß nicht getrennet werden. Die wahre Gott’ fan nicht: 
liche Liebe Fan nicht beffer gemercket und geprüfet N 
* denn * an der Liebe des Naͤchſten Dem war" 

Ks ſpricht: 


⁊Daraus folger nicht,daß ich die wahreGoͤttlicheLiebe ie pa 


154 B. J. C. 24: Von der Liebe GOttes 





Ib. 4 fpricht: Er liebe GOtt, und haſſet ſeinen Bruder, 


2» Zer iſt ein Lügner: Denn wer feinen Bruder nicht 


liebet, den er fiehet, wie folte er GOtt lieben, den 


er nicht fieber? Und dis Bebot haben wir von - 


ibm, daß, wer GOtt lieber, daß der auch feinen 


Bruder liebr. 1.%505.4.0.20.21. Dasijt,diekiebe 


GOttes Fan nicht wohnen bey einem Menſchen⸗Feinde, 
oder einem feindfeligen Hertzen. Ingleichen, wern Du 
feine Barmbergigkeit übeft an deinem Bruder, den 
du fieheft, und der Deiner Barmbergigkeit bedarff;, wie 
REM du GOtt lieben, der deiner nicht bedarff? 
Glaubeund Der Glaube vereiniget mit GOtt, die Liebe 


— —— Menfehen, 1.505. 4.0. 16. Wer in der Liebe _ 


fen einen 


Ehrifen. bleibet, der bleibet in GOtt, und GOtt in ihm, 
i Gleichwie Leib und Seel einen Menfchen machen: 


Alſo beweifet der Glaube und GOttes⸗ und M enfchen« Ä 


Liebe einen wahren Ehriften. GOtt meynets mit als 
fen Menſchen berglich gut; wer das auch thut, der 
ift eines Derkens und Ginnes mit GOtt: ers 


nicht thut, der iſt wider GOtt, und GOttes Feind, 


weil er des Naͤchſten Feind iſt. 
kiebe dultet 2. Es iſt aber der Liebe Art, daß fie ſich fuͤr⸗ 
Gebꝛrechen. nemlich über die Gebrechen des Naͤchſten erbarmet, 
Sal. 6. v. 1. Und zwar die Gebrechen deines Naͤch⸗ 
ſten find dein Spiegel, daß da auch deine Schwach⸗ 
heit an ihm folteft lernen erkennen, daß du auch ein 
Menfch ſeyeſt. Darum folt du feine Schwachheit 


und Laft mit Gedult, Demuth und Sanfftmuth belf = 


fen tragen, Roͤm. 15.0. 7. 

3. Und folche Leute, die nicht aus muthwilliger 
Bosheit ſtraucheln, ſondern auch uͤbereilet werden, 
kommen bald wieder zurecht, ſtrafen ſich felbften, und 

Mritleiden geben fich fehuldig, mit denen foll man bald Mitleiden 
Cm haben, und ſich uber fie erbarmen: Die folches nicht 
hm, thun, haben nichts vom fanfftmüthigen Geift C Ay. 

’ Denn 








dem Gehoͤr des Worts abzunchmen hätte; Denn daß ich 
wiffe, daß einer GOtt liebe, und fein Wort gerne here, 
‚nehme ich zuſammen ab an der Liebe des Nächften. 


und des Naͤchſten. 155. 


Denn wenn man des Nächiten Gebrechen geſchwinde 
urtheilet ohne Mitleiden, das iſt ein gewiß Zeichen, 

daß ein folcher Menſch der erbarmenden Liebe GOt ⸗ Mahgel der 
tes und Heiligen Geiftes mangelt, und hat GOtt nicht Liebe. 
bey ihme. Denn ein rechter Ehrift, der mit dem 

Geiſt EHrifti geſalbet ift, der verträgt alle Menſchen 

in einer. mitleidenden Erbarmung, und in einer. erbars 
menden Liebe; gleichwie CHriſtus gethan, und ung 

mit. feinem Exempel vorgangen; Und daran prüfe 

fich ein ieder Chriſt. Denn wer die Liebe des Naͤch⸗ Wo nicht 
ften nicht bey ihm findet, von deme ift auch die Liebe Sepe,des 
GOttes gewichen, ja GOtt ſelbſt: dafuͤr ſoll er ers vaift GOKe 
fehrecken, und von Kerken Buffe thun, fich mit feinem Mer: 
Naͤchſten verföhnen, fo wird GOtt mit feiner Liebe 

wieder zu ihm Fommen. Alsdenn ift alles, was der 
Menſch thut im Slauben und in der Liebe, wieder gut, 

heilig und Göttlich: Denn über ein Menſch GOttes 

Liebe und Barmbersigkeit mit Freuden, um der eins’ 
wohnenden Liebe GDttes willen. Und ift ihm eine 
Freude Gutes zu thun, wie GOtt im Propheten 

fpricht, Ser. 32. v. 41. 

4. Auſſer der Kiebe ift alles teufelifch, was am | 
Menschen it, und alles grund⸗boͤſe. Und das iſt die Ur⸗ Barum als 
fache, warum der Satan nichts Gutes thun Fan, denn es 1, —— 
iſt keine Liebe bey ihm, weder GOttes noch Menſchen; tan thut. 
darum iſt es auch alles grund⸗boͤſe, was er thut: Denn 
er ſuchet und meynet nichts anders in allen ſeinem 
Thun, denn GOttes Unehre und des Menſchen Ver⸗ 
derben, und auf daß er ſeine Feindſchafft wider GOtt 
und Menſchen vollbringen moͤge: Darum ſuchet er 
ſolche feindſelige Hertzen, durch welche er ſeinen Neid 
und Zorn uͤbet. Daran pruͤfet man, welche GOttes 
und des Satans Binder ſeyn, 1. Joh. 3. v. 10. 


| IV. IV. 
Kiebe von ungefärbtem Glauben, das heift, En se 
SDtt gleich Lieb haben im Gluck und Unglück. Wer par alle 
GOtt herlich lieb hat, der Läft ihm twohlgefallen al- Werde 
les, was GOit wohlgefält, Wer GOtt lieb hat, = ee 
| mu 


die Strafe. 


Sch 


n 
Gleichniß. 


R 
v. 
39. 
L, 


Im * 
35.37.38. auch beſtaͤndig mache, in Freud und Leid dir anzuhangen, dir zu 
Joh 
vu 
Eph 
v. F — * = - ” J 
£ue, 6.9.31. mit meinem Naͤchſten handele, wie ich wolte, daß mir geſchehen 


5 


el. 
6 


i 156 B.L.E. 24 Don der Liebe GOttes 





muß auch ſein Creutz lieb haben, das ihm GOtt zuſchi⸗ 
cket: wie wir ſehen an CHriſto unferm HErrn, wie 
willig er ſein Creutz auf ſich nahm, denn es war GOt⸗ 


‚tes Wille. Ich muß mit einer Tauffe getaufft 


werden, und wie iſt mir ſo bange, ehe ichs voll⸗ 
bringe, ſpricht er Luc. 12.0.50. Darum haben alle 
heilige Martyrer ihr Ereuß mit Freuden getragen. 
Denen, ſo GOtt herglic) lieb haben, ift auch ihr 
Creutz nicht fehmwer zu fragen; denn ihr Creutz ift 
C⸗riſti Joch, Matth. ı. dv. 29. - Zeucht der Ma⸗ 
gnet.ein ſchweres Eifen nad) ſich; folte nicht der hinmz 


liſche Magnet, die Liebe GOttes, nad) fich ziehen Die 


Laſt unfers Creutzes, daß fie leicht und fanfft würde, 
wo fie ein menfchlich Herg berühret? Und machet der 
Zucker ein biiter Kraut ſuͤſſe, wie foltedie Suͤßigkeit 
der Goͤttlichen Liebe nicht das bittere Creutz füffe mar 
chen? Daher ift die hohe Gedult und groffe Freudig⸗ 
keit der heiligen Märtyrer Eymmen, denn GDtt hat 
fie in feiner Liebe truncken gemacht, ꝛc. 


| nu che 


Kietreise GOtt / du biſt die Liebe und wer in der Liche Dlei, 
bet, der bleibetin dir: Ach wie bin ich fo weit von dir verfals - 


len daß ic} fo leer bin von der reinen brünftigentiebe,tie ich zu dir 


* fragen folte ! MeinHerg ift erfület mitLiebe der WirundErden, 


8. 


rt 


5 


hingegen gang kalt und träge, dich, das hoͤchſte und ewige Gut, 


zu lieben. Erbarmedich mein, o barmhergiger Vater, erbebe 
mich von der Erden, daß ich näher erkenne, wer du bift, und recht 
betrachte deine Wercke an mir, wie hoch du mich in CHriſto ges | 
liebet, und was für ein herrliches Erbe dur mir aus Gnaden in 
CHriſto bereitet haft. Laß dieſe Betrachtung in mir entzünden + 
eine wahre Liebe gegen dich,dientich in feinem Dinge, als in dir 
alleine ruhen laffe ;_die-nichtSachte, was nicht von dir kommt, 
und mich fefter mit dir verbindet; die in mir tilge ale Sünden» _ 
Liebe, ja einen herglichen Haß gegen diefelbe erwecke; die mich 


folgen, und weder durch Leiſt noch Furcht von dir gefchieden zu 


4 werden Laß auch deine Liebein mir entzuͤnden eine ungefärbte 


Liebe gegen meinen Nächften, daß ich als dein Nachfolger wan · 
dele in der Liebe, wie CHriſtus ung geliebet hat, in allem Thun fo 


folte; demſelben in Nothen williglich ohne Murmeln belffe, in 
Schwach⸗ 


2. und des Naͤchſten. 157 
Schwachheit feine Laft trage, und wo er fehler, zu rechte helffe Salat. 6. 
mit fanffmuthigem Geift. Daß ich ſey des Blinden Auge, dev. 1.2, 
Lahmen Fuß, und ein Vater der Armen, und diß alles aus ver Do Be 
licherfiebe gegen Dich,der du mich in Chriſto JEſu geliebet Haft, Ephef.ı. 
ehe die Welt gegründet, und ich noch dein Feind war. Erhoͤre 4 
mich, mein GOtt, und gieb mir diefe Önade der reinen Licbe, Röm.s.v,8. 
durch JCſum EHriftum, deinen Sohn, unfern HErrn! Amen. 
Das XXV. Capitel 
Bon der Liebe des Naͤchſten 
infonderheit, 
2. Petr. 2.0, 19. Don welchem iemand überwun- 
den ift, deflen Bnecht ift er. —— 
35 ift Feine ſchwerere und härtere Dienſtbarkeit, Die ſchwe⸗ 
denn wenn man den fündlichen Affecten Diener, TRFDiEnR- 
| und fonderlich der Feindſeligkeit; denn Diefel--Sänden 
bige bindet und beiäftiget alle Leibes- und Seelen 
Kraͤffte, und läßt dem Menſchen Feine Gedancken frey: 
Ber aber die Liebe über, der ift recht frey in feinem Die Liebe 
Herten, Der ift kein Knecht und Leibeigener des Zoune, Hancin 
des Neids, des Geiges, Wuchers und Mummons, 
Hoffart, Lügen und Verleumdung. Die Liebe ma— 
chet ihn alles deffen frey, und Laßt ſich alſo nicht über- 
winden von den fchandlichen Laſtern; der ift ein rech⸗ 
ter Freyer in CHriſto durch. den Geift der Freyheit: 
Denn wo der Geist ift,oaift Scepbeit. Cinfolcher 2 Cor. 3. 
‚ Menfch, der in der Liebe CHriſti wandelt, der it Fein Ga Gar: 
feibeigener Suͤnden⸗Knecht, und Leibeigener der ja tes erugus 
lichen Affecten und Begierden mehr, denn der Geiſt ih Arie, 
der Liebe GOttes har ihn befreyet. und gereiniget von das Herp 
fleifchlichen Lüften. . Nun fehen wir, wie die Liebe De Lig 
GOttes fich über alle Menfchen exjtvecket, welches alemei 
er. nicht allein in feinem Abort, fondern auch in Der ee 
gangen Natur bezeuget; denn er hat den. Menfchen ng 
den Himmel ingemein gegeben, der bedecket fie alle, 
der ift mein und meines Naͤchſten: Alſo, die Aonne 
it mein und meines Bruders, es muß der Hoͤch— 
fie ſowol als der Niedrigſte, von der allgemeinen 
Sonne 





158 B.I1. C.25. Von der Liebe 


Some, Eufft, Erde und Waſſer leben. Wie esnun 
SOTT mit uns meynet, fo füllen wir es auch mit 
unferm Neben Menfchen meynen , denn GOtt hat 
felbjt fich hiermit uns zu einem Erempel vorgeftellet, 
daß er gegen uns alle gleid) gefinnet ſey, Feinen mehr 
oder weniger liebe, denn Den andern: Das iſt er hat 

Bott lie uns alle in EHrifto gleich lieb, fichet Feine Perſon, 
ale Wuͤrdigkeit oder Verdienſt an. Lind wie er gegen 
ung gefinnet ift, alfo ſollen wir aud) gegen unfern Naͤch⸗ 

ſten geſinnet feyn: Und wie wir uns gegen unſern 
Naͤchſten verhalten werden, alfo will er ſich auch gegen 

uns verhalten. Hat es uns alfo in unfer Here geles 

get, uns damit zu überzeugen, fie er gegen uns geſin⸗ 
 Brobeber net ift, alfo füllen wir auch gegen unfern Naͤchſten ges 
Zieh SO finnet feyn. Darum Liegt nun die Probe in unferm 
Ä Hertzen und Gewiſſen, da folten wir eingehen, und ung 
felber fragen, wie wir mit unſerm Naͤchſten ſtehen, wohl 
oder übel; wie wir uns nun befinden, alſo ſtehen wie 
‚auch mit Gott; Denn wie wir unſerm Naͤchſten 

thun, alſo will ung Gott auch thun. Das heiſt: 
Dfalm 18, Dep den Heiligen bift du heilig, und bep den Der 
27°. kehrten biſt dů verkehrt; das ift, haft du ein vers 
kehrt Herg gegen deinen Bruder, fo it dir GOtt auch 

zuwider. 

Denis Darum ift ung nun unfer Bruder sur Probe gefeßt 
BE enfers der Liebe GOttes, das ijt, an unferm Nächten will ung 
*  &Hxt probiren, 0b unfere Liebe gegen ihn rechtichaffen 
ſey; Denn GOTT darff unfers Dienſtes nicht ein 
| Stäublein, fondern der Racıfte. - 
Son wi Darum hat es GOTT fo genau auf den Naͤch⸗ 
Belt feir ſten gerichtet, und auf unfer Wehiſſen gelegt, daß wir 
bang,nenn in allen Dingen uns nach ihm richten ſollen und alles 
— a mal, ja alle Stunden alfo gegen unfern N daͤchſten ge⸗ 
wohen finnet ſeyn, wie er gegen uns: Denn unſer keiner Fan 
ohne feines Naͤchſten Verſoͤhnung bey GOtt in Gnas 
den bleiben, GOttes halben hats keine Noth. Der 
ganken Welt Stunde find auf einmal aufgehoben, 
un vollkommene Vergebung erlangt worden T 
en 


des Naͤchſten infonderbeit. 159 


et. 7 
den Tod JEſu CHriſti: Denn wir alle ſind der 
Knecht, welchem der König alle feine Schuld 
aus Gnaden ſchenckete, da er nicht hatte zu bezah⸗ 
len. Aber hernach, als der Knecht mit ſeinem Bruder 
fo unbarmhertzig handelte, hub der Koͤnig feine Verge⸗ 
bung wieder auf, und ward alſo der Schalcks⸗Knecht 
um ſeines Brudern willen verdammt, und der Be⸗ 


ſchluß darauf gegeben: Alſo wird euch mein himm⸗ Matth· 3 


lifeher Vater auch thun/ ſo ihr. nicht vergebet '*4 3. 


von eurem Hertzen ein ieglicher feinem Bruder 
feine Fehle. Ingleichen: Eben mit dem Maaß, 
da ihr mit meſſet, wird man euch wieder meſſen, 
Luc. 6. v. 38. | i 

Alſo ift allemal ein ieder Menfch nicht von fein 
felbft wegen alleine da, fondern auch von feines Wachs 


ſten wegen: Denn fo ſtarck it das Gebot von der get des 


Liebe des Naͤchſten, daß, wenn e8 gebrochen wird, 
fo weichet GOttes Liebe von uns hindan, und wird der 
Menſch ſtracks von der geſtrengen Gerechtigkeit GOt⸗ 
tes gerichtet und verdammt. 

Penn wir das bedächten, e8 würde nimmermehr 
ein Menfch mit dem andern zuͤrnen, und die Sonne 


über feinen Zorn nicht laffen untergehen. Denn Erbef. 4. 


— 


‚ob wol EHriftus mit feinem Tode am Creutz aller "* 


Welt Sünde einmal gank und volllommen gebüffet 
und besahlet, und alfo der ewige König ung allen unfere 
groſſe Sünde aus Gnaden gefchencfer und vergeben 


bat: Dennoch, fo wir unfern Bruder haffen, ihn nicht Sort 

Verdienſt EHrifti an uns verlohren und umfonft feyn, 1 —— 
unver ſoͤhli⸗ 
lichen Her⸗ 


tzen 
So gar hat GDtt uns an die Liebe des Naͤchſten urſach der 


lieben, und ihm nicht vergeben ‚ fo ſoll das gante 


fb uns Doch. zuvor die ewige Seligkeit erworben war 
durch CHriſtum. 


verbunden, daß er nicht will-von uns geliebet werden Mr 


ohne unfern Nachften: Derfehen wirs nun da, fo has 
ben wirs bey GOtt auch verfehen. Und eben darum 
hat GOtt nicht einen Menſchen beffer ſchaffen wollen, 


Denn Den andern, Damit wiy nicht Urſach hatten, eine. 


ander 


160 9.1.25. Don der Kiebe 





ander zu verachten, und uns über einander zu. erhe- 


ben, fondern unter einander, als Kinder eines Vaters, | 
in Friede und Einigkeit leben, und ein ruhig Gewiſſen 


haben follen. 
Haſſeſt du nun deinen ‘Bruder, fo haſſeſt du GOtt, 
der Dir ſolches verboten hat, und fo. haſſet dich GOtt 
wieder. Verachteſt du deinen Bruder, ſo verachtet 
dich GOtt wieder. Und das iſt dein Gericht und 
Verdammuiß, und verleureſt auf einmal die Verge⸗ 
bung der Suͤnden, das theure Verdienſt CHriſti und 
feine Erloͤſung. 

Gott zͤr Denn e8 it unmöglich, des Bluts CHriſti, wel 


net über ches aus Liebe vergoffen ift, mit feindfeligem Hersen 


feine Sün 


de fo fehr, Fruchtbarlich theilhafftig zu werden: Ja, wir fehen aus 


| a er dem Gleichniß Matth.18. v. 5. daß GOtt nichtfo fehr 
bergigtit, zuͤrne uber Die groſſe Schuld der zehen tauſend Pfund, 
als uͤber die Unbarmhertzigkeit: Die Schuld kan er 


vergeſſen, aber die Unbarmhertzigkeit nicht. Darum 
ſollen wir an den Goͤttlichen Schluß gedencken: Alſo 


wird euch mein himmliſcher Vater auch thun. 


Gebet. 


>) du barmhertziger, gnädiger, freundlicher, langmuͤthiger, 
gedultiger, liebreicher, holdfeliger Vater im Himmel, ich 
klage und befenne dir meine Hergens angebohrne Unart und 
Haͤrtigkeit, daß ich mich mit Unbarmbergiafeit und Unfreund⸗ 

lichkeit offt an meinem armen Nächften verfundiget babe, mich 

feines Elends und Unfalig nicht angenommen, fein rechtſchaf⸗ 

fen, menſchlich, Chriſtlich und brüderlih Mitleiden mit ihm ges 

Mattb.25. habt, ihn in feinem Elende verlaffen, nicht befucht, nicht getrö⸗ 
v. 35. 30. ſtet, nicht geholfen, und habe mich alfo von meinem Fleiſch ent⸗ 
zogen, darinn ich nicht gethan algeinKind GOttes; Denn ich 

£ue.6. 0,36. bin nicht barmhertzig gemeft, noie du mein Bater im Himmel; 
Matth. 5. habe nicht bedacht, was mein HErr CHriftus faget: Selig 
b7. ind die Barmhertzigen, denn fie werden Barmhertzigkeit erlans 
gen. Daraus denn gewiß folger: Unfelig find die Unbarms 

ber&igen, denn fie tverden keine Darmhersigfeiterlangen. ch 

habe nicht bedacht das letzte Urtheil des Juͤngſten Gerichte : 
Matth. 25. Gehet bin, ihr Verfluchten, in dag ewige Feuer; denn ich bin 
».41,42. hungerig geweſt, und ihr habt mich nicht gefpeifet; nackend, 
und ihr habt mich nicht gekleidet. Ach barmhertziger Vater, 

vergieb mir die ſchwere Sunde, und rechne mir diefeibe nicht a ; 

$ wende 


des Naͤchſten infonderbeit. 161 
EEE Nr BEE 
wende die fehmere und gerechte Straffe von mir ab, und laß 
feine Unbarmbergigfeit über mich ergehen, fondern nimm dag 
barmhergige Herk deines lieben Sohns an für meine Sünde, 
decke zu, und vergiß meiner Unbarmhertzigkeit um der Barnız 
bergigfeit willen deines lieben Sohnes. Gieb mir aber ein 
barmberkiges Hertz, welches da jammert meines Nächten 
Elend, und laß mich bald und leicht zu Mitleiden bewogen werr 
den, wie das edle Gemuth meines HErrn JEſu CHriſti gang 
mitleidig ift, welchen unſer Elend bald jammert und zu Hergen 
‚gehet. Denn wir haben nicht einen ſolchen Hohenpriefler, der Hebr. 4, 
nicht koͤnnte Mitleiden haben mit unferer Schwachheit, darum "15. 
at er müffen verfucht werden in allen Dingen, gleich wie wir. 
Ach gieb mir. Gnade, daß ich meines Nächften Creuß und Elend - 
helfe lindern, und nicht groͤſſer machen, daß ich ihn troͤſte in feiz 
nem Betrübniß, und alle, fo berrübtes Geiftes ſind; mich er 
barme über Sremdlinge, über Witwen und Wäifen, daß ich ger 
nehelffe, und nicht liebe mrit der Zungen, fondern mit der That x. Joh. 7 
und Wahrheit. Der Sünder, fagt der weife Mann, verachtet &18- 
feinen Nächften: aber wohl dem, der fich des Elenden erbar- ——5 
met. Gieb mir ein ſolch Hertz, O Vater, daß ich, gleich wie du, . F 
mit Gelindigkeit und vielem Erbarmen und Verſchonen richte, Weish. ız. 
auch feinen Ruhm fuche in der ſcharffen Gerechtigkeit, fondern d. 17- 
diefelbe nach Gelenenheit mildere mit Güte ; denn die Bar: Jr-.= v:13. 
hertzigkeit ruͤhmet fih twider das Gerichte. Ach lieber, GOtt, Mesio- 9 
du haft Gefallen an Barmhergigkeit, und nicht am Opffer: Ach Su x 
laß mich anziehen hergliches Erbarmen, Freundlichkeit, De: y.ı2,1z, 
muth, Gedult, daß ich gerne vergebe, wie mir CHriftug verge⸗ 
ben hat. Laß mich deine groffe Barmhertzigkeit gegen mich ers 
fennen, denn ich bin zu geringe aller Barmbergigfeit, die du 1.3, Mof. 
von Mutterleib an mir gethan haſt: Deine Barmhertzigkeit ift 3%: b. Io. 
mir zuvor fommen, da ich in Sünden lag, fie wartet auf mich, 
biß ich komme, fie umfähee mich, wenn ich komme, fie folget mie 
nach, mo ich hingehe, und wird mich endlich zu fich aufnehmen 
ins ewige Leben. Amen. 


Das XXVI. Capitel, 


Warum der Naͤchſte zu lieben ſey? 
Roͤm. 13. v. 8. Seyd niemand nichts ſchuldig, denn 
daß ihr euch unter einander liebet: Denn wer 
denandern liebet, der bat das Geſetz erfuͤllet. 
M Propheten Micha C. 6. v. 6. leſen wir dieſe 
Frage und Antwort: Womit ſoll ich den⸗,Errn mid. 6. 
ar oͤhnen? Mit Buͤcken vor dem hoben % 6.Ir 
1, Theil, £ GOtt 


a 
S 


162 8.L€.26. Warum der Naͤchſte 





‚Bo: Soll ich ihn mit Brand⸗ Gpffer und jaͤh⸗ 
rigen Rälbern verfohnen? Meyneſt du, der 
Err babe Gefallen ar viel taufend Widdern, 
oder an Del, wenns gleich grofle Ströme wären? 
Oder ſoll ich, meinen erften Sohn für meiste Über 
tretung geben? Oder meines Keibes Krucht für 
die Suͤnde meiner Seelen? Es iſt dir geſagt, 
Menſch, was gut ie, und wssder Err von dir 
fordert: Nemlich GoOttes Wort halten, Liebe 
üben, und demuͤthig ſeyn vor deinem GOtt. 
Worinne In dieſer Stage und Antwort lehret uns der Pros 
run phet, worinnen dev vechte wahre Gottesdienſt ſte⸗ 
scher: Nemlich nicht in aͤuſſe rlichen Ceremonien oder 
Opffern⸗ denn was kan ein Menſch GOtt geben? 
Iſts Doch zuvor alles fein, und er darff unfer gar nicht. 
Er wird auch nicht verſoͤhnet victimis hamanıs, wenn 
man gleich) Menſchen opffern wolte; denn das hat 
er nicht befohlen, und iſt ihm ein Greuel, und gereicht 
zur Schmach den einigen Verſohn— pet, jo durch 
Wahre Cchriſtum allein gefchehen it, welchen GOtt darzu verz 
— ordnet bat, daß er der Welt Suͤnde tragen ſolte, 
Joh. 1. v. 29. Sondern der rechte wahre Gottes⸗ 
dienſt, der GOtt gefüllt, ſteht imwendig im reinen 
Glauben, welches der Prophet bier nennet GOttes 
Wort halten, in Ubung des Glaubens, der Liebe und 
Boarmhertzigkeit, und nicht im Opffer; In wahrer Des 
muth, wie David im 51. Pſalm d: 19. fpricht : Die 
Opffer, die GOtt gefallen, find ein geängfter 
Geiſt, ein geaͤngſtes und zerſchlagen Aer wirft 
du, GOtt, nicht verachten. 

Alſo muß der wahre Gottesdienftaus dem Grunde 
des Hertzens gehen, aus dem Glauben, Liebe und Des 
mutd 5 darzu vermabnet uns der Apoſtel Paulus 

0.09, 3. zum om. am 13. Welcher Spruch it ein Enco- 
+19. mium charitatis, & debitum ‚proximi perperuum: Ein 
Lob der Liebe e und immerwährende Mlicht gegen den 
Naͤchſten. Damit Eönnen wir GOtt recht dienen; 


Urſach, man Fan GOtt nivgend nit Bienen ven 
em 


zu lieben fep. 163 


dem, das er ſelbſt würcker in unferm Hergen: Denn 
GOtt dienen, iſt nichts als dem Naͤchſten dienen mit 
Liebe und Wohlthat. 

Zu ſolcher Liebe will uns der Apoſtel vermahnen, Lob der 
und gebraucht ein feines liebliches Argument, welches Liebe. 
denen anmuthig iſt, ſo Die Chriſtliche Tugend lieb 
haben, und ſpricht: ‘Die Liebe ſey eine jo herrliche 
Tugend, in welcher alle Tugenden begriffen feynd, 
und fü) des Geſetzes Erfuͤllung. Welches Argus Kim; 
ment der Apoftel nicht darum gebrauchet, daß wir mit 1% 
unferer Liebe das Geſetz vollkommlich erfuͤllen Eönten, 
und Dadurch die Seligkeit und ewiges Leben verdie- Wie dieLie⸗ 
nen, welches zwar geſchaͤhe, wenn unfere Liebe voll edee 
kommen wire: Sondern daß er ung die Sürtreffz ing fey- 
lichkeit und Wuͤrdigkeit diefer Tugend einbilde, 
uns auch derfelben zu befleißigen. Unſere Gerechtig- 

Feit und Seligkeit ift auf JEſum EHriftum gegruͤn⸗ 
det, und auf fein Derdienft, welches wir ung zueignen 
durch den Glauben. 

Aus derſelben Gerechtigkeit quillet nun die Liebe 
gegen den Naͤchſten mit allen andern Tugenden, und 
heiſſen Fruͤchte der Gerechtigkeit zu Lob und Pbilxo.m. 
Preiſe GOttes. Weil es nun die herrlichſte und 
groͤſte Tugend iſt, ſo wollen wir noch weiter davon han⸗ 
deln, und noch etliche Argumenta und Grunde mehr hoͤ⸗ 
zen, ung in dev Kiebezu erbauen, Fra 

1. Das beweglichite Argumentum und Grund ift Beweglich⸗ 
1.%0h.4. derf.ı6. GOTT ift die Kiche, und wer MEIÖ8 
in der Liebe bleibet, der bleiber in GOTT, und ı. Job: 4. 
GoOtt in ihm. Ver wolte nicht gern in GOtt feyn "1% 
und bleiben? Und wer wolte nicht gern, daß GOtt in 
ihm fey und bleibe? Im Gegentheil, wer wolte gern, 
daß der Satan in ihm ware, und er im Satan? Das 
gefchicht aber, wenn Die Liebe nicht da ift, fondern Feind» 
feligkeit. Denn der Teufel iſt ein Menfihen- Feind, 
SITT aber ein Liebhaber der Menfchen. Hieher 1.30.43 
gehoͤret, was St. Zohannes am ermeldten Ort ferner ginzer. 
fpricht, d, 7, Wer lieb bat, der iſt aus GOtt ge- den der 

$z ö bohren, 


“ 


164 B. J. C. 26. Warum der Hächfte 


Kinder - bohren, und kennet GOtt; daran werden offen- 
A bar die Binder GOttes, und die Kinder des Sa— 
fans: 1.0). 3.0.10. ft das nun nicht troͤſtlich, 
ein Kind GOttes feyn, und aus GOtt gebohren ſehn, 
und GOtt recht erkennen? Denn wer die Liebe nicht 
im Hertzen hat, und hat nie erfahren.ihre Kraft, ihr Le⸗ 
/ ben, ihre Wohlthat, ihre Gutigkeit, ihre Freundlichkeit, 
ie man Langmuth und Gedult, ꝛtc. der Eennet freylich GOtt 
Durch Die nicht, Der eitel Liebe iſ. Denn die * Erkänntnik GOt⸗ 
Eennet. tes und EHrifti muß aus der ** Erfahrung und Em⸗ 
Cgriſti Er, pfindunggehen. Wer Fan CHriſtum recht kennen, der 
Bien von der Liebe nichts weiß? Denn CHriſtus ift ja citel 
FAR Liebe und Sanfftmuth. Wer diefe Tugend hat und 
übet, der Fennet EHriftum recht. Als St. Petrus 
2. Ep. amı.v.8. ſpricht: Wenn ihr die Liebe üben 
werdet, die wird euch nicht unfruchtbar ſeyn laf- 

fen im Erkaͤnntniß Chriſti. 
Jeh.tz. b33. 2. Der Her fpricht Joh. 13. ver. 35. Daran 
wird iedermann erkennen, daß ihr meine Juͤnger 
| ſeyd, 





— TE ISA TITEL IARE DE 
- * Alle beilfame Erfänntniß erfordert die Erfahrung und Em> 
pfindung: Damit wird aber das Lieben nicht der Erfännt« 
niß vorgefeget, fondern als dag folgende mit dem vorhergez 
henden verfnüpffer. 
*x Luther. Tom. 7. Witteb Germ. fol. 358. b. Esiftnichtge« 
nung, daß du ſageſt: Luther, Petrus und Paulus hat dag 
gefaget; fonderndu mufts ben dir feldft im Gewiſſen fühlen, 
EHriftum felbft und unbeweglich empfinden, daß es GOttes 
Wort ſey, wenn auch alle Welt darwider ftritte. Go lange 
du das Kühlen noch nicht haft, fo lange haft du gemißlich 
GOttes Wort noch) nicht recht geſchmecket. Chyar, in Apocal. 
Nec quisguanrhominum intelligit, quid fit fides aut Fi- 
lius DEI, aut que efhicacia & gaudium fideiin corde lu- 
centis, nifi qui eam a DEO accepit, & confolationem in 
doloribus expertus eft, ur dicitur: nifi credideritis, non 
intelligetis. Dagift: Es verftehet auch kein Menfch, was 
da fen der Glaube, oder der Sohn GOttes, oder welches da 
fey die Würckung und Freude des Glaubens, der im Hergen 
leuchtet, als nur. derjenige, der ihn von GOtt empfangen, 
und den Troft in den Schmergen erfahren hat, wie gefagt 
wird: Wo ihr nicht werdet gläuben, fo werdet ihr auch nichts 
verfiehen 


Zeichen zu thun, und dergleichen, fondern die Liebe ſchwere 


zu lieben ſey. 165 





feyd, fo ihr euch untereinander lieber, wie ich eich Bas heifet 
gelieber babe. Nun heilt CHriſti “Jünger feyn, m 
nicht allein mit dem Namen ein Ehrift feyn, und ihn fon. 
mit dem Munde allein befennen, externa quadam pro- 
feflione, Durch eine aufferliche Bekaͤnntniß; fondern 

es heiftan CHriſtum glauben, ihn lieb haben, EArifto 
folgen, und in ihm leben, ChHriſto wahrhaffäg ans 
gehören, von ihm hertzlich geliebet werden, avig Theil 


an ihm haben, und all feiner Wohlthaten genieffen ; Wer Chri⸗ 


Wer nun die LicbeC-Hrifti nicht hat der gehoret CHriſto Kepergeps, 
nicht an, und hat kein Theil an ihm: Denn er hat rei ibm 
keinen Glauben, darum wird ihn EHriftus für den bicht an 
Seinen nicht erkennen. ° Gleichwie man einen Apffel 
am Gefchmack, und eine Blume an ihrem Geruch ken⸗ 
net: Alſo einen Chriſten an der Liebe, | 

3. St. Paulus fpricht 1. Cor. 13. v. 2. daß aller Cor. 13. 
hohe Gaben ohne die Kiebe nichts ſeyn. Viel”” - 
Sprachen Eonnen, Wunder thun, viel Geheimniffe 


wiſſen, rc. beweifet feinen Ehriften, fondern der Glaube, — 


ſo durch die Kiebe thaͤtig ift: GOTT hat uns Gott for 
auch nicht groſſe ſchwere Dinge befohten, Wunder⸗ yeye und 


und Demuth. Und GOtt wird an jenem Tage Zree von 
nicht fragen, wie gelehrt du gemefen bift in Künften, 
Sprachen und vielen Wiſſenſchafften; fondern wie 
du durch den Glauben die Liebe geuͤbet haft? Ich bin 


hungrig gewefen, ihr habt mich gefbeifer ꝛc. 
Matth. 25.0. 35.feg. Darum St. Paulus Salat. 5. 
verſ. 6. ſpricht: Daß in Chrifto weder Befthnei- 


dung noch Vorhaut gilt; das ift, Fein Vorzug, 
keine Gaben, Fein Anfehen der Perſon; fondern der Gal.5.b.5. 


Glaube, der durch) die Liebe thätig ift. 


4. So fpricht St. Johannes 1. Joh. 4.0.20. 21. Wer * 
So iemand ſaget: "Ich liebe GOtt, und haſſet a 
feinen Bruder, der iſt ein Lügner: Denn wer Meufden 
feinen Bruder nicht liebet, den er fieber, wie kan lieben 
er GOtt lieben, den er nicht ſiehet; Denn dis Be- 
bot Haben wir von bon, daß, wer GOtt lieber, 

—— 3 daß 


166 B.1.C.26. Warum der Naͤchſte 


1.305.4. daß er auch feinen Bruder liebe, Das ilt,es Fan 
ana GOttes Liebe ohne des Mächten Liebe nicht feyn. 
Wer feinen Naͤchſten nicht liebet, dev ift ein Feind 
GOttes; ‘denn Menfchens Feind iſt GOttes Feind, 
darum weil GOtt ein Liebhaber der Menfchen it. 
Aus der 5. So iſt die Kiebe das Gefeg der Natur, 
fibe aus welchem dem menſchlichen Geſchlechte alles Gus 


kommt al 


es Gutes, tes entitehet, und ohne welche das menfchliche Ges 
ſchlechte vergehen müfte, denn alles, was dem Men⸗ 
fchen Guts gefchicht, das quillet und entfpringet aus 
Eolz.H14. der kiche: Darum St. Paulus die Liebe nennet das 
Band der Polltommenbeit, Col. 3.0.14. Denn 
was für herrliche Früchte aus Der Liebe wachfen, bes 
en 7. fehreibet.er Nöm. ı 2.0.9. Daherder Here Matih. 
Sog gante 7. v. 12» richt: Alles, was ihr woller, daß euch 
Gefetz han» die Keute thun follen, das thut ihr ihnen auch, das 
pe der iſt das Geſetz und die Propheten. Und die Heyden 
Seien der haben aus der Natur gelernet: Was du nicht wilt, 
Noaiur Daß dir gefebebe, das thue einem andern auch 
nicht. Dieſen Spruch bat der Bayſer Severus, 
welcher auch fonft mit herrlichen Tugenden begabet 
geweſen, ftets im Munde geführet, und in Die geſchrie⸗ 

benen Rechte ſetzen laſſen. 
Liebe ein 6. So iſt die Liebe ein ſchoͤnes Bild und Vor⸗ 
nn ſchmack des ewigen Kebens: Denn was daſelbſt 
bens für ein feliger Zuſtand feyn wird, wenn die Ausers 
wehlten fich unteremander Heben werden, eins des 
andern fich freuen, in ewiger Freundlichkeit und Leutz 
feligkeit einander beymwohnen, und fich eins an dem 
andern ergögen werden, das iſt nicht auszudencken: 
Solches alles wird in der Liebe gefhehen. Darum 
wer des ewigen Lebens Bid anfchauen, ja deflelben 
einen Vorſchmack haben will, der wird reichlich Date 
durch ergöget und erfreuet werden, und viel Ruhe 
und Friede im Hertzen haben. a 
Verwand⸗ 7. Ze reiner, bruͤnſtiger und hertzlicher nun die 
Liebe iſt je naͤher der Goͤttlchen Art und Natur; denn 
in GOtt, in CHriſto und im Heiligen Geiſt iſt Die aller⸗ 
rei⸗ 


Naͤchſten fein Leben iwittheile, ja fein Keben für die. 


au lieben fop. 167 


reinejte, zartefte, bruͤnſtigſte, edelſte und herslichfte 
Siebe. Rein tt Die Kiebe, wenn man nicht um eiger 
nes Nutzens und um eigenes Genieſſes willen lieber; 
fondern lauter um der Liebe GOttes willen, weil uns 
GoOtt ſo rein und lauter liebet, umſonſt ohn allen Mutz: 
Darum wer um ſeines Nutzens willen den Naͤchſten 
liebet, der hat Feine reine Liebe, und Feine Göttliche Liebe. 
Und das iſt der Unterfcheid unterder Heydnifchen Kiebe, —— 
und unter der Chriſtlichen Liebe; Ein Chriſt liebet ſei⸗ mifchen und 
nen Naͤchſten in GOtt, in EHrifts, lauter umſonſt, es N 
und bat alle Menfchen in GOtt und in CHriſto lieb; Ven Lede.— 
davon haben die Hayden nichts gewuſt, fondern haben. 

alle ihre Tugenden mit eiteler Ehre und Eigen Drusß ber _  _ 
flectet. Aerzlih lieben wir den Nächiten, wenn cs Derälihe, 
ohne Heucheley gefchicht, ohne alle Falſchheit, wenn Die füge Liebe» 
Liebe aus dem Hertzen gehet, und nicht aus dem Munde, 
dadurch mancher betrogen wird. Bruͤnſtig iſt die Liebe, 
wenn eine hertzliche Barmhertzigkeit und Mitleiden da 
iſt, daß man ſich des Naͤchſten Noth annimmt, als 
ſeiner eigenen, ja wenns moͤglich waͤre, daß man dem 


Bruder laſſe, i. Joh. 3. v. 16. wie Moſes und Pau⸗ 
lus, die da wolten verbannet ſeyn fuͤr die Bruͤder, 
2,B. Moſ 32. v. 32. Nom 9. v. 3. 

8. Daraus folget, Daß wir unſere Feinde lieben ſol⸗ Die Feinde 
len und muͤſſen; Matth. 5. Liebet eure Feinde, lereer 
thut Gutes denen, die euch beleidigen, ſegnet die fen einige 
euch verfolgen, ſo werdet ihr Rinder eines Vaters Rn On 
ſeyn; Denn wenn ihr Gutes thut denen, die euch Ada. 
Gutes thun, und lieber die, ſo euch lieben was thut Matth- 5. 
ihr mebr denn Dieheyden? Denn das thun ſie auch. — 


Darinn ſtehet der Vorzug, Preeminenz und Herrlichkeit 


der Ehrifien; Die Natur unter ſich zwingen, * herr 
| Br g | 


4 fchen 
EB I a Fe a eu rn 8 
* Er redet nicht vonder Natur fuͤr fich betrachtet, fondern von 

den natuͤrlichen boͤſen Affecten, von den böfen, rachgierigen 
Lüften mit ihren Früchten, Paren. Luther. über Rom. 7. 
v. 22. Inwendiger Menſch heiffet hier der Geiſt aus Gna⸗ 

ben 





— — — 


168 B.I.C.26. Warum der Naͤchſte 


ſchen uͤber Fleiſch und Blut, die Welt und alles Boͤſe 
in der Welt mit Gutem und mit Tugend uͤberwin⸗ 
den: Mom. 12. v. 21. Das iſt der Chriſten Adel. 
2.8. Mof. 23. v. befiehlet GOtt: Wenn du dei⸗ 
nes Seindes Ochſen oder Zfel fiebeft irren, oder 
unter der Kaft liegen, bilff ibm auf, bringe ihn 
zu rechte; welches St. Paulus 1, Cor. 9. v. 9. ans 
zeucht, und fpricht: Sorget GOtt für das Vieh? 
hut ers nicht vielmehr uns? Darum er zum Roͤ⸗ 
mern am ı2.d. 20. fprübt: Hungert geind, 
fo fpeife ibn, Oürfket ihn, fo trände ihn, ıc. Iſt 
demnach nicht genug, Daß du dem Menfchennichts Leids 
thuft, ja auch deinem Feinde nicht, du muft ihm Gu⸗ 
tes thun, oder du bift nicht ein Kind GDttes, denn 
du Fiebeft deinen Nächten nicht. 
riebs bes 9. Her fich nicht der Ehriftlichen Liebe befleißi- 
en le⸗ get, der trennet fich von dem geiftlichen Leibe EHrifti, 
‚ Stieder des DET Kirchen, und wird verluftig aller Wohlthaten 
geiihen CHriſti; Eph.4.d. 5. Kin Glaube, eine Tauffe, 
CHrifi, fo ein 1615173 ein HErr, 2c. Denn gleichtvie die Glie⸗ 
— er, ſo vom Haupt getrennet ſeyn, nicht koͤnnen des 
‚ 1baten nn Hauptes Krafft und Leben empfinden, fondern find 
Kirchen. todt: Alfo alle, die nicht in der Kiebe leben, trennen 
fich won dem einigen Haupt CHriſto, und Fönnen 
feines Lebens, Bewegung und Fülle nicht theilbafftig 
1. Joh. z3. werden. Darum fpricht St. Fobannes: Wer den 
v. 14. Bruder nicht lieber, der bleiber im Tode; er ilt 
lebendig todt. 
Sebet ohue 10. Weil auch Durch das Gebet alle gute Gaben 
— und Gedeyen muͤſſen von GOtt erbeten werden, und 
on. ohn Geber keine Huͤlffe, kein Troſt und Errettung 
geſchicht, kan auch kein Segen und Wohlfahrt zu uns 
kommen; und aber kein Gebet erhoͤret werden, und zu 
Goit kommen kan, wenn es nicht aus dem RER 
n u 








den gebohren, welcher in den Heiligen fireitet wider den 
äufferlichen, dag ift, Vernunft, Siun und alles, was Nas 
- sur am Menfchen iſt. 


zu lieben ſey. 169 


und aus der Liebe, und in der Liebe geſchicht. Darum 
der HErr ſaget: Wo ihr zwey oder drey eins wer⸗ 
den in meinem Namen, was fie bitten werden, 
will ich ihnen geben, und foll ihnen wiederfah⸗ 
ren von meinem Pater, Matt. 18. v. 19. 

& füllen wir nun in der Liebe leben, denn da iſt Inderkiebe 
Friede und Einigkeit: Wo aber Friede ift, da Hr der iſtFriede. 
GoOtt des Sriedes, Rom. ı 5.9.13. 33. und wo der 
GDtt des Sriedes ift, dafelbjt hat der HErr verbeif 
fen Segen und Leben immer und ewiglich, ꝛc. 
Dnis33. 053; 


Gebet. | 


Ch du freundlicher leutſeligerErr IJEſu Chriſte, du Schoͤn⸗ 
M ſter unter den Menſchen⸗-Kindern, holdſelig find deine Lip» Pſ.45. v. 3. 
pen, lieblich iſt deine Geſtalt, ehrwuͤrdig iſt dein Angeſicht, zier⸗ 
lich ſind deine Geberden, fteudenreich deine Augen, huͤlffreich 
deine Haͤnde, friedſam deineFuͤſſe liebreich dein Hertz; DuBrunn 
der Gnaden, du Geſegneter des HErrn, aller Ehr und Tugend 
vol, voll Gnade, voll Liebe, du biſt nie muͤrriſch noch greulich ge⸗ 
weſt gegen die Menſchen⸗Kinder, du haſt nie das zuſtoſſene Rohr fa. 42 
zubrochen, noch das glimmende Tochtlein ausgelöfchet. JchElas u, 3. 4. 
ge dir meines Hertzens Unart undUnfreundlichkeitgegen meinen 
Nächften: Wie offt haben ſich meine Geberden gegen ihnnver- 1, Mof. 
ftellee ? Wie offt hat fich die Bitterfeit meines Hertzens gegen ihn 4 d. 6. 
durch meinen Mund auggegoffen ? Wie offt ift der gifftige Baſi⸗ 
lisk in meinen Augen gefeffen ? Wie offt Habe ich zu meinem Bru⸗ 
ber gefagt: Nacha, uud du Narr, ausneidifchem Hertzen? Wie Martp. 5. 
offt habe ich meinen Nächften gehoͤnet, und zu feiner Verach- v. 22, 
tung Worte erdichtet, fchimpfflich und ſpoͤttiſch mich gegen ihn 
erzeiget, ja mit Mordpfeilen und giftigen Mordftichen ihn belei⸗ 
diget, und fein Herg verwundet? Ach vergieb mir folche ſchwere 
Suͤnde, und rechne mir diefelbe nicht zu; wende die Straffe von 
mir ab : denn damit habe ich GOtt ſeloſt aeläftere. Denn wer deg 
Armen fpottet, der läftert feinen Schöpfer ; auch habe ich damit Spr. Sal, 
der leidigen bofen Geifter Art nachgefolget, und derſelben Spott, 17. v,5. 
Grimm und £äfterung, ja das hoͤlliſche Feuer verdienet. Darum 
ſey mir gnädig, und Lehre mich heilfame Sitten undErfänntniß, 
die Dir wohlgefallen. Laß aus meinen Augen leuchten deiner heis 
ligen Augen icblichfeit, aus meinem Munde deiner Lippen 
Holdfeligfeit, aus meinem Angeficht deines Angeficht# Freund⸗ 
lichkeit, daß fich mein armer Nächfter meines Angefichts. freue, 
meiner Lippen fich trofte ; daß meine Zuuge fen ein heilſamer 
Daum deskebeuns und ein —— der da heile die Wunden BR 
5 u 


179 51.827. Warum die Seinde 


rs 





neo MNehfen, wiedu folche Freundlichkeit mir täglich beweiſeſt 
Jeſ. «c6. v.rz. In beinem Wort , in welchem du mich £röfteft, wie eine Mutter ihr 
Kinblein troͤſtet, und mir taͤglich mit holdſeligen Worten und 
Klagl. 3, Lippen zuſprichſt. Nch wie freundlich bift bu denen,die dich fu; 
v1. chen, und den Geelen,die nach dir fragen, du begegneft ung ſtets 
ald ein freundlicher Bräutigam. Ach mache mich beinem 
holdſeligen Bilde auch gleich und ahnlich, daß ich mit Gelindig⸗ 
keit fahre gegen iederman, mit manniglich handele mit Sanfft; 
muth, und iederman begegne mit Guͤtigkeit, mit Rath erfiheine ° 
denen fo mich bitten, mit Troft ben Beträbten, mit Huͤlffe den 
Duͤrfftigen, mitreundlichkeit den Furchtfamen, mit Ehrerbie- 
tung den Zugendfamen: Daß ich niemand ſchade, mit Worten, 
niemand ärgere mit Reden, niemand toͤdte mit meiner Zungen, 
niemand betrübe mit meinen Fipven, ntemanderfchrecklich bir 
mit meinen Geberven; fordern mit Gelindigfeit trage die 
Schwachen, und durch Mitleiden und Erbarmen zudecke des 
Naͤchſten Gebrechen, in Betrachtung, daß ich auch ein Menfch 
bin: und daß ich nieiner Feinde Gebrechen erkenne, freundlich 
ftraffe, aber nicht haffe, fondern Gedult Habe mit des Nächften 
Schwachheit, iederman gerne here, und freundlich antworte. 
Vehuͤte mich für dem grimmigen Zorn, Daß ich meine Geberde 
nicht verftelle, und dem granfamen hoͤlliſchen Drachen ähnlich 
2. Cam. 14. werde; fondern daß mein Angeficht erfcheine als eines Engels 
v. 17. Angeſccht, voller fiebiichkeit und Holdfeligkeit; denn das iſt der 
Befte Schmuck, dierechtfchaffene Schonyeit mit vielen Tugen» 
den gezieref,umddeine ſchoͤneGeſtalt: O mein Erloſer IEſu Chri⸗ 
ſte, mit derſelben wolleſt du mich ſchmuͤcken und zieren, did uch gar 

in dein edles Bilde vollkoͤmmlich verklaͤret werde! Amen. 


Das XXVII. Capitel. 
Warum die Feinde zu lieben. 


Matth. 5.0.44. Liebet eure Feinde, ſegnet die euch 
fluchen, thut wohl denen, die euch haſſen, bittet 
für die, [6 euch beleidigen und verfolgen, auf 
daß ihr Rinder feyd euers Vaters im Hunmel, 


ah Fr. erſte Grund ft GOttes Gebot, fo hier fte> 
ð Oites lie⸗ het: Liebet eure Feinde; und ſetzet der 
ben.bie HErr Eine andere Urfach darzu, denn Diele: 


Feinde. Auf daß ihr Rinder ferd euers Vaters im Him⸗ 
mel: Denn er hat uns geliebet, da wir ſeine Feinde 
waren, Rom. 5. verſ 10. So viel will nun der HErr 
ſagen: Wenn ihr eure Feinde nicht liebet, ſo 
ihr 






































































































































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V—— nn. aan ÄURIIINEINKAUKUEIARNIEIRAEINNN IIIII9JTDuI 











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Das Erſte Buch, Cap. XXVII. pag. 170 


Hier ift die Sonne, die auf dem gantzen Erdboden allen 
Greaturen, Menfchen und Bich, denen Frommen und Gottlo: 
fen auf einerley Weife fcheinet : Alfo ift auch ein erleuchteter 
Ehrift allen einerley, der Freund und Feind liebet, in Gluͤck und 
Unglück feinem GOtt treu bleibet, und fich in dem Lauff des 
Chriſtenthums nicht aufhalten laͤſſet. 


1. Theſſ. 3. verf. 12. 


Kuch vermebre der HERR, und laſſe die Liebe 
völlig werden unter eingnder und gegen ie- 
derman. 


Er Juͤnger Chriſti, der der aöttlichen Natur 
Und feines Geijtes theilhafft worden, 
Sich) abgefondert von der ABeltling Orden, 
Und treulich nachfolat feines Heilands Spur, 
pn allen einerlep. Er ift ein Licht, 
Der feinen Schein ſo Boͤſ⸗ als Guten giebet, 
Und Freund, als Feinde licbet, 
Und fegnet den, von dem ihm weh geſchicht. 
Er haͤlt beftändig feinen Lauf, « 
galt fich Fein Schmaͤh⸗Wort halten auf: 
Er daft der Hunde Gleffen fich nicht irren 
Noch fein Gemuͤth verwirren, 
Sein Eigenfchafft ift: Ubels leiden 
Und Gutes thun, ftets iederman verzeihn, 
Ihm felber niez das iſt der Prüfe» Stein, 
Ein wahres GDttes « Kind zu unterfcheiden. 
O edler Stand! wie felig ift der Mann, 
Der allemal bereit, des Unrechts zu vergeffen! 
Cr iſt fo bach gefeften, 
Daß ihn Fein Pfeil der Laͤſtrung treffen Fan, 
DIE ift der Tugend hschfter Grad, 
Wer den erftiegen hat, 
Und nicht zurücke weicher, 
Der ruhet ſchon in GOtt, und hat das Zielerreichet, 


zu lieben. 171 


ihr eures Vaters Kinder nicht feyn. Wer nun GOt⸗ 
tes Kind nicht ift, weh Kind iſt er Denn? Ach wie 
haben wir noch fo viel zu lernen! Wie weit find wir 
noc) von den Früchten der Kindſchafft GOttes, weil 
in einem wahren Kinde GOttes ſoll Die Liebe feyn, 
fo die Feinde Lieber! | 
2, 1.%0h. 3.0. 14. Wer den Bruder nicht = 
liebet, der bleibet imTode, Warum? Er hat das Zug eittt 
rechte Leben nicht aus CHriſto. Das geiftliche himm⸗ febet im 
fifche geben ſtehet im Glauben gegen GOtt, und in der uud 
Liebe gegen den Naächften, wie St. Johannes fügt: Kiebe. 
Wir wiflen, daß wir aus dem Tode in das Keben 1:90 3. 
kommen fepn, denn voir lieben die Brüder. Das ift 7 
Die Frucht und Zeugniß der Lebendigmachung in CHri⸗ 
fto: Iſt demnach die Feindfchafft wider den Naͤchſten 
der ewige Tod: denn wer in Feindſchafft ſtirbet, der 
iſt des. ewigen Todes geftorben, Darwider der Herr 
EHriftus fo treulich warner. | 
3. Wenn ein Menfeh feinen Nächten haffet, fb 3. 
find alle feine gute Wercke, Gottesdienft und Gebet One Liebe 
verlohren, wie St. Paulus fagt: Und wenn ich alle tr. 
meine Aaabe den Armen gäbe, und lieffe meinen! Eur, 3. 
Leib brennen, und hätte der Kiebe nicht, ſo wäre '" 
mirs nichts nüte, 
4 So iſt es eines hohen, adelichen, Göttlichen _. %- 
Gemuͤths, die Veleidigung vergeben; Denn ſehet rumane 
GOtt an, wie langmürbig ift er, wie bald laft ex geben, if 
fich verföhnen, Pſ. 103. 0.8. Sehet den HErrn Bonn 
JEſum an in feinem Leiden, wie ein gedultiges Laͤmm⸗ lich 
lein war er, wie cbör er feinen Mund nicht auf, 
Jeſ. 53.0.7. Sehet GOtt dei Aeiligen Geift an, 
warum hat er fih in Tauben -Geftalt offenbaret? 
Matth. 3.9.16. Ohne Zweifel wegen der Gelindigkeit 
und Sanfftmuth. Sehet Moſen an, mitiwas groffer 
Gedult hat er die Laͤſterung und Schmaͤhung des 
Volcks getragen; die Schrifft im 4. B.Mof. ı 2.0.3. 
faget: Er war ein febr geplagter Mann, über 
alle Menfchen auf Erden. Gebet den beiligen 
David 


0172 Bl.E.27. Warum die geinde 


David an, wie er den Megentenz pinde: Simei 
dultet: 2. Sam. 16. v. 10. 
Quo quisque eft major, magis eft placabili i ira, 
Et. faciles motus mens generofa capit, 
Das ift: 
Je groͤſſer Held, ie che fein Zorn fällt: 
Je edler Gemuͤth, ie che mans verfohnen thut, 
Mantuan. 
Ardua res viciffe alios; vidtoria major 
Ef, animi fluctus compoſuiſſe ſuos, 
Das ift: 
Dem Feind obſiegen, iſt ein groſſes Werck: 
Sich bſi uͤberwinden, iſt groͤſſre Staͤrck. 
Parcere ſubjectis, & debellare ſuperbos, 
Hæc eſt in magnis gloria magna viris. 
Das ift: 
Den Kleinen Gnad, den Stolgen Krieg, 
Iſt groffen Leuten ein groffer Sieg. 
Vera charitas nulli novit indignari, quam fibi. 
Die wahre Liebe zuͤrnet mit niemand leichtlich, denn mit 
ihr felbft. Der wahre, Friede ſtehet nicht in groſſem 
Gluͤck, ſondern in demuͤthigem Leiden der Widerwaͤr⸗ 
tigkeit Publ. Ingenwiras non recipit contumeliam. ein 
tapffer Gemüt) if Feiner Laͤſterung faͤhig. Seneca: Si 
magnanimus fueris, nunquam judicabis tibi contume- 
liam fieri. Wenn du ein tapffer Gemuͤth haft, fo wirft 
du dafür halten, daß dir Feine Schmach wiederfahren 
ine. Wenn einer die Sonne fchälte, und ſpraͤche, ſie 
waͤre nichts denn Finſterniß, davon wuͤrde ſie nicht 
finſter werden: Alſo gedencke du auch. Genus ma- 
gnum vindidte eft isnofcere. Es iſt eine groſſe Rache, 
Hendnifche hald vergeben. Solche herrliche weiſe Regeln des Le⸗ 
Ka len bens haben fürtreffliche Leute ausgeubet. Als Verickes, 
Langmurh. ein Griechiſcher Nedner, einen Laͤſterer den gantzen Tag 
erdultet hatte, ließ er ihn den Abend in ſein Haus be⸗ 
gleiten, damit er nicht Schaden naͤhme, und fügte: 
Es iſt keine Kunſt die T Tugend ſchelten, ſondern ihr folgen. 
Phocion, ein Athenienſiſcher Fuͤrſt, nachdem * 
err⸗ 


zu lieben, 173 


herrliche Thaten gethan, ift er durch Neid zum Tode 
verdammt. : Und als er gefragt ward: Ob er auch 
noch etwas feinem Sohn befehlen wolte? Hat er ges 
antwortet: Gar nichts, ohn allein, daß ev Diefe Gewalt 
an feinem Daterlande ja nicht rachen wolte. Käyfer 
Titus, als er in Erfahrung bracht, daß zween Brüder in 
Nom nad) dem Käyferthum trachteten, und sich zuſam⸗ 
men verſchworen, den Kaͤyſer zu erwürgen, bat er fie auf 
den Abend zu Gaſte geladen, und auf den Morgen mit 
ſich auf den Schauplag genommen, Da er dem Spiel 
zugefehen, und fie laſſen neben fich fisen, und hat mit ho⸗ 
her Gnade ihre Bosheit überwunden. Als fich Cato, 
der weife Raths⸗Herr zu Rom, erſtochen hatte, hat 
‚ Julius Cæſar gefagt: Nun ift mir mein hoͤchſter Eleg 
genommen, denn ich gedachte dem Catoni alle Injurien, 
damit er mich beleidiget hat, zu vergeben. 

5. Aber werdinch Die groffe Gedult und Demuth „, 


des Sohnes GoOttes nicht bewogen werden kan zur it 
Bone 
nes 


Sanfftmuth gegen die Feinde, der wird nimnermehr 
durch eines Heiligen Exempel bewogen werden, vielwe⸗ 
niger durch ein Heydniſch Ekempel. Denn ſehet, was 
iſt doch groͤſſer Gewalt und Bosheit, denn daß Men⸗ 
ſchen⸗Kinder gegen den einigen, unſchuldigen, gerechten 
Sohn GOttes, die Crone feines Hertzens, fo erbaͤrm⸗ 
lich gehandelt haben, ihn verſpottet, geſchlagen, mit 
Dornen gecroͤnet, verſpeyet, ans Creutz gehefftet, und 
die hoͤchſte Bosheit an ihm vollbracht? Noch hat es 


GOttes. 


GoOtt aus Gnaden alles vergeben, und der HErr hat Be 


gebeten: Vater, vergiebs ihnen. _ 


6. Zu dem Ende hat dir dein Erlöfer und Ger 
ligmacher fein Erempel vor Augen geftellet, Daß er dei⸗ 


Arkeney, Die alles, was in dir hoch ift, ſoll niederdrücken, 
alles, was verſchmachtet ift, erquicken, alles, was uns 
— iſt, abſchneiden, alles, was verderbet ift, vers 
beſſern. Wie kan die Hoffart in einem Menſchen 
ſo groß ſeyn, daß ſie nicht geheilet werden moͤchte mit 
der tieffſten Niedrigkeit und Demuth des Sohnes 
GOttes? 


Ex⸗ 
enien 
nes gansen Lebens Erafftige Artzeney fey; eine ſolche ve Arane- 


' 


174 B. J. C.27. Warum die Seinde 
GOttes? Ebr. 5.0.8. Wie kan der Geitz im Men⸗ 
ſchen ſo uͤberhand nehmen, daß er nicht durch die heilige 
Armuth CHrifti koͤnte geheilet werden? Wie kan der 
Zorn des Menſchen fo hefftig feyn, daß er nicht mit der 
aslindeften Zanfftmuth CHriſti koͤnnte geheilet wer⸗ 
den? Wie koͤnnte die Rachgier im Menſchen ſo bit⸗ 
ter ſeyn, daß ſie nicht ſolte durch die hohe Gedult des 
Sohnes GOttes geheilet werden? Wie koͤnnte dach 
ein Menſch ſo gar lieblos ſeyn, daß er nicht durch die 
groſſe Liebe CHriſti und ſeine Wohlthaten koͤnnte 
mit Liebe entzuͤndet werden? Joh. 11.v. 35.36. Wie 
koͤnnte doch fo ein hart Detgfeyn, das CHriſtus mit ſei⸗ 
nen Thramen nicht erweichen ſolte? 

ei 3 Wer wolte auch nicht gerne GOtt dem Vater, 
hen lieben Sohn RS seifte, und GOtt dem 
Heiligen Geijt gleich werben, und das Bild der Heiz 
ligen Dreyfaltigkeit tragen, weiches fuͤrnemlich ſtehet in 
der Liebe und Vergebung? Denn es iſt die hoͤchſte Ei⸗ 
genſchafft GOttes, erbarmen verſchonen, gnaͤdig ſeyn, 
vergeben. Wer wolte nicht ſagen daß das die ſchoͤn⸗ 
ſte Tugend waͤre, dadurch man dem hoͤchſten GOtt 

gleich kan werden, und den allertugendhaffteften hoͤch⸗ 
ſten Leuten in der Welt? 

8. Endlich, fo iſt es auch der hoͤchſte Grad der T Tu⸗ 

— ‚gend, ſich ſelbſt überwinden, vergeben, vergeſſen, und 

und bc, Zorn in Gnade verwandeln. 

— Fortior eſt qui fe, quam qui fortiflima vincit 

Moenia, nec virtus altius ire poteſt. 


Das iſt: 


Es iſt ſich ſelbſt bezwingen ber allergroͤſte Sieg: 
tiemals in ſchweren D rin die Tugend höher 


Iſt ebendas, was eo Sat 16. verf. 32. ftehet: 
Kin Gedultiger ift befier denn ein Starker, und 
der feines Muthes cin Herr ift, denn der grofle 
Städte gewinner, Hoͤher Fan die Tugend nicht 
fteigen, fie hat keine höhere Staffel oder Grad: en 


us 
| zu lieben. ” 75 
ſo ruhet fie in EODtt, und endet ſich in GOtt, und ift in 
SHDtt vollendet, ꝛc. RE 
Gebet. 


Ch Herr JEſu EHrifte, du Liebreicheg, freundliches, ſanfft⸗ 
muͤthiges Herg, dar haft befohlen und gefagt: Liebet eure 
Feinde /ſegnet die euch Auchen, thut wohldenen, die euch haſſen, 
bitter fürdie, fo euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kine 
der ſeyd eures Waters im Himmel, der feine Sonne laffer auf⸗ 
‚gehen über Boöſe und Gute, und läffet regnen über Gerechte und 
Ungerechte. Ach himmliſcher Vater, gieb mir ein folch Hertz, 
daß ich dein Kind erfunden werde; gieb mir das Her und den 
Sinn deines lieben Sohneg, meines HErrn JEſu Chriſti, daß 
ich auch mit ihm aus erbarmender Liebe ſage: Vater, vergieb 
ihnen! da er auch fuͤr die bat, ja fein Blut für die vergoß, die fein Lue. 2z.b 34 
Blut vergoffen. Ach mein GOtt, tilge in mir. ausallen Zorn, 
Rachgier und Ungedult, daß ich allen meinen Seinden nicht ab 
lein gerne und von Hertzen vergebe, ihnen nicht fluche noch) 
Ubels wolle, fondern fie feane ; daß ich fie nicht Haffe, fondern 
liebe als dein Gefchöpff, für welche auch CHriſtus mein HEre 
geſtorben ift, und fein Blut fuͤr fievergoffen. Und mie du deine 
Sonne über fie läßt aufgehen, alfo gieb mir, daß die Sonne meis 
ner Liebe und Erbarmung über ihnen aufgehe, und der Regen 
nieiner Guͤtigkeit auf fie Fallen möge. Ach lieber Water, gieb 
ihnen wahre Buffe und Befehrung, daß fie dein Zorn und dein 
Gericht nıcht übereile, daß fie nicht in ihrem Haß und Neid, 
Grimm und Zorn fterben. Lencke ihnen ihr Her zur Sanfft 
mut) und Demuth: Gieb ihnen ein neu Herk, Sinn und Muth, 
mildere ihre Hartigkeit. Du bift ja ein GOtt aller lebendigen Spruͤchw. 
Geifter, und Haft aller Menfchen Herken in deiner Gewalt. Du Sal.zıv.t, 
kameſt ja des Nachts im Traum zum Laban, dem Feinde des Ja: !; ” Bl. 
cobs, und fprachfi zu ihm: Huͤte dich, daß du mit Jacob micht 5 Mo 
‚anders denn freundlich redeſt. Du fänfftigteft ja den sornigen 52.0.4. 
Efau, daß er feinen Bruder Jacob freundlich und mit Thraͤnen 1. Sam.as. 
empfieng. Du milderteft den Zorn Davids durch die Vbigail, d 23-32, 
daß er ben Nabal nicht erwürgere. Ach mein GOtt, du zaͤhme-Aau 0 
teſt ja die Löiven, daß fir den Daniel nicht zerriffen, und haft ja Fef ir v.6, 
geſagt, die Woͤlffe werden bey den fämmern wohnen, ein kleiner g, 9. 
‚Knabe wird Riiven und Maft-Vieh mit einander treiben,und ein 
Entmehnter wird feine Hand ftecken in die Hole des Baſilisken: 
Man wird nirgend verlegen noch verderben auf meinem heilis 
gen Berge, denn das fand ift voller Erfänntniß dog HEren, als 
mit Waſſer des Meers bedeckt. Aufdiefe deine Derberflüng bit: 
te ich, befehre meine Feinde, daß fie ablaffen vom Zorn, aufdaß 
fie nicht in Zorn umkommen. Ach mein Gtt und HErr, lehre 
fie bedenken, wie fchresflich 58 fep, wegen eines zeitlichen Zorn 
f Beinen 


176 B1.E.28. Die Kiebe desSchöpffers 


deinen ewigen Zorn fragen müffen; Gieb ihnen zu bedencken, 

1. B Moſ. daß fie durch den Zorn all ihr Gebet zur Sünde machen, und 

40. daß um ihrer Unverföhnlichkeit willen all ihre Opffer und Got: 

— tesdienſte verworffen werden, wie das Opffer Cains. Lehre ſie 
Matth.ıg. bedencken, daß der unbarmhertzige Knecht in den ewigen. 
b. 34. Schuld⸗Thurm geworffen ward, ja daß bie, fo vergeblich zůr⸗ 

1.505. 3. nen, Todefchläger feyn, welche dag ewige Leben nicht haben bey 

v. 15. ihnen bleibend. Ach mein GOtt und HErr, was iſt mir mit 

ihrem zeitlichen und ewigen Schaden gedienet ? Ihr Zorn ſcha⸗ 

det ihnen felbft mehr denn mir, und iſt ihr eigen Berderben und 

Perdammniß, dafuͤr wolleft du fie inÖnaden behuͤten. Mein 

Spr. Sal. GOtt, es fagt jr dein Wort: Wenn iemands Wege dem HErrn 

16.0.7. gefallen, fo machet er auch feine Feinde mit ihm zufrieden. Ach 

vergieb mir meine Sünde, erhalte mich in deiner Gettlichen 

Pf 147. Furcht; denn du haft allein Gefallen an denen, die dich fürch» 

DI. ten, undalfo werden mir auch meine Feinde verföhnet werden. 

Bm. 12. Hilf, daß ich fie mit Liebe und Wohlthat übermwinde, und feuris 

* ge Kohlen aufihr Haupt ſammle, auf daß fie fich felbft erken⸗ 

nen, Buſſe thun, und nicht dem ewigen Feuer zu theil werden ; 

f dafur wolleft du fie, D barmherkiger GOTT, bewahren, durch 

JEſum EHriftum! Amen. 


Das XXVIII. Capitel. 


Wie und warum die Liebe des Schoͤpf— 
fers aller Creatur⸗Liebe ſoll vorgezogen wer⸗ 
den; Und wie der Naͤchſte in GOTT ſoll 
geliebet werden. 

1. Joh. 2.0.15. Werdie Weltlieb bat, in dem iſt 

die Kiebe des Daters nicht. 


Es Menfchen Hers ift alſo von GOtt gefchaffen, 
daß es ohne Liebe nicht leben Fan, es muß etwas 
lieben, es ſey GOtt, oder die Welt, oder fich 
Edelſe aſ/ felbfien: Dieweil nun der Menſch etwas lieben muß, ſo 
feet ber Die ſoll er das Allerbeſte lieb haben, welches it GOtt ſelbſt; 
| gehübrerfe und foll diefen Affect, welchen GOtt in das Hertz ge⸗ 
‚O8 pflantzet, und durch den Heil, Geift angesundet bat, 
GOtt wiedergeben, und bitten, daß er feine Liebe in ihm 
ie mehr und mehr anzuͤnde. Denn GDtt lieber dich 
erſt, und entzündet deine Kiebe mit feiner Liebe, liebeſt 
du ihn aber wieder, fo wirft du von ihm geliebet werden; 
Joh. 14.0.21. Wer mich lieber, wird von, meis 
nem Dater gelicber werden, 
If 


allen Creaturen vorzuziehen. 177 


ft nun GOttes Liebe in einem, fo Fan ers mit kei⸗ Wer GOtt 
nom Menfchen böfe meynen, denn GDttes Liebe mey⸗ "edet, mens 
nets mit Einem Menschen böfe, und Fan keinem übel en 
wollen. Wer nun keinem Menfchen übel will, aus sur. 
Art und Krafft der Liebe GOttes, der wird auch Fels 
nen Menfehen betrugen noch beleidigen mit Worten 
und Werken. Sehet, das würcker die Liebe GOttes 


in und. | 

Es find viel, ja Die meiften Leute, mit der Welt⸗ Nichts beſ⸗ 
Kiebe alfo befeffen, daß GOttes Liebe nie in ihr Hergfers, denn 
Eommen ift, welches fie mir der falfehen Liebe gegen BR 
ihren Nächiten bezeugen, mit Vortheil und Be⸗ 
trug, ic. Die Welt, und alles, was in der Welt 
ift, ſoll nicht alfo geliebet werden, daß GOttes Liebe 
dadurch beleidiget oder verhindert werde: Denn 
was ift doch Die Nichtigkeit und Eitelkeit diefer Welt 
zurechnen gegen Die Hoheit und Fürtrefflichkeit GOt⸗ 
te8? Denn gleichwie GOtt unendlicher Weiſe überz 
trifft alle feine Creaturen: Alſo iſt auch, feine heilige 
Liebe uͤberſchwenglich ohn alle Vergleichung, adeliz 
cher und koͤſtlicher, denn alle andere Liebe, damit die 
Ereaturen geliebet werden. Darum find alle Crea⸗ Alle Crea⸗ 
turen viel Ju nichtig und zu gering, daB um ihrent⸗ puted, 
und ihrer Liebe willen GOttes Liebe folte beleidiger ve 
werden. dir einge, 

1. Eot. 9. verſ. 7. ſpricht St. Paulus: Weß ferner o, 
die Srucht des Baums, Ohne deß, der ihn ge-" 
pflanger hat? Wer pflanger einen Weinberg, 
und iffet nicht von feinen Srüchten? Alſo, wen 
ſolteſt du mehr lieben als den, der die Liebe in das 
Hertz gepflanget hat, durch weiches Liebe du lebeſt? 

Durch die Liebe GOttes in CHriſto leben wir alle, an 
dieſelbe Liebe füllen wir uns halten’ in unferm gangen 
Leben, es gehe uns wie es wolle, Und gleichwie die Shin _ 
Schiff - Leute in groſſem Ungeftüme des Meers Hleihnib, 
Ancker auswerffen, daran fih das Schiff halt : At 
jo; wenn diefe Welt, welche ein ungeſtuͤm Meer it, 
das Schifflein unfers Hertzens beweget durch die 

I. Theil. M Buͤlgen 


178 B.I.E,28. Die Liebe des Schöpffers 


Bülgen der mannigfal tigen Lafter, Hoffart, Zorn, 
Ungeduft, Geitz, Reifhlicher Wolluſt, ꝛc. follen wir 
uns an die Biebe GOttes und Chrifti Halten, 
als an einen Ancker, und ung nicht ſo bald von. der 
Liebe Cehriſti laſſen abreiffen: Rom. 8. verf. 38. 39 
GOttes Alſo auch in geittlichen Noͤthen, wenn Suͤnde, Tod, 
Ei a, Teufel und Hölle, Truͤbſal und Elend wider uns 
Ereorur ftreiten, als Meers-Aßellen, ſollen wir ung an GOt⸗ 
Tg tes und CAriſti Aicbe halten: Denn das ift der 
19,17. Berg, der dem Korb gejeiget ward, als er aus dem 
Teuer zu Sodoma gieng, darauf er feine Seele 
erretten ſolte, 1. B. Mof. 19. 0: 17. 
Alſo muß ein Ehrift die Sodoma dieſer Welt 
fliehen, und ſich an die Liebe GOttes halten, will er 
‚nicht in Die Strafe fallen der weltlichen Luͤſte, welche 
Gottes aͤrger ſeyn, Denn das Feuer zu Sodoma. Die Kiebe 
Br — und Succht GOttes ifts, die einen Menfchen behuͤ⸗ 
 hüter für tet fuͤr der Welt, wie Den Joteob vor des Poti- 
Sinden. phars Weib: 1.B.Mof. 39.0.9. 
War Daß ein Menſch diefe alt fo lieb hat, kommt 
H an nur Daber, daß er nie geſchmecket hat die Liebe GOt⸗ 
en dar. tes: Daß ein Menſch feinen Naͤchſten haffet, neidet, 
etreugt, vervortheilet, fommt nur Daher, daß er die 
Liebe GOTTES richt hat. Woher kommt fo viel 
Sorgen und Gramen? Nur daher, daß man GOtt 
Jeblichkeit nicht herslich liebet. Denn die Liebe GOttes ift fo 
u lieblich und ſuͤſſe daß fie einen Menſchen in allen 
lichkeit der Trübfalen, auch mitten im Tode freudig und getroſt 
Siebe BOP machet. 
Ein en⸗ Der Liebe Art iſt, daß ſie das allein groß achtet, 
34 der das ſie lieb hat, und vergißt alles, auf daß ſie nur das 
% Geliebte möge erlangen: Warum vergißt denn ein 
Nenſch nicht alles, was in der Welt ift, Ehre, Wol⸗ 
{uft und Meichthum, auf daß er GOtt allein haben 
möge, weil er fpricht,. er liebe GOtt? Das haben vor⸗ 
zeiten gethan die Heiligen GDttes; welche der Liebe 
GOttes und derfelben Suͤßigkeit fo ſehr nachgetrach⸗ 
| tet haben, Daß fie der Welt und ihr ſelbſt daruͤber Fi 
geſſen 





allen Creaturen vorzuziehen. 179 


eu 
geflen. Derowegen fie in der Welt für Narren Dear Weiße 
feyn geachtet worden, und fie find doc) die Weiſeſten — — 
geweſt: Denn wer iſt der Weiſeſte? Der das ewige 
ut über alles liebet und ſuchet. Darum find das 
die aröften Welt⸗Narren geweſt, welche folche Heilige 
Leute für Narren gehalten haben s 1. Cor. 3, 0,19. 
E; 4. verſ. 10, 
Ein rechter Kiebbaber GOttes fuchet und lie In 5Htt 
bet GOtt ſo, als wenn fonften nichts anders unter dem Aust du 
Himmel ware denn GOtt; und alfo findet er in 
GOtt altes, was er ie in der Welt lieben Eonnte: 
Des G0Ott iſt alles, er iſt Die vechte Ehre und 
Freude, Friede und Luft, Reichthum und Herrlich— 
keit, das alles wirft du in GOtt beffer finden, denn 

in der Belt. Liebeft du etwas Schoͤnes; warum 
liebeſt du GOtt nicht, dev aller Schoͤnheit ein Ur⸗ 

prung .ift? Liebeft du etivas Gutes; warum lies 

eft du GOtt nicht, der das ewige Gut iſt? Und Dattbı19. 
ift niemand gut ohne GOtt, der das höchfte Gut azum ats 
in feinem. Weſen. Alle Creaturen find gut, Te Ercatu: 
darum; daß fie ein kleines Füncklein und Tropfflein ke 
don der Guͤtigkeit GDttes empfangen haben, und iſt Tim.4. 
buch ſolches mit vielen Unvolllommenbeiten um" 
geben. | 


Warum liebeft du nun GOtt nicht vielmehr, den GDtt if al 
Urſprung und Brunnen, und die hoͤchſte Vollkommen⸗ Kuna re— 
heit alles Guten, der wefentlich gut iſt, und alles Gu⸗ 
ten in allen Dingen Urſprung iſt? Je weniger von der 
Erde oder irdifchen Schwere ein Ding etwas an fich 
bat, ie leichter es ift, und ie ehe es fich in die Höhe erhe⸗ 
bet: Alſo, ie mehr ein menſchlich Hers mit irdiſchen Idiſch Ge 
Dingen beſchweret ift, ie weniger es ſich empor heben fünmer @er 
Tan, und in der Liebe GOttes fich erfreuen; ie weniger märb. 
eltz Liebe, ie mehr GOttes⸗Liebe, ie mehr Liebe Des 
Naͤchſten, diefe find nicht gefchieden. 

Daraus folget, daß, wer GOtt liebet, der liebet 
auch den Nachiten, und wer GOtt beleidiget, der beleis 
diget auch den Naͤchſten. 9 


—— Geber, 


‚180 B.1€.29. Ohne Derfobnung des Nachſten 
Gebet. 


Du unergruͤndeter Brunn alles Guten und Liebe, es ſind 
ja unzählige Uberzeugungen, die mich treiben, Dich zu lie⸗ 
ben: ch kehre mich in oder auffer und um mich, fo finde ic) 
Kennzeichen deiner Licbe, die von mir eine gehorfame Gegen⸗ 
Liebe erheiſchen. Nur dig ift mein Schmerk und Främefet mich, 
daß ich dich nicht Fan fo lieben, als ih dich !ieben wolte. O du 
95.1.0. 7. ewige Liebe, die du alles erfülleft, erfuͤle audy mein liebloſes 
Hertz mit dir ſelbſt. O mahrbafftiges Licht, von dem alle Ers 
leuchtung kommt, erleuchte mein finfteres Herß, daß es dich und 
Mare, 12. die Welt recht erkenne, und denn das allein liebe, was ale lies 
d.13, bens werth iſt. Laß mich dich über alleg, und meinen Raͤchſten 
a 3% als mich felbfi lieben ; denn du haft aus Liebe zu mir deines eis 
1.öoh.g, nigen Sohns nicht verfih oner, ſondern ihn für mich dahin gege⸗ 
v1. ben, und wilt, daß, wer GOtt liebet, daß der auch feinen Bru⸗ 
Pbil2.0.13. der iebe. Bollbringe du in ir, mein GOtt, was du mir ges 
eben haftzu wollen, damit ich dich, und in dir meinen Bruder 
mit reinem Herken lieben möge, durch JEfum EHriftum dei: 

nen Sohn, unfern Herrn! Amen. 





Dis XXIX. Capitel. 


Von der Verſoͤhnung des Naͤchſten, 
ohne welche GOTT feine Gnade 
wiederruffet. 

4. B. Moſ. 5. v. 6. Wenn iemand eine Suͤnde wi- 
der einen Menſchen thut, der verſuͤndiget 

ſich am HErrn. 


Wer wider ERß find denckwuͤrdige Worte, denn fie binden 
eben zuſammen GOtt und den Menfchen, GOttes 
der füudi. Liebe und des Menfchen Liebe, GOttes Belei— 


nen digung und des Menfchen Beleidigung, denn Mofeg 
Menichen: ſpricht hie ausdrücklich: Wer eine Suͤnde wider 
— einen Menſchen thut, der babe ſich an dem HErrn 
Belsidiger,. verſundiget. 
Daraus folget nun unwiderſprechlich: Wer ſich 
‚mit GQOtt verſohnen will, der muß ſich auch mit ſei⸗ 
nem Naͤchſten verſohnen: Denn GOtt wird belei⸗ 
diget, wenn der Menſch beleidiget wird. Darum 
fan ſich auch ein Menſch, der GEOtt und Menſchen 
belei⸗ 


wiederruffet GOtt feine Gnade. 181 


beleidiget hat, mit GOtt nicht wieder verſoͤhnen, er 
habe ſich denn mit ſeinem Naͤchſten verſoͤhnet, wie ſol⸗ 
ches auch CHriſtus klar bezeuget, Matth. 5. v. 23. 

Hier muͤſſen wir nun nothwendig abermal etwas 
ſagen von der Liebe GOttes und des Naͤchſten, wie 
dieſelben aneinander hangen, und nicht koͤnnen geſchie— 

“den werden; daraus denn nothwendig fleuſt Die 
wahre brüderliche Kicbe. . 

1. 30h, 4.0: 20: Wer ds füget, er liebe GOtt, GDttes 
und baflet feinen Bruder, der iſt ein Lügtersug nn, 
Denn wer feinen Öruder nicht liebet, den,er fie- Nächten, 

het, wie ſolt er GOtt lieben, den er nicht fic- giene in 
bet; und dis Gebot haben wir von ihm daß fach. 
wer GOTT lieber, auch feinen Bruder’ liebe, 1: 30-4 
Derowegen fo Fan nım &Dtteg Siebe ohne des Ni" 
ften Kiebe nicht feyn.. Iſt GOttes Fiebe recht und rein 

ohne Falfch bey einem Menfeben, fo ift auch des Naͤch⸗ 

ſten Kiebe rein und. unverfaͤlſchet; Und hinwieder, iſt Die Liehe 
GoOttes Liebe nicht vein bey einem Menſchen, fo hat deh Manı 
derſelbe Menſch nur auch eine falſche Liebe gegen feinen Probe der 
Naͤchſten. Alſo ift Die Liebe des Naͤchſten eine a. 
‚Probe der Liebe GOttes, ob Diefelbe bey einem 
rein ſey oder nicht. 

Aus dieſem runde Fan man nun recht betrachten 
‚Die Liebe des Naͤchſten, und deffen brüderliche Verſoͤh⸗ 
nung. Zwey Ziel find dem Menfchen gefeget, nach wel⸗ Zwey Ziel 
„chen er den Lauff feines gangen Lebens richten er 
GÖttes und des VNaͤchſten Liebe; darinnfollerfih 
befleißigen, daß er demfelben Ziel immer naher und na= 

her fomme, und.in GOttes und des Naͤchſten Liebe 

‚Immer vım ommener werde; Denn zu dem Ende find 

‚alte Menſchen gefchaffen, erlöfer und geheiliget. Ja 

CHriſtus unfer HErr iſt das Ziel, darnach wir alle Das rechte 

‚lauffen follen; ie naher. nun die Liebe, ie naher dem Bit, 

HErrn EHrifto und feinem Leben. 2* 
Darum Mt GOtt Menſch worden, auf daß uns an EHrifi 

GDtr vor Augen ftellete ein lieblich fichtbar Contra⸗ Menfo 

‘fait und Bild feiner Liebe, wie GOit wefentlich Die Boren 

M 3 Siebe 


182 B.1.E. 29. Ohne Verföhnung des Naͤchſten 


giebe ſicht⸗ Liebe ſelbſten in ſeinem unerforſchlichen, unbegreiff⸗ 

bar. lichen, unendlichen, Goͤttlichen Weſen fen, auf daß bie 
Menfchen diefem Ebenbilde GOT TITES, welches 
iſt CHriſtus, aͤhnlich und gleichförmig wurden * in 
der Liebe, 

Band de Wie aber nun in CHriſto zufammen gefaffet it 

Licht. a: GO und Menſch durch ein unauflöslich Band 

| Alſo faſſet die Liebe eh in fich Die Liebe des 
Naͤchſten. Und wie Goͤttliche und menſchliche Nas 
tur in CHriſto nicht Fonnen getrennet werden: Alfo 
auch GOttes und des Nächften Liebe. Wie man 
die Menschheit EHrifti nicht kan beleidigen, man muß 

Menfchen- auch GOtt beleidigen: Alſo Fan man ohne GOtt 

Dee Keinen Menſchen beleidigen; darum kan ſich kein 

Sort Menſch trennen mit feiner Liebe von feinem Naͤchſten, 

Scedb "er muß fich auch von GOtt trennen. Es Fan niemand 
zuͤrnen mit feinem Naͤchſten, er muß auch mit GOtt 
zuͤrnen; es Fan niemand Menfchen beleidigen, er muß 
auch Dt befeidigen. 


Aus Bot Nehmet ein natuͤrlich Gleichniß: Wenn einer 
ln einen Circkel machet, und in der Mitten einen Punct, 
alle Dinge Und zeucht Den Circkel voller Linien, fo kommen fie alle 
—25 in dem einigen Punct zuſammen, und rühren einan⸗ 
Mittel und DEr an, und Das einige Puͤnctlein faſſet alle Linien zus 

Ende  fammen, und Ean Feine Linie gefebieden. werden von 

der andern, fie werden auch zugleich vom Mittels 
Punet mit abgefthieden, i in welchem alle Linien sufams 
men Eommen: Alſo iſt GOtt der Punet:; feheidet ie 
mand die Kinien feiner Liebe von feinem Nächften, fo 
ſcheidet er fie auch zugleich von GOtt. Und weil alle 
Linien des Circkels im Mittel⸗Punet einatlder anruͤh⸗ 

Mitteiden ven, fo rübret das Leiden und Trübfal des Menfchen 

aus Liebe einander auch an, daß er Mitleiden mit ihm * 





*Es wird nicht gehandelt von der Rechtfertigung oder ei⸗ 
niger einwohnenden Goͤttlichen weſentlichen Gerechtigkeit, 


fondern vonder täglichen Erneuerung des Ebenbildes GOt⸗ 
tes in und. Varen. 


wiederruffee GOtt feine Gnade. 183 


ift er anders in GOtt, als dein einigen Punct, mit 
begriffen und zuſammen gefaffet. 

Deß haben wir auch eine feine geiftlihe Bedeu: Shin Bil⸗ 
tung in der Hiſtorie Jobs; da Isb borete, daß ihm ——— 
ſein Haab und Gut genommen war, ſprach er: Der we} 
Are hats gegeben, der HErr hats genommen, 
der Name des Errn fep gebenedeper; und ber 
trübete fich nicht fo gar hart. Da er aber hörete,daß 
feine Rinder waren umkommen, zerreiß er feine v. 20. 
Kleider, und batte ſich viel Flaglicher. Die Kinder 
bedeuten eines seden Menſchen feinen Naͤchſten; wenn 
er höret, daß es feinem Naͤchſten übel gehet, foll es 
ihme mehr zu Herken gehen, als wenn er fein eigen 
ut verlöyre: Denn das it der Liebe Art, daß fie fich 
um ihr eigen Unglück nicht ſo ſehr bekuͤmmert, als über 
des Naͤchſten Schaden. Ach wie ein felig Leben roäre Seligteben 
auf Erden, wenn wir alle in der Liebe wandelten, da in derLiebe. 
würde niemand den andern betrugen, vervortheilen 
und beleidigen, , - ’ 

Darum hat BOTT in der Schöpffung nicht 1. Wofr. 
mehr denn einen Menſchen geſchaffen, und die garen 
Eva bernach aus demfelben erbanet; von wel⸗ GDr Un 
eher einigen Wurtzel hernach fo viel Menfchen ont Frei mir 
foroffen find, auf daß, weil alle Menfchen von einer ſchen ge 
Wuͤrtzel entfproflen, fie fich auch deſto mehr unterein, ſchaffen. 
‚ander liebten. Das ift die Urſach, warum GOtt h 
andfaͤnglich nicht viel Menſchen gefchaffen, fondern nur 
‚einen , da er doch viel Thiere, viel Krauter, viel 
Baͤume gefehaffen: ber nur einen Menfehen, auf 
daß fie, als Zweiglein eines Baums, ſich deftomehr 

hernach lieben folten. 

Die Liebe, ſo GOtt befohlen. hat, iſt lieblich zu Lieben ir 
üben, und beſchweret des Menfchen Leib und Seele yielleihter 
nicht, fondern machet dem Menfchen ein fein ruhig Fe fen. 
ben, und ift unſrer Natur bequem, und nicht zuwider: 

Wenn aber GOTT befohlen hätte, daß du deinen 
Naͤchſten haſſen fulteft, fo hätte ex Dir viel etwas 
fehwerers geboten, denn daß du deinen Nächiten lie— 

MA — 7 — 


Liebe und 
erſoͤh⸗ 
nung brin⸗ 
-gen Ruhe, 


— 


ihr 
echt 
Kohn. 


4. B. Mof, 
3.0, 


7:8: 
Wie die 
Berföh. 
“nung ger 


(heben fol. 


Erattung 


184 B. J. C.29. Ohne Verſ oͤhnung des Naͤchſten 


ben ſolteſt. Denn Haß und Feindſchafft iſt dem 


Hertzen und Seele eine groſſe Laft und Pein, verzeh⸗ 
vet Leib und Seele; aber die Liebe ſtärcket, erfreuet, 
erhaͤlt Leib und Seele, zerftöret und zubricht ibn nicht, 
wie Haß und Neid thut. Denen, die GOtt lieben, 
iſt auch eine Luft den Naͤchſten zu lieben; denen, Die 
GOtt nicht lieben, iſt auch zuwider, Daß fie den Naͤch⸗ 
ſten lieben ſollen. 

Kommt dichs nun ſchwer an, deiner verderbten 
Natur halber den Menſchen fieben, ſo gedencke, daß 
es noch viel ſchwerer feyn wird in Dev Holle brennen, 
Es iſt ein unfeliger Menfch, der lieber ewig will in der 
Hoͤllen brennen, denn feinen Naͤchſten allhier lieben, 
und ſich mit ihm verſoͤhnen. Ja es fuͤhlets ein Menſch 
auch an feiner Seele, daß, wie der Glaube Friede mir 
GOTT bringet, wie Paulus Nom. 5. vd. . ſpricht; 
alfo Liebe und Verfohnung Friede mit den M enichen, 
und eine groffe Linderung und Ruhe dem Hersen: Im 
Gegentheil Feindſchafft und Unverföhnlichkeit bringet 
der Seelen Pein. 

Gumma, eine iede Tugend belohnet den, der jie 
hat, und ein iedes Laſter peiniget den, der es hat: Eine 
- jegliche Tugend ehret den, der fie hat, ein ieglich Lafter 
ſchaͤndet den, der es hat. 

So zeiget auch die Schrifft, auf was Weiſe die 
Verſohnung geſchehen fol: (1) Soll der Schuldige 
ſelne Suͤnden bekennen, verſtehe feinem Naͤchſten, 
den er beleidiget hat, und ſolls ihm abbitten: (2) Soll 
er wiedergeben das, darum er ihn betrogen bat, 
die ganze Aaupt-Summe, und noch den fünff- 
ten Theil darüber; (3) Iſt niemand mebr da, 
dem ers besablen koͤnne, fo folle er es dem HErrn 
geben. 

Hier ift nun wohl zu mercken, daß GOtt der HErr 


al gebeut 4. B. Moſ. 5.9.7. man foll dasjenige, darum 


man den Nächiten betrogen hat, wieder erftatten: 
Dis geböret zu wahrer Buſſe, und ift der wahren 
Buſſe Eigenfchafft, Daher 5. Augultinus Rn = 

uͤnde 


wiederruffer GOtt feine Gnade. 185 








Suͤnde wird nicht vergeben, wo nicht das ge- 

ſtohlne und unrechte Gut wiedergegeben wird. 

Welches er bald darauf erklaͤret, und ſpricht: Cum 

res aliena, quæ reddi poteit, non redditur, non agitur, 

fed firgirur poenitentin; Das If, wenn man das 

fremde und geftohlne Gut, welches Fan wiedergeger . 

ben werden, nicht wiedergiebt, fo wird die Buſſe nicht 

recht gethan, fondern nur gedichtet. 
Die rechte wahre Buſſe, die einen Menfchen zu Die wahre 

GOtt bekehret, feger alles Zeitliche bintan, umd ad) aepter pas 


tets wie Koth gegen Die überfchtvengliche Gnade GHDr- Zeizliche, 
tes; deſſen wir ein herrlich Syempel an Zachaͤo haben. Ze © 


x 


- 
* 


Solche Keute finder man ießo felten, die alſo Buſſe thun.““ 
Denn die wahre Bekehrung zu GOtt reiniget das 

Herz und Gewiſſen durch den Glauben, mit Erſtat- 

fung des unrechten Guts, aufdaßdas Hertz vor GOtt 

und Menfchen vein ſey: Denn es bleidet dach) einer ein 

Dieb in feinem Hertzen und Bewiflen vor GOtt, Ein Dieb 
fo lange ev das geſtohlne behält, und nicht wiedergiebt, * a 
ob er gleich nicht mehr ftiehler. Darum foll die Buſſe mieder: 
recht, und das Gewiſſen rein ſeyn, ſo muß die Erftattung Se 
gefchehen, fo fie möglich ft; Iſt fie nicht moglich, ſo 

bitte GOtt in hertzlicher Neu und Leid um Erſtattung, 

fo erftatter GOtt an deiner ftatt. 

Die Urſach aber, warum. die Erftattung geſche- Boxz 
hen muß in der ‘Buffe, diefen Handel betreffend, ift, nimmt —* 
daß man hier mit zweyen Perſonen zu thun hat, mit 
GOtt und mit Menſchen: Soll nun die Buſſe recht ohne Ver- 
ſeyn, ſo muſt du dich auch mit beyden verlöhnen ; hin yainys 
denn GOtt nimmt Die Buſſe nicht an, wofern du Ren 
dich nicht auch mit deinem Naͤchſten gründlich vers 
fohneft. Gilt derowegen nicht, wenn du gleich zu 
E0Ott ſpraͤcheſt: Lieber GOtt, an dieſem oder jenem 
habe ich unrecht gethan, ihn betrogen, ihn vervorthei⸗ 
let, mit unbilligem Wucher beſchweret, ich habe nicht 
alfo mit ihm gehandelt, wie ich wolte, daß er mit mir 
handeln folte, darum habe ich unrecht gethan, veraich 
mirs um deines lieben Sohnes willen, ꝛc. So fpricht 

MS GOtt 


ö 86 B. J.C. 29. Ohne Verſoͤhnung des Naͤchſten | 


—5 GOtt: Gieb ihm wieder, warum du ihn betrogen haſt, 
runa aie und komm denn, fo will ich Dir vergeben. Nicht daß 
Bufe nicht ein Menſch GOtt dem HErrn die Vergebung damit 
recht.  abverbiente, nein mit nichten, Er iſt dieſes alles 
feinem Naͤchſten allbereit zuvor ſchuldig, und viel mehr 
Matth. 6. darzu, wie ſolte er denn etwas damit verdienen? Aber 
v· 14. ſo hats &Dtt beſchloſſen, wie du mit deinem Naͤchſten 
handelſt, ſo wird GOtt auch mit dir handeln;und dir 
mit dem Maaß wieder meffen, wo du nicht Buſſe 
thujt, Luc, 6. v. 38. 
Daher gehören die Sprüche Matth. 5. v. 23. 
Verſoͤhne dich mit deinem Bruder, und alsdenn 
komm, und opffere deine Gabe. Eſa. 1. v. 16. 
17.18. Waſchet, reiniget euch, thut euer. böfes 
Wefen von meinen Augen: Laßt ab vom Boͤſen, 
lernet Gutes tbun: trachtet nach Recht: Helffet 
den Derbruckten, jchaffer den Wayſen Recht, und 
belffet der Wirtwen Sachen. So kommt denn, 
und laſſet uns mit einander rechten, fpricht der 
HErr. Wenn eure Sünde gleich blutroth ift, ſoll 
fie doch fehneeweißwerden: Und wann ſie gleich 
ift wie Rofin-Karbe,föll fie doch wie Wolle wer- 
den. Eſa. 58.v. 6. 7. 8. Das iftein Saften, das ic) 
erweble: Laß los, welche du mit Unrecht gebun- 
Sen haſt; laß ledig, welche du beſchwereſt, gieb 
frep, welche du drängefk, reiß weg allerley Laſt. 
Brich dem Aungerigen dein Brod, und die, ſo im 
Elende fepn führe ins Haus. So du einen Na⸗ 
ckenden ſieheſt, fo Eleide ihn, und entseuch dich 
nicht von deinem Fleiſch. Alsdenn wird dein 
Licht bervorbrechen, wie die Miorgenrötbe, 
und deine Beſſerung wird ſchnell wachen, 
und deine Gerechtigfeit wird vor dir ber ge- 
ben, und die Serrlichkeit des HErrn wird dic) 
3u fich nebmen, | 
Daa ſtehets ausdrücklich, daß GOtt Feine Buſſe 
und Gebet annehmen wolle, wo man ſich nicht erſt⸗ 
lich mit feinem Naͤchſten verfohner habe, ꝛc. 
Ä Gebet. 


IIIBBAL NENNT IT IM TI NE MONK MT ul IT 


—I — — — — 























—— — 


"TE EI en 


an 


LLUNTIEITTTETRETEITITTRCHLDERTTN ll] V— —— f, I 








Das Erſte Buch, Cap. XXX. pag. 187 


Hier ift ein Palm-Baum, welcher denen Menfchen auf vies 
lerley Weiße dienet, und feines manniafaltigen Nutzens hal» 
ben gleichlam iederman allerley iſt Alſo ifte auch bewandt 
mit der Liebe, ald welche audy viddfältigen Nusen hat, und 
allen Menfchen in allen Ständen und in allen Fällen, zu allen 
Zeiten, gerne und willig nad) Vermögen dienet, und iederman 
alleriey wird, Ä 
* 1. Corinth. 10 verſ. 33. 

Ich mache mich iedermann in allerley gefällig, 
und ſuche nicht, was mir, ſondern was vielen 
frommet. 

Ni Liebe nuͤtzt ohn Unterfcheid, 
Und dienet iederman, 
So gut fie Fan, 
Auf alle Weife, 
Sie ift der Nackten Kleid, 
Der Hungeriaen Speife, 
- Der Durftigen und Matten Labe⸗Tranck, 
Der Müden Stab und Nuhe-Banck, 
Der Hausrath derer, die daheime bleiben, 

Ein Schiff vor die, die ABind und Wellen treiben, 
Ein Schirm dem, den der Sonnen Hige fticht, 
Ein Schild und Waffen dem, der feinen Feind beficht, 
Die Srüchte,die fie trägt, find Langmuch und Gedult, 
Und Freundlichkeit, und Huld, 

Und Fertigkeit, das Unrecht zu vergeben, 

Und Fleiß, dem Frieden nachzuftreben: 

Ein offnes Herb, verborgnen Tuͤcken feind, 
Und das da Elein in feinen Augen ſcheint, 
Nicht ftorrich ft in Sitten und Geberden, 
Nicht eignen Nutzen ſucht, 

Nicht feinem Naͤchſten flucht, 

Nicht froh wird ſeiner Schaͤden und Beſchwerden, 
Und, ſchließlich, Guts zu thun, ſich nicht ermuͤden laͤſt; 
Die Lieb, in Summa, iſt die allergroͤſt 
Und ſchoͤnſte Tugend, die wirnennen, 

Und rühmen und beichreiben können, 

O wie unglücklich ift demnach der Menſch verliebt, 
So nicht ver Liebe ſelbſt fein ganges Derge giebt! 


wiederruffer Gott feine Gnade, 187 
Gebet. — 


Naͤdiger Gtt und Vater, ich beklage vor dir meine Unart, 

mie ich fo träge bin zu vergeben denen, die mich beleidiger ha; 
ben. Du Hätteft Urfach, deßwegen mich von Deinem Angeſicht zu Hof.ır. 0.9, 
verwerffen, und mir auch nicht zu vergeben ; Aber du bift GOtt, €fa,55.0.8. 
und nicht ein Mensch, ben dir ift viel Beraebung,meil deine Wege 
nicht find wir unfere Wege. Darum vergiebundtilge in mir, 
min Gtt, ſolche Unverföhnlichkeit. Lehre mich bedencken, wie 
ich dich fo offt, täglich und ftündlich beleidige, und Doch Berges 
bung von dir hoffe ;, daß ich alfo nach deinem Exempel, meinen 
Bruder, der an mir fündigek, vergebe, nichtnur fiebenmal, fon- Matth. 13. 
dern ſiebenzigmal ſiebenmal. Gieb mir recht su betrachten die ® ?'. 2% 
Strafe, die du denen Unverſöhnlichen dräueft, welchen du auch 
nicht wilt vergeben, fondern fie in den Kercker werffen, biß fie den Matth. 5. 
letzten Heller bezahlen. Laß auch dag Exempel EHrifti meineg v.25- 25. 
HEren, der für feine Feinde und Ereußiger bat, mich zur mahz Luc. 23, 
ren und herglichen Verſoͤhnung bewegen, daß ich von Hertzen 334 
vergeben möge meinem Bruder feine Schler. Enplich lag mich Mattb- 18- 
auch der Vergebung meiner Sünden theilhafftig und gewiß v 33. 
werden, in deiner Gnadezu leben, und in derſelben ſelig ſterben, 
durch SEfum CHriſtum unfern HErrn; Amen! 


Das XXX. Capitel. 
Von den Fruͤchten der Liebe. 


1. Cor. 13.0.4. ſeq. Die Liebe iſt langmuͤthig und 
freundlich, Die Liebe eifert nicht, die Liebe 
treibet nicht Muthwillen, fie blehet ſich nicht, 
ſie ſtellet ſich nicht ungeberdig, ſie ſuchet nicht 
das Ihre, fie laͤſt ſich nicht erbittern, fie 
trachtet nicht nach Schaden, fie freuet ſich 
nicht, wenns unrecht zugehet, fie freuer fich 
aber, wenns recht zugehet, fie verträger als 
les, fie. vertrauet alles, fie hoffet alles, fie 
duldet alles, 


13 


| Leichwie der Baum des Lebens mitten im Par „gef, 
vadieß frund, und folche Früchte trug, Daß,» 9. 
wer Davon gegeflen, ewiglich gelebet hatte, wie 
GOtt der HErr 1. B. Mol. 3. ſpricht: Nun aber, C.z. vee⸗. 
daß der Menſch nicht ausſtrecke ſeine Hand, in 
m | breche 





— — 


“ 


188 B. LC. 30. Von den Fruͤchten 


breche von dem Baum des Lebens, und eſſe, un 
lebe ewiglich; da ließ ihr GOtt aus dem So 
Arer Sträus ten, daß er das geld bauete,v.23. Alſo hat GOtt 
Ic in das Paradieh- Gaͤrtlein der Chriſtũ chen Kirchen 
Aus ChHriſtum JEſum in das Mittel geſetet auf daß alle 
Glaͤubigen von ihm ihr Leben und Krafft empfiengen 
Denn das gantze Chriſtenthum ſtehet im —5 
und in der Liebe; um des Glaubens willen an CHri⸗ 
ſtum gefallt das ganse Leben eines Ehriften GOtt wohl. 
Soll aber dem Naͤchſten gedienet werden, ſo muß es 
in der Liebe geſchehen. Denn alle Tugenden ſind ohne 
die Liebe todt, und gelten nichts, auch der Glaube 
felbit: Jac. 2.0.17. Denn obwol der Slaube allein 
gerecht machet, weil er allen EHrifti Verdienſt er⸗ 
greifft, und in der Rechtfertigung nicht anſiehet einige 
vorhergehende, gegenwaͤrtige oder nachfolgende Wer⸗ 
cke, ſondern allein CHriſtum: Doch wo die Liebe 
nicht-folget, fo iſt der Glaube gewißlich nicht recht, 
ſondern Heucheley, und wenn er gleich Wunder thaͤte. 
Gleichwie der Leib todt iſt ohne die Seele: Alſo iſt 
der innerliche geiſtliche Menſch, deſſen Glieder ſeyn 
alle Tugenden, auch todt ohne die Liebe, und alle Glie⸗ 
der der Tugenden ſind todt ohne die Liebe, Darum 
&t. Paulus des Slaubens Probe set, und einen 
Gal.5.v.s. ſolchen Flauben erfordert, der durch die Liebe 
thätig ift. In der Rechtfertigung gehet DR te 
durchaus mit Feigen Wercken um, Am. + 6, Aber 
wenn er mit Menſchen bandelt in foro — in der 
Liebe, muß er mit Wercken umgehen, und dem Naͤch— 
ſten Dienen durch die Liebe, das ift feine Probe, Darz 
um beiffet ev ein liebthaͤtiger Glaube, Sal. 5. v. 6. 
Ras nun diefer fehone Baum für edle Früchte trägt, 
Vierzehen zeigt uns St, Paulus 1. Cor. 13. v. * ſeq. und erzehlet 
De der ee vierzehen. 
Die Liebe iſt langmuͤthig Langmuth iſt 
ganamutt die erfe Frucht der Liebe, die koͤnnen wir nirgends befs 
° fer erkennen, denn in CHriſto IEſu unſerm HErrn. 


Sn Chriſto muͤſſen wir nicht allein dieſe Frucht ſuchen, 
als 





4 


R der Liebe. 189 
— F 

als am Baume des Lebens, ſondern auch feiner edlen - ' 
Fruͤchte effen, in unfer Leben verwandeln, in languinem 

& fuccum. Geht den Hrn CHriſtum an, wie mit 
groſſer Langmuth hat er der Welt Bosheit getragen, 

und dadurch die Sünder zur Buſſe gelocket, Rom. 2. 

v. 4. Das thue du auch, ſo lebet der ſanfftmuͤthige 
EHrifius in div, und du wirſt mit ihm, als ein Glied 

mit feinem Haupte, vereiniget bleiben, 





2. greundlich. Siehe an die Freundlichkeit zeudlich⸗ 
deines Erlöfers, wo hat man boldfeligere Kippeiter. 
gehöret? Pſ. 45. v. 3. Jedermann hat fich verwun- 
dert der Holdſeligkeit, fo aus feinem Munde gangen iſt, 

Luc. 4. v. 22. Sothue du auch ſo redet CHriſtus durch 
deinen Mund, und bleibeſt mit ihm vereiniget: allein 
daß es aus hertzlicher Liebe gehe. | 

3, Die Kiebe eyfert nichts das ift, fie iſt nicht, 3, 
rachgierig, fondern vergiebt und vergiffet, wie GOtt der ai 
Herr thut; Pf 103.0.8. Kr wird nicht immer: ⸗ 
dar baddern, noch ewiglich Sorn halten: Kr 
handele nieht mit uns nach unfern Sünden, und 
vergilt uns nicht nach unfer Miſſethat. Etech, 18. 

v. 22. Wo fich aber der Gottloſe bekehret von 
allen feinen Suͤnden, die er gethan hat, ſo foll er 
leben, und nicht fterben: Es ſoll aller feiner Über 
tretungen, ſo erbegangen bat, nicht gedachtwer:  _ 
den, %er.31.0.3:20: 34, Ich babe dich ie und Bor if, 
ie geliebet, darum hab ich dich zu mir. gezogen aus we 
Isuter Guͤte. Darum bricht mir mein Hertz ge- 
gen ihn, daß ich mich feiner erbarmen muß. Ich 
will ihnen ihre Miſſethat vergeben , und ih⸗ 

rer Sünde nimmermebr gedenden. Eſa.43. v. 25. 
Ich tilge deine Ubertretung um meinet willen, 
und gedencke deiner Suͤnden nicht. So thue du 
auch, vergieb und vergiß, ſo wird GOtt deiner Suͤnde 

auch vergeſſen, fo haft dꝛ des HErrn CHriſti Sinn, und 
bleibeſt mit ihm vereiniget. 

4. Die Liebe treidet nicht Muthwillen, oder u cr, 
Schalckheitz; das it, Die wahre Liebe veifier — 

Naͤch⸗ 


190 B. l. C. 30. Von den Srüchteh 
Naͤchſten nicht ein Schalckspoͤßlein, ihn zu beſchimpffen, 
verſpotten oder zu beleidigen. Solche heimliche Tuͤcke 
hat die Liebe nicht an fich, ſondern fie iſt frey, offenbar, 
aufrichtiges Geinuͤths. Sehet den HErrn IEſum an: 
LHriſti _Er hat fein Hertz Feinden und Freunden geoffenbaret, 
— und es mit alien Menſchen hertz⸗ gründlich 9 gut gemey⸗ 
ne Betrug. net, und aller Heyl von Hertzen Leſucht. So thue du 
auch, ſo iſt die Guͤtigkeit und Treuhertzigkeit Chriſti 
in dir. Wie uns CHriſtus gemeynet bat von Her⸗ 
tzen, ſo ſollen wir unter einander auch thun, oder wir 
ſind mit CHriſto nicht vereiniget, als Glieder mit dem 
Haupt. 

5. Sie blehet ſich nicht, das iſt, ſie iſt nicht ruhm⸗ 
redig, geſchwuͤlſtig und aufgeblaſen. Siehe deinen 
HErrn Elm an; als ein Weib ihre Stimme erhub 
Luc. u. unter dem Volck, und ſprach Selig iſt der Leib, der 
‚ wert Sich getragen hat, und die Bruͤſte, die dich gefäus 

| get haben! a, fpricht der Herr: Selig ift, der - 
GoOttes Wort böret und bewahret. Und wen⸗ 
det alſo das Lob, ſo ihm doch gebuͤhrete, demuͤthiglich 
von ſich ab, und gabs den Liebhabern GOttes. So 
thue du auch, ſo lebet der demuͤthige CHriſtus in dir, 
und du in ihm. Das iſt die rechte Siebe, die das Kob 
von fich abwendet, und gicbts andern, | 
6. Sie ftellet fich niche ungeberdig, wie die 
Perf ftörrigen, ungehaltenen Köpffe, fondern laßt die Freund⸗ 
lichEeit aus den Augen leuchten. Siehe deinen. Horn 
Efa,42:0:4. JEſum an, das holdſelige Bild: Er wird nicht 
muͤrriſch noch greulich ſeyn, fpricht der Prophet 
Eſaias Cap. 42. v. 4. Er hat mit erbarmenden Au⸗ 
en jedermann angefehen. Das thue du auch,fo haft 
* dich in EHrifti Angeficht berbilder, und bijt mit ihm 
— 
Sie ſuchet nicht das Ihre. Das iſt der 
Di —— Liebe ihre Freude, wm fie lauter amſonſt 
Gou hat andern dienen mag ohne allen Eigennutz, daß ihrer 
ane nur viel genieſſen mögen. So thut GOtt, er giebt 
Gore, uns alles umſonſt, er hat keinen Nus davon, es 
u 


5. 
Demuth. 


‚der Liebe. | 191 


a Er I TR a RE. 
du GOtt dieneft,davon hat GOtt Feinen Nutzen, fonzbienk, fon- 
derndufelbftz Darum hat GOtt dir befohlen fromm zu dern du. 
ſeyn, GOtt zu fürchten, auf daß du feiner Liebe geniefz 
fen, und den Gegen davon haben koͤnnteſt. Siehe dei⸗ 
nen HErrn JEſum an: Er hat im geringften das 
Seine nicht gefucht, fondern alles, woag zu unferm Heyl 
dienet: Matt, 20.0.28. Er aber hat Feinen Nutz dus 
von. Wie ein Baum, der giebt feine Srüuchteiedermann 
ohn Anfehen der Perfon, und er hat feinen Nutz davon, 
fondern giebts, fo gut es Ihm GOtt gegeben hat, hatte 
‚ers beffer, fo gabe. ers ihm ohn allen Neid: Alſo hat 
fih CHriſtus ung felbftzu eigen gegeben, ja GOtt felbft 
giebt fich uns in CHriſto zu eigen, aufdaß alles in CHri⸗ 
ſto unfer werde, auch GOtt ſelbſt. Er iſt das befte und 
hoͤchſte Gut, und theilet ſich ſelbſten mit. So thue du 
auch, fo wirftdu feyn ein Baum der Gerechtigkeit zu Baum der 
BOttes Lobe, Eſa 61. v. 3. fo grünet und blüherp une 
CeHriſtus in Dir, der lebendige Weinſtock, und immer⸗ feinegräc 
gruͤnende Paln⸗Baum; Pſ.92. v. 13. BEINE 
8. Ste laͤßt ſich nicht erbittern;, das ift, wenn _ s. 
der Zorn foüberhand nimmt in feinem hoͤchſten Grad, Seben. 
daß er durch den Mund heraus die Fläche wider den 
Naͤchſten, und allen Gif; ausfchüttet, ihn vermaledeyet 
und verflucher, Dagegen fiehe deinen HErrn IJEſum 
an; es ift Feine Bitterfeit aus feinen Munde gangen, 
fondern Segen und Leben; Eſa. 11. v. 3. C.42. v. 2. ap d.3 
Und ob ergleich die Städte Chorazim, Capernaum; urn, 
Bethſaida verflucher, über diefelbe und über die: u m4- 
Phariſaͤer das Wehe ſchreyet; fo ift doch daffelbige 
Feine boshafftige Derbitterung, fondern eine Buß: 
Predigt, dadurch gründliche Beſſerung geſucht wird, 
Darum feber zu, fpricht Die Epiftel an die Ebraer am 
12. Cap. v. 15. daßnicht etwa eine bittere Wur⸗ 
tzel aufwachſe, die Unfried anrichte, dadurch ihrer 
viele verunreiniget werden. 

9. Sie trachtet nicht nach Schaden, oder fie_. >. 
gedencket nicht Arges. Sehet den lieben GDit an, ee 
und fein Vater⸗ Ders, wie fpricht er Jerem. am 29. 

v,11, 


192 B.l. E30. Von den Srüchten 
Bote Vv. 11.13.14. Ich weiß wohl, was ich für Ge- 
Hers en daneken uber dich babe, nemlicy Gedancken des 
"Ktriedes, nicht des Keides, daß ich euch gebe das 
Ende, das ihr hoffet, und wo ihr mich von gan- 
em Hertzen ſuchet / ſo will ich mich von euch fin⸗ 
den laffen; fpricht der HEErr. Wer Friedens⸗Ge⸗ 
dancken über feinen Naͤchſten hat, der hat GOttes 
Hertz und CHriſti Sinn und iſt mitihmvereiniget, als 
ein Glied En as een | 
000, 10. Sie freuer fich nicht der Ungerechtigkeit 
Mitleiden. und [achet es nicht in die Fauſt, werte — 
Gewalt und Unrecht geſchicht, wie Simei that, als 
David für Abſalom flohe, 2. Sam, 16. verf, 6, 
2ue.22.0.61. Scher den HErrn JEſum an, weld) ein hertzlich Mit 
SHrifi, leiden hatte er mit Petro, nachdem er gefallen , wie 
und Ervar: fabe er ihn ſo klaͤglich an? Mit diefem Anfehen bat 
mung. er ihn wieder aufgerichtet, Pſ. 146.08. DerAre 
hält alle, die da fallen, und richtet auf die, ſo nie= 
dergefihlagen find. Wie beweiner dar HErr CHri⸗ 
ftus das Verderben der Menfchen, und den Untergang 
der Juͤden? Luc, 19.09.41, Wie ſuchet und locket er 
die armen Schäflen? Luc. 15.0.4. Alſo, wenn du 
eines Menfchen Fall ficheft, ſo betraure Ihn, und erbarz 
Sal. 6. 0.2. me dich über Ihn, hilff ıbm feine Kaſt tragen, ſo 
wirft du das Geſetz Criſti erfüllen, denn er hat 
unſer aller Kaft getragen ; fo bift dur ein wahres Glied, 
undfein Leben iſt in dir, und das Leben des Haupts muß 
die Glieder lebendigmachen. 
u. © 17, Sie freitet fich aber der Wahrheit, und 
Sreubeübet wenn es recht zugehet. Siehe an deinen Erloͤſer wie ee 
ſich freuet im Geiſt, da die ſiebenzig wiederkamen; 
und wie er feinen Dater preifer, Luc. ro. v. 11. 
Siehe die heiligen Engel an, von welchen der HErr 
fagt, daß fie fich über unſere Buſſe freuen, Cap. ıs, 
vd. 10. Thuſt du das aud), fo haft du ein Engliſches, ja 








Gdttlich 1 
Gemuͤch · Goͤttliches Gemuͤth. 

1, 12. Sie vertraͤget alles, damit das Band des 
Serultige Friedens nicht zerriffen werde, Darum trägt fie des 
BR 2 Müche 


der Liebe, > 193 
— — — — — — — — 
aͤchſten Gebrechen mit Gedult, wie St. Paulus 
ſagt: Den Schwachen bin ich ſchwach worden, auf 
Daß ich die Schwachen gewinne: Ich bin ieder⸗ 
mannallerlep worden, auf daß ich allenthalben ja 
etliche feligmache, ı. Cor. 9. v. 22. Sie gläuber 
alles; Das ift, fie verſiehet ſich zu dem Naͤchſten nichts 
Boͤſes; fie hoffet alles; das iſt, ſie wuͤnſchet, daß am 
Vaͤchſten alles Gutes erfület werde; fie dultet alles, 
damit dem Naͤchſten viel gedienet und gefrommet 
werde. Gehe den HErrn JEſum an, er hat um uns 
fer Sünde willen alles vertragen und erdultet, Die 
hoͤchſte Schmach, Schmersen, und die gröfte Ats 
muth, Daß wir in Ihm, und durch ihn Ehre und Freude 
atten. 
u 13. Die Liebe wird nicht müde, hoͤret nim- 5 = 
mer auf. Sehet den lieben GOtt an, feine Barm- — 
hertzigkeit waͤhret immer für und für, bey denen kiede. 
die ihn fürchten, Luc. 1,0. 50. Pſ. 103.0.17. Er 
wartet, daß er uns gnädig ſey, und bat fich auf- 
gemacht, daß er fich unfer erbarme, Eſa. 30.0. 18, 
Es kan uns von GOttes Liebe nichts feheiden, 
Roͤm. 8.v. 39. Seine Liebe ift ſtaͤrcker denn der ®Dttes 
Tod, und können fie viel Waſſer nicht auslö- ee 
fchen, Hobel. 8. 0.6.7. Er erbarmet fich unfer 
mitewiger Gnade, Eſa. 54.0.8. Und ob wol GOtt 
Der HErr Ser. 15.0.6. fpricht: Ich bin des Erbar Zen ı5 
mensmüde;, fo ift doch folches von Denen zu verftehen, * * 
die GOttes Barmhertzigkeit muthwillig von fich ftofe 
fen, GOttes Gnade verachten, und auf Muthwil⸗ 
len ziehen, Epift. Jud. ver 4. fonft wird feine Liebe 
nicht müde, ſondern bleibet ewig, über alle, die ihn 
fürchten, wie er fast Eſa. 54.0. 10. Ob Berge weis 
chen , und Zügel binfallen; ſo foll doch meine 
Gnade nicht von dir weichen, und der Bund des 
Sriedes nicht binfallen, fpricht der AfErr , dein 
Erbarmer. Alfo fol unfere Liebe auch nicht müde Cyriſtus 
werden, auch über unfive Feinde , fondern wir füllen betet in 
aus erbarmender immerwaͤhrender Liebe fagen: Va⸗ 
I, Tpeil, N ter, 


194 BI.C. 30. Von den Srüchten 


‚ter, vergieb ihnen! fo lebet und betet Criſtus indir, 
Luc. 23.90.34. 2: | 

a an Die Liebe iſt diegröfte unter allen Tu- 
die genden; denn GOtt ifE die Kiebe felbit, 1. Joh. 4. 
aroͤſſe Tu⸗ v. 16. So ift fie auch eine Erfuͤllung des Geſetzes, 
gend. und alle Gebote find in derfelben befchloffen, Roͤm. 13. 
| v.10. Sie iſt auch ewig, wenn Glaube, Hoffnung 
und Sprachen ꝛc. aufhoͤren werden, wenn des 
Glaubens Eñde, die Seligkeit, erlanget iſt. Es ſind 
auch alle Tugenden und Wohlthaten, fo dem Nach- 

ften gefchehen, und alle Gaben ohne die Liebe untuͤchti 

und falfch. Sie wird uns auch ein erwiges Zeugni 
‚geben, daß wir Durch den Glauben an Chriſtum die 
GSeligkeit ererbet haben. Darum foll ein Ehrift 
-nach keinen Gaben oder Kunft fo fehr ſtreben, als nad) 
der Liebe. Ephef. 3.0.19. CAriftum lieb haben, iſt 
befler, denn alles wifjen, daß ihr erfüller werder 
mit allerlep GOttes⸗Fuͤlle, mit allen Früchten Der 


Liebe rc, Ä 
| Gebet. 

Etrener GOTT und Vater, du haft durch deinen Sohn 
Sphurz.y... A ung gedrauet, daß du einen ieden Neben an ihme, der 
nicht Frucht bringet, weguchmen wolleft; fo bitte ich dich, ohne 
dem ich nichts vermag, erbarme dic) mein, und nachdem du 
aus lauter Darmherkiafeit zum Gliede und Neben EHriftimich 
haft aufgenommen, reinige mid) nach deiner Berheiffung, das 
mit ich mehr und viele Früchte der Kiebe bringen moͤge. Wurcke 
in. mir, dem Bilde meines Erlöfers ähnlich zu feyn in Langmuth 
5.B. Moſ. und Chriſtgebuͤhrlicher Fteundlichkeit. Behuͤte mic) fuͤr Rach⸗ 
15.9.9. Hier und Schalckheit wider meinen Naͤch Ten, daß ja keine Des 
ltals-Tücfe in meinem Hertzen ſeyn; für boffartigen Hertzen 
und folgen Augen, für fidrrigen Geberder und eigennuͤtzigen 
Pal, ızı, Begierden. Lehre mich wider die Suͤnde Ihne Sünde zu zürs 
v.1. nen, in reiner Liebe ſtets meines Nächften Befteszu fuchen, mit 
Ephef. 4. feinem Elend ein berglich Mitleiven zu haben. Gieb mir ein 
v. 26, Herß, dag fich betrübe, wenn du beleidiaet, und erfreue, wenn 
du geehret wirft. Verleihe mir wahre Gedult, das Bofe zu ers 
| fragen, und fo viel an mir ift, mit allen Menfchen Friede zu hal⸗ 
sim,» ten. Tilge jaaus meinem Hertzen das boͤſe Gifft, dag alle Lie— 
D. 24, be vertreibet, und dem Satan Kaum machet, den ungegründes 
Kön, 12, gen Argwohn gegen meinen Nächften. Laß mich-fiets das 
p, 18, —* + ' gefie 


der Liebe. 195 





— — — — — — — — —— —— — —— 

Hefte von ihm hoffen, und wo meine Hoffnung mich betruͤget, 

ihme williglich vergeben, herglich für ihn beten, und in kei⸗ 

ner diefer Ubung ermüden, in Anfehen, daß du nimmer müde Öal.6.v. >. 
wirſt mir Guts zus hun, und ich auch einmal erndten werde ohne 
Aufhoͤren. Gieb mir diß, mein GOtt, durch IEſum CHriftum 

deinen Sohn unfern HErrn: Amen. -" 


Das XXXI. Capitel, 


Daß eigene Liebe und eigene Ehre aud) 
die hoͤchſten und ſchoͤnſten Gaben des 
A denſchen verderben und zu nichte 
Y machen. 


1,&0r, 13.0. 1.fe9. Wenn ich mie Menſchen⸗ und 
mit Engel - Zungen redete, und bitte der 
Liebe nicht, ſo wäre ich ein thoͤnend Krg,oder 
eine klingende Schelle. 


Aß Sanct Paulus die Liebe ſo hoc) erhebet, ge⸗ Luth. Kiw 
ſchicht darum, weil GOtt ſelbſt die Liebe ft: ven Pon. 
Sp bad) nun GOTT zu loben iſt, ſo hoch fur. zz. 
iſt auch die Liebe in GOtt zu loben: denn es iſt Feige Fiat De 
geöffer Tugend weder in GOtt noch im Menfchen, denn sem Su— 
Die Liebe. | 
Es iftaber zweyerley Kiebe des Menfchen, eine Keine gie 
wabre,lebendige, reine, lautere,unbeflecfte Liebe, und R At 
eine falſche unreine befleckte Liebe. Die reine lautere e Liebe. 
Liebe iſt alſo wie St. Paulus fie allhie beſchreibet, mit 
vielen Eigenſchafften und Fruͤchten, wie ietzo gehoͤret, ic, 
Die falſche, unreine, befleckte Liebe iſt, die in allen Din⸗ 
gen, in Worten, in Wercken und Gaben, ihren eigenen 
Ruhm, Ehre und Nutz ſuchet, und hat wol den aͤuſſerli⸗ 
chen Schein, als wenn GOtt und Menſchen damit ge⸗ 
dienet wuͤrde: Aber im innern Grunde iſt nichts denn ei⸗ 
gener Ruhm, eigene Ehre, eigener Nutz, eigene Liebe; 
und was aus demſelbigen Grunde gehet, das gebet nicht Was nicht 
aus GOtt , ſondern aus dem Teufel, und iſt ein Gifft, dav a 
alle gute Wercke und alle gute Gaben verderber. bei nice 


* N Gleich⸗ 


196. B.1.E,31, Eigene Liebe verderber 


Shin Gleichwie eine Blume, wenn fie noch fo fehon iſt 
Gleichuiß, yon Farben, von Geruch und Geſchmack, und aber ein 
verbargener Gift Darinnen ſtecket, wie man derfelben 
etliche findet, fo ift Doch ihre fehöne Farbe, Geruch und 
füffer Geſchmack dem Menſchen nicht allein nichts nuͤ⸗ 
tze, fondern auch hoͤchſt ſchaͤdlich: Alfo ein Menfch, 
wenn er noch fo fehöne Gaben hat, und wenns Engli⸗ 
ſche Gaben waren, und ift voller Hoffart, eigener Ehre 
und Liebe, ſo find diefelben nicht allein nichts nuͤtze, ſon⸗ 
Jac.a. 0.17: dern auch höchit ſchaͤdlich. Denn alles, was gut feyn 
fol, das muß lauter und rein aus GOtt gehen, und aus 
GOtt kommen, und fich in GOtt enden; hat e8 einen 
andern Urfprung und Ende, fo Fans nicht gut ſeyn. 
Was aut Denn G0Ott iſt der Urſprung alles Guten: Was gut 
Kr ift, das kan ſonſt nirgend herfommen, denn aus &HDtt, 
| Dasjenige, das GOtt allein in deinem Kerken wuͤr⸗ 
Da keine cket, das iſt allein gut; was aber deine eigene Liebe, deine 
ae BDA iigene Ehre, dein eigner Ruhm, dein Cigennus in die 
Sur. wuͤreket, und dich worzu beweget, Das kan nicht gutfenn, 
denn es kommt nicht aus GOtt. GOtt iſt allein gut, 
datth. 19.v. 17. GOtt iſt abet die Liebez Darum 
medem Naͤchſten aus der Liebe alles Gutes, als auch 

Ott ſelbſt iſt. | 
Gleichniß Darum ein heiliger Dann gewuͤnſchet hat, daß 
| ae er dem lieben GOtt das fern möge, das ibm feine 
Hand ift, das tft, wie unfere Hand etwas zu ſich 
nimmt, und wieder weggiebt, eignet darum ihr Eeinen 
Ruhm oder Ehre zu, denn fie iſt ein bloß Inſtrument 
und Werckzeug binzunehmen und wegzugeben: Alſo 
foll ein Menfch in groffer Einfalt dem lieben GOTT 
feyn, wie feine Aand, und was cr von GOtt empfan⸗ 
gen, das foll er in grofler Cinfalt, ohne einigen Ruhm 
und Ehre, aus reiner lauterer Liebe und Gütigkeit 
wieder weggeben, denn er hats auch von GOTT em⸗ 
pfangen, darum er fich auch nichts rühmen Fan. Der 
Ruhm aber iſt allein def, von welchem er esempfangen 
hat, das iſt, GOttes iſt die Ehre allein, wir find 
nur bloffe Werckzeuge GOttes, von GOTT zu 
N empfa⸗ 


die ſchoͤnſten Baben. | 197 


—— feine Gaben, und dieſelben wieder auszur 
theilen. | 

er nun eine folche Tautere und reine Liebe nicht 
hat, der ifE nichts mitallen feinen Gaben, und wenn er 
gleich mit Engel-Sungen reden önte, alleBebeim- 
nig und Erkaͤnntniß wüfte, den wunderthaͤti⸗ 
gen Blauben hätte, und alle feine Haabe den Ar- 
men, ja gar fein Keib und Keben dabin gäbe. 


Denn alle eigene Kiebe, eigener Rubm, Ehre uw 3 
und Flug ift aus dem Teufel, und iſt des Teufels Ehre de 
Fall, dadurch er vom Himmel verftoffen ift: Denn Teufel. 


nachdem GOtt den Lucifer zum fehönen Engel ger 
haften, ihn mit fondern hohen Gaben, Schönheit, 

eisheit, Licht und Herrlichkeit begabet, hat er fich in 
feinen eigenen Gaben gefpiegelt, als ein Pfau in feinen 
Federn, und angefangen ſich felbft zu lieben, zu ehren, 


zu ruͤhmen. Dasiftder Anfang feines Falls, daß er die Der Engel 


‚Ehre nicht GOtt, fondern ihm felbft gegeben, feine Liebe 9" 
von GOtt abgewandt zu fich jelbit, da hat ihn GOtt 
verſtoſſen mit feinen Engeln, die er verführet hat mit ſei⸗ 
ner Hoffart: Denn der £ucifer hat ein Fuͤrſtenthum uns 
ter den Engeln gehabt, wie &t. Judas fagt: Epiſt. v. 6. 
Die Engel, die ihr Sürftenebum nicht bebalten. 
Und St. Paulus Coloſſ. 2. v. 15. Er Dat ausgezo⸗ 
gen die Sürftentbüme und Bewaltigen, fie oͤf⸗ 
fentlih [hau getragen, und einen Triumph aus 
ıbnen gemacht. | 


Dadurch nun der Satan gefallen, dadurch hat er WieSatan: 
den Menſchen auch gefället, hat ihn von GOttes Nenn nefit 


Liebe und Ehre abgewandt zu ihm felbit, daß im Men: le. 
ſchen entftanden eigene Liebe und eigene Ehre, daß er 
GEo0tt hat wollen gleich ſeyn; dadurch ift er aus dem 
Daradieß geftöffen wie Kucifer aus dem Himmel: 


Und haben ung nun unfere erſten Eltern die eigene 1. 8. Mof 
Liebe und eigene Ehre angeerbet. Das ift der Zal +" 


AD, weichen noch alle Menfchen thun, und das wird 
uns allen durch Fleiſch und. Blut angebohren. 


— Sol⸗ 


198 BIC sar Eigene Liebe verderbet 


Solte nun diefer Sall wiedergebracht und gebef 
ſert werden, fo muß es gefchehen durchs theure Verdienft 
Chriſti durch den Glauben ergriffen, durch welchen wir \ 

’ auch in CHriſto ernenert werden, und Das Fleiſch creutzi⸗ 
SS FR gen, alſo, daß dafür, da fonft ein Menſch ſich ſelbſt lieber, 
und een Dnugegen fich ſelbſt lerner haſſen, Luc. 14. 0.26. das 
dachuothis. iſt, keinen Gefallen an ihm felbft haben. Dafür, daß 
ein Menſch ſich ſelbſten ehret, muß er lernen ſich ſelbſt 
verleugen, Lue. 9. v. 23, das iſt, für nichts halten, 

Dofi ur, daß ein Menſch feinen eigenen Ruhm und Nutz 

fuchet, muß er lernen abfagen allem 2 das er bat, 

nicht Das geringſte Vertrauen und % Troſt in etwas 
Irdiſches ſetzen, und mit ſeinem eigenen Fleiſch und 
Blut ſtets kaͤmpffen, oder er kan des ri, Juͤnger 

nicht ſeyn. So gar muß durch CHriſtum, durch 
wahre hertzliche Buſſe die verkehrte boͤſe Unart menſch⸗ 
liches Hechen geaͤndert werden. 

— Und weil nun Dis im menſchlichen Vermoͤgen 
nicht ſtund; denn von Natur kan der Menſch nichts 
anders, denn ſich ſelbft Heben, ehren, ruͤhmen, und ſei⸗ 
nen eigenen Nutz in allen D ini fuchen; Das ift, er 
fan nichts denn jündigen, das iſt ihm angebakren; fo 

Durch mufte EDites Sohn felbft den Anfang zu unferer 
— Wiederbringung machen, ja das Mittel und Ende, 

Berdung und Be Des Sohn Menſch werden, auf daß 
Die En durch ihn die menſchliche Natur erneuert wide, und 
zurer⸗ wir durch ihn, in ibn, und aus ihm neu gebohren, und 





meuert, 


reue Creaturen wuͤrden. Denn gleichwie wir in 
».2.  Aoam leiblich, und auch geiftlich. geftorben find: 
Alſo muͤſſen wir in C Arifo geiftlich wieder lebendig 
werden, Und wie wir durch die Nelichliche Ger 

euer burth die Suͤnde aus Adam geerbet haben: Alſo muͤſ— 
———— fen mir in CHriſto, durch die geiſtliche Gedurth, Durch 
sungen Den Glauben, die Gerechtigkeit erben. Denn aleich- 
le wie ms durch die fleiſchliche Geburth aus Adam die 
este Ende, eigene Liebe, eigene Ehre, und eigener Ruhm 
angebohren wird: Alſo muß aus EHrifto durch den 
Glauben und Heiligen Geiſt unſere Natur erneuert, 


gerei⸗ 


* 


die ſchoͤnſten Gaben. 199 


gereiniget und geheiliget werden, und alle eigene Liebe, 
Ehre und Ruhm in uns fterben, und wir muffen ein 
neues Herb und einen neuen Seit aus CHriſto bekom⸗ 
men, wie wir aus Adam das fündliche Fleiſch empfans 
gen. Wegen ſolcher neuen Geburt) wird CHriſtus der eHriftus 





HErr genannt ewiger Vater, Ela. 9. v. 6. ————— 
So muͤſſen nun aller Chriſten Werke, die GOTT Ser Chri 


gefallen follen, und alle Gaben aus der neuen Geburt Kai nung 
fommen: dasift, aus dem Slauben, aus CHriſto, aus der neuen 
dem Heiligen Geift, fonft taugen die hoͤchſten Gaben vor a ge⸗ 
GOtt nicht, und wenns auch Wunderwercke waren. 
Und müffen gegen unferm Naächften alles inder Kiebe 


thun, 1.Cor. 16. ver. 14. ohne.alien eigenen Nutz und 
Muhm. Darum hat GOTT uns feinen lieben Sohn 


sum Exempel vorgeftellet. In dem iſt Feine eigene Job. 1- 
Liebe, Feine eigene Ehre, Fein eigener Nutz, Fein eigener" "° 
Ruhm geweten, fondern. eine reine, lautere Liebe und 


- Demuth, die von Herken gungen. Er ift aber ung Wie CHris 


nicht zu einem ſolchen Exempel vorgeftellet, als andere hir une 
Heiligen, deren Exempel wir von auffen angeſehen; ſon⸗ 

dern zu einem lebendigen Erempel, daß er in uns leben 

ſoll und muͤſſe durch den Glauben. So gehet denn all 

unſer Thun, Reden, Erkaͤnntniß, Werck, aus ChHriſto, 

als aus dem lebendigen Grunde und Urſprung. Wo 

Das nicht gefchicht fo iſt all unſer Thun nichts und wenns 

aud) Englifche Gaben und Wercke wären: Denn wo 
eigene Kiede it, da iſt GOttes Feindſchafft, wo eigene 

Ehre und Ruhm iſt, da iſt GOttes Verachtung: vote 

an denn die Wercke, fo daraus geſchehen, GOtt 
gefallen? —— | 
Darum bittet GOTT um den Slauben und. die 

reine ungefarbte Liebe, Die nicht befleckt ift mit eigener 

Ehre, Nutz und Ruhm, fondern daR fie von Hersen 

gehe; fo werden nicht allein aroffe Gaben und Wer⸗ 

che in ſolchem Glauben GOtt wohlgefallen, fondern 

auch die alierkleinften und geringften, und werns nur giehe ma⸗ 
ein Trunck Ealtes Waſſers wäre: Denn ein gering dt de 0M 
Werck, fo aus lauter Liebe und Demuch gefihicht, NE Meree 

N4 beſſer oroß. 


— 


200 B.1.€.32. Gaben machen keinen Cbriften, 


— 20. beſſer und groͤſſer, denn ein groß Werck, ſo aus Hoffart 
*und eigenem Ruhm geſchicht, ꝛc. 


Gebet. 


Geiliger GOtt, die Himmel find nicht rein vor dir, und unter 
Hiob ır. deinen Heiligen ift Eeinerohne Tadel, Du milt bedienet 
*. 1. ſeyn mit reinem Hertzen, und haft nicht Gefallen an einem uns 
* eh 3 reinen Opffer: Darum folte ich billig ohne allen@igengefuch und 
Eigen-Liebe mit reinem einfältigen Dergen eingigauf deine Ehs 
re fehen in allen meinem Thun: Aber da finde ich keider! mie 
Fleiſch und Blut fid) allenthalben einflichtet, und das, was deine- 
Gnade in mir würcken möchte, verunreiniget. Erbarme dich 
Adım. 7. meiner, mein GOtt, und erlöfe mich von dem Leibe diefed Todes. 
Sr ya Du gedendeft ja daran, daß ich Staub bin, und was kanſt dur 
v4,  Hom Staube erwarten als Unreinigfeit? So unflaͤtige Hände, 
Joh. ı, als ich an mit beklage/ beſudeln alles, was durch fie gebet. Sch 
v · . bekenne fuͤr dir auch dieſe meine Suͤnde, vergieb ſie mir, du, der 
du getreu und gerecht biſt, und reinige mich von aller Untugend. 
Laß das Blut JEſu, der ſich ſelbſt ohne allen Wandel durch den 
Hebr. 3 H. Geiſt geopffert hat, reinigen mein Gewiſſen von denen todten 
v. 1ä. GZoercken, dir, dem lebendigen GOtt, ohne Eigengeſuch zu dies 
nen. Durch diß Blut laß abgewaſchen werden alle die Unvoll⸗ 
Math 23 fommenheiten, und die Unart, die meinen Wercken anhänget. 
HU. 5 Reinige du, barmhertziger GOtt, zuerſt mein Inwendiges ſchaffe 
v. 12. in mir ein reines Hertz, und tilge aus demſelben alle unordentlis 
Rim.is. che Eigen Liebe Eigen Ehre, Eigengefuch : Errette mich von mir 
v.. ſelbſt, und Faß mich nicht Gefallen an mir fetber haben, nichts 
1 52 thun durch Zanck und Eitel⸗Ehre, ſondern in Demutb andere hoͤ⸗ 
nr her als mich felbft achten, nicht fuchen dag Meine, fondern bag, 
was JEſu Chriſti iſt, und in wahrer Glaubens⸗ und Liebes⸗Ein⸗ 
falt, alles zu deinen Ehren und meines Naͤchſten Heil richten, 
durch IEſum CHriſtum deinen Sohn unſern HErrn! Amen. 


Das XXXU. Capitel, 


Groſſe Gaben bemeifen feinen Ehriften 
und GOTT wohlgefalliaen Menfchen, 
fondern der Glaube, fo durch die Liebe 
thaͤtig ift, ıc. 
1.C0r.4.%.20. Das Reich GOttes fteber nicht in 

Worten, fondern in der Krafft. 


MD: St. Paulus einen Chriften befehreiben till, 


.Tim.n wie er foll geartet feyn, fpricht ev 1. Timoth. 1. 
has v. 5, Die Haupt⸗Summa aller Gebot iſt, 


| Lieber 











Rn — 


MNDEIMLALLALLSHLUAA ANDI! 


Ill) 


—— NEN — 





Das Erſte Buch, Cap. XXXII. pag. 200 
Hier liegt ein falfches Kleinod in Gold oder Gilber einge- 
faßt auf einem Tifche, welches zwar einen feinen Schein von 
fich giebt, als märe es herrlich und auf, und ift doch an und vor 
fich ſelbſt falfch und betruͤglich; Alſo haben viel, die Chriften 
heiſſen, nur den bloffen Schein des Ehriftenthums an fich, und 
nichts mehr. Denn die Krafft deffelben verleugnen fie, meil fie 

- feinen wahren Glauben und hergliche Liebe haben, 


1, Cor, 13. ver, 3. 


Wemn ich wüfte alle Geheimniſſe, und alle Er⸗ 
kaͤnntniß, und hätte der Liebe nicht, fo wäre 
ich nichts, 


ERS Hilft es, ſchoͤn von auffen glimmern, 
Den Leuten in die Augen fchimmern ? 
Was hilfft der höchften Gaben Glantz und Zier, 
Aenn fie zur Eitelkeit mißbrauchet werden, 
Und weder im Gemuͤth, noch Sitten, noch Geberden, 
Ein Fuͤncklein Demuth blickt herfuͤr? 
Was nuͤtzt das, ſo die Sinnen locket, 
Und mit fo leichten Strahlen ſpielt, 
Dabey das Hertze kalt und hart verſtocket 
Der Liebe ſuͤſſen Pfeil nicht fühlt? 
Wo dieſe nicht durch ihre Krafft 
Der Geelen Grund berubret, 

Bo diefer Leit s Stern ung nicht führet, 
Iſt alle Weisheit, Kunft und Wiſſenſchafft 
Ein Irr⸗Licht, das ums ins Verderben leitet 
Und ftürger in die Grufft, 

Die uns der Fürft, der in der Lufft 
Die Herrfehafft führt, bereitet. 

O Menſch! geh in dein Hertz hinein, 

Und forfche woht, abs nicht ein todter Schein, 

| Was du bishero Glauben haft genenner ? 
Erfehrisk, und euch zu dem, dem fein Gemüthe brennet 
Bor Liebe gegen dir, und der aus feiner Fuͤll 
Auch dir dag wahre Leben fehencken will, 


fondern der Glaube, — 


Liebe von reinem Hertzen, von gutem Gewiſſen, 

und von ungefärbtem Glauben. Als wolte er fa- 
en: Daß einer ein Chriſt und GOtt wohlgefaͤlliger Sott for, 

tenfch ſeh, werden nicht viel groffe und hohe Dinger ot 

von ihm erfordert, viel Kunft und Geſchicklichkeit, hohe Kunk von 

Gaben, dab erein Prophet fey, ein Redner, ein Sprach uns. 

kuͤndiger, ein Wunderthaͤtiger: fondern daß er glaubig 

ſey, und alles in der Liebe thue, daß er GOtt gelaffen fey, 

und fich den Deiligen Geift regieren Laffe. 

Darum iftnicht darauf zu ſehen, wie gelehrt einer in Was da 
Spracyenfey, oder wie wohl er reden Tan, fordern wie er Ep, dei" 
feinen Glauben durch Die Liebe beweife, und Durch Die ereugigen. 
Toͤdtung feines Fleifches: Denn die CHriſtum ange: Gals. 0.24. 
bören, creutzigen ihr Sleifch, famt den Lüften und 
Begierden; Sal. 5.0.24. Das tft, eigene Ehre, Liebe, 

Ruhm, Mutz, Lob, und alles was fleiſchlich iſt. Darum 
St. Paulus bricht: 1. Cor. 4.0.20. Das Reich GOt⸗ 1. Cor. 4 
tes ſtehet nicht in Worten, das iſt, in Kuͤnſten und" 
Gaben; fondern in der Krafft, Das ift, in lebendis 

ger Übung der Tugenden, des Glaubens, der Kiebe, 
Sanfftmuth, Gedult und Demuth). 

Derowegen niemand um hoͤherer Gaben willen der Für GOtt 
ſtomehr vor GOTT gilt, oder darum felig wird, ſon⸗ gin nichts 
dern darum, daß er in EHrifto erfunden wird durch neue Erens 
den Glauben, und in Chriſto lebet als eine neuer 
Ereatur,2.Cor. 5.0.17. Und wenn der allerbegab- Sr 
teſte Dienfch nicht in taglicher Buffe lebet, und in CHri⸗ Hohe Sa- 
fio erneuert wird,der Welt abfagt, und alle dem, das nu pahen 
er bar an Gaben, fich ſelbſt verleugnet, fich felbft hat Seligkeit. 
fet, und lauter-und bloß an GOttes Gnade hanget, 
wie ein Kind an der Mutter Bruft, fo Fan er nicht 
felig werden, fondern wird mit aller feiner Kunft vers 
dammet. 

Darum nicht die Gaben gegeben werden, daß ei⸗ Warum 
ner dadurch für GOtt groß oder felig werde, fondern Sbaesen 
von wegen der Erbauung der Kirchen: Denn als werden? 
Luc. 10.0. 20. Die fiebengig Juͤnger wieder amen, FE, 1% 
und ſprachen: HErr, es find uns auch die Teufet 

Is unter⸗ 


⸗ 


202B. J. C. 32. Gaben machen keinen Chriſten. 





unterthaͤnig geweſen in oeinem Namen; ſprach 
der HErr: Freuet euch deſſen nicht, die groſſen 
Wunder und Gaben werden euch nicht ſelig machen; 
Seeuet eucy aber, daß eure Namen im Him⸗ 
mel gefehrieben find; das it, da ihr glaubet und 
mich kennet. Die Wunder, die Miofes gethan, ha- 
ben ihn nicht felig gemacht, fondern fein Glaube, Aa- 
rons Beredſamkeit machet Ihn nicht defto angench- 
mer bey GOTT. Mirjam, Mofis Schwefter, war 


“eine Prophetin, Durch welche der Geiſt GOttes redete, 


Alles muß 
viiter das 
ereun 
CHriſti, 
was da 
tout ſelig 
werden. 


Die Liebe 
as recdıre 


ueue Leben. 


GOtt aber ſchlug fie mit Auſſatz, 4. Buch Moſ 
12, verf. 10. _ / | 

Die Wunder und mancherley Sprachen haben 
die Apoſtel nicht felig gemacht, fondern der Glaube. - 
Es muß alles vom höchften Menſchen bis auf den 
niedrigften in den Glauben, und in die Demuth, in die 
Buſſe, in die Creutzigung und Toͤdtung des Fleiſches, 
in Die neue Creatur, die in CHriſto im Glauben lebet 
und in der Liebe, und CHriſtus in ihr: Wo das nicht 
gefebiht fo wird CHriſtus Eeinen für den Seinen as 
einen. 

Die Ehriftliche Kiebe ift das rechte neue Leben im 
Menſchen, ja EHrifti Leben in den Gläubigen, und 
die Erüfftige und thatige Beywohnung GOTTES 
des Heiligen Geiftes, welche uns St. Paulus Epheſ. 3. 
ver, 19. wünfcher: Daß wir erfüller werden mit 


aller Görtes-Külle. Und St. Johannes 1. Epift. 


Cap, 4: v. 16, GOTT iſt die Kicbe, und wer in 
der Kiebe bleiber, der bleibet in GOtt, und GOtt 
in ibm, Darum. wer.die Liebe in. feinem Deren 
fühlet, der empfindet GOtt in ihm. Auf daß wir 
aber deffen eine gewiſſe Probe hatten, und nicht Durch 
falfihe eigene Liebe betrogen wurden, fo mahlet fie 
Sanet Pauius fein ab, als, einen ſchoͤnen Baum 
mit ausgebreiteten Zweigen: 1. Cor. 13. v. 4. Die 
Liebe iſt langmuͤthig, gedultig, 20. welches ift des 
neuen Menfchen gantzes Leben. ; F 


Sum⸗ 


‚Sondern der Blaube, 203 
en. ae TEE ET ee 
Summa: GDit der Dater ift die Liebe, GOtt Ales in ber 


der Sohn ift Die Liebe, GOtt Der Heilige Geiſt iſt Die 5x, 
Liebe. Der ganse geiftliche Leib, CHriſtus, Die werthe Enad, 
Ehriftenheitift durch das Band der Liebe zufammen ge⸗ auge” 
bunden, ein GOtt, ein Chriſtus, ein Geiſt, eine 
Tauffe, ein Glaube, Epheſ. 4: v. 5. und Das zus 
Fünfftige ewige Leben iſt nichts denn ewige Liebe. 

Wer nun in der Kiebenicht lebet, der ift ein todtes 
Glied am Leibe CHriſti. Wie ein todtes Glied am 
natürlichen Leibe nicht erwaͤrmet wird Durch die na⸗ 
türliche Waͤrme, und derowegen fein Leben an ihm hat: 
Alſo wer nicht in der Liebe lebet, der hat das geiſtliche Le⸗ mes 
ben E-Hrifti nicht, und iſt todt, GOtt und CHriſto ab- Stied der 
geftorben, denn ex hat keinen Glauben, ift als ein ver⸗ Kichen, 
dorreter Neben am Weinſtock; hat auch Fein Theil JE B. 
an ED, CHriſto und dem Heiligen ©eift, ander hei⸗ 


ligen Ehriftlichen Kirchen, und. am ewigen Kleben, Fan 


auch nimmermehr Eommen, da GOTT ift, als Der 
Die Liebe ſelbſten iſt, ac, * 


Gebet. 


(SjErchter und wahrhafftiger GOtt, dein Wort lehret ung sur 

Gnüge, daß auch viele, die in deinem Namen geweiſſaget, Matth, 7. 
Teufel ausgetrieben, viel Thaten gethan haben, doch als Ubel« v.22. 33. 
thaͤter, und die du nie erfannt haft, von dir follen an jenem groffe 


Gerichts⸗Tage abgewieſen werden. So verleihe mir, mein SOtt, 


daß ich nicht meine Hoffnung baue auf ſolche Kennzeichen, die 
ſich auch bey vielen Verdammten finden ; ſondern eintzig meine 


Eorge und Fleiß ſeyn laffe, wie ich iederzeit beinen Willen thue. 


Laß mich fireben nach den beften Gaben, und beanadedu mich. Cor. a2) 
mit dem Glauben der durch die Liebe ehätig ift. Ach mag fan mir v.31. 
helfen daß ich bin ein thanend Erg und klingende Schelle ? Eine Sal. 5. v. 6. 
Roͤhre, die andern dag Waſſer zu ihrer Keinigung zufiöffet, und 


ſelbſt in Sinfterniß unter dem Erden-Koth lienet: Was würde 


e8 mir heiffen, aus andern ven Teufel auszutreiben, und ihm Kön. 9. 
eine Werckſtatt in meinem fleifchlich gefinneten und alfo im To: d. 6.7, 
de und deiner Feindfchafft bleibenden Hertzen haben laffen ? 

Mas hilfe es mir, andere gefund machen, und ſelbſt an meiner 

Seelen todt⸗kranck ſeyn? Darum beuge ich meine Knie gegen dir, 

dem Vater unfers HErrn JEſu EHrifti, du wolleſt mir geben Epbef. 3. 
zu begreifen mit allen Heiligen die Breite, Lange, * * v.18 19, 
Dohe 


’ 


204 B. J. C. 33. GOtt ſiehet die Perſon nicht an, 


Höhe der Liebe JEfu CHriſti, auch zu erkennen, daß CHriſtum 
801.6.0.14, tieb haben beffer fen, denn alleg wiſſen, auf daß ich erfüllet werde 
: er mit allerley GOttes⸗Fuͤlle, und ferne von mir fen Nühmen denn 
r. Cor. 7. Indem Ereus unfers HErrn IEſuCHhriſti,/ durch welches mir bie 
25 Welt gecreupiget ift, und ich der Welt, Gefällt e8 dir, mein 

GOtt, mir ein Pfund anguvertrauen, fo laß mich auch Barm⸗ 

bersigfeit erlangen, getreu zu feyn, und als ein getreuer Knecht 
Luc. 17. in Aufrichtigkeit zu deinen Ehren damit zu wuchern: Wenn ich - 
v. 10. aber alles gethan habe, mich einen unnügen Knecht zu achten, 

der anffer deiner Gnade nichts ift, in EHrifle aber, und durch 
den Glauben an ihme, aus deiner Erbarmung foll eingehen 
in die Freude meines HErrn! Amen. 


Das XXX. Capitel, 


GOTT ſiehet die Werde oder Perfon 
nicht an, fondern wie eines ieden Herg iſt, 
ſo werden Die Wercke geure 
theifet. 

Epruͤchw. Sal, 21.0. 2. Einem ieden düncker fein 
Weg recht ſeyn; der HErr aber machet die 

Aergen gewiß. 
1. Sam.ı6. Ma.B. Sam. 16.0.7. leſen wir, ale GOtt der 
v.7. Here den Propheten Samuelem fendet in das 
Haus Iſai, David zum Könige zu falben, 
und der Prophet den Erſtgebohrnen falben wolte, 
fprach der HErr: Siebe nicht an fein fehöne Ge⸗ 
falt, noch ſeine groffe Perfon. Denn es gehet 
nicht, wie ein Menſch fieber: Kin Menſch fieber 
was vor Augen ift, der HERR aber ficher das 

Her an. EN 
Mit welchen Exempel uns GOtt der HErr leh⸗ 
ren will, daß er die Derfon des Menſchen nicht achte, 
wie hoch fie auch vor der Welt iſt, wenn das Here 
GoOit rich, nicht fromm, liebreich, glaubig und demuͤthig iſt: Niche 
ter altes allein aber die Perſon, ſondern alle Wercke richtet 
 SOTT nach dem inwendigen Geift, Gemuͤth und 
undinwens Sinne, wie Salomon fpricht Spruchw. 2 1.d.2. Ja 
digen Geil. auch alle Gaben des Menſchen, wie, hoch fie ‚auch 
immer fern, wie gewaltig, heurlich, loblich, prachtig 
| vor 


fondern das Hertz. 205 


———— — —— — —— —— ——— — — — 
vor der Welt dieſelbige feyn,wenn ſie nicht gehen aus reis 
nem Hertzen, allein zu GOttes Ehren und des Naͤch⸗ 
ften Nutz und Befferung, ohne alle. Hoffart, eigene 
Liebe, Ehre, Nutz, Lob und Ruhm, fo taugen fie alle vor 
Goit nicht. Ob gleich ein Menſch die hoͤchſten Ga⸗ 
ben von GDtt hatte, er aber ſuchte damit eigen Lob, 
Ruhm, Ehre, Eigennuß und Liebe, und nicht bloß und 
lauter allein GOtt und GOttes Ehre, und feines Naͤch⸗ 
ften Beſſerung, fo würden alle folche Gaben vor GOtt 
ein Greuel, und wurden dem Menſchen zur Suͤnde: 
Denn alle Gaben werden gegeben allein zu GOttes 
Ehre, und des Trachten Beſſerung. | 
Gebet den Luciſer an, Fein fehöner und herrlicherer Eigene Eh⸗ 
Engel war im Himmel; da er aber feine Gaben zu ei⸗ Iie muaet 
gener Ehre, Liebe und Lob brauchte, und nicht lauter zu Gaben. 
GOttes Lieb und Lob, fo bald ward ausiihm ein Teufel, 
und ward von GHDtt verftoffen. — 
Darm, wenn etwas vor EDft gelten ſoll, ſo muß 
28 aus dem Glauben kommen, und muß in demſelben 
Merck die reine lautere Liebe feyn gegen GOTT 
und Menfchen, ohne eigene Ehre, Liebe, Nutz und Lob, fo 
viel einem Menfthen in diefer Schwachheit aus Gna⸗ 
den möglich. Darum spricht St. Paulus 1. Cor. 13. 1. Cor. ij. 
v. 1. Wenn ich mit Engel- und Mienfchen -Zun- 1. 
gen reden Bönte, und hatte der Kiebe nicht, fö 
wäre ich ein thoͤnend Ertz, und eine Elingende 
Schelle; das if, ein unnuͤtz Ding, darinn Fein Nutz, 
Frucht und Krafft if, GOTT fiehet nicht auf den BOtt fie 
‚wohlredenden Mund, fondern auf das demuͤthige br das 
Hertz. G0Ott ſiehet nicht auf groffe Kunft, Erkannts 
niß und Wiſſenſchafft der Dienfchen, fondern er erwe⸗ 
get und prufet den Geiſt des Menſchen, ob er ſeine 
eigene Liebe und Ehre, oder GOttes Ehre und des 
Naͤchſten Drug ſuchet. GOTT fiehet auch nicht an Groffer uns 
einen groffen wunderebätigen Glauben, der Berge — 5* | 
verfeget, und geoß Anfehen hat vor der Welt, wenn dem muns 
er feine eigene Ehre damit fuchet: Sondern er ſiehet —— 
an den Elenden, der zerbrochenes Geiſtes ft, und machenden 
| fich Glauben, 


Ungleiche 
Opffer. 


Ungleiche 
Buſſe · 


206 B. J. C.33. GOtt ſiehet die Perſon nicht an, 
ſich fuͤrchtet vor feinem Wort, Eſa. 66.0.2. GOtt 








ſiehet auch nicht auf groſſe Allmoſen, wenn ſie aus eige⸗ 


nen Ruhm geſchehen, ja auch nicht, wenn einer ihm einen 
Namen dadurch machen wolte, wenn er ſeinen Leib 
brennen lieſſe; ſondern allein ſiehet GOtt das Hertz an, 
wie und warum dis alſo geſchehe. 

Dis koͤnnen wir nun nicht beſſer denn aus Crems 
peln verſtehen: Cain und Abel brachten beyde ein 
Dpfferz Die Hertzen aber waren ungleich), darum nahm 
GOtt Abels Opffer an, das andereverwarffer, 1..Buc) 
Mo. 4.0.4.5. Saul und David brachtenbeyde ein 
Dpffer, 1. Sam. 13.0. 9.10, 2. Sam. 24. v. 25. Eines 
ward angenommen,das andere verw orffen: Das mach⸗ 
ten ihre ungleiche Hertzen 

David, Manaſſe, Nebucadnezar, Petrus, 
funden Gnade bei) GOtt, da ſie wahre Buſſe thaten: 
Saul, Pharao, Judas nicht. Warum? Das 
machten ihre ungleiche Hertzen. Pharao und Saul 
ſagen: Ich habe gefündiget, 2 2. B. Mof. 9.0.27. 
1.&am. 15. v. 24. Manaſſe jagt auch alfo: Gebet 
Manaffe verf. 11. Wie ungleichen Lohn aber tragen 


fie davon? 


uUngleiche 


Schmuͤcke. 


Unoleiche 
Zeichen· 


Ungleich 
Gebet. 


Ungleiches 
Faſten. 


Ungleiche 
Allmoſen. 


Judith und Eſther ſchmuͤckten ſich ſchoͤn, Judith 
10,0. 3. Eſth. 5. v. 1. Die Toͤchter Iſrael auch, Eh 
——— Jene werden gelobet, dieſe uͤbel geſcholten. 

Hiskia, Joſua, Gideon, fordern Zeichen vom 
Himmel, und werden gelobet, 2. Buch Kon. 20. v. ro. 
Joſ. 10. v. 12. B. der Richt. 6. v. 37. Die Phariſaͤer 
fordern auch ein Zeichen vom Himmel, Matth. 12. b. 38. 
und werden geſcholten. 

Der Zöllner und Phariſaͤer beten beyde im Tem⸗ 
pel, Luc. 18. v. 10. Aber fie bekommen cin ungleis 
ches Urtheil. 

Die Niniviter falten, Son. 3.0, 6. die Juden 
und. Phariſaͤer auch, Matth, 6.0. 16. Jenes fichet 
GOtt an, diefes nicht, wie fie fagen: Warum fa⸗ 
ſten wir, und du fi ebeft es nicht ? Eſa. 58.0.3 

DE Wittwe, ſo ein Scherfflein in — 

Kaſten 


fondern das Hertz. 207 


a TEE TER RETTET TER ETF 
- Raften gab, ward gelobetz Die andern nicht, Die doch 
mehr gabenz&ue:21.0.2.fe94. Ä 

Aerodes wird froh, daß er CHriſtum zu ſehen ber Ungleiche 
Fommt, $uc.23.0,8. Zach aͤus wird auch froh, Luc, 19, dere 
0,6, Aberwelchen ungleichen Lohn befamen fie!  » 

Das macht alles das Hertz, Das GOtt anfichet, Untiichtige 
ob ein Werck aus reinem ©lauben , reiner Liebe und Wercke. 
lauterer Demuth geſchicht: Denn wo deine Wercke 
mit eigener Ehre, Liebe, Lob und Nutz beflecker feyn, 
taugt esnicht vor & Ort, und wenns die höchften Ga⸗ 


© 


ben waren. 1% ; | 

‚Die heiligen Märtyrer haben fich erwuͤrgen laffen, — 
um EHriftiwillen; Achas und Manaſſe haben auch rtzret. 
ihre eigene Kinder erwuͤrget und geopffert, 2. Buch Der 
Kön. 16. v. 3. C. 21. v. 6. jenes waren GOtt ange⸗ 
nehme Opffer, dieſe waren ihm ein Greuel. 


Gebet. 


Err mein GOTT, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her 
biſt, deine Augen find rein, und fehen nach) dem Glauben; 

es hilfe bey dir nicht fich nor den Menfchen rechtfertigen : Denn 
du, GOtt, kenneſt unfere Hergen, und was hoch ift unter den Ger: 5.0.3: 
Menſchen, das iſt ein Greuel vor dir. Du haft nicht Luft an fur. 16% 
der Staͤrcke des Roſſes, noch Wohlgefallen an iemandes Bei ni’; 4 
nen, du haſt Gefallen an denen, die dich fürchten, und Auf deine ).ro,ır, 
Güte hoffen. So weiſe mir HErr deinen Weg, daß ich war 
dele in deiner Wahrheit; erhalte mein Hertz bey dem einigen, 
daß ich deinen Namen fürchte. Gieb mir, gefinnet zu ſeyn, wie Pſal. 36. 
mein HErr JEſus Chriſtus, welcher nicht Gefallen an ihm fel- v. ı. 
ber hatte, fondern äufferte fich felbE, und that alles in reiner Nöm- 25. 
Liebe, Demuth und Gehorfam gegen dir. Aug deiner Gnade MR? A 
bin ich, wenn ich etwas bin: Ad) laß deine Gnade an mirnicht ,, „5. 
vergeblich ſeyn, Laß fie in und durch mich arbeiten in deiner Lie: 1. Cor. ı5. 
be,zudeinen Ehren. ch habe ja nur gar zu viel Urſach zu be- v_ro. 
fennen, daß alle meine Gerechtigkeit iſt wie ein unflatig Kleid, Ela 64. 
daß fie für Schaden und Dreck zu achten: So übergieb mich ii 3 
doch nicht, gütiger Vater, in die Thorheit, daß ich mit Dreck) 9.'y. - 
prangen wolte, fondern laß mich EHriftum gewinnen, ihn im Nöm.ız. 
Glauben anziehen, in ihme erfunden werden, aufdaß meine v. 14. 
Schwachheit in feiner Krafft, meine Blöſſe mic dem Nocke fei- Er. 61. 

ner Gerechtigkeit bedecket, sch und alle mein Thun in ihme, Eo 

dem Geliebten, dir angenehm feyn möge, um fein 
| | ſelbſt wien! Amen. 


v. 
Epheſ. 2, 
v. 6. 


Das 


208. Bl. C.34. Der Menſch kan nichts 
Das XXXIV. Capitel. 


Ein Menſch kan zu ſeiner Seligkeit 
nichts thun, GOtt thuts alles allein, wenn ſich 
nur der Menſch GOtte durch ſeine Gnade ergiebt, und 
mit ihm handeln laͤſſet als ein Artzt mit den Krancken; 
und wieohne Buſſe Criſti Verdienft nicht 
zugerechnet werde, 
1,Cor. 1. 0.30. CAriftus ifE uns von GOtt ger 
macht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur 
Aeiligung und Erlöfung. 


CHriſtus It dieſem gewaltigen Spruch lehret uns der 
bat ung als H.Apoftel, daß JEſus CHriſtus unſer HErr 
** V alles verdienet habe, was zu unſrer Seligkeit 


gehoͤret: Da wir nichts wuſten von dem Wege des 

Lebens, iſt er unfere Weisheit worden; da wir Suͤn⸗ 

der waren, ift er unfere Gerechtigkeit worden, da 

wir vor GOtt ein Greuel waren, if er unfte Heili⸗ 

gung worden; da wir verdamme waren, iſt er unfere. 
Erloͤſung worden. — ae 

Menfihten Hierzu Fan aller Menfchen Verdienft, Vermoͤgen 

ee, und freyer Wille micht eines Staͤubleins werth brin⸗ 

fen, gen, nicht fo viel hinzu thun, als ein Staͤublein werth 

iſt, das in der Sonnen fleucht, weder im Anfang, Mite 

telnoch Ende. Suͤndigen hat der Menſch wohl fine 

nen, aber ſich felbjt nicht wiederum gerecht machen; 

verlieren bat er fich ſelbſt wohl Fönnen, aber nicht ſelbſt 

wieder finden; todten hat er fich ſelbſt wohl Eonnen,aber 

nicht ſelbſt wieder febendig machen, dem Teufel hat 

er Sich koͤnnen unterwuͤrffig machen, aber vom Teufel 

erretten hat er fich felbft nicht gefunt, ‘Denn wie ein 

todter Leib fich felbjt nicht Fan lebendig machen: Alſo 

alle Menfchen, die todt in Suͤnden fepn, wie Sanct 

ne fügt, Epheſ. 2.0. 5, Fünnen ihnen ſelbſt wicht 

elffen. 
Gleichwie wir nichts haben thun koͤnnen zu un⸗ 
ſerer Schoͤpffung; deun wir haben uns — 


k 


sur Seligkeierbun, GOtt thuts allein. 209 


' Schaffen Eonnen ; Alfo Fonnen wir auch nichts thun zu 
unferer Erlöfüng, Heiligung und neuen Geburt ; 
dern die Erlöfung iſt mehr denn die Schöpfung. Konz 
ten wir ung felbit gerecht machen, wir thaten mehr, als 
wenn wir uns ſelbſt fchaffeten, 

Darum iſt nun GOttes Sohn Menſch worden, Warum 
daß er alles wiederbraͤchte, was in Adam verlohren Kr. Mus 
war, und alles wieder lebendig machte, was in Adam 
geſtorben war. 

Das gehet nun alſo zu, wie das Gleichniß auswei⸗ Eue- 10. 
fet von dem verwundeten Menſchen, ſo unter die’ 3°. IM. 
Mörder gefallen, und ihm ſelbſt nicht helfen kunte: 

Der getreue Famariter muſte ihm feine Wun—⸗ 


den verbinden, ibn aufbeben, in die Herberge 


führen, und mit ibm. handeln, wie ein Arst mit 
einem Kranken. Wie aber nun der Verwundete CHritus 
mie ihm handeln ließ, wie es feinem Artzt dem Sr Yrar niet 
mariter gefiele: Alſo müffen wir ‚auch thun , wollen wir feibf. 
wir anders felig werden. - Die muͤſſen wir EHriftum 
allein mit uns handeln laffen, und ihm full halten, 
unfere Qunden ? reinigen und verbinden laffen, dar⸗ 
ein laffen gieffen Del und Wein, und gank und gar 
feinem Willen laffen und ergeben, fo wird er uns wohl 


helffen. 


So bald num ein Menſch Buſſe thut, ſich durch So bald. 
GOttes Gnade zu GOtt wendet und kehret, ihme die Ei 


Suoͤnde laft leid ſeyn, ihme Die Suͤnden⸗Wunden laͤſt R bali, mir 


wachen und reinigen Durch den fharffen Wein 2 —* * 
Geſetzes, und das ſuͤſſe Oel des Troſtes; ſo bald wuͤ 

cket CHriſtus mit ſeiner Gnade in ihm den —— 
alle Fruͤchte des Glaubens, Gerechtigkeit, Leben, Friede, 


Freude, Troſt und Seligkeit, und erneuert ihn, wuͤr⸗ 


cket in ihm das Wollen und das Vollbringen nach 
ſeinem Moblgefallen, Phil. 2. v. 13. 
Nun aber ſtehets auch nicht in des Menſchen — 
een Kräften, die Sünde Laffen: denn die kn Yon 
Schrift nennet den natürlichen Menfchen der Sün- Natur * 
den al Joh. 8. 0,34. unter die Sünde ver- | * 
1. Theil. O kaufft,“ 


210 B.. C. 34. Der Menfeh kan nichts 


kaufft, Noͤm. 7. v. 14. Der nichts. anders thun koͤnne 
von Natur denn fündigen, wie der Prophe ſpricht: 
Wie koͤnnet ihr Gutes thun, die ihr des Boͤſen ge⸗ 
wohnt ſeyd? Ban auch ein Parder feine Slecten 








wandelt, und ein Mohr feine Haut ändern? 


Guade 
GOꝛites 
taue alles 
altern in 
Bis, 


Ser. 13.0.23. Aber die beilfame Gnade GOttes, 
die allen inenfehen erfchienen ift durch das Evange⸗ 
lium, ſo allen Creaturen 1 geprebiget wird, die siichtiger 
uns, ſagt St. Paulus, I Tit. 2.v. . daß wir verleug- 
nen ſollen das ungoͤttliche Meſen; Das iſt: durchs 
Wort GOttes kommt dieſe Gnade zu uns, und dieſe 
Gnade zůchtiget uns, fagt Paulus, das iſt erinnert, 


ehret, locket, veißet, betveget und ermahnet den Mens 


ſchen von Suͤnden abzuſtehen und abzulaffen. Und 
dieſe Ermahnung der Gnade GOttes im Wort ſtim⸗ 
met denn uͤberein mit dem innerlichen Zeugniß des Ge⸗ 


wiſſens, und uͤberzeuget den Menſchen aufferlich und 


innerlich, daß er unrecht thue, und die Sünden laffen 


muͤſſe, wolle er. felig werden, weil fie wider GOtt und 


das Gewiſſen feyn. 

Folget * nun der Menfch diefer Züchtigung und 
Ermahnung der Gnade GDttes, giebt dem Worte 
ſtatt, faͤhet * an abzulaſſen von Sünden, fo wuͤrcket 
die Gnade GOttes alles im M enfchen, den — 

ie 


"Er Ichret hie, wie ein Menfch endlich dahin gelange, zu erken⸗ 
nen) daß die Goͤttliche Gnade den Glauben wuͤrcke, nemlich, 
wo er wahrnimmet, daß derſelbe dem Goͤttlichen Gnaden⸗ 
Trieb folge, und dem Wort Platz gebe. Alſo wird dieſes 
nicht vor den Glauben geſetzet, daß ſolches ſchon vor dem⸗ 
ſelben bey dem Menſchen da ſey, ſondern allein, wie er von 
uns erkannt wird. 

%%* In tantum vident homines, in quantum moriuntur — 
ſeculo; in quantum autem huic vivunt, non vident. Augufs 
1. I. de Doör.‚Chrif?.c.7.: Das iſt: fo viel fehen die Glaͤubi⸗ 
gen von Göttlichen Dingen,-fo viel fie der Welt abfterben: 
Leben fie aber diefer Welt, fofehen und wiſſen fie nie 
Siehe Ephef. 5.0.14. 2. Cor. 3. v. 16. 1.Sob. 1. v.6. 7. 
Das Anfangen abzulaffen von Sünden gefehichet durch“ 
hertzliche Neue, wo diefe nicht ift, da Fan feine Weisheit noch 
Erleuchtung des Heil. Geiftes ſeyn. Farız, 


zur Seligkeit thun, GOtt thuts allein. ara 


die Liebe, und alle Fruͤchte des Glaubens: Denn es iſt, 

als wenn ein Licht anfienge zu leuchten in der Finſter⸗ 

niß. So wenig jichaber Die Sinfferniß felbjt erleuch⸗ 

ten Fan, fo wenig auch ein Menſch, wie dev 18 13. Phalm 

v. 29. ſpricht: Dur erleuchteſt meine Leuchte, der 

dere machet meige Sinfterniß lichte, Es möchte 
einerlange die Augen aufſpe tren wenn ihn Die Sonne 

nicht leuchtete: en ſt nun die Gnade GOttes und 
CHriſtus ſelbſt, dag — erſchienen allen Men⸗ Met in 
ſchen die da im ginſterniß und chatten des To⸗ Kern, er 
des fisen, Zur. 1.0.79. um erleuchtet alle Men=EHritus 
fehen, die iwdiefe Welt Bommen, das if, offenbar streicht 
ret ſich allen, beut allen Gnade an, und En allen ers Xie das 
feinen. Er iſt ein Licht der ganzen Welt: Er Bet 
 weiler allen ven Weg zum Leben, ex leuchtet allen vor, fhen ce 
gehet als der rechte Hirt vor den Seaen ber, — 

Joh. 10. v. 4. weiſet ihnen den Weg, den ſie gehen ſol⸗ Weit kn 
ten. Er hat uns alle als die verlohrne Schaafe geſu⸗ men. 
chet, ſuchet und locket uns noch taͤglich: Luc. ıs.v. 4 
Er lauffet ung na, buhlet und wirbet um uns, wie ein unſer 
Braͤutigam um feine liebe Braut; wenn wir nur feine 5 
Liebe wolten annehmen, wenn wir nur Die Finſterniß ur anleee 
und die Sünde nicht zu lieb hätten, 

Wie nun ein Artzt gu einem Krancken ſpricht: 
Siehe, du muſt das nicht thun, oder du wirſt ſterben, 
du hinderſt die Artzney, und —* nicht — werden: 
Alſo ſpricht der rechte Artzt, CHriſtus JEſus unſer undußſer⸗ 
HErr /erſtlich zu uns: Siehe, liebes Kind, RER 
Buſſe thun, und von Stunden ablaffen, von Deiner Verdientt 
- Hoffart, Geis, Fleiſches⸗Luſt, Zorn, Nachgier und der⸗ Kl — 

gleichen, oder du wirſt ſterben, und die koͤſtliche Artzney nep. 

meines Blutes und Verdienſtes Fan die nicht helfen, 
Kan Du — daß es in dir nicht kan Frucht 

a * | 


die Urſach, warum der HErr Chriſtus Warm 
den Ai In befohlen hat, zu allererft Buſſe zu predi Srnacn 
gen, Luc. 24. 0.47. Und darum hat der DE die Su m 
Sünder zus Buffe beruf: ERROR 9,0,135, De predigen ? 
| ein 


en in 
— — ſeh. 


vom Glau: 


ben und 
Buſſe. 


212 BE, 34. Der Menſch Ban nichts 


kein a Hertz ift fahig des Derdienftes 
Hrifti 

Wenn wir nun diß Wort hoͤren, daß da muͤſſe von 
Suͤnden ab gelaſſen ſeyn, oder ewig verdammt und 
verlohren (m: Je fo Lhiet es nicht, es gedencket ein 
Menſch zurück, und GOttes wahrhafftiges Wort und 
ſein eigen Gewiſſen uͤberzeuget ihn, daß es alſo ſey. 
Denn es hat wol GOtt Vergebung der Sünden juges 
fagt allen aus Gnaden umfonft; allein diß ftehet dabey, 
wenn wir ung zu GOtt befehren , wie der ‘Prophet 
ſpricht, Ezech. 18. v.21. Wenn ſich der Gottloſe 
bchret fo ſoll er leben und nicht ſterben, und al» 
ler feiner Sünde foll nicht mehr gedacht werden. 
Da ſtehet Vergebung der Sünde und die Buſſe bey» 
einauder. 

Es fpricht wohl der ewige Sohn GDttes: Wer 
an mich gläubet, foll das ewige Leben haben, 
Joh. 3.0.16. Aber der Glaube widerftreber dem als 
ten Menfchen täglich, zwinget das Fleifch, machets 
‚dem Geiſt unterthan und gehorfam, das it, bekehret 
den Menſchen, tilget und daͤmpffet die Suͤnde, reiniget 
das Hertz. Denn das iſt der Glaube, der ſich von der 
Welt, von Suͤnden, vom Teuffel zu CHriſto wendet 
und kehret, und wider die groſſe unzehlbare Schuld der 
Suͤnden Ruhen und Erquickung der Seelen ſuchet allein 
in dem Blute, Tode und Verdienſt Chriſti, ohne aller 
Menſchen Werck. Wer aber anders glaubet, daß ihm 
GOtt feine Sünde vergeben wolle, wenn er gleich nicht 
von Sünden abläßt, der hat. einen betrogenen falfchen 
Glauben, und Fan nimmermehrfelig werden, fo lange er 
nicht vonfeinen Sünden abjtehet. - 

Sehet an das Exempel Zachaͤi des Zöllners, 
Luc, 19.0.8. derverftund die Lchre vom Glauben und 
von der Bekehrung recht, daß nemlich das der rechte 
Glaube wäre, dadurch wir von Suͤnden zu GOtt 
bekehret würden, und wer von CHriſto Vergebung der 
Sünden haben wolle, und feines theuren Verdienſts 
genieffen, der müfte von Sünden ERDE und " en 

ichem 


sur Seligkeit thun, GOtt thuts allein. 213 


fichem Vertrauen und Zuverficht auf GOttes Gnade 
fih an EHriftum halten. Denn alfo verftund er 
die Predigt des HErrn EHrifti, Mare, i. v. 15. Thut 
Buffe, und gläuber dem Kvangelio. Das it: 
Laffet ab von Suͤnden, tröftet euch meines Verdienfts, 
und fuchet bey mir allein der Sünden Vergebung. 
Darum fpricht er zum HErrn: Siebe, HErr, die 
Aelffte meiner Güter gebe ich den Armen, und 
fo ich jemand betrogen babe, dem gebe ichs vier⸗ 
fäleig wieder. Da ruͤhmet er nicht feine Wercke, 
fondern die Gnade, dadurch er erkannt hatte, wie er Erfännt: 
Buſſe thun folte. Als wolt er fprechen: HErr, — 
iſt mir fo leid, daß ich iemand betrogen habe, Daß ver Sün- 
icchs ihm auch vierfach wiedergebe, darzu Die Helffte gt pen 
meiner Güter den Armen. Und weil ich nun meine pringet 
Sünde erkenne, und davon abzuſtehen gänslic ber Guade. 

fehloffen, und an dich zlaube, fo bitte ich "dich, du 
- wolleft mich aus Gnaden annehmen. Da Fam der 

Art, und ſprach: Heute ifE diefem Aaufe Heyl 
wiederfabren, Denn des Menſchen Sohn ift 
tominen zu fiichen und felig zu machen, das 
verlohren if. 
Das iſt nun die wahre Buſſe und Bekehrung 

Durch den Glauben, den GOtt wuͤrcket. GDtt ift 

unferer Seligkeit Anfang, Mittel und Ende, wenn wir 

nur GOtt dem Heiligen Geift nicht muthwillig wider⸗ 

ftreben, wie die halsſtarrigen Juden, Apoft. Geſch. 7: 
d.512.und Cap. 13.90.46. Nun ihr das Wort von 

‚euch ſtoſſet, und euch felbfEnicht werth achtet des 
‚ewigen Lebens, fo wenden wir ıms zu den Hey⸗ 

den; fondern mit uns handeln laffen, wie ein Artzt Wrack An 
handelt mit einem Patienten, der fager ihm erſtlich pen Eur. 
feine Krancfheit: Alſo offenbaret uns GOtt unfere 
Sünde. Der Arktfaget dem Krancken, was er laffen 
ſoll fo werde Die Argney wohl würden: Alſo fagtung 

GEOtt, was wir laſſen ſollen, ſo werde das theure 

Blut Chriſti auch in ung wuͤrcken, ſonſt iſt uns Die 
koͤſtliche Artzney nichts nüße. | —X 


O 3 So 


4 


1 214 Bl. C. 34. Der Menſch kan nichts - 


N een 00 RE 
Nie — So bald nun ein Menſch durch des Heiligen Gei⸗ 
kan von fies Krafftvon&ünden abläffet, fo bald fänget GOttes 
Fate Grade an in ihm zu wuͤrcken auch neue Gaben, ſonſt iſt 
kurgger Der Menſch nicht tüchtig etwas Gutes von ihm ſelbſt 
denen, zu gedencken, ich geſchweige Denn zu thun. Und fo ift 
numeniger allg Gutes / ſo in ung gewuͤrcket void, nicht unfer, ſon⸗ 
dern der Öngde GOttes, wie. St. Paulus ſpricht: 
Ju wen Vlicht ic), ſondern GOttes Bnade, die in mir iff, 
—— 1. Cor. 15.9. ro. Es wird ung aber zugerechnet gus 
Crife Gnaden, ja Das gantze Verdienſt CHriſti wird den 
67 Bußfertigen zugerechnet, und der gantze Gehorſam 
fireiber, Chriſti, ale wenn / es ein Menſch ſelbſt gethan hätte; 
nicht aber den Unbußfertigen. | 
Darum gehet:die.Impurario und Zurechnung die 
Sie unboßke rtigen Veraͤchter GOttes und feines Worte 
nicht an; auchwuͤrcket allen EHriftus in den Bußfer⸗ 
tigen, in den andern nicht. Gleich als wenn ein 
Schulmeiſter einem Kinde „.das da fehreiben lernet, 
bie Hand führer, und fpriht: Das Kind hat eine gute 
Schrift gemacht: Alſo iſt all unfer Vermögen ‚von 
GO. Ghne mich koͤnnet ihr nichts thun, ſpricht 
der HE, Joh. * v. 5. verſtehe Gutes? Aber Boͤſes 
moͤgen wir wohl ohne ihn thun, denn das iſt unſer eigen: 
ibe Gutes moͤgen wir ohne ihn nicht thun, denn das 
it GOttes eigen, Eſa. 10: verſ. 19. Darum bat ſich 
kein Fleiſch zu ruͤhmen, es iſt eitel Gnade, Roͤm. 3. 
v. 24. Epheß 2.9.9: 
Selig iſt der Menſch, der von Sünden abtäffer, 
und feinen Willen GOtt ergiebt, wie eine Braut vers 
EHrifus williget den Brantigam zu nehmen. EHriftus unfer 
— J Braͤutigam befleißiget ſich auch, den guten Willen 
guten Kap gu machen, indem er uns fo freundlich zuſpricht im 
len. Wert, und in unſerm Hertzen, ſuchet uns, locket ung, 
buhlet und wirbet um uns, ehe wir an ihn gedencken, 
alles zu dem Ende, daß wir von Stunden ablaffen 
ſollen, auf daß fein- ‚teuves Blut an uns nicht verlohs 
ren werde x. 


Gebet. 


sur Seligkeit thun, GoOtt thuts allem 215 


Gebet: 


Ha: mein Act, du rechter Meifter zu helffen,ier legt fich zu 2.3. Moſ. 
beinen Fuͤſſen ein in feinem Blue liegender Jammer⸗voller 5; 2°. 
Sünder, derzwar unwuͤrdig iſt aller deiner Gnaden, aber nach. 5 
derfelben herßlich lechzet; Der nicht werth iſt, auch nicht Kraft u. 39 
Hat,feine Yugen zu dir auffuheben, aber auffer dir ohne alle Hoff: £ur. 13. 
nung ſeyn müfte: Kanft du nun mag, fo erbarmedich meiner, d. U. 
und hilffmir! Doc HErr, fo du wilt, Fanft du mich mol reini, Eph. > 
gen; und du wilt ja, fo wahr du febeft, nicht den Tod des Sün-y), Bu 
ders: Deine Barmhertzigkeit ift ja fo bruͤnſtig, daß du dich er=y. 22° 
barmen muft. Kanſt du denn, 0 HErr, und wilt mir helfen, Esch. 33: 
was ift doch denn, das deine Hülffe aufpäie? Wie lange foll iayt- 11- 
forgen in meiner Seelen, und mich ängften in meinem Herten zer zt. 
taͤglich? Du tilgeſt die Miſſethat wie eine Wolcke, und die Suͤn⸗ Bl & 
de wie den Nebel; ad) erbarme dich meiner, daͤmpffe meine Mifn z. 
fethat, und wirff ale meine Sünde in die Tieffe des Meers. Er⸗Eſa. a1. 
halte mich auch, mein GDet, in deiner Gnade, daß ich nicht nach d: 2. 
der Schwemme mich twieder in den Roth wälße, noch wieder Mich. 7° 
- freffe, was ich geſpehet habe. Erette mich von ber Macht der, Yen. ı 
Sünden, daß diefelbe nicht herrſche in meinem fterblichen Reibe sn 22. 
Iſt fie mächtig in mir worden, fo laß-deine Gnade mächtiger Nön. 6. 
feyn, fie zu toͤdten und zu tilgen. Mein Arge, ich lege mich ind. 1*- 
deine Hände; Du biſt der Anfänger und Vollender des Glau-;,} MP 
bens laß mich nicht, mein Heyl, und siehe die Hand nicht vony is 
mir ab, biß meine Seele völlig gencfen, aus der SündenNothhPfal. 27- 
und Koth befreyet, zu deiner Bereinigung gebracht ift: So mild. 9. 
ich verfündigen deine Tugend, und deine unverdiente Gnade m * 


preiſen ewiglich. Amen. v. 
Das XXXV. Capitel. 2 
Ohne ein heilig Chriſtlich Leben ift alle 
Weisheit, Kunſt und Erkanntniß umfonft, 
ja auch die Abiffenfchafft der gangen heiligen 
| Schrift vergeblich. { 
Matth.7.v.21. Es werden nicht alle, die zur mir 
fagen: HErr! HErr! in das Himmelreich 
kommen, fordern die den Willen thun meines 
Vaters im Himmel. 


| — — heilige Apoſtel Paulus 1.Cor.13. v. . ver⸗ 


* 


ſtehet durch die Liebe das gantze heilige 
N Ehriftliche Leben; Denn es iſt alles in die 
| D4 Liebe 


216 BE. 34. Ohne ein Chriſtlich Keben 


Liebe verfaffet, was zum Chriftlichen Leben gehöret: 
Und E-Hrifti Leben iſt nichts anders, denn eitel reine, 
laucere, hersliche Liebe. 





Der reinm  Derrechten Liebe Art aber iſt, daß fie GOtt lau⸗ 
Liede & rer in allen Dingen meynet und ſuchet, und nicht im ge⸗ 


genſchafft. 


Was ein 
Heuchler 
ſeh. 


ringſten das Ihre ſuchet, oder ſich ſelber liebet, meynet, 
ehret, ruͤhmet, auch keinen Nutzen oder Lohn, Ruhm oder 
Ehre ſuchet in allem, das ſie thut; ſondern thut alles 
frey aus lauter Liebe GOttes und Menſchen, ohne Hoff⸗ 
nung des Lohns und eigener Ehre, und liebet GOtt und 
den Naͤchſten frey umſonſt, nur darum, weil GOtt das 
hoͤchſte und edelſte Sur iſt. | 
Aber nun Diefe Liebe nicht hat, Der ift ein Heuch- 
fer, denn er meynet und füchet in alle feinem Thun ſich 
ſelber, und nicht lauter und allein GOtt, darum ift 
es cine falfche Liebe. Darum, wenn gleich ein folcher 


Ihre kiche die gantze Heil. Schrifft auswendig wüte, und koͤnte 


geblich. 


mit eitel Engel⸗Zungen Davon reden, fo ware es doch 
nur * ein bloffer Schall ohne Krafft: Denn 5 & 
$ t⸗ 


* Er redet hier nicht von dem Predigt-Amt, oder den Predi⸗ 
gern nach demjenigen Amte, fo fie aus Göttlicher Drdnuhg 
tragen, fontsen fo fern fie vor fich Menfchen find; Daher 
von ihrer Seiten ihre Wiffenfihafft und Predigt des Worts 
ein Bee Schall iſt der nicht andern, fondern ihnen felbft 
unnuͤtz iſt. 

Wer alſo wohl lehren und predigen koͤnte als ein Menſch, 
oder irgend ein Engel, daß die Worte die allerlieblichſten, 
und der Sinn und der Verſtand der allerbeſte wäre, und 
hätte der Kiebe nicht, dag ift, ich fuchte damit meine Ehre 
und Nutz, und nicht meines Nächften, fo wäre ich ein thoͤ— 
nend Erf, oder Elingende Schiller: Das ift, ich mochte viels 
leicht andere damit Ichren und die Ohren vollflingen aber 
ich ware vor GOtt nichts. Denn gleichwie eine Glocke 
oder Schelle ihren. eigenen Klang nicht horet, noch deffelben 
gebeſſert wird: Alſo verficher folcher Prediger felbft nicht, 
was er faget, und ift deß nicht gebeffert für GOtt. Euther. 
Kirchen⸗Poſtill) Co geben auch untreue Hirten mit uns 
chriſtlichem Leben ſtarck Anlaß, daß ihre Lehre, ob diefelbe 
fhon in ſich richtig, wenig Nutz bey den Zuborern ſchaffet, 
ſonderlich bey denen, die von folchen Laſtern und Untugen⸗ 
den abgemabnet werden folen, in welchen doch die Lehrer 
ſelbſten ſtecken. Yaren, 


iſt alle Weisheit umfonfl. 217 


GOttes Wort in das Leben verwandelt werden, fonft Bun, 
ifts nichts nüße Gleichwie eine inatürliche Speiſe Grumkane 
dem Leibe nichts hilfft, wenn fie nicht in Fleifch und umd&acıa- 
Blut verwandelt wird; Alſo hilfft auch GOTTES "MR. 
Wort und Sacrament nicht, wenns nicht in ein 
heilig Leben verwandelt wird, wenn nicht ein heiliger, 
befehrter, neugebohrner, liebreicher Menfch daraus 
void, Di Tr PR, 

Darum fpricht St. Paulus: Wenn ich weiffesı. Cor. nz. 
gen könte, und wuͤſte alle Geheimniß und Kr- 1.00 
Fänntniß, ꝛc. und hätte der Kiebe nicht, ſo wire warum die 
ich nichts. Das ift: wenn ich meine Ehre damit bitten 
fuchete, und nicht lauter und allein GOtt und den Gott nit 
Menfchen damit mennete, fo ware es für GOtt ein gelten, 
Greuel, und ihm nicht angenehm. 

Daher werden die falfchen Propheten fagen an je 
nem Tage: HErr, HErr, haben wir nicht im Matth.7. 
deinem Namen ai Aaben wir nicht" ** 
in deinem Namen Teufel ausgetricben und 
CHaten getban? Da wird er fagen: Ich Eerme 
euer nicht: Ihr habt mic) nicht lauter gemeynet, 
fondern euch felber. | 

Fa, spricht St. Paulus: Wenn ich alle meine zaygeun 
Aaabe den Armen gäbe, und hätte der Kiebe nicht, mofen, da’ 
ſo wäre mirs nichts nuͤtze. Wie ſo, lieber Paule? An man 
Kandenn einer wol alle feine Haabe den Armen geben, et, 
und der Liebe nicht haben? Ja freylich wenn man nicht x, St # 
hierinn lauter und allein GOtt meynet, fondern fich fel- 
ber, will Lohn, Ruhm und Ehre davon haben. Wie 
die Pharifaer viel Opffer ftiffteten, und andere bereds 
ten, ihre Güter zum Tempel und zum Opffer zu geben, 
davon fie Ruhm und Ehre hatten, und vergaffen der. 
Barmhergigkeit an den Armen, Denen fie aus lauter 
freyer Liebe Barmhertzigkeit erzeigen ſolten. Wel⸗ 
ches der HErr den Phariſaͤern aufruͤcket und ſpricht: 
Sie freſſen der Wittwen Haͤuſer, und wenden Matıb- 23. 
lange Gebet für; wollen dafür beten. Wie denn "+ 
auch zu unfern Zeiten viel Leute: alle ihre Güter zu 

' D 5 Stiff⸗ 


F 


218 Al. C. 35. Ohn ein Chriſtlich Leben 


Stifften und Kloͤſtern gegeben haben, daß die Pfaffen 
7 und Münche ſolten für ihre Sünde opffern und beten; 
Falſche welches alles eine- falſche betrogene Liebe ift, die 19) 
ziee ſelbſt füchet und meynet, Denn wenn man zuſiehet, 
fo iſt hiermit der Menfchen Ehre gefucher, und nicht 
GOttes. | n | 
Der Gerechte wird feines Glaubens leben, , 
Hab. 2.verk 4. Du muſt wahre Buſſe thun, und ſelbſt 
Köm.ıa. cin Opffer GOttes werden durch Todtung und Creu⸗ 
Aha gigung Des Fleiſches, und alle Wercke der Fiebe frey, 
| lauter umfonft thun, und nicht um dein felbft willen, aus 
‚eigener Liebe, Nutz und Ehre, fondern aus freyer, veiz 
; > ner, lauterer Liebe zu GOtt, oder es iſt Dir alles nichts 
Henchel: nuͤtze. Ja wenn du deinen Leib brennen lieſſeſt, und 
Safen. · haͤtteſt eine folche reine, Inutere, freyeXiebe nicht, Dieale 
fein GOtt und feine Ehre meynet, fo waͤre dis nichts nuͤ⸗ 
tze; denn was iſts/ daß etliche ihren Leib geiffeln, ibnen 
Mahl brennen, und ibrem Leibe wehe und. übel 
thun? wie der Prophet fpricht : fa. 58.0. 3. Was ſu⸗ 
chen fie hiemit, denn fich ſelbſt? Zach. 7.0, 5.6. Wok 
Falſche Ten fonderliche Heiligkeit Damit bezeugen, felbfterweblte 
Märiprer. Geiſtlichkeit; welches dach alles GOtt zu Ehren nicht 
geſchicht fondern ihnen ein Anfehen Dadurch zu machen, 
Sa etliche gerathen in ſolche Verblendung, und in folche 
Frafftige Irrthuͤme, daß fie fi) darauf brennenlaffen, 
wollen CAriſti Märtprerfeyn; da ſie doch CHriſtum 
nicht ſuchen, ſondern ſich ſelbſt, ihren gefaßten Irrthum 
damit zu beſtaͤtigen, haben ihnen vorgeſetzt nicht davon 
2. Theſſ. 2. abzuſtehen, und ſolts ihnen das Leben koſten. Das nen⸗ 
v9 net Sanct Paulus Wuͤrckung des Satans, und 
raͤfftige Irrthuͤme. Die Urſach macht einen Mars 
tyrer, nicht Die Marter. Bu 
Sehet an, wohin der Teufel die Heyden gebracht 
hat, unter welchen. ex etliche fo verblendet hat, daß fie fich 
willig haben laſſen fehlachten, toͤdten und opffern, ihre 
falſche Heydniſche Religion und Teufels-Dienft damit 
zu beftatigen. Abas its Wunder, daß es noch ge \ 
jchicht, fonderlich nun unter dem Schein des 5* 
| „lichen 


iſt alle Weisheit umſonſt. 219 


— — — — — — — —— — ———— —— — — — — — 
lichen Glaubens? die Heyden haben viel gethan, mit Falſche un 
Verluſt ihres Lebens ihnen einen unfterblichen Namen perl: 
zu machen. Hat auch nicht zuunfern Zeiten Die falfche r 
eigene Liebe und eigene Ehre Münche und andere Leute 
bethoͤret, Könige und weltliche Potentaten zu erjtechen, 
Die Catholifche Religion, wie fie fienennen, Damit fort⸗ 
zupflantzen, die auc) ihr Xeben haben müffen laffen, und 
daran ftrecfen? welches nicht um EHrifti willen ge 
ſchehen ift, fondern um des Pabſtes willen, und um eige> 
nes Lobes, Ruhms und tnfterblichen Namens willen. Falſcheicht. 
Dis ift die falfche betrogene Liebe, von einem falfchen —5 — 
errogen. KK 
Darum iſt num alles, was ein Menfeh weiß, es fey 
ſo groſſe Kunſt, Weisheit und Erkänntniß, als es im⸗ 
mer wolle, und wenn er auch Salomo gleich ware, 
ja die gange Aßiffenfchafft der gantzen heiligen Schrift, 
auch alles was ein Menfch thut, und wenn er auch 
Leib und Leben dahin gäbe, ohne Die rechte Liebe GOt⸗ 
tes und des Nächiten, und ohne einvechtes Chriftliches 
Leben, lauter nichts. Sa, GOttes Wort haben, wiffen, 
und nicht darnach leben, machen das Verdammniß 
gröffer, wie der HErr oh. am 15. v. 22. fpricht: 
Wenn ic) nicht kommen wäre, und bätteesibnen 
geſaget, ſo hätten fie keine Suͤnde: Nun aber'ba- 
ben ſie nichts vorsumenden, ihre Sünde zu ent⸗ 
fihuldigen, za. IR | 
Ar B Gebet, 
Etreuer GOtt, es ift ja Weisheit deine Babe, du Ichreft die W.94.0.10. 
Menfchen, war fie wiffen, du HErr giebeſt Weisheit, und Spr. Cal. 
aus deinem Munde kommt Erfänntniß und Verfiand; So ift HH. 6: 1a 
"auch nicht eine geringe Gnade, deinen Willen zu wiffen, denn fo g.20 
thuft du feinen Heyden, noch läffeft fie wiffen deine Mechte. Weil Luc. 12. 
aber dein Wort neben der Erfahrung mich lehret, daß auch ein v. 47. 
Knecht,der deinen Willen weiß, denfelben offt nicht thue, und 1. Lor. 8. 
deßwegen viel Streiche leiden werde ; daß das Wiffen aufblehe, Wlih. 9. 
aber die Liebe beffere; So bitte ich dich, mein GDit, gieb mir, „ 
bie Weisheit, die ſtets um deinen Thron ift, die Weisheit von Zac. z. 
oben her, welche ift aufs erfte keuſch, darnach friedfam, gelinde, d. 17. 
laͤſt ihr ſagen, voll Barmhertzigkeit und guter Früchte, unparz Pod 28, 
theyiſch, ohne Heucheley. Würcke in meinem gereen pe 8 
urcht, 


220 B.1.E.36. Wer in CArifto nicht lebet, 


Furcht, welche iſt die Weisheit, und den Verſtand, daß ich das 
Boͤſe meide. Ad was iſt die Weisheit dieſer Welt ohne deine 
2. E07. 13. Furcht! Wie iſt all unſer Wiffen nur Stuͤkwerce! Wie manche 
1 Gar... Seele verſtrickt ſich durch eingebildete Weisheit, und verfaͤllt 
v.20. von dem wahren Richt! Wo find die Klugen? Wo find die 
8.30. Schrifftgelehrten? Wo find die Weltweiſen? Haft du nicht, o 
v. 22. Gott, die Weisheit diefer Welt zur Thorheitgemacht ? Deros 
megen, o JEſu, wie du mir gemachet biftzur Weisheit, fo ermeife 
dich auchin mir. Die Welt erfennet durch ihre Weisheit GOtt 
Soh.14. in feiner Weisheit nicht; dur aber zeige mir den Vater, fo gnüpet 
v. 8, mir. Gieb mirdurch dich nicht allein die Gerechtigkeit GOttes 
Roͤm.r. v. z zu wiſſen, ſondern auch nach derſelben zu ſtreben/ und des Glau⸗ 
bens rechtfchaffene Fruͤchte zu bringen Gieb mir die wahre 
Weisheit zu erkennen, von wannen ic) ſey, wohin Ich ſoll, wel⸗ 
cher Weg mich darzu fuͤhret, damit ich denſelben ſuchen, finden, 
1J. Betr. 1. wandeln möge, und endlich des Glaubens Ende davon bringen, 
5 nemlich der Seelen Celigfeit, um deines Namens willen, o 
JEſu, meins Weisheit! Amen. TEE 


Das XXXVL Capitel. 


Mer in Chriſto nicht lebet, fondern fein 
Hertz an die Welt hänget, der hat nur den 

aufjerlichen Buchſtaben der Schrift, * aber er 

ſchmecket nicht die Krafft und verborger 

| nes Manna. Re 
Offenb. Joh. 2. 9.17. Wer überwinder, dem will 
ich zu eflen geben von dem verborgenen 
Manna, und will ihm geben ein aut Zeugniß, 
und mit dem Zeugniß einen neuen Namen 
gefehrieben, welchen niemand Eennet, denn 
der thn einpfäber, — 
| Te a RMa,ygt dieſem Spruch werden wir gelehret, daß die 
POfen er © allein die Suͤßigkeit des himmliſchen Troſtes 
nn und Freude in dem ABorte GOTTES 
iu ke ſchmecken, die da überwinden, verjiche ihr Fleiſch Ir 
3 J e 


— — —ñ —e — — — —— — — \ 

* Nemlich in fich, weil die Schrift ihm zu feinem Heil nicht 
fräfftig ift, ob fie mol an fich ſelbſt Eräffiig if, und andern 
das Mittelund Inſtrument ihrer Geligfeit bleibet. Omnis 
do&trina, five Mofis, fiveChrifti, quæ non vivitin corde per 
SpiritumS$,litera eft, Lex lite.a eft, Evangelium literaeft, 


Hifto- 


| ſchmecket nicht die Krafft der Schrifft. 221 


Welt mit aller und Herrlichkeit, und den Teufel; 
denn welche ihr Fleiſch durch taͤgliche Reue und Buſſe 
creutzigen ſamt den Luͤſten und Begierden, Gal. 
5.0.24. die der Welt und ihnen ſelbſten täglich abſter⸗ 

ben, denen ihr gantzes Leben eitel bitter Creutz iſt, die 

werden von oben herab von GDtt innerlich geſpeiſet mit 

der Suͤßigkeit des himmliſchen Manna, und getraͤncket 

mit dem Freuden⸗Wein des Paradieſes: Die andern 

aber, ſo ihren Troſt in der Welt haben, koͤnnen nicht 
ſchmecken das verborgene Manna. Urſache; ein ieglich Widerwar ⸗ 
Ding vereiniget ſich mit feines gleichen, widerwaͤrtige Hi irse 
Dinge nehmen eindnder nicht an: GOttes Wort ift einander 
geiftlich, darum vereiniget fichs nicht mit einem weltli⸗ nicht an, 
chen Hergen. Gleichwie von der Speife, die der Mas 
gen. nicht annimmt, ‚der Leib Feine Krafft empfaͤhet: 

Alſo ſchmecket die Seele nicht Die Krafft des Gottliz 

hen Worts vder Himmel⸗Brods, wenn fienicht. daf 

I gang und gar in fic) verwandelt, das ift, ins Leben, 

Und wie dem Menfchen alles bitter ſchmecket, Schön _ 
wenn er das Fieber hat: Alfo denen , die am Fieber Gleichniß. 
diefer Welt Eranck liegen, an der Weltſucht, am Geis, 
Hoffart und WWolluft, denen ſchmecket GOttes Wort 
bitter, ja ihnen eckelt dafür, wie den Febricitanten. 
Welche aberden Geift GOttes haben, die finden dars 
innen das verborgene Himmel⸗Brod. a. Ir 
f “ A 1% 


Hiftoria litera eft, Allegoria litera eft; adeoque quicquid 
non vivitincorde per Spiritum & gratiam, literaeft. Das 
ift, alle Lehre, fie a Mofis oder EHrifti, die nicht leber im 
Hertzen durch den Heiligen Geift, ft Buchftabe. Das Evan- 
gelium ift Buchftabe, die Hiſtorie ift Buchftabe, die Allegorie 
iſt Buchftabe, ja alles, wag nicht durch den Geift und Gnade 
im Hergen lebet, ift Buchltabe. Philipp. Melanchth. Arndt 
will nichts anders verftanden haben, denn daß der Welt 
ergebene Herzen nicht gereichen zu der innerlichen Krafft 
und Wuͤrckung der Heil. Schrift, und haben alfo nur den 
aͤuſſerlichen buchftäblichen Verſtand und Wiſſenſchafft der 
heiligen Schrift, werden aber derfelbigen Krafft nicht theil⸗ 
hafftig. Siehe auch oben Cap. 6. Farm, 


222 B.1.C.36. Wer in Chriſto nicht lebet, 


Geiſt dieſer Welt haben, die ſchmeckens nicht; denn 
keins nimint das andere an. 


Woher a Daher koͤmmts, daß viel Menſchen wenig Luft, 
BL), Freude und geiftliche Begierde empfinden aus den 
Garen 96 das heiligen Evangelio ob fie es gleich taͤglich hoͤren: Denn 
og fie haben den Geiſt GOttes nicht, fie, haben nicht himm⸗ 
fehmeder. liſche Ge 5 ſondern irdiſche Hertzen: Wer aber 
Welchem. das Wort GOttes recht verſtehen will, und deſſen 
Deren Se Reaffı empfinden, und don, dem immelBrod een, 
der muß ſich befleißigen mit feinem Leben gleichfürmig 
zu roerden dem Wort GHttes, und. dem leben EHrifti, 

So fpeifet ev die Deinärbigen mit feiner Gnade, 

1. Bett. 5. v. 5. die Sanffimüthigen mit feiner Liebe, 

Die @edultigen mit feinem Troſt, und machet ihnen ſein 

Joch ſuͤſſe und feine Aofkleichte; Muttb. 1 1.0.30, 

Die Süßigkeit des Himmel⸗Brods wird geſchmecket 

unter- dem Joch Coriſti; und da heiſſet es: Die Hun⸗ 
gerigen füller er mit Gütern, und laͤſſet die Reis 

... sbenleer:. Luc 1.0253. 7 


Geiſt muß er Morte find Geiſt und Leben, ſagt der 
ea HErr, 0b. 6.0.63: So ſie nun Geiſt und Leben 
werden. ſeynd, ſo koͤnnen fie son Feinen ungeiftlichen, fleiſch⸗ 
lichen, üppigen Kerken und innen empfunden werz 
pen, fondern im Geift; in der Stille in Verſchwiege⸗ 
heit, mit tieffer Demuth und heiliger groſſer Begierde 
muß man es annehinen, und ins Leben verwandeln; 
fonft hat man vom Worte GOttes nichts mehr, 
denn den aͤuſſerlichen Shall und BuchTaben. Gleiche 
wie wenn man den Ton einer Harffe hoͤret, ee 

het aber nicht, was es it, ſo bat man Feine Freude 
Davon: Alſo empÄndet man nichts von der Krafft des 
' Goͤttlichen Boris, wenns nicht ins Keben verwandelt 

MIO: 
Offenb. a. Darum ſpricht St. Johannes: Ich will ihm 
vi, ein gut Zeugniß geben, und mit dem Zeugniß ei⸗ 
nen neuen Namen, welchen niemand kennen wird, 
denn der 2 empf et, 

A DE 


ſchꝛnecket nicht die Brafft der Schrift. 223 


DIE iſt das Zeugniß des verborgenen Geiſtes, wel⸗ 
cher dom Wort GOttes Zeugniß giebet z und hinwie⸗ @eißliche 
derum der Geiſt des Worts GDites giebt Zeugniß Parmonie. 
unſerm Beift, om. 8.0. 16. und ſtimmen die beyde 
überein, vereinigen ſich mit einander, und werben ein 
Beift, 1. Cor. 6.0.17. Und diß ik der neue Name, Neuer Na⸗ 
welchen niemand kennet, denn der ihn empfaͤhet; tie den 
«denn gleichwieniemand die Suͤßigkeit des Honigs em⸗ et 
pfindet, denn der es Eoftet: Alſo kennet niemand den dent der 
neuen Naͤmen des Gezeugniß GOttes im Hertzen denn bbu hat. 
wer es empfindet; * der kennet allein den Troſt GOt⸗ 
tes, der ihn empfindet... Das tt das neue Gegeugniß, 
und der neue Name, den niemand kennet, denn. 
der ihnempfäber 5 und iſt neu, weil er aus der neuen 
Geburt gehet, fo von oben herab koͤmmt. 
Selig iſt der Menich, welchen GOtt ſich alſo in ſei⸗ 
nem Hersen zu ſchmecken giebt. Alſo hat GOtt die 
Propheten vom Anfang mit feinem ſuͤſſen Himmel - 
Brod geſpeiſet durch Die Rede feines ewigen Worts, 
welches zu ihnen geſchehen iſt; davon haben ſie reden 
koͤnnen, denn ſie habens empfunden; Und daher iſt die 
Heilige Schrifft kommen. 
Und auf den heutigen Tag laͤßt er nicht nach mit 
allen Menſchen *r zu reden, und ſie mit ſeinem Wort 
zu 





*Siehe oben bey Cap. 26. NN. 

** Er redet hie davon, wie GOtt ohn Unterlaß allen Menſchen 
fein Evangelium vortragen laſſe. N 

Das Licht, darnach e8 verkuͤndiget und bezeuget wird df: 
fenelich, leuchtet fo weit, als die Weltift, über ale Menfchen, 
obs wol nicht alfe aufnehmen. Und: Er hat dag ganke 
Haug diefer Welt mit dem rechten Kehr-Beſen gefchret, und 
in allen Winckeln gefucht ; fehrer und finder auch noch bie 
an den Juͤngſten Tag. Zusher. Kirchen-Poſtill GOTT 
läffee nicht wach auf den heutigen Tag mit allen Men» 
fehen zu reden, warnet und troöſtet fie innerlich, und 
läffer ihnen fein Wort, die rechte Speife der Seelen, alfo 
erfchallen und vortragen, doch mit gewiſſem Unterſcheid: 
Mit etlichen redet er durch die öffentliche Predigt — 
gi 3 orts, 





224 B. J.C.36. Wer in Chrifto nicht lebet, 


Speifeder zu fpeifen inwendig in ihrer Seelen; aber die meiſten 
Gecten , Menfchen find zu feiner Stimme gar zu hart-herig und 
dige Wort. zu taub, und hören lieber die Abelt, denn GOtt; lieber 
folgen fie ihren Lüften, denn dem Geiſt GOttes; Dar⸗ 
um Eonnen fie nicht effen dasverborgene Manna. Sie 
Baum des ejjen lieber von Dem verbotenen Baum des Todes 
Todes. und ihrer fleifchlichen Lüfte, Denn von dem Baum des 
Lebens. 1. B.Moſ. 3.0.6...  - 

Iſt derowegen eine groffe Blindheit und Thorbeit, 
Daß die Menfchen nicht verftchen wollen, daß in GOtt 
gröffere Luft und Gufigkeit ift, denn in der Welt. 

wert. it Wer einmal GOttes Gütigkeit geſchmecket hat, dem 
EN ift die Welt mit aller. ihrer Luft Die hochfte Bitter 
mäthern keit, Unſere erjten Eltern haben ſich die Welt bethoͤ⸗ 
— ren laſſen, und von den verbotenen Fruͤchten gegeſſen, 
und haben daran den bittern Tod gegeſſen; noch ſind 
wir ſo blind und thoͤricht, und eſſen von den verbotenen 
| — Fleiſches, davon wir doch ſterben, Roͤm. 
8. verß 43, 

Wer von mir iſſet, ſpricht der Herr ChHriſtus, 
der Baum und das Brod des Lebens, der wird leben 
in Ewigkeit, Joh. 6.0.51. Von ibm ejfen, heiſt 
an ihn glauben, und feines Hertzens Luft, Freude, Liebe, 
Troſt und Wohlgefallen an ihm haben, Sir. 24.0. 29. 

Fleiſchliche Die Welt giebt doch fo Elein, gering, zeitlich Ding; und 
Blindheit. wird ihr. doch dafür mit geoffer Begierde \aedienet: 
GOtt giebt große, hohe, ewige Güter, und find doch 
dafur fo faul und trage der fterblichen Menfchen Derz 
el Ro findet man doc) jemand, der GOtt mir fo 
groſſem Gehorfam und Sorge Dienet, als dem Mam— 
mon und der Welt? Um ein wenig Geldes willen 
wird offt ein groffer Weg gelaufen; aber um des 
ewigen Lebens willen wird kaum ein Fuß vonder Erden 
aufgehoben. | 
Die, 


TURESEEB GRAS Ve Dr EN 
Worts, welche diefelhe haben und hören fönnen ; mit anz 
dern durch innerliche Warnung, durch manchen harten 
Schlag und Blick ing Hertz, durch fein Gefeg in ihr Hertz 
gefchrieben, ob fir ſchon ſolches nicht achten. 


ſchmecket nicht die Krafft der Schrift. 225 


Die Propheten werfen den groffen Kauff⸗Staͤd⸗ 
ten Tpro und Sidon vor, daß jieuber Meer ihr Kauffs 
manns⸗Gut geholet und geſuchet haben; und um das 
ewige Gut haben fie nicht einen Fuß aufgehoben, Eſa. 
23.0.1, 3W.47.0.4..Ejec).27.0.12.13. 

In allen Standen wird die Welt mehr gefucht und Kinder die 
geliebt, denn GOtt. Mancher gelebrter Doctor ſtu⸗ ſer Welt. 
Diver Tag und Pacht, daß cr in der Welt zu Ehren 
fommen möge; aber um der ewigen Ehre und Herr⸗ 
lichkeit willen nimmt er offt nicht der Weile, ein Dater ı 
Unfer zu beten, Mancher befleißiget fi) im Kriege 


Adel und Nitterfchafft zu erlangen; aber mit einer eis 


vn 


nigen Untugend feines Fleiſches will er nicht Exiegen, 
dadurch man den ewigen himmlifchen Adel erlanget. 
Mancherift ein Uberwinder vieler Lander und Voͤlcker, 
und weiß fich felbftnicht zuuberivinden. Wie viel ſind Nechter 
ihr, die das Zeitliche fuchen, und darüber fich felbften SW 
und ihre Seele und Seligkeit verlieren? Lind alle, die 


das thun, haben nicht gekofter das verborgene Manna 


Des Goͤttlichen Worts; denn die überwinden nicht, 
fondern laffen fi) von der Aelt uberwinden: Dean Wer 6Ht. 


wer das Manna ſchmecken will, der muß um GOttes Br 


Liebe willen Die Welt verfehmähen und überwinden. wit, muß 


Wer das thun Fan, der wird den allerfüffeften Troſt des nit IF 
Heiligen Geiſtes empfinden, welchen niemand kennet, fabren Iaf- 
denn der. ihn empfaͤhet. fen. 

Es muß ja euft der Baum des Lebens in ung 
gepflanget werden, füllen wir von feinen Früchten eſſen: 


Es muß ja erft das Hertz von der Welt zu GOtt 
‚gewandt werden, folt Du den bimmlifchen Troſt em⸗ 


pfinden. Du laͤſſeſt Dir der Welt Troft eine groffe Rechter 


Freude feyn, und denckeft nicht, daß GOtles Troſt Zuof und 


mehr erfreuen Fan, denn die ganse Abel. Was Weisheit 
GHtt thut, iſt allegeit edler, als das die Creaturen Klein aus 


thun. Die Lehre, fo von oben herab koͤmmt, durch 


das Einfprechen des Heil, Geiſtes, * ift viel edler, denn 
1. Theil. P die 


——— 
"Er verſtehet die Wuͤrckung des Heil, Geiftes, fo in und durch 
das 


226 B.LE.36. Wer in Chrifto nicht leber, 
die vom Menfchen Derftand Durch groffe Arbeit ers 
lernet wird. Ein Apffel und Lilie, fo die Natur 
Welt-Zrop machet, ift viel edler und beffer, Denn die ein Kuͤnſtler 
Betug Yon lauterm Golde machet: Alfo der alierkleineite 
Anblick und Tuncklein Des Troſtes GOttes iſt edler 
Ei beſſer, denn ein groſſes Meer voll Freude dieſer 
elt. 
Wilt du nun den edlen Troſt GOttes haben, ſo 
muſt du der Welt Troſt und Freude verſchmaͤhen. 
Wilt du mich recht hoͤren, ſo muſt du dein Ohr zu mir 
Wie GOtt wenden; wilt du mich verſtehen, fo muſt du dein Hertz 
ek zu mir wenden: wilt du mich ſehen, fo muſt du Deine 
fehmerter Augen zu mir wenden: Alſo wende zu GOtt dein gan⸗ 
wid. Bes Hertz, alle deine Sinne, fo wirft du ihn fehen, hoͤren 
und verſtehen, fehmecfen und empfinden. Denn fo 
ſtehet Jer. 29.0. 13. fo ibr mich von ganzem Her⸗ 
zen ſuchen werdet, will icdy mich von euch finden 
laflen, fpricht der HErr. 
Falſcher Man ſpricht ietzo: HUF GOtt, wie reich, maͤch⸗ 
Ruhm. tig, weiſe und gelehrt iſt der Mann! Aber wie ſanfft⸗ 
muͤthig, demuͤthig, gedultig, andaͤchtig er ſey, davon 
ſagt man nicht. Alſo ſiehet man ietzo den Menſchen 
nur von auſſen an; aber das Inwendigſte, ſo das 
Beſte und Edelſte iſt, fichet man nicht an. Man 
fpricht ; 





das Wort in dem Hergen gefchiehet, und fihlieffet damit 
nicht aus die Predigt, Betrachtung, Fleiß, fo an Goͤttliches 
Wort engewendet wird. 

Luther. Pfingſt-Pred. Daß der Geiſt GOttes ein ſolcher 
GOtt, der nur ing Hertze ſchreibe, macht es brennen und 
fchafft einen neuen Muth ꝛc. Alfo dag mander Bücher nicht 
weiter bedürffe denn daß man fie darzu brauche, daß mans 
erweiſe, wie es alfo darinnen befihrieben fey,alg der Heilige 
Geift Iehret. Idem Tom.3. fen. GOtt handelt mit uns auf 
zweyerley Weife: Einmalaufferlich das andere mal innerz 
lih. Aeuſſerlich handele er mit ung durchs mündliche 
ort des Evangelii, und durch die leiblichen Zeichen, als 
da ift die Tauffe und Sacrament: Innerlich handelt er mie 
ung durch den Heiligen Geiſt, Glauben, fams andern Ga⸗ 

- ben, Waren. ‘ 


ſchmecket nicht die Krafft der Schrift. 227 


ſpricht: Diefer Mann hat viel Länder und Städte ges 
ſehen; Ach wer GOtt gefehen hatte! das ware das 
Belle. Man ſagt: Diefer Mann hat Kaͤhſer, Könige, 
Fürften, Herren gehöret und ihnen gedient, Ja wer 
GOtt recht hören Fonte in feinem Hertzen, und ihm recht 
dienen, der hatte wohl gedienet, und etwas gehoͤret. 
Viel fagen aus lauter Welt⸗Liebe: Es iſt ietzo eine ges 
lehrie Welt, eine geſchickte und Eunftreiche zeit, de@dtum 
& eruditum Seculum; und wiſſen nicht, daß die rechte 
Kunſt, Chriſtum lieb haben, welches beffer iſt, 
denn alles wiſſen, gar erloſchen ſamt dem Glauben, 
Epheſ. 3.9. 19. Luc, 18.9.8. und daß wenige ſeyn der 
rechten Sottesgelehrten, Eſa. 5a. v. 13. und derer, die 
von C«riſto das rechte demuͤthige und fanffemite 
thige Leben lernen wollen; Matth. 11. v. 29. Ja 
Die Allerkluͤgſten ſind offt entfremdet von dem Leben, 
das aus GOtt iſt, und haben noch nie gelernet, daß in 
Chriito ein rechtſchaffen Weſen ſey: Epheſ. 4. 
d.18. 21. Sie meynen, es ſey alles an dem Wort⸗ 
Künftlen gelegen, da dad) Die rechte Erudieion und Ges 
ſchicklichkeit nicht ſtehet in Worten, fondern in rebus, 
in der That und in der rechtfihaffenen ewigen Weis⸗ 
heit, Davon in dem Tractat de antiqua Philofophia 
weiter, Wenn man aber fagter Es ware ietzo ein 
impium Seculum, eine gottlofe Welt, Das ware der 
Wahrheit und GOttes Wort ähnlichen 
Man ſagt: Diefer Dann bat einen ftattlichen Verkehtte 
Tiſch und Küche, ad wen GOttes Wort woͤhl Mk 
ſchmecket, der Das verborgene Manna Foftet, das ewig⸗ 
wabrende lebendige Himmel⸗Brod, Joh. 6.0.35. der 
Hi einen berrlichen Tifch, den GOtt bereitet hat; 
2940, 5; 
Wem GDtt und fein Wort wohl ſchmecket, dem 
mag Nichts ubel ſchmecken; und wen GOtt und fein 
Wort nicht wohl ſchmecken, was mag der für Freude 
haben? GOtt felbften iſt die Freude, die alle erſchaffene SO aba 
Freude übertrifft, Cr iſt das ewige Licht, das alle krenany 
erichaffene Lichtey übertrifft: Der wolle mit feinem Lihi. 
V 2 verbor⸗ 


228 B.l. C. 36. Wer in Chrifto nicht leber, 
verborgenen Freuden⸗Schein unfere Hertzen durchdrin⸗ 
gen, unſern Seilt und alle Kräffte reinigen, erleuchten, 
erfreuen, verklären und Iebendig machen. Wenn 
eifiger Wird diefelbe Stunde kommen, da uns GOtt mit ſeiner 
un. Gegenwart, und mit allem was erift, erfättigen wird ? 
Eſa.55. v. 1. 

So lange ſolches nun nicht geſchicht, wird in uns 
keine vollkommene Freude. Muͤſſen derowegen mit den 
Broſaͤmlein ſeines Troſtes vorlieb nehmen, die von 
unſers XErrn Tiſche fallen, bis daß die rechte Freude 
des ewigen Lebensangehet: Matth. 15.0. 27. 


Siehe, ich ſtehe vor der Thür, fpricht der HErr, 
Offenb. 3. verſ. 20. und klopffe an: Wer meine 
Stimme bören wird, und mir aufthun, zu dem 
will ich eingeben, und das Abendmahl mit ihm 
balten, und er mit mir. Hore, lieber Menfch, es 
koͤmmt dir ein edler Gaſt; wilt du ihn laffen drauffen 
ſtehen? Es ifteine grofe Schande, einen } Steund lange 
lafien drauffen ſtehen, und vor der Thuͤr warten: 
Groͤſſere Schande iſt eg, deinen GOtt laſſen drauſſen 
ſtehen, der dein Sat will werden. Du darffſt ihn nicht 
fpeifen, ex fpeifet dich; du ſolt mit ihm fein Himmels 
Brod und verbargenes Manna fen. Bringt nicht ein 
groffer Herr feine Küche mit, wenn er zu einen armen 
Freunden einkehret? 


Det Der HErr fpricht: Hoͤre meine Stimme, und 
er thue mir auf. Aber wie in einem Haufe, da ein 
GHtc cin, Welt⸗Getuͤmmel it, Feine liebliche Muſie Ean gehoͤ⸗ 
geben. ret werden: Alſo kan GOtt in einem weltlichen Herz 





gen nicht gehöret werden, Denn es wird GOtt nicht 


aufgethan, laßt ihn auch nicht ein, darum Fan ein folch 

irdifch Here das himmliſche Manna nicht ſchmecken. 
In einem Wenn das Getuͤmmel der Welt im Hertzen ftill wird, 
in Her ſo kommt GOtt, und Elopffet an, und laͤſſet fich hören; 
man mit ſo kanſt du fügen mit dem ‘Propheten Samuel: 
GA ie Rede, Ar, denn dein Bnecht hoͤret: 1. Sam. 


ELTERN, den, 10, 


Die 


ſchmecket niche die Arafft der Schrift. 229 


Die Epiftel an die Hebraͤer am 6. v. 4. redet auch 
von dieſem inwendigen, geiftlichen und himmiifhen | / 
Abendmahl, * und fpricht: Daß die, ſo erieuchtet tät 
ſeyn, und theilbafftig worden des Hetligen Gei⸗ Erleuch⸗ 
ſtes/ die haben geſchmecket die himmliſchen Ga⸗lung. 
ben, das gütige Wort GOttes, und die Aröffte 
dr zuküͤnfftigen Welt. Da hören wir, wo der 
Heilige Gert im Menſchen it, 1:10 nicht verhindert 
wird, jo fpeiferer taglich die Seele mit den verborgenen 
Manna des gütigen lebendigen Worts GOttes, fo aus 
GOttes Munde gehet, von weichem wir leben. SE 


Diefes hat der Königliche Prophet David durd) 
den Heiligen Get auch in feinem Hertzen und in feiz 
ner Seele empfunden, alser im 16. Pſ. v. 1x. fpricht: * 
Por dir iſt Sreude die Fuͤlle, und lieblich Wefen Dttes - 
zu deiner Rechten ewiglich, Und im 34. Pſ. v. 9. Baar 
Schmecket und feber, wie freundlich der aKrr iff, Speife und 
. wohl allen, die auf ihn frauen. Pſalm 23. v. 5. [illeier 

Du bereiteſt vor mir einenTifch gegen meine Sein . 
de, du falbeft mein Haͤupt mit Öele, und ſchenckeſt 
mir voll ein. Pſ. 63. v. 4. Deine Güte iſt beſſer 
denn Keben, meine Lippen preifen dich. Und im 
36.1.0. 8. Wie theuer iſt deine Güte, GOtt, 
Daß Mienfehen-Rinder unter dem Schatten dei: 
er $lügel trauen! Die werden truncken von den 
reichen Gütern deines Hauſes, und du traͤnckeſt fie 
mit Wolluſt als mit einem Strom: Denn bey dir 
ifE die lebendige Öuelle, und in, deinem Kicht 

| P3 ſehen 


® Es iſt dieſes keine fonderbare Art einer Nieſſung, die weder 
die ſacramentirliche noch geiſtliche waͤre, ſondern dasjenige 
geiſtliche Mahl, in deme der Glaube ſelbſt einer Seelen, fo 
ſich der weltlichen Lüfte entfchläget, an der Goöttlichen Mas 
jeftät fich lieblich ergsget, und CHrifti Verdienſts geneuft. 
Daß g:iftliche Abendmahl ift nichts anders als das ler 
bendige Wort GOttes oder die himmliſche Krafft, Leben, 
Troſt und Wuͤrckung des heiligen Evangelii, weiche allein 
die Glaͤubigen im Hertzen aus GOttes Wort, der heiligen 
Schrift, ſchmecken und empfinden. Faren. 








230 BI.E.36. Wer in Chriſto nicht lebet, 


ſehen wir das Licht. Und im 70. Palm, verf. 6. 

Freuen und frölich muͤſſen feyn, die nach dir fra- 

gen, und die dein Heyl lieben, muͤſſen immer ſa⸗ 

gen: Hochgelobet ſey GOTT. Ich aber bin 

elend und arm, BOTT eile zu mir, denn du biſt 

mein Helffer und Krretter, mein GOTT, vers 

/ zeuch nicht. Da zugleidy befchrieben if, was das 

fuͤr Leute ſeyn, die da innerlich mit dem guͤtigen Wort 

GoOttes geſpeiſet werden: Nemlich, die im Geiſt und 

Seele arm und elend ſind, und nur an GOttes Troſt 

Get, hun bangen, Die find wuͤrdig zu ſchmecken Die himmliſchen 

un RB davon Der gange 84. Pſalm redet: Wie 

fhurdet lieblich find deine Mohnungen ZERR Zebaorh! 

m Mein Leib und Seel freier ſich in dem leben- 

Spelſe. digen GOTT, ꝛc. Daher lehret ung Der liebe Das 

' vid, daß Die geringfte Sieblichkeit des ewigen Lebens 

uͤbertreffe die groͤſte Freude dieſer Welt: alſo, daß 

dort ein Tag beſſer ſey, denn hier tauſend Jahre. Und 

wer das einmal recht geſchmecket hat, deme iſt darge⸗ 

gen alles bitter, was in der Welt iſt, der wird der Welt 

müde und uͤberdri fig; denn er hat etwas beffers und 
liebtichers empfunden. 

Daher die ewige Weisheit im Buch Eyrad) am 
24.0.27.28. jpricht: Ich bin viel füffer denn Honig 

und Honigſeim: Wer vor mir ijjer, den hun⸗ 
gert immer nach mir, ꝛc. 
Erele Fan Das ift ein heiliger Hunger und Durſt, welchen 
nibe fit Feine Creatur füttigen kan, denn GOtt felbften mit jeiner 
Sort. Liebe. Und fowerden die Heiligen GOttes in der Liebe 
GOttes truncken; davon das Hohe Lied Salomonis 
ſpricht: &. 5.0. 1. Effet, meine Lieben, und trincket, 
meine Freunde, und werdet truncken. 

Das laͤſt nun GOTT feinen Seliebten wieder 
fahren, aufdaß er diefelben zu ihm ziehen möge, damit 
fie das Irdiſche vergeffen. Geſchicht aber das in 

Viſd des Diefem Leben, da wir ein Elein Broſamlein des verbor⸗ 
ne genen Manna eſſen, und ein Eleines Troͤpfflein des 
Himmliſchen Weinſtocks koſten; was wird denn at 

g e⸗ 





ſchmecket nicht die Krafft der Schrift. 231 


gefehehen im ewigen Leben, da wir den Brunnen ſelbſt 
haben werden? A 

Da der HErr am Creutze ſpricht: Mich duͤrſtet! Iob. 17. 
Da hat ihn darnach geduͤrſtet, daß er in uns einen heilige: Chri— 
gen, geiſtlichen himmliſchen Durſt erweckte und fuͤnde. fi Durk 
Denn gleichtvie er ſelbſten unſern geiſtlichen Hunger 
und Durst fattiget und loͤſchet; Alſo find wir diejenigen, 
fo feinen Hunger und Durſt füttigen. Denn ihn hun⸗ 
gert und duͤrſtet ſehrer nach) uns, als uns nach ihm, wie 
Sanct Johannes am 4.0. 34. ſpricht: Meine Speife 
ift, daß ich GOttes Willen thue. GOttes Wille 
‚aber ift die Geligkeit der Menfchen. Und wenn uns 
fo fehr nad) ihm Dürftete, als ihn nach ung, fd würde er 
uns mit feinem Geiſt fo mildiglich und füßiglich trancken, 
daß von unferm Leibe Ströme des lebendigen 
Waſſers flöffen, %05.7.0.38. das ift, es wuͤrde 
les an uns geiftlich, holdfelig, lieblich und troͤſtlich ſeyn: 
Ja er würde uns mit einem groffen Strom feiner Guͤ⸗ Frucht des 
tigkeit tlüncken, daß unfer Leib und Seele und alle Guns 
Kraffte fih in GOtt erfreueten, als ergoͤſſe fich in un⸗ 
ferer Seelen ein groffer WBaffer-Steom bimmiifcher 
Sreude. Denn e8 ift nichts fO groß als des Men 
fchen Seele in ihrer Freudigkeit und Freyheit, welche 
GOtt, Himmel und Erde begreiffet. Es ift nichts Seele des 
fo Elein, als des Menſchen Seele in ihrer Niedrig⸗ eher 
keit und Demuth, wenn fie fih vor GOTT unter Hein. 
alle Ereaturen demuͤthiget. 


‚Gebet. 


2 bande dir, barmhertziger GOtt und Vater, in Chriſto 
VDEſu unſerm HErrn, daß du mir haſt gegeben dein Wort, Bf. 1ıy: 
als einkicht auf meinem Wege, den ich zur Emigfeit wandeln d. 105. 
fol; Wenn du nicht durch daffelbe meine Finfterniß licht mache; Pſ. is 
teft, fo bliebe ich in Finfterniß und Schatten des Todes, Du laͤſ gr... 
fefidurch dieſes Wort deine Gläubige wiſſen die heimliche Weier gr * v.8- 
heit,und lehreſt fie dadurch die Wahrheit, dDiederWelt verborgen Bu) der 
ift und bleibet. Weil aber die himlifche Weisheit nicht komt inzine Wersb. *. 
boshafftige Seele, fintemaldeine Geheimniß nur find unter dei %- + 
nen Freunden, die deinen Namen fürchten ; fo heilige du mich AB * 
durch und durch, und mein Geiſt gene famt der Seelen und ir * 

4 muͤſſe 


232 B.1.E.37.MerCäriftsimLeben nicht folger, 
Jeh. i5. muͤſſe behaltenmwerden unfträflich auf die Zukunfft unſers HErrn 


Cheff i JEſu Chriſti. Gieb mir den Glauben, der inmir die Welt übers 
PR ha Kan ig 88* Hertzen tilge, ein Verlangen 
. Joh.5. Nachdem Ewigen in mir erwecke, und mit dir feſt verbinde. Oeff⸗ 
ung. ne mein Her, daß es dein Wortrecht annehme, und es empfin⸗ 
Nm. 1. de, zu ſeyn Göttliche Kraft und Göttliche Weisheit. Heile die 
1.Gar. nr, Franckheit meiner Geelen/ welche leider in mir erwecket einen 
v.24. Edelan deinem Wort, und ſtaͤrcke mich, daß ich genefe, fo will 
Pal. ırg. ich ſtets meine Luft Haben an deinen Rechten.Laß mich ſchmecken 
8.17. deine Sußigkeit im Hertzen, und dürften ſtets nach dir! Amen, 





Das XXXVIL Capitel. 


Here Hrifto mit Glauben, heiligem Le⸗ 
ben und fletiger Buffe nicht folget, der fan 
von der Blindheit feines Hertzens nicht erlöfet werden, 
fondern muß Inder ewigen Sinfterniß bleiben: Fan aud) 
CHriſtum nicht recht erfennen,noch Gemeinſchafft 
und Theil an ihm haben. 


1. Joh. 1.9. 5.6.7. GOtt iſt ein Lichf) und in 
ihm ift Beine Sinfterniß.- So wir fagen, daß 
wir Gemeinſchafft mit ihm haben, und wan⸗ 
deln im Sinfterniß, [6 lügen wir, und thun 
nicht die Wabrbeit: So wir aber in dem - 
Licht wandeln, wie er im Licht ift, ſo haben 
wir Bemeinfehafft untereinander. | 


; Ve) “che und Sinfkermiß recht zu verftehen, müffen 

| wir Achtung haben auf die Definition und Bes 
ſchreibung Des Lichts. 

Was GOtt GOTT ff ein Licht, fpricht St. Fohannes, - 

if. Was ift aber GOtt? EHOtt ift ein geiftlich, ewig, un⸗ 

endlich Weſen, allmachtig, barmhertzig, gnadig ge 

“recht, heilig, wahrhaftig, allein weile, unausfprechliz 

cher Liebe und Treue: GOtt Vater, Sohn und Hei⸗ 

liger Geift, einig im Weſen, dreyfaltig in Perfonen, 

und it das hoͤchſte Gut, und iſt alles Gut wefentlich, und 

das iſt das rechte ewige Licht. Derohalben, wer ſich 

von GOtt, von ſeiner Liebe, Barmhertzigkeit, Gerech⸗ 

tigkeit, Wahrheit abwendet, der wendet ſich von eine 





































































































Wert fol gel 
ichel das Licht. 





TEN 























* 


Das Erſte Buch, Cap. XXXVN. pag. 232 
Hier iſt zu ſehen ein alter Adler, welcher mit ein paar Jun⸗ 


gen auf feinem Ruͤcken in die Höhenach der Gonnen-Licht zus 


fleucht, damit fie auch mögen lernen gerade indie Sonne fehen: 
Hiemit wird abgebildet daß alle diejenigen Chriſten welche 
dem himmliſchen Adler CHrifto JEfn auf dem engen kreuhzes⸗ 
Wege fein nachfolgen, ie länger ie mehr zum Licht fommen und 


es fehen. t 
Joh. 8 verſ. — 
Wer Cariſto nachfolget, wird nicht im Linſtern 
wre „ſondern das Licht des Kebens 
aben. 


J We CHriſto folget nach 
Und geht hindurch durch Freud * Leid, durch Ehr und 
Schmach, 

Der wird bis zudem Licht durch alle Duͤffte dringen, 
5 Des Lichtes Kinder find nur di, 
Die Wolcken an, nicht fonder Schweiß und Muͤh, 

Ohn Unterlag die muntern Slügelfchwingen. 
Ein Baſtart bleibt in feinem Laſter⸗Neſt 
Und auf deu weichen Wolluſt⸗ Polftern liegen, 
Die ihm das Fleiſch fo wohl gefallen. daft, 
Und ſcheut fich aufgufliegen. 
Sa, wenn er gleich bisweilen fich erhebt, 
Erſchrickt ar doch und zittert, 
So bald ein kleines rauhes Luͤfftgen weht, 
Und ſich auch nur von ferne wittert. 
Drauf kehrt er eilends um, Und ſchlaͤfft in ſichrer Ruh, 
Bis ihm im letzten Nu 
Die Finfternig, die er fo fehr geliebet, 
Mit Ketten ewger Anoſt umglebe, 
O wiſch den Todes⸗Schlaf doch aus den Augen, 
Laß doch der Thränen feharffe Raugen, 
Du fichre Ehriftenheit, dir ſaubern das Geficht! 
Aufs, auf! und elle zu dem Licht, 
Wie dir dein Heyland vorgegangen, 
So wird GDtt dich, und ce wirt GOtt erlangen, 


bleibet im Finſterniß. 233 


Licht ab, und fället in die Finfterniß; denn ohne GOtt Bas !iet 
ift eitel und ewige Finfterniß. Im Gegentheil, iffkernis fev. 
GOtt ein Licht, fo muß der Teufel Finferniß feyn; 
und iſt GOtt die Liebe, fo ift der Teufel eitel grimmiger 

Zorn, Feindſchafft, Haß und Neid, Sünde und Laſter. 
er ſich nun zur Sünde wendet, der wendet ſich zur 
Finfterniß und zum Teufel, und Fan nicht davon er⸗ 

föfet werden, bis er fich abEehret von der Finſterniß zum 

Licht, von Sünden zur Gerechtigkeit, von den Laſtern 

zur Qugend, von dem Teufel zu GOtt: Apoſt. Geſch. 
26.90.18. Das ift nun des wahren lebendigen Glau⸗ 

bens Werck, daß er das Hertz reiniger: Apoftel 

Geh. 15. ver. 9. Denn wer an Chriſtum glauz 

bet, thut taͤglich Buffe, und wendet fich von Sünden, 

das ift, von dem Teufel zu CHriſto; denn gleichwie Bekeb⸗ 
ſich Adam durch Die Sünde von GOtt abwandte zum kuus 
Teufel: Alfo muß man durch wahre Buſſe und Abs . 
laffung von Sünden ſich von dem Teufel abwen⸗ 

den zu dem lieben GDtt. N BE 

Daraus folget nun, daß der Menfch ohne Bekehrr. Argus 

rung von Sünden zu GOtt nicht Ean erleuchtet wer⸗ ment. 
den; denn was bat das Kicht für Bemeinfebafft 
mit der Sinfterniß? 2. Cor. 6. v. 14. Unbußfertigkeit 
ift Sinfterniß, darum hat das Kicht des wahren Erkaͤnnt⸗ 
niſſes CHriſti mit dDerfelben Feine Gemeinfchafft. Iſt 
demnach unmöglich, daß Diejenigen mit dem Geift und 
Licht der ewigen Wahrheit Fönnen erleuchtet werden, 
die in der Finfterniß der Unbußfertigkeit leben. Dar⸗ 
um auch Gt. Paulus von den Juden fpricht, 2. Cor. 
3. verſ. 16. Wenn fie fihb zum HErrn bekebrten, 
fo würde die Decke weggerban: das ilt, die Fin⸗ 
ſrniß, Blindheit und Unverftand, und würden in 
ChHriſto erleuchtet. 

Die gröffefte Blindheit und Finfterniß des Blindheit 
menfchlichen Hergens ifE der Unglaube mit feinen A 
Früchten, als Hoffart, Geis, fleiſchliſche Lüfte, Zorn, ve." 
Aber Damit befeffen ift, der kan EHriftum das wahre 
Licht nicht erkennen, vielweniger recht an ihn glauben, 

5 ihm 


234 B.1.C.37. Derlärifto im Leben nicht folget, 


ihm vertrauen, und durch ihn felig werden; dent wie 

2. Argus kan doch der das demüthige Hertz E-Hrifti erkennen, der 
ment voll ftinckender Hoffart iſt? Wie Fan doch der das 
ſanfftmuͤthige Ders EHrifti erkennen, der voll Grim⸗ 

mes, Zorns und Neids ift? Wie kan doch der die hohe 

Gedult EHrift erkennen, Der voll Rachgier und Unge⸗ 
ſtuͤmmigkeit ift? Wer die Sanfftmuth, Demuth und 

Gedult EHrifti nicht Eennet, der hat CHriſtum nod) 

en nicht recht im Glauben erkannt. Wilt du EHriftum 
nen vecht erkennen, fo muft du durch den Glauben ein folch 
Hertz haben, wie er hat: Du muft feine Sanfftmuth, 
Demuth, Gedult in deinen Hertzen ſchmecken, alsdenn 

weift du, wer CHriftus iſt. Wilt du eine gute Frucht 

und Krautlein erkennen, Eofte es, und ſchmecke es, fo 

weift du es: Alſo CHriſtum auch den Baum des Le 

‚bens. Schmeckeft du und koſteſt im Glauben feine 
ae ns Demuth, Sanfftinuth, Gedult, fo iſſeſt du ven feiner 
Frucht, fo wirſt du Ruhe finden für deine Seele, und 

wirft faͤhig des Goͤttlichen Troftes, der Göttlichen 
Gnade; fonft ift Feine Ruhe der Seelen zu finden, 

Denn GOttes Gnade und Zroft Fannicht einleuchten 

in ein glaublofes Herk, darinn CHriſti Sanfftmuth 

und Demuth nicht iftz denn den Demüthigen giebe, 

er Gnade; 1. Petr. 5. v. 5. 

3. Argus Nas ift dem Menfchen Cehriſtus nuͤtze, der Eeine 
me. Gemeinſchafft mit ihm haben will? Nun haben aber 
die, fo im Finfterniß der Stunde leben, Eeine Gemein: 

ſchafft mir dem Licht, welches iſt CHriſtus: darum ift 

er ihnen nichts nuͤtze. Denn alſo ſpricht St. Johannes 

im ermeldten Spruch: Zo wir ſagen, daß wir Ge⸗ 
meinſchafft mit ihm haben, und wandeln im Fin⸗ 

ſterniß, ſo luͤgen wir, und thun nicht die Waͤhr⸗ 
beit; So wir aber im Licht wandeln, wie er m. 
Licht ift, fo haben wir Gemeinſchafft mie ihm, ' 
1. Joh. r. v. 6.7. Das erklaͤret er ferner im folgenden 
ey Cap. am 2.0.8. ftqg. Die Finſterniß iſt vergangen, 
—R und das wahre Licht ſcheinet ietzund. Wer da ſa⸗ 
get, er ſey im Licht, und haſſet ſeinen Bruder, d 





bleiber im Linſterniß. 23% 


ift noch in der Sinfterniß. Wer aber feinen Bru⸗ 
der licbet, der bleibet in dem Kicht, und iſt Eein 
Aergerniß bey ihme. Wer aber feinen Bruder 
haſſet, der ift in der Sinfterniß, und wandelt im 
Finſterniß, und weiß nicht, wo er bingebet, denn 
die Sinfterniß bar feine Augen verblender. 

So lange nun cin Menſch bleibet in ſolchen Stunden, 
als in der ſchrecklichen Finſterniß, ſo lange kan er nicht 
von CHriſto dem wahren Licht, erleuchtet werden, und ei 
zum rechten Erkaͤnntniß GOttes kommen; denn wenn 
man GOtt und EHriftum recht erkennen will, fo 
muß man wiſſen, daß GOtt eitel Gnade und Liebe ift: 

Es fan aber niemand wiſſen, was Liebe fey, Denn wer fie 
felbft hat und thut. Und alfo geber die Erkaͤnntniß 5* 
eines leglichen Dinges aus der Erfahrung, aus Der Erfahruns. 
That und Einpfindung, aus den Wercken der Wahr⸗ 

beit, Wer nun die Liebe nicht übet, der weiß nicht, 
was Liebe ift, ob er gleich viel Davon redet.  CHriftus 4, Araw 
ift eitel Liebe, Demuth, Sanfftmuth Gedult und eitel 
Tugend: Aber nun diefelbe nicht über, der weiß nicht 

wer Cehriſtus ift, und Eannet ihn nicht recht, da ex gleich 

viel von ihm vedet, und feinen Namen trägt. GOt⸗ 

tes Wort iſt eitel Geiſt; wer nun nicht im Geiſt lebet — 
und wandelt, der weiß nicht, was GOttes Wort iſt, ob Tugend if, 
er gleich viel davon redet. Wer kan wiſſen, was Liebe Lone der die 
ift, der nie Feine Liebe geuͤbet hat? Denn wiſſen und nen» 
kennen gehet aus der Erfahrung. Wie Fan einer wif 

fen, was das Kicht iſt, der fein Lebtag im finſtern Thurm 

geferfen ift, und das Licht nie gefeben hat? Nun ifteben 

der Glaube und die Ehrifiliche Liebe im Menfchen das 
Licht, wie der HErr ſpricht: Matth. 5. verl. 16. Lafz Tugend 
fer euer Licht leuchten vor den Menſchen, auf Es 
daß fie eure gute Wercke feben, und euren Da= 

tern Himmel preiſen. 

Wenn wir nun das heilige Keben CHriſti be Die nike 
trachten, ſo ifE es eitel Liebe. Lernen wir nun von Ir Chrife 
ihr pin wahrem Glauben feine Liebe, Demuth, Sanfftz teven nicht 
much, Gedult, wie er was befohlen hat, je fo werden Im Licht— 

wir 


8 
236 B.I. C.37.Wer CSriſto im Leben nicht folger, 


# horse wir in fein Bild verklärer und erleuchtet mit dieſem 
“ Licht, ale mit CHriſto felbit, welcher ift das wahrhaff⸗ 
ve ewige Licht, wie St, Paulus fpricht: Epb. 5.9. 14. 
Wache auf, der du fehläfeft, verfiehe, in Sünden ' 
und Wolluſt des Fleifches, [O wird dich Chriſtus 
erleuchten. IE 
Derohalben, die nicht aufiwachen vom Sünden: 
Schlaf diefer Welt, Augen⸗Luſt, Fleiſches⸗Luſt, hof 
faͤrtigem Leben, die koͤnnen von CHriſto nicht erleuch⸗ 
tet werden. | 
ee, eromegen iſt derſelbe erleuchtet, der das edle 
CHrife im „eben CHriſti an fih nimmt, und demfelben folget im 
£even fol: Glauben; * und wer CHriſto im Leben nicht folget, der 
anhren liebet die Finſterniß mehr denn das Licht, darum Fan 
| er auch nicht erleuchtet werden, wie er fpricht: Joh. 8. - 
v. 12. Ich bin das Licht der Welt, wer. mir nach- 
folget, verftehe im Glauben, Liebe, Hoffnung, Ge 
dult, Sanffimuth, Demuth, Gottesfurcht, Gebet, ze. 
Run „der wird nicht wandeln im Sinfternig, fondern 
merden a, wird Das Kicht des Lebens haben. Derohalben 
— ſo haben die wahren Nachfolger EHrifti allein das 
euchtet. Sicht des Lebens, Das. iſt, Die wahre Erleuchtung und 
"Licht des Erkaͤnntniß JFESU Cchriſti. Und wegen 
des. Chriftlichen Glaubens und Lebens, nennet Sanct 
Paulus die Gläubigen ein Licht, wie er zum Epheſ. 
aͤm 5. v. 8. fpricht: br waret wepland Sinfterniß, 
nun aber feyd ihr ein Kicht in den JErrn. Das 
bat, St. Paulus von den Glauben und andern Ehrift- 
lichen Tuͤgenden verftanden. Ingleichen 1. Theſſ. 5. 
8 98 Ihr ſeyd Binder des Lichts, und Rinder 
des Tages, angethan mit dem Brebs des Glau⸗ 
bens und der Liebe, und mit dem Selm der Hoff⸗ 
nung zur. Seligkeit. 
—J— Weish. 


—— 
Wir ſollen CHriſto im Glauben folgen nicht gleich, ob hätte 
CGriſtus einen dem unſrigen ähnlichen Glauben axyabt, 
darnach wir den unſrigen richten muͤſten ſondern daß der 
Glaube ung als eine Fockel vorleuchten fol, um dem HErrn 

in deſſen Licht nachzufolgen. 





bleibet im Sinfte rniß. 237 


Weish. Sal. 1.0. 5. C. 7. v. 27. Der Heil. Geiſt 
fleucht die Ruchloſen; fuͤr und fuͤr aber giebt er ſich 
in die heiligen Seelen, und machet Propheten 
und GOttes Freunde. So er nun die Gottloſen 
fleucht, wie koͤnnen ſie erleuchtet werden? Ja der HErr 
fpricht Zub. 14. v. 17. Die Welt kan den Heiligen 
Geiſt nicht empfangen; Das iſt, fleiſchliche unbuß⸗ 
fertige Leute. 

Damit aber die Menſchen ein vollfommen Exempel 6; Argu⸗ 

hatten aller Tugenden, fo iſt GOttes Sohn Menfch Slaube an 
worden, und mit feinem heiligen tugendhafften Leben EPrikum 
ein Kicht der Welt worden, daß ihm alle Menfchen er 
folgen follen, und an ihn glauben,auf daß fie erleuchtet 
wuͤrden. “Die Heyden, welche die Tugend fo lieb ge⸗ Hepden bar 
habt, befehimen die Chriften, weil ſie wiſſen, daß CHri⸗ benpaer” 
ſtus eitel vollkommene Tugend ift, und folgen ihm doc) gebabr. 
nicht im Keben. Denn Place, Ariftoteles, Cicero, 5e- 
neca, Die weileften Heyden, haben gefagt: Wenn man 
die Tugend feben koͤnte, wiirde fie beller leuchten 
denn der Morgenftern. : Die aber CHriſtum gefe- 
ben haben im Glauben, die haben diefen fehönen Mor⸗ 
genftern gefehen, ja das Wort des Lebens felbft, 
und babens mit ihren Haͤnden getafket, Joh. 1.0.1. 
Haben aber die Heyden die Tugend lied gehabt, und 
Diefelbe begehret zu fehen; wie vielmehr follen Chriſten 
diefelbe lieb haben! Denn CHriftus ift eitel Tugend, 
eitel Liebe und Sanfftmuth, ja GOtt felbft. 

Criſtum lieb haben, fpricht St. Daulus Eph. 3,7. Argu⸗ 
very. iſt beſſer, denn alles wiſſen: Wer ihn nun MER. 
lieb hat, der hat auch ſeine Demuth und Sanfftmuth Im 
lieb, und nimmt Diefelbe gern an fich aus Liebe gegen I fie De; 
EHriftum, da wird er denn erleuchtet und. täglich ver- — * 
klaͤret in das Bid EHrijti: 2. Cor. 3.0.18. Dende 

muͤthigen giebt GOtt Gnade, ſpricht St. Petrus 
i. Ep. am 5. v. 5. Daher St. Bernhardus ſpricht: 
Flumina gratiæ deorſum, non ſurſum fluunt. Die Stroͤ⸗ 
me der Gnaden flieſſen unter ſich, nicht uͤber ſich. 
Wie ſolte denn Die Gnade des Lichts und Erkaͤnntniß Licht und 
| Ari GOttes Gnade 


238 B.LE.37. WerChriſto im Ceben nicht folger, 


tommt GoOttes zu den Menfchen kommen, die nicht in dem hei⸗ 
Han ligen Leben CHriſti wandeln, fondern in den Wegen 
des Lucifers? Denn Glaube und Glaubens + Fruͤchte 
laffen uns nicht unfruchtbar ſeyn im Erkaͤnntniß 
Criſti: 2. Petr. 1. v. 8. In den Demuͤthigen lebet 
CHriſtus; da ruhet denn über ihnen Der Geiſt der 
Weisheit und des Verſtandes 26 Raths und Er⸗ 
kaͤnntniß, der Krafft und Staͤrcke, und der Furcht 
GOttes, wie uͤber CHriſto ſelbſt. Denn EHritus it 
in einen folchen Menfehen, i in dem fein Keben und Licht 
iſt; denn DIE alles iſt er elbſten. Lind darum ruhen 
Die "Gaben des Heiligen G aftes uͤber einem ſolchen Mens 
ſchen, wie uͤber CHriſto ſelbſt, wie Eſa. 11. v. 2. davon 
geweiſſaget hat. 
8. Argus Darum fpricht St. Petrus Apoſt. Geſch. 2. 0.38. 
Bupfertige Thut Bufle, [6 werdet ihr empfaben die Gabe 
alleine» des Heil, Geiſtes. Derohalben ruhet der Geiſt GOt⸗ 
leuchtet. tes, der die Hertzen erleuchtet, allein über den Bußferti⸗ 
gen und Glaͤubigen. 
9. Argzu· Wer nun von der Blindheit feines Hertzens will er⸗ 
ment · loͤſet fen, und von der ewigen Finſterniß, ja von dem 
| Teufel feibiten, der folge Shrifto nach im Ölauben, in 
Der Chr wahrer Bekehrung und Beſſerung. Je naher CHri⸗ 
fe Piset, ſto, ie naͤher dem ewigen Leben; ie naher dem Unglau⸗ 
ben, ie naher dem Teufel und der Finſterniß , denn diß 
hanget alles an einander, der Glaube, CHri kus und alle 
— Der Unglaube, Teuffel, und alle andere 
uͤnde 
10, Argus Die heiligen Abeſte folgten CHriſto* im Glauben, 
ment. 
verſchmaͤheten die Q belt, verleugneten ſich ſelbſt, ſag⸗ 
ten 
*Wenn wir den Glauben im Hanbefde der Nechrfertigung und 
Seligkeit : anfeben, da er iſt ein bergliches Dertranen auf 
| Chriſti Verdienſt, Heiligkeit und Gerechtigteit, ſo ferne 
können wir CH im Glauben nicht folgen, weil EHriftus 
folchen Glauben auf eines andern Verdienſt zur Rechifer⸗ 
tigung ge, gründet, nicht gehabt, auch nicht nothig gehabt, 
weil er fein Sünder gewefen: Wo wir aber den Glauben 
anſehen, wie er im Creutz und Gebet mit EOtt handelt, 
und ſich hoͤet, da iſt der Glaube nichts anders, denn ein is 
’ 3 l 





bleibet im Sinfkerniß. 239 

ten ab allem, das fie hatten, lebten in Einigkeit, da wourz Die die 
den fie von oben herab erleuchtet, und empfiengen den — 
Heiligen Geiſt: Apoſt. Geſch. 2. v. 1.fegg. Das wolte empfangen 
der reiche Juͤngling Luc. 18.0. 23. nicht thun, darum vn er 
blieb er in der Finſterniß dieſer Welt, und ward nich 
zum ewigen Leben erfeuchtet, Denn wer die Welt lieb 
bat, ri dem iſt die Kiebe des Daters nicht: 1. ol). 
2. verſ. 15. u 

Darum fagt St. Johannes der Evangelift ferner, 
1,69,2.0,ı1. Wer nicht liebet, der bleiber im 
Sinfkerniß, und weiß nicht wo er hingehet, denn 
die Sinfterniß hat feine Augen verblender, , Und Endimeer 
dahin gehet Taulerus in allen feinen Predigten, Daß ohne yunn” 
vechtfehaffene Übung des Glaubens, ohne das Abfter: Tautert, 
ben, Abjagen, Derleugnen fein felbit, ohne Das Ein⸗ 
kehren zu feinem Hergen, ohne dem inwendigen ſtillen 
Sabbath der Seelen, kein Menſch Das Göttliche Licht 
in ihm felbit empfinden moͤge. | 

Summa, fo viel die Wercke der Finfterniß durch em 


den Geiſt GOttes im Menfchen gedämpffet werden, ſo Sid 
viel wird der Menſch erleuchtet, und hinwieder, ic Bekehrung. 
mehr die bofe Natur, Fleiſch und Welt im Menfchen 534 
herrſchen, als Augenluſt, Fleiſchesluſt und hoffaͤrtiges 

Leben, ie mehr Finſterniß im Menſchen, und ie weniger 

Gnade, Licht, Geiſt, GOtt und CHriſtus im Menſchen 

iſt: — kan er ohne wahre Buſſe nicht erleuchtet 

werden. 

Wer einer Sünde nicht ſteuren will, der giebt Ur zu. Argus 
fach zu vielen Suͤnden; dern es kommt immer eine MM 
Suͤnde aus der andern, ja es wachlt eine Glinde aus 
der andern, und wuchert wie das Unkraut. Und 
gleichwie die Finfternig immer wachfet und zunim⸗Je weiter 


met, ie weiter die Sonne himveg läuft: Alſo ie * Aka 
en. er 


lich Vertrauen auf die vaͤterliche Liebe, Huͤlffe, Troſt und 
Errettung aus allem Creutz und Nothen. Und ſo ferne fan 
auch der Glaube Chriſto zugeeignet werden. (Siehe Eſa. 
50.0.7. Pſ.22. v. 2. Hebr. 2.0. 13.) Und ſo ferne ſollen wir 
ihm im Glauben folgen. Farın. 


240 B.1.E.37.MerCärifto im Leben nicht folger, 


———— Be ns 2: 
feinem ges ter das edle Leben E-Hrifti von uns iſt ie meht die Sünde 
— und die Finſterniß in uns waͤchſt, bis ein Menſch in die 
"Licht, und ewige Finſterniß geraͤth. Hinwiederum, wer durch 
ie näberder GOttes Gnade an einer Tugend anfahet, der wächfet 
Si nd nimmt zu in derſelben, denn fie hangen allean ein⸗ 
ander, wie St. Petrus in der 2.Cp.am 1. v. 5. ſeqq. 
eine feine guldene Kerte macht, Da erfpricht: Daß wir 
üben follen den Glauben, und in dem Blauben Tu⸗ 
gend, und in der Tugend Defiheidenbeit, und in 
der Befcheidenbeit Maͤßigkeit, und in der Maͤſ⸗ 
ſigkeit Gedult, und in der Gedult Gottſeligkeit, 
und in der Gottſeligkeit — Liebe, und 
in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. Denn 
Eıkänutniß wo ſolches reichlich bep euch iſt, wirds euch nicht 
ae a ſeyn laſſen in der Krkänneniß IEſu 
Glauben CArifkiz 2. Petr. 1.0.8. das iſt, wer diefe 5 Tugend 
rin. nicht uͤbet, Eennet CHriſtum nicht, wer er ift. Wer in 
der Tugend waͤchſet durch den Glauben, der wächfet in 
EHrifte. Wer zornig, geisig, hoffartig, ungedultig 
iſt, der hat nicht viel in CHriſto sugenommen, jondern 

im Satan. 
SucHrife Wir füllen wachſen zu einem vollkommenen 
zunehmen. Mann; Spbef 4.0.13. Das it, wie ein Kind an der 
Groͤſſe des Leibes ——— Alſo Chriſten im Glauben 
und im tugendhafftigen Leben, bis ſie in CHriſto zu einem 
vollkommenen Mann werden: Wer aber ſolches nicht 
bat, der iſt blind, und tappet mir der Hand, und 
vergiſſet der Reinigung feiner vorigen Sünde, 
2 Petr. 1.0.9. Das iſt: Hriſtus hat mit ſeinem Blut 
und Tod alle unſere Suͤnde binwes senommen und ge⸗ 
Frucht des tilget; aber darum ſollen wir nicht in Suͤnden fortfahren, 
EHrifi in fondern der Tod EHrifti foll in uns fruchtbar feyn, daß 
und, . wirder&tnde abjterben, und in CHriſto leben, fonften 
ift uns die Reinigung und‘ Bezahlung unferer vorigen 
Sünden nichts nuͤtz Ca wir von Stunden abſtehen, 
Buſſe thun und an EHriftum alauden, fofind uns die. 
vorigen Suͤnden alle vergeben und vergeſſen: So wir 


‚Aber von einer Sünde nicht wollen abfteben, ſo behal⸗ 
tn 


bleibet i im Sinfterniß, 241 


ten wir die vorigen alle, und muͤſſen fie alle büffen in der Ein after 
ewigen Verdammniß, und koͤnnen doch in Ewi gkeit nicht oller Laſter. 
bezahlen. Alto, es Fan ein Menſch um des einigen Zorns 

willen verdammt werden, und wenn er denſelbigen lieſſe, 

wuͤrden ihm alle feine Sünden um JEſu Chriſti willen 
vergebens weil er aber daſſelbige nicht thut, fpricht St. 

Petrus, ſo iſt er blind, und vergiffee der Reini- 

gung feiner vorigen Sünde, 2. Pett. 1.0.9. 

DIE iſt nun eine wichtige Lirfach, warum wir urſach der 
Buſſe tyun, und von Sünden ablaffen ſollen; denn Bulle 
obgleih EHriftus für unfere Sünden geftorben, und 

dieſelben alle vollkoͤmmlich bezahlet, ſo werden wir doch 
dieſes Verdienſtes nicht theilhafftig, und iſt uns nichts 
nüße, wenn wir nicht Buſſe thun. Und obgleich ein 

denſch Durch das Verdienſt CHriſti Vergebung aller 
feiner Suͤnde hat, fo ift doch die Vergebung der Sunden 
nicht den Unbußfertigen verheiffen, fondern denen, die 
von Sünden ablaffen; und die Sünden, die man nicht Dıide 
laffen will, und zulaffen gedencket, die werden auch nicht ale | 
vergeben, fondern die allein, dariiber man hergliche Neu werden. 
und Feid trägt. Da heiſts: Den Armen wird das 
Evangelium geprediget; Matt. ıı.d.s. das iſt, 
Vergebung der Suͤnden. Als zum Exempel: Es 
haͤtte einer viel Jahr hero im Geitz und Wucher ge⸗ 

lebet/ wie Zachaͤus, in Unzucht. wie Maria Magdalena, 
in Zorn und Rachgier, wie Efau: er hatte aber gehös 
ret, er muͤſte von denſelben Suͤnden ablaſſen, oder der 
Tod und das Blut Chriſti wuͤrde ihm nichts nuͤtze ſeyn, 
und kaͤme denn und ſpraͤche: Ach GOtt, es reuet mich! 
und lieſſe ab, baͤte GOtt um Gnade, und glaͤubete an 
CHriſtum, fo werden ihm alle dieſe vorige Suͤnden ver⸗ 
zlehen und vergeben aus lauter Snaden, ohne Ders 
dienft, und am des heiligen Bluts und Todes CHriſti 
willen, der dafuͤr ift geſchehen. Wer aber nicht gez Ohne Beh 
dencket von feinem Geis, Zorn, Aucher, Unzucht, Kanne per 
Hoffart, ꝛc. abzufaffen, und will gleichwol Vergebung ne Berger 
“ der Sünden huben, der erlandrt je nicht, und muß alle buus. 
feine Sünde ſelbſt in der Hollen büffen, und Fan doc) 

1. Theil, Q in 


242 B.1.C.37. WerCäriftoim&ebennichtfolger, 


in Ewigkeit nicht bezahlen; denn er hat Eeinen wahren 
Glauben, der das Hure reiniget und beffert. Darum 
Bal.s.v.ar. St. Paulus Far und deutlich fpricht: Die fölches 
tbun, werden das Reich GOttes nicht ererben: 
Gal 5.v. 27. Es muß abgelaffen feyn, oder ewig vers 
dammt und verlohren ſeyn. 

Wo der. Iſt nun wahre Bekehrung zu GOtt und der wahre 
en Glaube da, fo iſt auch Vergebung der Sünden und 
Berdient GDttes Gnade da. Iſt GOttes Gnade da, fo ift 
sroreif,da S Hriftus da; Denn, auffer ihm ift Eeine Gnade; Iſt 
ur Selig CHriſtus da, fo iftfein teures Derdienft auchda. Iſt 
Er gehd⸗ fein Verdienſt da, ſo iſt die Bezahlung unferer Sünde 
da. Iſt die Bezahlung fur unfere Sünde da, fo iſt die 
Gerechtigkeit da. Iſt die Gerechtigkeit da, fo iſt Friede 
und einfrolich Gewiſſen da; denn Gerechtigkeit und 
Sriede Eirffen fich mit einander: M.g5.v.ıı. Iſt 
nun ein froͤlich Gewiſſen da, fo iftder Heilige Geift da. 
Iſt der Heilige Geift da, ſo iſ auch Freude da; denn er 
ift ein freudiger Geift. Iſt aber Freude da, fo ift das 
ige Leben auch da; Denn das ewige Leben iſt ewige 

Freude, _ 
Anbußfer Sechet, diefes ift das Licht des ewigen Lebens, derer, 
be fo in CHriſto leben , und in wahrer täglicher Buſſe; die 
gangeXeich ft Der Anfang,.und der Tod EHrifti das Fundament. 
een Und hingegen: Iſt keine Buffe da,fo ift auch Feine Ver⸗ 
Seligkeir. gebung der Suͤnden da. Iſt keine wahre beilfame Reue 
und Leid da, fo iftauch Feine ®nade da. Iſt feine Gnade 
da ſo iſt auch CHriſtus nicht da. Iſt CHriſtus nicht da, 
fo iſt aüch ſein theuer Verdienſt nicht da. Iſt fein theuer 
Verdienſt nicht da, ſo iſt auch keme Bezahlung fuͤr die 
Suͤnde da. Iſt die Bezahlung unſerer Suͤnde nicht da, 
ſo iſt auch keine Gerechtigkeit da. Iſt keine Gerechtigkeit 
da / ſo iſt kein Friede und froͤlich Gewiſſen da. Iſt kein froͤ⸗ 
lich Gewiſſen da, fo iſt ken Troſt da. Iſt kein Troſt da, 
ſo iſt auch der Heilige Geiſt nicht da. Iſt der Heil. Geiſt 
nicht da, fo ift Feine Freude des Hertzens und Gewiſſens 
da. Iſt keine Freude da, ſo iſt das ewige Leben auch nicht 
da, ſondern Tod, Hölle, Verdammniß und ewige Fin⸗ 
ſterniß. Sehet, 


* 


bleibet im Finſterniß. 243 


Sehet, das iſts, wer CHriſto im Leben nicht folget 
durch wahre Buſſe, der kan von der Blindheit ſeines 
Hertzens, ja von der ewigen Finſterniß nicht erloͤſet 


werden, %, 
Gebet, 


HIT, ber du felber das Licht biſt, und wohneſt in einen, gg, r 

herrlichen Licht, ich beflage vor dir die Finfterniß meinesn.’s. 
Hergeng, in welche ich gerathen bin dadurch, daß ich mid) von. Tim. & 
dir dem ewigen Lichte abgermandt habe. Sin diefem meinem 16. 
Elende hat die Gewohnheit der Finfterniß eine Liebe derfelben in Job. 5. 
mir zumege gebracht, daß, wo ich die Finſterniß nicht mehr lie Sog, x, 
be, ale das Licht, doch dag in der Finfterniß fcheinende Fichkwichtd. 5. 
begreiffe. Aug folchem Elende Fanft du allein, O HErr, mir 
helfen ; bey dir ift die Duelle des Lebens, in deinen Kiche fehen Pal. 36, 
wir das Licht: Darum fliche ich zu dir, und bitte, vergieb mirv.zo, 
duch CHriſtum alle Bünde, und wuͤrcke durch den Heil. Geift in 
mir eine bergliche Liebe, Ernft und Streben nach der Nachfolge 
CHrifti meines HEren, Mein HErr JEſu, ich armer belade- Matth.ır, 
ner und mühfeliger Sünder liege für dir, dutrch deine Gnadew 28:29, 
willig dein Joch auf mich zu nehmen; aber du ſteheſt, wie uns 
gefchicft ich varzu bin. Ach laß deine Gnade möglich machen, 
wozu fie mich wikig gemacht! Lehre mich, und fehreibe durch 
beinen Heil. Geift in mein Her& deine Sanffımuth, Demuth, 
Bedult, Liebe, Reinigkeit, und alle Tugenden, darinnen laß mich 
dir ähnlich werden, aufdaß ich durch Ubung deiner Wege eine 
Luſt zu denſelben gewinne. Ach mein Heyland, räume aus 2. Eor.ıö, 
meinem Hertzen alle Sünden, ich begehre herglich ihrer aller. 15- 
log zu feyn: Laß mich nicht ſeyn mie jene, die zwar aus Egy⸗ sc - 
pten geführet, aber twiil ihr Herg nicht rechtfchaffen war, nie; 10.017, 
dergefchlagen wurden in der Wuͤſten. Was hülffe es mir, nichtar, aa. 
ferne zu feyn vom Reiche GOttes, und doch traurig von dir zu 
gehen in die ewige Finfterniß? Darum, mein HErr, reiß alles 
aus, nimm alles hin, was dich und mich willtrennen, und nicht 
gönnen, daßmein Gemüth und Einn in deiner Liebe brennen. 
Und wenn du denn alfo in meiner&eelen herrfcheft,fo treibe auch Epheſ. 5 
ausderfelben ale Sinfterniß, laß mich feyn ein Licht im HErrn, * 8. 
dich, die Welt, und mich felbft mehr und mehr erfennen, im Licht - Job. r, 
wandeln, wie du im Licht bilt, Gemeinfchafft mit bir Haben, und So, 
dein Blut mic rein machen von aller Suͤnde; bigichendlich zu d En 
beinem ewigen Licht gebracht, in dbemfelbigen dich ewig lo⸗ Efa. 4g, 

ben möge, um deines Namens und Anites willen, v6, 
JEſu, du —* der Welt! 
en. 


Q2 Das 


2414 B. I. C. 38.. Unchriſtlich Leben 


Das XXXVIll. Capitel. 


— — — 


Das unchriſtliche Leben iſt eine Urſach 


falſcher verfuͤhriſcher Lehre, Verſtockung 
und Verblendung; und von der ewigen 
Gnaden⸗Wahl. 


Joh. 12. v. 35. Es iſt das Licht noch eine kleine 
Zeit bey euch; wandelt im Licht, dieweil ihr 
das Licht habt, daß euch die Finſterniß nicht 


uͤberfalle. 
Warum Eil CHriſtus und der Glaube mit dem ungoͤtt⸗ 
rings BEN? lichen Leben verleugnet, und faft ausgerottet 
RT yird, was foll uns denn feine Lehre? Denn 


feine Lehre, Wort und Sacrament wird ung 
darum gegeben, Daß wdiefelbe in ein heilig Xeben foli verz 
wandelt werden, und daß aus dem Wort und Sacra⸗ 
ment ein neu⸗gebohrner, heiliger, geiftlicher Menſch wer⸗ 
den ſolle, als eine gute Frucht aus einem edlen Saamen. 
Neuge⸗ Und der heift denn ein Chriſt, der aus dem Geiſt, Wort 
und. Sacrament neugeböhren ift, als aus CHriſto der 
gläubet an an EHriftum glaubet, und in EHrifto lebet; Denn 
ln wie ein Kind ausfeinem Datergebohren wird, alfo ein 
ibm Ehrift aus GOtt und EHrijto durch den Glauben. 
Dieweil wir aber nicht wollen EHrifti Lehre ing 
Leben verwandeln, fondern mit dem Leben darwider 
feyn, wie Eonnen wir denn aus GOtt gebohren feyn, 
und was foll uns denn ſeine Lehre? Was folluns denn 
fein Licht, ſo wir im Sinfterniß wandeln wollen? Dars 
um weichet Das Licht hinweg, und denn muß Finſter⸗ 
niß kommen, falfihe Lehre, Irrthum und Verfuͤhrung. 
Dafuͤr hat uns der HErr gewarnet, da er ſpricht: 
Lieben Bindlein, wandelt im Licht, dieweil ihr 
es habet, daß euch die Finſterniß nicht überfalle; 
das ift, Irrthum, Verfuͤhrung Verſtockung, Finſterni 
zul md Verblendung: Wie ſolche Verſtockung uͤberfal⸗ 
erſto⸗ 2 RS dit? 
tung len hat den Pharaonem, Die Juͤden, den Julianum, pe 
er 


————— 


ward fie ihm nicht. 


Urſach falfiber Eebre. 245 


cher dennoch zuleßt durch ferne Strafe in feinem Ge⸗ 
wiſſen übergeuget ward, daß der gecreutzigte CHriſtus 
noch) febe, und ein wahrer GOtt ſey; Darum fprach er: 
Viciſti tandem, Galilze. Das ift; du haft endlich 
überwunden, du Galilaͤer. Beſſer ware e8 gewefen, 
er hätte gefagt: Milerere! Erbarme dich! Aber dag 
Eonte er nicht fagen, wegen feiner Verſtockung; Er 
hatte EHrifti Gnade verachtet und verleugnet, Darum 


Solche Verſtockung ift die rechte Finfterniß, fo Die Woher 
jenigen endlich uͤberfaͤllt, die in dem Licht nicht wandeln Auen 
wollen, und ift eine vechte Strafe derer, Die die 
Wahrheit laftern, wie Pharao that: Wer iſt der Pharaonis 
Are, deß Stimme ih geborchen muß? Ich 
weiß nichts von dem Errn, 2. B. Mol. 5.0.2." 
Darum mufte er defjelben Gewalt fühlen, und GOtt 


bewieß feine Macht und Staͤrcke an ihm, und ſta⸗ 


tuirete an ihn ein Erempel, machte ihn zum Schau⸗ 
fpiel und Spectackel der gantzen Welt, auf daß man 
erfahren foite, was ein Menfch gegen GOtt vermöge, 


Alſo, da wie Süden nicht hören wolten, fehlug 
fie GOTT mit Blindheit und Derftockung, wie ihnen 


Moſes lange zuvor geweiſſaget hatte, daß es ihnen alfo 


gehen würde: 5. B. Moſ. 28.0.28. und €. 32.0.20, 

Virſt du meiner Stimme nicht geborchen, ſo 
will ich dich mis Blindheit fehlagen, und Rafen 
des Hertzens. Die wird hernach in das Werck gefeßt: 
Efa.6.verf.g Daraus wir fehen, daß ſolche Verfto: ie 
cFung eine gerechte Strafe fen des LUnglaubens, und Aurz aue 
Verachtung GOttes und feiner Wahrheit, wie Sanct Strafe der 
Paulus 2. Theſſ. 2. v. 10. ſo ausdruͤcklich begeuget, da er 0b 
fpricht: Darum daß fie die Kiebe zur Wabrheit tw. 
nicht baben wollen annehmen, daß fie felig wuͤr⸗ 

den, wird ihnen. GOtt Fröfftige Irrthum ſen— 

den, daß ſie den Lügen gläuben, auf daß gerichter 
werden alle, die der Wahrheit nicht gläuben, 
fondern Luft haben zur Ungerechtigkeit. Da 

| 3 . hören 


246 B. A.C. 38. unghriſtlich Leben 


hören wir, aus was Urſachen ſolche Verblendung und 
Verfuͤhrung verhaͤnget werden. 
werden Und zwar, wen GOtt feine angebotene Gnade ent⸗ 
| — zeucht, derift genug gefchlagen, und kan nicht wieder aufs 
zuht, Kommen. Go gieng es dem Pharaoni und Juliano. 
Wen GHDrt fein Kicht entfeucht, der muß wohl im 
Finfterniß bleiben: Er entzeucht aber niemand fein 
Licht, ohne denen, die nicht im Licht wandeln wollen, 
Er entzeucht niemand feine Gnade, ohne denen, fü dies 
felbe von fich ftoffen. 
Urſach dr Daber freylich Sänet Paulus zum Rom. am 9. 
ne v. 28. fpeicht: Er erbarmet ſich, welcher er will, 
Kon 9. nd vorſtocket, welche er will, Er will fich aber 
über alle erbarmen, fo feine Barınbersigkeit annchz 
men, und will die verftocken, fo die angebotene Gnade 
käftern und von fich ſtoſſen; wie Sanet Paulus ausz 
drückiich zu den Juͤden foricht: Apoſt. Geſch. 13.90.46, 
Weil ihr das Wort GÖttes von euch ſtoſſet, 
und euch felbft nicht werth achtet des ewigen 
Hebens, ſo wenden wir uns zu den Zeyden. 
Ar Sch. Die Heyden gber wurden frob, preifeten das 
SuM More, und wurden gläubig, ſo viel ihr zum 
ewigen Leben verordnet waren; das it, fo vief 
ihr das Wort der Ginaden, als das Mittel sum Glau⸗ 
ben, nicht haben von fich geftoften. Dennweil dasdie 
Juden taten, haben fie nicht Fönnen glaubig werden: 
Denn Gott hat niemand zum geben verordnet, der ſein 
Wort von ſich ſtoͤſſet. — 
Wie die Die Gnadenwahl und Verordnung zum Leben 
Se, iſt in EHrifto gefchehen, mit dieſem Anhang: Daß 
fhehen. GoOtt feine Gnade alten anbiete durch das Evange⸗ 
lium, und welche daffelbe annchmen, die find zum ewi⸗ 
gen Leben verordnet: die es aber von fich ftoffen, die 
an. Sch achten ſich ſelbſt nicht werth des ewigen Lebens, 
3.840 ſpricht St. Paulus; das ift, fie machens felber, Daß 
fie nicht werth feyn des ewigen Lebens, und ſchlieſſen 
fich aus der allgemeinen Gnade aus, tilgen ihre Nas 
men aus aus dem Buche Des Lebens, das ift, aus 


C Hriſto, 


Urſach falſcher Lehre. u 


EHrifto, durch ihre Halsitarrigkeit, dadurch fie das 
Wort GOttes von ſich wegftoffen, darum Fonnen fie 
nicht glaubia werden, | 
Nun aber ftoffen dienicht allein GOttes Wort von Viel Chrie 
fich,fodie dehre von EHriſto nicht wollen annehmen, wie Kerpen 
die Juden und Tuͤrcken; fondern auch Die, ſo nicht GOtres 
in CHrifti Sußftapffen wollen wandeln,und fein heiliges une > 
Reben nicht annehmen, und im Richt nicht wandeln wols 
fen, fondern in der Finfterniß. Darum entzeucht ihnen | 
GOtt auch das Licht feines Worts und der reinen Leh⸗ 
ve; denn er fpricht: ob. 8. v. 12. "Ich bin das Licht 
der Welt, wer mir nachfolger, der wird nicht 
wandeln im Sinfterniß, fondern wird das Licht 
des Zebens haben. See 
Daraus folget nun, wer CHriſto in feinem Leben 
nicht folget, der muß im Sinfterniß wandeln; das ift, in 
Irrthum gerathen, verfuhret, verſtocket und verblendet 
werden, Sehet die Hoffartigften, Prachtigften, Herr: Welſeſten 
lichften, Weiſeſten, Gelehrteften, Mächtigiten diefer Mein Welt 
Welt an, wie fieig Irrthum gerathen, verführet und thum am 
verblendet werden. Was ift die Urſach? Sie lehen meiienam 
nicht in ENHrifto, folgen ihm nicht im Leben, darum kin 
nen fie das Licht des Lebens nicht haben, | 
Und was ift die Urſach fo vieler Verführung und Was Irr⸗ 
Serthum, welche St. Paulus 2. Ihe, 2. d. 9. hennet in" Ihr, 
Wuͤrckung des Satans, und lügenbaffte Kraͤffte? deffen fo 
Derer werden noch immer mehr und mehr Eommen, Helene 
weil die gange Welt EHrifto nicht folget im Leben; 
denn was bat das Kicht für Gemeinſchafft mit 
der Sinfterniß? Wie ſtimmet CAriftus mit Be⸗ 
lial? 2, &or. 6.0.25. Das ift: Die reine Lehre und 2. Cor 6. 
Licht des Erkaͤnntniſſes GOttes bleibet nicht bey denen, "*% 
die im Teufel leben, im Finfterniß, in Hoffart, Geitz 
und Wolluft, Denn wie folte die reine Göttliche 
Lehre da bleiben, * da fo ein unreines ungöttliches Les 
, —* D4 ben 
ee —— 
*Es iſt die Meynung nicht too ein oder ander Suͤnden⸗Greuel 


don einem Prediger veruͤbet wird, daß ſolches fo bald einen 
irrigen 


ha 


* 


248 B. J. C. 38. Unchriſtlich Leben 


ben gefuͤhret wird? Meine Lehre und ein unreines Res 
ben ftimmen nicht zuſammen, haben Feine. Gemein: 
ſchafft. 
Wernihe Wollen wir nun Die Lehre erhalten, ſo müffen wir 
nenne einen andern Weg gehen, und das unchriftliche Leben 
ti wandelt, fahren laffen, den HErrn E-Hrifts nadyfolgen, aufwa⸗ 
seht chen von Sünden, fo wird uns CHriſtus erleuchten 
| mit dem Licht des wahren Slaubens: Epbef. s.verf. 14. 
Derowegen wer. nicht in die Sußfkapffen Criſti tritt, 
‚in feine Liebe, Demuth, Sanfftmuth, Gedult, Furcht 
GOttes, der muß verfuhret werden; denn er gehet 
nicht auf dem Wege, der zur Wahrheit führer. 
Wenn wirallein in CHriſto lebten, und wandelten 
in derkiebe und Demuth, und unfern ganken Fleiß und 
Theol»giam dahin richteten, wie wir das Slafch toͤdte⸗ 
‚ten und in CHriſto lebeten, wie Adam in uns jterben, 
und E-Hriftus in ung leben folte, wie wir uns felbjt uͤber⸗ 
winden folten, und Dem Fleifch, Teufel und Welt ob- 
ſiegen möchten; fo wäre fo viel Gezaͤncks nicht in der 
Lehre, und fielen alle Kegereyen felbften. 
‚Rn. Mas war Die Urſach, daß wierbundert falfche 
&  — Bropbeten den Achab verführeten, und überrede> 
ten Ion in Krieg zu ziehen? Antwort: Sein gottlos 
tyranniſch Leben. Auf ein ſolch Leben folgete ein 
ſolch falſch Licht, daß er der Luͤgen glauben muſte zu 
8. 19. feng- ſcinem eigenen Derderben. Der wahre Prophet 
Micha fagere ihm die Wabrbeit, ev würde im 
Kriege 





um 





irrigen Glauben bringe: fondern daß, wo mit folchem befen 
Leben, dag ießo in der Welt im Schwange gehet, werde fortz 
gefahren werden, alsdenn aus gerechtem Gericht GOtt dag 
Licht feines Evangelii wiederum zurück ziehen werde. 
Meifser, Evolve catalogum hereticorum omniumque 
feculorum hiftorias, & videbis luculenter, quomodo omnis 
herefis ex pr&eunte ımpietate & vitæe perverlitate enata 
fuerie Das ift: Schlage auf die Erzehlung aller Ketzer 
und Gefchichte, die fich von einer Zeit zur andern begeben, 
fo wirft du Flärlich fehen, wie alle Ketzereyen aus vorbers 
gehenden ungerslichen und boshafftigem Leben herfür ges 
wachſen. Karen, 


Urſach felfeber Lehre. 249 


Kriege umkommen; das wolte er nicht glaͤuben. Die 

falſchen Propheten ſagten, er wuͤrde mit Frieden 
wiederkominen, das waren Lügen, denen glaubete 
"er: Er kam aber fo wieder, daß die Aunde das Blut 
leckten, wie er verdienet hatte. 

"Das mag heiffen, wie St. Paulus 2. Cor. 4.0.4. Verblen⸗ 
ſpricht Daß der GOtt diefer Welt der Unglaͤubi⸗ pro 
gen Sinne verblendet, daß fie nicht ſehen koͤne tong ge 
nen das belle Licht des Evangelii. Ja was iſt 886 
das anders, das GOtt Eſa. 29. v. 13.14. 1. Cor. i. 

v. 19. draͤuet allen Heuchlern, die CHriſtum und feine 
Lehre im Munde führen, und mit der That verleugnen, 
denn daß ihnen Dit falfche Propheten verhängen wolle, 
wie über Achab? Denn er fpricht ja deutlich genug: 
Darımn, daß fich diefes Volck mit dem Munde 
zu mir nahet, und mit den Lippen mich. ebret, 
sher im Kerzen weit von mir ifE: fo foll die 
Weisheit ibrer Weifen untergehen, und der 
Verſtand ihrer Klugen verblender werden: 
Ihre Propheten und Seher wolle er verbfenden, daß 
ihnen GOttes Wort ſeyn fölre wie ein verficgeltes 
Buch; oder wie einem der nicht leſen koͤrne: v. ır. 

Und von den Juͤden fpricht St. Daulus, 2. Cor. 2. ben um 
v. 16. daß ihnen eine Decke vor den Augen hange, — 
Daß fie in ihren eigenen Propheten ihren Meßiam wicht Ihrer Vers 
- finden oder fehen Einnen: Wenn fie ſich aber zum kockuns. 
 AKrın bekehrten, würde die Decke hinweg ge> 
nommen, ꝛc. 


Gebet. 


offer und erſchrecklicher SOTT, du biſt ja heilig bey den Pſalm. 18 
Heiligen, und fromm bey den Frommen, aber verfehret y, 26.27, 
ben den Verkehrten; DaherdudenendiemitdemNergenanibs 
ren Gögen bangen, und halten ob dem Aergerniß ihrer Miffe: 
that, anttworteft, wie. fie verdienet haben mir ihrer Abgoͤtterey, Ejech. 14. 
auf daß fie betrogen werden in ihren Hertzen. Du dräueft deinen y. 4. >. 
Leuibter wegguftoffen von feiner Stätte denen, die die erfte Liebe Offenb. ?. 
verlafen haben, und nicht Buffe thun, noch die erften Wercke ; b. 4 5 
So ift fein Wunder, o HErr, daß das Volck, welches fich nach 
deinem Namen nennet, mit fo vielen Spaltungen und Irrthuͤ— 
25 mern 





250 B. J. C. 39. Kauterkeit der Lehre nicht allein 


mern zerrütter wird, daß allerley Uergerniffen daffelbe Über: 

Epbef. 5. ſchwemmen. Uh HErr, öffne ung die Augen, daß wir die rechte 
v. 8. 9. 10. Urſach dieſes Elendes erkennen, und lernen, daß mir nicht Een» 
nen Rinder desfichts feyn, fo lange wir lieben mollen die Wercke 

der Finſterniß, und in der Finfterniß bleiben ; daß wir nicht faͤ⸗ 

big find der Gnaden der Erleuchtung, fo lange wir durch unbuß- 

4 fertige® eben alle deine Snade verachteg und von ung ftoffen, 
Tit.1.0.16 Laß uns nicht fagen, wir erfennen GOtt, fo lange wir mit den 
Jod. 3.0. Wercken es verleugnen, gehorchen nicht, und find zu allen guten 
er + MWercfen untüchrig,ja verfolgen gar EHriſtum und feine Glieder. 
v2. Erbarme dich unfer nach deiner Guͤte, und nimm nicht von un: 
MM 119. ſerm Munde das Wortder Wahrheit. Heiligeung aber in dei- 
d. 43. ner Wahrheit, damit aus unferm Leben Fund werde, wir haben 
ir eb. 17° EHriftum recht gelernet,und find in ihm gelehret, wie in JEſu ein 
—3 — 4. rechtſchaffen Weſen fen, und haben recht begriffen die Haupt: 
v. 30.21, Summa des Gebots, Liebe von reinem Hersen, und von gutem 
Gewiſſen und ungefärdten Glauben; aufdaß auch die, fo nicht 

1, Tim. 1. gläuben andag Wort, durch unfern Wandel ohae Wort gewon⸗ 
BT. nen werben, wenn fie anfehen unfern feufchen Wandel in der 
2 a” 3° Furcht. GOtt Febaoth, wende dich doch, fehaue vom Himmel, 
di. 20. und ſſiehe an, und füche bein den Weinſtock, den du fo theuer ges 
9.24. 15.16. kaufft, und mit folcher Mühe gepflanget haft,laß ihn nicht ſo zu⸗ 
wühlen die wilden Säue, noch die wilden Thiere ferner verders 

1.Cor, 6. ben? halte du ihn im Bau: Laß nicht länger Difteln und Dora 
v. 20, nen drauf wachfen, fondern gebiete den Wolcken des Himmels, 


Eſa.5. 9. 6. daß ſie draufregnen,und von dir herab fomme Gnade, Lich und - 


Hey! über deine arme Kirche, und dero bedraͤngte Glieder, durch 
CHriſtum JEſum veinen Sohn unfern HErrn! Amen. 


Das XXXIX. Capitel. 


Daß die Lauterkeit der Lehre und des 
Goͤttlichen Worts nicht allein mir Difputiven 

und vielen Buͤchern erhalten werde, ſondern auch mit 

wahrer Buſſe und heiligem Leben. 
2. Tim. 1. verſ. 13. 14. Halte an dem Fuͤrbilde der 
heilſamen Worte, die du von mir gehoͤret 
haft, von dem Glauben, und von der Kiebe 
in Chriſto IESU. Diefe gute Berlage bes 
wahre durch den Heiligen Geiſt der in una 
wohnet. 

Vhdice Je reine Lehre und Wahrheit des heil. Chriſtli⸗ 
a chen Glaubens muß nothwendig wider Die 
Motten und Keger verantwortet und 2 
dige 


- mit Difbutiren su erhalten. 25T 


diget werden, nach dem Exempel der beiligen Pros 
pberen, welche wider die falfchen und abgoͤttiſchen Pro⸗ 
pheten im alten Teftament hefftig geprediget yaben, ja 
nach dem Exempel des Gobns GOttes, welcher wis 
der die Phariſaͤer und Schrifftgelehrten zu Serufalem 
ernſtlich diſputiret: Ingleichen, nach Dem Exempel Jo⸗ 
hannis des Evangeliſten, welcher fein Evangelium 
yoider Die Keßer Ebionem und Cerinthum, und feine 
Dffenbarung wider die falfche Kirche dev Nicolaiten 
und andere geſchrieben. 

So ſehen wir auch, wie Sanet Paulus den Artickel 
von der Rechtfertigung des Glaubens, Roͤm. 3. 
v. 21. ſqq. Cap. 4. v. 1.faq. von den guten Wercken, 
2. Cor. 9. v. 8. ſqq. von der Aufferſtehung der Tod⸗ 
ten, ĩ. Cor. 15,0. 1. ſaq. von der Chriſtlichen Frey⸗ 
beit, Gal. s.verf. 1. faq. und dergleichen, fo hefftig ver⸗ 
theidiget wider die falichen Apoſtel. Welchem Exem⸗ 
pel auch die heiligen Biſchoͤffe und Vater Der erften 
Kirchen embfig nachkommen und gefolget, und wider 
die Heydnifche abgottifche Meligion und andere Keser, 
ſo aus ihnen felbft aufacfianden waren, viel und wohl⸗ 
gegruͤndete Streit Bücher geſchrieben. Zu dem Ende 
auch die Haupt⸗Concilia von den loͤblichen Ebriftlis 
ehen Kayfern angeordnet find, wider die Ertz⸗Keber, 
Arrium, Macedonium, Neftorium, und Eutychen, 
Waos auch zu unferer Zeit dem Pabftthum und andern 
Eecten durch des theuren Mannes, Doctor Martini 
Lutheri, Streit⸗Schrifften für Abbruch gethan, ift der 
gantzen Welt bekannt. 


Bleibet demnach billig dabey, daß man wider die Wider die 
Ketzer und Rotten fehreiben, predigen und diſputiren Arheritzu 


muß, zu Erhaltung der reinen-Kehre und wahren Re— 
ligion, wie der Apoftel Paulus befichler, daß man 
ſtrafen und überwinden folle Die Widerfprecher: 
Zit. 1.0, 9. Allein daffelbe ift zu unferer Zeit gar in 


einen Mißbrauch * gerathen,alfo, daß über Dem vielen . 


heffti⸗ 


u ee 
*Lutb,Neque enim docendo,fed difputande amittirur veritas, 


hoc 


j 252 B.1.€.39. Lauterkeit der Lehre nicht allein 


hefftigen Diſputiren, Streit⸗Predigten, Schreiben 
und Widerſchreiben des Chriſtlichen Lebens, der wah⸗ 
ven Buſſe, der Gottſeligkeit und Chriſtlichen Liebe gar 
Bruce vergeffen iſt; gleich als fTunde das Ehriftenthum nur 
Frens im Difputiven und Vermehtung der Streit-Bücyer, 
Streit: und nicht vielmehr darinnen, daß Das heilige Evan⸗ 
Schritten gelium und die Lehre CHriſti in ein heilig Leben ver- 
wandelt werde, 


ı. Denn fehet an das Erempel der heiligen 





— 


| Propheten und Apofteln, ja des Sohnes GOt⸗ 
tes ſelbſten: fie haben nicht allein wider die falfchen 
Propheten, falſche Apoſtel und die Abgoͤtterey heff⸗ 
tig 





hoc enim malum difputationes fecum afferunt, quod animi 
quafi profanantur, &.rixis occupati, que precipua funt, 
negligunt. Dag iſt, nicht durch Ichren, fondern durch viel 
‚ difpuriren wird die Wahrheit verichren; denn dis Bofe 
bringen dieDifputationes mit fich, daß dieGemüther dadurd) 
verdorben werden, und wenn fie mit den Gezaͤncke zu thun 
haben, verfäumen fie darüber, was fie fürnemlich treiben 
folten, odır mag dag fürnehmfie it. D. Chyrr. Hoc verz 
Theologie & pieratis Chriftianz ftudium eo majori cura 
& diligentia nos in fcholis & templis docentes agere, & 
aliis commendare necefle eft, quo propius ruere omne ftu- 
dium religionis fincerz, & Theologiam rurfus in Sophiſti- 
cam, feu potius furorescuriofarum difpurarionum degene- 
- rare,atque itanon fublatam, fed mutatam fuperioris zratis 
fophifticam videmus. Das ift: Es iſt noͤthig daß wir, die wir 
in Schulen und Kirchen lehren, die Ubung der wahren Theo- 
logie und Chriſtlichen Gottſeligkeit mit defto groͤſſerer Sorg⸗ 
fäliiafiit und Fleiß treiben und ondern recommendiren, ie 
mehr wir ſehen, daß alle Ausuͤbung der Religion und unge⸗ 
faͤrbten Gottſeligleit dahin falle, und die Theologie, ſich wie⸗ 
der in die Sophiſterey, oder vielmehr in hefftige vorwitzige 
und unnüge Difpurationes verfehre, und alfo die in voriges 
Zeit gewohnliche Suphifteren nicht weggenammen, ſondern 
nur verändertfey Und: Idenque pie credendo & fand; vi- 
vendo, & )Eum & proximum diligendo potius, quam fub. 
tiliter & orgute diſputando nos Chriftianos & Theologos 
oitendanus Das ıft: Darum laffıt ung vielmehr mit goftz 
feligem Glauben und heiligen eben, mit der Liebe GOttes 
und des Naͤchſten, als mit vielen und gefchwinden difpuriven 
erweifen, daß wir Ehriften und Theologi feyn. Faren. 


mit Difputiren zu erhalten. 253 


Te — 
tig geſtritten; fondern fie haben auch hefftig auf die 
Buſſe und auf ein Ehrifilich Leben gedrungen, und mit 
gewaltigen Steaf- Predigten dargethan daß Durch Die Gottlofies 
Unbußfertigkeit und gotllos Leben werde Die Religion Fit sertb- 
und der Gottesdienſt zerflöret, und Die Kirche verwuͤ⸗ Gottes 
ftet, Land und Voͤlcker mit Hunger, Krieg und Peſti⸗ Denk und 
lentz geſtrafet werden, wie die Erfahrung bezeuget ůgen 
hat. Was prediget der Prophet Eſaias C. 5. v. 6. 
anders? Weil in dem Weinberge des HErrn 
keine Trauben zu finden, fondern eitel Heerlinge, 
fo wolse GOtt der HEErr den Weinberg wüfte 
liegen laſſen. Das ift ja eine ernſte Dräuung, daß 
die Gottloſigkeit eine Urſach fey, daß GOtt fein Wort 
von uns nehme. Was predigte der Herr EHriftug 
Anders, Joh. 12.9. 35. Wandelt im Licht, die= 
weilihrs habt, auf daß euch die Sinfferniß nicht 
-überfalle. : Was ift im Licht wendeln anders, 
I denn CHriſto im Leben gachfolgen? Und was iſt mit 
' der. Sinfterniß überfallen werden anders, denn die 
reine Lehre des Evangelii verlieren? Daraus ift auch Ohne wah⸗ 
offenbar, daß niemand ohne wahre Buſſe und heiligeste Bulle 
Leben kan mit dem Licht der Wahrheit erleuchtet wer: mand er 
den, denn der Heilige Geiſt, der die Deren erleuchtet, Leuchtet 
fleucht Die Gottlofen, für und für aber giebt er fich in "Tre 
die heiligen Seelen, und macher Propheten und GDt- 
tes Freunde: B. der Weish. 7.0. 27. Die Furcht 
des HErrn ift der Weisheit Anfang, fagtder 111. 
ſſalm v. 10. Derohalben, fo ift die Gottlofigkeit der 
Thorheit und Blindheit Anfang. Ä 
2. ©» ftehetdas wahre Erkänntniß und Bekaͤnnt⸗ CHriki Er⸗ 
niß CHriſti und reiner Lehre nicht allein in orten, Huntniß 
fondern auch in, der Thar und beiligem Leben, Worten, 
wie St. Paulus fagt Tit. 1.0.16. Sie fagen: Sie finden in 
erkennen GOtt, aber mit den Wercken verleig- — 
nen fie es; ſintemal fie find, an welchen GOtt 
einen Greuel bat, und geborchen nicht, und find 
zu allen guten Wercken untüchtig, Da bören wir, 
daß CHriſtus und fein Wort mit Dein gottlofen Leben 
— ja ſo 


EHrikus 
ohue ein 
heilig Leben 
kaum halb 
erkaunt 

und gepre⸗ 
diget. 


254 B.lJ. C. 39. Lauterkeit der Lehre nicht allein 


ja ſo hart verleugnet wird, als mit Worten; wie aber⸗ 
mal Sanct Paulus ſpricht 2. Tim. 3. v. 5. Sie has 
ben einen Schein der Gottſeligkeit, aber die 
Krafft verleugnen fie. Und was Fan doch das für 
eine wahre Erkaͤnntniß EHrifii feyn, welche man nie 
mit der That erwwiefen hat? Wer ChHriſti Demuth, 
Ganffimuty, Gedult und Liebe nie im Dergen empfuns 
den noch geſchmecket hat, der Fennet CHriſtum nicht 


recht. Wie flte er ihn denn. in der Noth bekennen ? 


Wer EHrifti Lehre befennet, und fein Leben nicht, der 
befennet CHriſtum nur halb; und wer CHrifti Lehre 
prediget, und fein Leben nicht „der prediget CHriſtum 
nur halb, Viel ift son der Lebre gefchrieben und 
geftritten, aber wenig von dem Leben. Und obwol 


- mit den Streitz Büchern der Lehre möchte gediener 


feyn, ſo iſt doch der wahren Buſſe und Chriftlichem Les 
ben wenig damit gedienet worden; denn Lehre ohne 
Leben, was iſts? Ein Baum ohne Fruͤchte. Warlich, 
wer CHriſto im Leben nicht folget, der folget ihm auch 


in der Lehre nicht: denn das Hauptſtuͤck von der Lehre 


Morte ber 
weiſen kei⸗ 
nen Chri⸗ 
ſten, ſon⸗ 
dern das 
Leben. 


EHriti iſt Liebe von reinem Hertzen, von gutem 
Gewiſſen, und von ungefaͤrbtem Glauben: 1, Tim. 
1.d.5. Daher kommt nun daß mancher fo artig weiß 
von ſtreitigen Artickeln zu reden und zu diſputiren, daß 
es groß Anſehen hat; im Hertzen aber iſt er ein boͤſer 
Menſch, voll Hoffart, Neid und Geitz, daß Fein Baſi⸗ 
lisk arger feyn Fan, Sanct Paulus feget warlich nicht 
ohne Uſach Glauben und Liebe zufammen 2.Tim.r, 
v. 13. fondern will damit anzeigen, Daß Lchre und Lee 
ben ſollen übereinjtimmen, 

3. Ob wir gleich nicht fügen, daß durch unfer 
Vermoͤgen und Froͤmmigkeit die Seligkeit erhalten 
werde ; denn wir werden duch GOttes Macht 
bewahrer zur Seligkeit, 1. Petr. 1. v. 5. So iſt 
doch offenbar, daß durch ein gottlos Leben der Hei⸗ 
lige Geist ausgeftoflen werde, famt allen feinen Ga⸗ 

en, unter welchen die Gaben des Glaubens, Erkaͤnnt⸗ 
niß, Verſtandes und Weisheit nicht die gr 
ind; 


mit Difputiren zu erhalten, 255 


EEE — — — — — —— 
find. Wie kan denn ohne ein heilig Leben die Wahr⸗ 

heit der reinen Lehre erhalten werden? Darum freylich Gottloſe 
die Gottloſen, fo CHriſto nicht folgen, nicht koͤnnen init ige ers 
dem rechten Kicht erleuchtet werden. Und im Gegenz leuchtet. 
theil, die im Licht wandeln, das it, CHriſto im Leben 

folgen, die erleuchtet auch das wahre kicht, Joh. 1.0. 9. 

welches it EHriftus, und beivahret fie für allem Srr= 

thum. Daher der alte, heilige und geijtreiche Lehrer 
Zaulerus fast: Wenn ein Menſch ſich GOtt er- Innerliv 
giebt und laͤſſet, fager ab feinem Willen und, Sr" 
Sleifch, * ſo faͤhet der Heil. Beift an ibmsırerleuch-e 
ten, und recht zu lehren, weil er GOtt in feinem 
Hertzen den rechten Sabbath und Rube-Tag 

hält, und feyert von feinen boͤſen Lüften, Willen 

und Wercken. Diß fol nun verftanden werden de 

ſtatu poft converfionem, vom Stande nach der Bekeh⸗ 

rung, und vonder taglichen Erleuchtung und Vermeh⸗ 

rung der neuen Gaben nach der Befehrung. 


4. Nicht ohne Urfach fpricht auch der HENM Wie Cyri⸗ 
Joh 14.0.6. Ich bin der Weg, die Waͤhrheit in "ler 
und das Keben. Und nennet fich erfilich den Weg 
darım, daß er ung den Weg gezeiget hat; Wie aber? 

Nicht allein mit feiner heiligen Lehre, fondern auch mit 

feinem unfehuldigen Leben. Diß fein Keben ift ung 

nichts anders, denn wabre Buſſe und Belehrung 

zu GOtt, die uns zur Wahrheit und zum Leben fuͤh⸗ 

ret, darinn das gantze Chriſtenthum ftehet, darinn alle 

Bucher und Gebot begtiffen feyn, an welchen ‘Buch 

des Lebens EHrifti wie unfer Lebenlang zu ftudiren has 

ben; nemlich an wahrer Buffe, am iebendigen thaͤti⸗ 

gen Glauben, an der Liebe, an Hoffnung , Sanffts 

muth, Gedult, Demuth, Gebet und Gottesfurcht, 

am rechten Wege zur Waͤhrheit und zum Keben, wel⸗ 

ches alles CHriſtus ſelbſt iſt. Es iſt aber der ſchmale Chriſtus 

Weg, tınd die enge Pforte, Matth. 7. v. 14. die uuſerBuch. 

ihrer wenig finden, und das einige Buch des Lebens, 
welches 


⁊Siehe droben Cap. 34. 


25 6.1. C.39. Lauterkeit der Lehrenichtallein 


welches ihrer wenig ſtudiren; und iſt doch alles darin⸗ 
nen begriffen, was einem Chriſten noth iſt alſo daß wir 
fonften Fein Buch mehr zu unferer Seligkeit bedürfen. 
Barumdie Darum auch die Heil. Schrift in wenig "Bücher vers 
Qeilige faſſet iſt, auf daß wir ſehen ſollen daß das Chriſtenthum 
nicht in unzehlichen Buͤchern ſtehe, ſondern im lebendi⸗ 
gen Glauben , und in der Nachfolge des HErrn EHrifti. 
Davon auch der Prediger Salomo C.12. v. 12. 13. 
ſpricht: Bücher ſchreiben iſt weder Maaß noch 
Ende. Die Summa aller Lehre iſt: Sürchte 
GOtt, undhalte ſeine Gebot. 
5. Was it es auch, daß der Feind Unkraut ſaͤet 
unter den Weitzen, weil die Leute ſchlieſfen? 
Matth.ı 3. v. 25. Nichts anders, denn weil ſie in Un⸗ 





bußfertigkeit und Sicherheit einen Sünden-Schlafhals 
ten, und in der Liebe dieſer Welt erſoffen feyn, mehr aufs 


Zeitliche, denn aufs Ewige achten, fo ſtreuet der Feind 
allgemach den Saamen der falſchen Lehre aus; ja auf 
Hofſartiſt Den Acker der Hoffart ſaͤet der Feind Rotterey, Secten 
ber Ader ind Spaltungen: Denn durch Hoffart haben beyde 


und Saa⸗ Kr 
me der Re Engel. und Menfchen Das wahre Kicht verlohren: Eſa. 


Br 14. v. 10. ſq. 1. B. Moſ. 3.0.6. Aus Hoffart hat als ı 


fer Irrthum feinen Lrfprung. Waͤre der Satan und 
Adam in dem demüthigen Leben EHrifti blieben, es 
wäre nie feine Derführung in die. Welt kommen. 
Darum St. Paulus wohl jagen mag Epheß 5. v. 14. 
Wache auf, der du fehläffeft, ſo wird dich Cri— 
fEus erleuchten; anzudeuten, daß die Erleuchtung 
nit geſchehen kan, es fen denn, daß man dem Suͤn⸗ 
den Schlaf Urlaub gebe, das ift, der Unbußfertigkeit, 
Sicherheit und Gottlofigkeit. Darum fteher Apsft. 
Geſch. 2. 0.38. Thut Buſſe fo werdet ibr empfa= 
ben die Gabe des heiligen Beiftes. Und ob. am 
14.0.17. Die Melt kan den Aeiligen Geiſt niche 
empfaben. Was ift aber die Welt anders, denn eitel 
gottlos Leben? 

Ein iedes 6. Was its auch, daß der HErr ſpricht Matth. 7. 

5 v. 20. An ihren Fruͤchten ſollt ihr ſie Ba } 

Micht 


— 


mit Difputiren zu erhalten. 257 


Nichts anders, denn daß aus den Früchten des Lebens Frucht ers 
müffen wahre und falfihe Ehrijten erkannt werden, nicht Annt, 
aus vielem HErr, JErr ſchreyen; Matth. 7. v. 20. 
denn mit dem Schein der reinen Lehre degEen fich die 
falfehen Chriſten, als mit einem Schaaf-⸗Peltz, da fie 
doch im Hergen nichts wenigerfeyn, denn wahre Ehri= 
ſten. Wiewol niemand aus dem bofen Leben urtheilen 
foll von der Lehre, gleich als. mufte die Lehre auch falſch 
und bofe feyn, weil das Leben boͤſe ift, wie die Wieder⸗ 
täuffer und Papiſten von unfererXehre urteilen; wel⸗ 
ches unrecht: Denn e8 folge Teinesweges, daß die 
Lehre müffe unrecht feyn, obgleich die Leute darwider 
handeln mit ihrem gottlofen Leben, fonft muͤſte EHriftus 

‚und die Apoftel auch unvecht gelehret haben, weil auh - _ 

‘viel böfer Leute zu ihrer Zeit waren. Iſt deromegen Leben, eine 

das böfe Leben Feine Probe der Lehre, fondern der Pers Yun per 

fon, ob einer ein falfcher oder wahrer Ehrift fey, der anz nic aber 

Ders lehret und lebet, der da recht glaubet, und wider der Lehre. 

den Glauben handelt; da ſaget der Herr EHriftus 

nein zu: Es find falfche Ehriften, es find böfe unfrucht- 

bare Bäume, darum fie ins Seuer gehören: Matth. 

7. verſ. 19. 

7. Und endlich, fo iſt das der wahre Glaube, der Wabren 

dutch die Liebe thaͤtig ift, Galat. 5.0.6. dadurch gran np 

der Menfch eine neue Ereatur wird, dadurch er neu Art. 

gebohren wird, dadurch er mit GOtt vereiniget wird, 

dadurch CHriſtus in uns wohnet, Eph. 3.0. 17. in 

uns lebet und würcket, dadurch das Neich GOttes in 

uns angerichtet wird, Dadurch der Heilige Geift unfer 

Hertz reiniget und erleuchtet, Epheſ. 4.0.23. Davon 

viele herrliche Sprüche zeugen, ı.Eor. 6.0.17. Wer 

dem HErrn anbanger , der wird ein Geiſt mit 

ibm. Was heiſt, ein Geiſt mit ChHriſto werden, 

denn gleiches Sinnes, Herkens und Gemuͤths mit 

Chriſto feyn?. Das ift ja das neue, heilige, edle Leben 

ChHriſti in uns. Ingleichen 2.Cor. 5. v. 17. Iſt ie- 

mand in Chrifto,der iſt eine neue Creatur. Was 

heift, in CKriſto ſeyn? Nemlich nicht allein an ihn glaͤu⸗ 
1. Theil, R ben, 


258 BL E39. Lauterkeit der Kebrenichtallein 


Sefa: v.19. ben, fondern auch in ihm leben. Ingleichen Hof. 2, 
ee 9,19. Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, 
lung mit ja im Glauben will ich mich mit dir vertrauen. 
orte, Was iſt diß anders, denn daß ein Mensch mie CHxirto 
Srächte. gantz geiſtlich vereiniget wird, alſo, daß, wo der Glaube 
iſt, da iſ CHriſtus. Wo Cehriſtus iſt, da iſt ein heili⸗ 
ges Leben im Menſchen. Wo Chriſti Leben ift, da iſt 
Schöne Eis feine Liebe. . Wo die Liebe ift, da iſt GOtt felbfter; 
enden, denn GOtt iſt Die Liebe. Da ift auch der Heilige 
Gef. Da muß nothwendig alles beyſammen feyn, 
und hanget aneinander, wie ein Haupt mit den Glie⸗ 
. dern, und wie eine Urſach, daraus vie Wuͤrckung und 
Fruͤchte folgen muͤſſen; wie folche Cohrrenz und Einige 
feit des Ehriftlichen Glaubens und Lebens St. Petrus 
beſchreibet in der 2. Epiftelam 1. v. 5. ſqq. Reichet 
dar in euren Blauben die Tugend, is der Tugend 
Beſcheidenheit, in der Beſcheidenheit Maͤßigkeit, 
in der Maͤßigkeit Gedult in der Gedult Gottſelig⸗ 
keit, in der Gottſeligkeit bruͤderliche Liebe in der 
bruͤderlichen Liebe gemeine Liebe. Wo ſolches 
reichlich bey euch iſt, wirds euch nicht faul noch 
unftuchtbar ſeyn laſſen in der Erkaͤnntniß unſers 
HErrn IAEſu Criſti. Welcher aber ſolches 
nicht bar, der iſt blind, und tapper mir der 
Hand, und vergifjer der Reinigung der vorigen 
Suͤnden. Da ſagt St. Petrus ausdrücklich: Bay 
welchem folche Einigkeit Chriſtliches Lebens nicht ift, der 
kennet CHriſtum nicht recht, der hat den Glauben vers 
lohren, und wandelt in. der Finſterniß; denn das iſt 
Wahrer der rechte Glaube, durch welchen der gange Menfch in 
Glaube. CHriſto lebendig und erneuert wird, daß er in CHriſto 
lebet und bleibet, und CHriſtus in ihn, ıc, 


Gebet. 


Ela. 54 Eiliger GOtt, ber du deiner Kirchen ewige und weit befkin» 
8.10, = digere Gnade, als Berge und Hügel ſeyn, verfprochen, läf 
1. Cor, u. feft Hingegen Motten zu, aufdaß die, ſo rechtſchaffen find, offenz 
v.19. bar werden ; ich bitte dich, erhalte deiner Kirchen die gr 
da 


mit Difputiren zu erhalten. 2x9 





daß nimmer mangeln die da mächtig find zu ermahnen Durch zig y, 4,9. 
heilfame Lehre, und zu überzeugen die widerfprechen. Heiler. Zim.ı, 
und verhüte nachdeiner Gnade den Mißbrauch) derer, die mehr v. 4. 
Fragen aufbringen, denn Befferung zu GOtt im Glauben, die - Tim 6, 
nicht bleiben bey den heilſamen Worten unfers HErrn JEſu 3+% 
EHrifti, und bey der Lehre von der Giottfelinfeit, fondern find 
verdüftert, und ob fie gleich nichts wiſſen, dech feuchtig find in 

Sragen und Wort:Kriegen, aus welchen entfpringer Neid, Ha⸗ 

der, Laͤſterung, boͤſer Argwohn, Schul⸗Gezaͤncke folcher Mens 

ſchen, die zerruͤttete Sinnen haben, und der Wahrheit beraubet 

ſind, die da meynen, Gottſeligkeit ſey ein Gewerbe. Wuͤrcke in 

meinem Hertzen eine hertzliche Liebe gegen dir, und reine Liebe 

gegen meinen Naͤchſten, daß ich in erbarmender langmuͤthiger 

Liebe mit Sanfftmuth überzeuge die Widerſpenſtigen, ob dir ges 

fiele, ihnen dermaleing Buſſe zu geben, die Wahrheit zu erfens 

nen. Bringe du alles Verirrte wieder, und laß deine Wahrheita. Lin. 3. 
die Herken der Sjrrenden Fräfftiglich überzeugen. Iſt es dein v. 24.25. 
Mille, mich zu machen zu einem Werckzeug, Dadurch fie zu dir x. Eor. 9, 
geführet werden, fo gieb mir die Liebe, daß ich mich felbft ieder⸗ "19. 
man zum Knecht mache, aufdaß ich ihrer viel gewinne. Laß 

mich bey Behauptung der Wahrheit von dem Gottlichen We— 

fen ſtets trachten, dar ich CHriſtum liebe, und fein Wort halte, 

aufdaß die Heilige Dreyeinigkeit zu mir fommen, und Woh: Joh. 14, 
nung bey mir machen moͤge. Was wird es mir helffen, daß ich v. 23. 
mich vermeffe zu ſeyn ein Leiter der Blinden, und Licht derer, die 

im Sinfterniß find, ein Zuͤchtiger der Thorichten, ein Lehrer der Röm, 2; 
Einfältiaen, habe die Form, was zu wiſſen und recht ift im Ge: d- 19-20, 
feß, daß mir greuelt für den Soßen; wenn ich durch innerliz ** 3: 
chen Stolg und fleifchliche EigensLiebe, Eigen-Nache, 2c. raube 

GOtt, wag fein it? Wenn ich mic; rühme des Gefeßeg, und Eppef. ı. 
ſchaͤnde GOTT durch Ubertretung des Geſetzes? Wann vd. 4 

ich andere von der Gnaden- Wahl in EHrifto überzeuge, und & Petr. ı. 
nie Fleiß thue, meinen Beruf und Erwehlung fefte zu machen ? 7% 
Darum, mein GOtt, gieb mir zuvor von Hergen zu dir befehret 

zu werden, und alsdenn aus reiner Liebe meinen irrenden Naͤch⸗ Luc. 22. 
ften in aller Sanfftmuth und Demuth zu dir zu befehren, durch v-32- 
CHriſtum JEſum unfern Herrn ! Amen. 


Das XL. Capitel. 


Etliche ſchoͤne Negeln eines Ehrift: 
! lichen Lebens, 
1.2Tim.4.0.8. Ube dich ſtets in der Gottſeligkeit; 
denn die Gottſeligkeit ft zu allen Dingen nuͤ⸗ 
ge, und hat die Derbeiffung diefes und des 
zukuͤnfftigen Lebens. 
N 2 DIE 


260 B.1.C.40. Schöne Regeln 


gottſeig 35 Spruͤchlein iſt eine Beſchreibung eines 
kelt ein Ber Ehriftlichen Lebens, und lehret uns, womit für 


ei a nemlich ein Chriſt fein Leben zubringen foll ; 


ganzen 
or eg nemlich mit der Gottſeligkeit, welche alle Ehriftliche Tu⸗ 
genden in fich begreift. Und feget der Apoftel zwey 
wichtige Motiven: 1. Sieift zu allen Dingen nuͤtze. 
Wenn in allem Wandel, IBorten und Wercken des 
Menfchen, Sottfeligkeit iſt, da macht fie alles gut und 
tüchtig, und fegnet alles. 2: Ast fie ibre Belob- 
nung in diefem Leben, wie an Joſeph, Daniel, ıc. 
zu erfehen, und denn dort im ewigen Leben, da wir 
erndten werden ohne Yufbören; Gal. 6.0.9. 
— J. Regel. 
GOTT Ob du gleich nicht alfo vollkoͤmmlich leben Eanff, 
ae nie es GOttes Wort fodert, und wie du gern twolteft, 
nen Willen fo ſolt du es doch wuͤnſchen; denn ſolche heilige Bes 
Ben gierden gefallen GOtt wohl, und GOtt nimmt fie an 
für die Thatz Denn er fiehet das Hertz an, und nicht 
die Wercke. Doc) foit du allegeit dein Fleiſch creußis 
gen, und nicht herrfchen laffen. E 
> ' % 2 II, Fi 
Fleiſchlche In allen Dingen, die du gedenckeſt oder thuft,fiche 
Eine id zu, daß du Die Reinigkeit des Herbens bewahreſt, 
Garanı, und Dich nicht verunreinigeft mit hoffartigen Gedans 
cken, Worten und Wercken, ınit Zorn und dergleichen 
fleifchlichen und teufeliſchen Wercken: Denn dadurd) 
wird dein Hars dem Satan aufgethan und GOtt zus 
gefchloffen. a 
Fr II. 
Edle Frey Die Srepheit deiner Seelen befleifige dich zu 
Kir der erhalten, daß du Diefelbe nicht Durch unordentliche Bes 
gierden des Zeitlichen zum Knechte und Keibeigenen der 
irdifchen Dinge macheftz Denn es iſt ja deine Seele 
edler denn die gange Welt, wie folteft du denn diefelbe 
den unedlen, nichtigen, zeitlichen Dingen unterwerffen 
und verfauffen, und dein Ders an Das Nichtige 


bangen? R 
IV. Die 


eines Chriftlicben Lebens. 261 
| AN, AR a 

- - Die Traurigkeit diefer Welt vermeide, denn fie Weltliche 
wuͤrcket den Tod, und entftehet aus Geis, Neid, aus Hin, alt 
Sorge der Nahrung, aus Unglauben und Ungedult; rigteit. 
Die Goͤttliche Traurigkeit, ſo aus Erkanntniß der 
Sünden Eimmt, und aus Betrachtung der ewigen Hoͤl⸗ 
len ein; ift heilfam, und wuͤrcket eine Reue sur Se- 
ligfeit, die niemand gereuer, und gebiehret Freude 
und Friede inSOTT;, 2.C0r. 7.0.10. Es follein 

renfch um Feines zeitlichen Dinges woillen fo traurig . 
feyn, als wegen feiner — 


$. 
Wenn du nicht Fanft dein Creutz mit greuden Kuna 

aufnehmen, wie fichs denn wohl gebührete, fo nimms tragen. 
zum wenigften mit Gedult und Demuth auf, und 
laß die Goͤttliche Derfebung und gnadigen Willen 
GoOttes allegeit deinen Troft feyn; denn GOTTES 
Hille iſt allegeit gut, und ſuchet in allen Dingen unfer 
Beſtes und unfere Seligkeit. Will dich GOtt traurig 
oder froͤlich haben, im Geiſt arm oder reich, niedrig oder 
hoch, geehrt oder ungeehrt, ſo wiſſe, daß dirs alles gut 
iſt, und daß es alſo ſein Wohlgefallen iſt; Und GOt⸗ 
tes Wohlgefallen ſoll auch dein Wohlgefallen, ja dein 
Troſt ſeyn, daß GOtt mit dir handelt, wie es ihm wohl⸗ 
gefaͤllet, und daß er dadurch deine Seligkeit ſuchet. Sir. 
am 39.0, 21. Omnia opera DEI bona. Alle Wercke 
des HErrn find febr gut. Pſalm 145. v. 17. Der 
SErr ift gerecht in allen feinen Y*Dercken, und ' 
beilig in allen feinen Degen. Es iſt allegeit beffer, Galler 
no Laie GOtt En ur in dir ie an ri alleit gut, 
vollbringen, Per allegeit sum Guten gerichter ift, da Ren 
denn daß du deinen Willen in dir vollbringeft, der — 
allezeit zum Guten geneigt iſt. böfe. 

I 


EHRE 6. 
Wenn dir GOtt bimmlifchen Troft und Sreude Wie die 
verleiber, fo nimm diefelbe mit nn aan een 
an: Entzeucht dir aber GOTT feinen Troft, fo wiſſe, und geitli 
daß Dir die Todtung des Fleifches beſſer fen, Denn die Herat zu 
R 3 Treuz dulten. 


GOTT 


nimmt den. 


262 B.1.E.40. Schöne Regeln 





Keude des Geiſtes. Denn was Schmertzen und 
Trauren machet, das iſt dem ſuͤndlichen Menſchen viel 
heilſamer, als was Freude und Beluftigung machet: 
Denn ihrer. viel gerathen durch überflüßige geiftliche 
Sreude in geiftliche Hoffart. GOtt weiß wohl, wel 
che er durch Den Weg voller himmliſches Troſtes und 
Lichts ins ewige Leben führen foll: und welche er durch 
einen unliedlichen, traurigen, fteinigten, rauhen rg 
führen fol, Cs ift dir viel befjer, daß du alfo ins 
Leben eingeheft, wie es die Göttliche Weisheit ordnet, 
denn wie es dein eigner IBille und Wohlgefallen fordert. 
Pred. Sal. 7.0.4. Es iſt Trauren befler denn La= 
chen: Dem durch Trauren wird das Hertz ge- 
beſſert. Das Hertz der Weifen iſt im Rlag- 
Aaus, und das Kerg der Narren ift in dem 
Saufe 2 der Sreuden. 
VI 

Wenn du deinem lieben GOtt nicht kanſt ſo groſſe 
und viele Opffer bringen, Andacht, Gebet, Danckſa⸗ 
gung 2c. ſo bringe ihm, was du haft und vermagſt, 
und darzu einen guten Willen und beilige ‘Begierde, 
und wünfhe, daß ihm dein Gotiesdienft wohlgefal= 
len möge; denn einfolches heilig Verlangen haben, ja 


euten il, Haben wollen, iſt nicht eine Eleine Gabe oder Dpffer, 
Fr ie bie welches GOtt auch wohlgefällt. Denn fo groß als 


wir gerne wolten, daß unfere Andacht und heilige Bes 
gierde, Gebet, Danckfagung feyn foiten vor GOtt, fo 
groß find fie bey ihn, Denn GOtt fodert nicht mehr 
von dir, denn fo viel feine Gnade in Die wuͤrcket, und 
du Fanft ihm nicht mehr geben, denn er dir gegeben hat. 
Bitte aber deinen Here CHriſtum JEſum, daß er 
alle deine Opffer und Gaben wolle vollfommen ma— 


——— chen mit ſeinem vollkommenen Opffer; denn in ihm 


So — 
menheit. 


deinem lieben Sobir, und 


iſt unſere Vollkommenheit, in uns iſt Stuͤckwerck, 
und ſprich: Lieber GOtt und Vater, nimm meine 
Andacht, Glauben, Gebet, Danckſagung an in 
fi ebe diefelbe nicht an, 

wie fie an fich felbft ſeyn, fondern in Chriſto; fo 
werden 


eines Chrifklichen Lebens. 263 


werden fie dir wohlgefallen als vollkommene 
Werde Mein SErr Edriffus wird voll- 
kommen erfkatten, was mir mangelt. Giche, ſo In Chriſto 
erlanget denn unfere Andacht, Gebet und Danckſagung, kr un 
ob fie wol an ihnen felbften fehwach, dunkel und manz ats Guts 
gelhafft find, eine groffe ABürdigkeit, einen groſſen Glantz poute m ig 
und Herrlichkeit aus dem Verdienſt CHriſti. Gleich⸗ neh fo _ - 
wie ein bloſſes elendes Kind, wenns nackend und unfauz ſchwach if 
ber it, fo its unlieblich; aber wenn mans ſchmuͤcket, und 
weiß anzeucht, fo gefallts einem gar wohl: Alſo ift alle 
dein Thun anfich ſelbſt nichts, aber wenns mit CHriſti 
Vollkommenheit geſchmuͤcket wird, fo gefalten alle deine 
Wercke GOtt wohl. Gleichwie es koͤſtlich ſtehet, wenn 
man Aepffel in einer guͤldenen Schuͤſſel auftraͤgt; Die 
Aepffel ſind an ihnen ſelbſt ſo groß nicht geachtet, aber 
ſie werden deſto lieblicher, wenn ſie in einer guͤldenen 
Schale aufgetragen werden: Alſo iſt auch unſer Ger 
bet, Andacht und Danckſagung in ChHriſto, Epheſ. 1. 
verſ. 6. Zr bat uns geliebet, und angenehm ges 
macht in dem Beliebten, R 
Vi, e. 

Deiner Sünden und vielfältigen Gebrechen hal⸗ Ein ehrit 
ben folt du zwar hoch betrübet feyn, aber nicht verza⸗ an 
sen. Iſt ihrer viel, fo wife, daß vielmehr Gnade bey nicht vor 
GoOtt ift, und viel Rrbarmung; Pf. 130. v. 7. Sind MEM- 
ſie groß, ſo gedencke, daß CHriſti Verdienſt noch groͤſſer 
ſey, Pſalm 51. v. 2. Sep mir gnaͤdig nach deiner 
groſſen Barmhertzigkeit. Wenn dich aber durch 
Goͤttliche Gnade der Suͤnde gereuet, und du im Glauben 
EHrijtum anſieheſt, ſo gereuet auch GOtt der Strafe: 
Ezech. 33.0.11.Cap.1 8.0.23. Und auf dieſe Göttliche 
heilſame Reue folget der Suͤnden Vergebung, das 
geſchicht, fo bald, und fo offt der Suͤnder ſeuffzet. 
Gleich alsderauffagige Mann im Augenblick gereiniget 
ward, der zum Herten fprach: Matth. 8. ver. 2. 3- 
HERR, ſo du wile, kanſt du mich wobl reinigen ; Sefehrin- 
So bald ſprach der HErr: Ich wills thun, fep ge: RUN: 
reiniget, So bald reiniget dich auch GOtt inwen- barmung- 

R4 dig, 


264 B. J. C. 30. Schoͤne Regeln 


dig, und ſpricht: Sep getroſt, mein Sobn, deine 
- Binde find dir vergeben: Matth. 9. v. 2. Das iſt 
ein Bild und Spiegel der inwendigen Reinigung 
und Dergebung der Sünden; welche groffe Barmz 
hertzigkeit GOttes den Meunſchen nicht ſoll Urſach 
geben mehr zu ſuͤndigen, ſondern GOtt mehr und 
herglicher zu lieben. Pſalm 103. v. 1. Lobe den 
Errn, meine Seele. 
| \ IX, ge“ 
ga; Die aufferliche Berachtung, Schmach und Laͤ⸗ 
ge fterung folt du nicht mit Unmuth, Zorn und Rach⸗ 
Deus, Hier aufnehmen; fondern gedencken, es fey eine Probe 
> Deines Herzens, dadurch GOtt offenbaren will, was 
in dir verborgen liegt, ob Sanfftmuth und Demuth 


bey dir fey, oder ob Hoffart und’ Zorn bey Dir feyn. 


Qualis quisque apud fe later, illata contumelia ‚pro- 
bat. Dasift: wie ein ieder beyfich im Verborgenen ift, 
Das beiveifer die angethane Schmach. Iſt Sanfft⸗ 
much und Demutl) bey dir, wirft du alle Verachtung 
mit Sanfftmuth überwinden; (1) Fa du wirſts Fir 
eine Zuchtigung des Allmächtigen halten, wie David 
fpricht, als ihn Simei laͤſtert: Vielleicht bats ihn 
der HErr gebeiffen: Fluche David, 2.8. Cam. 
16. verf. 10. (2) So ift die Berachtung ein groffes 
Stuͤck der Schmach EHrifti, fo die wahren Glieder 
E-Hrifti auch tragen: müffen, wie die Epiſtel an die 


a 
a ce A 


Debr 13. Ebraͤer ſpricht: Kaffee uns zu ibm binaus geben, . 


und feine Schmadh tragen. Gehet, mit was 
—— ſanfftmuͤthigem Hertzen hat CHriſtus ſeine Schmach 
Coꝛimn. getragen? Um des gedultigen Hertzens willen ſollen 
wir auch unſere Schmach tragen mit Sanfftmuth. 
Sprich nicht: Ach ſolte ich das von dem Kerl leiden ?ır. 
Ach! um der Sanfftmuͤth und gedultigen Hertzens 


in EHrifti willen ſolt du es leiden. (3) Seit Gtt fo güs 


a tig und getreu, daß er für eine unverfchuldete Zäfterung 
vielmehr Chr und Gnade giebt; Wie König David 
für ein gewiß Zeichen. bielte, daß ihn GOtt bald wier 
der ehren würde für Die Lafterung Simei. 2 * 

geſcha 


eines Chriftlichen Lebens. , 265 


geſchah; denn er ſprach: GOTT Läffers gefebeben, + © Sam. ı6, 
‚auf daß er mir wieder Guts vergeite für fein 
Schelten. Darum foll dic) das nicht betrüben, was 

die Menſchen von dir reden, fondern du folt Dich freuen, 

daß über den Derachteten und Verſchmaͤheten der 

Geiſt der Herrlichkeit ruhet, als St. eg fpricht, 

1, Petr. 4. v. 14. 





Ae deine Feinde und Laͤſterer ſolt du lernen mit Sin, feet 
Wohlthat und Guͤtigkeit überwinden und verſohnen; Im Leid 
denn mit Rachgier, Zorn und Wiederſchelten gez 
winnet man Teinen Seind, aus Urſach: In virtute eft 
vidtoria, nonin vitio. In der Tugend ift der Sieg, 
nicht indem Zafter. Zorn, Nachgier und Wieder⸗ 
fehelteri it Suͤnde und Laſter, und dadurch wird man 
nicht überwinden, fondern mit Tugend. Gleichwie 

fein Teufel den andern austreibet; fo wird auch Eein 
Lafter Das andere vertreiben, und Feine Nachgier und 
Schelten deinen Laͤſterer uͤberwinden, ſondern immer 
aͤrger machen. Wenn einer einen Menſchen ſaͤhe, der Schu 
voll Schwaͤren mare, und voll böfer ‚Blättern, und er 
wolte denfelben mit Zauften fehlagen, wuͤrde er ihn auch 
heiten? Mit nichten: Alfo iſt ein bofer gifftiger Menſch 
voller Schwären, darum. muß man ihn mit Gelindig⸗ 

keit heilen. Sehet, was GOTT der HERR felbit 

für eine Art hat, ung gu überwinden. Uberwindet er Röm.. . 
nicht unfere Bosheit mit Gütigkeit? Unfern Zorn mir" + 
Kiebe? Locket uns nicht feine Guͤtigkeit zur Buſſe? Dies 

ſen Weg hat uns St. Paulus vorgeſchrieben Roͤm. ı2, 

v. 21. Laſſet euch nicht das Boͤſe uͤberwinden, ſon⸗ 

dern uͤberwindet das Boͤſe mit SOHFEN, Das ift 

. der Sieg. 


XI. 
Henn duficheft, daß ein andrer von GOTT. eine Eines anı 
Gabe hat, die du nicht haft, fo neide ihn ee 


und mißgonne es ihm nicht, ſondern freue Dich deß, und den. 

und dandke GOTT dafür: denn die Gläubigen und 

Auserweblten find ein Leib, pn die Gabe und Bierde 
eines 


266 B. J. C. 40. Schöne Regeln 


eines glaͤubigen Gliedes gereichet dem gantzen Leibe zu 


Einesans Ehren. Im Gegentheil wenn du eines andern Elend 


Ba hehe fo ft dur es für dein eigen Elend achten, und darz 
ten. . über trauren, denn cs iſt ein allgemeiner menfchlicher 


Sammer, dem alles Fleiſch unterworffen. Und in wel⸗ 


chem Menfchen Fein Mitleiden und Barmbergigkeit 


iſt, der ift auch Kein Glied des Leibes CHriſti. Hat 


nicht EHriftus unfer Elend für fein eigen Elend gehal⸗ 
ten, und dadurch uns von unferm Elend erlöfer? Darz 
um Sanct Paulus fpricht: Einer trage des andern 


Laſt, ſo werdet ihr das Geſetz Coariſti erfuͤllen. 


Gal. 6. verſ. 2. 
DR X. 
Safe die Bon der Liebe und von dem Haß des —— 
ne ſten folt du dieſen Unterſcheid mercken: daß du zwar 
Mm sine. Die Sünde und Lafter in dem Menfchen haffen folt, als 
un un ein Werck des Teufels; aber den Menfchen an ihm felbft 
oil ‚ir ‚foltdu nicht haffen, fondern Dich uber ihn erbarmen, darz 
—— um, daß ſolche Laſter in ihm wohnen, und G Dit für 
er zu ihn bitten, wie der HErr CHriſtus am Creug für 
—— die Ubelthaͤter gebeten bat: Luc. 23.0. 34. Auch 
folt du wiffen, daß Fein Menſch GOTT mwehlgefallen 
Ean, der feinen Naͤchſten an ihm felbft. haſſet; denn 
GOttes Wohlgefallen iſt, daß allen Nenſchen 
geholffen werde: 1. Tim. 2. v. 5. Wenn du nun 
eines Menſchen Verderben ſucheſt, daß iſt wider GOtt, 
und wider GOttes Wohlgefallen. Darum kan kein 
Menſch GOtt wohlgefallen, der des andern Verderben 
ſuchet. Des Menſchen Sohn iſt nicht kommen, 
den Menſchen zu verderben, fondern suerbalten: 
Fuc. 9.0. 56. 
u | xii. 
Ein Chrif - Db du gleich wohl weift, daf alle Menfihen Eins 
Dr der feyn, und ſehr gebrechlich, fo folt du dich doc) 
fen Sim fir Den allerſchwaͤchſten und gebrechlichtten Mens 
der— ſchen, und für den groͤſſeſten Suͤnder halten. Omnes 
homines fragiles puta, te autem fragiliorem neminem. 


Denn (1) alle Menſchen find bay GOTT in gleicher - 


Ders 


l 


ee a ee. ann 


eines Chriftlichen Lebens. 267 


Verdammniß, und iſt bey GOtt fein Unterfcheid : Wir 
baben alle gefündiget, und mangeln des Ruhms, 
den wir vor GOtt haben follen; Rom. 3. ver. 23. 
(2) Iſt dein Nachfter gleich ein groffer und ſchrecklicher 
Suͤnder, fo gedencke nicht, Daß du Darum vor GOtt beſ⸗ 
fer biſt: Wer fich laͤſt duͤncken, er ſtehe, mag wohl 
zuſehen, daß er nicht falle: ı. Corinth. 10. v. 12. 
Wirſt du dich aber unter alle Menſchen erniedrigen 
und demuͤthigen, ſo wird dich GOttes Gnade erhalten. 
(3; Du bedarffſt ja ſowol Gnade und Barmhertzigkeit, 
als der groͤſte Suͤnder: Und wo viel Demuth iſt, da iſt 
viel Gnade. Darum St. Paulus ſich fuͤr den groͤſſe⸗ 
ſten und fuͤrnehmſten Suͤnder gehalten: Und darum 
iſt mir, ſpricht er: 1. Tim. 1.0. 15.16. Baͤrmhertzig⸗ 
keit wiederſahren, und der SERR bat groſſe 
Gedult an mir erwiefen. Und abermal: Ich will 
mich am allerliebften meiner Schwachbeit ruͤh⸗ 
men, auf daß die Ärsfft Chrifti bey mir wohne, 
2,&or. 12.0, 9, k 
\ Mix...‘ ä 
Die wahre Erleuchtung bringet mit ſich die Verſchma⸗ 
Verſchmaͤhung der Welt: Denn'gleichwiedie Kin- ee 
Derdiefer Welt ihr Erbe auf Erden haben, zeitliche Ehre, das gering: 
vergänglichen Reichthum, irdiſche Herrlichkeit, welches BE StU* 
fie für groffe Schase halten: Alſo find der Kinder GDtz leuchtune. 
tes Schäße, Armuth auf Erden, Verachtung, Verfol⸗ Shäre der 
gung, Schmach, Creutz, Tod, Marter, und Dein; gleich Gottes. 
tie Moſes die Achmach CArifti Höber achtet, 
denn die Schaͤtze Zappri; Hebr. 11.0.26, Das 
ift die rechte Erleuchtung. 
XV 


| . Is, 
Der rechte Name der Chriften, {op im Himmel Der rechte 
gefehrieben, Lur.ı0.0.20. iſt das wahreErkaͤnntniß Arien 
IEſu Chriſti im Glauben, durch welchen wir CHri⸗ 
to eingepflantzet, ja in CHriſtum geſchrieben feyn, als 
in das Buch des Lebens, Daher die lebendigen Cugen⸗ 
den entfprieffen, welche GOtt an jenem Tage rüb- 
men wird: Matth. 25,0. 34. ſaq. Andale Schäge, 
ſo im 


Palm 81. 
d II. 


Epheſ. 4. 
dv 39. 


Roͤm. 12. 
* 9 II, 

Matth. 5. 
6. 


v. 
Roͤm. 5. 
v. 40. 


e, Cor. 6. 
v. 8. 
Roͤm ˖ 12. 
v. 21. 
Matth. 5 
v. 44. 
Route 12, 
v.19. 
Revit- 19% 
v. 17. 


1. Cor. 15. 
v y„2. 


268 B. J. C. 2a0. Schöne Regeln 


fo im Himmel geſammlet, hervorbringen, ı.QTim.6.v.19. 
und als Wercke, fo in GOtt gerban, ans Licht bringen 
wird: Joh. 3.v. 2u. Man findet Feinen Heiligen, er 
iſt durch eine ſonderbare Tugend beruͤhmt: und derſel⸗ 
ben Tugend wird nimmermehr vergeſſen: M.ı 12, 
v. 6. Das iftder angefchriebene Name, Dffenb. 2.0.17. 
Cap. 3.0.12. Glaube, Liebe, Barmhertzigkeit, Gedult, 
und dergleichen. Diefe geübte Tugenden beweifen 
rechte Heiligen und ervige Namen im Himmel, rc. Das 
von im andern Buch weitlaufftiger, 


| Gebet. 





Armhertziger GOtt, auf deinen Befehlund guädige Ver: 


heiſſung / ich ſolle meinen Mund weit aufthun,du wolleft ihn 


füllen, komme ich zu dir, und bitte, fehreibe du durch deinen Geift | 


folche Lebens⸗Regeln ausdeinem Worte in mein Herß, die mich 
allezeit meiner Schuldigfeit gegen dich, meinen Nächften, und 
mich febft erinnern. Pflantze in mir eine heilige Begierde nach 
der Vollkommenheit: Sieb mir ein rein Her, eine von der Welt 
und deren Eitelkeit freye,und über diefelbe erhobene Seele, wel⸗ 
che nichts betrüben koͤnne, als das deinen Geiſt betrübet,und von 
ung treibet. Laß mich mein Ereuß in demuͤthiger Gedult willig 


und freudig tragen, dir mich ftets laſſen, ob es dir gefalle mich zu 


erfreuen oder zu betrüben, weil du biſt die ernige Güte, die ewige 
Weisheit, und weift am beften, was mirdienet. Berfehmähe 
nicht die Schwachheit und Unvollfommenheit meines Gottes⸗ 
dienfteg,und laß ihn dir gefallen in EHrifto IEſu deinem Gelieb⸗ 
ten: Mache aber mich ftets brünftig im Geift, hungrig und durs 
ftig nach der Gerechtigkeit. Neinige mich von meinen Sünden 
durch das Blut JEſu; hilff mir, wann ich falle, bald wieder aufs 
zuftehen,und laß deine Gnade mächtiger ſeyn, wo die Sünde bey 
mir mächtig geworden ift. Die unverdiente Schmach und Ver⸗ 
achtung der Welt gieb mir williglich zu tragen, und durch Ehre 
undSchande zuringen, mit IEſu, meinem Vorgänger, einzuges 
hen in die enge Pforte. Vergieb allen meinen Feinden,und gieb 
mir Gnade, ihr Boͤſes ſtets mit Gutem zu überwinden, fie zu fegs 
nen, wann fie mie fiuchen, ihnen wohlzuthun, wann fiemich bes 
Ic: digen. Dein iftja die Nache, und du wirſt vergelten zufeinee 
Zeit einem ieglichen, mie er verdienet. Bewahre mich Fin Neid 
und Mißgunſt , daß die in meinem Hertzen Feine ftatt finde: hinges 


gen geuß aus in daffelbe wahre und reine Liebegegen den Naͤch— 


ften, daßich ihn nicht Haffe in meinem Hergen, fondern feine Uns 


tugenden in hertzlichem Mitleiden ftraffe, und nie unterlaffe für 


ihn zu bitten, in Anfehen. daß meine Unvollfommenheiten auch 
dergleichen Mitleiden und Fuͤrbitte bedürffen, als der ich ums 
au 


eines Chrifklichen Lebens. 269 


ausdeiner Gnade bin, was ich bin. Gieb mir die Gnade, daß Hebr. ır. 
ich mit Mofe die Schmach CHrifti für groͤſſer Reichthum achte, v. 26. 
als alle Schäße Egypti, von Hergen diefer Welt Ehre, Gemach 
und Güter verfhmähe, als Dinge, die zu geringe find mich aufz 
zuhalten, und geſuchet zu werden von deme, deffen Namen im 
Himmel angefchrieben, und deme ein unverwelcliches Erbe be: £ne. 10, 
reitet it. Darnach hilff mir, mein GOtt, zu verlangen, fire: v. 20. 
ben, jagen, und es wuͤrcklich zu erlangen, durd) CHriftum SE; 1 Petrn, 
ſum unfern HErrn! Amen. Ä u 
Das XLI. Capitel, 


Richtige Wiederholung 
Des erſten Bud, 


Das gantze Chriſtenthum ſtehet in der 

Wiederaufrichtung des Bildes GOttes im 
Menſchen, und in Austilgung des Bildes 

des Satans. 

2.Cor. 3.0.18. Nun aber ſpiegelt ſich in uns allen 
des Errn Blarheit mit aufgedecktem Ange⸗ 
ſicht und wir werden verklaͤret in daſſelbige 
Bild von einer Blarheit zu der andern, als 
vom Geiſt des HErrn. 


SE dem wahrhafftigen Erkaͤnntniß Chriſti Job. 17. 
Pa feiner Perſon, feines Amts, feiner Wohlthaten, gprinnen 
feiner himmliſchen ewigen Guter , ſtehet das das emige 
ewige Keben, welches allesder Heilige Geiſt in unfern gap" Ne» 
Horgen anzündet, als ein. neues Ficht, welches - immer 
heller und Elaver void, als ein poliertes Ertz oder Spies 
gel, oder wie ein Eleines Kind taglich am Leibe waͤchſt und 
zunimmt; denn der Mensch wird in feiner Bekehrung 
neu gebohren, wenn ihm durch den Glauben EHrifti 
Gerechtigkeit geſchencket wird, wieauchnad) dem Eben⸗ 
bilde GOttes taͤglich erneuert ; iftaber nicht ein voll- 
. kommen Mann, Epheſ. 4. v. ı 3. fondern ein Kind, das 
hernach vom Heiligen Geijt aufergogen, und EHrifto 
JEſu von Tage zu Tage gleichformiger wird. 
Denn das gange Ehriftliche Keben auf Erden ift Was das 


und muß nichts anders, feyn, Denn eine Aufrichtung SDifide 
| { des 


270 Bl. C. a1. Richtige Wiederholung 


des Ebenbildes GOttes, in einem gläubigen Men⸗ 
fehen, alfo, daß er ſtets in der neuen Geburt lebe, und 
die alte Geburt täglich in ihm daͤmpffe und toͤdte, 
Roͤm. 6. v. 4. Und das muß hie in dieſem Leben ange⸗ 
fangen werden; in jenem Leben aber wirds vollfomz - 
men werden. Und i in wen e8 nicht vor dem Sungften 
Tage und vor feinem Tode angefangen wird, in dem 
wirds auch nimmermehr in Ewigkeit aufgerichtet wer⸗ 
den. Darum will ich nun zum Beſchluß und zum Liberz 
fluß wiederholen, was das Bild GOttes 1.3. Mof, 
Worinnen 1.0.26, und das Bild. des Satansfey: Denn in 
—— dieſen beyden Stuͤcken ſtehet das gantze Chri⸗ 
‚befiche. fEentbum, und erklären viel Artikel der Schrifft, 
ats von der Erb⸗Suͤnde, vom freyen Aßillen, von der 
Buſſe, vom Glauben, von der Mechtfertigung, vom. 
Gebet, von der neuen Geburt, Erneuerung, Heiligung, 
vom neuen Leben und Ge horſam. Davon mercke nun 
ſolgenden Bericht: 
Mas die Die Seele des M enſchen iſt ein unſterblicher 
Se⸗le 19 Geiſt von GOtt begabet mit herrlichen Kraͤfften, mit 
Verſtand, mit Willen, mit Gedaͤchtniß, und mit andern 
Bewegungen und Begierden. 
Die Seele Dieſelbige halte nun gegen GOtt, und abconter⸗ 
en feye in ihr das Bild GOttes alſo, daß GDtt als in ei⸗ 
‚Spiegel nem Spiegel in der Seele des Menſchen erkannt und 
Hours. geſehen werde; denn das meynet St. Paulus, daß fich 
Die Rlarbeit des HErrn in dem erneuerten Bilde 
GOttes ſpiegele, 2. Cor. 3.2.18. 
Gleichförs Sleichivie nun GOttes Subftans und Weſen 
re un gut und heilig iſt; Alſo iſt auch die Subftang und 
‚mit 89 Weſen der ‚Seelen anfanglic) und urfprünglichi gut 
Bene und heilig geweſen. Wie in GOttes Weſen nichts 
ſchuid iſt: Alſo iſt auch nichts Boͤſes geweſen in des 
Menß hen Seele. Wie alles, was in GOtt iſt, nur 
guetit,y. B Moſ.3 320,4 Sf. 92.0.16, Alſo iſt auch 
aͤlles, was in der Eeleng geweſt iſt, gut geweſen. Wie 
GOtt verſtaͤndig und weiſe iſt: Alſo iſt des Mens 
ſchen Seele auch verſtaͤndig und weile geweſen, voll 
Erkaͤnnt⸗ 





Zn u u 


| 


| 


/ 


des erſten Buchs. | 271 


Erkaͤnntniß GOttes, voll geiftlicher, himmliſcher, ewi⸗ 
ger Weisheit. Wie die Goͤttliche Weisheit alle 
— in Zahl, Gewicht, Maaß und Ordnung ge⸗ 
ſetzt, Weish. 11. v. 22. und alle himmliſche und irdi⸗ 
ſche Kraͤffte aller Creaturen weiß: Alſo hat dis Licht 
auch geleuchtet in des Menſchen Gemuͤthe. 

Wie nun der Verſtand in der Seelen geweſen iſt: Der Witte 
Alſo iſt auch der Mille geweſen, heilig und in allen (Pen 
Dingen GOttes Villen gleichformig. , Wie GD tler 
gerecht, guͤtig, barmhertzig, langmuͤthig, gedul⸗ mig. 
tig, freumölich, ſanfftmuͤthig, wahrhafftig, keuſch 
it, 2 2. B. Mol. 34.0.6. Pf. 103.0. 8.3002. v. 13. 

son. 4.0.2. Alſo ift Die menschliche Seele aud) geivez 

en. Wie der Wille des Menſchen GOttes Willen 
gleichfoͤrmig geweſen: Alſo alle Affeeten , Begierden, 
Lüfte und Bewegung des Hertzens And heilig, und dem 
Gsttlichen ewigen Gemuͤthe und Bewegungen volle 
kommlich gleichfornig gewefen. Wie GHDit die 
Liebe ift: Alſo find alle menfchliche Affecten und Be⸗ 
wegungen ee denn eitel Liebe gewefen. Wie GOtt 
Pater, Sohn und Heiliger Geift mit unausfprechlicher 
ewiger Liebe gegen einander verbunden und vereiniget 
feynz Joh. 10,0. 30. &.17.0. 11. Alſo find alle Affe⸗ 
cten, "Bewegungen, Begierden der menfchlichen Seele 
mit eitel vollfommener, reiner, lauterer, brünftiger 
Liebe entzündet gewefen, von gantzer Seelen, und von 
allen Bräfften: 5.3. Mof. 6. v. 5. 1.Cor. 13.0.4. 
Da hat der Menſch GOtt und feine Ehre lieber gez 
habt, denn ſich felbit. 

Und wie in der Seele GOTTES Ebenbild Der Leib 
geweſen und geleuchtet: Alſo iſt auch der Keib De 
Seelen Ebenbilde gewejen mit allen lebe: DIgEN Wen. 7. 
Leibes + Kräften, heilig, keuſch, ohn alle unor⸗3 € 3. 
dentliche Bewegungen und Luͤſte, ſchoͤn, lieblich und” 
herrlich, allezeit geſund und friſch, unſterblich, mit 
allen ſeinen inwendigen und auswendigen Kraͤff— 
ten und Sinnen, ohn allen Verdruß, Leiden, Schmer⸗ 
tzen, Beſchwerung, Kranckheit, Alter I 

ums 


Der keib 
des Men: 
ſchen ein 
heiliger 
Zenpel 
EDites. 
1. Cor. 6. 
v. 19. 


272 BLE.41. Richtige Wiederholung 


Summa, der gantze Menſch iſt vollkommen geweſt an 
Leib und Seel, heilig, gerecht, GOTT gang wohlge⸗ 


fällig, denn der Leib muß auch heilig und GOtt gleich 
feyn, ſoll der Menſch GOttes Ebenbild ſeyn, wie 
St. Paulus fpricht 1. Theſſal.5. v. 23. Euer Leib, 
Geiſt und Seele ſoll beilig fepn. Denn Leib und 
Seele zufammen find ein Menſch, der feine Wercke 
geiftlich und leiblich. zugleich thut:. Und fo die heilige 
gerechte Seele Durch den Leib und in dem Leibe wuͤrcken 
foll, fo muß fie ein heilig Werckzeug haben, das ihr nicht 
widerſtrebe. Wie die Seele in reiner Liebe GOttes 
entzundet geweſt: Alſo iſt des Leibes Leben und Krafft 
in GOttes und des Nächften Liebe entzündet geweſen. 
ie Die Seele aus allen ihren Krafften bermbergig 
gerveft, alſo ift der Leib auch in allen. Krafften zur 
Barmhersigkeit mit beweget geweſt. Wie in der 
Seelen Göttliche Beuſchheit geweſen it: Alſo ift 
auch der gantze Leib ſamt allen innerlichen und aufferli- 
chen Kräften und Sinnen in vollfommener Reinig⸗ 
feit und Keufchheit mit entzündet geweit. Und alfo 
fortan ift der Leib inallen Tugenden der Seelen gleich⸗ 
fürmig geweſt, als ein heilig mitwürcfendes Werckzeug. 
Und alfo har der erſte Menfch in feiner Unfhuld GOtt 
lieben koͤnnen von ganzem Hertzen, von ganger 
Seele, von allen Rräfften, 138 feinen Naͤchſten 
als fih felbft: 5. B. Mof. 6. verf. 5. Mutth. zz, 


0,37. Wenn GOTT das Aerg fodert, ſo fodert er 


as dad 


Schrift. 


den gansen Menſchen mit Leib und Seele, und allen 
Kräften. Und alſo muft du das Woͤrtlein Aerız in 
der Schrift verfiehen von allen Seelen = Kräfften, 
Verſtand, Willen, Affecten und Begierden. Wenn 
auch GOtt die Feeie fordert, fo fordert er den gantzen 
Menfchen mit feinem gangen Weſen, Keben und allen 
Kräfften. Derſelbe muß GOtt gleich feyn, und-in 
EHrifto erneuert werden. Und alfo müffen wie im 
neuen geiftlichen Leben, und im Geift weendeln; Sal. 
5. v. 16. Eph. 4. 0,23. 


Wie 


des erſten Buchs. 273 


Wie nun der Menſch vollkommene Heiligkeit, gerechtig 
Gerechtigkeit und Liebe gehabt hat; fo hat er auch eit, Liebe 
GOttes vollkommene Freude in feiner Seelen und de kndsepe 


Lebens» Kräften gehabt: Denn wo Göttliche Hei emunder, 





ligkeit ift, da ift Auch Göttliche Freude Dieſe beyde 


find ewig beyeinander, und find das Ebenbild GOt⸗ 
tes, Weil wir nun die Heiligkeit und Gerechtigkeit 


Gottes vollkommen nicht haben in diefem Leben, 


ben, fondern eitel Tod, in welchen alle 2 


müffen wir auch ſeiner vollfommenen Freude entbeh⸗ 

ven, Doch weil die Gerechtigkeit Chriſti in allen 
Gläubigen hier angefangen wird, fo wird dieſe geift- 

liche Sreude auch wahrhafftig in ihnen angefangen, 

und von Andachtigen und Genbten im Reiche GOttes 
empfunden. So größ als nuneinieder Ehrift GOt⸗ 

tes Liebe in ihm bat, ſo groß hat er auch GOttes 
geiftliche greude; Phil. 4.0.4. Pf. 63.0.12: Pf: 84. 

dv. 2. Und weil die Kiebe an jenem Tage wird vollkom⸗ 

men werden , fü wird auch die Freude vollkommen 
werden, wie der Herr CHriſtus Joh. am 16. v. 22. 

ſpricht: Denn die Liebe iſt Leben und Freude allein. 

Bo Feine Liebe iſt, da iſt auch keine Freude noch Ker Ds Feine 
| Teufel und in ncul na 
unbußfertige verſtockte Menfchen ewiglich bleiben Hegreude. 


werden. Woraus empfindet ein Vater Freude? 


Aus Liebe feiner Kinder. Worazus hat ein Braͤuti⸗ 
gam Freude? Aus Liebe gegen feine Braut: Eſa. 62. 


v. 5. Vielmehr kommt unausfprechliche Freude aus Aus 69% 


der Liebe gegen den Schöpffer , Pf. 18. verf. 2. der pmme 


uns mit feines Mundes Aus, Hohel. 1. v. 1. Das iſt groffe 


in EHrifto, aufs lieblichſte kuͤſſet und in ihm, und durch ER 


Die Liebe des Heiligen Geiftes zu uns kommt, und 


— 


Wohnung bey uns machet; Joh. 14. v. 23. Di Unterfheid 
Bilde GGttes, welches in der Gleichfoͤrmigkeit mit or ung 
EDtt ftebet, ſolt du nicht alfo verftchen, alsware der GOttes 
Menfch allerdings GOtt gleich , an ſo groſſer Heilig: Bilde. 
Eeit, wie GOtt felbft iſt; denn GOtt ift unbegreifflich, 
unermeßlich, unendlich in feinem Weſen, Tugenden 
und Eigenſchafften: Darum der Menſch GOttes 
1, Theil, © Bild 


x 


274 BLE . 41. Richtige Wiederholung 


Bild allein getragen, wie in dieſem erften Buche am 
1.&apitel der in erſcheid deutlich geſetzt iſt. 
Dieſer Bericht von dem Ebenbilde GOttes iſt klar, 
gewiß, wahrhafftig. EOtt hat den Menſchen zu ſei⸗ 
nem Elaven hellen Spiegel gemacht, auf daß, wenn der 
Menſch hatte wiſſen wollen, was GOtt ware, fo hätte 
er ſich felbjtangelehen, und GOtt als in einem Spiegel 
in ihm ſelbſt geſehen; ja er hatte GOttes Ebenbild in 
feinem Hertzen empfunden. 
Da Dieſes Bild GOttes iſt des Menſchen Leben 
Got nd Seligkeit geweſt; Das hat ihm aber der lei⸗ 
hen dige Satan mißgönnet, und Die allergröfte Liſt und 
rechtigteit Geſchwindigkeit gebrauchet, das Bid GOttes im 
und Leben. Menſchen zu zerſtoͤren durch Ungehorſam und Feind⸗ 
ſchafft wider 8Dtt: 1. B. Nof 3.0.4. Keine groͤſſere 
Groſſe rit Geſchwindigkeit iſt ie gebrauchet worden, und wird 
ei auch nimmermehr gebrauchet werden, denn der Teufel 
Pörung des allda gebrauchet hat; denn es bat ihm und dem ganz 
— tzen menſchlichen Geſchl echte ihr allerhoͤchſtes Gut ge- 
und inAuf: golten, wer eines andern Herr folte feyn und bleiben 
yasiug ewiglich: Und bat nach feiner groffen Lift und Ges 
ne ſchwindigkeit nichts hoͤhers finden Eonnen, damit er 
Brilbes. den Menfchen betrugen und von GOtt reilfen Eönte, 
denn Dadurch er ſelbſt gefallen war, andiich jelbit bes 
Wodurch tragen. Solche Begierde bildete er unſrer erſte n Mut⸗ 
en ter ein durch das ſchoͤnſte und lieblichſte Thier im Para 
febret, umddieg, aufs freundlichfte und guͤtigſte. Bas Fan für 
2 an ein befferer, höher und weiferer Rath feyn, Denn wie ein 
a Menſch GOtt felbit werde? Denn dadurch wird dag 
Bild GOttes im Menfehen serftöret, und des Satans 
Bild eingedrucft, welches nichts anders iſt, denn wol⸗ 
len GOtt ſelbſt ſeyn. 
Hoffart Da nun dieſe Begierde und allergroͤſſeſte Hof⸗ 
achorfam: FRE dem Menfehen eingebildet, dafolgereder Fall der 
R ein‘ An-Ungehorfam und Übertretung des Gebots GOt— 
Sn er © tes an Dem verbotenen Baum: Da it das Bild 
Pr * GOttes erloſchen, der Heilige Geiſt vom Menſchen 
14 gewichen, und Das Bild Des Satans eingedruckt. 
Dadurch 


des erffen Buchs. | 275 


Dadurch find fie des Satans Keibeigene und Gehors 

ſame, und er ihr Herr worden, und hat in ihrer Seelen 
gewuͤtet, wie ein zorniger Rieſe uber ein armes Kinds 

fein wuͤtet, ihren Derftand verfinftert und geblendet, Schredtis 
ihren Willen von GDtt abgewandt, durch höchften 8 Erb 
Ungehorfam; alle Kraffte des Hersens GOTT wir * 
derſpenſtig gemacht, und mit hoͤchſter Bosheit vergiff⸗ 

tet: Summa, das gantze Bid GOttes in ihm ge 

tödtet, und Dargegen fein Ebendild in fie gepflanget, 

fie mit feiner-böfen Art beſaamet, und alfo au feinen Satans 
Kindern nach feinem Bilde gebohren, mit aller Sunde Bild. 
und Feindſchafft GOttes vergiftet. Alſo find fie des 

ewigen Todes geſtorben; denn gleichwie das Bild Geiklicher 
GDttes das ewige Leben und Seligkeit des Menfchen Guiaer —ed 
gervefen ift: Alfoift die Beraubung des Bildes GOt⸗ Falı 

tes der ewige Tod, und die ewige Berdammmiß: Abams. 
Eph. 2.0.1. Col. 2.0.13. 

Dieſen Tod verftehen am beften die betrübten Hohe geife 
Hertzen, fo die hohen geiſtlichen Anfechtungen leiden a 
müffen, und des Teufels Tyranney, Wuͤten und Tor und Ser 
ben wider die arme Seele erfahren, über die germohns Ien-Noth 
fiche Macht der Sünden. Nenn da der Heilige 
Geiſt unter dem Ereuge ftille halt, und fie nicht troͤ— 
ftet, und mit lebendigen Troſt erquicket, fo koͤmmt 
der Satan über fie, todtet fie mit dieſem Tode, und 
quaͤlet ihre Seele mit der Hoͤllen⸗Angſt. Da verſchmach⸗ 
tet der gantze Leib, das Hertz verwelcket, das Marck 
verſchwindet, wie im 6. und 38. Pſalm ſtehet. Da 
ſind ihm alle Worte GOttes todt, und findet kein 
Leben darinnen, fuͤhlet Feine Andacht und geiſtlich Le— 
ben in ihm. Das iſt der rechte geiſtliche Tod, Da Seiſtliche 
liegt im Koth aller Menfchen Heiligkeit, Gerechtigkeit, u 
Wuͤrdigkeit, Starke, Vermögen, Ruhm, Ehre, 

Kunft und Weisheit. Hier Fan nichts -helffen, denn Menſchen— 
GOttes Ginade, Kräfte. 

„Da lerne nun, o lieber Menfch, was die Lrb- Erb⸗San— 
Sunde für ein Greuel über alle Greuel fey, nemlich de was? 
der Mangelder erblichen Gerechtigkeit GOttes, und die 

N SG 2 erbliche 


276 Bl C. ar. Richtige Wiederholung Br 


erbliche he Ungerechtigkeit von dem Zeufel dem Mens 
fehen eingepflantzet; um welcher millen der under von 
GDtt verworffen und verdammt ift zum ewigen Tode, 
darinnen er auch ewig bleiben muͤſte, wenn er nicht Ver⸗ 
gebung der Suͤnden um Cehriſti willen durch den Glau⸗ 

ben erlangete. 
renden, _ Damit du es aber beſſer verſtehen mögeft, will ich 
aeBermabr dir dieſen Greuel, damit dein Leib und Seele behafftet 
ift, befjer entdecken. "Bitte auch und ermahne ieden 
Menfchen um GOttes und feiner Seligkeit willen, 
daß er dieſen Artickel wohl lerne, und täglich betrachte, 
damit er feinen Jammer und Elend vecht verftehen 
lerne, und die Erb⸗Suͤnde in ihm ſo wohl Eennen lerne, 
als fein Angeficht im Spiegel, und taglich Darüber 

teufie und jamınere, 

Denn das gange Chriſtliche Leben it und muß 
nichts anders feyn, denn ein geiftlicher Bampff wie 
der die Erb-Sünde, und Ausfegung derfelben durch 
den Heiligen Geift und durch wahre Buſſe; denn ie mehr 
du d die Erb⸗Suͤnde daͤmpffeſt, ie mehr wirſt du von Tag 
zu Tag erneuert zum Bilde GOttes: Und die ſich in⸗ 

Heuchler. wendig durch den Heiligen Geiſt nicht toͤdten ſind Heuch⸗ 
ler, wie heilig ſie auch aͤuſſerlich vor der Welt ſind. 
Wer nicht Denn zum Himmelreich iſt alles untuͤchtig, was nicht ihm 
a ine felbft geftorben, und nieder durch den Heiligen Geift er 
mei. neuert iſt nach dem Bilde GOttes. 
Warumdie Daraus fieheft du nun, wie hochnöthig die neue 
en Geburt und Erneuerung ſey; welches du alles beffer 
bochnöthig. verftehen twirft, wern du das ‘Bild des Satans bes 
| trachteft n nach dem Geſetze GOttes. Denn erftlich, 
| wie der Teufel GOtt nicht lieber, fondern ihme von 
Rurhriiäe Hertzen feind iſt; Alſo hat er Die Seele vergiftet, und 
ei feine gantze Feindſchafft widerSon in dieſelbige ein⸗ 
gegoffen, daß fie GOTT nicht lieber, ehret, anruffet 
noch vertrauet, fondern hm fe eind it, und für ihm 
fleucht. Wie der Teufel m Blindheit ohne GOtt 
hinlebet, und gedencket feines Willens nicht + Alfo 
hat er des Menfchen Seele ** geblendet, das ſie ae 
tt 


des erften Buchs. 2277 


nn 
GDtt hinlebet, und gedencket feines Willens: nicht. 
Dier Finſterniß im Gemüt) des Menſchen iſt eine 
graufame ſchreckliche Zerftährung des Lichts und Bil⸗ 
des GOTTES, und eine graufame Sünde, daß der 
Menſch fpricht: Es fep Bein GOtt, Palm 14.0. ı. 
Um welcher Blindheit willen das gange menſchliche 
Sefchlecht ein Breuel iſt por GOTT in feinem 


efen. ’ 

Es iſt zwar im menfchlichen Berftande ein kleines a % 
Fuͤncklein des natürlichen Lichts blieben, alfo, daß eiN des marär, 
Menſch aus dem Licht der Natur fchleuft, Daß einlihen Lich⸗ 
GoOtt fey, Nm. ı. v. 19. weiß auch, daß er ein gerech⸗ Senfpen- 
ter GOtt fen, wie alle heydnifche Weltweiſen bezeugen ; übrig. 
Aber das geiftliche Keben nah GOTT und feiner 
Gerechtigkeit it im Menfchen gang geftgrben: Denn 
das Gewiſſen, welches iſt das Geſetz GOttes, fo 
allen Menfchen ins Hertz gefchrieben in der Schoͤpf⸗ 
fung, fagt einem ieden, was recht ift. Als ein un— 
züchtiger Menſch gedencket bisweilen: Es ift ein 
GOtt, und derſelbe ijt Eeufch, alſo folteft du auch feyn, 

Unzucht ift ein Sreuel vor GOTT. Aber dieſer Ge⸗ 
dancke, der recht und gut tft, und ein Eleines Kichtlein 
ift, wird. bald verdundkelt, wie ein kleines Fuͤncklein 
vom Waſſer ausgelöfcher und gedampffet. Die böfe 
Kuft und Brunſt des Fleifches behaͤlt Uberhand. Ein 
Derleumbder und Mörder dencket bisweilen des⸗ 
gleichen: Es iſt ein SOTT, der wahrhsftig ift, und 
den Menfchen nicht, will getödtet, ſondern erhalten 
haben. Aber dis Fuͤncklein wahrer nicht lange, fondern Geitlih 
wird Durch den teufelifchen Zorn und Nachgier übern munter 
wunden, und ift das geiftliche Keben im der Kiebe und todr im 
Wahrheit gang todt und geſtorben in einem fleiſchli⸗ annuden 
chen Menfchen. / 

Die weifen Heyden fchlüffen wohl aus dam Licht 
der Natur, es fey ein GOTT, der das menfchliche Ges 
fehlecht vegiere: Aber wie bald werden fie von der 
Blindheit ihres Herkens überwunden, daß fie zwei⸗ 
fen an GOttes Vorfehung, wie ihre Bücher bez» 

S3- gen. 


278 B.l.E.y4r. Richtige Wiederholung 
Zindheit gen. Aus dieſer Erbs’Blindheit und angebohrnen 


— 53 Finſterniß quillet her der Unglaube und Zweifel, in 
ſchen. welchem alle Menſchen von Natur ſtecken, und des⸗ 
wegen vor. GOtt ein Greuel ſeyn: denn fie leben nicht 
im Glauben und hertzlichem Vertrauen auf GOTT. 
Bon dieſem geiftlichen Leben und, feinen Wercken 
weiß der natürliche Menſch gar nichts, ruffet auch 
Edit nicht an, fondern verlaͤſt fich ‚auf ſich ſelbſt, auf 
feine Weis heit, Vermögen und Staͤrcke; weiches die 
gröfte Blindheit iſt. 
Teufels⸗ Aus dieſer Blindheit quillet her Verachtung GOt⸗ 
— tes und Sicherheit; denn wie der Teufel ſich vor 
.. GOTT nicht demuͤthiget, ſondern wider ihn hof⸗ 
faͤrtig bleiber: Alfo bat er mit dieſen Kaftern der 
Verachtung GDttes, Sicherheit und Hoffart, Die. 
Seele au) vergifftet, daß fie-fich vor GOtt nicht 
demuͤthiget, fondern in ihrer Hoffart bleibet, und ins 
wendig alles thut nach ihrem 9 tuthwoillen, ohn allen 
rag Scheu vor GOTT. Aie der Teufel ſich auf feine 
iandun. Weisheit und Macht verläft, und ſich ſelbſt re— 
gieret: Alſo hat er des Menſchen Seele auch vergiff⸗ 
tet, daß ſie ſich auf ihre Weisheit und Macht verlaͤſſet, 
und ſich ſelbſt regieren will. Wie der Teufel feine 
eigene Ehre geſucht. Alſo auch der Menſch und fra⸗ 
get nicht nach GOttes Ehre. Wie der Teufel wi⸗ 
der GOtt wuͤtet: Alſo hat er die Seele mit Ungedult 
wider GOTT beſaamet. Wie der Teufel GOt— 
tes Namen laͤſtert, und undanckbar iſt gegen ſei⸗ 
nen Schoͤpffer, wie er unbarmhertzig, zornig, rach⸗ 
gierig: So hat er die Seele des Menſchen mit ſol⸗ 
chem Gifft auch verderbet. Wie der Teufel gerne 
uͤber die Menſchen herrſchet, und ſich ſelbſt ehret; 
Alſo hat er auch die menſchliche Seele verderbet, daß 
ein Hoffartiger feinen N daͤchſten fuͤr einen Narren in 
ſeinem Hertzen achtet, für einen beillofen nichtigen 
‚ Menfchen, mit geoffen Sünden befudelt, und begehret 
ihn für einen Fußſchemmel zu haben. Wie der Teu⸗ 
fel ein Mörder it; * hat er auch die — zur 
oͤr⸗ 


des erffen Buchs, 279 


Mörderin gemacht. Und hiermit will ic) dirs taufend- GOTT 
na! gefagt haben, daß GOtt allezeit die Seele an⸗ ih: al 
fpricht und anklager, und nicht die Aufferlichen Glie⸗ Seele an- 
‚der. Das Hers, Die Seele, iſt der Mörder, Luͤgner, und 

nicht die Hande oderdas Maul. Wenn GoOtt ſpricht: 

PM. 50.0. 15. Ruffe mich an in der Noth; Eo ger yfso.u.. 
beit er der Seele nidye dom Maul, Wer des nicht 

mercket, der bleibet ein Narr in der H. Schrifft, und 

verſtehet nimmermehr die Erb⸗Suͤnde, die Buſſe, neue 

Geburt, ja keinen Artickel recht. 

Wir ſehen täglich Die treffliche Bosheit, ſchreck⸗ VroſſeBos⸗ 

liche Hoffart, Haß und Neid wider den Naͤchſten, —— 
daß die Menſchen lieber ſterben wollen, ehe ſie dem 
Naͤchſten ſein Leben goͤnnen und laſſen, er ſoll unter 
uns ſeyn, oder nichts ſeyn, nach unſrer boshafftigen 
zornigen Seelen, „Mit ſolchem grauſamen Neid hat Schrediig 
der Teufel die menſchliche Seele beſaamet, und um didne 
ſolches groffen Grimmes, Zorns +» Hafles, Neids, 
Feiadſchafft willen ift der Mienfch des Satans Bild: 
So hat er fid) in des Menfchen Seele abgebildet 
und abcontrafeyet. 

GOtt, hat dem Menfchen eingepflanget eine reine, 
Feufche, süchtige, ebeliche Liebe, Kinder zu zeu⸗ 
gen, nad) dem Ebenbilde GOttes; und ift Feine beiltz 
gere Luft und Liebe geweſen, denn das Ebenbild GOt⸗ 
tes fortzupflansen, und das menfchliche Geſchlecht zu 
vermehren zu GOttes Ehren und der Menfchen ewi⸗ 
sen Seligkeit: Ja, wenn ein Menfch in der Unſchuld Heilige 
hundert taufend Kinder zeugen, und das Ebenbild yaryun 
GOttes und feine Ehre hatte fortpflangen koͤnnen, 
das ware feine heiligfte, höchfte Luft und Freude ge 
wefen; denn das ware alles aus Liebe gegen GOtt und 
das menschliche Gefchlecht, als das Ebenbild GOttes, 
gefchehen. Denn wie GOTT den Menfchen in heilis 
ger und hertzlicher Wolluſt und Wohlgefallen gefchafz 
fen, und feine Freude und Wonne an ihm gehabt, als 
an feinem Bilde; Alfo hatte auch der Menſch in heiz 
liger Wolluſt feines gleichen gezeuget, Freude und 

S 4 Wonne 





280 BI.E.ir. Richtige Wiederholung 


Wonne an ihm gehabt, als an GOttes Ebenbilde. 
Sie aber der Satan diefe veine, Feufche, eheliche Liebes⸗ 
Efbrand Flamme verunreiniget mit feiner Unfauberkeit, darff 
€ eſner langen Predigt, Der Menfeh seuget nur feines 
gleichen, 1.3.Mof 5.0.3, wie ein unvernuͤnfftig Viehe 
in feiner Blindheit und Brunſt. Wie ift doc) von 
dem unfaubern Geiſt die heilige Che mit fo unordents 

lichen Laſtern verwuͤſtet! 
Wie der Satan ungerecht, ein Dieb und Raͤu⸗ 
ber iſt: ſo hat er die menſchliche Seele mit ſeiner 
diebiſchen Art beſaamet. Wie der Teufel ein Ver⸗ 
leumbder, Sophiſt, Laͤſterer, Schaͤnder GOttes und 
des Menſchen iſt, verkehrt GOtt und dem Men— 
Su, ſchen fein. Abort und Wercke, wie er that, da erunfere 
Kinder, erſten Eltern betrog; 1B.Mof. 3. ver. 1,fag. Alſo 
Sb. 3. bat er auch Die Gele des Menſchen mit feine giftigen 
"verkehrten lügenbafften Unart befaamet, und Die diaz - 
bolifehe Art forigewlanget, wie er it, das it, Luͤg⸗ 
ner, Laͤſterer, Verraumbder.  Diefer Gifft ift in des 
Menfchen Seele fo unaustprechlich, auf to viel tauz 
ſenderley Art, daß man nicht Worte finden Fan, Diefelbe 
auszureden; wie der 5. Pſalm, v. 10. und die Epiſtel 
an die Roͤmer am 3. v.13. und Et. Jacob am 3.0.5.6, 
— die boͤſe gifftige Unart des Luͤgenmauls und fals 
na "Seelen. (der sungen befehreibet: Da du nichts anders vers 
Was SH jteben folt, denn diefes teuflifche diabolifche Gifft in der 
gen S eefen, "Denn GOtt klaget in ſeinem Geſetz nicht 


kiaget. allein das Maul, Zunge, Haͤnde und Fuͤſſe an; fons 


dern den gangen Mentthen, fein Hertz und die Seele, 
den Brunnen alles Boten, wie er folches in den bey- 
den legten Geboten von den boöfen Lüften anungfam 
zu verftchen giebt, 2: Be Moſ, 20, verſ. 17. 18, 

Das lerne num wohl, 
Das Bild Dis ift das Bild des Satans, ſo der Teufel 
a der menfehlichen Seelen an ftatt des Bildes GOttes 
eingedruckt und eingepflanget, daß felche boͤſe Unart zu 
ſuͤndigen, zu velaͤumbden, den Naͤchſten zu vernich⸗ 
ten des Menfchen gröfte Luft und Freude iftz wie 
mancher, 


des erſten Buchs. 281 


mancher, der doch ein guter Chriſt ſeyn will, offt Urſach 
ſuchet, feinen Gifft wider feinen Naͤchſten auszufpeyen, 
Und wenn das gefehehen, fagen fie: Nun bin ich) wohl 
zufrieden, ich habe es ihm lange nachgetragen. Es ift 
mir num ein Muͤhlſtein vom Hertzen gefallen; ich bin 
nun, als wareich neugebohren. Ach du elender Menfch, 
erkenneft du nicht, wer dich zu einem folchen Lajterer und 
Diabolo gebohren hat? Sieheſt du nicht, wes Bild du 
trageft? Alſo drucken uns alle andere Teufels⸗Arten, Teuſels— 
Teufels⸗Koͤrner und Sgamen in unferer Seelen, alsın u wc 
Hoffart, Ehrgeiß, Unzucht, welches die tägliche Erfabz aus, 
rung genungjam bezeuget, « 
Siehe, du elender Menfch, dis Bild des Satang, Die ers 
welches it die Erb - Sünde, muſt du in deinem Sure das 
Hergen kennen lernen, wie nemlich die Seele mit Satans. 
des Teufels Bild und Unart befaamet, und gang Jr, 6 
greulich verwuͤſtet ift, ſo böfe, daß niemand des Men⸗ E.ız. 9. 
fchen Ders ergrunden Fan: Und du Fanft auch feibft 
nicht gnungfam ausdencfen und ausreden, was für 
ein Greuel in deinem Kerken ift. Das, bitte ich, Keiner 
molleft du dir tauſend⸗ und aber taufendmal laffen Spar pie 
gefaget feyn, daß nemlich dieſe Vergifftung fo Sünde 
groß, fd tief, fo heillos it, Daß Feiner Creatur mög: — 
ſich, weder Engel noch Menſchen, die Suͤnde aus der“ 
Natur des Menſchen auszutilgen, auszurotten, und 
auszufegen: Solches iſt allen Menſchen unmoͤglich, 
mit allen ihren Kraͤfften; denn wie kan einer ihm ſel⸗ 
ber mit ſeinen eigenen Kraͤfften helffen, die gantz verdor⸗ 
ben und geiſtlich geſtorben ſeyn? Der Menſch muß 
ewig in ſolchem Verderhen bleiben, wo nicht ein maͤch⸗ 
tiger Suͤnden⸗ Tilger kommt, dewguber Sunde und Ier, 3" 
Tod HERR ift, welcher auch die Natur des Mens gee, ır. 
ſchen andern, erneuern und reinigen kan. Da fieheftv is 
du, daß die Nechtfertigung Fein Menſchen⸗Werck ift, 
ehe auch, wie hochnöthig Die neue Geburt ift; 
enn es Fan die Seele inwendig aus ihren eigenen Patärliche 
Kräfften nicht: anders leben, denn in diefer ihrer eige⸗ Shan 
nen Schwachheit, RGHIHE Unart und ee 
5 in allen 


282 B.1.C.4r. Richtige Wiederholung 


in allen Sunden, wider alle Gebote GOttes, und fons 
derlich der erften Tafel, roefdje | Ubertretung die rechte 
Feindſchafft GOttes if. Da iſt Derftand — 

Wille gefangen, gantz geſtorben, und kan G 
von Natur nicht fürchten, lieben, vertrauen, en 
ehren, leben und preifen, noch fich zu ihm befehren, 
pas aber die andere Tafel anlanget, da ift nod) ein 
Frerer ¶ Fuͤncklein desfrepen Willens in der Seelen überblies 
ehe ben; aber derſelbe herrſchet nur über die auſſerlichen 
ben. Wircke der andern? Tafel; wiewol auch gan ſchwach 
und krafftlos und Fan ja etlicher maſſen die Begierden 
und boͤſen Luͤſte zaͤhmen, und uͤber ſie herrſchen, daß die 
aͤuſſerlichen Wercke nicht vollbracht werden, wie man 
De q an den tugendhafften Heyden ſiehet: Aber das Hertz 
nur Go, andern, zu GOtt wenden, von böfen Lüften reinigen, ift 
| unmoͤglich, da gehöret Göttliche Krafft ju: Denn die. 
inwendige gifftige Wurtzel bleibet, und iſt gleich, als 
wenn man ein Feuer dämpffet, daß die Flamme nicht 
ausſchlaͤgt, und doch inwendig immer glimmend und 

ungeloſchen ewig bleibet. 

ofisenn diefer fee. Mille in dem natürlichen 
aufferlichen Leben und Weſen nicht wäre, fo koͤnte das 
menſchliche Geſchlecht bey einander nicht leben. Dar⸗ 
um hat gleichwol GOtt der HErr den Satan nicht 
alle nathrliche Kräfte und Affecten aus des Mens 
fchen Seele veiffen laſſen. Es iſt gleichwol noch übrig 
blieben das Geſetz der atur die eheliche natuͤr⸗ 
liche Liebe zwiſchen Eheleuten, Eltern und Kindern, 
ſonſt koͤnte das menſchliche Geſchlecht nicht beſtehen; 
denn wer alle ſeine boͤſe Luͤſte und Begierde, feiner 
böfen Natur nachͤuſſerlich vollbringen will, der zer⸗ 
rüftet Die menfchliche. Geſellſchafft, und ſtoͤßt feinen 
Bam. Leib in das weitliche Schwerdt. Go bat auch GOtt 
das natürliche Liebes⸗ F aͤmmlein darum laſſen uͤber⸗ 
Lebes, bleiben, daß wir daraus erkeunen und ſpuͤren ſolten, 
en welch ein hohes Gut und ſchoͤnes Bild GOttes die 
fhenexhal- vollkommene Liebe GOttes ſey, und was wir für ein 
ana hohes Gut verlohren. Sonſt in geiſtlichen — 
ie 





— 


des erſten Buchs. 283 


die Seligkeit und das Reich GOttes betreffend, blei⸗ 
bet wohl ewig wahr, was St. Paulus . Cor. 2.0. 14. 
ſpricht: Der natuͤrliche Menſch verſtehet nichts 
vom Geiſt GOttes, es iſt ihm eine Thorheit, und 
kan es nich begreiffen; das iſt, er hat kein Fuͤncklein 
des geiſtlichen Lichts, ſondern er iſt ſtockblind in dem Geiklih, 
ganhen Goͤttlichen geiſtlichen Leben, zu welchen allein Syuminy 
der Menſch geichaffen ift, Daß er nemlich im geiitlichen Leben. 
Licht GOttes Gegenwart und feine herglicye Liebe ge⸗ 
gen ihm: mit inmwendigen Augen der Seelen anfehe, 
ewiglich für und mit ihm wandele, und fich von ihm 
regieren laffe in diefem Leben. | 
Diefes geiftlichen Lichts im Reich GOttes hat der 
natürliche Menſch nicht das geringfte Füncklein. In 
diejer Blindheit find und müffen alle Menfchen natürz 
lich bleiben, wo fie GOTT nicht erleuchtet. - Das 
iſt Die rechte geiſtliche Erb⸗Blindheit in Sachen das Natürliche 
Reich GOttes betreffende, Dazu kommt auch offt die Blndheit. 
natürliche Blinöbeit, wenn die Bosheit des Men⸗ 
fehen uberhand nimmt, dampffet und verfinftert auch 
noch. das Eleine natürliche Licht in der Tugend und Erz 
barkeit, ſo ins aufferliche Leben gehoͤret. Alſo ift die 
gantze Seele mit Hlindheit gefchlagen und verfinftert, 
und hatte ewig alfo bleiben muͤſſen, wo fie CHriſtus 
nicht erleuchtet. | 
Siehe nun; lieder Menfch, was bift ‘da, wo dich Ein Menſch 
EHriftus durch) feinen Geift nicht neu gebiehret, zu ei⸗ ee 
ner neuen Ereatur machet, zu GOttes Ebenbilde wie⸗ nichts, 
der erneuert? Welches alles aber doc) in dieſer Welt 
nur angefangen wird in groffer Schwachheitz denn 
fiehe dich felbjt an, der du des Heiligen Geiftes neue 
Creatur bit: Vie ſchwach und gering ift das Bild Sroffe A 
GOttes in dir? Wie ſchwach ift in dir die Furcht hg 
und die Liebe GOttes, der Ölaube und Hoffnung? den Kır 
Wie geringe ift die Demuth? Wie groß dargegen dr —* 
das Mißtrauen, Hoffart und Ungedult? Wie kalt Sal. s. 
und ſchwach ift dein Geber? Wie ſchwach iſt deine" "% 
Liebe gegen deinen Naͤchſten? Wie ein gerins 
ges 


284 B.LE.42. Beſchluß 


ges Fuͤncklein der reinen geiſtlichen Beuſchheit iſt in 
deinem Hertzen? Wie groſſe Flammen fleiſchlicher Un⸗ 
a zucht? Wie groß ift deine eigene Liebe, eigen Nutz, eigene 
no  Ehre,und die Brunft der böfen Luft? Dahaft dunun 
undStreit. durch den Geift GOttes zu Eampffen und zu ftreiten 
mit deinem alten Adam, mit dem‘Bildedes Satans in 
dir bisin Deine Gruben. Da bete, flehe, feuffse, fuche, . 
Elopffe an, fo wird Dir Der Heilige Geift gegeben, der in 
dir täglic) das Bild GOttes erneuert, und das Bild 
des Satans Dampffet. 
Nutz amd Alſo lerneft du nicht auf dich felbft, fondern auf 
Seh GOttes Bnade trauen und bauen, und daß GOttes 
bie. Gnade alles in die thun muffe. Alſo lerneft du durch 
den Glauben von und aus CHriſto alles füchen, bitten, 
erlangen, Goͤttliches Srkanntniß und IBeisheitwider 
deine Blindheit, EHrifti Gerechtigkeit wider alle 
| deine Sünde, EHrifti Heiligung wider alle deine 
”.  Unreinigkeit, ECHrifti_ Crlöfung, Krafft, Sieg, 
Staͤrcke wider Tod, Kölle und Teufel, und Derz 
gebung aller deiner Sünde wider des ganze Reich 
der Sünden und Teufels, die ewige Geligkeit wider 
allen deinen geiftlichen und leiblichen Jammer und 
Elend, und in EHrifto allein das ewige Leben: Das 
von im andern Buch weiter, 
Hierher gehören die Gebete, fo zu Ende bes erften und ans» 
dern Kapitels diefes Buchs gefunden werben, 


Das XL, Capitel. 


Beſchluß und hochwichtigellrfachen der 
- Ordnung deserften Buchs ; wie man fich auch 
für geiftlicher Hoffart huten fol: Und wie keine wahre 
hafftige geiftliche Saben ohne Gebet koͤnnen 
| erlanget werden. 

1. Cor. 4.0.7. Was Daft du Menſch, daß du 

- nicht empfangen baft? haft du es aber em- 
pfangen, was rübmeft du dich, als haͤtteſt dur 

es nicht empfangen? 





Sum 





Im TI Dr TTTEi 


— — — 


III TEL TI 





























ümmnmn TE 


JINIIITILNINMMUN N 


A ——— LELKTEETTELEEETTTT 





Das Erſte Buch, Cap, XLII.  pag.284 
Hier ift abgebildet, wie die Sonnemit ihren — ı;afı 
fer von der Erden indie Hohe zeucht, woraus endlich eine dicke 
Wolcke wird, welche die Sonne hernach hindert, daß fie nicht 
mehr durch fi ie würden Fan: Alfo gefchicht es auch, daß ein 
Ehrift , der durch die Gnade GOttes en Chriftenthum 
gar hoch und weit fommen, bisweilen allmählich kalt und dicke 
toird, fich auf die erlangte Gnade GOttes mas einbildet, und 
ne die Gnaden⸗Sonne an fernerer Gnaden— Bircung 
ndert. 
Roͤm. IT, verſ. 20. 
Du ſteheſt durch den Glauben, ſey nicht ſtoltz, 
ſondern fůrchte dich. * 
Nachdem des Menſchen Geiſt, durch GOttes Geiſt 
8ezogen, 
Gelangt zu einem hohen Grad, 
Und groſſem Maaß der Gnad: 
Und hurtig uͤber ſich geflogen, 
So wird er offtermalen 
Allmaͤhlich kalt und dick, 
Und ſpiegelt ſelbſt ſich in den Enaden-Strählen, 
Die er durch Hoffart preilt zurück, 
Was aber folgt hierauf, 
Wenn er beginnt mit fremden Gut zu prangen? 
Er hindert ſelber ſeinen Lauff; 
Sdteht mitten auf dem Lebens⸗Wege ftill, 
Und macht fich undegvem, den Einfluß zu empfangen, 
Durch) den der Himmel in ihm wuͤrcken will. 

Er wanckt, erfindet, er ftürgt: Je hoͤher er geftiegen, 
Se ſchwerer iſt der Zall, ie harter muß ex liegen. 
Gedenck, o Menſch, daß du ein todter Erd⸗Klump biftz 
Giebt GOtt Dir nicht den Odem und das Leben? 
Gedencke, daß du nichts, und nichts Dein eigen ift, 
Und du von allem muft gar ſchwere Nechnung geben, 
Gedenck, und haft du noch fo viel, 

Wie weit du hier vom Ziel 
Der Vollenfommenheitz und das du feine Gaben ' 
Ohn Demuth und Geber zu deinem Heyl Fanft haben 

Darum gied GOtt die Chr allein, 
Und fürchte dich, Io wirſt du ſicher feun, 


des erſten Buchs. 285 
ge Beſchluß des erften Buchs muß ic) dich noch, 


etlicher nothiwendigen Puncte erinnern : 

„1. Daß in dieſem Buche die Buffe mit ih⸗ Parumdie 
ren Seüchten aus fonderlichen Urfachen weitläufftig inrengeüc, 
und auf mancherley Art befchrieben und vor Augen ge- ir — 
ftellet ift: denn Die meiften Capitel dieſes erſten Buchs fgrienen 
find nichts anders, denn Sruchte der Buſſe, nemlich worden. 
die Erneuerung in CHriſto, die tagliche Creusigung 
und Todtung des Fleiſches, Die Verleugnung fein 
felbft, die Verſchmaͤhung der Welt, die Ubung der 
Liebe, und fo fort. Lind daſſelbe habe ich dir aus ſon⸗ 
derbaren Urſachen alſo unterfihiedlich und deutlich 
dor die Augen geſtellet; denn erftlich ift Das der An⸗ Buffe der 
fang und Sundament des wahren Chriſten⸗ guı9d@ 
thums, heiligen Lebens und Wandels, ja, der Anfang syums, 
unferer GSeligkeit ‚durch wahren Glauben: So Fan 
auch nimmermehr in eines Menfchen Hertzen wahrer 
beftändiger Troft haften und fafften, wenn er zuvor 
die Erb⸗Suͤnde, das greuliche, erfchreckliche, tödtliche, 
hoͤlliſche, teufeliiche Gifft und Übel, (ach ‚man Fans 
nicht greulich genug beklagen!) mit ihren Sruchten nicht 
recht und genugfam erkennet. Und find wahrhaffiig Zrot ie 
alle Troft- Bücher umfonft und vergeblich, wo diß Fun⸗ es 
dament zuvor nicht geleget ft, und du deinen Jam⸗ mise 
mer und Elend zuvor nicht vecht erkennen wirft, fonderz 
lich was für ein Greuel die Erb⸗ Duͤnde ſey; denn 
das iſt unſerer zarten ſchmeichelſuͤchtigen Natur Art, 
daß ſie immer ehe will getroͤſtet ſeyn, ehe ſie ihre Suͤnde, 

Unart und Bosheit erkennet. 

Das iſt aber eine verkehrte Art und Weiſe, und 
dem Grunde der gantzen Schrifft zuwider; denn 
die Starcken beduͤrffen des Artztes nicht, ſondern 
die Krancken; Matth. 9.0.12. EHriftusder wahre Umieitiger 
Arst, und feine Artzney, und aller Troft, ift die ohne * 
Erkaͤnntniß deiner Kranckheit nichts nuͤtze; denn ei— 
nes wahren Chriſten Leben ift nichts anders, und Eines mad» 
muß nichts anders feyn , Denn eine ſtete Creugi- ih onen, 
gung feines Sleifches, Das laß dis abermal * 
ma 


286 BL. C.a2. Befbluß 


mal für taufendmal gefaget feyn 4 denn diß find allern 

die Leute, ſo CHriſtum augebören, Sal. 5. verf. 22. 
Die wird er nimmermehr ohne Troft! laſſen. Und io 
Erkaͤnntniß deiner eigenen Schwachheit durch den Heis 
ligen Geiſt und Betrachtung des Evangelii, tragt den 
Troſt mit ſich auf dem Nücken,und führer dich zu CHri⸗ 
a ſto. Wolleft dic) aud) an das ungeitige Richten und 
N: Dernichten der ietzigen Welt nicht kehren, fondern wiſ⸗ 
fen, daß folche Richter und Vernichter elende blinde 
Leute feyn, die ihren eigenen Kammer und Elend nicht 
erkennen, auch nicht verjiehen, was Adam und CHriſtus 
fen, wie Adam in uns fterben, ud EHriftusinunsleben 
muͤſſe. Ver dag nicht will lernen, der bleibet in feiner 
Blindheit und Finſterniß, und verfiehet nicht, was 
wahre Buſſe, Glaube und neue Geburt fey, Darinn 

Doch das gantze Chriſtenthum ſtehet. 

Artzne d (1) Solt du auch gewarnet ſeyn fuͤr geiſtlicher 
ee Hoffart wenn unfer lieber GOtt durch feine Gnade 
fatt. in die anfahet zu würden geiftliche Gaben , neue Tu⸗ 
genden und Erkaͤnntniß; daß du erſtlich dieſelbe dir und 





deinen Kraͤfften ja nichezufchr eibeſt, fondern der Gnade 


GHttes: (2) Vielweniger deine angefangene Tu⸗ 
genden für deine Gerechtigkeit vor GOTT hältefte 
Denn es iit< Stuͤckwerck: (3) Diefelbe auch ja nicht 


gu deinen eigenen Lob und Ruhm gebraucheft, fondern. 


in. der Demuthigen Furcht GOttes, GOtt allein die 
Ehre gebeſt, und nicht Dir ſelbſt, auch nicht in deinem 
Hertzen gedenckeft: Ich habe nun einen gewaltigen 
Glauben, ich habe viel Erkaͤnntniß, und dergleichen. 
Hüte dich, das it des Teufels Unkraut, welches er 


Die Gaben iſchen den guten Weitzen ſaͤet; denn (1) ſo ſind 


find DR alle Gaben nicht dein, ſondern GH tes, undohne ®Dt- 
fehen fon: tes Erleuchtung bleibeſt du ein todter ftinckender Erd⸗ 
bern GOR glumpen: Und wenn GOTT feine Gaben nicht 
in dich legt, fo bleibeft Du ein leeres Gefäß. Gleich⸗ 

wie die Bleinodien, die man in ein Kaͤſtlein legt, nicht 

des elenden bloſſen Kaͤſtleins ſeyn, ſondern deſſen, der 

fie bineingeleget hat; Alſo find die Gaben nicht den 

— u 


Va ER 


des erften Burbs. 2897‘ 


PERS EN FT ET 
du biſt nur ein bloſſes Kaͤſtlein darzu. Solte das 
elende Gefäß ſtolhieren wegen des fremden Gutes? | 
Wie du ferner im andern Buch fehen wirt. (2) 
Wie ein Herr Macht hat, alle Stunden fein Gut aus 
dem KRaftlein gu nehmen, und dafjelbe in ein anderes zu 
legen, oder gar bey fich zu behalten; ſiehe, fo Fan 
Gott alle Stunden dir feine Gaben wieder nehmen: 
Darum ſey nicht ſtoltz, fondern fürchte dich: 
PMom.ır.dv.20. (3) Muft-du von ſolchen Gutern 
ſchwere Rechnung geben deinem HErrn. (4) Gedencke 
auch nicht, wenn du noch fo fehone Baben haft, fo har 
beft dur alles hinweg. Ach, lieber Ehrift, es iſt kaum 
der Anfang, es mangelt dir noch viel. (5) So ſolt Du Ohne Ge⸗ 
wiſſen, Daß du Feine dergleichen volltommene gute — 
Gaben ohne Gebet von GOtt erlangen wirſt; ac. 1. ſchaffene 
v. 17. ſondern was du haft, iſt als ein Schatte unddgeuge 
tummes Korn, das keine Frucht bringet, und verwelcket, unſer Hertz. 
ehe eg reiff wird: Wie du folches in meinem Bet⸗Buͤch⸗ 
lein ſehen wirſt, wie nemlich ſolche himmliſche Gaben 
von GOtt muͤſſen erbeten werden, und ohne Gebet in 
Fein Hertz kommen. Damit bu aber deffen einen klei⸗ 
nen Vorſchmack haben mögeft, fo lies das Tractatlein 
vom Gebet, im folgenden Buche. Auf zwey Dinge Beruf im 
anıt du fehen im Geber. Krfklich daß das Bild fipen 
des Satans in dir zerfiüret werde, Unglauben, Hof 
fart, Geis, Wolluſt, Zorn, ꝛc. Darnach, daß das 
Bild GDttes in dir möge aufgerichtet werden, 
Glaube, kiebe, Hoffnung, Demuth, Gedult, Gottes⸗ 
furcht. Siehe das heilige Gebet des HErrn, das 
Vater Unfer, an: Daffelbe gehet wider dich und für Brswir 
dih. Soll GOttes Flame allein gebeiliger werz une ber 
den, fo muß dein Name und Hoffart untergehen. tm 
Soll GOttes Reich kommen, ſo muß des Satans ° 
Reich in dir zerftoret werden. Sol GOttes Wille 
gefchehen, fo muß dein Wille zunichte werden. Siehe, 
das find zwey Theile eines nüglichen Bet⸗Buͤchleins, 
welches nach Ordnung des Vater Unfers die hininz 
liſchen ewigen Guter und Gaben, ſo in Denn 

| zebet 


Pſal. 138. 
> 6. 
1. Petr. 5 
v5. 


| Kom: 3, 


9,13 


238 B.I. C. 42. Beſchluß des erften Buchs. 


Gebet des HErrn begriffen, von GDtt lehrer fuchen 
und erbitten, denn im Vater Unſer find Alle Seelen⸗ 
und Leibes⸗Schaͤtze und Güter, als in einer Summa 
verfaffet, fo wir zeitlich und ewig bedürffen. Darum 
wird auch GOtt der Herr unfer lieber Dater willig 
ſeyn, uns zu geben, was uns fein lieber Sohn hat befoh⸗ 
len, von ihm zu bitten. Davon jur andern Zeit an feis 
nem Det. | 


Gebet, 


| Kyeitiser GOtt und Vater, der du hoch bift, und fieheft auf 
+ 


dag Niedrige, und kenneſt ven Stolgen von ferne, du wi: 
berfieheft den Hoffartigen, und giebeft nur den Demüthigen 
Gnade. Dor dir beflage ich meine Unart; Kaum fan dein 
Geift anfangen etwas gutes In mir zu würden, daß nicht alfo- 
bald mein fleifchlich Hertz ihm dabey etwas zueignet, und dir 
raubet, was dein ift. Und obgleich mancher Fall mich überzeus 
get, daß ich nicht fiehe durch meine Krafft, fobin ichdoch faum 
aufgerichtet, wenn ich ſchon meines Elendes vergeffe, und mich 
in mir felber ſpiegele. Ach HErr, wo du nicht hilffeft, fo wird 
dieſes Ubel mich ganglich ing Verderben ftürgen; darum bitte 
ich dich) durd) CHriſtum, gieb mir wahre Erfänntniß meiner 
fel6ft, und in derfelben berglihe Demuth, daß ich zum Guten 
geſchickter und eiffriger, und darbey in meinen Augen ſtets ges 
ringer werde. Weil auchdu uns befohlen, was ung mangelt, 
von dir zwerbitten, und du bierinnen leider! meine Trägheit 
meift, fo gieb mir, HErr, den Geift der Gnaden und des Gebetg, 
ber mich, wenn ich träge bin, aufmuntere, wenn ich ſchwach bin, 
aufhelffe, was ich bitten foll, lehre, den Glauben, deine mir ans 
gebotene Gnaden⸗Schaͤtze zu ergreifen, in mir würde, und Erz 
börung meines Gebets zumege bringe, duch JEfum CHriſtum 
deinen Sohn unfern Herrn! Amen. 
Summa DEO ſoli gloria, laus 

.& honor, 


Regiſter der Capitel, ſo in dieſem erſten 
Buch begriffen ſind. 
1. Cap. Was das Bild G ttes im Menſchen ſey. Blat 2 





2. Was der Fall Adams ſey. 


7 
3. Wie der Menſch in CHrifto zum ewigen Leben wieder erneu⸗ 


ert werde. 13 

4. Was wahre Buſſe ſey, und was das rechte Creutz und Joch 
CHriſti ſey. 19 

4. Was der wahre Glaube ſep. 25 
6. Wie 


Reif 289 
a RI ETE TAR 1 m u EN ui Ws nr u N 
6. Wie GOttes Wort im Menfchen müffe durch den Glauben 
lebendig werden Ban er: 30 
7. Wie GOttes Geſetz in aller Menſchen Hertzen gefchrieben ſey, 
welches fie uͤberzeuget, daß fie an jenem Tage feine Entſchul⸗ 
digung haben. i ; 39 
8. Daß ohne wahre Buffe fih niemand CHrifti und feineg 
Derdienfts zu tröften habe. iR AP 
9. Durch) dag ietzige wuchrift!iche Leben toird CHriſtus und 
der wahre Glaube verleugnet. st 
10. Das Leben der ietzigen Welt⸗Kinder iftgar wider Chriſtum, 
darum iſts ein Falfch Leben und falſch Chriftenehum. 53 
11. Wer CHrifto in feinem Leben nicht folger, der thut nicht 
wahre Buffe, iſt fein Chrift, und nicht GOttes Kind s- Auch 
was die neue Geburt fey, und dag Joch ChHriſti 56 
12. Ein wahrer Chrift muß ihm felbft und der Welt abfterben, 
und in Chriſto leben ji en -. 68 
13. Um der Liebe CHriſti willen, und um der ewigen zufünfftio 
gen Herrlichkeit willen, darzu wir gefchaffen und erlöfet feyn, 
foll ein Chriſt ihm felder und auch der Welt nang abfterben.7L 
14. Ein wahrer Chriſt muß fein eigen Leben in diefer Welt haſ⸗ 
fen und verfihmäben Ternen. nach dem Exempel CHriſti. 78 
15. In einem wahren Chriſten muß der alte Menſch täglich 
flerben, und der neue Menich gebohren werden ; und was 
da heiſſe fich Felbft verleugnen, was auch dag rechte Creuß 
‚der Ehriften ſey. | 86 
15. In einem wahren Chriſten muß allezeit ſeyn der Streit des 
Geiſtes und Fleiſches. Su 93. 
17. Daß der Chriften Erbe und Güter nicht in dieſer Welt ſeyn, 
' darum fiedeszeitlichen alsFremdlinge gebrauchen follen. 98 
13. Wie hoch GOtt erzürnet werde, wenn man dag Zeitliche 
bem Emwigen vorzeucht: Wie wir auch mit unfern Hergen 
nicht an den Ereaturen bangen follen, und warum? 105 
19. Der in feinem Hergen dev Elendefte ift, der ift bey GOtt 
‚ ber Liebſte: Und durch Erkaͤnntniß feines Elendeg fuchee 
man GOttes Gnade. \ ısı 
20. Durch wahre Neue wird dag Leben täglich gebeffert, und 
der Minfch zum Reich GOttes gefchickt, und zum ewigen 
Leben befördert. RN ... 117 
21. Bom rechten wahren Gotkeedienft.. 126 
‚22. Ein wahrer Chrift fan nirgend an erfannt erden, denn 
an der Liebe und täglichen Befferung feines Lebens, wie ein 
Baum an einen Früchten. ! 137 
23. Ein Menſch, der in EHrifto will wachfen und zunehmen, 
muß fich vieler weltlichen Gefellfchafft entſchlagen. 143 
24. Bon der Liebe GOttes und des Nächften. 148 
25. Bin der Liebe des Nächten inſonderheit. 157 
l. Theil. T 26. War⸗ 





296, Regiſter. 


26. Warum der Naͤchſte zu lieben ſey. 161 
27. Warum auch die Feinde zu lieben. 


eind 1.120 
28. Wie und warum die Liebe des Schoͤpffers aller Treaturs - 


Liebe foll vorgegogen werden, und wie der Nächfte in GOtt 
ſoll geliebet werden. 176 
29. Bon der Verföhnung des Nächten, ohne welche GDtt 
feine Gnade wiederruffet. 180 
0. Bon den Fruͤchten der Liebe | 187 
31. Daß eigene Liebe und eigene Ehre auch die hoͤchſten und 
ie Gaben des. Menfchen verderben, und zu nichte 
= machen. | 


1 
32. Groſſe Gaben bemeifen Feinen Epriften und GOtt *8 


gefaͤlligen Menſchen, ſondern der Glaube, fo durch die Liebe 
thätig ifl. ER 200 
33. GDtt fiehet Die Wercke oder Perfon nicht an, fondern wie 
eines jeden Hertz ift, fü werden die Wercke geurtheilet 204 
34. Ein Menſch Fan zu feiner Geligfeit nichts thun, GOTT 
thuts alles allein, wenn ſich ven Menfh nur GOtt durch 
feine Gnade läffet, und mir ihm handein läffet, als ein Arge 
mit dem Krancken: Und wie ohne Buſſe EHrifti Verdienſt 
‚nicht zugerechnet werde. 208 
35. Ohne ein heilig Ehriftlich Leben ift alle Weisheit, Kunft 
und a umfonit, ja die Wiffenfchafft der gangen 
heiligen Schrift vergeblich. 215 
36. Wer in CHrifto nicht leder, fondern fein Hertz an die Welt 
- hänget, der hat nurden äufferlichen Buchſtaben der Schrifft, 
aber erfchmeckt nicht diefrafft und verborgene Manna. 220 

. 37. Wer Chriſto in feinem Leben nicht folget, der fan von der 
Blindheit feines Hertzens nicht erlöfer werden fondern muß 

in der ewigen Fiufterniß bleiben: Kan auch Chriſtum nicht 
recht erfennen, noch Gemeinfchafft und Theil an ihm haben, 
noch wahre Buſſe thun. ö yr 232 
38. Das unchriftliche Leben ift eine Urſach falfcher verfuͤhri⸗ 
fcher Lehre, Verſtockung und Verblendung. 244 
39. Daß die Lauterkeit der Lehre und des Goͤttlichen Worts nicht 
allein mit Diſputiren, und vielen Büchern erhalten werde, 
fondern auch mit wahrer Buff und heiligem Leben, 250 
40. Etliche ſchaͤne Regeln eines Chriftlichen und gottfeligen 
Lebens. 259 


I 


i 


41. Das gantze Chriftenthum ſtehet in der Wiederaufrichtung 


des Bildes GOttes im Menfchen, und in Austilgung des 
Bildes des Satand. 269 
42: Belchluß und hochwichtige Urfachen der Ordnung des erz 
fien Buchs: wie man ſich auch für geiftlicher Hoffart huͤten 
fone: Und fie Feine wahrhafftige geiftlihe Gaben ohne 
Geber konnen erlanget werden. 9294 
Ende des eriten Buchs, \ 

















Ach eu Laß mich Stib E 


—— ein Her e neıg eıT, 
eine, Jugendenänmir 
De Bi BR zu Zeigen, 





jest est Gemwi 
od — lle,we Ik, 
neh erner,sieg erzagt E 
u meter füßen, Ja IE. 











Erklaͤrung des Anuipt » Bildes des andern 
Buchs. 


Pe find zwey Aa da in de erſten hu x 
Hers die Geſchicht von der Geburt Chriſti 
abgebildet,ftehet, neben fich aber zwep Kinder, und 
unter fic) ein Lamm ftchend hat: Womit angedeus 
tet wird, daß eine glaubige Seele CHriſtum in ih⸗ 
rem Hertzen geiſtlicher Weiſe gebiehret, an Tugen⸗ 
den fruchtbar iſt, und ſanfftmuͤthige und demuͤthige 
Laͤmmleins⸗Art an ſich hat. In der andern Jung⸗ 
fer Hertz HE abgebildet die Creutzigung Chriſti, un⸗ 
ter ſich habende Welt, Tod, Teufel und Hoͤlle: 
Womit angedeutet wird, daß durch den geereutzig⸗ 
ten CHriſtum, ins Herke feſt gefaffet, eine gläubige 
Seele alle geiftliche Feinde überwinden koͤnne. 


— 


Aidete Duo 


PR 





ſtenthum 
LIBER VITE CHRISTUS. 


Wie CHrifi Menfchtverdung, 


£iebe, Demuth, Sanfftmutb, Gedult, 
Leiden, Sterben, Creutz, Schmach und Tod 
IR Arseney und Heyl⸗ Brunnen, Epiegel, 
Regel und Bud) 5 Lebens iv; — 


Wie ein wahrer Chriſt Suͤnde, 


Tod, Teufel, Hoͤlle, Welt, Creutz und 
alle Trubfal durch den Glauben, Gebet, Ges 
dult, GOttes Wort und himmliſchen Troſtuͤberwinden 
hei und daſſelbige alles in EHrifto JEſu, durch deffelben 
Kraft und Stärde, und Sieg in uns: 
Durch 


Herrn JoHANNEM ARNDT, 
weiland General - Superintendentgn 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg x, 

Matth. 7. verſ. 14. 
Die Pforte iſt enge, und der Weg iſt fehmal, der 
34m Beben ‚fübeet und wenig. ift ihr, 
j die ibn finden 
Bernhard. 
Chriftam fequendo citius apprehendes, quam legendo, 


Im Jahe EHrifi 74x, 


en 3 


ae 





Vorrede us 

über das andere Bud) vom wahren 

Ä Chriſtenthum. — 
ES Leichwie in der Natur, Chriſtli⸗ 
Sa, cher lieber Leſer, eines Dinges 


ar a Untergang des andern Anfang 
BN iſt: Alſo gehets auch zu im wah⸗ 
* ren Chriſtlichen Leben. Denn 
der alte fleiſchliche Menſch muß zuvor unter⸗ 
gehen, ſoll der neue geiſtliche Menſch hervor⸗ 
kommen: Und weil unſer fleiſchliches Reben 
dem heiligen Leben Chriſti gar zuwider iſt, 
wie im erſten Buche genugſam erklaͤret, ſo 
muͤſſen wir ja nothwendig unſer fleiſchlich 
Leben verleugnen, ehe wir das geiſtliche Leben 
Chriſti anfahen, oder demſelben nachfolgen 
koͤnnen. Als zum Exempel: Du muſt ja 
zuvor aufhören hoffaͤrtig zu feyir, ehe du an⸗ 
faͤheſt demuͤthig zu werden. Darum muß 
das geiſtliche Chriſtliche Leben nothwendig 
von der Buſſe angefangen werden. Um die⸗ 


ſer Urſach willen iſt das erſte Buch alſo ver⸗ 


faſſet, wie aus der Ordnung der Capitel deſ⸗ 
ſelben, und aus dem Beſchluß zu vernehmen. 
Demnach aber in dieſem andern Buch die 
Lehre von der Buſſe in etlichen Capiteln wie⸗ 
derholet wird, muß ich deſſen Urſach, neben 
der Ordnung dieſes Bude) kuͤrtzlich andeu⸗ 
ten. Weil das Hauptſtuͤck des erſten Buchs 
beruherin Erkaͤnntniß des abfihenlichen, toͤdt⸗ 
lichen und verdammlichen Gifts der, Erbe 
| | - Sunde, 


Vorrede, | 293 


— — — — — — — — 
Suͤnde, welches nicht gnug kan erkannt wer⸗ 
den,fo muß nothwendig dis andere Buch an⸗ 
gefangen werden von unſerm ewigen Heil⸗ 
Brunnen, IESU ChHriſto, in welchem wir 
wider gedachtes greuliches Gifft der ange⸗ 
bohrnen Suͤnden und allen daraus quellen⸗ 
den Sammer und Elend, Artzney und Huͤlffe 
durd den Glauben finden. Solches iſt in 
den drey erſten Capiteln diefes andern Buchs = 3. 
en | 
Weil aber der Glaube, welcher ſolche 
Güter aus dem Gnaden-Brunnen Chriſto 
IJeſu ſchopffet, lebendige Srücte bringen _ 
muß , ſo find diefelben. in den 3. folgenden Ea=+ 5 © 

piteln beſchrieben. Sollen aber die Früchte 
der Gerechtigkeit und Geiſtes in uns wach⸗ 
ſen, fo muͤſſen die Srüchte des Fleiſches unter⸗ 
achen. Und das ift die tägliche, wahre, 
wuͤrckliche, rechtſchaffene Buffe, darinn ein 
Chriſt ſtets leben und fich üben muß, foll an- 
ders dag Fleiſch getödree werden, und der 
Geift m ung herrſchen. Darzu iſt vonnoͤ⸗ 
then ein klarer Bericht vom Unterſcheid des 
leiſches und Geiſtes, und von den Eigen⸗ 
ſchafften der taͤglichen Buſſe. Darauf ge⸗ 
hen die 4. folgenden Capitel. Weil aber augr. 2.5.10. 
ſolcher täglichen Buffe und Toͤdtung dis al 
ten Menſchen (dann eins wahren Ehriften 
Leben nichts anders ſeyn foll, denn eine fte- 
—— des Fleiſches) taͤglich ein neuer 

denſch hervorfommen ſoll: So fan man 
feine beffere Ordnung finden, denn wie ung 
EHriftus unfer Herr mit feinem Exempel 
iſt vorgangen. Darum folget ferner, wie 

| 83; C.hriſti 


* 


294 Vorrede. 


ChHriſti Leben unſer Spiegel ſeyn ſoll/ und fan⸗ 
en billig an an ſeiner Armuth, Schmach, 
erachtung, Traurigkeit, Creutz, Leiden, 
Tod welches heilige Leben EHriftiunferg Flei⸗ 
ſches Creutzigung iſt, darzu gehoret Gebet, 
Liebe und Demuth: Solches iſt in folgenden 
i5. Capiteln begriffen. An diefer * Niedrige 
keit ud Demuchunfers Herrn IEſuChriſti 
ffeigen wir auf, als an. der rechten Dimmelg- 
Leiter, in das Herge GOttes unfers lieben 
Vaters, und ruhen in feiner Liebes denn an 
C.Hriſti Menſchheit muͤſſen wir anfangen, 
und aufſteigen in ſeine Gottheit. Da ſchauen 
wir in Chriſto an das Hertz unſers lieben Va⸗ 
ters im Himmel, wir ſchauen GOtt an, als 
das hoͤchſte, ewige, weſentliche, unendliche 
Gut; als die unermeßliche Allmacht, als die 
abgruͤndliche Barmhertzigkeit, ale die uner- 
forſchliche Weisheit, als die lauterſte Heilige 
keit, alg Die unſtraͤfliche und unendliche Ge— 
rechtigkeit, als die ſuͤſſeſte Guͤtigkeit, als Die 
edelſte Schonheit, als Dee IC NR DENE ana 
un 


* Es wird geredet von eines glaubigen Chriſten (der ſchon 
durch der: Ölaube ein Erbe des Himmelreichs, und ber ewis 
gen Seligkeit worden ift,). täglicher Andacht und geifilicher 
Ubung in der Nachfolge CHriſti, und inniger Anfchauung 
und Betrachtung bes liebreichen Hertzens unfers lieben Va⸗ 
ters im Himmel, feiner inbrünftigen Liebe ꝛc. Da follen wir 
erft nicht allzuhoch uns verfteigen, und von der ewigen 
Gottheit anfangen, fondern von der MenfchwerdungE Hrifti, 
von feiner Armuth, Schmach, Leiden, zc und derinuen 
ang fleißig üben, und alfo an der Niedrigfeit und Des 
muth Chriſti hinauf fleiten, als an der rechten Himmels» 
Leiter, in das Hertz unſers lieben Vaters. Nicht dadurch 
die ewige Seligfeit zu erlangen, fondern nur zu Ane 
ſchauung und innerlicher Betrachtung des väterlichen Her⸗ 

gas GOites. Varen, 


 Dorrede 298. 


und als die freudenreichſte Seligkeit. Welche 
die fürnehmften Stuͤcke find vitæ contempla- 
tivæe, des befchaulichen Lebens; darzu gehören 
die 8. folgenden Capitel. Dieweil aber jolche :*. 27 · bis 
Betrachtungen ohne Geber nice geſchehen“ 
£önnen, ſo folgen hernach io. Capitel von 
Geber und ſchoͤnen Lobe GOttes. Und end⸗ bis 43. 
lich, weil ſolche Gottſeligkeit in CHriſto IEſu 
Verfolgung leiden muß, fo folgen ıs. Ca⸗ 
pitel von Gedult im Ereus: Don hoben +4 «s- fer. 
etlichen Anfehtungen, wie diefelben zu 
überwinden. GEOtt helffe uns, daß wir alle 
etreue Nachfolger CHriſti ſeyn, und ung 
Feines heiligen Lebens nicht ſchaͤmen, fondern 
dem Lammlein GOttes nachfolgen, wo es 
hingehet, daß es ung leite zu dem lebendigen 
Waſſer⸗Brunnen, und alle unfere Thranen 
von unfern Augen abwiſche! Amen 


= - JOHANN ARNDT, 
 General- Superintendens deg Fuͤrſten⸗ 
tbums Luͤneburg. 


- 


"Ba —* Das 


— 


296 B.U.C.r. JEſus Chriſtus GOttes Sohn 


Das andere Buch 


Rom 


er Wahren Ehriſtenthum, 


— Das 1. Capitel. — 
JESUS CLoriſtus GOttes 
Sohn iſt uns von unſerm himmliſchen 
Vaͤter gegeben zu einem Artzt und. Heil- 
Brunnen wider das verdammliche und tödliche Gifft 
der. Erb⸗Suͤnde, famt ihren Früchten, und wider 
| allen Jammer und Elend Leibes und 
der Seelen, 
q Eſa. 12. v. 3. Ihr werdet mit Freuden Waſſer 
ſchoͤpffen aus dem Heil⸗Brunnen. | 






erefe, » LE (RS Ci unfere Kranckheit "überaus 
erfordert ER SC groß, todtlich, verdaminlich, und 
“ng N allen Erenturen zu heilen uns 


2a möglich: So müffen wir auch 
w cine groffe, hohe, Göttliche, ewige 
ER Huͤlffe und Artzney haben, welche 
- aus lauter Erbarmung GDt- 
tes herflieſſen muß. Gleichwie unfer toͤdtlicher 
Erb⸗Schade herkommen if aus dem grimmigen 
Zorn, Haß und Neid des Teufels, B. der Weish. 
2.0.24. 1. B. Mof. 3. v. 1. Darum billig der, alle 
maͤchtige GOtt die todtliche Wunde unferer Suͤnde 
mit ſeiner Erbarmung heilet. Und weil der Satan 
feine. hoͤchſte Weisheit, Kunſt und Geſchwindigkeit gez 
braucht hat, daß er ung vergiffte, tödte, verdamme; ſo 
hat auch GOtt hinwieder feine höchfte Weisheit ges 
braucht, durch feinen lichen Sohn, daß er uns heile, le⸗ 
bendig und felig mache, Darum hat er das — 
Blu 





















































Ri: TE 111m u 





iM 





Dasandere Aaupt-Bild des andern Buchs. 


Hier iſt zu ſehen die Sonne welche eine doppelte Bewegung 
bat, einmal (welches aber recht wohl zu mercken) um ihr Cen⸗ 
rum und Mittel⸗Punct herum; und hernach vom Abend big 

um Morgen durch den gangen Himmel hindurch, nemlich Durch 
ie 12. himmlifchen Zeichen. Alſo hat ein aläubiger Chrift 
auch cine doppelte Regung und Bewegung, da dieeine offenbar 
Hi, und taͤglich gefchicht in ficht&arlichen Dingen, in feinem 
Beruffund Stande, die anders aber verborgen ift, und auf die 


Ewigkeit zielet. 

Malach. 4. verſ. 2. 

Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, ſoll auf⸗ 
geben die Sonne der Gerechtigkeit, und 
Heyl unter defielben Slügeln, 


Ä eichwie der Sonnen Rad 
Setrieben wird mie doppelter Bewegung: 
So bat der Ehriften Lebens⸗Pfad 
Auch eine dopple Regung. 
Die ein’ ift offenbar, umfchrenifet mit der Zeit, 
Beginnt von neuem alle Morgen; 
Die andre immerwaͤhrend und verborgen, 
| | Geknuͤpffet an die Ewigkeit, 
Die eine koͤmmt vom Fleiſch, und neigt ſich nach 
; J der Erden; 
Die andere eilt zu GOtt, der Menſch hat wollen werden, 
Und uns gelehrt in dieſem Furgen Leben 
Sin Auge ſtets erheben, 
Und sielen unverwandt 
Auf das, was drohen if, dem Glauben nur befannt, 
| Weohl dem, der inniglich x 
Verſchmaͤht der Erden Pracht die augenblisfsverblüht, 
Daneben ſich 
Mit gantzem Ernſt bemuͤht, 
Der flüchtigen Ergoͤtzung abzuſagen, 
Und dem, was ewig wahr, beharrlich nachzujagen. 
Aber fo durch Armuth, Pein und Schmach 
Dem Heiland eilet nach, 
Der hat den rechten Fuß⸗Pfad guserleſen, 
Und hofft mit Grund ein unvergaͤnglich Weſen. 


unſer Arge und Heil-Brunnen. 297 


er... BT 
Blur Criſti zu unferer Artzney und Reinigung uns 
ferer Sünde gemacht, fein lebendig = machendeg: 
Fleiſch sum Brod des Kebens, feine heilige Mun⸗ 
den zu unſerer Wund⸗Artzney, feinen heiligen Tod 
31 Wegnehmung unfers zeitlichen und ewigen To⸗ 
des. 1.%0h. 1.0. 7.219. Geſch. 20.0. 28. Joh.6. v. 35. 
0. 2 
2. Dieſe koͤſtliche Artzuey Eonnen wir nun auseiger =; 
nen Kräften und Vermögen nicht annehmen: Denn Der 
„wir find gar zu kranck. Wir widerſtreben dieſer kanmegen 
„himmliſchen Cur von Natur. Darum darffſt du, HR — 
Keireuer und heilſamer Artzt, nicht auf mich warten, Hein die 
„fonften werde ich nimmermehr geſund; fündern zeuch himmliſche 
„mich tego zu dir, reiß mich’ von mir gar hinweg, und nt 
„nimm mich gantz an, fo du mic) gang heilen wilt, Ho⸗ 
„bel. 1.0. 4. Laͤſſeſt du mich in meiner Krankheit lies 
„gen, ſo muß ich ewig verderben. Darum bekehre 
„mich, AKrr, ſo werdeich brfebret, Ser. 31.0. 18, 
Heile du mich, „Err,fo werde ich beil: Ailffmir, 
„fd wird mir gebolffen, denn du bift mein Kuhm, 
„C. 17.09.14. So lange du deine Barmhertzigkeit aufs - 
„ſchiebeſt, ſo lange bleibe ich in meiner Kranckheit und 
„Tod, Pſ 30. v. 3. So fange du verzeuchſt, mich le⸗ 
„bendig zu machen, ſo lange behalten mich die Bande 
„des Todes. Darum ſchreyet David: Eile mir zu 
„belffen, du bift mein Aelffer und Erretter, mein 
„GOtt verzeuch nicht, Pſ. 70. v. 6. A 90 
»3. Ach lieber HErr, folte deine Barmbersig- 5 
„Leit nicht ſo farck feyn, mich armen krancken Men- EAriki 
„fehen aufzuvichten, weil ich mich felbft nicht kan auf Barmıyer 
„richten? Solteſt du nicht fo freundlich feyn, zu mir tzigkeit und 
u Fommen, weil ich durch mich felbft zu Dir nicht Lebe. 
„kommen kan? Haſt du mich dochehe geliebet, ehe ich 
‚„oich geliebet habe, 1. Joh. 4. v. 19. Iſt doch deine 
Barmhertzigkeit jo ftarck, daß fie dich ſelbſt uͤber⸗ 
„wunden hat, fie hat dich felbft ans Creutz gehefftet, 
„und in den Tod geſencket. Wer iſt fo ſtarck, der 
„dich Starcken überwinden Fan, ohne deine Darm 


5 


5 „ber« 


— B.1.E,ı. JEſus Coriſtus GOttes Sohn 


vhertzigkeit? Wer hat doch fo groſſe Macht gehabt, 
„dich zu fangen, Dich zu binden zu creutzigen zu tödten, 
„als deine Liebe, Damit du uns gelicbet haft, da 
„Wir noch todt in Sünden waren, Ephef- 2.0, 1. 
„Denn Du ı haft lieber den Tod leiden wollen, che wir 
„ſolten im Tode und in der Hüllen ewig bleiben. 
En »4. Deine Barmhertzigkeit hat dich uns gar zu 
Barmer, „eigen gemacht und gegeben. Uns bift du gebob- 





sun: ma „ren da du ein Kindlein wurdeft, Uns biſt du ges 


ni „geben, da du ein Dpffer wurdeſt, da dich GOit als 
gen, „ein Laͤmmlein für uns alle dahin gegeben, und alles 
3et9. 0.6 „mit dir geſchencket. O der grofen Gabe! Du bift 
BL Ve ein gefchenckt Gut, und unfer eigen Gut. - Siehe 
aber allhie, lieber Chriſt, die Weisheit GOttes: GOtt 


hat ſich durch das ge henck⸗ ewige Gut unſer eigen 
gemacht, auf daß er uns dadurch ihme hinwieder zu 
eigen machte, 1. Cor. 6. v. 19. 20. Denn wer fo ein. 
hohes geſchencktes Gut annimmt , der macht ſich dadurch 


En dem Geber zu eigen. Hinwieder, wer ein eigen Gut 
— hat, der macht ihm daſſelbe zu nuͤtz aufs beſt er kan: 
—— Alſo iſt CHriſtus unſer worden, daß wir ihn zu unſerer 
mel oda, Seligkeit brauchen konnen, wie wir wollen. Darum 
2Beidh. 16, fiche, lieber Ehrift, du Eanft ihn brauchen zu einer Artz⸗ 
°. 21. 23. ney deiner Seelen, zu Deiner Speiſe und Tranck, dich 
3004. "d.3. darmit zu erquicken, ju deinem Brunnen des Ke- 
5 ”3% bens wider deiner edlen Durft, zu deinem Licht 
3.35 Im SFinfterniß, zu Deiner Freude in Traurigkeit, zu 


Eip- 16. deinem Advocaten und gürfprecher wider deine Anz. 
= Job. », klaͤger, zur Weisheit rider deine Thorheit, zur Ges 


Eon „, rechtigkeit wider deine Sünde, zur Aeiligung wir 


8.30, der Deine Unwuͤrdigkeit, zur Erloͤſung wider deine Ge⸗ 
pa - faͤngniß, zum Gnadenſtuhl wider das Gerichte, zur 
Sratıh, EN BR wider das rechte Urtheil, zu deinem Fried. 


v. En und Aube wider dein boͤſes Gewilfen, zu deinem 
SER Gieg wider alle deine Feinde, zu deinem Admpffer 
Sram 63. wider Deine Verfolger, gu deinem Braͤutigam dei⸗ 


dzof ꝛ. ner Seelen, zu deinem Mittler wider GOttes Zorn, 


0119.20. zu deinem Opffer für deine Miſſethat, zu Se, 


taͤf⸗ 





unfer Artzt und Heil⸗Brunnen. 299 


EN ——— — —————— 
Staͤrcke wider deine Schwachheit, zu deinem Wege. Tin. a 
widerdeine Irrſal zu deiner Wahrheit wider Die Air Hehe. g. 

gen, zu deinem Leben wider den Tod, zu deinem Rat, in 
wenn du keinen Rath weiſt, zu deiner Brafft, wen, 16. 
du krafftlos bift; zu deinem ewigen Darer, wenn du goh. 14 
verlaſſen biſt, zu Deinem Stiede-Sürfken wider deine gn ,.n.6. 
Widerſacher, zu deinem Loͤſe⸗Geld für Deine Schuld, Palm 69. 
zu deiner Ehren-Bron wider deine Verachtung, ug; ye. 
deinem Lehrer wider deine Unwiſſenheit, zu Deinem ob.3.0.2. 
Richter wider deine Beleidiger, zu deinem Boͤnige nz 
wider des Teufels⸗Reich, zu deinem ewigen Hohen⸗7 
priefter, der für dich bitte, Hebr. 2.0. 17. Kap 
29. 15. EW.7,0: 24. 
Eiche, lieber Chriſt, darzu iſt dir CHriſtus ges 

ſchenelt und gegeben; bitte du nur taͤglich, daß du ihn 
alſo brauchen moͤgeſt, und daß er fein heilwaͤrtig Amt 
alſo an dir erfuͤllen moͤge: Denn wenn er deine Artz⸗ 
ney iſt/ fo wirſt du geſund. Wenn er dein Brod iſt, 
ſo wird deine Seele nicht hungern. Iſt er dein 
Brunmdes Lebens, fo wirſt du nicht duͤrſten. Iſt 
er dein Licht, ſo wirſt du nicht im Finſterniß bleiben. 
Iſt er deine Freude, wer wird dich betruͤben? Iſt er 
dein Advocat, wer will dir abgewinnen? Iſt er deine 
Wahrheit, wer will dich verfuͤhren? Iſt er dein 
Meg, wer will dich. verirren; Iſt er dein Leben, wer 
will dich tödten ? Iſt er deine Weisheit, wer will Dich 
betruͤgen? Iſt er Deine Gerechtigkeit, wer will Dich 
verdammen? ft er deine Heiligung, wer will dich 
verwerffen? Iſt er deine Erloͤſung, wer will dich ges 
fangen halten? Iſt er dein Sriede, wer Fan dich uns 
ruhig machen? Iſt er dein Gnaden⸗Thron, wer will 
Dich. richten? Sit er Deine Losiprechung und Abſo⸗ 
fution, wer will dich verustheilen? Iſt er dein Baͤmpf⸗ 

r und Dorfechter, wer will dich fchlagen? Iſt er dein 

raͤutigam, wer will dich entführen? Iſt er dein 
Loͤſe⸗Geld, wer will dich in den Schuld⸗Thurm werf⸗ 
fen? Iſt er deine Ehren⸗Krone, wer will dich ver⸗ 
achten? Iſt er dein Lehrer, wer will dich N 





300 B. I. C. x. JEſus CHriſtus GOttes Sohn 
Iſt er dein Richter, wer will dich beleidigen? Iſt er 
deine Verſohnung, wer will dich in GOttes Ungnade 
bringen? Iſt er vein Mittler, wer will dir GOtt 
zuwider machen? Iſt er dein Kürfprecher, wer will 
dich verklagen? Iſt er dein Immanuel, wer will wis 
der dich feyn? Iſt er dein König, wer will dich Aus 
feinem Reiche ftoffen? ft er dein Hoherprieſter, 

wer will fern Opffer und Vorbitte vermwerffen? Iſt er 

‘ Dein Seliginacher, wer will dic) unfelig machen? 

Das groͤ· Wie kanſt dur ein groͤſſer Gefthenf haben? Das Ge 

en ſchenck ift groſſer und mehr werth, denn Du, alle Mens 

Aus, ſchen, alle Welt, und aller Welt Sünde, Sammer 
eh und Elend: Denn E-Hriftus it gans unfer mit feiner- 
it unfer, Gottheit und Menſchheit. Denn wir hatten durch 

a die Bünde unfern hoͤchſten Schas verlohren, Das hoͤchſte 

Ind ales in ewige Gut, welches GOTT felbitz denſelben 

EN, hi hat uns GOtt in EHrifto wiedergegeben, und in ihm 
7 fich ſelbſt. Darum heilt er Immanuel, Eſa. 7. v. 14. 

auf daß wir an Cehriſto harten beyde einen GOtt 

und einen Bruder. Siehe, lieber Ehrift, welch ein 
groß unendlich Gut haft du an CHriſto wider allen 


„ Deinen Sammer und Elend! Wirſt du das recht vers ! 


ſtehen lernen, fo wird die Fein Unglück zu geoß ſeyn, 
Fein Creutz zu ſchwer. Denn Ceriſtus iſt dir alles, und 
in ihme alles dein; denn er iſt ſelbſt dein, nicht allein der 
gecreutzigte ChHriſtus, ſondern auch der herrliche 
Es iſt alles euer, es ſey Paulus oder Apollo, es 
ſey Kephas oder die Welt,es fer das Leben oder 
der Tod,es ſey das Begemwärtige oder das "Öle 
künfftige, alles IE euer; ihr aber ſeyd Chriſti, 
CHriſtus aber iſt GBOttes. D wir auinen, elenden, 
verworffenen, verfluchten, verdammten Günder, wie 
kommen wir zu einen folchen groſſen Geſchenck? 
ae Denn dur, (Tu, o Domine JESU, es nobis JEHOVAH 

: ‚Juttitia, Mediator DEI & Hominum, Summus Sacer- 
dos, Unäus DEI, Agnus immaculatus, Sacrificiam 
propitiatorum, impletio Legis, Defiderium Patrrar- 
charum, 


CeHriſtus, mit aller ſeiner Herrlichkeit. 1. Cor. 3.0. 22. 


x 


unfer Artzt und Zepl-Brunnen. 301 





charum, Infpirator Prophetarum , Magifter Apoftolo- 
rum, Doctor Evangeliftarum,, ‚ Lumen Confeflorum, 
Corona Martyrum , Laus Sandorum; Refurredtio mor- 
tuorum, Primogenitus ex mortuis, Beatorum gloria, An- 
gelorum letitia , Moerentium Confolator, Peecatorum 
jufticia, Afkidorum fpes, Miferorum refugium, Adve- 
narum cuftos, Peregrinantium comes; Errantium via, 
Derelidtorum auxilium, Languentium virtus, Protector 
di implicium, Fortitudo redtorum, Merces juftorum, Cha⸗ 
ritatis incendium, Audor fidei, Anchora {pei, Flos hu- 
militatis, Rofa manfuetudinis, Radix virturum, Exemplar 
patientie, Orationis inflammatio, Arbor fanitatis, Fons 
beotitatis, Panis vite, Capur Ecclefie, Sponfus animæ, 
Margarita pretiofa, Perra falutis, Lapis vivus, Hæres omni- 
um, Rex glorix, Salus mundi, Triumphator inferni, Prin- 
ceps pacis, Leo fortis, Päter futuri feculi, Duxad pitriam, 
Sol juftitix, Stella matutina, caeleftis Jerufalem, inextin- 
uibile Lumen, Candor lueis æternæ, Speculum fine ma- 
eula, Splendor divinz Möjeftatis, Imago patern& Bonita- 
tis, dapientiæ theſaurus, MÆtcernitatis abyllus, Principium 
fine principio, Verbum continens omnia, Latitudo am- 
‚pledtens omnia, Vita vivificans omnia, Lüx illuminans 
omnia ,, Veritas judicans omnia, Cunfilium moderans 
omnis, Norma dirigens omnia, Pietas fuftentans omnia, 
totumque omnium bonorum complemestum.) Dit 
Err JEſu, biſt uns der GOtt unfrer Berechtig- 3efus ie 
keit ‚ein Mittler zwiſchen GOtt und Menſchen, "" 
unſer ewiger Hoherprieſter, der Geſalbte des 
HErrn, ein unbeflecktes Laͤmmlein, unſer Der- 
föbn-Öpffer, Erfüllung des Geſetzes, das Ver⸗ 
Jangen der Patriscchen, ein Bingeber der Pro⸗ 
pbeten, ein Hieifter der Apoſtel, ein Doctor der 
Kvangeliften, ein Licht der Bekenner, eine Crone 
der Hiärtprer, ein Lob der Heiligen, eine Aufer⸗ 
ftebung der Todten, der, Erftgebohrne von den 
Todten, der Seligen Herrlichleit, der Engel 
‚Sreude, der Traurigen Troͤſter, der Sünder Ge⸗ 
rechtigkeit, der Truͤbſeligen Hoffnung, der Elen⸗ 
den 


302 B.l.E.r. JEſus CHriſtus GOttes Sohn 


"den Zuflucht, der Sremödlingen Suter, der Pil- 
gram Befebrte, der Irrenden Weg, der Derlaf 
jenen Aülffe, der Schwachen Braft, der Einfaͤl⸗ 

tigen Befchirmer, der Aufgerichteren Stärde, 
der Gerechten Lobn, eine Entzündung der Liebe, 
ein Anfaher des Glaubens, ein Ancker der Hoff⸗ 
nung, eine Blume der Demuth, eine Roſe der 

Sanfftmurh, eine Wurgel der Tugenden, ein 
Spiegel der Bedult, des Gebets Entzündung, 
ein Baum der Befimdbeit, ein Brunn der Selig- 
Reit, das Brod des Aebens, das Haupt der Kir: 
chen, ein Bräutigam der Seelen, eine koͤſtliche 
Derle, ein Kels des Aeils, ein lebendiger Eckſtein, 
ein Erbe über alles , ein König der Ehren, das 
Heyl der Welt, ein Liberwinder der Aöllen, ein 
Luͤrſt des Sriedens, ein ſtarcker Löwe, ein ewigen - 
Deter, ein Sübrer ins ewige Daterland, die Sons 
ne der Gerechtigkeit, ein heller Morgenſtern, ein 
unausloͤſchliches Licht des himmliſchen Jeruſa⸗ 
lems, die Blarheit des ewigen Kichts, ein unbes 

u fleckter Spiegel,ein Glantz der Goͤttlichen Maje⸗ 

taͤt, das Kbenbild der vaͤterlichen Guͤtigkeit, ein 
Schatz der Weisbeit, ein Abgrund der Ewigkeit, 
ein Anfang ohne Anfang, das ewige Wort, das 
alles trägt, eine Welt, die alles begreifft, ein Le⸗ 
beit, das alles lebendig machet, ein Licht, das als 
les erleuchtet, die Wabrbeit die alles richtet, ein 
Rath, der altes regieret, eine Richtſchnur, die al- 
les eben machet, die Liebe, die alles erbölt, und 
ein ganzer Begriff alles vollkommenen Gutes, 
Siehe, das ift das geoffe unendliche Geſchenck, das 
GOtt dem fterblichen Menſchen gegeben bat. 


Gebet. 


Erh3.0.10. AEiliger,erwiger GOtt, Vater unfers HErrn JEſu CHriſti, 
der du deine mannigfaltige Weisheit in Vernichtung der 
Liſt desſSatans durch Schenckung deines Sohnes fund aemacht 
haft, ich dancke dir hertzlich fuͤr dieſe deine unaugforechliche Gas 
be, dadurch allem meinem Jammer, Mangel und Elend abges 
‚bolffenift. Aber o HErr, wehe meines Verderbens und 2 
ge 


a, Cor 9. 
2 15, 


* 


unſer Artzt und Aepl-Brunnen. 303 


Traͤgheit! daß ich diefes mir gefchenckten Heyls nicht fo wahre 

nehme, noch mir zu Nugen mache, wie ich fol. Es iſt mir der > 
Artzt und Arkeney gefchencket, und ich bleibe ſtets kranck: dag Matth. 9, 
Gefängniß ifteröffner, doch bleibe ich gefangen ; die Freyheit iſt 12. 
mir gegeben, und ich bleibe ein Knecht dr Cünden; das Licht SIrs1 Pr 
ift Fommen in die Welt, und ich bleibe im Finſterniß liebe die „5. * 
Finſterniß mehr denn das Licht; mic iſt dag Leben geſchencket / Johr g. 
und ich. bleibe im Tode. Ach mein getreuer Vater, über alle v. 34. 384 
deine unverdiente Barmhertzigkeit fchencke mir auch dieſe Gna⸗ Sb. zu. 
de, daß ich nicht mit der Welt mich felbft betruͤge mit der Einbil-" 2% 
dung ob fey CHriſtus das Heyl, kicht, Keben, Wahrheit, Weis⸗ 24 
beit, Heiligung in mir, fo lange ich noch Luft habe im Verderben, 
Sinfterniß, Tode, Lügen, Eitelkeit, Gottloſigkeit zu verharren: 

Denn es kan ja dag Licht nicht Gemeinſchafft haben mit der Fin; 2. Cor. 6. 
ſierniß, noch Chriſtus ſtimmen mit Belial. Hiernächft verleihe 9 14- 15. 
mir recht zu fühlen, wie elend, jammerlich, arnı, blind und bloß Offenb. 3. 
ich fey, und dann mit herglichem Glauben CHriſtum, mie du ihn 9 17. 

ung geſchencket, alg ein allgemeines Heyl wider alle meine 

Noth zu ergreiffen. Wann ich denn dich, o mein „Eur JEſu, 

ob gleich mit ſchwacher bebender Hand, faffe, fo verfchmähe 

du nicht den, davor du dein Blut vergoffen haft. Sey nieine 1. Joh. 3. 
Gerechtigkeit, wenn die Sünde und mein eigen Herg mic) ver; u20. 
dammetz fey mein Licht, wann ich im Finftern fiße; fen mein Mid. 7. 
Leben im Tore, meine Krafft in Schwachbeit, meine Freude in" 

Leid, mein Borfprach wider die Anklage des Satans, mein Ro7- 

nig und Befchüßer wider aller Feinde Macht, Liſt und Bosheit, 

mein Kath in allem Zweifel, und endlich, o mein Bräutigam, Hof. a. 
etreite die dir in Önaden und Barmhertzigkeit verlobete Seele 20. 
von allem Ubel, und hilff ihr aus zu deinen himmlifchen Reich, im. 4 
um deines Amtes und Namens wilien, o mein Heyland! o 
mein JEfu! Amen. Ef 

Das II. Capitel. 


Wie ein ieder Ehrift den Troft auf ſich 
ziehen, und ihn zueignen fol, 
Luc, 19. v.10. Des Menſchen Sohn ifE kommen 
au fischen, und felig zu machen das verloh⸗ 
ren ift. IR RE BON T 
Dreerſte Haupt⸗Grund, daß ein ieder Ehrift,der rn 
Vergebung der Sünden und CHriſti Verdien⸗ Auen 
ſtes ſich zu getroften habe, find die allgemeiz gen eritie, 
nen Verheiſſungen, unter denen nicht die -geringite Een Ned, 
ift Diefer Spruch Luc, am 19. Denn fo — Menſchen. 
om⸗ 





* 


2 


304 B.U.E.2. Wie einiederdiefen Troft 


kommen ift, die Verlohrnen zu ſuchen, fo wird er 
dich auch freylich ſuchen: Denn du bift auch derfeiben 
einst. So er kommen ift, Die Verdammten felig zu. 
machen, fo wird er. dich aud) felig machen. Apoft. 
Up. Geſch Geh. 17. v. 30. GOtt bat befohlen allen Men⸗ 
93 ſchen an allen Enden Buffe zu cbun, darum, daß 
—— er einen Tag verordnet bat, an welchem er rich⸗ 
“ geäftlihe ten will den Breiß des Erdbodens. Difß iſt eine 
Sdinpe gröfttiche Schluß Rede: EHriftus wird den gansen 
Erden⸗Kreiß richten, darum gebeut GOtt, daß alle 
Menfihen Buſſe thun follen, daß fie dem fchrecklichen  - 
Urtheil der Verdammniß entfliehen mogen. Wel⸗ 
ches auch St. Petrus wiederholet in der 2. Ep. am 3. 

ver. 9. GOtt will nicht, daß iemand verlohren 
werde, fondern daß fich jedermann zur Buſſe 
kehre. Da haft du den allgemeinen gnädigen Wil⸗ 
len GOttes gegen dich, deſſen Sic) teöftet. der groſſe 
Sünder Manaſſe in ſeinem Gebet, da er verf, 7. 8. 
ſpricht: Du haſt nach deiner groſſen Gute Buſſe 
verheiſſen, sur Dergebung der Suͤnden, und haſt 
die Buſſe nicht den Berechten geſetzet, fondern 

den Suͤndern. Siehe, was diefer thut, das thue.du 
auch: denn GOtt bat mit. folchen Exempeln bezeuget, 
W daß er wolle Buſſe annehmen für die Sünde, 

gi, N MWeish. 12.20.19. | 
nn Der andere Grund ift fein tbeurer Eyd; 
tesbegreigg Denn Damit du an dem gnädigen Willen GOttes ger 
alte Säns gen Dich) nicht zweiffeln ſolſt, hat. er feinen Willen und 
und, allgemeine Derheiffung mit einem theuren Eyd be— 
Eich. 3. Frafftiget, Eech.33.0.11. &o wahr ich lebe, will 
lee ich nicht den Tod des Aunders, ſondern daß ſich 
der Rinder bekehre und lebe, Meyneſt du, daß ich 
an dem Tode des Gottloſen ein Wohlgefallen habe ? 
Als wolteer forechen: Wie Fan der am Tode Luft ha⸗ 
ben, der das Leben felbit iſt? Wenn fich der Gott⸗ 
lofe bekehret, ſo foll er. leben. Es ſoll ihm nicht 
ſchaden, daß er iſt gottlos geweſt, und aller 
feiner Sünden, die er gethan bat, ſoll —— | 
Sn. mebr 


ihm zueignen ſoll. For 


mebr gedacht werden, verf. 12. 15.16. Siehe, 
GOtt will die Gottlofen, die Sunder, befehret haben. 
Biſt du nicht ein Sunder? Diefen Eyd erklaret St. 
Paulus . Tim. 1. verſ. 15. Es iſt ein theures wer 
thes Wort, daß IEſus Chriſtus in die Welt 
kommen iſt, die Sünder felig zu machen, So biſt 
du auch einer von denen, um welcher willen EHriftus 
kommen ift. | 

Daß GEOtt der Sünden nicht mehr gedencken will, Dreomal 
verheiffet er dreymal: Einmal Eſa. 43. v. 25. Ich sit 
tilge deine Ubertretung um meiner willen, und Sünden 

edencke deiner Sünden nicht. Das andere mal 2 A av 

Serem. 31.0.34. Das fol der Bund ſeyn: Ich £ 
will ihnen ihre Sünde vergeben, und derfelben 
nicht gedenden. Dasdrittemal Ezech. 18.0.21.22. 
Wo fich der Gortlofe bekebrer von feinen Sun 
den, ſo foll er leben und nicht fferben. Es foll 
aller feiner Llbertretung, die er begangen bat, 
nicht gedacht werden. | 

Die Urfady aber, warum GOTT der Sünden Warum 
nicht mehr will gedencken, ift die vollfommene Bezah⸗ OL uufe 
fung und Verſoͤhnungz denn was vollfömmlich , ja nicht mehr 
überflüßig begahlt it, das muß auch vergeffen —— 
Und weil GOtt gruͤndlich verſoͤhnet, ausgeſoͤhnet, 
durchſoͤhnet iſt durch das allerheiligſte Opffer CHriſti, 
ſo kan er ja nicht mehr mit uns zuͤrnen, noch der Suͤn⸗ 
den ewig gedencken. 

Dieſen Eyd wiederholet GOtt der HErr Eſa. 45. Hoher und 
v. 22. 23. Wendet euch zu mir, fo werdet ihren. 
ſelig aller Welt Ende. Ich ſchwoͤre bey mir felbft, 
und ein Wort der Gerechtigkeit gehet aus mei⸗ 
nem Munde. Dieſen Eyd erklaͤret die Epiſtel an die 
oe am6.0.17.18. GOrt, da er wolte den Hear. 6. 
Erben der Derbeiflung überfehwenglich bewei- "7" 
fen, daß fein Rath nicht wandte, bat er einen 
Eyd darzı getban, auf daß wir durch zwey 
Stuͤcke, dienicht wancken, (denn es iſt unmöglich, 
daß GoOtt lüge) einen ſtarcken Troſt haben, und 

il. Theil. u balten 


* 
306 B.II. C.2. Wie ein ieder dieſen Troſt 


halten an der angebotenen Hoffnung, welche wir 
haben als einen ſichern und feſten Ancker unſerer 
Seelen. Das iſt, durch GOttes Rath oder Ver⸗ 
heiſſung, und durch ſeinen Eyd hat er ſeinen gnaͤdigen 
Willen verſiegelt und bekraͤfftiget. 
3. 3. Der Dritte Grund it der ewige Gnaden- 
ge Bund J welcher da ſtehet in Vergebung der Suͤn⸗ 
allen Giau⸗ den; Jerem. 31. v. 34. Das ſoll der Bund ſeyn, 
Pi ich will ihnen ihre Sünde vergeben. Dieſer 
ar Bund und T eſtament iſt durch CHriſti Tod beſtaͤtiget, 
darum iſt er ewig: darum ſpricht Eſaias C. 54.0. 10. 
Der Bund des Friedens ſoll nicht binfsllen, jpricht 
der HErr dein. Erbarmer. Eſa. 55.0.3. "ich 
mill mie eilch einen ewigen Bund machen, die ge⸗ 
wifle Önade Davids, Das ift, EHE. 5.3. Mofa, 
9.31. Der Err dein COtt ift ein hr 
GOtt, er wird dich nicht laffen verderben, noch 
vergeſſen feines Bundes, Mrd. 5, Er ger 
dencket ewiglich an feinen Bund. Und damit du 
Dich Diefes ewigen Bundes tröften kanſt, daß did) GOtt 
auch in Denfelben eingefchloffen, fo hat er denſelben mit 
und wieder, DIE infonderheit wiederholet, und Dir infonderheit aufs 
bein Änder neng denſelben beſtaͤtiget i in der heiligen Tauffe: Da⸗ 
F —— her St. Petrus die Tauffe nennet einen Bund eines 
Ba⸗ch. . guten Gewiſſens mit GOtt. Darum hat ſich 
nz*Chriſtus auch tauffen laſſen im Jordan, und iſt mit 
dir in den Bund getreten. 
a r —A Der vierdte Grund iſt nun der Tod Chrifti, 
fi. 7° dadurch der Bund und Teſtament GOttes beftätiz 
getift. Da bedenke nun, für wen der Tod Chriſti 
gefchehen: St. Paulus antwortet dir 2. Cor. $.D. 14 
Einer iſt für alle efforben. St. Johannes fpricht : 
Er ift die Verſoͤhnung für der gangen | Melt 
Suͤnde, 1.%05.2,0.2. Gt. Johannes der Tauffer 
fpricht: Siebe, das if GOttes Lamm, das der 
Melt Sünde trägt, Joh. 1.0.29. Welches St. 
Nm. 5 Paulus tröftlich erklaͤret: Wie durch eines Men⸗ 
Pi ſchen Sünde die Der Damm über alle Mi enfehen 
ommen 


+ 


ibm zueigen ſoll. 307 


kommen iſt: Alſo ifE durch eines Gerechtigkeit 
die Rechtfertigung des Kebens Über alle Men⸗ 
fyen kommen, Da St. Paulus gegeneinander 
balt Adam und CHriſtum: Solte Adams Sünde 
kraͤfftig ſeyn über alle Menſchen, und ChHriſti Ge⸗ 
rechtigkeit ſolte nicht viel kraͤfftiger und maͤchtiger 
feyn ? Iſt die Suͤnde maͤchtig, ſo iſt die Gnade 
noch mächtiger. Darum, auf daß St. Paulus Loriti 
beweife, daß EHrifti Verdienft allgemein fen, und alle —2 
Menſchen angehe, ſetzet er eine herrliche Schluß⸗Rede, 
1. Tim. 2.0.5. Es iſt ein Mittler zwiſchen GOtt 
und den Menſchen, der Menſch IEſus Chriſtus, 
der ſich ſelbſt gegeben bat für alle sur Erloͤſung. 
Derohalben ſo will aud) GOtt, daß allen Mens 
feben gebolffen werde , und zur Erkaͤnntniß der 
Wahrheit kommen; weil EHriftus fich für alle ge 
geben hat zur Erlöfung. Und das nennet St. Paulus 
Eol. 1. 9.20, daß durch CAriftum alles verföh: 
net ift, was im Himmel und Erden ift, Wel⸗ 
cheser auch begeuget Nom, 8.0.32. GOtt hat feines 
eigenen Sobnes nicht verſchonet, fondern ibn für 
uns alle dahin gegeben. Siehe, in diefer Zahl bift 
du auch; Denn bey GOtt iſt kein Anſehen der 
Derfon, Ay. &efch. 10.0.34. Gage mir, für wen 
iſt CHriſtus geftorden? Furdie Sünder, Iſt er nun 
für die Sünder geftorben, ſo iſt er guch für dich geftors 
ben, weil du auch ein Sunder bift. 

5. Der fünffte Grund ift der allgemeine Be: | $: 
ruff, welcher da fleuft ausdem allgemeinen Verdienſt Mlaemel, 
EHrifti5 denn weil a für allee Welt Sünde geber über 
gefchehen, fo ift auch daſſelbe geprediget worden al- Ale Erem 
len Creaturen, Mare. 16.9. 15. Der Herr fpricht Mare: 16, 
Matt. 9. v. 13. Ich bin kommen die Suͤnder zur 
Buffe zu ruffen, und nicht dieBerechten. Siehe, ua. 
du bift ein Sünder, darum hat dich der HErr geruffen. 
Worzu? Zur Buſſe. ee daß du Vergebung 
der Sünden erlangen folt durch den Glauben. Dar 
um hat er predigen ont in aller Welt Bufle 

% und 


308 B.!l. C.2. Wie ein ieder diefen Troſt 


und Vergebung der Suͤnden, Luc. 24. v. 47. Datz 
um ſpricht St. Paulus Col. 1. v. 23. Das Kvange⸗ 
lium iſt geprediget allen Creaturen, die unter 
dem Himmel find. Warum hat aber GOtt das 


Evangelium predigen lafen? Den Glauben aufjus 


richten und anzuzuͤnden, wie zum Nomen am 10, 
v. 14. troͤſtlich beſchrieben iſt: Wie ſollen ſie an⸗ 
ruffen an den ſie nicht glaͤuben; Wie ſollen ſie 
GOtt laͤſet glaaͤuben, von dein fie nicht gehoͤres haben? Nun 
an a fäffer Dich aber GOtt nicht vergeblich ruffen; Er ift 
rufen. kein Deuchler, es ift ihm ein rechter Ernſt. Gr! will, du 
folt feinem Goͤttlichen Beruff folgen : zuͤrnet auch mit 
Ernſt über die, fö feine Mahlzeit und Hochzeit ver- 
achten, Matth. 22, 0.7. Luc, 14.0.18. Denenaber, 
Die Durch den Ölauben, Diefen Beruff annehmen, bat 
er die tröftliche Verheiffung gegeben, und diefelbe an 
‘den Glauben gebunden, daß alle, die an ihn gläu- 
ben, nicht follen verlobren werden, fondern das 
ewige Keben baben; Joh. 3. dv. 16. Ja daß er 
‘ auch denfelben Glauben bis ans Ende erbalten 
wolle, bis des Glaubens Ende, die Seligkeit, darz 
auf Ieraet Phil. 1.0.6. 1. Petr. 1.0.9. 
i 6. Der fechite Grund ift das innerliche Zeuge 
a Deus: ig = Heiligen Geiſtes, der in dir ſeuffzet nach der 
nif desHei Gerechtigkeit, mit welchem du verfiegelt bift, Roͤm. 8. 
ken & 916. Ephef.4.0.30. Diefer Geift beweget ohn 
Unterlaß dein Gewiſſen, und laͤſſet dir Feine Ruhe, ſtra—⸗ 
fet dich ohn Unterlaß, ftellet div deine Sünde vor Aus 
gen, treibet Dich zur Buſſe, ruffet Dir inwendig, und 
uberzeuget dich, wolte dich gern von Stunden abhalten 
und befehren: Und wenn du das gleich verbergen wol 
eh teft, fo Fanft du es nicht. Dieſer Zeuge CHriſti in Dir 
fihen zur ſchweiget nicht, wenn du gleich die Ohren zuftopffeit, 
Buffe in⸗ fü hörejt du ihn Doch inwendig; und wenn du das 
durche Ge, gleich nicht verſtehen wilt, ſo muft du ihn doch empfins 
wiſſen. Den und leiden: ABelcheg ja ein unwiderjprechlich, 
kraͤfftig, thätig, lebendig 66 it, daß dich GOtt 
gern wolte felig haben, - 
X 7. So 


ibm zueignen foll. 309 


7. So haft du fo viel Erempel, daß GOtt Die, 7 _ 
Sünder hat angenommen, die fich zu ihm bekehret ha⸗ at ckche 
ben. Esift ja Eein Gerechter unter allen Menfchen, fie tigen Suͤn⸗ 
find alle Sünder; nicht allein David, Manaffe, Per year 
trus, Paulus, Maris Magdalena, Zahaus, fondern nimmt er 
alle Menſchen: Denn es ift kein Unterſcheid, wir Ni Ale au 
baben alle gefündiget, und mangeln alle des ven ihm 
Ruhms, den wir vor GOtt haben follen, Nom. 3. ur 
v. 23. Dor ihn iſt niemand unſchuldig, 2.B.Mof. 
34.0.7. Wie er nun einen Sunderhat angenommen, 
alfo nimmt er alle Sünder an: denn bey ihm ift Fein 
Anfeben der Perfon, es ift Feiner beffer vor ihn, denn 
der andere, Ap. Geſch. 10. v. 34. Wir werden alle aus 
Gnaden ohne Verdienſt gerecht, und duͤrffen alle 
Vergebung der Simden, Eph. 2. v. 8. Pſ. 32.2.6. 

Wenn er will Sünde zurechnen, wer wird vor ihn 
befteben? Pſ. ı 30.0. 3. Denn vor ihm iſt kein 
Bebendiger gerecht, wenn er mit uns will ins 
Gericht geben, Pſ. 143. 9. 2. | 

3. So iſt auch CAriſti Derdienft nicht allein ge s. 
nug, fondernüberlep genug für aller Menfchen Sünde, SAH 
fie find fo groß, fo viel und fehrecktich als fie wollen. und Beahı 
CHriſti Verdienſt iſt nicht allein eine genugfame gleich- Luna 
geltende Beablung und Nanzion; fondern eine uber len 
geltende, überwichtige, weit vollkommenere und gröffere (den Sun, 
Bezahlung, denn aller IBelt Suͤnde. Warum wol" 
teft du Dich denn ſelbſt ausfchlieffen, und dich Diefer 
Bezahlung nicht annehinen? "Du bift ja auch ein 
Menſch. Nun ſpricht der Herr: Des. Menſchen 
Sohn ſey nicht kommen, die Seelen der Menſchen 
zu verderben, ſondern zu erhalten: Luc. 9. v. 56. 

Du biſt ja auch in der Welt. Nun ſpricht St. Pau⸗ 
lus: GOtt hat die Welt in Chriſto verſoͤhnet: | 
2.Cor.5.0.19. Und St. Johannes fpricht: Er iſt 1. Joh. z: 
die Derföbnung für der ganzen Welt Suͤnde; * 
das iſt, „Für alle Sünde gines jeden Menfchen. 

‚9. So it EHrifti Derdienft eine unendliche 9. 


ewige Bezahlung, die Feine Zahl, Eeine Maaß, Fein Unendlice 
3:0 Ende” 


310 B.I. C. 2. Wie ein ieder diefen Troft 


pegreiftt al, Ende hat, wegen der hohen Perfon, fo für uns gefidten, 
Coon Sl die GOtt und Menſch if. Warum wolteft du denn 
dieſem hohen Berdienft eine Zahl; ein Maaß, ein Ende 
ſetzen, daß es eben an dir folte aufhören, und dich und 
deine Sünde nicht mit begreiffen? J a, wenn ein ieder 
Menſch aller Welt Sünde allein. auf dem Hals hätte, 

und fo viel Welt vol Sünden wären, fo viel Menſche 
ſeyn; fo waͤte doch CHriſti Verdienft und Gerechtig- 
keit gröffer: Warum wolteft du denn Dich deffeiben 
rich 7. vicht auch annehmen? Das it die Tieffe des Meers, 
darxein GOtt unſere Suͤnde geworffen. Das iſt, 
Das der 103. Pſalm v. 11. fpriht: So hoch der 
Himmel uͤber der Erden iſt, laͤſſet GOtt ſeine 
Gnade walten ůber alle, die ihn fürchten; ſo weit 
der Abend vom Morgen iſt laſt er unſere Ubertre⸗ 
tung von uns ſeyn. Das iſt Die ewige Erlöfung, d das 
von Die Epiſtel an die Hebraͤer amg9.v.ı2.fagt. Dis 
iſts, das St. Paufus fagt: Wer mill verdammen? 
EAcifkus tft bie,der gefforben, GOtt iſt bie, der 

gerecht — om. 8.0. 33.34. 

— 10. So iſt CHriſti Gehorſam vollkommen; 
mener 6, weil er dem Willen feines Vaters und den Geſetz in 
borinm allen Puncten hat genug gethan, allen. Ungehorſam 
eine aler Menſchen zu verföhnen. Denn fü eines Mens 
fhen Suͤnde und Ungehorſam durch ihn nicht waͤre 
hinweggenommen, fo wäre fein Gehor fan nicht polls 
Arams iin kommen; fo wäre Adams Ungehorſam Erafftiger und 
trarftig, mächtiger zue Suͤnde, denn CArifti Gehorſam zur 
em rechti gkeit: Welches aber nicht ſeyn Fan, wie Ef. 
erätiger. Paulus zum Römern am 5. v. 18. ſpricht. Warum 
wolteſt du Dich Denn aus dem vollkommenen Gehor⸗ 
ſam CHriſti ſelbſt ausſchlieſſen, und dich deſſelben nicht 
annehmen? Bedencke, warum Cehriſtus fo einen tief⸗ 
Pizv.8 fen Gehorſam und Krniedrigung bis zum Tode 
des Creutzes, das ift, bis in den ewigen Sluch, feinem 
himmliſchen Vater gefeiftet, auf daß cr die, ſo unter 
dem Fluch des Geſetzes weren, erlöfere, Gal. 4. v. 5. 
Een a Such unter dem Hauffen biſt du auch. Und d ns 
| allers 





ihm zueigen ſoll. 311 


allertieffſte Erniedrigung hat darum geſchehen muͤſſen, aus CHri, 


weil unſere erſten Eltern die Ehre der allerheiligſten 
Gottheit begehret und angetaſtet haben. Das hat 


EHriftus mit der allertieffſten Schmach und Ernie⸗ 


J 


drigung buͤſſen muͤſſen, und ein Sluch werden, auf 
daß auf alle, ſo in Adam verfluchet, der Segen kom⸗ 
men möchte: Sal. 3. v. 13. — 

11.59 gehet Chriſti Boͤniglicher Sieg, Tri- 
umph, Uberwindung uͤber alle Macht der Suͤnden, 
uͤber alle Menge der Suͤnden, uͤber alle Groͤſſe der 
Suͤnden, über alle Gewalt des Teufels, des Todes, der 
Holle, wie ſolte denn CHriſti Sieg und Uberwindung 
nicht über deine Suͤnde gehen? Golte denn deine 
Suͤnde allein ſtaͤrcker feyn, denn CHriſtus der allmaͤch⸗ 


o der Se⸗ 
gen, uͤ ber 
alle Men⸗ 
en. 


RT; 
CHriſti 
Sieg gehet 
uͤber aller 
Menfchen 
Sünden, 


tige König? Hat er alle feine Seinde zum Schemel 


feiner Süffe gelegt, Pſalm 110. v. ı. mie folten 
denn deine Sünden allein uber CHriſtum herrſchen? 
Wie folteft du dich aus dieſem gewaltigen Sieg und 
Triumph Cehriſti allein ausfchlieffen? i 
12. Soiſt CHrifti Nönigliches Hohesprieſter⸗ 
tbum ewig: Pſ. 1 10.0. 2.4. Hebr. 4.0. 14. Er ver⸗ 
giebt allen die Suͤnde, die ihn Darum bitten. Er giebt 
allen den H. Geift, Die ihn darum bitten. Er verfagt 


12, 
ChHriſti Ho⸗ 
hesprieſter⸗ 
liches Mitt⸗ 
ler⸗ Amnt 
ſchleuſt kei⸗ 


niemand fein Amt, er Fans auch nicht thun; denn er iſt en 
ein Heyland der Welt, ein Mittler zwifchen GOtt ſchen ans, 


und den Menſchen: Wenn er nun einem Menfchen, 
der ihn anlieffe, fein Amt verfagte, fo wäre er Fein 
Mititer. Und wie folte er fein Hohespriefterfiches 
Miitler- Amt einem Menſchen verfagen?. Beut ers 
doch allen Menfchen an, und allen Suͤndern: Bommt 
ber zu mir alle, die ihr mübfelig und beladen 


ſeyd! Matth. 1 1.0.28. Alle, die ihr durftigfepd, 


komme ber zum Waffer des Lebens! Eſa. 55. v. r. 
Laͤſſet uns doc) der HErr bitten durch feine Borb- 


ſchaffter und Legaten, wir füllen uns mir GEtt ver⸗ 


ſoͤhnen laffen, und beut uns fein Verfohn-Amt an: 
2. Cor. 5.0.20, Er ſuchet ja die verlohrne Schaafe ; 
Er nimme ja den verlohrnen Zobn an, Ezech. 34. 

; uU4 v. 16. 


312 B. II. C.2. Wie ein ieder diefen Troft 


dv. 16. Luc. 15. v. 20, Siehe, du biſt ja auch ein 
Menſch, warum wolteſt du denn das Mittler Amt 
EHrijti zwoifchen. dir armen Menfchen und zwifchen 
GOtt ausfchlagen und ſelbſt verwerffen, und did) 
felbjt aus dem hohen froftlichen Hobenpriefterlichen 
Mittler⸗Amt ausfchlieffen? 


Geber. 


Hiob 15. Erechter GOtt, du allerheiligſtes und reineſtes Wefen, für 
v. 15. dem die Himmel ſelbſt nicht rein find, deffen Majeſtaͤt die 

Engel und Erg-Engelnicht ohne Zittern anfchauen: Wenn ich 
1.3. Mof. bedencke,wie weit id) von dir, dem hochſten Gut, abgemichen, wie 
8.0.21. das Dichten und Trachten meines Herkeng nur bofe ifünerdar, 
Eſa 3. 0 8, wie ich den Augen deiner Majeftät widerftrebe, hingegen erwoͤge 





. 5 3. Mof. 


32, 0,22, den gerechten und big in die unterfte Holle brennenden Zorn, 
‚damit dur gegen die Sünde eyferit, fo wird mein Hertz mit Angſt 
und Schrecken erfüllet, und würde die Angft noch groffer feyn, 
wenn ichd deine Heiligkeit und mein Verderben gruͤndlicher er» 

1.9. Mof. fennete. In folchem meinen Zuftande ift fein Wunder, o HErr, 

3.0.8 daß ich ffets mit Adam vor dir fliehe,mich vor deinem Angefi chf 
| zu ver bergen fuche, und alſo noch weiter mich von dir in die Ver— 

4.8 Mof. dammniß verirre ; Aber, o der groffen unendlichen Barmhertzig— 

Hat 2 feit! Aufdem Wege der Verdammniß begegneft du, o getreuer 

2. 9 Heyland, mir Sünder: Du, o forgfältiger Hirt. mir deinem 
en .v.14, verirrten Knecht und Schaafe. Duruffeft mich Verlohrnen zu 

Eich, 33. bir, erloͤſeſt mich Verdammten aus der Holle, und erreiteft mich 

v1. vom Tode, verficherfimich endlich, daß du nicht Luft haft an meiz 

ER 16. nem Tode. Ob ich gleich ein Sünder bin und den Tod verdienet 

v. 6. 8. Habe,nimmft du mich dennoch in meinem Blute liegend auf in 
deinen Gnaden-dund, welchen du, o mein HErr JEſu, beftätis 

Joh 16.0.9. geft mit deinem eigenen Blut und Tode, Du ruffet mich durch 

An. 3. dein Wort, diefe Gnade anzunehmen, dein Geiſt beftrafet, erins 
nertund treibet mich durch daffelbe wiever zu dir zu kehren: Er 

Ge 7819. (chretimich, wie andere Sünder vor mir deiner Gnade find theile 

1.30h. 2 hafftig geworden, wie dein Verdienft und Gehorſam aller Mens 


v. 1. ſchen Sünde uͤberwaͤget, deine Erlöfung eine ewig, alfo ſtets gel⸗ 
Hebr. 9. tend e, ſtets kraͤfftige Erloſung ſey. So biſt du auch, mein HErr 
>, JEſu, als ein Konig der Ehren, zur Rechten der Majeftär erhö⸗ 


Km. 8 * 3. der; darum wird die einmal verdammte Sünde nie Recht haben 
v3 gegen deine Gläubigen: Es wird der einmal br fiegte, und in 
Eovoioſſ1. Triumph geführte Fuͤrſt der Finſterniß, der uns bey GOtt vers 
v. — laget Tag und Nacht, verworffen bleiben ewiglich; hingegen 
of Knie! wird ewig gelten auch vor mich Bußfertigen und Heilbegierigen 
1.505. 2. Bein Opfer und Fürbitte, die du thuſt, auch wenn mir fündigen, 
v1 Ach du barmhertziger Vater, laß alle diefe Grunde we © 
au 


« 


ihm zueignen ſoll. 313 


auch meine Sünde zu tilgen, und derfelben nimmer zu gedenz 
cken! Stelle fie für dein Angeficht, daß Te mir Gnade zumege 
bringen, und fehreibe fie mir in mein Her daß ich diefen 
Sroft in wahren Glauben ergreiffe, mit folchem freudigen 
Glauben aller Zagheit und Gewiſſens⸗Angſt entgegen gebe 
und überwinde. Negiere mich aber,o HErr, mit deinen Geift, 
daß ich diefe fo groſſe Gnade nicht auf Muthwillen ziehe, und Ey. Jud. 
mich dadurch in Sünden ſtaͤrcke. Wie konte groffere Unz v. 4. 
danckbarkeit ſeyn ala fo unausſprechliche Güte dabin zu miß- 
brauchen, daß man dir fkerg zuwider, und den Satan zu Öefals 
len lebe? Für fo verkehrten Sinn behite mich, mein GOTT, 
nach) deiner groffen Barmhergigfeit, durch CHriſtum IEſum, 
unſern HErrn, Amen. 

Das II. Capitel. 


Daß unfere Gerechtigkeit vor GOTT 
allein ftehe. in dem vollkommenen Gehorſam 
und Verdienft JEſu CHriſti, und in Vergebung 
der Suͤnden, welche der Glaube 

HT ergreift. 

Kom. 5. v. 19. Wie durch eines Menſchen Uns 
gehorfem viel Suͤnder worden find: Alfo 
find durch eines Menſchen Geborfam viel 

gerecht worden, \ 

Eeeihwie ein guter Baumeiſter, wenn er ein Grund un 

— hohes Gebaͤu aufrichten will, zuvor. einen tief Fit" OR, 

fen beftändigen Grund legen muß: Alſo, der und Selin, 

gnadige und barmhergige GOTT, als er wolte das Ki TSOr 
hohe ewige Gebau unferen Seligkeit und Gerechtigkeit versiareit 
aufführen, legte er den Grund in die Zieffe feiner In CHriſto. 

Barmhertzigkeit auf den ewigen und bejtandigen 

Grund der Perſon und des Amts feines lieben Sohnes, 

unfers HErrn JEſu Cehriſti, als auf den rechten Felfen 

des Heils, der nicht wancket, wie er folches durch den 

Propheten Eſaiam am 28. v. 16. verbeiffenhat: Sie- Ef. :8. 

. be, ich lege einen Grundftein in Sion, einen be=” un 

wäbrten Stein, einen Föftlichen Eckſtein, der 

woblgegründer iſt; wer gläubet, der fleucht nicht. | 

Welchen Grund und Fels der Herr St. Petro zeiget Matth. 16 

und andenter, darauf er feine Gemeine bauen’ '* 

! ls; wolle, 


314 BE. 3— Unſere Gerechtigkeit 


wolle fo feſt und gewiß, daß fie auch die Pforten 
der Hollen nicht überwältigen follen. | 
EHrifus Welchen Grund auch Sanet Paulus und Petrus 
der Grund predigen 2. Tim. 1. ve9. 1. Petv.2.0.4. Uuddererg. 
fiein, Pſalm, v. 22. gruͤndet ſich auf dieſen wunderlichen Eck⸗ 
ſtein. Auf dieſen Grund hat GOtt unſere Gerech⸗ 
tigkeit, Seligkeit und den Glauben erbauet. Gleich? 
wie aber unſer gnaͤdiger, lieber, himmliſcher Vater den 
Grund unſerer Seligkeit und Gerechtigkeit in den tief⸗ 
fen Abgrund ſeiner Barmhertzigkeit gelegt hat, in ſeine 
ewige Liebe, in feinen lieben Sohn, in fein aller⸗ 
freundlichſtes Vater⸗Hertz: Alſo hat er auch dieſelbe 
gelegt in die Tieffe unſers Hertzens, in den innerſten 
urſachen, Grund unſerer Seelen, auf daß durch das neue Goͤtt⸗ 
ie Licht und Krafft des Glaubens, den. er in ung 
Gelioteit durch den Heiligen Geift wuͤrcket, allein CHriſti Ger 
A — rechtigkeit ergriffen, und uns aus Gnaden allein durch 
hier denfelbigen Glauben zugerechnet und geſchencket werde, 
ohn alle unfere vorgehende und nachfolgende Wercke, 
darum? 

x. 5. AufdoßLer den Menſchen von innen heraus 

rechtfertige aus dem Grund der Seelen, gleichwie der 
tenfch in den innerſten Kraͤfften der Seelen abgrimds 
lich) tieff pergifftet iſt durch den Satan. 

a, 2. Muß unfere Gereditigkeit allein aus Dem Glau⸗ 
ben kommen, weil denfelben GOtt wuͤrcket, auf Daß er 
beſtehe allein in GOttes Wercke, und nicht in Aufferz 
lichen Menſchen-Wercken oder Heucheley, wie Die 
Phariſaͤiſche Gerechtigkeit, die nur aucwendi⸗ war, 
und — im Hertzen⸗Grunde. 

— 3. Auf daß unſer Hertz, Geiſt und Seele ſich 
— den wieder abwwendet evon allen eigenen inenfchlichen Kraͤff⸗ 
ten und Rermogen, su welchen fie fich durchs Q Teufels 
ah Verführung geneigt hatte, Durch eigene Ehre, Liebe 
Chrid. und Hoffart: und dargegen ſich bloß Inuter wendete 
zu EHriti theurem Verdienſt und Gnugthuung, aus 
welchem allein Vergebung aller unſerer Suͤnde aus 
Gnaden herfleuſt, darum, daß CHriſtus JEſus allein 

vor 





im Beborfam Chriſti. 315 


eh N 
vor der Welt Sünde genug gethan, und den Vater - 
verfühnet. — 

4. Auf daß CHriſti Gerechtigkeit unſer eigen d * 
wuͤrde durch den Glauben; darum er auch durch fein Sör ven 
Wort und Geiſt in unfern Hersen den Glauben wuͤr⸗ Gtanben in 
cken und anzünden laͤſſet, auf Daß wie durch denſelbi⸗ ke, "ur 
gen dieſes unausfprechlichen Schatzes theilyafftig 
werden Fönnen. Denn dis it der höchfte unaus— 
denck⸗ und unausfprechliche Troft, daß unfere Gerech⸗ 
tigkeit nicht eines Menſchen, nicht eines groſſen Herrn, 
nich eines Engels Gerechtigkeit, fondern CHriſti Ger 
rechtigkeit, GOttes Gerechtigkeit. GOtt ift bie, 
der gerecht machet; Nom. 8.0.33. Darum, wenn 
eines Menfchen Sunde die gantze Welt erfuͤllete, fo ift 
doc) CHriſti Verdienſt groffer, denn er it JEHOVAH, 

Juftitia noftra, der GOTT, der. unfere Berechtig- Jer 33. 

keit iſt. Golte denn die Sünde mächtiger feyn, denn He Yer 

GOtt? Iſt gleich, als wenn man einen Gulden ſchul⸗ zahlung in 

dig wäre, und man bezahlte den Schuld Herrn mit SP 

taufendinal taufend Eentner Goldes; fo it EArifti 

Blut, welches St. Paulus GOttes Blut nennet, zu 

rechnen gegen unfere Sünde. So groß it CHriſti Ger 

rechtigkeit, die er uns fchencft durch den Glauben, alſo, 

daß wir nicht allein durch ihn gerecht werden, fondern 

daß wir in ihm werden die Gerechtigkeit felbft, 

2.Cor. 5.0.21. -Denn gleichwie es nicht genug it, Daß 

man ein armes Fleines Kind wäfchet und reinige: von 

feiner Unfauberkeit, und laffets darnach nackend liegen, 

fonder man muß es auch wieder angichen, mit weiffen 

reinen Hemdlein und leinen Tuͤchern bekleiden, Ezech. 

16.0, 10, Alfo hat uns CHriſtus unfer Here nicht ale 

kein rein: gewaſchen mit feinem Blute; fondern auch mit 

dem Rleide des Aepls und mit dem Rocke der Ge⸗ 

techtigkeit bekieidet, Denn wir haben zweyfaͤl⸗ efa 40.0.2. 

tiges empfangen von der and des Afrın. Wel⸗ ——— 

ches Kleid der Prophet Eſaias am 61. nennet ein vergiebt 

prieſterlich Kleid; das iſt ein heilig Kleid: Und der tn 

29. Pſalm, v. 2. einen heiligen Schmuck, ae 9. re Cünde, 
verſ. 8. 


| 316 B.U. C.3. Unfere Gerechtigkeit 


TH EEE Weiffe Seide, welches iſt die Gerchtig- 
auch mit Leit der Heiligen. Der Prophet Amos 5 5. verſ. 24. 
. ti nennets Ströme der Berechtigteir. St. Paulus 
Nom. 5. v. 20. einemächtige überflüffende Gnade; 
Epheſ. 2. v. 7. den uͤberſchwenglichen Reichtbum 

der Bade. “Das if fo eine grafe Gerechtigkeit, 
daß fie Fein Menſch ausdencken Far, fo groß als 
GOT ſelbſt; denn obwol unfere erften Eltern im 
ihrer Unſchul d eine vollkommene Gerechtigkeit gehabt, 
fo haben fie doch nicht eine fuperabundantem, cine fü 
hohe uberflüffende Gerechtigkeit gehabt, als wir ietzo in 
nie Shriſo haben: Denn EHrifti Gerechtigkeit -und 
tigteit eine Deiligkeit, Die er ung fchenck? durch den Glauben, ift 
Kir sroffer, denn die uns Adam hätte koͤnnen anerben, 
FE wenn er ſchon nicht gefallen, fondern in der Unſchuld 


ln Sleben were. So iſt auchC Hriſtus mit einer hoͤhern 


> ifi höher in Demuth und Gehorſam GOtt gefaͤlliger geweſen, denn 


ſeinem Veꝛ⸗Adam in ſeiner Unſchuld: Denn er iſt mehr denn 
ER tauſend Adam in feiner Unſchuld. Und ob uns gleich 
feiner uns Adam die Erb⸗Gerechtigkeit hatte in der Unſchuld ans 
ſchuid. geerbet und uns mit derſelben vereiniget: ſo iſt Doch 
die Vereinigung, fo wir mit GOtt haben in ChHriſto, 
viel groffer, indem EHriftus Menſch worden, unfere 
menfehliche Natur angenommen, und dieſelbe fo had) 
gereiniget in ihm felbit, ja viel hoͤher, ais fie immer in 
Adam geweſen iſt. Bleibt auch mit derfelben einmal 


angenommenen menſchlichen Natur ewig vereiniget, 


und in derſelben alle Glaͤubige: Denn CHriſtus it 
uns gank unfer, und wir find gang fein. Und ſo rein als 
in.pmgo er.nun feine menfchliche Natur gemacht: in feiner Pers 


vein, als er jun, ſo rein hat ev unfere Natur auch vor GOtt ges ’ 
macht, welches wir in der Verklärung an jenem Tage 
erkahren werden, wenn unfere fer bliche Leiber aͤhn⸗ 


ſelbſt iſt. 


lich worden ſeyn ſeinem verklaͤrten Leibe, Phil. 3. 


d.21. Hier heiſts im Glauben: Tata pulchra es amica 


mea. Siehe, meine Freundin, du biſt ſchoͤn, ſchoͤn 


EB 


* 


biſt du: Und Epheſ. 5. verſ. 27. Herrlich, ohne 


Runtzel und Mackel. Und im 45. Pſalm, v. 14. 


Inwen⸗ 


im Geborfam CArifki. 3 N 7 


Anwendig fehön mie guͤldenen Stücken geſchmuͤ⸗ 
det. Summa, , unfere Gerechtigkeit ıft fo groß in 
EHrifto, als GOtt ſelbſt, daß wir fie in Ewigkeit nicht 
‚werden ergründen koͤnnen, fo wenig als GOtt ſelbſt: 


Daruͤber alle Creaturen erſtarren muͤſſen, und koͤnnen 
wider den Menſchen nichts aufbringen, ſondern muͤſſen 
ſagen: Wer will den Menſchen verdammen? It doch Roͤm. 8. 
GOlies Sohn ſelbſt feine Gerechtigkeit. Siehe, das’? 
ift des Glaubens Gerechtigkeit, darauf wir fo feſte 
bauen, als auf einen ewigen Grund, Deren wir ung 
freuen und rühmen in Zeit und Ewigkeit; Dadurch wir 
fiegen und triumphiren über Welt, Sünde, Tod, Teu⸗ 

fel und Hölle, dadurch wir auf Löwen und Ottern 
geben, und treten auf diejungen Löwen und Dra⸗ 
chen; M.9 1.0.13, Luc. 10.0. 19; 

s. Unfere Gerechtigkeit Fan auf Eeinen Engel, .5- 
gebauet werden; denn es iſt Fein Engel fin ung gejtor- madere Der 
ben: Vielweniger auf einen Menſchen; ; denn woie if auffeine 
bald wancket ein Menfch mit feiner, Gerechtigkeit? grau de: 
Wie bald fallet er dahin? So liegt denn darnieder im fondern auf 
Koth alle feine Gerechtigkeit, und fo er Faller, wird feiner FI 
Gerechtigkeit nicht mehr gedscht: Ejech. 18. v. 24. 
C.33.v. 13. Darum muß unſere Gerechtigkeit einen 
andern feſten, beſtaͤndigen und ewigen Grund haben, 

er nicht hinfaͤllt, wenn gleich Berge und Huͤgel 
hinfallen; der da bleibet, wenn alles vergehet: Eſa. 
54.v. 10. Es wird eine ewige Gerechtigkeit ge- 
bracht werden, Dan. 9.0.24. Mein Kepl bleiber Durd die 
ewiglich, und meine Berechtigkeit wird nicht ver- —— 
zagen, Eſa. z1.v. 6. Es muß fuͤrwahr das allerhöch- mus auch 
ſte ewige, unendliche But feyn, das uns Durch eine ewige 5 Pott 
Perfon, durch die höchjte Perfen, durch eine unendliche kaufit ſeyn. 
höchite Bezahlung erworben iſt. | 

6. Hat GOTT unfere Gerechtigkeit durch den goes 
&lauben zu ergreiffen. verordnet , weil derfelbe auf Gnade und 
GOttes Wahrheit und Verheiſſung gebauet, und Labrbeit 
daran gebunden, durch welche GOtt die Gerechtigkeit — 
dem Abraham und allem feinem glaubigen Saamen rer Selig, 

verheite 


318 B.U. C.3. Unſere Gerechtigkeit 


verheiſſen und zugeſaget. Darum, eg Pur 
fus zum Römern am 4.0.16. muß die Gerechtig⸗ 
keit aus dem Blauben kommen, auf daß fie ſey aus 
Gnaden, und die Derheiffung feft bleibe. Auf 
dieſe Verheiſſung der Snaden, fo in CHriſto erfüller ft, 
bat GOtt unfere Gerechtigkeit und Scligkeit erbauet, 
wieder Apoſtel ferner zum Galat. am 3. v. 6, begeuget: 

Are Glaͤu. Bleichwie Abraham hat gegläuber. und es iſt ihm 

ee zugerechnet zur Gerechtigkeit; ſo erkennet ihr 

Abt ahams. nun, daß, die des Glaubens find, die find Abra⸗ 
bams Binder. Die Schrifft aber bat zuvor er» 
feben, daß GOtt die Heyden durch den Glauben 
gerecht mache; darum verkündiget fie dem Abra⸗ 
bam: Tin die follen alle Heyden gefegnet wer: 
den: 1. B. Moſ. 12.0.3. Alfo werden nun, diedes 
Glaubens find, gefegnet mit dengläubigen Abra⸗ 
bam. Diefe Gnade und Wahrheit ift uns durch 
IEſum Chriftunworden, Joh. 1. v. 17. 

” Und endlich zum 7. fo hat auch GOtt der Here 
ie unſere Gerechtigkeit auf feine Gnade und Chriſti 
die Ehre Verdienſt gegründet; Eſa.45. v. 22. 23. C. 5 3. b. 11. 
behalten. Huf daß CHriſtus unſer HErr allein die Ehre behalte, 

Denn aus ihm allein koͤmmt unſer Heyl, Oſ. 13, 
v.9. Eriftunferer Gerechtigkeit und Seligkeit Anfang, 
Mittel und Ende, auf daß aller Mund verſtopffet 
werde, fpricht St. Paulus, Roͤm. 3. vaf.ı9. Lind 
Epheſ. 2. v. 8. GOttes Babe iſt es,nicht aus den 
Wercken, auf daß ſich kein Fleiſch rͤhme. Wenn 
aber unſere Gerechtigkeit auf uns ſelbſt, auf unſere 
„Werke und Verdienſt gegründet ware, jo ware die 
Gnade nichts, dürften auch Feiner Gnade und Barm⸗ 
hersigkeit, und Feiner Vergebung der Sunden, dar« 
um doch alle Aciligen Bott bitten, Pſ. 32. v. 6. 
Waͤre auch) die Demuth und Furcht GOttes, der 

° Glaube und Gebet aufgehoben; dürffien auch Feines 
Mittlers, Erlöfers, Heylandes, Seligmachers, und 
CHriſtus ware umfonft geftorben; wären auch ſchul⸗ 
dig, das gange Geſetz mit vollkommenen en 

| un 


4 


im Gehorſam Coriſti. ENT, 


und. Aufferlichen Gehorfam zu erfüllen, wären auch 

unter den Fluch und aus.der Gnade gefallen, und haͤt⸗ 

ten EHriftum verlohren, wie St. Paulus Salat. 3. 4. 

und 5. gewaltig bezeuget. So gar iſt die Lehre von der Viel Srün 
- Gerechtigkeit der Wercke vor GOtt dem Fundament de der Der 





9) rechtigkeit 
der gantzen Schrifft Altes und Neues Teſtaments und des Glan: 
dem heiligen Chriſtlichen Olauben zuwider. bens. 


Daß aber unſere Gerechtigkeit und Seligkeit auf 
GDites ewige Gnade, auf CHriſti ewige Perſon und 
Amt erbauet und gegruͤndet iſt, und wir in CHriſto 
ewig gerecht fromm, heilig, lebendig, ſelig, GOttes 
Kinder und Erben ſeyn, ja daß CHriſti Gerechtigkeit 
unſere Gerechtigkeit, CHriſti Froͤmmigkeit unſere 
Frommigkeit, CHriſti Heiligkeit unſere Heiligkeit, 
EHrifti Leben unfer Leben, CHriſti Seligkeit unſere 
Seligkeit, CHrifti Kindſchafft und Erbe unfer Erbe 
iſt, ja daß EHriftus gang unfer iſt nach feiner Gott⸗ 
heit und Menfihheit: (Denn GOtt uns den gansen 
Cchriſtum geſchencket zu einem Erlöferund Seligma⸗ 
cher, daß er gantz unfer eigen fey mit feiner Perfon, Amt, 
Gnade, Herrlichkeit und Seligkeit:) Das it unfer BE 
hoͤchſter Troſt, Ehre, Ruhm, Preiß, Liebe, Freude, ynoKapın. 
Friede vor GOtt, den Engeln und Auserwehlten, un 
fere höchfte Weisheit und Kunft, Staͤrcke, Kraft, 
° Sieg, Trog wider die Stunde, Tod, Teufel, Hölle, 
Perdammaiß, Welt und alle Feinde, Dafür fey 
GOtt gelobt in Ewigkeit! Amen. 


Gebet. 


FINch lobeund preife ich, dur Heiliger und allein weifer GOtt, 1.Zim. x. 
daß du nac) deiner groffen Güte nicht allein einen feften, v. 17. 

fo beſtaͤndigen Grund meiner Gerechtigkeit und Geligfeit in 

dir ſelbſt legen, und diefelbe auf JEſum, den Felß des Heyls, + Eor. 10, 

bauen wollen, daß fie wider die Pforten der Hoͤllen beftehen 94 

kan; fondern auch diejelbe, indem du fie dem Glauben zule— 

geit, mir fo gewiß verfichern wollen. Du wareſt in EHrifto, 2, Car. 5, 

und verföhnteft die Welt mit dir felber, und haft aufgerichtet v. 19, 

unter ung dag Wort der Berfohnung, welches nichts zu un; 

ferer Rechtfertigung fordert, denn einen wahren und Ie- Ap. Geld), 

bendigen Glauben an JESUM. D HErr, in wag für 16. v.äu 

- Unges 


320 9.H.€.4. Glauben wuͤrcket Srüchte 





Ungewißheit wäre ich ftet8 gemefen, wenn ich meine Gerechtige 
feit und Seligkeit aus meinen odır anderer Menfchen Werchen 
höite fuchen follen, der ich nun im Glauben trogen Fan: Wer 
Roͤm. 8. will mich hefchuld'gen? GOtt iſt hie, der .. hemacht; wer will 
v.33.34. mich verdammen? EHriftusifthie,der ac. „ben iſt. Vergieb 
mir, o mein GOTT, daß ich bishero die Seligkeit, darum du 
mir zum Beſten ſo viel gethan, ſo wenig wahrgenommen, und 
nimm endlich einmal von mir die fleiſchliche Sicher heit, damit 
DHil.2,v.12. ich hinfuͤro mit kindlicher Furcht und Zittern ſchaffen möge, wie 
Rom. io. ſch ſelia werde. Lak mic) end) ja nie, o getreuer Water, auf 
ehe 0.6. mich ſelbſt verfallen, meinem Vermoͤgen etwas zuzulegen, oder 
- Boil.a.o.g, Meineeigene Gerechtigkeit vor dir aufrichten, fondern weil die⸗ 
9. 10. ſelbe iſt wie ein unflätig Kleid, daß ich fie auch wie Dreck achte; 
hingegen in herglicher Demuth immer liege zu den Füffen IEſu, 
und in ihm erfinden werde, als habend die Gerechtigkeit, die 
du, o Vater, dem Glauben zurechneft, zu erfennen ihn und die 
Krafft feiner Auferftehung, und die Gemeinfchafft feines Lei⸗ 
dens, daß ich feinem Tod ähnlich werde, Damit ich entgegen 
fomme zur Auferftehung der Todten. Ihme dem Anfänger 
und Vollender meines Heyls, fey famt dir. o Ba‘er, und den 
Heiligen Geift, alle Ehre, Preiß und Herrlichkeit, von Ewigkeit 

zu Ewigkeit! Amen. 


Das IV. Capitel. 


Daß der feligmachende Glaube in ei- 

nem wahren Ehriften würde allerley Fruͤchte 

der Gerechtigkeit, fo auch aus dem innerften Grunde 

Des Hertzens gehen muͤſſen ohne Heucheley: Daß 

auch GOTT alle aufferlihe Wercke nach dem 

| Grrunde des Hertzens urtheile, 

il. 1.0.9. 10. 10. Daſelbſt um bete ich, daß ihr 
ſeyd lauter und unanftößig, bis auf den Tag 
Cärifti,erfüllet mir Srüchten der Gerechtig⸗ 
keit, die durch IEſum Chᷣriſtum gefcheben in 
euch, zur Ehre und Lobe GOttes. 


Ein Chriſt HIn wahrer Chriſt wird nicht allein durch den 
wird durch ‚Glauben an Cehriſtum gerecht, ſondern wird 
N auch durch den Glauben eine Wohnung und 
und ein Teinpel Cehriſti und des Heiligen Geiſtes; darzu hat er 
— dein Hertz gereiniget durch den Glauben, 1. Cor. 6. 
v. 19. Eph. 3.0.17. Apoſt. Geſch. 15. v. 9. — 

| mu 


e 


der Berechtigkeit. 321 





muft du nun deinen HErrn EHrttum in dir leben und 
bereichen laſſen, nemlich feine Liebe, Demuth und 
Sanfftmuth. Darzu giebt dir dein Here und Erlös 
fer feinen Heiligen Gert, welcher dir ein neues freywil⸗ 
liges Herb machet, zu hun, was GOtt gefällt, ohn ak 
fen Zwang aus freyem Geiſt, Ger. 3 1.0.32. Hebr, 
10.20.16, Lind koͤmmt dieſer neue heilige Gehorſar 
nicht aus den nn Zwang, fondern aus 
dem lebendigen. Glauben. Alſo it dem Berechten Tim. u 
kein Geſetz gegeben; das ift, Fein Noth⸗ over ämange" ? 
Geſctz; wiewol es eine fehöne Regel it eines Chriſtli⸗ 
chen Kebens: Denn der wahre lebendige Glaube !erendigen 
ſhut alles freywillig, erneuert den Menſchen, reiniget ge 
Das Hertz, liebet den Naͤchſten init Luft, hoffet und 
fieher aufs Zukuͤnfftige, er betet, lobet, befennet, fuͤrch⸗ 
tet GOtt, HE demuͤthig gedultig, barmhertzig, freunde 
lich, ſanfftmuͤthig, verfohnlich, mitleidig, friedfertig verz- 
giebt gerne, hungert und Durfter nach der Gerechtig— 
feit, ergreift GOtt mit aller feiner Sinade, ChHri⸗ 
ftum mit alleın feinem Berdienft, und Vergebung aller 
Suͤnden. Und wo du Cehriſtum nicht-alfo durch den 
Glauben in dir laͤſſeſt leben, auch die Früchte des Gei⸗ 
ftesnicht alfa empfindeft, ſolt du darum bitten, feuffzen, 
trauren. Das folt du nicht alfo verftchen, daß ein ir das 
Ehrift in dieſem Leben müfte oder Eonte vollkommen En 
heilig ſeyn; denn es befinden auch die Heiligiten ihre verichen. 
chwachheit, wie der gantze PMalter und das Vater Pttd- 6 
Infer begeuget: Aber gleidywie unfer lieber GOTT 
darum unfere Gerechtigkeit, dadurch wir vor ihm beſte⸗ 
ben, durch den Glauben ergriffen haben will, und dies 
felbe in den innerften Grund des Hertzens gelegt bat, 
auf daß fie Feine Heucheley ſey: Alfo muͤſſen alle Früchte 
des Glaubens und der Gerechtigkeit aus dem Grunde 
des Hertzens gehen, darnach fie auch GOtt urtheilet, 
follen fie anders Feine Heucheley feyn, 
Ich rede hie von Feiner Vollkommenheit, fondern 
daß nur unfer neues Leben und gute Wercke Feine 


j N; € San N : Di F uͤcht 
DIR. Die — Gerechtigkeit ri 


322 ®. B.II. C. 4. Glauben würdet Scüchte 


müffen bey 
den Chri⸗ 
x il fin: 


ie 
möffen 
wachfen, 


 Wrobe des 


Glaubens 
und des 
Hertzens. 


des des Beiftes, wie fie Gal. 5. v. 22. befchrieben find, 
müffen ſich jo in Denen ereignen, die den Heiligen Geiſt 
haben, und muß ja der gute Baum an ſeinen Fruͤch⸗ 
ten erkannt werden, ob ſie gleich nicht volfommen 
und Englifch ſeyn, fondern mit vielen Gebrechen und 
Schwachheiten beflecket und verdunckelt: Unterdeß 
ſen aber muͤſſens ja keine Heuchel⸗ und Luͤgen⸗Fruͤchte 
fepn. Das Ehriftenthum iſt sugar ein Haus und 
Spital voller ſchwachen und krancken Leute, ja beyde 
voller Sünder und Heiligen; und gehet zu, gleichwie 
init den Kindern, Die erſt an den Baͤncken gehen lernen, 
die muß man gängeln, heben, tragen, aufrichten, dul⸗ 
ten: Alſo muß in der Ehriftenheit einer desandern 
Laſt tragen, Sal. 6.0.2. auchnicht bald einen ſchwa⸗ 
chen Ehriften richten und urtheilen, om. 14. v. 1. faq. 
fondern mit ſanfftmuͤthigem Geift wieder zurecht brin⸗ 
gen, und aus defjelbigen Exempel feine Schwachheit 
erkennen lernen. Aber unterdeffen muͤſſen ſie auch 
in ChHriſto wachſen und zunehmen, und nicht immer 
unverſtaͤndige Kinder bleiben, ob fie wol ſchwerlich das 
Fleiſch toͤdten und uͤberwinden koͤnnen, 1. Cor. 14. v. 1. 
Muͤſſen ſich auch befleißigen der Liebe von reinem 
Hertzen, von gutem Gewiſſen und ungefaͤrbtem 
Glauben, 1.QTim. i. v. 5. und lernen, daß GOTT 
alle aͤuſſerliche Wercke nach dem Grunde des Herz 
tzens urtheile. Iſt das Hertze gut, ſo iſt alles gut, 
was du thuſt; Iſt das Hertze boͤs, unrein, feindſelig, 
ſo ſind alle deine Wercke feindſelig und boͤſe vor GOtt. 
Wie du inwendig biſt, ſo biſt du vor GOtt, ſo iſt dein 
Gebet vor GOtt, dein Kirchengehen, dein Allmoſen, 
dein Sacramentgebrauchen. Darum, wilt du dich 
und deinen Glauben recht prüfen , ſo nimm die zehen 
Gebote vor dich, und urtheile jelbft alle deine Wac⸗ 
nach deinem Hertzen; ſo wirſt du selbit Richter ſeyn 
Eönnen, und prüfen, ob du in deinem Thun GOtt gefaͤl⸗ 
leſt oder nicht, und ob du rechtſchaffene Frucht der inner⸗ 
lichen Glaubens⸗Gerechtigkeit haft, Phil. ı.v.ır. Du 
het Feine Aare IA ÜNREENDE: itrecht. Siehe 
nur 


der Gerechtigkeit. 323 


nur zu, ob auch der Grund des Hertzens darbey it, Inwendi⸗ 
ob du auch einen Goͤtzen im Hertzen ſitzen haſt? Ob du Ode 
auch inwendig fo bist wie auswendig? Danger dein ' 
Hertz nicht an der Welt, am Geitz, an Hoffart, ie fo 
‚gefältet dein aͤuſſerlich Werck GOtt wohl. Iſts aber 
anders, fo iſt dein auswendig Werck nichts vor GOtt. 
Du beteſt, lobeſt, danckeſt GOtt aͤuſſerlich mit 
dem Munde; ſiehe aber daß du nicht mit dem Munde 
beteſt, und im Hertzen flucheſt. Forſche des Hertzens ——— 
Grund, wie es da ſtehet; iſts da auch nicht affo, iſt nee 
dein “Beten und oben nichts, Dis beiligeft den der 
Sepertag äuflerlich: Iſt recht. Siehe Des Hertzens 
Grund an, wie es da ſtehet. Haſt du auch den rechten Juwendi⸗ 
Sabbath im Hertzen? Ruheſt und feyerſt du auch da he h 
von deinen boͤſen Gedancken und Willen, und ergiebſt barh- 
GOtt dein Hertz, daß er in dir wuͤrcke? Bringeſt du 
auch einen hoffartigen giftigen Wurm mit in die 
Kirche ?- Iſt dem alfo, fo iſt dein Kirchengehen nichts, 
Dur leifteft den aͤuſſerlichen Gehorſam: Iſt recht. 
Eiche, obs im Hertzen auch fo iſt? Haft du auch ein Iunerlis 
gehorſames Hertz aus Liebe, nicht aus Zivang? Wo — 
nicht, iſts Heucheley. Du toͤdteſt niemand mit der 
Fauſt: Iſt recht. Siehe obs im Hertzen auch fo iſt? 
Iſt Zorn de, foifts ein innerlicher Todtſchlag, und biſt Hertzens⸗ 
des Gerichts ſchuldig: Du muſt darum vor Ger dutſcelan. 
richt. Siehe, wie der innerliche Zorn deine Geberden a, 
verftellet, und dadurch aus dem Hertzen als ein Teuer 
lodert. Dadurch) ſageſt du zu deinem Bruder, 
Rache, und ou bift des Raths ſchuldig: Du bift 
eines verdammlichen peinlichen Urtheils werth. Siehe, 
wie der Zorn duch die Schelt + Worte ausbricht, 
daß du ſageſt mit giftigen Worten: Du YTarr ! 
Siehe, ſo bift du des böllifihen Feuers ſchuldig. 
Was hilft dichs nun, daß du mit der Fauft niemand Der mr 
tödteft, aber im Hertzen ein Mörder bift? Was Hilft — * 
es, die Haͤnde ftill halten, und dargegen mit feindſeli⸗ 
gen Geberden, und als ein Baſilisk mit den Augen den 
ſaͤchſten toͤdten? Was hilffts, Das Schwerdt nicht 
R 2 zucken, 


* 324 B.1 1. C.4. Blaubenwürctet Srüchte 


gucken, ; "und doch ein bloſſes Schwedt im Munde 
Seren. 18, haben, u und.den Nächiten mit der Zunge todtſchla⸗ 
”i8 gen? Im Hertzen fiset der Mörder, der Chebrecher, 
der Dieb, der Lügner, und die bofe Beſtie, die bofe 
Luſt und Wurdel alles Ubels. Siehe, wann diefer 
böfe Wurm im Hergen nicht getödter wird Durch 
wahre berßliche Er ‚ Neu und Leid, durch den 
Glauben und Blut Chriſti; fo iſts unmöglich, daß 
du GOtt dem HErrn ein einig angenehmes Werck 
thun ‚Fönneft : Denn Gott urtbeiler alles nad) 
dem herzen. 
Mattb.s: Deſen giebt der Herr felbft ein Srempel aus dem ° 
va 5. Gebot, und fpricht: Wenn du deine Babe auf - 
Gottes Dem Altar opfferft, und wirft allda eingedend, 
Dienn aus daß dein Bruder etwas wider dich habe, ſo gebe 
Henn. zuvor bin, und verföbne dich mit ibm; oder es 
wird dein Gebet, Dpffer, Gottesdienft, Saerament⸗ 
brauchen dir nichts helfen, ja vielmehr zur Sünde wer⸗ 
den, denn GOit fiehet | Das Herb an. Darum be 
fieble St. Paulus 1. Tim. 2.0.8. daß wir beilige 
„ande aufbeben follen im Gebet, obne Zorn und 
Sweiffel. Und den Cheleuten befichlet St. Petrus 
..,6piik.am 3.0.7. daß fie fich für Zorn hüten follen, 
Dei: aufdaß ihr Gebet nicht verhindert werde. Dar⸗ 
un Auf thut der HErr JEſus eine treuberkige Vermah— 
men. „nung zur brüderlichen Nerföhnung ; und brauchet fol 
. 2. gende drey Gründe: 
1. Sey willfihrig deinem Widerfächer bald, 
Unfrkten weil du noch bep ihm auf dem Wege bift. Das 
ER ift, du geheft alle Stunden auf dem Wege des Todes, 
Unfer gankes Leben iſt nichts anders, denn ein ftetiger 
Gang zum Tode und zum Grabe. Stirbeſt du im 
Zorn, fo behälteft du ewig ein feindfelig Hertz; und wirft 
Du des Zorns i in dieſem Leben nicht los, ſo bleibeſt du 
ewig in deiner Seelen mit dem Zorn vereiniget, ja mit 
dem Teufel felbit. 
Vor En 2. Daß dich der Widerfacher nicht überant- 
168 Gerige worte dem Richter, Sgreciuch iſts, En dor 
Ottes 


| der Gerechtigkeit. gay 
GDttes Gericht fodern, und mit feinem Widerſacher — 


ſtehen vor dem geſtrengen Gericht GOttes, and des ſchr 
Urtheils erwarten. Darum, was hier vergeben, ver⸗ 

geſſen und verfühnet iſt, Das iſt dort ewig vergeben, ver⸗ 

geſſen und ausgeſoͤhnet. So bad) it bey GOtt die 
Liebe angefehen, Daß er feine Kiebe und des Naͤch⸗1. Joh. 4. 
ſten Liebe bey einander haben will ungefehteden," ”°- 
und will kurtz um ohne des Naͤchſten Liebe von uns nicht 
geliebet ſeyn. Er will ſeine Liebe und des Naͤchſten Liebe 

nicht getheilet haben: Denn er iſt die Liebe ſelbſt, und 

hat den Menſchen ſo lieb, als ſeine Seele. 

3. Wer nicht vergeben will, wird in den Rer⸗3 

der geworffen, da er den letzten Zeiler bezahlen Bit hat 
muß. Das ift: GOttes Gerechtigkeit ift, daß er ſo unswie wir 
mit ung handele, wie wir mit unſerm Naͤchſten handeln, Sk aaın 
und uns eben mit dem Maaß mefle, damit wir, an⸗ handeln. 
dern gemeſſen haben, Luc. 6.0.38. Vergiebſt du 

nun deinem Naͤchſten nicht, ſo ft GOttes Lirtheil, daß 

er. die auch nicht ‘vergeben will; fo bleibet alle deine 
Suͤnde über. dir, die muft du denn felbft von der groöften 

bis auf die Eleinefte in der ewigen Pein buͤſſen, und 

kanſt doch in Ewigkeit nicht begahlen. i 

‚Eiche, wie dir nun der Sohn GOttes ein Exem⸗ 

pel gegeben hat, deine aufferlichen ABercke aus deinem 
Hertzen zu urtheilen: So urtheile nun dein gantzes 
Chriſtenthum aus deinem Hertzen. Du fprichit: 
Ich bin ein Chriff, geraufft, babe Ortes Wort Das Chris 


vein, höre daffelbe, brauche das Zeil. Sacramene tun, 


des Abendmahls, ich glaube und bekenne auch alleim Herten 


Artickel des Chrifklichen Glaubens, darum Ban daben- 
mirs nicht mangeln, mein Thun muß GOtt ge 
fallen, und ich muß felig werden. So fhleuft 
iegt alle Welt, und halts auch dafür, darinn beſtehe die 
Gerechtigkeit. Das ift wol ein guter rechter Schluß, 
wenn des Herkens Grund dabey iſt; wo nicht, fo ift 
alles vergeblich. - Prufe dich nur aus deinem eig 
nen Hertzen; die ‘Probe liegt im Hergen. Erſtlich Probe des 
ſprichſt du, du biſt ein C ge : Iſt recht. Seliche Nr 

| L3 He 


⸗ 


326: B.Il.E,4. Glaube würdet Srüchte 


+ Br BREIT; <a 

2. Hersens Grund, wieiftsda? Biftdu denn auch in dei⸗ 
MWie man a \r ; A Ta p Br ——— 

einrecher MEN Hetzen ein Chriſt mit Dev That alſo, wie mit dem 

Eprik ik. Damen? Iſt die Salbung des Geiſtes auch imdir, 

1. Joh. 2.9.27. und des H. Geiſtes Fruͤchte, Die einen 

wahren Chriſten beweiſen? Wo nicht, ſo biſt du ein 

Frach de falſcher Chriſt, die Probe liegt im Hertzen. Du ſprichſt 
te der fe * A * 

Zaufe. auch: Ich bin geraufft. Iſt recht. Beſiehe deines 

Hertzens Grund. Lebeſt du auch in der neuen Geburth, 

in ſteter Buſſe und Toͤdtung des alten Adams? Du 

hast Die Zauffe empfangen; wo find die Früchte Deiner 

Zauffe? Du haft wol die neue Geburt empfangen, 

— LS lebeſt nicht darinnen. Du ſprichſt: Ich habe 

tes on BOttes Wort rein, und hoͤre daſſelbe. Iſt alles 

iu hören. recht. Beſiehe Deines Herkens Grund. Iſt auc) 

EDttes Wort in dein Leben verwandelt worden, tie 

eine Speiſe in Fleiſch und Blut? Denn alfo muß die 

edle Speife Goͤttlichen Worts in dein Leben verwandelt 

werden, oder es iſt vergeblic) gcehortz wie der HErr an⸗ 

Matth. 3. deutet, Matth. 13.0. 33. und Luc. 13. derf. zı. vom 

Sue... Sauerteig, dadurch der ganze Teig durchfäuert 

wird. Biſt du auch frömmer dadurch) worden ? 

Spricht nicht der Here: Ks werden nichr alle, 

die zu mir fagen: HErr Are! ins Himmelreich 

kommen? Matth.7. v. 21. Du ffreiteft und eiferft 

über uno für die reine Lehre. Iſt recht. Siehe 

Dein Hers an. Haft du auch aus der reinen Lehre ein 

rein ers bekommen? Iſts nicht wahr, daß mancher 

bey dem Eifer ver reinen Lchre der unreinfte Menfch 

it, voll Hoffart, Feindfeligkeit und Wucher? Ach 

GETT, der theure Name dein muß ihrer 

PR ENR Sehalckheit Dedel ſeyn ꝛc. Du ſprichſt: Ich 

5» Henn. brauche Das Heil. Abendnahl. Iſt recht. Siehe 

way Deines Hertzens Grund an. Du haſt Cehriſti Fleiſch 

und Blut im Abendmahl offt empfangen; warum 

boͤſt du denn Adams Fleiſch und Blut in die herrſchen 

und leben, und nicht vielmehr Das edle Leben ChHriſti, 

das it, Liebe, Sanfftnuth und Demuth? Du empfas 

bet CHriſtum im Sacrament, und — in 

einem 


der Berechtigkeit. ER "327 


Deinem Leben. Biſt du auch in ihn verwandelt durchs 
Heil. Abendmahl? Wie St. Auguſtin ſaget: Du ſolt 
mich nicht in dich, fondern ich will dich in mich 
verwandeln. Du fprihft: Ich gläube und ber gas a 
kenne alle Artikel des Chriftlichen Glaubens. Mes und 
recht. Beſiehe deines Hergens Grund. Das nt 
der wahre Glaube, der dich. mit GOtt, und GOtt : 
mit Die-vereiniget. Gläubet du an GOtt, fü muß 
GOtt in dir feyn, in dir leben und wuͤrcken; oder dein 
Glaube iſt falſch, und hat dich mit GOtt nicht verciz 
niget, du bift von GOtt gefihieden. Ich rede allhier 
nicht von dem ſchwachen Blauben, der offt nicht em⸗ Banane 
pfunden wird, und als ein glimmendes Dochtlein ft, hanger 
und gleichwol GOtt anhanget, wie ſchwach er auc iſt, no" auch 
und ſeine Fruͤchte auch bringet in ſeiner Echwachheitn 
ſondern ich rede von der allgemeinen Probe und Frucht 
des Glaubens. Glaͤubeſt du an Cariftum, jo muß 
CHriſtus in dir feyn, und in dir leben, Sal. 2. 0.20. 
oder dein Glaube iſt falſch. Glaͤubeſt du, daß Cri⸗ 
ſtus fuͤr deine Suͤnde geſtorben iſt, ſo muſt du mit 
ihm der Sünden und der Welt abſterben; Nom. 6. 
9 jonderlich der Hoffart und Geitz: Wo nicht, ſo 
gläubeft du nicht an CHriſtum. Gläubeft du, daß 
Chriftus gecreugiger iſt für die Sünde der 
Welt, fo muft du mit ihm der Welt Jecreusiget wers 
den; oder Dubift mit deinem HErrn CHriſto nicht vers 
einiget durch den Slauben, ale ein wahres Glied. 
Glaͤubeſt du, daß Coriſtus auferſtanden iſt, fo Probe des 
muſt du mit ihn, als mit deinem Haupt, vereiniget blei⸗ — 
ben. Summa, EHrifti Geburth, Creutz, Tod, Leis 
den, Auferftehung, Himmelfahrt, muß alles in dir 
feyn; oder e8 ift nichts mit deinem Glauben. @läu- 
beft. "du an den Heiligen Geift, fo muß der H. Geiſt 
in Dir feyn, dich regieren, erleuchten und heiligen; denn 
die der Geiſt GOttes treibet, die ſind GOttes 
Binder, Roͤm. 8. v. 14 

Siehe nun, mein Chriſt, laß dein Chriſten⸗ Ehritem 
thum inwendig ſeyn, nicht ION) aus dem x Bund. 

4 en 


= 


328 BlI. C.4. Glaube würdet Seüchte 


Sr en nn re or ee 
Be ze ſten Grund deines Herkens gehen, aus dein wahren 
— lebendigen thaͤtigen Glauben, aus wahrer, innerlicher, 
hertzlicher, ſtetiger Buſſe; oder dein gantzes Ehriftens 
thum ift fach, und kanſt mit allen deinem Thun vor 
GOtt nicht bejichen, wird dich auch nicht he’ Fen an jez 
nem Zage; dern GOtt wird alle Dinge, ag du ger 
than baft, nach Deinem Herken richten. Bepndeit du 
aber bier Mangel und Unreinigkeit des Hertzens, ſo 
lauffe zu dem Heyl⸗Brunnen der Gnade Goues, trin⸗ 
cke ſchoͤpffe, bitte, ſuche, ſchreye: Miſerere! Erbarme 
dich! Jetzo wird dein Hertz geheilet, deine Suͤnde be⸗ 
decket, und deine Miſſethat — 


Gebet, 


Erhel 5. 9 —— Allmöchtiger GOtt / dein heiliges ung geoffenbar⸗ 

| tes Wort treibet unabläßig,daf wir von denen unfruchts 
a Ipp. r barın Wersfen der Finſterniß ablafen, dir unſerm GOtt Früchte 
ir. 2.0.14, der Gerechtigkeit bringen ſollen: CHriſtus hat fich felbft für ung 
gegeben, auf daß er ung erlöfete von aller Ungerechtigkeit, und 

reinigte ihm felbft ein Volck zum Eigenthum, das fleißig waͤre 

£, Betr. 1, zu gun Wercken. Under ift allerley deiner GettlichenKrafft, 
v2 was zum Leben und Goͤttlichen Wandel dienet, ung geſchencket 
durch die €ı kaͤnn miß des der uns berufien bat durch ſeine Herr⸗ 

lichkeit una Tugend, damit wir nicht unfiuchibar feyn mochten 

£ue 13.0.7. bey dem Er fdumnißunfereHGren JEſuCHriſti. Du verflucheft 
den unfruchtbaren Baum, der feiner uchte bringen; der unnüße 

und fine Knecht. der nicht dein Gut verbeffirt, wird ins Finfter 
met. 25. nißbinaus zeworffen. Mas iſts denn, o HErr für eine Macht 
0 26239. ; peritufte eniß,die viele in der Ehriftenbeit jo verblendet hat, daß, 
— *2.ob fie gleich kahle und unfruchtbate Baun e find, und Die nad) 
Ey. Sud De — Urtheil ing Feuer gehoͤren, ob fir gleich nur den Namen 
v * haben, daß fie leben, in der Tha taber todt find; fich dennoch mit 
Band. 7. einer ungegrunderen Wahr und todten Gtauben behelffen.und 
es ſo auf die Ewigkeit hinwagen? Ah HErr erbarme dich dieſer 

883 Job Je ar men verbiendeten Gerien um des Blutes JEſu das and) für 
Jacob. 2. ſie vergoffen it! Dinde den Satan krärftiglich, damit er nicht 
v. 20. [ä nger deine arme Chriftenheit fo jemmerlich verführe: Hilff mit 
20.505. abrauch, o HErr, von meiner Unfruchtbarkeit, die dir, o Her⸗ 
00.2.3 benstüni iger, am beften bekannt if, wie ich fie dann berglich für 
| * na dir beitoge. Bearbeite mit deiner Gnaden-Hand mich, zwar 
Gods. einen unfruchtbaren, doch in deinem Meinberge gepflantzten 
d. 1. 2. Baum. einige, du getreuer Vater, mich Deinen (brachen, 
toch in CHriſto einverfenekien Neben, damit id) viel; — der 


Gerech⸗ 


der Gerechtigkeit. 328 


. Gerechtigfeit dir zum Preiß tragen möge. Gieb mir; daf,mwie ich Eol. 2.0. 6. 
EHriftum angenommen habe, alfo auch in ihm wandeln möge, 

Jqa weiß ja, daß nicht HErr HErr! fagen: fondern den Willen un: 7. 
thun des Vaters im Himmel, ift dag Kennzeichen derer, die du — 
‘an jenem Tage nicht verwerffen wilt: fo. gieb mir, daß ich nicht Marc 7. 
mit den Lippen. fondirn von gantzem Hergen dir diene. und ' ' 
alfo aus denen Früchten eıfenne, daß der wahre lebendige 
Glaube in mir angezündet, daß ich in CHriſto, und in ihm ein 
Erbe fey eiler dem Elauben verheiffenen Guter: Go will ich 
Dich für deine Begnadigung preifen in diefer Zeit, und dort 
loben ewiglich. Erhoͤre mich, o Vater, durch CHriſtum IEſum 
unſern HEXXN! Amen. 

Das V. Capitel. 


Daß nicht die Wiſſenſchafft und Gehoͤr 
des Goͤttlichen Worts einen wahren Chri⸗ 
ſten beweiſen, ſondern GOttes Wort ins Leben ver⸗ 
wandeln, und GOtt von gantzem Hertzen anruffen, 
daß ſein Wort in uns Frucht ſchaffe, und le⸗ 
Wbendig werde, als GOttes 
Saame. 


Buch der Weish. 6. v. 18.fegg. Wer ſich gern laͤſt 
weiſen, da iſt gewißlich der Weisheit Anfang; 
wer fie aber achtet, der laͤſt ſich gerne weis 
ſen. Wer ficd) gern weifen läft, der haͤlt ihre 

Gebot; wo man aber die Gebot hält, da ift 
ein heilig Leben gewiß: Wer aber ein heilig 
Leben führer, der ift GOtt nahe. 


—5 ſchoͤne Spruch lehret uns, wie wir die grägte ei 





rechte Weisheit erlangen ſollen, Dadurch wir nes beili- 
> GDtted Freunde werden, nemlich, wenn wir A Lebens. 
von Hersen Buffe thun, und unfer Reben nach GOt—⸗ 
tes Wort anftellen, Darauf folget die rechte Er—⸗ 
leuchtung und Vermehrung aller Sinaden + Gaben 
GOttes, und GOttes fonderliche nahe Verwandniß, 
daß wir auch der Böttlichen Natur theilhafftig 
werden, fo wir fliehen die fleifehlichen Luͤſte wie 
Gt, Petrus 2. Cp. am ı.0.4. fagt. Deſſen wir einı. B. Mof 
Exempel haben an Enoch, ſiebenden von Adam, 9" + 
| Hape, FR weil 


330 BM.E.s. Bin wabrer Chrift muß 


weil er ein heilig Leben führete, ward er weggenommen 
gen: Himmel und ward nicht mehr funden auf Erden. 

Nach einem ſolchen heiligen Leben verlange David; 
Palm 119. darum betet er zum hefftigften im 19. Malm,v. 145. 
Feen dite, 146. und ſetzet zwey Mittel zu einem heiligen Leben: 
gequeinem I. Das emſige Gebet: 2, Emſigen Fleiß, fich in GOt⸗ 
beil. Leben. tes Wort zu uͤben; Und fpricht: Ich ruffe von gan⸗ 
tzem Hertzen, erboͤre mich, daß ich deine Rechte 
balte. Ich ruffe zu dir, hilff mir, daß ich deine 

Zeugniß balte. 

u Hier lehret uns der heifige Prophet, wie ſchwer es 
le. in ſoy, ein guter rechtſchaffener Chriſt zu ſeyn und GOt⸗ 
zu tes Wort mit der That und mit heiligem Lebenzu hal 
ten. Denn 1. Blut und Fleiſch widerſtrebet von Na⸗ 
tur dem Worte GOttes. 2. So iſts zu ſchwach, 
laͤſſet ſich zu bald und zu offt zuruͤcke treiben. 3. So 
iſt der boͤſe Feind ledig, und verhindert uns zur Rech⸗ 
ten und zur Pincken. 4. Boͤſe Leute feyren auch nicht 
mit Aergerniffen A Rerfolgungen. Darwider 
muß man ſich legen mit allen Kraͤfften der Seelen, wie 
hier David ſpricht: Ich ruffe von gantzem Hertzen. 
— Das ift fein Bitten und Begehren, daß er möge ein 
unfh  beilig Leben führen, GOttes Wort ins Leben verwanz 
dis lieben deln, und GOttes Willen vollbringen, auf daß er 
 ndalter GOttes Gnade nicht möge verlichten. Daran foll 
Bin uns auc) am meiften gelegen —— mehr denn an 
Ebriſten. allem, was in der Belt iſt. Wer GOtt zum Freunde 
bat, dem Fan aller Welt Feindſchafft nicht ſchaden. 

Ron gantzem Hertzen beten, iit der erite Grad. Das 

». andere Mittel zu einem heiligen Leben ift, daß er 
aan us richt: Ich komme frübe, und fehrepe, auf dein 
| ort boffe ich, Ich wache frübe auf, (vor 
Tage, ebe die Nacht⸗Wache aus ID daß ich rede 

Fteig und von deinem Mort, dab ich daſſelbe betrachte. Dieſe 
un u orte find beyde von einem fonderbaren Fleiß und 
ort, Emſigkeit / zu verftehen, und von einem fonderbaren 
Ernſt und Liebe zu GOttes Wort, und denn auch) von 

A nächtlichen zeit und. Fruͤhe⸗Stunden, in welchen 

man 





4 


Gottes Wort ins Leben verwandeln. 331 


man jonderlich ſcharff und tieff gedencken kan; ſonder⸗ 
lich aber, wenn man mit hohen Anfechtungen und geift- 
licher Traurigkeit geplaget wird, da man des Troſtes 
werter von einer Morgenwache bis zur andern, 
Pf. 130.0.6. Da GOtt der HErr einem die Augen 
haͤlt, daß er muß wachen, und hoffen, Pſ.77. v. 6. 
Daman iſt wie ein einſamer Dogel auf dem Dache, Palm 1os. 
wie ein Kaͤutzlein in den verftörten Zinöden, das" T-® 
allein fiset und Eirretz da unſer lieber GOtt einen 
fo mide machet von Seuffzen, daß man Faum 
Athen holen Tan. Pf. 6: v. 7: Be 

Sehet, das ift die rechte Creutz⸗Schule aller Heili⸗ Urſachen 
gen. Wer in die Schule nicht kommen iſt, weiß nicht —1 
viel von GOttes Wort. GDrt zerbricht uns alle Lei- gen. 
bes⸗ und Seelen» Kräfte, auf Daß er allein unfere 
Krafft ſey. Er willuns durch) fold) Creutz das fleifche 
liche Leben nehmen, auf daß ex in uns lebe, und wolte 
gern fein Wort in uns lebendig machen; denn dahin . 
ſoll unfer Leben und Ehriftenthum gerichtet feyn, daß 
wir das vollbringen mögen, und thun, was wir aus 
GOttes Abort horen. 

Darum lerne nun bier diefe Lehre mit allem Fleiß, 

was einen rechten Ehrijten beweifet, nicht GOttes 
Wort wiffen und boren, ſondern thun. Denn erft: Urſach 
lich ift uns fonft GOttes Wort nichts nuͤtze; fintemal Gare 
es uns nicht darum gegeben ift, daß wirs allein hören Wort hoͤ⸗ 
follen, fondern daß wirs thun follen. Denn gleichwie im nat 
eine Artzney nicht hilft, wenn fie. der Patient nur anfie genug fen: 
bet, und Davon hoͤret reden, wenn er fie nicht auch zu 
fi nimmt: Alſo, weil GOttes Wort unferer ver⸗ gpeif es 
derbten Natur Artzney feyn foll,fo wird fie Dich nicht nicht bef⸗ 
viel beffern und aus dem Tode lebendig machen, rt 
wenn du nicht wilt dein Leben darnach richten. Da⸗ 
zu gehüret ein emfig Gebet Tag und Pacht, daß du 
thun mögeft, was du hoͤreſt aus GOttes ort, wie 
hier David betet. (2) Was hilffts einem Künftler, „, 4 
daß er ſeine Kunſt weiß, und braucht ſie nicht? Muß —*83— 
er nicht darxuͤber verderben? Alſo, was hilfft dirs, daß das Thum, 

du 


\ 


"332 BNM.Es. Kin wahrer Ehrift muß 
du GOttes Willen weilt, und thuſt ihn nicht? Der 
Bnecht, der feines Herrn Willen weiß, und thut 
"ihn nicht, wird mit viel Streichen gefeblagen 
werden, Luc. 12.0. 47. St. Petrus jagt: Es wäre 
beffer, du bätteft den Weg der Waͤhrheit nicht 
wa erkannt, 2. Epiſt. 2.0.21. (3). Hält auch ein Vater 
Kinder feinen Sohn der ihm in allen Dingen toiderftrebet, 
tbun auch für fein Kind? Mit nichten; fondern erfpricht: Wilt 
on du meinen Willen nicht thun, fo folt du mein Kind 
nicht feyn. Alſo beweifen die bloffen Worte kein Kind 
GOttes, fondern wenn wir als Kinder GOttes le 
ben; -wie der HErr ſagt Joh. 8.0. 39. Wäret ihr 
Abrabams Kinder, fd rbäter ihr auch Abra- 
- bams Wercke; weil ihr aber des Satans Wercke 
thut, und trachtet mic) zu todten, fo feyd ihr von eurem 
Dater dem Teufel. Das ift eine gaviffe Probe; 
Weſſen Wercke einer thut, deffen Kind ift er, deſſen 
ein am Natur hat er. 4) Was ift ein Baum im Garten 
ohneguche nuͤtze, wenn er Feine Früchte traget? Er gehoret ing 
— Feuer es iſt Feuer⸗Holtz, wie Luc. am 13. v. 6.7. von 
nute. dem Feigen Baum, der das Land hinderte, und 
BE Feine Fruͤchte brachte, gefchrieben Us (5) Wenn 
Epriftiche DIL einer überreden wolte, daß cin Iabe ein Schwan 
Wercke, da ware, und fprache zu dir: Siehe, welch ein fchöner 
ham weiſſer Schwan ift das; wurdeſt du nicht lachen und 
ſprechen, er wäre toll? Denn du fieheft weder Farbe 
noch Geſtalt eines Schwansan einem Naben. Alſo, 
wenn jemand “y das ietzige Keben der Welt zeiget, 
und ſpricht: Siehe, das.ift ein Chriſt, und Die find 
alle Ehrijten: mag einer nicht unbilig denfelben für 
toll achten? Es gilt hier nicht Überredens, es gilt Bes 
weiſens. Das Reih GOttes ftebernicht in Mor⸗ 
ten, ſondern in der Krafft, 1. Cor. 4.. v. 2o. Denn 
man ſiehet ja keine Chriſtliche Wercke an den meiſten, 
| die ſich Chrijten nennen; rofe zu Rom L. Vallı gefags 
kn ° hat, da er das Evangelium geleſen; Selig find die 
9 Baͤrmhertzigen, die Sriedfertigen, ꝛc. Certe, aut 
hæc non funt vera, aut nos non ſumus Chriftiani, 


Das 


GoOttes Wort ins Leben verwandeln. 333 


Das iſt: Gewiß, entweder iſt dieſe es a Might wahr, oder 

wir find Feine Ehriften. (6) Viel Thiereund Vogel „ Wie 
übertreffen die Menfchen mit Tugend: Die Taube Iyerirefen 
mit Einfalt, die Ameiſe mit Fleiß und Arbeit, Spruͤchw. dei Men: 
Cal. 6..0uf. 6. der Storch mit Ernährung feiner Fugen, 
Eltern, ein Branich mit Wachen, der Hund mit 

Liebe und Treue, der Ochs und Eſel mit Erkaͤnntniß 

ſeines Herrn, fa. t. v. 3. das Schaaf mit Sanfft⸗ 

muth, der Löwe mit Tapfferkeit und Verſchonen der 
Eleinen Thierlein, der Hahn mit Wackerkeit, die 
Schlange mit Klugheit; abet der natürliche Menſch Dr 
übertrifft alle Thiere mit Bosheit. Er if unbarm⸗ —— — 
hertziger denn ein Wolff, argliſtiger denn ein Fuchs, mit vor 
hoffaͤrtiger denn ein Pfau, freßiger denn ein Schwein, weit, 
gifftiger denn eine Dtter, grimmiger denn ein Bär. 

Wie denn der HErr EHriftus ſelbſt Herodem einen 

Fuchs nennet, Luc13.v. 32. Et, Johannes die Pha⸗ N 
rifder Ortergesüchte, Matth.3. v.7: St. Paulus 
Neronem einen Löwen, 2. Tim. * ve n 7. Ja die La⸗ Aller Thies 
ſter und Untugend die man an einem Thiere inſonderheit Fe 
findet, die findet man alle an einem natürlichen Men⸗ 

ſchen; daß wohl St. Paulus den menſchlichen Leib einen 

Leib der Sünde nennet der mit vielen Sünden behaff: Rön.so s. 
tet und erfuͤllet iſt. Zu dem fo ift Eein Thier fo bofe, es 
iſt noch etwa worzu gutz der Fuchs. und Wolff zu 

Peltzen, und fo fortan : Aber Lieber, fiehe, was iſt doch 

von Natur Gutes am Menfthen, da alles Tichten und 
Trachten des menfchlichen Zergens nur böfe ift 

von Jugend auf inmerdar? 1.3. Mof. 6.verf. 5. 

Die Vernunfft braucht er zu betrugen, vn Leib zur 

Hoffart und Unzucht; inwendig und auswendig it er 
verdorben : Denn alle feine Glieder find Teller 

der Lingerechrigteit, Mom. 6. v. 13. (7) GOtte 

Wort befchreiber nicht ohne Urfach unfere Ana e Sonteran 
Natur fo fehrecklich, und ftellet uns unfer Conterfayt ten Natut 
vor die Augen, Roͤm. 3. v. 10. Da iſt nicht der ge= 

recht fep, auch nicht einer, Da iſt niemand, der 

nach GOtt frage, - Sie fi nd alle abgewichen, 

und 


Natuͤrlich 
Bild eines 
Menſcheu 


Welche 
CHriſto 
nicht ange⸗ 
hoͤren, ge⸗ 
hoͤren dem 
Teufel an. 


oͤchſte 
orge der 
Chriſten. 


334 B. U. C.5. Ein wahrer Chriſt muß 


und alleſamt untuͤchtig worden, da iſt niemand, 
der Gutes thue, auch nicht einer. Pſal. 14. v. 3. 
Ahr Schlund iſt ein offenes Grab, mit ihrer Zun⸗ 
gen beucheln fie. Otter⸗Gifft ift unter ibren 
Lippen, hr Mund ift voll Sluchens und Bit- 
terkeit. In ihren Wegen iſt lauter Unfall und 
Hertzeleid, und den Weg des Sriedens wiffenfie ' 
nicht. Ihre Säle eilen Blut zu vergieflen. Es 
ift Beine Bottesfisecht vor ihren Augen. EB. 
Gebet, das iſt das natuͤrliche Bild eines Menſchen: 
dieſer Greuel ift allen Menfihen von Natur angeboh⸗ 
ren: Da fagt mir nun, wie kan ein Menſch das Neich 
EDttes fehen, wenn er alfo bleibet, wenn er nicht neu 
gebohren wird? Darum uns aud) St. Paulus be 
fiehlet zum Eph. 4. v. 23. und Col. 3.0.10. und ſpricht: 
erneuert euch im Geiſt euers Gemuͤths. Fieber 
den alten Menſchen mit feinen Küften aus, und 
ziebet den neuen Menſchen an, der nach GOtt ge- 
ſchaffen iſt, in rechtſchaffener Gerechtigkeit. Fa er 
ſpricht: Ihr babe CSriſtum nicht alſo gelernet, ſo 
ihr anders wiſſet, daß in Chriſto ein rechtſchaffen 
Weſen iſt, Eph. 4.0.20.21. Ja er ſpricht: Die 
Chriſtum angehoͤren, die creutzigen ihr Fleiſch 
faınt den Luͤſten und Begierden, Sal. z. v. 23. Ach 
lieber GOtt! gehoͤren wir nun Chriſto nicht an, wenn 
wir in ſolchem ſuͤndlichen Leben bleiben, und die Glie— 
der der Bosheit nicht tödten; fo Fans ja anders nicht 
feyn, denn daß folche Leute muffen dem Teufel angehoͤ⸗ 
von, und werden demnach das Reich GOttes nicht erz 
ben, die ihr Fleifch nicht creutzigen. Wir müffen eine 
neue Creatur werden in ChHriſto, füllen wir vor GOtt 
beſtehen, 2. Cor. 5. v. 17. Denn in Cariſto gilt 
weder Vorhaut noch Beſchneidung, oder einiges 
Anſehen der Perſon, ſondern eine neue Creatur, 
Gal. 6. v. 9. Darum ſoll das unſere groͤſſeſte und 
ernſte Sorge ſeyn, wie wir taͤglich die Suͤnde in un⸗ 
ſerm ſterblichen Leibe daͤmpffen mögen, daß wir CHri⸗ 
ſto mögen angehören, und nicht Dem Gatan 5 wie 
* GEOttes 





GoOttes Wortins Leben verwandeln. 335 


GOttes Wort in uns moͤge gefihehen und lebendig 
werden ; wie unfer Leben GOtt möge gefallen, daß 
wir ja GOttes Gnade mögen behalten, und Gefaͤſſe 
fepn feiner Barmhertzigkeit, und nicht feines 
Zorns, Rom. 9.0.23. 

Das ift nun die Urfach, warum Der heilige David Pal. xıg} 
fo herslich ihm ein heilig Leben wünfchet, daß er möge" M- 
GHDttes Wort halten, wie er ſpricht: Ich ruffe von 
gantzem Hertzen. Erhoͤre mich, GOtt, daß ich 
deine Rechte halte. Wir muͤſſen um ein heilig Leben 
bitten: denn Die Bekehrung koͤmmt von oben herab, Die Beted- 
Zeile mich, HErr, fo werde ich heil. Bekehre pen oben“ 
mich, ſo werde ich bekehret. Hilff mir, ſo wird berab- 
mir geholffen: Denn du bift mein Ruhm: Jer. zu. 
17.0. 14. C. 31. v. 18. Darum fpricht David fer: Eap. zu. 
ner: Ich ruffe zu dir, hilff mir, daß ich deine ""* 
Zeugniß halte, GOtt muß uns freylich heiffen und 
ſtaͤrcken, denn die Sünde und des Teufels Reich iſt 
fonft zu mächtig in dem Menfehen. 

So follen wirs nun an unſerm Fleiß nicht man Wir follen 
geln laffen, die Faulheit und Sicherheit uns aus den au" 
Augen wifchen, wie er ferner fpricht: Ich komme 
frübe, und fehrepe, auf dein Wort boffeich. Ich 
wache frübe auf, daß ich rede von deinem Wort, 

Davon ftehet ein fehoner Spruch im Propheten Cfaia 

E. 50.0.4. der wohl zu mercken: Der GErr wecker Easo.04. 
mich alle Morgen, er wecket mir das Ohr, daß 

ich höre wie ein Jünger. Und im Hohenlied Sa- 

lomonis am 5. v. 2. Ich fehlafe, aber mein Wert 
wachet, undböret die Stimme meines Sreundes, 

der anklopffet, 2c. 

Mit diefen Worten werden noir auch erinnert der GOttsehet 
väterlichen Vorſorge und Freundfeligkeit des freund: Ch, um 
lichen gnadigen GOttes, wie gern er mit den Wiens unsiu ieh⸗ 
fhen umgehe, mit ihnen handle und wandle, mit ihnen keu 
rede, fie unterweife und lehre: Darum er uns feiz 
nen Sohn zum Lehrmeifter, zum himmlifchen Dodore 
und Praceptore verordnet hat, Diefes ift uns fein 

vorge⸗ 


336 B.ILE: 5. Kin wahrer Chrift muß 


vorgebildet in dem fehonen Erempel und Bilde, da das 

Beni Aid IJEſus im Tempel zu Jeruſalem lehrer. 

orte Das it nicht gefchehen um des Juͤdiſchen Tempels 

— willen allein, der nun zerſtoret iſt; ſondern es iſt ge⸗ 
ea, ſchehen, erſtlich um des geiftlichen Jeruſalems willen, 

welches iſt die heilige Chriſtliche Kirche, da will er 

allein Lehrer ſeyn durch ſein Wort und Geiſt; und 

denn um des Tempels willen unſers Hertzens, darin⸗ 

nen will er auch lehren, troͤſten, erleuchten, heiligen, 

beten, fragen, antworten, reden durch heilige Gedanz 

cken und hertzliche Andacht, und das iſt fein Fehr-2mt 

in uaferm Hergen. Darum er gang troͤſtlich fpricht 

guc.2. 0.49. zu feiner Mutter: Was iſts, daß ihr mich geſucht 

habt? Wiſſet ihr nicht, daß ich ſeyn muß in dem, 

das meines Dsttersift? Das it, In dem Beruff und 

Amt, welches mir mein Vater befohlen hat. Gold) 

- Amt bat er ja noch, und verrichtets noch zur rechten 

Hand GDttes, als unſer einiger Hoherprieſter. Er 

verrichtet aber auf Erden ducch fein Abort, dadurch 

er auch inwendig in unſerm Hertzen prediget Durch den 

Heiligen Geift und gnadige Erleuchtung, ohne welche 

die Aufferliche Predigt Erafftlos und unfruchtbar iſt; 

23. wie St. Paulus fagt: Ich bebe gepflantzet, 

7 Apollo hat begoſſen, GOtt aber bar das Gedeyen 

darsugegeben. So iſt nun der da pflanget, und 

der da begeußt, nichts, ſondern GOtt, der das 

Gedeyen giebt, 
Gebet. 


Matthı u. SBSH preife dich, Vater und HErr Himmels and der Erden, 
v. 25. —J daß du mir dein heilig Wort gegeben, und in demſelben dei⸗ 
Roͤm, 1. nen Willen wiſſen laſſen. O Vatec, haͤtteſt du darinnen dich nicht 
Dal geoffendare:, fo waͤre ich gleich andern Heyden, In meinten Tich⸗ 
ten eitel worden und mein unverſtaͤndiges Hertz wäre verfinftert 
geblieben. Vor dir beklage ich, ach HErr! dar ich, leider! dieſe 

Gnade nicht nach ihrerWuͤrde geſchaͤtzet habe. Wie träge bin ich, 

Lur.24, dein Wort zu forſchen, und deinen Willen zu lernen? Wie nach⸗ 
v. 25. laͤßig bin ich, dene, was ich weiß, nachzuleben? Sch bin der boͤſe 
Knecht, der feines HErrn Willen gewuſt, und nicht gethan, deß⸗ 

wegen doppelter&treiche werth. Vergieb mir, o du ervige —J 

ieſe 









































NN: 




















Nana) 

— 
— — 
— — 


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ul 





















































1] ; 











2 IN m 


LASTITTERLIELTELTIETTTTTN 














Das Andere Buch, Cap. VL. pag 337 
Hier iſt ein Baum, auf welchen 4. Pfropff⸗Reiſer gefenet, 

Welche von dem Saffte des Baums getrieben werden, daß fie 

wachfen und ausfehlagen. Denn auffer dem Baum hätten fie 

müffen verderben und vertorren: Alfo wenn ein getauffter Chriſt 
nicht in-EHrifto JEſu bleibet, fo fan er auffer CHriſto nichts 
thun, das GOtt angenehm ift; aber wenn er mir EHrifto verei⸗ 
niget bleibe, fo Fan er an dem innerlichen Menfchen durch den 
Saffeund Krafft CHriſti fein machfen und Frucht bringen, 
| © 1,0305.4. ver 13. 7. 

Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben, und 
er in uns, daß er uns von feinem Geiſt gege⸗ 
ben bet: 

SL EHrifto durch den Glauben einverfeibet, 
An ihn fich halt und feft bekleibet, 
Erwaͤchſet mit der Zeit - 

® zur Dollfommenheitt  , 
Dagegen wer in ihm nicht grüne und bluͤhet, 
Wer nicht den Lebens-Safft aus diefer Wurtzel ziehet, 
Der bleibt ein ſchnoͤder Hoͤllen⸗Brand, verfaulet und 
verdorben: 
zum Guten gantz erftorben. 7 
Rein Menſch thut auffer GOTT, durch eigne 
Brafft und Staͤrck, 
| Ein GOtt⸗ gefällig Ward, 
Als bey dem nichtes gilt, was ernicht ſelbſt geftifftet, 
Der Schlangen bittrer Schleim, der Seel und Leib 
* Wvercrgifftet, 
Den all aus ihrer Mutter Blut gezogen, 
- Und mitder erſten Milch geſogen, 
Bird einig Durch den füffen Safft, 
Der in dem Baum des Lebens hafft, 
08, Bermeiftert und vergütet; 

. Denn tragt das feinem Stamm genau Vereinte Reiß 
Die allerfchönfte Frucht zu deffen Ruhm und Preiß, 
‚Der mit fo groffer Treu und Sorgfalt es behütet, 

O dreymal felig it, den GOttes Gnaden⸗Hand 
Ergreifft, und ihn verkhuͤpfft durch ſolch ein feſtes Band, 
Das weder Tod noch Hoͤll u. was man ſonſt kan nennen, 

Sn Ewigkeit vermag zu trengen. 5 


! 


Gottes Wort ins Leben verwandeln, 337 


— gi 2 sr 7 J 7 
dieſe Sünde, und zur Verſicherung/ daß fie mir vergehen ſey, Pfrro.vw36. 
‚neigehinfüro mein Herß zu deinen Zeugniffen. .- Laß mich nicht Sac.r. v.25. 
mehr feyn ein.vergeßlicher Hörer, fondirn ein Thaͤter deſnes Joh. 8. 
Wortes. Laß mich bleiben alein.in ver Rede IEſu und o Die ee 2 
Wahrheit erkennen, damit fie mich vom Dienſt der Eitelkeit und F 0; ui 
Suͤnden frey mache. Dein Wort iſt ein Hammer, laͤß es auch Bial, ug, 
mein hartes Hertz zerknirſchen; es iſt ein Litht, laß es auch mei⸗ m zon.. . 
ne Fiuſterniß licht machen; es iſt ein Feuer, laß es mein Hertz PL18. 0.29, 
erwaͤrmen, und Darianen verzehren alles, was Dir zuwiber if; % BER: Ik 
es iftein lebendiger Saame gerbrich mein Felſen⸗hartes, reiti- Suc-z. v1, 
ge mein dornichtes und irbiichegefinnteg Hertz, daß ed baffelde 14.15, | 
hören, behalten und Fracht bringen möge in Gedult, durch 
EHriftum ZEfum; deinen Sohn unfern Heren! Amen. 


Das VI. Capitel, 


In der Bereinigung mit CHrifto durch 
den Blauben ficher des Menſchen Vollkom⸗ 
menheit und Geligkeit, darzu der Menſch nichts thun 
Fan, fondern hindert ſich vielmehr an GOttes 
Gnade durch feinen böfen Villen; C.Hriſtus 
aber thuts allein in uns, 


- Soh.r5.d.5. Ohne mich koͤnnet ihr nichts thun. 


KEN Leichivie der Menſch durch den Abfall von Dessen 
>) GoOtt, das iſt, durch eigene Liebe und eigene fihen Vous 
Ehre von GOtt geriffen, und feine angefchafz per m den 
pr Vollkommenheit verlohren; Alſo muß er durch Verein - 
ie Bereinigung mit GOTT wieder zu feiner vol yannıt 
Eommenen Ruhe und Seligkeit kemmen. Denn des 
Menfchen Vollkommenheit ftehet in der * Dereini- 
gung mit GOTT : Darum mufte GOttes Sohn urfas der 
Menfch werden, auf daß die menfchliche Natur wieder Heine 
mit GOtt vereiniget, und alfo wieder zu ihrer ** Poll cHripi, 
fommenheit gebracht wird Denn gleichwie Die 
11. Theil. | 9 Goͤtt⸗ 
*Er verſtehet nicht eine Vereinigung durch die höchſte Voll⸗ 
— der Wercke, fondern CHriſti Mittelung und 
Vorbitte. 
Es wird geredet von der Vollkommenheit des Glaubens, bie 
wir durch den Glauben in CHriſto haben, der ung im Glau⸗ 
ben mic feiner vollfommenen Heiligkeit und — 


et, 


338 B. I.C.6. In der Vereinigung mit Chriſto 


— — — —————— — ——— — 
Goͤttliche und menſchliche Natur in CHriſto perſonlich 
vereiniget iſt: Alſo muͤſſen wir alle mit CHriſto durch 
den Glauben aus Gnaden vereiniget werden, * aufs 
daß die tieffe Derderbung unferer fündliihen Natur 
verbeffert werde, als mit dem höchften erwigen Gute, 
Infauraio Darum fpricht der Sohn GOttes Hof. 2.0.19. Ich 
und Bi will mich mit dir verloben in &wigteis, in Gnade 
gungder und Barmbergigkeit. Denn es Eonte unfere Was 
verderbfeh tur, weil fie mit dem unendlichen Ubel der Stunde vers 
Ratur. — oifster und verdorben war, nicht inftauriret und verbefe 
fert werden, denn mit dem hoͤchſten Gute, welches 
SDtt felbft ift. 
Vereini⸗ Und wie nun die Vereinigung Goͤttlicher und 
gung Ehri menſchlicher Natur in ChHriſto ewig iſt, unzertrenn⸗ 
Mimi ich, unaufhörlich, daß auch der Tod diß Band der 
den  Dereinigung der Naturen in EHrifto nicht trennen 
noch zerreiffen Tonnen: Alſo muß EHriftus unfer 
Haupt in uns feinen glaubigen Gliedern alfo vereiniz 
get werden, DAB uns weder Leben noch Tod von 
CHriſto fcheiden Fan. Darum fpricht der Prophet 
Hofeas in der Perfon EHrifti; Ich willmich mit 
| . dir verloben in Ewigkeit. | 
CHriftus Solche Vereinigung muß nothwendig gefchehen 
— durch den Glauben, weil die Suͤnde uns und unſern 
Glaupen GoOtt von einander ſcheidet, Eſa. 59. v. ꝛ2. Sonſt 
vereiniget bleiben wir auſſer GOtt, ohne GOtt, ohne Leben, ohne 
werden. Seligkeit, wo CHriſtus in uns nicht lebet, wohnet 
und 


zieret, und uns mit ihm ſelbſt vereiniget, Joh 15. v. 5. und 
uns alſo nichts mangelt an Gaben, Troſt und himmliſchen 
Guͤthern, weil wir CHriſtum ſelbſt mit feinem Verdienſt und 
Wohlthaten in unſern Hertzen durch den Glauben wohnend 
haben, Epheſ 3. v. 12. 17. Und ſolches nennet CHriſtus 
ſelbſt unſere Vollkommenheit, Joh. 17. v. 23. und Paulus 
Eoloff. 2. verf. Io. Paren. 

® Aufdag die menfchliche Natur, die zuvor durch die Sünde 
verderbet gemefen und zertrennet war wieder mit GOtt ver« 
einiget würde, und alfozu ihrer Volllommenheit, dag ift, zu 
ihrer vorigen volffommenen Herrlichkeit, möchte wiederge 

Brandt werden: 


beruhet des Menſchen Seligkeit. 339 


und iſt durch den Glauben. Wir komten auch ſonſten Sons. v.5. 
nichts Gutes thun, wo es CHriſtus in uns nicht wuͤr⸗ I“ Kmat 
ckete, wie St. Paulus ſpricht: Nicht ich, ſondern Rs m 
GoOttes Onade, 1.Cor,ıs.v.10o. Und Joh. ı5. Se. 
d.5. Obnemich konnet ihr nichts thun: Welches 
er durch ein ſchoͤn Gleichniß erklaͤret vom Neben und 
Weinſtock. So bleibet all es, was wir Gutes fyn 
und Gutes thun, GOttes allein, € Eſa 26. v. 12. Alles, _ 
was wir ausrichten, das bat du uns gegeben, 
Hof. 14. verf. s 9. Sch will fepn wie eine grünende 
Tanne, anmir.foll man deine Fruͤchte finden, 

Siehe nun, lieber Menſch, was du bift, und was du — 
vermagit. Was haft du zu deiner Waderbringung, nerearee 
und zur Erneuerung deiner verderbten Natur thun Eanz rung nichts 
nen? Lauter nichts. Gleichwie du zu deiner leiblichen ’"" 
Geburt nichts haft thun Finnen, und dich nicht fe lbſt 
ſchaffen: Alſo kanſt du auch zu Deiner neuen Geburt 
nichts thun. Verderben haſt du dich wol koͤnnen, ver⸗ 
lieren und toͤdten; aber dich erneuern, wiederbringen, 
heilen, gerecht und lebendig machen haſt du nicht konnen. 

Was haſt du darzu thun koͤnnen daß GOtt iſt Menſch 
worden? Lauter nichts, Alſo haft du dir uͤberall 

nichts zujurechnen, oder deinen Kraͤfften etwas zuzu⸗ 
ſchreiben Ja, te mehr ein Menſch feinem eigenen DerMenfd 
Willen, Rräfften und Vermögen sufchreibet, ie meht Yumn'® 
hindert ex fich ſelbſt an der Gnade GOltes und an der durch jeine 
Erneuerung feiney verderbten Natur, Darum muftgiik, 
du allen deinen eigenen Kräfften und Vermögen gan feiner Se⸗ 
abiterben, deiner eigenen Weisheit, deinem eigenen ligkeit. 
Willen, deiner eigenen Liebe, und muft GOTT allein 

alles laffen in Dir wuͤrcken; ja es muß nichts in dir 

feyn, das GOttes Willen und Werck verhindere, oder 
demſelben widerſtrebe. 

Und fo fange du das nicht thun wilt und nicht bey Da Bar 
Dir ein bloß lauter Leiden ift, alſo, daß GOtt alles allein g: ee 
in dir thue und würcke, du aber leideft ihn, und fein Dan 
Werck undfeinen Willen in dies fo lange hinderſt DU peigieruem 
GOtt, wů⸗ er ſich mit Mn Seelen nicht rende 

ein 


| Eigenmille 


340 B.11.E.6. In der Dereinigungmit Chriſto 


fein Bild indie erneuern, und deine verderbte Notur 


beffern kan; denn Eigen⸗Wille, eigene Liebe, eigene 


Ehre, eigene Weisheit, und alles, was du dir felbft zus 


fehreibeft, das hindert GOtt, daß er nicht_alles allein in 
Dir ohne Hinderniß wuͤrcken fan: Denndes Menfchen 


und Eigen ⸗ Wille verderbet Den Menfchen immer weiter und wei⸗ 


 Riehe dem 


Menſchen 


ter: GOttes Wille aber beſſert immer mehr und mehr. 


pr ſchaͤ⸗ Davon fagt Bonavenrura: Tota Religionis perfedio in 


Ras der 
le 


voluntatis propri& abdicatione conũſtit. Die Dolk 
kommenheit der Chrifklichen Religion ſtehet in 
Abſagung des eigenen Willens. Lind Auguftinus: 
Si torum hominis bonum eft, amare DEum; totum ho- 
minis. malum fit, necefle eft, amare fe ipfum. - Wenn 


GoOtt lieben des Menſchen hoͤchſtes Gut ift, ſo 


muß des Menſchen böchftes Derderben fepn, fich 
felbiten lieben, Ingleichen: Si ea eft conditio boni, ur 
feie effundat & propager: non poteft non efle magnum 
malum amor proprius,qui bona ſua & aliorum ad fe to- 
tum trahit, nec quicquam de eis communicat. Wenn 
das die Eigenſchafft des Guten ifE, daß es fich 
ausbreitet, und andern mittheilet, ſo muß die ei- 
gene Kiebe ein groffes Übel fepn, die ihre und an= 
derer Leute Öüter und Beben zu fich allein reif 
ſet, und niemand mitrbeiler. Welches aud) Seneca, 
ein weiſer Mann, verftanden,da erfpricht; Hoc folum 
‚virtuti adjeceris, quod proprie voluntati fubtraxeris. 
So viel wirft du an Tugenden zunehmen, ſo viel 
du an deinem eigenen Willen wirft abnehmen. 
Ingleichen: Nifi a teipfo defeceris, ad DEum, qui fupra 
te eft, non appropinquabis. Wirſt du von dir 
ſelbſt nicht ausgeben, ſo wirft du zu GOtt, der 
über dir iſt, nicht eingeben. 

Der Eigenwille ijt nichts anders, denn der Abs 
fall von GOtt; und derfelbe Fall ift zwar leicht und 
luftig, Die Wiederbringung aber fauer , bitter und 
ſchwer, ja allen. Ereaturen unmöglich : Denn der 


Menſch Fan nicht von ihm felbft wieder aufſtehen, und 


vermag ihm ſelbſt nicht zu hellffen, weder mit er 
| no 


J 


beruhet des Menſchen Seele. 341 


noch mit Wercken. Der Wille iſt gefangen, die 
Wercke ſind todt. Es muß EHriftus allein helffen im ng 
Anfang, Mittel und Ende. Er zeiget Die, ja ex giebt von CHrir 
dir zwey Mittel, Geſetz und Evangelium, Buſſe und fs betebrel 
Bergebung der Suͤnde. Durchs Geſetz muſt du erſt vitd. 
mit CHriſto ſterben, durch wahre Reu und Leid deinen 
Willen * aufopffern, in dir ſelbſt zu nichte werden, 
und dich CHriſto allein laſſen. So kommt denn die 
Gnade GOttes und Vergebung der Suͤnden durchs, 
Evangelium, und machet dieſen Todten lebendig 
durch den Glauben. Alſo kan durch eigene Krafft und 
Vermoͤgen niemand bekehret werden, oder aufſtehen: 
Denn man muß ſich ja ſelbſt haſſen, verleugnen, ver⸗ 
lieren, an ihm ſelber zu nichte werden und ſterben, auf 
GoOtt allein hoffen und warten, ſeiner Gnade leben. 

Aber ſolch Haſſen, Verleugnen fein ſelbſt, geiff- 
lich ſterben, ſtehet auch nicht in unſerm Willen und 
Vermoͤgen; ſonſt wäre e8 currentis & volentis, & 
non miferentis DEI; das ift, es läge an iemandes 
Wollen und Aauffen und nicht an GOttes Erbar⸗ * 
men, Roͤm. 9. v. 8. Darum muß G0Ott ſelbſt fel- GA mar, 
ches alles in uns wuͤrcken durch feine Goͤttliche Gnade rein u 
und Krafft feines Geiſtes; und alfo bleibet unfere — 
Rechtfertigung allein in GOttes Hand, als ein 9 — 
Werck und Gabe GOttes, und nicht in der Gewalt Rechtferti⸗ 
der Creaturen. Denn unferthalben find wir felbfiägere 
unfere araften und gröften Feinde,und mögen wol bitten, GOnes. 
daß uns GOtt von uns felbft erloͤſe und gantz und gar. 

| 3 nehme, . 





* Er redet hier nicht von dem Aufopffern, da der gläubige 
Menfch nunmehro GOTT fein Keben und alle feine Werde 

* heilige und aufopffert, fondern von ver Neue, dem Haß und 
Leid uͤbee die begangene Sünde, und daß fich der Menfch 
GOTT und feinen Wärdungen ohne Widerfireben übers 
laffet, folche Selaffenheit und nicht⸗Widerſtrebung wird hier 
durch ſolches Aufopffern verſtanden. 
‚_ Zurb, Eine troſtloſe Seele, die nichts in ſich finder, dag 
iſt GOtt das lieblichſte Opffer, fonderlich wenn fie zu feiner 
Gnade ſchreyet. Faren. 


= 


342 B. I. C.6. "Inder Vereinigung mit CSriſto 


nehme, was unſer iſt, und gebe, was ſein iſt. Denn aus 
Yus tige eigenen Kraͤfften Fonnen wir nichts Gutes thun, wo es 
a Dt jelbft durch feine Gnade, aud) nach der Bekeh⸗ 
ir nichts rung, nich! in ung wuͤrcket. Er iſt die Liebe, und muß 
Sms rbun se in uns wuͤrcken: Ex ift die Barmhertzigkeit, und 
muß fie in ung wurden: und alfo von allem Guten, 
jo wir thun ſollen. So hilfft nun CHriſtus hier allein; 
Nenſchen⸗Huͤlffe iſt hier Fein nuͤze. So tieff aber der 
Menſch in Adam gefallen und verdorben, ſo hoch und 
viel höher iſt er in CHriſto wieder erhoͤhet und wieder 

gut gemachet, wie im 11. Capitel hernach folget. 

Gebet. 
Efa.59.9.2, 5 embersiger, ewiger GOtt, es ift das Elend, darein mich 
die Sünde gefeßet, überaus groß. Sch bin nicht allein von 
dir, dem höchften Gut, abgefehieden, dahero aller Kraft, Lebeng 
und Heils verluflig geworden, fondern bin auch, mir alleine ges 
laffen, gantz untüchtig und ungefchickt zu deiner Vereinigung 
wieder zu gelangen: Denn wie fönnen widermärtige Dinge, 
Tod und Leben, Holle und Himmel mit einander vereiniget wer⸗ 
2. Tina; den? Ich muͤſte hier Hülff-log vergehen, wenn deine Weisheit 
Br % . and Güte nicht ein Mittel und Mittler erfunden hätte, IEſum 
CHrifrum deinen Sohn. Wann ich ihn im wahren Glauben an» 
x. Eor. 1. Nehme, fo wird er mir das, wag die Sünde mir gerauber. Er 
v. 30. wird meine&erechtigfeit,und ich werde in ihm die Gerechtigkeit, 
2. Cor. 5. die vor GOtt gilt. Erift mirgemache zur Heiligung, und nach» 
-Solof dem er mich verſohnet hat mit dem Leibe feines Fleiſches durch 
%.22 den Tod, ſtellet er mich dar heilig und unfträflich ohne Tadel: 
VBrin ich denn gerecht inEHrifö,heilig und ohne Tadel in ihme, fo 
kanſt du gerechtes, du heiliges Weſen dich wiederum mit mir vers 
einigen; nun kanſt du in mir, und ich in dir fenn. O meld) ein Ab» 
grund derWeisheit und Liebe iſt dieſes! Ach mein verſohnter Va⸗ 
ter, nun die Sünde getilget iſt, laß deine Liebe nicht länger ge— 
Pſalm 63. hemmet werden, ſich zu ergieſſen in die Seele, die nach dir laͤch⸗ 
v. 2. et, wie ein duͤrres Fand. Vereinige dich mit ihr, o du GOtt des 
F we 13: Sriedens, und laß denn dig Vereinigungs⸗Band,/ dag fo theuer 
9 befeſtiget ift, aimmermehr zertrennet werden. Laß von nun an 
erſterben alle Eigen⸗Ehre, Eigen-Willen, Eigen-Liebe, und alles, 
was nicht lauter dein iſt. Wuͤrcke in mir einen ewigen Haß wider 
die Suͤnde, wiber die Welt, wider das Reich der Holen und dee 
Finſterniß, damit ich nie mit denenfelben gegen dir eins werde. 
©. The 5. Heilige du mich durch und durch, und mein Geiſt gang ſamt der 
v. 23. Seelen und Leibe müffe behalten werden unfträflich auf die Zus 
funfft unfers HErrn JEſu EHrifti. Du bift die Liebe, Heilig- 
feit, Neinigfeit, Sanfftmuth und gang gut; mache mich dir ie 
i 


mt 




































































































































































































































































































































































































































































Als die. 
Sterbenden. 














Di un — ; Ib EN 


UNI 




















| Das AndereYuch, Cap. VIL  Pag.343 
Hier find etliche Seiden Würmer abgebildet, mit welchen 


- 8 die Art hat, daß, wenn fiegenug gefien und ihre Zeitetreichet, 


fie fich verbauen, und felbft in ihr Geſpinſt verwickeln und ſter⸗ 


ben, dabey aber Eyer hinterlaffen, aus welchen hernach neue 


Seiden- Würmer werden: Alfo, wenn der neue Menfch leben 

foll, fomuß der alte ausgezogen werden oder fierben. Daher 

Men Chriften der Weltund Sundetäglich abfterben, damit 
ie CHriſto und der Gerechtigfeit leben moͤgen. he 


Eoloffi 3. verf. 9 
Sieber den alten Menfchen mie feinen Wercken 
aus, und ziehet den neuen Menſchen am. 


Im Fall der neue Menſch in dir geneſen 
Ws | Und leben fol, 

Ss muß der alte Schmertzen > voll 
Erkrancken, fterben und verwefen;, _, 
Sell EHrifti Lang und Sanfftmuth in dir bluͤhn, 

Mus Rachgier, Zanckfucht, Zorn den Kürsern ziehn; 
Coll Demuth, Gnuͤgſamkeit und Keufchbeit fiegen, 
Muß Hoffart, Geis und Geilheit unterliegen; 

Soll GOttes Lieb in dir entftehn, 
Muß erft die Welt-⸗Lieb untergehtt, 
So wirft du richt aus GOtt gebohren, 
Zu einer neuen Creatur gemacht; 

So iſt das Bild, durch Adams-Fall verlohren, 
Auch wuͤrcklich dir zu gut durch CHriſtum wiederbracht, 
So koͤmmſt du aus dem Tod ins wahre Leben 
Und aus der Finſterniß zum Licht: 


So kriegſt du friſche Krafft zu wuͤrcken und zu weben, 


Und abzuſtatten deine Pflicht. 
O Menſch! geh in dein Hertz, und ſiehe zu, 
Der in die herrſcht und dich beweget: 
Sey eınfig, und begieb dich eye nicht zur Ruh, 
Als du den alten Menfchen abgeleget, 


Und führt, daß CHriſti Geiſt dich treibet und regiert, 


Und mehr und mehr mit neuer Tugend ziert, 


beruhet des Menſchen Seligkeit. 343 


Ten rg Tome = ER SE —— — 

lich aͤhnlicher, daß dein und mein Wille eins, und ich der Goͤtt⸗ 

lichen Natur thellhafftig, von Hertzen fliehen moͤge die vergaͤng-⸗ 2. Betr. x 
lichen Lüfte der Welt, bis du mich dahin verſetzen wirſt, da auch v. 4 

alle Furcht, von dir wieder gefchieden zu werden, aufhören 

wird. Sch bitte diß/ o Vater, im Namen JEſu! Amen. 


— Das VII. Capitel. * 
Die Buſſe recht zu verſtehen, iſt noth 


zu wiſſen den Unterſcheid des alten und neuen 
Menſchen; oder, wie Adam in uns ſterben, und CHri⸗ 


ftus in uns leben fol: Dder, wieder alte Menſch 
un in ung fterben, und derneue 
leben foll. 

Roͤm. 6. v. 6. Wir wiffen, daß unfer alter Menſch 

mit CArifto gecreugiger iſt, aufdaß der fünd- 

‚liche Leib aufböre, daß wir hinfort der Sünde 


“ nicht mehr dienen. 


Rgn ieder Chriſt iſt zweyfach, und befinden ſich 1 Imen mi, 


ihm zweyerley widerwaͤrtige Menſchen mit ihren 


Schlangen⸗Saame. 
Natürlicher Menfch, 
Irdiſch Bild. 


derwaͤrtige 


Fruͤchten, wie aus folgender Tabelle zu erſehen. in ben 
Adam, EHriftus. un 
Alter Menſch. Neue Menfch. 

Aeufferlicher Menſch. Innerlicher Menſch. 
Alte Geburth. Neue Geburth. 

Fleiſch. Geiſt. 

Natur. Gnade, 

Rernunfft, Glaube. 

Finſterniß. Licht. 

Baum des Todes, Baum des Lebens, 

Boͤſe Früchte, Gute Früchte, 

Suͤnde. Gerechtigkeit. 

Verdammniß. Seligkeit. 

a ar Leben. 

e Jeruſalem. teue Jeruſalem. 
Reich des Teufels, Reich — 


GOttes Saame, 
Geiſtlicher Menſch. 
Himmliſch Bild. 
9A 


DIE 


344 BC. WMothwendiger Unterfeheid 


R DIE begeuger erjtlich die Heil, Schrift, darnach 
* die Erfahrung. Die Zeil, Schrifft redet vielfältig 
vom alten und neuen, vom innerlichen und aͤuſſerli⸗ 
benttienfehen,Spb.4.0.22.24. El.3.0.9. 10. 2. Cor. 

4.0.16, Ingleichen, daß der Geiſt GOttes in uns ſey, 

Roͤm 8. v. 11. 1. Cor. 3.0. 16. und C. 6.0.19. 2. Cor. 

5. v. 5. Eph. 1. v. 13. Ingleichen, daß CHriſtus in uns 

ſey, Gal. 2. v. 20. 2. Cor! 13. v. 5. Zum andern bezeu⸗ 

gets die Erfahrung, nemlich der Kampff des Fleiſches 

und Geiſtes auch in den Heiligen, Nom. v. 23. und 

die Fruͤchte dee Fleiſches und Geiſtes, Sal, 5.0.19. 22, 
Deramegen bieran im gerinaflen nicht zu zweifeln, viel⸗ 

weniger. bey Chriſten einiger Streit davon ſeyn fol; 

Worinnen Denn dis iſt Das Fundament der gantzen Schrifft, 
ng und die rechte Erkaͤnutniß des Menfcheh. Hier Fift 
desten: DiesBuffe gegründet, daß Adam in uns flerben, und 
an, Coriſtus in uns leben foll: Denn wenn Adam in 
‚ment der 518 ſtirbt, fo flirbet und gehet mit, unter alles, was 
—— aus Adam iſt, der alte Menſch, der aͤuſſerliche Menſch, 
die alte Geburth, Fleiſch, Natur, Vernunfft, Finſter⸗ 
niß, Baum des Todes, boͤſe Fruͤchte, die Suͤnde, 
Tod, Verdammniß, Schlangen⸗Saamen, natuͤrli⸗ 
ccher Menſch, irdiſch Bilde, das. alte Jeruſalem, 
ee Meic) des Teufels: Wenn aber Adam in uns le 
a Ber, ſo lebet und herrfchet im Menſchen der alte 
| Meuſch, die alte Geburth, Fleiſch, Natur, Bernunfft, 
Sinfterniß, Baum des Todes, die böfen Früchte, Die 

- Sünde, das alte Serufalem, und das Reich des Teus 

fels. Das gehoretsalles ins Derdammniß und unter 

Leben His den ewigen Fluch. Lebet aber CAriftus in uns, ſo 
kin und ſehet und bereichert in ung der neue Menfch, der inner⸗ 
liche Menſch, die neue Geburth, Geiſt, Gnade, Slaube, 

Licht, Baum des Lebens, gute Früchte, Gerechtige 

Feit, "Reben, Seligkeit, GOttes⸗Saame, geiftlicher 
Wenſch himmliſches Bild, neue Serufalen, und das 

/ Reich GOttes. Das gehövet alles unter den Gegen 
zurhun. ind ih die Seligkeit. Da hat nun ein ieder Menſch 
‚bat, mit ihm feibft genug zu thun, weil er lebet, daß er Bu 
alten 


des alten und netten Menfehen. 345 


alten Adam nicht Jaffe in ihm leben und herrfchen, ſon⸗ 
dern den neuen Adam, welcher iſt CHriſtus. Da 
gilts Wachen, Faften, ‘Beten, Kampffen, Streiten, 
und wie St. Paulus fpricht, fich felbft prüfen und 
perfüchen, ob CHriſtus in uns fep, 2. Cor. 13.0. 5. 
Sa, daß wir mit Sucht und dittern ſchaffen, daß 
wir felig werden, Phil. 2.0.12. Daß wir durch gatty 7. 
die enge Pforte eingeben, und den ſchmalen Weg b. 3. 
in EHrifto wandeln, Luc. 9.0, 23. C. 14.09.26. wel 
cher ift, fich felbft baffen, verleugnen, abfagen alle 
dem, das man bat, Roͤm. 6. v. 2. und. der Sünde 
abſterben. Welches nicht mit lachendem Munde 
‚ und Zärtelung des Fleiſches zugehet, wie die zarten 
Heiligen meynen; fondern mit innerlihber Traurig⸗ 
feit, Neu und Feld, mit innerlichen Heulen und Wei⸗ 
nen, wie der. 6, 38. und andere Buß-Pſalmen bezeu⸗ 

gen, Welches Sanct Paulus nenne, das Sleifch 
creutzigen fant den Luͤſten und Begierden, Cal. 
5.0.24. Wenn diß gefchicht, fo. leber CHriſtus in CHrifus 
dir, und du in EHrifto, fo herifchet und ſieget CHri⸗ Kann. 
ftus in Div ducch den Glauben, Gal. 2.9. 20. ‘Darum bigen. 
Gr. Johames fpricht: Der Glaube ift der Sieg, y "a * 
der die Welt uͤberwindet. 


Du muſt aber die Welt nicht auſſer dir, ſondern Die Weit 
in dir uͤberwinden; denn die Welt iſt nicht auffer dir, Juß nuns 
ſondern in di. Was iſt die Welt anders, denn Au⸗ den ner 
gen-Auff, gleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtiges Leben? der 
Das iſt in dir. Darum it die Welt in dir, und Du». a 
muſt Diefelbe in dir überwinden; fo heiffeft dur alsdenn 
und bit ein Kind GOttes: Denn alles, was aus 1. Joh. $ 
GoOtt gebohren ift, überwinder die Wele. So** 
bift-du ein Rind ves Lichts, ein Blied Criſti, ein 
Tempel des Heil. Geiſtes, ein Schäflein Criſti, 
ein guter Baum, der von fich feibft ohne Gebot, 

‚ohne Geſetz, ohne Zwang, mit Luft, Liebe und Freude 
gute Feuchte bringet. Eph. 5.0.9. 30. 1. Cor. 6,0. 19. 
FON 100%, Math, 12.0. 33, —— 


Yir: Lebeſt 





In Adam 
leben ! 


ft 
ſchrecklich · 


Roͤm. 8. 
.14. 


Ejech. 8. 
V. 10. II 


Wunderli⸗ 
ches Vor⸗ 
bild und 
Figur. 


346 B.I. C.7. Nothwendiger Unterſcheid 


Lebeſt du aber in Adam, und herrſchet Adam in 
dir, fo biſt du nicht ein Kind GOttes, noch aus GOtt 
neu gebohren, fondern indem du von der Welt übers 
wunden, und der Fürft diefer Welt in dir herrfcher 
durch Hoffart, Eigen⸗Ehr, Eigenzkicbe, bift du ein 
Kind des Teufels: Joh. 8.0: 44. Denn welche der 
Geiſt GOttes treiber, die find GOttes Rinder; 
Alſo, die der Satan tveibet, die find des Satans Kin- 
der, ja Glieder des Teufels, Kinder der Finſterniß, 
Behauſung der böfen Beifker, die ſcheußliche Ba⸗ 
bylon, voller unreinen abfcheulichen Tiere, wie 
ſolches Eſa. 13.0. 21. Offenb. Koh. 18. v. 2. Eech.8. 
v. 10, ır. ift vorgebildet, da der Prophet Eyechiel im 
Geiſt in den Tempel zu Jeruſalem eingeführer ift, und 
unter andern zweyerley denckwuͤrdige Sachen gefehen 
bat: Allerley Geſtalt Eriechender Wuͤrme und 
abſcheulicher Thiere, und allerley Goͤtzen und Greuel 
des Hauſes Iſrael, gemahlet an der Wand rings 
umber. 2. Darnach (welches noch aͤrger) ſieben⸗ 
sig Männer aus den Aelteſten von Iſrael, welche 
denfelbigen Bildern und Thieren geräuchert und 
geopffert haben, | 

Siehe, o Menfch, da ift dein altes Adamiſches, 
viehiſches, thierifches Ders abgemahlet, denn wenn 
du in den Ternpel deines Hersens gehen wirſt, fo wirft 
du exftlich fehen eine geoffe Menge abfcheulicher Thiere, 
Bilder und Gösen, welche in deinen Adamifchen Ger 
dancken und Gedachtniß gefchrieben und abgemah— 
let feyn: Darnach, welches arger ift, da folche 
Greuel aus deinem Hergen billig folten vertrieben, 
und von dir heiffe Thranen daruͤber vergoffen wer- 
den, Daß du ein folch unrein Haus voller boͤſer Wuͤrme 





biſt, die du durch die Buſſe und Todtung des Fleifches 


erwuͤrgen ſolteſt; fo liebeft du diefelben noch, dieneft 
ihnen, opfferft ihnen, beluftigeft_ dich in denſelbigen, 
und denckeſt nicht, dag dein HErr CeHriſtus durch 
folche Greuel aus. deinem Hertzen veriricben wird, 
und Feine Statt in dir haben Fan, und du did) * 

es 


des alten und neuen Aienfchben 347 


des hoͤchſten ewigen Guts felbft beraubeft, des Heiligen 

Geiſtes und aller feiner Gaben. Du traureſt, wenn 

du etwas thuft, daraus dir ein groß Unheil entſtehet, 

oder wenn Du etwas Liebes verliereftz warum traureſt 

du denn nicht, wenn du CHriſtum aus Deinen Hergen 
verleureft und vertveibeft, und Dein Leib und Seele eine 
Behauſung der bofen Seifter wird? Aus dieſem alien en. ſelbſi 
verſteheſt du nun, was Adam und CHriſtus ſey, wie gannt⸗ 
dieſelben beyde in dir ſeyn und leben. Darzu gehoͤret 

auch dis Erkaͤnntniß: Erſtlich, wir von Natur in, x 
Adam alle gleich) ſeyn, keiner beſſer, Denn, der andere. Fr mumı 
Denn wir find alle gleich Durch und Durch verdorben gleich böfe 
und vergifftet an Leib und Seele, wie St. Paulus Ainuinter 
ſpricht: Es iſt bier Fein Unterſcheid, nicht allein unter Könr. 3, 
Süden und Heyden, fondern auch unter allen Wiens" 3° 
fehen. Es ijt keiner unter ung beffer vor GOtt, denn 

der aͤrgſte Menfch und Ubelthaͤter. Ob gleich Die 
Bosheit nicht bey allen Ausbricht, fo richtet Doch GOtt 

alle Menſchen nah dem Hertzen und vergiffteten 
Brunnen. Cs ift auch Feine Sünde fo groß, die ein 

Menfch nicht begienge von Datur, wenn ihn GOttes 
Gnade nicht erhielte, denn don Natur koͤnnen wir 

nichts anders denn fündigen auf das allerſchrecklichſte, AR 
Ser. 13.v. 23. Daßwirsabernicht thun, das haben Ier-,02. 
wir nicht unfern Keafften oder Klugheit zu dancken, 

fondern der Gnade GDttes, Die uns für Sünden bes 

wahret, 1. B. Moſ. 20.0.6. Das foll ung dienen zur 
Demuth und Gottesfurcht, Daß Feiner den andern vers. 

achte, und. nicht ficher fey. " 

2. Gleichwie wir aber in Adam von Natur alle_ > 
gleich böfe feyn, und ift Fein Unterfcheid, was die ders Fr CQrito 
derbte Natur anlanget; alfo nd wiraud) in CHAriſto auch gleich 
gleic) gut und fromm gemacht, Denn es bat vor IM. 
GEOtt Feiner eine andere oder beſſere Gerechtigkeit, 
dennderandere, EHriftus iſt unſer aller Froͤmmigkeit, 
Gerechtigkeit, Zeiligung und Zrlöfüng, 1. Cor. 1. 

v. 30. C. 6. v. 11. und iſt in CHriſto keiner beſſer denn 
der andere, gleichwie auch in Adam. Denn gleichwie 
wir 


348 B. U. C.7. Nothwendiger Unterſcheid 


wir in Adam von Natur alle ein Menſch und ein Leib 
ſeyn, aufs hoͤchſte vergifftet und verdorben: Alſo ſind 
alle Glaͤubigen in CHriſto ein Menſch und ein Leib, 
aufs hoͤchſte geheiliget und gereiniget Durch den Glau⸗ 
ben a er a i 168 vs r 

Grnuade Dis iſt eine Artzney wider die geiſtliche Hoffart, 
et daß ſich keiner vor GGOtt höher und beffer halte, denn 
dern Demi Der andere, ob er gleich mehr Gaben hat. Denn gleich: : 
thig · wie Die Sercchtigkeit und Seligkeit eitel Gnade ift; 
fo find auch ale Gaben eitel Gnade und ein fremd 
But. Dieſen Grund der Gnaden GEOttes erkenne, 
ſo wird dich Die. Gnade nicht laſſen ſtoltz feyn, oder 
ſtoltz machen, ſondern wird Dich geiftlidy arm madıen, 
und wirſt dich ſelbſt in deiner Armuth und Elend recht 
eifennen, und ChHriſtum in dem groffen Reichthum 

feiner Gnade über. ale Menfchen. 


2 Gebet. 
Roͤm. 6. Ch HErr mein GOtt, der dur nach deiner aroffen Guͤte mir 
4 g.; 1, °% kundgethan, baßdiefer alte Menfch ſamt CHiiſto gecreu- 
so. _Biget iſt, daß Sleifch und Blut das Reich GOttes nicht ererben, 
1. Cor. 2. ja der nakürliche Menſch, was des Geiftes GOttes ift, nicht 
v. 14. vernehmen koͤnne, daher wir müffen umkehren, werden tie 
Matth.118. die Kinder, ja gar von neuem gebohren werden; maffen in 
oh y u. CHriſto JEſu nichts gelte, denn eine neue Creatur. Gieb mir, 
Bal.s..15. Daß ich mich recht prüfen möge, ob Adam oder CHriſtus, der 
2.Cor.ız. alte oder neue Menfch, in mir herrfche und lebe? Dbich nach 
v5. . dem Sleifch oder Geift wandele? Ob ich irdifch oder himmliſch 
Roͤm 8. y. gefinnet fey? Ob und worinn ich ſo geändert fey, daß ich fönne 
au n heiffen eine neue Creafur? Es fey denn, o HErr, daß du dag 
19. 200 Ficht in meiner Seelen anzündeft, werde ich mich durch einen 
äufferlichen Schein ver Tugend felbft betrugen, und Gnade zu 
feyn achten, was bloſſe Wurckungen desnafürlichen Menfchen 
& find. Wenn ich denn aus meiner Augen-Luft, Fleiſches⸗Luſt 
e Ich. * und hoffärtigem Leben erkenne, wie fleiſchlich, wie ediſch gefin- 
1. Soher,. net ich. noch ſey, wie fehr noch das Bild Adams, ja des Satans 
v.7..  fichinmirzeiner: Ach! ſo laß daß Blur JEfu michrein machen 
Efa. 44 von meinen Sünden. Geuß du auch demen reinigenden Geiſt 
— ;, Uber mich Duͤrren und Unfruchtharen ſpreuge du dig reine Waſ⸗ 
* ua ſer über mich, daß ich rein werde von aller meiner Unveinigfeit, 
Ephef. 4. und teinige mic, von allen meinen Gotzen. Gieb mir ein neuHertz, 
v..22. 25. umdeinennenenGeift,und nimm das ſteinerne Hertz aus meinem 
Fleiſch weg. Gieb mir deinen Geiſt der Krafft, daß ich hinfuͤro —* 
alten 




















































































































NL. j I! 


ET an IN a um AUDIT — 

















+ 


Das Andere Buch, Cap. VII. pag.349 


Hier find abaebildet ein Hauffen Ameifen, welche im Soms 
mer fehr fleißig find, und alfo ihre Speife auf den Winter fich zu 
rechter Zeit einfanımlen: Alfo follen auch Ehriften die rechte 
Zeit der Buffe nicht verfäumen, fondern fich ie eher ie beſſer bez 
Fehren, und in ihrem Chriſtenthum fleißig feyn, ehe Die boͤſe Zeit 
oder der Zod fommt. ä 


Sir, 18. verſ. 22, 


Derzeuch nicht fromm au werden, und harre nicht 
— Beſſerung deines Lebens bis in den 
— 


Edn aufgeweckter Geiſt ſitzt gar nicht ſtill und 
traͤumet, 

Bis er Die rechte Zeit, 
Die,ach! unmwiederbringlich it, verſaͤumet; 
Beſondern wacht, und forgt ſtets für die Ewigkeit, 
Und das, was Eünfftig iſt. Er wuͤrcket bey dem Lichte 
‚ Und bey des Wortes hellem Schein; _ 

Er ſammlet, weil GOtt Kräfte giebt, die Fruchte 
—*— NRechtſchaffner Buſſe taͤglich ein; 
Er iſt mit ſeiner Seelen Heyl bemuͤhet, 
So lange noch der Gnaden⸗Sommer waͤhrt, 


Eh als der Höllen-Stum den Grund der Hoffnung 


umgefehrt, 
Die Krafft⸗ und Heil-Blum ausgeblühet, _ 
Eh ihm des Alters Schnee die heiffen Geifter Eühlet, 
Das Herge durch die Suͤnden-Ubung hart, 
| Verſtocket und erſtarrt, 
Sich ſelber nicht mehr fuͤhlet. 
O wacht, wacht auf vom Schlaf der Sicherheit, 
Ihr tragen Erden-Kinder! 
Nehmt wahr der angenehmen Zeit, 
Ihr fehlummernden und Sorgen⸗loſen Stunder! 
Wie lange fchlieffet ihr die Augen zu 
Vor diefem Licht, daß ietzt fo helle ſcheinet? 
Gedenckt, die Arbeit iſt allein der Weg zur Ruh, 
Das Lachen nur vor die, Die bitterlich geweiner, \ 


des alten und neuen Mienfehen, 349 | 
alten Menfchen, der Durch Lüfte in Irrthum fich derderbet, mit Coloſſ. 3. 


feinen Werden augziehe und ablege, das Fleiſch ſamt deſſen £uz v. 9. 10. 
fien und Begierden creutzige; hingegen mich erneuere im Geiſt 64.5. v.24. 
meines Gemuͤths, und anziehe den neuen Menfchen , der nad) 

GOtt geſchaffen ift in rechtfihaffener Gerechtigkeit und Heilig: 

feit; ſtarck werde an bem inwendigen Menfchen, und CHri⸗ Eppef-3; 
ſtum wohnend habe durch den Glauben in meinem Herken, 4 16. 17. 
deffelben Ebenbilde (im Leben und Leiden) gleich werde hier in Rom. 8, 
ber Zeit, damit ich auch in der Verklärung ihm äbnlich ſeyn ging] z.4,.ar 
moge, durch ChHriſtum IEſum unfern HErrn! Amen. En 


iR; Das, vd. Cepitel. - 
Wie freundlich ung GOtt zur Buſſe 
locke, und warum die Buffe nicht zu 
verfaumen. : | 
Luc, 15. 0.10. Alſo, fage ich euch, wird Sreude 


ſeyn por den Engeln GOttes, über einen Suͤn⸗ 
der, der Buſſe thut. | 


Z hat der viel⸗getreue und gnaͤdige GOtt Die Marder 
Bekehrung der Menfehen und die wahre Buſſe 19, Ei 
af mancherley Weiſe und Art uns in feinem Sure. 
ort vorgebildet, unfere harte und fteinerne Hertzen 
Dadurch zu erweichen und zu befehren von der Welt, 
von ung felbft, vom Satan zu GOtt, Apoft. Geſch. 
26, verſ. 18. 

Unter andern aber find die beyden. Gleichniſſe, Lue 15 v. 
Luc. 15. vom verlobrnen Schäflein und vom ver" >" 
lohrnen Sobn fo teöftlich und fo her&brechend, daß 
fie nicht wohl ohne Thraͤnen koͤnnen gründlich und in⸗ 
niglich betrachtet werden: Denn der HErr JEſus dar⸗ Dreyerley 
Annen abmahlet dreyeyley Dergen; A HRUHRPNN, 

1. Das unbekehrte Hertz des Suͤnders. 
2. Das reuende Herg des bußfertigen Suͤnders. 

3. Das erbarmende Vater⸗Hertz GOttes. 

Erſtlich, das unbekehrte Kerg des Sünders._. 1. 
mahlet er ab in dem Bilde eines ungeratbenen IND 
Sohnes, der fein Gut und Erbtheil umbracht, und-Menihen, 
endlich anfahet zu darben, und mit den Sauen die, 
Trebern zu freſſen. Welches nichts anders — 

enn 


350 B.II. C.8. Wie freundlich uns GOtt 


denn ung ungerathene Kinder und fündige Menfchen, 

die wir unfer himmliſch Erb⸗Gut durch die Suͤnde 

verlohren hatten, nemlich Gerechtigkeit, Heiligkeit, Uns 

ſchuld und das fehone Bild GOttes, nach weichen 

wir geſchaffen, Ephef. 4. v. 24. dadurdy wir in die 

ſchwere Dienftbarkeit der Sunde, des Teufels und Tos 

des gerathen find, auch inallen Menſchen⸗Wercken und 

Geſetzen, ſo durch die Trebern bedeutet ſeyn, weder 

Ruhe, Huͤlffe, und Troſt finden koͤnnen, ſondern ewiges 

Hungers ſterben muͤſten, wo wir nicht zuruͤcke daͤchten 

an die Gnade des Vaters. | 

2 0 2, Das reuende bußfertige erg aber hat er in 

Sade Hiefen Morten abgemahlet: Da ſchlug er in fich, 

und ſprach: Wieviel Tagelöhner bat mein Da- 

. ter, die Brod die Sülle Haben, und ich verderbe 

im Aunger? Ich will mich aufınachen, und zu 

" meinem Dater geben, und zu ihm fagen! Vater, 

ich babe gefündiget im Himmel und vor. dir. In 

diefen Worten iſt herrlich abgermahlet die wahre Buſſe; 

Ken; (1) die Contritio, das ift, die Goͤttliche Reue. Cr 

ſchlug in fich, er betrachtete fein Elend, daß er aus eis 

nem Kinde GDttes ein Vieh und unflatige Sau 

worden, irdifeh, viehiſch, thierifch, beftialifch 5. er erins 

nerte fich aber feines Urfprungs, woher er Eommen, ges 

dencket an feinen Vater, und reuet-ihn, befennet feine 

Sünde, und fpricht: Vater, ich babe geſuͤndiget 

im Himmel und vor dir. Sch habe GOTT und 

Menfchen beleidiget. Erkennet auch feine Unwürdigs 

Eeit; Ich bin nicht werth, daß ich dein Sohnbeif 

Der Blau fe. (2) Der Glaube, alsdasandere Stuͤck der Buſſe, 

be and De ist darinnen abgemabjet, Daß erfich aufmachet, und zum 

Vater gehet, und hat die Zuverficht, wenn ihn ja Der 

- Rater nicht wolte für feinen Sohn annehmen, fo werde 

er ihn gewiß für einen Knecht und Tageloͤhner halten 5 

denn er fpricht : Ich bin nicht werth, daß ich dein 

Sohn beiffe; mache mich zu deinen Tagelöbner. 

Und hoffet gewiß, der Vater werde ihm folches nicht 
verſagen / fondern aus Gnaden fish uber ihn — 

3, Vas 


safe Iadfer, ».2..2). 358 


ee N ee 

3. Das Pater - Aerg it aljo abgemabler:__ 3. 
(1) Da er noch ferne von dannen war, fabe ibn Fer 
der Mater. Ach! die guadigen gen des Waters, Die man⸗ 
wie fehen fie nad) den verlohrnen Kindern! Iſt preve- Serim 
niens miferieordia, das iſt, Die vorkommende und vor G Oneg. 
lauffende Gnade, Pſ. 79. 0,8. Efa. 30.0, 18. 19, 
Pal. 32. 0.8. (2) Janmert ihn; iſt expedtans 
mifericardia , Die erwartende Gnade, (3) Käufft 
und faͤllt ihm um den hals; iſt fufcipiens miferi- 
cordia, die aufnehmende Gnade, (4; Büffet ihn; 
iſt confolans mifericordia, Die .tröftende Gnade, Eſa. 
66.0.13. (5) Bringet das beſte Kleid her, das 
iſt EHriftus und feine Gerechtigkeit: Iſt juftificans 
mifericordia, die rvechtfertigende Gnade, Vom. 8. 
v.33. (6) Ein Singerreiff an feine Hand; ift der Der King 
Heilige Geift, Trauring, annulus filialitatis, dioßerias, ——— 
deſpondens miſericordia, die vermaͤhlende Gnade. Sala v. c. 
(7) Schub an. feine Fuͤſſe; iſt ein neuer heiliger rn b.5. 
Wandel in EHrifto durch den Heiligen Geift und 
GOttes Krafft und Macht. Das ift confirmans mi- 
fericordia, Die erhaltende Gnade, 1. Petr. 1. verſ. 5. 
Pſalm 84. verf. 12. (8) Bringet ein gemaͤſtet 
Balb ber:c. Iſt Conviviam & gaudium Angelorum, 
das Saftmahl und Freude der Engel, das it, vivifi- 
eans, letificans & coronans milericordia , Die erfreute 
ende, lebendigmachende und Eronende Gnade, Pſalm 
63.0.4. UND 103. v. 4. 

Wie koͤnte uns doch GOtt freundlicher zur Buſſe 
locken? Wollen demnach die fuͤrnehmſten Urfachen, Sieben be⸗ 
die uns zur Buſſe bewegen ſollen betrachten. Deren — 
find aber fuͤrnem ich ſieben: 84 
. Die groſſe Barmhertzigkeit GOttes. 
CHriſti Freundlichkeit und theures Verdienſt. 
Die ſchreckliche Strafe und Draͤuung. 
Der Tod. 
5. Das juͤngſte Gericht. 
6. Die Holle. 
7. Die ewige Freude, 


$w nh 


Ir Bor 


* — 


352 B.U. C. 8. Wie freundlich uns GOtt 


1, GOttes Barmhertzigkeit. 


nn. BMof49.29.fag. Wenn du den HErrn dei⸗ 
ä nen GOtt ſuchen wirft, ſo wirſt du ihn finden, wo 
ziglen In du ihn wirſt von ganzen Hertzen und von gan⸗ 
St ger Seelen füchen. Wenn du geaͤngſtiget ſeyn 
"wirft, und dich treffen werden alle diefe Dinge in - 
den legten Tagen, fo wirft du dich befebren zu 
| dein Errn deinen GOTT, und feiner Stimme 
Hertz trͤſt gehorchen; Demi der, HErr dein GOtt iff ein 
liche Ber barmbergiger GOtt. Kr wird dich nicht laffen 
beiflung. och verderben: Wird auch-nicht vergeflen des 
Bundes, den er deinen Ostern geſchworen bat. 
| Ad) diß gnadige Vater⸗Hertz fol uns billig zur Buffe 
Gräfe. der locken. Unſerer Sünden können ſo vielnicht feyn, es iſt 
Sieden viel mehr Gnade bey dem HErrn, wie der #30. Palm, 
erdfferg v. 7. richt: Bep dem 4Krri iſt die Gnade, und 
Gnade. viel Dergebungbep ihm, under wird Iſrael erloͤ⸗ 
fen aus allen feinen Suͤnden. Die Suͤnde Fan fo 
groß nicht feyn, GOttes Barmhertzigkeit iſt noch groß 
ſer; Pſalm 51.0.3. Tilge meine Sünde nach dei⸗ 
ner groſſen Barmhertzigkeit. Unſere Sünden 
His Fönnen fo greulich nicht. feyn, GOtt Ean fie ſchnee⸗weiß 
Sun, machen; Eſa. 1.0.18. Wenn eure Sünden gleich 
blut⸗ roth wären, föllen fie fehnee-weiß werden. 
Palm 51. 0,9. Befprenge mich mit Yſopen, daß 
ich rein werde, Waſche mich, daß ich ſchnee⸗ 
Dancer: weiß werde, Unſere Sünden künnen jo mancherley 
ley Sünde: nicht feyn, der Neichthum der Gnade GOttes iſt nod) 
überfehwenglicher, Eph. 2.0.7. Denn er ift barm⸗ 
hertzig, gnaͤdig gedultig, von groſſer Gnade und 
Treue, und vergiebt Übertretung, Miſſethat und 
Stärdeder Sünde, 2. B. Moſ. 34.9. 6.7. Unfere Stunde kan 
Sunde. ſo maͤchtig und ſtarck nicht feyn, GOtt kan fie daͤmpf⸗ 
fen, und in die Tieffe des Meers werffen , wie 
2, Pharao mit allem feinem Heer, Mich. 7.0.19. Unfere 
| En Sünde Fan fo ſchaͤdlich und gifftig nicht feyn ; GOtt 
er Sunde. kan ſie heilen, Ejech. 330,12. Wenn ſich — 
oje 


y 


J zur Buſſe locket. 353 
loſe bekehret, ſolls ihm nicht ſchaden, daß er iſt 
gottlos geweſen. — 
6rxiſti Freundlichkeit. ER NER 
Wie freundlich auch unfer HErr IEſus CHri⸗ Cynſi 
ſtus die Suͤnder aufgenommen, bezeuget er Marty. do, De 
v.12.13. da er ſpricht: Die Starden bedurffen des Feit tocker 
Argtes nicht , ſondern die Brancken. Ich bin Ud_ m 
könmen, die ZSuͤnder zur Buffe zu ruffen, und * 
nicht die Gerechten. Und Luc. 19.0. 10. Des Men⸗ 
fehen Föhn ift kommen 3u ſuchen und felig zu 

‚machen, das verlöhren iſt. Don Ddiefer holdieliz 
gen Steundlichkeit haben die Propheten geweiſſaget; 
Ezech 34.2.2. 11.12.16. Webe euch Hirten, die | 

ihr das Verlohrne nicht fücher, fondern ſtreng 
und hart uͤber herrſchet. Meine Schafe find 
zerſtreuet, als die Eeinen Airten haben, Siebe, 
ich will mich meiner Heerde felbft annehmen, und 
fie füchen, wie ein Hirte feine Schafe ſuchet wenn 
ie von der Heerde verirret ſeyn. Ich will das - 

erlobrne ſuchen, und das Derirrete wiederbrins 

get, das Derwundete heilen, des Schwachen 
werten Eſa. 40. 0,11, Er wird feine Heerde wep- 
den wie ein Arte, Kr wird die Lämmer in feiz 
ne Arıne fammlen, und in feinem Surfen tragen. 

Nicht allein aber CHriſti Freundlichkeit Locker dich ut 
Buſſe, fondern auch feine hertzliche Traurigkeit, 
und fein heilig vergaffenes Blut ruffer dir. 1. Beden CHrift _ 
cke, wie er fein Keben nicht hat gegeben für den Himmel, —— 
hoch fuͤr die Erde, ſondern fir deine Seele; und du Sof: 
wilt durch Deine Unbußfertigkeit muthwillig diefen edlen 
Schatz verlieren? 2. Bedencke, daß du mit keinem 

andern Loͤſe⸗Geld haft koͤnnen erloͤſet werden, denn 
durchs Blut CHriſti: Warum wilt du Dich dieſer 
hoͤchſten und theuerſten Bezahlung verluſtig machen? 

3. Bedencke doch; wovon dich dein Herr EHriftus er⸗ 
löfet hat, nemlich vom Teufel und von der argen bös 
fen IBelt, von Deinen Sünden; noch haft du Luſt, dem 
Teufel immer ferner zu dienen. 4, Bedencke doch, 

8. ee N 


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= 


354 B.II. C. 8. Wie freundlich uns GOtt 


daß dir CHriſti Verdienſt ohne Buſſe nichts nuͤtze ift, 
ie daß du Coriſti Blut mit zuͤſſen treteſt, und den 
Geiſt der Gnaden ſchmaͤheſt, Hebr. 10. verſ. 29. 
5. Bedencke, wie ſauer du deinem Erloͤſer worden biſt, 
er geweinet, getrauret, gezittert, gezaget, wie ſchreck⸗ 
lich er um deiner Suͤnde willen verwundet, wie er 
ein Wurm und Fluch am Holtz geworden, Eſa. 53. 
v.4. Pſal. 22.v. 7. O wiftillimum ſpectaculum, & mi- 
- ferandum panitentie fpeculum! DO O ein ſehr trauriges 
Schauſpiel, und o ein erbärmlicher cr Bußfpiegef! | 
3, Die Dräuung der En Strafe. 
Pſalm 7.0.13. 13. 14. GOOtt iſt ein rechter 
eot ein Richter, undein Gott, der täglich draͤuet. Will 
Richier. man ſich nicht bekehren, fo bat er fein Schwerdt 
gewetzet, und feinen Bogen geſpannet, und zielet, 
und hat darauf gelegt toͤdtlich Geſchoß. Seine 


Dem Zorn Pfeile hat er zugericht zu verderben. Denn dem 


Bon oem und Rache GOttes kan kein Menſch entfliehen; 


 mandent: Amos 9. 0.2.3.8. Wenn fie gleich in der Himmel 


Risden. ſtiegen, will ich fie herab fEürgen. Wenn fie fich 
| gleich verbürgen im Grunde des Meers, will ich 
Doch den Schlangen befeblen, die fie föllen da⸗ 
ſelbſt ftechen. Siebe, die Augen des ZEren fe= 
ben auf ein fündiges Königreich , daß ichs vom 
Soites Erdboden vertilge. Zeph.ı.d. 17.18. Ihr Blur foll 
a nenp vergoſſen werden wie Staub, und Ihr Leib fol 
gene. werden wie Both. Denn ihr Silber und Gold 
ſoll fie nicht errerten am Tage meines Zorns, ſon⸗ 
dern das gantze Land foll durchs Seuer meines 
Eifers verzehret werden. Solche ſchreckliche Draͤu⸗ 
Buſſe wen / ungen füllen uns zur Buſſe treiben. Buſſe wendet 
Bu groffe Land⸗Strafen ab, jaden Untergang eines Volcks, 
ab. Stadt undLandes, wie zu FTinive. Jerem. 18.0.7.8. 
Jon. 3.v.5. ploͤtzlich rede ich wider ein Wolf, daß ichs ausrotz- 
ten und vertilgenwill. Wenn fichs aber bekeh⸗ 
rer, ſo foll aa 1 der Strafe. 
” 4. Der Tod. 
Warum Darum hat GoOtt die Stunde des Todes verbor⸗ 
5 gen 


sur Buſſe locket. 35 


gen, daß wir taͤglich und alle Stunden Buſſe thun, und Gott die 
eine iede Stunde für die letzte achten ſollen. Tora ho-Siude 
minis vita ipfiı ad poenitentiam data, fügt Bernhardus: betheraen? 
Das gange Leben des Menſchen iſt ihm zur Buffe geger — — 
ben, und iſt nichts anders, denn ein täglich Creut und gehen fot 
Pein, pœna & crux quotidiana, wie im 38. Pſalm, 
dv. 18. ſtehet: Siebe, ich bin sur leiden gemacht, und 
‚meine Plage ift alle Morgen da, Palm 73: v. 14. 
GoOtt hat dir feine Gnade verheiffen, aber den morgen⸗ 
gen Tag hat er dir nicht zugeſaget. Es iſt dem Men⸗ 
ſchen geſetzt einmal zu ſterben, und darnach das 
Gerichte, Hebr. 9. v. 27. Sir. 7. v. 20. Bedencke 
das Ende, ſo wirſt du nimmermehr fündigem - 

Denn wie dich GOtt findet, ſo wird er dich richten: 
Darum ſolt du in deinem Leben alſo ſeyn, wie du wuͤn⸗ 

fcheft zu feyn in deinem Tode, Bedencke, wo die ſeyn, 
die vor wenig Fahren in Heifchlichen Lüften und Freuden 
gelebet. Jetzo find fie an ihrem Orte ‚und warten 
des legten Urtheils: Darum geber aus von ihnen, Off Joh. 
mein Volck, daß ihr nicht tbeilbafftig werder "+ 
ihrer Sünde, auf daß ihr nicht empfahet etwas f 
von ihrer Plage, Offenb. Johl 18:9. 4. 

u 5. Das Juͤngſte Gericht I ee ka 

.. Denn nad) den Tode wird Feine Zeit oder Raum Der Kids 
zur Buſſe ſeyn. Hie enim aut vira amittitur, Aut retine- der Edir 
tur. Hie in dieſem Leben Wird entweder dis Le⸗ 
ben ewig verlöbren, Oder ewig bebalten Die | 
Bußfertigen kommen nicht ins Gerichte, über die Linz 
bußfertigen aber wird Das fchreckliche Urtheil ergehen? 
Gebet bin, ihr Verfluchten, in das ewige Keuter, 
Matth. 25. 8.41. Jetzo iſt der Tag des Aepls, 
2. Cor. s. v. 2. Dortder Tag des Gerichts. Pfio 5.0.7; 
Meute, heute, [6 ihr feine Stimme böret, ſo ver- 
ſtocket euer Hertz nicht, Daß ich nicht ſchwoͤre in 
meinem Zorn: Sie follen nimmermehr zu mei⸗ 
ner Kuhe kommen, Hebr. 3. verſ. 7. 8. 11: 2. Cor. 5. 
v. 10. Wir muͤſſen alle offenbar werden vor dem 
Richterftubl unfers a IEſu Chrifti, Fa 

2 a 





‚356 B.1.E.8. Wie freundlich uns GOtt 





‚Daß ein ieder empfabe, wie er gebandelt bat bey 
Keibes-Leben, esfep Boͤſes oder Gutes. Den Buß⸗ 
fertigen aber werden ihre Suͤnden zugededket, M. 2, 
v. 2. und garvergeflen, Eye). 33.0. 16. Tu igitur, 
agnoſce e, ut ille ignoſcat. Erkenne du deine Suͤnde, 

auf daß ſie EHtt vergebe und vergeſſe 

| 6. Kwige böllifche Dein. . 
Da wird alle Barmhertzigkeit GOttes aufhören; 
—— und wird heiſſen: Gedencke Sohn, daß du dein 
rg Gutes empfangen baft in deinem Leben. Jetzo 
febeit du nun nicht mehr, fondern bift ewig fodt, und 
GOtt ewig abgeſtorben. Aus der Haltın iſt Feine Er⸗ 
loͤſung, Pſ. 49. v. . Wie Fan dem Gutes wieder⸗ 
- fahren, oder einiger Troſt, der ewig geſtorben iſt? 
Hie iſt allein die Gnaden-Zeit, dort werden die Vers 
danımten alfo fterben, daß fie Doch allegeit leben, und 
alfo leben, daß fie doch allegeit und ewig jterben. Alle 
Quaal und Sinne werden da gequalet werden, eben durch die 
— der ewige Finſterniß, Hoͤren durch Zaͤhnt appen und Heu⸗ 
"en, Riechen durch Schwefel⸗Geſtanck, Schnecken 
durch des ewigen Todes Bitterkeit, Empfinden durch 
ewige Quaal. 
7. Die Freude des ewigen Lebens. 


— Solte der Menſch eine ſo kleine nichtige Freude 
enigen nehmen für die ewige Freude? Kein Ungerechter wird 
Sreude da hinein gehen, der ich nicht mit vielen heiffen* Thraͤ⸗ 
ei nen im Glauben geteiniget und gewaſchen, und jeine 
beü. Kleider belle gemacht im Blute des Lammes: 
Offenb. 7.0: 13. 14. Drauſſen find die Unreinen, 
die Hude , die Zauberer, und die On lier kan 


und 


* Diefe find nicht Urfachen des —5 ſondern Zeichen des 
wahren Glaubens in den bußfe tigen Hertzen. Dorfcheus, 
Nicht ale wenn wir mit den Buß-Thraͤnen konten die Neiz 
nigung von Sünden verdienen, wie die Däbtiler vorgeben, 
fondern allein wegen des Glaubens, weicher bey foicher 
Reue und Buß⸗Thraͤnen ift, quatenus fidem arctisſime fibi 
habent conjunctam fd ferne fie den Glauben gang genau 
mit ſich vereiniger haben, Zaren, 





zur Buſſe IoFer. 





— 
und thun die Lügen, Cap.22. v. 19. Der Ver— 

aͤchter keiner wird dis Abendmahl ſchmeeken, 

Luc. 14. v. 24. Die hoͤchſte Freude des ewigen Lebens GOtt und 
it, Gott feben, 1. Joh. 3. v. 2. Vifio DEI tota Caum, 
merces, das Anſchauen GOttes iſt alles, und ewiger — 
Lohn. Die Freude der Auserwehlten iſt, CHriſtum degade 
ſchen: Ihr werdet mich wieder ſehen, und euer dar. 
Ser wird fic) freuten. “Das Anfchauen des An⸗ 

geſichts GOttes iſt der Engel Freude und Leben, das 
Engel-Brod, davon die Engel leben, ihre unfichtbare 

Gpeife, wie der. Engel Raphael zu Tobia Ipricht: _ 

ch effe unſichtbare Speiſe, die Bein Menſch fe- 2, 
ben Bar. Gleichwie nun GOtt fehen, alle Sreude 
it: So it GOtt nimmer-fehen, die groͤſſeſte, hachite, 

ewige, und alle Pein und Quaal. 


Gebet, | 


KU liebreicher GOtt, was iſt doch der Menfch, die Made, Hiob 5. 
und ein Menſchen⸗Kind, der Wurm, daß du ihn fpachteft ? 6: 

Er beleidiget dich taͤglich, Fehrer Dir den Ruͤcken zu, und liebet Jerem · 2. 
das was ein Greuel iſt in deinen Augen; Du aber traͤgeſt ihn Kar 9 
mit groffer Gedult, beuteft ihm deine Gnade an, Iockeft ihnmiit.y 22. 
allen Snaden-Berbeiffungen wiederzufehren, vuffeft ihn durch Efa 65 v.e. 
deinen Sohn aufs freundlichfte, draͤueſt ihm mit Strafen, Tode, Jerem. 3- 
. Gerichte und Holen-Pein, wo er die angebotene Gnade vers — J 

ſchmaͤhet; verheiſſeſt ihm, wo er wiederkehret, dag ewige Leben; 5 arg 
D Bater! wie gar find deine Wege nicht wie unfere Wege, und Heinz. 2. 
deine Gedancken, wie unfere Gedancken? Wie gank anders Efass-v.8. 
verfahren mir mit denen, die ung beleidigen! Ach, daß doch 
alle diefe deine Güte mein unbändiges Hertz zu dir aufrichtig 
und beftändig lencken mochte! O du eiwig. Liebe, vergieb mir, 
daß ich fo laugſam meine Ohren zudir aeneiget, daß ich bishero 
beiner Gedult fo fehr mißbrauchet, deine hertzliche Einladung, 
dein ernftlich Draͤuen fo geringe gehalten hatr. Laß mich nicht‘ 
länger irren von deinen Wegen, und mein Herk verftocken fon: Cfa: 64. 
dern deinem Gnaden Ruff nun willig folgen. Würde du in? 17- 
mie eine Gottliche Traurigfeit und Neue über mein wielfältiz 2 E- 7- 
ge3 Abweichen von bir. Ecwecke in mir einen Eckel gegen die yyeusm.E. 
Zreber diefer Welt, daß ich mic) davon im geheilisten Vorſatz 
los mache, nach dir im wahren Glauben fehne, und mit dem 
verlohrnen Sohne deiner vätertichen Gnaden und Erbes würd 
lich theilhafftig werde, durd) IEſum CHriftum deinen Cohn 
unfern HEren! Auen. 

33 Das 


u. ‚ 
358 DB.IME.9. Was Sure thun beifler 





Das IX. Capitel. 


Mas Buff thun beiffe, wie fie gefche: 
ben muͤſſe, und wie ung GOttes Guͤte 
zur Buſſe leite. 


So. 2.0. 12,13. So ſpricht der HErr: Bekeh⸗ 
ret euch zu mir von gantzem Hertzen, mit 
Faſten, mit Weinen, mit Blagen. Zerreiſſet 

‚eure Hertzen, und nicht eure Kleider, und 
befebret euch sum AEren euren GOTE, 
Denn er ift gnaͤdig barmhertzig, gedultig, 
und von groſſer Güte, und gereuet ihn bald 
der Strafe. 


Gott lo⸗ Er viel⸗ getreue, gnaͤdige GOtt, der nicht will 
Eu noch fuchet unfer Derderben, fündern unſer 
ewiges Heyl und Geligkeit, der am beften un⸗ 

DurhBuf: fere Noth und Elend kennet und ſiehet, und ung gern 
a, Daraus erretten wolte, locfet und reitzet uns auf manz 
ran. 17. herley Weiſe zur Buſſe; denn durch wahre Bulle 

.» und Bekehrung will er ung heiffen und heilen. 

GOit ruf, Er locket ung einmal durch ſcharffe Draͤuungen; 
fer uns als Jerem. 6.0.19. Ich will ein Unglück über dis 
a Volk bringen, nemlich ihren verdienten Kohn, 
gen Dderum, daß fie ie auf meine Worte nicht achten, 
und meine Befege verwerffen. Und am 7. Eapitel 
9.13.15. Weil ibr denn alle folche Sluͤcke treiber, 
fpricht der HErr, und ich euch ſtets predigenlafle, 
und ihr wollet nicht hoͤren, ſo will ich euch auch 

von meinem Angeſicht verwerffen. Vor dieſen 
ſchrecklichen Draͤuworten ſolten wir billig erſchrecken? 

denn die zeitliche und ewige Strafe gedraͤuet wird: 

Wir ſolen Denn die Goͤttlichen Draͤuungen find nicht ein lee⸗ 
u ver und todter Schall, fondern haben einen maͤchti⸗ 
gen für tev gen Nachdruck, find GOttes Eifer, und gehen end» 
— lich in ihre Krafft; Und wir erfahren ja, was uns 
GOtt der HErr für ein Ungluͤck und Hertzeleid zus 
ſchicket, daß wirs alle Winckel voll haben. Und wo 

wir 


- 


und wie fie geſchehen muͤſſe. 359 


wir nicht Buſſe thun, wird GOttes Zorn durch Krieg, 

Hunger, Peſtilentz, Feuer und Waſſer dermaſſen an⸗ 
brennen, daß auch ſolch Feuer die Grundfeſte verzehren 

wird, wie zu Jeruſalem: Wollen wir uns aber durch 

EHDtres Zorn und Draͤuungen nicht laſſen zur Buſſe 

locken, ſo ſollen wir uns durch ſeine Gnade bewegen 

laſſen, dadurch er uns ſo freundlich locket. Als er 

ſpricht: Ser. 3. v. 12. 13. Behre doch wieder zu GSott ruſ⸗ 
mir, du abtrůnniges Iſrael, ſo will ich mein din eine 
Antlitz nicht gegen euch verſtellen. Dennich bin Gnade. 
barmhertzig, fpricht der HErr, und will niche Jr 
ewig zuͤrnen; allein erkenne deine Miflerbat, daß 
du wider den HErrn deinen GOtt gefündiger 

haſt. Da beut uns GOtt feine Gnade an, ja er 

flehet und bittet, wir follen doch wieder zu ihm kom⸗ 

men, fo wolle er Buſſe annehmen für die Stinde, 

wie Weish. 12. verſ. 18. flehet: Du gewaltiger Weist, ız. 
Herrſcher richteft mit Belindigkeit,und regiereft ""® 
uns mit vielen Verſchonen, und lebreft deine 
Rinder, daß du wolleft Bufle annehmen für die 
— und wir auf deine Barmhertzigkeit trauen 

ollen. 

Ein ſolcher freundlicher Spruch iſt dieſer auch, da⸗ 

durch ung GOtt durch feine Gnade, Barmherkigkeit, 

Gedult, groſſe Guͤte, und daß ihn bald der Strafe ge 

reuet, zur Buſſe locken will Iſt demnach aus vor Dresum 
angezogenen Spruch dreyerley zu merken: 1. Was —— 
Buſſe thun heiſſe; nemlich, ſich zum Hexen bekeh⸗ Hupforuc, 
ren. 2. Wie wir ſollen Buſſe thun: nemlich, mit ze — 
Faſten, Heulen und Weinen. 3. Wie uns GOttes“ 4 
Guͤte zur Buſſe locke: Denn ich bin gnaͤdig: ıc. 

1. Buſſe tbun, und ſich zum EErrn bekehren, heift, ») Peccara 
aus dem Geſetz GOttes feines Hergens angebohrne nofra & 
Blindheit, innerliche Bosheit, abfcheuliche Unreinig- Ber agno- 
Zeit und groffe Gottlofigkeit erkennen, als den inwen⸗ kendo. 
digen Greuel und vergiffteten Brunnen aller Suͤn⸗ plane 
den, dadurch wir ung von GOtt, dem höchften ewigen Buhl. 
Gute, abgeidendet; und au feinen Zorn, die Holle 

4 und 


‚360 B.U.€.9. Was Buffe thun beiffe,. 


und Dardammniß, auch allerley zeitliche Eirafen 
wohl recht und billig verdienet haben; und Darüber 
rechte innigliche hergische Reu und Leid beben, nicht 
wegen der Strafe, ſondern vielmehr darum, Daß wir 
GOit den HErrn, der Die ewige Liebe ſelbſt iſt, und 
unſer lieber Vater, fo hoch beleidiget haben: Durchs 
Evangelium aber ſch wieder gufrichten, und ſich fros 
ſten der Gnade GHtres, und Vergebung der Suͤnde 
in CHriſto verheiffen, ſein Leben auc) ernſtlich befz 
fern, das böfe Hertz Durch den Glauben reinigen, die 
boͤſen Lüfte daͤmpffen, das verkehrte und widerſpenſtige 
Hertz andern, dein eigenen Willen, fo allegeit dem - 
Willen GOttes widerſtrebet, abjterben, und in CHrifto 
ein hette& SD wohlgefaͤlliges Leben anfangen, 

und rechtſchaffene Fruͤchte der Buſſe thun. Efa. ı. 
v. 16. Waſchet euch, reiniget euch; wenn denn 
eure Sind: Blut⸗ roth wären, föllen fie Schnee= 
weiß werden, 

Diß iſt bald gefagt, aber ſchwer zu thun; denn 
— will den inwendigen Greuel ſeines Berhens 
recht erkennen, und ſich ſelbſt haſſen lernen. Jeder—⸗ 

DA ge man ſchmeichelt und liebEofet feinem alten Adam, und 
—28 dem boshafftigen Fleiſch und Blut, und ift felten ein 
den: die Menfch, der recht geundtich fein boͤs Ders erforſchet; 
Bam. nem iederman hat einen Gefallen an ihm felbit, und 
‘ will den Greuel feines Hertzens nicht recht angreifen, 
achtet auch nicht groß der hohen theuren Gnade in 
Chriſto, und verſaͤumet dieſelbe muthwilig. 
»),AdDe- Solches erfordert aber der Prophet Joel mit Dies 
rende, Ken Warten: Sich zum HErrn Betehech von ganz 
Dis abge tzein Hertzen, mit Safken, Weiten und Blagen. 
Eee Mit welchen Worten er uns. erinnert, daß wir ung 
Särweg von GOTT abgefehret haben, und die lebendige 
den. Ouelle verlaffen, Ser. 2, v. 13. und Fünnen Fein Le— 
ben noch Seligkeit haben, wo wir ung nicht wieder zu 
ihm wenden und Fehren, Serem. 3.0, 22. So kehret 
nun wieder, ihr Fi jo will ich 
euch heilen von eurem Ungehorſam. Dit rs ' 
A 


x 


und wie fie geſchehen muͤſſe. 361 


daß wir unſer Elend erkennen ſollen, ſo will er ſich 

uͤber unſer Eland erbarmen. Bi 
Weil wir aber von Natur ſo blind feyn, und unfer » Media 
Elend von ins ſelbſt nichrerkennen, ſo hat GOtt Aiir- Ni? Arer- 
tel darzu geordnet, fein heilig Wort und Sacrament, Mirrel der 
dabey allegeit feine Gnade und Geiſt ist, dadurd) geucht, Buſſe. 
locket und ruffet uns GOtt als die verlohrne Schaafe. 

Denn gleichwie ein verirret Schaaf von ſich ſelbſt nicht 
wiederkommen kan, der Hirte muß es ſuchen und wie⸗ 
derbringen: Alſo, wenn uns GOtt nicht ſuchte, lieffen 

wir ewig In Der Irre. Welches die Exempel St. 
Detriund Pauligewaltig bezeugen, Darum der Pros 
phet ſpricht: Bekehre mich, HErr ſo werde ich be- Jerzunas | 
kehret; denn du biſt mein GOTT. Aeile mich, 
RXErxr, ſo werde ich heil, hilff mir, ſo wird mir ges 
holffen; denn du bist mein Ruhm; Ger. 7. v. 14. 
Ach GOtt iſts, der in uns wuͤrcket beyde das Wol⸗ 

len und Vollbringen, nach ſeinem Wohlgefallen, 
Wenn uns nun GEOtt der HErr alſo durch die Mit⸗ 

tel, als durch ſeine Gnaden⸗Hand aufrichtet, und zur 
Buſſe locket, ſollen wir ſeiner Gnade und dem Geiſt 

nicht widerſtreben, (wie der 95. Pſalm, d; 8. ſpricht: 
Heute, heute, ſo ibr feine Stimme böret, fo ver- 
ſtocket euer Hertz nicht) fondern die Etinde, fp an 


x c 


uns gejtvafet wird, für Sünde erkennen, und GOttes » Non're- 
Gnade, ſo ung angeboten wird, nicht verachten, fo" 
wird GOtt gnaͤdig ſeyn, wie Efa.am 55, v. 7. ſtehet: 
Der Gottloſe bekehre ſich zum HErrn ſo wird er Efa.ss.v.7. 
ſich ſein erbarmen, und zu unſerm GOtt, denn 
bey ihm iſt viel Vergebung. 
Ufo wird die Bekehrung uns zugeſchrieben, obs Belehrung 
wol ein lguter Gnaden⸗Werck GHDttes iſt, weng Wit rer Gnar 
uns nur GOtt Durch feine Gnade laſſen, dem Heiligen den Werd. 
Geiſt nicht muthwillig widerfireben, die Gnade en 
‚nicht verachten und v3 r uns ſtoſſen, Ap. Sefih, 13, Muaeichrie 
v. 46. die Ohren nicht verſtopffen, wie die Juͤden, ben wird. 
Ap. Geſch. 7.0.56, fondern unfese Kraͤnckheit aus dem 

i ap} > 
| | 35 Geſetz 





362 BI. E.9. Was Buſſe thun beiffe, - 


Sees erkennen, und nach dem Evangelio ung heilen 
und mit uns handeln laffen, als ein Medicus mit ci 

nem Datienten. 
Gleichng „Sehet ein Schäflein an, wenn es verlaffen it, und 
— in der Irre laͤufft, und hoͤret von ferne des Hirten 
ein. Stimme, ſo kehret es in Puncto auf dem Irrwege 
wieder um, und laͤufft zuruͤck nach der Stimme des 
Hirten zu. Warum thun wir das auch nicht? Sind 
‚wir denn unverſtaͤndiger, denn das tumme Dich? 
Und zwar der Prophet Eſaias Elaget darüber: Lin 
Ochſe kennet ſeinen Herrn, und ein Eſel die Krippe 
ſeines Herrn; aber en kennet mein nicht, 
Eſa. 1. v. 3. Und der Prophet Jeremias: Wer iſt 
doch, der da fällt, der nicht gern wieder auf- 
finde? Wer iff, der da irre gebet, der nicht - 
Ei wieder zurecht Fame? Kin Storch und die 
chwalbe wifjen die Zeit, wenn fie follen wie- 
derkommen, aber mein Volck wills nicht wiflen, 

EA N 
s)Sed po- Darum follen wir ftets zu GOtt feufffen, Daß er 
send, ia feine Gnaden⸗Hand nicht wolle von uns abziehen, 
daß wir nicht irren; denn die Sünde und der alte 
Adam ftecken ftets in unferm verderbten Sleifch und 
Di bedhf Blut: Derowegen wir ftets GOttes Gnade beduͤrf⸗ 
fen an A fen, Dadurch Die Sünde in uns gedaͤmpffet werde, daß 
Gnadan. ſie nicht herrſche, ja ftündlich, augenblicklich bedürffen 
wir GOttes Gnade, die uns erhalte: Denn Diefelbe 
ift unſerer Seelen Leben, gleichtwie die Seele des Leibes 
eben ift, Und wie unfer Leib nicht einen Augenblick 
der Lufft entbehren Fan: Alfo unfere Seele der Gnaden 
GOttes. 1.Kön. 8.9.57. 58. betet Salomon: Der 
Afrr unfer GOtt fer mit uns, und verlaffe uns 
nicht, und siebe feine Hand nicht von uns ab, zu 
neigen unſer Hertz zu ihm, daß wir wandeln in 
| feinen Wegen. 

e) aa ſiä- ¶ Dieſes tollen wir uns nicht allein insgemein faffen 
sr geſagt ſeyn; fondern ein jeder infonderbeit folls zu Her⸗ 
ande Ken nehmen, und ihm laſſen gefagt feyn. Kin Ihe 
ehe 


€ 


und wie fie geſchehen muͤſſe. 363 


fehe auf fich felbft, und beffere einen, ſo werden wir alle 2. ieder 
gebeffert. Bedencke die teöftliche En und Dei ya | 
Verheiſſung GOttes, Efa. ss.v. 6. Sucher 

ARren, weil er zu finden iſt, vuffer ibn an, 2 

er nahe iſt. Ger, 29.0. 13. Weun ihr mich von Her⸗ 

gen ſuchet, willich mich von euch finden laſſen. 

Es ift aber Das nicht allein Buff, wenn man von 7) 2 
äufferlichen groben Sünden abläffer; fondern in wahrao 
ver Buſſe muß das Aerız geändert, die inwendige Das Hers 
Hoffart, Seiß, Beruf, böfe Affecten gedaͤmpffet wer⸗ Yu mer 
den, denn wenn das Hertz nicht geändert und gebeffert ändere 
wird, ſondern bleibet an⸗ die alte Adamiſche Unart, werden. 
innendige Bosheit, Zorn, Feindſchafft, Rachgier, Luͤ⸗ 
gen, Falſchheit, ꝛc. fo iſts "Feine vechtfehaffene uff 6; 
fordern Heucheley: Damm GOtt will ein neues Herb Hertzens⸗ 
haben, eineneue Creatur in Chriſto "YEfir, 2 „Cr. 5. Duff. 

y. 17. Darum Feiner fo fromm ift, fo heilig, fo rein er 
hat taͤglich an feinem boͤſen Hertzen zu beſſern. er. 6 
7. Wie ein Brunn fein Waſſer quiller, [0 quil- 
let eitre Bosheit. Das ift das erſte, was die Buſſe 
ken und wie wir darzu kommen; wie auch im erſten 
ʒuch deutlich erklaͤret iſt. 

II. Wie ſollen wir uns denn stm Altern be⸗ 
kehren? Don gantzem Hertzen, mit Saften, Wei⸗ au man 
pen und Heulen. Um zeitliche Dinge weinen wir; Herr her 
aber die arme Seele till niemand beweinen, wie Das kehren fol. 
vid im 6. und 38, Pſalm thut. Damit lehret ung 
der Prophet, daß unſere Buffe Feine Heucheley feyn folle, 
fondern fie ſolle von Herzen gehen; denn GOtt ficbet 1. Sanı.ıe, 
Das. Hertz an, er pruͤfet Zergen und Nieren · gif, Das; 
3, 8. Sam. 16.9.7. 7.0.10. | 

Mit Faſten. Dis it cin allgemeines Faſten iejunau- 
des gansen Volcks, welches der Prophet allhier ber d Deffentti 
Bl, da die gantze Gemeine öffen:l ich vor GOtt ſich che Bufle 

emüthiget, Buffe thut, ihre Sünde öffentlich beken⸗ der gantzen 
net, berenet, beweinet darneben füftet, und mit nüchtern © Rene 
gab und Seele GOtt um Vergebung der Stunde, 
und um Abwendung allgemeiner Strafe ir 


364 BE9. Was Buſſe thun heiſſe, 


fet und bittet. Ein ſolch Ademeines Faſten, Buſſe, 
Kuh sarftige Neu und Leid, Glaube, Gebet, Bakänntz 
5, Abbitie it ſehr —— und gewaltig, GOttes 
So und groffe Land⸗Plagen abzuwenden, wie wir 
Buch der leſen i im B. der Richt. 20. v. 26. da die Staͤmme 
Sicher. Iſracl von dem Stamm Benjamin geföblagen 
worden, und verlohren dreyßig taufend Mann, da 
kam alles Doldf zum Hauſe GOttes, weıneten, 
und blieben dafelbft vor dem HErrn, und faſteten 
denfelber Tag bis auf den Abend. Wir haben 
das gewaltige Exempel des Ninivitiſchen Faſtens, 
Dergleichen leſen wir 1, Chron. ı 1.9. ı2. da Die 
Kinder Iſrael von ‚den Phitern gef hlagen, Saul 
und Jonathan umkamen, haben fie fieben Tage 
de? gefaſtet. 

Buß Fa ⸗ Solch Buß⸗Faſten iſt auch in der erſten Kirchen 
ken, gebräuchlich geweſen, da die ganse Gemeine in groffen 
allgemeinen Noͤthen hat Buſſe gethan; nicht mit die⸗ 
fen bloſſen Wercken Vergebung der Sünden zu ver⸗ 
dienen, ſondern mit reuendem nuͤchternen, demuͤthigen 
Hertzen GOtt die allgemeine Strafe abzubitten. 

Und ſolte billig noch erhalten werden. 
Krafft des Est Buß: daſten waͤre unſere rechte Veſtung 
I und Mauer wider den Tuͤrcken und alle unſere Feinde, 
Safiıns, ein groffer S egen in theurer Zeit, eine allgemeine Ark: 
ney in Sterbens⸗ Laͤufften, ein Schug aller unferer Guͤ⸗ 
ter; wie wir von dem heil. Hiob ap, ı.lefen, wie er 
| feine Binder mit Opffer, Gebet und Saften bey 
GOtt verbeten, ſo offt fie Wobl Leben und Pan⸗ 
cket gehalten, ꝛc. und wie er fein Haus mit dem 
Gebet verzäunet und verwahret hatte, daß ihm der 

Teufel Keinen Eingriff thun Eunte, 

Gott fie: Und in den allgemeinen groffen Land⸗Strafen fies 
—— ſih EOtt der Hr um nah ſoichen Leuten, Die 
men ten ſeinen Zorn als eine Mauer aufhalten, Ezech. 22. 
an 2.30, 3,1. Ich ſahe mich um, ich ſuchte unter ihnen, 
v.32 ob fich iemand sur Mauer machte, und wider 
den Riß ſtuͤnde gegen mir fuͤr das Land, daß ichs 


nicht 


und wie fie geſchehen möffe. 6 


nicht verderbte, aber ich fand keinen. Darum 
fehärtete ich meinen Zorn Über fie, und mit dem 
Seuer meines Grimmes machte ichs ein Ände, und 
gabihnen ihren Derdienfkauf ihren Bopff. 


Eine folche Mauer it der Brophet Daniel gewe⸗ 
fen, da er des gansen Volcks Sünde befennet, ꝛc. 

Dan. 9.0.3. Ein ſolch Buß⸗Faſten befchreiber Beſchtei⸗ 
der Prophet Joel allhie, da er ſpricht: Blaſet mit a, 
Poſaunen zu Zion, beiliger eine Kafte, ruffer die nen Fa⸗ 
Bemeine zuſammen ſammlet die Nelteften, hei⸗ 1% 
liget das Volt, bringet zuſammen die jungen 
Rinder und Säuglinge, Der Bräutigam gebe 

aus feiner Rammer, und die Braut aus ihrem 
Bench. Laſſet die Prieſter des HEErrn weis 

nen ad ſagen: Eee, ſchone deines Volcks und 

laß dein Erbe nicht zu Schanden werden, Joel. 2. 

perl. 15.16, 17. 

Solches Zaften foll dem gantzen Volck ein groß vere jejn 
fer Ernft ſeyn, ohn alle Heucheley, denn GOtt will Seyepz. 
die Sünde bekannt haben von tedermann. Er will Buffe uni 
wahre Demuth und Buſſe von uns haben, und daß at 
wir uns mit gantzem Kerken follen zu ihm bekehren. N 
Darum fpricht der Prophet von ſolcher ernſten Buſſe: 
derreiffer eure Hertzen, und nicht eure Kleider, 

Die Juden hatten im Brauch, wenn ſie etwas ſchreck⸗ Wenn die 
liches höreten oder fahen, zerriſſen fie ihre Kleider, und ae 
thatens offt zum Schein, faſteten auch offt zum Schein, riften. 
wie folches der Prophet Eſa. 53. v. 5. ſqq. ſtrafet, da 
er ſpricht: Solte das ein Faſten ſeyn, das ich erweh⸗ 
len ſoll, daß ein Menſch ſeinem Leibe uͤbel thut, 
oder feinen Bopff haͤnget wie ein Schilff, oder 
auf einem Sack und in der Aſchen lieget? Wollet 
ihr das ein Faſten nennen, und einen Tag dem 
HErrn angenehme? Das ifE aber ein Taten, 
Das ich. erweble: Kaß los, welchen du m’ \n- 
Bi verbindeft, laß ledig, welchen du beſchwe⸗ 
reſt; gieb frep , welchen du drängeft; reiß weg 

| URN DENE aller⸗ 


366 B.U. C.9. Was Buſſe thun heiſſe, 


allerley Laſt. Brich dem Hungerigen dein 
Brod. Sieheſt du einen nackend, ſo kleide ihn, 

und eñtzeuch dich nicht von deinem Fleiſch. 
Rechte gr Da hören wir, was das rechte Faſten ſey, nemlich, 
ſien. wenn man von Stunden abläffet, die böfen Küfte des 
Fleiſches Dampffet, Den alten Adam todtet, Liebe, Ges 
dult, Barmberkigkeit übet, und folches alles mit reuen⸗ 
| dem, bußfertigein, jerbrochenem Hertzen. Darum 
2. Corda Der Propt yet allhie ſpricht: Zerreiſſet eure Hertzen: 
ER Denn gleichwie. ein verwundetes Hertz wehe thut, und 
Hernfon groſſe Schmertzen machet: Alſo wehe foll uns unfere 
gerrüfen Sind thun, als wenn das Herb gar zerknirſcht waͤre, 
werden. wie David im 51. Pſalm, d. 19. von dem rechten 
Opffer eines zerſchlagenen, serbröchenen, jer- 
Zerknirſch⸗ knirſchten Hertzens und Geiſtes zeuget, Ein ſolch Hertz 
F De it dem lieben GDtt das angenehinfte Dpffer, Ein folch 
fähig. A ift fähig durch den Glauben der Gnade GOttes, 
des Troſtes des Heiligen Geiftes, des theuren Ver⸗ 
dienfts und Bluts JEſu ChHriſti. Denn gleichwie 
ein harter Felß, der nicht verwundet iſt, der nicht zer⸗ 
ſchlagen und muͤrbe iſt, nicht in ſich trincken kan das 
Del und Waſſer, fo man drauf geußt; wenn aber 
‚der Stein mürbe und jermalmet iſt, ſo durchdringet 
ihn das Oel: Alſo auch durchdeinget das Del der 
Gnaden und des Troftes GDites ein folch mürbes 
und zerſchlagen Hertz auf daß es durch den Glauben 
des Verdienſtes CHriſti theilhafftig werde: Denn 
Matth.9. Die Starcken beduͤrffen des Artztes nicht, ſon⸗ 
v. i2. dern die Krancken. Es darff niemand dencken, 
Salsıv.aa.bab er ChHriſto angeböre, der nicht fein Fleiſch 
| creutziget ſamt den Lüften und Begierden; 
denn ſoll dir CHriſti Blut helffen ſo muſt du es mit 
reuendem, zerſchlagenem, bußfertigem, demuͤthigem, 
glaͤubigem Hertzen aufnehmen, oder du wirſt nimmer⸗ 

mehr deſſelben faͤhig. 

iti. ti. Erinnert ung auch der Prophet der Ur efirs 
—ã chen, die uns zur Buſſe fuͤhren und leiten, und 
—** ſpricht; Bekehret euch zum Were, denn — 
t 


| und wie fie geſchehen muͤſſe. 3667 
GoOtt iſt gnaͤdig, barmhertzig, gedultig, von 


groſſer Güte, und gereuet ibn bald der Strafe. 
In diefem Spruche ftecfet eine herrliche Gradation. 
Ale wolte GOtt der Herrfagen; Iſts zu wenig, gnaͤ⸗ GOttes 
dig feyn,fobinich auch barmhertzig. Iſt diß zů wer umoe ns 
nig,jobinich auch gedultig. ft diß auch zu wenig, sur Bufe. 
fo bin ich aud) von groffer Gute. Iſt diß noch zu 
wenig, ſo gerener mich auch bald der Strafe, 
Das ift, wenn ich fchon angefangen habe zu ftrafen, fo 
iſt noch Seht zur Buffe, mitten in der Strafe. 
1, Sprichter: Unfer GOtt iſt anadig, Pſ. 103. 1.Singula- 
v. 8. Gnaͤdig ſeyn heiffer, fich leicht und bald verznammn © 
fühnen laffen, ſich bald erbitten faffen, den Zorn und Was heiſſe 
Ungnade bald ſincken und fallen faffen, die Sünde ver⸗ BAdbis 
geben und nicht zuͤrnen, nicht handeln mit einemnach " " 
Berdienft und nach der geftvengen Gerechtigkeit. 
Das thut GOtt der HErr alles an uns, und das fol 
uns auch zur Buſſe bewegen: Denn wir haben viel 
ſchoͤne Berheiffungen von GOttes Gnade. 2.93. Mof. 
22.v. 27. Mird der Beleidigte zu mir fchrepen, fo 

werde ich ihn erhoͤren, denn icy bin gnaͤdig. Eſa. 
30. 0.18.19. Er wird die gnaͤdig fepn, wenn du 
ruffeft. Er wird dirantworten, fo bald ers hö- 
renwird, Darum barret der Err, daß er euch Eſazowas. 
gnaͤdig ſey; das ift, der HErr wartet auf euch, 
GOTT it reich von Gnaden; denn es ift bey ihm 
(1) Gratia expedians, eine erwartende Gnade; wennn Rancher⸗ 
wir ung zu ihm befehren, will er uns mit Gnaden ans ip made 
nehmen. (2) ft Gratia preveniens, eine vorlaufzı. Petr. 4, 
fende Gnade. Cito anticipet mifericordis, Erbarz "'% 
me dich unfer bald: Pſal. 79.v. 8. (3) Iſt Gracia 
fufeipiens, eine aufitebmende Onade, Pſalm 32. 
v. 10. Die auf den HErrn hoffen, wird die Büre 
umfaben, (4) Gratia confervans, eine erhaltende 
Gnade; IM. 23.0.6, Gutes und Barmbersige 
Reit werden mir folgen mein Lebelang: Wie im 
vorigen Eapitei mit Exempeln bewiefen. IM. ı 30.0. 7, 
Bey dem HErrn ift die Gnade und eitel N 

} ung 


368 B.1.&,9. Was Buſſe thun beiffe, 


füng bey ihm. Darum laß dic) die holdſelige 
znade GOttes zur Buſſe bewegen. ER HT 
2 SE iR au barmberaig.  Barmbertid 
— ifet, wer einem eines andern Elend zu Herz 
dia, ſeyn Ich, das Hertz ruͤhret, daß es ihm wehe thut: 
Wurheiffet tzen gehet, Ja das Det RR ütterlichen Merz 
bar Wie es geſchicht den N un un) e8 Herz 
. DRS Finder nie allei vo (77% hie 
a a he A 
Kir Ihr Slanb und brechen Hetglich eben, un 
ia (eich Mitleideit mit ihnen haben, daß fie lieber für 
ein ſolch Mitleiden mit Ihnen haben, D flagt: Abfa: 

| ihre Kinder fterben wsolten; wie David klagt: Ab 
en 15 Er a ale ott ich muͤſte fuͤr A: 
ie ie Ott alles an ung gethan. Datz 
Gottes N in für uns gelidten und mit feiz 
var UM — hät er vaͤterlche und mutterliche 
dbernife Mer De iofeit übertroffen, tvie Ca. am 49. d. 1r: 
— ch eine Mutter ihres Kindleins 
mürıentice ſtehet er Solche hersliche Barmhertzigkeit 
Barmher⸗ Ber geilen? neichen Jerein 31. d..20. Iſt nicht 
tzigkeit. wird auch an teurer Sohn, und mein trautes 
De in bricht mir mein Hertz gegen ibn, 
daß ich mich fein erbarmen muß. ‚ed, Mole 
9.31. Dein GOtt if ein barmbergiger Sort er 
FH > dich nicht laffen verderben, noch vergeffen 
—* —— den er den Vaͤtern a 

8 * hand z S \ t Y 

. armhertzig und gnaͤdig 

Der De ker ii en 
ek Gstrafe deaebar ward, 
der Strafe gegeben ward, aus dreyen einezı ER 

—— v.14. Ich will lieber in die Hand ? 
ren fallen; ıc. A ta Did) Doch die en 
rt Ne: —J ! "ich er⸗ 
Barınhergigkeit GOttes zur Buffe bringen ! Ich e 
Barmhertzigkeit Belkin durch die Barmher⸗ 
mahne — — | 
+Eoir 8. — —— 
nn, Gedultig ſeyn heiſſet, fich nicht 
— 5* batb zum Zora bewegen laſſen ae — 
ende DO ) zu guit halten, Zeit zur Buſſe un 2 
Mas heife, Leiden und: Sn 9 Ott reichlich an uns bewies 
| — ** rung geben. Das Liebe ſelbſt, die da langmuͤ⸗ 
m fen: Denn er iſt die Liebe ſel tbig 





‚und wie fie geſchehen muͤſſe. 369 


thig und freundlich iſt, die alles boffer, vertraͤ⸗ 

get und dultet, 1. Corinth. 13. v. 4. wie ein Vater 

und Mutter groffe Gedult mit ihren Kindern haben. 
Daher St. Petrus ſpricht: GOtt bar Gedult mit 

uns, und will nicht, daB iemand ſoll verlobren 
werden, fondern daß fich iedermann zur Bufle 
kehre und lebe, 2. Petr. 3.0.9. Ingleichen v. 18. Die Groſſe Ge⸗ 
Gedult unſers HErrn JIEſu Chrifki achtet für put — 


. 


eure Seligkeit. Mom. 2.0.4. Weift du nicht,daß 
dich die Guͤtigkeit GOttes zur Buſſe leitet? Alſo 
gab GOtt der erſten Welt Zeit hundert und zwantzig 
Jahr, 1. B.Moſ. 6.0.3. Und mie lange hat er ung 
Zeit zur Buſſe gegeben? Daruͤber ihrer viel die 
Gnade GOttes auf Muthwillen ziehen, und auf 
Gnade fündigen, Epiſt Jud. verſ. 4. Aber die 
Strafe kommt darnach deſto ſchneller und haͤuffiger. 
Wenn ihrer ſo viel waͤren, die uns beleidigten, als de⸗ 
rer ſind, die GOtt beleidigen, und kaͤme ietzo einer, bald 
der andere, bald der dritte, und ſo fort; ſo wird kein 
Menſch auf Erden ſo groſſe Gedult haben, daß er nicht 
allein allen vergeben, fondern noch alles Gutes thun 
Eonte, Nun thuts aber GOtt. Sehet, wie geduliig 
muß er feyn? Ach laß dich Doch die hohe Sedult GOt⸗ 
tes zur Buſſe locken! 
4. Don gröffer Güte, Iſt deine Sünde groß, +. Benigni- 


fo ift auch feine Barmhertzigkeit groß, GOtt iſt fü ei rain e 


welentlich und gründlich gut, daß er gern fich ſelbſt merenttich 
allen Menſchen mittheilete, möchten fie ihn nur ergeeifs mitteilen. 
fen und annehmen; Ja er Fan nicht anders denn gü- ! 
tig ſeyn; das ift ſeine Natur, daran hat er feine Freude, 
wieerim Propheten fagt: Es ſoll ihm eine Luſt fepn, Ier. 3. 
daß er uns Gutes thun möge: Seine Barmber- @huh a, 
tigkeit iftf0 groß, als er ſelbſt iſt; das ift, unend- v.2. 
lich, und gehet über alle Menſchen, Sir. 18. 

9.12. eine vaterliche Barmhertzigkeit iſt nicht fo 

‚enge gefpannet, als eines leiblichen Vaters, der fich nur 

über feine eigene Kinder erbarmet; fondern er ift reich im. ıe. 
von Barmherzigkeit über alle,ıc, Seine Gnade? 1a 

11. Theil, Aa reichet, 


370 B.1L.E.9. Was Buſſe thun beifle, | 


am 36. veichet fo weit der Zimmel iſt. Gold) eine hohe, 


s Afflictio⸗ 
nis condo- i 
lenria, 
Wort ſtra⸗ 
ſet nidt 
vs Ver⸗ 


Gerda, 


Die Sünde 
foil man 
Högerenent 
Juffen« 


tieffe Barmhertzigkeit iſt GOttes Barmhertzigkeit, ſo 
hoch der Himmel iſt uͤber der Erden Pf.103.0.11. 
Die Bitte des HErrn ifts, daß wir nicht gar aus 
ſeyn, feine Barmhertzigkeit hat noch Eein Ende, fie 
ist alle Miorgen neu, und feine Treu iſt groß: Klagl. 
3.0.22. Ach laß dich doc) die Freundlichkeit GOttes 
und feine groffe Güte zur Buſſe locken ! 

. Und gereuet ihn bald der Strafe. Das 
: Er ftrafet ungerne; und wenn er ftrafet, fo thut 
pie richt su unferm Berderben, ſondern zu unferer Beſ⸗ 
ferung und Seligkeit, 1.Cor. 11.20.32. Wenn wir 
von SKren gerichtet werden, ſo werden wir ge- 
sichtiget, auf daß wir nicht mit der gottloſen 
Welt verdammet werden, Eſa. 28. d.21. DEus 
facit opus alienum, ut faciat proprium. GOtt thut 
feine Arbeit auf eine andere Weiſe. So gereuete 
ihn bald der Strafe zu Ninive, Jon. 3. v. 10. Das 
iſt ein koͤſtlich Ding, gedultig ſeyn, und auf die 
Huͤlffe des HErrn hoffen. Denn der HErr verſtoͤſ⸗ 
ſet nicht ewiglich, fondern er betrüber wol, und 
erbarmet fich wieder nach feiner groſſen Güte: 
Denn er nicht von Zergen die Menſchen plaget 
und betrübet, Klagl. 3.0.26. 31.fegg. Darum laß 
dich Doch gereuen deine Suͤnde. Go bald dic) die 
Sünde gereuet, und Du im wahren Glauben GOtt 
diefelbe abbitteft,. jo bald geveuet GOtt die Strafe. 


Wie ſagt GOtt der HErr zu Jona, Jon. 4. v. 10.11. 


Jammert dich der Kürbis? Solte mich denn 
nicht jammern der groflen Stadt? So ſchleuſt 
GOtt dr Herr: Du haft ja an dem Kürbis nichts 
gearbeitet, haft nichts daran gewandt; es koſtet dich ia 
nichts, noch jammert er dich: ABas meyneft du, hab 
ich andiegroffe Stadt Irinive gewandt? So viel taus 
fend Menfchen erfchaffen , bishero ernaͤhret, und ſolte 
ſie alſo laſſen untergehen? Solch ein erbarmendes 
Hertz hat GOtt noch, und behälts gegen uns in Ewig⸗ 
Feit, wenn wir nur ein bußfertiges Ders haben, . 


‚und wie fie gefeheben můſſe. 371 


ihm bringen. Darum laß dich das erbarmende Hertz 
GOttes zur Buſſe bewegen. 
ech weiß, mein GOtt, daß du das Hertz pruͤfeſt, und Aufz x. Chron. 
ws richtigfeit ift die angenehm; darum verheele ich dir nich 30. v. 17; 
meine Gedrechen. Dein Wort und mein Gewiſſen überzeuger Offenb. 2. 
mich, daß mir, fo tieff Sefallenem, Buffe und Befehrung zu dir % 5 
nöthig fen ; fo gehet mein verderbteg und berrügliches Herge nit 
lauter TZüncherey uns, als ob du Augen hätteft, wie ein Menſch 1, Sam. ıs. 
hat. Ich bin unter denen, darüber du Flageft: Sie befehren v. 7. 
fich, aber. nicht recht, fondern find mie ein falfcher Bogen, in Pol7-v.16. 
dem fein Nachdruck oder Krafft iſt, wann er £reffen foll,und man 
fein bedarf. Sch bin gleich denen thoͤrichten Pharifäern, die Euc. ıı. 
da mennen, daß eg inwendig rein ſey, wanns auswendig rein 40. 
if. Diß mein Elend fisheft und erfenneft du, o Herr. Deine Offenb. 2; 
Augen find wie Senerflammen. Du, 6 Hertzenskuͤndiger, reift 9 18. 
aber auch, daß ich diefeg meines Verderbens gerne los wäre. 
Ach fo nimm mic, in deine Hand, du barmhergiger, gekreuer, 
allmächtiger Art; Heile du mich von Grund aus, daß ich heil Ger. ı7, 
werde, Ich lege mich, wie dein Thon, zu deinen, meineg " 14 
Schöpffers und Topffers, Fuͤſſen: arbeite und bereite du mich 
nach deinem Kath, und wie es dirgefällt, foich nur werde ein Jef. 64; 
Gefäß der Gnaden. Um aller deiner Barmhertzigkeit willen, %- 8. 
o HErr, bitte ic) dich, Laß mich nicht feyn wie ein ubertünchteg aRartt. 2, 
Grab, das auswendig huͤbſch fcheinet, aber inwendig iſts vole "7 
ler Todten-Beine und Unflatye. Was würde es mir helffen, 
wann mein verführifch Hers und alle Welt mich heilig und 
fromm achtete, und du Richter der Hergen und Gedancken fuͤn⸗ 
deft die Sache anders? Darum treibe du aus.dem Grunde 
meines Hertzens alles, wag dir darinnen mißfaͤllig. Bekehre Ier.31.0.18. \. 
du mich, fo werde ich bekehret, hilff du mir, fo iſt mic geholf-Lap. 17. 
fen, denn du bift mein GOTT und mein Ruhm. Gieb du hechih 
- mir Krafft nach dem Neichthum deiner Herrlichkeit, vech&n,g. f 
ſchaffene rüchte der Buffe zu bringen, wie in CHriſto JEſu Ephef. 4, 
nicht ein fihein- heuchel⸗ tunch: fondern rechrfchaffenes Wer v. 21, 

fen ift; durch denfelben EHriftum IJEſum, deinen 
F Sohn, Zul HERRN! 
| men, 


a) 0 


8 
2 


— 


Y2 Das 


372 B.I.C.ı0. Yon vier — — 


Das X. Capitel. 


Von vier Eigenſchafften der 
wahren Buſſe. 
tn 102. d.10,f99. Ich eſſe Afche wie Brod, 
und miſche meinen Tranck mit Weinen, für 
‚deinem Dräuen und Zorn, daß du mich auf- 
gebaben und zu Boden geftoflenbaft. Mei⸗ 
ne Tage find dabin, wie ein Schatten, und 
ich verdörre, wie Gras. Du aber, HErr, 
a ewiglich, und dein Gedaͤchtniß fuͤr 
nd für, 


Jerinn werden ung vier eigenſchafften der 
wahren Buſſe vorgehalten, Die wir auch 
uͤben muͤſſen. Die erſte Eigenſchafft der 
—* i wahren Buſſe iſt/ daß ſich ein bußfertiges Hers aller 
der wahren Wohlthaten GOttes unwuͤrdig achtet. Davon ſagt 
ee der Palm: Ich eſſe Aſchen wie Brod, und fer 

nis feiner fehe meinen Erand mit Weinen. Das tft: 
— iſt mir alle Luſt und Freude vergangen; ich achte 
unwuͤrdig, einen niedlichen Biſſen zu effen: Da fich 
andere Leute erquicken mit nieblicyer Speiſe, ſchmeckt 
mirs tie Afche. Solche Unwuͤrdigkeit leget der HErr 
2u..9.0.23. CHriſtus alfo aus: Wer mein Juͤnger fopn will, 
| der verleugne fich felbft, und nebme fein Creutz 
Luc. 14: auf fich, und folge mir nach. Ingleichen: So ie= 
».26 mand zu mir kommt, und baffer nicht fich felbft, 
ja fein eigen Beben, der fan nicht mein Junger 
‚fepn. In diefem Sprüchlein befchreibet der HErr, 
wie ein wahrer Chriſt feine Unwuͤrdigkeit erkennen foll 

| in drey Dingen: 

Sich ſelbſt 1. Sich felbft verleugnen. Dasift, abfterben 
verleugnen. (einem eigenen Willen, feiner eigenen Kiebe, feiner eiges 
„nen Ehre, und ſich aller Wohlthaten GOttes, fo einem 
’ Prenfehen wiederfahren moͤgen, nicht werth achten; fich 
zu gering achten aller Barmhertzigkeit BÖttes, 
1, B. Moſ. 32. v. 10. Sich nicht allein — 
en 














m: 




















































































































































































































































































































ANNETTE 


MMIEaRORN ILMINMNN 


„. UNNA — ⏑⏑ — IIIF 


























Das Andere Buch, CapıX. pag. 372 
Hier find Zwiebeln, deren eine von einer — angegriffen 
wird. Womit wird abgebildet, daß, wenn manzwiebeln angreif⸗ 
fet, ſchaͤlet und ſchneidet, ſolches nicht ohne Thraͤnen geſchehen 
fan,indem dem Menſchen der fie ſchaͤlet oder ſchneidet, dabey al⸗ 
lezeit die Augen mit Thraͤnen überlauffen: Alſo iſt es auch be» 
wandt mit einem bußſertigen Menſchen, welchem GOtt feine 
Suͤnde unter Augen ſtellet, daß er dabey GOttes ſchweren 
Zorn, welchen er mit ſeinen Suͤnden verdienet, erlennet und 
ſchmertzlich empfindet, und dadurch bewogen wird, Buß⸗Thraͤ⸗ 
nen zu vergieſſen, und bitterlich zu weinen, gleichwie ſolches an 
dem bußfertigen Petro, Maria Magdalena, und andern Suͤn⸗ 
dern zu fehen. 
8082 200,67.62, 
Der Err wandte fich, und [abe Petrum an; und 
er gieng hinaus, und weinet bitterlich, 


GER Hertz, das GOttes Zorn⸗Hand drückt, 
Zerreiſſet und zerquetſcht mit ihrem Draͤuen, 
Vermag die gantze Welt nicht zu erfreuen; 
| Was andr ergoͤtzet und erquickt, 
Das iſt ihm Gall und Pein: —— 
Hingegen iſt ſein Tranck ein groſſes Magß voll Zaͤhren, 
Die feiner Augen Brünn ihm für und fuͤr gewaͤhren, 
Und Thraͤnen⸗Brod muß feine Speife feyn. 
Wer dieſe Bitterkeit, 
Wer dieſe Höllen-Angft noch nie geſchmecket, 
Der iſt von wahrer Reu noch allzuweit, 
Und kennt den Greuel nicht, der in ihm ſtecket: 
Denn wie Fan der ſein Inn res ſehn, 
Und den vergifften Wurm, den er im Hertzen heget, 
Den GOttes Wort und Geiſt noch niezerleget 
Und engetaft, daß ibn die Augen übergebn? 
O mercket dis, und prüfet eu, 
Die ihr im Wort der Gnaͤden wühlet, 
Ob ihr den Stacheldes Geſetzes gleich 
Noch nie bis auf das Blut gefuͤhlet. 
Bemuͤhet euch zuerſt dahin, daß eure Seele 
Zumalmet und zerknirſchet ſey: 
Alsdenn, (und ehe nicht) iſt dieſes Freuden⸗-Oele 
Ihr eine theure Cur und Lebens⸗Artzeney. 


der wahren Buſſe. 373 


mm ET. — — ———— Tag — FR 
ſchen erniedrigen, ſondern unter alle Creaturen; wie 

der HERR ſagt: Ich bin ein Wurm und kein 
Menſch: Dal. 22.0. 7. Das heift, ſich ſelbſt vers 
fengnen; das it, für nichts achten. 

2, Sich felbft haſſen. Das ift, alles, was dem Sich ſelbſt 
Fleifch fanfft thut, und was dag Fleiſch will, als Ehre, daffen- 
Wolluſt, Rachgier, Zorn, Gets, und was folch fleifch» 

lich Ding mehr ift, an. ihm jelbft ftrafen, das Fleiſch 
creusigen, famt den Lüften” und “Begierden, und dafe 
felbe alles für Teufels⸗Werck und Schlangen⸗-Saa⸗ 
‚men. an ihm felbft achten und halten, und fich ſelbſt ans 
Elagen als einen Holen Brand, und des ewigen To⸗ 
des. würdigen. —* 

3. Sein Creutz auf ſich nehmen, und dem SeinEreug 
Errn nachfolgen. Das ijt,ohne alle Widerrede zul hd 
‚und Unmuth, in der Etille, allerley Truͤbſal williglih 
auf fich nehmen, ſich nicht allein alles Leidens wert)  , 
achten, fondern immer gedencfen, men habe viel ein 
gröffers verdiene, und darum fein Creutz tragen in 
filentio & fpe, im ftill feyn und hoffen, Eſa. 30.0: 15. 
wieder HErr CHriſtus. Das heift ihm gefolget. 

Aus dieſem allen ift zu fehen, daß ein recht demüthig Ein Chrit 
und bußfertig Hertz fich aller Wohlthaten GOttes uns nicprs pe 
würdig achtet, auch nicht wurdig eines Biſſen Brods. dig, als als 
oder einer niedlichen Speife oder Labetruncks. Wie Kin ner 
denn der HErr CHriſtus am Ereug in feinem groffen 5 
Durft den bittern und vermyrrheten Eßig eingenoms 
men, und nichts darwider gefaget, ale allein: Es iſt 
vollbracht, Joh. 19.b. 29. 30. Daher iftsnun kommen, Job. 19. 

daß die im Alten Teftament, wenn fie Buffe gethan, garum 
haben fie fich nicht werth geachtet einer Gutthat, ſon⸗ man im A. 
dern haben Säcke angerban über die bloffe Haut, Ciae 
haben fich in die Aſche geſetzt, trocken Brod geffen, und fh is 
daffelbe in die Afche gelegt, und alfo geſſen; als die die Acht 
nicht werth waren, rein Brod zu effen, und. einen laus a 
tern Trance zu trincken, Ken haben die Thranen, fo 
fie unter dem Effen und Trincken vergoffen, mit eins 
gegeffen und getrundden, | | 
An 3 Die 


374 B. I. C. ro. Von vier Eigenſchafften 


Der Die Urfach aber, warum fie fich ſo unwerth geach⸗ 
eu. tet, if, Daß fie erkannt haben, daß fie mit ihren Suͤn⸗ 
Side al den den ewigen Fluch und Die Holle verdienet, und fich 
hl dadurch verluftig gemacht aller Gnaden und Barm⸗ 
EHdttes hertzigkeit GOttes an Leib und Seele; alfo daß fie 
er auch der allergeringften Wohlthaten GOttes nicht 
0.” werth feyn. Das ift bedeutet durch‘ den Miepbibo- 
ferb, den Sohn Jonathans. Als David ins Regis 
ment Fam, ließ er fragen im Sande: Ob iemand vom 
Gefchlechte Jonathan noch übrig ware,daß er Barm⸗ 
hersigeit an ihm thäte, darum, daß Jonathan fein 
liebſter Freund gewefen, und ihn errettet aus der Hand 
feines Daters Saul? Da ward gefunden ein ar 
mer lahmer Mann, mit Namen Mephiboſeth; zu dem 
ſprach Dovid; Dur folr täglich an meinem Tifcye 
eſſen um deines Daters Jonathan willen. Da 
Mephibo: antivortete ev: Wer bin ich? Bin todter Aund, 
Sl der daß ich über des Boͤnigs Tifche eſſen folle. Das 
Bußſerni⸗ iſt ein Bild aller demüthigen, bußfertigen Hertzen, die 
s ‚Sich nicht wert) achten der IBohlthaten GOttes. So 
möchten wir auch wohl fagen zu GOtt den HErrn, 
wenn er ung mit feinen Wohlthaten fattiget an feinem 
Tiſch, und im Heiligen Abendmahl mit feinem Leib 

und Blut ſpeiſet und traͤncket. 
Lue.iz.vn3. Desgleichen leſen wir vom verlohrnen Sohn, 
da er Buſſe that, achtet ex ſich nicht werth, daß er ſei⸗ 
nes Waters Sohn beiffen folte, fondern wolte gern ein ; 
— Knecht und Tageloͤhner feyn feines Vaters Alſo 
mürdiger Das Cananaͤiſche Weiblein wolte gern ein Huͤndlein 
von Her⸗ ſeyn, und die Broſamen eſſen, ſo die Kinder fallen 
* laffen, Matth. 15. v. 27. Petrus ſpricht: HErr, gebe 
von mir hinaus, ich bin ein ſuͤndiger Menſch: 
nicht werth, Daß du bey mir geheftoder ftcheft. Luc. 5. v. 8. 
. DerHauptmann zu Capernaum: Arr, ich bin nicht 
wertb, daß dur unter mein Dach gebeft, Mattb. 8. 
dv. 8. St. Paulus faget, er babe fein Keben nicht 
ſo lieb, daß ers mit Sceuden vollenden fölte: 
Apoſt. Geſch. 20. v. 24. Er achtet fich ſelbſt nicht ſo 
wertb, 


der wahren Buſſe. 375 


nn N 0 m nn 
werth, daß er ein Apoſtel beiffe: 1. Eor. 15.0.9. 
Alfo der Du David achtet ſich nicht ſo werth, dab er 
Brod effe, fondern fprach: ich effe Aſche wie Brod, fo Pat ro: 
— achte ich mich nicht werth einer Gutthat. Wenn un 
Chriſt ein folch Hertz hat, ſo iſts recht, fo iſts zerbrochen 
und jerſchlagen, und ein lebendig Opffer GOttes. 
Die andere Eigenſchafft ift, daß der Buffer =. , 
gen hoͤchſter Schmers und Traurigkeit ift, daß fe en kn 
GOtt erzuͤrnet und beleidiget haben. Davon ſagt— (ai der 
David: Vor deinem Zorn und Dräuen, daß du Di ie 
mich aufgebaben, und zu Boden geftoffen haſt. yeu um 
Das it: es thut mir allmein Unglück und Schmertz —— 
fo wehe nicht, als daß ich Dich, fo einen herrlichen, ug BEE 
heiligen und gerechten GOtt ergürnet, oder wider De Bon —* 
gehandelt habe. 
Weil GDtt eitel Liebe, Gnade, Gerechtigeit,"" 
„ Gütigkeit und Barınhersigkeit, ja alle Tugend: ift, 
fo beleidiget man mit einer jeden Sünde GOtt. Be — 
Als mit Ungerechtigkeit beleidiget man GOttes Ger Sim: 
sechtigkeit, denn, GOtt iſt die Gerechtigkeit felbft.mir SO 
Mit Fügen; denn Gtt ift die Wahrheit ſelbſt. Mir deleidizen 
Haß; denn GHDtt ift Die Liebe felbft. GOtt iſt das 
höchfte ewige Gut aller Tugend, und die höchite Kiebe: 
Nun iſts ja eine groffe teufelifche "Bosheit, Denfelben 
beleidigen, der Die höchfte Liebe, ja Die Liebe ſelbſt ift. 
Wenn uns GOtt ie etwas zu Leide gethan hätte, ſo 
wäre es fo. aroß Wunder nicht, daß wir ihn haffeten, 
und ——— Nun giebt er uns ie alles Gu⸗ Hohe 
tes, Leib und Leben, ſpeiſet und kleidet uns, giebt uns — 
Artzney, wenn wir kranck ſeyn, vergiebt uns unfere tes. 
Suͤnde, fo offt wir feuffzen, und iſt bereit allezeit ung 
aufzunehmen, wenn wir uns bekehren; hat uns ſeinen 
lieben Sohn geſchencket, und den Heiligen Geiſt, und 
giebt ſich felbft ung zu eigen; iſt unfer Vater, und 
nimmt uns gu Kindern an: Dennoch erzuͤrnen wir 
ihn, widerſtreben ihm, und haſſen ihn. Waͤre das 
nicht eine groſſe Bosheit, wenn du den toͤdteteſt, der dir 
das Leben RN; wenn du anf fchlügeft; der Dich in ſei⸗ 
4 nen 


376 Bin. C.10. Von vier Eigenſchafften 


nen Armen truͤge, und in ſeinem Schooß hielte? wenn 
du den verachteteſt, von dem du alle deine Ehre haͤtteſt? 
wenn du den verleugneteft, der Dich fur fein Kind auf⸗ 
genommen hätte? Siehe, das thuft du GOtt deinem 
Srhfete Vater ſelbſt. Siehe, welch ein heiliger und gerechter 
ande GOtt ift der, den du beleidigeft, welchen alle Engel 
danckbar · GOttes anbeten, fid) fur ihm fürchten, ilym das San- 
, — Aus fingen, Eſa. 6.v. 3. Und du biſt Erde und Aſche, 
„and beleidigeft ihn. Wenn daffelbe ein bußferriges 
Herb bedencket, fo wird in ihm gewuͤrcket eine ſehr 
Finde geoffe Traurigkeit und fchmerkliche Reue, die ſo wehe 
Bunt und thut, als die tieffite Wunde, und macht eine fehr groſſe 
reden. Furcht für GOttes Gerechtigkeit, und Gerichte, die 
dem Menfchen fehr fehrecflich draͤuet, inwendig und 
auswendig; inwendig im Gewiſſen, auswendig 
durch zeitliche Plagen. Dafür hat der Menſch nicht 
Friede noch Ruhe, wie Hiob Elaget, und vergehet ihm 
allle Freude, fo in der Welt ift, daß er weder eflen nod) 
38. 8 3 trincken kan. Wiefolches Draͤuen im 38.2 Malm, v. 3. 
befchrieben ift: deine Pfeile ſtecken in mir, und deine 
>) yo Hand drucker mich, Gleich als wie eine Wunde, 
Urtheil bep darinn ein Pfeil ftecket, fehr wehe thut, der Schmertz 
ſich ſelbſt. auch fo lange zunimmt, fo lange der Pfeil darinn ſte⸗ 
cket: Alſo, ſo lange die Furcht im Gewiſſen ſtecket, iſt da 
keine Ruhe, ſondern eitel Draͤuen. Und dis Draͤuen 
Lebendiger iſt nichts anders, denn das lebendige Urtheil der Ge⸗ 
Bee der rechtigkeit GOttes in unſerm Gewiſſen und eine groſſe 
Strafe. Furcht der Verſtoſſung in die Hoͤlle. Darum ſpricht 
| Dalm 2” David: Daß du mich aufgehaben und zu Boden 
geſtoſſen haft. Gleich als wenn einer von einem ho⸗ 
hen Drt in eine groffe Tieffe fiele, und fo zerquetſchet 
wurde, daß er Fein gantz Glied behielte. 
a bir Dennoch aber ift in diefem groffen Drauen und 
Keane, Schreien GOttes noch ein Troft, denn der Prophet - 
und Pfeile fpricht: Es iſt GOttes Draͤuen, Schreden und 
KM Pfeile. Der EHtt, der das-Herg verwundet mit 
feinen Pfeilen, der wirds auch heilen; der da todtet, 
der wird auch lebendig machen, Re zu 
6 oden 


der wahren Buſſe. 377 


Boden ſtoͤßt, und in die Hoͤlle führer, der fan auch 
wieder beraus führen, Pſalm 146. v. 8. 1. Buch 
. Sam. 2. v. 6. | 

Wenn nun das ein bußfertiges Hertz an ihm. bes 
findet, daß ihm nichts fo ſchmettzlich wehe thut, ale 
daß es GOtt, das hoͤchſte Gut und die hoͤchſte Liebe, 
erzuͤrnet habe, fo ifts recht mit ihm. So that David: 

An die allein habe ich gefindiger. Ach (will ev Palm sr. 
fagen) wenn ich Dich. nur nicht beleidiget hätte! So" 
‚that Daniel: Dir bift gerecht, wir aber muͤſſen Dan. 9. 
uns ſchaͤmen; daß wir nemlich fo einen gerechten" 7- 
GoOtt beleidiget haben. 

Die dritte Eigenſchafft iſt, daß David fpricht: _, 3. 
Meine Tage find dahin wie ein Schatten, und dnitte 
ich verdorre wie Gras. Das ift: ein bußfertiges fharft der 
Hertz verzaget an allen feinen Kräfften, und weiß, daß ya M 
es jo wenig Krafft hat, als ein Schatte, und fo wenig Fannınig 
Gaffts,als ein duͤrres Gras. So ſtehet auch im 39. —* 
Pſalm, v. 6.7. Siebe, meine Tage find einer Hand —2 — 
breit bey dir, und mein Leben iſt wie nichts vor gene. 
dir, Wie ger nichts find alle Mienfchen, die 
doch ſo ficher leben! Sie geben: daher, wie ein 
Schemen, ic. 

O wie iſt das fo eine groffe Weisheit, wenn ein —— 
Menſch fein eigen Nichts erkennet Der Menſch iſt nis som 
nichts, gleichwie ein Schatten nichts iſt; denn ein Schatten. 
Schatten ift ein leblos, todtes, ohnmaͤchtig Ding, 
das keinen Leib, Leben, noch Bewegung von ihm felbft 
bat, und vergehet, wenn die Sonne hinweg ift: Alſo 
auch der Menfch, wenn GOtt das Ficht des Lebens 
entzeucht. Und iſt dis ein Wunder; ie näber die Wennber 
Sonne, ie Bleiner der Schatten; Alſo, ie näher Ban 
GOtt mit feinen Gaben, ie Heiner ein frommer gotts⸗ ven groß 
fürchtiger Menſch ift in feinen Augen, und vor der ig ein 
Welt. - Und ie weiter die Sonne von uns;ie gröfz . 
fer Schatten: Alſo, ie weiter dee Menfch von GOtt 
iſt, ie groffer ev wird in feinem Hertzen und innerlicher 
Hoffart. Und hinwieder, ie geöffer der Menſch iſt in 

Aa s feinem 


% 


378 B.U.E.10,. Don vier Bigenfchafften 


feinem Hertzen, ie weiter er von GOtt iſt. Und gleich- 
wie die groffen Schatten gegen den Abend bald ver- 
gehen und verſchwinden: Alſo, die groß und hoch find 
in ihrem Hertzen, vergehen auch bald. Denn der 
Schatten muß darum verfchwinden, dieweil ihm die 
Sonne entgehet: Alfo, wenn der Schatten Menih 
groß wird in feinem Hersen, fo entgehet ihm die Gott: 
liche Sonne, fp muß er vergehen. Wie aud) der 
Schatten von ihm felöft Eein Keben bat, fondern hat 
feine Bewegung von der Sonnen, und gehet mit ders 
jelben: Alſo ift ver Menfch von ihm felber nichts, fon» 
dern todt und leblos. EOtt ift feine Bewegung und 
Leben. Gleich als man fiehet einen groffen Baum, 
der wirfft von fid) einen groffen Schatten; der Schat- 
ten lebet und beiveget ſich von ihm felbft nicht, ſondern 
wenn fich der Baum reget, fo reget fich der Schatten 
auch: Alfo der Menſch lebet und weber in GOtt: 
Ap. Geſch. 17. v. 28. Im Tode erfahren wirs, daß 
Pfalmzos, unfere Tage dabin find wie ein Schatten, und 
vı» wie wie Öras verdörren,iwelches der Tod mit Der 
| Eichel und Senſe abgehauen; IM. 39. v. 6. Pſ. 90. 
| WB 1 
Ein Chriſt Wenn nun der Menfch dis alles gründlich in ſei⸗ 
Eu dengen nem Hertzen empfindet duch wahre Demuth, daß er 
Iernen, daß nichts ift, und einem todten Schatten gleich, fo ift fein 
hie, Hertz recht vor, GOtt, und richtig in der Buſſe: Denn 
"wie wir natürlich und. leiblich ferben muͤſſen; Alſo 
müffen wie auch geiftlich täglich fterben, auf daß wir 
einmal wohl fterben lernen: Denn was man flets 
Re — am —— der Boſe ades 
„ke ie vierdte Eigen £ der Buſſe iſt Die Ver⸗ 
Eile einigung mit GOTT; wie der Palm bier fpricht: 
fhaftt der Du aber bleibeft ewiglich, und dein Gedaͤchtniß 
ee Für undfür, Als wolte er fprechen: Ob ich gleich bin 
enhangen. wie ein Schatte, und verdorre wie Gras bier zeitlich; 
ar 102. ſo weiß ich doch, daß ich in Dir ewig bleiben werde, wie 
‘ du ewig bift. Gleichwie Der Menſch durch die 
Suͤnde von GOtt geſchieden wird: Alſo wird er nn 
| wahre 





Mi der wahren Bufe. 379 


wahre Belehrung „wieder mit GOTT vereiniger. 
Gleichwie Die Perfon EHrifti nicht kan getrennet wer⸗ Wie die 
den, fondern die ewige Gottheit hat Diemenfchliche Na— LEN: 
tur in EHrifto ihr alſo vereiniget Durch ein unauflösliches vereiniger 
Band, daß auch der Tod dieſe Vereinigung nicht ran 
bat trennen koͤnnen; und alfo bfeibet die menfchliche 
Natur EHE ewig Mit der Gottheit vereiniger, und 

mit GOttes Herrlichkeit erfüllet: Alfo werden in der 
Bekehrung zu GOtt, durch den Glauben und herkli- 

ches Vertrauen, die glaubigen Seelen alfo mit GOtt 
vereiniget, Daß fie weder Heben noch Tod febeiden Kim. x. 
‚ Ban; Denn die dem AKren anbangen, die werden "3% 
ein Geiſt mit ibm: 1.€0r, 6.0.17. Und GOtt bat 
ſich in Ewigkeit mit uns verlober. Sof. 2.0.19. 

Ja Cehriſtus JEſus unfer HErr iſt unſer einiger Zeuge, 

und unfer Buch Des Lebens, darinn wir ſehen und ler⸗ 

nen, daß, wie ſeine menſchliche Natur ewig mit GOtt 
vereiniget iſt; Alſo auch alle Glaͤubigen. Gleichwie 

nun GOtt und CHriſtus ewig iſt, ſo werden auch feine 
Verheiſſungen ewig feyn, durch welche er mit ung eis 

nen ewigen Gnaden-Bund gemacht hatz Pf. 114. 

v. 5. Der wird nicht aufhören, wenn ung gleich die 

Welt verläft, Sunde, Tod, Teufel und Halle plagen, 

ja wenn uns gleich unfer Leib und Seele ver- 
ſchmachtet, fo ift doch GOTT unfers Aergens 
‚Croft und unfer Theil; Pſ. 73.0.26, 


Gebet. 


Du groſſer und erhabener GDrt, der dur die Ewigleit bewoh⸗ Eſa.57 
7 neft, und bift bey denen, die zerfchlagenesund demuͤthiges 17. 
Geiftes find, auf daß du erquickeft den Geift der Gedemuͤthigten, 
und das Her der Zerfihlagenen: Du haft denen ficheren und 
verhärteten Hertzen keine Gnade zugefaget, hingegen verheiffen 
nahe zu feyn denen, die zerbrochenes Hertzens find, und zu helffen falıt 34 
denen, die zufihlagene Gemüther haben. Ach HErr, mein GDtt, y. 19. 
fündigen Fan ich wol, und ungefchenet dich beleidigen; aber die 2, Eor, 7. 
recht Göttliche Traurigkeit über begangene Sünde, die da wuͤr⸗ v. 10, 
cket eine Reue zur Seligkeit, finde ich in mie nicht. Gieb mir denn, 
o mein GOtt ein folch zerſchlagenes Hertz, welches dir ein 
wohlgefaͤlliges Opffer ift, und laß, wag an meiner Zerfnirfehung Bf gu. bah 
man⸗ 





380 B.I.E.rr, Diegrucht der wahren Bekehrung 


Eſa. 53. 6-5. mangelt,erfetget werdeit aus der Fülle def,der um meiner Suͤnde 
Mm 3. willen zufchiagen if. Gieb mir recht zu betrachten den Abs 
v2. grund deinerkicbe, auf daß dadurch meine Undanckbarkeit ae» 
gen dir beſchaͤmet werde. Offt beriene ich mich meiner 
Schwarhheit und Untüchtigfeit zum Deckel meiner Bosheit; 
Du aber, o getreuer Vater, gieb mir, daß ich recht erfenne, mie 
ſchwach und Erafftlog ich in mir felber bin, doch unter dem Vor⸗ 
wand nicht weiter von dir weiche, und mein Eiend vergroffere, 
Yalm.zı. ſondern glaubige Zufiuchtnehme zu dir, dem GOit der Krafft. 
‚9 24 Und fey du denn meine Krafft, mern Heyl, meine Nülffe, recht⸗ 
— 3. ſchaffene Früchte der Buſſe zu bringen, durch EArifum JE⸗ 
Nr fun unfern HErrn. Amen. h 


Das K.Capite. 00. 


Die Frucht der wahren Bekehrung ift 
die neue Creatur, und was ein Ehrift ſey nach 
dem Glauben, nemlich ein Herr über alles: Und was 
er fey nach der Liebe, nemlich ein Knecht unter 
allen: Und wie EHriftt Leben unfer 
Spiegel fey. 
2. Cor. 5.0.17. Iſt jemand in Coriſto, der iſt 
„eine neue Creatur, 


beihe —— Lle, die in Chriſto ſeyn durch den Glauben, 

neue Crea⸗ die ſind neue Creaturen; das iſt, ſie ſind 

tur feon. Kinder GOttes, find gerecht vor GOtt, ha⸗ 

ben Vergebung der Stunden, haben den Heiligen 

Seift, find der Göttlichen Natur tbeilbafftig: 

Freyheit 2. Petr. 1. v. 4. find Erben des ewigen Lebens, find 

ber Erb frey im Gewiſſen vom Geſetz, Fluch, Tod, Teufel, 

Hoͤlle und Verdammniß, find an, Feine Zeit, Ort, Ges 

feg gebunden; Denn fieempfangen alles von EHrifto 

aus Snaden, lauter umfonft durch den Glauben, 

was zur Seligkeit gehöret,. daran fie weder Zeit nod) 

| Det, weder Geſetz noch Gebot, oder Ceremonien bins 

Sshre Bol dern. Sie find in CHriſto vollkommen, dieweil fie in 

gie ihm haben die Erfüllung des Geſetzes durch den Glau⸗ 
ben, Rom. ro. 0.4. ; 

Ehrifien Darum ein gläubiger Chrift fern, iſt ein bo-= 


Name if S — Ye e 
elle, ber Name uber alle Namen in der Welt, * 


ift die. neue Creatur. 381 


EEE ET — — 
über alle Stände und Aemter, über alle Zeit, Ort, Ge⸗ und unter 
ſetz, und über die gange belt, Wiederum aber ein rem, 
wahrer Christ ſeyn im Leben, it der allerniedrig- it. 
fie Name unter allen Namen in der Welt. So hoch 
nun der Glaube einen Chriſten über alles erböber, fo | 
tieff erniedriget die Liebe einen Ehriften unter alles; Philipp.ꝛ. 
weiches du fein verftehen Eanft, wenn du das heilige &piegeider 
Leben EHrifti betrachteft, welches iſt ein heller Spie⸗ gebens 

el * Liebe und aller Tugend im vollkommenen "7 

1 AN ir | 
Siehe, rote ift CHriſtus unfer aller Knecht und Die⸗ Epritizu- 
ner worden, wie demuͤthiges Hertzens, twoie ſanfft- benden. 

muͤthiges Geiſtes, wie freundlich in Worten, hold⸗ 
ſelig in Geberden, wie barmhertzig gegen die Ars. - 
men, mitleidig gegen die Klenden, wie gedultig ges 
gen die Käjterer , wie gelinde in feiner Antwort, wie 
gnaͤdig gegen die Sunder! Wie hat er fo ger nie 
mand verachtet noch verſchmaͤhet! Wie hat er fich an 

niemand gerochen! Wie hat er aller Menſchen Se⸗ 

ligkeit ſo hertzlich geſuchet! Wie hat er fuͤr ſeine 
Feinde gebeten! Luc. 23. v. 34. Wie hat er unfer aller 
Sünde, Kranckheit, Schmertzen, Schmach, Schläge, 
Strafe getragen! Und iſt alſo ein vollkommen Er; LHtigtLe 
empel der Liebe, der Demuth, der Gedult und aller Kine” 
Qugenden, welches wir immer anfchauen falten in uns ferdenn al⸗ 
ſerm Hergen; fonderlich wenn wir.allein jeyn: Denn En. 
daſſelbe ift beſſer denn alle Kunft und Weisheit diefer v- 6. 
Del. Darum wir diß Siegel der Liebe EHrifti in 
unſer Hertz drucken füllen, nemlich- fein Bild, fein 

Leben, feine Liebe, feine Demuth, feine Gedult, fein 

Sreus, feine Schmad), feinen Tod: Das wird ein 
Richt in unferm Hertzen feyn, Dadurch wir werden er⸗ 
neuert und in fein Bild-verkläret werden. Wie nun 
EHriftus unter allen Menfchen, ja unter allen Crea⸗ 

turen gewefen ift im Standefeiner Niedrigkeit in diefer 
Melt; im Stande aber feiner Herrlichkeit ein HErr Wie ein 
über alles: Alfo ift auch ein Thriſt nach feinem rl au 

Glauben ein Herr über alles, nichts ausgenommen, als. 

| denn 


— 


382 B.U.E.ı2, Wie Chriſtus der rechte Weg 
denn GOtt ſelbſt; nach feinem Leben aber ift er unter 
allen Dingen. g/ | 


‚Geber. 


| Err, du wahrhafftiger GOLE, der dulebeft von Einigkeit zu 
Dffenb, 1. Emigfeit, und haft als ein Sieges-Herr die Schlüffel der 
v. is . uͤberwundenen Hoͤllen und befiegten Todes; der du verheiffeft 
Dffeub.er. alles neuzu machen: Vor dir beflage ich,daß mein Hertz im⸗ 
u5 mer bleibet das alte, ungläubige, zur Erden geneigte und von 
bir abgewandte Herß. Wann folldenn, odu getreuer Heyland, 
0 biefe Berheiffung auch an mir erfüllet werden? So lange diß 
Pſal. 130. Herb noch das alte bleibet, ift noch nicht alles neu. So verſchmaͤ⸗ 
BE be doch nicht das Seuffzen eines aug der Tieffe des Elendes zu 
Eirch. 36. Bir ruffenden Suͤnders. Gieb mir ein neu Herg, und einen 
Hebr.za, neuen Geift, und nimm das ſteinerne Her& aus meinem F'eifche 
v.2. weg. Erhebe meine Augen von der Erden, daß fie ftets fehen 
».Corss. mogen, o JEfu, auf dich, den Anfanger und Vollender des 
v.2r. Glaͤubens, und ich erkenne die Gerechtigkeit und Vollkommen⸗ 
e 3b. 3. heit, die vortreffliche Herrlichkeit, die ich in dir habe, und wie ich 
Epbef,a. In dir, dem Gelichten, begnadiget fey. Gieb mir den Geift der 
v.6.17.13. Weisheit und der Offenbarung zu dein felbft Erfänntniß, und 
| erleuchtete Yugen meines Verſtandes, zu erfennen, welcher da’ 
fen der Reichthum deines herrlichen Erbes an deinen Heiligen. 
1.Yetr.2. Laß mich auch deinem heiligen Erempel in aller Liebe, Demuth 
2.21, und Gedult nachfolgen, auf daß ich nicht, wenn ich mich ſelbſt 
DEN 23. erhoͤhe, deinem Bilde unähnlich, und von dit erniedriget werde. 
2.Sam, 6. Laß mich immer geringer werden und niedrig ſeyn in meinen 
v. 22. Augen, immer williger und gedultiger, hie deine Schmad) zu 
Hebr. 13. tragen, big ich mit dir, der hie der Verachtefte war, zu Ehren 
ER ” fommen möge, um deiner Wahrheit willen! Amen. 


Das XI. Capitel, 


Wie CHriſtus der rechte Weg und 

Zweck fen der wahren Gotffeligfeit, und wo 

GoOtt den Menfchen nicht leitet und führer, 

| fo irret * 

alm 86.0. ı1. Weiſe mir, HErr, deinen Weg, 

daß ich wandele in deiner Wahrheit. Er⸗ 
halte mein Hertz bep dem einigen, daß ich dei⸗ 


nen ETamen fürchte. 
— Jeſer Weg iſt CHriſtus; Johann. 14. v. 6. 
Der rechte Ich bin der Weg. Wie komme ich zu ihm? 
Ru Dusch den Slauben Denn der Glaube 


verei⸗ 


und Zweck der wahren Gottſeligkeit. 383 


— — — — — — — ——— —— 
vereiniget uns mit CHriſto, Die Kiebe verbindet, die 
Hoffnung erhält: und ift doc) beyde Glaube, Liebe 
und Hoffnung aus EHrifto, und EHrifti Werck 
in ua Diefer Leg gehet aus ihm, und wieder 
zuihbm. 
Der Olaube ergreift CHrifti Perfon und fein Durch den 
Amt; die Liebe folget ihm in feinem Leben; Die glauben, 
Hoffnung ergreiffet die zukünfftige Herrlichkeit. Der Hofrung 
Glaube muß Eeinen andern EHriftum, Heiland, Ser en 
ligmacher, Mittler und Weg zum Leben haben, denn 8 
ChHriſtum IEſum; Die Kiebe hat das einige Leben Art der 3. 
EHriti vorfich: Die Hoffnung erwartet nichts an⸗ Paupt-Zus 
ders, denn der ewigen Herrlichkeit. Und das iſt der" 
rechte Weg, das it die Wahrheit, darinnen wir wan⸗ 

deln ; dasiftdas einige, die Gottesfurcht, dvarinn GOtt 

unfer Hertz erhalten rolle, 

Diefe dry Haupt» Tugenden, Glaube, Liebe, Verwand— 
Hoffnung, find nun befreundet mit dreyen andern —55 
Tugenden, Der Glaube iſt befreundet mit der De⸗enden. 
much, die Liebe mit der Gedult, die Hoffnung 
mit dem Gebet. Denn wer glaͤubet, der demuͤthiget 
ſich; wer liebet, der iſt gedultig: Wer hoffet, der bes 
tet. Ach das iſt ein rechter ſchoͤne Weg GOttes! DO Schöner 
HErr, weife uns denfelben! Das ift die Wahrheit, as 82% 
darinnen wir wandeln ſollen. Dasift die rechte Furcht 
GOttes, das einige, darum David im 27. Pfalın, 

v.4. bittet. Das heiffet EHrifto nachfolgen in Des Was heiſſe 
muth, in der. Liebe, in Gedult, und in feinem Hergen IH CPrio 
tödten den gifftigen Wurm die Hoffart durch die De- 

muth CHriſti. Bedencke, dag CHriſtus ein Wurm EHriki ge: 
für dich worden iſt, Pf. 22.0.7. Und du biſt fo hoffaͤr⸗ DD 
tig. Qödte in Beinem Dergen den Geitz durch Die Arz ven alla 
muth EHrifti.- Siehe, er barnicht ſo viel gehabt, fers Lebens 
da er fein Haupt binlege, Matt. 8.9.20. Und du us 
wilt alles yaben, und haft nimmermehr genug. Siebe, 
er hat Dir dein Leben gegeben; und du gönneft deinem 
Naͤchſten nicht einen Biſſen Brod. Todie in dei⸗ 
nem Hertzen die Dachgier Durch die Sanfftmuth 

| CHriſti, 


3 84 BE) 2: Wie CHriſtus der rechte Weg 


EHriti. Siehe, er hat für feine Feinde gebeten, Luc. 23. 
v.34. Und du bitteft für deine Sreundenicht. Sein 
Angeficht iſt mit Faͤuſten gefhlagen und angeſpeyet; Er 
‚hats erdultet: Und Du kanſt nicht erdulten, fo Du fauer _ 
angefehen wirft. Toͤdte die fauifche Wolluſt in dei⸗ 
nem Hergen durch die Schmertzen des heiligen Leibes 
Kagl. Ger. C· Hriſti. Siehe, obiemands Schmergen gleich fep 
“a _ feinen Schmergen, Klagl. Ser.r. v. ı2. Und du 
wiltimmerin Wolluſt leben. Er hat eine Dornen⸗Krone 
getragen, und du wilt eine güldene Krone tragen. Er 
hat um fremder Suͤnde willen geweinetz und du weis 
neft nicht um deine eigene Sunde. 


Gebet. 


O Lieber HErr CHrifte, wie viel Menſchen find noch auf die⸗ 
Der rechte ſem Wege nicht. Weiſe mir, HErr, deinen Weg, daß ich 
Weo Cheiſt mandele in deiner Wahrheit. Gieb mir ein Herb,daf dich fürch» 
9 Le⸗te, einen Glauben, der dich ergreiffe, Liebe, die dir nachfolge, 
Di 143-0,3 Hoffnung, die deine Herrlichkeitfehe; ein Gemuͤth, daß dich lie- 
"be; einen Sinn, der dich erfenne; Ohren, diedich hören ruffen 
und ſchreyen am Creutz in deinem Leiden; Augen, die dich fehen 
in deiner Demuth; einen Mund, ber mitdir bete für die Feinde. 
Ohne und Wo du, HErr,mirdiefen Weg nicht zeigeſt, mich darauf fuͤh⸗ 
auffer Ehröreft und leiteft, fo ifE mein Weg eitel Irrthum, und mein Licht 
fio : eitel Finſterniß. D duerwiges Licht, melchesden alten Tobiam ers 
Inh as: leuchtet, da er fein Gefichte verlohren , den Iſaac da ſeine Augen 
v. 14. dunckelmorden; den Jacob, da er feinen Söhnen zufünfftige 
ı B. Moſ. Dinge verfündigte ; den alten Simeon, daer feinen Heyland 
27.01 fahe: Erleuchte uns auch, daß wir in CHrifto die ſchoͤnen Tu: 
= a8. 0.19: genden leuchten fehen, und mit denfelben erleuchtet und gezieret 
* 36. werden. In der Schoͤpffung war es finſter auf der Tieffe: Alſo 
Geifliche iſts in der Tieffe unſers Hertzens finſter, bis GOtt ſpricht: Es 
und neue werde licht: Und big der Geiſt GOttes ſchwebet auf dem Waſ⸗ 
Schoͤpf· ſer unſers Hertzens. Die Erde var wuͤſt und leer; Alſo unſer 
er Herb, wo es GOttes Gnade nicht erfüllet. Das Wort, dadurch 
vv... Lichtund Sinfternißgefchieden ift, wolle auch in unfern Hertzen, 
als in einer neuen Welt und Ereatur, die Finfternig fcheiden, 
und fprechen: Es werde kicht! er 
Auſſer Denn diß Wort iſt ſelbſt das Licht, und iſt in CHriſto, und 
CHriſto eis CHriſtus ſelbſt; und das Licht iſt die Wahrheit, ohne welches al⸗ 
tel Finfters les was im Menſchen iſt Luͤgen iſt und des Teufeis Reich; Oh⸗ 
IB EBEN ne welches Licht, welches Chriſtus if, eitel Sinfternig im Mens 
—— ſchen iſt: Ohne welchen Weg eitel Irrthum iſt: Ohne welches 
tugendhafftige Leben eitel Lafter im Menſchen fepn, und der 
ewige bitiere Tod. Diß 


und Zweck der wahren Bottfeligkeir. 385 


— = IE —————— — — — 

Diß iſt nun der Weg, diß iſt die Wahrheit, dig iſt das Leben, Nechter 
diß iſt die Furcht des HErrn, dag Eintae, darum David bittet Weg der 
Git und Chriſtum feste in feinem Hergen Haben durch den kenttfelige 
Glauben, EHrifto in der Kiebe folgen, inder Demuth undSanffe 
muth, Chriſtum ſtets als einen Weg und Spiegel de Lebens 
vor Augen haben, in der Hoffnung feine Herrlichkeit lets ans _. 
fihauen. Das ift die Furcht des HErrn, die den Menſchen be; Sir. 1. 
huͤtet, und das Hertz fromm machet, ver Sünde wehret. Denn "18 #6. 
wer ohne Furcht fähret, der fan GOtt nicht gefallen, und feine. 
eigene Frechheit wird ihn ſtuͤrtzen. Ohne die Furcht des HErrn 
ift alles nichts werth, weder Kunft noch Neichthum , weder 
Schönheit noch Stärde, weder Weisheit noch Beredfamteit. 

Dem der Natur Gaben find Frommen und Bofen gemein ; vie Ohne 
Furcht des HErrn aber ift eine fondere Gabe, ein fonderes Licht, Ben 
welche GOttes Freunde, ja GOttes finder macht, Die in find- a 
licher Furcht durch den Glauben GOtt gefallen. Dem GOtt Gaben 
hat feinen Gefallen an Weisheit, Runfi, Verſtand, Deredfam: nichts, 
feit, Neichthum und Schönheit. wenn Feine Furcht GOttes dar 

beyift. Reichthum ohne Liebe, Kunſt ohne Gnade, Schönheit 

ohne Furcht GDtre, iftwie ein Schatten ohne Leib, Spreu oh⸗ 

ne Weißen, Hülfen ohne Kern, Rauch obne Feuer. Die Furcht 
GDtreg ift die Zierde aller Gaben. Die Sucht GOttes ift der Furcht 
Reichen Krone, der Werfen Nathgeber, der Schönen Auld, der GOttes 
Starcken Sieg, der Fuͤrſten Ehre, der Kinder Zuchtmeifter. * 
Die hat den Daniel, den Joſcph die Sufannen behütet. Ohne auge 
Furcht GOttes ift der Menſch ein dürver Baum, ein unnüßer 
Feuerbrand, eine zerbrochene Scherbe, die man heraus wirfft. 

Fuͤrſten und Konige find in groffen Ehren; aber fo groß find Sir. ıe, 

— ——— ⸗ » 27 





fie nicht, als der GOtt fuͤrchtet. | 
Das XII. Capitel. 


Wie CHriſtus JEſus das rechte Buch 
des Lebens ſey, und wie er ung durch feine 
Armuth lehret der Welt Herrlichkeit 
verſchnaͤhen. | 
2. Eorinth. 8.0.9. Ihr wifler die Gnade unfers 
SErrn JEſu CArifti, daß, ob er wol reich 
ift, werd er doch arın um eurent willen, aufz 
daß ihr durch feine Armuth reich wuͤrdet. 
Lle, Die. an IEſum CHriſtum den Sohn GOt⸗ gue: 10, 
tes glauben, die find in Das ‘Buch des Lebens 1:50, 
7 gefchrieben, derſelben Name ift im Aimmel if das Buch 
u, Tpeil, TOR geſchrie⸗ des Lebens 


Er N 
Wr 


386 B.1. Erz. Wie JeEſus Criſtus das rechte 


auf zweyer · gẽ ſchrieben, und wird an jenem Tage offenbaret wer⸗ 
Ip Weile. Den, wenn GOtt aller Glaͤubigen Namen vor allen - 
heiligen Engeln bekennen wird, Dffenb. Joh. 3. v. 5. 
Es iſt aber unfer HErr JEſus C·Hriſtus auch ein ler 
bendiger Spiegel eines heiligen Chriftlichen Lebens, 
weil er ift das ewige Wort und die Weisheit des Va⸗ 
ters, darum in die Welt kommen und Menſch worden, 
auf daß er durch ſeine heilwaͤrtige Lehre, durch ſein Le⸗ 
ben und Tod uns lehrete, und durch fein heiliges Exem⸗ 

pel uns vorleuchtete, 


Dag ganye run ift aber e fein gankes Leben, von Mutterleibe 


Ei an, bis in feinen Tod, nichts anders geweſen, denn ein 
1. rmueb, ſtetiges Creutz, weiches in dieſen dreyen Stücken ftehet, 
en die nimmer in feinem Leben in dieſer Welt von ihm gez 
3. Eon wichen: Das erſte iſt groſſe Armuth, das andere noch. 
Beil. gröffere Verachtung , das dritte, die allergroͤſten 
Schmertzen und Pein. Das hat Sich mit feinen Le⸗ 

ben angefangen, und mit feinem Tode geendet, 
Drey Gra· _ Geine heilige Armuth hat wieder drey Grade ; 
a erftlich : daß er Hager: Die Vogel unter dem 
Ed. Himmel baben ihre Neſter, die Suchfe ihre Loͤ— 
Math: 8 her; aber desHienfehen Sohn bat nicht fo viel, 
da er fein Haupt binlege. 
Luc.2. v. .. Dors andere, jo iſt er arm geweſen von Freun⸗ 
den. Er hat von einer armen Mutter wollen geboh⸗ 
ren werden in groſſer Armuth, und keines Reichen, 
Herrlichen und Gewaltigen in dieſer Welt Freund⸗ 
Joh ·an v. in. ſchafft geſucht. Lazarus zu Bethanien iſt fein Freund 
geweſt, welchen er aber nicht zum Freunde erwehlet 
um feines Reichthums willen, ſondern um feines 
Glaubens voillen, daß er glaubete, er wäre der 

Meßias. 
Beſchrei⸗ Der dritte Grad ſeiner Armuth iſt, daß er ſich 
Ban u feiner Goͤttlichen Gewalt und Herrlichkeit geaͤuſſert 
orte mhat, Phil. 2.0.7. und gank und gar in unſer Elend 
2 

dritten verſencket; iſt ſchwach und muͤde worden, wie andere 
— Renſchen ſonderlich von der groſſen Menge der Kran⸗ 
cken, Die er geheilet, die er ihm fo hart hat laſſen angele⸗ 
gen 


v. 20. 


Buch des Lebens fer. 387 


gen fern, Daß die Jünger gemeynet, er würde von Sin⸗ 
nen Fommen, und fie haben dran gedacht, daß geſchrie⸗ 
ben ſtehet: Br trug unfere Branckheit, Matth. 8. 
v. 17. Eſa. 53. v. 4. Cr hat keinem Ungemach, kei⸗ 
ner Armuth, keinem Ubel widerſtanden, Da ihm ſonſt 
wol alle Creaturen haͤtten dienen muͤſſen, und alle Engel 
auf ihn warten: So hat er doch alles von allen gedul⸗ 
tig erlidten, und dargegen feiner Gewalt über alle Crea⸗ 
turen nicht gedrauche. Hat zugelaffen, Daß ihm die 
Dornen fein Haupt zerftochen und verwundet, hat feine 
Hände binden laſſen, feinen heiligen Leib geiffeln, feine 
Hände und Fuͤſſe durchgraben, feine Seite eroͤffnen. 
Welches alles er mit einem Norte hatte hindern koͤn⸗ 
nen, ja mit einem Winck allen Ereaturen gebieten, ihme 
Fein Leid zuzufuͤgen. | 
Gumma, er hat fich allen Creaturen unterworfen, CHritus 
um unfert willen, auf daß er uns die Herrſchafft über NS ab 
alles, die wir verlohren hatten, wieder erwuͤrbe, und ren unser: 
daß er ung duch feinen Sieg und Durch feine Yluferfte- Porften, 
bung unüberwindlich machete. Ja, das noch, mehr um 
it, hat dem Satan zugelaffen, ihn zu verfüchen, umber 
zu führen, Matth. 4. v. 1.8. und des Teufels Werck⸗ 
zeugen, den Juden, verhanget, ihn zu peinigen und ang 
Creutz zu fehlagen, auf daß er dadurch den Menſchen 
von der Gewalt des Teufels und aller feiner Werck⸗ 
zeuge erlofete. i en 
Alſo iſt der Allerſtaͤrckſte ſchwach worden, der Aller Chrikt _ 
großmaͤchtigſte ohnmaͤchtig, der Allerherrlichſte der Al⸗ tie Ernie 
ferverachtefte, der Alterfchönfte der Alerabichenlichtte, e 
unterworffen allen ‘lagen, Schmergen und Leiden: 
auf daß er uns befchamete, die wir fo zart und weich- 
lic) ſeyn, daß wir auch nicht gern ein Elein Ungemach 
und Ereutz um GOttes und unfers Naͤchſten willen 
‚auf uns nehmen, fondern auch wider das Ereuß, fü 
GoOtt zu unferer Befferung und zu feinen Ehren uns zus 
gefchicket, murren und rungen, 
Nicht allein aber hat er fich feiner Göttlichen Ge⸗ EHritus 
ftalt geauffert, fondern re östlichen Weis⸗ 1i,.'® 
' 2 beit, 


+ 


388 B. I. C. 3. Wie JEſus Chriſtus das rechte 


Weis heit beit. Denn er hat in der höchften Einfalt gewandelt, 

geänffert. als ein Unwiſſender, nicht als ein hochgelahrter anſehn⸗ 

licher Doctor, der mitgroffer Kunft und Weisheit herz 

ein pranget; fondern in der Stille, in der Wahrheit 

Goͤttlicher Krafft, in Unſchuld, in Heiligkeit, in der 

Liebe, in Sanfftmuth und Demuth. Und mit fchlech- 

ten einfältigen Worten hat er den Meg GOttes ge⸗ 

lehret, Matth. 22.0.16. Darüber iſt er von den 

Stolgen erachtet, und als ein Untveifer gehalten worz 

den; Da er Doc) Die ewige Weisheit iſt, der durch Die 

? Propheten geredt, und ein gicht und Erleuchter ijt der 

Man fon Menfchen, ung zur Lehre, tie wir uns unferer Gaben 

er. nicht überheben füllen, ſondern Diefelben in- Demuth 

erheben. und Einfalt gebrauchen. 

EHrifius Er hat fich auch geäuffert des Anfehens groſſer 

bare m Serrlichkeit. Darum ift er mit den Sundern ums 

Het ge gangen, hat mit ihnen gegeffen, getrunken, daß er fein 

uhr, Amt verrichtete, das Verlohrne wiederfüchte, und 

ſelig machte, $uc.19. d.10. Daher er einen Nas 

men bekommen, der Zöllner und Sünder Gefelle, 

ein ‚Weinfäuffer, Luc. 7. verſ. 34. ein Samariter, 

— Joh. 8.0.48. a endlich hat er ſich, als der gröfte 

EHrifli, ein belthäter, zwiſchen zweyen Mördern aufbencken laffen, 
* am damit er unſere Miſſethat truͤge. 

ui: Er haͤtte ihm wohl koͤnnen mit ſeiner Heiligkeit und 

Unſchuld einen groͤſſeen Namen machen, denn Jo— 

hannes der Taͤuffer, das ſcheinende Licht, ob. 5. 

v. 35. aber er hat fich folches Namens geauffert, auf 

daß er zu nichte machte unfere Heucheley, die wir offt 

für groffe Heiligen angefehen feyn wollen, da es im 

Grunde nichts mit uns ift, denn ein Schein det Gott⸗ 

EHrititn feligkeit. Summa: Er hat fich alles deffen geaͤuſ⸗ 

nie feet, was in Dev Welt ift. Cr war ein König, und iſt 

den Königen und Herrichafften unterthan geweſt, ja 

feiner armen Mutter und Pflege Vater. Er war ein 

Datth · 20. HErr, und ift der aͤrmſte und geringfte Knecht wor⸗ 

va den auf Erden, Matt. 20.80.28. Cr war der allers 

hochweiſeſte Prophet, und erwehlete arme "u. 

ente 


Buch des Lebens fey. | 339 


ER ee ee 
Leute zu feinen Züngern. Er hätte fich ja billig feiner: 
Herrfchafft über feine Fünger follen anmaſſen; aber 

es ſpricht: Ich bin mitten unter euch wie ein Die- fur. 2%. 
ner. Er war zwar ihr HErr und Meifter, aber nicht &grinus 
ein Meifter der Herrfchafft über fie in diefer Welt, —* a 
fondern ein Meifter der Lehr und Lebens; alfodaß er fie — ——— 
mit feinem Exempel lehrete den Gehorſam, Die Der rel:  , 
muth, die Unterthaͤnigkeit; Darum trug er zuförderft, ac impen 
ols das Haupt, Verachtung und Schmach, Armut) rio, fed vita 
und Elend, dienete feinen Juͤngern, wuſch ihnen ihre & Fr“ 
Fuͤſſe. Alſo war er ihr Meifter und HErr, fie mit 

feisem Exempel zu lehren. — — 

Ach unſrer groſſen Thorheit, die wir nach Ehre und Therheit 
Herrlichkeit trachten, nichts leiden wollen, nieman — 
unterthan und gehorſam ſeyn wollen, eitel Freyheit für den wollen. 
chen, und nach unſerm eigenen Willen leben wollen; 
da doc) unſer HErr Cehriſtus nicht alſo gelebet hat, 
ſondern mit ſeinem heiligen Exempel, als mit dem 
Buche des Lebens, uns viel anders gelehret. 

Siehe nun, wie fern der Weg, den du wandelſt, 
iſt von dem Wege deines HErrn EHriftiz denn du 
wandelſt nicht den Weg EHerifti deines HErrn, ſon⸗ 
dern den Weg dieſer Welt, der zum Verderben fuͤh⸗ 


ret. Das iſt das erſte Stuͤcke des truͤbſeligen Les 


bens EHrifti. 
Gebet. 


Ein HErr JEſu der du, da du haͤtteſt mögen Freude ha⸗Heb. ız- 
ben das Creutz williglich erdultet, did) aller weltlichen! %-  - 

Herrlichkeit, Gewalt, Anfehens, Freuden gerne geaͤuſſert haft; BT 
Iehre. mich die wahre Weisheit, nach welcher ich diefer Welt Shlonı. $. 
Weſen fo achten möge, wie du, die ewige Weisheit, es geach- u. 22. 

tet. Ad) HErr, wie viel betrüget der Satan mit dem einge: Matth- 4 
bildeten Anfehen der Welt! dagegen wapne du mich mit deinem d-8. 9- 
Sinn, daß ich gerne nichts fey, wenn alle Welt groß zu feyn! Pr 5 
eilet. Gieb mir mit Mofe fo im Glauben die fünfftige Be" " 
Inhnung anzufehen, daß ich deine Schmach nicht allein willig 

frage, wann ich die Ehre, Vergnügen und Gemach, fo die Welt 
verheiſſet, nicht Haben fan; ſondern diefelbe für meinen Reiche Heb. za. 
thum und über alle Schäge der Welt achte. Wie träge, wie v. 26. 
ungeſchickt hierzu Fleiſch und an weißdu HErr, der du * an 

3 fe 





L 
nnefl," + 


J. ' — ., 28 
>90 B. II. C. 14. Wie wir an Chrifto lernen 
gan 103, fenneft, was für ein Gemächte wir find. Was aber dem 
n * ehr. Fleiſch unmöglich ift, Taf deinen Geift in mir vollbringen, das 
53* 3° mit ich durch deffen Krafft von Herken die Welt mit allen ih» 
rem Weſen und Herrlichkeit verachte ; deiner Gedult nachfolge, 
und deire Gemeinfchafft achte für meine Seligkeit. Amen: 


Das XIV. Capitel. 


Wie uns der HErr Chriſtus durch feine 


Schmach, Verachtung und Verleugnung 
9— ſelbſt lehret der Welt Ehre und Ruhm 
verſchmaͤhen. 


Efa. 53. v. 3. Er war der Allerverachtefte und 
Unwertbefte, voller Schmergen und Brand. 
heit. 


As andere Stuͤck der Truͤbſal EHrifti iſt Ver⸗ 

„> echtung. Wenn du nun in dem Buche des 

Lebens EHrifti befehen haft feine Armuth, fo 

Wahre Des beſieh ye auch ferner feine gründliche wahrhafftige De— 

mu) fr mueb. Cr hat ſich Feiner geitlichen Ehre und Nuhrms 

 achrung lei angemaſſet, fondern allen, die ihn ehren, loben und ruͤh⸗ 

on > men wollen, widerfprochen mit Worten und Wercken. 

Exempel. Denn er allezeit geflohen die Ehre dieſer Welt, auch 

nicht Die geringfte Urſach darzu gegeben , Joh. 6. 

v. 15. Ga, er hat in groſſer Demuth), über fich gehen 

laff: n die groͤſte Verachtung und Läfterung, da ihn 

die Juͤden fchalten fur einen Samariter, der den 

Teufel bätze, und durch Krafft des Satans feine 

under thäte, Joh. 8.0.48. Seine Göttliche Lehre 

Spiegel hat man für Gotteslaͤſterung gehalten. Er iſt mit vie⸗ 

Sen fon Luͤgen, moͤrderiſcher Lift und Verleumdung be⸗ 

— ſchweret worden. Endlich verrathen, verkaufft, ver⸗ 
leugnet, ins Angeſicht geſchlagen, verfpene, mit Dorz 

nen gekrönet, verfpottet, gegeiſſelt, verwundet, vers 

worffen, derurtheilet, verdammt, verlaffen von GOtt 

und Menſchen entbloͤſſet als ein Ubelthaͤter, ja als ein 

El. 3.0. Fluch aufgehencket: Da iederman fein gefpottet, feines 

Gebets aelachet, um feine“ Kleider gelofer, ibn 

mit Gallen und Eßig in Todes⸗Noth 

vi) 


” 


der Welt Ehre verachten, 39L 


Joh. 19.90.29. Leslich ift er am Holtz in der aller- 
gröften Schmach und Derachtung geftorben, fein fodter 

Leichnam am Ereug durchftochen und eröffnet, endlich 
begraben wie ein Gottloſer, Efa. 53.9. 10. a 
auch nach feinem unſchuldigen Tode ein Verführer 
gefcholten worden, Matth. 27.09.63. Seiner Auferftes 
bung ift auch widerfprochen, und ift alfo im Leben und 
od, und nach dem Tode, voller Verachtung geweſen. 

In demfelben allen ift uns der Sohn GOttes Inc tun, 
nicht allein als der Schatz unferer Erloͤſung vorgeſtel⸗ rer und 
let; fondern als unfer Doctor und Magifter, Prophet, It 
Hirte, Lehrer, Licht, dag wir durch feine Schmad) der 
Belt Herrlichkeit follen lernen fliehen, wollen. wir ans 
Ders mit ihm, als unferm Haupt, vereiniget bleiben, 
feine wahre Glieder feyn, und durch die Liebe in ihm 
eingewurßelt und gegründet bleiben, Ephef, 3. v. 17. 

C.4. D. 15. 

Weil wir aber das Gegenfpiel thun, und in allen Die ihre 
unferm Thun, Worten und Wercken unfere Ehre, und EHE En, 
nicht GOttes Ehre fuchen, fo begeugen wir damit, dat nicht in 
EHriftus noch nicht in uns Iebet, fondern der Fuͤrſt die- PR. 
ſer Welt: Daß wir noch nicht der Welt Liebe ausge 

„zogen, und die Welt überwunden haben, wie St. Jo— 
hannes ſagt: Alles, was von GOtt gebohren iff, 1 Job 5: 
überwindet die Welt. Es iſt ein groß Zeichen, dag" " 
wir CHriſtum noch nicht vecht lieb gewonnen haben. 
Denn in welchem die Kiebe der Welt ift, in dem iſt 
die Kiebe des Daters nicht, r, Joh. 2.0. 15. alſo 
auch nicht die Liebe C-Hrifti. Denn das gange Leben Bas uns 
‚EHrifti lehret uns, tie wir der Welt follen abfterben. iR Lehre 
Darum fiche an den Anfang, Mittel und Ende des 
Lebens CHriſti. Es ift eitel lautere Demuth, und 
eitel Derachtung, welche ihm von allen denen wieders 
fahren ift, Die Die Welt lieb haben. 


— Gebet. 


Eiliger Heyland, der du ſowol mit Lehren, als auch mit c.,g, 15 

+° heiligem Eyempel erwieſen daß dein Neich nicht fey von z. z6, 
diefer Welt: Ehre, Reichthum, WohDeben, und was die Welt 
Bb 4 ſuchet, 


392 BI. C. 135. Wie wir durch Chriſtum 

WET —— — — — —— 1.0 
Job. 14. ſuchet, haft du verſchmaͤhet. Du biſt der Weg, den ic) wan- 
2 N RN deln foll; Du bift mir von GOtt gemactzur Weigheit, die nich 
0.30 leiten und regieren foll: Alle Wege, die du nicht gewandelt haft, 
Toh.5.n.44, ſind unficher, und führen zum Verderben. Verleihe nur, vu 
E 8.0. 49, gefreuer Hirte, daß ich nicht wandele in den Wegen der Welt, 
so. die Ehre von einander nimmt, und die-Ehre, die ven GOit al» 

lein iſt, nicht fuchet. Gieb mir nach deinem Exempel nicht 
meine Ehre zu füchen, fondern zu ehren unfern hinmlifchen Baz 

* 15° ter, ob ich gleich darüber verunehret werde, Ach HErr, was 
Dan.sa,.n., FÜ Recht hat doch ein Sünder, der ein Greuel und ſchnode ift, 
1.90h, 5. zu einiger Ehre? Und was müger alle Ehre der Welt dem, den 
v. 19 du baftı und zur ewigen Schande verurtheileft ? Und wag 
5 >. 8.17. fan die Welt für ein wahres Gut geben, die gang im Argen 
Sur * . lieget? Die mit ihrer Luſt vergehet, von welcher ung zu erretten, 
D 36, du 0 JEſu, dich felbft fiir unfere Sunde gegeben haft. So 
Pf. 115, v.n. lehre mich, d Heyland, mich felbft und die Welt recht erfennen, 

in flcher Erkaͤnntniß ſie und mich haffen, und von Nergen zu 

fagen: Nicht mir, o HErr, nicht mir, fondern deinem Namen 

gieb die Ehre, um deiner Gnade und Wahrheit! Amen. 

Das XV. Capitel. 


- Wie wir durd) Chriſtum die Trubfal 
und Verachtung der IBelt tragen und 
AR uͤberwinden follen. | 

Hebr. 12. v. 3. Gedencket an den, der ein folches 
MWiderfprechen von den Sundern wider fich 
eröulter hat, daß ihr nicht in eurem Hertzen 

matt werdet. 
Klage des COM 109. Pſalm v. 25. fegg. klaget der Meßias: 
ein Ich muß ihr Spott ſeyn, wenn fie mich fe- 
über feine IF Hen, febütteln fie ibren Bopff. Stehe 
a mic bey, HErr mein GOtt, nach. deiner Gnade, 
daß ſie inner werden, daß dis fep deine Hand, 
daß du Err ſolches thuſt. Fluchen fie, ſo ſegne 
du ; ſetzen fie ſich wider mich, ſo müflen fie zu ſchan⸗ 
den werden, aber dein Anecht muͤſſe fich freuen. 
Meine Widerfacher müffen mit Schmach ange: 
30gen werden, und mit ihrer Schande bekleidet 
werden, wie mit einem Rod. Ich will dem 
HErrn febr dancken mit meinem Munde, und 
ihn ruůhmen unter vielen, Denn erfteber dem Ar- 
' men 


die Derachtung der Welt tragen ſollen. 393 


mein zur Reshten, daß er ihm beiffe von denen, 
fo feür Leben verurtheilen. i 
Dieſe Klage des HErrn unfers Erxlöfers foll uns 
billig zu Hertzen gehen, und follen uns offtindesHErn 
EArijti und aller Heiligen Ereutz befehen. Darum Eheiks 
wirds fat in allen Palmen wiederholet, auf dab wir Zrüpfat 
auch lernen mit ihnen durch viel Trübfal zum Reiz — ie 
de GOttes eingehen, Apoft. Geſch. 14.9. 22. änntich 
und wie feine Verachtung und Schmad) eine Artzney werden. 
feyn fol unferer Verachtung: Ingleichen, daß wir ler 
nen feinem verſchmaͤheten Bilde gerne ähnlich zu 
werden, auf daß wir ihm helffen feine Schmach tra⸗ 
gen, damit wir auch feinem verklärten Bilde mögen 
abnlich werden in der Herrlichkeit. Nom. 8. v. 29. 
Ebr. 13.20.13. Phil. 3.0.21. Be 

Wie nunder: 109. Pſalm ein Geber Chriſti iſt in — 
ſeinem Leiden: Alſo Elaget er zu Ende des Pſalms iden. 
noch uͤber dreyerley Leiden, fo er empfunden. 

1. Klaget er über. groffe Hertzens-Angſt und „B. 
Traurigkeit: Ich bin arm und elend, mein Hertz Sanıns, 
iſt zerſchlagen in mir, dv. 22. Sebhet dieſe hohe und Ask, foll 
heilige Perſon an, warum Elaget ex ſo? Auf daß wirs ya mar 
hören follen, was er unferthalben gelidten. Er fügt: der. 
ch bin arınz und du Fanft Reichthums nicht ſatt Palm 109, 
werden. Er ſagt: Ich bin elend; und du weilt by 
iederman herrlich feyn. Er Elagt: Mein Hertz iſt 
zerſchlagen in mir; und du wilt inmer in Freuden le= 
ben, ein freudig, ein froͤlich und unbetrübet Hers haben. 

Lieber gedencfe doch, Daß deinem Herten EHrifto auch 
‚nicht allegeit wohl geweſen; fondern fein Ders iſt ihm in 
feinem Leibe als mit einem Stecken zerſchlagen und 
zerquetſchet geweſen. Gedencke doch, was du bift ges 
gen eine ſolche hohe heilige Perfonz Wenn du in der 
hoͤchſten Hertzens⸗Angſt biſt, fü gedencke: Siehe, fo ift 
meinem HErrn EHrifto auch geweſen, fein Herge hat 

viel höhere Traurigkeit und Angſt erfidten. Wie Der Wes 

aber unfer HErr Chriſtus durch Leiden in die Freude Aprian 
gangen iſt, durch Schande —28 durch den Tod 
wa ins 


ar 


394 B. U. C. x5. Wie wir durch CHriſtum 
———ñ— ⸗ —ñe — ——s — — ————— 


\ins Leben, durch Die Hölle in Himmel: Alſo ſoll und 
muß uns auch unfer Creutz zu unferer Seligkeit beforz 
dern, und ein Eingang feyn zum ewigen Daterland. 

es 2. Klageter,d. 23. 24. über leibliche Schwach⸗ 
teibliche beit: Ich fabre dahin wie ein Schatten vertrie- 
mad» ben wird, und werde verjagt wie Heuſchrecken. 
MM Meine Bnie find ſchwach von Saften, mein Sleifch 
ifE mager, und hat Bein Fett. Mit diefen Worten 

lehrer ung der HErr, was wir feyn in der Ißelt, Ein 

Schatten ift nichts, und hat Fein Leben und Krafft. 
Bergleichet fih der Herr CHriſtus einem Schat- 
ten, der doc, das Licht und Leben felber ift: (melches 
er aber im Stande feiner aufferften Miedrigung ge 

fagt, und davon verftanden haben will, fonft nennet 
ar Bela er ſich dag Leben ſelbſt:) Wie vielmehr follen wir ung 
orfenne, für einen Schatten und fürnichts halten, und die Des 
2% muth vom Sohne GOttes lernen. Cr fagt: Er fer 
vertrieben und verjagt wie Heuſchrecken; und wir 
79 wollen hier unſern ewigen Sitz haben. Einer Heu⸗ 
Erreiner ſchrecke vergleichet ſich der HErr darum: Denn eine 
7 or Heuſchrecke hat Fein Haus, iſt furchtſam und flüchtig. 
gleiche, So iſt der HErr auch geweſen in Diefer Welt, auf daß 
er uns mit feinem Exempel lehre, ein ander Vaterland 
zu ſuchen. Wie duc) feine Anie ſchwach, und fein 
Fleiſch mager fey, das hat er wohl erfahren in feinem 
Leiden, da alle feine Aräffte vertrochner fern, 
wie eine Scherbe, Palm 22.0.16. Daran tollen 
wir gedencken in unfern leiblichen Krankheiten. Cs 
ift an Feiblicher Staͤrcke nicht gelegen, wenn nur un? 
fere Seele durch den ſuͤſſen Troſt GOttes ſtarck, und 
in himmliſcher Wolluſt fett iſt, wie Eſa. ss. v. 2. 
ſtehet, und durch CHriſti Krafft geſtaͤrcket und erhal⸗ 

ten wird, Eph.6. v. 10. 
ori 3. Klaget der HErr uber Die groffe Derachtung, 
Berache, fo er in dieſer Welt geiidien. Siehe, er bat groffe 
una ee Verachtung erlidten und du wilt immer in Ehren 
erer Hufe ſeyn. ch muß ihr Spott ſeyn, fügt er, wenn fie 
mich feben, ſchuͤtteln fie den Kopff, Wie koͤnte es 
einem 


die Verachtung der Welt tragenfollen. 395 


einem Ärger in der Welt gehen? Er hat aber folche 
Schmach unferthalben gelidten, auf Daß er uns von 
der ewigen Schmach und Schande erlöfete. Der 
Menfch ift ein Verachter GOttes worden: Darum steh, * 
muſte CHriſtus unſere Sünde buͤſſen durch feine aͤuß der die 
ſerſte Verachtung. Die Mittel aber und Troſt⸗ eg 
Gruͤnde wider Die Verachtung der Welt find dieſe: Aa 
Dr Du trägeft CHriſti Bild, und folgeft deinem =. 
Haupt und Meifter nach; Roͤm. 8.0.17. 
2. Durch die Verachtung der ge lerneſt du 4 
wahre Demuth, welche bey GOtt Gnade findet. 
Denn den Demuͤthigen giebt er Gnade, den Hof⸗ 
faͤrtigen aber widerſtehet er, . Petr. 5.0.5. 
Biſt du in der Zahl der Heiligen, die allwege . 
ein in u und Seg- Opifer der Welt gewefen feyn, 
0%, 4.0.13 
4 Wird dieim Himmelvon SO Eabrvicenfahr 4 
ren vor allen heiligen Engeln, Offenb.J Joh. 7. v. 15. 
5: Weil du anjenem Tage nicht foft auferfteben * 
zur ewigen Schmach und Schanden, Dan. 12. 
v. 2, Davon dich EHriftus erlöfet hatz fo laß Dich 
Die zeitliche Verachtung nicht hart betruͤben noch 
anfechten. 
6. Das dir auch GDtt in dieſer Welt ſeine Gnade 
nicht verfagen wolle, Ob du nun gleich keines Men 900 —— 
ſchen Huld haſt, ſo haſt du dennoch GOttes Huld. ber fine 
Darum fagt der Pſalm: Stebe mir bey, SERR nie verfas 
mein GOtt, hilff mir nach deiner Gnade, daß gen 
fie iimen werden, daß dis fey deine Sand, daß du Palmas. 
re ſolches thuſt. Das ift: Sleichwie at Me Gott 
der HERN, feinen Sohn aus der Schmach un De * 
Schande — und ihn in die himmliſche Ehre ein⸗ ne 
geieet durch feine gewaltige Hand: Alſo wird er es En und 
iv auch thun, der du feine Schmach traͤgeſt, daß ieder- acer, 
man erkennen wird, daßes GOttes Werck fey. alfo auch 
7. Sleichwie GOTT der HErr feinem lieben gen eis 
Som feine Schmach auferlegt hat, wie er im 69. der. 
Pſalm, v. 9, ſpricht; Um deiner willen trage ich 7 
Schmach, 


396 B. U. C.15. Wiewir durch Chriſtum 


Schmach, und mein Angeſicht iſt voller Schande, 
Ingleichen: Ich muß um deinet willen leiden, 
Pf. 16.9. 2. Alſo hat er dir dein Creutz auferlegt, 
dic) zu prüfen. % 

0,8 Daß EHDtt einen folchen unverdienten Fluch 
Ein unver, will in einen Segen verwandeln, und die Veraͤchter 
Stuchrha zu feiner Zeit wieder zu fhanden machen. Darum 

ber nicht. fpricht er bier: Sluchen fie, ſo ſegne dur; ferzen fie ſich 
wider dich, ſo muffen fie su fchanden werden; ber 
dein Anecht müffe fih fressen. Welchen GOtt ſeg⸗ 
nen will, wider den hilfft Eein Sluchen, Epr. Cal. 26. 
v.2. Wie das Exempel Bileams bezeuget, 4. B. 
Mof. 23.9.8. Die aber fegnet GOtt, die ihn fuͤrch⸗ 


Die Släns ten; Sir. 1.0.13. Wer den ren fürchtet,dem 


ne wirds. wohlgeben in der letzten Noth, und 
pn. wird endlich den Zegen behalten. Das verheiffet 
auch GOtt Abraham und allen Gläubigen, 1. B. 
Mof. 12.0. 3. Ich will fegnen, der dich fegtiet, 
“ und fluchen, der dich verflucher. Darauf vertros 
ftet uns auch GOtt, Eſa. sı. v. 7. Sürchter euch 
nicht, wenn euch die Leute ſchmaͤhen, 2c. Matth. 5. 
v. 11. Seligfepdibr, ſo euch die Leute ſchmaͤhen ec. 
1. Petr. 4. v. 14. Selig ſeyd ihr, wenn ihr geſchmaͤ⸗ 
bet werdet über den Ramen CArifti. Denn der 
Beift der Aerrlichkeit ruhet auf eich. 

9: 9. Ich will dem ZERRITT febr dancken mit 
pſamm 109 meinem Hunde, und ibn rübmen unter vielen, 
Die Der, EHriftus dancket ſeinem himmliſchen Date, für feine 
U Han: Schmach und Creutz: Alſo it aller Ehriftlichen Ders 


Ehriten “ Ken Art, daß fie ihre Ereus und Rerachtung- mit - 


a  Donckfagung aufnehmen. , Unfer lieber GOTT 
“ machts doch immer alfo, daß wir ibm zu dancken has 
ben. Aus dem Creutz wachfet die Danckfagung; 

s denn wer die Verachtung mit Gedult traͤget um. der 

Liebe EHrifti willen, denfelben ehret GOtt wieder, 


beyde in dieſem und jenem Leben. IM. 113.0.7.8. Der - 


den Beringen aufrichtee aus dem Staube, und 
erhoͤher den Armen aus dem Both, daß er ibn 
ſetze 


die Verachtung der Welt tragen föllen. 397 


feige neben die Fuͤrſten feines Volcks. Ach es ift 
eine groffe Tugend, alle Derachtung mit Sedult in der 
. Stilletragen, um der Liebe CHriſti willen, 

10. Denn er ſtehet dem Armen zur Rechten, _ 10. 
daß er ihm helffe von denen, die fein Leben ver- Pl 109. 
urtheilen. Das it ein herrlicher Troſt wider Die Herrlicher 
Verachtung und Läfterung. Nicht (fagt er) stehen 
er den Gewaltigen, Herrlihen und Verfolgen der rung. 
Unfchuldigen zur Rechten; fondern dem Armen Der: 
faffenen, der Eeinen Beyftand hat. Denn er gedenz - 
cket und fraget nach) ihrem Blut, ‘Pf. 9. verſ. 13. 
Tertullian. : Com damnamur a mundo, abfolvimur a 
DEO. Dasift: Wenn wir von der Welt verdam⸗ 
met werden, ſo werden wir von GOtt losgeſprochen. 
- 37.0.3 2.3 3. Der Gottloſe lauret auf den Gerech⸗ 
ten, und gedencket ihn zu toͤdten; aber der HErr 
laͤſſet ihn nicht in feinen Haͤnden/ und verdammt 
ihn nicht, wenn er verurtheilet wird. Siehe, 
dafuͤr wirſt du ihm noch dancken, und unter vielen ſei⸗ 
nen Damen rühmen, daß er dich fo wunderlich erretz 
tet hat. IM. 27.0.13. 14. Ich Hoffe aber doch, daß 
ich feben werde das Gute des HErrn im Lande 
der Kebendigen. - Harre des AKrrn, fer getroft 
und unverzagt, und barre des HErrn. 1. Cor. 4. 
v. 5. Richter nicht vor der Zeit, bis der JERR 
komme, welcher hervor bringen wird, was im 
Sinftern verborgen ift, und den Ratb der Her⸗ 
zen offenberen. Alsdenn wird einem ieden von 
GOtt Lob wiederfabren. | 


Gebet, 


Rise GOTT und Vater, wenn ich in meinem Leiden nut 2, Cor. 4. 
fehe auf dag Sichtbare, und laffe Fleiſch und Blut Davon ». 18. 
urtheilen , fo Düncket mir, du habeft mir ein hartes erzeiget. D- 0.0.5. 
- Wann ich aber gehe ins Heiligthum, und fehe auf JEſum den * N 12, 
Unfchuldigen ; betrachte, was er für alle feine Liebe, Treue, °' 
Fleiß und Wohlthaten in diefer Welt gehabt, wag für Käfterung 
und Widerfprechen er von (offendar gottlofen) Sundern erdulz 
tet; wie fein Angeficht fo-offt beſchaͤmet ja voller Schande gez Pſfal. 69, 
worden; wie er feinen Ruͤcken gehalten denen, bie ihn —— v. v. 

eine 





398 B.II. C.16. Chriſten follen ihre &bre 


@fa.50.0.6. feine Wangen denen, dieihn rauffeten, fein Angeficht nicht vers 
Ap. Gelch. borgen für Schmach und Speichel: So muß ich mich fehämen, 
ob i daß ich fo viel auf mich felbft Halte, und einen neuen Weg, ohne 
I Truͤbſal ins Reich EOttes zu fommen, machen will; daß ich 
Ap. Geſch. mich fo fürchte für dem, was ich leiden fol, um des Namens 
9.9.16.  EHriftiiwilen ; da mein Erlöfer eg als ein Anmuthen dee Sa⸗ 
Matth. 16. gang achtet, werm er feines Lebens und Ehre um meinei willen 
“ a ” ſchonen folte. Ach HErr, mein GOtt, gieb du mir deinen Geiſt 
1. Ber. 5, der Krafft, der mich in Schwachheit ftärcke, Fräfftige, gründe 
v.10..  umdoollbereite, damit mich Trübfal, Verfolgung und Bloſſe 
Köm. 8. nicht von deiner Liebe ſcheide; fondern ich in dem allen weit 
0.35.37. überwinden möge um deßwillen, der mich geliebet hat Gieb 
2. ap % wir, daß ich jederzeit mich ermeife als einen Diener Chriſti in - 
8 ‚groffer Gedult, in Trübfal, in Nothen, in Aengſten in Schlä« 
gen, in Gefängniffen, in Aufruhren in Arbeit, in Wachen, in 
Faften, in Keufchheit, in Erkaͤnntniß, in Langmuth, In Freund⸗ 
lichkeit, in dem Heiligen Geift, in ungefärbter Liebe, in dem 
Worte der Wahrheit, in der Krafft GDrtes: Ihm folge durch 
Ehre und Schande, durch gute Gerüchte und böfg Gerüchte ; 
i williglich mich hier mit ihm und um feines Namens millen 
DA. Joh. laſſe hoͤhnen; der mich, wann ich big in den Tod getreu bleibe; 
2.010. wird mit der Erone deg Lebens fronen. Amen. 


Das XV! Capitel. 


Wie die Ehriften follen ihre Ehre und. 
Ruhm in EHrifto im Himmel fuchen 
| und haben. 
Pfalm 109.0, r. ſen. GOtt, mein Rubm, fchweige 


nicht. 

Iß ift ein Gebet des ewigen Sohnes GOttes, 

und will fo diel fagen: | 
Set Mein bimmlifcber Vater, dur weift, wie ich in die⸗ 
Hriſti. fer Welt nicht meine Ehre geſucht babe, ſon⸗ 
dern deines heiligen Namens Ehre, und al⸗ 
ler Menſchen Seligkeit; dafuͤr werde ich ſo 
bitterlich verfolget, gelaͤſtert, verachtet und 
verſchmaͤhet. Dargegen iſt das mein Troſt, 
daß du mein Vater biſt, daß ich dein einge⸗ 
bohruer Sohn bin, das iſt mein Ruhm im 
Himmel bey dir. Und dieſe meine Herrlichkeit 
wirft du zu ſeiner Zeit einmal offenbaren und 
ans 


se 


+ 


in Cärifto im Aimmel ſuchen. 399 


— m „177777 
ans Licht bringen, und mich alſo verklären, Job. ız; 
daß die Welt febe, wer fie verfolget und ge= " *% 
läftert babe. u ie 
Hier follen wir lernen, daß die den gröffeften Ruhm Welche den 
im Himmel haben, ſo unſchuldig in der Welt verfolge hier, 
werden. Dißfollen wir lernen an dem Exempel unfers Hiame 
HErrn JEſu EHrifi, Denn an ihm und aus ihm haben. 
lernen wir dierechte Weisheit, als aus Dem rechten Buch 
des Lebens. Er ift mit feinem Exempel und heiligen 
Reben unfer Buch des Kebens. Als (1) hat er nie auf 
Erden einen einigen Ruhm gefuchet, fondern fic) daran 
begnügen laffen, daß GOtt fein Rubın ift. 
Ah GOtt, gieb uns auch ein fol) Hertz, daß wir un⸗ Gott fm 
fern Ruhm allein an die haben, und nicht an uns uk, 
ſelbſt: daß wir unfern Ruhm allein im Himmeliein ſeyn 
haben, und nicht auf Eden. 
(2) So ifi das des HErrn CHriſti höchfter Ruhm, SAH 


daß er GOttes eingebohtner Sohn it, Darüber an 
ihn die Welt verfolger und gelaftert. ften Rubın 


Sieb uns auch, lieber Dater, Daß das unfer hoͤchſter li 
Ruhm und Freude unſers Hertzens ſey, daß wir 
deine Kinder ſeyn, deiner vaͤterlichen Liebe und 
Treue ewig genieſſen moͤgen, und durch die Kind⸗ 
ſchafft das ewige Erbe beſitzen; ob uns gleich die 
Welt haſſet, neidet, ſchmaͤhet und verfolget, wie 
fie deinem lieben Kinde IJEſu auch gethan! 

(3) Iſt das des HErrn EHriftiNuhn, daß er fo Gutesthun 
viel Gottlicher Wunderwercke gethan hat, und Yan knkrkner 
Menfchen aus Liebe und höchfter Treue Gutes gethan, Dands _ 
wiewol ex Dafür den geöften ndanck erlanget har.  milen iR. 
Ach lieber GOtt, gieb uns auch ein folch getreues Hertz, ſten Ruhm. 

daß wir vielen geuten mögen Gutes thun, und ung 
den groffen Undanck der Welt nicht mögen laſſen 
abſchrecken, daß wir nicht uns, fondern deinem 
Namen die Ehre geben in alle unferm Thun. 

(4) Sit das des HErrn EHrifti höchiter Ruhm, CHrii 
Daß er. aus Liebe für ung geftorben, und uns mit Pr ah 

Bl te ur “ % 


400 B. IlC. 16, Chriſten ſollen ihre Ehre * 


—— 
Sehorſam/ Blute erkaufft hat, daß er feinem Vater gehorſam wor⸗ 
Demuih. den bis zum Tode am Ereus, daß er mit groffer Sanff⸗ 
muth die hoͤchſte Schmach erdultet, daß er mit ſo hoher 
Gedult die Pein des Creutzes erlidten. 
Durheie Ach GOtt, unfer Ruhm, hilff, daß wir auch unſere 
gerne Feinde mit Liebe uͤberwinden, unſer Fleſch mit 
fiegen, if Söttlichem Gehorſam zwingen, dur die De 
— muth und Sanfftmuth CHriſti die Schmach der 
Welt tragen, durch Gedult im Creutz ſiegen, un 
im HErrn ſtarck ſeyn. —— * 
> Erhöhung (5) Der hoͤchſte Ruhm des HErrn CHriſti iſt auch 
Eyriti. feine Erhoͤhung sur rechten Hand Bdttes. und 
fein Flame, der über alle Namen iſt, daß alle 
Anie im Himmel und Erden in feinem Namen 
fich beugen müffen, und alle Zungen ibn für einen 
Errn bekennen, Phil. 2. v. 9. 10. 11, 
Kuͤnſſtige Ach lieber GOtt, hilff, daß wir das für unſern hoͤchſten 


— NRuhm achten, wenn wir mit CHriſto offenbar 
windet al⸗ werden in der Herrlichkeit; daruͤber aber der Welt 
les Hertze⸗ Schmach und Spott gern erdulten, und erwarten 
* der Freuden⸗Zeit, wenn einem ieden von GOtt Lob 


wiederfahren wird, 1.Eor.4.0.5. 2.Cor.a.d.17. 
(6) Des HErrn CHriſti Ruhm ift, daf er ift ein 
einiges Haupt feiner Kirchen, und aller Glieder der⸗ 
felben, ein herrlicher Koͤnig feines Volcks, ein ewiger 


Hoherpriefter. J—— 
CHriti Hilff, lieber GOtt, daß diß unſer hoͤchſter Ruhm ſey, 
wacee daß wir&hrifti Glieder ſeyn, Unterthanen feines 


er Meichs, und unſers ewigen Hobenprieters Bars 
Ruhm. bitte, Opffers und Segens ewig genieffen mögen ! 
(7) So iſt das Chriſti hoͤchſter Ruhm, dab GOtt 

feinen Namen in aller Welt offenbaret bat, 

und den Glauben an ſeinen Namen unter ſo viel 
Voͤlckern aufgerichtet, wider alle feine Feinde, Laͤſte⸗ 

ver und Derfolger, die ihn nicht hatten für GOÖttes 

Sohn erkennen wollen. Ob wul®Dtt eine Zeitlang. 

ſtill ſchwieg, und Diefen Ruhm verbarg unter dem: 

—3* Creutz 


W 
‚in Chriſto im Aimmelfichen. 401 


a a URL —— 

Ereug im Leiden CHriſti: Democh iſt einmal diefer 

Ruhm herbor gebrochen, wie Die helle Sonne; °Pf. zo. 

v.2.3. Aus Sion bricht ander ſchoͤne Glantz GOt⸗ 

tes: Unfer GOtt koͤmmt, und fehweiger nicht. 

Alſo, obgleich GOtt, unfer Ruhm, bisweilen ſchwei⸗ CHrift 
+; m, . Mr 4 WMund wird 

get in unſerer Verfolgung; Dennoch wird er einmal die Seinen 

wenn das Prüfe» Stuͤndlein aus iſt, feinen. Mund befenuen 

aufthun, und ung von unfter Schmach erretten, Jy, Per allen 

ax : ; HI. heiligen 
39.0.10. 1. Joh. 3. v. 2. Es iſt noch niche erſchie⸗ Eugen, 
nen, was wir ſeyn werden. 


Sehet, das heiſt nun, GOTT mein Ruhm! 
nicht Welt, Geld, Gut, mein Ruhm, fondern GOrE . 
mein Rubin. Darum fügt GOtt, Fer. 9.9.27. 24. 
Kin Weiler ruͤhme ſich nicht feiner Weisheit, 
ein Starcker ruͤhme ſich nicht feiner Staͤrcke, ein 
Rercher ruͤhme fich niche feines Reichthums: 
Sondern wer fich rühmen will, der ruͤhme ſich 
deß, daß er mich wifle und Eenne, daß ich der 
HERR bin, , 
Geber. 


in GOtt, ich preife dich, daß du ausgeführer haft aus 

dem Tode den groffen Hirten der Schaafe, EHriftum De: 13, 
JEſum, , und ihn als einen König eingefsger auf den Berg Palm 2, 
Zion. Nun er nicht it zu Schanden worden, darum wird niz-v 6. 
mand fchamroth werden, der dich fücher, du GOTT Iſrael. Palm 69. 
Sahre fort, d HErr, auszuführen die Sache deines Gefalbz " 7° 
ten wider feine Srinde, bis du diefelben zum Schemel feiner e 
Fuͤſſe gelegei haft; und wann du die Sache unferg aformür: ® Ye \ — 
digften Hauptes ausfuͤhreſt, ſo wirft du, der du aller Weltik. v.as. 
Richter bift, vie Sache feiner Glieder, die fie dir ſtets befehlen, Ter- ıı. 
nicht ftecfen laffen ; fondern alsdenn offenbar erweiſen, mag 9 2% 
fuͤr ein Unterfeheid ſey zroifchen deme, der dir gedicnet, und gy 
deme, der dir nicht gedtenet hat. Hierauf laß mich mit al.3- 0:18, 

Gedult harren, o HERN, und in folchem Harrer 

fi nicht zu Schanden werden, 

RN - Amen * 


op Br 86 


11. Theil, age © Das 


402 B.Il. C.17. Wie wir duch Chriſtum 





Das XVII. Capitel. 


Wie wir durch ENHriftum und aller Ei: 
ligen Exempel bofe Maͤuler und falſche 


Zungen uͤberwinden ſollen. 


Pſalm 102. v. 9. Taͤglich ſchmaͤhen mich meine 
 Seinde, u: die mich verfpotten, ſchwoͤren 
N mir, 


— Nter anderm Creutz und Truͤbſal der Chriſten 
— ein iſt nicht das geringſte boͤſe Maͤuler und fal⸗ 
—— ſche Zungen; wie ſolches der HErr CHri⸗ 
Ehrifen, ftus ſelbſt mit feinem Exempel bezeuget. Wie ihn 
denn ſonderlich die Phariſaiſche Schlangen und Ottern 
mit ihren vergiffteten Zungen, beyde im Leben und 
Tode, geſtochen. 
gein Chrin Das ft ein gewaltig Zeugniß daß kein Chriſt 
I ie Ab für denfelben ficher feyn Fan. Se gleichformiger 
an CHriſto ein Menſch iſt, und ie fleißiger Nachfolger 
EHriftt, ie mehr ihn Faffehe Zungen verfolgen. Das 
fehen wir auch am heiligen David, wie it der Mann 
von böfen Maäulern geplaget worden, als er im 3. 4. 
ION FE „64- 69. 120. und 
140. Pſalm ſchmertzlich Elaget. Ja es ift Fein Proz 
phet, der Diefe Mord» Pfeile nicht erfahren, wie der 
Prophet Syer. 9. 0.8. ſpricht: Ihre falfche Zungen 
find mörderifche Pfeile, mit ihren Munde reden 
| fie freundlich mit ihrem Naͤchſten; aber im Her⸗ 
Verleum⸗ ten lauren fie auf denfelbigen. Es follen fich auch 
der foll_ alle Fromme Hertzen für den Derleumdern hüten. 
vo. Denn gleichwie ein auſſaͤtziger gifftiger Othem einen 
vergifftet: Alſo auch eine ſolche gifftige Zunge vergifftet 
die, ſo ſie gern hoͤren. 
Weil nun niemand fuͤr den boͤſen Maͤulern geſichert 
ft, und aber Wiederſchelten verboten, und dem Chriſt⸗ 
lichen Glauben ungemaß: So ift darwider Fein ans - 
derer Rath, denn daß man gewillen Troft aus GOttes 
ort faſſe. 
1. Laß 








HRMEN 


















































TE MO 























MT il Im ii Mi LUMEN N i 








Das Andere Buch, Cap. XVII. pag. 402 
Hier iſt ein weites Glaß über die Nelffte mit Waffer gefüllet, 


in welches ein lönglich gleiches Holß gerhan, welches aber im - 


Waffer frumm ynd ungleich zu feyn ſcheinet, ob es gleich gerade 
ift und bleibet, Hiermit wird angedeutet, daß, obgleich ein 
Chriſt, der aufrichtig wandelt, von der Welt getadelt, übel ge⸗ 
urtheilet und geläftert wird, er dennoch derjenige bleibet, der er 
ift, ein frommer und rechtfchaffener Ehrift, der GOtt und feinen 
Nächften, nach der Anweiſung Göttlihen Worte, aufrichtig 
und beftändig lieber, die Welt mag darzu fagen wag fie will. 


1. Corinth. 4. ver, 3.4. 

Mir iſt es ein geringes, daß ich non euch gerichtet 
werde. Ich bir mir wohl nichts bewuſt; 
der HErr ifts aber, der mich richtet. 

Esn wahrer Chriſt geht aufrecht und gerad 
ni Durch diefe wilde Wuͤſten, 
Da böfe Thier und Leoparden niften, 
Den richtigen und fchmalen Pfad, 
Gleichwie er haft und Ir der Schlangen Frumme 
Schlit e, 
So uͤherwindet er mit Sanfftmuth ihre Stiche, 
Und laͤſt das Urtheil, das die Welt, 
Die alles pflegt verkehret anzuſehen, 
Von ſeinem Thun und Laſſen faͤllt, 
Gedultig über ſich ergehen; 
Cr aber bleibe beſtaͤndig der er iſt: 

Kein giftig Maul, noch Käfterung, noch Luͤgen 
Mag feinen Vorſatz brechen oder biegen; 
Kein Ranck beweget ihn zu gleicher Gegen = Lift, 

Solt er darum ein andrer heute, 
Ein andrer morgen feyn, 
Weil ihn die blinden Leute, 
Betrogen durch den falfchen Augenfchein, 
Ror einen folchen halten, 
Derfich, wie fie, in allerley Seftalten 
Verlarven und verwandeln Fan? 
Ihr Splitter Richter, gebt das Läftern an; 
Hort auf den frommen Nachften zu veraffen, 
Sonſt wird euch Eunfftig felbjtein hartes Urtheil treffen. 





falſche Zungen überwinden füllen. ı 403 


1. Laß den erſten Troft feyn, Cq4xiſti und aller . 
Zeiligen Exempel. Denn dieſelben finds, Die uns KM. 
am erjten und leichteften — a einfallen, WENN an der 
wir gelaͤſtert und — werden. Denn ſo iſts zen 
dem HErrn Chriſto, unſerm ei ſelbſt ae vr 
Da iſt Fein Ungluͤck in der Welt ſo groß geweſen, man 
hats ihm gewuͤnſchet, und ihn deſſelben tauſendfaͤltig 

wuͤrdig geachtet. Wie iſts Moſi gangcn, dem groſſen 
Propheten, von dem gefehrieben ſtehet: Er fep ein 
ſehr deplagter Menſch gewefen, über alle Men⸗ 
ſchen auf Erden? 4.3. Moſß. 12.0.3. Was wollen 
wir von David — Der iſt zu feiner Zeit ein Ziel 
gewefen, nach welchen alle Falsche Zungen im Lande 
ihre Mord⸗Pfeile ge eſchoſſen haben. Pſalm 102. v. 9, 
Tiglih fhmiben mich meine Feinde, und die Pioa.ng., 
mich verfpotten, ſchwoͤren bey mir. Das if, 
fie werffen mir mein Unglück für, und wem fie Libelg 
gönnen, wünfchen fie, daß ihm fü gebe, wie mit, oder 
daß es mir ſo gehen ſolle, wie dem allerärgften und vers 
fluchteſten Menſchen. Wie plagten den lieben Hiob 
ſeine Freunde, mit ihren Zungen ? Daniel, der heilige 
Prophet, fiel in falſche Maͤuler, als in ein offnes Grab, 
in die Loͤwen⸗Grube hinunter. Siehe an dieſe Exem⸗ 
pel, gedencke dran in deiner Berfslgung. Das ift der 
nächte Troſt, den man am erften ergreifen Fan in fols 
chem Unglück, Siehe, diefen Weg der Trübfal 
find viel Heilige vor dir hingangen, Ap. Geſch.14. 
v. 22. Siehe da gehen dein HErr Chriſtus vor Dir Profopo- 
bin, der Phariſaͤer fluchet hinter ihm ber. Siehe, da ?** 
gehet Moſes vor dir hin, die Rotte Borah, Dathan 
und Abiram laͤſtern hinter ihm her, haben Steine in 
ihren Händen, 4. B. Moſ. ı6. v.ı.fgg. Siehe, da 
gehet Daind vordir hin, Simei fluchet hinter ihm her, 
2. B. Sam. 16.0. 5. ſqq. und fo fort an. 

2. So muß man der Zeiligen Krempel nicht _. = 
ſchleht und bloß obenhin anſehen; ſondern alſo, daß Sur, det 
man in ſolcher Truͤbſal von ihnen Gedult und Sanfft⸗ Erempei 
muth lerne. Denn BR füge mir, was wuͤſte man, Amaufeben, 

2 was 


A404 BE. 17. Die wir duch CArifkum 


ne — 
was Gedult und Sanfftmuth wäre, wenn man feine 
Berlum Verfelget haͤtte? Darum foll man fein Creutz geduls 
Probe der tig auf fich nehmen, und dem HErrn EHrifto nach⸗ 
Demuth folgen. “Das iſt recht Chriſtlich und dem Glauben gez 
mäß, nicht fich ſelbſt rächen, und wiederfehelten ; 
ſondern es dem beimfkellen, der da recht richtet, 
1. Petr. 2. verſ. 23. Da werden die böfen Mäuler 
von ieglichem unnägen Wort Rechenfihafft ger 
benmüffen, Matt). 12.0.36. Daruͤber wird ihren 
bange genug werden, Darum gebübhrer GOtt die 
Rache, 5. B. Mof. 32.0.35. denn er fans am bes 
fien, euweiß einem ieden Recht zu vergelten. Gedencke 
an den HErrn, der feinen Mund nicht auftbät, 
wie ein Laͤmmlein, das zur Schlacht Band ge- 
führer wird, Cfa, 53.0, 7. ° 9 
—— 3. Haben wir an der Heiligen Exempel zu ler— 
en nen, was fie für eine fonderliche Arkney wider böfe 
“fol man Maäuler gebraucht haben, nemlich, fie haben geberer. 
beten. Fluchen fie, ſo ſegne du, Luc.6.0.28. Pſ. 109.0. 28. 
Sehet den gontzen Pſalter an; wie hat David mit 
dem Gebet ſich fuͤr falſchen Maͤulern bewahret, als 
mit einer eiſern Mauer! Nenn man darwider ei⸗ 
- nen Pfeil ſcheuſt, fo prallet er zuruͤck, und verletzt den 
naͤrriſchen Schüigen ſelbſt; alſo füllen die Lügen und 
Käfterungen dem wieder auf den Kopff, der fie aus⸗ 
fpeyer, wie der 37. Pſalm, ver us. ſpricht: Ihr 
Schwerdt wird in ihr Aert geben, und ihr Bo⸗ 
gen wird zerbrechen. , Dusalles Fan mit Dem Ger 
bet ausgerichtet werden. Denn wenn einer wider ein 
Fügen - Maul betet, fo ifts fo viel, als wenn man 
mit ihm ringete und Eampffete, wie David mit Go⸗ 
28. Mof liath, 1.8. Sam. 17. v. 48. 49. Oder wie miofis 
N Stab mit den Egyptiſchen Zauberern® Denn 
bie kaͤmpffen zwey Geister mit einander: Das glaͤu⸗ 
bige Gebet, fü aus dem Heiligen Geift gehet, und 
die Zügen, ſo aus dem Teufel gehen; und werden 
Doch endlich die teufelifchen Schlangen Egypti vera 
ſchlungen von Mofis Stabe, das IR, Durchs Gebet. 


* 


falſche Zungen überwinden föllen. 40 3 


4. Iſt das auch ein fürnehmer Zroft wider fal- 
fehe Maͤuler, daß, wenn ein fromm Hertz alfo von 
des Teufels Jagt⸗Hunden, den falfches Zungen, ge⸗ 
hetzet wird, wie ein Hirſch, daß es laͤufft sum Eub= Ps vr. 
len Finnen, des heiligen Goͤttlichen Worts, und 
daſelbſt ſich erquicke, denn dafelbft redet GOTT 
freundlich mit uns. Denn der HErr ſpricht: Selig 
ſeyd ibr, wenn euch die Menſchen haſſen, um mei⸗ 
net willen ſchmaͤhen und verfolgen, und reden 
allerley Ubels wider euch, fd fie daran lügen. 
Seyd frölich und getroff, es ſoll euch in Himmel Matth. 5 
wohl belobner werden. Da ſtehet dreyerley Troſt: aHrrrevet 
Selig, frölich und belobnerwerden. Wer woltemiruns 
doc) um dieſer Herrlichkeit willen nicht. seitlichen ſyendich, 
Spott und Rerachtung leiden wollen? 1. Petr. 4. oleich die 
v. 14. Selig ſeyd ihr, wenn ihr verſchmaͤhet wer⸗ ae 
der über dem Namen Chriſti. Der Geift der 
Zerrlichkeit ruber über euch, Klagl. 3. v. 27. ſqq. 
Es ift ein Eöfklich Ding einem Meime, daßer das 
Joch in feiner Tugend trage, Daß ein Derlaffe- 
ner gedultig fep, wenn ihn etwas uͤberfaͤllt, und 
feinen Mund in den Staub ſtecket, und der Hoff⸗ 
nung erwartet, und lafle fich auf die Backen 
Schlagen, und ihm viel Schmach anlegen. Dem 
der AKrr verftöflet nicht ewiglich. NUN 

s. So mujt du lernen, daß ſolche Verleumdun⸗4. 
gen ein böllifches Ungewitter feyn, das einen plößlich Deren 
betreffen Tan, denn wie ein Pilgram und YBanders-youıd un 
mann fich immer muß des. Regens und Ungewittersbewitter. 
verfehen: Alſo auch, wer in der Welt, und darinnen 
wallet, muß fich befahren eines folchen Ungewitters: 
wie fa. 54. v. 11. die Kirche beklaget wird: Du 
Elende und Troſt-loſe, uͤber die alle Metter geben. 
Was its Wunder, daß ein Wandersmann biswei⸗ 
len einen Platz⸗Regen bekoͤmmt? Heute iſts an dir, 
morgen an einem andern. Die Welt muß doch etz Welt deg 
was haben, daran fie ihr Affen-&piel treibet. Heute Tina und 


leget ſie dieſem eine Narren⸗Kappe an, morgen einer Iragdvia. 
'&c 3 andern 


406 B. II. C.17. Wie wir durch Chriſtum 


andern. Da kauft Denn iederman zu, und trägt den⸗ 

ſelben Menſchen auf dem Luͤgen⸗Mar ckt umher, bis fie 

ihr Muͤthlein gekühlet, und ſich müde gelogen haben; 

alsdenn nehmen fie einen andern vor. Wer ſich nun 

mit allen Kräfften darwider legt, und ven der Welt 

gar nichts leiden will, der thut gleidy als einer, Den eine 

Biene ſtaͤche, und lieffe hin, ſtieſſe den gantzen Bienen⸗ 

Wer eine Korb um in einen Hauffen; ich meyne e,erjoltezumaffe 

— daß eine iede ihren Stachel im ihn fläche : 

wil,machrs Alſo will mancher eine Eleine boͤſe Rede nicht Duiten, 

nur aͤrger. und richtet darnach groſſen Zanck und Herheleid an. 

Eine boͤſe Zunge iſt einer Wafferz Schlangen gleich, 

welche man Hydram DENE hauet man derſelben einen 

Dur 60r Kopff ab,fo. wachſen ihr fieben wieder; Alfo, wirft du 

Er dich mit Gewalt rider eine böfe Zunge aufichnen, fo 

übermim wirſt du ficben Luͤgen erregen. Wer nun dieſe Kunſt 

Ale lernet, und es verſucht, ſich darzu gewoͤhnet, daß er nicht 

alle Rede verantwortet, nicht bald ungebultig wird, 

wenn ihn eine Schmeißfliege Richt, oder ein Hund ans 

bellet, ſo wird er durch dieſelbe Gedult an Leib und 

Seele ruhig werden: Sonft macht man fid) eine Un⸗ 

ruhe über Die andere, Das iftdie rechte Art, Die Seinde 

zu uͤberwinden, ſonſt tüfte man wol nimmermehr ein 
Schwerdt in der Scheide haben. 

a. 6. So hats auch ſonderliche Urſachen warum GOtt 

a —— “über einen boͤſe Mauer verhängt. Als David ſprach 

m u Cimei: Pielleicht hats ibn der Arr gebeif 

fen, fluche David. Warum thut das GOTT? 

Antwort; Damit ınan fich der Gaben, ſo GOtt mit 

getheilet hat, nicht uͤberhebe, ſondern ſein lerne in der 

Demuth wandeln, guͤtig und freundlich feyn gegen 

einander. Es find warlich wen denckwuͤrdige Worte, 

Verborge⸗ die David fpricht: Der HErr ‚beats Simei ge- 

ae heiſſen; und daß Hiob jagt: GOtt * Ver⸗ 

amdang. achtung auf Die Fuͤrſten, Job. 12. v. Lieber 

ul wer kan die unerforfehlichen Berichte SOttes 

ergruͤnden? Es thut wol Fleiſch und Blut wehe, wenn 

man uns vernichtet, ſchmaͤhet und ſchaͤndet. Es — 

un 


falfehe Zungen überwinden ſollen. 407 


uns allen angebohren, daß wir gern hoch feyn, viel von 

uns feibft halten, Ehre bey den Leiten haben. Und 

das iſt die eigene Liebe, die uns bethöret, es iſt Lucifers Lucifers 
und Mams Fall; diefe haben alle Durch eigene Liehe as 
und Ehre GOttes Liebe nnd das ewige Keben verloh⸗ 

ren. Da denefer denn GOtt der HErr: Ich will DurdBer- 
eine verlogene Zunge über Dich verhengen, alg den Sa⸗ unbung 
tan über Hiob und Paulum der fol deine Geiſſel und in Demary 
Peitſche feyn, und dein Teufel, der dich mit Faͤuſten erbalten. 
ſchlage, auf daß du lerneſt demtiehig fepn, 2. Eor, 
12.9.7. Denn GOtt muß es auf mancherley Weiſe 
verfuchen, daß er uns in der Demuth erhalte, und Die 
Hoffart in uns daͤmpffe und tödte, und wir nicht in 
Lucifers Geſellſchafft geratben.. 

7. Iſt GOtt der HExr fo getreu, daß er alles 7, 
Ubel und Unglück, fo uns boͤſe Zungen gedencken zuzu⸗ giftigen 
richten, zu allem Guten wendet. Die boͤſe Welt ver⸗ Zuugen 
meynet uns Damit Schaden zu thum fo wendets GOtt an oft 
zu unſerm Heyl. Wie die Schlange Tyrus, ob fie Firlichedrs 
noch fo ein groß Gifft ift, dennoch muß fie eine Artz⸗ kened. 
ney werden, Daher der Tyriac feinen Jramen hat; wie 
St. Paulus Rom. 8. v. 28. fpricht: Es müffen de» Röm. 8 
nen, die GOtt lieben, alle Dinge zum beften ge=" * 
deyen. Dadurch lehret uns denn GOtt das hohe 
edle Werck der Liebe üben, nemlich fire die Feinde 
bitten, Matth. 5.0.44. Wer das recht thun kan, der 
hat faft den höchften Grad der Liebe erreichet, und ift Due 
fehr gewachſen in der Liebe, und hat Chriſti Hertz, En 6 
Muh und Sinn befommen, der da fprach; Vater, über Feinde 
vergieb ibnen,denn fie wiffen nicht, was fie thun, PAR 
Luc. 23.90.34. Alfofol einieder Ehrift in erbarmens 
der Liebe für feine Feinde bitten: Vater, vergiebibnen! 
Denn die rechte Liebe erbarmet fic) auch uber die 
Feinde, dieweil man weiß, daß folche Leute fern von 
EHDtt und EHrifto feyn, und der Teufel in ihnen iſt. 
Darum, wenn man ſolche Mauler ſiehet oder hoͤret, 
foll man fich vielmehr über fie erbarmen; denn fie find 

nicht aus GOtt, fondern aus ihrem Vater, dem Teufel. 
| ec4 Dad 


- 


408 B. II. C.17. Wie wir durch CHriſtum 


m ht Das ift die Urfache, warum inan für die Feinde bit- 
Feinde big: ten ſoll, auf daß ſie nicht in Ewigkeit des Teufels leib⸗ 
FE eigene Knechte bleiden mögen. Ja GOtit der HErr 
Zungen braucht offt einer böfen 1 Zungen Gifft zur Artzney den 
Kr t Seinen. Sehet den Joſeph an: Hätte ihn die bofe 
ne — Zunge des unzuͤchtigen Weibes nicht ins Gefaͤngniß 

bracht, er wäre nimmermehr erhöhet worden, 1. B. 

"Mol. 39. v. 17. Hätten böfe Mäuler den Mofen 
‚nicht verfoiget, daß er aus Kappren in Midian flie⸗ 
ben muſte für Dbarao, ſo waͤre ihm GOtt nicht 
erſchienen im feurigen Buſ * da er der Schaafe 
bütete am Berge Aoreb, 2.5.Mof2.0.15.8.3.0.1. 
faq. Hätte die boͤſe Zunge des Doegs den David nicht 
ſo verfolget, er hätte Pr viel herrliche Palmen nicht 
gemacht, ı DB. Sam, 22.0.9, M. 52.0.1. Alſo 
, war Docgs giffiige Zunge Davids Artzney. Alſo 
a murten boͤſe Mäuler der Hofz Raͤthe des Koͤniges in 
— eſen den ae in die Löwen-Brube bringen, 
auf daß 02 eine Allmacht an ihm bewieſe. 
Die böfen 3 An waren Daniels Erhöhung. Alſo 
giengs mit dem Mardachaͤo: Denfelben wolte Has 
man mit feiner Zungen gar todt fihlagen, und an Gal⸗ 
gen bringen; und erhöhete Ihn damit beym Koͤnige, und 
Haman mujke hencken, Eſth. rd. 10. Darum fep 
ſtille dem HMErun, er wird deine Berechigfeit 
Die Wehr ans #hebringen, wie die Tonne, und dein Recht 
belle Con: Wie Den bellen Mittag, Pſalm 37.0. 6. Siehe 
a daß du GOtt zum Freunde habeſt: Denn 
vb dir. Wenn iemandes Wege dem Agırn woblgefallen, 
W a ; ſo machet er auch feine Seinde mit ihm aufrieden: 
eigen Spt tıchro, Sal. 16.0.7. Nimmt nun dir die Welt 
deine Ehre, gedufde dic), GDtt wird fie Dir wiederge⸗ 
ben, Pſalm 91.9. 15. eb will ihn heraus reiffen, 
und zu &hren inscheit, Palm 84. v. ı2. Der HErr 

giebt Gnade und Ehre. 

3 8. So iſt das auch ein Troſt, daß GOtt aller 
en Menfchen Hergen in feinen Handen hat, Palm 33. 
Menichen v. 14. Von jeinen feften. Thron ſchauet er an 

A e, s 


falffhe Zungen uͤberwinden follen. 409, 








alle, die auf Keden wohnen, Er leidet ihnen 5 in 
allen das Sertz, und bat acht auf alle ihre Wercke. Händen, 
Und Pſalm aı. 9.3. GOtt wird dich mid: geben 

in den Wilen deiner Zeinde, Mancher iſt offt bitter Facies viri, 
und böfe, laͤſtert, leugt und. treugt, und draͤuet feinem nis * 
Naͤchſten: In einer Stunde iſt ſein Hertz ſchon um⸗ 
gewandt, und viel anders worden. Ja es begiebt ſich 
bisiseilen, wenn der Bofe zum Frommen Eommt, Fan 

er ihm nicht ein. Haͤrlein kruͤmmen, und muß ibm noch 
gute Wort darzu geben. "Das thut GOTT, mie 
wir an Jacob und Zaban ſehen. Da Laban bitter 
und boͤſe war auf Jacob, frrah GOTT zu ibm: 
Alte dich, daß du nicht anders denn freundlich 1. B. Pol. 
mit Jacob redeft. Alſo auch Eſau und. Jacob + 
Eſau kuͤſſete Jacob, und weinete an feinem Halſe. €. 0.4 

9. Letzlich iſt zwar der. falfhen Zungen Art, dag fie * 

bald über fich fteigt, bald ein groß Anſehen gewinnet, 

alfo, daß fich ieverman darüber verwundert, und zur 

laͤufft; aber fie treibts nicht lange, ſie wird bald zu Boſer 
ſchanden und ſchamroth. Lind wenn fie anfahet zu —5 
falten, fo gehet fie ploͤtzlich zu Grunde. Sie iſt wie ein untergang. 
Feuer, das hoch in die Hoͤhe lodert, fällt aber bald wie 
der, und verlöfchet. Urfach: GOtt iſt den Lügen über: 

aus Feind, weil er die ewige Wahrheit iſt, und Fans in 

Die Längenicht dulten. Wenn ſie meynet, fie habs aufs 

hochfte gebracht, und muͤſſe ſich iederman für ihr fürche 

ten, fo koͤmmt GOttes Gericht wunderlich, als im 3 r. 

Pſalm ©. 19. ftchet: Verſtummen müffen alle fal- Palm 31 
ſche Maͤuler, die da reden wider den Gerechten " _ 
ſtoltz/ ſteiff und hoͤhniſch. Mercke diefe drey Eigen⸗ 
ſchafften der boͤſen Muler, ſtoltz, ſteiff, hoͤhniſch, 

Eſa. 33. v. . Wehe dir, du Veraͤchter! wenn du 

des Verachtens haſt ein Ende gemacht, wirſt du 

wieder verachtet werden. Summa: Das Sce⸗ 

pter der Gottloſen wird nicht bleiben uͤber dem 
Haͤufflein der Berechten, daß fie ihre Hand nicht 
ausſtrecken zur Ungerechtigkeit, Pſalm 125.0. 3. 

Kin böfes Maul wird Fein Glück baben auf 

| ei Erz Erden, 


' 


‚410 B. U. C.17. Troſt wider die Feinde 


Erden. Kin freveler boͤſer Menſch wird verja⸗ 
get und geſtuͤrtzet werden, Pſalm 140. v. 12. 


Troſt wider die Feinde und boͤſe Maͤu⸗ 

ler aus den Pſalmen. 
‚ste Pſalm 3. v. 4. 8. Aber du, HERR, biſt der Schild 
Schild. » für mic), der mich “4 Ehren feet, und 2 





Haupt aufrichter. AfAERR, und bilff 


mir, mein BOTE, denn du fehlägeft alle 
meine Seinde auf den Backen, und zerſchmet⸗ 
terft der Gottloſen Zähne. f 


Gottes Pſalm 4, v. 3. 4. Liebe Herren, wie lange ſoll mei⸗ 
Regierung. ne Ehre geſchaͤndet werden? Wie habt ihr das Eitele fo 
lieb, und, die Fügen fo gerne? Erkennet doch, Daß der 
Herr feine Heiligen wunderlich führet. Der HErr 
höret, wenn ich Ihn. anruffe. 
Kache. Pſalm 5. v. 7. ſqq. Du bringeft die Lügner um, der 
an HErr hat einen Greuel an den Blutgierigen und Fal⸗ 
Berleum: fchen. Sin ihrem Munde iſt nichts Gewiſſes, ihr In⸗ 
der, und wendiges ift Hertzeleid, ihr Machen iſt ein offnes Grab, 
ubigen mit ihren Zungen heucheln fie. Schuldige fie GOtt, 
daß fie fallen von ihrem Fuͤrnehmen. Laß ſich freuen 
alle, die auf dich trauen, ewiglich laß fie rühmen. Froͤ⸗ 
lich Laß feyn in Die, die Deinen Yramen lieben: Denn 
du, HErr, fegneft die Gerechten, du kroͤneſt fie mit 
Gnaden, wie mit einem Schilde. 
gäferer Pſalm 6. d. ı 1. Es muffen alle meine Feinde zu 
— ſchanden werden, und ſehr erſchrecken, ſich zurucke keh⸗— 
enden. ten und zu ſchanden werben ploͤtzlich. ERS 
——— Pſalm 7.v. 1. ſeqq. Auf dich, HErr, traue ich, mein 
GOit hilff mir von allen meinen Verfolgern, und er⸗ 
rette mich, daß fie nicht wie Loͤven meine Seele erha⸗ 
ſchen, und zerreiſſen, weil kein Erretter da iſt. Siehe, 
der hat Boͤſes im Sinn, mit Ungluͤck iſt er ſchwanger, 
Merleum: er wird aber einen Fehl gebahren. Er hat eine Gru⸗ 
ter falen he gegraben, und ausgeführer, und iſt in die Grube 
in ihre ei⸗ DS , s a 
gensOrude. gefallen, die er gemacht hat. Sein Ungluͤck - auf 
einen 


und böfe Maͤuler aus den Pfalmen. 4rı 


feinen Kopff Eommen, und fein Frevel auf feinen 
Scheiteh fallen: 4 un. nun. als) | 
Pſalm 17.0.8. 9. Behuͤte mich, wie einen Aug⸗ Schirm 
Apffel im Auge, befihirme mich unter dein Schatten Aortes. 
deiner Flügel für. den Gottlofen, die mich verſtoͤren, 
für den Feinden, die um und um nach.meiner Seelen 
Ebene >45 Aa N 
r al 18. 0.4.7. Sch will den HErrn loben Gebet 
und anruffen, ſo werde ich von meinen Feinden erloͤſet. Yan r 
Wenn mir angft ift, fo vuffe ich den HErrn an, und 
ſchreye zu meinem &Det, fo erhoͤret er. meine Stimme 
von feinem Tempel, und mein Geſchrey koͤmmt vor 
ihn zu feinen Ohren. 
Pſalm 27.0. 1. faq. Der Herr ift mein Licht Schut 
und inein Heil: Für wem folt ich mich fürchten? Der Gone. 
Herr ift meines Lebens Krafft, für wem folte mir 
‚grauen? Darum fo die Bofen, meine. Widerſacher 
und Feinde, an mich wollen, mein Sleifch zu freffen, 
muͤſſen fie anlauffen und fallen. Wenn fich fehon ein- 
Heer wider mich leget, fo fürchtet ſich dennoch mein 
Hertz nicht, Henn fi) Krieg wider mic) erbebet, fo 
verlaſſe ih mich auf ibn. Denn er decket nic) in 
feiner Hütten zur böfen Zeit, er verbirget mich heims 
lich in feinem Gezelt, und erhoͤhet mich auf einen hor 
ben Selfen. HErr, weife mir Deine Wege, und leite 
mich auf richtiger Bahn um meiner Feinde willen, 
Gieb mic) nicht in den Willen meiner Feinde. Denn 
es ftehen falfche Zeugen wider mich, und thun mir Un- 
recht ohne Scheu, Ich glaͤube aber. doch, daf ich fe 
hen werde das Gute des HErrn im Lande der Kebendir 
gen. Harte des HErrn, fey getroft und unverzagt, 
und harre des HErrn. — 

Palm 31. v. 15. ſqq. Ich aber, HErr, hoffe auf Gottes 
dic, und ſpreche: Du biſt mein GOtt, meine Zeit dehdher 
fiehet in deinen Händen, Errette mich von der Hand gungen 
meiner. Feinde, und vor Denen, die mich verfolgen, 
Verſtummen müffen falſche Maͤuler, die da reden wider 
den Gerechten ſteiff, ſtoltz und hoͤniſch. Wie seh 

N 


412 B.N.E.ı7.  Trofe wider die Feinde 
ift deine Guͤte, die du verborgen haſt denen, die dich 





fuͤrchten, und erzeigeſt Denen, die vor den Leuten auf 


\ 


GOttes 
Rache. 


Die Gott⸗ 
loſen kom⸗ 
men bald 
um. 


dich trauen. Du verbirgeſt ſie heimlich bey dir fuͤr 


iedermans Trotz. Du verdecfeft fie in. der Hütten 
für den zaͤnckiſchen 3 Zungen. 

Pſalm 35.0. 5. 6. Sie muͤſſen werden wie Spreu 
vor dem Winde, und der Engel des HErrn ſtoſſe fie 


“weg. Ihr Weg muaͤſſe finfter und fehlupffrig werden, 


und der — des HErrn verfolge ſie. 
Pſalm 37. v. 1. ſqq. Erzuͤrne dich nicht über die 

Boͤſen, ſey nicht neidiſch über dis Ubelthaͤter. Denn 

wiedas Gras werden fie bald abgehauen, und wie das 


» grüne Kraut werden fie verwelcken. Der Göttlofe 
draͤuet dem Gerechten, und beiffet feine Zaͤhne zuſam⸗ 


göhlerer 
fallen in 
ihr eigen 
Schwerdt. 


Gedult 


Obe windet 


men uͤber i ihn; aber der HErr lachet ſein, denn er ſiehet, 
daß fein Tag kommt. Die Gottloſen ziehen das 
Schwerdt ans, und ſpannen ihren Bogen, dag fie füß 
len die Elenden und Armen, und fehlachten die From— 
men.- 2ber ihr Schwerdt wird in ihr Hertz geben, 
und ihr Bogen wird zerbrechen. Der Gottlofe lauret 
auf den — und gedencket ibm zu todten: Aber 
der HErr laͤſt ihn nicht in feinen Händen, und ver 
dammt ihn nicht, wenn er verurtheiler wird. Ich habe 
geſehen einen Gottloſen, der war trogig, und breitete 
ſich aus, und grünete wie ein Lorbeer Baum. Da 
man vorüber gieng,fiche, da war er dahin, Ich fragte 
nach ihn, da ward er nirgend finden. 

Pſalm. 38. 0.14. ſqq. Sch aber muß ſeyn wie ein 


die £äfterer. Zauber, der nicht hoͤret, und tie ein Stummer, det 


Gott die 
Mache u 
befehlen. 


feinen Mund nicht aufthut. And muß feyn, wie einer, 
der nicht böret, und der Feine Widerrede in feinem 
Munde hat. Denn ich bin zu leiden gemacht, und 
mein Schmertz iſt immer vor mir. 

Pſalm 39,0.3.10.13. Ich bin verſtummet und ſtill, 
und ſchweige der Rreden * muß mein Leid in mich 
freffen. Ich will ſchweigen, und meinen Mund nicht 
aufthun. Du wirſts wohl machen. Denn ich din beyde 
dein Pilgrim und Dunger, wie alle meine Väter, 

Pſalm 


und böfe Miäuler aus den Pfalmen. 413 
Palm ss. ver. 23. Wirff dein Anliegen auf Hilfe der 


den HErrn, der wird Dich verforgen, und wird den Inn @rras 
Gerechten nicht ewiglich in Unruhe laffen. Aber feder Gott⸗ 


GOTT, du wirft fie hinunter ſtoſſen in die tieffe loſen. 
Gruben. Die Blutgierigen und Fallen werden 
ihr Leben nicht zur Helffie bringen. Ich aber hoffe 

Palm 57.9. 2. ſaq. Sey mir gnadig, GOtt, fey 
mirgnadig. Denn auf dich trauet meine Geele, und 
unter dem Schatten deiner Flügel habe ic) Zuflucht, 
bis daß das Ungluͤck voruͤber gehe. Ich vuffe zu GOtt Sott frei 


dem Allerhoͤchſten, zu GOtt, der meines Jammers nn 


ein Ende machet. Er fendet vom Himmel, und bilfft teunwer- 


mir von der Schmach meines Verſenchers, Sela. 
GOtt, ſendet feine Gute und Treue, Ich liege mit 
meiner Seelen unter den Loͤwen. Menſchen⸗Kinder Im Gebet 


ſind Feuerflammen, ihre Zähne find Spieß und Pfeile, dud kobe 


und ihre Zungen fiharffe Schwerdter, Erhebe dic), en 
GOtt / über den Himmel, und deine. Ehre über. alle Iber bie 
Belt. Sie ſtellen meinem Gange Wege, und druͤcken per. 
meine Geele nieder ; Sie graben mic. eine Grube, und 

fallen. ſelbſt drein: Sela. Mein Der ift bereit, 
GOtt, mein Herk ift bereit; Daß ich) finge und lobe. 


“ 


Wache auf meine Ehre, wache auf Pſalter und Harfe, 


DE 


frühe will.ich aufıvachen. HErr, ich will dir danıfen 
unter den Volckern. Ich will dir lobfingen unter den 
Leuten, - Denn deine Guͤte ift, ſo weit der Himmel iſt, 
und deine Wahrheit, fo weit die Wolcken gehen. Er⸗ 
hebe dich, GOtt, über den Dimmel,unddeine&hreubr 
alle Welt. a a a 
Plſalm 64. v. 2. faq. Behuͤte mein Leben fir den Verleum: 
graufamen Feinden, denn fie ſchaͤrffen ihreZungen, voie &uyes 
ein Schwerdt; mit ihren gifftigen Worten zielen fie Fast 
wie mit‘Pfeilen, daß fie heimlich fehieffen den Frommen; 2a. 
plößlich fchieflen fie. auf ihn, obn allen Scheu. Aber 


Gott wird ſie plöglich fehieffen, daß ihnen wehe thun 


wird, Ihre eigene Zunge wird fie füllen, Daß ihr 
ſpotten wird, wer fie fieber, RT 
Pſalm 


414 B. Il. C. 17. Troſt wider die deinde 


Palm 71. v. 10. ſqq. Meine Feinde reden wider 
mich, und die auf meine Seele halten, berathen fich mit. 
einander, und ſprechen: GOtt hat ihn verlaffen, jaget 

nach, und ergreifft ihn: Denn da ift kein Erretter. Sch 
GOttes gehe einher in der Krafft des Hrn HErrn: Sch preife _ 
— deine. Gerechtigkeit allen. GOtt, du haſt mich von 
miderdie Jugend auf gelehret, darum verkundige ich deine YBunz 
u der. Auch verlaß mich nicht, GOtt, im Alter, wenn 
ic) grau werde, big ich deinen Arm verkuͤndige Kindes⸗ 
Kindern, und deine Kraft allen, die noch kommen ſol⸗ 
len. : Denn du laffeft mich erfahren viel und groſſe 
Angft, und macheft mich wieder ledendig, und holeſt 
mich wieder ausder Tieffe der Erden herauf: Dumaz 
cheft mich ſehr groß, und teöfteft mich wieder. 
Gott bede⸗Pſalm 121. v. 1. ſaq. Sch hebe meine Augen auf 
—9 Pa zu den Bergen, von melchen mir Huͤlffe Emmt. 
Schatien Meine Hülffe koͤmmt vom HErrn, der Himmel und 
De N, Erden gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleis 
Ten der dd, ten laffen, und der dich behutet, fchlafft nicht. Siehe, 
ſen Maͤuler. der Hüter Iſrael fehlafft nach fehluminert nicht. Der 
HErr behuͤtet dich; der HErr ift dein Schatten über . 
- Deiner rechten Hand, daß dich des Tages Die Sonne 
nicht fteche, noch der Mond des Nachts. Der Herr 
behuͤte Dich für allem Ubel, er behüte deine Seele: der 
Herrebehütedeinen Ausgang und Eingang von nunan 
\ bis in Ewigkeit. | 
GOtt bes Palm 140. 0.1. fg, Errette mich, HErr, von 
an Fri den böfen Menfchen, behute mich für den freveln Leu⸗ 
der falfchen ten, Die Boͤſes gedencken in ihrem Hertzen, und täglich 
Zungen. Krieg erregen. te fcharffen ihre Zungen, wie eine 
Schlange, Otter⸗Gifft ift unter ihren Lippen, Sela. 
Bewahre mich, HErr, für der Hand der Gottlofen. 
Behuͤte mich für den freveln Leuten, die meinen Gang 
gedenken umzuſtoſſen. Die Hoffartigen legen mir 
Stricke, und breiten mie Seile aus zum Netze, und 
ftellen mir Fallen an den Aßeg. Sb aber fage zum 
Herrn: Du bit mein GOtt, HE, vernimm die 
Stimme meines Flehens: HErr, HErr, meine ſtarcke 
Huͤlffe, 





und böfe Maͤuler aus den Pfalmen. 415 


Huͤlffe, dir beſchirmeſt mein Haupt zur Zeit des Streits, 

Herr, laß dem Gottloſen feine Begterde nicht, ſtaͤrcke 

feinen Muthwillen naht, fie machten fichs erheben, Sela, 

Das Ungluͤck davon meine Feinde rathfchlagen, müffe 

auf ihren Kopff fallen. Er wird Strahlen über fie Straſe der 

fehütten; Er wird fie mit Feuer tieff in die Erde fchla= ae 

gen, dag fie nimmermehr nicht aufitehen. Ein boͤſes Raulet. 
Raul wird Eein Gluͤck haben auf Erden; ein Frevel⸗ 

böfer Menſch wird veriagt und geftürgt werden; Denn 

ich weiß, daß der HErr wird des Elenden Sache und 

der Armen Hecht ausführen. Auch werden die Ger 

rechten Deinem Namen dancken, und die Frommen wer⸗ 

den vor deinem Angeficht bleiben. 

Pſalm 142.0. 1.199. Ich fehreye zum HErrn mit 
meiner Stimme; ich fiehe den HErrn mit meinse 
Stimme; ic) fehutte meine Rede vor ihm aus, und 
zeige an für ihm meine Noth. Wenn mein Geiſt in 
Aengſten ift, fo nimmeft du dich meiner an, Sie le⸗In Ver 
gen mie Stricke auf dem Wege, da ich auf gehe. ii 3, 
Schaue zur Nechten, und fiehe, da will mich niemand niemand 
Eennen: Sch Ean nicht entfliehen, niemand nimmt fich ne 
meiner Seelen an. HErr, zu dir fehreye ich, und fage: alleın. 
Du bift meine Zuverficht, mein Theil im Lande der 
Lebendigen. Mercke auf meine Klage, denn ich werde 
ſehr geplaget; errette mich von meinen Verfolgen, denn. " 
fie find mir zu mächtig. ' Die Serechten werden fich 
zu mir fammlen, wenn du mir wohl thuft, 


Gebet. 


HyAnr HErr JEſu, der du nicht wiederſchalteſt, da dur ges. Petr, a. 
ſcholten wurdeft, nicht dDräueteft, da du lidteft, fondern als v. 23. 
les dem heimftelleteft, der da recht richtet; Ich dance dir, daß Apoftel, 
du mic) wurdigeft, um deines Namens willen Schmach zu leis 7 ch.5. 
den, und zu iͤber zeugen/ daß ich Bürger ſey mit denen Heiligen, &pher. a 
und GOttes Haus⸗Genoß, weildie Welt mirden Namengiebt,v.ı9 
den fie dir, dem Haus⸗Vater, gegeben hat. Du, o Hertzenskuͤn⸗ Waͤtth. 10, 
digen, nel daß die Welt lüget an alle dem Ubel, fo fie wider 9-25- 
mich redet; darum bin ich getroft, als ein Erbeder Verheiſſung, g 8* 9— ne 
e8 werde mir im Himmel wohl belohnet werden. Wehe mir, ee 
wo mir iedermann wohl redete; folte ich diß begehren, fo vers 
an Mi dammfe 





PH. 73. 0.15. 


416 Wie wirdurch die Schmertzen Chriſti 


dammte ich alle deine Kinder, die ie geweſen ſind Die man ge⸗ 
fcholten, deren Namen man verworfen hat, als eines Boshaff- 
tigen. Duaber,o getreuer Heiland, gieb wir, daß ich allezeit, 
nach deinem Exempel, mit Gedult und Sanfftmuth die kaͤſte⸗ 





Pf 3.0.17. rung erdulte. Ach laß ja meinen Fußnidı wencken benn fie 


3. Nett. 2 
v. 12. 


4. Petr. 4 
dv. Ir 
Roͤm. 8- 
D.°8. 


würden fich hoch rühmen wider mich. Staͤrcke mich wit dei 
ner Önade, zu fuhren einen guten Wantel, ouf daß die, fs von 


mir affterreden, als von einem UÜbethaͤter, fehen meine guten 


Mercer und GOtt preifen wanns nun an den Tun fommen 
wird. Laß meine Läfferer nicht länger in denen Stricken und 
Gewalt des Teufels, deſſelben Wercke und Luſt zuthun; Gieb 
ihnen zu erkennen das ſchreckliche Gericht, daß ſie uͤber ſich zie⸗ 
hen, fo lange fie den Geiſt der Herrlichkeit, der über deinen vers 
fehmäheten Gläubigen vubet, lältern ; und bekehre fle durch dei⸗ 
ne groffe Güte. Indeſſen laß innen ihre Bozkeit nicht aelins 
gen, fondern wie denen, die dich lieben, alfe Dinge zum beſten 


» dienen, fo vergilt du mir mit Guͤte meiner Röfterer Flachen. Sie 


gedencken e8 bofe mit mir zu machen, du aber kanſt, Rrafft dei⸗ 
ner Treu und Amts, egnicht anderg als gut machen. Du bift 
erfchienen , die Wercke des Teufels zu zeifisren; Du bik die 
ervige Wahrheit, darum wirft dus endlich die Bi:gen des Teufels 
und feiner Kinder auch entdecken, dar Lügen Reich des Feindes 
zu fchanden machen; mid) aber erlefen von allem Ubel, und 
aushelffen zu deinem himmliſchen Reich. Dir (ey mit Bater und 
dem Heiligen Geift Ehre von Ewigkeitzu Ewigkeit. Iinien. 
x 


Das XVII. Capitel. 


Wie wir durch die Traurigkeit und 


Schmertzen Chriſti follen lernen die 
Wolluſt des Fleiſches daͤmpffen. 


Matth. 26. v. 38. Meine Seele iſt betruͤbt bis in 


Groſſe 
Traurig⸗ 
keit CHri⸗ 
fi. 


der Tod. 
As dritte Stuͤck der Trübfal und Creutzes 
| CHriſti iſt ſeine groffe unausfprechliche Trau⸗ 
rigkeit und Schmertzen, welche ſich mit ihm 
von Mutterleibe angefangen; denn weil ſeine aller⸗ 
heiligſte menſchliche Seele mit dem Licht Goͤttlicher 
Erkaͤnntniß und Weisheit durch die perſonliche Ver⸗ 
einigung erfuͤllet und erleuchtet; So hat ſie auch glles 
Zukuͤnfftige, das ihr begegnen ſolte, als gegenwaͤrtig 


geſehen: Darüber fie auch mit hoͤchſter Traurigkeit 


und inniglichem: Leiden vom Anfang erfüllee worden: 
* Denn 


“ 


ſollen des Sleifches Wolluſt dämpffen. 417 


Denn fie hat zuvor gefehen ihre undenckliche und uns 

fagliche Seelea⸗Angſt und unausſprechliche Leibes⸗ | 
Schmertzen. Denn ie zarter, reiner, unfchuldiger die Seelen 
menfchlihe Natur in EHrifto ift, ie gröffere Angſt, —— | 
Schmertzen und Pein fie erlidten hat: Welches mun 

fichet an aller innerlichen geiftlichen Seelen Angft. 

Denn ie edler die Seele iſt denn der Leib, wegen der 
UnfterblichEeit, ie geöffere Schmertzen fie auch leidet, 

denn der fterbliche Leib. Darum ift der HErr EHris 

ftus nicht frol worden vor fich felbft, oder feinethal 

ben; fondern feine Freude ift geweit, daß fein himm⸗ 

liſcher Dater von den Menſchen möchte recht erkannt, 





geehret, und die Wercke GOttes offenbar werden. 


Darum freuet er ſich im Geift, da die 70. Juͤnger Luc. 10, 

wiederkommen. m 
Beil er wufte alles , was ihm begegnen würde, 

und von wem, nemlich von feinem eigenen Dolck; 

So hats nicht, anders feyn Fünnen , denn daß er in 

fteter Traurigkeit und Schmergen geweſt, und ie nas 

ber fein. Xeiden, ie traurigerz wie er ſpricht: Ich fue m, 

muß mit einer Tauffe getaufft werden, und wie "’* 

ift mir fo. bange, ebe ichs vollbringe. Da nun 

Die Zeit kam, ſprach er: Meine Seele if betruͤbet Natth. «6. 


bis in den Tod. Da er die allerhoͤchſte Traurig⸗3 


keit und Seelen⸗Angſt erlidten, darüber er auch blu= Woher die 
tigen Schweiß geſchwitzet, Kuc. 22. 0.44. eine a 
Seelen⸗Angſt und Leib es⸗Schmertzen, fo er am Creutz z 
erlidten, Fan Feines Mienfchen Zunge ausreden ; Erſt⸗ 7 Re 
lich, weil die Simde ſo ein unendlich und unaus- at ein 
fprechlich Übel ift. Denn e8 hat Die vollfommene unauss 
Beahlung und Strafe der Sünde dem Sohne —5 | 
GOttes an Leib und Seele unausfprechliche, und keir 
nem pur lautern Menfchen erträgliche Angft und 
Schmertzen gemacht. | 
_ 2. Weil er die Sünde der Welt getragen. = 
Das ift; Er hat nicht allein fürdie Sünde gelidten, fo rlt erdie 
vom Anfang der Welt geſchehen; ſondern auch für Weltgerrm 
die, fo bis ans Ende der Welt gefchehen folte, So I" 

| viel 


I, Theil, Dd 


418 Wie wir durch die Schmergen CArifti 


mans:  piel nur alle ind iede Menfchen Suͤnde gehabt, fo viel 

ne Schmertzen har CHriſtus gelidten, ja um einer Sünde 

Ben ẽ Hri⸗ willen ungehliche Schmersen, und fo groffe Sünde, fo 
groffe Schmersen und Pein. Darum bittet er am 
Delberge; Vater, wilt du, ſo nimm diefen Belch 
von mir, Matth. 26.09.39, 

3. 3. So ift auch fonft noch ein hoher und unaus⸗ 
Sehe mat ſprechlicher Schmertz CHrifti, den er empfunden, 
ac. wegen feiner vollfommenen Liebe. Denn ie 

gröffere Liebe, ie grofferer Schmerg. Denn was man 
nicht liebet, macht Feinen Schmersen. Weil aber 
EHriftus feinen himmliſchen Vater volllommlich fies 
bet, fo hats ihm an feiner Serien auch vollkoͤmmlich und 
unausfprechlicher Weiſe wehe gethan, daß GOtt, fein 
binamlifcher Dater, fo hoch beleidiget worden durch die 
Sünde. Und haben ihm unfere Sünden mit aller 
ihrer Strafe fo wehe nicht gethan, ale daß GOTT, 
der die Liebe felbft ift, durch die Sunde fo hoch belei- 
Was dem diget iſt. Und um der Liebe willen des Vaters, die bil- 
‚as ig von Feiner Creatur folte beleidiget werden, hat 
ersten EHriftus den allerfchmahlichjten Tod, und die allerz 
Ben gröften Schmertzen und Pein auf fich genommen, ung 
gemacht· men Menfeben die Liebe und Gnade des Vaters wie⸗ 
der zu erwerben, auf daß; fo hoc) die Liebe des Va⸗ 
ters durch Menfchen beleidiget, ev Diefelbe jo hoch wie⸗ 

der verfohnete. 2 
4 4. Hat auch EHriftus die höchiten Schmertzen 
Unbußkr erlidten wegen der volltommenen Liebe des ganken 
Menfchen menfchlichen Sefchlechts. Denn gleichwie er für alle 
a geftorben, und aller Sünden getragen; fo wolte er auch 
fönerer ge gerne, Daß fte alle ſelig wuͤrden: Und ift alſo der Men« 
inagt. schen Unbußfertigkeit ihm das hoͤchſte Leiden geweſen. 
hurchumi Denn dag ift feiner Liebe zuwider, fonderlich derer 
fanguine, Verderben und Derdammniß er zuvor gefehen, daß 
Anguinem fie nicht werden Buſſe thun; zu gefchweigen, daß ihm 
fuderune : an feiner. liebreichen Seele wehe gethan der groſſe Daß 
und Neid, Feindfchafft und Läfterung derer, Die er doch 
bus ossitus. wolte ſelig machen. Daher fprichter; Di ee 

Mo vi 


follendes Sleifches Wolluſt dämpffen. 419 


ET SEITE 
bricht mir mein Hertz, und kraͤncket mich, Pf. 69. Pſalm 63. 
d.21. Welches er nicht feinethalben allein klaget und »-*"- 
‚betrauret, fondern vielmehr derer halben, die folche 
Schmach an ihm übeten. 

5, Co ift das auc) fein gröfter Schmer und 5 
Pein gewefen, daß er, als GOttes Sohn, dennoch von eos 
GOtt verlaffen gewefen. GOtt Eonte Ihn zwar GOtr am . 
nicht verlaffen, Denn er war ja felbft GOtt, ja er war Graue 
und blieb GOtt, da er am Ereuß hienge, da er farb, Zope. 
da er begraben ward: und Elaget denngch, GOTT 
babe ibn verlaffen, Pſ. 22. 0.2. Matth. 27.0. 46: — 
Aber er hat mit feinem Eläglichen Gefchrey anzeigen nz dj 
wollen, daß ihm GOtt als einem Menfchen, feinen 
Troſt entzogen, fich vor ihm verborgen, und daß er 
uns fein groffes Elend durch fein Elaglich Geſchrey 
offenbarete, 

6. Iſt auch CHriſti Schmers und Pein unaus⸗ & * u 
fprechlich geweft wegen feiner Derfon; Denn erp&hrife 
war wahrer GOtt. Darum alle Schmach und 2arf Aa laeten,. 
fterung, fo ihm wiederfahren, ein unendlich Libel war; en 3433 
weil es der gantzen Perſon wiederfuhr, die GOtt und gefcheben, 
Menfch war / und alſo GOtt felbft: welches der See⸗ sog 
len at: ein hohes und unausfprechliches Leiden (ek 


gewe 

7. Was die leibliche Pein und Marter dem uns 
khufbigften ‚.beitigften, jungfräulichen, zarteſten Leibe $ gie 
des HErrn für Schmergen gemacht, wer Ean das aus: ea uns 
dencken? Einen fo unfhuldigen, garten, edlen, reinen Aukferecr 
‚Leib, von dem Heiligen Geift empfangen, mit der ervigen edlen Rar 
Gottheit perfönlich vereiniget, mit dem Heiligen Geift tur balbım, 
und aller Fülle der Gottheit erfüllet, ſchlagen, geiſſeln, 
verwunden zerjtechen, ereußigen, tödten, das iſt ein Lei⸗ 
den uͤber alles Leiden auf Erden. Keine Creatur kans 
ausſprechen. Was iſt dagegen all unſer Leiden und 
Creutz, die wir Suͤnder ſeyn, und den ewigen Tod 
und Berdammniß verdienet haben? Und wir fliehen 
dafür, murren dawider; da e8 doch. fo eine heilfame 
Artzney iſt. Warlich, ine Se Seele, die CHriſtum * 

A, 


* 


- 


420 Wiewir durch die Schmerzen Chrifti Hr 


— RE N <>. 
CHrite im hat, foll Fein ander Leben und Stand in diefer Wett 
geiben bs wuͤnſchen, denn einen ſolchen wie CHriſtus unfer HErr 
den, it der gehabt. Das ſoll man fuͤr den groͤſten Gewinn achten . 
DR I dieſer Welt, und deffen fol ſich eine liebhabende 
fer Welt, a freuen, daß fie wuͤrdig if, mit CHriſto zu 
eiden. ? > > 
Die Truͤb Und weil wir wiffen, daß Trübfal uns muß-be= 
kl auf en gegnen auf dem Wege zum Himmelreich, dadurch 
Himmels wir kommen zu einer fo groffen unausſprechlichen Hertz 


reich it LichEeit, Apoſt. Geſch. 14.0. 22. warum wandeln wir 


eh denſelben Weg nicht mit Freuden? Ja auch darum, 


liget.. . weilder Sohn GOttes diefen Weg gangen , und ihn 
mit feinem’ heiligen Exempel geheiliget, und in fein 
Meich nicht anders wollen eingehen, denn durch Keiden, 
Luc. 24. 0.26. Ja auch darum, weil auf fo Eurkes 
Leiden folche immerwaͤhrende Sreude folget. | 
Chriſtus · Gleichwie nun E-Hriftus aus Liebe gegen ung fein 
BIhE nicht felbft in Eeinem Dinge verfchonet hat, fondern alles wil⸗ 
‚gefehoner liglich um unfertwillen erlidten: Alſo ſollen wir auch 
umunfert ihn hinwieder heben, und nicht müde werden in einiger 


nn Srübfal; 
Eſa5z ·v. 3. ¶ REtreuer Heyland. der du hie auf Erden voller Schmergen, 
Drajıt 52 G Traurigkeit und Angſt geweſen biſt: die Schmach * 
* 26, die GOtt ſchmaͤheten fiel auf dich, brach dein Hertz, und kraͤnckte 
38. dich. Deine Seele war betruͤbet bis in den Tod: Dein heili⸗ 
| ger Leib Hatte von der Hauptſcheidel bis an die Fußſohlen nichts 
gefundeg, fo, daß auch dein ungerechter Richter bewogen ward 
Joh.t9.v.5. zu fagen: Sehet, welch ein Menfch! Mein HErr und mein 
Roͤm.s. v.s GOtt, ich follte ja mit dir zu gleichem Tode gepflanget (ron, der 
ich in deinen Tod getaufft bin; aber mein Her fichet immer 
2.8. Mof, nach denen Fleiſch⸗Toͤpffen Egypti und achtet fir Wolluft dag 
16.2.3. zeitliche Wohlleben. Ach HErr, laß mich nicht allein anfehen, 
2 * * betrachten, tragen oein Creutz; ſondern laß daſſelbe auch in 
——— mir creutzigen die Welt mit aller ihrer Augen-⸗Luſt, Fleiſches⸗ 
1.50d.2. Luft und hoffärtigem Leben; laß es in mir creusigen den alten 
0.16...  Menfchen mit feinen Lüften und Begierden, damit ich der Welt 
RIM-6H.S. und mir ſelbſt abgeſtorben, wandele in einem neuen Leben, und 

dir in wahrer Heiligkeit und Gerechtigkeit diene,um deines 

| Namens willen. Amen, 
Das 


3.) ol 42T 





ri. Das XIX. Capitel, } 
Wie wir in dem gecreugigten ENHrifto, 
als in dem Buch des Lebens, anſchauen ſollen 
unſere Bunde, GOttes Zorn, GOttes Liebe, 
Gerechtigkeit und Weisheit. 


Offenb. Joh. 5. v. 1. Ich ſahe in der Land 
deß, der auf dem Stuhl faß,ein Buch inwen⸗ 
dig und auswendig gefihrieben. 


EEn gecreutzigten CHriſtum ftellet uns GOTT In Ehriſto 
vor die Augen, als ein Buch des Lebens, an ee 
‚ welchen wir die allerheiligite Weisheit lernen ra ai 
und ſtudiren ſollen; denn in ihm iſt Die Schrift, alle 
Propheten und das gange Geſetz vellkoͤmmlich erfüller, 
durch vollkommenen Gehorſam bis in den Tod, durch 
Erledigung der ſchrecklichen Strafe und des Fluchs 
für die Suͤnde der Welt: Das iſt das Buch, fo aus⸗ 
wendig und imwendig geſchrieben; nemlich voll 
Eommener, inwendiger und auswendiger Gehorfam, 
vollfommen innerlich und aufferlich Leiden. | 

Darum zeiget uns erjtlich Der geereugigte CHri⸗ Der ger 
ftus unfere Sünde, derſelben Stoffe und Menge ; zntiuns 
Er offenbaret uns. durch fein Jammer⸗Geſchrey feiz in einSpie 
ner Seelen Angft, dadurch er die heimliche verbor- gel unterer 
gene Sünde unfers Hertzens gebuͤſſet: Er zeiget ig 
uns feinen verwundeten, blutigen, Eläglichen Leib 
voller Schmergen und Branckheit, daß wir in 
Demfelben, als in einem Buche, leſen und verftehen 
follen unfere Sunde, die wir mit allen unſern Glie⸗ 
dern vollbracht. haben. Kiga \ 
Es ſiehet Die andachtige Seele in dem gecreußig> Im geereu⸗ 
‚ten CHriſto GOttes Gerechtigkeit, daß durch kein Ghrıko fr 
ander Mittel unfere Sünde, und die. Strafe unferer hen IE 
Suͤnde, hat Eönnen hinweg geraumet werden, denn GOttEs 


durch eine ſolche hohe vollkommene Bezahlung; ja, daß — 
wahrhafftig Die Stunde nicht koͤnne ungeſtraft blei⸗ 
ben. Es muſte ehe der * ſeinen allerliebſten 


d 3 Sohn 


| 


422 B. II. C.19. Wiewirin dem gecreutzigten 


Sohn dahin geben, Röm.4.d. 25. €. 8.0. 32. auf 
daß die Suͤnde des menfehlichen Geſchlechts nicht uns 
geftraft bliebe, 
GOttes Wir ſehen in dem geereutzigten EHrifto die groffe 
ein Barmbergigkeit und Liebe des Daters, wie er fo 
ereugigten ein vaͤterliches Mitleiden mit uns gehabt, daß, ehe wir 
eHriko. folten im Tode, Marter und Höllen- Pein ewig bleiben, 
ſo hat ſein lieber Sohn fuͤr uns muͤſſen genung thun; 
weil wir daſſelbe nicht thun koͤnnen mit allen unfern 
und aller Creaturen Kraͤfften und Vermoͤgen. 


Sotte⸗ Wir ſehen indem geereutzigten CHriſto, alsindem 


auibige Buch des Lebens, den allergnaͤdigſten Willen 
felig zu GSGoOttes und Vaͤterliche Vorſorge, uns ſelig zu 
machen. machen; daß ihm nichts zu ſchwer und herdruhuch ge⸗ 
weſen, bis er durch ſeinen lieben Cohn alles verrichtet, 
was zu unfrer Seligkeit gehöret: Daran hat ev nichts 
gefparet und gefchonet, daß wir nur mochten die ewige 

Freude ererben. 
Ottes Wir ſehen auch in dem geereutzigten CHriſto die 


© 
Be hoͤchſte Weisheit GOttes, indem er ein ſolch Mit⸗ 


———— tel unſerer Erloͤſung erfunden, das allen Creaturen zu 
Chriſio. erfinden unmöglich; daß. ‚zugleich feine Gerechtigkeit 
und Barmberkigkeit erfüllet wurde: Denn er bat: 

s feiner Barmbersigkeit alfo gebraucht in der Erlöfung. 
des menfchlichen Seſchlechts daß ſeiner Gerechtigkeit 

kein Abbruch geſchehen. Denn alſo hat CHriſtus 

unſer HErr durch ſeinen Tod unſere Suͤnde beſablet, 

nach der ſtrengen Gerechtigkeit GOttes daß zugleich 

die groͤſte Barmhertzigkeit an uns erfuͤllet iſt: Und 
gleichwie durch den verbotenen Baum der erſte Adam 

den Fluch über uns bracht, 1. B.Mof. 3.0. 1. Alſo 

bat GOtt weislich verordnet, daß durch das Holtz 

des Creutzes der Fluch hinweg genommen, und der 

Degen wiedergebracht würde, ı ‚Petr. 2.0.24. Ja die 
Weisheit GOttes hat wunderlich verordnet, daß 

durch den Tod EHrifti alles lebendig gemacht, und 

der Tod hinweg genommen würde, und Daß er ung 

durch feine Schmergen und Pein die himmliſche ewige 
Wolluſt, 


CArifto unfere Sinde follen anfchauen. 423 


Wolluſt, durch feine Schmach die Herrlichkeit, und 
durch feine Traurigkeit die ewige Freude erwuͤrbe. 

So wunderlich hats die ewige Weisheit GOttes verz 
ordnet, daß durch ein folch Werck, fo vor der Welt die 

hoͤchſte Thorheit ſcheinet, der Welt Weisheit zu nichte 
gemacht, und durch ſolche Thorheit die hoͤchſte Weis⸗ 

heit geuͤbet würde: 1. Cor, 1. v. 23, | | 

In dem gecreutzigten EHrifto fehen wir, als in Der ge 
einem Buch und Spiegel, die hoͤchſte Gedult und Eprfus 
Sanfftmuth, daß er jo gar Feine Rache geuͤbet, Daß ein Brdult: 
er auch für feine Ereutziger und Läfterer gebeten; Ja Erst 
für fie und, ihre Sünde geftorben. 

Die glaubige Seele fiehet auch in dem gecreußig- Im geereu⸗ 
ten ChHriſto, die allergroͤſte und tieſfſte Demuth, die Chile bie 
nicht geöffer und tieffer hat feyn koͤnnen, denn daß der gröfe Des 
Herr der Herrlichkeit einen fo ſchmaͤhlichen Tod wil- nn 
liglich ohne Widerrede und Ungedult erlidten hat. Grad. 
Die glaubige Seele ſiehet auch in dem gecreußigten 
CHriſto, daß fein Leiden und Tod zugleich fey cine Srächtedes 
Erlöfung aus der Hille, und eine Eröffnung des Pa⸗ gen. 
radieſes; die höchfte Verſoͤhnung GOttes und Uber⸗ | 
windung Des grimmigen Teufels; die vollkommene 
Bezahlung der Sunde, und vollfommene Wieder⸗ 
bringung der Gerechtigkeit. 

‚. 2fo fichet nun die glaubige Seele, Daß der geereu⸗ Der ge 
gigte EHriftus fey das rechte Buch des Lebens und an 
der ewigen unbetrüglichen Wahrheit GOttes, daralıs u 
wir recht glauben und vecht Ehriftlich leben lernen; terbte ” 
wollen wir anders wahre lebendige, und nicht todte unpechene 
Glieder feyn an dem Leibe unfers Erloͤſers; Ya, wollen Du, 
wir anders, Daß fein Leben und Tod in ung wuͤrcken, 
und lebendige Fruchte bringen follen, 


Gebet. 


Err HErr SHE, barmhergig und gnädig, gebultig und 2.3. Mof. 
von geoffer Gnade und Treue, der du vergiebeft Miſſethat, 34. 0. 6.7- 
Ubertretung und Sünde, und Fäffeft auch den unfchuldigen 
JElum/ wenn er unfere Sünde auf fich nimmt, nicht unſchul⸗ 
Dis ſeyn; Du legeſt die Strafe ng auf daß ic; Friede Bu ; Efa.53.0. 5 
4 n 


424 BJLE. 20. Don der Brafft des Gebets 


mn 3. Du aber gerächt bleibeft, ach wenn du den Sünder, der da ift 
ob —* des Glau ins an JEſu, gerecht macheſt. Gieb doch, o mein 
9 BA, daß ich in IFſu meinem HErrn dich; den Vater, fo fehe, 
daß id) aller Sünde, um derer willen du deines eigenen Sohnes 
nicht verſchonet, von Herken feind werde, und fie ablege; deine 
Gerechtigkeit in Eindlicher Furcht ſo ſcheue daß deine Liebe mich 
ſtets zum feften Glauben und freudigem Gehorſam antreibe: 
And ich deiner unendlichen Weisheit und heiligen Regierung 
vertrauend, zu allen Zeiten, in allen Begebenheiten dir mich 
laffe ganz und gar. durch FEfum Chriſtum deinen liebenCohn, 
unſern HErrn. Amen. * 
Das XX. Capitel. 
Von der Krafft und Nothwendigkeit 
des Gebets in dieſen Goͤttlichen Be⸗ 
| trachtungen. 5 J 
Hobel. Salon. 3.0, 2. Ich will ſuchen, den meine 
Seele lieber. _ 


Dee SS: Das lebendige Erkaͤnntniß GOttes, und 


— 


man Gt NZ Ach des gecreutzigten E-Hrifti, nicht kan erlan⸗ 
Fang na get werden, man lefe dann täglich und ohn 
erkennen. Unterlaß in dem Buche des unfchuldig- und beiligen 
—— Lebens CHriſti IEſu unſers HErrn; und aber dieſelbe 
Gebet fip, Betrachtung und Erhebung des Gemuͤths zu GOtt 
Pia s.ıs.nicht Fan gefchehen ohne ein andachtig, glaubig, de⸗ 
müthig und fleißiges Gebet, welches nicht allein ein 
Gefpräch des Mundes, fondern vielmehr des glaͤu⸗ 
bigen Hertzens und Gemuͤths, und aller Kraffte der 
Seelen Erhebung ift: So iſt vonnöthen, daß man die 
Art und Tugend des Gebets verftchen lerne. Denn 
RO: 7. ohne Gebet findet man GOtt nicht, das Gebet ift 
7° ein folch Mittel, dadurch man GOTT fürcher und 
finder: Matth. 7: ©. 7. 8. | | 
Daffelbe it nun dreyerley: * Muͤndlich, innerlich 
ey Er und uͤbernatuͤrlich; * wie St. Paulus fast: Ich 
will im Geift beten und mie dem mr ö 
. N Das 


* Er feßet nicht eigentlich drey befondere Arten des Gebete, 
fondern drey Grad, deren einer den andern in fich faffet. 
*+ Solches heiſſet übernatürlich, nicht ob waren die ri 

ra 


& 


in diefen Böttlichen Betrachtungen. 425 


—— — —— — — — nn — — — — — 

Das mimdliche Gebet iſt eine feine demuͤthige Ruͤudlich 
äufferliche Ubung, welche zu. dem. innerlichen Geber Gedet. 
führet, ja welches den Menfchen in fein eigen Hertz fuͤh⸗ 
ret; ſonderlich wenn man im Glauben andaͤchtig be⸗ 
trachtet die Worte, fo man betet; Denn dieſelben be⸗ 
wegen und erhehen den Geiſt und die Seele zu GOtt, 
daß man ein glaͤubig Geſpraͤch in kindlicher Zuverſicht 
mit GOtt haͤlt. AU 

Das innerliche Geber gefchicht ohn Unterlaß im Innerlich 
Glauben, Geift und Gemüthe, wie Joh. 4. v. 23. un Geber 
fer lieber Herr. fagt: Die wabren Anbeter wer- 
den den Oster im Beift und inder Wahrheit an⸗ 
ruffen. Und der 19. Pſalm, v. 15. Laß dir wohl- 

efallen das Befpräch meines Aertgens vor dir. 
Ingleichen Malm 77. 0.7. Mein Hertz redet, mein 
Geiſt muß forſchen. Ingleichen Nom.8.0.1 5. Durch 
welchen wir ruffen, Abba, lieber Vater. Durch 
ein ſolch innerlich Gebet wird man denn gefuͤhret zu 
dem uͤbernatuͤrlichen Gebet; welches geſchicht, wie uhernatar 
Taulerus ſagt, durch wahre Vereinigung mit GOttt lich Gebet. 
durch den Glauben: Da unſer erſchaffner Geiſt ver⸗ 
ſchmeltzt * und verſenckt wird in den unerſchaffenen 
— D— Geiſt 


Grade des aͤuſſerlichen und innerlichen Gebets Wercke der 
atur; ſondern, daß es im hoͤchſten Grad und vor den ans 
dern über die Natur iſt. Dorfibzw. Es ift daffelbe nichts 
anders als eine befondere Gnade GOttes, damit freudige 
und geiftreiche Hergen auf ihr inftändigeg, beharrlicheg, 
innerliches Seuffzen und Seelen-Durft und Verlangen zu 
GOtt begabet werden: Solchen Geift und Freudigfeit haben 
die wenigften, und follen doch an ihrem Gebet nicht zweifeln, 
ob es ſchon nicht fo freudig abgehet, wenn es nur in Chriſt⸗ 
licher Andacht mit gläubigem Hergen gefchicht. Denn GOtt 
theilet auch den Geift oder die Gaben des Gebets unterz 
fchiedlich aus. Varen, i 
* Es ift diefes nicht eine Verfehmelgung oder Einfenckung des 
Weſens, fondern eine auffteigende Andacht in die innerfte 
° Gottheitmit hochſter Freude. Dorſch. Bonabent. Omnis oratio- 
nis finis & fru&tus eft, DEOadherere,& unus cum eo fpiritus 
fieri per liquefaftionem purisfimi amoris, Die Frucht und 
Ende des Gebets iſt GOTT anhangen, und eim Geift —* 
ihm 





426 B. I. C. 20. Bon der Krafft des Bebets 


Geiſt GOttes: Da alles in einem Augenblick gefchicht, 
was fonft von allen Heiligen mit IBorten und Wer⸗ 
cken vom Anfang der Welt ber gefcheben: Und fo Elein 
ein Heller ift gegen taufend Marck Goldes, fo viel beſ⸗ 
fer ift diefes Gebet gegen Dasausmwendige. Denn hier 
wird das Gemüth durch wahren Glauben alfo mit 
GDtteg Liebe erfüllet, Daß es nichts anders gedencken 
Fan, denn GOtt: Und wenn ein anderer Gedancke ins 
Herk und Gemüt) fallt, fo ifts der Seelen leid. Ein 
folch Gemuͤth laft die Zunge nicht reden, Pſalm 37. 
v. 7. oder ja fehr wenig; feuffzet immer zu GOtt, duͤr⸗ 
ſtet immer nach GOtt, Pſalm 42.0.3. Palm 63. 
v. 2. Hat feine einige Luft und Liebe an GOtt, und 
feyleuft die gange Welt aus, und alles, was in der 
Welt ift, und wird immer mehr und mehr mit GOt⸗ 
ars. 0 318 Erkaͤnntniß, Liebe und Freude erfüllet, welches die 
Innige See Zunge nicht ausreden Fan. Denn was die Seele als» 
—— denn erkennet, iſt unausſprechlich, und wenn fie in ſolcher 
Hindetund hoben Andacht gefraget würde: Was erkenneft du? 
ſchmecket. Würde fieantworten: Ein Gut, das alles Gut iſt. 
Was ficheft du? Eine Schönheit, die alle Achönz= 
beit übertrifft. Was empfindeft du? Cine Freu— 
de über alle Freude. Was ſchmeckeſt du? Eine 
Freundlichkeit über alle Sceundlichkeit. Sa, fie 
würde fprechen: Alle Worte, die ich Davon vede, find 
nur ein Schatten ; denn das Föftliche, das ich in meiner 
Geelen empfinde, Fan ich nicht ausreden. Das it 
des ewigen Worts Stimme und Nede zu der liebhas 
benden Seelen, wie Joh. 14. d.2 1. gefthrieben ift: Wer 
mich liebet, dem will ich mich offenbaren. Und 


was man alsdenn fichet und empfindet, iſt über die 
Natur; 


b 





ihm werden durch Verfehmelgung der reinen Liebe. Yaren, 
Das ift der Liebe Art, und darum wird fie dem Feuer Here 
glichen, eine feurige, inbrünflige Liebe genennet, daß, wie 
Wachs im Feuer, alfo auch unfere Geele in derfeurigen Liebe 
GOttes oder in GOtt felbften, als der eitel Liebe ift, gleich 
verfchngelget, wenn fie ſich mit GOtt recht inniglich beluſtiget. 


Paren. 


"in diefen Böttlichen Betrachtungen. 427 


Natur, da höret man unausfprechliche Norte und 
Stimmen, welche beiffen Vox intellectualis & menta- 

lis, das Wort oder die Stimme des Verſtandes und 

des Gemuths: 

Da lernet denn die Seele GDtt recht erkennen gt: 9— 
und ſchmecken. Und indem fie GOtt erkennet, liebet fie zes, 

Ihn und indem fie Ihn liebet, begehret fie Ihn gantz zu 

haben. Und das iſt das rechte Zeichen der Liebe, daß ſie 

das Geliebte gantz haben, ſich mit demſelbigen gantz 
vereinigen, und ſich in daſſelbe verwandeln will. 

Dis wird offt in der Seele des Menſchen empfun⸗ 
den, als in einem Blick, der bald vergehet; ſo ſuchet 
denn ‚die Seele emſiglich, ob fie dieſen himmliſchen 
Blick und Geſchmack Eonne wieder bekommen, daß fie. 
fic) mit den Geliebten möge vereinigen, und fähet 
denn anzu beten mündlich und innerlich): Denn fie fer 
het wohl, daß man folche himmliſche Luft und Erqui⸗ 
ckung durchs Gebet wieder fuchen muß. “Denn alfe —— 
hats die Göttliche Weisheit verordnet, und dieſelbe ar hints 
thut nichts ohne Die allerfchönfte Ordnung, und giebt obne Ord⸗ 
auch allen Dingen ihre Ordnung. | BIN: 
Darum bat fie es alſo geordnet, daß niemand ohne 

das mündliche Gebet kommen Fan zu dein Gebet des 
Gemuͤths; und ohne daffelbe Fan niemand Eommen 
zum übernatürlichen Gebet und Vereinigung mit dem 
hoͤchſten und lieblichften Gut: Welches man zwar 
empfindet, aber nicht ausreden Fan. 

Darum hat GOtt das Gebet fo ernftlich, fo offt Ben 
und fo. betheuerlich befohlen, dieweil das Gebet iſt ein Geber bes 
fand und ein Band, dadurch uns GOtt zu fich ziehet; Su 
Dadurch er ung defto öffter und Länger bey fich behalten n.ns. 50. 
will, dadurch wir auch defto naher zu ihn Eommen koͤn⸗ 
ten, und uns mit ihm, als dem Urfprung alles Guten, 
vereinigen, und fein in allen Dingen nicht vergeffen 
follen: Sonſt dachten wir felten an ihn, und wurden 
feiner Güter nicht theilhafftig. | 

Wenn du nun recht beten wilt, fo muft du mit Bann 
gangem und nicht mit halben Hersen beten; und Da ganzem 

gehoͤ⸗ Hertzen · 


428 B.I. C.20. Von der Krafft des Bebets 


eher geoffe Übung und groſſer Fleiß zu, ſonſt wirft 

du die Frucht des Gebets nicht erlangen. Im Ger 
gentheil, wenn du andere aufferliche Dinge thuft, ſo 
mut du fie alſo thun, daß du nicht mit gautzem Herz 


Ubungdes Bein dran bang: ft; Als, wenn du iffeft und trinckeſt, 
Brei. Ihen der andere aufferliche Dinge ehuft, da muß nicht dein 


ChHriſti 
Sem gg YA 


ua 


An der 


Frucht dei g. 
Gebets if 


nicht zu 
zweifeln. 


gantzes Hertz dran ſeyn, ſondern dein Hertz ſoll gantz 
in GOtt ſeyn, daß du durchs innerliche Gebet ſtetig⸗ 
lich an GOtt hangeſt. Und ie mehr du u aljo| beten wirft, 
ie mehr du wirft erleuchtet werden. Se Elarer du nun 
wirſt GOtt erkennen, ie fieblicher du das höchfte Gut 
empfinden wirt, und ie mehr mirft du in der Liebe 
Hits 8 angesündet, und fähiger werden des hoͤch⸗ 
fien Gutes, welches du übernaturlich in deiner Seelen, 
9 — ſo nicht auszureden iſt, ſchme⸗ 
en wir 

Dieſes dreyerley Gebets Exempel, Lehre, Art und 

Weiſe haben wir an unſerm HErrn JEſu Chriſto, 
wenn wir ſeine Weiſe zu beten recht anſehen; denn er 
offt etliche Tage und Naͤchte im Gebet verharret, 
Luc. 6. v. 12. und mit allen Kraͤfften gebetet, und ſich 
im Gebet und im Geiſt gefreuet. Darum er uns 
mit Worten und Wercken, mit feinem Erempel hat 
Ichren beten, Matt. 6.0.9. Wie er ſprach zu feinen 
ungern: Wachet und beter, daß ihr nicht in 
Anfechtung faller, E. 26. 0.41. Und wie fehr offt 
vermahnet er uns zum Gebet, zu bezeugen, daß ihm 
nichts liebers und angenehmers fey, denn unfer Ge 


bet; und daß er ung wahrhaftig alfo lieb habe, daß 
wir durchs Gebet das edelfte und koͤſtlichſte Gut der 
Seelen erlangen möchten. 


Und damit wir Feine Entfehuldigung hätten, als 
Enten wir dieſe edle hohe Frucht des Gebets nicht er⸗ 
langen, fo hat er nicht allein gefagt: Bittet, ſo wer- 
det ihr nehmen, daß eure Sreude vollkonnnen ſey, 


Joh. 16.0. 24. fondern er hat mit feinem Exempel ung 


zum Gebet bewegen wollen, indem er fuͤr uns gebeten 
in ſeinem Leiden wie der Evangeliſt ſagt: Es * 
aber 


aber, — mit dem Tode rang, und beterebeff- ' 
tiger, Es war aber fein -FAchweiß wie Bluts⸗ 
Tropffen, die fielen auf die Erden, Luc, 22.0.44. 
Setze Diefen Bet⸗Spiegel vor deine Augen, und CHrikus 
ferne im Gebet verharren ; Und ob.du ſchwach bit ver Bet 


N SEA ' Ne Spiegel 
im Gebet, fo ſiehe deinen HErrn IEſum an: Denn er um Gedet⸗ 


hat nicht fuͤr ſich, ſondern fuͤr dich gebetet, und dadurch Buch. 
dein Gebet geheiliget, geſegnet und kraͤfftig gemacht. 
Sieheſt du das; dein Erloͤſer, ob er gleich, als wahrer 
GOtt, alles hatte, fo hat er doch, als ein Menſch, alles 
durchs Gebet von feinem himmliſchen Vater erlangt 
‚ und erbetet um Deinet.willen. Darum fein gantzes Le⸗ 
ben nichts anders geweft ift, denn ein fietig Gebet und 
Seuffzen, den Willen GOttes zu thun: darum er - 
aud) fein Leben am Creutz mit dem Geber. befchlof- tue. 3: 
fen bat. | | ——— 

So nun der HErr CHriſtus um deinetwillen ſo 
hefftig gebetet, und erhoͤret worden iſt: Ach! ſo wird 
ex Dich auch ja umſonſt nicht beten laſſen. Und fo dein Herrliche 
HErr und Srlöfer durchs Gebet alles erlanget bat Dir malen. 


in diefen Börtlichen Betrachtungen. 429 


zu gut: Meyneſt du denn, Daß du ohne Gebet etwas er: 
langenwir? Du weint ja, daß ohne GOttes Gnade, 

Licht, Erkanntniß und Glauben, niemand Ean felig werz 

den; milt du aber GOttes Gnade, Licht und Erz 
Fanntniß haben, fo muft du beten: Denn ohne Gebet 
wirft du e8 nicht erlangen. Bitte um den Glauben, Warum 
um die Liebe, um die Hoffnung, um Demuth, um Ger ny bitten 
dult, um den Heiligen Geiſt, um alle Ehriftliche Tugene. " 
Den, fie werden Dir gegeben und vermehret werden durch 

den, der fie hat; denn, der ftenicht hat, der Eanfie nicht 

- geben; Der fie dir aber geben Fan und will, von dem 

muſt du fie bitten. 

‘ Du Eanft aber nimmer brünftiger und andächtiger _ ne; 
beten, du fegeft dit denn den Spiegel des demürhi> Kraft des 
gen Leidens EHrifti vor deine Augen; feine Armuth, Anbau. 
Verachtung, Schmersen, und, feinen fchmählichen u 2 
Tod. Aenn du in diß Betz Büchlein ſieheſt ſo wird EHri 
dein Ders und Gemuͤth angezuͤndet werden mit inni- 
glichen 


430 B. U. C. 20. Von der Brafft des Bebers 


glichen, feurigem, bruͤnſtigem Seuffien; und werden 
dir zwar viel Anfechtungen des Teufels und deines 

— begegnen, aber du wirſt ſie durch Beten uͤber⸗ 
winden. 

Durch das Anſchauen des gecreutzigten EHrifti 
wird das Gebet erwecket, und wird ſtarck; Dadurch 
wird auch das Hertz gereiniget, ohne welche Reinigung 
des Hergens durch den Glauben Eein recht Gebet ger 

ſchehen Fan. Und durch ſolch Gebet kommt der Heiz 

lige Geift zu dir, wie am Pfingſt⸗Tage über die Apo⸗ 
ftel, als fie beteten, Apoft. Geſch. 2.0. 2. 

Anfechtung _ In deinen Anfechtungen aber über deinem Gebet 

bes Gehets, thue wie der HErr JEſus that: Je hefftiger er an⸗ 

Bene gefochten ward in feinem Gebet am Delberge, ie heff⸗ 

£ue.22. tiger erbetete, fo wirft du auch durchs Gebet überz 

4 gpinden. Durchs Gebet offenbaret ſich GOtt denen 

Menſchen; durchs Gebet wird die Demuth recht ge⸗ 

übet. Da koͤmmt denn zufammen das Hoͤchſte und 

VNiedrigſte; das demuͤthigſte Hertz und der hoͤchſte 

Nutz der GOtt. Und durch folche Demuth wird viel Gnade in 

Demud, des Menfchen Geele eingegoffen, denn ie mehr die 

Gnade GOttes den Menfchen dernüthiget, ie mehr in 

folcher Demuth) die Gnade GOttes waͤchſet und zu⸗ 

nimmt: Und ie mehr GOttes Gnade im Menfehen 
zunimmt, ie mehr ſich Die Seele demüthiget. 

Hinderung Die gröfte Anfechtung und Hinderung aber des 

ann Gebete ift, wenn GOtt die Gnade der Andacht und 

— Inbruͤnſtigkeit entzeucht; und dann folt du am meiften 

men beten: Denn obwol GOTT ein inbrünftiges Ge⸗ 

bet fehr lieb it, fo ifE ihm doch das Gebet viel lieber, 

welches Du in ſolcher deiner Seelen⸗Noth, in deiner 

Anfechtung, Betruͤbniß und Traurigkeit hut. Denn 

Dede gleichwie es einem natürlichen Vater vielmehr jam⸗ 

oc mert, wenn ihn ein kranckes Kind mit Eläglicher Stims 

am ange me anwinſelt, als wenn ihn ein ftarckes gefundes Kind 

nehmen. mit vollem Munde ancufft: Alſo ift dem lieben GOtt 

eines Eleinmüthigen, fchwachglaubigen , troftfofen 

Geiſt⸗ armen Menfchen innerlich heimliches a m 

euff⸗ 



















































































































































































































































































X 
\ ’ 


Das Andere Buch, Cop. XXI. piag. 431 

„Hier find Korn-Yehren auf dem Selde, da die niedriaften die 
voͤlleſten find, und das beſte Korn haben, da hingegen die Achren, 
die hoch und aufrichtig fteben, lecr find. oder raub Korn haben: _ 
Alſo ie giedriger und demüthiger ein Menfch ift, ie voller iſt er 
von der Gnade GOttes da hingegen die Stoltzen und Hochmuͤ⸗ 


thigen gantz leer von der Goͤttlichen Gnade, und vielmehr dem 
is: en ein Greuel ſind. 


Sirach 3. — r0. 
Der „Er iſt der Allerhoͤchſte, und thut doch 
groſſe Dinge durch die Demuͤthigen. 


— nehr ein Gottes⸗Menſch ſich mir dem Zertzen 


beuget 
Vor dem, aus welchem alles Gute gpillt; 
Jemehr er von ſich zeuget, a 


Daß er mit Gnad und Gegen angefuͤllt: 
Ein Welt⸗Menſch aber, der fein freches Haupt erhebet, 
Und allegei 
Gern oben ſchwebet, 

Verraͤth die Groͤſſe ſeiner Eitelkeit, 
Und giebt durch ſolchen Hochmuth an den S Tag, 
Duß er die Herberg eines tummen Kornes, 
Und ein Gefaß Der Unehr und des Zornes, 
So in das Feur gehört, und nicht entrinnen mag, 
Der EHtt, Yer über feine Chr 
Mit Eifer halt, zerſtreut die trogigen Gemuͤther: 
Sr macht die. Dürfftigen zu Erben feiner Güter, 
Und laͤſt die ſtoltzen Reichen leer. 

Wohl dem, der geiſtlich arm, in Hertzens⸗Niedrigkeit 
Sein eigen Nichts mit ernſtem Fleiß betrachtet, 
Sich keiner Gnade wuͤrdig achtet; 

Der bleibet Gnaden⸗voll, und dwaͤchſt von Zeit zu Zeit 
Zu einem groͤſſern Maaß, 

Der iſt bey GOtt angeſehen: 

Den wird er als ein E hren⸗ Faß 
Mit Shrie keinem Haupt zur Herrlichkeit erhoben, 


in dieſen Böttlichen Betrachtungen. 431 


Seuffzen viellieber, denn eines Starckglaͤubigen Gebet, 
der voller Freude iſt. GOtt wird div feine Gnade zu 
feiner Zeit wol wiedergeben, und diefelbe Dir nicht miß⸗ 
gönnen oder verfägen. | 


Geber. 


SPZtmbereiger,getreuer GOtt / egiftja eine unausſprechliche 
Gnade, daß du ung fo tieffgefallenen Adams⸗Kindern eis 
nen freyen Zugang zu dir verftatteft, erhöreft unfer Gebet, ja, 
befiehleft, wir follen unfern Mund weit aufthun, und dich ihn Ephef. 2. 
füllen laffen! Um fo viel ftrafbarer ift, o HEtr, meine Träg-d. 18. 
heit, der ich zum Geber fo wenig Luft babe, und darinnen fo kalt⸗ Dioim 6% 
finnig bin. Wenig mehr als Lippen-Dienft ift es, mein GOtt / gyfatın gr 
das du von mirhaft. Erbarmedich mein, o Argt meiner See⸗ u. 
len / und heile auch diß mein Gebrechen; geuß aus über mir den Pfalm 103% 
Geift der Gnaden und des Gebets, der ohn Unterlaß in mir !. 3: 
ruffe: Abba, lieber Barer! Laß ihn meiner Schwachheit aufz Zach 12. 
belffen, wann ich nicht weiß, wie ich beten fol. Begnadige du Höm. e. 
auch deines Geiſtes Schreyen in mir mit deiner tröfllichen Ant⸗ v.ı5. 26, - 
wort. Sprich du zu meiner Seelen: ch bin deine Huͤlffe; fo Pfalm 35. 
werde ich mich nicht fürchten, wann gleich die Welt untergienge, D.3, 
und dieBerge mitten ins Meer fincken. Laß mid) hoͤren, daß —* 48. 
du, o HErr, vedeft, daß du Friede zuſageſt; fo wird mic nicht pfalm 35. 
erfchrecken, wann ſich auch ein Heer wider mic leget. Ein v. 9. 
— en hi 9 u —— als alle Welt betruͤ⸗ ae 27% 
et; mehr flärden, als alle oͤllen⸗Pforten vermögen zu fehre: a: 

dien. Nach dir durflet meine Seele, mein Fleiſch — up 2 
nach dir, in einem trockenen und duͤrren Lande, da fein Waſſer Hohened 
ifl. Deine Güte ift beffer denn Leben. Zeige mir deine Ger Salom = 
ftalt, laß mich hören deineStimme ; denn deine Stimme ift füffe, * 14 

und deine Geftalt lieblich. Machemich los von der Erden, und I IP k 
verſencke mich gantz in die, du Abgrund der Liebe und Freude, """ 
Meine innigliche Gemeinſchafft ſey mit dir, Vater, und deinem 

Sohn JEſu CHrifio, dag ich ſchmecke deine Suͤßigkeit im Her⸗ 

gen, und durfte ters nach dir, Amen. 


Das XXI. Capitel, 


- Bon der Krafft der edlen Tugend 
der Demuth, 
Judith 9. v. 13. Es haben dir die Aoffärtigen 
noch nie gefallen, Aber allezeichar dir gefal 
len ver i£ienden und Demüthigen Geber. 


Dhne 


432 B. u. C.21. Von der Brafft der edlen 


Chrifi Hne wahre Demuth iſt alles Gebet umſonſt. 
ganzen dee XVieſe Tugend koͤnnen wir am allerbeſten von 
Demutyin VS unferm HErrn IEſu EHrifto lernen, welcher 
— 55 iſt ein vollkommener Spiegel aller Tugenden; denn 
den, Siehe an fein Leben, es iſt eitel Liebe und Demuth: 
Siehe an ſeine Lehre, fie iſt eitel Weisheit und Wahr⸗ 

heit, welche nicht ſtehet in Worten, ſondern in lebendi⸗ 

ger Krafft und in der That ſelbſt. —* 
Und daß wir ja dieſe Tugend recht von ihm lernen 
ſollten, ſo hat er uns dieſelbe nicht allein in Worten, 

| fündern mit der That und heiligen Exempel gelehret, 
phillpp · 2. indem er fich felbfE erniedrigte bis zum Tode am 
En, Creutz. Darum fiche, wo dieſe Tugend ihr Funda⸗ 
Inent der ment und ihren höchften Grund hat; nicht in einem 
Demuth. Engel, nicht in einem Apoftel oder andern Heiligen, ſon⸗ 
dern in. EHrifte JEſu ſelbſt. Darum richt er: 
Lernet von mir. Als wolt er fagen: Sehet mic) 

an, wie ich mich unter alles hinunter laſſe, da ich doch 

über alles bin: So vie! niedriger ijt meine Demuth, fo 
viel hoher meine Majeſtaͤt iſt: und fo viel lieber foll euch 

diefe Tugend feyn, weil ich, euer HErr und GOtt, euch 
dieſelbe mit meinem Leben vorbilde. Er fpricht: 
atth.i, Kernet von mir, nicht groffe Dinge und Wunder 
 m29 thun, oder andere groffe Wercke der Schöpffung, 
fondern demuͤthig und fanfftmürbig feyn. Und wo 

ich euch nicht ſelbſt mit meinem Exempel Diefelbe lehre, 

ſo follet ihr mir nicht glauben, daß dieſes fo cine hohe 

edle Tugend ſey. : 

Gh. 13. Zu dem Ende übete der HERR das demüthige 
se Merck, und wuſch feinen Füngern die Fuͤſſe auf daß 
der HErr er die Tugend durch fein Exempel ung allen ins Hertz 
a pflanste, wie er ſpricht: Wiſſet ihr, was ich euch 
Füffegewa, getban babe ? Alswolt er fprechen: Wo ihr meiner 
ſchen. Demuth vergeffen werdet, fo werdet ihr ein fuͤrnehmes 
Stück vergeffen meiner Lehre und meines Exempels; 

darum laßt diß mein Exempel eine Negel und Nichte 

ſchnur feyn eures gangen Lebens, und laſſet euch diß Bild 

der Demuth vor euren Augen ſtehen. 

- Damit 


Tugend der Demutb. 433 


Damit wir nun zu unferm Bornehmen Eommen, Warum 
wie das Gebet, gleichwie ohne Glauben, alfo auch ohne * —— 
Demuth, nichts ſey; fo wiſſet, daß die Demuth im murh 
Hertzen ein ſchoͤnes Licht oder Erkaͤnntniß iſt, Dadurch rose. 
erkannt wird die Nichtigkeit des Menfchen, und die Demut 
hohe Majeftat und uͤberſchwengliche Güte GOttes. fr. 

Se mehr man nun Diefelbe erfennet, ie mehr man im 
Erkaͤnntniß feiner eigenen Vlichtigkeit zunimmt; denn 

wenn ein Menfch fichet feine Eitelkeit, daß er gantz leer 

ift alles Guten, fo fahet er an defto brünftiger zu beten 

um die Gnade und Barmhertzigkeit GOttes, und 

fahet an, GOTT, als den Urſprung alles Guten, 

recht zu erkennen, zu loben und gu preifen, und fiehet in 

ſolcher Demuth GOttes Herrlichkeit und. uber 
fchwengliche Liebe und Gnade: ‘Denn fahen an die 
Gnaden⸗Stroͤmlein abzuflieffen in eine ſolche glaͤubige 

Und’ dermithige Seele durchs Gebet. Durch ſolche 
Gnade GOttes wird auch der Heilige Geift über 

uns mehr und mehr ausgegoffen, und feine Gaben 
vermehret, und durch den Heiligen Geift die Liebe 
GOttes in unfer Hertz, Nom. 5. verf.s. Denn 

wenn eine glaubige Seele ſiehet ihre Nichtigkeit, und 

daß gleichwol GOttes Sohn felbft fich fo, tieff herz 

unter gelaffen, und nicht allein Menfch worden , fon 

dern um fa einer elenden Creatur willen fo ein ſchwe⸗ 
tes, hartes, unausfprechliches Creutz erlidten: So wird zent 
in dieſer Demuth folches edle Flaͤmmlein der Liebe m Sor 
GDttes vermehret, und durch den Glauben in Sorte, was 
gezogen, alſo, daß fie in GOtt alle Menſchen liebet nn lie— 
um der groſſen Liebe GOttes willen; denn ſie ſiehet, 

wie hoch fie ſelbſt und alle Menſchen in ChHriſto gez 

liebet werden: Und weil ſie in GOtt gezogen, und in 
Beine Liebe befchloffen, ſo liebet fie auch alles, was 

ie hebet, 0 — 

Daher folget, daß die Liebe ſich freuet über allem Der dems— 
Guten, fo dem Naͤchſten wiederfaͤhret, und trauret Wigeneiede 
ns re * ‚16 * —— Und * ſie zen 
freundlich und guͤtig ift gegen den Naͤchſten, vichtet 
. 1. Theil, € rn za Hape 


Demutb 
richtet fich 
felbf, 


Demuth 


ftärcket das 
Erfänntniß r , i L E 
‚wenn ein Menfch anfchauet feine eigene Unwiſſenheit, 


GOttes 
und Hoff⸗ 
nung» 


Demuth. 


macht alles 


lieblich. 
Demuth 
pie und 

dret aus 

Liebe viel 
Schelt⸗ 
Worte 
nicht. 


434 B. I. C. 21. Von der Krafft der edlen 


und urtheilet ſie ihn nicht bald, wenn ſie ſein Elend 


ſiehet; viel weniger wird ſie aufgeblaſen und ſtoltz, ihn 
zu verachten, 1. or. 13. verſ. a.faq. Denn in wahr 
rer Demuth) fiehet fie ihrfelbft eigen Elend und Nich⸗ 
tigkeit, und daß fie in gleichem Unglück und Sünden, 
und noch wol aröffern, jtecfe. So ſie ftehet, erfennet fie 
wohl, dab fie von ihr felbft und durch ſich ſelbſt nicht 
habe beftehen Eonnen, fondern fey durch GOttes Gnade 
erhalten, 

Die demüthige Liebe richtet und urtheilet fich alles 
zeit felbft, che fieandere Leute urtheilet, und gehet in fich 
felbft, wenn fie fiehet des Naͤchſten Unglück, und be> 
trauret fich felbft: “Denn fie ſiehet in des Nächften 
Fall ihre eigene Gebrechen, Sunde, Jammer und 
Elend. 

Durch Demuth wird auch ein Menſch im Erkaͤnnt⸗ 
niß GDttes geftarcket, und in der Hoffnung, denn 


Blindheit und Thorkeit in GOttes Sachen, fo danckt 
er GOtt für die Offenbarung feines Aborts, und 
nimmts defto mehr zu Hertzen: Und wenn er befrach- 
tet, daß alle fein Vermögen und Kraffe nichts ift, fo 
wird er in der Hoffnung geftarcket, Daß er Diefelbe al⸗ 
fein auf GOtt ſetzet. 

Durch die Demuth wird auch ein Menfeh lieb⸗ 
(ich und angenehm in feinem aufferlichen Leben: denn. . 
diefelbe Tugend laft einen Menſchen nicht zanckſuͤch⸗ 
tig, baderhafftig feyn , fondern gelinde und freund⸗ 
lich: Ja, fie macht einen Menicyen dem HErrn 
CHriſto gleich, der da fpeicht im Malm: Ich muß 
fepn wie ein Tauber, der nicht börer, und wie 
ein Stummer, der feinen Mund nicht aufthut; 
Und muß fepn wie einer, der nicht börer, und 
der Feine Widerrede in feinem Munde hat, 
Pſalm 38.09.14. 15. Und ift denn ein folcher glaͤu⸗ 


biger Menſch ein Iebendig Glied CHriſti, in welchen 


CHriſtus lebet. 
Die 


Tugend der Demutb. Ä 43 5 


Die Demuth *aachet auch einen rechten inner⸗ giedt 
lichen Herhens⸗ Frieden, und macht, daß eine ſolche driebe. 
Seele durch Eein Unglück und — verunruhiget, 

und allzahoch betruͤbet werde; ſondern ſpricht mit St. 
Paulo: Wer will uns ſcheiden von der Liebe GOt⸗ Rn. s. 
tes? Roͤm. 8. v. 35. Laß dir an meins Gnade ge⸗v35. 
nilgen, 23 Eor. 12.5V. 9. Fr 

Die Demuth würdfer auch Verſchwiegenheit; Verſchwie⸗ 
denn fie erkennet ihre eigene Unmwiffenheit und Thor" 
—9 und unterſtehet ſich nicht viel zu reden und zu 

lehren. 

Summa fes iſt nicht auszureden, was für ein hohes Demuth el⸗ 
geiſtuches Gut und edler himmliſcher Schatz in dieſer Shaw 
Zugend, als in einer geiftlihen Schatz⸗Kammer, verz vol himm⸗ 
borgen iſt: Darum nicht ohne Urfach der Sohn GOt⸗ lder ER 
tes, unfer Licht, Leben, Schag und Heil, diefelbe.vdun 
ihm zu lernen befohlen: Und wolte EDtt, es erfülleren 
alle Chriften den heiligen XBunfeh des HErrn, und ler⸗ 

neten Diefe Tugend von ihm! ‚ | 
Weaodurch aber, Durch weiches Mittel, Durch welchen 
Meg kommen wir zu diefem edlen Schas, der fü viel 
Gnaden⸗Gaben mit fich bringt? Durch zwey Wege: 
1. Durch ein inbruͤnſtig, andächtig, hertzlich Ge- 
bet: 2. Durch Anſchauung des gecreugigten 
Chriſti: Nemlich, durch Betrachtung feines Leidens Demuth 
und feines Todes, in welchem, als in einem heiligen 51 Grund 
Buch des Lebens, wir fo lange ſtudiren und meditiren vieler au 
müffen, bis in unferm Hertzen von Tage zu Tage Diefe dern Zu 
Wurtzel wachfe, und in derfelben, als in einem guten m 
bereiteten Grunde und Acker alle Tugenden. 
ee, Ce zı Gebet. 
* In Krafft und Licht des Glaubens; nicht vor ſich allein, oder 
aus eigener Krafft. Dorfch. 
Er redet von der geiſtlichen Demuth vor GOtt, die da 
beſtehet im Erkaͤnntniß feiner Nichtigkeit, Schwachheit und 
Unmurdigfeit, da der Menfch an allen feinen Kraͤfften in 
geiftlichen Sachen versagt, und fich bloß an GOttes Gnade 
halten muß: Dicfe, wegen des Glaubens und Gebetg, mit 
denen fie nahe verbunden ift, machet einen rechten innerlichen 
Hertzens⸗Frieden. Faren. 








— 


436 B.I.E.21. Von der Rraffe der Demutb 


Joh. 13. 
0.14.15, 
Matth. 12. 
v 29% 


\ 


I, B. Mof. 
18. 0.27. 
Pf.103.0.15. 
Pi.144: 044. 





% Gebet. 


O HErr JEſu, du ſanfftmuͤthig⸗ und demuͤthiger HErr JE⸗ 
fu, der du ung die edle Tugend der Demuth nicht allein mit 
Morten, fondern mit der That und deinen heiligen Erempel ge- 
lehret haft, und dich alfo auch bierinnen zum Fuͤrbilde vorge: 
ſtellet; wie du denn ausdrücklich befohlen, daß wir felbige von 
dir lernen folen. Ach verleihe mir deine Gnade, daß ich deis 
nem Befehl willig und in wahrer Aufrichtigfeit meines Hertzens 
geborfame, mich in dem Spiegel deines demüthigen Lebens und 
MWandelg immer befchaue, und deinem Bilde ie mehr und mehr 
ähnlicher zu werden befleifige. Gieb, daß ich Erafft diefer herr⸗ 
lichen Tugend erkennen lerne meine eigene Nichtigkeit und fünd- 


liches Weien, und wie fo gar nichts Taugliches und &utesben 


mir zu finden fey; hingegen mich zu dir, als dem Urfprung und 
Brunnquell alles Guten, wende,deine Gnade und Barmhertzig⸗ 
feit demuͤthig fuche und alle meine Hoffnung und Vertrauen auf 
dich meinen HErrn, einktg und allein ſetzen moͤge. Ach Dre! 
wer bin ich? Und wer bift du ? Ich ein armer fündhafftiger 
Menfch, ein nichtiger Wurm, Staub, Aiche und Erde, voller 
Eitelkeit, Muͤhſeligkeit und Thorheit, eine binfallende Blumt, 
ein Füchtiger Schatten; Du aber der glortwü:digfte Majeſtaͤti⸗ 
ſche GDtt, ein ewiges, allmaͤchtiges, allweiſes allwiſſendes, 
allgegenwaͤrtiges, unermeßliches, reines, heiliges, unbefleck⸗ 
tes Weſen, ein heller Spiegel aller Tugenden, eine Quelle der 
ewigen Liebe, ein liebliches Licht, eine unbeſchreibliche Krafft, 
eine unbegreiffliche Gute, viel herilicher, ſchoͤner, lieblicher, als 
aller Engliſcher und menſchlicher Verſtand faſſen, oder derer 
Mund ausſprechen Fan. ch wie darff doch nun der Menſch fo 
vermeffen feyn, einigen Hochmuth bey fich aufffeinen zu laffen ? 
Und weil auch,  gütiger GOtt vermoge der genauen Berbin- 
dung deiner Kiebe mit meines Nöchtten Liebe, aller Stol& und 
Ubermuth gegen denfelben zu vermeiden; ach fo laß mich auch 
hierinnen deinem Befehl und Exempel nachkommen und gegen 
einen ieden meiner Neben⸗Chriſten demüthig und befcheiden ers 


. mweifen, und, fo mein Naͤchſter ſtraucheln oder gar fallen feite, 


Nön. 14. 
dv 13, 


1. Cor. iz 
V. 4. 


ihn nicht richten oder urtheilen; ſondern vielmehr in wahrer 
Hertzens Demuth mein eigen Elend dabey erkennen, und erwaͤ⸗ 
gen, daß ich in gleichem Ungluͤck und Suͤnden und noch wol 
groͤſſern ftecfe.  Gieb, daß ich mich gegen tedermann gelinde 
und freundlich, auch gegen meine Berleumder und Widermärz 
tigen erweife, und nicht zanchfüchtig, hade hafftig und trogig er» 
funden werde. Summa, daß ich mich in alen meinem Thun 
nach aͤuſſerſtem Vermoͤgen, durch deine Gnaden-Krafft, alfo 


erweiſe und anſtelle, wie du mir, mein JErr JEſu, mie deiner 


Lehre und Lehen vorgeleuchtet; welches ou mir in Krafft deines 
Heiligen Geiſtes verleihen wolleſt! Amen. 


- 


3) 0o0 . 437 
— Das XXII. Capitel. a 
Alle Werde eines wahren Ehriften 
folfen in Demuth gefchehen , oder es 
werden eitel Greuel und. Abgötterey 
! draus, 
Ruc, 16. v. 15. Alles, was vor der Welt hoch ift, 

das iſt vor GOtt ein Greuel. 

arte Wercke, ſo SOTT gefallen, und ihn ein GOtt ge⸗ 

D) angenehmes Opffer feyn follen, müffen aus ei- Kiss 
DIIT nem wahrhaffiigen Glauben gehen, welcher müfen aus 
im Hertzen Die Chriftliche Demuth wuͤrcket, daß ein bemdrhi 
- Menfeh erfennet, dab GOtt alles, was gut und tuͤch⸗ ben tom: 
tig ift, in ihm wuͤrcket Durd) feine Gnade; wie St. mit 
‚Paulus fpricht: Nicht ich babe folches getban, u.1o. — 
fondern GOttes Gnade, die in mir iſt. Wer nun 
Daffelbe nicht thut, der begehet eine Doppelte Suͤnde: 
Erſtlich, einen Abfall von GOtt, daß er fich von 
GOTT abwender zu ihm ſelbſt; das ift, von dem 
hoͤchſten Weſen zu dem, Das nichts iſt: Darnach einen Pernicht 
Gottes Raub, indem er ihm gueignet die Ehre, die — 
GDTT allein gebuͤhret, Daß nemlich alles, was der raubet 
gut ift und heift, GOttes allein ſt, und nicht des Men, Rut fine 
fchen; denn GOtt der Here fpricht: Ich will meine Efa.42.08. 
Ehre keinem andern geben, noch meinen Rubm | 
den Boten. Das meynet er alfo, daß Ehre und 
Ruhm niemand gebühre, denn GOtt allein. 

Wer ihm nun etwas zuſchreibet, daß er viel wiſſe, Eisene Eh⸗ 
vermöge und thun koͤnne, oder gethan, habe, der eignet re t4ogdb 
ihm felbit Ruhm und Ehre zu, die Doc) allen GOttes * 
iſt; Und alſo macht der Menſch aus ihm ſelbſt einen 
Goͤtzen; Derowegen iſt eigene Ehre, eigene Liebe, 
eigner Ruhm Die allergreulichſte Abgoͤtterey, und da⸗ 
her will auch der Teufel angebetet ſeyn. 

Einen ſolchen Teufel, der von iederman will ange⸗ EigenLiebe 
betet feyn, hat ein ieder Hoffartiger, Ehrſuͤchtiger ii innerlis 
im Serken. Siehe zu, daß du dis Idolum, dieſen hapzenfer 
Abgott, in deinem Hertzen AR: und Mn: 
ve 3 eſt. 


/ ‚ - 
438 B.1. C.2 2. Alle Werde eines wahr. Chriften 
eſt. Viel Leute find fo heilig, daß fie kein aͤuſſerlich 
ild anfehen wollen; auf daß fie nicht verunreiniget 
werden; und erkennen den groffen Abgott nicht; den fie 
im erben tragen, der fie auch alfo verunreiniget, Daß 
fie ein Geeuel vor GOtt werden: Denn alles, was 
vor der Welt hoch iſt, (verftehe aus eigener Ehre_ 
Welt ir und Liebe) das iſt vor GOtt ein Greuel. Alle 
— Menfchen, die an ihnen ſelbſt, an ihren eigenen Ehren, 
Kraͤfften und Dermögen bangen, find abgöttifch: Und 
alfo iſt Die gange Welt voll Abgötterey, und alle Haus 
R fer vol lebendiger Süßen. 
Was As Die Abgotterey kommt von innen heraus, die dich 
ann perunteiniget, denn wohin ſich dein Hers neiger, 
| woran es hanget, worauf es ruhet, was es liebet, alg 
zeitlich Gluͤck, Reichthum, Gewalt, Ehre, langes Le— 
ben, das iſt alles Goͤtzen⸗Werck und Abgoͤtterey. Des 
Sie iR rowegen Die Abgoͤtterey nicht aͤuſſerlich iſt, ſondern in⸗ 
innerlich erlich, geiſtlich, und quillet von innen heraus; denn 
Pſalm7. GDet richtet alles nach dem Hertzen, welches GOtt 
»1. allein anfchauet und prüfe, falm 7. v.ıo. Und 
urtheilet dich nach deinem &lauben oder Unglauben. 
eh 6. Darum foricht der Herr: Wo dein Kerg iſt, da 
Nr iſt dein Schatz; das iſt, dein GOtt, deine Ruhe, 
dein Friede, Deine Zuverſicht, Deine Luft, Dein Paradies, 
dein Himmel und alleg. Mercke nur auf dein Ders, 
worauf es ruhe init Luft und Kiebe, das ift gewiß dein 
Gott, es fen, was es immer wolle, Beruhet ‚dein 
Hertz allein in GOtt, fo it &Dit dein GOtt, und 
ri 344. biſt ſelig; denn felig ift der, def der HErr fein GOtt 
iſt: Und babe deine Luft an dem Aren, der 
wird dir geben, was dein Hertz rmünfcher. °M. 37. 
9,4. Hanget dein Has an der Ißelt, fo ift die Welt 
dein Gott. Und fo ınit allem, daran du hangeft. 
„on Daraus ficheft du, daß in der Wahrheit ein 
Goͤtze in der Welt ift, ohne, welchen des Menſchen 
en  Hers darzu machet. Darum wird auch der Teufel 
ein Gore ein Gott diefer Welt genannt, weil ihm die Gott— 
dieſer Welt (ofen folgen, feine Wercke thun, die Finſterniß ha 
| efal⸗ 





ſollen die Demuth beweifen. 38 
se 


Gefallen haben an des Zeufels Wercken: Denn alfo genennet 
machen die Leute felbft den Catan zu ihren Gott, Mean, 
‚Für den hoͤltzernen Goͤtzen iſt fich Leicht zu huͤten; 834 
huͤte Dich für den giildenen, _ Für den todten Gößen ift her opraı 
fich auch leicht gu hüten; huͤte Dich für den lebendigen man ſid 
und fuͤr dir felbft ; Denn fo bald du dir Ehre, Ruhm, buten I, 

- Kunjt, Gewalt zuſchreibeſt, fo bald macheft du aus Dir 

felbft einen Goͤtzen. Und das bat GHDft eigentlich mit 

den Worten verbothen, daß er feinen Ruhm den Ela 4a 
Bösen nicht geben wolle; denn alleg, was Ehreumd" ® 
Ruhm iſt und heiffet, "das gebuhret niemand, denn 

dem, der. der Allerhöchfte und Heiligſte ift, und dem, 

der das ewige und höchfte Gut if. Darum lerne all 

hier, daß du dir Feine Ehre und Ruhm zufchreibeft, wilt 

du anders nicht aus Dir felbft einen Abgott machen, 

und alle deine Wercke zu lauter Greuel. Kerne auch 

bier, was wahre Demuth ſey. ‚Wahre Demuth ift, as 
Feine Ehre begehren, und fich aller Ehre-umvürdig fep. b 
echten. Das ift denn und heiffer der Welt abfterben, 

wenn nemlich alle eigene Liebe und eigene Ehre im 

Hersen ſtirbet. Das heit denn ein ſolcher Menfch, Juweb, 
in dem das edle Leben CHriſti iſt; welches der Herr khnspre 
befchreibet, von Aertzen demutbig und ſanfftmuͤ⸗ kusieber. 
thig fepn. Im Gegentheil iſt der Menfch noch fleiſch⸗ ER * 
lich, und lebet noch nach dem Fleiſch, und in der alten 
Geburth, der da will geehret, hoch und werth gehalten 

ſeyn; denn folches alles. gefallt dem Fleiſch wohl: | 
Denn ein fleifehlicher Menſch und Hertz iſt, das gern — 
etwas ja alles ſeyn will: Ein geiſtlich Chriſtlich Has "in 
iſt, das gern nichts ſeyn wolte. Wo will man doch 

rechte Chriſten finden; nemlich ſolche Leute, die gern 

nichts ſeyn wollen? Das heiſt auch, ſich ſelbſt ver- Abſagen 
leugnen, ſich ſelbſt baflen, und abfagen allem; we 
dem, das ein Menſch bar. Die find rechte Chri⸗ var. 

ften und EHrifti Junger, Luc. 9. v. 23. 

Nun mochteft du fügen: Was ſoll ihm denn ein Wie ſich 
Ehrift thun, wenn ihm GOtt Gnade und Ehre irn, 
- giebt, wie der 84. Pſalm, v. ı2. fpricht? Weil auc) Gaben und 

— Ee 4 IR FREIE 


440 B.M. C. 2. Alle Wercke eines wahr. Chriffen 


Se GE Dtt ſelbſt Unterſcheid macht der Perſonen mit feinen 
verhalkm Gaben, und Durch mancherley Aemter und Stande, 
fole. die er verordnet? Antwort; Thue ihm alſo; gieb 
GOtt alle Ehre wieder, die dir gegeben wird, undeigne 
dir nichts gu: Denn es ift ein fremdes Gut, und 
GOttes allein. 

Ehre fol Darum, fo bald dir Ehre gegeben wird, fo gieb fie 
wiege GOlt wieder durch Demuth, und behalte fie nicht, 
ben. fonft wirft du GOttes Gnade verlieren, und ein GOt⸗ 
tes⸗Dieb werden. Als zum Exempel: Biſt du geiſt⸗ 
und kunſtreich, weiſe, verſtaͤndig, reich und herrlich fuͤr 
andern; laß die Ehre nicht dein ſeyn, ſondern GOt⸗ 
tes; und gieb fie ihm in Deinem Hergen wieder; Wel⸗ 
ches du thuft, fo du Dich nichts ruͤhmeſt. Und das 
meynet der Prophet Jerem. 9.0. 23.24, Kin Weiſer 
ruͤhme fich nicht feiner Weisheit, ein Starcker 
ruͤhme fich nicht feiner Srärde, ein Reicher rüb- 
mie fich nicht feines Reichtbums; fondern wer 
fib ruͤhmen will, der ruͤhme fich def, daß er mich 
wiſſe und Eenne, daßich der HErr fep, der Barm⸗ 
hertzigkeit, Bericht und Gerechtigkeit über auf 
Erden;: Denn folches gefällt mic wohl, fpricht 

der ERR. | 

| Gebet, 


hr Eur. 3. (Gier GOtt, barmher tziger Vater, ohne deſſen Gnade wir 
bh L nichts Gutes gedenken, reden noch thun Finnen, dir flage 
und befenne ich meines Hergens Unart und Verderbniß, daß » 

e8 immer mehr zu Hoffart als Demuth geneigt, und was du, 

mein GOtt Gutes in mir wuͤrckeſt durch deine Gnade, lieber 

937.9 5 fich feloft, als div zufchreiben wolte: Auch da es feine Luft eins 
sig und allein an dir, HErr, und deiner Ginade haben folte, 

ſuchet eg wohl fein Vergnuͤgen in zeitlichen und weltlichen 

Dingen, als Ehre, Reichthum, Pracht, Kunft und Gefihicklich- 

keit, und vergleichen eitlem Wefen, woran eg, als an Soßen, 
abgoͤttiſcher Weife bangen bleibet. Ach vergieb mir diefe ſchwere 

Suͤnde, und verleihe, HErr, deine Gnade, daß ich dieſes mein 

alberes Hertz von der Welt und ihrer Eitelfeit abfehre, und fein 

| Vertrauen allein auf dich, meinen GOtt, ſetzen lerne; Denn 
was hilfft doch einem die Pracht? Was bringt Neichthum, 
Pſalm xoa, Ehre, Kunft und Geſchicklichkeit? Es führet ja alles dahin, 
12, wie ein Schatte; Du aber, HErr, bleibeft wie du Bi, von 
. -wig: 


föllen die Demuth beweifen. 441 


Ewigkeit zu Ewigkeit. Würde auch, lieber GOtt, wahre 
Demuth in meinem Hersen, und hilff, daß ich der Hoffart 

und Ubermuth inniglich feind werde, weil fie dir ein Greuel 

ift: Denn du, HErr Zebaoth, haft zu aller Zeit den Hoch— 

much gefehändet, und endlich geſtuͤrtzet. Du zerftreueft auch) £ue 1.v.st. 
noch, die hoffärtig find in ihres Hergens Sinn; aber dent Petr. 5. 
Demuͤthigen giebſt du Gnade. Laß mich doch bedencken, Ei Bar 
daß ich Erde und Afche bin; was will doch diefe fich erhe⸗ 7" 
ben; O der Thorheit! daß wir armen Maden-Säce fo ſtoltz 

thun und hoffärtia feyn, und uns damit dem Teufel gleich 

fielen, Nun HERR, laß mich demüthig ſeyn, und mic) 

alfegeit unter deine gewaltige und Gnaden» Hand demürhl- x. Betr, 5. 
2 Ra A Re %6, 


Das XXIII. Capitel. 


Ein Menſch, der ſeine eigene Nichtig⸗ 
keit nicht erkennet, und nicht alle Ehre GOtt 
giebt, begehet die groͤſte Suͤnde und des 

Teufels Fall. | 


| Pſalm 39, 9,6, Wie gar nichts find alle Mens. 


ſchem die doch [6 ficher leben! 


AB der Menfch feine Nichtigkeit erkennen folle, EinMenfeh 
darum vergleiche ihn der 39. Pfalm, v. 7, eisen Share 
I nem Schatten und fpricht: Sie geben da⸗ Balm 39, 
hin wie ein Schatten, Und der 90. Malm, v. 5. YAimso 
vergleichet den Menfchen einem Traun; Sie findo.s 
wie ein Schlaf, Nas ift nun ein Schatten? Es Bas der 
ift eine todte, leblofe Geſtalt des Dinges, daran er Dina 
get, und für fich felbft Fein Weſen und Leben; fondern 
iſt nichts: Alſo hat auch der Menſch von ihm felbft we⸗ 
der Leben noch Weſen, weder Krafft noch Vermoͤgen, 
fondern haͤnget an GOtt, als ein Schatte am Leibe, 
als der Schein an der Sonnen, Iſt von ibm felbit leb⸗ 
und Frafft-los, und gar nichts, hat auch nichts, das er 
fur fein Eigenthum ruͤhmen Fontes denn was hat ein 
Schatte, das fein it? Iſt ev doch felbft nichts; wie 
Fan er etwas haben, das fein ift? Was ift aber ein @irzena, 
Somnium, oder ein Traum? Nichts Denn Eitelkeit, 
Ces Wenn 


nn .’ 
442 B. ll.C. 23. Wer feine Vichtigk. nicht erkennet, 


| Wenn nun ein Menfch Das vergiffet, daß er als ein 
Schatte an GOTT hanget, an dem, der alles allein 
Gal. 6.0.3, iſt, und meynet, er ſey etwas, da er doch nichts iſt, 
der betrůͤget ſich ſchaͤndlich; Denn er faͤllet ab von 
dem wahren Weſen, dag alles allein ift, in fein eigen 
Nichts: Ex vero, zterno, fummo Ente ruit in nihilum, 
ab immutabili Bono in vanitatem, a veritate in menda- 
cium. Das if, von dem wahren, ewigen, höchften 
Weſen faͤllet er in Das, fo nichts ift, von dem unbe 
weglichen Gut in Eitelkeit, und von der Wahrheit 
in Luͤgen. R 

Hofart if Das ift nicht allein die gröffefte Sünde, fondern 
ea, auch die gröffefte Strafe, denn ie mehr ein Menfch- 
und eine ſich von GOtt abwendet zu ihn felbft, zu feiner eigenen 
De Liebe und Ehre, Kraft und Rermögen, ie mehr er 
ſich wendet und kehret zu feinem geöften Kammer 
und Clende: Und das iſt feine Strafe und des Men⸗ 
fchen eigene Schuld, Dann aber wendet fich der 
Menſch von GOtt ab, und verläffet den Zels feines’ 
Zeils, 5. B. Moſ. 32.0. 15. wenn er. ihm felbft groffe 
Kraft, Kunft und Vermögen, Weisheit, Ehre und 
Wuͤrdigkeit zufehreiber, dadurch dee Menfch etwas 
ſeyn wills da Doch Dis alles nicht des Menfchen, oder: 
SHttes it einiger Creatur ift, fondern allein GOttes: Denn 
ara p Alles, was Leben, Krafft, Wermögen, Stärke, Weis⸗ 
nichts. heit, Ehre und Wuͤrdigkeit heiffet, das ift alle GOt⸗ 
tes, und gebühret Feiner Ereatur: Denn alle Creatur 
ift ein bloffer Schatte, und nichts von ihr felbft, und 
ihe Leben, Weſen, Vermögen, Weisheit, Krafft 
und. Staͤrcke ift ales GOTTES, und nicht der 

Creatur. 7% 
Eigene Eignet nun ein Menfch daffelbe alles, oder deſſen 
ee don etwas ihm ſelbſt zu, fo ifts ein Abfall von GDtg; denn 
SORT, Das war des Satans Fall, daß er nicht blieb in der 
Eisen · Art und Eigenfchafft einer Creatur, welche ihr Leben, 
ne Weſen und Krafft in GOtt bat und haben foll, wie 
Sarays ein Schatten feine Bewegung vom Leibe hat; fondern 
Fa waſſete ſich deffen an, das GOttes iſt, wolte 1% 
chre 


* 


begehet die groͤſte Ainde. 443 
Ehre haben, eigenen Ruhm, Weisheit und Herrlich⸗ 
keit, da doch dieſes keiner Creatur gebuͤhret, ſondern 
allein GOtt, weil alles GOttes iſt: Darum ließ 
ihn GOtt fallen, und ſeine Gnade erhielt ihn nicht 
mehr. So gehets auch allen Menſchen, die aus Hof⸗ 
fart und Ehrgeitz ihnen etwas zuſchreiben, das GOttes 
ift, die müffen fallen: Denn GOttes Gnade erhält fie 
nicht, weil fie fi) von GOtt abwenden, ja, eben dag 
feyn wollen, das GOtt iſt. GOTT ift allein alleg, 
GEOtt iſt allein gut, und alles Gut weſentlich; dar⸗ 
. um alles, was aut ift, folt fich Feine Creatur zuſchrei⸗ 

den. Darum fpricht der HENRN: Niemand iſt Matth. 1 
gut, denn GOtt allein, Das it: Er ift das wer" 7 
fentliche Gut; und alles. Gut allein. Darum wolte 
auch unſer Herr nicht aus eigner Ehre im Stande 
‚feiner Niedrigkeit ihm daſſelbe zueignen, das GOtt 
allein ift, weil ex für einen pur lautern Menſchen ges 
halten und angefelyen ward. 

Damit will uns der HErr lehren, daß ihm Tein 

Menfch felbft zueignen fol, was GOttes ift, und die 
Ehre annehmen ſoll, die allein GOttes ft: Thuts aber 
ein Menfch, ſo begehet-er Die vechte Aaupt = Suͤnde, Die rechte 
und raubet GOtt, was fein ift, ja will ſelbſt GOtt Sinkt 
ſeyn, und dadurch wendet ſich der Menſch von GOtt 
ab zu. ihm: ſelbſt. Darum ſuchet auch ein folcher 
elender Menfch feine Huͤlffe, Rath und Troſt nicht al 
lein bey GOtt, fondern bey den Creaturen, ja offt bey 
den Teufel felbft: welches die hoͤchſte Derblendung Aus Hoß 
ifb, und die geöfte Thorbeit: Nemlich Gutes ſuchen fr ume 
bey dem Boͤſen, vag Leben bey dem Tode, die Selig⸗ Blimppeit 
Feit bey den Verdammten, Huͤlffe bey den Verderb⸗ in rar 
ten, den Segen bey den Verfluchten, das Kicht bey der 
Finſterniß. Im Gegentheit ift die höchfte Weisheit, Die höchke 
das Gute fuchen bey dem Brunnen und Urſprung alles Perbeit 
Buten, dag Leben bey dem Urſprung und Brunnen 
des Lehens, die Seligkeit bey dem Urfprunge des Heils, 
die Hülffe bey dem, der alles vermag, Dem Bein Ding 


unmöglich iſt, Luc. 1,0: 37. 
Geber, 


444 BN.C.2 3.Ver feineYTichtigE. nicht erfenner, 
| Gebet. | 


D HErr JEſu, alkerdemüthigiteg Herk, ich befenne und klage 
RL dir, daß ich von Natur zu eigner Ehre fehr geneigt bin, 

und der boͤſe Geift mein Hertz dur die Hoffart welche iſt ein Anz 
B. Moſ. fang aller Sünde, vergifftet hat; alſo, daß ich mich offt mit eige⸗ 
v.5. ſgq · ner angemaßter Ehre gegen dir verſuͤndiget, und nicht bedacht, 


——— daß alle Ehre dir allein gehuͤhre, und feiner Creatur: Meinen 


1 
3 
I 
; Nächten offt verachtet, meinen Kräften zu viel vertrauet, und 
auf mich feibft zum oͤfftern mich verlaffen habe. Ach HErr, 
1. Petr. 5. der du den Demuͤthigen Gnade giebeſt, und widerſtrebeſt den Hof⸗ 
v. 5. färtigen, rechne mir diefe Suͤnde nicht zu, und wende die ſchwere 
SU LOST Strafe von mir, fo du deu Hoffärtigen gedränet haft, daß du fie 
flürgen und zufirenen wolleſt, und laß meine Ehrſucht durch dei⸗ 

ne heilige Demuth getilgee und bezahlet feyn. Lehre mich 

aber mein Elend erfennen, und die hohe Majeftät GOttes fürch- 

1.3. Mof. ten; denn was bin ich, als eine Hand voller Erd und Afche, ein 
18.60.27. faules Aaß, cin Gefaͤß voller Unſauberkeit, ein elender Wurm, 
Er A? eine fündliche Geburih ein Kind des Zorns von Natur, in Suͤn⸗ 
Pf. sr. v.7. den empfangen und gebohren? Zn. Mübfeligfeit und Eitelkeit 
Lebe ich ,mitSchmergen und erbarmlicher Öeftaft fterbe ich ; wer 

weiß mie und wo mein Endefepn wird? Ach ich bin ein Abgrund 
des Elendes„blind in deinem Erkaͤnntuiß ſtumm in deinemLob, 
taub zu deinem Wort, lahm zu deinen Wegen. Ich habe von 

mir nichts. denn Sünde, Tod und Berdammniß; was ich aber 

m Gutes habe, das iftdein und- nicht mein: Denn was hat ein 
Menſch das er nichtenipfangen hat? Darum iftdein allein die 

,. Cor. 4 Ehre, und nicht mein. Ich habe Dir aber offt deine Ehre gerauz 
ir bet, und diefelbe mir durch Boffart zugeeigner,mit freinden Gute 
ſtoltziret und gepranget,als cin ungetreuerKnecht und ungerech» 

guc. 16. ger Haushalter; ac) fordere mich, licher GOtt, nicht zur Rech— 
Math ur. ung, ich fan nicht beſtehen. Gieb mir aber, daß ich demüthig 
u. im Hertzen /einfaͤltig in Worten: daß ich mich nicht hoch achte, 
ni fondern gering fey im weisen Augen. Pflange in mein 
Herg wahre Demuth, daß ich dir in allen Dinaen geborfamfey, 

wozu du mich brauchen wilt. Gieb daß ich die Wercke meines Be⸗ 

ruffs in Einfaltdes Hergens verrichten. moge,und nicht aufmeiz 

ne, fondern auf deine Krafft und Hulffe ſehe und derfelben mit 

Sir. 3. Gedult erwarte. Hffmir,dafich das Meine, mag du mir auferz 
vNz 2.. 32. leget haſt, getreulich ausrichte, und nicht trachte nach dem, dazu 
ich nicht beruffen bin. Laß mich nicht in folche Blindheit und 
Tohorheit gerathen, daß ich groffe Dinge durch mein Vermögen 

2. Cor. 4 geiraue zu verrichten. Laß mich bedenchen, daß ih meinen Schatz 
27 in irdiſchen Sefäffen trage. Laß nicht in meinem Hergen auffteiz 
gen einige Verachtung meines Nächften, auch nicht des gering» 
Sit. zw 20: fen Menſchen; denn durch die Demiüthigen verrichteft vu deine 
Gefchiffte auf Erden, und groffe Dinge: Giebſt Genie F 

Bnade, 


” Br 

begehet die gröfte Suͤnde. 445 
Gnade, daß fie deine heilfame Werckzeuge feyn. Lehre mich 
durch Demuth, Friede und Einigkeit erhalten, o GOtt deg Frie⸗ 
des. Lehremich, o demüthiger JEſu, deinem Erempel folgen, Ephef: 4. 
der du dich unter GOtt, Engel und Menfchen, und alle Ereatu: v. 2. 
ren gedemuͤthiget und erniedriget haſt, und dich einen Wurm Pfalm 22. 
genennet und gleich geachtet; weil ein Wurm dag geringfte v. 7: 
iſt unter den Creaturen. Ach laß dig Wort in meinem Hergen 
Frucht bringen, da du ſageſt: Lernet von mir, denn ich bin ſanfft⸗ Matth. ır. 
müthig und von Hertzen demuͤthig; nicht auswendig im Schein, 9 29 
fondern von Hergen. Ach du HErr der Herrlichkeit haft dic) 
gedemüthiget; und der elende Wurm desmenfchlichen Hertzens 
bläfet ſich auf. Ach du demuͤthiges Hertz, du haft alle Ehredie | 

fer Welt geflohen ; und die deine Kinder feyn wollen, koͤnnen Foh.6.n.i5, 
der weltlichen Ehre nicht fatt werden, Wenn werde ich doch Nöm. ı2. 
der Welt-Ehre abiterben, daß ich mich keiner Ehre würdig achte, "3° 
von niemand. Ehre begehre, mich lerne vor nichts achten, mir _ 
nicht ſelhſt gefalle, fondern mir, felbft mißfalle, mich ſelbſt ſtrafe, 
altes mein Thun fuͤr Roth achte, und für ein unreines Tuch für Efa64v,6, 
deinen Augen: Gieb mir auch, daß ich mich dem lobenden 
Mund der Heuchler nicht laffe betrügen; fondern bedencke, daß 
mirtaufendmal mehr ntangelt. Gieb mir die Niedrigfeit mei: 
nes Hergeng zu einem Schaß und Fundament aller Tugend, 
zur Nachfolge deiner heiligen Demuth. Laß mich bedencken 
das Wort, da du fageft! Wer fich erniedrigee, wie dig Kind, Matth. 18. 
der ift der Gröfte im Himmelreich. Ingleichen, daß der Hoͤchſte + R 
auf das Niedrige fehe, im Himmel und auf Erden. Item: Sch — 03 
ſehe an den fo serbrochenes Geiſtes iſt. Laß mich nicht einen —* 
Greuel werden für deinen Augen durch Hoffart, einen GOtkes⸗ 
Dieb durch Ehrgeitz, einen Nachfolger und Gefellen des Luci⸗ 
fersdurh Hochmuth. Wende von mit hoffärtige Gedancken, 
ftolge Geberden, prächtige Worte, und fihleuß mein Hertz in 

dein demüthines Herß, daß meine Seele in demſelben ihre 
Ruhe und Wohnung habe ewiglih. Amen * 


Ds XIV. Capitel. 

Don der edlen Tugend der Liebe, und. 
ihrer Krafft, Lauterfeit und 

Ri Meinigkeit 
1. Joh. 4. v. 8. Wer nicht Liebe hät, der kennet 
GOott nicht: Denn GOtt iſt die Liebe. 

Je Liebe iſt die groͤſte unter allen Tugen- ti. Cor. iz. 
den, fagt St. Paulus, und ohne diegelbe "+ 
find alle Gaben untüchtig;, darum fpricht er: — 

Alle eure Dinge laſſet in der Liebe geſcheben. vn i6 

! | Alſo 


446 B. II. C. 24. Don der edlen Tugend der Kiebe, 


In dereiebe Alſo füllen wir aud) in der Kiebe beten, wie unfer 
de HERR fpricht; Wenn du deine Gabe auf dem 
EHritus Altar opfferft, und wirft allda eingedend‘, daß 
sur dein Bruder erwes wider dich bat, ſo gebe bin, 
und verföhne dich mit deinem Bruder, Matth. 5. 
v. 23. Und im Gebet des Herten ift des Nachften 
Vergebung an GOttes Vergebung gebunden, un 
hinwieder, Matthı 6, ©, 12; 
gIn der eie ⸗Es iſt aber die Liebe eine folche wunderliche Tugend, 
Kae darinnen ein Menſch ſo leichtlich irren Fan, als in Feiz 
— nem andern Dinge Darum ſoll man nichts fo ver⸗ 
daͤchtig halten, als die Liebe; denn nichts iſt, das das 
Gemuͤth fo Erafftiglich neiget, zwingt und hindert, und 
fo gar durchdringet, als die Liebe; Darum wo die Liebe 
niche vom wahren Licht, Dem Heiligen Geift, vegieret 
wird, ſtuͤrtzet fie Die Seele in taufenderley Unglück. 
Die ie Unnd das ſage ich nicht von Der Liebe des Boͤſen; 
der Den denn diefelbe von allen Chriften foll geflohen werden, 
meiden. als ein teufliſch Ding; Sondern ic) rede von der 
Liebe, die Da iſt zwiſchen GOtt und dem Menfchen 
und feinen Nacften Denn die Liebe, wenn fie 
nicht durch Götiliche Weisheit vegieret wird, Fan 
leicht betrogen, verführet, und aus ihrer rechten Ord⸗ 
nung getrieben werden, alſo, daß fie nicht das rechte 
Ende erreiche. Biel meynen, fie haben GOttes 
Liebe, und haben doch der Welt Liebe oder ihre ei 
gene Kiebe, ja wol des Satans. | 
Hay Deffen nehmer ein Erempel: Wenn jemand 
a GOtt den HErrn nur um geitliches Dinges toillen 
ſchen Liebe liebet, daß er ihn fur zeitlichen Unglück bewahren fol, 
ODER der liebet fich mehr denn GOTT, und feget feine eis 
Anordent» gene Wohlfahrt GOtt vor, Das heiffet eine unor= 
liche tieht. dentliche Liebe ; denn er folte GOTT mehr lieben, 
denn fich ſelbſt, ja über alles, und folte alle Dinge 
lieben um GOttes willen, Glück und Unalüf, 
Beil aber der Mensch fich felbjt der Liebe GOt⸗ 
tes vorzeucht, ie ſo macht er fich jelbt zum Gott, indem 
ex Sich ſelbſt mehr Lieber Denn GOtt. Lind u. 
\ t 





und ihrer Brafft und Lauterkeit. 447 


GOtt nicht fiebet als GOtt, um fein ſelbſt willen we 
fondern um feinegeigenen Nutzens willen, Ä hat er eine —— 
faiſche betrogene Liebe. Denn wer eine ſolche Liebe kennut. 
hat, der liebet alles um ſeinet willen, und um ſeines Nu⸗ 
tzens willen, und um der Ehre willen, ſo er davon hat. 
Er liebet auch heilige Leute, ja auch GOttes Wort, nur 
darum, daß es ihm einen Schein und Namen der Hei⸗ 
ligkeit gebe, und nicht um des edlen Gutes willen, das 
Darinne verborgen iſt. 
Und weil folche Liebe eine unreine Liebe ift, fo brin- Wnreine 
get fie auch unreine Früchte, die nichts anders feyn denn Fiebebeingt 
Eigen⸗Nutz, Eigen⸗Ehre, Eigen-Luſt; welches alles —2 
fleiſchliche, und nicht himmliſche geiſtliche Fruͤchte ſind. 
Alſo liebet mancher groſſe Kunſt, daß er andern vorge⸗ Falſche Lie: 
zogen werde, und uͤber ſie herrſche; nicht aus GOttes —* 
und des Naͤchſten Liebe, ſondern aus eigener Liebe, groſſe 
une Fa 5 a 
‚Es find auch andere, die GOtt darum lieben, daß Schw 
er. ihrer Sunde ſchone, und nicht fehrecklich firafe, ii — 
darum, Daß er ihnen ſoll zeitlich gutes thun; aber die⸗ 
ſelbe iſt eine ſehr ſchwache Liebe: Denn ſie lieben 
auch GOtt um ihres eigenen Nutzens willen, und nicht 
um ſein ſelbſt willen, darum, daß er das edelſte und 
hoͤchſte Gut It. gt f 
Andere lieben GOtt darum, daß er ihnen viel Ga⸗ Warum 
ben gebe an Derfkand und Weisheit, dadunch fi Hier, 
- mögen geruͤhmet werden, und Tu⸗ 
Etliche lieben auch die Tugend, nicht um der Tu; beud lieben. 
gend ſelbſt willen; fondern daß ſie einen groffen Namen 
haben mögen, und für fapffere, tugendhaffte Leute gez 
halten werden. Diß alles ift nicht Die vechte Liebe; 
denn fie gehet nicht zum rechten Ende, 
Es entjichet auch offt eine, Liebe zwiſchen etlichen Unordene 
Verfonen, die ſich alfo mit einander vereinigen, und | iete 
Durch eine, gefchöpffte Liebe verbinden, welche in ihnen fen. 9 
fo hoch wachfet und fteiget, daß fie ihnen alles gefallen 
laſſen, was derjenige thut, den fie lieb haben: Denn die 
Liebe folget Ihrem Geliebten, weil fie gang und gar an 
den 


448 B. II. C. 24. Don der edlen Tugend der Liebe 


demſelbigen hanget, und dadurch wird man offt mit 
hingeriſſen zum Boͤſen, oder der Liebhaber reitzet ſeinen 
Geliebten ſelbſt darzu, weil er weiß, daß es ihm alſo 
gefaͤllt; und wird durch ſolche falſche betrogene Liebe 
abgehalten vom Gebet und allen andern Tugenden. 
Wahre ir ⸗/Darum iſt nun hoch vonnoͤthen, daß unſere Liebe 
— durch den Heiligen Geiſt gefuͤhret und regieret werde, 
Hei. gen und durch Betrachtung des gantzen Lebens Chriſti 
regieret und feines heiligen Leidens, aus welchem nichts anders, 
werden. denn lauter reine Liebe leuchte. Er hat GOtt lauter 
Eylegel der und rein über alles geliebet, und nicht fich felbft: Er bat 
Dean den Menfchen mit veiner unbefleckter Liebe geliebet, 
giele im und hicht ſich felbjts Er hat nicht um ſeinetwillen, 
Coriſto. ar alles um unferttöillen gethan und geredt. Al⸗ 
les, was er gethan und geredt, iſt uns zugute gefcheben ; 
Er hat feinen Nutz davon, fondern wir, Alle feine 
Mühe und Arbeit, ja feine hoͤchſte Marter und Pein, 
iſt Ihm nicht zu ſchwer geweſt, daß wir nur allein Nutz 
Davon harten, und dadurch ſelig wurden; ja, daß er 
r GOttes Willen vollbringen mochte, iſt ihm fein Creutz 
eine Freude geweſt. EN 
DIE iſt eine weine unbefleckte Liebe, der nichts . 
zu ſchwer ift, die nirgend über Elagt, ja die da ihr felbjt 
nicht, ſchonet, fondern fich ſelbſt dahin giebt um des Ge 
liebten willen, auch in den Zod. Diefelbe nimmt auch 
altes für gut, was ihr GOtt für ein Ereuß und Leiden 
Wahrer zuſchickt; denn weil ſie ſiehet, daß es GOttes Wille it, 
Lide Art. ſy wolte fie lieber viel mehr leiden wegen des heiligen 
Willens GOttes, und iſt mit allem dem wohl zufrie⸗ 
den, was GOtt will: Denn ſie weiß, daß GOtt alles 
recht und wohl ordnet. 7* 
Und weil die Liebe ſich dereiniget mit dem Geheb⸗ 
ten, ſo lernet ſie auch deſſelben Sitten, und folget ihm 
auch um ſeiner Liebe willen, thut, was ihm wohlgefaͤllt: 
Alſo, wer CHriſtum recht lieb hat, der lernet ſein Leben 
und 29 von ihm; denn er weiß, daß es ihm wohl⸗ 
gefaͤllt, und wird ſeinem Bilde aͤhnlich, bleibt Die, 
dantze Zeit feines Lebens unter dem Joch und Creutz 
| — Er; 


He ineLicbe. 


und ihrer Brafft und Lauterkeit. 449 


CeHriſti, wie CHriſtus in feinem gantzen Leben das Keine Lie 
Ereuß der Armuth, Beradytung und Schmersen ge⸗ un 
teagen hat. Db nun wol fein Menfch in dieſer Schwach? pen, 

‚beit die vollkommene Liebe erreichen kan; fo ſoll fich 

doch ein ieder Chriſt befleißigen, daß feine Liebe nicht 

falfch, fondern rein ſey, fo viel möglich. Wie St. 

Paulus fagt, 1. Timoth. 1.0.5. Liebe von reinem 
Hertzen, von gutem Bewiflen, und von ungefärbs 

tem Ölauben. ER 

Diefe veine Liebe, ſo aus CHriſto und den Heili⸗ Wahre fie, 
‚gen Geiſt entftehet, die wuͤrcket denn auch im Menfchen cn un 
alles Guts, und iſt gar nicht müßig, und ift ihr eine les Guren. 
Freude, wenn fie foll Guts thun, denn anders kan fie 
nicht; gleichwie SOTT da HER fpricht: Es ſoll Fer. 3% 
meine Luft feyn, daßich euch Gutes thue. Wars" * 
um? Weil GHDtt die Liebe felbft ift, die nicht anders 
thun Fan, denn was fie felbft iſt. Und das iſt ein Zei⸗ 
hen der reinen rechten Liebes denn dieſe Liebe jagt 
nicht; Ich bin diß oder das nicht fehuldig zu thun; 
fondern wo Fein Gefes ift, da machet fie ihr felbit ein 
Geſetz, aufdaß fienur viel Gutes thun möge, Denn 
fonft bliebe Die Liebe nicht Liebe, 

. Daraus iftnun offenbar, wie doch GOtt der. All- Bu — 
maͤchtige nicht müde wird Gutes zu thun, und warum müde wird 
er das unendliche Gut ift,fo nimmer aufhoͤret; denn er Gutes zu 
iſt die ewige Kiebe, die nicht aufhören: Fan Gutes zu MM 
thun, font hörte GOtt auf die Kiebe zu feyn: Dar 
um wenn auch) CoOtt ſtrafet und zuchtiget, fo machet 
er doc) aus dem Boͤſen alles Gutes, und richtets zum 
Ei Ende, und zu unferer Seligkeit, alles aus lauter 

iebe. 

Diefe reine Liebe GOttes machet denn rechtſchaf⸗ Liebe macht 
fen beten ; denn gleichwie ein Freund feines Freun—⸗ kecht deren. 
des machtig iſt zu allen Dingen, Alſo ift ein folcher 
Liebhaber GOttes ein Freund GOttes, und erlanget 
vn GOTT, was er bitte. Daher weil Lasari Job. it 
Schwefter wufte, daß der HErr JEſus nicht allein ® 
GOttes Freund, fondern der liebfte Sohn GOttes 
AI. Theil, SR war, 


450 B. Il. C.24. Donder edlen Tugend der Liebe, 


war, fprachfie: Ich weiß, was du bitten wirft, das 
wird dir GOtt geben. Und weil Maria JEſum 
lieb hatte, fo ward ſie auch erhöret von dem HErrn, und 
er gab ihr ihren Bruder wieder. Don folcher Liebe, 

die von GOtt alles erlanget, fagt der heilige David ; 
Dam 37. Habe deine Luft am HErrn, der wird dir geben, 

4. was dein Zert wuͤnſchet. 

Vier Eigen Damit du aber ein Zeichen dieſer Liebe haben 
he mögeft, fo mercke Diefe vier Ligenfchafften der wahr 
ee en Liebe: (1) So unterwirfft ſich Die Kiebe dem Wil⸗ 
len des Geliebten. (2) So verlaͤſſet die wahre Liebe 
alle andere Freundſchafft, welche ſeinem Geliebten zu⸗ 
wider iſt. (3) So offenbaret ein Freund dem an⸗ 
dern fein Hertz. (4) So befleißiget ſich auch. der rechte 


Liebhaber ſeinem Geliebten gleich zu werden mit Sit⸗ 


ten und mit ſeinem gantzen Leben. Alſo, iſt der Ge⸗ 
liebte arm, ſo wird der Liebhaber mit ihm arm; iſt der 
Geliebte verachtet, ſo traͤgt auch der Liebhaber ſeine 
Verachtung; iſt er Franck, fo iſt der Liebhaber ja ſo 
kranck: Alfo machet die Siebe eine Gleichheit unter ih⸗ 
nen , Daß fie einerley Stück und Unglück haben. 
Denn es muß zwiſchen dem Liebhaber und Geliebten 
eine folche Gemeinſchafft feyn, da einer des andern 
Gluͤck und Unglück. theilhafftig wird. Das ift denn 
nicht allein eine Gemeinſchafft, fondern eine Vereini⸗ 
gung zweyer gleicher Gemüther, und mit nichten —— 
gleicher Hertzen. 


SuCHrife Auf diefe Weiſe iſt nun unſer HErr JEſus CH 


ee ftus unfer Freund worden; denn feine Liebe hat ſich 
nei (1) dem Willen des Menfthen unterworffen, und ift 
beerfület. gehorfam worden bis zum Creutz, ja er bat feinen 
Pillen iederman, auch den Feinden, unterworfen, um 
Des Menfchen willen. (2) Hat er alle andere Freund⸗ 
ſchafft hintan gefeget, fo er in der Adelt hat haben koͤn⸗ 
nen, ja, er hat ſein ſelbſt vergeſſen, und ſeines eigenen 
Leibes und Lebens nicht geſchonet um unſert willen. 
(3) Hat er uns fein Hertz offenbaret in feinem Evans 


Joh.g. v.az. gelioʒ; darum ſpricht ey; Ich will euch nicht meine 
Bnechte 





und ihrer Rrafft und Lauterkeit. 451 





Bnechte beiffen, ſondern meine Sreunde, denen ic 
‚mein Jer offenbaren will, () Iſt er ung gleich 

worden in allem, ausgenommen die Eunde, Phil. 2, 

v. 4. Er iſt arm worden, wie wir; fterblich, wie wir. 

Wbenn wir nun feine rechte Liebhaber ſeyn wollen, ſo Wie wir 
muͤſſen wir diß alles auch thun: Weil er aber in allen in 
Dingen, in allem unſerm Elend uns iſt gleich worden, fon möfe 
warum wolten wir denn uns nicht befleißigen ihm gleich len · 

zu werden? Werden wir ihn alfo Lieb haben, fo wer⸗ 

den wir durchs Gebet alles von ihm erlangen, wie er 
ſpricht: Wer mich lieb bat, dem willich mich offen- Job. 145 
baren, O der freundlichen, holdſeligen, lieblichen Sirgjepe 
Dffenbarung im Hergen, * durch Empfindung himm⸗ erlangeran 
lifcher Freude, Teoft, Weisheit und Erfänntniß! Und I, on 
hie ift die rechte hohe Schule, und Der einige wahrhaffe 

tige Weg, Verftand und Weisheit zu, erlangen, wel⸗ 

ches fo hoch geruhmetwird von dem Konige Salomon, 

im Buch der IBeisheit und in Sprüchwortern: die— 
felbe, fpricht er, habe er allein durchs Gebet erlanget: 

Ich bat, undes kam mir der Geift der Weisheit, 
Weish. 7. 0.7. EEE 
Darum befehlieffeg wir, daß ohne Liebe Fein veche 

Gebet gefchehen kan. 


Gebet. 


Du liebreicher GOtt, freundlicher und gnaͤdiger Vater, du 
Urfprung und Brunnen aller Liebe, Freundlichkeit, Güte, 
" Gnade und Barmhertzigkeit! ich Flage und befenne dir fchmerg= 
lich, vaß in meinem Hergen alle deine Göttliche Liebe, damit ich 
dich über ale Dinge lieben folte, durch die Erb⸗Suͤnde fo gar 

S5f2 erlofchert 


— TE Tag TO FAZ TANTE TE TER EEE LEE a ne EEE 7" 

+ Luther. Da koͤmmt der Geift GOttes, und durchgeuft daß 
Hertz, und macht einen andern Menfchen, der nur GDtt lich 
hat, und thut gern was er will; welches nichts anders if, 
denn der Heilige Geiftfelbft, oder ja das Werck, dag er thut 
im Hergen. Da fihreibet er eitel Feuer⸗Flammen ing Herg, 
und machet es Jebendig, daß es heraus bricht mit feurigen 
Zungen undthätiger Hand, und wird ein neuer Menfch, der 
da fühlet, daß er. gar einen andern Verftand, Gemüth und 
Sinn gefaffet Habe, denn zuvor: Und iſt nun alles lebendig, 
Verftand, Muth und Hertz, das da brennet und Luft hat zu 
allem, was GOit gefaͤut. Naren. 


452 Bll. C. 24. Von der edl.Tugendder Kiebe,:e, 


ARE TE she 
erlofchen und erftorben, daß ich oon Natur mehr geneigtbin zu 
mir felbft, zu meiner eigenen Liebe, und zu der Liebe ver Ereatur, 
alg zu dir, meinem lieben GOtt und Vater, und habe demnach 
dich, meinen allerliebfien Bater, und meinen Ertöfer JEfum 


5.3. Moſ. EHriftum, und den Heil.Geift,meinen wahren Troſſer nie rechts 


6,9,5. > 


3. Cor. 16, 
v.22. 
Is Joh. 2. 
9. 16, 


1. Joh. 5. 
V · 3. 


Sir .L 
v. 13. 14. 


3.8. Mof. 


19.0,18% 


Matth. 5. 


®. 44. 


ſchaffen und über alle Dinge geliebet, da du doch das höchſte 
und ewige Gut ſelber biſt, welches uͤber alle Dinge ſolte geliebet 
werden. Ach! vergieb mir ſolche meine ſchwere Sünde und 
groffe Thorheit, und ende die ſchwere Strafe von, mir ab,da 
gefchrieben ftehet: Wer JEſum CHriftum nicht licb hat, der fey 
verflucht. Tilge aber in mir aus alle unordentliche Liebe der 
Welt: und Creatur⸗Liebe, und eigene Ehre, die Augenztuft, die 
FteifcheszLuft, das hoffärtige Leben, welches die Hergen der 
Menfchen vondir abreiffer : Zunde aber dagegen in mir an durch 
deinen Heil. Geiftdie reine Flamme deiner Liebe daß ich dich um 
dein felöft willen, als dag hoͤchſte Gut, als die ewige Liebe, alg 
die hochſte Freundlichkeit, als die holdſeligſte Lieblichkeit, alg die 
überichwengliche Guͤtigkeit, als die wefent!iche Heitigfeit,als die 
lauterfte Wahrheit, Gerechtigkeit, und Weisheit, und in Sums 
ma, als alles Gut, und einen ewigen Urfprung alles Guten, von 
Herken lieb habe, ohne alle Betrachtung einigerley Belohnung, 
einiges Nugeng oder Vergeltung, fondern alleinum dein felbft 
willen. Daßich dir auch mein Hertz, Willen und Verftand uns 
ferwerffe, und mit Freuden deine Gebor halte,und deinen Wil⸗ 
len gerne thue, denn darinn ſtehet die wahre Liebe gegen dich. 
O Herr JEſu, die reine Liebe deines reinen Hertzens entzünde 
mein kaltes Herß; Die zarte Liebe deiner unbefleckren Seelen 


“ erleuchte meine Seele: Die Liebe deines edlen Gemuͤths erfüllte 


meine Sinne und Gemuͤth: Die Liebe deiner Göttlichen Krafft 
ftärcke meine Leibes⸗ und Scelen-Kräffte in deiner Liebe, daß ich 
auch um deiner Liebe willen alles unterlaffe, was dir mißjälle, 
und alles thue und leide um deiner Liebe willen, was dir gefällt, 
und darinn verharre,bisans Ende Denn dich alfo liesen, iſt 
die allerfchönfte Weisheit, und wer fie ficher, der lieber fie; denn 
er fichet, wie groffe Wunder fie thut. Daß mich auch deine Liebe 
zu dir ziche, mit dir vereinige und mit dir, meinem HErrn einen 
Geift, einen Leib und Seele mache, daß ich allezeit an dich geden⸗ 
cke, von dir rede, nach die hungere und dürfte, undin deiner Liebe 
gefättiger werde, in dir bleibe, und du in mirs Daß ich auch 
durch folche Liebe alle Menfchen in dir, und um deinetwillen als 
mich felbft liebe; daß ich auch aus erbarmender Liebe meinen 
Feinden vergebe, und dieſelben liebe, und für fie bitte, und den⸗ 


ſelben wohl thue, und fiemit Güte überminde, und das alles um 


der groffen Liebe meines Vaters im Himmel meines Erbarmerg, 
um der vollkommenen Liebe willen GOttes des Sohnes, meines 
Erlöfers, und um der inbrünftigen feurigen Liebe willen SOrte8 
des H. Geiſtes, meines einigen und wahren Troͤſters! > 

) \ as 





























































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































V. 


Das Andere Buch, Cap.XXV. pag. 453 
Hier iſt eine Wage, da die eine Wagſchale ſteigt, die andere 
faͤllt; damit wird abgebildet, daß, wenn bie Liebe der Welt in 
ung frei rt und waͤchſt, dir Liebe GOttes bey ung falle und auf: 
höre: Wer nun GHDttrecht lieben will, * die Welt⸗Liebe fal⸗ 
len und fahren laſſen weil GOtt neben ſich die Welt durchaus 
nicht will gelicbet haben, / 


J 


/ Jacob. 4. verſ. ER \ 


Der Welt Sreundfebaffe iſt GOttes Leindſchafft. 
| er der Welt Sreund fepn will, der wird 
GOttes Seind ſeyn. 


Dy Liebe GOttes und der Welt 
Stehn nimmer Wag⸗recht ein; Wenn eine ſteiget, 
So fpürt man alfobald, daß fih dieandre neiget 
Und nach derfelben Maße fallt. 

Drum, wilſt du nach. dem Himmel fireben, 
Wilſt du des wahren Gutes faͤhig ſeyn; 

So muſt du dich des Irdiſchen begeben, 
Und ſaubern wohl von allem falſchen Schein, 
Wer GOttes Suͤßigkeit will ſchmecken, 

- Der muß der Fleiſches ⸗Luͤſte muͤßig gehn: 
Soller fein gantzes Herke dir entdecken, 
‚Muß die Vertraulichkeit der Welt zuruͤcke ſtehn. 
Der GOtt, der nirgends ſeines gleichen hat, 
Der kan auch keinen Neben > Bubler leiden; 
Bey ihm findt Fein zertheiltes Hertze Statt, 
Er wills gantz, oder gar nicht, eins von beyden. 
O Seele! wehle den, der dich erwehlet 
Zu feines liebſten Sohnes "Braut, 
Der fich mit dir aus reiner Huld vermahlet, 
Und durch fein eigen Blut vertraut, 
Ergieb dich dem, bey dem allein 
Du mitten in der Pein | 
Und Hölle felber Fanft und felig fepn, 


— aL 10E GER - > 453 
Das XXV. Capitel. 


Don etlichen Zeichen, darbey man mer; 


den kan, ob die wahre Liebe Chriſti 
bey uns jey. 


1. Joh. 2. v. 15. So iemand die Welt lieb hat, 
in dem ift die Kiebe des Vaters nicht. | 


s erſte Zeichen der Liebe CHriſti in uns, iſt 
e Dermeidung der Welt-Liebe; denn EHrius / 
wenn du CHriſtum anficheft in feiner heiligen mis Gebhas 
Arınurb, wie fo gar ledig er gewefen von der Liebe des ders Guüs 
Zeitlichen, fü wird Dich feine Liebe auch bewegen, va 
du lerneft ausziehen die Welt⸗Liebe, und die Welt 
verſchmaͤhen, alfo, daß du nichts in der Welt begeh⸗ 
ven wirſt zu befigen, denn deinen HErrn CHriſtum, 
wirft auch deine Hoffnung nicht feken nr einige Crea⸗ 
tur und — Huͤlffe. 
Wirſt du gern um CHriſti⸗ willen der Welt — 
Schhad und Verachtung tragen, um ſeiner heiligen alleın fei 
Schmach willen; ja, du wirft diefelbe mit St. Paulo nes ing 
für deine Ehre achten, und dic) derfelben freuen,’ 
Eph. 3.0. 13. wirft auch darum nicht hoch betrubet 
werden, wenn du inder Welt nicht groß geachtet wirſt; 
denn folches ift deines HErrn und Grlöfers Leben in 
dieſer Welt gewefen. Dir ſoll daran wohl begnügen, 
daß CHriſtus deine Ehre, Ruhm, Glorie, Herrlichkeit 
Licht, Staͤrcke, Sieg und Kraft, Weisheit und Kunft 
fey: Denn Carifto nachfolgen iſt die hochſte Die pae⸗ 
— 
Weil CHriſtus an ſeinem heiligen Leib und 3 
Sel Schmertzen und Traurigkeit erlidten, bis in ſei⸗ EAHfer,, 
nen Tod; fo wirt du um feiner Liebe willen nicht als adets Ger 
lein mit Sedult, fondern auch mit Freuden erleiden Pul- 
Betruͤbniß, Derfolgung , Traurigkeit und Leid, ja 
Marter und Pein bis in den Tod. 
4. Und wie CHriſtus an n feinem Menfehen, u und 
an Feiner Creatur Troſt und Freude gehabt, fondern EHrifus 
3 allein 


2 


454 B. II. C25 Zeichen, dabey man mercken kan, 


an ki alleinan GOtt, wieder 22. Pſalm, v. ı 2. fpricht: Co 
‚Berögrende wirt du es auch gedultig ertsagen, wenn did) der 
und Iron. Welt Troſt verläftz denn du weit, dag dich GOtt 
endlich mit feinem ewigen Troft erfreuen wird, Davon 
Et. Paulus ein herrlich Regiſter befchreibet, 2. Eor. 6. 
v.4.199. Zaflet uns. beweifen, als die Diener GOt— 
tes, in groſſer Bedult, in Trübfalen, in Noͤthen, 
in Nengften, in Schlägen, in Gefinan:ffen, in 
Aufruͤhren, in Arbeit, in Wachen und Saffen, 
in Reufchbeit, in Erkaͤnntniß, in Langmuth, in 
Sreumdlichkeit, in dem Zeil. Geift, in ungefärbter 
Ziebe, in dem Wort der Wabrbeir, in der 
Rrafft GOttes, durch Waffen der Gerechtig- 
keit, zue Rechten und sur Lincken, durch Ehre 
und Schande, durch böfe Beruchte und gute Ge⸗ 
rüchte, als die VDerführer, und doch wabrhaff: 
tig; als die in! kannten, und doch bekannt; Als 
die Aterbenden, nd fiebe, wir leben; als die Ge⸗ 
zuͤchtigten, und doch nicht erfödtet; als die Trau⸗ 
‚rigen, aber allezeit froͤlich; als die Armen. aber 
die doch viel reich machen; als die nichts inne 

haben, und doch alles haben. v 
Er kef 5. Colt du das Creutz CHriſti für das allerhöchfte 
fer, denn Gut halten über alle Schäße der Welt; denn wenns 
——— nicht alſo waͤre, ſo wuͤrde CHriſtus mit ſeinem Leben 
FAR und Exempel dich ſolches nicht gelehret, und vor deine 
Augen geſtellet haben: Nun kanſt du wol gedencken, 
daß dich der Sohn GOttes mit ſeinem Exempel nicht 
hat verfuͤhren wollen, ſondern dich zum hoͤchſten Gut, 
zur hoͤchſten Weisheit, zur hoͤchſten himmliſchen Freude 
fuͤhren, obwol der Weg ſchmaͤl und enge iſt. Du 
ſieheſt aber, daß er dieſen ſchmalen Weg ſelbſt gegan⸗ 


sen tz und weil ihrer wenig ſeyn, die ihm folgen, dar⸗ 


atd- 7. um ſpricht er: Ihr find wenig, die ihn finden 
Erik Denn es Eoftet viel, ſich ſelbſt überwinden, und fich 
wer A ſelbſt verleugnen, ihm felbft abfterben, der Welt abfa- 
Öbertein, GEN, und allen dem, was ein Menfch hat. Dip it der 
ven. ſchmale Weg, und Ihr find wenig, Die ihn er i 
VDa 


ob die wahre Liebe Chriſti bey uns ſey. ass 


6. Das fechfte Zeichen der Liebe EHrifti iſt, daß * 
man den geliebten JEſum nimmer aus feinem Ge Gaadenig 
daͤchtniß und Gedanken laͤſſet, und feine Liebes⸗ Wercke Esrini. 
behertziget: WE FEN. — 

(1) Seine Menſchwerdung, in. welcher wir, als ae 
in einem Buch des Lebens, zweyerley Wohlthaten für: Renſch⸗ 
nemlich ſehen: 1. Daß er ung Dadurch mit feiner Liebe Sinne 
erfüller. 2. Daß er uns gewiß machst unfers ewigen verfeiben. 
Heils und Seligkeit. Ach welch eine ungausſprech⸗ 
liche Liebe ifis, daß GOTT Menſch worden, und 
dem Menfchen gleich, auf daß er die Menſchen &Dtt 
gleich machte! O groffe Liebe! Kr bat Bnechts-Ge⸗ Philip. e. 
ſtalt an fi genommen, auf daß er ung zu Königen "7 
machte, und uns mit Koniglichen Cronen fihmücte 
O groſſe Liebe! daß der unbegreifflihe GOTT, der 
unsichtbare GOTT, greifflich und fichtbar worden, 
wer Fan den tieffen Abgrund dieſer Liebe erforſchen? 
© felix culpa (non tamen cx fe, fed ex DEI pierate) qu& 
meruifti nobis-oftendere abyflum.divinz charitatis ab- _ 
feonditam! D wie groffe unausfprechliche Abeisheit, 
daß du aus Dem groflen Ubel, nemlich aus der Sünde, 
fo ein groß unendlich Gut haft hervorgebracht, daß du 
Dadurch den tieffen Abgrund Deiner Liebe haft aufged ⸗ 
‚er! Ogroſſer Troſt! daß ich weiß, du feyeft mirzugut 
gebohren, deine menfchliche Geburth fey meine Goͤtt⸗ 
liche Geburth, und wider den Suͤnden⸗Brunnen ein 
| —— RR | 2 Al 

(2) eine heilige Kebre, darinn ewige Weis⸗45 
beit, Wahrheit, Licht, Leben und Seligkeit iſt; und En * 
fein heiliges Leben, dadurch er uns die Weiſe und geden/ und 
Art vecht Spriftlich und Goͤttlich zu leben, gegeiger, Tre av" 
Dent das Exempel feines heiligen Lebens ift das aller 
ſchoͤnſte Licht, welches uns nicht wird laffen im Sins 
ſterniß een — | 
= (3) Das Dritte ift das Geheimniß des unfhbul-_ 3. 
digen Todes Cehriſti, in welchem fiebenerley er Pe 
erachten feyn: Das erſte iſt die Erfüllung der Ger EHriti, 
rechtigkeit GOttes, und des Goͤttlichen Urtheils. wie viel 

Ff4 2. Die 


456 B. U. C. 25, Zeichen, dabey man mercken kan, 


a 2. Die Bezahlung alter unferer Sünde, 3. Die Ders 
“fehnung mit GOtt; denn GOtt iſt durch den Tod 
feines Dohnes verföhner, Roͤm. 5. v. i10o. 4. Die 

Offenbarung der uͤberſchwenglichen Liebe GOttes, 
durch der Tod unſers Erloͤſers; 5. Die ewige Wahr⸗ 
heit GOttes, daß er uns feinen Cohn gefebenefet, und 

damit begeuget, daß er wahrhaftig unfer Dater, 
ſey; 6. Der Sieg über alle Feinde; 7. Die Erlans 
sung und Erwerbung der ewigen Celigkeit, und des 
ewigen Lebens. ' 

üchies (4) Die Auferftehung, die uns die gang gewiſſe 

5 a, machet der leiblichen Auferffebung uns 

bung ers Leibes, und darnach der geiftlichen Auferfte- 
bung; daß wir duch GOttes Gnade und Krafft des 

A Lebens CHriſti aus geiftlich Todten geiftlich Lebens 

dige werden in EHrifto: Roͤm. 6. v. R N 

Srücteder (5) Die Himmelfahrt, welche iſt eine Vollendung 

Hinmeb unſers ewigen Heils, Gerechtigkeit und Seligkeit. 

EN Dieſe fünff Geheimniß und Liebes⸗Wercke EHrifti 

CH Find die rechte Chriſtliche Schule darinn wir ſtudiren, 

Eule und Diefelben nimmermehr aus unfen Gedanden 
folten kommen laffen. | 

Gebet. 


— — Erloͤſer ich ſolte dich ja billig Heben, denn du 
Efa.6.0,6, ® haft mich erft geltebet; aber ich beflage hertzlich vor die 
Rdn. 5. mein Faltes und liebloſes Hertz; Ach laß von deinem Alte 
25 eine Funde in daffelbe fallen, die e8 entzünde. Geuß aus 
Iduw = deine Liebe in mein Hertz durch den Heiligen Geiſt. Du haft, 
Mint, s, 9 wige Liebe, um meinet willen dich geduſſert aller Herrlich 
v.ro.  Feit, und niche gehabt in diefer Welt, dahin du dein Haupt kes 
E. 10.0.38, gen koͤnnteſt; Ach gieb mir ein Here, dag ung deinetwillen 
Hebr.13. verſchmaͤhe der Welt Eitelfeit, und derfelben gerne entrathe, 
Dali g, Zu haſt um meineiwillen der Welt Schmach willig getragen; 
0.192 Ach laß mich aus Lebe zu bir wilig dein Creuß auf mich 
$ nchmen, und beine Schmach tragen. Du haſt in allen deinen 

Schmertzen, Angſt und Traurigkeit bey Feiner Ereatur Troft 

x gefunden: Ach vergieb mir, daß ich fo efit dich, die lebendige 
Seren, * Duelle, verlaffen, und mir felbt Brunnen gemacht, die doch 
— z3. kin Waſſer gegeben, Verleihe mir die Enade, daß, wenn 
u wait Leib und Siele verſchmachtet, ich dich behalten, und in —* 

Q 


\ 
i 


‚ob die wabre Liebe Chrifti bey unsfep. 457 


Ce = LTR: TEE FE —— 
als meinem Theil, gerne vergnuͤget ſey. O JEſu, der du Hoſ. 2. 
durch deine Menſchwerdung dich mit mir vermaͤhlet, durch 33.20. 
deine heilige Lehre mich von der Welt zum himmliſchen Sinn Doilipp, 3. 
anführeft, durch deinen Tod den Weg zum Himmel eröffnet, 44.01 4 
denfelben durch deine Auferftehung verfichert, und durch deine Epyef. 2, 
Himmelfahrt gebahnet gieb, daß ich in ungefärbter Zicbe und v. 6 
Sreue mich mit dir fefiverbinde, aus Liebe zu dir meinen Wan- Colofl 3; 
del im Hinimel führe,durch dein Ereuß der Welt gecreugiget ob * 
dich und dein Creutz laſſe meinen Ruhm und Freude ſeyn, da; 3 
ich mit dir auferwecket, famt dir in das himmliſche Wefen ver: 2. Cor, 5 
feet, nicht fuchen mege was auf Erden, fondern was dro-d.6- 

ben it, da du. o JEſu, biſt, fißend zu der Nechten GOttes. 2. Tim. 2. 
Du bift num erhoͤhet, o IEfu, von der Erden, zeuch mich, wie Drutth x 
du verheiffen haft, durch deine Liebe nach dir, daß, fo lange an 
ich hier nach walle, ich dich ſtets im Gedaͤchtniß halte; bey dir, Joh. 14. 

o mein Schag! mein Hertze, nach dir mein Verlangen habe, d. 3. 

bis du mich wirft führen in deines Waters Haug, da du mir &17-9.14. 
die Stätte bertiter haft, daß ich ſey, wo du Bift, und fehe deine, + 4 
Herrlichkeit die dir unfer Vater gegeben hat: Dawerdeichdann ' 
dich erfennen, wie du biſt, und bey dir feyn allezeit. Amen. 


Ha B Das XXVI. Capitel. 
Fuͤnfferley Liebes » Werde, darinn 
Gottes Gnade und Güre fuͤrnemlich 
leuchtet, 
Palm 97.9.2. Der Err liebet die Thore Sion 
uͤber alle Wohnungen Jacob. | 
95 find fürnemlich fünf Berveisthümer der Liebe urrund der 
SHdrtes: (1) Chriſti Menfchiverdung, (2) fee 89% 
CHriſti Leidens (3) GOttes Einwohnung, “ 
(4) Wie GoOttes Liebe aus den Creaturen leuchte; 
(sy Wie lieblich GOtt fey in feinem Weſen, wie et 
mit feiner Lieblichkeit alle erfchaffene Dinge übertreffe, 

1, Wo Liebe it, da ift Vereinigung, denn. x. 
der Liebe Art ift, fich mit dem Geliebten vereinigen : Die Siebe 
Dieweil nun GOtt den Menſchen fo ſehr liebete, un 
konte es nicht anders ſeyn, GOtt muſte ſich mit dem 
Menſchen wiederum nach dem Fall aus lauter Liebe 
und Barmhertzigkeit vereinigen, und ein Menfch wers 
den, Ach! was iſt der Menſch, daß du fein geden- 
dal 12 ckeſt, 


4 


458 458 B. I. C.26. Fuͤnfferley Yaweisthliniee 


Feſt um: und des Menſchen Rind, daß du ‚Dich fein 
ie feir, annimmſt, Pſ. 8. v.5. Des Menſchen Seele wird 
rg von GOtt fo fehr geliebet, Daß, gleichwie CHriſtus 
liebe. GOtt und Menfeh ft, und fich mit menfchlicher Na⸗ 

tur vereinigei, mit unferm Leib und Seele: Alfo ſehr 

liebet GOtt unfere Seele, daß er fuft hat, sich ‚gang und 

gar zu ergieffen in unfere Seele, wenn fie möchte, 

‚= vollfommen gereiniget feyn, und ihm der Menſch nicht 
Dienfeh widerſtrebte: Denn es iſt eine unendliche. Liebe in 
Ehrikein GOtt, Die unausfprechlich if. So ift nun das eines 
grofes von den allergröften Argumenten Der Liebe GOttes, 
Be daß GOtt Mienfeh worden ift, ſich als ein vechter 
Sorte. Liebhaber der Menfchen bezeiget, indem ex an fich ge 
nommen, was menſchlich ift, auf daß er ung gebe, wag 

Goͤttlich iſt; Er wird eines Menſchen Kind, auf daß 

er, uns zu GOttes Kindern mache: Er Fommt zu uns. 

auf Erden, auf daß er uns in Himmel bringe. Dein 

edler Tauſch und LBechfel! Alles zu dem Ende, auf 

daß wir in ihm von SOTT geliebet würden. Iſt 

gieid) als wen GOTT vom Himmel herab tiefe; 

—— O ihr Menſchen! ſehet an meinen lieben Sohn, den⸗ 
des Men: ſelben habe ich laſſen M enfch werden, auf Daß er ein 
N lebendiges ECxempel und Zeuge fey meiner hertzlichen 
und De Liebe gegen euch, daß er euch) alie mit Sich zu mir braͤchte, 
Bl. 0 und ihr durch ihn alle meine Kinder und Erben wuͤr—⸗ 
* det. Darum nennet fih der HErr ſtets ſelbſt des 
Menſchen Sohn im Evdangelio aus hertzlicher Liebe 
gegen ung: Air leſen ſelten, daß er fih GOttes 

Sohn nennet, ſondern ſtets des Menſchen Sohn, aus 

hertzlicher Demuth und Liebe. 

Wiewol nun ſeine heilige Menſchwerdung ein 
u ſehr groffer Beweis iſt feiner Liebe gegen uns; fo iſt 
Rob. doc) fein beiliger Tod, Zeiden und Sterben für 
unfere Sünde noch ein gröfferer Beweis: Dean” 
Joh. 15 niemand bat gröffere Liebe, denn wer fein Leben 
3», für cinen andern laͤſſet. Daran beben wir erkannt 
1.50. 4. die Liebe GOttes, fügt St. Johannes, daß GOtt 
— ſeinen Sohn dahin gegeben, zur Def‘ ER 
unſere 


der Gnade und Büte GÖttes, 459 
unfere Sünde. Das ift die hoͤchſte und vollkom— ie böchfie 
menfte Liebe. Der liebe GOtt haͤtte nach feiner unbe "* 
greifflichen Allmacht wol ein ander Mittel finden fon 
nen, uns zu erlöfen, wie der HErr EHriftus felbit dar: 
um bittet in der Paßion: Abbe, mein Dater, es iſt 
dir alles möglich, überbebe mich diefes Belchs; 

lare.14.0. 36. Aber es ware nicht die hoͤchſte Liebe Hochſtes 
geweſen, die uns GOtt erzeiget hätte. Auf daß nun Bu 
G0Ott die allerhochite Kiche an uns bewieſe, und wir Gones 
nicht fagen Eönten, GOtt haͤtte etwas fo lieb, dag er der Tun 
uns nicht geben wolte; fo hat er uns feinen lieben MNiſt- 
Sohn geſchencket, und nicht zwar fo. bloß gefehencket, 
fondern zur Bezahlung für unfere Suͤnde: Darum 
bat uns GOtt Eeine groffere Liebe erzeigen Eonnen, 
Darinn preifet er feine Ziebe gegen uns, Nom. s. 
v.8. Welcher auch feines einigen Sohnes nicht 
verſchonet, fondern bat ihn für uns alle dahin ge- 
‚geben, wie folte er uns mit Ihm nicht alles ſchen⸗ 
cken? Rom. 8.0.32. Hat er uns das Groͤſte geſchen⸗ 
cket, er wird uns das Kite auch geben. Im ewigen 
Leben ſoll alles unſer ſeyn was GOttes iſt. Offenb. 
21.v. 7. Wer uͤberwindet, ſoll alles erben. 

3. Unterdeß beweiſet GOtt feine Liebe gegen uns |. 
durch ſeine troͤſtliche Beywohnung unter uns, und ke 
in-uns. Ach, wie iſt das fo ein groffer Troſt, daß nung. 
GOtt unfer Hertz zu ſeiner Wohnung geheifiget und 
geweihet bat! Vor Zeiten im alten Teftament, ale 
die Wohnung und das Heiligthum fertig war, mufte 

cs Mofes weihen und heiligen, und mit Blut des 
Orsfers befprengen: denn es mufte alles durchs 
Blut gebeiliger werden, Hebr.9. d.21. Darauf 
kam die Herrlichkeit GOttes vom Himmel, und 
‚ erfüllere die Wohnung und Zütte des Stiffts:2.%- Mo. 
Alfo, nachdem EHriftus fire unfere Sünde geftorben, 24. 
und wir num Durd) fein Blut geheiliger feyn, koͤmmt | 
GoOtt zu ung, und macher Wohnung bey uns. Wenn Bdtt it 
man einen-Lieb hat, bey dem iſt man gern; GOtt hat Kir neo, 
den Menfchen fehr lieb, darum ift er gern bey den Men⸗ fen, weit 


ſchen, 


460 B.II. C.26. Sünfferler Beweisthuͤmer 


er fle lieb ſchen, und hat feine Wohnung bey ihnen, Eſa. 57. 
bar 9.15. der HErr wohne in der Hoͤhe, und in 
dem Heiligthum, und in den zerbrochenen Her⸗ 
gen,daß ich ihren Beift erquicke. Und hiamwieder, 
bey dein man gern ift, den hat man fehr lieb, GOtt iſt 
gern bey den Menfchen, darum bat er die Menſchen 
Plf. is. u. 5. hertzlich lieb, wie der ı 6. Pſalm, v. 3. fpricht: An den 
heiligen, die auf Zrden find, und an den Herrli⸗ 
chen, an denen hab ich alle mein Befallen. Die 
——— fol uns nun troͤſten in all unſerm Truͤbſal, in Armuth, 
fer ung, in Kranckheit, ia Verfolgung, in Verachtung, dab ung 
GOtt lieb babe und bey uns fey. Ja, ſprichſt du, 
Rorzu das hat er denn Die lieb, Die er in ſo viel Creutz läffer geras 
Era then? Antwort; Ja, auf daß er fie Durchs Creutz herr⸗ 
lich mache. Weil ſie hier viel Truͤbſal haben, follen 
ſie dort reichlich getroͤſtet werden: 2. Cor. 1.0.5; 
Se gröflere Crůbſal auf Eiden, ie gröffere Freude 
' und Herrlichkeit im Himmel, 2. Cor. 4.0.17. Und 
Sort, das ift Die Urach, warum GOtt viel elender und 
ober in betrübter Leute mache, nemlich daß er in ihren Hertzen 
dei. wohne, denn er wohnet nirgend lieber, denn in den 
zerbrochenen Hertzen, Pſ. 34: v. 19, Ela. 66.0. 2, 
G0Ott erfüllet uns bier darum mit feiner Gnade, auf 
daß er ung dort mit feiner Herrlichkeit als das himm⸗ 
lifehe Jeruſalem erleuchten und erfüllen möge, Of 

fenb 21. v. 23. eh | 
4. 4. So leuchtet auch GOttes Liebe aus den Crea⸗ 
Eracuen gucen. Als St. Paulus das allerbefte, hoͤchſte und 
Gottes  berrlichfte feinen Ephefern wünfchen wolte, wuͤnſchete 
Liebe.  eribnen,daß fie die Liebe GOttes möchten erken⸗ 
$ nen, und begreiffen mit allen Aetligen, welches 
Cobef 3 Ha fey die Breite und die Länge, die Tieffe und 
? Die Hoͤhe der. Liebe GOttes. Will fo viel jagen, 
daß GRottes Liebe höher ſey denn der Himmel, tieffer 
dein dag Meer, breiter Denn der Erdboden, langer 
Denn der Abend vom Morgen, wie der 103.Malın, 
Alec vd. 11. jagt. Und in Sunma! Himmel und Erde 
Beugen ſind voll der Liebe GOttes; denn alles, was > * 
ame 


! 


\ 


der Gnade undBüte GOttes. 461 





ſchaffen hat, es ſey ſichtbar oder unſichtbar, das hat er der Liebe 
zu dem Ende geſchaffen, daß feine. unauefprechliche O1 
Güte und Liebe offenbar. würde. Und darum hat er 
dem Menfchen feine innerliche und aͤuſſerliche Sinne | 
angechaften und eingepflanget, Daß er mit denfelben 
GOites Güte und Liebe empfinden fol. Denn was 
der Menſch mit feinem Verſtande, Gedancken, Ge 
muͤth und Vernunfft begreiffen Fan, Das zeuget alles 
von der Liebe GOttes, forwol als das, was er mit den 
aͤuſſerlichen Sinnen begreifft. Denn alles, was der von ndet 
tenfeh hat, iſt ein Zeugniß der Liebe GOttes; ja es durch alle 
find alle Creaturen, fichtbare und unſi ehtbare, gleich Eieaturen. 
als Gefandten und Bothen GOttes, Die ung GOttes 
Liebe verfündigen, durch welche GOtt gleichſam mit 
uns redet, als fpräche er: Sehet Himmel und Erden 
an, und. alle Creaturen, das habe ich all aus Liebe deg 
Menſchen erfihaffen. Und fo wir die Lieblichkeit der 
Ereaturen empfinden, ſo empfinden wir GOttes Guͤ⸗ 
‚tigkeit, Daß wir beyde mit innerlichen und aufferlichen 
Einnen ſchmecken und feben können, wie freund- 
lich der HErr iſt, wie der 34. Pſalm v. 9. fpricht. 
. Die Sonne vedet mit uns durch ihren Schein, Licht ee 
und Waͤrme, als wolte fie fprechen : eher mich an, U, föner 
ich bin die gröfte und helleſte Creatur unter den ficht- — 
baren Geſchoͤpffen; es muß ein groſſer HEERRR833* 
ſeyn, der mich gemacht bat. Ja, nicht allein Durch vr. fen. 
die fchönen Creaturen redet GOtt alfo mit uns, ſon⸗ 
dern auch) durch die abfcheutichften Wuͤrme auf Gr — 
den als ſpraͤche er zu dir: Siehe, du haſts mir, deinem —8 ie 
Schoͤpffer, zu dancken, daß ic) Dich gu einen M enfchen pe 2 * 
und nicht zu einen Wurm geſchaffen. Der Gott, 80 
der dich zu einen Wurm haͤtte machen koͤnnen, hat dich 
aus Erbarmung zu einen Menſchen gemachte Ges 
dencke hie an den, der gefagt hat: Ich bin ein Wurm 
und kein Menſch, Pſalm 22.0.7. Alſo redet GOtt 
durch alle Creaturen mit dem Menſchen, und ver 
Fündiget ihm feine Kiebe, veißet, treiber, Iocfet ‚ führet 
und ERROR: uns zu ſich. Das ift die Weisbeir 
GOttes, 


"462 B. I. C. 26. Fuͤnfferley Beweisthumer 


GsoOtttes, ſo an allen Orten, auf allen Gaſſen ruffer,- 
Sr. Sal. Spr. Sal. 1.0. 20. Ingle ‚wien, die da ſpielet auf 
„420. dem Erdboden, und bat Luſt bep den Hienfchen- 
Eap-s.u3t, Aindern zumwobnen, Cap. 8.0.3 1 
GoOtteerie ⸗Ja, wenns ein Menfch recht bedencket, ſo ſind wir 
be —— in GOttes Liebe eingeſchloſſen, gleichwie wir alle unter 
eendi dem Himmel eingeſchloſſen ſeyn indem wir in GOtt 
wa · ¶ leben, weben und ſeyn, Ap. Sefch. 17.0.28. Denn 
| gleichwie ein Menſch nirgend binfauffen fan, der 
Himmel ift doch allenthalben um ihn, über ihn, unter 
ihm, zur Rechten, zur Kincken: Alſo Fan ein Mensch 
nirgend hinlauffen, die Liebe und Gütigkeit GOttes 
folge ihm Doch nach, und ruffet ihn durch alle Creatu⸗ 
ren, ja durch fein eigen Ders und Gewiſſen, und fpeicht: 
Gottesele⸗ Du liebes Rind, wo wilt du denn bintauffen? 
an ns Wo wile du doc) binflieben, da ich nicht wäre? 
Ersaruren. Fůhreſt du gen Simmel, ſo bin ich da. Sühreft 
du indie Hölle, fo bin ich auch da. Naͤhmeſt du 
Slügel der Morgenroͤthe, und bliebeſt am äuffer- 
ſten Meer , fo würde dich doch meine Hand da⸗ 
felbft finden, Pſalm 139. 0.7.19. Darum komme 
zu mir, erkenne meine Liebe und Gnade, damit ich dir 
in allen Ereaturen begegne. Haft du gefündiget, bey 
mir iſt viel Gnade; haſt du mich verlaſſen, ſo hat dich 
doch meine Liebe und Treue noch nicht verlaffen und 
verftoffen, fondern iſt dir Immer nachgelauffen, bat dich 
gefuchet ‚, bat dich geruffen, hat Dich als-ein verivret 
Schaͤflein wiedergefucht. Und wenn du den groſſen 
Zeugniſſen aller Creaturen nicht glaͤuben wilt, ſo glaͤu⸗ 
be-den Zeugniſſen meines lieben ı Sohnes; wie ich. 
in ihm die Melt gelieberbabe, Joh. 3. d. 16. Du 
Die Seele kanſt ſonſt nirgend Ruhe finden fuͤr deine Seele; 
en denn wende dich hin, wo du wilt, Dur muſt in meiner Fiche 
6 Bons und Gnade ruhen. Ach ein felig Hertz ift, Das diß ver⸗ 
Got ſtehet, wie Himmel und Erde voll feya der Liebe GOt⸗ 
Soon der tes, und wie er fo viel Zeugen feiner Liebe habe, fo viel 
2. 3er Geſchoͤpff und Ereaturenfeyn. Der gröfteund hoͤchſte 
So Zeuge aber der Liebe GOttes iſt GOttes Sohn. & 
5.00 


der Bade und Guͤte GOttes. 463 


Te ET Ver 

05, 80 erkennen wir auch Die liebe GOttes aus 

feinem lieblichen Weſen; denn aus den Gefichten 
Der Propheten und Diyenbarung Johannis Tonnen 
wir merken, Daß der allmachtige GOtt fo ſchoͤn und 

lieblich ut, Daß er unausfprechlicher Weiſe ubertreffe 

alle Schönheit und Lieblichkeit in der Welt. Er iſt Gott, if 
aller ſchoͤnen Dinge Schönheit, aller lieblichen Dinge ne 
Kieblichkeit, aller Lebendigen Leben, er iſt alles. Es und liebe 
hat ein after Sehrergefagt: GOtt fey [6 lieblich und LüRe er 
febön, daß, wenn ein Menſch in einem glüenden- 

fen fäfje, und fähe GOtt in feiner Schönbeir 

und Zerrlichkeit nur einen Augenblick, ſo würde 

ihm die aröfte Marter die geöfte Freude werden; 

wie dem beiligen Stepbano gefchabe, da er die | 
Zerrlichkeit GOttes fabe, und ſprach: Siebe, ich Ar- Geld. 
febe den Simmel offen, und des Menſchen Sohn" "" 
zur Rechten ſtehen. Eottt iſt fo lieblich und fehön, 

daß, wennihn ein Menſch taufend Jahr fühe, würde es 

ihm nur eine Stunde Deuchten ; Denn in dem Anfchauen 

der Lieblichkeit und Herrlichkeit GOttes verleuret fich 
alleZeit, und wird Ewigkeit daraus, daß, ie mehr man 

GOtt ſiehet, ie mehr man ihn fehen will, ie mehr man SOtt fan 
ihm liebet/ ie mehr man ihn lieben will, und ie mehr Kansenne 
man ihn lobet, je mehr man ihn loben will. Wie ein gelobet 
alter Lehrer, Xyftus, gefagt hat: Piorum anime infatia- verden · 
biles amoris & laudis DEI. Das ift: Die beiligen 

Seelen find unerfättlich der Liebe und des Lobes 
GoOttes. Unddas ſtimmet mitdem Sirad) überein, 

Da er von der ÜBeisheit GDttes redet: Wer von mir Sir. 24. 
iffet, den bungert immer nach mir, und wer von! 3 3% 
mir trincket, den dürfker immer nach mir, Und 
wiervol die heiligen Engel GOtt von Anbeginn, dafie _ 
erichaffen find, gefehen haben, fo haben fie ihn doch 
nicht genug gefehen. Wiewol fie ihn-von Anbeginn 

gelobet, fo habenfie ihn Doch nicht genug gelobet: Nam 

DEUS omni laude laudabilior, omni amore amabilior. 

Das it: GOtt iſt loͤblicher denn aller Creaturen Lob, 
bieblicher denn aller Creaturen Lebe, Denn GOtt it 

RA unend» 


464 B. I. C. 26. Fuͤnfferley Beweisthuͤmer 


unendlich in feiner Lieblichkeit, Schoͤnheit und Herrlich⸗ 

keit, darum Fan ihn Eeine erfihaffene Creatur genug lies 

ben und loben. GDtt ift fo lieblich, daß, ie mehr man 

ihn liebet, ie mehr man ihn begehret zu lieben; fo loͤb⸗ 

lich zu loben, daß man das Einde feines Lobes nicht ers 

reichen kan; fo freundlic) anzufchauen, daß man feines 

Anfchauens nicht mide wird; fo teöftlich zu hören, 

daß man ihn nicht kan ſatt hoͤren. Taulerus fpricht: 

Gottes Wenn einer ein Tröpfflein der vollkommenen 

et Liebe GOttes ſchmecken möchte, fo würde ibm 

keittunend- alle Sreude umd Wolluſt diefer Welt verwanz 

er delt in die höchfte Bitterkeit. Um der Liebe GOt⸗ 

I" tes willen haben die Heiligen die gröfte Marter gelid- 

ten, ihr Leib und Leben dahin gegeben, und wenn ei 

ner taufend Leiber hatte, die folte er wagen, daß ex 

die Liebe GOttes behalten mochte, wie der 63. 

9.6.0.4: Pſalm, verf. 4. richt: HErr, deine Gute iſt befler 

denn Leben, meine Zippen preifen dich, GOtt 

ift fo ein hohes, edles, lauteres Gut, ie mehr man ihn 

kennet, ie mehr man ihn liebet: Er ift eine zarte aus⸗ 

erwehlte Suͤßigkeit, ie mehr man ihn ſchmecket, ie ſuͤſ⸗ 

fer er wird, ie mehr man ihn liebet, ie lieblicherer wird, 

Selig ift das Hertz, das erfattiget wird mit GOttes 

Liebe. Er wird in feiner Seelen eine folche Lieblichkeit 

empfinden, Die man in der Zeit nicht finder unter Den ges 
fchaffenen Ereaturen. 

Betrug der. Sehet nun, alle Menſchen⸗Kinder, wie feyd ihr. fo 

Welpkiebe. hetrogen von der Welt⸗Liebe. Was haben alle Mens 

fehen von der Liebe des Zeitlichen, denn Sorge, Des 

kuͤmmerniß, verlohrne Zeit, vergebliche unnuͤtze Worte, 

dafür fie müffen Rechnung geben, Hader, Zanck, 

Krieg, Streit, und beſchwert Gewiffen? Es wird 

noch alle Menſchen⸗Kinder gereuen , daß fie die Welt 

und das Zeitliche fo lieb gehabt haben: Wie denn 

St. Johannes dafuͤr warnets Lieben Rindlein, 

habt nicht lieb die Welt, noch alles, was in der 

Welt ift, als Augen Luft, Sleifhes= Luft, hof⸗ 

fertiges Leben, Welches alles nicht iſt vom 

Ä Bater, 





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der Gnade und Güte GOttes. 465 


Vater; ſondern von der Wels, md die Welt ver> 

geber mit ihrer Luft: Wer aber den Willen - 
GoOttes thut, der bleiber in Ewigkeit. Darum GHrteie 
ſoll ein ieder Menſch fein Lebelang darum trauven, daß Kom 
er etwas anders ınehr gelicbet hat, denn GOtt allein. yifsGur 
Giebt dir GOit feine Liebe über alle Dinge in dein 

Hertz fo hater dir das Beſte gegeben, Das er hat, Das 
hl 3 Ki 
AN = MOSEDER, 


Gochgelohter GOtt, tver Fan begreiffen den unermeßlichen Kim.o.n.g 
I Abgrund deiner-Piche? Je meher ich diefelbe betrachte, ie Su 

wunderbarer finde ich fi. Du allervollkommenſtes, allerheis 

ligſtes Weſen liebeſt ung nichtige unreine Erd WBürmer fo, daß 

bu dich mit und zu nereininen Belieben srägeft; darum kommſt 

du zu ung hernieder, wirſt, aufferhaib der Suͤnden, allerdings 

uns gleich, wäfcheft uns von unferer Unreinigkeit mit deinem Hebr. a _ 

Blulte, reinigeft und heiligeſt ungzu deinem Tempel und Woh⸗ d. 17. 

mena, üderzeugeft uns Durch alle Geſchopffe veiner Liebe, laͤſeſt Den b» 

uns ſchmecken und fehen, wie freundlich du biſt. Vor diefe un⸗ 5 

ergruͤndliche unverdiente Wunder⸗Liebe dancke ich/ o HErr, dei⸗ v. ı6. 

nem heiligen Namen, und bitte dich, thue über alle deine vorige Pſ34. b. 9 

Liebes Bezeugung auch diefe. hinzu, daß du mir gebeft ein erz 

Fenntlich danckbar Hertz, das nach deiner Vereinigung ernftlich 

firebe, durch dich nereiniger, deine Wohnung fey. Heiligemir 

die Erearı und den Gebrauch derfelben, daß fie mir nicht zum 2. Tim, 4 

Stricke, fondern eine feiterin zu die werde, daß ich in allen deinen d: 5 / 

Geſchopffen deine ®&äte, Liche, Weisheit und Allmacht lefe,und PF6A23. 

fo ſtets mit dir umgehe mehr und mehr zudir gezogen, in mei⸗ 

ner Seelen erkenne, wie du mich geltebet haft, und wie ich dich 

wieder lieben folle, um deines Namens willen. Amen. | 


AR Das XXVIE Capitel, | 
Wie ſich der Herr JEſus der liebha⸗ 
benden Seele offenbaret und zu erkennen 
giebt, als die hoͤchſte Liebe und das 
hoͤchſte Gut, 
Joh. 14. v. 21. Wer mich liebet, dem will ich 
mich offenbaren, 
AA Fnn du den geereutzigten CHriſtum recht 
Se wirft anfehauen, ſo wirſt du nicht denn en — 
reine, vollkommene, unausſprechliche Liebe in Kine une 
I, Theil. & ihm 


4 


466 B. I. C.27. Wie fich der HErr JEſus 


diie alletrei ihm ſehen; und er wird Dir fein Hertz zeigen, und ſpre⸗ 
Te hen: Siehe, in dieſem Hertz iſt kein Betrug, keine 
Vebe ·Luͤgen, ſondern Die hoͤchſte Treu und Wahrheit. Neige 
dein Haupt her, und ruhe auf meinem Hertzen; reiche 
deinen Mund her, und trincke aus meinen Wunden die 
allerfüffefte Liebe, welche aus meines Vaters Hertzen 
durch mich entfpringet und quillet. | 
(So du nun dieſe Liebe ſchmecken wirt, fo wirft dur 
der gansen Welt daruber vergeffen, und vor diefer uberz 
ſchwenglichen Liebe verfchmahen, und nichts mehr denn 
Diefe Kiebe yoinfchen, und zu deinem Herten fagen : Ach 
Hoͤchter HErr, gieb mir nichts mehr, denn die Suͤßigkeit deiner 
Beh Eh ebe; ja wenn du mir gleich Diegange Welt geben wol» 
flen, teſt, fo will und begehre ich nichts anders, denn dich als 
lein und deine Liebe, | 
EHritus. O ſelig ift die Seele, die dieſe Liebe empfindet! 
ber altubis Denn in derfelben Seele wird CHriſtus recht erfannt 
Einigegiche. und offenbaret, daß er nichts anders ſey, Denn eitel reine 
Male, Liebe, und daß er fey die Liebe der Seelen. Welche 
Worte einen hohen Verſtand und Erfahrung in fich bes 
greifen, denn daß EHriftus Die Liebe unferer Seelen 
fey, offenbaret er durch feine geiftliche Zukunfft und lieb⸗ 
liche Erquickung der Seelen, und wenn davon, unfere 
Seele ein Eleines Tropflein oder Blicklein empfindet, ſo 
iſt ſie zum hoͤchſten erfullet mit Freuden: Denn die uns 
endliche Liebe ift fo groß, Daß fie unfer Her nicht faſſen 
noch begreiffen Fan. Solches erkannte der heilige 
Martyrer Ignatius, der den HErrn JEſum allezeit 
ſeine Liebe genennet hat, und geſagt: Meine Liebe iſt 
gecreutziget. ER 
1. Cor. 16. An diefer Kiebe EHrifti füllen alle unfere Wer⸗ 
Kigr, cke gefebeben, fo gehen fie aus CHriſto und aus dem 
fes mache währen Glauben, und gefallen GOtt wohl, wir effen 
altes lieb» oder trinken, oder fchlafen, gder verrichten Die Wercke 
unfers Berufs. Es wird alles lieblic, vor GOTT 
und Menſchen, was aus der glaubigen Liebe gehetz 
Denn das gefchicht in GOtt, und wird in GOtt gethan, 


Joh 3, 0, 21, 
Sb 


der liebhabenden Seele 5 zu erkennen giebt. 467 


OB nun wol dieſe Liebe CHuiſti das allerhochſte Die Liebe 
Gut iſt im Himmel und el denn in Diefer Liebe Fanlinas 
ift alles Gut begriffen : Dennoch) ft GOtt fo willig ii 
und bereit, uns diß hohe Gut zugeben, Daß er auch fets DR 
nen lieben Sohn in diß Elend gefandt, uns durch Ihn 

Dieses unaustbvechlichen S Schatzes Dann zu ma⸗ 

chen durch den Glauben: Und it er viel williger, ung 

diß hohe But zu geben, denn wir bereit feyn, Daffelbige 

zu empfangen. 

Dieſe Liebe, ſo durch den Heiligen Geiſt aus⸗ Krafft der 
gegoſſen wird in unfer Hertz, fo fie empfunden wird, 2; ziehe GOt⸗ 
erfreuet mehr, denn Die gange Welt: Und wenn ale Hm. So 
Ereaturen da gegenwärtig ſtunden, fo lieffe eine gläus | 
bige liebhabende Seele dieſelben fahren, und fül vefich - , 
nicht Danach um, um der uberfebwenglichen Suͤßig⸗ 
keit willen Der Ficbe GDktes, Und wenn alle Creatu⸗ 
von anfiengen zu reden, fo waͤre doch Die Stimme der 
Liebe GOttes frärcker und lieblicher, denn aller Creatu⸗ | 
von Stimme: Denn diefe Liebe bindet das Gemuͤth, Bst 
und vereinigets mit CHriſto, und erfüllets mit allem der Seele 
Gute, hoͤher und beffer, denn alle Creaturen vermögen. — 
Walches Hohe Gut zwar im Geifterfannt, gefehen und her eiehe _ 
geſchmecket wird, aber es Tan mit keinen Worten Ans Beute, 
geredet werden; dern alle Worte find viel zu WENIG, Zunge ande 
nur den Schatten anzuzeigen, weil feines Menschen leib⸗ vedem, 
liche Zunge das koͤſtliche und diebliche Gut, fo der Geiſt 
des Menfchen empfindet, exreichen Fan. Daher auch 
&t. Paulus im Paradies Worte gehoͤret hat, die Eein 
Menfch ausreden Fan: Verba appnr«, unausſprech⸗ 
liche Worte, 2. Cor. 12.0.4. 
| Und wenn ein ſolch koͤſtlich Gut ſich von der Seele Groffer 

entseucht, da ijt gröffer Leid, als wenn die gange Welt Serjan der 
verlohren ware. Da ruft man: D du boldfelige 
Liebe, ich habe Dich kaum vecht gefchmecket „ warum 
verlaffeft du mich? Meiner Seelen gehets, wie einem 
Rinde, das von der Mutter Bruͤſten abgeſetzet Pr &ad.# 
iſt, fügt der 131. falm, verf. 2. Ach deine Büte 
iſt beſſer denn — laß mich dieſelbe empfinden. 

Gg 2 Meine 


468 B. Il. C.27. Wiefih der HErr JEſus deric. 


B[.42 = Meine Seele duͤrſtet alleinnach dir, fonft kan mich 
nichts füttigen noch erfreuen. N 

Ohne die. Diefe holdfelige Liebe machet auch , daß ohne Die- 

Liebe EHri ſelbe der glaubigen und liebhabenden Seele das gange 


* ei! Keben.bitter wird, und für einen lautern Tod und Elend 


nn geachtet wird; ja um Diefer Liebe willen begehrt ein 
hiuge Lod Menfch zu fterben, und die irdifehe Hütte abzulegen, 
und wolte gern daheim fepn bep dem AKren, wie 


Gt. Paulus fpricht, 2. Cor. 5.0.8. 
Gebet. 


zB. Moſ. GErr JEſu, du ewige Liebe, der du, aus Liebe getrieben, dich 

45-0. nicht enthalten kanſt, denen sten Seelen, die in dei- 

ner Vereinigung ſtehen, dich zu offenbaren: Neinige meine 

Galat.ı. Seele von allem, wag mich von deiner Liebe feheider, und offen» 

v6.  , baredudich denn inmir,algdie unermeßliche Liebe ewige Güte, 

2.5052. und unwandeibare Treue, bamit ich durch folch Empfinden deiz 

ns mer Gnaden-Gegenmwart und Wuͤrckung in mir,von diefer Welt, 

Augen⸗Luſt, Fleiſches⸗Luſt und hoffartigem Leben abgezogen, in 

dir allein mich freue. D wie freundlich, felig, ſuͤß und fchon ift, 

JEſu, deine Liebe: Wenn die empfunden wird, fo vertreiber fie 

alles Trauren, alle Freude und Luft der Welt, und erfüllet ung 

mit dem Vorſchmack der himmliſchen Herrlichfeit. Gieb mir, 

‚mein Heyland, diefer herrlichen Gaben theilhafftig zu werdenz 

doch nach deinem Willen,der du weift, wie ich am beften und 

ficherften Eonne geführet werden. Ich weiß, mein Erloͤſer, daß 

du indem Stande deiner Erniedrigung nicht allezeit die aus 

empfundener£iebe entſtehende himmliſche Freude gehabt, fons 

Maith. 26. dern deine Seele ift auch betruͤbt geweſen big in den Tod: So 

2.38. bin ich auchhie noch in der Wuften, da man die Verheiſſung nur 

Hebr. in. von ferne firhet, da des gelobten Landes Früchte ſich ſparſam 

nn Moſ finden, und im Gefaͤngniß, da ich im Glauben und nicht im 

ei 0.24. Schauen wandele: Darum ergebe ich, in demuͤthiger Gelafa 

2.C0r.5. ſenheit, hierinnen mich deiner Negierung: nur gieb mir, o ges 

v7. ‚treuer Heyland, iederzeit hier fo viel Empfindung und Verfiches 

rung deiner Liebe als mich färcfen fan, wenn ich matt werde, 

und mir Fräfftige Aufmunterung zum freudigen Kampff, und 

die Gewißheit geben Fan, daß ich ein Erbe fen des gelobten Lan⸗ 

Df. Wh. des, (da du unbeflecktes Lamm mitten im Gnaden⸗Stuhl deine 

70.17. Gläubigen mit dir felbft und deiner ewigen Liebe weydeſt, da 

Efa. 35: ewige Freude und Wonne über unferm Haupte fenn, alle 

np. Schmergen und Trauren weg feyn wird) um deines Namens 
willen, JEſu, meine Liebe, Amen, 


Dis 


u) 0(6(84685 

Ä Das XXVIIT. Capitel. | 

Wie das höchfte Gut erkannt, und in 
der Seele geſchmecket wird. 

Pſalm 34.0.9. Schmecket und febet, wie freund» . 

- lich der HErr if. | 9 | 
AADTT ift ein ewiges, vollfommenes, unendli Gott ein 
— ches, liebe und freudenreiches, weſentliches,unme⸗ 
mittheilendes Gut, und will, daß er alfp im . — " 
lebendigen Glauben, im Geift und in der Wahrheit 

‚erkannt werde; Solches aber Fan nicht gefchehen, cs 
muß ein Menſch GOttes Gutigkeit, Suͤßigkeit, 
Freundlichkeit und Troſt wahrhafftig im Hertzen 
ſchmecken und empfinden. 
Saolte nun das gefchehen, fo muſte etwas im Men⸗ 
fehen feyn, das fich mit GOtt vergliche, * auf daß 
der Menſch faͤhig wuͤrde des hoͤchſten Guts. Das iſt 
des Menſchen Seele, darinn wolte GOTT feine 
Guͤtigkeit ausgieffen, ja ſelbſt darinn wohnen, und fich 
derfelben immer mehr und mehr offenbaren und zu er⸗ 
kennen geben. | | | 


Weil aber durch die Suͤnde der Menfch diefes Bo- Teufels 
„hen Gutes verluftig worden, und dagegen den Teufel grenfepem 
zum Einwohner und Beſitzer bekommen, der fein 
Merck über im Menfchen, als Hoffart, Geis, Wol⸗ 
luſt, Zorn, Neid; welches alles des Teufels Werck 

im Menfchen it: So muß der Menſch durch den 
Glauben, den GOtt wuͤrcket, Eoloff. 2. v. 12. zu 
GoOtt wieder bekehret werden von der Welt, ja 
vom Teufel zu CArifto JEſu, Apoft. Geſch. 26. 
9,18. und muß der Satan mit feinem Werck heraus, 
83 Denn 





Es wird geredet von der Gleichfermigfeit unferer &e 
mit GOtt im Stande der Unſchuld, Are mie Kr Ara 

> Seele ein Spiegel GOttes fey, darinn fein Gottlich Ebenbild 
leuchten, und taͤglich ſoll erneuert warden. Siehe B. 1. c. 41. 


Waren. 


I C * WMi ſt G 
1 . + 4 
j ! 


im Menfchen 
Wercke im M ie 
fange N Ana und fo Ki 
Imas be Be 58% wuͤrcket Yan das die —— 
en Ann, — Werck verhit Set ijt, —— 
— 
GOttes empfinden die GOtt rech ni und des Sata 
ac, {RD wenig kt —— 
en die Aber 
kn heiten * und ſchmecken 
m ungen, ib em 
Die 5 dem HErrnu ai hr das geſchicht, 
ua. die müffen ; und ie mehr di benden 
„17. sollen, rden Subiadn liebha 
Re 80H Beift mit en IT in der —— der N | 
— ie mehr ſich nen mehr Das — fi) SL En 
ER Safe offen teied zu GOTT, alle — 
bgewendet wird zu t: Denn Liebe einge⸗ 
ee Seele vereiniget: ſoll GOttes Welt 
einigen. init Der So uß ausgehen, ie Liebe der 
2. Ioh:s, Creatur⸗Liebe m 5. In wen di s nicht. Und wo 
v. 15. st h. 2. v. 1 hs des Vaters ni Welt, 
ben, 1.500. die Kiebe des‘ iſt von der Welt 
© inelare ur; in dem Hi er findet, die a ibn felber, und a 
wöc GDLL dh mit BemÖnmcl mit — 
— die erfulle Guͤtigkeit. Je leer it ſeinem Li Yon 
r s GOtt mit r, laͤſſet 
el in. alter Lehrer, 
Welt⸗Liehe, ie Darum fagt 9* * SACHE Mehr 
Troſt erfuͤllet. — ſtillen, ruhig Ott iſt. 
fü d s in einer leeren, [prechen, was © weiffen, daß 
ſichs in denn ausſprech ahrhafftig ſeine 
— Beni) San fo muß er 
ee 
meiß rech 7 G t ; > erben { m £ & muß 4 
te er Oitigkeit im Hert ber das Hert ecken Kebr, 
if, ohn der Si Aufferlich, a ine ort ſchm f Wort, 
ine Sb get davon lebendig Itige | 
— ——— —— Weir. ** 
t z um n derjichen, 
"bat. 6.8, 5. — ra ft Oct zu nicht beſſer N reu⸗ 
und die fen, kanſt — daß Beat * 
GOtt Ro feinen Troſt ſchm niemand beſſer leh mit 
Xbendige dem wenn sefen ſey, Kan Dich, dir freuet: Alſo 8 
11660r denteiches Fan wenn er ſich in Wo ers nicht * 
—* denn SD ee fe ve GOTT it. wirft Du u 
allen Dingen, nd wuͤrcket, ſo lebe 
(bit in dir thut u 
ſelbſt in 





und in der Seele geſchmecket wird, 471 


lebendig Erkaͤnntniß haben: Denn GOtt erkennen 

obne GOtt, ift unmöglich, fagt St. Auguſtinus. 
Darum wen fih GOtt nicht ſelbſt offenbaret und 
zu erkennen giebt, der wird nimmermehr.vecht wiſſen 
Fönnen, was GOtt iftz Wenn aber ein Der das 
lebendige Wort GOttes empfindet, ſo erkennet es, 
daß GOTT alles fey, und alles Gut, und Das rechte 
vollkommene ewige Gut, und beffer denn alles, was 
ein Herb wuͤnſchen und erdencken möchte: ‘Denn uber 
dis ewige höchfte Gut Ean Feine Ereatur etwas beffers 
dencken oder wünfchen. | 


So nun daffelbe erkannt, und in der Seelen 98 
ſchmecket void, wie im 84. Palm, v. ı2. und Pf. 63. 
v. 4. fichet: HERR, deine Güte iſt beffer denn 
Leben: Alsdenn fähet die gläubige Seele an die nd; 
Welt zu verfehmähen mit ihrer Freude und Luſt. yungder 
Denn fie hat an GOtt Genüge und volle Gnuͤge. Welt? 
und in Summa, alles, denn die Welt mit alle ih⸗ 
rem Reichthum ift eitel Stuͤckwerck, unvolllommen 
und unbeſtaͤndig: GOtt aber iſt das rechte, vollkom— 
mene, beſtaͤndige und ewige Gut. 

Aus dieſem Grunde ſpricht David im 73. Pſalm, 
v. 25. HEer, wenn ich mir Dich babe, ſo frage 
ich nichts nach Zimmel und Erden. Das ift eine 
ſolche Seele, die das vollfommene Gut gefchmecket 
hat, in welcher alle Creatur⸗ und Welt⸗Liebe vers 
ſchwindet, und Feine Luft noch Freude bat an den 
Ereaturen, am Irdiſchen, an der Welt, fondern allein 
an GOtt dem höchften Gut. Und das ift das rechte Dieleben 
empfindliche Erkaͤnntniß GOttes, ja die rechte, Liebe ehätige Eh 
GOttes uͤber alles, ſo im Hertzen gefchmecket wird; Kiuntniß 
denn wenn Gott recht erkannt wird, fo wind er ann 
uber alle Dinge geliebet, gelobet und geehret. 


Wenn man nun das ewige volllommene Gut 
hat, in dem alles Gut ift, und welches alles allein ift, 
warum wolte man denn das unvollfommene lieb has 
ben? Denn wenn Das sechte vollfommene Gut erkannt 

J Gg94 wird, 


472 B.II. C. 28. Wie das hoͤchſte But erkannt, 


wird, da wirds auch geliebet über alles unvolfommeng, 
das ift, über alle Creaturen in der gangen Welt. 

- Ufo tilget num das lebendige Erkaͤnntniß GOttes 
aus Die Liebe der Welt; und fo faͤhet ein Menſch an 
Ka Die Welt zu verſchmaͤhen mit ihrer Eitelkeit, und ſpricht 
red, Sur, mit dem Könige Salomon: Vanitas vanitatum, & 
v4 omnia vanitas. Es iſt alles eitel und nichtig, ja 
eitel Kammer, Das unter dem Himmel iſt. Alſo wird 
die Welt⸗Liebe im Hertzen zu nichte, und bleibet allein 

GOttes Liebe, und das ewige Gut, das ewig bleibt. 


| Gebet. 
ze 17 Wiger gütiger GOtt und Vater, dich erfenmen, iſt das 
Er. Sal. — ewige Leben, und deine Furcht ift der Weisheit Anfang ; 
° v.10. Don dir aber dem Buchſtaben nach etwas wiffen und erzeh⸗ 
1.%0b.3:. len fönnen, findet fich bey vielen, deren Wergfe zeugen, daß 
4. fie noch im Tode ſehn: die da ſagen, fie erkennen G tt, aber 
we mit den Wercken berleuanen fie es: Sintemal fie find, an 
SUR U . peichen EDitt Örenel hat, gehorchen nicht, und find zu als 
len guten Wercken untüchtig, ja bey den Teufeln felbft: Dar» 
um verleihe mir, mein GOkt, daß ich nicht ruhe indem buch⸗ 
feäblichen Wiſſen, fondern gieb mir dein lebendiges und felige 
machendes Erkaͤnntniß, melcheg mein gantzes Hertz und Les 
ben äntere, in mir einen rechten Haß gegen die Sünde, Vers 
Khmähung-der Welt, reine Kiebe gegen dir und den Nächften 
erwert Du bift ja, o HErr, dag edelfte und befte Gut: 
wer 0 recht erkennet, Fan Feine Ruhe oder Vergnügen 
finden ın einigem Dinge, dag nicht von dir iſt, und zu dir 
führet. . Es findet die Suͤnden⸗Liebe, dit Welt und deren Eis 
x. 8. of telfeit feinen beftündigen Naum in ver Geele, bie mit deinen 
85 a lebendigen Erkaͤnntniß erfuͤllet iſt. Wer die rgene Manna 
pen ſchmecket, dem eckelt vor aller andern Speiſe. Damit ers 
Salat. 4. Fülle und fättige meine Steele, du getreuer Schoͤpffer, der du 
v. 9. fie desmegen deiner fähig erfchaffen haft, daß du fie mit bir 
Hebr. 6. ſelbſt füllen Eönteft. Und wenn ich denn dich erfannt habe, 
v. 5. ja vielmehr von dir erkannt bin, geſchmecket habe das guͤtige 
Wort GOttes, und die Kraͤffte der zukuͤnfftigen Welt: So 
laffe mich nicht wieder umkehren zu denen Trebern der Welt, 
Matth · 26: noch den Sohn GOttes für Spott halten. Fleiſch und Blut, 
2.8 Sof. DEAN, kan mir dich nicht offenbaren, Hat denn dein 
19.20.19. Knecht Gnade funden für deinen Augen, dag du haft ange⸗ 
2. 3. Mofı fangen deinen Namen, HErr, mir zu offenbaren, fo wolleſt 
60.3. du deine Barmhertzigkeit groß machen, und vollführen dein 
Pbil.i. .s. Werck, big auf den Tag unfers HErrn JEſu CHrifti, en 
i x wi 


urnd in der Seele geſchmecket wird. 473 


nicht mehr, wie ietzt, durch einen Spiegel, in einem dunckeln 
Worte, ſondern von Angeſicht zu Angeſicht dich ſehen und ers 
kennen werde, wie ich erkannt bin, durch JCſum CHriſtum 


deinen Sohn, unſern HErrn! Amen. 
Das XXIX. Capitel. 


Wie die liebhabende Seele GOtt in 
ſeinen Wohlthaten anſchauet, als die 
mildeſte Guͤtigkeit. 
1, Joh. 4. v. 9. 10. Daran iſt erſchienen die 
Liebe GOttes gegen uns, daß GOtt feinen 
eingebohrnen Sohn geſandt bat in die Welt, 
daß wir durch ibn leben follen. Darinnen 
ſtehet die. Kiebe, nicht daß wir GOtt gelie= 
bet, fondern daß er uns geliebet bat, und 
gefandt feinen Sohn zur Derföhnung für. 
unfere Sinde,. | 


| Les, was GOtt der HErr mit dern Menfchen aueWeree 
| handelt und vornimmt, es ſeyn Wohlthaten BOtres 


7 yder Strafen, das thut er alles zu dem Ende, —— 
daß er den Menſchen, der von ihm abgewendet iſt, wie an 
der zu fich wende und befehre; Der Menfch aber ift ee 
naͤrriſch und tumm, wie das Dieb, Pſalm 3 2. v. 9. | 
und verftehet nicht die LUrfach, warum ihm SOTT 
groffe Wohlthaten erzeiget, nemlich, daß er ihn damit 
zu fich Locke, daß er GOtt lieben ſoll; bedencket auch 
nicht, warum ihn GOtt ftrafe, nemlich, daß er ihn 
zu fich bekehre und zu ihm wende, 

Wir wollen aber erftlich die leiblichen Wohl⸗ zweyerteg 
thaten betrachten, darnach die geifklichen und Wohltha⸗ 
ewigen. * 

1. GoOtt bat nichts geſchaffen, daß dem Men⸗1. 
ſchen nicht diene, es ſey ſichtbar oder unſichtbar. Die Do. 
Unfichtbaren, die uns dienen, find Die heiligen En- Gottes 
gel, derer Weisheit, Staͤrcke, fleißige Hut und Wache an 
über ung die Göttliche Schrifft an vielen Orten IT 
ruͤhmet und offenbaret, alfo, daß viel Engel auf ei⸗ 
nen Menfehen warten muͤſſen; als die Hiſtoria des 
85 Ertz⸗ 


474 B.1.C,29. Wie die Seele GOtt anſchauet 


Ertz⸗ Vaters Jacobs und Eliſaͤi bezeuget, 1. B. Mof. 
32,vaf,ı.2. 2. Koͤn. 6. v. 17. Alldieweil auch viel 
boͤſe Geiſter auf einen Menſchen lauren, ihn zu verder⸗ 
ben, ſo ſind auch dagegen viel H. Waͤchter von GOtt 
verordnet. Wie fie ſich auch freuen über unfere 
Buſſe und Gebet, lehret der HERR Luc. 5. v. 10, 
unmätbe Diele Wohtthat, weil fie unfichtbar ift, und unfichte 
überteipe barer Weiſe gefchicht, achten viel Leute vorgeringz aber 
mai ein Weiſer, der nicht allein Die ſichtbare Welt ars 
KBelr. ſchauet, fondern auch die unfichtbare, der verfiehet wohl, 
daß im unfichtbaren Weſen, darinn GOtt wohnet, viel 
geöffere Herrlichkeit, viel ein groͤſſer Volck und Krieger 
Heer, viel gröffere Herrfchafften, und Fuͤrſtenthum feyn 
Der Engel muͤſſen, denn in Diefer fichtbaren Welt. Und dieweil 
ee uns GOtt feine eigene Diener zu Waͤchtern und Huͤ⸗ 
Wohithat. tern giebt, feine Fuͤrſten und Herrſchafften, fo fiehet 
"man ja wohl, wie Diefes eine überaus groſſe Wohlthat 
iſt. Gleich als ein Fuͤrſt durch feine eigene Diener 
einen begleiten und beſchuͤtzen laͤſſet, der etwa durch eine 
Wildniß reiſen ſoll, oder durch der Feinde Lande. 

—— Schaue den Himmel an, wie GOtt denſelben zu 
— deinem Dienſt verordnet hat. Siehe an den wunder⸗ 
dienen. lichen Lauff der Sonnen und des Monden; warum 
lauffen fie fo unverdroffen Tag und Nacht, und ſtehen 
nicht einen Augenblick ftil? 1.9. Moſ. r. verf. 16, 
- Eind fie nicht fleigige und emfige Diener des Mens 
fehen? Denn GOTT darff ihres Dienftes nicht, 
er darff ihrer Wuͤrckung, ihres Lichtes nicht; Der 
WieSonne Menfch aber bedarffs. Die Tonne dienet dir, als 
pud DD cin unberdroſſener Knecht, der. frühe aufſtehet alle 
fen die: Tage, und das Kicht und ſchoͤne Fackel vor dir her trar 
Als get, erinnert Dich des ewigen Lichts, welches iſt CHri⸗ 
ſtus und fein Goͤttlich Wort, das fol deiner Seelen 
s Licht und Leuchte ſeyn, Daß du folt als ein Kind des 
Fe Lichts wandeln. Der Mond und- die Nacht decket 
Kube. Dich zu mit einem Schatten, als mit einem Bette, brin⸗ 
Pl-91 9.1 ger Die Ruhe, lehret Dich unter dein chatten des 
Hoͤchſten bleiben und wohnen, Palm s 1. b. at 

| ion 


yaut als die mildeſte Guͤtigkeit. 475 
Mond iſt wie eine unverdroſſene Magd, die holet 
Waſſer, und befeuchtet die Erde. Ja es iſt kein ne 
Sternlein, es hat feinen Segen dem Menfchen u keinen &e 
gut empfangen, und leuchtet um des Menfchen gem 
willen. i 

Siehe an die Lufft und die Winde, wie fehön 
und klar machen fie den Himmel, vertreiben die Wol⸗ 
ken, und treiben die ABolcken zuſammen, als groſſe 
Waſſer⸗gaͤſſer und Schläuche, Pſ. 33.0.7. gieffeng 
hernach aus auf die Erde: Und iſt hoch zu verwundern, 
das GOtt das Wafler in den Wolcken unter dem 
Himmel sufammen bält als in einem Schlauch, und 
die Lufft muß es tragen und halten. » Und find die Dunf der 
Wolcken nichts denn ein feuchter Dunft, welcher ſich Wolden, 
darnach verwandelt in Teöpfflein, Hiob 26. v. 18.Bliken und 
C. 36.0. 27. Auch Diener ung der ſtarcke Donner, Hli- Regen. 
en, Hagel 2c. Hiob 37.0. 3. daß wir GOttes Ger 
walt darinnen erkennen, beten, und GOtt dancken, . 
wenn er uns ervettet hat im fehrecklichen Wetter, wie 
der 18. Pſalm, 0.8. 13. 14. lehret. 


Siehe die mancherley Art der Winde an, die rer Winde. 
gieren die Schiffahrt, und wo ein Wind hinſtreicht, 
da fahrer das Schiff mit als ein Vogel, der durch Yeızs. v7, 
die Lufft fleucht. Dadurch Eonnen alle Derter und 
Heimlichkeiten der Welt beſuchet werden,auf Daß nichts 
‚verborgen bleibe, das GOtt dem Menfchen zu gut ge 
ſchaffen, Pſalm 13 5.0.7. Ä 

Siehe die mancherfey Art der Sifche im Meer an, diſche. 
1.93. Moſ. 1.0.20. 21. Malm ı 04.0. 25. die haben ' 
ihre Zeit und Monden, wenn fie kommen, fo zeigen fie 
ſich an, geben ſich aus der Tiefen hervor in Die Hohe, 
fichen da, als eine Heerde Schaafe, ja fo dick, als 
das Getrände auf dem Felde, als fprachen fie: Jetzo | 
iſt unfere Zeit, ietzo ift die Erndte des Meers, greifft zu, Erndte des 
ihr Menfchen. Alſo ifts auch mit den Vögeln, Meers und 
wenn ihre Zeit ift, fliegen fie bey Hauffen, turmarim, Pr ut. 
und zeigen ſich den Menſchen. 

Siehe 


476 BU. C.29. Wie die Seele GOtt anſchauet 


—— Sicehe die Erde an, die groſſe Speife und Schatz⸗ 
Kammer, Kammer GOttes, die giebt hervor Speiſe und 
Bar. Tranck, Artzney und Kleidung, unfere Haͤuſer und 
 Scav Wohnung, und die mancherley Metallen, Gold und 
Same. Silber. Ein ieder Mond giebt feine Blümlein; die 
treten hervor, als fprachen fie: Hier find — brin⸗ 
gen unſere Gaben und Geſchenck, und verehren euchs 
ſo gut, als wirs von unſerm Schoͤpffer empfangen 
haben. Sa, ſiehe den Wald an, welcher eine Behau⸗ 
ſung iſt des Wildes, das hat GOtt den Menſchen in 
Ihre Hand gegeben, und fie u Herren darüber geſe⸗ 
‚Cines einiger, Und wenn man alle leibliche Wohlthaten 
ungeblihe HDttes zehlen folte, ware es ja unmöglich, eines einie 
Wohltha⸗ gen Landes Wohlthaten alle zu zehlen; denn es ift ja 
‚su nicht der geringfte Apffel oder fonft-eine Frucht, es ift 
eine Wohlthat GOttes: Die zehle nun.einer, iſt er fo 
geſchickt: Und wir ſolten den wohlthaͤtigen und guͤti⸗ 
gen GOtt nicht daraus lernen erkennen? Pſalm 65. 
ioſt Hy, 10. 74. Wenn ein groſſer Potentat und HErr fein 
keit der ¶ gantzes Reich, alle feine Herrſchafft, Ritterſchafft und 
Drenfen Gewaltigen , ja alle feine Unterthanen, dir dienſtbar 
Sleihnig machte, und. geböte, daß fie dich behuͤten, beivahren, 
angedeutet. kleiden, artzneyen, ſpeiſen, trancken folten, und bey Lei⸗ 
bes⸗Strafen zufehen, daß dir nichts mangele; wol 
teſt du ihn Darum nicht Lieb haben, und für einen wohls 
thätigen, liebreichen Herrn halten? Ein Narr mufte 
-feyn, der das nicht thaͤt. Wie fanft du denn GOtt 
deinen Herten nicht lieben, der dir alles, was im Him⸗ 
mel und vom Himmel iſt, was auf Erden und allentz 
un halben ift, zu deinem Dienft verordnet hat, und ihm 
Dienft ges Nichts vorbehalten? Denn er darff Feiner Creaturen 
ichaſen · Für fich, und bat nichts ausgenommen aus allen Heer⸗ 
ſchaaren der heiligen Engel; unter den Sternen und 
allen feinen Sefchopffir, das dir nicht dienen folte, 
Wenn wir unr wollen, ſtehen fie ung zu Dienſte. Ja, 
auch die Hoͤlla uß uns dienen, in dem, daß fie ung eine 
Furcht und Schrecken einjagt, Daß wir nicht ſuͤndi⸗ 
gen; Sa, inden fie ade Gottloſen und unſere ns 

a 


l 


als die mildefte Goͤrigkeit. 477 


ſtrafet und peiniget, mehr denn ein nahe wuͤnſchen 
moͤchte. 

Laſſet uns nun ander Leiter der Creaturen zu GOtt 
dem —— hinauf ſteigen, und die geiſtlichen eite 
Wohlthaten betrachten. Hat nicht Die Heilige ten derHeis 
Dreyfalsigkeit , eine jede Perſon  infonderheit , dem kerieein” 
Menfchen groffe Gnade und Wohlthaten erzeiget ? ; 
Der Dater hat uns feinen Sohn geſchencket, wie 
folte er uns nicht alles mie ihm ſchencken? Nom. 

8. ver, 32. Hat fich nicht GOtt der Sohn ung 
fe gegeben, mit allem, was erift, und was er hat? 
Nom, 5. verf.g. Darım preiſet GOtt feine Kiebe 
gegen uns, daß Chriſtus für uns geftorben, da 
wirn Sünder. waren, ec. Iſt nicht der Heilige 
Geiſt in ung, der unfere Sedle erleuchtet, heiliget, reini⸗ 
get, lehret, tröftet, fehmücket und zieret mit feinen Siaben ? 
Nom. 8.0.16, Br giebt Zengniß,daßwir GOttes 
Rinder fopn, / 

Summa: GOttes ‚Barmbergigkeit geußt fich 
gar über ung aus, und laffet nichts unterwegen, Da 
Durch fie den Menfchen zur Liebe GOttes beivegen | 
koͤnne. So viel Wohlthaten, als ung GOtt erzei⸗ Gottes 
get, fo diel Bothen fendet er ung, wir follen zu ihm ® dahnne 
kommen, und ſeiner Liebe genieſſen. Wenn du —2 bri 
GOttes Wort, Engel und alle Propheten, Apoftel sen 
und alle Heiligen GOttes frageſt, ja alle Creaturen 
fragen wirſt: Wo kommt ihr her? So werden ſie 
ſagen: Wir ſind Bothen der Barmhertzigkeit GOt⸗ 
tes, wir tragen Feuer und Flammen, damit des Men⸗ 
ſchen Hertz, ſo mit einer tödtlichen Kälte erfroren und 
uͤbereiſet ift, möchte in GDttes Liebe nieder erwaͤr⸗ 
met werden. Dennoch vermoͤgen ſo viel feuriger und 
flammender Bothen GOttes nicht, das todt⸗kalte und 
erfrorne Hertz zu erwaͤrmen. Und iſt demnach dieſes Groſſe 
das hoͤchſte Wunderwerck des Teufels, das er Ban, Zac Dis 
daß — ein menſchlich Hech fo eiß-Ealt macht; daß es dee Din» 
ß viel Flammen der Liebe GOttes nicht erwaͤrmen ſchen Hertz 

oͤnnen. 






Darum 


478 B.1U.C,29. Wiedie Seele GOtt anſchauet 


Darum merke auf, du menſchlich Das, und 
fiehe, wohin dich dein Schöpffer gefegt hat; mitten 
DerMenfch unter fo viel feurige © pbithaten, da die leuchtenden 
mird über. Engel um dich her gehen mit ihrer feurigen Liebe: 
die Wohl, Da fo viel Creaturen und Bothen GOttes feyn, Die 
en, Die alle feine Liebe ankündigen. Bas I ' 
das ihn allmaͤchtige GOtt wider dich gefündiger 7° 
Gott liebe. hat ex eg verfchuldet, daß du ihn nicht lieben und loben 
wilt oder Fanft? Iſts gu wenig, das er gethan, fiehe, 
fo erbeut ex fich noch mehr zu thun. Er will dir goch 
Nur  einenneuen Simmel und cine neue Erde ſchaffen, 
N, und eine neue ſchoͤne himmliſche Stade erbauen, . 
“welche ‚feine Herrlichkeit erleuchten Pr: er 
will dich mit feiner Herrlichkeit und Licht erleuchten, 
Dffenb. 21. verf. 10.199. Gage mir, wie Fönte ein 
junges Weibes-⸗Bild fo erkaltet ſeyn, daß jie nicht bier 
ben folte einen jungen. fehönen Braͤutigam, deſſen 
Schönheit und Frömmigkeit fie Tag und Nacht hoͤrete 
rühmen, ja, der fie vom Tode errettet, und fie ſchoͤn 
ſchmuͤckte über allen Schmuck? Ware fie nicht eine 
groſſe Naͤrrin, wenn fie denfelben nich: wolte lieben ? 
N Darum erkenne, du menfhliche Seele, wiedu vom Teu⸗ 
fnder Siehe fel erkaltet bift, Daß du garnicht kanſt in der Liebe GOt⸗ 
Gottes. tes erwaͤrmet werden. 
| Und dieweil ja GOtt allen menfhlichen Hertzen 
die Liebe eingepflanget, fo fage mir, wenn deine Liebe 
zu Fauffen ware, wen wolteft du fie lieber verfauffen, 
GOtt hat Denn GOTT deinem Herten? Meyneſt du aber, 
nee GOtt habe dir Deine Liebe nicht heuer genug abgekaufft 
er genug und besahlet? Hat er die nicht feinen lieben Sohn 
bezahlt. dafuͤr gegeben, und Himmel und Erde darzu? “Denn 
alles, was du von der Welt boffeft und erwarteſt, das 
ſie dir für deine Kiebe geben folte, iſt nichts dargegen, 
was dir GOtt gegeben hat, und was er Eunfftig bes 
reitet hat denen, die ihn lieb haben, 1. Cor. 2.0.9. 
Eſa. 64.0.4. Die Welt giebt div etwa eine Hand voll 
Ehre und Reichthum, und damit viel Schmergenz 
noch liebeſt du fie; Warum liebeſt du SDTT aa 
vie 


’ 
% 






als die mildefte Guͤtigkeit. 479 ' 


vielmehr, der Das ewige Gut ift? Iſt aber deine Liebe Nichts ik 
umfonjt zu erlangen, wie Fan ihr etwas beſſers anſte⸗ rg 
hen, denn daß fiedas höchite, ewige und ſchoͤnſte Gut dig als 
liebe? Denn ein iedes Ding, das man Lieber, das iſt SM 
feine Schönheit und Schmuck. Wirſt du GOtt lie 

ben, fo du Feine beffere Schönheit und Schmuck 


aben Formen. 

estlich, ift ja billig, Daß wir den lieben, der J——— 
uns erſt geliebet bat, 1. 305.4,0.19. Rechne alle ung mn 
Mohlthaten GOttes zufammen, fo wirft du befinden, Fönnen ung . 
daß alle Creaturen voll feyn der Liebe GOttes; dieſelbe en 
gehet Dir nach, und umgiebt dich, daß du Dich. derfelben wehren - 
gar nicht erwehren Fanft, und Eanft dich nicht vor ihr 

verbergen : Sie ift zu ſtarck, fie überwindet Dich, 

Du Ar ihr genieffen, e8 ware denn, daß du nicht leben 

wolteſt. | | Ä : ’ 

Nun lieben ja alle Thiere die, von welchen fie ger Schöner 
fiebet werden, wolteſt du denn ärger feyn, denn ein Sarnen 
Thier, und deinen Liebhaber haffen, in deſſen Liebe du tes. 

Tebeft und webeft, fteheft und geheft, ſchlaͤffeſt und wa— 
cheſt? Gleichwie man aber dasienige, was man anz Wie dieLie⸗ 
zunden und anbrennen will, ſo lange zum Feuer yalz Dres, 
ten muß, bis es brennend wird: Alſo muſt du auch gesänder 
dein Hers fo lange halten zu dem Feuer der Liebe GOt—- werde. 
tes, bis es in derſelben entzundet und brennend werde; 
Avelches gefchicht Durch ftetige Betrachtung der Wohl⸗ 
thaten GOttes. Wie vorgeiten Die Prieſter mit heiliz Schoͤn Vor⸗ 
gem Feuer die Opffer muften anzuͤnden: Alſo muß der kyen aan“ 
ewige Hoheprieſter, CHriſtus JEſus, durchs Feuer feis ers. 
nes Heiligen Geiſtes das Opffer deines Herzens and. Mr 
zunden. And hat diß heilige Feuer feiner Liebe von . ' 
Ewigkeit her gegen ung gebrannt ; denn vorder Belt 
Grund wir in EHriftogeliebet feyn. Es hat fich aber 
darnach herrlich ereignet in des HErrn Menfchwers 
dung und Geburt, und fonderlic) in feinem. heilis 
gen Leiden und Sterben, Dadurch) er ung die hochfte 
Liebe erzeiget, und wird das Feuer feiner Liebes⸗ 
Flamme auch in Ewigkeit gegen uns nicht nn 
| u 











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480 B.Il.E.29.Miedie Seele GOtt anfchauer,:c. 


Zu demfelben Feuer halte dein kaltes Ders, daß du et 
waͤrmet, und mit der Liebe EHrifti entzündet und vers 
einiget werdeſt. | 1; 
| Gebet. *34 
Llmaͤchtiger, guͤtiger GOtt und Vater /ich * in Chri⸗ 






ſto JEſu, deinem Sohn, fuͤr alle deine Güte ohltha⸗ 
Joh.14. v.z· ten, die du an mir unmürdigen Sünder erweiſe ich 
2.Cor.5. gen Himmel, fo lehret mich dein Wort, verfelbe fey meines Va⸗ 
v. 1. ters Haus, meine kuͤnfftige Wohnung, da meine Stelle bereitet, 
uc- 19 mein ame angefihrieben ift; von dannen kommt mein Etlö⸗ 
Bart; fer, mich auß der Hoffen zum Himmel zu bringen, ba figeter zur , 
Gap. s.v.2. Nechtender Majeſtaͤt in der Hohe, alg ein Pfleger her Heiligen, 
Suc.ı2. v.8. und bekennet meinen Namen vor dir und deinen Engeln: Bon 


Hebr. 1. dannen wird mir, alg einem Erben der groffen ** zuge⸗ 






if. ordnet der heiligen Engel Wache undDienft: Von d leuch⸗ 
2. 0.74,16, ten mir die Sterne zu meiner Arbeir und Unterſchied mener Zeit. 
; Sehe ich die untern Geſchöpffe an fo giebt die Lufft meinem Leis 
be Erquickung, und theilet dem Blute das mit, bavon alle Din⸗ 
ge in der Natur ihren Wachsthum haben. Die Erde träger 
und nähret mich ; das Waffer bereichert und reinigetmich : bag 
Feuer wärmer und eröffnet mir die gang Natur. Gehe ich 
oh.14.0.3. mich felber an, fo ift meine Geele dein Tempel und Wohnung, 
Marth, 10. mein Leib fo unter deiner Gnaden⸗Hut, daß du auch meine Haare 
* a und meine Tritte zehleſt; biſt um mich, ich gehe oder liege, und 
31. ſieheſt alle meine Wege. Sehe ich an die Hoͤlle unter mir, ſo iſt 
Palm 139. ſie ein zerſtoret Raub⸗Neſt, ein Behaltniß deiner und meiner 
v2. Feinde, ein Zeuge deiner Gerechtigkeit, mich behurfam zu mas - 

Palm 63. chen. Wohin ich mich wende, finde ich dich, mein GOtt, als 

Br (alu „. lauter Güte und Wahrheitdenen, die in CHriſto find, die deinen 

Dam 25 Sundund Zeugniß halten. Wer wolte dich nicht lieben, du 
Dffenb, ar. ewige Güte, du unendliche Liebe ? Thuſt du ungdas hie im Ges 

47 faͤngniß auf diefer argen Erden, was wird gefchehen, wenn wir 

unfer Erbe völlig antreten werden? Ach daß mein unerfenntlis 

ches, mein undanckbares Herg noch Fan einen Gedancken has 

ben, folche Güte, folche Liebe, ſolche Seligkeit geringe zu achten, 

die Reigungen der Sünden zuhören, und dich fo groſſen Wohl⸗ 

thäter zu beleidigen! Mein GOtt, alsdenn wirft dir den Zweck 

und ich den Nugen deiner Wohlthaten erlangen, wenn du mie 

giebeft ein aufmerckſam und danckbar Hertz, das alle Kräffte zu 

deinen Ehren anwende, der du dich ſelbſt und die gante Creatur 

mir fchenckeft. Ein folch Herk gieb mir, gekreuer gutiger Bas 

ter, dag dein und deiner Wohlthaten nimmer vergeffe, 
durch IEſum Sun unfern HErrn! 
me 


tt. 
Liß und betrachte hierauf den 139. Pfelm. 
| Das 


2 )o( 481 
Das XXX. Capitel. | 


Wie ſich GOTT der liebhabenden 
Seele —5— Tun die hoͤchſte 


choͤnheit. 
run v. 2. —5 mein GOTT, du bit 
errlich und ſchoͤn geſchmuͤcket; Liht iſt 
Kleid, das du an haſt. 





dei 


N: 


h au 
denn ‘ 
der nichts im Himmel und Erden zu vergleichen, alfo, 
daß alle heilige Engel von Ewigkeit zu Ewigkeit 
dieſe Schönheit GOttes nicht gnugſam loben koͤnnen. 
Denn wenn alle heilige Engel in ihrem Glantz, und 
alle Auserwehlten in ihrer Verklaͤrung da auf einem 
Hauffen ſtuͤnden; ſo wuͤrde man doch ſehen, daß alle 
ihre. Schönheit und Klarheit von GOTT und aus 
GOtt, als aus der ewigen Klarheit und Schönheit, 
aus dem ewigen unendlichen Licht und Glantz, ihren 
Urfprung haben. "Denn gleichwie GOTT alles 
Gut und das höchfte Sue iſt: Alſo ft er "auch alle 
Schönheit, Zierde und Schmuck. 









chers ift, Denn CHriſtus, und. fein höhers und 


ichwie der liebhabenden Seele nichts liebli⸗ SOttes 
Sande 

foftlichers Gut, denn GOTT felbft: Alſo Übertrige 

Derfeligen nichts fhöners denn GOTT: fneShine 


ie fiehet GOTT, als die höchfte Schönheit, beit, 


Und-wenn man GOttes Herrlichkeit i im Geift an Wer GOtt 


ſchauet, fo vergiffet man aller Creaturen, ja aller En- 
Daß ein Menfch ein folches hohes Gut mit feiner Bos⸗ 


Klarheit mit feiner Unreinigkeit beleidiget hat. 

Weil aber GOttes Sohn, der Glan der Herr⸗ 
lichkeit GOttes, (Hebr. 1. v. 3.) iſt Menfch worden, 
ſo hat er die Menſchen feiner Goͤttlichen Natur 
und Schönheit tbeilhafftig gemacht, 2 Petr. 1. v. 4. 
alfo daß alle, Die durd) den Glauben in CHhriſto feyn, 
die lü nd fchön und herrlich vor GOtt, Pf. 16. v. 3. 

Teil, Hh Und 


recht ken⸗ 
net,trauret 
gel Schoͤnheit, und trauret nirgend über fo fehr, denn — 
da 
beleidiget 
heit, und eine fo ewige unendliche Schönheit und bat. e 


Und GEOtt gedendet an unfern Mangel und Unrei⸗ 
nigkeit nicht mehr, Ephef. 5. 0.27. Obs mohl feine 
Augen fehen, fo deckts doch der Glantz der Herrlichkeit 
und Liebe ChHriſti. | 
Mato von Plato, der weife Heyde, als er die 9 eit der 








ber Schön Creaturen betrachtete, Der himmuſchen der 
—* * Blumen auf dem Felde, der Metallen und at 
aus der Vernunfft geſchloſſen GOtt muͤſſe ein ewi⸗ 
ges uͤberaus ſchoͤnes Weſen ſeyn, denn es muͤſte in 
demſelben aller Creaturen Schönheit befchlöffen ſeyn. 
Joh. z3. Wir aber fagen und bekennen aus GOttes Wort, und 
2 aus dem heiligen Evangeliften Johanne, weils noch 
nicht erſchienen iſt, was wir ſeyn werden Wir 
wiffen aber, wenns erfcheinen wird, daß Wir ihm 
(GOTT) gleich feyn werden; denn wir werden 
ibn feben, wie er iſt: Daß mir aledenn nach dem 
Ebenbide GOttes volllommlic erneuert, wahrhaffe 
tig: ein ſolch Bilde feyn werden, das GOtt gleich iſt, 
daraus GOttes Schönheit, Klarbeit und Herrlichkeit 
leuchten wird; aus CHriſto IJEſu aber unferm Herrn 
in höchfter Klarheit und Schönheitüber alles, ‘Denn 
in ihm ift alle Fülle; und fo hats SOTT befchloffen, 
daß in ihm alle Sülle wohnen folte, Coloff. 1.0: 19, 
und daß in ihn alles sufammen gefaffet würde, 
was im Himmel und auf Erden ift, Epheſ. 1. v 10, 
Welches Feine endliche Ereatur ausdencken kan. 
Göttes Darum fid) Engel und Menfchen über Die Pers 
Schönheit klaͤrung und Schönheit CHriſti verwwundern werden- 
EHrito \ fonderlich die auserwehlten Kinder GOttes, daß ihre 
leüchten. nichtige Leiber alfo verklärer find, daß fie äbn- 
lich ſeyn dem. verklärten Keibe unfers Eren 
ef CHriſti, Phil. 3.0.21. Und das its, Daß die 
Zeiligen leuchten werden wie die Sterne, und 
wie des Aimmels Glanz immer und ewiglich, 
Daniel. 12.0.9. Und weil der 104. Malm, v. 2. von 
SOTT fpricht: Licht iſt dein Kleid, das du an 
Daft; fo wird unfer Seid auch nichts anders ſeyn, denn 

Licht und Klarheit, 
Gebet, 






ale die höchſte Schönheit. 483 
Gebet. Ä 


EN Du Schönfter aller Schonen! Licht ift bein Kleid, daR du 1.Tin. 6, 
an haft; Du wohneſt in einem unausfprechlichen Licht; al 5 

deine Diener find: Seuerflammen, brennende Geifter, die vor * 

dem Thron deiner Herrlichkeit dir Heilig Heilig Heilig zuruffen. Era. 6. 

In dieſe oͤnheit laͤſſeſt du dich ſehen denen Geiſtern der voll v.2, 3. 

kommen Gerechten, denen Rindern des Lichtes. Wann ich Hebr. ı2, 

dieſe ͤberaus herrliche Schönheit betrachte, fo kommt mir das, tn — 

was die Welt ſchon und herrlich achtet, vor, wie einem die Erde — 

vorkommt / der lange in der Sonnen Licht gefchauet ; denn was y. 12, 

it in alter Welt Schönheit fo edel, fo ſtaͤrckend, fo erhaltend, fo _. 

gläntend, ſo erfreuend als Licht? Betrachte ich aber mich felbft, Hiob 15. 

wie ich von Natur bin ein Greuel und ſchnode/ eine unzeitige Gore 

Geburt, die Finfterniß ſelbſt; fo Fan ich nicht begreiffen die y,g, 

——— die dich, o ewiger Erloͤſer, bewogen, mir abſcheu⸗ Epheſ. 5. 

lichen Sünder ſolche Hulde zuzukehren, daß du um meinetwil⸗ v. 8. 

len biſt der Verachteſte geworden, in deine feine Geſtalt noch ge: Ela» 5 - ; 

fällige Schöne gefunden ward: Damit du mich fönteft ohne — 

Flecken und Runtzel untadelich deinem Vater vorſtellen, und h5* 

hernach verklaͤren, daß ich ähnlich werde deinem verklaͤrten philipp. z. 

Leibe. Ach mein Heyland! lehre du mich das Geheimniß dies v. 21. 

fer unerforſchlichen Liebe, und gieb mit, nachdem du mic) fo ge: 

mwürbiget haft, daß ich nicht wieder mit der Liebe der Welt und 

Suͤnden mich beflecke Kehre meine Augen ab, daß fie nicht 

fehen nach der Eitelfeit der Welt! und wenn die Jeſebel ſich, >. B. der 

mich zu fangen, ſchmincken wolte, fo gieb mir einen heiligen Eir Kin 9. 

fer, der fie herunter flürge. Laß mich die Schönheit deiner Ge— 930, 31. 

ſchoͤpffe nicht anders anfehen, als daß fie mich deiner übertrefz 

fenden Schönheit erinnern, damit mein-Herg nie in unordente 

licher Liebe derfelben verftricket werde. Gieb mir zu erfennen 

die haͤßliche Abfcheulichfeit des Satang, der Sünden und deren 
Dienftbarkeit, auf daß ich fie fliehe und haſſe; In Betrachtung 

beiner Schönheit aber dich liebe, unabläßig ringe, mit derſelben 

vereiniget, und in der feligen Ewigkeit gleich gebildet zu wer⸗ 

den, um deiner Liebe willen, o SEfu! Amen. 


Das XXXI. Capitel, 


Wie ih GOTT der liebbabenden 
Kid „Seele offenbarer als eine unendliche 


Ä — 
P.89:0.9. gr GoOtt Zebaoth, wer ıfE wie dir, 
schtiger GOtt? Und deine Wahrheit 





ir me 5 
iſt um dich ber. dur. 
ER. x h 2 Die 


484 B. II. C. 31. Wie die Seele GOtt erkennet, 
GOtt thei⸗ BR Liebe GOttes will, daß die liebhabende 





Biehe fee, Seele allen Menſchen Gutes thue, und nüße 
Güter aus, feinen Feinden und Freunden, und daffelbe 
dapririe um Feines Nutzers oder Ehre willens‘ fondern allein 
wieder fo Um der Liebe GOttes willen, welche machet, daß die 
ar 1 unendliche Allmacht GOttes bewogen roh herz 
; unter zu uns zu laffen:. Die auch aus ihrem unendlir 
chen Schatz uns alles giebt, zu dem Ende, daß wirs 
wiedergeben follen aus Liebe, was uns GOTT aus 
Liebe aus dem Schas feiner Allmacht giebt — 
Der Darum ſiehe zu, lieber Menſch, daß du dir nichts 
meh 9X uſchreibeſt, ſondern alles der Alimacht GOttes wie— 
am ſoll er dergiebſt, welcher auch alles iſt, was du haft, und was 
een. DU biftz Eeine Creatur Fan Dir etwas geben oder neh⸗ 
men, die Almacht GOttes thuts alleine: Keine Crea⸗ 
tur Ean dich auch troften, Die Liebe GOTTes thuts 
allein. J 
der In ſolcher Liebe ſiehet Die liebhabende Seele die 


Spiegel 
meh Gülle der unbegreiflichen Almacht GDttes, die da 


Himmel und Erden, Meer und Trockene in fich bes 
greifft; fie aber Fan von nichts begriffen werden: 
Denn die gange Welt ift für GOttes Allmacht als 
‚ein Stäublein, und als ein Tröpflein Waſſer, 
Eſa. 40. 0.15. Weish. 1 1.0.23. a6 
Aus Got⸗ Und aus derfelben Fülle der Allmacht GOttes gez 
ges Ur hen alle Kräffte aller Engel, Menfthen und aller Crea⸗ 
ben alle turen hervor; In derſelben beftehet die Defte des 
: a Himmels Aus, derſelben gehet die Bewegung des 
Meers, die Kräffte ver Erden, alfo dag Himmel 
und Erden ift voll GOttes, voll. Söttlicher Krafft 
und Wuͤrckung, voll Geiſtes des HErrn, Weish. 
1.0.7. GoOttes Gewalt begreifft und beſchleußt ab 
les, und erfüllet alles; wird aber von niemand bes 
griffen: ‘Pf. 139. v. 2: fgq. N 
So hoch nun GDtt über alles ift, fo tief iſt er in 
allen, und alle Dinge in ihm, wie St. Paulus fagt: 
Don ihn, in ihm, und durch ihn find alle Dinge; 
os 


als eine unendliche Allmacht. 485 


Mom. v. 36. Item: Welcheriftüber euch alle, 

im euch allen, und durch euch alle, Ephef. 4.0. 6. 

Beil nun GOtt fo groß ift über alles, fü Ean ihm Rechter 
ja niemand aleich ſeynz und wer ihm gleich ſeyn will Sean? 
der machet fich felbit zum GOtt, und begehet die grofte magst 
Suͤnde und fället in die Tieffe des Verderbens: Und Gottes. 
weil SO alles ift, fo muß ja alles, was auffer GOtt 
ift, nichts feyn. Darum aus der Allmacht GOttes 

Eennet der Menfch feine Nichtigkeit, und lernet 
SH fürchtens Daher der Herr allein an denfelben 
feinen Gefallen hat, die ſich unter feine gewaltige 

and demütbigen, 1. Petr. 5. v. 6. | 

" So groß und hoch nun GDtt ift in feiner Allmacht, &Dtt it 
fo Elein und niedrig macht ihn feine Liebe; fehet unfern-Proß in 
HErrn JEſum EHriftum an, den lebendigen Sohn und nie 
GDttes; den gewaltigen Arm GOttes, duch wel- diis. 
chen alles geſchaffen, in welchem alles beftebet, 

El. 1.0.16. Wie hat er fich durch feine Liebe herun⸗ 
ter gelaffen, und ſich unter alle Creaturen erniedriget 
und gedemüthiget? in 

Datum, gleichiwie wir die Allmacht GOttes nicht Gottes 
ausfprechen und ergründen koͤnnen: Alfo Eönnen wir —— — 
auch CHriſti Demuth und Niedrigkeit nicht ausden⸗ Nievrigkeit 
cken. So tieff, als er herunter geſtiegen, ſo hoch iſt it nicht 
er erbaben über alles, Eph. 4.0. 10. Syn je Zeheſpre— 
Ehre und Preiß in Ewigkeit! Amen. ia 
. 0 DEUS, o JESU, o Spiritus’ alme, Mens invaria- 
bilis, Lux inextinguibilis, Pax imperturbabilis, Uni- 
tas indivifibilis, Velitas infallibilis, Benignitas inefla- 
bilis, Potentia immenfa, Sapientia infinita, Bonitas in⸗ 
&omprehenfa , ARternitas omniprefens , Simplicitas 
omnia, replens, ‚Principium omnia regens, Stabilitas 
Omnia ‚movens, Vita omnium viventium, Senfus omni- 
um. fentientium, Operatio omnium operantium, illu- 
mina'me, fandifica me, vivifica me! Das iſt: O 
BOtr, o JEſu, o werther Geift, du unveraͤndet⸗ 
liches Gemuͤth, du. unausloͤſchliches Licht, Du 
Friede, der nicht kan verunruhiget werden; du 

J Hh 3 ve ns 
un; | 


v. 


Palm 71. 
19, 


486. 5.1. C. 31. Wie die Seele GOttherkennet, 


unzertbeilige Kinigkeir, du unberrüglihe War⸗ 
beit, du unausfprechliche Sreundlichkeit, du uns 
erimeßliche Macht, du unendliche Weisheit, du 
unbegreiffliche Guͤtigkeit, du allgegenwärtige 
Ewigkeit, du Linfältigkeit, die alles erfüller, du 
Anfang, der alles regieret, du Heftändigkeit, die 
alles beweger, du Heben aller Lebendigen, du 
Sinn und Derftand aller, die Sinne haben, du 
Mirdung aller Wuͤrckenden, erleuchte mich, 
heilige mich, und mache mich lebendig! 


Gebet. 


We iſt dic gleich, du groſſer und allmächtiger GOtt, der dir 
das Licht heiſſeſt aus der Finſterniß herfuͤr leu und 






ruffeſt deme, das nichts iſt, daß es ſey? Du breiteſt den Him⸗ 


mel aus, wie einen Teppich, du woͤlbeſt es oben mit Waffer, 
du. fähreft auf den Wolcken, wie auf einem Wagen? Alles) 


was id) bin, vermag und habe, ift alles von deiner allmaͤch⸗ 


tigen Guͤte und liebreichen Allmacht. Gieb mir Den nans 
5 HErr, div alles mieder zu geben, dir aus allen Kräfften zu 
dienen, und unter. deine gewaltige Hand mic) zu demürhigen. 
Vergieb und tilge in mir den Unglauben, der deiner Allmacht, 
wenn rechte Noth da iſt, vergiffet, und mich zagend machet: 
Stärcke meinen Glauben, daß er, wenn Angſt und Schwürig- 
keit vorhanden ift, auf deine allmächtige Krafft traue und gez 
troft fey. Sich weiß, o HErr, deine Hand ift nicht verfürget; 


tilge aber durdy EHriftunt die Untugenden, die dich und mich 


ſcheiden, und ermeife dich dann mir als meine Krafft, meine 
Stärcke, meine Burg und Felß. Es if dir ja, mein Vater, 
alles möglich, und nachdem das Blut des neuen Bundes ver⸗ 
goſſen iſt, ift deine Liebe gegen die Gläubigen fo groß, als deine 
Allmacht ift; fo erweiſe doch die überfchwengliche Groͤſſe deiner 
Kraft an mir, die du gewuͤrcket haft in CHrifto, da du ihn von 
den Todten auferwecket haft; Neiffe mich ſamt ihm gaͤntzlich 
aus dem Tode, daß er nicht über mich herrfche, verfege mich 
mit ihm ins himmlifche Weſen. Stuͤrtze auch nach deiner all 


5 mächtigen Krafft dag Reich des Satans, welchen alle Welt 


anbetet, als waͤreſt du nicht der GOtt der allein genug i®, alle 
Huͤlffe zu thun, die auf Erden gefihicht. Wenn er fein Heer 
ausführet wider deine Gläubigen, fo fey du nicht alg ein Held, 
der verzagt iſt, und wie ein Rieſe, der nicht helffen koͤnne; 
ſondern zeuch Macht an, du Arm des HErrn, wie vor Zeiten und 
von Alters ber. Biſt du nicht der, fodie Stolken ausgehanen, _ 
undden Drachen verwundet hat? Bift du nicht, der das Meer 

degsgroffen Tieffen austrocknet? Der den Grund des ** 

u 


\ 


als eine unendliche Allmacht. 487 - 
zum Wege mache, daß die Erlöfeten dadurd) giengen? So 
fchaffe deiner Kirchen Heil, und erhoͤhe dag Reich deines Ge⸗ 
faibten, o allmächtiger GOtt, um deines Namens willen. 
Herr FJEſu, dir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Matth. 28; 
Erden; diefelbe kanſt und wirſt du nicht anders gebrauchen, 9 18. 
als zu deiner Gläubigen und meinem Heil. Go laffe diefelbe 
denn mein Troft feyn in Roth, meine Staͤrcke in Schwach: 
heit, meinen Sieg im Tode, meine Erwecung aus dem Grabe, 
meinen Schuß für deinem Gerichte, meine Ehre in der Herrlich? 
feit. Amen. _ 
Das XXXI. Capitel. 
Wie die liebhabende Seele GOtt erken⸗ 
ner als die hoͤchſte Gerechtigkeit, und 
| Seliakeit. 
Pſalm 36. ©. 7. Deine Gerechtigkeit ſtehet wie 
die GOttes, und dein Recht wie groffe 
Tieffe. vd 
N le Seelen,die GOtt lieb haben, erkennen ihn, Serestig 
+ als die höchfte und allerheiligfte Gerechtig- A Faen 
keit, Diefelbe gehet Durch alles und über Dingen. 
alles; In GOtt ift der allerheiligfte Wille GOttes, in 
den Engeln der heilige Gehorfam, im Menfchen das 
Zeugniß des Gemiffens, in allen Ereaturen ift die Ord⸗ 
nung der Natur, dadurch; GOtt alles in gewifle 
Zahl, Gewicht und Maſſe gefeger bar, Weish. 11. 
dv. 22. Mas damider gefchicht, ift wider die Natur 
und wider GOtt. 
. Darum alle Sünden in der Welt gefchehen wi- Sünde it 
der GOttes Gerechtigkeit, und in dem beleidiger MDerGOK 
der Sünder alle Creatuven, und machet fie ihm zuwi⸗ tigteit. 
der, aud) alle Engel im Himmel und fein eigen Gervif 1.3003 
fen; denn wenn GOtt beleidiget und erzuͤrnet wird, Abenır 
fo werden alle Ereaturen beleidiget und erzuͤrnet: GITT 
Wenn auch GOtt verſoͤhnet wird, fo werden alle Crea⸗ ann f 
turen mit verföhnet, und freuen fich über einen folchen werden alte 
Menfihen. Und aus dieferm Grunde fpricht Sanct om 
Paulus, Col. 1.9.20. Ks fep durch Chriſtum al- der zuw⸗ 
les verföhner, was im Zimmel und auf Erden Gisyao. 
iſt: Und daffelbe darum, weil GOtt durch ihn ver 
| Dh 4 föhnet 


u 


488 B. II. C. 32. Wie die Seele GOtt ertenner, 


ſoͤhnet iſt. Und daher ſpricht der HErr, Luc. 15. v. 10. 

Es wird Freude ſeyn vor den Engeln GOttes 

über einen Suͤnder der Buſſe thut. Die Engel 
GDttes freuen fich um des Menfchen halber. | 

Wo aber GOtt nicht mit dem Menfchen verföhnet 

wird, fo üben alle Ereaturen, Engel und die gange 

sau Natur, Rache an einem folhen Menfihen: daher 

Sreatur  folche fehrecktiche Urtheil GOttes kommen, daß alle 

ik we Elementa einem folchen zumider find: Und ift un⸗ 

ache möglich, folbe Mache und Urtheil aufzuhalten, dag 

auch das Erdreich Dafür erfihrickt, und file wird. 

Palm 76.9. 8. Dir bift ſchrecklich, wer Ban beffe= 

ben, wenn du zuͤrneſt? Solches fehen wir an den 

Egyptifchen ‘Magen, wie alle Ereaturen an den Uns 

gerechten Rache geübet haben: wie folches mach der 

Lange das Buch der ABeisheit befchreibet, Eap. 5. 


918. faq. — 
Flutg aus Aus der Beleidigung ber allerheiligſten Gerechtig⸗ 
Diaune der keit GOttes Fommt auch her der Sluch, wie der 
Gerehtig: Mann GOttes, Mofes, zeuget von der Lbertretung des 
AR Geſetzes GDttes, 1. B. Moſ. 27. v. 17.fe. 

Ein Sluch aber iſt, wenn GOttes Gerechtigkeit 
ſolche Rache uͤbet, daß einem Verfluchten nichts Gu⸗ 
tes wiederfahren kan, weder von GOtt, noch einiger 

Zas ein Creatur, daß er allem Fleiſch und allen Creaturen ein 
EU Freuel wird, Cfa.66. d.24. Maledidio eft ad zter- 
00° nam 'miferiam obligatio & condemnatio. Das ijt: 
Ein Fluch ift eine Verbindung und Verdammung zum 
ewigen Elende. Darum ift ein Fluch allen Creatu⸗ 
ven abſcheulich und greulic), und Eönnen denfelben bey 
fich nicht dulten: Und das ift die hoͤchſte Rache. der 
Gerechtigkeit GDttes. —9* 
Sorte, Aus diefer allecheiligften Gerechtigkeit GOttes 
liche Se: folgen auch die wunderlichen, unerforſchlichen, heimlis 
richte. chen, fehrecklichen Gerichte GOttes; Davon der 36. Pſ 
v. 7. fagt, GOttes Gerichte find eine groſſe Tieffe. 
ins m Und St. Paulus: Wie ger unbegreifflich find 
Gr feine Berichte, und unerforſchlich feine ar 


als die hoͤchſte Gerechtigkeit. 489 


Wenn man nun diefelbe anfiehet, fo fiehet man s- B. Moſ⸗ 
darinn GOttes Gerechtigkeit, davon der Mann 
GOttes Mofes fagt: Die Rache iſt mein, ich will Beſchrei⸗ 
vergelten, fpricht der ZERR. Wenn ich den ug Per 
Blig meines Schwerötes wegen werde, und Gdite, 
meine Hand zur Strafe greiffen wird; fo will 
ich mich wieder rächen an meinen Seinden, und 
denen, die mich haften, vergelten: Jauchzet alle, 

Die ihr fein Volck ferd, denn er wird das Blut 
feiner Knechte rächen, und gnaͤdig ſeyn dem 
Lande feines Volcks. 

Allhie verkündiget Mofes GOttes Mache über 
alle Gottlofen, fo der Gerechtigkeit GOttes widerſtre⸗ 
ben: Wider diefelben wird GOTT den Blig feines 
Schwerdtes wesen, das ift nichts anders, denn fein 
fehreckliches Gericht und Urtheil, dafür, als für eis 
nem Bliß, der Erdboden erſchrickt, Pf. 76. v. 9. 
und Fan demfelben Eeine Ereatur widerftehen. Es 
Fan auch einem folchen, an welchem GOtt feine Nas 
che und Gericht übet, die gantze Welt nicht helffen; 
wie der 94. Mfalm, v. 1.2. ſpricht: HErr GOtt, des Pe 94,ı.2, 
die Rache ift, GOtt, deß die Rache iſt, erfebeine. 
Erhebe dich, du Richter der Welt, vergilt den 
Hoffaͤrtigen, was fie verdienen. Da wir hören, 
obwol GOtt der HErr zwar ein gnadiger, liebreicher, 
freundlicher, leutfeliger , barmhertziger, langmuͤthiger, 
gedultiger GOTT ift, allen denen, die ihn fürchten: 

So ift er dennoch ein gerechter Nichter nach feiner 
Gerechtigkeit, gegen alle Gottlofen, fo wider feine Ger 
rechtigkeit handeln. | Ä 

Darum ftellet er ung nicht allein in feinem Wort Erempei 

die Exempel feiner Gnade und Barmbergigkeit vor, der muns 


fondern auch die Erempel feiner Gerechtigkeit und er 
‚Mache; als in der Suͤndfluth, an Sodom und Go⸗ GOites. 
morra, an Pharao in Egypten und im rothen Meer, 
an Cora, Datban und Abiram, an Saul, Abito- 
pbel, Achab, "efabel, Nebucad Jezar, Belfazer, 
Sennacherib, Antiocho: Mm im Treuen Teftament, 


hs an 


490 3.1. C. 22. Wie die Seele GOtt erkennet 


sort an Kerode, Nerone, Valente, Juliano, Discletias 
beißt zat⸗ no, ıc. an welchen allen noir GOttes wunderliches Ge⸗ 
GOTT richt und Mache fehen. Darum heißt ee DEUS ultio- 
ber Rache num, ein GEtt der Rache, der ihm allein Die Nache 
Kaceniche vorbehaͤlt; darum daß er der allerheiligfte und ge⸗ 
eufienblei vechtefte GOtt ift, ja die Gerechtigkeit felbjt. Darum 
feiner Ge: Die heiligen Seelen (Dffenb. 6.0.10.) GOttes Ger 
sechrigteit. rechtigkeit anruffen: HErr, du Heiliger und Ge- 
rechter, wie lange rächeft du unfer Blut nicht? 
Solche Gerichte GOttes geſchehen tänlih, und 
werden allein von den Glaubigen und Heiligen recht 
F91 v. 8. erkannt, wie der gr. Pfalm v. 8. fagt: Ja du wirft 
mit deinen Augen deine Luft feben, und een 
wie es den Gottlofen vergolten wırd. Welchen 
Spruch wir nicht nach fleifchlichen Affecten und Ur 
theil verſtehen und anfehen füllen, fondern nad) dem 
Geiſt, daß man GOtt dem HErrn das Lob der Ges 
rechtigfeit geben fol, und mit dem ı 19. Pſalm, v. 137. 
fprechen: Juftus es, Domine, SErr, On biſt gerecht, 
und deine Berichte find auch gerecht. Und Pf 145. 
Wie die v. ı7. Der HLKrr iſt gerecht in allen ſeinen Wer⸗ 
Seiten „ fen, und beilig in allen feinen Wegen. Alſo fehen 
Gerichten die Heiligen und Slaubigen ihre Luft an den wunderlis 
et chen Gerichten GOttes, nicht nach dem Fleiſch, daß fie 
frohlocken folten über den Untergang und Verderben 
der Gottloſen, welches aus eigener Rache herkoͤmmt; 
fondern nad) dem Geift fehen fie ihre Luft: Das ift, fie 
erkennen und rühmen GOttes Gerechtigkeit, daß er 
fein Wort erfüllet, und ein gerechter GOtt fey. Un— 
terdeß beklagen und bemeinen fte der Giottlofen Ders 
derben, twie der HERR weinet uber Jeruſalem; 
Luc. 19. d.41. Und David über Abſalom; 2, 
Sam. 18. v. 33. 
Alfo muß man bie zweyerley Nefpect haben, auf 
GOtt und auf Menſchen; wann manaufdas Verder⸗ 
%.92 0.12. ben der Menfchen ſiehet, gehets einem billig zu Hertzen; 
wenn man aber auf GOtt fichet, ſo muß man feine 
Gerechtigkeit preifen: Denn er thut niemand — 
Kuh N cdot, 


als die hoͤchſte Gerechtigkeit. 491 


Geber. 
Erechter GOtt, wann it gebencke, tie du vom Anfang dern 119. 
Melt gerichtet haft, fo werde ich getröftet. Du läffeft ia n. 52. 
eine Weile die Bosheit fort gehen, um ‚durch deine Langmuth Roͤm. 2. 
die Ubertreter zur Buffezu locken! fo mehnet die Welt, du ſeyeſt, 3 
wie fie, dur feheft eg nicht,oder achteft es nicht: Aber wenn deine Ein 0 
Zeit kommt heimzuſuchen, fo ſucheſt du fo heim, daß das Land rum 94 
bebet, und die Einwohner zagen. Du zieheſt denen, die in ſte⸗ 
ter Unbußfertigkeit des Segens nicht begehret, den Fluch an wie ꝛ. B. Moſ. 
ein Hemde,daß er in ihr Innwendiges gehe wie Waſſer, und wie 33,334*. 
Del in ihre Gebeine: daß er ihnen werde wie ein Kleid, dag ker hi 
fie an haben, und wie ein Gürtel, damit fie fich gürten. Du gyamso, 
reiffeft hin, daß fein Erretter mehr da ift. Ale deine Wercke v. 22, 
find rechtfchaffen, und was du thuft, iſt recht, und’ alle deine 
Gerichte find unſtraͤflich. Erfülle, o mein GOtt, mein Hertze Gebet Af- 
mit deiner Furcht, daß ich nicht wandele mit denen Gottlofen, farid v. 27. 
und mit ihnen gleichen Fluch über meine Seele ziehe, Laß deine 2. B. Moſ. 
Furcht in allen meinem Thun für meinen Augen ſeyn, daß ich zz323 
Dich gerechten GOtt nic verfeglich beleidige. Weil du, o HErr, ,, irn 4 
gerecht bift, fo gebühret dir alle Vergeltung und Rache: und du 1.9. Mof. 
Richter der Weltwirft dein Ant nicht verſaͤumen. dur wirft eis 18. v. 25. 
nem ieden vergelten nach feinen Werden: Darum tilge in mir Matth. 16, 
alle Rachgier, daß ich durch eigene Nache nicht in dein Amt ®- Dt 
greiffe, und gegen dir fündige; fondern dir alles heimftelle, der g. EN 1 
du recht richteſt. Nachdem es auch recht ift bey dir, Trübfalzu =, Sheff. r. 
vergelten denen, die deinen Gliedern Trübfal-anlegen; denen v. 6.7. 
aber, die Trübfal leiden, Nuhe zu ſchencken: So befchleunige 
die Zeit deiner Hülffe, und rette deine Hedrängten, die Tag und 
Nacht zu dir ſchreyen. Errettefie nach deiner Berheiffung in 
einer Kurse, und laß der Gottloſen Scepter nicht bleiben über eue. 13. 
. dem Häuflein der Gerechten, auf daß die Gerechten ihre Hand v. 7. 8. 
nicht augftrecken zur Ungerechtigkeit, Du, o gerechter GOtt, Palm 125. 
bift deiner Gläubigen Heil,fo ift deine Gerechtigteit auch zu meiz d; 3- 
nem Beten, nicht allein von der Hand meiner Verfolger mich zu Eſa. 13-92. 
retten, fondern, wenn Sünde und Satan mid) anflagt, mich 
108 zu fprechen: Denn nachdem EHriftug mein HErr einevoll: 
gültige Bezahlung für meine Sünde geleiftet, fo Fan deine Ge⸗ Köm.z. 
rechtigkeit mich, der ich in EHrifto bin, nicht andergalslogfprez v. 26. 
hen, und bin ich nun inihme die Gerechtigkeit, die vor dirgilt. 2. Cor. 5 
Davor lobe ich deinen heiligenRamen,preife deineGerechtigkeit, 9 ?t 
die mir fo heilfam ift, und bitte dich, laß mich Krafft derfelben Eoloff.x 
vollig erretter von der Obrigkeit der Finſterniß erfüllet wer en u... 
mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch ZEfum CHriftum  Vhilipp. r. 
ſchehen in mir zu deinen Lob und Ehren, um deines Name, 1 
willen/ GOTT, meine Gerschtigkeit! Amen. & 23.06 
* — 


Beſchrei⸗ 
bung der 


und wun⸗ 
derlichen 


Regierung 


GOttes. 


/ 
492 B.11.€. 33. Wie die Seele GOtt ſiehet 
Das XXXIII. Capitel. 


Wie Die liebhabende Seele GOtt ſie⸗ 
het als die ewige Weisheit, 


Apoft. Sefch. 15.0. 18. GOtt find alle feine Wer⸗ 
cke von Ewigkeit ber bekannt. 


One DTT ordnet, regieret, beweget, reguliret alles 
DE un feiner unerforfchlichen Aßeisheit, wie 
Ef. 45: 0.4. 5. ſqq. gefchrieben ift: Ich rief 
dich bey deinem Namen, und nennete dich, da 
du mich noch nicht Bannteft. Ich bin der AErr, 
und fonft keiner mehr, kein GOtt ift obne ich; 
der ich das Licht mache, und fehaffe die Sinfter- 
niß, der ich Sriede gebe, und fchaffe das Ubel: 
Ich bin der HErr, der folches alles ebut. Me- 
be dem, der mit feinem Schöpffer bedert, nem- 
lich der Scherbe mit dem Töpffer des Thons, 
Spricht auch der Thon zu feinem Töpffer: was. 
machft du? Du beweifeft deine Haͤnde nicht an- 
deinem Werd. Wehe dem! der sum Pater 
fast: Warum baft du mich geseuger? und zum, 
Meibe: Warum gebiebreft du? So fpricht der 
HERR, der Heilige in Iſrael, und ibr Meifter: 
‚Sodert von mir die Zeichen, und weifer meine 
Rinder, und das Werck meiner Haͤnde zu mir, 
ch babe: die Erde gemacher, und den Hien= 
ſchen darauf geſchaffen. Ich bins, deß Haͤnde 
den Himmel ausgebreitet, und alle ſeinem Heer 
geboten. 
Die iſt ein gewoltiges Zeugniß von der ewigen 
Weisheit; wunderlichen und unbegreifflichen Regie⸗ 


as unfer rung des Allmächtigen GOttes; welche zu fpüren ift 


Name fen, 
Daben ung: 


ruffet. 


Gast 


erftlich. in dem, daß er einen ieden unter ung bey feis 
nem Namen genermet und geruffen bet, da 
wir ibn nicht Eannten, dawir nicht waren. Unfer 
* ame aber, damit uns GOtt ruffet, ift unfer Glau⸗ 


* —* Amts⸗Beruff, und der. gantze Lauff ae 
Lebens. 


f 


als die ewige \Deisheit. 493 


Lebens. : Da find wir mit unſerm gansen Leben, An⸗ 
fang, Mittel und Ende, mit unferin Kingange und 
Ausgange, wie e8 der ı2 1. Malm, v. 8. nennet, in 
GOltes ewiger Weisheit und Vorſehung eingefchlof 
fen; Pſalm 139. v. 16. Er zehlet die Sternen, Pſie.v.h 
und nennet fie alle mit Namen, das iſt, giebt ihnen 
ihren Lauff, Krafft und Wuͤrckung; wie vielmehr den 
Menfchen. RN | MR 
GoOtt machet Zicht und Finſterniß; Kr giebt ERasor. 
Seiede, und ſchaffet Brieg. Das iſt das Malum 
poenz, die gerechte Strafe der Stunde, Die ſchaffet 
er, und läffets zu; ja er darff wohl dem Schwerdt 
ruffen, und ihm Befehl hun, Jer. 49. v. 2. 
umma: Gr ordnet alles weislich, ſiehet alles 
zuvor, und hoͤret alles; wieder 94. Pſalm, v. 8.9. 10. 
ſpricht: Mercket doch ihr Thoren, wenn wollt Pralm 94. 
ihr Elug werden? Der das Ohr gepflamger bar,” "9% 
folte der nicht hören? Der das Auge gemacht 
bat, folte der nicht feben? Der die Aeyden zuͤch⸗ 
tiget, folte der nicht fErafen? der die Mienfehen 
lebret, was fie wiſſen. Da lehret ung der liebe Bide und. 
David, daß GOTT einen Spiegel feiner Allwiſſen⸗ Sr@el.,, 
heit und ewigen Weisheit in den Menfchen gelegt ha⸗ heit 60% 
be, in das hoͤrende Obr, und in das febende Auge, !% 
welches zwey munderliche finnliche Kraffte feyn am 
menſchlichen Leibe, | | | 
Gleichwie e8 nun einen Menfchen hefftig verdreuft, 
wenn er etwas unbilliges fiehet und höret 5 Solte 
GOTDT, der ein allfehendes Auge, ein allhorendes 
Ohr hat, nicht vielmehr verdruffen der Menfchen Un 
danckbarkeit? Da er doch durch feine Weisheit alles Weisheit 
ge daß es dem Menſchen dienen fol. Die Dpitee 
Sonne hat er durch feine Weisheit gemacht, daß fie Ies zu uns 
uns leuchten foll, nicht ihr felbft; das Waſſer träncker u Su 
nicht fich felbft, fondern ung; die Erde giebtihre Früchte" 
nicht ihr felbft, fondern uns; das Feuer waͤrmet ſich 
nicht felbft, fondern ung; die Lufft giebt ihr nicht felbft 
Odem, fondern uns; das Brod fpeifet fich * to 
ondern 


494 DU. C.33. Wie die Seele GOtt fieber, 


fondern uns; ein Braͤutlein heilet fich nicht felbft, fon» 
dern und. | | 
Kräften : Die ewige Weisheit GOttes hat fo viel Kräffte 
— in die Creaturen gelegt, und ſo weislich ausgetheilet, 
Ael Hade daß dieſelben nichts anders ſeyn, denn eitel Hände, das 
—3 durch die Weisheit und Guͤtigkeit GOttes uns ihre 
er Schaͤtze austheiletz wie Hiob c. 12. d. 9. 10. fpricht; 
Wer weiß folches nicht, daß des Akrın Hand 
alles gemacht bat, und daß in feiner Hand iſt die 
Seele alles, dns du leber, und der Beift alles Flei⸗ 
fches? Def, 7. Frage das Diebe, das wird dirs 
fagen, oder rede mit der Erden, und mit den Fi⸗ 
feben des Meers, die werden dirs erzeblen, daß 
bey GOtt ift Recht, Gewalt, Meisheit. Siebe, 
wenn er zubricht, ſo hilfft Ein bauen, weni er zu⸗ 
ſchleuſt, ſo kan niemand aufthun. Hiob 26. 9.7.8. 
Er faſſet die Waſſer zuſammen, wie ein Schlauch, 
in ſeine Wolcken, und die Wolcken zerreiſſen dar⸗ 
unter nicht. Er breitet aus die Mitternacht nir⸗ 
gend an, und haͤnget die Erde an nichts. 
smupae Weil nun GOTT der HErr alle Dinge ordnet 
— durch ſeine Weisheit, ſo hat er auch unſer Creutz ver⸗ 
Gotterd- ſehen; darum wir auch nicht murren ſollen, fondern 
me. GOttes Weisheit preiſen, und Gedult lernen: Denn 
pichhe es Fan nicht anders gehen, denn wie es GOtt ordnet 
eg und verfehen hat. Nicht allein aber das, was ung ins 
ſonderheit wiederfahret, iſt Die allerweislichite Ord⸗ 
nung GOttes: fondern auch. die groffen Land⸗Plagen, 
Hunger, Krieg, Peltilens, DBeranderung der reiches 
Alſo, wenn wir gedencken, es fey lauter Zerrüttung, 
. Berderben und Untergang, fo. ijts die allerweislichfte 
Drdnung GOttes: Welches wir aus den Biblifchen 
Hiftorien abnehmen koͤnnen, da Hunger, Krieg, Peſti⸗ 
leng, Verſtoͤrung der Neiche der Welt, Untergang des 
Juͤdiſchen Reichs und Kayferthümer beſchrieben feyn, 
die Gefaͤngniß, und anders vielmehr, Pred. Salom. 3. 
v.14. Ich merke, daß alles, was GOtt thut, das 
befteber immer; man Fan nichts darzu er abs 
tpung 


als die ewige Weisheit. 495 


——— — —— ——— — — — — — 
chun: Und das thut GOtt, daß man ſich für 
ihm fürchten ſoll. | 

Item: Pred. Sal. 7. verf. 14. Siehe an die 
Werde des HErrn, wer Ban das fehleche machen, 
das er kruͤmmet? 

Henn wir nun folches vecht anfehen, ſo muͤſſen Was uns 
wir bekennen, GOTT hätte es nicht weislicher ma⸗ gaugaıes 
en koͤnnen. Alfo ifts mit den Verfolgungen im wärrifch. 
— Teſtament, mit unſerm HErrn ZT Chriſto, Hr, 

mit dem heiligen Evangelio, mit Den heiligen Maͤrty⸗ weifeke, 
tern, und allen andern Dingen, Das deucht unsallen . 
widerfinnlich und närrifch ,: und iſt doch Die hoͤchſte 
Weisheit GOttes. | 
Wie wir nun follen in den wunderlichen Gerich- Das 255 
ten. GOttes dem lieben GOTT das Kob der Ges —— 
rechtigkeit geben 5 ſo ſollen wir auch ihm. in Der recbriafeit 
wunderlichen Veränderung der Welt, und in allem vun Weis— 
unſern Ereuß und Leiden. das Kob der Weisheit 
geben, daß er auch alles Hofe zum guten Ende rich⸗ 
ten, und aus Boͤſem Gutes machen kan: Daß alſo 
in allen Dingen feine Weisheit leuchtet, wie verwire  " 
ret fie uns auch duͤncken, gleichwie aus. allen feinen ° 
Gerichten feine Gerechtigkeit. | | 
Sonderlich aber ſiehet die -fiebhabende Seele Höchfte, 
GOttes Weisheit in der Wiederbringung und Erlo- yrrar, 
fung des menfchlichen Geſchlechts, und in der Erneues ves Men: 
- zung der. menfchlichen Seele und ihrer Kräffte: Denn —— 
ſo hats Dev Weisheit GOttes gefallen, daß das ver⸗ gunge 
derbte Bild GOttes im Menſchen durch das Goͤttliche 
weſentliche Ebenbild GOttes, das iſt, durch CHriſtum, 
erneuert würde, Denn nachdem der Menſch die ſelige 1. 
Weisheit, das ſchoͤne Licht des Verſtandes durch cc 
die Sünde verlohren hatte, dadurch er GOTT recht Menften 
erkannte, und in die Aufferite Blindheit, ja in die das giht 
ewige Finſterniß gerathen war, und auch darinn hatte: morden ins 
bleiben müffen; iſt GOttes Sohn, welcher ift die ewi⸗ Perftande, 
ge Weisheit des Vaters, Menfch, und den Menfchen 
sin Licht des Lebens worden, Daß er die Irrenden DE 
| . zure 


496 B.1. €, 33. Wie die Seele GOtt fieber 


zurecht brächte, die Unmoiffenden lehrete, die Sünder 
zu fich lockete, und das Licht der Erkaͤnntniß GOttes 
durch den Glauben und den Heiligen Geift wieder ans 
zundete, ja fich felbft mit des Menſchen Seele verei⸗ 
nun und — —— — 

2. urs andere, nachdem des Menfchen Wille gan 
EHrifut von GOTT abgewandt und verkehret war, ja in 
unfen@il lauter Ungehorfam verwandelt war, und GOTT in 
im dutch allen Dingen vwiderfirebete 5 ift GOTTES Sohn 
ligen Ges Menfeh worden, auf daß er ung ein Exempel des 
borfam. vollkommenen Gehorſams würde, und unfern 
böfen Willen heilete, feinen guten Willen in’ unfer 

Hertz pflangete, und unfern Willen durch feinen Hei⸗ 
ligen Geift erneuerte, auch) ung feines heiligen Gehor⸗ 
fans durch den Glauben theilhafftig machte; wie 
zum Salat. 3, d. 14. gefchrieben iſt: Daß wir den 
verheiſſenen Geiſt durch den Glauben empfins 
gen; Ja ſich mit ung vereinigte, und in unslebete,daß 
unfer Wille auch GOtt gleichfoͤrmig würdes 

3. Fürs dritte, weil die Affecten unfers Hertzens 

ng, und alle Kräfte GOTT twiderftrebeten , und alles 

Tihten und Trachten des menfchlichen Her⸗ 

tzens immer böfe von Tugend auf, 1. Buch Mof. 6. 

v. 5. iſt GOttes Sohn, der die Liebe ſelbſt ift, Menfch 

worden, aufdaß er uns ein gang neu Hertz machte, 

Bieemise GOttes Liebe einpflangete, bersliche Demuth und 

dert unſer Sanfftmuth, und das alte fleifchliche Here hinweg 

Ya. nahme, und fich mit ung vereinigte, Daß wir mit ihm 

eines Hergens, Gemüths, Sinnes und Geiſtes wuͤr⸗ 

den: Welches eitel Früchte find feiner allerheiligften 
Menſchwerdung in uns. 

gramm Und das ift die höchfte NBeisheit GOttes daß er 

DUB GO durch feinen lieben Sohn den Menfehen alfo vers 

neuertz denn gleichwie GOTT durch feine Weis⸗ 

heit den Menfchen erfchaffen zu feinem vollkommenen 

Bilde: Alfo hat er ihn durch feinen lieben Sohn, wels 

cher ift Die ewige Weisheit, indem er Menfch worden, 

neu gefchaffen, und wiedergebohren zum —— —* 

® Ottes 


als die ewige Weisheit. 497 


RER NL 2 Et a PATE ab er ES RER FE —— 
GHttes , darinne feine Weisheit, Herrlichkeit und 
Serechtigkeit ewig leuchten ſolte: Denn darinn ſtehet 
fürnemlich das Bild GOttes. EL 
Alſo iſt das verdorbene Bild GOttes im Mens 
fehen durd) das weſentliche Ebenbild GOttes wieder 
erneuert durch CHriſtumm. 
Gebebet. 

Ib ſey dir, du ewiger und allein weiſer GOtt, für deine heir, Sim. 

lige Weisheit und Negierung, nach twelcher du alles, was u, ı7. 
im Himmel und auf Erden iſt, heilign.b und herrlich ordnefl. _ 
Dich müffen loben die Himmel in der Höhe, alle deine Engel Pſalm 148. 
und Himmels-⸗Heere; Dich müffen loben Sonne und Mond, v. ı 2. 3 
alle feuchtende Sterne, die Himmel allenthalben, und die Waf + 5 6 
fer, die oben am Himmel find: Denn du ordneftdiefe alle, daß 
fie nicht anders gehen müffen. Du verfegeft Berge, ehe fie es giob 9. b.5. 
innen werden ; Dufehreft um bie Stühle der Königreiche, und Haga. 2. 
vertilgeft die mächtigen Konigreiche der Heyden; Du fisifeft v.23- 
die Gewaltigen vom Stuble, und erhebeft die Niedrigen; Du Euc. ı.v.52, 
macheftd wie du wilt, beyde mit benen Kraͤfften im Himmel, Dan, 4. 
und denen, fo auf Erden wohnen, und niemand Fan fagen: v. 3%. 
Was machſt du? Du richteft dag Verſtoͤren an auf Erden; es Pf.46.0.9; 
-ift Fein Unglück in der Stadt, dag du, o HErr, nicht thuft. Amos 3. 
Heilig ift deine Regierung über deine Gläubigen, die du wun⸗ 9.6 
berbarlich und weislich-führeft, in der Schwachheit ſtarck ma- Pit * 
cheſt, in Erniedrigung erhoͤheſt, in Finſterniß erleuchteſt, in y. 10. 
Angſt erfreueſt. Alle deine Geſchoͤpffe, mein GOTT, zeugen Mich.z.v 8. 
von deiner weiſen Regierung, auch Feuer, Hagel, Schnee, Pf.148: v.8. 
Dampf und Sturm-Winde müffen dein Wort ausrichten ; aber 
unbegreifflich ft die Weisheit und Klugheit, nach welcher ung Ephef x, 

eröffnet ift der Neichthum deiner Gnade in CHriſto: Diß Ge- v.7.8- 
heimniß überfteiget alle Engel; und Menfchen Weisheit. Ach 
verzeihe mir, o gefreuer Water, meine überaus fündliche Thors 
heit, die offe wider deine heilige und mweife Regierung gemurret, 
und die hat wollen Maaß, Ziel und Wege vorfihreiben, wie du 
mit mir verfahren folteft. Ich weiß ja, o HErr, daß alle Pf.139.0.16, 
meine Tage auf dein Buch gefchrieben, und meine Haare gegeh; Matth, 10. 
lee find. Sch habe fo offt erfahren, wie die Wege, die mir ans 9 3% 
fangs hart vorgefommen, die Bien gemefen find: und 
mie mich meine felbftermehlten Wege ins Verderben geführet, 
wann dunicht ausgroffer Erbarmung diefelben mit flachlichten 
Dornen vermachet, und eine Wand davor gezogen hätteft. Hoſ⸗ a. v. 6. 
Sieb mir deine Gnade, daßich hinfüro deiner Negierung mich 
gerne in Eindlichem Gehorfam unterwerffe, meine unordentliche 
{ a Eigen» 


. ll, 


498 B. I. C. 34. Wie ein Menſch durchs Gebet 


Eigenliebe und allen Eigenſinn verleugne in deine gnaͤdige 

vſʒ. v.24. Vater⸗Haͤnde mich gänglich lege; und denn leite du mich nach 
deinem Kath, und nimm mich endlich mit Ehren an, durch. 
JEſum cht ſium unſern HErrn. Amen. 


Das XXXIV. Capitel. 


Wie ein Menſch durchs Gebet die 
Weisheit GOttes ſuchen ſoll; Dabey ein 
nuͤtzliches ſchoͤnes Tractaͤtlein und Unterricht vom 
Gebet, wie Das Herk darzu zu erwecken, und in einen - 
ſtillen Sabbath, zu bringen, daß GOtt das. 
| Gebet in uns wuͤrcke. 


Begreifft zwoͤlff Capitel. * 
Caput 1. 


Was wir in Adam verlohren haben, finden 
wir gantz und a in CHriſto 
wieder. 


Coloſſ. 2. v. 3. In Chrifto find alle Schäge der 
‚Weisheit und — DR SPEER: 


een ET Menſch ift von GOTT aus einem Erden - 
fen Seile Elos gefchaffen und. — und durchs Spira- 


GE SR culum vire, oder lebendigen Ddem, mit einer 
volltonıme, lebendigen und unfterblichen Seele begabet , welche 
a, gegieret worden mit vollfomimener Weisheit, Gerech— 
bet gerne - tigkeit , Heiligkeit und Seligkeit, als mit Dem ‘Bilde 
fen. GHttes; denn wo die Weisheit GOttes ift, da iſt 
auch Die Sigi, und wo die Seligkeit ift, da iſt 
Beih,y. auch) die Nbeisheit GDttes , B. der Weish. 7. v. 28. 
u Ss gefällt GOtt niemand, er bleibe denn en der 
Weis⸗ 


* Die zwoͤlff Capitel, ſo Weigelius geſchrieben, hat Arndt 
ſeinem Buche, als die von dieſer Materie auferbaulich bans 
delten, einverleibet, unmiffend, mit was Irrthum derofelben 
Autor behafftet, als fo noch damalen verborgen war; Daher 
er aus Liebe, fo nicht argwoͤhnig ift, die von dem Autore felbft 
auch nicht wohlgemeynte Nedeng; Arten in gutem und ges 
funden Verftande gebrauchet, die auch in ihm — verſte⸗ 
ben find. Dor/ih. i 








——— VVVVV 

















































































































































































































= 
= 
S 
IE 
= 
E 
: 
E 
= 


MATT 





ANMDITIERATTRENTTINTATTTITTEN 


ALNINININ ii 


LI WIN 





Das Andere Buch, Cap. XXNIV. 98.498 


Hier ift ein Schiffer⸗-Compaß, in wel Kem die Maonet:Na- 
bel nicht eher Nut ebat und fl: ifE bis fie fich aenen Mıtterz 


> nacht zu dem Polar⸗Etern newendet har: Alſo findetbie Seele 


des Mentchen nicht cher Ruhe, als bie fie ſich von der Welt und 
irdiſchen Dingen zu GOtt, als ihrem Urſprung, mit Gebet und 
hertzlicher Andacht im Glauben gewendet, und feiner Gnade 
wuͤrcklich genieffet. 


Sirach 35, verf. 21. | r 
Das Beber der Elenden dringet durch die Wol⸗ 
kön ‚und läffer nicht ab, bis es binzu 
omme. 


—— D Menſch! ve fucheft du, 
Und eilt, und laͤuffſt, und renneſt auf und nieder, 
Umd kehrſt und wendſt, und windſt Did) bin und 
wieder? 
Begehreft du für deine Seele Ruh? 
Die iſt auf Erden nicht zu finden. 
Es muß an himmeliſcher Eigenſchafft 
Ihr aͤhulich ſeyn, und theilen ſeine Krafft 
Ihr mit, mit dem fie ſich beſtaͤndig ſoll verbinden. 
Kein endlich Ding mag deinen Geiſt erfüllen, 
Weil er des Enderlofen faͤhig iſt; 

Kein zeitlich Gut kan dein Verlangen füllen, 
eil du zur Ewigkeit erſchaffen bift: 
Drum wende dich zu GOtt / kehr in den Urfprung ein, 

i Aus welchen du entiproffen, 
Und deffen Gnade du genoffen, 
So wirft du feill in ibm und höchit zufrieden ſeyn. 
Je ſteiffer du mit unverruͤcktem Sinn 
Im läuben und Gebet ihn an wirft fehen, 
Je mehr wird feine Lieblichkeit Dich an ſich ziehn 
Und reißen gerne mit ihm umzugehen. 

D Seele! laß uns GOtt zum Gegenwurff erwehlen: 
Laß uns verſchmaͤhen Wolluſt, Geld und Ehr: 
So wirſt du nimmermehr 
Der Thuͤr zur DAR: Ruh und Setigeet verfehlem, 


die Weisheit GOttes ſuchen fol. 499 


Weisheit. Alſo hat dem Menſchen nichts geman⸗ Der Menſch 
gelt im Paradies; aber nachdem er ſich durch Ver— a 
führung der Schlangen von GOtt abgewandt, und aan 
in die Sünde gefallen; iſt di Bildniß BHttes i im —— 
Menſchen verblichen, und iſt folcher Weisheit bevaubet a 
worden, darneben auch in Die Gewalt des Teufels, beit ger 
Todes und alles Elendes gerathen: Denn indem Durch !be 

folche Ubertretung das Gottliche Bild gank verdarben, 

fahe und befande der Menich nach dem Fall nichts 

mehr, denn feinen eigenen Schaden, Trübfal, Blind» 

heit und Berdammnif. 

Damit aber Adam, das ift, alle Menfchen in Adam, Ehrifus iR 
nicht gang verdürben, ward GOtt felber Minh; — 
das iſt, er ließ ſeinen Sohn Menſch gebohren wer: —* 
den von einer Jungfrauen: Derſelbe Sohn hat uns a un 
wiederum den Weg der Seligkeit und Weisheit ge iu — 
zeiget mit ſeiner Lehre und Leben, als mit einem 
Fuͤrbilde und Form, welcher wir felen nachfolgen: 

Denn indem er durch feinen bittern Tod uns-erlofet 
hat von allen Suͤnden, befiehlet er auch darneben, daß 

‚wir wendeln föllen, — er gewandelt bat, 
1.%0).2.0.6. 

Alfo werden wir durch den Slauben aus ihme wie⸗ Wie wir 
Dergebohren zu Kindern GOttes und werden Soͤhne Gans 
und Kinder in. den Sohn , und mit den Sohn; werden. 
denn gleichwie er ift, alſo ſi nd auch wir in diefer 
Welt, Joh. 4. v. 17 

In dieſem — fi nd verborgen alle Schäge zn eörifo 
der Weisheit Ortes, Coloff. 2.0.3. Denn was das ven \ 
wir in Adam verlieren, finden wir in Chriſto gantz und um ont 
vollfömmlicher wieder. . 

Wollen wir aber in Diefer Zeit den Anfang folcher 
Schaͤtze ſchmecken, und die Weisheit beftgen, fo muß 
es durch Beten, Suchen, emjiges Anklopffen geſche— 
ben; denn niemand mag. in das Reich GOttes 
kommen, er wandele denn in der neuen Geburt, und 
bitte de; darum, Niemand mag von Sünden los, —5 
vom Teufel errettet werden ex thue Denn Buſſe, J —* 

Ji 2 


- 


500 B.ll. C. 34. Wie groſſer Schade erfölger, 


bete im Namen Chriſti; denn obſchon alle Güter 
durch EHriftum zuvor erlanget und erworben find, ſo 
mag doch Feiner derſelben theilhafftig werden , ohne 
durch den Glauben; durch tvelchen er auch muß: beten, 
Facı.dı7. fuchen und anklopffen. In Summa, es muß alles 

von oben herab durchs Gebet erlanger werden. 
Ehin Ge D ewiger Vater und GOtt, Ichre mid) durch deinen Geift 
Ve mie erfennen, daß, gleichwie ich in Adam fterbe, und alles verliere, 
Ä EHrifo aj, auch in CHhriſto wieder lebendig werden, und alles reichlich 
Jes mieder wieder erlangen möge... Hilff, daß ich mir felöft abfterbe durch 
erlangen. tägliche Neue und Buffe, mic) dir gang laffe und ergebe, fo 
werde ich gewiß in CHriſto meinem Erlöfer ale - verlohrne Güter 

wieder erlangen und uͤberkommen. Amen. 


Caput 2. 
Wie groſſer Schade entſpringt und folget, 


£ fo man das Beten unterlaffer. 
- Sac.4. v. 2. Ihr habt nichts, darum, daß ihr 
nicht bitter. 


(1) O man das Beten unterläffer, wird ( GOt⸗ 
Matıb. 2 tes und des HErrn EHrifti Befehl ubertres 
Barum ten; Der gebeut, obn Unterlaß zu beten, 
sndei ur 18. d.r.f90. nicht feinet halben; denn er ohne⸗ 
diß weiß, was wir bedürffen, M atth. 6. verſ. 32. 
- Sondern unfert halben, damit wir gavahr werden 
des Schatzes und Erbtheil⸗ von GOtt. Nicht beten 
iſt eine groſſe Suͤnde wider das erſte und andere Gebot; 
gleichwie GOtt laͤſtern, fluchen, ꝛc. fo groſſe Suͤnde it, 
wonicht groffer e, ats fich felber tödten, 
Bi (2) (2) Iſts eine Derachtung der theuren Berheiffung 
— — die er an feinen Befehl hanget ; Invoca, eri- 
fe Berad» piam ; petite, accipietis, (omnia) Ruffe mich an, ſo will 
13 SDR ich dich erretten, Pf. so. d. 15. Bittet, ſo werdet 
ihr nehmen, Joh. 16. 0.24. Und wird alſo GOtt 
fuͤr einen nichtigen loſen Mann gehalten, der zuſage uud 
nicht halte, deſſen Güter nichts werth feyn, 
* KR (3) Wenn das Geber nicht ohn Unterlaß geübet 
betverlifpe WILD, JO nimmt der Glaube ab, umd verleuret ſich 
der Glaube. allgemach⸗ welcher doch eine Krafft und Staͤrcke er 
mu 


ſo man das Beten unterläffer. sor 


muß des Menſchen; denn-mit Waffen und Keibes- 
Staͤrcke Finnen noir Suͤnde, Tod, Teufel nicht übers 
winden , fondern durch den Glauben in CAriftor 

1.%0h. 5.0. 4.. Das, Gebet if eine Nahrung des 
Glaubens, dadurch muffen wir die Krafft des Glau—⸗ 
bens üben. Das iſt die Weisheit und das ewige 
Leben, Die wir fuchen füllen. . — ——— 

Der HErr FEſus EHriftus weichet von denen, CO 
die nicht beten; damit werden fie blind wandeln im u 
Kinfterniß, erkennen fich felbft nicht, noch GOtt: GOt⸗ Licht wer 
tes Wille bleibet in ihnen unerkannt. Sie berauben Dit yon, 
fich ſelbſt GOttes und feines Reichs; und weil fie feinen 
Licht haben, GOttes Aillen zu erkennen, müffen fie in 
der Anfechtung groſſe Puͤffe leiden , offtmals wohl 
gar verzweifeln: Wo aber der H. Geift und "Glaube 
ift, wird auch die Welt überwunden. BIC, 

(5) Folget hieraus ein ficher frech Leben in al yu Nud⸗ 
len Stunden und Schanden, und geräth der Menſch und ms 
aus einem Laſter ins ander; denn ein Nichtbetender fuͤh⸗ eyes 
let nicht, wie tieff er in Suͤnden ftecket, thut dem Teufel einen Bet 
Thür und Fenfter auf. Die Güter der Welt, fo ihm loſen. 
SHDtt mittheilet, Geſundheit, Neichthum, meynet er, 
fallen ihm ungefehr zu, oder bekomme es Durch eigen 
Fleiß und Arbeit ohne GOtt; und wird alfo feinem 
NS * | — 

(6) Weil der Menſch nad) dem Fall in Gefahr „dar, 
lebet Leibes und der Seelen, ſo wirfft er ſich auch in Ge ei 
malt des Teufels, der böfen Geifter, und aller boͤſen dem Teufel 
Menfchen,-die dem Teufel gleich, auch denen From feinen 
men nachftellen, öffentlich und heimlich, fie zu verder⸗ Werdieus 
ben. “er nun-ohne Gebet Iebet, der wird von fol Karfene 
chem Ungluck getrieben, wie ein Schiff von Wellen | 
des Mecrs, hat Feinen Schus, Hülffe nad) Troſt wis 
der nn —59 — er \ 

(7) Ein folcher iſt der Unglückfeligfte in feinem „. (7) 
Mandel und Leben, ſtehet immer in Angſt ud Surcht, ER | 
ift ungewiß und zweifelhafftig, wie fein, Vorhaben kliafe 
einen Ausgang gewinnen werde; mit Mühe und Ar⸗ gehen und 

| Au 3 beit Tode. 


502 BIl. C.34. Daß der Menſch groſſen Tut babe 


beit ſuchet er, und findet Stuͤckwerck, zuletzt Fan es Doch 
en. nie wohl gerathen. Es fagt wohl die Schrift: Es 
iftes bald gebe den Bottlofen wohl, fie grünen und blüben 
selheben. eine Zeitlang; aber ebe du dich umficheft, find 
fie nimmer da, f. 37.0.3 5.36. Wie ein Pfeildurch - 
die Kufft führer, und man ſiehet feinen Meg nicht, 
oder ein Dogel über die Stadt fleucht, Buch der 
Weish.5.0.9.11.12. Wie der Rauch verfhwin> 
det, die Spreu verwehet wird; alſo find Die Gott 
loſen, Pſalm 1.0.4. Aber die da beten, grünen wie 
ein Palm⸗Baum an den Waſſer Baͤchenꝛc. v. 3. 
Der Gerechte muß viel leiden, Pſ. 34.09.20, Aber 
die Gottlofen fiebenmal, ja hundertmal mehr, die 
Hölle zu erlangen, als die Frommen den Himmel, . 
3. B. Mof 26. v. 18. 

Schoͤn Ge⸗ D gnädiger und gütiger Dater, du weift fehr wohl, daß der 
berlein  Menfch durch feine Faulheit und Nachlaͤßigkeit ſich felber quaͤ⸗ 
ee „ let und plaget, indem er dein Gebot verläffet, dag Gebet verſaͤu⸗ 
beftig zum met, deine ungezweifelte Zufage und rruflliche Verheiſſung ver⸗ 
Schere  nichtek und gering fchäßet, darum treibeft du ihn fo heftig zum 
trejbe. Anruffen; denn du biſt ein Liebhaber ver Creatuten, und wilt 
feinen verderben laſſen, fo viel an dir iſt. Lehre mich ſolches 
bedencken, auf daß ich in CHriſto IEſu deinem Cohn recht 
mag beten, fo werde ich gewißlich für allem‘ obgemeldten 

Schaden und Unrath bewahret und ficher feyu. Amen. 


Caput 3. 


Daß der Menſch groſſen Nus und Frommen 
habe von fretiger Übung des Gebete, 


Joh. 16. v. 24. Bitter, fowerder ihr nehmen, daß 
eure Freude vollkommen ſey. 


ei Fr Menfeh, nach dem Tal, ift faul und unges 
Sehen. yorfam worden zu allen Goͤttlichen Gachen : 
Daß er nun darinnen nicht bleibe noch verderbe, 

ſoll er fich durchs Gebet aufinuntern und erwes 

— cken durch mancherley Betrachtungen; und erſtlich 
Seren he bedencken den groſſen Nutz, Troſt und Frommen des 
kennct den heiligen Gebets, daß er nemlich Den ewigen, wahren, 
eg lebendigen GOTT bekenne, ehre, anbete, a elle 
vemde 


x 


= 


von ffetiger Libung des Bebets. 503 


fremde Götter dichte und anruffe, fondern den einigen 
wahren GOtt; Deffelben Befehl und Gebot hat 


- er in acht, alsein gehorſam Kind, bittet, fuchet, klepffet, 


ruffet, preifet feinen Schöpfer, Vater -und Selig⸗ 
macher, ꝛc. | nn 
2. Zudem verachtef er nicht die Zufage GOttes, gepennet 


ſondern giebt mit feinem Gebet zu erkennen, daß fie GoOtres 


hoch zu achten, und der wahrhafftige GOtt nicht wolle Wehrheit. 
noch Fönne lügen. | ; 
3. Zum deitten nimmt der Glaube zu, wächfet InGebet 
täglich wie ein Baum; denn im Glauben ftehet alle — 
unfere Krafft, Troſt und Staͤrcke wider alle unfere 1 30. 5. 
Feinde und Widerwaͤrtigkeit: Ja er. iſt der Sieg, v. 4 
der die Welt Üüberwinder, auch die LUinglaubigen, 
ſo ung übels wünfchen, 2 * 
4. Uber das empfahen wir den Heiligen Geiſt, Beten ver⸗ 
Luc. 11.0.13. Zach. 12.0.10. Das iſt: mir geben Mehzt uns 
ihm Raum und Statt zu herrſchen, er bleibt und pes Seife, 
machet Wohnung bep uns, Joh. 14.v. 233. Wir 


erden erwecket in Dem wahrhafftigen Licht und Erz 
kaͤnntniß GDites, daß wir feinen Willen recht vers 


fteyen, und bleiben im Reid) GOttes theilhafftig ak 
fer himmliſchen Guter, i 

5. Auch verhüten wir hierdurch Sicherheit, wider⸗ ganz 
fechten den Sunden, Fleiſch und Blut, wandeln in froliz wider eigen 
chem Gemwilfen, üben eine felige Ritterſchafft, behal⸗ Lad und 
ten den Glauben und gut Gewiſſen, 1. Zim.ı.w.ıg. 

‚ 6. Desgleichen vwiderftchen wir groffer Anfech⸗ gpnecpes 
tung, Gefahr und Elende, dem Teufel, böfen Men: Teufcts 
fehen; denn Das Gebet ift ein ſtarcker Thurm wider Reich. 
alle Feinde; eine fefte Burg GOttes, zu der wir 
durchs Gebet fliehen, Ephef. 6. d. 17. Spr. Sal, 18. 

v. 10. Palm 31.0. 3. Und ob der Teufel oder böfe 
Menfchen einen Eingriff tyun, muß es Doc) den From⸗ 
men zum Beſten gereichen. 

7. Letztlich kan ein ftetsbetender Menfch fich immer Aus dem 


‚freuen im Heil, Geiſt mit Dankbarkeit; nach der Lehre Gebet 


St. Pauli, 1. Theſſ. 5. v. 16. 17.18, Sewper gaudete, Kreweund _ 
Ji 4 incef- Friede. 


504 B. U. C. 34. Ein wahrer Chriſt ſoll in Chriſto 


inceſſanter orate, in omnibus gratias agite. Das iſt: 
Freuet euch allezeit, betet ohn Unterlaß, ſeyd 
danckbar in allen Dingen. Keine Angſt, keine Un— 
luſt, Bekuͤmmerniß, Traurigkeit entſtehet aus dem 
Gebet, ſondern Freude, Wonne, Luſt, wegen des liebli⸗ 
chen Geſpraͤchs mit GOtt dem ewigen Könige: Und 
nach dem Gebet wird man gewiß, unſere Sachen 
1. dal. s werden einen glucklichen Ausgang gewinnen. „ Alle 
dhlip. 4. Sorge werffer auf den HErrn, 1. Petr. 5. v. 7. 
v.6  BÖttift nabe, forget nicht, Phil. 4. d. 6. Befichl 
— 7 Dem Errn deine Mege;zc. Pſalm 37. v. 5. Ale 
Kummerniß  entftehet aus dem. Mißtrauen gegen 
GOtt. Das Mißtrauen. kommt von Unterlaffung 
Des Gebets. Der Glaube und das Gebet trauen 
GOtt, vertreiben alle Sorge, ic. 

Sebetlein. O HErr GoOtt, hilff mir, daß ich erfenne, wie du mich frei» 
beft und vermahneft zu meinem groffen Nuß, nemlich zu dem 
mahren Gebet, damit aller Yuß erlanget wird. Erwecke mich, 
fo erwache ich, ermuntere mich, fo fiehe ich auf, und folge 

CHriſto nad) allein. Amen. 

x Gapue 2. ER 

Daß ein wahrer Chriſt wiel lieber will den 

ſchmahlen Weg in CHriſto wandeln, als den 

| breiten in Adam, 

Rom. 5.9.3. Wir rühmen uns der Trübfel.  _ 
% Bin Je Schrift fagt, Adam ſey gefeßet in das 
EM Daradies, und GOTT babe ihm. gegeiget 
| den Baum des Lebens und Todes, und für 
den Baum des Todes gewarnet; da ift er geſetzt 
worden zwifchen Zeit und Ewigkeit, daß er müchte 
nach dem Ewigen uber fich trachten in dem engen We⸗ 
ge: Alfo ward ihm vorgelegt Leben und Tod, 
Licht und Finſterniß, 5. B. Mol. 30.09.15. Wie es 
num mit Adam zugienge, alfo iſt es noch, denn nach 
CHritus dem Fall kommt CHriſtus, weiſet uns von Adam aus 
ammger dem breiten Wege zu fich felber in den engen Weg, 
fondern 1,.0hn allen Nothzwang: Denn er will Eeinen zwingen 
————— Verdammniß noch zur Seligkeit. Er zeiget ae 
M en 


‚und nicht in Adam wandeln _ sog 


den Weg durch Die vorlauffende Gnade, * die da kei⸗ freundlich 
nen Menfchen-verfaumet, ex fey jung oder alt. Nun ee 
fpricht EHriftus: Geber ein durch die enge Pforte; 
denn die Pforte ift weit, und der Weg iſt breit, 
der sur Derdammmiß abfuͤhret, und ihrer find viel, 
die darauf wandeln: Und die Pforte iſt enge, und 
der Weg iſt ſchmahl, der zum Leben fuͤhret, und 
wenig iſt ihr, die ihn finden: Matth. 7. v. 13. 14. Matth. 7. 
Hieraus ſiehet man klar zwey Wege: Einen Der Zpep aner 
Melt, darauf viele wandeln: Urſach, fie bleiben in ge; Einer 
Adam iund wollen des HEren CHriſti nicht: Den an⸗ 1 am, 
dern GOttes, in welchen wenig wandeln, weil fieden in CHrifio. 
breiten IBeg in dam lieber haben. Gehe aber, wel- Ä 
chen Weg du. wilt, fo muft du etwas Dulten, es wird 
Dir fauer werden. Lebeft du nach der Welt, fo 
muft du viel leiden, und Eommft nicht zum Grunde 
der, Wahrheit , haft. endlich ewige Verdammniß. 
Geheſt du in dem Wege GOttes duch E-Hriftum, 3 ea 2. 
uͤbeſt Dich im Gebet, fo muft du zwar auch mit CHriſto Stersen 
von der bofen Welt viel leiden, aber du erkenneſt nn mie, 
den Grund der Wahrheit, und koͤmmſt endlich in das" ꝛc. 
ewige Keben.. Ä r | 
Wer da betet, ftreitet wider fich felber und den Im aläubis 
Teufel, überwindet fich felber, ‘den alten Adam und 3484. 
alle feine Feinde, und koͤmmt endlich in Die ewige 
Ruhe mit EHrifto. feinem Feld-Hauptmann. 
Aber nicht betet, der reitet auch nicht wider feine 
Se fondern iſt in ihrer Gewalt, muß dennoch in 
der Welt viel leiden, und fahret endlich mit dem Fürz 
ften der Finſterniß in die ewige Verdammniß. 
— Es 
* Die vorlauffende Gnade verſaͤumet keinen einzigen Mens 
fhen, aber der Menſch verſaͤumet ſich offt ſelbſt Aber die 
Meynung iſt darum nicht, daß dieſe vorlauffende Gnade 
allen Menſchen eingepflantzet ſey, die von ihnen nicht ges 
nommen, aber wohl unterdrückt werden fönne. Dor/ch. 
‚ Er verfiehet durch die vorlauffende Gnade die Allgemeine 
Liebe und Barmhergigfeir GOttes, die fich über alle Men; 
ſchen erſtrecket. Yaren, 








- 


506 B. . C. 34. Was ein Menſch bedencken ſoll, 


— — — — — — — 
sämpfen Es iſt viel beſſer, kaͤmpffen, und hernach als ein 
iſt beſſer ha , AL Be! h 
als von, Siegsmann eingehen in die ewige Freude, Denn nicht 
re ftreiten, und doch viel leiden, und hernach als ein Ger 

fangener in das ewige hallifche Gefaͤngniß geworffen 
werden. 

Heiler O möchten die Menfchen ſolches mit Fleiß bedencken, ge⸗ 
Wunſch. miß'ich, fie würden der Welt ſatt werden, ſich ſelbſt haſſen und 
a verleugnen, und dem einigen CHriſto auf dem engen Wege 
nachfolgen! Daß wir ſolches ernſtlich betrachten, dem alten 
Adam in uns Urlaub geben, den neuen Menſchen IEſum Chri⸗ 
ſtum anziehen und durch die enge Pforte eindringen zum ewi⸗ 
gen Leben! das wolle in uns wuͤrcken und verleihen der wahre 

GOttes Sohn, JeEſus Chriſtus! Amen. 


Caput 5. 


Was ein Menſch fuͤrnemlich bedencken ſoll, 
damit ſein Hertz uͤber ſich zu GOtt gerichtet 
werde. 

Jerem. 23. v. 23. Hin ich nicht ein GOTT, der 
nabe iſt, und nicht ein GOTT, der ferne iſt, 
ſpricht der HErr⸗ 

Ruf daß wir einfältigen und — Men⸗ 

ſchen sum innigen Gebet im Geiſt und inder- 

Wahrheit kommen mögen, welches GOtt al⸗ 
lein erfordert und haben will, wollen wir erklaͤren etliche 
noͤthige Puncte, re wir zum Gebet eriverfet und 

rl werden. 

A . Daß GOTT. alle Dinge zuvor beffer wiffe, - 

2.3. a uns noth en ebe denn wir. beten. 

ER 2, DaF GOtt alle Menſchen locke, reitze, treibe 

vi. und vermahne zum — und auch gewiffe Er⸗ 
F borung zuſege 

ap. Geh, 3. Daß EHDttkein Anſeher der Perſon fer, ſon⸗ 

10.9.34. Herner habe fie alte gleich lieb. 

—— Daß eben jo groſſe Sünde ſey, beten wegen 

| eigener Froͤmmigkeit, Wuͤrdigkeit, Heiligkeit, als fein 

Gebet unierlaffen wegen Der Unwuͤrdigkeit und vorbes 

gangenen Sunde. 

5. Daß man CEoOtt nmicht weit duͤrffe —— 


Anleitung 77 
zum tun NE 
gen Gebet. Iſ 





damit fein Aerg zu GoOtt gerichtet werde. 50 7 


en gewiſſen Ort, ſondern ihn finde allent⸗ Joh.4. var. 
halbe 
RR, Daß BHt in feiner Evigkeit unwandelbar hs 
bleibe, und eine Zeit fo wohl höre als die andere, unda.ız. 
mit nichten an gewiffe Zeit gebunden fey. 
7. Daß EHOtt lange zuvor Femme, und heraus 7 
gebe” alle natuͤrliche und ubernatürfiche Güter, und 

doch Feiner diefelben erlange noch geniefle, er bete denn 
darum, 
Ber diefe Stücke täglich betrachtet und 10 deß 
Hertz und Gemuͤth wird erneuert und erwecket vom 
Schlaf, Epheſ. 5. v. gereiniget und gelaͤutert 
von Irrthum * Blindheit; beſtaͤtigt und befeſtiget 
im Grunde der Wahrheit, aufgerichtet zu GOTT, 
ar sum Gebet, Dem daraus folgen Diefe 

ehren 

(1) Daß SDtt heiſſe, treibe und vermahne sum) 

sebet, nicht feinethalben, als wuͤſte ex unſer Anliegen nenne 
nit: fondern unfertwegen, daß wir Durchs Geber man beten. 
erwecket, auch ſolches erkennen und wiſſen. 

(2) DaEGHtt unfers Gebets und langer Erzeh⸗ 2 
lung nicht beduͤrffe, ſondern komme uns z uvor mit — 5. 
ner gegenwärtigen Allwiſſenheit, Pl. 39. v. 2: 

: (6) Das GOT durch unſer Geſchrey, Saften ,, F 

und Wachen nicht erwecket werde; denn er allegeit sy, 2 2 
ein wachendes Auge ift. Sondern der Menſch muͤſſe 

ducch ſolche Ubung vom Schlaf der Suͤnden erwe⸗ 

cket werden. 

(4) Daß GOtt ſey tauſendmal bereiter zu hören, 
und zu geben, denn der Menſch zu nehmen. 3320.41, 
(5) Er ſey unmäfiger Güte und Barmbergig- (5 
keit gegen den Menſchen, Pſalm 103. 0.13. Der 
Menſch aber unmaßliher Faulheit und Nachlaͤßig⸗ 
en Beten, Suchen und Antlopffen, Matth. 7. 

ver 

(6) Daß GDtt unpartheyifch gerecht bleibe in (9 
allen feinen Wercken, und Feine Urfach unferer Blind: 
heit, Unwiſſenheit, Mangels oder Elends ſey; ſondern 

der 


508 BU. E.34. 00Ott erböret, 


der verkehrte? Nenjch feiber, der nicht bitsen noch ſuchen 
will. 5. B.Moſ 32. v. 5. Pſalm 92. v. 7. 

(7) (7). Ein fahrer Anbeier hat en allen Orten, 

—* Seiten, einen frehen Zutritt zum Vater in CHriſto, 
im Beift und Warbeit mit GOtt zu handeln, fo 
fern er ſich ſelbſt nicht auf hält. 

() (8) Ein Fauler und Derachter des Gebets be 
taubet ſich ſelbſt des lieblichen Geſpraͤchs mit GOtt; 
* 19: D.15. Strafet alſo ein ieder Suͤnder ſich 
elbſt 

9) (9) Ein fleißiger Anbeter frommet und nüßet ihm 

felber, nicht, von ihm ſelbſt fondern durch die Göttliche 
vorlauffende Gnade, welche * allen Menſchen zuvor 
koͤmmt ohne Unterſcheid. 
Wem dis fuͤnffte Capitel unbe anne ift, der iſt 
noch weit von Chriſto, hat der Wahrheit noch wenig 
geſchmecket: Wers aber weiß, und nit glaͤubet, der 
thut ſehr — Wers glaͤube t, und uͤbets nicht, 
erwecket ſich nicht, lebet in den Tag, gleich als zwei⸗ 
felte er dran; Der it ein groſſer Suͤnder, und muß 
| Dee mehr &tteiche leiden,denn der Unwiſſende, Luc. ı 2. 
| 7. Drum mag ein folcher wohl zufehen, Daß er ſich 
bet yre, fonftesivd er in Sunden umkommen. 
Gehetlein. in gütiger HErr und Vater, wecke mich auf durd) deinen 
Geift, daß ich folcheg nicht allein wiſſe fondern auch in wah⸗ 
es Stauben übe, und ein wahrhafftigee Anbeter werde, im 
Geift und in der Wahrheit. Amen. > 


Caput 6. 
Daß der allwiſſende GOtt alles wiffe und 


höre, was wir bedürffen, ehe Denn wir anfahen 
zu beten. 


Pſal m139.0.2. Di verſteheſt meine Gedancken 

von ferne. 
Dilches iſt gegründet Matth. 6. v. 8. Euer 
himmliſcher Vater weiß, was ihr beduͤrf⸗ 
fet, ebe, denn ihr bitter. Pſ. 94.0, 9. — 


\ 


* Denn fie fich allen anbeus, obſchon nicht imallen kraͤfftig 
wurcket aus ihrer eigenen Schuld. Dor/ch, 


ebe wir bitten. F; 509 


das Ohr gepflantzet bat, ſolte der nicht hoͤren? 
Hebr. 4. verſ. 12. Kr iſt ein Richter der Sinne 
und Gedancken. Man darff GOTT nicht mit Bey Gott 
langen Worten unfer Anliegen vortragen, wie einem ER kan Um 


ſterblichen Menfihen 5 denn vor feinen Augen find derzeit, er 


alle Zeiten nur eine Zeit oder Blick, in welchem cr —7 
alle vergangene und zukuͤnfftige Dinge ſiehet gegen zeit. 
wärtig :- Darum bat er unfere. Haare gezehlet, ehe 
- wir gebohren waren, weiß alle unjere Gedancken, ehe 
wir beten, Summa, feinen Augen iſt alles offen. - 
Alſo müfen Einfaltige- und Anhebende fich erwecken 
"zum Gebet, daß ſie Sprüche. haben der ‚heiligen 
Schrift, den Nutz derfelben betrachten, und in-Eurge 
Gebetlein faſſen; die Geuͤbten aber fehen es felbit. 
Wenn ich im flachen Felde gehe am Tage »Kicht, ſo 
umgreifft mich folches Licht gantz; waͤre es nicht 
leiblich, ſondern geiſtlich, fo durchdruͤnge es meinen 
Geiſt auch: Alſo find alle Geſchoͤpffe, fichtbare und 
unfichtbare, vor den Augen GDttes: Cr durchdrin⸗ SORT 
get und umgreifft alle Dinge, es hindert ihn nichts. ger alten 
Die Sinfterniß muß vor ibm Kicht feyn, wie der Weish. 7- 
Tag; wie im 139. Pſalm, verf. 12. ſtehet. Wie yfasnın 
eine. lautere fehone Exyftall oder Waſſer⸗Blaſe in 
meiner Hand, darinnen auch für meinen leiblichen 
Augen das geringfte Harlein oder Staͤublein nicht 
Fan verborgen bleiben: Alſo und noch weit mehr find SOH " 5 
alte; Sefchöpffe und Gedancken für dem Geift GOt⸗ Aireßseran, 
„tes, welcher das Auge -felber ift, fonft bat er Fein anz rl pr 
der Auge. Das it den Ungeubten auch nüße, Das gerne gen 
mit fie ihre Hertzen reinigen vom groffen dicken Nebel mis. _ 
der Blindheit und Unwiſſenheit. Es machet fie auch Ig% " 
wacfer zum wahren Gebes, dadurch wir ermuntert 
und erwecfer werden, zu fehen umd zu erkennen, was 
wir zuvor nie gefehen noch erkannt haben. Piel 
meynen, was fie nicht fehen noch wiffen, das fehe und 
wie GOtt auch nicht , welches eine groffe Blind⸗ 
heit und Unwiſſenheit ift, zur Rache über den, der fie bat, 
Pſ. 7 v. IQ, y \ . 

Dal 


510 OOtt treiber alle Menfhen zum Öebet, 


Gehetlein.  D allmächtiger ewiger GOtt und Vater, der du bift ein 
Heb.4.v.12. Herkengfündiger und Richter der Sinnen und Gedancken, der 
Hffenbe 2. du alle Dinge zuvor fieheft, hoͤreſt und weiſſeſt ehe fie bey uns 
2.9. Menfchen gefchehen: Ich komme, und bringe mein Anliegen 
vor dich, nicht der Meynung; dich durch mein Geſchrey zu erwe⸗ 
cken, als wiffeft du e8 nicht zuvor, fondern daß ich mich felbft 
erinnere und erwecke, zu verftehen und zu erkenuc wie dur alle 
Matth. 10. mein Anliegen Eenneft, ja alle meine Haare auf meinem Haupte 
d.30. felberzehleft. Hilff, lieder Vater , daß ich folches recht wiffe- 
und betrachte, dadurch mein Hertz in deinen gnaͤdigen Willen 
feße; denn der ift der alterbefte: Und daß ic) in voller Gelaſ— 

fenheit und gedultigem Ausmwarten verharre. Amen. 


Caput 7. 


GOtt reitzet, locket, vermahnet, treiber alle 
Menſchen zum Gebet, ſagt allen zu gewiſſe 


Erhoͤrung. 


Joel 3.0.5. Wer den Namen des HErrn wird 
nruffen, der foll errettee werden. 


Gott for: Iß foll vor allen Dingen betrachtet werden: 
dert Das 5 denn wiſſen, daß GOtt alle Dinge zuvor weiß, 
OR it nicht genug: Man muß auch wiffen, daß 

me Gott das Beten fordert, und Erhörung zufagt. Joh. 

16,0.23. Bo ihr den Vater etwas bitten werdet 
in meinem Namen, ſo wirders euch geben. Matth, 
7.0.8. Wer ds bittet, der empfaͤhet, wer da ſu— 
chet, der finder, und wer da. anklopffer, den wird 
aufgethan. Luc. 18.0.1. Man muß allezeit beten, 
und nicht müde werden. Jac. 1.0. 5. So iemand 
unter euch Weisheit manaelt, der bitte von 
GOTT, der da giebt einfaͤltig iederman, und 
rüchts niemand auf, fo wird fie ihm gegeben 
werden, 1.0). 5.0.14. So wir etwas bitten 
nach feinem Willen, fo erböret er uns. Matth.zı. 
v.22. Was ihr bitten werdet, ſo ihr gläuber, ſo 
werdet ihr es empfaben. Da ftehet der Befehl 
und Zuſage; wer hierdurch nicht bewogen wird, muß 
ein jteineen Hers haben: Wers nicht glaͤubet, hat ein 
heillofes Ders, it nicht wert, daß er Menſch heiffe. 
Diß iſt nicht unbekannt, warum glauben wirs 2% 
nicht? 


und ſagt allen gewiſſe Erhoͤrung zu. 511 


nicht? Oder warum beten wir nicht? Warum wer⸗ 
den wir nicht erhoͤret? Warum erlangen wir den 
Heiligen Geiſt nicht? Darum, daß wir nicht im rech⸗ 
ten Glauben beten, und GOtt ſtille halten und aus⸗ h 
warten; denn der rechte Glaube halt GOtt ſtille in 
gantzer Selaffenheit: Über aber zweifelt, ifE treulos, — 
machet exit fein Gebet ſelbſt zu nichte: Denn GOti kein 
Fan ihm nichts geben. Zum andern hält ee GOtt beten im _ 
für einen Lügner und ohnmächtigen GOtt, der ang, Alauben. 
weder nicht wolle, oder nicht Eönne geben, was uns manz 
gelt. Diß find zwey böfe Stücke, N N 
Der Glaube aber halt das Hertz ftille, machet eg 
fahig Goͤttliche Gnade. GOTT fordert nicht mehr . 
von den Menfchen, denn den Sabbath, Rube von 
allen feinen Merten, 1. B. Moſ. 2.0.2. Von ihm 
ſelbſt fuͤrnemlich. Unſer Geiſt und Gemuͤth iſt wie 
ein Waſſer, daruͤber der Geiſt GOttes ohn Unterlaß 
ſchwebet, Cap. 1. vearf.2. So bald es ſtille wird, 
und von keinem Winde der zeitlichen Gedancken hin 
und her bewogen, bleibe GOtt darinn, fpricht fein kraͤff⸗ 
tiges Wort in folch file Waſſer. Dieſer Blick ift 
beffer und edler denn die ganse Belt, Beſiehe das 
8. Capitel der Deutfihen Theologie, und D. Taulerum 
an vielen Diten. Stille, Waſſer werden leichtlich er⸗ 
waͤrmet von der Sonnen: die fhnellen raufchenden 
Stufe felten, oder gar nicht. Der Unglaube raubet Unslaus 
SDtt feine Ehre und Namen der Treu und Wahrheit: ee 
Dadurch wird ein Ehrift gar zum Heyden und Verz din 
leugner GOttes. Wo er darinn bleibet, iſt ex gewiß 
ewiglich verdammt. 
O ewiger, treuer und wahrhafftiger GOtt, der du nicht Gebetlein, 

lügen kanſt; ich erkenne durch deine Gnade, daß du alle Men- 
ſchen reigeft, vermahneft und treibeſt zum Gebet, zu ihrem groß 
fin Rus und Srommen, erbeuteft dich mit deiner Güte allen 
gleich: Hilff, lieber Vater, daß ich folches mit Ernft bedencke, 

und dadurch zum rechten beftändigen wahrer Glauben moͤge 

fommen, auf daß ich deine groffe Güte an mir nicht Lafje vers 
gebens feyn, fondern Durch den Glauben dir ftilfe halte, undin 
beſtaͤndiger Gedult auf dein Licht in mir warte. Amen. | 


Caput 


512B. I. C.34. Bott iſt kein Anſeher der Perfon, 


— Caput g. a. 
Gott iſt fein Anſeher der Perfon, fondern 
“ hat ſie alle gleich lieb. 
MM. ı25:0.8. Du Are biſt gur und anddig,und 
von groſſer Güte allen, die did) anruffen. 


Gott heit yCh weiß nun, daß GOtt mein Anliegen beffer 
(et und hi: a weiß, denn ichs Ihm Fan vorbringen; er hat das 
fagr allen ‚Beten befohlen, und Erhoͤrung zugefagt : Ich 
Erhörung zweiffele aber. daran, ob er mich auch heiffe beten, und 
Kim. 9. erhoͤren wolle. Da lerne, daß GOtt kein Anfeber 
u... der Perfön fep, obivol Die blinden Leiter aus etlichen 
Mal.1.02. Sprüchen, als Nom. 9.0. 13. Mal. 1.0.2. umd der 
gleichen, GOtt wollen partheyifch und zum Menfchens 

Feind machen, wider die Elaren unwiderſprechlichen 
Zeugniſſe der Schrift, die wir uns wohl einbilden, und 

"davon in keinen Weg abtreiben laffen ſollen, Ap. Geſch. 

19.0: 34. Nun erfahre ich in der Wabrbeit, daß 

Gott it GOrtt die Perſon nicht anſiehet, ſondern aus al» 
ek: lerley Volck, wer ibn fuͤrchtet und recht thut, der 
fon, iſt ihmangenehme. 5. B. Moſ. 10. v. 7. Der HErr 
euer GOtt iſt ein GOtt aller Goͤtter, und HErr 

aller Herren, ein groſſer GOTT, mächtig und 
fehrecllich, der keine Perſon achtet, und Feine Ge⸗ 

ſchencke nimmt, und fehaffet Recht den Wäifen 

und Witwen, und bat die Sremdlinge lieb, daß 

er ihnen Zpeiſe und Kleider gebe. Gal.2.0.6.G Ort 

achtet das Anfeben der Menfchen nicht. Eoloff. 3. 

dv, 25. Bey BOTT gilt Fein Anfeben der Perfon. 

Weish. 6.0.8. Der, ſo aller HErr ift, wird feines 

Perſon fürchten, noch die Macht feheuen; Kr 

bat bepde die Bleinen und Broffen gemacht, und 

GOttes ſorget füralle gleich. Ezech. 33.0. 11.12. So wahr 
— ich lebe, ſpricht der HErr, ich babe keinen Gefal⸗ 
len am Tode des Gottloſen, fondern daß fich der 
Gottloſe bekebre und lebe. Wenn ein Gortlofer 

fromm wird, folls ihm nicht ſchaden, daß er iſt 

* gogottlos 


ſondern Dat fie alle gleich lieb. 513 


gottlos gewefen , und aller feiner Sünde, die r@dms 
gethan har, foll nicht gedacht werden. 1. Tim. 1. Eine 
0.15.16. Däsiffie gewißlich wahr, und ein theuer genale 
werthes Wort, daß CHriſtus IEſus kommen iſt Ran 
in die Welt, die Sünder ſelig zu machen, unter 
| — der fuͤrnehmſte bins Aber darum if 

mie Barmbergigkeit wiederfabren, auf daß an 
mie fuͤrnemlich IEſus Chriftus erzeigete alle 
Bedult, zum Erempel denen, die an ihn glänben 
folten zum ewigen Leben, 1. Tim. 2: v. 4. GOtt 
will, daß allen Menfchen gebölffen werde, und 
zur Krkaͤnntniß dee Wahrbeit konnen, 2. Petr, 
3:0.9% GOrE willnicht, daß iemand verlohren 
werde, fordern daß fich iederman zur Buſſe bes 
kehre. Solche und dergleichen Zeugniſſe mache ihm Gott bat 
ein ieder bekannt, damit er wiſſe, wie GOtt keinen vor eig ui 
dem andern lieb habe, fondern alle zualeich ohne Unz 
terſcheid; denn er hat jie alle gleich geſchaffen zu feinem 
Bildniß, und durch CHriſtum wieder erloͤſet. Er hat 
bey ſich geſchworen, daß er keinen Suͤnder will verder⸗ 
ben laſſen. GOtt koͤmmt uns allen zuvor mit feiner 
Gnade; Er wartet nicht, bis wir wuͤrdig werden: 
Denn ehe wir zu Ihm kommen, koͤmmt er zu ung; 
Ehe wir ihn Eennen, kennet er und. Ehe wir ihn lies. 
ben, liebet er und. Cr hat und geliebet, da wie noch 
feine Seinde waren, om. 5. 0.10. Blind und 
gottlos ift der Menfch, der da ſagen darff: GOtt hat 
einen Fieber als den andern, Ein folcher verſchmaͤhet 
die Sottliche Majeſtaͤt, macht GOtt ſtracks partheyiſch, 
zum Anſehet der Perſon. SR 

Daß aber gejagt wird, GOtt habe Jacob lieb, Wie die 

und Eſan bafte er, Nm, 9.v.13. iftnicht zu verſte⸗ Sprüche 
ben von ihrem menſchlichen Weſen oder abfoluto odio, Verſie 
vom bloſſen Haß; fondern von der Ausſchlieſſung Kung, ie 
des Erbtheils im gelobten Kande? Non de odio negare Röm. 9. 
flutis, fed terrenz benedi@tionis, nicht von dem Daß y-, 
der derweigerten Seligkeit, fondern des verweigerten nde 
irdiſchen Segens. Und vb wir gleich alle Suͤnder 

1, Cheil, a. 7 — find; 


514 B.lII. C.34. GOtt ift kein Anfeher der Perfon, 


find; jedoch liebet GOtt die, fo ihn lieben, vor denen, 
fo in Suͤnden und Blindheit ſtecken bleiben, und GOtt 
nicht wollen für ihren Dater erkennen, noch Buſſe thun ; 
Daran aber GOtt Feinen Gefallen trägt, fondern 
wolte viel lieber, daß alle Menfchen felig wurden. In⸗ 
Rom. 9, gleichen: Kr erbarmer fich, weß er will, und ver- 
vi ſtocket, wen er will. Iſt recht, Ex will aber kei⸗ 
nen verftocken, denn der fich felbjt verftockt durch fei- 
nen Unglauben und Unbußfertigkeit: Solche lajt er, 
| wiervol ungern, fahren, fo find fie genug und allzuſehr 

b. 16. verſtockt. Item: Ks liegt nicht an iemands 
Lauffen, fondern an GGttes Erbarmen; denn 
GOtt laufft ung zuvor, erwehlet ung, und nicht wir 
ſelbſt: Darum iſt alles GOttes Gabe und Gnade, 
Nichts foll uns zugefihrieben werden, ob wir gleidy etz 
was Gutes thun. \ — 

Difß iſt die rechte Erklaͤrung ſolcher Sprüche: 
Aber die eigenſinnigen Koͤpffe drehen ſie nach ihrer 
Vernunfft, machen den Hauffen der Verdammten 
groß aus GOttes Ordnung und Verſehung, aus 

GOTT einen Menſchen⸗Feind, neidiſchen Saturnum, 
der ſeine eigene Kinder freſſe und haſſe: Daher nichts 
folget denn Zerſtoͤrung des Glaubens, Verzweiffe⸗ 
lung, ein rohes, wildes, epicuriſch Leben, wie vor Augen 

if ED behuͤte uns für folchen Stricken des leidigen 
Satans! Amen. » 

Gehetlein. O ewiger unparthepifcher GOtt, der du nicht achteſt die 
Perfon der Menfchen ; Liebeſt fie alle gleich, einen twie den an« 
dern, Bift alfo gütig, daß du allen zuvorfömmftmitdeiner Gna⸗ 
de, warteſt nicht, big der Menfch füchtig werde, fondern durch 
deine vorlauffende Gnade * macheft du ihn felber würdig und 
tüchtig! Lehre mich durch deinen Geift danckbarlic) erfennen 
folche deine unermeßliche Güte gegen alle und über alle. Laß 

mie 
*Gott / aus groffer Liebe und Barmpergigkeit kommt ung, (die 
wir zu allem Guten untüchtig, ja gar erftorben find) zuvor, 
reißer, locfet und freibet ung durch feine Gnade an, daß wir 
nicht allein dag Gute wohl anfangen, fondern auch mitteln 
undendigen. Alfoiftdergute Worfaß die vorlauffende Gnas 
de: das ift, nicht unfer Werck, fondern GOttes Gnade koͤmmt 

uns zuvor, und wuͤrcket ſelbſt folchen Vorfag in uns. Farem. 


fondern hat fie alle gleich lieb. sıs 


mir das Licht aufgehen in meinem Hertzen, daß ich dag gegen: 
waͤrtige mir eingefhane Gut dar herrliche Erbtheil, den Schatz 
im Acker, mit der blinden Welt nicht verlengne, fondern denfel; 
ben fleißig fische, finde, fühle, und in mic ſchmeckende gewahr 
werde. 


Caput 9. 


Beten wegen eigener Wuͤrdigkeit, iſt ja ſo 
groſſe Suͤnde, als gar nicht, beten wegen vors 
begangener Zunde. 

Eur. ıs.verf.zı. Vater, ich babe gefündiger im 

Aimmel und vor dir, und bin nicht wertb, 

daß ich dein Sohn heiſſe. 

D einer betet wegen feiner Froͤmmigkeit oder Mer wegen 
Heiligkeit, bleibet er nicht in der Mitte und in Kiter 

der Einfalt, wie ein Kind, ſondern lencket ſich kei um 

zur Rechten, laufft vor CHriſto her, wie ein ‘Dieb und ein Died. 
Mörder, ſtiehlet ihm feine gebührliche Ehre, (denn er als 
fein unfere Gerechtigkeit, Wuͤrdigkeit und Frömmigkeit 
ſeyn ſoll) und fehreibet es ſeinen nichtigen Wercken zu, 
als verdiene es der Menſch, und nicht EHriftus allein; 
als erhöre GOtt dag Gebet wegen menfchlicher Wer— 
cke, und nicht um ſeines Sohnes willen: Da doch ge⸗ 
ſchrieben ſtehet: Bey dir gilt nichts denn Gnad uf 10.84. 
und Gunſt. So wenig der Menſch hilfft dem & Son⸗8 Si i. 
nenfebein, fo wenig helffen unſere Wercke der Gnade ' 
GOttes. Abraham, Iſaac, Jacob, Elias ec. find ale 
aus Gnaden felig worden, haben alle fagen müffen : 
Ne intres in judicium! Gehe nicht ins Gericht mit 
deinem Bnecht, Pſ. 143.0. 2. 

Unterläffet aber iemand das Gebet wegen feiner Niemand 
vorbegangenen Sünde, achtet fich deromegen unwuͤrdig fÜI das Ge 
und unheilig der fallt aus der Mitten zur lincken ae 
Hand in fein Elend und Jammer, nemlich in die Lüfte; gen feiner 
zung des Sohnes GHDttes und da er darinnen ver— —* 

xret, faͤllet er endlich in Qerziveiffelung Gleich als 

are CHriſti Leiden und Tod nicht genug für vie 
Suͤnde der gantzen Welt. Darwider foll man fich 
aufrichten mit dieſen —— Ob bey uns iſt der 

Sum 


16 B.ILE. 34. Beten wegen eigener MWürdigt. 


Suͤnden viel, bep GOtt ift vielmehr Gnade ꝛc. 
. Rn. 3 YDo die Zlinde mächtig HE, da iſt die Gnade viel 
Woyfus maͤchtiger. Noftra mileria invocar mifericordiam 
Abyfum DEI, noftra infirmitas DEI virrutem, noftra indigniras 
invocat. DEI Majeftarem, noftra injuftitia DEI juftitiam. Un⸗ 
fer Elend ruffet an GOttes Barmhertzigkeit, unfere 
Schwachheit GOttes Stärcke, unfere Unwuͤrdigkeit 
GOttes herrliche Majeſtaͤt, unſere Ungerechtigkeit 
Gottes Gerechtigkeit. Es iſt ein theuer werthes 
Wort, daß Chriftus JEſus kommen iſt in die 
Welt, die Sünder ſelig zu machen, ı, Tim. 1.0. 15. 
So wahr alsich lebe , fpricht der HErr „Kerr, 
ich babe keinen Gefallen am Tode des Borzlofen, 
Tondern daß fich der Gottloſe bekehre von feinem 
Weſen, und lebe, Ezech. 33. 0.11. Es iſt nichts 
Verdammliches an denen, die in CHriſto IEſu 
find, die nicht nach dem Fleiſch wandeln, fondern 
nach dem Geift, Rom. 8.0.1. Es foll dem Bekehr⸗ 
ten nicht. fehaden, daß er gottlos geweſen, Czech. 
33.011. Darum (um die Vergebung der Sünden) 
werden dich birren alle Heiligen, Pſalm 32. v. 6; 
Sep nicht allzugerecht und allsuweife, daß du 
dich nicht verderbeft, Sey nicht allzugottlos, 
und narre nicht, daß du nicht fFerbeff sur Unzeit, 
Pred. Sal. 7.0. 17.18 Werdenwir unfere Finde 
bekennen, ſo iſt GOtt treu und gerecht, daß er. ung 
Die Sünde vergiebet, und reiniget uns vo naller 
Untugend, 1.0). 1.0.9. Seine Gerechtigkeit 
fiebet vom Aimmel, Pſ. 8 5.0. 12. | 
Solte ic) nicht ehe beten, ich finde mich denn wuͤr⸗ 
dig ooder tuͤchtig, fo müfte ich nimmermehr beten. Solte 
mir GOtt nicht ehe zu Hülffe Fommen, oder etwas 

geben, ich waͤre denn heilig und gerecht von mit felber, 

fo müfte er mir nimmermehr etwas geben. Lieber 

Ligen Menfih, was wilt du dem geben, der deines Guten 
zarrbige nicht bedarf? Roͤm. ır.d. 35. Was wolteſt du 
wire. mit deinen nichtigem Wercken oder Srommigkeit von 
EHDtt erwerben? Nom, 3. d, 24. Nichts, Es > | 
" i 


ift ſo groſſe Sünde als nicht beten c. 517 


ſich tollen alle Werckheiligen, und vor ihm ſchweigen —— 
‚alle Creaturen. Deine Wuͤrdigkeit hilfft nichts: deine nicpee. 
Unwuͤrdigkeit ſchadet nichts :_ CHriſtus hat fie zuge⸗ 

deckt und vergeben, Pſ. 32. v. 1. Derowegen 

ſage bey dir alfo: Wie cin Troͤpfflein Waſſers vom 

Meer verſchlucket wird: Alſo find meine Sunden ges 

gen der unbegreifflichen Snade IEſu EHrifti. 

D uůͤtiger GOtt und gnädiger Bater, der du meh unterwei⸗ Gebetlein. 

feft in deinem Wort, wie ich fol in CHrifto deinem Sohn war: - 
‚deln, aufdaß ich in der Mitten bleibe, und nicht falle zur Rech⸗ 

ten noch zur finden: dag tft, daß ich in meinem Sinn nicht zu 

fromm fcy, und mid) verderbe, auch niche zu boͤſe, und in meis Pr. Sal. 7. 
nen Suͤnden fterhe : Lehre mich mit Ernft bedencken. wie mich v. 17. 
meine eigene Wuͤrdigkeit nicht fordere, auch meine groffe Sünde 

in CHrifto JEſu nicht hindere, fo werde, ich feft und beftändig 
bleiben in allen Anfechtungen, und mid) nicht laffen einnehmen 

den ſchonen Teufel, der im Mittage verberbet, Laßdünckelges 
mennet. Laß mich auch nicht erfchrechen für dem Grauen des Vſ. A. v. c. 
Nachts, und für der Peftilens, die im Finftern fchleicht: So 

“werde ich in meinen Sunden nicht verzagen fondern mit frofis 

‚chem Troſt im Glauben beharren. Das wolleft du, HErr JEſu 

CHriſte, in mir anrichten, würden und vollbringen. Amen, 
Caput 10. 


Ein wahrer Anbeter darf nicht zu GOTT 
lauffen an einen gewijfen Ort, fondern er findet 
ihn allenthalben im Geift und in der 

| Wahrheit. 
Joh.4. v. 21. 23. Es komme die Zeit, daß ihr we- 
der auf dieſem Berge noch zu Jeruſalem an⸗ 
beten werdet: Denn die wahren Anruffer 
werden den Dater anbeten im Geiſt und in 
der Wahrbeit. 


O finde ich nun GOtt? Jer. 23. v. 23. Bey 
NN er Sy er — terız? Am Ende der 
*8— rden? zum finſtern Stern? Zu Jeruſalem? 
Auf dem Berge ar twort: ir 4 * 
Im Geiſt und in der Wahrheit. Zu Fuͤrſten und Das Gebet 
erren muß man weit veifen, feine Roth vorzubringen; Man kb. 
aber GOTT ift überall, erfüllee Aimmel 119 jen drrge 
Rf 3 Erden, bunden. 


g18 B.U. C. 34. Gott iſt an keinen 


Erden, Zar, 23.20.24. ft allen Sreaturen naher, 
denn fie ihnen ſelbſt ſeyn; ft in und auffer alien, 
durch alle, Eph. 4.» 6. Alle Derter find vor ihm ein 
‚einiger Ort, alle Zeiten eine Zeit, ‘Pf. ı 39.0.7. Wenn 
einer am Tage im blachen Felde wandelt, fo ift cs licht 
um ihn, er fehe oder ſey blind: Alto und naher iſt GOtt 
—5 7. allen Creaturen: Denn fie find dis Waſſer, darüber 
GHFT if GOtt ſchwebet, der durchdringet alle Geiſter, wie pur, 
A kl vein undlanter fie feyn. GOtt iſt uns allen gegenwaͤr⸗ 
tig, tig; aber wir find ihm nicht alle gegenwärtig: Das 
ift: mir befinden feine Gegenwart nicht, gleichwie ein 
Blinder das Tage⸗Licht nicht ſiehet. GOtt wen⸗ 
det ſich nicht von uns, wir aber wenden uns von 
ihme; dadurch fallen wir in Blindheit, daß wir ſa⸗ 
eh gen: GOTT habe ſich auch ee ung gewandt, ex 
uns werde, ſey zornig, ungnadig. Solche Anderung gefehicht 
und mit nur in uns und in unfern Hertzen, Da befinden wire 
Pıgsy.g Alf, und veden davon, wie wirs befinden. Alſo 
ſtrafet und quaͤlet fich cin ieder Eimder ſelbſt durch 
feine Abwendung von GOtt; Er aber bleibet immer, 
wie er iſt, guͤtig und unwandelbe ar, gerecht in ſeinen 
Wercken, obſchon Der blinde abgcke * Menſch ihn 
fuͤr sonnig, ungerecht und ungnaͤdig ad 
Eur. ry. Hieraus werden recht verſtanden die Eh üche vom 
Con. Reich GOttes, wie daflelbe nicht auſſer, fondern in 
nv.  wisfep ac. Luc, 17.0. 21. Sngleichen, was gehen 
ed mich die drauffen an? ı. Cor. 5. v.ı2. Dis wird 
Fin gemig. nicht verſtanden vom aufferlichen Ste fentiern nach dem 
fr Dur. Glauben im Geift oder innern Menfchen. Sonſt 
100 man das Reich GDttes an einen aufferlichen Dre 
bindet, ifts Antichriftiich, * wie der HErr geweilfüget, 








+ Hiermit wird verworffen 1. der Antichriftifche Wahn der 
Poͤbſtler, va man dag Reich GOttes an gemiffe Orte gebuna 
den, dafeldft die Leute Gnade und ANaß durch beſchwerliche 

Wallfahrt Holen müffen: 2. Die groffe Heucheley der 

Schein⸗Chriſten, die meynen, fie feyn alsdenn mitten tm 
" Meich GOites, wenn fie nur zur Kirchen gehen, und ohne 
And acht Glauben und Gehorſam, ohne Buſſe und Deflerung 


gewiſſen Ort gebunden. — 719 


daß man fagen werde: Siebe, bie ift Chriſtus, da 
zeiten Matth. 24. v. 23. Ort oder Stelle — 
macht weder ſelig noch verdammt; ſonſt waͤre Lucifer noch unfee 
Eein Zeufelim Himmel worden, an einem feligen Drte: lig. 
Auch ware Adam im Paradieß nicht in Suͤnde gefals 
fen . Und fo der Ort ſolte verdammen, wurde fein. 
Menfch ſelig: Denn wir find alle in der Welt unter 
des Teufels Reich, der ein Fuͤrſt der Welt iſt. Alſo 
kan ein Menfeh im Reiche GOttes ſeyn, auch in der 
Tieffe des Meers, wie Jonas, fo er nur glaͤubet Dars 
gegen Fan einer ins Teufels Reiche ſeyn Durch, den Uns 
glauben, ob er ſchon mitten in Der Kirchen ware, Pre 
digt hörete, und Saerament brauchte, ein ſolcher iſt 
dennoch vor den Augen GOttes drauſſen. 

6Er IEſu Chriſte, du einiger Weg, Licht und Pforte Gebetlein 
zum Himmel, ich preiſe dich von Hergen,daß du mid) durch fol: 00.14.06. 
che Betrachtung verſtaͤndigeſt, note ich indir, und du in mir ſeyſt, 
ich fey gleich an welchem Endeder Welt ich wolle, Ja, du leh⸗ 
reft. mich, wie du wahrhafftiger einiger Prieſter bey mir ſeyſt, 
und abfolvireft mich von Sunden, fo offt ich feuffje. Ob ich Pſ. 23 . v. 4. 
ſchon wandele im finftern Thai, fürchte ich mich nichts: denn 
du bift bey mir. Lehre mich, HErr, folches erfennen, daß ich 
ſolchen Schaß im Acker nicht mir der undandbarın Welt ver- 
leugne noch verffume, fondern deffelsen in wahren Glauben Matth. 13. 
erwarte, finde, fühle und in mir fihmecke, Amen. tt 


— | REN Caput 





des Lebens im äufferlichen Haufe oder Dre, bey der Predigt 
Göttlihes Worts fich finden laffen. Zurher. Eft locus Ec- 
cleſiæ in templo, in fchola, in.domo, in cubiculo. Ubi. 
cungue due aut tres couveniunt innomine Chriſti, ibi ha- 
bitat DEUS. Imofi quis fecum loquitur & meditatur 
verbum, ibi DEus adeft cum angelis, & fic operatur & lo- 
quitur, ut pateat ingreflus in regnum celorum, Das if: 

Der Ort der Kirchen iſt im Tempel, in der Schule, im Han, 
inder Kanımer. Allenthalben wo zwey oder drey in Chriſti 
Namen verfammlet find, da wohnet GOtt. Aa, wenn er 
bey ihm feldft redet und betrachtet dag Wort, da ift GOtt 
mit feinen Engeln, würdet und redet alfo, daß ung der 
Gang zum Himmelreich frey offen ftehe. Karen. — 


Lucher. GOTT hat nichts von Kirchen, ſondern allein 


enden geboten, welche feine eigentliche Kirchen 


520 BU.®.34, Man darff GOtt nicht 





Caput Il. 


Man darf GOTT nicht zu gewiſſen Zeiten 
anbeten, fondern mag ihn alle Stunden anfpres - 
en, wofern fidy der Menſch nicht ſelber 
verhindert. 
*Eet.da. Eſa. 49. v. 8. Cap. 55.0.6, Jest iſt die angeneb- _ 
me Zeit, ietzt iſt der Tag des Heyls. Suchet 
den RErrn weil er zu finden ff, ruffet ibn en, 


weil er nahe iſt. 


our SEAL wir etwas vom Ort wiederholen; wie felig 
den Ococra IF NE der Menfch, der im Reich GOttes ift! deun 
22 ex bat den Schaß in ihm, ex fey an welchen 

Ort der Welt er wolle, Wer aber wegen Unglaus 
bens nicht im Reich GOttes ift, dev bieibet ausgez 
Die Pelio ſchloſſen, ob er fehon mit andern Spripten Prediar ho⸗ 
Beinen Dug Lee, und Sacrament brauchete: Denn der Ort ſeliget 
gebunden. noch verdammt Eeinen, fondern Glauben oder Un⸗ 
 ... glauben, welches im Dergen der Menſchen im Geiſt 
es volbracht wird, Ein Ehrift ſey wo er walle, fo hat ex 
Drten an Die Gnade, Abfolution und Vergebung der Sünden 
Erik bey ihm; Denn CHriftus iſt in ihm. Aber dis ift nicht 
zu verfteben, daß man das mündliche Predigt⸗ Amt 
verachte; fondern zum Troſt allen frommen Hertzen, 

daß ſie in Noth, Kranckheit, fremden Orten, in CHriſto 

Be zuſſe ſind, und vicht drauſſen. Yugleichen, es wird geſagt zum 
it aufer Schrecken der Gottloſen und Unbußfertigen: ob fie: 
en fchon mitten in der Verſammlung der Chriften find, 
dat," demnoch find fie ausgefchlofen vor GOttes Augen: 
| ES ein ieder Unglaubiger ſchleuſt fich felbft aus, _ 
beraubet fich des Schatzes in ihm. Alſo hilfft 

einem gottlofen ungtaubigen Krancken gar nicht das 
Sacrament, Priefter, Pabft, wenn er gleich, mitten 

in der Kirchen ift, (0 er nicht glauber: Glaͤubet ex 

Car; fo ſchadet ihm nichts, ob er in der Türckey, Tieffe 

div Meers, ohne Priefter und Caerament ftirbet; 

denn. cr hat EHriftum den rechten Prieſter, * en 


zu gewiflen Zeiten anruffen. 521 
GOttes in ſich, wie ſolches CHriſtus gnugſam bez 
zeuget, Joh. 4. v. 21. Luc. 17. v. 21. Matth. 24, 0.23. 
O elende Leute, die ihre Seligkeit ſuchen bey ſterbli⸗ 
chen Menfchen, an leiblichen Dir binden, auf das aus⸗ 
wendige fehen! Wie viel-tanfend thun das, verlieren 
darüber den Schatz in ihnen. Aeuſſerliche ‘Dinge Mittelmas 
find nur Mittel, die man nicht verachten feliz aber und miefie 
fie find nicht der Schag felber, fondern CHriſtus und imMRorbfall 
-GHrt, * der Fan auch ohne Mittel Formen, wenn anne fo. 
wir Die nicht fönnen haben, Wir kommen alle an man fie 
einem gewiſſen Dre zufammen in der Kirchen, Damit gen an 
wir uns, einmüchiglich ermahnen und erinnern der Warum - 
Begenwärtigkeit GOttes, ruffen ihn an für gemein gi, jur 
Anliegen und Noth, üben ung in andern. Göttlichen geben, 
Sachen; alles unferthalben, daß wir arme blinde 
Menſchen erwecket, fehen und verftchen lernen, wie 
GOtt an keinem Ort verschloffen ſey, den die Zun- 
mel nicht begreiffen Finnen, ı. °B. der Kon. 8. 
9.27, Der böber iſt denn der Aimmel, tieffer 
denn die Hölle, breiter als die Erde, wie Hioh 
Sap.ın. m. 8. ſaget. en 
Wie ſichs nun nerhäft mit dem Ort, alfo auch Mit gon der 
der Zeit, an welche GOtt mit feiner Ewigkeit nicht Zeir des 
verbunden, weil er immer unwandelbar bleibet, hoͤret Gebeis. 
eine Zeit weig Die andere, Ein irdiſcher Herr hoͤret 
wicht allewege, ja gar ſelten; iegt fehläfet er, dann jaget 
er, oder hat etwas anders zu thun, wird offt verhindert; 
Unfern GOtt aber hindert die Welt nicht, ex ſiehet alle 
Dinge in einem Blick, höret, weiß alles, auch deine 
Gedanden, ebe du gebobzen biſt, Pſalm ı 39.0. 2, 
Zehlet die Haare deines Haupts, Matth. 100.30, 
7 * REST, Tau- 





+ Die Cchrüft ift ein edeles Gefäß, darinnen ung CHriſtus, 
die gemünfchte Seelen: Speife und Himmel-Brod, wird 
vorgetragen: Sie ift ein Gezeugniß von CHriſto fo kan fie 
ja nicht CHriſtus felbft ſeyn. Tanzer, Die heilige Schrift 
eiſet ung, wer der Weg fen, Joh 14.0.6. die Gnade und 
asteben: Aber fie felbft iſt es nicht, fondern unfer HErr 
CHtiſtus ift es felber, Yarem 


Offenb. 3 
v. 20. 

E: Dtte3 
geit ift als 
lezeit, die 
Erbdrung 
betreffende. 


Hertzenoͤ⸗ 
Sabbath ˖ 


2. B. Moſ. 
34: v. 6 


522 BE, 34. Man darff GOtt nicht 

Tauſend Jahr find vor ibm wie ein Tag, und hin⸗ 
wieder, Pſalm 90.0.4. Er nimmt weder zu ned) ab. 
bat weder Zeit noch Ort, iſt immer bereit zu helffer und 
zu geben, ſtehet alle Augenblif vor unferer Thür, 
wartet, wenn ihn aufgerban wird. Seine Zeit iff 
allezeit, aber unfere Zeit it nicht allegeit. Halten wir 
Fl im Glauben, fo werden wir bald erhöret. "Ach 
Here GOtt, wie reich troͤſteſt du, die gänzlich 
find verlaffen! Der Gnaden Thür ſteht nimmer 
zu: Vernunfft Ban das niche faflen,2c. Zeitliche 
Dinge bringen Deranderung in unſerm Gemüthe, hal⸗ 
ten ung ab von iunigen Gebet, darum müffen wir. ver 
geffen Zeit, Dit und aller Creaturen: Das tft, wie die 
Zeutfche Theologie Cap. 30. fagt: Du muſt verlafs 
fen bie und On, dis und Has, heut und morgen, 
und ganz in einen *Stillſtand kommen aller deis 
ner Aräffte und Gemuͤths. ern du beteft, fo 
bricht ſolcher Sabbath) an indeinem Hertzen; du ruheſt 
von allen zeitlichen Sorgen und Gedancken md GOtt 
koͤmmt alsdenn mit feinem Abort ausder Hohe: Da 
wirft du gewahr und ſchmeckeſt die Treue, Güte,und 
Wahrheit GOttes, wie fie lange zuvor auf dich war 
tete, ehe du ihn kanteſt. Da muft du bey dir mit Moſe, 
2. B. Moſ. 34.86. ſagen: Ah Are, du biſt treu, 


gnaͤdig, barmhertzig, langmuͤthig, voll groſſer 


Guͤte, kommſt allen zuvor, ehe ſie bitten. Da wirſt 
du dich verwundern, daß du aus eigener Blindheit dei⸗ 
nem lieben GOtt eine ſolche Unvollkommenheit ange⸗ 
dichtet haft, als muͤſte er durch Ceremonien, ** Ges 
ſchrey, Gebet, erſt erwecket und ermuntert werden, oder 
als duͤrffte GOtt deines Gebets langer Worte; ſo er 
doch dein Hertz geſehen, und alle Gedancken gemer⸗ 
cket, che du gebohren wareſt, DE 139. vb. 2x 

O all⸗ 


* Das iſt kein Stillſtand son geiſtlichen Wercken GoͤttlicherLie⸗ 
be, und derglei ben; ſondern vor weltlichen zeitlichen Wercken. 

xx Er verwirfft die Geremonien nicht, als wo die Einbildung 
darzu koͤmmt, es ſey mit dem Werd, da es uur verrichtet 
fey, ausgemacht. i 


zu gewiffen: Zeiten anruffen. 523 


9 allmächliger, eiwiger, gütiger GOtt und Vater, deine Gebetlein. 
Güte und Wahrheitift höher denn der Himmel, ticffer, deiin der SJob.ur. v.8. 
Abgrund, breiter denn die Erbe: vor dir find alle Derter ein 
Drr, alle Zeiten eine Zeit : Du bift über alle Derter und Zeiten, 
durchdrückeft, durchd: ingeſt, erfülleft alles, bift mir näber, denn 
ich mir felber b «., kommeſt mir mit deiner Gnade zuvor, liebeſt 
nich armen Suuder, ehe ich folches erkenne. Lehre mich durch 
deinen Geift folches alies mit Ernſt zu betrachten, ſo werde ic) 
dir,o allwiffender, algegenmärtiger Vater, hinfort aus meiner 
Unwiſſenheit nicht zumeffen, als muͤſte ich dich durch mein Ges 
ſchrey erft erwecken, hin und her lauffen, dich fuchen, und zu ges 
wiſſer Zeit anreden: fondern ic) werde verſtehen, daß dich die 
wahren Anbeter finden an allen Orten und Zeiten, und ‚deine 
Güte gegenwaͤrtig fen.: Niemand aser derfelben genieffe, noch Joh. 4: 
deine Sußigfeit ſchmecke, er werde denn durch dag heilige Geber 9?” 23. 
von dir dazu ermuntert und erwecket. Daß ich nun hierzu 
fonımen möge, wolleſt du durch deinen en Geiſt felber in 

mir würden und geben. Amen. 


Caput 12. 


Aus oßgemeldten Beratungen wird nicht 
allein Das Hers zum wehren Gebet bereitet ſon⸗ 
h bern es folgen auch Daraus andere”, 
ſchoͤne Lehren. 
Eſa. * v. 24. Ehe fie ruffen, will ich antworten, 
und wenn ſie noch reden, will ich hoͤren. 


SE fernen hieraus (1) daß GOtt nicht feinetz ro 





2* 





halben das Beten gebiete, weil er alles zuvor eig alles, 
weiß; fondern daß wir dadurch erwecket, er⸗ ebe toi 
kennen wie er zuvor alles wiſſe: Denn fo ſorgfaͤltig iſt keten. 
GOtt für uns, Daß er ein Ding nicht ehe will wiſſen, 
wir habens denn auch erfahren in uns, daß er alles wiſſe. 
Darım , wenn wir nicht fleißig beten, duͤncket ung 
Breit als wuͤſte es GOtt nicht: Wenn wir uns aber 
im Gebet üben, fo lernen wir bald, daß GOtt alles 
wife, was ung anliege, daß auch unſere Haare des 
Haupts gezeblet, ehe wir gebohren waren, Das 
alles bleibet den Berachtern des Gebets verborgen. 
(2) Daß Eo0tt nicht bedürffe langer Erzehlung, 
wie ein Menſch; ſondern wir beduͤrffen täglicher soR2 
Übung, damit der inwendige Menſch einkehre in das ner augen 
Reich GOttes. (3) Dos Frrölum. 


524 B. Il. C. 34. Aus ſolchen Betrachtungen 


— (3) Daß SOTT raufendnal begierlicher ſey, 
amneigtep (Nie D. Taulerus ſagt) zu geben, als wir zu nehmen, 
Bile Durchs Gebet und Hoffnung. 

“ (4) Daß Eott nicht bedürffe unfere Ceremo⸗ 
EOrtes nien, Aachen, Faſten, Schreyen, * dar.it er erwache 
——— der nimmermehr ſchlaͤfft, Dfalm 121. v. 4. und zuvor 

7 ‚kommt, che wir beten, ja ebe wir ihn kennen, Fer. ı. 
v. 5. Sondern daß der faule ſchlafende Menſch durch 
dieſe Dinge müffe geleitet, gefuͤhret, gereißet, ermuntert 
und erwecket werden, daß er innen werde, wie treulich 
der himmliſche Vater für alle Menfchen forge, 

7 (s} Wir fernen die unermeßliche Güte, Treue 
Bir. 1% und Barmbersigkeit GOttes gegen alle Wien- 
GH fehenz dargegen des Menfchen Blindheit, Unglau⸗ 
Pe ben, Faulbeit und unſaͤgliche Nachlaͤßigkeit, indem er 

“ Solche Treue nicht achtet, das Beten, Suchen und Anz 
Elopffen verachtt. 

6. ( aß GOtt gerecht bleibe in allen ſeinen 
Be Wercken, und keine Urfache fen unſers Mangels, 
- Gercchtigs Blindheit und Unwiſſenheit, ſondern wir felber, Die wir 
Mi nicht nach feinem Befehl beten. fuchen, anklopffen. 
- Alf vacher fich die Bosheit und Faulheit ſelbſt. Ein 

ieder Sünder plaget fich felbft, der unpartheyifche 

Gott bleibet gerecht. in feinen Wercken. 






7. (7) Daß GoOtt weder an Zeit noch an Dre ges 
oe hunden, fondern darüber rhaben, und wolle allewvege, 


wart.  allegeit, allentbelben im Beift und Wahrheit ans 
gebetet werden, Joh. 4: v. 21423. 


Diefe 





um feinerroilfen eingefest, Daß er dadurch ermuntert und 
*erwecket werde; denn er alles zubor fichet und weiß, war · 
um wir bitten werden, er koͤmmt auch ſelbſt mit feiner Gnade 


Gott bedarff aus) unfers Gebets nicht, er hat es auch nicht 


uns zuvor, ehe wir bitten; Sondern um unferewillen hat» | 


er dag Gebet verordnet, daß wir träge Menfchen dadurd) 


mögen ermuntert werden, beyde unfere groffe Armuch und 


Nochdürfftigkeit, und GOttes mildreiche Gütigfeit zu erken ⸗ 
nen. Varen. 


“ folgen auch andere fihöne Kehren. 525 

Diefe Betrachtungen entledigen den Menfchen 
von vielen Irrthuͤmern, und thun ihm gleich die Aus 
gen auf, zu erkennen, das ihm ſonſt unbekannt bliebe; 
denn foiches nicht wiſſen, iſt einem Chriſten eine grofle 
Schande: Wiſſen aber, und nicht üben, iſt noch groß 
fere Schande, | 5 “ 

O GoOtt, wecke und auf, ſo wachen mir. Zeuch ung nad) Gebetlein. 
dir, ſo lauffen wir den rechten Weg durch — ins Reich Se 

Ä ; v. 4. 





GOttes. Amen. | 
| Das XXXV. Capit. 
Eines wahren Chriſten, das iſt, Ge⸗ 
ſalbten des HErrn, Eigenſchafft und 
Kegunʒeichen iſt das Gebet, 
Pſ. 86.v. t. Are, neige deine Ohren, und erhoͤre 
mich; denn ich bin elend und artm. 


| Jer haben wir eine herrliche Lehre, daß das Beten, der 
VB Beten eines wahren Ehrjtten . Kennzeichen Erikten 
und“ Sigenfehafft ſey, und daß Trübfat das part. 
Geber erwecket. Dam _ 

1, Wer ein Chrift iſt, der ift mir dem Aal *8 
gen Geiſt gejalber und getaufft: Wenn nun ein ai 
Menfch der Falbung und dem Heiligen Geiſt Naum r- Ib. = 
und Statt giebt, Denfelben nicht betruͤbet noch verhinz"** 
dert, fo thut der Heilige Geift nichts anders indes Menz . iR 
ſchen Hertz denn daß er ohne Linterlaß feuffzer, und Rom. 8. 

den Gift des Menfchen erhebet zu GDtt, und Mit Yinkrerung 
ſich von der Erden aufführet. Gleichwie ein Eraffiiz des Heili- 
ges fudtiles Waſſer oder Spiritus aus einem Blum: ne 
fein die Krafft an fich nimmt, und mit anfführer; alfo 
iſt der Menſch GOttes ‘Blume, die der HErr ge 
pflantzet hat, Pflantzen im Hauſe des Arın, Eſa. 
61.0.3, Pſalm 92. v. 14. Die muß der Heilige Geiſt 
bereiten, und derſelben Geruch mit auffuͤhren. Nun 
es verſuchs ein frommer Menſch, er halte dem Heili⸗ 
gen Geiſt ein wenig ſtille, und verhindere ihn nicht; es 
wird nicht lange wahren, es wird ein Seufzerlein auf⸗ 
| / ſteigen; 


* 
526 B. I. C.35. Eines wahr. Chrift. Rennzeichen 


ſteigen, daß der Menſch ſagen wird: Ach lieber GOtt, 
du getreuer GOtt, erbarme dich uͤber mich! So bald 
man ein Wer yhrauch/ Myrrhen und andere Kraͤutlein 
ins Feuer legt, ſo ſteiget ein Raͤuchlein auf, und giebt 
einen lieblichen Geruch, welches ohne Feuer nicht ge⸗ 
ſchicht: Alſo, ſo bald das Feuer des Heiligen Geiſtes 
unſer Hertz beruͤhret, und daß er nicht verhindert wird, 
ſo bald ſteiget ein Geruch eines Seuffserleing und des 
Offenb.5 · Gebets auf. Das find die güldenen Raͤuchſchalen 
der Engel, und ihr geiſtlicher Weyhrauch, damit ſie 
Vrohe des raͤuchern. Iſt derowegen ein andaͤchtiges Seuffzen und 
re — eine gewiſſe Probe, ob der Geiſt GOttes im 
Nenſchen iſt. 

⸗ 2. Diß bezeuget auch die Bigenfehafft der 
en: Wohnung und Tempel GOttes des Heiligen 
Geiſtes. Was kan da anders ſeyn, da der Heilige 
Geiſt ſeine Wohnung und Werckſtatt hat, denn Be⸗ 
Zach. 1, ten? Urſach: de Heilige Geiſt iſt ein Geiſt der 
d. io. Gnaden und de; Gebets Zach. 12. v. 10. Darum 
iſt ja das Gebet ein gewiß SEEN des Heiligen 
Geiſtes, wenn es von Grund des Herkens gehet. 
Henchel⸗ Vom heuchleriſchen Gebet vede ich feßt nicht, Davon 
Gebet. ſagt GOtt Efa. 29.0. 13. DIE Volt nabet fich zu 
| mie mit ihren Lippen, aber ibr Hertz iff ferne von 
Recht Ge mir. Gin recht Gebet, das der Heilige Geiſt würcket, 
bei. fleuft aus der Dieffe des Hertzens, exprofundo & abyſſo 
cordis : Gleichwie die Waſſer⸗reichen und feifche Bruns 
nen tieffe Quellen haben, und ietieffer man die Waſſer⸗ 
quelle fuchet, ie hoͤher es ſteiget durch die Möhren: 
EHriftus iſt der Waſſer⸗ veiche Brunn des Heils. 
Efa. 55.0.1. Wohlan, alle, die ihr durſtig ſeyd, kommt her 
zum Waſſer und trincket. Sehet, welch eine tieffe 
Quelle dieſer Brunn hat, die ewige Gottheit. Und 
Job·7.v z3. wer an ihn glaͤubet, fpricht er, von deß Leibe wer⸗ 
den Stroͤme des lebendigen Waſſers flieſſen; 

das iſt, Gebet und Gaben des Heiligen Geiſtes. — 
3. Solches bezeuget auch des Heil. Geiſtes Amt; 
am des Sefollunfe Lehrer und Troͤſter feyn, Joh, 16, 23 





Ä iſt Das Gebet. $27 
Gall ex ein Lehrer und Troͤſter feyn, ſo muß er * 
Soll er reden, fo muß er eine Kirche und Tempel ha EN gehen. 
darinn er redet. Seine Birche it des Menſchen 
Her; feine Rede iſt das Seuffzen des Hertzens, ſo er 
wuͤrcket. Er hat eine verborgene und himmliſche 
Stimme.* Unſer Hertz empfindets; denn er giebt Roͤm. s. 
Zeugmiß unſerm Geiſt, daß wir GOttes Rinder” '* 
fepn, durch welchen wir ruffen: Abba, lieber Va⸗ 
ter ! Soll er troften, fo muß er ein Her haben, das J 
feines Troſtes faͤhig iſt, ein zerbrochen und zerſchla⸗ Pf. z1. vay. 
gen Hertz, Pſ. 51. v. 19. Da ein Gleichniß genom⸗ 
men von einem zerbrochenen Gliede, Arm oder Bein, 
von einem Leibe voller Wehetagen geſchlagen. Ach 
wie ſanfft thut doch einem zerbrochenen Gliede ein koͤſt⸗ 
liches Wund⸗Oel, das die Schmertzen lindert! Da 
werden die Glieder wieder zur Ruhe gebracht, als wenn | 
fie ſanfft fehlieffen: Alſo wenn das Herg durch Trau- — 
rigkeit verwundet, Durch Truͤbſal zerbrochen und gerEnitz Fein Anıe 
ſchet, Alsdenn Fan der Heilige Geiftfein Troſt⸗Amt nuͤtz⸗ am beften 
lich gebrauchen, und feinen himmliſchen Balſam hinein gan mr" 
gieffen. Er beilet, die zerbrochenes Hertzens find, 
und verbindet ihre Schmerzen, °M. 147. verſ. 3. 
Heile du mich, HSErr, fo werde ich heil; bilff du 
mir, ſo wird mir geholffen; Denn du bift mein 
Ruhm, Ser. 17.0.14. 
4. "Da fehen wir nun auch den Nutz des beili- 4 
gen Creutzes. Die Starcken bedürffen des Artz⸗ Gun. 
tes nicht, ſondern die Aranden, Matth. 9. v. 12. 
D komm, du himmliſcher Arst, wir bedürffen dein 
alle! Afrr,neige deine Ohren und erböre mich, P- 85: v.u 
denn ich bin elend und arhı, Pſ. 86.0.1. Armvon 
Gerechtigkeit. Ach es ift ein Menfch fo arın, wenn ihn 
GOttes Barmhertzigkeit nicht bekleidete, und die Ge⸗ 
sechtigkeit CHriſti nicht zudeckete, er müfte nackend u 
| N) 





11: Heiligen 





* Ex redet von der innerlichen Freudigfeit des Ölaubeng, die 
aus dem Zeugniß des Heiugen Geiſtes entſtehet, nicht aber 


‚von einiger Enthufiaſtiſchen Stimme oder eingebildeten DF; 
„fenbarung. Dor/ch, u “ 3 Dfi 


M as Elend 
bei.fi. 


Zrof im 
Elend. 


y28 B.ILE, 375. Kineswabr. Chariſt. Kennzeichen 


bioßfben vor GOttes Gericht, und vor allen heiligen 
Engeln zu Schanden werden. Hie ſind ade Menfchen 
von Natur arın, daß Feine aͤrmere Ereatur feyn moͤchte. 
Dffend. 3.0.17. WM weift nicht, wie arm, elend, 
blind und bloß dubift. - 

Auch elend, ſpricht der Pſalm. Sit eine Wuͤrckung 
der Armuth. Wer arm wird, der wird auch wol elend. 
Was heiſt denn elend? Antwort: Der nirgend keine 
bleibende Statt hat, nirgends hin weiß, und iſt von allen 
Menſchen verlaſſen, aller menſchlichen Huͤlffe beraubet. 
Ach wie elend find alle Menſchen von Natur! Wo ſol⸗ 
len wir hin? Wo ſollen wir bleiben? Haben wie 
keine andere Hoffnung, denn diß Leben, ſo ſind 
wir die elendeſten unter allen Creaturen, ı.Cor, 
15.08.19. Die follen wir all unſer geiftliches Elend und 
Armuth erfennenlernen, Wenn das gefchicht, alsdenn 
ift der himmliſche Doctor und Troͤſter da, und lehret 
dich in Deiner Armuth feuffjen nach dem Reichthum 
der Barmbersigkeit und Herrlichkeit GOttes, und .% 
deinem geiſtlichen Elend und Pilgerſchafft deine Augen 
aufheben zu GOtt, der im Himmel wohnet. Davon 
der HErr ſpricht: In meines Vaters Hauſe ſind 
viel Wohnungen, Joh. 14. v. 2. Mein Dater und. 





Mutter verlaſſen mich aber der HErr nimmt mich 


auf, Pſ. 27.v. 10. Biſt du nun elend im Erilio, im. 
Himmel iſt dein Vaterland. Biſt du grm, nackend u 
bloß; CHriſti Gerechtigkeit iſt den Bleid und Ro 
des heils, asr,d.10. Darum halt dein Kleid 
feft, daß du nicht bloß erfunden werdeft, und 
man deine Schandefebe, Offenb. 16:0. ı5. | 


Gebet. 

(SHitiser getreuer GOtt, Vater unfers HErrn IEſu CHriftl, 
der du ung nicht allein einen freyen Zugang zu Dir dur 

CHriftum verftatteft, fondern auch deinen Geiftgiebeft, daß er- 
unferer Schwachheit aufhelffe: Gieb mir, daß ich den Geift 
der Gnaden nicht Betrübe, noch mit wiffentlichen Sünven feine- 
Wuͤrckung in mirhindere. Laß ihn mich ſtets treiben zum Ges 
bet, und mein Herg ſolchem Trieb gehorſamlich folgen, damit 
ich nicht nur mit den Lippen dich verehre, fondern aus Hertzens⸗ 


ft das Gebet. 529 
Grund in allen meinem geiſtlichen und leiblichen Anliegen die 
erſte Zuflucht zu dir, als meinem in Chriſto verſohnten Vater, 
nehme: Und wenn ich dena fo zu dir komme, ob gleich arm, 
elend, bHind und bloß, fo verfchmähe du mich nicht, fondern erz Offenb. 3, 
höre mein Geber; Hilf mir durch deinen Geiſt von aller meiner 2. ı7. 
Furcht, und errette mich endlich aus aller Noth durch ZEfum Palm 34. 
CHriftum deinen lieben Sohn, unfern HErrn. Amen, v7 


Das XXXVL Copitel, 


Don dem Nuß, Frucht und Krafft des 
Gebets, und was unfer Geber muͤſſe für 
——— Grund ⸗haben. —— 
Hebr.4. v. 16. Darum laſſet ung hinzutreten mie 
Freudigkeit zu dem Gnadenſtuhl, auf daß 
weir Baͤrmhertzigkeit empfaben,- und Gnade 
finden auf die Zeit, wenn uns Huͤlffe noth 
ſeyn wird. 
Sre meine Stunme nach deiner: Gnade: — ı. 
a Malm ı19,0.149. Dasijt daserjte Sun KOttes 
: dament unfers Gebets, GOttes de er 
dieſelbe aber iftin CHriſto unferm HErrn, der ift voll erteßrund, 
"Gnade und Wahrheit; und von feiner Fülle müf pre Ge⸗ 
fer wir alle nehmen , oben, 9.16: . Darum ift er Palm 19, 
unſer Gnaden⸗Thron, Nom. 3.0. 25. dahin wir das nz 
Angeſicht unfers Glaubens wenden füllen in unfrmwas, 
Gebet, gleichwie die Kiader Iſrael ihr Angeficht im 
Gebet nach dem Gnadenſtuhl wenden muſten. Dar⸗ 
um uns der HErr in feinem beiligen Yfamen Er⸗ 
hoͤrung zugefagt, Joh. 16. 9.23. wie auch die heiliz 
gen Propheten alfo gebetet haben: Dan. 9,0. 17, Erz |, 
‚höre uns, HErr umdes AKrrn willen, —— 
. Der heilſame Nutz aber unſers Gebets iſt, wie. 
der heilige David ſagt, Pfr 19.0,149. Erquicke mich Een 
nach deinen Rechten. Oder wie es in feiner Spra- Pfalm 119, 
«the lautet: Vivifica me, mache mich lebendig; denn 949. 
aus GOttes Gnade kommt freylich das Leben. Ohne us GOt⸗ 
Gottes Gnade iſt ein Menſch lebendig todt, denn ee 
fon 1. wir ewig unter dem dorhe Gttes beten, — 
II. The as 


530 BLE.36, Dom Vlutz undSrucht des Bebets, 


Mas bilfft uns unfer Leben ohne GDttes Gnade ? 
Daher der 63. Malmv. 4. fpriht: Kerr, deine 
urſach der Güte ift beffer denn Leben. Diefelbe lebendigma- 
ZEN chende Krafft kommt auch zu ung durch CHriſtum; 
EHrifi,. Darum ifter Menfeh worden, und hat unfer Fleiſch und 
Blut an ſich genommen, daß durch fein lebendigma- 
chendes Fleiſch auch wir lebendig gemacht: würden: 
Golche Kebens= Krafft empfinden wir im Gebet und 
durchs Gebet. Gleichwie alle Die gefund wurden, die 
2uc.6.0.19, den HErrn CHriſtum anruhreten, denn es gieng 
eine lebendige Arafft von ihm aus, und beilere 
Wie die ge: fie alle, fagt der Evangelift Lucas: Alſo, wenn unfere 
ben RP Seele Franck‘, traurig und betrübt ift, und wir rühren 
zu uns kom⸗ den HErrn EHriftum an mitunferm Gebet und Glau⸗ 
wmien. ben, fo gehet eine Lebens⸗Krafft von ihm aus, die uns 
erquicket; wie manche betrübte Seele empfindet. 

Lernet demnach bie, (1) daß Fein betrübtes Herg 
Ohne Ge⸗ Fan erquicket, getröftet und erfreuet werden, obne das 
Kt fein Liebe Gebet; wie wir auch am HErrn EHrifto ſelbſt 
ſehen in der heiligen Paßion, Matth. 26.0.39. Darum 
dem lieben GOtt zu dancken, Daß er uns das liebe Ge⸗ 
bet zur Artzney unfers traurigen Hertzens gegeben bat, 
- Darum unsder HErr felbft hat lehren beten, Matth. 6. 
Palm xı9. 9.9. (2) Und weil der heilige David fpricht: Erhoͤre 
»14° mich nach deiner Gnade, erinnert er uns, daß das 
liebe Gebet ein Mittel fey , dadurch viel Gaben der 
Gnade GOttes zu uns kommen, dona gratie, als: 
Bnaden⸗ Vermehrung des Glaubens, der Liebe, der Gedult, der 
— Ge⸗Erkaͤnntniß GOttes, der Andacht, Friede und Freude 
bet. des Hergens: Welches alles herrliche Gnaden⸗Gaben 
find, himmliſche Kraffte und Schäge,beffer denn Him⸗ 
Sieg ig melund Erden. Ingleichen: ſtarcke Krafft und Sieg 
Gebet. wider die Welt, den Teufel und alleunfere Feinde; wel⸗ 
che geiftliche Staͤrcke allein im Gebet jtehet, dadurch 

David und alleHeiligen ihre Feinde uberrvunden haben; 

Wie wir fehen an Mofe, Elta, Joſaphat und andern, 

daß fie ihre Starcfe und Sieg im Glauben undim Ge⸗ 
bet gefuhret haben. (3) Es hat auch ein ieder des 5— 

* ebet 





und was es für Grund muͤſſe haben. ur at 


Gebets hoch von nöthen in ſeinem are Zimt nt und ® et 
Stande / demſelben vecht vorgufichen, daß es gl lücklich rip 
hinaus gehe: Und in Cumma, daß GO um unermBe⸗ 
‚feinen Heiligen Geiſt, Troſt und Beyſtand in allen ruf 
Noͤthen anınfye, weil roir auf dein wilden Meer Diez” 
EX Lebens täglich in Gefahr ſchweben. Darum ſpricht 
David ferner: 

Meine bosbafftigen Verfolger wollen mir = 
zu, das ift, freiten wider mich, und find ferne von dei- Ban 
nem Befege, "Pf. 119. d.150. Da iſt nun Beten Pam ug, 

vonnoͤthen; denn was der Satan ſelbſt nicht thun Fan, 9 5% 
darzu gebraucht er fein Werckzeug, boshafftige, Leute, 

die Tag und Nacht darauf gesenchen, wie fie undern 
mögen beykommen: Für ſolchen boshaffligen Leuten iſt 

keiner ſicher. Dawider ift die beſte Artzney, einen Lob⸗ — 
Pſalmen zu GOtt geſungen; wie im 18. Pſalm, v. 4. 
ſtehet: Ich will den “ Eren loben und ancuffen, 

fo werde id von aller meinen geinden errettet. 
Und im 25. Malm,d.r. 2. Nach dir, Afrr, ver> 
langer mich. Mein GoOtt, laß mich nicht zu 
Schanden werden, daß ſich meine Feinde nicht 
freuen über mich. Denir Feiner wird zu Schan⸗ 
den, der dein harret aber zu Schanden můͤſſen fie 

wer den, die loſen Derachter. 

Es iſt gaber wohl zu mercken, da der heilige David ad 
foriche: Sie find De von deinen Befege Das J—— 
ſind alle, die andere Leute verfolgen, ſie ſind ferne von 
GOttes Wort, und von ber heiligen Furcht GOttes; 
ſind ſie aber ferne von GOttes Dort, fo iſt auch Gott 
ferne von ihnen: Darum it ihr Fall nahe, und ihr Linz 
glück wird ploͤtlich kommen. Ein gläubiges, gottsfuͤrch⸗ 
tiges Hertz aber nahet ſich zu GOtt durchs Gehet. 

(2) Und indem wir nun unſere Hertzen täglich zu Herrlichet 
Gott erheben, und alfo täglich mit ihm umgehen, Fom- Gipere 
men wir GOtt immer naher, vergeffen allgemach der 
Erden und der Welt und werden aus irdiſchen Menfchen 
geiftlich und himmnliſch. Wie vorzeiten Moſes, da 2.B. Woſ⸗ 
er mit GOtt vierzig Tage ie Naͤchte Geſpraͤch Sue, WAR 


532 B.I.C. 36. Dom Nutʒ und Frucht des Gebets 


uͤberkam er ein glaͤntzend Angeſicht. (2) Und gleich⸗ 
wie wir die Sitten und Tugenden lernen deſſen, mit 
dem wir ſtets umgehen, und haben mit niemand mehr 
Luft umzugehen, denn deſſen wir gewohnet ſeyn: Alſo 
durchs taͤgliche ſtetige Gebet lernen wir die Sitten 
und Sprache des Himmels, und werden mehr und 
mehr in der Liebe GOttes angezuͤndet. (3) Ja, das 
liebe Gebet wehret vielen Suͤnden, und iſt ein Praͤſer⸗ 
vativ wider zukuͤnfftig Ungluͤck und Anfechtung; wie 
Matth · 26 der HENM ſagt: Wachet und betet, daß ihr 
4 nicht in Anfechtung fallet. Und wenn. uns dem 
etwas begegnet, fo wiſſen wir, daß es eine Schickung 
Des Almächtigen, und laffen gerne feinen Willen an 
uns vollbringen in aller Gedult, und bitten um Linder ' 
| rung des Creutzes. 
palm. Are, du bift nahe, und deine Gebot find eitel 
v. in. Wabrbeit. Hie ſetzet der heilige Daviddenendern 
und dritfen Grund und Fundament unfers Gebets: 
GOttes Gegenwart und GOttes Wahrheit. 

1. GOttes Gegenwart tröftet uns in unfern höchften 
Der andere Noͤthen, Jeſa. 41. v. ro. Fuͤrchte dich nicht, ich bin 
fers Sebers mit dir, weiche nicht, ich bin dein GOtt, ꝛc. Dar 
Be um koͤnnen wir ihn auch an allen Orten getroſt anruf⸗ 
Matıh. s. fen. Es fpricht wohl der HErr: Wenn du beten ' 

vis wilt,fö gebe in dein Kämmerlein, und fehleuß die 
Thür nach dir zu, und bete zu deinem Pater im 
Verborgenen und dein Dater,der insDerborgene 
fiebet, wird. dirs vergelten öffentlich, Matth: 6. 
v. 6. Aber damit bindet er das Gebet an keinen ger 
yoiffen Ort, fondern er redets nur wider Die Heuchler, 
die nur zum Schein öffentlich beten. . 
Vom heiligen Ertz⸗Vater Iſaae lefen-wir, daß er 
gegen Abend aufs Seldgangen fer zubeten, 1. B. 
Moſ. 24.v. 63. Ja vom HErrn EHrifte felbjt lefen wir, 
daß er allein auf einen Berg gangen ſey zu beten, 
und die gantze Nacht im Gebet verharret, Luc. 6. 
v. 12. Alſo koͤnnen wir auch an allen Orten und zu 
allen Zeiten beten, ſonderlich wenn wir allein ſeyn, und 
’ vom 


und was es müfle für Grund baben. 533 


vom. menfihlichen Gefprach gemüßiget, Und foll uns Das bee 
diefes eine Anmahnung ſeyn, daß wir mit GOTT Gare“ 
ein Gefpräch anftellen, und ftets hieran gedencfen, ven. 
was David hier fügt: HERR, du biſt nahe. Iſt Zer DEr 
denn der HENN nahe, fo Tonnen wir ja nichts bee" nahe. 
fers thun, denn mit ihm veden, Ef, 55. v. 6. Ruffer 

ibn an, weil er nabe ift, Df; 145.0. 18. Der HErr 

iſt nahe allen, die ihn ancuffen, 

So ſtaͤrcket auch GOttes Wahrheit unſer Ge⸗ —— 
bet maͤchtiglich; denn wir wiſſen, GOtt hats (1) Der grund des 
fohlen, Pf. 50. v. ı5. Ruffe mich an. Er hat (2) Gebeis if 
Erhsrung gugefagt, Efa. 65. 0.24. Ehe fie ruffen, gopıpeit 
will ich hören, wenn fie noch reden, will ich ant⸗ 
worten. Cr hats (3) auch in der That geleifter. 

-  Mandäavit, promifit, preftitie. Er hats befohlen, ver 

heiſſen und geleifte. Sehet an die Exempel Mofis, 
Samuelis, Davids, Kofua, des Eornelii in der Apo⸗ 
ſtel⸗Geſchicht; deſſen Geber und Allmofen find vor 
GoOtt kommen, Ap. Geſch. 10.0.4. GEH 

Der Exempel iſt die Schrift voll. Und wenn du Zroft im 
gleich gedencken möchteft: Sa, wenn ich Mofes, Elias, Oebet. 
David, Joſua ware? Antwort: Es find gleichtwol 
Menſchen gewefenz wie Jacobus fagt, Cap. s.d. 17. 

Aber ift Cornelius in der Apoſtel⸗Geſchicht? Ein Das Set 
Heyde. Wer ift Manaſſe? der gröfte Sünder. ven wird 
GOtt hat den Elenden Erhoͤrung zugefagt, Pſ. 34. erhbret. 

v. 7. Da dieſer Elende rieff, hoͤrete der BEERRX. 
Palm 102. v. 18. Kr wendet ſich zum Geber der 
Derlaffenen, und verſchmaͤhet ihr Geber nicht. 
Malm 9.9.19. Die Hoffnung der Klenden wird 
nicht verlöbren Tepe ewigliche 7 N: Te, 5 

Zuvor weiß ich, daß du deine Zeugniffe ewi⸗ Der ardte 
glich gegrundet baft, Dr. 119,0, 152. Dis ift cin Grund une 
gewaltiger Spruch, und ſtaͤrcket mächtig unfer Geber fer Selber 
und Siauben, und it der vierdte unbewegliche Grund 
unfers Gebet. GOttes Wort und Verheifjung Wort, 
hat einen ewigen Grund, nemlich GOTT ſelbſt, und aan nm 
feinen lieben Sohn JEſum ya au, deifelben 

3 iſt 


Der ewige 
Grund, 


t Der. a 
6 


534 BI. E36. Vom Nutʒ und Zrucht des Gebets, 


iſt GOttes Wort und unſere Seligkeit gegrundet, ehe 
der Melt Grund geleget iſt, Eph. 1. v.A. Was 
einen ewigen Grund hat, das kan nichts zeitliches um⸗ 
ſtoſſen. Dahin St. Paulus Nom. 8.933. ſiehet: 
Daß weder Hohes noch Tieffes, weder Gegen⸗ 
waͤrtiges noch zukuͤnfftiges weder Kagel noch 
Sürftenthum, uns von der Kiebe GOttes fehei- 
den kan. 

Iſt das nun nicht ein groffer Troſt, Daß unfer 
Glaube, unfer Gebet einen ewigen Grund, ja einen 
ewigen Urfprung hat? Das foll ung erfreuen, fo 
offt wir dran gedenifen, wie der Prophet Jeſaias 
am 28.90.16. fpricht: Siebe, ich lege in Sıon ei- 
nen Grundſtein, einen Föftlichen Eckſtein, der 
wohl gegruͤndet iſt: Wer glaͤubet, der flacht 
nicht. Oder wie es St. Petrus ausleget: Der 
wird nicht zu ſchanden werden. Und St. Pau⸗ 


Alus, 1. Cor. 3. v. 11, Es kan kein anderer Grund 


De bono 
Orationis. 


* 


geleget werden, denn welcher gelegt iſt, IE— 
ſus Thriſtus. Und -abermal: Der feffe Grund 
GoOttes beſtehet, und bat dis Siegel: GOtt 
kennet die Seinen, 2. Tim. 2.0. 19. | 
Diefen Grund werden die Pforten der Aöllen 
nicht uͤberwaͤltigen, Matth. 16.0. 13. Das it unfer 
stesoua und Grundfeſte unſers Heils, Geligkeit und 
Glaubens, der fefter it dena Himmel und Erden. 


Se enim Oratio Alloguium divinum, Clavis Ceeli, 
Flos Paradifi, Libera ad DEum acgeflio, Domettica 
DEI, secretorum DElcognitrix, Myfteriorum releratiix, 
Donorum DEI acquißerix,Spiritusle convivium, Ceelefte 
delicium, Favus lJabiorum deftillans, Virturum nutrix, 
Viticrum vidrix, Culpz deprecatio, Medicina animz, 
Imbeciläratis remedium, Peccatorum antidorum, Co- 
Jumna mundi, Medela populi, Semen benedidtonis, 


Nortus felicitat's, Arbor jucunditatis, Fidei augmentum, 


Spei fulerum, Chärimts mater, Juſtitiæ femita, Perfeve- 


rantie conleryauix, Prudentig fpeculum, Temperantiz 
magi- 


und was es muͤſſe für Grund haben. var 


3 3 EEE FE EEE RR 
magiftra, Caiticatis robur, Sandlitatis decus, Pietatis in- 
cendium, Scientie lumen, Sapientiz cellarium, Fiducia 
animi, Remedium Pufillanimiratis, Pacıs fundamentum, 
Cordis gaudium, Jubilus mentis, Fida hujus peregrina- 
tionis comes, Militis Chriftiani fcutum, Humilitatis nor- 
ma, Honeftatis previa, Patientie nutrimenrum, Obe- 
dientiz cuftos, Tranquillitatis fons, Angelorum imita- 
trix, Fuga demonum, Meeftorum confolatio, Juftorum 

exultatio, Sandorum Ietitia, Oppreflorum auxiliatrix, 

Aflitorum refocillatrix, Lafforum quies, Confcientie 
ornamentum, Gratiarum incrementum, Sacrificii Eu- 
chariftici odoramentum , Benevolentig incitamentum, | 
Vitz erumnofe lenimentum, Mortis edulcoratio, Vitæ 
beatz przguftario, Salutis æternæ expetitio. 


en das Gebet ift ein Gefpräch mit — ein Den den 

Himmels-Schlüffel, eine Blume des Paradifes, Syn, 
ein freyer Zugang zu GOtt, ein Hausgenofje GOttes, des Ge⸗ 
eine SrEennerin dev Heimlichkeiten GOttes, eine Dffenz bets. 
barerin der Geheimniſſe GOttes, eine Exbitterin der 
Gaben GOttes, ein geiftliches Wohlleben, eine himm⸗ 
liſche Lieblichkeit, ein Honigſeim der Lippen, eine Erneh⸗ 
rerin der Tugenden, eine Uberwinderin der Laſter, eine 
Abbittung der Schuld, eine Artzney der Seelen, eine 
Huͤlffe der Schwachheit, eine Gifft⸗Jaͤgerin der Sünde, 
eine Seule der Welt, eine Verſoͤhnung des Volcks, 
ein Saame des Segens, ein Garte der Gluͤckſeligkeit, 
ein Baum der Lieblichkeit, des Glaubens Vermehrung, 
der Hoffnung Enthaltniß, eine Mutter der Liebe, eine 
Megel der Gerechtigkeit, eine Exhalterin der Beſtaͤndig⸗ 

Reit, ein Spiegel der Klugheit, eine Meifterin der Map 
ſigkeit, eine Stärcke der Keufchheit, eine Zierde der Hei⸗ 
ligkeit, eine Entzuͤndung der Gottſeligkeit, ein Licht der 
Wiſſenſchafft, eine Kammer der Weisheit, eine Zuver⸗ 
ficht Des Gemüths, eine Artzney der Kleinmuͤthigkeit, ein 
Sumdament Des Friedes, eine Freude des Hertzens, 

ein Jauchzen des Gemuͤths, ein Gefehrte diefer Pils 

gimſchafft, ein Schild des Chriſtlichen Ritters, eine 
$l4 Nichts 


Hebr. 3, 
dp. IL, 2 
Lue 14, 
124 


Eph.2.0.3- 


536 B.II. C.36. Vom VNutʒ und Frucht des Gebets, 


Richtſchnur der Demuth, eine Vorgaͤngerin der Er⸗ 
barkeit, eine Speiſe der Gedult, eine Huͤterin des Ge⸗ 
herfams, ein Brunn der Ruhſamkeit, eine Nachfolge⸗ 
rin der Engel, eine Vertreiberin der Teufel, der Trauri⸗ 
gen, Troſt, der Gerechten Freudigkeit, der Heiligen 
Froͤlichkeit, der Untergedruckten Helfferin, der Elenden 
Erquickerin, der Muͤden Ruhe, des Gewiſſens Schmuck, 
der Gnaden⸗Gaben Zunehmung, des Danck⸗Opffers 
Geruch, der Guͤtigkeit Anregerin, der Muͤhſeligkeit Lin⸗ 
derung, des Todes Milderung, des ewigen Lebens 
Vorſchmack, der ewigen Seligkeit Begierde. 


Gebet. Fr 


Ch du barmberkiger, guädiger, langmuͤthiger, gedulfiger 

GOtt und Vater, ic befenne und Flage dir mein Glen, 
daß ich mich durch meine vielfältige Sünde von dir, von deis 
ner Gnade und Liebe ſelbſt abgeivandt, und offt deine Gnade 
und Barmhertzigkeit verachtet und verſaͤumet habe : Ach vergieb 
mir dieſe ſchwete groſſe Cünde, wende die Strafe von mir ab, 
da du draͤueſt, du woleſt mir Verſtoctung und Blindheit ſchla⸗ 
gen, und follen folche Veraͤchter nimmermehr zu deiner Ruhe 


kommen, und dein Abendmahl ſchmecken Ach fen mir gnäs 


dig! denn ich erkenne, daß ich fo gar nichts bin auffer Dir, 


nichts denn Finfterniß und Irrrhum nichts denn ein faules 


Aas und Speifeder Würme, ein unrein Gefäß, ein Kind des 
Zorns und ewiger Verdammniß. Ich erfenne und befenne, 
wo du mich mit deiner Gnade nicht erleuchtefi, fo muß ich ewig 
im Sinfterniß bleiben : Wo du mich nicht Iehreit, fo bleibe ich 
unwiſſend in allen Dingen; Wo du mich nicht leiteft, ſo irre 


ich: Wo du mich nicht reinigefkt, fo bleibe ich ewig ein unrein 


ſtinckend Gefäß; Wodu mich nicht lebendig macheftmit deinem 


Geift und Gnade, fo bleibeich ewig in dem Tode: Wodu mic) 


‚nicht felig macheſt, fo bleibe ich ewig verbarämt. Ach ich bitte 


und flebe um deine Gnade, die alles gut machet, was in mir 
die boͤſe Natur verderbet hat, laß deine Gnade alles allein in 
mir wuͤrcken, und nicht meinen bofen Willen, mein Sleifch und 


Blut mein boͤſes Hertz und Affecten, fondern deinen Geift und 
» Gnade. Deine Önade ftärcke meinen Glauben, erwecke meine 


Siebe, erhalte meine Hoffnung. Laß deine Gnade ſeyn meine 
Freude, meinen Ruhm meinenTroſt und Leben Laß deine Gnade 
in mir wuͤrcken Sanfftmuth, Demuth, Gedult, Gottesfurcht, 
Andacht und Gebet. Deine Gnade macht und wuͤrcket alles Gus 
te, denn fie iſt alles Gutes. Ohne deine Gnade fan und mag ich 
nicht leben, auch nicht ſelig werden. Ach gieb mir ein folch * 


und was es müffe für Grund haben. 537 





daß ich allein an deiner Gnade hange; daß ich mir allein an 2. Cor. ız, 
deiner Gnade genügen laffe, ob ich fonft in der Welt weder ® 9. 
Gut noch Ehre habe; denn deine Ginade iſt der hachfle und 
theurefie Schatz. Deine Gnade befelige mich mit geiftlichen Epheſ. 1. 
himmliſchen Gütern, deine Gnadg Ichre mich, fie erleuchte mich," 3 
fie erhalte mich, fie'beilige mich ; Deine Gnade erfieue mich, 
und fen ein Licht meines. Hergens, eine Negiererin meiner. Ge: 
dancfen, eine Rathgeberin in meinen Anſchlaͤgen, mein Troft P1-94.0.19, 
in meinem Beträbnig, meine Sreudigfeit in meinem Gemiffen, 
meine Zuchtmeifterin in meinen. Begierden, eine Mittlerin 
nieiner Affecten, eine Hüterin meines Mundes, eine Pflegerin 
meiner Seelen, eine Wärterin meines Leibes, eine Wächterin 
meiner Augen und Sinnen, Laß mirdeine Önade fuͤrleuchten 
in allen meinen Gefhäfften; Denn was bin ich ohne deine Gna⸗ 
de? Ein dürres Holtz, darinnen fein Gafft iſt, daraus feine Jop.rz.v.6. 
gute Frucht mächfer, welches nur ind Feuer gehöret. Laf deine 
Gnade fters auf mich warten, und mic) erhalten, daß ich nicht 
firauchele: laß mich deine Gnade aufnehmen, wenn ichzu dir x 
komme; laß mid) deine Gnade leiten, daß ich nicht irre, und 
laß fie mich nieder zu rechte bringen, wenn ich irre gehe; laß 
mich deine Gnade jahmen und regieren, wenn ich aus Unges 
dult zu viel rede und thue. Laß deine Gnade in mir viel Srucht 
Bringen; laß mich deine Gnade wieder aufrichten wenn ich falle ; 
laß deine Gnade mein Geriffen heilen, wenns verwundet iſt; 
laß deine Gnade mir freundlich begegnen, wenn ich dich anruffe 
laß mich Gnade finden, wenn ich dein Angeficht fuche, lag mir Mattb. 7. 
deine Gnade aufthun, wenn ich anklopffe; laß mich deine Gnade " # 
leiten und führen, mo ich gehe oder ſtehe, liege oder fiße, r 
mache oder fhlafe, lebe oder fterbe: Laß mir Gutes und Bars Pl. 23. v. 6, 
hertzigkeit nachfolgen in diefem und im ewigen Leben, durch 
JEſum CHriſtum unfern HErra. Amen, 
won 03 ..Das XXXVII. Capitel. | 
Grund und Urfach, daß EDEL unfer 
Gebet gewiß und gnadig erhore, 
Pſalm 86. v. 5.6.7. Denn du, der, biſt gut und 
gnaͤdig, von groſſer Güte, allen, die dich an⸗ 
ruffen. Dernimm, HErr, mein Gebet, und 
mercke auf die Stimme meines Slebens. In 
der Noth ruffe ich dich an, du wolleft mich 
erhoͤren. 
IS ſaget der Prophet Jeremias in feinen Klag⸗ Frof im 
liedern am 3. Capitel,d. 22. faq. Die Büte des Ganz" 
BSErrn iſts, daß wir nicht gar aus find. Gite. 
Seine Barınbergigkeit ar noch kein Ende, * rein 
$ ern 


538 B.U.E.37. Brund und Urfach, daß GOtt 


‚dern ift alle Mörgen neu, und deine Treu iſt 
groß. Der HErr ift mein Theil, ſpricht meine 

Seele, darum will ich auf ihn hoffen. & 
Allhier troſtet uns der H. Geift in unferm Ereuß, 
daß uns GOttes Gute und Barmhertzigkeit erhalte, 
fonftiwurden wir bald ausfeyn. Wie GOtt eine Ver: 
wechfelung des Kichts und Finfterniß im natürlichen 
Leben gemacht, alſo auch im geiftlichen Leben: Daift 
Finſterniß und Licht, Traurigkeit und Freude, wie in der 
Natur. Alſo muß das Kicht immer wieder aufger 
ben im Sinftermiß, und Sreude den frommen Her⸗ 
ei, Pr 97.0. 11. Denn die Güte GOttes ifts, die 
alle Menſchen im Leben und im Gedeyen erhält: denn 
in GOtt leben, weben und find wir, Ap. Geſch. 17. 
v. 28. GoOtt iſt ein Urfprung und Brunnen des Les 
Beweis, bens und alles Gutes: Das beweifen feine Wercke. 
das BON. Denneiniedes Efedum oder Wuͤrckung beweiſet feine 
böchfes Caufam und Urſprung; weil GOtt alle lebendige 
Braun Dinge gemacht hat, fo muß er ſelbſt das Leben feyn: 
felöfi fen. Weil er alle Dinge gu gemacht hat, jo muß er ſelbſt 
das hoͤchſte But ſeyn: Weil er alle Dinge lieblich 
gemacht hat, ſo muß er ſelbſt die Liebe ſeyn. Darum er 
Warum er genannt wird ein lebendiger GOtt. (Dir biſt Chri⸗ 
Ki EN ſtus des lebendiger GOttes Sohn, fagt St, Per 
beiffe: trus Matth. 16,0, 16.) nichtallein ab effentia,von dern 
Weeſen, darum, Daß er für fid) lebe, fondern sb effectu, 
von der Wuͤrckung, daß er alle Dinge lebendig mache, 
und im Leben erhalte, allen Dingen Leben und 
Othem gebe, Ap.Bchh. 17.02 5.M.104.0.27. Dan. 
5.0.23. Dit Haft die todten Böen gelobet, aber 
den GOtt, der deinen Othem und alle deine Mes 
ge infeiner Hand bat, haſt dunicht geebret. Jer.2. 
v. 13. Mich die lebendige Quelle verlaffen fie, 
und graben ihnen bie und da Brunnen, die fein 
Waefler geben. 5. B. Mof. 30.0. 20. Sch bin dein 
Leben, und die Länge deiner Tage. Pſalm 27.0. 1. 
sorik Der HErr iſt meines Aebens Brafft. Daraus 
das Leben · kylget, daß GOtt aller lebendigen Dinge Leben a 
‘ \ € e- 


unfer Bebet gewiß erböre. 539 


EEE ne TEE WR ET NT" ua RE 
effedive, wuͤrckende, daß er Das Leben in allen würdet 
und erhält, und es fleußt aus GOtt, als die Wärme 
aus der Sommen, davon nicht allein der Menfch,fondern 
auch alle Kreaturen leben, wie St. Paulus fpricht: 
Roͤm. 11, 36. Von ihm, in ihm, und durch ihn ſind 
alle Dinge, ihm ſey Ehre und Macht in Kwigkeit. 
Amen. Col. 3.0.11. Alles und in allen CHriſtus. 

Wiewol nun alle Syeatunen aus GOtt ihr Leben Dreverley 
nehmen, fo hats Doch der Menſch in excellentiori gradu, a. “ 
in einem hoͤhern Grad: Der Aienfh hat das edelfte 
Leben unter allen irdischen Creaturen, wegen der 
vernunfftigen Seele, fo in ihm wohnet. Darnach der. 
Engel Leben iſt noch edler und in höher Grad, als 
des Menfchen, weil &Drtes Herrlichkeit in ihnen leuch⸗ 

— Daher ſie genannt werden Engel ſeiner Krafft, 

Theſſ. 1.0.7. denn fie find keiner Eitelkeit und Ver- = The. n 
an unterworfen, wie der Menſch. Damah*” 7 
EC Ariftus unfer Here, der bat das alleredelfte Leben, 
dieweil er wahrer GOtt und das Leben felbjt ji: Er 
ift der wabrhbafftige GOtt und das ewige Keben, 

1. Joh. 5.0, 20. und hat das Leben im hoͤchſten Grad, 
Dkus de, DEO, Lumen de lumine, DEus verus de vero 
DEO. GOtt von GOtt, Licht von Licht, wah⸗ 

rer GOtt von dem wahren GOtt. 

Wie nun das Leben aus GHDtt it, alfo alle Guͤ⸗ Alte Crea⸗ 
tigkeit. und Güte ift in GOTT und aus GOTT; Hrn, bar 
denn er ift das ewige Gut; und alles, was aut ift und Mereimal 
gut heiſt, ift aus dieſem Brunnen gefloffen: Darum I, er 
haben alle Ereaturen ein Tropfflein der Gütigkeit tes. 
G0Ottes, darmit fie ihren Schöpfer begeugen, glei) 
als redeten fie mit uns, und zum Exempel fpräche der 
Weinſtock zu uns: Siehe Menſch, Die Suͤßigkeit 
habe ich von meinem Schoͤpffer, damit ich dir dein 
Hertz erfreue. Und das Brod ſpraͤ ae ju ung: Ges 
het, diele Krafft zu fättigen habe ich von meinem und 
euvem Schoͤpffer, ꝛc. Das böchffe But bat alle 
Creaturen mit dem Tröpfflein feiner. Guͤtigkeit 
beſpreget ſagt St. Auguſtinus, zu dem Ende, 


540 B.II. C.35. Grund und Urſach, daß GOtt 


es demm enſchen ſolte zu gute kommen, Pfalm 65. 
v. 12. Du croͤueſt das Jahr mit deinem Gut, und 
deine Zußſtapffen trieffen vom Fette. 
as nun in der Natur GOttes Guͤtigkeit heiſt, 
Bohlen nature. Die Guͤtigkeit der Natur, Das „heilt 
theologice in der Schrift GOttes Gnade: Jeyes 
gehet den Leib an,diefesdie Seele. - Wie nun GOtt 
in dem groffen Buche der Natur auf taufenderley, 
Weiſe feine Gütigkeit geoffenbaret, und dem Men⸗ 
fehen zu erkennen gegeben; Alſo in dem Buche der 
beiligen Schrift hat er ungehliger Weiſe feine 
Gnade und Liebe geoffenbaret, welches alles in CHriſto 
JEſu erfuͤllet iſt; denn in Cehriſto iſt zuſammen 
gefaſt alle Guͤte und Liebe im Himmel und Erden, 
ddarinn iſts alles. 
Omneba- Wasg nun gut und übergut iff,das theilet fich 
munican gerne felbft mit, fonft Fonts nicht gut ſeyn: denn 
vun füi, wie wülte man font, obs gut waͤre, wenn fichs nicht zu 
alas von erkennen gaͤbe? Alfo hätte niemand gewuſt, wie gut 





2 


num. und gnadig GOTT wäre, wenn er feine Gute und 


Gnade nicht geoffenbaret und mitgetheilet hatte. 
er hätte gewußt, wer EHriftug wäre, wenn er 
ſeine Liebe nicht an ung bewiefen? 

Funda Warum hat ſich GOtt aber aeoffenbaret, daß 

fer Glan er. gut, guadig, und barmbersig ſey? "Darum, daß 

bens, Liebe wir an ihn gläuben, ihn über alle Dinge lieben, und 

un SG ihn in allen Noͤthen anruffen füllen. Und durch Die 

Dffenbarung hat er unfer Gebet erwecket, und ins 
Rn 10. Hertz pflangen wollen; denn wie foll man anruffen, 

4 den man nicht kennet; Mehmet aud) ein Crempel - 

2.8. Mof. von Mofe, 2. B. Moſ. 33:9. 19. 20, 21, als er wolte 

3.0.30. GOttes Angeficht ſehen, daranf (prach der HERR: 

Mein Angeſicht Ban Bein Menſch feben, und le= 

bendig bleiben; das it, in weinem unbegreifflichen 

Weſen; aber das will ich thun: Ich will dich 

auf einen Selfen ſtellen, und vor dir über geben, 

mo vor mir bergeben laſſen alle meine Güte, 

(Nora, nicht ein Vopfflein meiner Gute, oder einen 

Parti⸗ 


N 


unſer Gebet gewiß erböre. 4 


Partickel davon, wie du in allen Creaturen ſieheſt, ſon⸗ 

dern alle meine Guͤte ſolt du ſehen und empfinden) ſo 

wirſt du mir hinten nach ſehen; Das iſt, du wirſt 

aus meinen Wercken mich erkennen lernen. Als nun 

GOtt der HErr in den Wolcken hernieder Fam, und 

alle feine Gute und Herrlichkeit vor Moſe ubergieng, 
rieff Mofes: HErr, HErr GOtt, barmhertzig und 2.3 Mof. 
gnädig, gedultig, von groffer Gute und Ereue, + * 
der du miſſethat und Suͤnde vergiebeft,und barm⸗ 
hertzig biſt in tauſend Glied, vor welchem nie⸗ 
mand unſchuldig iſt. Sehet, ſo bald nur Moſes die 
Guͤte GOttes empfand, ſchrey und betet ale. 

So hat nun der allmaͤchtige GOTT feine Güte, In CHrife 
Gnade, Liebe und Treue den Menſchen offenbaret, und MaleDüte 
eben ſowol für uns laffen übergehen, wie vor Moſe, Bortes 
auf daß wir auc) alfo ruffen und beten follen, wie Mo⸗ Inn 71 — 
ſes. Ja, ſprichſt Du, wie iſt denn ſolches geſchehen? fenvarer, 
Wenn ſich GOtt mir auch alſo offenbarete, wie Moſi. — 
‚Antwort: Es iſt in CHriſto geſchehen, in demſelben (gender, 
hat GOtt alle ſeine Guͤte laſſen vor uns uͤbergehen ſicht⸗ 
barlich; denn wir ſahen ſeine Herrlichkeit, eine 
Herrlichkeit, als des eingebohrnen Sohnes GOt⸗ 

‚tes vom. Dater, voller Gnade und Wahrheit, 
Feh ® 
Wenn wir hun dag bedencken, was EHriftus für 
uns gethan, fo möchten wirwol ruffen: HErr, HErr 
Gott, barmdergig und anadig, gedultig , und 
von guoffer Gnade und Treue. , 

Da fehen wir, wiedas Vorbild effüllet ift, und wie 
GOtt in den Wolcken vom Himmel gekommen, und 
feine Gutevor uns laffen übergehen in CHriſto, feiner 
heiligen Menfchwerdung. 

Als Paulus und Barnabas zu Athen unter den Apotek 

Heyden groſſe Wunder thaten, fprachen die Leute un Gb. 1, 
ter einander: Die Götter find vom Himmel kom: 
‚men, und Mienfchen worden. Das war ihr Judicium 
und Urtheil. Alſo iſt alle Gute und Gnade GHDttes + 
in CHriſto von ihm zu uns auf Erden Eommen, — 


542 B. II. C.37. Grund und Urſach, daß GOtt 


und Gebet erwecke: Denn EOtt theilet uns feine Gute 
und Gnade mit durchs Geber. 


Sara Hierbey follen wir nun etliche Haupt⸗Grůnde mer 
- infereren cken, daß GOtt unfer Gebet gewiß erhoͤre: 
hörung. 1. So iſt das Gebet einer folchen Art, daß es einen 


GH guͤtigen Menſchen leicht beweget, ja einer folchen At, 
Gür- Daß es auchofft einenharten Menfthen beweget; wie 
Luc 18.0.5. 90, 18.0.5. von der Wittwen und ungerechtem 
Richter gefchrieben iftz Da beweget die Wittwe end⸗ 
lich den harten Richter durch ihr -offteres Gebet: 
Denn das Gebet, weil es aus dem Geiſt koͤmmt, iſt 
| eine Stärsfe der Seelen, dadurch manchem das Ders 
GH in offt eingenommen und bewogen wird. Diewelfdenn 
an nun GOtt nicht ein harter GOtt ift, fondern die hoͤch⸗ 
Grad. te Selindigkeit, die zartefte Freundlichkeit , die hoͤchſte 
/ Gedult, die edelſte Sanfftmuth, die brünftigfte Liebe; 
und.in Summa: Dit it alle Tugend im hoͤchſten 
Grad: So kans nicht fehlen, ja es iſt unmöglich, daß 
er. nicht folte Durch ein hergliches Gebet bewogen wer⸗ 
- den; denn wenn das nicht gefihahe, fo ware er nicht 
die höchfte Generofitas oder Freundlichkeit, und die 
edelſte Sütigfeit. Darum, ſo wahrhafftig als GOtt 
die höchfte Gütigkeit und Freunblichkeit Hr, fo wahr 
wird er auch durch ein hergliches Geber am allerbeiten 

‘ bewogen. 
Tauleri „Taulerus: GOtt ift ja fo jach nach uns, und eilet 
Zeugniß. „fo ſehr nach ung, und thut gleich, als wolte ihm fein 
„Goͤttlich Weſen gar zubrechen, und zu nichte werden 
„an ihm felber, daß er uns offenbare allen Abgrund 
„feiner Gottheit, und. die Fülle ſeines Weſens und 
„ieinee Datur : Da eilet GOtt zu, Daß es alfd un: 
„fer eigen fey, wie es ſein eigen iſt. Ingleichen: Wir 
„ſind zu unermeßlichen groſſen und ewigen Dingen gez 
„ſchaffen und beruffen, und geladen, und nimmt das - 
„&HDtt fehr übel von uns an, daß wir ung an Fleinen, 
„nichtigen, verganglichen Dingen begnügen laſſen: 
„Denn er ift beyeit, uns alles zu geben, auch ſich ſelbſt. 
| „Inglei⸗ 


unfer Beber gewiß erböre. 543 


„Ingleichen: GOtt will und mag von rechter Liebe wer 
„gen ung nichts abfehlagen, noch verfagen, ja er kommt 
„zuvor umferm Gebet, undgehet uns entgegen, und bitz 
„tet, daß wir feine Freunde feyn ſollen; und iſt tau⸗ 
„fendmal williger zu geben, denn wir zu nehmen; 
„bereiter zu geben, denn wir zu biften. 

2. So erforderts GOttes Wahrheit und theure |, 2 
Berheiffung, Pſalm 50. v. 15. Ruffe mich ar, ſo garten 
will ich dich erhoͤren. Pſalm 86. v. 5. Der HErr 
iſt gut und gnaͤdig, von groſſer Guͤte, allen, die 

ihn anruffen. Pſalm 145. v. 18. Der HErr iſt 

nahe allen, die ihn mit Ernſt anruffen. Der 

HErr iſt gut; iſts noch zu wenig, fo HE cr gnaͤdig; Pf.86. 1.5 
ifts noch, zu wenig, fo ifter von groffer Güte: Gegen 

wen? gegen alle, die ihn anruffen. Er tbut, was 

die Boöttesfürchtigen begebren, und hoͤret ihr 
Schrepen, und hüfft ihnen. Eſa. 65. v. 24. Joh. 

16.0.23. Matth. 7.0.7.8. Bitter;  laffets dabey 
nicht bleiben: Sucher; laffets dabey nicht bewenden: 
Blopffet an. Denn wer da bittet, der empfaͤhet 
und wer da ſuchet, der findet, und wer da antlopf- 
fet, dem wird aufgethan. Mare, 11. v. 24. Al- 
les, was ihr bitten werdet in eurem Bebet, glaͤu⸗ 
"bet nur, daß ihrs empfangen werdet, ſo wirds 
euch werden, Luc. 11.0.9. . Diß muß GDtt halten, 
oder er wäre nicht der, der fich in feinem Wort geoffen- 
baret hat. Und damit uns GDtt erhören, und feine 
Güte uns vielfältig mittheilen möge, fo hat er ung bez 
fohlen, viel und offt, ja ohne Unterlaß zu beten, Luc, 
18.0.1. 1. Thefl. 5.0. 17. | 

3. So befrafftigets auch das allerfreumdlichite „ „2 
Vater⸗Hertz GOttes, Luc. 11.0. 11.13, Woifkein Baus 
Rind oder Sohn, der den Dater bitter ums Hark. 
Brod, der ihm einen Stein dafür biete? So yartk 
dann ihr, die ihr arg ſeyd, koͤnnet euren Rindern den Vaters 
gute Gaben geben, vielmehr wird der Peter im a 
Himmel den a. Geiſt geben denen, die ihn darum lernen wir 
bitten, Iſt ey nicht der rechte Dater uber alles, —2 

das fenuen. 


544 BIC. 37. Brundund Urſach, daß GOtt 


das Rinder beift im Himmel und anf Erden? Eph. 
3.0: 15. und 2. Cor. 1,9. 3. nennet St. Paulus GOtt 
den Herten einen Dater der Barmhertzigkeit und 
einen GOTT alles Troftes, Solte en Menſch 
barmher&ig feyn, und der, der ein barmhertzig Hertz 
gemacht hat, folte ſelbſt unbarmhertzig ſeyn? Solte 
GOtt ein Vater⸗-Hertz geſchaffen haben, und ſolte 
ſelbſt kein Dater ⸗ Hertz haben? Warum haͤtte ſich 
GOtt dieſen Namen gegeben, wenn er nicht ein gnaͤ⸗ 
dig Vater ⸗Hertz hatte? So muß er nun gnaͤdiglich 
erhoͤren, oder muß feinen Damen, Vater verlieren. 
Eſa. 63. verſ. 16. Du biſt ja unſer Vater, von 
Alters ber iſt das dein Name. Jerem. 31.09. 
Ich bin Iſraels Vater, ſo iſt Ephraim mein erſt⸗ 
gebohrner Sohn. Ja, das Mutter⸗Hertz iſt alſo 
geſchaffen, daß es fich über den Sohn ihres Leibes 
erbarmet, Eſa. 49. v. 1I9. Wie folte er ſelbſt nicht - 
ein erbarmendes Hertz haben? Wie ſolte er ſich un⸗ 
ſer nicht erbarmen, und unſer Gebet erhoͤren, wenn 
wir fo klaͤglich ruffen und ſchreyen? Sehet, wenn 
die Kinder kranck ſeyn und weinen, wie bricht der 


Mutter das Hertz? Eben alſo und vielmehr GOtt dem 


Ser. 31: 
d. 20. 


Cori 
Vorbitte, 


HErrn auch; tie er ſelbſt ſpricht Jerem. 31. v. 20. 
Darum bricht mir mein Hertz gegen ibm, ich muß 
mich fein erbarmen. 

4: Beltätigts auch die Vorbitte unſers HErrn 
JEſu CHriſti. Wie hat der Here in den Tagen feiz 
nes Wandels auf Erden für feine Kirche und fuͤr alle 


‚Gläubige gebeten? Vie befichlet er fie dem himmli⸗ 


fehen Vater? Joh. 17. 0.1. fg. (1) Aciliger Va⸗ 
ter, erbalte fie in deinem Namen, die du mirgege- 
ben haft, daß fie eins ſeyn, gleichwie wir, 
DB. ır. (2) Heilige fie in deiner Weabrbeit, dein 
Wort iſt die Wahrheit. ®.17. (3) Ich bitte, daß 
du fie, weil ſie in der Welt ſeyn, für allein Ubel bes 


Chrinihe wabreft. DB. 15.14) ch bitte für fie, und fuͤr alle, 
berfür und, die durch dein Wort an mich glauben werden. 


ee D. 20, (5) Vater, ich will,daß, wo ich bin, auch die 


feyn, 


unfer Gebet gewiß erböre. gas 





ſeyn bey mir, die du mir gegeben haſt, verſ. 24. Schaltung, 
(6) Ich bitte, für fie, daß die Liebe, damit du Starcke 
mich liebeſt, ſey in ihnen, u und ich in Ihnen, v. 26. 
Nicht allein in dieſer Welt hat er fuͤr uns gebeten, ſon⸗ 
dern auch ietzo zur rechten Hand GOttes; Roͤm. 8. 
v. 34. Hebr. 4. v. 14. 16. 6.7.0. 260,69, WE 
Meilwir denn einen Aobenpriefter haben, IE 
ſum, den Sohn GOttes, der gen Himmel aefab= . 
ren iſt; fo laffet uns hinzutreten mit Freudigkeit 

zu dem Gnadenſtuhl, auf daß wir Barmhertzig⸗ 

keit empfaben, und Gnade finden auf die Zeit, 

wenn uns Aulffe noch ſeyn wird, 

5. Beitatigts auch das Zeugniß des heiligen 
Geiſtes, der unferm Geifte Zeugniß giebt, daß wir = ns 
Oo0ttes Rinder ſeyn, Nom. 8.0.16. Es ift uns gengeifes. 
möglich, daß das Zeugniß des Heiligen Geiftes in unfern 
Hertzen koͤnne umſonſt und verlohren ſeyn. 

6. Weil GOtt und Cehriſtus bey uns ſeyn, ja 
- Durch den Blauben inuns wohnen; wiefolte er denn ootirm 
unfer Seuffzen nicht willen? Pf. 139. ©. 4. Es iſt wir in 
Bein Wort auf meiner Zungen, das du are nicht nn nie 
alles wifleft.. Du verfteheft meine Gedancken fer Geber 
von ferne. Darffit nicht gedenken, GOtt fey viel Mit erho⸗ 
tauſend Meilwegs von dir, und. höre dein Gebet nicht 5 
Er iſt in dir, und du in ibm, Ap. Geſch. 17. 0.28. 

Joh. 17. v. 23. Ingleichen, GOtt lebet und webet in 
dir; wie ſoll er denn dein Gebet nicht hören? Pf. 38. 
v. 10. GOst, vor dir iſt allemeine Begierde, und 
mein Seuffzen iſt dir nicht verborgen, P.19.0.15, 
Laß dir woblgefallen die Rede meines Mundes, 
und das Geſpraͤch meines Hertzens fuͤr dir. 
7. Weil der Heilige Seit, welcher wahrer GOtt 
ift, unfer Gebet felbft in uns wuͤrcket. Der Heilige er El 
Geiſt ift ein Geiſt des Gebets, Zadar. 12. v. 10, ja, das Gebet, 
feuffset in uns, Nom. 8.0, 26. Wie folte nun GHre!wie fire 
nicht hören, voiffen und fehen was er ſelbſt thut und wuͤr⸗ — 
cket? Darum iſt es unmoͤglich, daß ein Seuffzerleind“ 
folte verlohren ſeonde das aus dem Heiligen Geiſt kommt,“ 
Il. Theil, Mm und 


- 546 B.I.E, 37. Grund und Urfach, daß GOtt 


und zu GOtt gehet. Es kommt von GOtt, und gehet 
wu GOtt. In GDtt Fan nichts verlohren werden. 
Die Wercke ſind in GOtt gethan, und kommen 
ans Licht, oh. 3.9 21. Git.17.0.16. 

8. ı OR Sit GDtt nisbe ein vergefliher &OHt, 
—— wie ein Menſch; wie GOtt alle Wohlthaten behaͤlt, 
wie einen Siegel⸗Ring und ein ieder Gläubiger vor ihm 
uus nicht. jſt wie ein Denck⸗Zeddel, Mal. 3.0.16. Alſo vergiſſet 

er auch des Gebets nicht. Non cadie in DEum oblivio 
boni, fed oblivio peccatorum noftrorum. Bey Ei k 
ift Feine Dergeffenheit des Gufen, fondern eine Ver⸗ 
geffenheit unferer Sünden, EHttes Gnade iſt fo 
groß, fo überflüßig, Daß fie unfere Sünde überwieget 
und tilget, daß er ihrer nimmermehr gedencket: Aber 
das Gute, das von ihm herkommt, das fan er nicht 
vergeſſen, gdet er muͤſte feines Werkks und fein ſelbſt 
vergeſſen. Nun koͤmmt unſer Gebet von dem Heiligen 
Geiſt her; ſolte denn der Heilige Geiſt vergeſſen des 
Gebets und Senffzen, fo er felbft in uns gewuͤrcket hat? 
Ef impoflibile, es ift unmöglich, er wird ja feines eige⸗ 
nen Werckes nicht vergeffen, Das er in uns gewuͤrcket 
bat? GOtt kan ja feines Wortes und Zufage nicht verz 
geſſen: Ich dencke noch wohl dran, was ich ibm 
geredt babe, Zer.31.0.20, Darum fagtder 56, 
Pſalm, vr 9. daß er unfere Thränenzeble. Mırıı. 
v.9. Kr verheiſt, daß fein Bund ewiglich bleiben 
fol. Was it fein Bund? Die Vergebung der 
Sünden mit CHriſti Tode beftätiget, mit dem Heili⸗ 
en Beift verfiegelt, Eph. 1. v. 13. 
Einwurſf. Ja, ſprichſt Du, iſt das wahr, warum erhoͤret mich 
a denn GOtt nicht, und giebt mir meine Bitte? Ich 
der ei habe auch offt gebeten, geruffen und gefeuffzet, werde 
gleichwol nicht erhoͤret. 

Und das ſiehet man vielfaͤltig vor Augen, daß einer 
offt lange umein Ding bittet, bekommts gleichwol nicht, 
wird unferm Anfehen nach nicht erhöret; Wo bleiben 
Doc) dieſe Fundamenta und Gründe der gewiſſen Erz 
hoͤrung? Und dig ift eine ſchwere Anfechtung, Die offt 

manches 


* 


unſer Gebet gewiß erhoͤre. 547 


manches armes Hertz kraͤncket und irre macher, Aber : 
— 


mercket darauf dieſe beſtaͤndige Antwort: 
Das Geber wird allervege erhöret, und iſt unmoͤg⸗ 


Grün hm 


lich, daß es nicht folte erhöret — aus vorerzehlten & Erhörung. 


Haupt-Grumden, welche find wahrhaftig, feft, und ge⸗ 


wiß: 1. So gewiß, als GOtt ein freundlicher GOtt 


iſt; „2. So gewiß, ale GOtt wahrhafftig iſt in feinen 
Verheiſſungen, ja die ewige Wahrheit ſelbſt iſt; 
3. So gewiß, als GOtt das barmhertzigſte Vaꝛer⸗ 
Hertz hat; 4. So gewiß, als CHriſtus unſer Mitt⸗ 
ler iſt; 5. So gewiß, als GOtt und CHriſtus in 
ung wohnen, Daran fol Fein glaubig Hertz 
zweiffeln. 

Daß aber GOtt uns nicht alsbald giebt, was 
wir bitten und haben wollen, derohalben uns beduͤn⸗ 


z, 
Wie GOtt 
das Gebet 


cket, wir werden nicht erhöret, das koͤmmt Daher: allezeiter 


1. Daß uns GOTT nicht allegeit erhövet nach un⸗ boͤre. 


ferm Willen, fondern nach unferer Seligkeit. 
2. Daß ihm GOtt hat vorbehalten, ob er ung dass 
jenige, Darum wir bitten, will geben an unſerm Leibe, 
oder an unferer Seelen. Wenn wir nun um ein 
geitli) Gut bitten, GOtt der HErr aber, erkennet, 
daß es ung nicht nüßlich und felig ift, fo giebt ers ung 


nicht a®.ı Reibe und zeitlichen Gütern, fordern an der 


Seele und geiftlihen Gütern: Und befommen 
alfo gleichivol das, was wir bitten, geiftlich an der 
Seele, ja mehr denn wir bitten. “Denn To viel Die 
Seele edler und beffer ift denn der Leib, und die geiſt⸗ 
lichen Güter denn die irdiſchen; fo viel beſſer iſts 
auch, wenn uns GOTT dasjenige, was wir es 
lich und leiblich bitten, an der Seele und geiftlichen 
Gütern zulegt; GOtt erfuͤllet unfer Gebet an dem, 
daran am meilten gelegen , nemlich an der Seele, 


Iſt Doch am Leibe nicht das meifte gelegen, wenn nur Vn gon 


der Seele geholffen wird. Leget dir GOTT eine 


dem feibe 
entzeucht, 


leibliche Kranckheit auf, und du bitteſt, GOTT tet cr an 
wolle dich gefund machen; das Gebet ift erhöret, und —— 


fehlet —2o Giebt er Div nicht Geſundheit des Leibes, b 
Mm 2 | giebt 


548 B.II. C. 37. Grund und Urſach daß GOtt 


giebt er div Geſundheit der Seelen, Die beſſer iſt. Wol⸗ 
teſt du nicht lieber eine geſunde Seele haben, denn einen 
geſunden Leib? Was huͤlffe dir ein geſunder Leib, wenn 
die Seele ungeſund, das iſt, unglaͤubig waͤre, und muͤſte 
des ewigen Todes ſterben? Iſt aber die Seele geſund, 
- fo koͤnnen wir mit David ſagen: SErr, wenn ich 
nur dich) babe, ſo frage ich nichts nach, Himmel 
und Erden, wenn mir gleich Leib und Seele ver- 
ſchmachtet, Pſ. 73. 0.25. Und mit dem krancken 
Hiob: Ich weiß, daß mein Erloͤſer lebet, Hiob 
19.0.25. Damit war der Seelen geholffen 5 dar⸗ 
um achtet der liebe David die himmliſchen Güter hoͤ⸗ 
her, denn alles zeitliche, Pſ. 1 19.0.72. Dein Wort 
iſt mir lieber, denn viel taufend Stüc Gold und 
Silber. a 
Ja, ſprichſt dur, ich woltees gerne beydes haben, ges 
finden Leib und eine gefunde Seele, zeitliche und ewige 
Gottes Guͤter. Ey,fpriht GOtt der Herr, laß dir an mei- 
ont ik ner Gnade genügen, 2.Cor. 12.0.9. Gt. Paulus 
"aller Welt wolte auch gern; aber er bekam dieſelbe Antwort, 
Gut. Eumnma alles glaubige Gebet wird erhoret und erfuͤl⸗ 
let, wo nicht am Leibe, dennoch an der Seelen. 
Zu dem fohat ihm GOtt auc) diefes vorbehalten, 
- 05 er unfer Gebet erfüllen wolle in Diefem oder jenem 
Reben: Wenn du nun bier nicht bekommſt, was du bitz 
tejt, fo dencke, es ift dir hier nicht nüge und felig, GOtt 
ſparet dirs aber bis in jenes Leben: Iſt doch an Dies 
En gott jem Leben nicht alles gelegen: Nas dir bier GOtt 
giebt, giebe nicht giebt, Das wird ev dir dort reichlich und tauſend⸗ 
er dert. fültig geben, denn wie es unmöglich ift, daß GOtt uns 
fer Gebet vergeifen folle, fo it auch unmöglich, Daß er 
es nicht folte aus Gnaden belohnen: Geſchichts nicht 
in dieſem Reben, fo wirds gewiß gefehehen im ewigen 
li Leben. So manches Geber, fo manche Gabe im 
enigenge, digen Leben; denn da werden wir erndten ohne 
ben ernd Aufbören, Gal. 6. v.9. Da wird er zu einer jeden 
ten wit. glaͤubigen Seele fagen: Siehe, da haft du dein Ge 
bet, das du zu mir geſchicket haft, und da haft 7 dag, 
’ arum 


£ unfer Gebet gewiß erhoͤre. 549 


damm du gebeten haſt, fuͤr dein Gebet tauſendfaͤltige 
Gaben. Das ſollen wir mit Gedult erwarten. 
Es waͤre ein naͤrriſcher Ackermann, wenn er ietzo 
geſaͤet hätte, und wolte alſobald die Frucht haben, gien- 
ge ah greinete: Ach ich habe gefüct, und. meine au 
gen fehen nichts wieder. DuNarr, Eanft du die Zei 
der Erndte nicht er warten, ſo wirft du — nn 
und viel Früchte wieder bekommen. Alſo fpricht man⸗ 
cher: Ach ich habe nun ſo lange und viel gebetet, ich 
ſehe gleichwol nicht, daß etwas draus werde, GOtt will 
mic) nicht erhöoren. Du Narr, du haft kaum 1 gef tet, Ewig Leben 
und wilt allbereit erndten; kanſt du nicht der Zeit Der oa 
groffen Erndte des ewigen Lebens erwarten? Was Gal.6.v.7. 
der Menſch bier füet, das wird er dort ernöten, 
Gal. 6. v. Saͤeſt du hier viel Gebet und Thränen, 
einen edlen Sasmen; ey du wirft dort mit Sreuden 
tauſendfach einerndten. Pf. 126. 0.5. Das muß 
erfiillet werden, GOtt, hats geredt: Erfuͤllet ers 
nun hier nicht, ſo muß es im ewigen Leben erfuͤllet wer⸗ 
den. Alſo mancher, dem ſeine Kinder, Weib, gute 
Freunde ſterben, weinet und heulet, ꝛc. Ach lieber 
Freund, weiſt du nicht, daß dis deine Saamen⸗Zeit 
‚* Du muft ja erſt faen und pflangen, deine auten 

reunde, ja deinen eigenen Leib, chedu erndteft. LBarz Auferfte 
te bis zur Zeit der groffen Exndte , da werden Sehne 
Schnitter, ‚ die. beiligen Engel, deine Garben eine fhöne 
- fammlen, und in.die ewige Scheuren tragen, 
| — 13. v. 30. Die Erndte iſt nahe, und eilet 
beriu, Da werden wir unfer Gebet, Seuffjen und 

Thraͤnen, fo wir vielfältig. zu GOtt geſchickt Haben, 
reich! ich finden: Denn da werden wir an GOtt alles 
haben, was wir immer haͤtten bitten, woͤ iſchen und be⸗ 
gehren koͤnnen. Und werden alſo alle Verheiſſ ngen 
GOttes, und diefe unfehlbare Haupt s Grunde in 
Ewigkeit in C Hriſto JEſu wahr ſeyn und bleiben, und 
an ledem Gläubigen, zu feiner ewigen Freude und Se⸗ 
lig ?eit, überaus veichlich erfüllet werden, du ß wir GOtt 
dafuͤr ewig ruͤhmen und preiſen werden. 

Mm 3 Gebet, 





550 B.IL.E.37. Grund und Urſach, daß Gott ec. 
Gebet 


= Tim, 3, (FEtroſt meine Seele! Sch weiß, an welchen ich glaͤube, auf 
9.12, wen ich hoffe, und wen ich anruffe: nemlich, den wahr= 
baffiigen, getreuen, gütigen, barmhertzigen, almächtigen und 
allweiſen GOtt, meinen lieben Bater in EHrifto, ih bingemiß, 
daß er mic) hoͤret und erhoͤret, wenn ich ihn anruffe, daß er meine 
Pſalm 56. Thraͤnen zehlet, wenn ich weine, daß mein Verlangen, wenn 
2.9 ich ſeuffze, ihm unverborgen ift. Erlange ich nicht ſtracks, mas 
ich bitte, fo erhalte ichs Doc) zu feiner Zeit; giebt er mir nicht 
was ich begehre, fo giebt er mir ein Beſſers damit mir weit hoͤ⸗ 
Pſalm 126. Her gedienet iſt. Muß ich Thränen fürn, ich werde auch zu rech⸗ 
v. 5 ter Zeit erndten. Mein Gebet und Geuffzen ift, wie die Dünffe, 
weiche von der Sonnen Hise aufgebracht, heimlich und uns 
vermerckt in die £ufft fich erheben, und hernach mit Regen und 
Segen wiederfommen. Es iſt unmoͤglich, daß mein Gebet folte 
umfonit ſeyn wie es unmoͤglich iſt, daß GOtt ſich frlöft verleug⸗ 
nen, und feine Güte und Wahrheit laffen fan. Spotte nur 
meines Gebets Teufel und Welt; du foltes aber erfahren, mag 
esvermag. Laß es ben Gottlofen wohlgehen, und Faß fie zeit« 
Pſalm 73. liche Glückfeligfeit haben; meine Freude, mein Glücf, mein 
v2: Reichthum und alles ift, daß ich mic) zu GHDtr halte, daß ich 
in gutem Berftändniß, in füffer Gemeinfchafft und hertzlichem 
- Vertrauen mit ihmſtehe; daß er ſich zu mir naher, fo offt ich ihn 
Vſalm 139. anruffe: Es iſt kein Wort auf meiner Zunge, das er nicht alles 
24 wiffe, er verſtehet meine Gedancken von ferne; Vor ihm iſt alle 
—— 35 meine Begierde, und mein Seuffzen ift ihm nicht verborgen. 
Mal gr, Er kennet meine Seele inder Noth, die Fan und wid er heraug 
2.14.15, reiſſen, nach feiner väterlichen Barmhertzigkeit, Frafft welcher 
Ier. 32. ihm fein Herß bricht, daß er ſich meiner erbarmen muß. Ich 
d..20, bin gewiß, und tröfte mich dei, nebſt allen gostsfürchtigen Ders 
. gen, daß der HErr 8 mercket und börer, wenn ic) ihn anruffe; 
Mil 3.016. und es ift cin Denckzettel vor ihm gefihrieben darinn nicht nur 
mein Dame, fondern auch alles mein Seuffzen und Verlangen 
verzeichnet iſt, der erinnert ihn, was er mir aus Gnaden geredet 
habe. Ja, ſein lieber Sohn, mein einiger Mittler, Heiland und 
3. Seligmacher, bittet für mich, um deswillen ich erhöret werden 
Hedr. ,„, Muß, und Fan ich mit greuden zu dem Gnaden⸗Stuhl hinzutres 
2.16. ten, Barmhergigfeit und Gnade zu erlangen, zur Zeit, wenn mie 
doͤm. 3. Hüfffe nosh iſt. So fan mid) auch meine Schwachheit nicht 
3.15.16. Kindern, weil der Heilige Geiſt folcher aufhilfft; und ob. ich ſchon 
nicht weiß, was ich beten fol}, und wie ſichs gebuͤhret, fo vertritt 
er nich aufs befte, mit unausfprechlichem Seuffzen, durch mel» 
chen ich ruffe: Abba lieber Vater! Derowegen getroft meine 
>. Timm Seele, ic) weiß, an welchen ich gläuben, auf wen ich hof⸗ 
v.x, fin, und wen ich in allen meinen Nothen und 
Anliegen fol anruffen! 
Das 


DEINER gt 
* Das XXXVIII. Capitel. 


Sieben Adminicula und Gehuͤlffen un 
ſers ſchwachen Gebets. 


Roͤm. 8. v. 26. 27. Deſſelben gleichen auch der 
Geiſt bilffe unferer Schwachheit. Denn wir 
wiſſen nicht, waswir beten follen, wie fichs ges 
-  bübrer: Sondern der Geiſt ſelbſt vertritt uns 
aufs beffe, mit unausforechlihen Seuffien 
Der sber die Hertzen forfcher, der weiß, was 
des Geiftes Sinn iſt; dern er vertritt die 
Heiligen, nachdem es GOtt gefällt. 





N JEilesdenn leider! an dem iſt, daß unfer Gebet gehälfen 
SINE fchr kalt und ſchwach iſt, wollen wir forfchen, des Gebete, 
EI as uns GOTT in feinem Wort für Ge | 
hülffen in unferm Gebet gegeiget, an welche wir in unz 
ſerm Gebet gedenken ſollen. | 

1. Der erfte Gehuͤlffe ift unfer einiger Mittler x 
und Vorſprach, Mediator & Advocarus, der Sohn 
GOttes, IJEſus CHriſtus, 1. Joh. 2.0. 2. Deriftuns - 
fer Worthalter bey GOtt, wenn unfere Zunge nicht 
fo fan und vermag zu reden, wie wir gern wolten, 
und es von Hertzen wuͤnſchen; darum heiſt er Adyog, Mittler, _ 
das ewige Wort des Vaters, daß EHOft durch ihn Am eDri 
feinen Rath uns offenbaret, und daß er unfer Wort Geberser 
bey GOtt redet, darum iſt er unfer Mittler. Dis ift (er He⸗ 
uns fein vorgebildet im Moſe, dem Mittler des alten daiſe. 
Teſtaments, da das Volck flohe vor GOtt am Berge 
Sinai, und fprachen: Rede du mit GOtt fuͤr uns; 2. B. Moſ 
2. B. Moß 20. v. 19. Ingleichen, da ſich Moſes entſchul⸗ 0. vb. 15. 
diget, er koͤnte nicht wohl reden, als er vor Pharao gehen 
ſolte, er haͤtte eine ſchwere Zunge; da antwortete ihm 
GOtt: Aaron, dein Bruder, iſt beredt, er folldein B.Moſ⸗ 
Mund ſeyn. Alſo haben wir alle eine ſchwere Sprache, Port 10% 
wenn wir beten ſollen: Der himmliſche Aaron aber 
iſt unſe Mund. Dos lehret uns auch das Vorbild a, BMoſ. 

| } Mm a des 5. v. 17, 






552 B. II. C. 38. Sieben Gehuͤlffen 


des Bnaden-Stuhls.. Darum hat uns auch der 
HERR befohlen in feinem Namen zu beten, 
Johann. 16.0. 23. Darum iſt er unfer ewiger 
Hoherprieſter, der ein unvergänglich Prieſterthüm 
bat, Hebr. 7.0. 26. Vertritt uns, zum Roͤm. am 
8.0.34. Durch ihn haben wir einen frendigen 
Zugang sum Dater mit aller Suverfiche, Ephef. 
GB, -12, . 

2 2. Der andere Sehülffe it GOtt der Acilige 
A Geiſt, Zac). 12. d. 10. Über das, haus Juda, 
Gehäle und über die Burger zu Jeruſalem will ie) aus- 
mufes Se giefjen meinen Geift der Gnaden und des Ge- 
Sad... bets: Der uns der Gnade GOTTES verfichert, 
v.ı0o. und uns aus Ginaden gegeben wird, ald ein Zeuge 

der Kindfchafft, 1. Sobann. 4.0.13. Daran erfen- - 
ten wir, daß wir von GOTT fepn, daß er uns 
von feinem Geift gegeben bet. Dom. 8. v. 15. 
Mir Haben nicht einen Enechtifchen Geift em— 
pfangen, fondern einen Eindlichen Geift, durch 
welchen wir ruffen: Abba, lieber Peter. Der- 
Gel a felbe Beift giebt Zeugniß unferm Geift, Iſt durch 
€.29.0.1.7. Ole Zalbung der Priefter iin alten Teſtament bes 
deutet. Alſo hat uns GOtt mit dem Gent Chriſti 
geſalbet, 1. Joh. 0. 20. GDTT täglich Opffer 
zu biingen, Sarren der Lippen, Pſ. 69.0. 31.32. 
Ebr. 13.9, ı5. Diefer Geiſt GOttes erwecket in ung 
die Seuffier, davon Daniel 9. d. 19. Ah ZERR, 
böre! Ach ZERR, ſey gnädig! Ach HErr mer⸗ 

cke auf, und thue es! j | 
“ 3. So ſtaͤrcket unfer Gebet kraͤfftiglich GDttes 
BD Verbeiffung Pſalm so... 15. Ruffe mich anzc. 
al Phſalm 91,0. 14. Er begehrer mein, fo will ich 
une ihm aushelffen. Pſalm as. vd. ı9. fur. 11. 
md 1r. 13, 206 iff ein Sobn, der den Vater bit- 
bets. tet ums Brod, der ihm einen Stein dafiir biete? 
So denn ibr, die ihr arg ſeyd, Pönner euren Bin⸗ 
dern gute Gaben geben, vielmebr wird der Daz . 
fer im Himnel den Heiligen Geift geben Denen 
ie 


unſers ſchwachen Bebets. 553 


die ihn darum bitten. Sue. 18.0. 6 7. Hoͤret, 
was der ungerechte Richter ſagt: Solte aber 
, GOTT nicht auch reften feine Auserweblten, 
die zu ibm Tag und Wacht ruffen, und folte 
Gedult dariiber baden? Ich füge euch: Er wird 
‚fie erretten in einer Ruͤrtze. ef, 65. verf. 24. 
Ehe fie ruffen, willich antworten, wenn fie noch 
reden, will ich hoͤren. Pſalm 34. v. ı 6. Die Aus 
gen des HERRIT feben auf die Gerechten, und 
feine Ohren auf ihr Schreyen, Joel 3. verſ. 5. 
» Wer den Namen des HErrn wird ancuffen, 
‚der foll erretter werden, Nom. 10. v. 13. Matt, 
7. verſ. 75 Quærite, petite, pulfate, füchet, bittet, 
klopffet an. Epheſ. 2. verſ. 4. GOTT ift reich 
von Barmhertzigkeit. 





4. Die Eremvel der Aeiligen, ſo GOtt bir _ « 
vet. Sehet an die Erempel der Alten; fo wird Full 
unfer Gebet Eraffiiglic) geftärcket, und bat einen groſ⸗ rung ver 
fen. Gehuͤlffen, wenn man ſich erinnert der vorigen *.Gehuͤſſe. 
gnadigen Hülffe und Erloͤſung des Allmächtigen 
GOttes: Darauf haben alle Propheten ihr Gebet | 
gegründet, Moſe, 2. Buch Viof. 32. verf, ır. DAB. Moſ. 
Die Kinder Iſrael fich fo hart verfündiger hatten mit . 
dem abgsttitchen Kalbe, alfo dab GOTT zu Moſe 
fügte: Laß mich, daß mein Zorn über fie er- 
grimme, und fie auffreflee Da bielt Miofes, 
fein Auserweblter, den Riß aufs fagt der 1.06. Palm ros, 
Malm, verf. 23. Er flehete, und hielt ihn mit fra" 
ckem Gebet, in welchem er GOtt auch feiner vori⸗ 
gen Hulffe erinnert, und fpriht: Ah HERX, 
warum will dein Zorn ergrimmen über dein 
Dolce, das du mit ſtarcker Hand aus Egypten⸗ 
land geführer baft? Warum follen die Egy⸗ 
pter jagen und fprechen: Zr bar fie su ihrem 
Ungluͤck ausgefübrer, daß er fie erwürge im 
Gebirge, und vertilge fie vom Krdboden? Rebre 
dich vom Grimm deines Zorns, und fep ande 

Mms dig 


554 B. l. €, 38. Sieben Gebülffen 


dig der Bosheit deines Dold's, ꝛc. Da gereuete 
den HErrn das Lbel, daser dem Volcke gedräuer 
batte, v. 14. | | Ä 





‚David hat dis Meifterftück wohl gelernet; denn 

er faſt in allen Pſalmen GEOtt feiner vorigen Gnade, 

Guͤte und Treue erinnert: Sm 25. Pſalm, v. 6. 
Gedencke, ÆRR, an deine Barmbergigkeiti 

Und im 77. Pſalm, v. 6: 8. Ich gedende der 

| alten Zeit, der vorigen fahre. Wird denn 
Bote der HErr ewiglichverftoffen? Pſalm 85.0.2. faq. 


2. Gire wäh 


vetvon  BERR,der du bift vormals gnaͤdig gewefen dei> 
Ewigkeit, nem Lande; und haft die Gefangenen Jacob er- 
Bern un, oſet, der du die Miffeehar vormals vergeben 
fer Sebet Haft deinem Dolce, und alle ihre Sünde bede⸗ 
nm det: Der du vormals allen deinen Zorn aufges 
“Haben, trofte uns, GOtt unfer Heyland, und laß 
ab von deiner Ungnade über uns. Wilt du 
denn ewiglich über uns zuͤrnen? Wilt du uns 
denn nicht wieder erquicken, daß ſich dein Volck 

über dir freuen möge? 


Mit was herrlichen Worten erinnert der Pro⸗ 
phet Jeſaias am 63.0. 11. ſeqa. GOtt den HErrn 
ſeiner vorigen Gnade, und ſchleuſſet damit auf den 
wunderlichen Schrein der Barmhertzigkeit GO T⸗ 
TES: Wo iſt denn nun, der fein Volck aus dem 
Meer fuͤhrete, ſamt den Hirten feiner Heerde? 
Wo iſt, der ſeinen Heiligen Geiſt unter ſie 
gab? Der Moſen bey der rechten Hand fuͤhrete 
durch ſeinen heiligen Arm, der die Waſſer tren⸗ 
nete vor ihnen her, daß er ihm einen ewigen 

Tlamen machte; Der fie fuͤhrete durch die 
Tiefe in der Wuͤſten? Wie die Roffe in der 
Mötten, die niche ſtraucheln; wie das Diche, 
fo ins Seld binsb gebet, welches der Odem des 
ERXV ẽ treiber, Alſo haſt du auch) dein Volck 

gefuͤh⸗ 


— 


unſers ſchwachen Gebets. 755 


gefuͤhret, auf Daß du dir einen herrlichen Na⸗ 
men machteſt. So ſchaue nun vom Himmel, 
und ſiehe von deiner herrlichen Wohnung. 
Wo iſt nen dein Eifer, deine Macht? Dei— 
ne hertzliche Barmhertzigkeit haͤlt ſich ſo hart 
gegen uus. Biſt du doch unſer Vater: Dem 
Abraham weiß von uns nicht, Iſrael kennet uns 
nihe. Du aber, HERR, biſt unſer Vater 
und unfer Erloͤſer, von Alters ber iſt das dein 





NMame. 


Darinnen find dieſe Gründe: (1) HErr, deine 
Gnade ift ewig, darum wird ſie an mir auch nicht 
aufhören. (2) Ich bin war ein Sünder, aber Du 
baft-auch vormals den Suͤndern Gnade erjeiget, 
die Buffe gethan, Pſalm 25. 0:7. Gedencke nicht 


der Suͤnden meiner Tugend, (3) Meine Suͤnde 


iſt war groß; ey fo laß Deine Barmhertzigkeit 
auch groß werden. (4) Gedencke, daß ich dein Ge 
fchöpff bin, Hiob am 10.0. 9. Gedencke, daf du 
mich aus Leimen gemacht haft, und wirſt mich 
wieder zu Erden machen. Dein Auffeben be= 


wahrer meinen Othem. 


5. So hilfft unſerm Gebet die groſſe greundlich · 
keit und Leutſeligkeit GOttes, die troͤſtliche Der: —— 


I} 


heiſſung, daß GOtit die Elenden anfichet. Siehe —— 


ar meinen Jammer und Elend, und vergieb mir ſtarcket uns 
alle meine Suͤnde Palm 5 vert 19. Da dieſer Mr Gebet. 
Elende rieff; hoͤrets der ZERNR, und errettete 
ibn aus aller feiner. Furcht, Pſalm 34. verf. 7. 
So haben wir Verheiſſung, dab GOtt Die Elenden 
nicht verachtet, wie wol Die Folgen Menſchen thun; 
denn GOTT ift nicht menſchlich gefinnet, hat auch) 
niche fleiſchliche Augen, daß er ſaͤhe, wie ein 


Menſch ſiehet und richtet, Hiob 10.0.4. Je elender 


fonft ein Menſch, ie weiter Sich andere von ihm abs 
thun; 


556 B.Il. C.38. Sieben Gehuͤlffen 


ge thun: GOtt aber iſt nicht alfo gefinnet: Je elen- 

den Elen, der ein Menſch iſt, ie mehr will er bey demſelben seyn. 

De: Palm 34.0. 19. Der HERR ifE nabe bep denen, 

wohnt bep die zerbrochenes Hertzens find, und bilfft denen, 

ihm. \ Die zerfchlagene Gemütber baben. Dfalin 10, 

verſ. 14. Dir fieheft ja und ſchaueſt das Elend 

und Sammer. Es ſtehet in deinen Minden, die 

Armen befeblens dir, Du biſt der Waͤyſen Helf⸗ 

fer. Da findet der HErr Materie und Gelegen⸗ 

heit genug, feine Barmhertzigkeit zu beweiſen; und 

Damit Fein Elender verzage, falfet er im 146. Pſalm, 

i verf. 7. 8. 9. viel Elende zuſammen: Der ZERR 

ſchaffet Recht denen, die Gewalt leiden; Er 

fveifet die Aungrigen. Der JERR erlöfer die 

Gefangenen; Zr machet die Blinden febend, 

. Der Err bilfft auf, die niedergejchlagen ſeyn; 

Der HERR lieber die Gerechten, der KERR 

bebütet Sremdlinge und Wäpfen, und erhält die 

Wittwen. ef. 66.0. 2. Ich febe an den Elen⸗ 

dei, der zerbrochenes Beiftes ift, und fich fürch> 

tet für meinem Wort. Pſalm 102. 1.18. Er 

wendet fich sum Geber der Zlenden, und vers’ 

ſchmaͤhet ihr Geber nicht. Pſ. 9. v. ır. 19. Die‘ 

Hoffnung des Elenden wird nicht verlobren fepn 
ewiglich. 


son. 6 So ſtaͤrcket unſer Geber kraͤfftiglich die Be⸗ 
Harmber: trachtung der unausſprechlichen groſſen Barmher— 
* tzigkeit GOttes. Er nimmt unſer Gebet beſſer auf, 
Geber. Denn wirs ihm koͤnnen vorbringen: Er verſtehet unſere 
Noth beffer, denn wirs ihm klagen koͤnnen. Beten 
wir nicht recht, ſo haͤlt er uns manche Thorheit zu 
gut; wie Abraham fpricht, 1. Bud Mof.ı8. dv. 27. 
Ach HERR, zuͤrne niche mit mir. Siebe, ich 
babe mich unrerwunden mit BOTT zu reden. 
Daher St. Paulus 2. Corinth. 1. v. 3. ſpricht: Ge- 
lobet ſey GOtt der Dater aller Pos RER: 
| \ un 


unſers ſchwachen Gebets. 557 


Beh a 
und Gott alles Troſtes, der uns troͤſtet in aller 

unſer Truͤbſal, Pſ. 103. v. 8. Um dieſer Barmher⸗ 
tzigkeit willen kan kein Gebet vergeblich feyn. GOtt a 
zehlet unfere Seuffzer und Thrönen, DM. 56.0. 9. Shränen 
um der allerheiligften Thranen CHriſti willen: werden uns 
Denn er am Tage feines Keidens mit ſtarckem ii rin, 
Geſchrey feine Thränen für uns mildiglich geopf⸗ an. 

fert bat, Ebr. 5.0.7. | 

7. So ſtaͤrcket unfer Gebet mächtig, wenn wir te 
ung erinnern des Gnaden⸗Bundes ſo ÖDtt mit ung guny aärs 
gemacht hatz Serem. 31.90.33. Das follder Bund — unfer 
feyn, 2c. Sefa. 54. 2.10. Der Bund des Sriedes Vedet. 
ſoll nicht binfallen, fpricht der HErr, dein Er⸗ 
beriner. Jeſa. 55. v. . 3. Wohlan alle, die ihre 
durſtig ſeyd, kommt her, denn ich will mit euch 

einen ewigen Bund machen. In dieſem Gnaden⸗ 

Bunde iſt die Erhoͤrung mit eingeſchloſſen: Sucher 

den „ren, weil er zu finden if, ruffer ihn an, 


weil er nahe ist, 0.6. | | 
Deffen allen haben wir ein herrlich Exempel in Gebet Das 
dem Gebet des Propheten Danielis Cap. 9.0. 4. ſeqq. — 8 
Ach lieber HERR, du groſſer und fhrecklicher fen. 
GOTT, der du Bund und Gnade haͤlteſt 
denen, die dich eben und deine Gebot Balten. 
Err unfer GOTT, der du dein Volck aus 
Egypten gefuͤhret haft mit ſtarcker Hand, und 
dir einen ewigen Namen gemacht: (Das iſt 
die Erinnerung der vorigen Hulffe,) HErr, erhoͤre 
unfer Bebet, und fiehe gnädiglich an dein Aei> 
ligthum, fo verſtoͤret ifE um des HErrn willen, 
(Da iftder Meßias und fein Drame,) Ach HERRX 
böre es! Ach HERR bilff! Ah ZERR fep 
gnaͤdig! (das find Seuffzer des Heiligen Seiftes,) 
Neige deine Ohren, mein GOtt und ZERR, 
thue die Augen auf, und fiebe, (das ift die Ders 
heiffungs) fiebe an dein Heiligthum, das verſtoͤret 
Denn um unferer Miſſethat willen träge 
| Jeru⸗ 


558 BL. 38. Sieben Gehälffen 


Jeruſalem Schmach. (Das it die Erkanntniß 
der Sunde, und Betrachtung des Elendes und 
Sammers.) Denn wir liegen vor dir mit uns 
- ferm Gebet, nicht Auf unfere Gerechtigkeit, ſon⸗ 
dern auf deine groffe Barmhertzigkeit: (Das 
it die Erkaͤnntniß unſers Unvermögens und Unwuͤr⸗ 
digkeit , und die Betrachtung der Barmhersigkeit 
GDttes; Keslid) der Bund: ) Denn dein VDold 
und deine Stadt iſt nach deinem Namen ge 
nennet. 


Gebet. 


Pſalm so. Bomhatie gnaͤdiger, liebreicher Vater im Himmel, du 
v.15. haft mir befohlen zu beten, dein Ifeber Sohn hate mich des 
Joh. 15. lehret, und mit einem theuren End die Erhdrung zugeſagt, dein _ 
a Heiliger Geift erinnert mich offt in meinem Herken des Gebetg, 
v.15 und ich weiß, daß alle gute Gaben von oben herab Fommen 
Jaenr v.17. müffen, von Vater des Lichts; und weiß auch, daß kein wahreg, 
beſtaͤndiges, gedeyliches Gut, es ſey himmliſch oder irdifch, 
zeitlich dder ewig, ohne Gebet Fan erlanget werden. Weiß 
Palm 19. auch, daß es deine Ehre betrifft, und meine hoͤchſte Nothdurfft 
2.15. erfodert; weiß auch, welch ein freundlich Geſpraͤch dag Gebet 
Eſa. 65. iſt mit dir, und wie dur antworteſt durc) Troſt und heilige Ges 
at dancken: und dag feine Huͤlffe und wahrer Troft ohne durchs 
Gebet erlänget werden. Ich habe fo viel Erempel der Heiligen 
und meines HErrn JEſu CHrifti ; dennoch bin ich fo faul und 
träge zum Gebet: Verlaffe mich mehr auf meine Arbeit und 
Weisheit, denn aufdeine Hülffe und Gnade. Ach vergieb mir 
folche Sicherheit und Thorheit, und Verachtung deiner Göttlie 
Pſalm 16. chen Berheilfung! Wende von mir die fchwere Strafe, die dus 
v. 4. draͤueſt den Veraͤchtern deiner Gnade, daß du ſie wolteſt wieder 
Zach. 12. derachten, und daß die, fo einen andern nacheilen, groß Hertze— 
— leid haben follen: Und gieb mir-den Geiſt der Gnaden und des 
9.32. Gebete. Laß mich deine tröftliche Berheiffung bedenchen: Wer 
En. 65. den Ramen des HErrn anruffen wird, foll felig werden : Ehe fie 
v. 24. ruffen, will ich hören, und wenn fie noch reden, will ich antwor⸗ 
Palm 145. gen: Der HErr iſt nahe bey denen, die ihn anrufen: Was ihe 
Sb, 16. den Baterin seinem Namen bitten werdet, das wird er euch gez 
v.23 ben: Wer ift unter euch, der feinem Kinde einen Stein gäbe; 
Luckir. v ar. wenns um Brod bittet? Entzuͤnde mein Herb mit inniger und 
1. B. Moſ. Hrünftiger Andacht, und mit dem Richt deiner Gnade: laß mein 
b} ð7 huoſ. Gebet vor dir wohl riechen, wie das Opffer Noah; laß mich 
17.0.0, meine Haͤnde zu dir gufheben, wie Moſes: laß mein Gebet vor 
628.0. 35. dir Klingen, wie die Eymbeln am Kleid Aarons, und Bee 
N BVDabvids; 


unfers ſchwachen Bebets. 559. 


2.2 RER Sr ah nn 77 
Davids; zuͤnde in mir an den heiligen Durſt nach dir, wir ein ı,. Sam. ı6. 
Hirſch ſchreyet nach frifchem Waſſer: rühre und reinige meine v. 16. 
unreine Lippen mit dem himmlifchen Feuer, wie dem Efaia ; Pf. 42.0.2. 
laß mich für div weinen, wie Jeremias, und ſprechen: Ach daß Ser SM 
meine Augen ThränensQuellen wären, und Waffer genug hatte gg, n 
in meinen Augen! Laß mid) deine Herrlichkeit im Geiſt und y.23. 
Glaubenfehen, wie Ezechiel; erhore mich wie Danielem; öffne Danick, 9, 
mir die Nugen wie dem Diner Elifät. Laß mich mit Petro v-20. 2, 
und Maria bitterlich weinen. Erleuchte mein Her, wie dem 2 i 
Schaͤcher am Creutze. Laß mic) die nie meines Hertzens für pay 26 
dir beugen, wie Manaffe: Thue mein Her auf wie der Lydiaͤ, 75... 
daß ich die zeitlichen Dinge in meinem Geber vergeffe. Ach £ue 7.0.58. 
Herr, aller Hertzen Ründiger, der du Hergen und Nieren pruͤ⸗ Lap. 23. 
feft, du weißt, wie unbefländig menfchliche Hergen und Gemuͤ⸗ — 
ther ſeyn, viel beweglicher dene Waſſer, fo vom Winde bewogen 10, 
wird: Ach befeftige meine Andacht, daß ich nicht durch fo man- Ap. Geſch. 
cherlen Gedancken hin und her beiuogen werde, Ach bu kanſt 16. 0.14. 
das Schifflein meines Hertzens fill halten, befeftigen und viel CV. 24- 
beifer regieren, denn ich felbit: Stehe auf, HEer, bedräue den Dali: 7 
Sturmwind und das unruhige Meer meines Hertzens, Bey. 
ſtille fen, in die ruhe, dich ohne Hindernig anſchaue, mit dir ber⸗ Hof2.v.14. 
einiget bleibe. Führe mich in die geiftlihe Witten, da ich nichts Hobel. 8. 
fehe noch höre von der Welt, denn dich allein, daß dn mit mir Re » 
alfein reden moͤgeſt, daß ich dich freundlich kuͤſſen möge, undes , ud. 36. 
niemand fehe, noch mich höhne. Erneuere mein Herg, Sinn ' * 
und Gemütbe, zundein mir an dein Licht, daß es in mir leuchte, ' 
daß mein Hertz brenne und entzündet werde. in deiner Liebe und 
Andacht, nimm das fleinerne Hertz weg, daß ich empfinde dei⸗ 
nes Geiftes Flamme, Liebe, Troft und freundliche Antwort, 
Ach nimm weg durch) deine Gnade allee, was meine Andache 
hindert, e8 ſey die Welt oder meines Fleifches Wille, ald Zorn, 
Rachgier Ungedult, Unglauben, Hoffart,Unverföhnlichkeit, Uns 
- bußtfertigkeit. Laß deinen Heiligen Geift in meinem Hergen 
feurfzen, fchreyen, ruffen, beten. loben, dancken zeugen, und mei: 
nem Geiſt Zeugniß geben der Kindſchafft GOttes; laß ihn mein Röm. 8. 
Faltes Herg mit feinem himmliſchen Feuer anzuͤnden, erwär- 9 1%. 26. 
men, und mic) vertreten bey GOtt mit unausfprechlichemn 
Seuffzen; laß deinen Heiligen Geift in mir wohren, mic) zum 1.Cor. 3. 
Zempel und Heiligthum GOttes machen, und mich erfüllen mit 9.16. 
Goͤttlicher Liebe, Licht, Andacht, himmliſchen Gedanken, Leben, & "79 
Troſt, Stärcke, Freude und Friede; Taf deinen Heiligen Geift i 
den Tempel meines Hergeng mit dem himmlifchen Weyrauch 
ber Goͤttlichen Andacht lieblich und wohlriechend machen. Laß 
une durch deinen Heiligen Geift, o Vater, mit deinem lieben 
Sohn JEſu CHrifto vereiniget werden, daß reir in ihm, durch \ 
‚ihn, mit ihm beten, alg mit unferm Haupt; laß ung aud) durch 
ben Heiligen Geift mit allen glaͤubigen Hertzen und der ohhrbe * 
| eiligen 


560 B.ll C. 39. Kin Geſpraͤch 


heiligen Kirchen vereiniget werden, daß wir mit der gantzen 
Kirchen, für die gantze Kirche, und in der Kirche, als in bei— 
nem Heitigthum beten, und im Namen JEſu CHriſti erhorer 
werben. men. 


Das XXXIX. Capitel. 


Ein Gefpräd) der glaͤubigen Seele 

Ar mit GOTT, 

Pſalm 85. v. 6.7.8. Wilt du denn ewiglich über 
uns zůrnen, und deinen Zorn gehen laſſen 
für und für? Wilt du uns denn nicht wieder 

erquicken, daß fich dein Dolc über dir freuen 
möge? Ar, erzeige uns deine Gnade, und 
bilff uns! RAR. HA: 
Ständige ES‘ it cin freundlich Gefpräch der gläubigen 


—— Seele mit GOTT; denn mit welchem 
N Fürften oder Könige hätte wol ein Menfch 
rin. Macht alſo zu reden? Wenn der Fuͤrſt oder Koͤnig 
zornig iſt, darff man ihn auch alſo anſprechen? Ich 
halte es nicht. Aber GOtt hat die glaͤubige Seele 
alſo lieb, die iſt gleich als GOttes Kammerdienerin, 
die darff zu GOTT binein geben ohne Anklopffen. 
So bald die kommt, ſpricht GOtt: Was wilt du? 
Forbild aus Komm herein, und fürchte Dich nicht. Es iſt bedeutet 
bemXtten. durch Die Bathſebam, 1. B. der Koͤn.t. v. 15. die 
Zt. eng zu David in feine Kammer, neigete fich, und 
0.17. beteteden König an: Und der König ſchwur ihr, ac. . 
Ingleichen, durch Die KfEher, Die sum Aönige Ahas⸗ 
Eſth.5. .a pero hinein gieng, und erlegere feinen Scepter auf 
ihr Haupt, Eſther am 5. v. 2. 
Wenn hohe Perſonen mit ihren armen Untertha⸗ 
nen reden, achtet man folches für eine fondere hohe 
| groffe Gnade, Herrlichkeit und Keutfeligkeit, und gereiz 
keutſelig⸗ chet denfelben zu fonderm Lob. Daher man Liefer, weil 
FT Titus, der Roͤmiſche Kayfer, fo leutſelig geweſen, haben 
feine Unterthanen ihn nicht hoher willen zu ruͤhmen, 
denn dag fie ihn amorem & delicias generis age 
* ie 





























































































































are — 
erlig . 


Mil IL LITE ji It ni] N: 


ua HN) UEBEEIGIEETEETTENEGG —IIDDDDDDVVVVVVVV— 








— 


Das Andere Buch, Cap. XXXIX. pag. s6o 


Hier iftein dreyfaches Echo und Wiederfchall abgebildet, 
daR, wenn man gegen einen Berg oder Gebuͤſche lauf ruffet, 
merliebet nich? fo wird ſonderlich die legte Sylbe ich verneh- 
nienlaffen: Sch, ich, ich; Damit wird angedeutet wie GOtt auf 
das Gebets⸗Schrey eines Gläubigen pflege alsbald zur ir 
Gen Antwort fertig zu feyn. 
Pſalm. 34. verf.s. 
Pe ich den 2,&cn fuchte, antwortete er mir. 


O findich den, den meine Seele licbet? 
ob er fagt e8 mir? Aber unterrichtet mich? 


Echo: 
be dus nicht felbft, der mie die Antwort u 
Mein Kicht, dag mir fo Hertz⸗erfreulich ⸗ 
Echo: Freylich. 
Mein liebftes Lieb, was ha‘ dich mir verſtecket? 
Sinds Aal ann und grüne Blätter? 
‚Blätter, 
Wie ſehn die — — aus, die dich bedecket, 
Die du ſo hoch⸗gewuͤrdigt mir beſchrieben? 
Echo: Beſchrieben. 
Du meynſt ein Buͤch Der Buͤcher iſt kein Ende: 
Iſt aber unter allen wohl ein reines? Echo: Eines. 
Ich mercke, was du meynſt. ‘Doch, meine Bände, 
Und Hers, und Augen find befudeltja?. Echo: Sa, 
Wie? darffich denn dig Heiligthum begruffen? ? 
Was: waͤſcht, was ſaubert mich von meinem Blut? 
Echo: Blut. 
Das Blut, das du am Creutze lieſſeſt flieffen, 
Und welches mich macht heilig und gerecht? 
eds: . echt. 
it dem befprengt, darff ich mich unterwinden 
Zu folgen deiner Spur in ieder Zeile? Echo: Eile. 
Ich eil, und will mich feſt mit dir verbinden. 
Was⸗ geb ic) dir vor Zeichen meiner Liebe? Echo: Lbe, 
Ich wolte gern: Wer wird mir Kraffte geben 
Zu uͤben, was dem Fleiſch fo widerlich? Echo: ch, 
So fang ich an, o JEſu, dir zu leben, 
Durch Deines Geiſtes Kraft; in deinem Namen, 
ho; Amen! 


der gläubigen Seele mit GoOtt. 561 


die Liebe und Wolluſt des menfchlichen Getchlechts gez 
nennet haben, weil die Leute an ihm ihre Luſt und Freude 
gehabt. Viel groͤſſere Herrlichkeit, Luſt und Freude * 
its, daß GOtt ein HErr aller Herren, und Koͤnig Freundliche 
aller Koͤnige, von dem der 47. Pſalm, v. 3. ſpricht, daß tes, va er 
er der Allerhoͤchſte fey, erſchrecklich, ein groffer Bu 
König über den ganzen Erdboden, mit den armen Stelen ” 
Menfhen vedet, Die nicht allein Staub und Afche jeyn, lereit redet. 
wie Abraham fpricht: Siebe, ich babe mich unter- 
wunden mit dem HErrn zu reden, wiewol ich 
Erde und Afche bin, 1. B.Mof. 8.0.27. Sondern 
daß er auch mit den Menfihen, als armen Suͤndern, 
welche durch die Sünde von ibm abgefcbieden, 
Sefar 59.9.2. ein freundlich Gefprach ‚halt. Denn 
wenn ein Chriſtliches Ders die Maieftat und Hoheit 
GoOttes, auch feine und des menſchlichen Geſchlechts 
niedrige Ankunfft, elenden Zuſtand und ſuͤndliche Un⸗ 
wuͤrdigkeit betrachtet, iſt kan Zweiffel, es werde mit 
David aus dem 8. Pſalm, v 5. ausruffen: AXrr, 
was iſt der Menſch, daß du fein gedenckeft, und 
des Nenſchen Rind, daß du ihn ſo achteſt? Sin 
temal ein jeder Menſch bekennen muß, daß er unwuͤr⸗ 
dig fen mit GOTT zu reden, wie hoch und heilig er 
auch iſt; welches der fromme Abraham auch behergiz 
get, da er fuͤr die Sodomiter bat, und damit GOtt feine 
Rede nicht ungnaͤdig aufnehme, ſpricht er: Ach HErr, 1.3. Mof. 
zuͤrne nicht, daß ich noch einmal rede, Go offt "393% 
nun Abraham redet, fo offt antwortet ihm der Herr, 
Das ift ein herrlicher Spiegel des Geſpraͤchs GOttes 
mit derglaubigen Seele; Denn Abraham iſt der Va⸗ 
ter aller Slaubigens Derowegen iſt gar gewiß und Gott antı 
ungezweiffelt, fo offt ein glaubig Hertz GOtt ancuffet, — — 
fo offt antwortet ihm GOtt der HErr durch wahren Seele ale 
Troſt. Nehmet euch deſſen ein Exempel aus dem 85. lm 
1,8. 1.jegg. daredet David Gtt den HEttn v.u fe 

alſo an: AKrr, der du bift vormals gnaͤdig ge- 
wefen deinem Dolch, der du die Miſſethat vor- 
mals vergeben, und alle deinen Zorn auifgebaben 

IL Theil, Mn baft, 


562 B.I.E.39. Ein Gefpräh 


baft, teöfte uns. Wile du uns denn nicht wie- 

der erquicken? Ach daß ich hören folte, daß der 

Wie GOtt SErr redete, ꝛc. Darauf hat er eine Antwort in ſei⸗ 
7 a nem Hertzen bekommen: darum fpricht er: Doch iſt 
antwortet ja feine Huͤlffe niche ferne, ie-fpricht er: Ach 
in einem daß ich hören ſolte, daß der HErr redet! Und im 
so. Pſalm, v. 7. antwortet GOtt: Hoͤre mein Dolch, 
laß mihreden. Im 6. Pſalm, v. r. redet die betrübte 

©eele: Ach JZERR, fEraf mich nicht in deinem 
Zorn. Daraufantwortetder 103. Pſalm, v.8.Bsrm- 
hertzig und gnaͤdig iſt der SErr, gedultig und 

von groſſer Guͤte. Im 139. Pſalm, v7. HErr, wo 

ſoll ich hinfliehen vor deinem Angeſicht? Darauf 
antwortet der HErr, Matth. 11. v. 28. Bommt ber 

zu mir alle, die ihr muͤhſelig und beladen ſeyd, ich 

will euch erquicken. Jerem. 10. v. 23. Ich weiß, 

daß des Menſchen Thun ſtehet nicht in ſeiner 
Gewalt, und ſtehet in niemands Macht, wie er 
mwandele, und feinen Gang richte. Darauf ant 

wortet der HErr, Palm 32.0.8. Ich will dich un⸗ 
terweifen, und dir den Weg zeigen, den du wan= 

deln ſolt. Ich will dich mie meinen Augen lei⸗ 

ten. Im 86. Pſalm v. 11. fpricht die gläubige Seele: 
Weifemir, AErr, deinen Weg, daf ich wandele in 

deiner Wahrheit. Darauf antivortet der Herr, 

505 14.9.6, Joh. 14. v. 6. Ich bin der Weg, die Wahrheit 
und das Leben. WWilt dur nicht irre geben, ich bin 

der Weg; wiltdu nicht verführet werden, ich ‘bin die 
Wahrheit; wilt du nicht im ewigen Tode bieiben, 

ich bindas Leben. Im 38. Pſalm, v. 4. 6. Flager die 
gläubige Seele: Ms ift nichts gefundes an meinem 

Leibe für deinem Draͤuen, und iſt Bein Sriede in 

meinen Gebeinen für meiner Sünde. Meine 
Wunden fEincen und eitern für meiner Thor- 

beit. Darauf antwortet GOtt Jeſa. 53.0. 59Die 
Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Sriede hätten, 

und durch feine Wunden find wir gebeiler. Je⸗ 

rem. 17,0, 14. fpricht Die glaubige Seele; Weile * 

m 


der gläubigen Seele mie GOtt. 563 


mich SErr, fo werde ich bepl, bilff mir, fo iſt mir 
gebolffer. Darauf antwortet der 103. Palm, v. 3. 
Der dir alledeine Suͤnde vergiebt, und heilet alle 
deine Bebrechen. Mit Danaffe Elager diegläubige 
Seele: Meine Sünde find groß und viel, wie 
Sand am Meer, Gebet Dan.v.9. Darauf antwor⸗ 
tet GOtt, Jeſ. 43. v. 25. C. 44. v. 22. Ich tilge deine 
Sünde wie eine Wolcken, und deine Miſſethat 
wie einen Nebel, und gedencke deiner Sünde 
nimmermehr. Ad! ich bin ein groffer Sünder, 
foricht die Seele. Darauf antwortet CHriſtus, Match. 
9.0.13. Ich bin kommen, die Sünder zur Bufle 
su ruffen, und nicht die Berechten. Pſalm 25.0, 7. 
fpricht die glaubige Seele: Gedencke nicht der Suͤn⸗ 
de meiner Jugend, noch meiner Ubertretung. 
Darauf antivortet GOTT, Seh. 18. 0.22. Wenn 
ſich der Gottlofe bekehret, fo foll er leben, und 
nicht ſterben, aller feiner Sunde follnicht gedacht 
werden. Pſalm 51.0.4. Waſche mih wohl von 
meiner Miſſethat, und reinige mich von meiner 
Sünde. Antwort: Fefa.ı,d. 18. Ob eure Sünde 
gleich Blutroth ift, wie Rofinfarbe, ſoll fie doch 
wie dolle werden. Pſalm ı43. 0.2. HErr, gebe 
nicht ins Bericht mit deinem Änechte, denn vor 
Dir iſt kein Kebendiger gerecht. Antwort: Joh. 3. 
d. 17. GOTT hat feinen Sohn nicht gefandt in 
die Welt, daß er die Welt richten foll, ſondern 
daß die Welt durch ihn felig werde. Wer an 
ibn gläubet, der wird nicht gerichtet, und kommt 
nicht ins Gericht. Pſalm 5 ı. v. 12. Schaffe inmir, 
GOtt, ein rein Zerg, und gieb mir einen neuen 
‚gewiflen Beift. Antwort: Ejech. 26.9. 24. Ich will 
ihnen ein neu Hertz und einen neuen Geift geben, 
daß fie in meinen Geboten wandeln follen, 
Pfalm 38.0.7. Ich bin elend, dein ganzen Tag ge= 
he ich traurig. Antwort: Sefa.61.0.2, Der Arr 
bat mich gefandt zu tröften alle Traurigen. 
Palm 25,0,18, Siebe an meinen Jammer und 
| Ro AN: 2 Elend. 


4 BU. C.39. N Kin Gefprähb 


Kiend, Antwort, Fefa.66. v. 2. Ich febe an den 
Elenden, und derzerbrochenes Geiſtes iſt. Palm 


$6,.0,9. Zehle meine Flucht. Antwort, Matth.ıo, 


— 


dv. 30. Ale eure Haare auf dem Haupte ſind ge zeh⸗ 
let. Pſalm 42. v. 3. Wenn werde ich dahin kom⸗ 
men,daß ich GOttes Angeſicht ſchaue? Antwort, 
Joh. 12. v. 26. Wo ich bin, da ſoll mein Diener 
auch ſeyn. Pſalm 1 3.0. 2.3. Ach Are, wie lange 
verbirgeft du dein Antlig vor mir? Wie lange 
foll ich forgen in meiner Seele, und mich ängften 
in meinem Hertzen täglich? Wie lange fol fich 
mein Seind über mich erheben. Antwort, Kefa.s4. 
2,7. Ich babe dich einen Eleinen Augenblick ver- 
laflen, aber mir ewiger Gnade will ich mich dein 
erbermen. Halt gegen einander dein Leiden und die 
ewige Gnade, und ob die Derbeiflung verzeucht, ſo 
barre ihr, fie wird gewißlich Eommen, und nicht 
verziehen, Habac. 2.0.3. Malm 22.09.12. Sep 
nicht ferne von mir, denn Angſt iſt nabe, und iſt 
bie kein Helffer. Antwort, Pſalm 1. v. ty. ch 
bin bey ihm in der Noth, ich will ihn beraus 
reiffen und su Ehren machen. Pſalm 13. verſ. 4. 
Erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode 


aentſchlaffe. Antwort, Hof. 13.0.1232. Ich will fie 


aus der Kölle erlöfen, und vom Tode erretten, 
Nhilipp.1.0.23. Ich begebre aufgelöfer zuwerden, 
und bep Chriſto zu ſeyn. Antwort, Ruc, 23. 0.43. 
Zeute wirft du mit mir im Paradiesfepm. 
Sunmmg, die gange Heil. Schrift iſt nichts anders, 
denn ein Sefprach der glaubigen Seelemit GOtt: Und 
fo offt ein glaubiges Hertz GOtt feine Noth Elaget, oder 
zu GOtt ſeuffzet, fo offt antworte * ihm GOtt darauf 
durch innerlichen Troſt, oder durch den. Troft feines- 
Gortlichen Worts. Geber. 


* Luther. Uber den 51. Palm, v.9. Dein heimlich Einraunen 
» (Dir find deine Sünden vergeben) wird niemand gewahr, 
denn der es hoͤret. Niemand fiehet e8,begreifft es: Es läfs 
ſet ſich hören, und das Huren machet ein tröſtlich, frolich Ge⸗ 
wiſſen und Zuverſicht gegen GOtt. 


* 





der gläubigen Seele mit Gott. 565 


Gebet. 


| YILEE hoch wuͤrdigeſt du doch, mein GDff, ung arme, nich⸗ 
tige und fündhgffte Menfchen, daß wir ie und allzeit, 
und in allen unferm Anliegen, ohngefcheut vor das Angeficht 
deiner hochheiligen Majeftät treten mögen, Hülffe von dir zu 
bitten: ja, daß wir ung in ein- vertrautes Gefprach mit Dir, > 
als ein Freund mit dem antern, einlaffen dürfen! Ach verleibe, 2.8. Moſ. 
daß ich mich folcher herrlichen Gnade nicht felbft unwuͤrdig 33.0 II. 
und verluftig mache, fondern mich aflezeit zu dir ‚halten, und 
in fieter Giemeinfchafft und hertzlichem Vertrauen mit dir bie 
an mein Ende verharren moͤge! Amen, - 


% Das XL. Capite. u 
Ein Geſpraͤch des Glaubens mit der. 
Barmhertzigkeit Ortes. 


Pſalm 85. v. ır. Daß Büte und Treue einan- 
| air begegnen, Berechtigkeit und Sriede ſich 
kuͤſſen. 


8 Guͤte begegnet ung durch innerliche Ge⸗ Wie uns 





ſpraͤch unſers Glaubens; denn Die Guͤte Des arts 
HErrn umfaͤhet ung, Pf. 32. v. 10. und ſpricht gegner. 
aus dem Propheten Ger. 3.0.12.13. Behre wieder 
zu mie, fo willich nicht ewig mit dir zuͤrnen; denn 
‚ich bin barmhertzig: Allein erkenne deine Miſſe—⸗ 
that, daß du wider. den HErrn deinen GOtt ge: 
 fündiger haſt. Der Glaube antwortet aus dem 
5.12, Pſalm, v. 3. GOtt fep mir gnädig nach deiner 
Güte, und tilge meine Suͤnde nach deiner groffen 
Barmhertzigkeit. Die Barmhersigkeit GOttes 
begegnet ung, $ob, 6.0, 37. Wer su mir kommt, den 
werde ich nicht binausftoffen. Der Glaube fpricht, @taube 
Hobel. 1.0.4, Ah 5ERR, bilff mir, daß ich au nt an 
dir komme. Zeuch uns nach dir, ſo lauffen wir, Gnade. 
Die Barmhersigkeit GOTTES begegnet ung, und 
ſpricht. Jeſ. 61, dv, 1. Der HErr bat mich gefandt 
. ven Klenden zu predigen, diezerbrochene Hertzen 
zu perbinden, zu teöften alle Traurigen, Der 
N: Nu 3 Glau⸗ 


566 B. M. C.40. Ein Geſpraͤch des Glaubens, 


Glauben ſpricht, Pſ. 5 1. v. 14. Troͤſte mich wieder 
mit deiner Huͤlſfe, und der freudige Geiſt enthalte 
mich. Die Barmhertzigkeit GOttes ſpricht: Jeſ. 
43. v. 25. Cap 44.0. 22. Ich tilge deine Sünde 
wie die Wolcken, und deine Miſſethat wie den 
MNebel. Der Slaube fpricht, Dfalm 25.0, 18. Sie= 
be an meinen Jammer und Elend, und vergich 
mir alle meine Sünde. Die Barmhertzigkeit GOt⸗ 
tes tröftet ung und pricht, Palm 1 03. v. 13. Wie fich 
ein Vater über Rinder erbarmet, ſo erbarmet 
fih der HERR tiber die, fo ibn fürchten, Der 
Glaube fpricht, Jeſ. 63.0, 16. Du biſt ur Dater, 
von Alters ber iſt das dein Name. Die Barm⸗ 
hertzigkeit GOttes ſpricht, Matth. 11. v. 28. Bommt 
ber zu mie, Der Glaube ſpricht, Pſalm 25. v. 1. 
Nach dir, HErr, verlanget mich. Die Barıns 
hertzigkeit ſpricht, Jerem. 3. v. 1. Du biſt von mir 
abgewichen, biſt von mir gelauffen, und haſt mit 
vielen Buhlen gebuhlet. Doch komm wieder 
zu mir, ſpricht der ZERR. Der Glaube ſpricht, 
Luc. 15. v. 18. 24. Ich will wieder umkehren, und 
zu meinem Vater geben, und ſprechen: Vater, 
ich habe geſuͤndiget im Himmel und vor dir und 
bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn 
heiſſe, mache mich zum Tageloͤhner in deinem 
Hauſe. Die Barmhertzigkeit GOttes begegnet uns, 
und ſpricht: Dieſer mein Sohn war verlohren, 
und iſt wiederfunden. Er war todt, und iſt 
wieder lebendig worden. Der Glaube ſpricht, 
Pſalm 13. v. 6. Ich hoffe aber drauf, daß du ſo 
gnaͤdig bift, mein Hertz freuet ſich daß du ſo gerne 
hilffeſt. Die Barmhertzigkeit begegnet uns, und 
price, Seh priv, Wohlan alle, die ihr durſtig 
ſeyd, kommt ber sum Waſſer und trincket. Dee 
Glaube fpricht, Pſalm 42. 2. 2. 3. Wie der Hirſch 
ſchreyet nach) friſchem Waſſer, ſo ſchreyet meine 
Seele, GOTT, zu dir. Meine Seele duͤrſtet 
nach GOtt, nach dem lebendigen GGtt. Wen 
werde 


‚minder Barmhertzigkeit GOttes. 567 


werde ich dahin kommen, daß ich GOttes Anz 
gefiche baue? Die Barmhertzigkeit fpricht, Pſalm 
103.0.3. Der dir alle deine Sünde vergiebt, und 
heilet alle deine Gebrechen. Der Glaube fpricht, Glauhe fir 
Pf. 143.0. 2. Herr gebe nicht ins Bericht-mit Shrifum 
deinem Bnecht. Die Barınhersigkeit fpricht, Foran.: 
hann. 14.0.6. ch bin der Weg, die Wabrbeit. 
und das Leben, Der Glaube fpricht, Dfalm 25.0.4. 

SErr, zeige mir deine Wege, und lehre mich dei⸗ 

ne Steige. Leite mich in deiner Wahrheit, und 

lebre mich, Die Barmhertzigkeit GOttes fpricht, 

Hof. 13. 0, 14. Ich will mein Dold aus der Hölle 
erlöfen, und vom Tode erretten.  Tod,ich will 
Dir ein Gifft ſeyn: Hoͤlle, ich will dir eine Pefki- 

leng ſeyn. Der Glaube fpricht, Palm 68. v. 21. 

Wir haben einen GOtt, der da hilfft, und ei— 

nen „ren HErrn, der vom Tode errettet. Die 
Barmhertzigkeit fpricht, Joh. 11. v. 25. Ich bin 

die Auferftebung und das Keben, wer an mich 
gläubet, der wird leben, ober gleich ffürbe,. Der 
Glaube fpricht, Hiob 19.0. 25. Ich weiß, daß mein 
Erloͤſer lebet, und er wird mich bernach aus der 
Erden auferwecken. Die Barmhertzigkeit GOttes 
begegnetuns, und ſpricht, Jeſ.A1. v. 10. Cap.49. 0.16. 
Fuͤrchte dich nicht, in meine Haͤnde Habe ich dich 
gezeichnet. Du bift mein, niemand foll dich aus 
meiner Hand reiffen, oh. ro. 0.28. Der Slaube 
antwortet und fpricht, IM. 3 1.0.6. In deine Bande 
befeble ich dir meinen Beift, du haſt mich erlöfer, 

HErr du getreuer GOtt. | 


Gebet, 


Ein GOtt, getreuer Vater, ich preife dich in CHriſto IEſu 

deinem Sohn, daß du mir in deinem Worte dein gnaͤdi 
Vater⸗Hertz auch darinnen gu erkennen gegeben haft, daß ich 
‚mit Dir reden darf, und du mir antworteſt. Du begehreft es 
Hon deinen Gläubigen: Laß mic, hoͤren deine Stimme; denn Hohel 
deine Stimme ift füffe, und deine Geſtalt iſt lieblich: O mein Salon. 3; 
Heil, was findeſt du fuͤr Anmuthigkeit an dem Aechzen eines v. 14 

| Ä Yng | N 


568 B.I.E.ar. Don dem beilfamen Nutʒ 


EN LEE RER DE TR A. ee 
1.3. Mof, Sünders? Was fun in der Abſcheulichkeit lieblich ſeyn ? Ich 
32: b. 10. bin ja zu geringe fo unbegreifflicher Barmbergigfeit, od HErr? 
Demnad) weil du aus Liebe dich fo zu mir herunter läfjeit, fo 
” erivecke und bereite mein Herk, daß es fich gewoͤhne am allen 
Drten, zu allen Zeiten mit dir in Eindlichem Glauben zu reden, 
M. 19015; un Taf dir mohlgrfalien die Nede meines Mundes, und dag 
| Geſpraͤch meines Herkeng für dir, HErr mein Hort und mein 
— 119 Erloſer Meine Augen ſehnen ſich nach deinem Worte, und 
vᷣſln ge, ſagen; Wenn eröfteft du mich? So laß mich in meiner See⸗ 
v.9 len hören. und empfinden, daß du, HErr, rede®, und deinen 
Srieden mic zuſageſt: Schweige mir nicht, (wenn ich zu die 
rufe, auf daß nicht, wo du ſchweigeſt, ich. gleich werde deren, 
Palm 119. die in dig Hole fahren. Wenn dein Wort in meinem Her« 
— Ei r Ben offenbar wird, fo. erfreuet es. Laß dis gnädige Wort in 
3.0.9. mir zu nichte machen alles Einhauchen des Satang, der Welt, 
Fon. 4, 0.4, und meines berderbten Fleiſches. Laß es mic) wiederbringen, 
Palm 94. wann ich von dir fliehe, wie Adam; laß es mich zu rechte brins 
3 gen, wann ich im Leiden ungeberdig thue, wie Jonas. Laß es 
ve" 19. meine Seele ergögent, wenn ich viel Bekuͤnmerniß in meinen 
5 Hertzen habe. Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe, 
und laß mich nicht zu Schanden werden über meiner Hoffnung: 
Joh.5. b.ar Und wann ich riederliege in deg Todes⸗Staube, fo laß mic) 
"hören deine Stimme, und mit dir leben ewiglich. 


Das XLI Capitel, | 
Don dem beilfamen Nutzen und der 
heilſamen Kraft des Lobes GOttes 
al und der Lobgefange, 

- Malm77,0,4.7. Wenn ich betrüber bin, fo dencke 
ih an GOtt: Wenn mein Hertz in YVeng- 
fen iſt, fo rede ich, Ich dencke des Nachts 
‚an mein Seitenfpiel, und rede mit meinem 


Hertzen. | a NER 
Bo RJeſer Spruch ift eine fine Regel unſers Le— 
euestent EL beng, wie wir uns im Ereutz und Traurigkeit 
un!ers = verhalten follen; Denn gleichwie GOTTES 


ee Wort eine Negel und Richtſchnur feyn fell, unfers 
“ > Aöbe., SI\ 

Erruges, Lebens, wenns ung wohlgehet, wie der 32. Pſalm, 

v. 8. ſpricht: Ich will dir den Weg zeigen, den 

du wandeln ſolt; ich will dich mir meinen Augen 

leiten, Pſalm 73,0, 24. Du leiteft mich nach deinen - 

| Rath, 


’ \ 






































DemXMesfier 
Zu Chrem. 


I 


N 


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i— # 


IT ALIÄRLAHLDDBADRRIUNLDONLLDLDINE 





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* Das Andere Buch, Cap. XLI. pag. 568 
‚Hier ift eine Orgel abgebildet, “welches gar ein aumuthig 

und lieblich Infteument if, das menſchliche Her zur Freude 

aufjumuntern: Damit wird angedeutet, wie GDFe der Heilige 
Geiſt der Gläubigen Herß und Mund zu GEOttes Lob und 
Preis, dem himmliſchen Meifter zu Ihren, aufmuntert. 


J Pſalm 100. verf. 1. * 
Sauchzet den Arın alle Welt, diener ihm mit. 
Sreuden: Kr bat uns gemacht , und nicht 
wir ſelbſt. | ! ; 
Wean GOttes Finger unſer Hertz beveitet, 
Und ſeine Lieb nd Gnd 
Der Seelen Inners wohl geordnet hat, 
Denn wird des Werckmanns Ruhm bekannt und 
ausgebreitet; nr ES 
Denn werden alle Kräfft und Sinnen regg, 
Und ftimmen lieblich überein,;, 
Der Geift, der vor fo pump und trage, 
Will nicht mehr ſtumm und angefeffelt ſeyn. 
Er laffet dem, der ihn gemacht, zu Ehren, 
Ein neues Danck⸗-Lied hören, 
Und preifet feinen GOtt 1 
Durch der verftimmten Neigung Id.  - 
Der Nachklang thönt in unferm. gangen Leben, 
Und fteigt in einem Sun - ' 
AInm Leiden und im Thun 
Die Wolken an, den Schopffer zu erheben. 
O Wunder! was dem Fleiſch unmöglich deucht, 
Und der Bernunfft nicht mag gelingen, 
Das ift dem Geiſte ſuͤß und leicht, 
Das Fan des Glaubens Krafft zuwege bringen: 
Drum auf, ihr ee auf! laft GOttes Lob er⸗ 
ingen. 
Diẽ iſt die rechte Kunſt, wenn nicht allein dee Mund, 
Beſondern auch des Hertzens EN 
Geiſt, Seele, Muth u Einn, und alt Kraͤffte 
3 a ingen. 7 x vV 


des Lobes GOttes. 69 


Ben Le SE DEREN NEAR a, 
Rath, und nimmt mich endlich mie Ehren an. 
Ka, wie GOtles Wort eine Rega ud Richtſchnur 
feyn fol unfers Glaͤubens, Pſ. 119.0. 1.05. Dein 
Wortift meiner Süffe Leichte, und ein Licht auf 
meinen Sußfkeigen: Ingleichen Pſ.7. v. 5. Erhalte 
meinen Gang auf deinen SußlTcigen, daß meine 
Tritte nicht gleiten; Alto tol auh GOttes Abort 
feyn eine Regel unfers Creutzes und Trübfals, laut 
dieſes Spruchs: Denn ich betruͤbet bin, ſo dencke 
ib an GOtt. Dass iſt, ich erforſche die Lriache mei⸗ 
nes Creutzes, und wo es mir herkommt, nemlich von 
dem lieben GOtt, bey dem ich auch Rath ſuchen ſoll 
in meine Noth. Ban 

Da lerne nun, lieber Chriſt, in deinem Creutze deine 69H lo⸗ 
Gedancken zu GOtt richten, und nicht bad hierhin, nee 
bald dahin fallen,rc. Wenn mein Hertz in Aengſten über alle 
ift, ſo rede ich, fo bete ich, fo finge ich; denn da⸗ Trüblal- ° 
durch, wird die Traurigkeit deg Hertzens vertrieben, der 
tramige Get und Schwermuth. Denn gkichwie 
das Herb leichter ‚wird, und gleichfam eine groſſe 
Burde ableget, wenn man einem guten Freunde feine 
Noth klaget: Alſo wird das Hertz leichter, wenn-es 
in. Aengſten wit SOTT vedet, und einen Pſal⸗ 
men finget. "Darum fpricht David Palm 77. v. 7. 
Ich denke des Nachts an mein Säitenfpiel, und Y. 77.» 7. 
rede. mie meinem Hertzen. Das iſt, es verlängert 
mid), bis es Tag wird, daß ich in der Ülorgen-Stunde 
meinen GOtt loben möge, und meine Traurigkeit 
‚durch einen Lobgefang vertreiben: ilnterdeffen rede 
ich in meinem Hertzen, und bete im Derborgenen, und 
der GOtt, Der die Rede meines Herkeng und Geiftes 
verfichet, und der Die Seuffzer erhoͤret, tröftet, erqui⸗ 
cket und erfreuet mich. 
Aus dieſem ſchoͤnen Spruch lernen wir auch un⸗ Rus, und 
ter andern, was da fey der Plus, Krafft und heilfa- Br 
me Stucht der Lobgefänge und des fihönen Lobes 2* 
GOttes; denn es Fan nicht fehlen, es muß GOttes 
Lob, wenns vom Hertzen gehet, groſſe Krafft baben, 

ns Denn 


570 B.ILE.a1. Von dem beilfamen Tun 


ori, Denn zum (1) lehrets uns die Natur; (2) bes 
gchinge  zeugets auch Die Kraft des Gebets; (3) die Erempel 
gsk bar des alten Teſtaments; (4) die Crempel des neuen 
Teſtaments; (5) die Exempel, daß durchs Lob GOt⸗ 
tes Die Heiligen voll des Heiligen Geiſtes worden feyn, 
im alten und neuen Teſtament; (6) die fonderliche 
Art und Eigenfchafft der Pſalmen; (7) daß in fonz 
derlichen Nothfaͤllen bey den Alten die licben Pfalz 
men gebraucht feyn. Aus diefen Gründen ift offen« 
bar, daß SOttes Lob und die Lobgeſaͤnge müffen befonz 
—— groſſen Mutz und Krafft haben. Welches aber 
nem Herz niemand alſo verſtehen ſoll, daß den bloſſen Worten 
ben gun⸗ an ihm ſelbſt, ohn allen Glauben und Andacht, ſolche 
den Krafft zugeſchrieben werde, um des bloſſen Lauts weils 
f len; fondern daß die Lobgefänge mit glaubigen Herz 
gen geſungen und gefprochen, folche fondere Krafft 
haben: Davon auf dismal ein Furger Bericht, ges 

ſchehen fol. ra 
or, Das erſte Argument, von dem erfien Nutz und 
zob ja das heilſamer Krafft des Lobes GOttes, giebt uns die 
Endeater Natur; denn das If finis totius cresturz, der End⸗ 
Creatuten. zyeck der gantzen Creatur. Sehet erſtlich an Ecclefiam 
Angelicam, die Engliſche Kirche, Jeſ. 6. v. 3. und in der 
Pſolm 148. Offenb. Johannis hin und wieder. Der 148. Pſalm, 
”a 2. hatdas Lob GDtteg, darzu alle Kreaturen ges 
ſchaffen feyn, artig beſchrieben, und faher erſtlich von 
den Engeln an: Lober den SErrn alle ſeine Eugel, 
lober ihn alle ſeine Heer. Fix mundo Angelico, aus 
der Engel Ißelt, fteiget ev herab in mundum cœleſtem, 
in die himmlische Aßelt: Lobet den HErrn Sonne 
und Mond, lober ihn alle leuchtende Sterne, 
Hiob 38. 9.7. Da mich die Morgenſterne lobeten, 
Darnach fteiget der Pſalmiſt herunter, kommt aufs 
Meer: Kober den HErrn ihr Wallfiſche und alle 
Tiefter. Darnach in die Luft: Feuer, Hagel, 
Schnee, Dampff, Sturmwinde, die ihr fein 
Wort ausrichtet. Darnach koͤmmt er auf die Erde: 
Berge, Huͤgel fruchtbare Baͤume und alle C — 
Dar⸗ 


des Lobes GOttes. — 


Darnach auf die —5 Diebe, Gewirm undalle 
Vögel. Darnach aufdie Menſchen, und faͤhet wie⸗ 
der von oben an: Boͤnige, Sücften, Richter, — 
cker auf Erden, Geſellen, Jungfrauen, Alte und 
Junge. Darnadı kommt er auf die Kirche GOt⸗ 
tes: Das Dold, das ihm dienet, und alle “eilt: 
gen auf! Erden, lobet den „Erem 
2. Ep bejeugets die Krafft des Gebets; denn ae, 
was das glaͤubige Gebet für groſſe Kraft habe, bezeu⸗ et 
get GOttes Wort, die Exempel der Heiligen und taͤg⸗ 
liche Erfahrung: "Denn dahin ſehen alle Verheiſſ un⸗ 
gen, daß kein Gebet, kein Seuffzen, Fein Thraͤnlein 
ſoll verlohren ſeyn. Pſalm 6.0.10. Pſalm 56. v. 9. 
Zehle meine Thraͤnen. Pſalm 126.0. 5. Die mit 
Thraͤnen ſaͤen/ werden mie Freuden erndten, ꝛc. 
Palm 45. v. 18. Der Are iſt nahe allen, die ihn 
anruffen, x. Es Fan auch Feine gedeyliche Wohlfahrt 
auf Erden Em ohne Gebet, denn alle rechtſchaffene 
vollkommene Gaben müffen von Gtt erbeten wear 
den. Mit dem Gebet müffen wir unfer Leben anfan-obgefänge. 
‚gen und fetiglich befehlieffen: Weil nun GOttes Lobyie sihfen 
nichts anders ift, denn ein freudenreiches Gebet, darinn Wunter 
die Heiligen GOttes die geöffejten denckwuͤrdigſten ee, 
Wohlthaten und Wunder GOttes zum Gedächtnißsen Sieg 
20 haben; ſo kans nicht fehlen, es muß das oe 
et fonderbaren Nutz und heilfame Krafft haben. 
geugens dieErempeldes altenTeftaments, 3 
28. Mofır. 5. B. Moß 32. 1. Sam. 2. Jeſ. ı2. des alten 
36, 38.64, Son. 2. Hab. 4. und der gantze Pſalter. und 
4. Bezeugens die Erempel des neuen Teſta⸗ des neuen 
ments; fonderlich Die fehonen Lobgeſaͤnge, Das Benedi- Zefa 
Aus, oder der Fobgefang Zachartä, und Das Magnificar, MEHd, 
oder der Lobgefang Mariaͤ, £ur.1.0.46.68. Welche die 
Ehriftliche Kirche verordnet hat, eins des Morgens, dag 
andere des Abends, täglich zu fingen, als ein Morgens 
und Abend-Dpffer, anzudeuten. Daß wir den Tag mit - 
GOttes Lob füllen anfangen, und auch beſchlieſſen; wie 
der 92, Pſalm, v. 2. 3, vermahnet: Das iſt ein koſtuch 
Ding, 


573 BU. C.At. Von dem heilfamen ug 


— ER 
> 5. Ding, den HErrn dancken, und deinem Tamen 
lobfingen, du Allerhöchfter, des Morgens deine 
Y.92. 0.3. Gnade, und des Nachts deine Wahrheit verkün- 
‚digen: Warum des Morgens deine Gnade? Weil 
deine Gnade alle Morgen neu iſt; Klagl. Fer. 3. 
v.23. Darum des Nachts deine Wahrheit? 
Dieweil GOtt des. Nachts unſer Hoͤter iſt, und der 
dich bebüter, ſchlaͤfet nicht c. Pf. 121. v. 4. füge 
So wiſſen rom auch, daß der Her: im festen Abend 
mahl mit ſei einen Juͤngern den Lobgeſang geſprochen 
babe, Matth. 26.0. .30. Und St. Paulus. fpricht, 
Eph. 5.0.18.19. Werder voll Beiftes, redet unter- 
einander von Pſalmen und geiftlichen Liedern, 
ſinget und fpielet den HErrn in eurem Aerzen. 
Cul3.0.16. Vol, 3.0. 16.17. Laſſet das Wort GOttes reichlich 
unter euch. wobnen in aller Weisbeit! Lehret 
und ermabnet euch ſelbſt mit Pſalmen und geift- 
lichen lieblichen Liedern, finget und fpieler dem 
Exrrn in eurem Hertzen. Und alles, wasibr ebut, 
mie Worten oder mit Wercken, das thut alles in 
dem Namen des HErrn TEZU, und dancket 
GOtt und dem Dater durch ihn. ‘Daß St. Pau⸗ 
2. San. 23. {u8 hier fpricht, liebli schen Liedern, fieher er auf die 
»n Worte Davids, 2.CSam.23.0.1. ‚Ks jagt der Nann 
lieblich mit Pfalmen Iſraels: Das ift, der viel lieb 
‚liche Pſalmen vom MẽFia geſungen hat: St. Jaco⸗ 
bus ſagt: So jemand leider, der bete; ist iemand 
‚gutes Muths, der finge Pfalmen, Jar. 5.0.13. 
— 5. Durchs Lob GOttes ſind die Heiligen im alten 
ges ändere und neuen Teſtament des Heiligen Geiſtes voll 
und weat worden, Im Sam. 10.0. 5.6. C. 19. v. 24. haben 
5 — wir zwey Exempel; (1) da Saul von Samuel zum 
N 10. Könige gefalbet warzgaber ihm ein Zeichen: Es wird 
dir ein Chor Propheten bege nen, da wird der- 
Geiſt GOttes uͤber dich kommen, und wirſt ein 
ya ander Mann werden, (2) Da Saul Bothen 
(0) ſandte gen Mama; und wolte David holen laſſen, bes 
gegugten Den Bothen Saul zu. unterichiedenen TUR 
Thoͤre 


* 


des Hobes GOttes. 0973 


Chöre der Propheten. Da die Bothen Sauls das 
höreten, weiffageten fte, und zulest Saul. Da li 
faͤus hörete den Spielmann Pſalmen fpielen, weiffe= 2.3. Kin. 
gete er, 2.8. Koͤn 3.0.15. IR —— 
Im Alten Teſtament ſind unterſchiedliche Choͤre 
der Sänger geweſt: Etliche haben Gtt gelobet mit 
Pofaunen, etliche mit Pſalter und Harffen, erliche mit 
Eymbeln und andern muficalifchen Inſtrumenten: Da⸗ Ä 
her ettiche meynen, daß die Pfaimen im hoͤhern Chor Palmen‘ 
kommen feyn. Denn fie haben nicht einen ieden Pſalm nun = 
anf einerley Inſtrumente geſpielet; fondern wie trau: 
tige und freudige Pſalmen find gewefen : Alſo haben 
fie auch folche Inſtrumenta gehabt. Diefe unters | 
fehtedliche Chöre und Inſtrumenta, darauf im Alten 
Teſtament unterfchtedliche Pſalmen geſpielet ſeyn, 
weil es ein Stuͤck vom aͤuſſerlichen Ceremonialiſchen 
Gottesdienſt geweſen, find nun vergangen, und iſt nun UnſerHertz, 
unfer Hers, Geiſt, Seele, Gemüthe und Mund, —— 
Gottes Poſaunen, Pſalter, Harffen und Eyınbein Sorte 
worden. Daher St. Paulus ſpricht Coloſſ. 3.0. ı 6. Suiten 
Singer und fpielet dem HErrn in eurem Hertzen. Eolofl.z, 
Welches nicht alfo zu verſtehen, als folte man nun b16. 
GOtt inder Verſammlung oder daheim nicht mit lau⸗ 

ter Stimme loben, oder mit andern mificalifchen In— 
ſtrumenten. Nein; fondern St. Pauli Meynung it, 

daß alles fein andachtig, geiſtlich, und aus dem Grunde 

des Hergens gehen folle, nicht daß es nur ein Aufferlicher 

Schall und Geprangefeyn fol. 

6. So begeugets auch Die fehöne Ordnung und a 
Unterfcheid der Pfalmen; denn etliche find Betz ARE a 
Palmen, etliche Troſt⸗Pſalmen, etliche Buß Pfalz men geben 
men, etliche Lehr⸗ Pfalmen, etliche Weiſſagungen: fpreatiche 
Aus welchen allen das menfchlicye Hertz unterfchiedli- Kraft. 

chen Nutz und Krafft empfindet. 

7. So gebens die Exempel Mofis und Davids, _ 7- 
daß fie die Lob⸗Geſaͤnge in ſpecie in etlichen ſonderli⸗ nn 
chen Noͤthen und Fallen gebrauchet haben. Als Fate ge 


(1) zum Schu wider die Seinde, und find Schutz⸗ Hdre- 
* Pſal⸗ Pſ. 68, v. a- 


574 BU. Eur, Von dembeilfamen Nutʒ 


Palmen; als Der 68. welchen Mofes gebetet wider 
die Feinde, wenn die Lager aufbrachen: Es ſtehe 
GOTT auf, daß feine Seinde zerſtreuet werden, 
und die ihn haſſen, por ihm fliehen. Und etliche 
Pfr92. 0% meynen, daß der 91. Pſalm in der groffen Peſt von 
David gemacht fey, da in Dreyen Tagen 70000. ſtur⸗ 
ben, 2. Sam.24.v.ı5. Iſt auch Fein Zweiffel, daß 
diefer Pſalm in groffem Land-Sterben manchen Men 
ſchen erreitet. (2) Zum Sieg wider die Keinde, 
und find Sieges s Palmen, denn als David in die 
Dem te. ſechs Victorien erhalten, hat ex den 18. Pfalm geſun⸗ 
gen, 2. Sam. 22. d.1.f99. Und wie der König Jo⸗ 
ſaphat mit einem Lob⸗Pſalm den Sieg wider die Moas 
a. Ehren. biter erhalten, iſt geföhrieben 2. Chron, 20. v. 21. ſeqq. 
20.9.3132, Das war eine wunderliche Schlacht Ordnung; Die 
Prieſter giengen mit Loben vorne an; (3) Sind Pfalz 
men gefungen worden in groflen Noͤthen, als wir 
leſen 1. Sam. 21.0. 13. da David feine Geberde vers 
ftellet vor Achis, bat er den 34. Pſalm gefungen, wie 
Der Titul begeuget. Singleichen den 3. als er flohe für Abs 
f ſalom. Und als die Apoſtel Ap. Geſch.4. v. 3 1. in ihren 
Pi. v. ꝛ. groſſen Noͤthen den 2. falm beten, beweget ſich die 
| Erde. Das ſind Noth-⸗Pſalmen. (4) Sind Freu⸗ 
den⸗Pſalmen: Als . Chron. 17.v. 7. hat David den 
105. geſungen bey der Lade des Bundes. (5) Sind 
 Trauer-Pfalmen; als der 102, tie der Titul lautet. 
Ingleichen wider die Verleumder; als der 4.7. 72. 
Ingleichen wider die Kranckheit; alsder z30. Pſalm. 
Ein Chrif Alfo haben wir fattz und genugfame Gründe von 
Kid der heilfamen Krafft des fchönen Lobes GOttes daraus 
"ben, und wir vernommen haben, daß, wie einem Ehriftglaubigen 
warum? Menſchen gebühret, täglich zu beten, fo gebühret ihm 
auch, täglich GOtt zu loben; ‚denn erftlich, fo ifts eine 
Dereinigung der menfihlichen Kirche mit der Engli⸗ 
ſchen Kirche im Himmel, und ift eine vechte Englifche 
Eigenfchafft, täglich GOtt loben: Darum wir im | 

Dater Unfer bitten; Dein. Wille gefibebe, wie im 
Zimmel, alfo auch auf Erden, Demnach wenn du 
e | ein 





des Lobes GOttes. 775 


ein Bet-Stundlein haͤlteſt, und geheſt in dein Kaͤm⸗ 
merlein, im Verborgenen zu beten, fo finge auch dei⸗ 

nem lieben GOtt einen Lob- Palmen mit, (2) So Kinder fol 
wärs gang Ehriftlich, Daß wir die Kinder von Zur yore pr 
gend auf gervohneten, GOTT zu loben Durch ſchoͤne tes gcmay: 
Pſalmen, nach dem 8. Pſalm, v. 3. Aus dem Munde — Er 
der jungen Binder haft dur dir ein Kob undeine 
Macht zugerichter : Lind fichet alsbald die Frucht 

und Kraft darbey: Daß du vertilgeft den Feind 

und den Rachgierigen. (3) So fülte es geſchehen 
um der gnadigen Beywohnung GHDttes willen. 

Malm 22.0.4. »Err, di bift heilig, der du woh⸗ 

neft unter dem Lob Iſrael. (4) So giebts die Erz 
fabrung, daß GOttes Lob in unfern Hertzen erwecket 
fonderliche Andacht, geiftliche Freude, lebendigen Troft, 
Friede und Ruhe in GOtt. 

ur Gebet. 


DU bift ja allein würdig zu nehmen, mein GOtt, alle Ehre, Offenb. 4. 
7 und Preiß, und deine Güte gegen mir ift ſo unermeßlich, v. II. 
daß wenn alle meine Haare Zungen mären,diefelben deine Herr⸗ 
lichkeit nicht genug erheben koͤnten. Wohin ich mich wende, 
befinde ich Urfachen genug did) zu loben, ja Urfachen genug, mich 
zu verwundern, daß du allervollfommenftes, ewiges unbegreiffe 
liches Wefen dir gefallen Läffeft ein fo unvollfommen Lob,als wir 
arıne Adams Kinder dir abftatten Finnen. Um fo vielmehr bes 
klage ich, o HErr, daß, da alle Creatur was im Himmel und auf 
Erden iſt, deinen Preiß erhoͤhet, ich fo träge bin, dich zu loben.: 
Bitten und Flehen preffet mir offt die Noch ab; aber dich hertz— 
lich zu preifen bin ich unbereit. Ah HErr mein GOtt, nimm 
‚ von mir die Blindheit meines Hergeng, und lehre mich dich 
mehr erfennen, fo werde ich dich eiferiger lieben, und brünftiger 
loben. Toͤdte in mirdie Sünden, die mic untuͤchtig machen zu Pr. 32, u. 
deinem Lobe. Ein dir gefälliges-Lob kommt aus der Freunde Kim. 14. 
des Geiſtes, welche nicht Statt hat, wo die Suͤnde herrfchet, v. 17. 18. 
Du heiſſeſt die Teufel fehweigen, wenn fie dich preifen wollen, zu I 4 v. 4. 
zeigen, daß ein Lob von ungeheiligtem Hertzen und unreinen Lip⸗ 
pen dir ein Greuelfey. So reinige und heilige mich, mein ges 
treuer Heyland, von aller meiner Unreinigkeit, und lege denn in 
meinen Mund dag neue Lied, Dich zu preifen deine Wunder zu 
Herfündigen; denn groß und wunderfam find deine Wercke, 
HErr allmächtiger GOtt, gerecht und wahrhaftig find deine Hfenb. 15; 
Wege, du König der Heiligen; Wer ſolte dich nicht —— 00,3.4, 
ah x ‚Ir, 








4 


Pſalm ı19, & 


576 B.1. &.42. Was den Menſchen 


HErr, und deinen Namen preifen? Denn du bift allein heilig. 
Gieb mir deine Önade, daß ich dem Satan zu Trog dich preifen 
möge, auchin allen Anfechtungen und Leiden ; und durch deine 
Zuͤchtigungen mein Fleiſch gecreugiget, dein ob aber auch unter 
ber Ruthen von mir vermehrer werde: Durch JEſum CHris 
ftum deinen Sohn unfern HErrn! Amen, als 


Das KL. Capitel. 





Was den Menfchen sum täglichen Lobe 


GOttes anmahnen und treiben ſoll. 

Palm 106. 107. 118. Dancket dem SEErrn, denn 

er iſt freundlich, und ſeine Guͤte waͤhret 
ewiglich. re fu Ss 
E35 Tpricht der heilige David in 119. Pſ. v. 164. 
Se ir löbe dich des Tages ſiebenmal, under 
DI Rechte willen deiner Gerechtigkeit. Das 
it, ich finge des Tages’ offe gu Ehren deinem Namen, 





EinMtengh Lehret uns Damit, daß Fein Menſch fein Leben beffer an⸗ 


tan GOtt 
- allegeit to: 


legen Fünne, denn wenn er des Tages etwa einmal ſich 


ben der” in. fein Kaͤmmerlein verfehleuft, und daſelbſt GOtt in 


Stille ſei⸗ 


mes Her⸗ 
tzens im 
Geiſt. 


Coloſſ. 3. 
2.16 


Anmah⸗ 
nung zu 
GOttes 
Rob, 


1. 
GOttes 
Befehl 


der Stille lobet; wie David ſpricht, BR 65. v. 2. 


Gott, manlobet Sich in der Stille zu ion: Dder 


‚wenn der Menſch in feiner Arbeit iſt, oder ja Inder Stil⸗ 
ligkeit ſeines Hertzens, er ſey an welchem Ort er wolle, 


Gott lobet. Denn ein wahrer Chriſt iſt mit feinem 


Gebet ſonſt an keine Zeit und Ort gebunden, ſendern es 
ſtehet, un Geiſt und in der Wahrheit, Joh. 4. v. 23. 
Der Geiſt aber iſt an keine Zeit und Ort gebunden. 
Daum Et Paulus Col. 3,0. 16. ſpricht: Singer 
und ſpielet den HErrn in eurem Hertzen. Das 
iſt Der vechte Dit Des Lobes GOttes. 

Weil wir aber von Natur teäg und faul find zu 
GOttes Kobe, wie wir folches alles an uns befinden; 
fo hat ung der liebe GOtt in feinem Worte viel Re- 


media und Mittel gezeiget, Dadurch wir zu GOttes Lobe 
angemahnet werden, 


1. So its GOttes ernſter Befehl. Cr wills 
von uns, als feiner Creatur und Knechten haben, Ne er 
darzu 


„sum Lobe GoOttes anmahnen ſoll. 577 


GELEITET — ———— 

darzu erſchaffen hat, daß fie ihn ſollen loben, wie einer DemMenſch 
einen. Knecht und Diener zum gewiffen Dienft an- Arm 
nimmt. Wer nun GDtt nicht täglich lobet, den hat fen, af 
GOtt vergeblich gefchaffen, der ft auch GOttes Knecht 

und Diener nicht, Darum wird diefer Befehl fo offt 
wwiederholet in GOttes Abort: Lobet den AKren, 

lober ihr Anechte des HErrn, PM. 113. verſ. ı. 
Dander dem „Burn; M.ı18.01. Du ſolt mich 

preifen, ec. PM. so. v. 15. anzuzeigen, das fey der 
fürnehmfte Gottesdienft, daß man GDtt täglich lo⸗ 

bet; Darinn find die andern Gottesdienfte alle ber 

griffen: ja das wird unfer hochfter Gottesdienft feyn 

in- jenem Leben. Darum fell das unfere höchfte Ehre, BOtteseob 
Luſt und Freude ſeyn, GOit täglich loben ; wie Da- I, Seelen 
Bid ſpricht Pſalm 63: 9. 6. Des ſoll meines Her⸗ Freude, 
tens Auft und Sreude feyn, wenn ich dich mie frö- Mn 6 
lichem Munde loben ſolte. Und Pſalm 37. verſ. 4. 

Haͤbe deine Luſt an dem HErrn, der wird dir ges 

ben, was dein Hertz wuͤnſchet. Selig iſt, der in 

ſeinem Gottesdienſt ſo hoch kommen iſt, daß er ſeine 

Luſt am HErrn hat, und ihn taͤglich lobet, der hat 
reichen Troſt von ſeinem heiligen Tempel, Pſalm 
6505 Was kan für eine groͤſſere Ehre eines Men⸗ GHttesto 
ſchen feyn, als daß erals ein nichtiger Staub und Suͤn⸗ unſte Ehre 
der fo einem machtigen, ja dem allermachtigften und 

höchften HErrn dienen foll? Wie freuet fich ein Menfeh, 

wenn er einem geoffen Herrn in dieſer Welt dienenmag? 
Vielmehr hie. DIE fülte „einem Chriſten tagliche 
Yufmunterung genug fyn.  _ 

2, So gereicher fölches Lob GOttes nur uns Unfen 
sum Beten. GOtt hat unfers Lobes nicht vonnötben, Nier Nut 
er wird dadurch nicht geringer noch groͤſſer; darzu iſt 
unfer Lob unrein, wir find von unreinen Lippen, 

Jeſa. 6,9. 5. Sondern ung gereichts zum Beſten, daß Dur 
wir Dadurch viel Gutes und Segen BDttes zu ung zie⸗ yon penmt 
hen. Cor grätum eftteceptaculum multarum gratiärum viel Segen 
divinarum. Das ift: Kin danckbar Hertz iſt ein!" uns. 
Gefaͤßlein, das GOtt mit vielen Gnaden und 

11, Cheil, 29 mare 


578 B. II. C. 42. Was den Menſchen 


mancherleySegen füller. Ja dadurch ziehen wir GOtt 
zu uns, werden fein Tempel und Heiligthum, darinn ev 
Sud wohne. Wo nun GOtt iſt und wohnet, da muß auch 
—3— aller Segen und alles Guts ſeyn. Ja wir treten durch 
men wir in täglich Lob GOttes in Die Geſellſchafft der himmliſchen 
ber Engel und triumphirenden Kirchen: ‘Denn was thun Die 
fa, Engel GOttes und Auserwehlten anders im Himmel, 
denn daß fie GOTT, mit unaufhoͤrlicher Stimme 
loben und preifen? Wir erhalten dadurch in diefem 
Leben einen Sieg über den andern, Pſalm 84. 0. 8. 
und 18.20.30. Und endlid) werden wir Durch taͤgli⸗ 
ches Lob GOttes in unſern Hertzen verſichert, daß wir 
bey GOTT endlich ewig ſeyn und bleiben werden ; 
denn er hat zugefagt: Wo ich bin, da foll mein Die- 
ner auch fepn, Joh. 12.90.26. Wolte GOTT, wir - 
armen Menſchen bedächten folches , und Eöntens zu 
Werck richten, und ohne Unterlaß i in unfern Hertzen, 
Einnen und Gedanken GOTT loben, ſo würde unfer 

Hertz ein recht Bethaus feyn. 
3. . Soll uns zum täglichen Lobe GOttes anreitzen 
Sreumdlic, BOttes Sreundlichkeit, Liebe und Güte, fo ewig 
eit und, Wwähret: Denn folche Urſach des Lobes GOttes 
Guͤte. wird zum öfftern in den Pſalmen wiederholet, anzuzei⸗ 
gen, daß diß das rechte Fundament und Urſach ſey des 
Hohe ur· wahren Lobes GOttes und hertzlicher Danckſagung, 
en Lo⸗ nemlich GOttes Freundlichkeit, Guͤte und Barm⸗ 
t68, hertzigkeit, fo ewig waͤhret. Und folches Fan kei⸗ 
nes Menſchen Zunge austeden, ja Erin Hertz faſſen, 
wasdas ſey, daß GOTT, der fo ein mächtiger aroffer 
HErr ift, ſich gegen Die RPenſchen ſo Erde und Staub, 
ja groſſe Suͤnder ud GOTTES Feinde find, ſo 
freundlich und gütig erzeiget, und nicht müde noch 
verdroffen wird, uns unwuͤrdigen und undanckbaren 
Suͤndern Guts zu thun; fondern ewiglich ein freunde 
liches; gütiges Hertz gegen die Menfchen behält, gegen 
die, fo ietzo leben, und Eunfftig leben werden in alle 
Götte Swigkeit. Es empfinden aber alle Menfchen GOttes 
keit und Freundlichkeit und Guͤte, ſonderlich an ihnen Eiche 
Siehe 


\ 


sum Lobe GOttes ammabnen ſoll. 579 


Siehe dich an, wer biſt du? Ein groſſer Suͤnder; Gate er⸗ 
GoOtt der HErr aber it ſo langmuͤthiges und gedul⸗ — 
tiges Hertzens, daß er nicht ſo bald, ſo ſchnell und ſo 8 au ih 
eilend die Suͤnde ſtrafet, und die Mifferhat heimſu— fen 
N chet, auch nicht fd fehresklich und hart uns arme Men⸗ 
fchen ftrafet, vote wirs wohl verdienen ;_ und in Demfelz 
bigen übertrifft. er alle Menſchen. Denn kein Dienfch wein 
bat folche innerliche, gruͤndliche wefentliche Langmuth, en 
Güte und Freundlichkeit, ale GOtt: Darum würde Kangmuch 
kein Menfch mit der Strafe ſo lange harren: ex wuͤrde eis Gott. 
auch tauſendmal harter ſtrafen als GOtt. Denn wie 
muͤſſen alle befennen und fügen, wenn GOtt ſtrafet, 
fo iſt noch allewege Gnade und Freundlichkeit dabey, 
und GOttes Strafen find. noch. allewege geringer, 
denn unfere Suͤnde: Darum muß GDtt innerlich, 
gründlich, weſentlich Die hoͤchſte Güte, Treue und 
Freundlichkeit ſeyn. Das erfaͤhret ein feglicher taͤg⸗ 
lich an ihm ſelbſt. Au 
GOtt redet in feinem Wort fo Freundlich mit ung, 
und hat ſich fo holdfelig abgebildet, daß kein Baker und 
Mutter ihre weinenden Kinder freundlicher und liebko⸗ 
fender anveden koͤnnen: Biſt du nicht mein liebes 
Kind und mein trauter Sohn? Darum bricht 
mir mein Hertz ich muß mich deut erbarınen, ſpricht 
unſer GOtt, Jer 31.2 0 | 
as bat er uns fir groffe Liebes Mercke und Ser. 32 
Freundlichkeit erzeiget an Leib und Seele? Es ſoll He mut 
mir eine Luſt ſeyn, daß ich ihnen Gutes thue, mit Luß 
richt GOtt, Fer, 32.90.41. So guͤtig und fo lieb⸗ uns Gutes, 
reich iſt GOtt, daß er ſich freuet, daß er einen findet, 
der feiner Guͤtigkeit genieſſe. Das iſt der Liebe Art. 
Ja, wenn ernicht ſo guͤtig ware, wer koͤnte denn eben ? 
Denn aus feiner Güte kommt das Leben, jafeine Guͤte 
ift befler dem Leben, Pſalm 63. v. 4. Die der 
SErrn fürchten, die wird die Güte umfahen, 
Pſalm 32. verf. 10. Gleichwie eine Mutter. ihr 
Kind hertzet, fo hertze uns GOttes Güte ; Denn fie ums 


fahet uns, ' 
iR Do 2 Air 


- 


580 BE. Eur Was den Mienfchen 


@) Ale Wir fehen auch die Freundlichkeit und Güte 
Andgensen GOttes in allen Creaturen, qux fünt veſtigia de fpecula 
dersreunds bonitatis divine : Als welche find Fußſtapffen und 
uhr  Gpiegelder Goͤttlichen Gütigkeit: Iſt doch die Erde 
und feiner voll feiner Güte, Pfalm 104. 9.24. Bedencke es 
‚Gusigkeit ein jeder, wen hat GOtt gefchaffen alle das Gute, 
das der Himmel und die Erde in fich begreift? Um 
feinetwillen hat ers nicht gefchaffen, denn er bedarffs 
nicht 5; er darff Feiner erfchaffenen Ereatur, er iſt 
omnifufficiens fibi, der an fich felbit ſchon genug hat, 
Die Sonne, Mond und Sterne leuchten ihm nicht; 
fondern uns; Feuer, Lufft, Waſſer, Erde nuͤtzet ihm 
nicht, fondern uns. Wenn er unfer Hertz mir Speife 
Ap. Geſch. und Freude erfüller, Ay. Geſch. 14. v. 17. fo fehen 

Edle ßgter; und ſchmecken wir ja GOttes Freundlichkeit und Guͤ⸗ 
Gefunds tigkeit. Hat nicht ein ieder Menfch an feinem Leibe 
beit, mehr Guter und Gaben GOttes, denn er zehlen Fan? 
Er giebt gefunden Leib und Glieder: Wer molte 
ſolches für ein Rayferthum geben? Mit welchem Gute 
Waſſer. Fünte man das einige Clement das Waſſer beahlen, 
wenns uns GOtt naͤhme, und in Blur verwandelte, 
wie in Egppten? 2. B. Moſ. 7. 0.20. Oder wel 
cher Fuͤrſt Eönte mit alle feinen Neichthum des Tages 
eicht. Licht beahlen , wenn GOTT Finſterniß Eommen 
Ä lieffe wie in Egypten, 2. B.Mof. 10.09.22. Wenn 
euft. ir einen Augenblick folten der Lufft entbehren, was 
(3)901tes hülffen alle Schage der ABelt? Gehe, das find die 
Ela gröften Güter, und die verachteften, dafür GOtt nies 
und Ars mand dancket! Wenn wir die Freundlichkeit und Güte 
dergeburt. GOttes bedencken, fo er uns im Wercke der Erlöfung 
und Heiligung begeiget, da werden wir unfer Lebelang, 
A ja in Ewigkeit genug anzu preifen und zuloben haben: 
HH Denn e3 viel ein gröffer Werck ift, die Welt erlöfen, 
Les te denn Die Welt fehaffen , der Menfchen neu laffen gez 
ausder bohren werden geijtlich, als leiblich laſſen gebohren wer⸗ 
Voꝛſehuns don, Und in Summa,wenn wir GDtteswunderbare - 
Providens und Vorſehung bedencken, ſo fehen wir al 
kenthalben GOttes Sure, nd 

n 


\ sum Lobe GOttes anmahnen all 581 


Und weil wir ja ſo grob ſeyn, daß wir daſſelbe nicht 3 Im 
wollen mercken, und * vergefjenes und anckbares He 
tzens ſeyn ſo muß uns GOtt der HErr bis weilen Zeitliche 
durchs Ereut, und Entziehung feiner Güte erinnern, entzeucht. 

und zu erkennen geben, von wen wir alles haben, auf 

daß wir ihm dancken, und ben Urſprung alles Guten 
erkennen lernen, wie GOTT klagt im Propheten igof.av 2 
Muthwillig wollen fie nicht wiſſen, daß ich der 
SERR bin, der ihnen gebe Korn, Bel, Wolle, 
- Gold, Silber; darum will ichs ihnen entwen= 
den, Hoſ. 2. 0.8. Darum ift das heilige Creutz 
gleich als ein Licht, Dabey wir GOttes Wohlthaten 
fehen, greiffen und erkennen lernen: Denn Die Un⸗undauck⸗ 
danckbarkeit iſt eine groſſe "Blindheit des Hertzens. —— 
Sie iſt die hoͤchſte Unehre GOttes; da doch Der die hecht 
Ehre GOttes alle Welt voll iſt: vielmehr pi derſel⸗ ⸗GoOites. 

ben des Menſchen Hertz voll ſeyn. 

Ja es iſt hoch zu verwundern, und SOT TEE (6) Segen 
Freundlichkeit und Güte Daraus zu erkennen, Daß erd ie Böfen 
Diefelbe auch feinen Feinden und den Boͤſen mitheirn © 
let: Denn er läftfeine Sonne aufgeben und ſchel⸗ 
nen über Gute und Boͤſe, Matth. 5.2.47. 

Endlich iſt feine Sreundlichkeit und Guͤte auch Da er 
daraus zu-fpuren, daß, ob wir wol ſo undanckbar und — 
ſo ſehr boͤſe ſeyn, daß unſer Hertz taͤglich die Bozheit Bosheit 
quillet wie ein Brunn, Ser. 6. v. 7. dennoch it ST a 
ſo guͤtig, und fo fromm und freundlich, daß er mit Güte 
unfere Bosheit überwindet, und nicht aufhoͤret gütig 
zu feyn. Darum der 136, Palm fpricht: Seine 
Güte wäbret ewiglich. Des Menſchen Hertz iſt 
ein abyſſus iniquitatis, ein Abgrund alles Boͤſen, Jer. 

17.0.9 Dargegen GOtt der HErr iſt ein abyf- GHttes 
ſus bonitatis, ein Abgrund aller Güte, und laft fich —3 — 
unſere Undanckbarkeit nicht abwenden von feiner Kup unaus- 
Guͤtigkeit. Das ift eine fehr groffe gründliche Guͤ— ſprechlich 
tigkeit! Ein Menfch vermag folche Güte nicht; Es iſt 
menſchlicher Natur zu ſchwer Gutes zu hun, und ei eitet 
Boͤſes dafuͤr empfahen: So gehets aber &$ 

Oo3 ann 





I 7 | 


582 B. U. C. 422. Was den Menſchen 


Von 69 Darum muß feine Guͤtigkeit gruͤndlich und ſehr groß 
AED ſeyn. Und ob wir ihn Dusch unſere Bosheit gleich offt 
zum Zorne bewegen, daß es Sich anfehen täft, als habe 

er vergelfen gnaͤdig zu fern, und feine Barmher⸗ 
tzigkeit für Zorn ve erſchloſſen, IM. 77.0. 10, fo iſts 

Doch ein NaterzZorn, ira paterna, in welchem Fein 
Verderben ift, es iſt doch allezeit Gnade darbey; a, 

feine Guͤte iſt doch allezeit groͤſſ er denn ſein Zorn. IM. 89 

“ 2:31.33.34. Wenn meine Rinder mein Gefeg vers 
laffen, fo will ich fie mit der Ruthen beimfuchen, 

aber meine Gnade will ich nicht von ihnen neb- 

| men. Habac. 4.0.2. Wenn Trübſal da ift, [6 
Alagl. 3. gedencket er der Barmhertzigkeit. Klagl. 3.0. 33. 
2.33. 9 plaget die Leute nicht von Hertzen; 08 ift 
gleichſam wider feine Natur und wefentliche Gütig« 

Wiesn keit. Denn obwol die Schrifft fügt, Da GOTE 
zuͤrne. zuͤrne, fo redet ſie doch erſtlich von GOtt nach menſch⸗ 
licher Weiſe, um unſers wenigen Verſtandes willen. 

GOtt zur / Fuͤrs andre, fo zuͤrnet GOtt nicht mit den Gläubigen, 
Bee oh ph er fie wol süchtiger, fondern er ſtrafet fie aus Liebe, 
Gläubinen, Mit den Un bußfertigen aber zuͤrnet er, und ſtrafet fie 
Ku ie, im Zorn: Der Form COttes bleiber über ihnen, 
aus Zorn, %ob, 3.36, Darım bittet David: Zen, fEraf 
— mich nicht in deinem Zorn! PM. 6.9.2. Als wolte 
Don a er ſagen: fondern aus Liebe, wie ein Vater. Dar⸗ 
um, ſo wenig als eine truͤbe Wolcke die Sonne kan 
unterdruͤcken und gar ausloͤſchen, ſie bricht doch endlich 

durch: So wenig kan auch die Wolcke der Truͤbſal 
GOttes Guͤte und Gnade tilgen und daͤmpffen. Und 

ſo wenig als das Meer kan ausgeſchoͤpffet werden, ſo 

wenig kan auch GOttes GnadenzMeer ausgeſchoͤpf⸗ 

fet werden; denn ſeine Guͤte waͤhret ewiglich, 

an Pſalm 136.9, 12 Und diß iſt auch die Urſache, warum 
feicht vers EL ſich ſo feicht verföhnen und zur Vergebung bewegen 
ohnen läf. Is und daſſelbe nicht einmal, nicht ein oder zwey Tage, 
fondern er bat eine immerwaͤhrende Guoͤtigkeit, ja eine 

. ſolche Natur und Weſen, die nichts denn eitel Guͤ⸗ 


tigkeit iſt. Darum Fan ein Menſch nicht fo oft, * 





zum LCobe GOttes anmabnen foll, 583 


a > a 2 an, 
fo brünftig feufften, GDtt vergiebt viel öffter, viel 
brünftiger die Sünde: ja er ift viel geneigter ung zu 
vergeben, als wir feyn, ihn um Vergebung zu bitten. 

Laͤſſet nun GOtt feine Güte ietzo fo reichlich über Der 
uns walten, daß wir fie fehen und anruffen; was wird her 
denn Dart geſchehen im ewigen Leben, da wir erfahren Süre cın 
werden, daß feine Güte ewig iſt? Erzeiget er uns fo — 
Guͤte in dieſer Welt, daß wir in feiner Guͤte leben, gevens, 
weben und fern, Ap. Geſch. 17.0. 28. da wir noch Dies 
fen fündlichen Leib fragen: was wird dort geſchehen, 
wenn wir nun der Sünden ganglich los, und gantz 
ohne Sünden feyn werden? 

a. So ift die aller Heiligen fuͤrnehmſtes Dun, nt ER 
und Werck gewefen, daß fie GOtt gelobet. CS iff gen Ereme 
faft Eein Prophet des alten Teftaments, er hat feinen pel un) 
eigenen Lobgeſang; Mofes, 2. B. Mil. 15. 5. Be 
Moſ. 32. Hanna, ı. Sam. 2.. Joſaphat, 
2.Chron.20. Se. ı2. Hiskia, ef. 38. Jeremias, 

Klagl. 3.20. Sonderlich Fan David in vielen Malz 
men GOttes Lob nicht gnugſam rühmen, und bittet, 
daß es nimmer möge aus feinem Munde Fommen, 

. 34.0.1. Die drep Männer im Seuer-Öfen, 

fo audy im neuen Zeftament, Luc. 1. ©. 47. 68. 
Um St. Paulus und Derrus in allen ihren Epiſteln. 
Darmit fie gnugſam zu verftehen geben, daß fie GOt⸗ — 
tes Lob fr das herrlichſte Werck geachtet haben, ſo perrticppe 
ein Menſch in dieſem Sammerthal thun Fan. Wol⸗ Were: 
len wie nun von der Gemeinfchafft der Heiligen 
nicht ausgefchloffen feyn, fo müffen wir uns ſtets des 
Lobes GOttes befleißigen.. 

5. So mahnen uns alle Creaturen anzu GOt⸗ gie duch 
tes Lob; denn fo redet David alle Creaturen an, alle@reatus 
PM. 103. v. 22. Lobet den HERXV alle feine!sı SO 
Werde an allen Orten feiner Herrſchafft. Alle W.10 
Wercke GOttes loben ihren Meifter auf ihre Reife, + => 
G0Ott hat fein Lob in alle Ereaturen mit feinem Finger 
gefihrieben, und Fan auch) keine Ereatür GDttes Lob 
verichweigen, Pſalm 19,0. 1. Die Himmel ersch- 

Oo 4 len 


| Was den Mienfhen — 
584 BI. E. 42, — — 
— — s, un areſt 
len die Ehre GOttes, — 8, D. 7: en 
feiner Haͤnde Were, —— lobeten? So —* 
— mich die Miorge mit ihrem Licht. Es 
du, da mich® (oben &HDtt mit ih Hat 
terne lobet gemacht bat, 
Mond und S SErr fepn, der fie ie grünet 
muß nr Ohr be —— ibren 
Eir. 43,0, 5. Die Aräuter un und Weis⸗ 
air nis Allmacht und Weie 
nn Mn Odınse! Di 
heit mit ihrem G Himmel mit ihrem Das meer 
oͤgel unter dem ihre ruͤchte; 
a e loben SOtt burch ih under Bl 1040.25. 
ee fh viel Fiſche und mes nee GOtt, indem “ 
in Summa alle Creatu turen reden mi 
a * 
ie ung Im DT e von GOtte nen UNS AU, den⸗ 
den ums, buch 5 Schöpffer, und anfiehe das zeuget 
enbaren un Alles, was man an offe Buch der 
a Rn a ober 
nn = ung voll gefchrieben feines mbertigkeiteräeiget, 
Schoͤpfft eatur fo groſſe Barmher SHDtt offter 
GOtt Feiner Erea fo it er auch fchuldig, & 
als en denn alle —— Lob viel 
und mehr fer und aller aller nLob 
| So iſt un . ARRLBTEN ER} 
Gm 6. So iſt unfen offer, denn aller Creat e ihm 
“4 Bus Em zu daher: ie, Da al Can — J 
‚daude ma- 94, herrii r, Denn allere Cre 
Bing. U 6 iſt Leblicher, denn — erreichen koͤnnen, 
Sir. 43. geben, diemand wird ſein ß GOtt loben, 
J——— a wir ohn Unterla v: Dennimer 
erwun⸗ Eir. 43.0, 34. ‚gering, erift noch gröfjer; D d alle 
Derwuns gering, erut sreden, un 
ee fOifte Doch Ten Share ne Er EDE die Heili 
unsitır Fan Die REN preifen ? a fie ich 
SOME King Lobliche Wercke en wolten, verw Sichn 
Werde, br GOttes GOtt loben ech erzeichen, folten, we 
aber GOit gen € RN fie GOttes Lo a6, aber fie koͤnnensn 
Mu mehr, als da illen und Vorſatz, aber David davon 
* in vielen Pſalmen, —— 2. Mof, e ps — iſt 
EErr iſt meine | | 


* 


den, auf daß wir GOttes Kinder wuͤrden: Er laͤſt ihn 


zum Lobe GOttes anmahnen ſoll. 585 


oe 
mein GOtt, ich will ihn preiſen, er iſt meines 
Vaters GOtt, ih will ibn erheben. Er ſpricht: 
GoOtt ſey feine Staͤrcke. Wenn GOttes Staͤrcke GOTT iR 
und Krafft nicht bey uns wäre, in uns, Über ung, uns Ace 
nd wirin GOttes Krafft nicht eingefchloffen waren, fo ſeyn. 
zerfielen mir, wie ein Staub, und verſchwuͤnden, wie 

ein Schatten, Darum fagt der 39. Pſalm, v. 6, 


. Wie gar nichts find doch alle Menſchen, die doch 


fo fiher leben! Der AKrr iſt mein Zeil: „Er it 
meine Gerechtigkeit wider Die Stinde, meine Staͤrcke in 
GSchwachheit, meine Zuflucht in Derfolgung, meine 
Freude in der Traurigkeit, mein Leben im Tode. 

Wboo will man nun einen fülchen GOtt finden, bey 
welchem folch groß Heil iſt, der fo machtig, daß er 
Zimmel und Erden hält und trägt, Jeſ. 40.0. 12, 


der fo heilig ift, daß ihnalle Engel anbecen, Jeſ. 6. v. 3. 


der fo schrecklich ift, daß Himmel, Erde und die Aölle 
porihm zittert, 2.B.Mof.rs.v. 11. der ſo loͤblich ift, 

daß alles, was er gefchaffen hat, lobens⸗werth iſt; deß 

Ehre voll iſt Himmel und Erde, und alles, was lebet, 

(obet feinen Schöpffer ; der ſo wunderthätig, daß er aus 

nichts etwas, aus Sinfterniß Licht, aus der Sunde Ger Dur 
rechti weit, und aus dem Tode Das Leben machen Fan? — 
Wer kan das groſſe Werck der Erloͤſung ausreden? Virer ge 


Er laͤſt feinen lieben Sohn ein Menſchen⸗ Kind wer⸗ gorreifır 


die gröften Schmersen leiden, auf daß wir die ewige 


Freude ererben: Er faft ihn den Rerachteften werden 
unter allen Menfchen-Kindern, auf daß wir möchten zu 
Ehren kommen: Cr laft ihn für ung fterben, auf daß 
wir leben füllen. Sind dasnicht groffe Wercke, wer 
Fan die gnugſam preifen ? Iſt das nicht ein groß Werck, 
daß GOtt in uns wohnet, den fonft aller Himmel 
Ben! nicht begreiffen koͤnnen, ı, Kon. 8. 0,27. 
aß er untere Seelen unfterblich gemacht hat, und 
nach dem Tode zu fich nimmt; daß er unfern Keib/aus 
dem Staub der Erden wird auferwecken zum ewigen 
Lehen? Freylich iſts ein groffes Werck, daß das Sterb- 
\ DU 5 liche 


“ 


586 BE. Was den Mienfchen 


liche anziehen foll die Unſterblichkeit, 1. Cor. 15. 
| v. 54. Darum lobenun meine Seele den HErrn! 
— Wer nicht will umſonſt geſchaffen ſeyn, und als ein 
des kung undanckbares Geſchoͤpff GOttes unter allen Creaturen 
GOltes. ‚gefunden werden; wer da will ein Chriſt ſeyn, und 

gedencket nach dieſem Leben in Himmel zu Eommen 

unter Die Geſellſchafft der heiligen Engel und aller 

Auserwehlten, und endlich bey GOtt in ewiger Freus 

de zu leben; deß Seele lobe den HErrn, und bitte 

GOtt, daß er fein Lob in unferm Hertzen ja nimmer 

mehr erlöfhen laffe. Was wir aber in dieſer Welt 

nicht genungfam koͤnnen ausreden und preifen, das 
wird Dort geſchehen, da wir werden volllommen fen, 
und das Stuͤckwerck wird aufhören: Denn wir feben 
bier GOtt in einem dunckeln Spiegel; dort aber 

von Angeſicht zu Angeficht, 1. Cor. 13. v. 12, 
Das helffe uns GOtt! 


a Gebet. 


Du ewiger, wahrer, lebendiger GOtt, der du mich zu dei⸗ 

nem Lole geſchaffen haft, gieb mir, daß ich dich wuͤrdiglich 

lobe. Du biſt jader Herrlichſte, der Loblichſte, der Heiligſte, der 
Gerechteſte, der Allerſchoönſte, ver Allerguͤtigſte, ver Allerfreund— 

lichſte: ja du biſt der allerwahrhafftigſte, du Bift gereh tn allen 

Palm 145. deinen Wercken, und heilig in allen deinen Wegen: du bift der 
= * h Aller weiſeſte dir find alle deine Wercke bon Ewigkeit her bewuſt; 
du biſt der Allerſtaͤrckeſte, dir mag niemand widerſtehen, HErr 
Jer 327Zebaoth iſt dein Name, groß von Rath und mächtig von That, 
0.18.19. deine Augen ſehen auf alle Menſchen-Kinder: Du biſt allgegen⸗ 
Jer 23. waͤrtig, du erfuͤlleſt Himmel und Erden biſt unendlich, ſieheſt, 
hörcft, regiereſt alles, du erhaͤlteſt und traͤgeſt alles mit deinem 
— kraͤfftigen Wort. Du biſt erſchrecklich; wenn du das Urtheil 
laͤſſeſt Baron, fo erfchrickt dag Erdreich, und wird ftille, dur legeſt 


» Beim 46. Ehre ein auf Erden,du legeft Ehre ein unter den Volckern, dur 


v. 1. nimmſt den Sürften den Muth, und bift erſchrecklich unter den 
—3 Konigen auf Erden, du biſt erfchrecklich, wenn du zuͤrneſt, wer 
ulm ss, fan für dir beſtehen, wenn du zornig biſt? Die Heyden müffen 
v7 versagen, und die Konigreiche fallen, dag Erdreich, muß verge⸗ 
Palm 103. ken wenn du bich heren laͤſſeſt; Du bift auch fehr barmhertzig, 
v. 8. gnaͤdig gedultig, von groſſer Güte, und gereuet dich bald der 
Strafe, du zuͤrneſt nicht ewiglich, und gedenckeſt nicht ewig der 
Sünden; ſo groß deine Allmacht iſt, ſo groß iſt auch deine Barm⸗ 
hertzigkeit ; deine Allmacht iſt unendlich, und deine — 

el 


sum Lobe GOttes anmahnen ſoll. 587 


keit hat kein Ende. O ewiges Licht! o ewiges Heil! o ewige 

Liebe! o ewige Suͤßigkeit! laß mich dich ſehen, laß mich dich 
empfinden, laß mich dich ſchmecken O emige Kieblichfeit! o ewi— Pſ. 34. 0.9 
ger Troft!o ewige Freude laß mich in dir ruhen, denn in dir fin⸗ 

de ich alles, was mir in dieſem Elende mangelt, du biſt alle Fuͤlle, 

und was du nicht biſt das iſt eitel Armuth, Jammer und Elend, 

das Leben ohne dich iſt der bittere Tod; deine Gute iſt beſſer denn Pf, 63. v.4. 
Leben. Achduüberköftlicher Schatz, du ewiges Gut, du liebli⸗ 

ches Leben! wenn werde ich vollkommlich mit dir vereiniget 

werden, daß ich dich in mir vollfömmlich ſchmecke, und dich in 

mir vollkommlich (ehe? Heiliger GOtt, unfterbliher GOtt, ges 

rechter GOtt, allweiſer GOtt, du ewiger König, dir fey Kob, 

Ehr und Preiß in alle Ewigkeit! Amcn. 


Das XLIL Capitel. 


GOtt loben ift des Menſchen höchft 

und Engliſche Herrlichkeit. 

Pſalm 92. v. 4. ſeqq. Auf den schen Saͤiten und 
Pſalter, mit Spielen auf der Harffen. Denn 
Err, du laͤſſeſt mich froͤlich ſingen von dei- 
nen Wercken, und ich ruͤhme die Geſchaͤffte 
deiner Haͤnde. „Err, wwie find deine Wer— 
cke jo groß; deine Gedanden find ſehr tieff. 
Kin Chorichter glauber das nicht, und ein 
Narr achtet ſolches nicht, 


S haben ſechs Pſalmen den Titul, Guͤlden Barum 
=4 Bleinod, als der 16. und vom 56. bis quf den Ki Hab 
| “60, anzudeuten, Daß GOttes Lob und Gebet ne Kleinod 
Des glaubigen Hertzens geiftliches himmliſches Kiez, beifſen. 
nod iſt. Daß aber des Menfihen Herrlichkeit if, 
GOTT loben, ift daraus abzunehmen: (1) Daß x 
mean mit aller Sreudigkeit darff vor GOtt tre- Fa 
ten, und ihn loben, Pf. 96. v. 6. Es ſtehet berrlich 
und prächtig vor ihn, und geber gewaltig und 
löblich zu in feinem Heiligthum. Darum It nun 
das eine groſſe Herrlichkeit eines GOtt- lobenden 
Menſchen, daß er täglich vor GOtt treten Fan, und 
GOtt loben! Denn auch Die heiligen Engel diß für 
eine groſſe Herrlichkeit achten. Luc. 1.0.19. ch bin 
Gabriel, der vor GoOtt ſtehet. 








2.t 


\ 


588 BU. C.43. GoOtt loben ift des Menſchen 


PARAT 2. ft darım GOttes Lob des Menfchen groͤſte 
gern gleich Detrlichkeit und Kleinod, weil wir dadurch den En⸗ 
— geln GOttes gleich werden. Als dar HErr E-Hriftus 
2.30. Des Menſchen zukünftige Herrlichkeit befchreiben will, 
£uc. 20. Matth. 22.v. 30. Luc. 20.0, 36. fpricht er: Siewer- 
v3. den den Engeln GOttes gleich ſeyn. Nuniftzwar 
ſolches zu verſtehen von der Herrlichkeit unſerer verklaͤr⸗ 
ten Leiber in jener Welt, und herrlichen Engliſchen Ga⸗ 

ben, damit GOtt die Auserwehlten zieren und ſchmuͤ⸗ 

cken wird, daß fie nicht allein den Engeln, fondern dem 
verklaͤrten Leibe CHriſti werden ähnlich werden, 

In jenem Pbil.3.d. 21. Und ı. Joh. 3.0. 2. Es iſt noch nicht 
Leren wer erfchienen, was wir fepn werden: Wir wiflen 
An a aber, wenn es erſcheinen wird, daß wir werden 
geh in GOEr gleich ſeyn; denn wir werdenibnfeben,wie _ 
ber Bert er iſt: Doch gleichwol wie niemand CHeifto wird aͤhn⸗ 
bier aber Jich werden, er werde ihm denn gleich in Diefem Leben, 
—5 das iſt, er glaͤube an ihn, er lebe in CHriſto, er folge ſeiner 
Mienie Demuth und Sanfftmuth, er werde hie dem Ebenbilde 
Di 1 des janfftmüthigen, demüthigen, niedrigen, gecreußig- 
gleich wer, ten EHrifti ahnlich, auf daß erauch dem Ebenbilde des 
deu. herrlichen, erhoͤheten, verklarten EHrifti gleich. werde: 
Alſo wird auch niemand den Singeln gleich werden an 

jenem Tage, er werde denn auch in dieſer Welt den 

Engeln gleich, Das Fan nun nicht beffer geſchehen, 

denn durch tägliches andachtiges Lob GOttes: Denn 

Der Engel das it der Engel Amt, wie es Jeſ. 6,v.3. und Pſalm 
Ant. 103,0. 20. befchrieben ift, daß ſie ohn Unterlaß GOtt 
(oben: Ber nundaffelbe thut, der vollbringt das Amt 

eines Engels, und wird in die Zahl der Engel gerechnet. 

Daraus folget, daß GOtt loben des Menfchen gröfte 
Herrlichkeit und Kleinod ſey; und das Fan inwendig 

im Hergen mit andächtigen heiligen Gedancfen ohne 
Unterlaß gefchehen. Denn dasrechtekob GOttes ges 

Col z. v 16. her fuͤrnemlich aus dem Hertzen, Epl. 3. d. 16, Sin: 

ger und ſpielet dem HErrn in eurem Hertzen. 

3. 3. Iſt darum GOttes Lob des Menfchen gröfte 
Bote Herrlichkeit und Kleinod, daß der Menſch dadurch 
endes GOt⸗ 
zur 


Höchfte und Engliſche Herrlichkeit. 589 


GOttes Werckzeug, GOttes Saͤitenſpiel und und Mund 
Zarffe wird welche den allerlieblichſten Laut und Thon dei Seh, 
von ſich giebt, Durch welche der Heilige Geiſt GOttes Saten⸗ 
Lob ausbreitet. Welches fein abgebildet iſt Offenb. Piel. 
Koh. am 14. v. 2. da der Evangeliſt geſehen hat eine 
Schaar, die dem Laͤmmlein GOttes nachfolge⸗ 
ten in weiſſen Kleidern, und ihr Gethön war als 
ein Berbön vieler tauſend Harffenſchlaͤger. Lind 
das haben vorzeiten im Alten Teſtament die mancherley 
wunderlichen lieblichen muſicaliſchen Inſtrumente be⸗ 
deutet, deren David im 150. Pſalm gedencket; welche Ahr 150, 
nichts anders bedeuten, denn die mancherley Gaben des" "7 
Heiligen Geiftes, dadurch GOttes Name, Lob, Er⸗ 
kaͤnnthiß, Werck, Wohlthaten und Wunder ausgebrei⸗ 
tet werden. Darum ſie auch vergangen ſeyn, auf daß Warum 
die geiftlichen Harffen und Pfalter des Lobes GOttes mufeati: 
ſollen an jener Statt fommen. Und gleichwie ein mus ſche Inſtru⸗ 
ficalifches Inſtrument des Menfchen Werkzeug ift, zumen 
darauf. zu fpielen : Alſo ift Des Menfchen Seele des 
Heiligen Geiſtes Werckzeug, durd) welches und in 
welchem er GOttes Lob wuͤrcket. Pf. 8. v. 2. Aus " 
dem Munde der jungen Rinder und Säuglinge 
pe du dir, ein Lob sugerichter. Wie Fan nun 
es Menfchen Hers, Mund und Seele eine gröffere 
Herrlichkeit haben, denn wenn fie des Heiligen Geiftes 
Werckzeug ift? David fagt In feinen legten Worten: 
Der Geiſt des HErrn bat durch mich geredet, und 
feine Rede ift durch meinen Mund gefeheben, 2. 
Sam.23.v. 2. Eph.5. 18.19. MVerder voll Geiftes, 
finger und fpielet dem HErrn ineurem Hertzen. 
4. So iſt GOttes Lob darum des Menfchen gröfte Ai ER . 
Herrlichkeit und Kleinod, dieweil in GOttes Lobe in u 
die hoͤchſte geifkliche Sreude iſt, Davon der 92. Pſ. dchſe 
v. 5. fpricht:: Dit ARer läffefe mich frölich fingen deeude. 
von deinen Wercken, und ich ruͤhme die Befchäffte 
deiner Haͤnde. Nun ift aber GDttes Freude ein 
herrliches Stück des ewigen Lebens, und des Meichs 
GOttes in uns, welches iſt Friede und — * 
eili⸗ 


90 B.II. C.43. GOtt loben, iſt des Menſchen 


Gottestob Heiligen Geiſt, Roͤm. 14. v. 17. Wer nun täglich 
a aa sg Die himmliſche Freude des ewigen Lebens und des Par 
engen Lu vadiefes ſchmecken will, der Fans täglich thun durch 
bdens. GDttes Lob. Wenns hertzlich ift, ſo erfreuers Leib 

und Seele, wie ſolches der 63. Pſalm, v. 2. und 84. v. 2. 





augenſcheinlich bezeugen. Wa⸗ iſt das Paradies an⸗ 


ders, denn eitel Freude und Wonne? Da man ſchme⸗ 
cken und ſehen kan, wie freundlich der Err ſey, 
Pſ. 34. 0,9. und was das ewige Leben ſey, nemlich 
Freude die Fuͤlle, und lieblich Weſen zu ſeiner 
Rechten ewiglich, Df. 16.0. 11. 

s. So iſt darum GOttes Lob des Menſchen gröfte 
gms Herrlichkeit: und Eöftliches Kleinod, weil man in dem⸗ 
das € felben die gröffen Wercke GOttes betrachtet, und 
kaͤnntniß. die höchite Weisheit Bote: und dadurch von Der 

menſchlichen Thorheit und Blindheit erföfer wirt, wie 

‚Der 92. Pſ.v. 6.7. ſpricht: Wie find deine Wercke 

9 groß, und deine Gedancken [6 febr tieff? Kin 

Thoͤrichter s läubet das nicht, und ein Narr ach» 

tet ſolches nicht. St. Paulus fpricht: Der Geiſt er⸗ 

forſchet alle Dinc ge, auch die Tieffe der Gottheit, 
1,601. 2.0.10. Je mehr nun ein De ch GOttes Er⸗ 

— * hat, ie mehr er ihn lobet: undie mehrer GOtt 

lobet, ie mehr er vo, ichſet in GOttes Erkaͤnntniß, daß 

man gleich gar in eine Tieffe der Weisheit GOttes ge⸗ 

raͤth, und keinen Grund finden kan, und GOtt uͤber alle 

Reicthum Dinge lobet und fürchtet, Denn ie hoͤher einer im Lobe 

ng GDites, ietieffereiner in Gedancken koͤmmt, join GOtt 
GHtts in verſencket werden: Nicht daß einer aus Vorwitz unerz 
ae forfchliche Dinge, Die ihm zu ſchwer find, gründen foll; 

heit einem GOtt⸗ lobenden und GOtt⸗liebenden Men⸗ 

ſchen ſehen laͤſt, daruͤber er verſtummet, und kans nicht 
ausreden. Denn hat koͤnnen der Koͤnig Salomon der 

Königin aus dem Reich Arabia in feiner Schatz⸗ Kam⸗ 

mer, und in Eroͤffnung feiner Weisheit ſolchen Splendo- 


rem und Glantz zeigen ſeines Neichthums und Scha⸗ 


* tes, daruͤber ſie —— und lobete ihn, und ſprach: 
Deine 


ſondern daß offt GOtt den Reichthum ſeiner Reis | 


böchffe und Englifehe Herrlichkeit. sor 


Deine Weisheit ifE groͤſſer denn dein Gerüchte: 

felig find deine Bnechte, die täglicy vor deinem 

Tifche ſtehen, und deine Weisheit boren, 1. Buch 

der Könige 10. v. 7. 8. So thuts GOtt vielmehr, der 

feinen Liebhabern und Lobern offt im Augenblick einen 
ſolchen Schatz ſeiner Weisheit zeiget, daß ein Menſch 
erftarret, und mit David ausruffen muß; AXrr, wie 

find deine Wercke [9 groß, und deine Gedanden 

fo ſehr tief! Pſ. 92.0.6. Das Gebeimniß des 

ren iſt bey denen, ſo ihn fürchten, Pſ. 25.0. 14. 

Und Pſ. 51. v. 8. Du läffeft mich wiſſen die heim⸗ 

liche Weisheit. Denn gleichwie die Koͤnigin aus 

Arabia ſpricht: Selig find die Bnechte Die vor SAH m | 
deinem Tifehe fEchen, und täglich deme deisbeit nat, 
bören: Alſo find Die, ſo GOtt loben, Die Knechteverödttes‘ 
GHDttes, die vor feinem Tiſche ftehen, und GOtles he her 
Weisheit im Seiftglauben, und GOttes Wort hören, 1. 3. Kin. 
Aus dieſem Brunnen fleujt denn die rechte Weisheit, "3 
wie ein Alt⸗Vater gefchrieben hat, vom tieffen Meer der 
Weisheit GOttes. Über, fagt der I falm, ein Thoͤ⸗ 

richter gläubet das nicht, und ein Lfarr achtet ». 
folches nicht. Summa, ie mehr manfich mit GOt⸗ 

tes Lobe zu GOtt nahet, und mit GOttes Lobe umges 

bet, ie mehr GOtt den Schatz und Neichthum feiner 
Weisheit und Gedanken eröffnet, die vorden Narren 

und Thoren wol ewig verfiegelt bleiben. 

6. So it GOttes Lob darum des Menfchen hoͤch/ gm Lise 
ftes Kleinod, dieweil in GOttes Lob der wahre 5dDttes, 
Sieg if über alle unfere Seinde, über Teufel und unſer Sie. 
Mienfchen, Pfalm 8. verſ. 3. Pſ. 18.9, 4. Bf. 118, 
d.15. Ein herrlih Exempel haben wir am König 
Joſaphat, der mit einem Lobgefang eine groffe 
Schlacht geliefert ohne allen Schwerdtichlag, 2. Chron. 
20. derſ. 21,22. Solcher Sieg-Pfalmen find viel, 

alöder 18,46,76, ꝛc. 
| Gebet. 


Gr Eitig, Heilig, Heilig ife der HENN Zebaoth! alle Lande En. 6 nz. 
find feiner Ehre von! der HERR ift meins Staͤrcke gu 2.3. Mof, 


ob; 15 92,41, 


* 


Offenb. 4, 
pin, 
Dffenb. 5, 
0/72, 13; 


Was Ge⸗ 
dult ſey. 


Haupt⸗Ur⸗ 
ſache der 
Gedult. 

I 


- GHttes 
28 


92 B. I. C.44. Von der Gedult, 


Lob⸗Geſang, und iſt mein Heil, das iſt mein GOtt, ich will ihn 
preiſen er iſt meines Vaters GOtt, ich will ihn erheben. HErr, 
wer iſt dir gleich unter den Goͤttern? Wer iſt dir gleich der ſo 
mächtig, heilig, ſchrecklich, lͤblich und wunderthaͤtig iſt? HErr, 
du biſt würdig zu nehmen Preis, Ehre und Krafft: denn du 
haft alle Dinge gefchaffen, und durch deinen Willen haben fie 
das Weſen Das Lamm, das erwuͤrget ift, ift würdig zu neh⸗ 
men Krafft, Staͤrcke, Ehre, Preis und Lob; und alle Creaturen, 
die im Himmel und auf Erden, und unter der Erden, und im 
Meer und alles was drinnen ift, hörte ich fagen zu dem, der auf 
dem Stuhle faß, und zudem Lamm: Lob und Ehre, und Preis, _ 
und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen, 


Das XLIV. Capitel. 
Von der Gedult, dadurch alles Creutz 
uͤberwunden, und die verheiſſene Herr⸗ 
lichkeit erwartet wird. 
Hebri 10. v. 36. Wir beduͤrffen der Gedult ſtets, 
daß wir den Willen GOttes thun, und daß 
wir die Derbeiffung erlangen 


Je wahre Chriftliche Gedult ift eine ſolche Tu⸗ 

3,9 gend, da man in allerley Truͤbſal und Keiden, 

denen man durch Feine ordentliche Mittel ent⸗ 

fliehen mag, fich in den gnadigen Willen GOttes er⸗ 

giebt, und denfelben williglich an ihm vollbringen laͤſſet: 

und che alles leidet, ehe man wider GOtt murren und 
von ihm abfallen wolte, J— 

Die Haupt⸗Urſache aber dieſer Tugend iſt, 1. der 
gnaͤdige Wille und Rath GOttes, dadurch wir zu 
Creutz und Keiden verordnet und verfehen ſeyn; wie 
Mom. 8.0. 29. ſtehet: Dieer verfeben bat, die bat 


Serfsbung. er verordnet, daß fie follen ähnlich werden dem 


Ebenbild feines Sohnes, Gleichwie nun der liebe 
EHtrt feinen lieben Sohn zu Ereus und Leiden. vor 
ordnet und verfehen bat, daß er ihn wolle durchs Ereu 
herrlich machen: Alſo hat er alle wahre Slider CHriſt 
zum Creutz verordnet, denn fünft koͤnten ſie fein geift? 
licher Leib nicht feyn. Denen hat er ihr Creutz zuvor 
verordnet, geehlet, gemeſſen, wie viel fie leiden füllen. 
| Diefem 
































N 



















































































GE 7— NK 


pP | { 
IIIIDDDDDVVVDDCOVOVCCDDVCGVLVVVVVVO 


—V UIID, 


—— —IU ——— 














Das Andere Buch, Cap Kliv. pag. 592 
Hier ift eine Wage, daman mit einem feinen Gewicht fehe 
vielmägen kan, als wie man zu fehen hat an einer Heu-Wage,da 
mit einem einigen Flein: nGewicht ange Wagen mit Heu erliche 
Eentner ſchwer, gewogen werden: Hiermit wird angedeutek, 
daß ben einem gläubigen Ehrifien die Gedult und Gelaffenbeit 
einer fehr groſſen Noch und Creutzes⸗Laſt gewachſen iſt, und fie 
uͤberwaͤgen oder ertragen fan. 
ah Spruchw. Salom. ı 6. darf. 32. 
Kin Gedultiger iſt befler, denn ein Starder. 
9 Je Tugend der Gedult, Die hier wird vorgeftellt, 
Hat Diefen Dortheil, daß ein Öuentlein oder 


otb 
Kiner Centner⸗ſchweren Noth 
Die Wage haͤlt. 
Wenn uns die Laſt des Creutzes druͤcket, 
Haͤlt uns Gelaſſenheit und Demuth unverruͤcket 
Und Aßagz recht im Gewicht. 
Sie macht, daß unfer Herb. in gleichem Stande 
* ſchwebet; — 
Das es in Ungluͤck nicht 
Darnieder ſinckt, noch ſich bey gutem Gluͤck erhebet. 
Sie ſetzet das Gemuͤth in Ruh, 
Welchs Ehr⸗Geitz, Zorn und Rachgier 
immerzu, 
Gleich einem ungeſtuͤmen Meer, beweget. 
Da eine Welle ſtets die andre ſchlaͤget. 
Wer wolte doch in ſolcher Unruͤh ſtehn 
Und trachten nicht vielmehr in einer ſanfften Stille 
Das, was des Hoͤchſten weiſer Wille 
Beſchloſſen hat, zu untergehn? 
Ihr die ihr euch aus eigner Schuld, 
Durch Widerſpenſtigkeit das Leiden ſchwerer macht, 
Und quaͤlt euch ſelbſt vergeblich Tag und Nacht, - 
Verſucht es doch einmal,ergebt.euch in Gedult; 
Und faget denn, wenn ihr die treue 
Und füffe Date Hand, 
Die unterm Ereug verborgen ift, erkannt, 
Ob euch der Rath gereue. 


* 


"dadurch alles Creutz überwunden wird. 593 


Diefem allen Fan nun niemand entfliehen, vielweniger 
es mit Ungedult abwenden; mit Gehorſam aber und 
mit Gedult Fan mans lindern ‚ und durd) CHriſtum 
uͤberwinden. 


2. Daß bersunabende Ende der Weit, da die ie 
- Ungerechtigkeit uͤberhand v. 12. er 


Erüb. 
der 


und die Kiebe erkaltet; dadurch viel Leiden, Verfol⸗ — Zelt 


gung, Creutz, Gewalt und Tod angeleget wird werden 


ind und zu⸗ 
vor gefager: 


den Sortfeligen. 2.Tim. 3.0.12. Alle die, ſo in Cari- Darum fol: 


ſto JEſu wollen gottſelig leben, die muͤſſen Der- 
folgung leiden. Und der Herr JEſus weiffaget 
Joh. 15.9. 20. und C. 16.0.2. daß die Seinen um der 
Wahrheit und Gerechtigkeit willen muͤſſen verfolget 
und angefochten werden; und die gantze Offenbarung 
Johannis bezeuget, daß der Anti» Chrift die Kirche 
EHrifti Dis zu der legten Zufunfft des HErrn verfolgen 
werde, da der Streit endlich aufgehoben, und der Dras 


cheneben den falfchen Apoſteln in den hoͤlliſchen feurigen 


Pfuhl geworffen werden wird. Darum foll niemand 
ihın felbft güfdene Traume machen, und Befferung 
hoffen, ſondern fich zur Gedult ſchicken und bereiten. 


3. Soll unſere Geduft geftarcfet werden durch die Wie 
Hoffnung der zukuͤnfftigen Wiederbringung al⸗ bringung 
ler Dinge und der ewigen Seligkeit. Denn gleichwie ne 
ein Ackersmann mit Bedult wartet aufdie Erndte, Grduls, 


und fiehet alle feine Arbeit nicht an; boffet aber, es 
wird ihm alle feine Mühe und Arbeit "veichlich mit groſ⸗ 
fem Gewinn erftattet werden, Jac. 5.0.7. Alfo foll ein 


Ehrift feine Seele mir Gedult faflen, ut. 21.0.19 - 


und gewißg glaͤuben, daß die groſſe Erndte des lieben 
Juͤngſten T Tages alles wiederbringen wird, Das hie der? 
lohren, ja nicht verlohren, fondern gefäet und gepflantzet 
wird, Denn gleichwie ein Bauersmann feinen Saa⸗ 
men darum nicht verleuret, ob er. ihn gleich in die Erde 
wirfft, fondern füet und pflanket ihn auf Hoffnung: 
Alfo, was du hie ſaͤeſt und pflangeft, Leib, Gut und Ehre, 
dencke nur nicht, daß du es wirft verlieren, fondern Du 


ſaͤeſt u anete es auf Hoffnung der kuͤnfftigen 


heil. Pp bogroſſen 


len wir ge⸗ 
dultig ſeyn. 


a; 


et die 


594 DB E44. Von der Bedule, 
groſſen reichen Erndte,da wir ernötenwerden obne 


4. 
Zufunfit 
und Rich⸗ 
ger-Amt 


Aufbören. Darum der 126. Pſalm, v. 5.6, unfer 
Creutz und Elend einer Saamen- Zeit vergleicht, als 


er fpricht: Die mie Chränen fäen, die werden mit 


Sreuden erndten: Sie geben bin und weinen, 
und tragen edlen Saamen, und fommen mit 
Sreuden, und bringen ihre Garben. 

4. Soll unfere Gedult ſtaͤrcken die Zukunfft une 
ers HErrn JEſu Cariftiz da alle unfer Leid wird 
ein Ende nehmen, ja in Sreude wird verwandelt 


J 


Chriſti ſal werden, Joh. ı 6.0.20. Da GOttes gereihtes Ur⸗ 


Gedult in 
uns wuͤr⸗ 
cken. 


4 
GOttes 
Wort und 
Wahrheit 
mürcket 
Beduft: 


Gleichniß 


vom An⸗ 
cker. 


Exempel. 


theil und Gericht ergehen wird über alle unfere Feinde; 
da einem ieden von GOtt Rubın und Lob wieder 
fahren wırd, :.Cor.4.v. 5. Und derfelbe Tag ift 
nahe, Der Richter iſt vor der Thür, fagt Sanct 
Jacob Cap. 5.0.8. Und St. Paulus Roͤm. ı 2.0.19, 
Die Rache ift mein, Wir leiden eine kurtze Zeit, 
aber eine ewige Freude wird darauf folgen: Es kan ja 
nicht lange mehr wahren, 

5. Soll auch GOttes Derbeiflung und ewige 


Wahrheit unfere Gedult ſtaͤrcken, und unfer Hertz 


befeftigen, daß es nicht wancke, wie St. Jacobus am 
5.0.8. fpricht, denn wie man ein kleines Baumlein 
an einen Stecken bindet, daß es der Wind nicht zer⸗ 
breche, oder in Lingeftum des Meers Ancker auswirfft, 
daran ſich das Schiff halte: Alſo müffen wir unſer 
wanckendes Herß an den Stab Goͤttliches Worts 
und Wahrheit binden, und des ſinckende Schifflein 


des Herkene mit dem Ancker der Hoffnung befeftis 


gen, daß es nicht verfindke, Hebr. 6. verf. 19. Wie 
viel Verheiſſung haben wir, daß uns GOtt erretten 
wolle? Wie viel Erempel der wunderlichen Erlös 
fung fehen wir vor Augen? Wie viel faufend Mit⸗ 
tel hat GOtt dazu? Wie offt hat GOtt in groffen 
Kranckheiten geholfen? Aus geoffer Theurung erloͤ⸗ 
fet? 2. B. der Kön. 6.0. 15.Cap. 7.0.17. Aus groß 
ſen Krieges» Morhen errettet ? 2. Chron. 20, verf. 22. 
Cap. 14. v. 12, GOtt kan beyde Theile im Kriege zum 

Friede 


dadurch alles Creug überwinden wird. 59 5 


Friede lencken. Wie offt ſteuret GOtt dem Seinde aut 891: 
Wie ung denn folches in dem lieben Kindlein JEſu suf man- 
genugfam iſt vorgebildet , Matth. 2.0. 20. Sie find Se aus 
geftorben, die dein —— nach dem Leben der Nah 
trschteren. GOTT Ean auch die Verfolger und FF 
Reinde befehren, wie Paul um, Ap. Geſch.9. verf. 3. 
Wie offt verhindert GOtt blutduͤrſtige Anſchlaͤge? 
Saul wolte David gar freſſen, und hatte ihn umrin⸗ 
get, daß er nicht kunte entfliehen: Aber GOtt rieff ihn 
zurück durch einen Bothen, der verkuͤndigte, die Phili⸗ 
ſter * ihm ins Land gefallen, ı. Sam. 23,0. 27. 
Und 30h. 7.0.44. gaben die Hohenpriefter ihren Dies 
nern "Befehl, fie folten den HErrn IEſum greiffen und 
gefangen bringen; aber die Diener, da fie CHriſtum 
hoͤreten predigen, erftarreten gar, und Euntens nicht 
thun. Bisweilen verbiendet GOtt Die Feinde, und 
ſhlagt fie mit Blindheit, als in der Hiſtorie Eliſaͤi, 
2.9. der Kön. 6.0.18. Loths, 1. B. Moſ. 19.0. 11, 
—* Athanaſii zu ſehen. So hat auch GOtt ja ſo viel 
Legionen Engel, die auf die Chriſten warten, durch wel⸗ 
che PER EC) erlofet werden; wie Gt. Petro 
geſchah, Ap. Geſch. 5. v. 19. und Eap. 12. verf 7. 
Wie wunderlich it offt der Apoftel Paulus erloͤſet 
worden, daß der boͤſe Rathſchlag wider ihn it offenz 
bar worden? Ap. Geſch. 23. 0.10. Endlich erlöfet 
GOtt der Deu die Seinen durch den zeitlichen Tod, 
da hat aller Fammer ein Ende. | 
6. Wie werden aber die Gläubigen ihres Lebens S 
ß hertzlich ergetzet werden in jener Welt, daß fie £w a 
uͤr ihr Leiden nicht ale Herrlichkeit der iegigen Welt jeitliche@e 
nahmen? Matth. 5. v. 4. Selig find die da Leide a 
tragen, denn fie follen getröfter werden. In der 
Dffenbarung Johannis Cap, 21. verf, 4. ſtehet, daß 
Gott alle unfere Thränen werde von unfern Au⸗ 
gen abwifchen. Wie ſoll fie aber GOtt abwiſchen, 
in du nie herglich geweinet haft ? 
7. Wir füllen auch anfehen die Exempel der, — 
Heiligen: Abels, a x Abrahams, — — — 
co 4 


Meg zur 
el. 
Reit. 


596 BII. C.44. von der Gedult, * 
Jacobs, Joſephs, Davids, Hiobs; ſonderlich Den Mann‘ 


GOttes, Moſen, von dem die Schrifft zeuget, daß er 


ein ſehr geplagter Menſch über alle Menſchen auf 
Erden gewefen ſey, 4. B. Mof.ı2.0.3. Wie offt 
murrete die Gemeinde wider ihn, zancketen mit ihm, 
wolten ihn ſteinigen? Dargegen war er ſanfftmuͤthig, 
redete das Beſte mit Ihnen, betete für fie, und wuͤnſchte 
aus dem Buch der Lebendigen gerilget zu feyn, 
2.9. Moſ. 32. 0.32. fonft hatte fie GDtt vertilget. 
Elias, ob er wol aufs aufferfte verfolger ward , den? 
noch brachte er den Regen wieder dem gansen Sande, 
1. B. der Kin. 18.90.45. Michess, 2.Chron.18.0.23. 

1, 9. der Kön: 22.09.24. ward von falfchen Prophe⸗ 
ten vor den Königen Ahab und Joſaphat gefehlagen, 
und ins Gefaͤngmiß geleget; da er Doch den Konig wars 
nete vor feinem Schaden. Jefaias ward fuͤr ſeine treuen 
Dienſte mit einer Saͤgen von einander geſchnidten. 

Welch ein geplagter Mann iſt Jeremias geweſen? 
Jerem. 15. v. 10. Daniel muſte in die Loͤwen⸗Grube, 
Dan. 6. v. 16. Wie iſts Johanni dem Taͤuffer ganz 
gen? Matth.14. v. 10. Sehet St. Paulum an, was 
derſelbe hat erlidten; 2. Cor. 11. v. 23. ſaq. Und alle 
heilige Maͤrtyrer, und alle Apoſtel. Beſiehe die Epi⸗ 
ſtel an die Hebr. 1.0. 35. faq. Wenn du dieſe alle fra⸗ 
gen wirſt, durch welchen Weg ſie ins Reich GOttes 
— IN, ſeyn? werden ſie antworten: Durch den 
Meg der Trübfel, Apoſt. Geſch. 14. v. 22. Dieſen 


Wvec hat unſer HErr JEſus CHriſtus ſelbſt gewan⸗ 


delt in feine Herrlichkeit; davon St. Petrus ı Epiſt. 

am 2.0.23.23. Chriftusbat für uns gelidten, und 
uns ein Vorbild gelaffen, dab wir füllen feinen 
Sußftapffer nachfolgen: Welcher nicht wieder⸗ 
Schalt, daer geſcholten ward, nicht draͤuete, da er 
lidte; Er ſtellets aber dem heim, der da recht 


Hohe Be: richtet. Deines Erloͤſers Gedult iſt fo groß geweſt, 


duli Chrifti 
ſoll in uns 


Gedolt 
wuͤrcken. 


daß, obwol in feinem Leiden die Sonne verfinſtert, 
und ein folch groß Elend nicht mögen anfehen, dafür 
auch die Erde bebete, und die Selfen zerriſſen, Fuc, 23. 

v. 44. 


* 





dadurch alles Creutz überwunden wird. 597 i 





v. 44: faq. Dennoch hat er nicht am Creutz gemurret 
wider feine Feinde, oder fich eines ungedultigen Worts 

der Geberdens mercken laſſen; ja daß er noch für feine 
Feinde ‚gebeten, und gerne wolte durch fein Blut die⸗ 
jenigen lebendig machen, die fein Blutvergoffen haben. 

So Gott einen ieden Sobirzüchtiger, den er lich Don. 
bat und aufainmes fd muß er entweder gegüchtiget mus die 
feyn, oder kein Kind feyn, Hebr. 12.0. 6. Darum Bun 
wolte auch GOtt nicht, das fein. eingebohrner Sohn * 
ſolle ohne Ruthe ſeyn; wiewol er ohne Suͤnde war. 

Der nun ſeinen einigen natuͤrlichen Sohn, der ohne 
Suͤnde war, gezuͤchtiget hat; meyneſt du, daß du wirft 
ohne Zuͤchtigung bleiben koͤnnen, der du fü viel Sünde 
bat, und zum Rinde erwehler bit? Sehet doch, wie 
groͤſſe Gedult hat GOtt mit unfern Sünden! folten 

wir denn nicht Gedult haben mit feiner Züchtigung, 
dadurch er ung befehren will? Summa, wir föllen 

uns freuen, wie St. Petrus fpricht, 1. Ep. 4.0. 13. 

fo wir mit Chriſto keiden, auf daß wir auch in 
der Offenbarung feiner Herrlichkeit Freude und 
Wonne baben mögen ' | 

3. Daraus denn diefer Troft folget, ſo uns in Ge Chris 
dult erhalten ſoll, daß CHriſtus mir feinem Leiden unfer Leis 
unſer Leiden gebeiliget und geſegnet babe, daß den geheili⸗ 
es ung nicht zum Verderben gereichen ſoll, fondern * 
zum Segen, zum Leben, zur Herrlichkeit; Gleichwie 
-EHrifti Keiden zur Herrlichkeit worden, alfo auch aller 
Ehriften Leiden in EHrifto. ) 

9. Sehet an die berrliche Belohnung derer, ſo Herrliche 
das Creutz gedultig erlidten, Obwol viel heilige Beob: 
Märtyrer mit unerhörter, graufamer, unmenſchlicher UF 
Marter find hingerichtet worden; etliche den wilden - 
Thieren fuͤrgeworffen, etliche in Delegebraten, etliche in 
heifjem Bley : So iftdoch niemand unter uns fo gottlos 
und verrucht, der nicht Lieber an ihrer Statt ießo feyn 
wolte, denn an derer Statt, die fie ermordet haben. 

Wer wolte ietzo nicht lieberrandes arınen Lazari Statt 
feyn, denn an des reichen Mannes? Luc, 16.0. 25. 
es pt Lie⸗ 


598 B. C.44. Yon der Gedult, 


Leber, wilt du folcher Heiligen Herrlichkeit haben, fo 
muft du auch ihren Weg der Trubfal und der Gedult 
wandeln. Lind das meynet ver HErr, da er fpricht, 
Matth. 5. v. ır. 12. Selig ſeyd ihr, fo euch die 
Nienfchen ſchmaͤhen, verfolgen, und alles UÜbels 
wider euch reden um meinet willen. Seyd frölich 
und getroſt, es fo euch wohl belohnet werden im 
Himmel. Nom. 8. v. 17. So wir mit Chrifto lei- 
den , ſo werden wir auch mit ibm sur Herrlichkeit 
erhaben werden. Ingleichen v. ı 8. Diefer Zeit Zei- 
den iſt nicht werth der Herrlichkeit, die an uns 
foll offenbarer werden. * 
a ro. Soll unfere Gedult ſtaͤrcken die hertzliche 
fiereund Barmhertzigkeit GOttes; daß GOtt unfer end» 
Bamber lich nicht wird vergeſſen koͤnnen, fo wenig als eine 
a el Mutter ihres Rindes vergeffen Fan, Gef. 49. v. 15. 
dult wär» Und daß GOTT fein Her breche vor Liebe, er 
Hu muß fich unfer erbarmen, er. 31. 0.20. Daßer 
auch getreu iſt, der uns nicht über unfer Dermo- 
gen verfüchen wird, 1. Cor. 10. 0.13. Und daß er 
uns nicht zuchtiget zu unferm Derderben, fondern zur 
unferer Seligkeit. Denn wenn wir gerichter wer= 
den, ſo werden wie vom HErrn gezüchtiget, auf _ 
daß wir nicht mit der gottlofen Welt verdemme 
werden, 1. Cor. 11. v. 32. Denn iftdas Ereus eitel 
Liebe, was wolteſt du denn lieber? Immer in Freuden 
leben, wie der reiche Mann, und darnach verdammt 
werden? oder im Creutz leben, und feligiwerden? —_ 
CHrifti Dis alles erklaͤret uns die Epifkel an die Hebraer 
pr am 12. Cap. herrlich: Laſſet uns lauffen durch Ge- 
ger. 1. dult ir dem Bampff, der uns verordnet iſt, und 
2. nf aufjeben auf IEſum, den Anfänger und Dollen- 
der des Ölsubens: Welcher, da er wohl bätte 
mögen Srende baben, erdultet er das Creug, und 
achtet der Schande nicht, und iſt geſeſſen zur 
Rechten auf dem Stuhl GOTTES, Geden⸗ 
det an den, der ein ſolches WMWiderfprechen von 
den Sündern wider fich erdultet bat, daß id 
nicht 


dadurch alles Creug überwunden wird. 599 


nicht in eurem Muth matt werdet, und ablafler. 
Denn ihr babe noch nicht bis aufs Blur. wider 
fEanden über dem Rampff wider die Suͤnde, und 
habt: bereits nergeflen des Troftes, der zu euch 
redet, als zu den Rindern: Mein Sobn, achte‘ 
nicht gering die Zuchrigung des Errn, und ver⸗ 
ange nicht, wenn du von ihm geſtrafet wirft: 
Denn welchen der HErr lieb bat, den zuͤchtiget 
er: Er ſtaͤupet aber einen teglichen Sohn, den cr 
aufnimmt. So ihr die Zuͤchtigung erdultet, ſo 
erbeut ſich euch GOtt, als Rindern: Denn wo 
iſt ein Sohn, den der Oster nicht zuͤchtiget? 
Seyd ihr aber ohne Züchtigung, welcher fie alle 
find tbeilbafftig worden, fo ſeyd ihr Baſtarte 
und nicht Binder. Auch fo wir haben unfere leib= 
lihe Däter zu Züchrigern gehabt, und fie ger 
ſcheuet; föllen wir denn nicht vielmehr unter» 
than jeyn dem geiftlichen Dater, daß wir leben? 
Und jene zwar haben uns gezuͤchtiget wınig Tas 
ge nach ihrem Duͤncken: Diefer aber zu Nutze, 
auf Daß wir feine Heiligung erlangen, Alle 
Buchtigung aber, wens fie da iſt, duͤncket fie uns 
nicht Sreude, fondern Traurigkeit ſeyn, aber dar⸗ 
nach wird fie geben eine friedfame Srucht der 
Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet find, 


Gebet. ee 


Ein getreuer GOtt, der du niemand über Vermoͤgen ver- 1. Eor. 10% 
VW fucheft, und alle meine Tage haft auf dein Buch ge- —* he 
fehrieben, gieb mir wahre Chriftliche Gedult, durch welche ich ,, a * 
mich freuen möge, aͤhnlich zu werden dem Ebenbilde meines Rizm. 8. 
Erloſes, der durch Leiden in die Herrlichkeit eingangen; lehre v. 29- 
mich recht erkennen die Welt, in welcher der Fürft ver Finſterniß Hebr. =: 
Gott if, daß ich ja in derfelben mir Feine Ruhe und fleifchlich 2% 
Wohlleben einbilde wenn ich in CHriſto bin, fondern mich gerne ,\ 4 Pate 
in die bofe Zeit ſchicke. Du haſt mich ja, mein Heiland, erlöfet 2 Tim. 3, 
von der gegenwärtigen argen Welt,du wirſt mic) auch zubeiner v. 12. 
Zeit endlich aus derſelben führen: So lange ich aber darinnen Epheſ. 5. 
nac) deinem Willen feyn fol, ftärcke mic) Durch dein Fräfftiges &,] "y.v 
Bott, ohne welches ich fonft müfte vergehen in meinem Elende, Burg a 

Be Pp4 Sb... ; 


600 B. U. C.45. GOttes Troft in Trübfal 


x. Petr. 5. Gieb du mir recht zu betrachten, wie diefelbige Leiden, fo mich 
ur — druͤcken, uͤber viel Bruͤder in der Welt auch gehen, die du doch 
* — nicht verworffen, fondern deine auserwehlte Ruͤſtzeuge zu ſeyn 
Apofiel, Hewürdiget haft. ja, mag iſt mein Leiden gegen die Pein der 
Bel. 20. Märtyrer, denen ihr Leben nicht heuer gemefen ift, das fie ihren 
2.24 Lauf vollenden mochten? Sch habenoch nie big aufs Blut wis 
— 12. derſtanden uͤber dem Kaͤmpffen wider die Suͤnde, darum laß 
uͤdl Ser, mich doch nicht in Ungedult wider dic; murren, vielmehr laß mich 
3.0, 79, Murren gegen meine Sünde, welche fo fleter Demüthigungen 
Hebr. ız, und Zuͤchtigungen bedarff, mo fie fol getobtet werden. Laß 
v2, mich fehen auf JEfuni, den Anfänger und Vol ender des Glau⸗ 
ph beng, auf daß ich nicht matt werde. Heilige durch ihn o HErr, 
Gef. 49. meinfeiden ; und weil du nicht von Hertzen die Menfchen plageft, 
is,ıe, ſo laß mich auch durch geheiligte Huͤlffe, Troft, Krafft und Ges 
dult im Leiden erfähren, daß ich in deine Hände gezeichnet, und 
du meiner, als deines Kindeg, nicht vergeſſen Iduneft! Amen. 


Das XLV. Capitel. + 
GDttes Troft in Trübfal würdet in 
unſern Hertzen Gedult. 
Jacob. 1.v.rı, Selig iſt der Mann, der die An⸗ 
fechtung erdultet; denn nachdem er bewaͤhrt 
iſt, wird er die Crone des Lebens empfaben, 
welche GOtt verbeiffen bat denen, die ihn 
lieb haben. hs 


Au neoaud Leichwie ung GOtt des Leibes Artzney gefchafz 
BEE die fen in der Natur; Alfo der Seelen Artzney im 
eng *Wort. Neil fein Menſch in diefem Jam⸗ 
GE“ © mer und. Thränen= That ohne Ereus, Trübfalund 
Widerwaͤrtigkeit feyn Ean, fo thun wir weislich daran, 
daß wir etliche Punete wahres beftandigen Troftes ung 
bekannt machen, und zu Deren nehmen, die wir uns 
fern Anfechtungen entgegen halten, und unfere Truͤb— 

jal Damit lindern konnen, 
BR U Eh Der erſte Troſt it, daß elle Trübfal von 
bisentrüh GOtt berfomme, ı. Sam. 2,0. 6. Der HErr toͤd⸗ 
jut von Fer, und machet lebendig, Sit, ı 1.0.14. Es kommt 
Soit. alles von GÖrt, Gluͤck und Ungluͤck, Hiob 1. v. 21. 
Der HErr hats gegeben, der HErr hats genom⸗ 
men, 


wuͤrcket in unfern Hertzen Bedult. 601 


men, 2c. Matth. 10.08.29. Es füllt fein Sperling 
- auf die Erden ohn euren Dater, Jeſ. 45.0.7. Der 
ich das Kicht mache, und fehatfe die Finſterniß; 
der ich Stiede gebe, und ſchaffe das Ubel, Hiob 5. 
v. 17,18. Selig iſt der Menſch den GOtt ſtrafet: 
Darum wegere dich des Allmaͤchtigen zůchtigung 
nicht; denn er verlest ud verbindet; er zer⸗ 
ſchmeiſſet, und feine Hand heilet. Darum iſts 
naͤrriſch wider dieſen oder jenen murren. Wie mur- 
ren denn die Leute im Leben alſo? Ein ieder Klagl. 3. 
murre wider feine Sünde, Klagl. 3. v. 39. Buſſe 3 
will GOtt haben, und nicht Murren. | 

2. Der andere Troft ift, daß GOtt der Err 2. 
nicht aus Zorn oder Ungnade uns das liebe Treug una 
zuſchicke, fondern aus väterlicher Kiebe, auf daß er se. 
uns feligmache. Denn daß wir in groffem Stück und Zurd aute 
allerley guten Tagen und Wolluſt die Seligkeit Leicht die Selig 
verlieren koͤnnen, das begeuget nicht allein Der reiche Fit leicht 
- Mein, Luc. 16.0. 25. init feinem ſchrecklichen Exem⸗ verfgerget, 
pel; fondern es bezeugens auch unfere erſte Eltern im | 
Paradies, daß fie ſolche Herrlichkeit und Wolluſt 
nicht haben ertragen Tonnen, ſondern den leidigen 
Satan ſich von ihrem Schöpffer abwendig machen 
laſſen, 1. B. Moſ. 3.fq. Wie noch heut zu Tage groß 
Gluͤck und gute Tage das menſchliche Hertz von GOtt 
abwenden. Und ob nun wol GOTT der HERR 
nach feiner ftrengen Gerechtigkeit den Menfchen hatte 
koͤnnen zur ewigen Verdammniß verurtheilen und verz 
ſtoſſen; dennoch hat er fich fein erbarmet, Mittel und 
Wege erfunden, den Menfchen zue Seligkeit zu befür 
dern; unterdenen ift auch das heilige Creutz. Darum ı. 8. Moſ. 
trieb GOtt der HErr den Menfchen aus dem Pas "17.24 
radies, aus dem Garten der Freude und Wolluſt ins 
Elend, daß er im Schweiß feines Angeſichts fein 
Brod effe, und durchs Ereus und Trübfal zur Buffe 
beivogen werde. Alfo handelt er auch mit einem 
ieden unter uns. Ob wir wol auf taufenderley Weiſe 
ihn beleidigen, ſo iſt er doch ſo gnaͤdig, und ver⸗ 

PP s fucht 


602 BU. Cat · GOttes Troſt in Truͤbſal 


us des ſucht alle Mittel an uns, daß er uns bekehren möge. 
Sreuges. Darum hat er nad) feinem allein weiſen Math einem 
ieden Menfchen fein Cteutz verjchen und verordnet, Das - 
mit er ihn in wahrer Buffe und in feiner Göttlichen 
Furcht erhalte. Aus diefem Grunde fpricht nun Si⸗ 
rach C. 30.9.1. Salomon, Spruͤchw. 3.0. 11.12. 
E. 13. s. 24. unddie Epiſtel an die Febr, an 12.0.6. 
und St. Paulus 1. Eor. 11.0. 32. Welchen der 
HERR lieb bat,den züchtiger er, auf daß wir 
nicht, misder gottloſen Welt verdammt werden. 

: So bedenke in deinem Creutz deine Sünde, 
Dee Ereus ob du es nicht. fehr wohl verdienet best? Das muſt du 
ze ia felbit befennen:-Darum fo erfordert ja GSttes 
Barmper- Gerechtigkeit, daß die Suͤnde geitraft werde, foll anz 
Edit, ders GOtt ein gerechter GOTT ſeyn. Soll und. 
das er * muß nun die Suͤnde geſtraft werden, ſo iſts ja viel beſ⸗ 
ber sich fer, fie werde bier seftaft, denn dort: Denn diefe 
frafen will, Strafe iſt zeitlich, jene it ewig. Hier troͤſtet GOtt, 
im Sreuß, dort iſt in Ewigkeit Fein Troft: Hier erbars 
met fih GOTT, dert iſt in Ewigkeit Feine Erbars 
mung. Gedencke an den reichen Mann, wie er rieff: 
Krbarme dich mein! Luc. ı6. 0.24. Darum iſt 
auch das ein Troft mitten im Creutz daß GOtt die 
ewige Strafe von dir genommen, und in eine 

Eleine zeitli ye Ruthe verwandelt hat. 

4. 4. Se bidemfe in-deinen Creutz, was Criſtus 
no , dein HErr und Säigmacer für dich gelidten, ob er 
dert unfers. nicht Die groͤſte Armuth deinethalben gelidten, daß 

er nicht fo viel gehabt, da er fein Haupt bat hin⸗ 
legen konnen ?Matth. 8.0. 20. Dat aud) die hoͤchſte 
Schmach und erachtung deinethalben gelidten, 
daß er auch der? Allerunwertheſte und Verachteſte un⸗ 
ter allen Menſchen werden, el. 53. v. 3. 4. Kin 
Sport der Leute und Verachtung des Dolds, ein 

% Wurm, Pſalm 22.0. 7. Dergleichen fein Menſch 
ie galidien, nod) leiden wird. Hat auch die gröfle- 
ſten Shmerzen, Angft und Traurigkeit gelidten, 
die nicht auszudencken. Er iſt voll Schmerhen und 
Kranck⸗ 





u, 


wuͤrcket in unfern Hertzen Gedult. 603 


A RE, ee 
Krankheit gavefenz weil er aller Menſchen Sammer, 
Krankheit und Schmertzen bet tragen müffen, daß - 
auch Sonne und Mond ſchwartz dafıe worden, die - 

Erde gezittert, und die Felſen gerriffen feyn: Doch hat 

er alles mit fo hoher Gedult, tieffer Demuth, heiliger 
Sanfftmuth gelidten, daß er feinen Mund nicht auf⸗ 
getban, wie ein Lamm; und hat alles unſchuldig 
gelidten, ja feiner aͤrgſten Feinde halben, aus lauter uns 
ergrundlicher Liebe und Treue. Und ob wir ihn wol 

täglich mit ungehlichen Sünden beieidigen, fo bleibet er 

Doch getven, und ift bereit, fo offt wir Buſſe thun, 
uns wieder zu Gnaden anzunehmen, Jer. 3. v. 12. 

Ja wenns vonnoͤthen, und feine einmal geſchehene Chriſti 
Eriöfung nicht eine ewige Erlöfung wäre, ſo iit ſeine broͤſſeLiehe. 
Liebe fü groß, daß er nod) einmal für unsfterben wolte. > 
Darum bat er Gedult mit uns, und warter Tag 

und Nacht auf ung, bis wir wiederfehren. Denn feine 

Liebeift fo bruͤnſtig, ſo feurig, daß fiedurd) Feine Suͤnde 
und Undanckbarkeit kan ausgelofchet werden, wenn 

wir nur Buſſe thun. eine Liebe it höher, denn der 
Himmel, tiefferdenn das Meer, und ift nicht zu ergruͤn⸗ 
den; allein Buſſe thun, das will er haben. Darum 

bat er allen gerufen, Math. ır. 0.28. Bommt ber 

zu mir alle, die ihr mübjelig und beladen feyd, 
ich will euch erquichen, Cap. 23.09.37; © Jeruſa⸗ 
leın, Jeruſalem! wie offt habe ich deine Rinder 
verſammlen wollen, wie eine Aenne verſammlet 

ihre Rüchlein unter ihre Slügel? Johann. 7.2. 37. 
Wende dürfker, der komme zu mir, und trinde! 

So ruffet ertaglic) in feinem Wort. Eiche! wiefolte 

dich nun GOtt in Deiner Trübfat verlaffen, der doch fo 

viel um deinetwillen gethan hat? Darum hat-er fich 

auch Deinen Vater genennet, Eph. 3.0.15. Matth. 6. 

2.9. Ein Pater horet viel lieber, und erbarmet ſich Vater 
auch eher, denn ein Herr: Und will haben, daß du ihn Ai nad» 
liebeſt, nicht fuͤrchteſt als deinen Feind; darum nennet das Ersuß- 
er ſich deinen Dater. Was dir nun dein lieber Dar 

ter zuſchickt, das leide mit Gedult, und —— es 
ommt 


$. 
Chriſti 
Se 
fung. 


604 Bl. Ca5. GOttes Troſt in Trübfal 


a Bert ai Are 

kommt von lieber Hand: Achte GOttes Barmhertzig⸗ 
keit fiir Deine Seligkeit, und daß dir dein Vater nichts 
‚werde zufchiefen, das nicht zu Deinem Beſten und zu 
deiner Seligkeit gedeyen moͤge. 

5. Bedencke auch Die tröftliche Verheiſſung dei- 
nes Erlöfers, 30h. 16. v. 20. Werlich, warlih, ich‘ 
füge euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber 
die Weltwird fich freuen; ibr aber werdet trau⸗ 
rig ſeyn; Aber eure Traurigkeis foll in Sreude 


geuhtder verwandelt werden, Gleichwie mus einem Kleinen 


Truͤbſal ift 


Freude. 


Fein 


Gleichnß. 


I 


| 


6. 
Erempel 
der Heili⸗ 
gen: 


Saͤmlein viel Körnlein wachſen: Alp aus einer Trüb- 
fal wird.viel‘Sreude werden. Pſalm 12€, verf, 5.6. 
Die mit Thränen fäen, werden mit Seeuden ernd⸗ 
ten: Sie gehen bin.und weinen, und ersgen edlen 
Saamen; uno kommen mir Sreudes, undbringen 
ihre Garben. Bedencke Diefes, wenn unfer Leber 
SOTT gu dir kaͤme, und verhieffe Die, ex wolte alle 
Deine Steine in Deinem Hofe zu laufer Gold und Ders 
len machen; wie rein wuͤrdeſt du die Steinlein zuſam⸗ 
men lefen, und würdet ftefieb haben! Alſo folt du auch 
dein Ereug, Truͤbſal und Elend lieb haben; denn 
GoOtt will eitel Freude und Herrlichkeit daraus mas 
chen. Weish. s.v. 17. Eine herrliche ſchoͤne Cro⸗ 
ne ꝛc. Ingleichen: Dieſer Zeit Leiden iſt nicht 
werth der Herrlichkeit, die an uns ſoll offenbaret 
werden, Roͤm. 8. v. 18. 
6. Bedenck auch die Krempel der Heiligen: 
Wo iſt doch wol ein Heiliger, ja allerliebſtes Kind 
GOttes geweſen, das ohne Creutz geweſen? Frage fie 
alle, die ie gelebet haben, ſie werden dir antworten: 
Wir find durch viel Truͤbſal ins Himmelreich 
eingangen, Ap. Geſch. 14 0:22. Trage die heiligen 
Engel: Wer find diefe? Go werden fie antworten: 
Diefe finds, die kommen find aus groffer Trüb« 
fal, Offenb. Joh. 7. 0.14. Frage Abraham, Iſaac, 
Jacob Joſeph, Mofen, Aaron, David, Daniel, Eliam, 
den heiligen Hiob, alle Propheten und Apoftel, fie 
haben alle aus. dem Creutz⸗Becher und Belche des 
De HErrn 





wuͤrcket in unfern Hertzen Gedult. 605 
Are getruncken, DE 116. v. 13. Wenn man ab 
lein betrachtet den Jammer und Elend der heiligen 
Maͤrtyrer ſo muß man davor erſchrecken; noch hat 
man fie mit Feiner Marter und Pein von Chriſto ab⸗ 
wenden koͤnnen. Was iſt Dagegen unfer Ereutz? Es Bo 
erreicht nicht den zehenden Theil der Truͤbſal der heili⸗ en 
gen Märtyrer; wir baben noch nicht bisaufs Blur — 
viderſtanden, Hebr. 12.0.4. Können wir doch um Naͤttprer. 
CHriſti willen nich: “m boͤſes Wort oder eine einige 
Schmach leiden; da im Gegentheil die heiligen März 
tyrer fo ſchmaͤhlichen Todes haben- fterben muͤſſen: Der Warts⸗ 
Einer ift geköpffet, Der andere gebraten, Der Dritte german. 
ereußiget, der vierdte erträncket, der fuͤnffte enthauptet, 
der ſechſte gefteiniget, der fiebende erhanget, der achte: 
“mit Feilen durchfchoffen: Etliche haben müffen mit 
bloſſen Fuͤſſen auf glüenden Kohlen gehen, als die um 
EHrifti willen die gluͤenden Kohlen lieber gehabt, und 
geſagt: Sie geben auf Rofen 
27. Sp foll uns tröften GOttes Gegenwart in ggfs 
unferm Ereus. Wir finden nicht, daß GOtt gefagt Gegenwart 
babe: Er wohne in den Frölichen, fondern in den Be⸗ BE 
trübten und Traurigen. Efa. 57.0.1 5. Ich wohne im greup. 
Aimmel, und bep denen, ſo zuſchlagenes und de— 
mütbiges Geiſtes find, auf daß ich erquicke den 
Beift der Bedemüthigten, und das Hertz der Zer⸗ 
ſchlagenen. ef 41.0. 10. C. 43. v. 2. Sürchre dich 
nicht, ich bin mit dir, wenn du durchs Feuer und 
Waſſer gebeft,.c. PM. 91.0.14. 15. Er begehret 
mein, fo willihibmaushelffen: Ich bin bep ihm 
in der Noth, ich will ibn beraus reiffen, und zu 
Ehren machen. PD. 34:0. 19. Der HErr iſt nahe 
bep denen, die zerbrochenes Hertzens find, und hilfe 
fet denen, die zufehlagen Gemuͤth haben, Daher 
ſind die heiligen Martyrer fo muthig und freudig worz 
den, als fie GOttes Gegenwart und füffen Troft em⸗ 
pfunden, daß fie der Tyrannen in ihrer groͤſten Marter 
gefpottet, wie Sr. Laurentius, St. Dincentius, da Der Mir 
er mit bloſſen Füffen auf glüenden Kohlen — ara 
muͤſſen, 


605- BU. Caz. GOttes Troſt in Truͤbſal 


muͤſſen, hat er geſagt: Er gienge auf wohlriechen⸗ 
den Roſen. Babplas hat gebeten, ibn mit feiner 
Kette zu begsaben, Damit er gebunden, auf daß er ſeines 
Schmucks nicht bevaubet wurde. Sanıt Ignatius 
wuͤnſchet sin rein Weitzen⸗Koͤrnlein zu feyn, und ducch 
die wilden Thiere gemahlen gu werden, ur fint panis 

. mundus Salvatori, damit er ein rein Brod dem 
Aeplande werde. Di iſt nicht Menſchen fondern 
GoOttes Krafft und Freudigkeit‘, als von Sanct Ste⸗ 
phano gefihricben it, daß er eines Engels Beftait 
gehabt in feiner Derflagung, Apoſt. Geſch.6. v. 15. 
Da heiſts denn: Ich hatte viel Bekuͤmmerniß und 
Traurigkeit in meinem Hertzen, aber deine Troͤ⸗ 
ſtungen erguichten meine Seele, Confolationes tuæ 
vivificarunt animam meam, Pſ. 94.0. 19, 


Gebet. 

Bi, barmherkiger GOtt und Vater, vor die befenneund 

Flage ich, daß, wie Satan dich und dein Thun allezeit bey 

ung verleumdet, und verfehrt vorſtellet: Alſo meine verderbte 

Unart alle deine wohlgemepnte Regierung verkehrt anſiehet. 

Sch weiß ja, o HErr, daß ohne deinem Rath mie nichts wieder: 

9.75.09 fahren fan. Der Becher ift in deiner Hand, und du ſchenckeſt 
| ein allen Voͤlckern: So iſts ja Tanter Liebe, die du ung, auch 
wenn du züchiigeft, erweiſeſt: Denn haͤtteſt du Luſt uns zu tod⸗ 

ten, oder der Verdammniß zu uͤbergeben, ſo haͤtteſt du naͤhere 





Galat. 6. Wege darzu Wenn du aber unſere Feinde, die Welt und das 
9.14. verderbte Fleiſch, durchs Creutz, ſo wir Chriſto nachtragen, 
creutzigeſt, ſo gereichet diß ja zu unſerm Beſten, und iſt der Sieg 
fo viel leichter. Was iſt doch unſer Leiden genen die Bitterkeit 
des Todeg, die emige Pein der Hoͤllen, die gansliche Verftoß 
Euc,a2, fung von deinem Angeſicht, die wir nit unſern Sünden verdies 


2.44: net, die unfer Erlöfer, dein geliebter Sohn, an dem deine Seele 
DI. 22. 0.L. einen Wohlgefallen hat, für ung gefoftet und empfunden hat? 
Unfere Truͤbſal iſt ja nur zeitlich, weil fie ein Ende hat, und 
If. 91.0.15- leicht, wenn wir deine Gegenwart und Beyſtand in derfelben 
Matıh 24. glauben. Ach verleihe mir denn, mein GOtt, daß ich wicht febe 
0.13. auf das Sichtbare, fondern auf deine unfichtbare Gnade, Ver— 
Dfend, 2. heiſſung, Teoft und ewiges Heil, welches du denen, foin Gedult 
— 19. berharren bis ang Ende, verheiffen haſt; dadurch meine Seele 
1. Bere, in Gedult faffe, in keinem Leiden zaghafft werde, fondern durch 
v.ıo dich geſtaͤrcket, bekraͤfftiget gegründet und vollbereitet, mich als 


2.Tim. 2. ein guter Streiter JEſu EHrifti leiden, einen guten Kampff 
2:3 kümpffen, 
























































——— 
—— 
—E 
— 
II 
— —— 
—— 
— 
—— 
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— 
— — 


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—— — 


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[FITESSITTITITGESTITNEITEATBETITEEIDESTISTETTTISENTTTTENTTITTOEITITLEITTTTTEITESTITETTRTETGENTITT TEN] 


„ „MAILEN I} 











Das Andere Bud, € ap. XLVL. par. 607 
Hier ift ein Hauffen Hol, fo brennet deffen Glut, meil es 


nicht recht brennet, durch die Winde angeblafen und vernichret 
foird: Damıwirbe augedeutet, daß die Creutzes⸗ und Unglücf2- 
Winde denen Gläubigen nicht fehaden, ſon ern vielmehr ihr 
Teuer ver Andacht vermehren, daß fie Dadurch im Geber und in 
der Lebe GiDresderto brunſtiger we den- zumal wenn fie deffen 
Huͤlffe und Troft dabey in ‚Ihren Seelen befinden, 


Roͤm. 8. verf. a5. 
Wer will ung ſcheiden von der Liebe GOttes? 


Trubfal oder Angſt? In dem allen uͤber⸗ 
winden wir weit. 


— 


Daze — m quick und cf, 


Die in uns glimmt: doch reucht fie. nach der Erde, 


Undmuß bebarrlich aufgeblafen werden, 
Die Seel erſticke fonſti in ihrer eignen Aſch. 
Wenn immer ung die Freuden⸗Sonne lachet, 
Und ſtetes Wohlergehn das Hertze ſicher machet, 


Verkehret ſich die Brunſt, und iſt ſie noch 2 dei 


Gar leicht in Ealtes Eiß: 

Drum muß zu unfern Srommen 
Manch trübes. Ungewitter Foimmeny 
Und ſtuͤrmen auf die Glut mit vollen Backen zu, 

Damit ja nicht des Sleifshes Nah 
Und Friede mit der Welt und ‚Helle. 
In einen Todes⸗Schlaf uns wieg, 
Der immerzwache Feind uns uͤberſchnelle, 


Und unverſehens unterkrieg. 


Drum laß dirs nicht zu ſehr zu Hertzen gehen, 
Wenn du Dich ſiehſt der Ungluͤcks-Winde Spiel 
Und aller ARetier Ziel: ER 
Es iſt zu deinem Veſte "angefehen. 
Das Ereus bat dieſen Zweck, daß es Das Feur 
erhalte 
Das in der Seelen feheint, » 
Damit dein Glaube nicht erkalte, 
Der dih mit GOtt, dem hoͤchſten Gut, vereint, 


j 


würdet in unfern Aergen Bedule. 607 
kaͤmpffen, Ölauben behalten, und endlich die denen Siegenden 2. Zim. 4, 


beyaelegte Crone der Ehren davon bringen möge, durch JEfum b. 7-8: 
CHriftum unfern HErrn! Amen, — 


Das XLVI. Capitel. 


Bewegliche Urſachen der Gedult: Et 
de bono crucis, und VOM Mutz des 
heiligen Creutzes. 

Jaceb. 5. verf. 7. Seyd gedultig, lieben Bruder, 
bis auf die Zukunfft des HEErrn! Siebe, ein 
Ackersmann wartet auf die Pöfkliche Srucht 
der Prden, und iſt gedultig darüber, bis er 
empfabe den Hiorgen- Regen und Abend⸗ 
Regen. | 


Je Gedult ift, wenn man GOtt im Creutz ge Was Ge⸗ 

horfamlich ausharret, und feiner Göttlichen Aus duit ſey. 

I macht und Weisheit alles anheim ſtellet, nicht 

‚Biel, Zeit, Maaß, Weiſe und Ort fuͤrſchreibet, und ſich 

dem gnaͤdigen Willen GOttes gantz ergiebt. Darzu 
ſollen uns bewegen folgende Urſachen: 

1. Daß unſer Creutz und Truͤbſal von GOTT 
herkomme, Hunger, Krieg, Peſtilentz: Denn. obwol — 
die Truͤbſalen Durch den Teufel und feine Werckzeuge von GOtt. 
ung zugefüget werden; fo kommen fie doch nicht unge⸗ 
fehr, fie Fommen doch aus GOttes Verhängniß. Jeſ. 

45.0.7. Derichdas Licht fehaffe, und mache Sin- 
ſterniß, der ich Sriede gebe, und ſchaffe das Ubel; 
Ich bin der HErr, der folches alles tbut. 1. Sam. 
2.0,6. Der HErr tödret, und machet lebendig, 
fübret in die Aölle, und wieder heraus. Was 
wilt du denn nun darausmachen? Wilt du denn wider 
GHDtt ftreiten und kriegen? 

2. Weil wir die Strafe und alles Creng wohl _ >. 
verdienet haben, ja noch viel gröffer: Denn unfere —* 
Suͤnde iſt allezeit groͤſſer denn GOttes Strafe; und die geringer 
Strafe allezeit geringer, denn unfere Sünde und Miß iu Ir 
ſethat, wie Die kluge und beherste Judith fagt, Eap. 8. 


v. 22, 


Bemenliche 
Urfachen. 


608 9.18.46. Bewegliche Urfachen, 


Gottes v. 22. Du muſt auch bekennen, daß dir der liebe GOtt 
— mehr Liebes denn Leides, mehr Gutes denn Boͤſes von 
ieicai Mutterleibe an erzeigt. Warum wolteſt du denn 
— denn bie jhm, zu ſchuldigem Gehorſam fuͤr 10, viel Gutthaten, 
Strafe. yjcht eine vaͤterliche Züchtigung zu gut halten, Die er Doc) 
sog su deinem Beſten richtet und ſchicket? — 
% Weil wir nun die Strafe wohl verdienet haben, 
neun fo fen wir jamit dem lieben Daniel am 9. v. 7. be⸗ 
_Ereuß kennen, daß uns GOtt nicht unrecht thue. Zolte 
en um Dich denn GOtt gar nicht ftrafen um Deiner Ende 
willen, weder hie noch dort? Das wäre ja. unrecht, und 
du muſt es felbft bekennen. Warum wolteft du denn 
nicht gedultig feyn, und wider GOttes Gerechtigkeit und 
Urtheil murren? Es iſt ja beffer, daß dich GOtt bie 
zeitlich zuͤchtiget, denn dort ewig. .Cor,ı 1.0.32. Wenn 
wir gerichtet werden, ſo werden wir von dem 
Errn gesüchtiget, auf daß wir nicht ſamt der 
Welt verdammet werden, Biſt du aber ungeduttig 
wider GOtt, und murreſt wider ihn; ſo haͤlteſt du ihn 
Ei einen ungerechten GOtt, gleich als wenn feine Ges 
richte und Wercke nicht recht, waren. DE 1450.17, 
Der re iſt gerecht in allen feinen Wegen, und 
beilig in allen feinen Werden. DM ııyb, 137. 
Juitus es, Domine, & redtum judicium tuum. HErr, 

du biſt gerecht, und dein Bericht ifE recht. 
4. Wolteſt du nicht Gedult tragen mit deinem lies 
Bor tat ben GOtt, und aufihn harren und warten? Hat er 
Gedultmir doch ſo groſſe Bedule mit dir, und traͤgt dich mit groſ 
= Kun fer Langmuth und Gedult, daß auch St. Paulus Roͤm. 
im Ereup. 2. v. 4. C.9. v. 23. C. 11.5v. 33. nennet den Keich⸗ 
thum ſeiner Gebul Guͤtigkeit und Langmuth, 

daß er dich dadurch zur Buſſe locke. 

Erin 5. Giehe an die Gedult unfers Errn IEſu 
Son  Trsrifki, wie hätte er alle feine Feinde und Läfterer im 
andder Augenblick koͤnnen zerſchmettern; aber er dultet ſie, er 
Heiligen hitlet für ſie, und iſt doch unſchuldig. Vielmehr ſollen 
vol gedultig ſeyn, die wir alle Strafen, ja das hoͤlli⸗ 
ſcche Feuer wohl verdienet haben. CHriſtus bat, Br 
jede 





RER der Gedult. 609 

Liebe gegen ung alles gedultig erlidten , wie Jacob CHriſtus 
fieben Jahr um Rahel gedienet, 1. B. Moſ. 29. A Bent 
v. 18. alſo CHriſtus um uns drey und dreyßig Jahr: A) Ye 
Solten wir denn nicht um feinet willen eine Fleine Zeit Der Mlerger 
leiden? Siehean die Bedultaller Dailig.t: Joſephs, 1.8 Dior. 
Miofis, da cr für fein Volck bat, und woite lieber jterz 9. b. 18, 
ben für. das Volck, 2. B. Moſ. 32. 0.32. Davids, 

da er ſprach .Sam.ı 5.d.25.26. Werde ich Gnade 
finden vor dem HErrn, ſo wird er mich wieder 
bolen; Sprichteräber: Ich babe nicht Luſt zu 
David: Siehe, bie bin ich, er machs init mir, wie 

es ihm wohlgefaͤllt. Hiobs, der heiligen Apoſtel, 





und der heiligen Maͤrthrer. | Ä 
6 Die geoffen boben Wohlthaten COttes 6 
follen ung zur Gedult beweaen; denn erſtlich, fo weiſt en 
du ja, daß du durd CHriſtum GDir verfühnet bift stem 

Derowegen kan dir Fein Menſch, Fein Feind, GOttes 
Hulde und Gnade nehinen, und wenn alle Welt wider 
Dich wuͤtet und tobet: Benn GOttes Gnade waͤhret Vottes 
ewiglich uͤber alle, die ibn ficchten, Bf. 103.0. ı 7. Gredemel 
Roͤm. 3.038: 39. Ks kan uns nichts feheiden von mand neh 
der Kiebe GOttes, die in CHriſto ISſu iſt, un, 
ſerm HErrn. Duweiſt auch, daß dich CHriſtus zum Beute 

ewigen Leben erkaufft hat; welches div auch keine Crea⸗ wuͤrcken. 
tur nehmen kan. Weil die nun Feine Creatur GOt⸗ 
tes Liebe nehmen Fan, nach Das ewige Gut; fo kanſt 
du wol ale weltliche Feinde, Iiyrannen und Verfolger 
mit allem ihrem Thun, Sreude und Wolluſt verachten 
und verſpotten, wie Die heiligen Märtyrer mit Freudigs 
keit gethanhaben | 

- 7, So foll uns auch GOttes ewige Mabrbeit _ 7. 
und feine treue Ver heiſſung in Gedult erhalten. fa. Sons. 
30. v. 18. Der AKrr harret, daß er eich gnaͤdig härchet die 
ſey. Er bat fich aufgemacht, daß er fich euer Gedult. 
erbarme, Denn der Err ifE ein GOtt des 
Gerichts, . Wohl allen, die fein harten, MM. 25. 
v. 3. Sir. 2.9. 12. Klagl. er, 3.0.25. Selig iffder 
Mann, der die Anfechtung erdultes; Denn nach» 

11. Theil, OU dem 


610 B.I. C.46. Bewegliche Urfachen 


dem er bewaͤhret iſt, wird er die Crone des Le⸗ 

bens empfaben, Sac, 1. v. 12. 
8 8. Um der Ehre GOÖfttes willen: Die drey 
a, Manner im feurigen Ofen breiten GOttes Erkaͤnni⸗ 


BD niß aus, Da ‚el in der Loͤwen⸗Grube, Joſeph im Ge⸗ | 


Ehre. faͤngniß, David im Exilio oder Elend. 


9. Um unfers eigenen Nutzens willen: denn 


Unfer Rat (1) hat unfer Herb und Seele Nusen davon: Denn 
fo fernet man viel durch Gedult im Creutz: Roͤm. 5. 
‚ gruhtder d. 4. Gedult bringer Lrfabrung. (2) So wird 
Gedult. * Creutz durch Gedult leichter, Matth,. ır. v. 29. 
Schaden bringet der Seele Ruhe ; dagegen Ungedult groſſe 
unge Unruhe bringet, und man richtet doch nichts Damit aus, 
nun und mache Den Schaden immer gröffer; ia cs geräth 
offt ein Menfch durch Ungedult in Den zeitlichen und 
ewigen Tod. Alſo wurden wegen der Ungedult die 
Iſraeliten, da fie wider GOtt murreten, durch die 
Schlangen umgebracht, 4. B. Mof, 21. 
verſ. 6 
10. 10. Gedult wird hoch belohnet; denn Hiob 
De bekam feine Güter, die erverlohren, fiebenfältig wieder, 
m Hiob 42.0.10. Denn felig find die Sanfftmuͤ— 
tbigen, fie werden das Erdreich befigen, Matth.s. 
dv. 5. Unfelig die Ungedultigen, fie werden das Erdreich 
verlieren. 
Ir. Was auch in allen Ständen die Gedult für 
emuli de groſſen Nutzen bringet, iſt nicht auszufagen. Im 
Sande ru⸗ geiſtlichen Regiment iſts eine groſſe Tugend, wenn 
bie. einer Verfolgung erdultet: Im weltlichen, wenn 
einer feine Laͤſterer und Verleumder kan tragen: 
Denn wir leſen in Hiſtorien, daß durch Ungedult und 
Rachgier gantze Regimenter ſind zerruͤttet und ver— 
wuͤſtet. Was Gedult im Haus⸗Regiment vor 
dutzen ſchaffet, erfahren die Eheleute. Spruͤchw. 
Sal. 15. v. 32. Kin Gedultiger iſt beſſer denn ein 
Starcker. 
— 12. So hat uns CAriffus alle unſere Truͤbſal 
barunfere Anfehidlich gemacht, daß fie uns nicht foll — 


der Gedult. — 


unſerer Seligkeit: denn er hat ja alle unſere Suͤnde Traͤbſal 
durch fein bitter Leiden und Sterben bezahlet, und Kibm sr 
alle Strafen der Suͤnde auf fich genommen, und dies 
felbe krafftlos gemacht. Und um diefer Urfache willen 
müffen uns alle Truͤbſalen zur Seligkeſt dienen, dieweil 
CHriſtus durch fein Leiden alle unfer Leiden geheiliget, 
und in die beite, koͤſtlichſte Artzney ee 
Darum St. Paulus Mom. 8. verſ. 28. fpricht: E 

muͤſſen denen, die GoOtt lieben, alle Dinge a 
Beſten gedepen. | 

13. Letzlich, fo bedencke, was doch Diefer Zeit Lei⸗ BAR 
den ift gegen die ewige Herrlichkeit; Nom. 8: 2.18. Ze, 

Nicht werth der Herrlichkeit. Darum ifts eine arofte 
groſſe Barınberkigkeit, daß uns Gtt bie zuͤchtiget Aa mperk 
‘in dieſer alte welche ja eine Eleine Zeit iſt gegen Die DOLL, 
Ewigkeit: Dargegen er uns Doch Die Freude geben 
wird, die ewig if. Solte doch ein Menfih wuͤnſchen 
und darum bitten, daß GOtt hie feiner nicht verſcho⸗ 
nete, auf daß er feiner dort ewig verfihonete, “Darum 
fpricht St. Petrus: Die ihr eine Bleine Zeit leidet, 
werdet euch freisen mit unausfprechlicher ewiger 
Freude, 1. Petr. 1,0. 6,8, 


DE BONO CRUCIS. 


IRux eſt arcta & anguſta via ad vitam ducens, virga De Bono 
divinz correttionis a fomno mortifero excitans, erucis. 

Dilciplina päterna, Stella matutina folem confolationis 
precedens , Arcus cœleſtis & fignum divine pro- 
pitiationis , Chrifti conformatrix , exuens arma te- 
nebrarum , induens arma lucis, Fructus balfamicus, 
Myrrha imputrefeibilis, Herba ſalutifera, Potio ſanati- 
va, Calix falutis, Fidei probatio, Proximi zdificatio, 
Dilectionis puerpera, Spei ſocia, Gratiæ preambula, 
Medicina animæ, Peccatorum prophylacticon, Vitæ 
carnalis interemtrix, Vitæ ſpiritualis excitatrix, Mentis 
terrenæ mutatrix, Mundi defertrix-, Familiaritatis divi- 
ne conciliatrix, Gratiarum cœleſtium auctrix, Super- 
bie domitrix , Humilitatis nutrix, Patientig dodtix, 
242 Spiri« 


612 B. U. E.46. Don des heil. Creutzes Nutz. 


Des heilir TE 


gen Creu⸗ 
tzes Mutz. 








Spiritus renovatrix, Virtutis roboratrix, Corporis coſti- 
gatrix, Animi vegetatrix, Sapientiæ genitrix, Manſuetu- 
dinis cultrix , Orationis invitatrix, Patientiæ magiftra, 
Caftitatis cuſtos, Conſcientiæ ferenitäs , internorum 


gaudiorum ubertas , Carbunculus lucens in aureis. fan- 


&orum monilibus, Gemma fidelium fplendens, Rofa 
paradifi fragrans, Martyrum corona, Eledtorum gloria, _ 


Bon des heiligen Creutzes Nutz. 


As liebe Creutz iſt der enge und ſchmahle Weg, 
/ derzumkfeben fuͤhret, eine Ruthe der Goͤttlichen 
Züchtigung, ſo vom Sünden Schlaf aufweckt, eine 


daͤterliche Zuchtigung, der Morgenftern, der vor der 


Sonnen des Troftes hergebet, ein Gnaden: Zeichen, , 
Hleich dem Regenbogen, machet EHrifto ahnlich, zeucht 
die Waffen der Finſterniß aus, zeucht die ABaffen Des 
Lichts an, eine balſamiſche Frucht, eine unverfaulende 
Nyrrhe, ein heilfames Kraut, ein heilfamer Tranck, 
ein beilfamer Kelch, eine Probe des Glaubens , eine 


- Erbauung des Nachften, eine Gebahrerin der Liebe, 


eine Gefellin der Hoffnung, eine Vorgängern der 
Gnaden, eine Arseney der Seelen , ein Praͤſervativ 
der Stunden, eine Tilgerin des fleifchlichen Kebens, eine 
Erweckerin des geiftlichen Lebens, eine Veränderung 
des irdifchen Gemuͤths, eine Derlafferin der Welt, 
eine Dermählerin der Freundſchafft GOttes, eine 
Vermehrerin der himmlifchen Gaben, eine Zaumerin 
der Hoffart, eine Saugamme der Demuth; eine Lehre 
rin der Gedult, eine Ernenerin des Geiſtes, eine Erhal⸗ 
terin der Tugend, eme Zuchtmeijterin des Keibes, eine 
Ernaͤhrerin des Gemuͤths, eine Mutter der Weisheit, 
eine Waͤrterin der Sanfftmuth, eine Anreitzerin des 


Gebets, eine Meiſterin der Gedult, eine Huͤterin der 


Keuſchheit, eine Klarheit des Gewiſſens, ein Reich? 
thum der. inmwendigen Freuden, ein Carbunckel, det da 
feuchtet in den Kleinodien der Heiligen, cin Edelgeſtein 
der Glaͤubigen, eine wohlriechende Roſe des Dan 

| iſes, 


ITTLIITLITISTTLITITTTITTAITTTTTRETTTTTTTTITTLITILITIITLITTTTITITTTTETTTTTT 


IIITTTITITTTLELTATTITLEILITITTTN 














Die af, t machts 


eich. 


KANN 


A—, 


ILIMIMMEN N 





[ZIEHEN LPIBIEREIEINERE I —— ING 

















’ 


. 2 Das Andere Bitch, Cap. XLVIL  pag.613 | 


Hier ift eine Schlag⸗Uhr, die durch die fehmeren Gewichte 
und Laſt in rechten Bang gebracht mird, daß fie fein leicht forte 
gehet, und eine Stunde nach der andern richrig hält: Alfo ift 
auch gläubigenEbriften nicht hinderlich, wenn ihnen GOtt nad) 


ſeinem allweifen Kath ein ſchweres Creutz-Gewicht anhaͤnget; 


denn dadurch werden fie nur aufgemuntert deſio hurtiger und 
beſſer in ihrem Chriſtenthum fortzugehen. 


Pſalm 1:9. ver, 71. 


Es iſt mir lieb, daß du mich gedemuͤthiget haft, 


daß ich deine Rechte lerne, 


| Ei Ehrift wird auf dem Wege, - 
Den en Bergzan muß gehn ) 
Dem Himmel zu, nicht felten laß und frage, 
Und würde bald gar fille ſtehn, 
Nenn ihn des Ereußes-Laft nicht regte, - 
Und wider feine Neigung frifch bewegte: 
Drum hengt der treue GOTT die ſchwereſten 
| Gewichte 
Meift feinen Rindern an, und zeucht fie täglich auf, 
Sein Abfehn ift, zu fordern ihren Lauff 
Und Wandel indem Fichte, 
Wer Acht drauf hat, der Fan aus ihren Wercken 
Und Meden wohl vermercken, 
Daß noch der Geift-in ihnen lebt, 
Den fonft, hefreyt von’ diefer felgen Bürde, 
Der Sünden Koft verzebren würde, 
Der von ‚Natur fo feſt an allen Menfchen Elebt, 
| Ihr, die ihr euch in Ungehorfam ftreubet, 
Geht, welch ein, edles Gut im Creutze ſteckt, 
Wie es Die Mader des Gemuͤthes treibet, _ 
Und das Gewiſſen aus dem Schlaf erwerft 
Erkennt, wird euch ein Creutzgen angebunden, 
Des ewig⸗treuen Vaters weifen Rath, t 
Und folge dem Zuge deß, der durch fein Creutz und 
ge Wunden 
Der Ehriften Creutz gebeiligt hat, 


x 


Von des heiligen Creutzes Nutz. 613 





diſes, eine Crone der Märtyrer, eine Zierde Der Aus 


erwehlten. 
Gebet. 


Vit der. Barmhertzigkeit und GOtt alles Troſtes, dich Cor. x. 

I tuffe ich an im Namen JEſu um die wahre Chriſtliche Ge: v. 3- 

duit. Nüfte du mich aus mit folcher wider alle Trübfal, daß Kiagl. 3. 

ich in folcher geduftig fey, welches ein Föftlich Dingift. Mache 814 F 

mich willig, das Creutz CHriſti auf mic) zu nehmen, gedultig 4 

folches zu tragen, und freudig darunter auszuhalten. Berr 

freibe alleg Murren und Widerwillen des Fleifcheg über die 

Schwere de3 Creutzes und Langwierigkeit der Zeit. Stelle dich, 

liebfter IJEſu, mit deiner Gedult unter und an dem Ereuß mir 

vor Augen und Kerken, daß ich durch) beine Anſchauung erfri- 

ſchet und geftärchet werde, beitändiger auszuhalten. Laß mich, Hebr. 12. 

o gedultiger Heyland, in nieinem Muth nicht müde werden, D- 3- 

fondern in Gedult durch Leiden und Trübfal ins Reich GOttes an, De. 

eingehen. Gedult iſt mir noth, daß ich deinen Willen thue, und gehr.ro, 
die Berheiffung empfahe. Ich bitte fie von dir, die wolleſt v. 36, 

du mir nicht wegerm! Amen. 


Des XLVH, Copitel, 


Spruͤche und Exempel der Gedult, 
und Troſt. 


Apoſt. Geſch. 14. v. 22. Wir muͤſſen durch viel 
Truͤbſal ins Reich GOttes gehen. | 


Sit eines Ehriften Leben in dieſer Welt nichts Ehriten 
| anders ij denn Creuß und Teübfal, da- on, it 
durch wir müflen ins Reich GOttes ein- 
geben; fo iſt uns vonnoͤthen, daß wir uns auf Gedult und Ge⸗ 
ſchicken, und diefelbe von GOtt erbitten. Nicht fchiz Palt 
cke dich auf gute Tage, fondern auf viel Leiden und 
Gedult. Davon wollen wir nachfolgende drey Pun⸗ Davon 
cte mercken: "Als: 1. Sprüche und Zeugniſſe der dreverled. 
Schrift: 2: Erempel? 3. Troft, 

1, Sprüche und Zeugniſſe der Schrift, 
Gedult iſt eine folche Tugend, die mit ſanfftmuͤ-⸗ gersrei. 
thigen, stillen, demüthigen, gehorfamen Hertzen ſich bung der 

Dem lieben Creutz unterwirfft, und allerley Wider⸗ Gedult. 
| SE Mrd 


x . 


614 B.II. C.47. Sprüche und Exempel 


waͤrtigkeit, Truͤbſal und Xghen ſie ſey geiſtlich 
/oder leiblich, als CHriſti Creutz und Zoch auf ſich 
nimmt, und Coriſto nachfolget, wider SO nicht - 
mutret, fordern im Glauben erfennet, daß mir einen 
gnadigen GOtt in CHriſto haben; welche auch durch 
Hoffnung der Erloͤſung das Ereut lindert, und iſt eine 
Sanfftmuth gegen die, ſo uns beleidigen und verfol⸗ 
gen, befiehlt GOtt die Mache, und kommt nicht her 
aus der Vernunfft, oder Fleiſch und Blut, fondern ift 
eine ſondere Gabe des Heiligen Geiſtes, und eine 
Frucht des wahren Glaubens. 


Hujus deſinitionis hec ſunt membra: 1. Obedien- 
tia: 2. Imitatio: 3. Non fremere: 4. Intueri DEum pro- 
pitium in Chrifto: 5. Spe lenire malum: 6. Manſuetum 
eſſe erga perſecutores: 7. Vindictam non exercere. Das 
iſt: Diele Beſchreibung bat dieſe Stuͤcke in ſich: 
1. Gehorſam: 2. Nachfolge: 3. Nicht murren: 4. Den 
gnaͤdigen GOtt in EHrifto anſehen: s.Durd Hoff⸗ 
nung das Creutz lindern: 6. Sanfftmuͤthig ſeyn gegen 
Die Verfolger: 7. Die Rache nicht ausüben. 


Sedpit br Begreiffet Glauben, Liebe, Hoffnung, Demuth, - 
Kar Sanff nuth, Gehorfem. 
in ſich Diefe Tugend müffen lernen und fudiren alle die 
EeHriftum angehören, die zum Himmel und ewigen 
Leben erkaufft ſeyn; denn wider diefelben ſtreitet der 
Teufel, der groffe Drache, und alte Schlange, 
u) die gange Welt, Offenb. Joh. 12.0. 17. Der 
Drache gieng aus zu ffreiten mit den Übrigen 
56 des Weibes Saameh, die da GOttes Gebor 
halten, und baben das Beseugnig JEſu. Das 
von follen wir folgende Sprüche mercken: 


Herrliche Matth. 10. v. 24. ſeq. Wer mir nachfolgen will, 
— der verleugne ſich ſelbſt, und nehme fein Creutz 
auf ſich, und folge mir nach; denn wer ſeine 

tele erhalten will, der wird ſie verlieren: Und 

wer ſeine Seele um meinetwillen verleuret, der 

wird fie wiederfinden Das iſt, wer das Creutz 

um 





der Gedule, und Troſt. 615 


um EA willen nicht tragen will, und daffelbige 
fliehen will, der wird feine Seele drüber verlieren. 
Mare. 13.0. 13. Ihr werdet gehaſſet werden Mare 13. 
von iederman um meines Namens willen. Das’ 
iſt warlich ein ſchweres Ereuß, von iederman gehaffet 
werden; doch weils um Ceriſti willen gefihicht, fo 
iſts ein "groffer Troſt. 
Von den geiſtlichen Verfolgungen weiſſaget der 
HErr Luc. 21. b. 12. 19. Sie werden euch verfol- 
gen, und uͤberantworten in ihre Synagogen, 
werden euch ins Gefaͤngniß werffen, vor Rönige 
und Sürften führen, um meines Namens willen: 
Darum faffee eure Seele mie Gedult. Gleich Zur 
als wenn man etwas zuſammen bindet, oder zur” ”' 
Ruhe bringet. 
>. Soh.15.0.18.19. 20. So euch die Welt baf: Due der 
fer, fo wiffet, daß fie mich vor euch gehaſſet bat. per > 
Waͤret ihr von der Welt, ſo hätte. die Welt 
ihre lieb: Weil ich euch aber von der Welt 
erweblet babe, darum baffee euch die Welt, 
Aaben fie mich verfölger, fie werden euch auch 
verfolgen. 
Joh. 16. v. 2. Sie werden euch in den Bann 
thun, und es koͤmmt die Zeit, daß, wer euch toͤd⸗ 
ten wird, wird mepnen, er thue GOtt einen 
Dienft daran. 
Apoſt. Schh. 14.9. 22. As St. Paulus zu Lyſtra 
gefteiniget ward, und ihn die Junger erquicketen, hat 
fie St. Paulus _ermahnet, im Glauben, beftändig zu 
bleiben, und daß wir durch viel Trübfal müffen 
ins Reich GOttes eingeben. 
2. Cor. 4.0. 8. fg. Wir Haben allentbalben, 
wo wir hinkommen, Trübfal, aber wir verderben 
nicht. Wir baben Angft, und verzagen nicht. € Chriflih 
Wir leiden Derfolgung, aber wir werden nicht AR 
verlaſſen. Wirwerden untergedrückt, aber wir ofinbaret 
kommen nicht um. Wir tragen allezeit das In Creutz. 
Sterben JEſu Coriſti an Leibe, daß auch 
das 


616 B. U. C.47. Sprüche und Exempel 


Das Leben TEFU an unferm Leibe erſcheine: 


Denn wir, die wir lebe, werden immerdar in 
den Tod gegeben, un ICSU willen, auf daß 
auch das Leben JESU ofjenber werde an un⸗ 


ſerm fEerblichen Fleiſche. 


2. Timoth. 2. v. 3.5. 12. Du ſolt dich dulten 


als ein guter Ritter CHriſti. Beiner wird gecro⸗ 


net, er kaͤmpffe denn recht. Dulten wir mit ihm, 
fo werden wir auch mit ihm berrfchen, 2. Tim. 
3,0. 12. Alle die da wollen gottſelig leben in 
Chriſto JEſu, die müffen Verfolgung leiden. 
Hebr. 10.0. 36. Gedult ift euch vonnötben, 


. auf daß ihr den Willen GOttes thut, und die 


Derbeifjung empfahet. 
Hebr. 12. v. 1. 2. 3. Laſſet uns Iauffen mit Be- 


dult im vorgeſtellten Bampff, und aufſehen auf 


fm, den Anfänger und Vollender des Glau⸗ 
bens: Welcher, da er wohl bitte mögen Sreude 
haben, erdulter er das Creug, und achtete der 


Schande nichts; und ifE gefeffen sur Rechten auf 


* 
Exempe! 
Abrahamẽ. 


* 


der Thron GOttes. Gedencket an den, der ein 


ſolch Widerſprechen wider ſich von den Suͤn⸗ 
dern erdultet bat. ; 
1.Petr. nr. 0.6.7. Die ihr eine Beine Weile _ 


traurig fepd in mancherley Anfechtungen, auf 


daß euer Glaube viel Eöftlicher erfunden 
werde, denn das vergängliche Bold vom Feuer 
bewaͤhret. | 
Offenb. Joh. 3,0. 10. Diemeil dir haft behal⸗ 
ten das Wort meiner Gedult, fo will ich Dich 
auch behalten für der Stunde der Verfüchung, 
jo kommen wird über den EKrden-Kreis. Cap. 2. 
v. 10. Sey getreu bis in den Tod, fo willich dir 
die Crone des Lebens geben. 


2. Exempel der Gedult. 


Abraham hat viel von den Chaldaͤern, Canani⸗ 
tern und Egyptern leiden müffen, Ap. Geſch.7. v. 4. 5. 6. 
FÜR Abra= 


der Bedult, und Troft. 617 
— — RR b 
"Abraham gieng aus der Chaldier Land, undı. 3. Moſ. 
wohnete in Haran. GOtt gab ibn Feine Erb⸗2. v1 
ſchafft darimen auch nicht eines Fuſſes breit, 
„und ſprach: Dein Saame wird ein Sremdling 
fepn in einem fremden Lande, und fie werden fie 
au Bnechten machen, und übel halten. Hebr. 11, 
2.8.9. Im Glauben ward Abraham gehorſam, 
und giengin ein Land, und wuſte nicht, wo erbin 
kam, Im Glauben iſt er ein Sremöling gewefen, 
und wohnte in Huͤtten und böffere sufdie Stadt, 
: welcher Baumeister Gott iſt. — 

2, Petr. 2.0.7.9. GOtt hat erloͤſet den gerech⸗ Lotb. 
ten Loth, welches gerechte Seele die böfen Leute 
quäleten mit ihren ungerechten Werden. Der 
Err weiß die Gottſeligen aus der Trübfal zu 
erlöfen, die Ungerechten aber zu bebalten zum 

Tage des Gerishts, fie zu peinigen. 
 ELBMof 22. v. 9. Iſaac wolte ſich gedultig Iſaae⸗ 
opfern laffen. | | 
. B. Moſ. 32. 0.10, Jacob hat viel erdulten Jacob. 

muͤſſen; muſte vor Eſau flieyen: hatte nicht. mehr, 
denn einen Stab, da errüber den Sfordan gieng. Hoſ. 
12.0.3. 4. Jacob bat in feiner Angft mir GOtt 
obgefieger; Er bet gekämpffer mit dem Engel, 
und gefieger; denn er bat geweinet und geberer. 
1. B. Moſ. 47.0. 9. fpricht er zum Koͤnige Pharao: 
Die Zeit meiner Wallfahrt iſt 130, Jahr: Wer 
nig und böfe ift die Zeit meines Lebens. 
Jacob 5.v-ı1. Ihr babe die Gedult Hiobs Hiob. 
geböret, und das Ende des KERRTT habt ihr 
gefeben . * : 
Miofes war der allerfenfftmütbigfte und ge: Mofe. 
plagtefte Menſch über alle Menſchen auf Erden; 
4. B. Moſ. 1 2.0.3. Hebr. 11.v. 25. Er erwehlete 
lieber mit ſeinem Volcke Ungemach zu leiden, denn 
die zeitliche Ergoͤtzung der Suͤnde zu haben. 
David, eine Figur und Bild E-Hrifti, was hat er David. 
gelidten? Pſalm 7. v. 2. Auf dich traue ich, HErr, 
Das mein 


618 B.ILE.47. Sprüche und Eremvel 


mein GOtt, bilff mir von allen meinen Derfol- 
gern, und errefte mich. Pſ. 10. v0. 17. Das Der- 
langen der Elenden böreft du, HErr. 
Salomo, Spruͤchw. 15. v. 33. Die Surcht des 
Errn ift die Züchtigung der Weisheit, und ehe 
men zu Ehren kommt, muß man vielleiden; vers 
fiche vor der kuͤnfftigen Herrlichkeit. | 
Eir. 2.0. ı. Mein Rind, wilt du GOttes 
Diener fepn, ſo febicfe dich zur Anfechrung. 
Maͤrtyrer. Dan. 3. v. 21. Was haben die drey Männer 
s im fenrigen Dfen für Gedult geübt? Alfo alle heilige 
Apoſtel und Mariyrer. 
EHrifu Des HErrn EHrifti Exempel übertrifft aller Heiz 
lisen Gedult: Cı) Iſt er der allergehorfamfte im 
Creutz. (2) Dat er wider GOtt nicht gemurret. (3) 
Hat er den ftarckeiten Glauben * gehabt. - Denn ob 
er wol von GOtt verlaffen; dennoch nennet ex 
GOtt feinen GOtt, Matth. 27. 0.46. (4) Hat er 
hertzlich für feine Seinde gebeten, und fich nicht gero— 
chen, ob ers gleich harte thun koͤnnen. 


3. Troſt. Ab 

tatth. 5. v. 4. Selig find, die da Keide tra= 

gen, denn fie follen getröfter werden. 
Matth. ır. Matth. 11.0. 28. 29.30. Bommt ber su mir 
v8) 30. alle, die ihr mübfelig und beladen feyd,ich will euch 
erquicken. Nehmet auf euch mein Joch, und 
lernet von mir, denn ich bin fanfftmätbig und 
von Hertzen demütbig, ſo werdet ihr Rube fin⸗ 
den für eure Seele: Denn mein Joch iſt fanfft, 
und meine Laſt ift leicht. Da fiehet fünfferley 
Troſt; (1) zu CArifto Eommen; (2) erquicen; 
(3) mein och; (4) Rube der Seelen; (5) mein 
Joch iſt fanffe. Weils un CHriſti willen geſchicht, fo 
erquickets; darum ſpricht St. Paulus Roͤm.5. v. 34.5. 
J Wir 


—— — — —ñ — —— —— —ñ —ñ —ñ— — — — ——— — 

* Hierdurch iſt zu verſtehen die Treue und Beſtaͤndigkeit, mit 
dero CHriſtus in feinen Leiden GOTT angebangen bat, 
und in dero wir auch ihm folgen, Doch nicht dabey beſtehen 
bleiben muͤſſen. 


der. Gedult, und Troſt. 619 


Mir rühmen uns der Trübfal; denn wir wiſſen, 

daß Truͤbſal Sedule bringet; Gedult bringet 

Erfahrung: Erfahrung bringet Hoffnung: Hoff⸗ 

nung aber laͤſt nicht zu Schanden werden: Denn 

die Tiebe GOttes iſt ausgegoſſen in unſere Her⸗ 
tzen durch den Heil. Geiſt. 

Jacob ı.v. 12. Selig iſt der Mann, der die 
Anfechtung erdulter : denn nachdem er bes 
waͤhret ift, wird er die Crone des Lebens em⸗ 
pfaben, welche GOtt verbeiffen bat denen, die 
ihn lieb haben. 4 

Joh. 16. v. 33. In der Welt habe ihr Angſt; 
aber feyd nur getroft; ich babe die Welt über- 
wunden, 

Noͤm. 8.0. 35. Wer will uns ſcheiden von dee 
Liebe BÖttes? ic. Es müffen denen, die GOtt 
lieben, alle Dinge zum Beften gedepen, v. 28. 

2. Tim. 4.0.7. Ich babe einen guren Bampff 
gekaͤmpffet. | | 

Gebet. 


Ach HErr GOtt, lieber Water, barmhertzig und gnaͤdig, ge⸗e. B. Moſ. 
dultig und von groſſer Guͤte und Treue! Ind o HErr JEſu 34: d. 6- 
EHrifte, du gedultiges aͤmmlein GOtteg! o GOtt Heiliger Job-t.d.29. 
Geift, ein Geiftdes Trofteg und Friedes! Ich Hage und befenne 
dir meines Hertzens angebohrne Ungedult und Ungehorfam, 
daß ich offt wider deinen heiligen Willen gemurret und gezürnet 
habe; ad) vergieb mir folche fehmwere Sünde und Ungehorfam, 
und rechne mir diefelben nicht gu: Wende die harte Strafe von 
mirab, die du draͤueſt denen, die dein Joch) nicht fragen wollen, 
denn diefelben Eönnen nimmermehr Ruhe finden für ihre Seele. Matth. u. 
Gieb mir aber deine Gnade, daß ich im Ereug dir allezeit möge d- 29- 
gehorfam feyn, und ja nicht wider dich murre, noch mit dir 
zuͤrne; fondern erfenne, daß folche meine T- iöfal durch deinen Klagl. Jer. 
Goͤttlichen Rath mir auferlegt worden, weil mir ohne deinen? 3% 
Willen fein Härlein fan vom Haupte fallen, und daß ich den» 
nach mic gütigem, gedultigem, danckbarem Herken alles Creutz 
und Leiden von der Hand deiner väterlichen Borfehung aufneh⸗ 
men möge, ja mich noch gröfferer Strafe würdig achte, weil 
mein Creutz und Leiden viel geringer ift, denn meine Sünde; 
ja daß ic) des Creutzes nicht akein nicht müde werde, fondern Ephef. 3. 
mehr begehre zu leiden, wag dein Wike ift, und wag zu deinen v. 13, 
Ehren und mir zu Nutz gersichen fol. Ach laß mich erfennen 

\ da 





62:0 BU. E. 47. ‚Sprüche und Exempel 


1. Petr. 1. 
v. 6.7 
Apoſtel⸗ 
Geſch.14. 
v. 22. 
Pſalm 18. 
v. 36. 
Jacob 1, 
V. 12. 
Röm. 8. 
y · 29. 


Hebr. 12, 
v. I» 


‚Lue.9.d- 23. 





daß du aus groffer Liebe mir mein Creutz z3geſchicket haft, auf 
daß du mich demuͤthigeſt, mein Fleiſch creutzigeſt, meinen Glau⸗ 
ben, Liebe und Hoffnung pruͤfeſt, mein Geber, Gedult und Bes 
ſtaͤndigkeit bewähreft, mich lehreſt, trofteft, zum Reich EOttes 
bereiteft, und im Himmel durchs Creutz groß macheft, und in 
deine Herrlichkeit einfuͤhreſt. Darum gieb mir ein ſolch Hertz, 
daß ich mein Ereug lieb habe,dir dafür dance, mich deſſelben 
freue, daß ich Dadurch dem Ebenbilde meines HEren JEſu 
EHrifi gleich werte. D HExr JEſu, gieb mir ein fold) Heiß 
und Einn, daß ich in allen meinem Leiden allegeit dein Bild 
anfchauen möge, tvie du mit groffer Gedult dein Ereuß getra« 
gen, wie dein heiliges Haupt geſchlagen, mit Dornen gecronet 
und zerriſſen, bein Ungeficht verfpenet und verfportet, dein heis 
liger Leib gegeiſſelt, verwundet und getödtet ift. Ach wie haſt du 
deinen Willen deinem himmliſchen Vater in fo groſſer Gedult 
aufgeopffert! Ach laß mich dir auch meinen Willen gantz und 
gar aufopffern, denſelben verleugnen, mich dir gantz ergeben, 
und mic freuen, daß dein Wille det allezeit gut ift, und alles 
gut machet, an mir moͤge erfüllet werden. Vertreib aus mei⸗ 
nem Hertzen alle Ungedult, Tranrigkeit, Angſt Furcht und Klein⸗ 
muͤthigkeit, daß ich durch Gedulk in dir ſtarck werde, alles zu 


uͤberwinden, ja daß ich ſolche Schmertzen und Traurigleit nach 


—* 
1. Petr. 5. 


-d, 7» 
Palnı 68. 
v. 20. 


Matth. IO. 
v. 2% 


Roͤm. 2. 


2.19. 
Matth/· 24. 
vd. 13. 


Pf. 103. 
v.· 14. 

x Et, 10, 
v 13. 


deinem Willen, und um deinetwillen, und durch deinen Willen, 
in dir, mit dir, durch dich gebuitig frage und leide, fo lange 
dirs gefällt, daß ichg halte für meines HErrn CHriſti Schmer⸗ 
gen, ihn dafür liche und lobe iegt und in Ewigkeit. Gieb mir, 
Here JEſu, Gedult alleg zu ieiden, was du wilt; gieb mir deine 


Sanfftmuth, daß ich nicht wider dich murre, deine Demurh, 


daß ich mic), aller Strafe würdig achte, deine Gnade, alles zu 
‚erdulten, durch wahren Glauben alle meine Sorge aufdich zu 
werffen, deinen wahthafftigen Berbeiffungen zu trauen, die Zus 
verficht, daß du auch mitten im Creutz mich lieb habeſt, die Hoff⸗ 
nung, daß du mir mein Creutz werdeſt helffen tragen und linz 
derne Troͤſte mich auch mit deinem Heiligen Geift, mit dem 
Vorſchmack und Anblick des ewigen Lebens, daß ich mich mehr 
umſehen möge nach innerlichen himmliſchen, denn nach Äufferz» 
lichen Troſt: giel daß ich mich nicht fürchte vor denen, die den 
Leib eödten Finnen, die Seele aber nicht. Verleihe mir, daß 
ich mitten inTraurigfeit und Widerwärtigfeit dennoch ein rubie 
ges und ſtilles Herg behalten moͤge, auch die Sanfftmutb gegen 
meine Feinde, daß ich mich nicht räche, weder mit Worten, noch 
mit Wercken, noch Begierden, auch nicht mit Geberden. Gieb 
mit wahre Beftändigkeit im Glauben, daß ich beharre bis ang 
Ende, und felia werde. Und weil Feines Chriften Leben, Zeit 
und Beruf ohne Creutz ſeyn Fan und muß, du aber, o mein 
himniliſcher Vater, deines armen Kindes Schwachheit wohl 
weilleft, ſo lege wir auf, wag ich tragen fan, und mache * 
ni 


! Y > 
der Bedult, und Troſt. 621 


nicht zu fehmer oder lange, laß mich deine Gnade mit meinen 
Creutz oder Laft Heben und tragen. Gieb mir Gnade, die Trüb: 
fal ſo lange zu dulten, bis dirs gefällt, mich zu erlöfen, auf daß Jacob. . 
ich wohl bewaͤhret, gelaͤutert, und gereiniget werde ; laß meiner"; I 
HErrn Chriſtum mit feiner Sanfftmuch, Demuth und Gedult-, zo, * 
in mir leben, daß nicht ich, ſondern derſelbe, in mir lebe, der 
mein Leben iſt Gieb mir auch gegen alle meine Beleibiger ei⸗ 
nen fanfften Muth, eine erbarmende Liebe, daß ich mit dir ſagen i 
mag: Bater,vergieb ihnen! Einen gelinden holdfeligen Mund, Luez.v.34. 
eine milde und bülffreiche Hand, daß ich mir dir und deiner Liebe 
ewiglich verbunden und vereiniget bleiben moge! Amen. 


Das XLVII. Copitel, 


Es iſt Feine Truͤbſal fo groß, GOtt hat 
Troſt dargegen verordner, Denn GOttes 
Troſt ift allezeit geoffer, denn unfer Elend; Das 
fol die Gedult erhalten und 

z ſtaͤrcken. 

Er heilige Apoſtel Paulus, als er betrachtet Die Gones 
groſſe Freundlichkeit und Leutfeligkeit GOttes Da, hen 
unſers lieben Vaters im Himmel, wie er ſein verrüpre 

WVater⸗ Hertz gegen alle elende und truͤbſelige Leute eroͤff⸗ Leute. 
net habe, preiſet er den lieben GOtt hoch, und ſpricht: Wr 
2, Cor. 1.0. 2.fag. Gelobet ſey GOtt und der Da- 2. Cor. 
ter unfers HErrn JEſu Chriſti, der Dater "31 
der Barmhertzigkeit und GOtt alles Troſtes, 
der uns troͤſtet in all unferm Trübfal, daß wir 
auch tröften koͤnnen die da find in allerlep 
Trübfal, mit dem Troſt, damit wir getröfter 
werdenvon GOtt. Denn gleichwie wir des 
Zeidens Cärifti viel baben, alfo werden wir . 
auch reichlich getröfter durch Chriſtum. 
Mir wiflen, daß, wie ihr des Leidens theil- 
baffcıg feyd, fo werder ihr auch des Troſtes 
tbeilbafftig ſeyn. vi 
Mit welchen holdfeligen Worten der liebe werthe 1. 
Apoſtel BOTT dem HErrn dancket für feinen Gorc- Arinso um 
lichen himmlischen Troſt: Denn derſelbige allein ift des. 
Die hoͤchſte Artzney wider fo vielfältigen Sammer 
und 





\ 


622 B. II. C. 48. Beine Trübfal iſt ſo groß, 


und Elend dieſer Welt. Und Ichret uns zugleid), daß 
fein Ereuß und Zeübfal fo groß ſey, Dagegen uns 
G0Ott nicht hatte himmlifchen Troſt verordnet; ja daß 

GOttes Troſt groͤſſer ſey, denn aller Menſchen Elend. 
In ſieben Und das beweiſet er mit ſieben gewaltigen Gründen, 
dielden die er nach einander ſetzt. 

1, Der erſte Grund iſt, daß GOTT ein Va⸗ 
sont ter der Darmbersigkeitifl Diefe Worte find fo 
| i — daß ſie nicht genugſam koͤnnen ergruͤndet 

werden. 

Denn es ſtel et fih GOtt allen. betrübten Hertzen 
vor, wie ein Dater, der nicht den bloffen Namen als 
lein hat, ſond ern in der Th at und Wahrheit unſer Bar 

Eigen ter ift. Denn worinnen ftehet die Eigenſchafft eines 

(haft eine Vaters? Darinn, daß ein Vater feine Kinder (1) 

liebe, (2) für fie forge, (3) ſie ernaͤhre, (4) fie ſchuͤtze, 

(5) he zuchtige und unterweife , (6; Mitleiden babe 

mit ihrer Schwachheit, (7) fich uber fie erbarıne, 

(8) ihnen das Erbe beicheide. Wenn einer das recht 

bedencket, fo wird er bekennen müffen, daß i in dem einiz 

gm Worte gen Wort, Vater, ein vollkommener Troſt fey, fo als 

en en lein genug wider allerley Trübfal, und daß Diefer Troſt 

uer Tioh. geöffer fey, Denn alles Elend. Und damit wir ihn recht 

Eennen lernen, was er für ein Vater fey, fo nennet ihn 

Waterder St. Paulus einen, Dater der. Barmberszigkeit, 

Barmderr yon welchem alle väterliche Barmhertzigkeit ihren Ur⸗ 

ſprung hat, und zwar einen ewigen Urſprung. ‘Denn 

aller derer Barınherkigkeit, die in fo viel taufendmal 

taufend vaterlichen Hertzen gepflanget iſt, derer iſt GOtt 

am Böttes ein Urfprungund Vater. Daraus folget, daß feinem 

eiraler Kinde EDttes auf Erden fo viel Keides wiederfahren 

ro,  Fan,dagegen bey dem Vater der Barmhertzigkeit nicht 
viel mehr Troſtes zu finden fey. 

rs, 2. Der andere Grund ist, daß GOtt ein GOtt 

Trofles. alles Troſtes ſey. In diefen Worten iſt abermal 

ein ewiger unendlicher Troſt begriffen. GEOtt ift das 

ewige, unendliche, hoͤchſte Gut: Was kan nun anders 

aus dem ewigen Gut kommen und entſpringen, d pi 

aller 


GoOtt bat Troſt dargegen verordnet. 623 


aller Troft wider alles Elend, und zwar ein gröfferer 
Troſt, denn das Creutz it? Aus Urſach: Das Ereus 
ift zeitlich und endlich, aber GOttes Troſt iſt ewig und 
unendlib. Daraus fehen wir abermal, Daß GOttes 
Troſt gröffer fey, denn unfer Ereus. 
3. Der dritte Grund ift, daß ſich St. Paulus — 
neben allen Heiligen us zum Exrempel vorftellet, Zone 
als er ſpricht: GOTT troͤſtet uns in allem unſern tet in den 
Truͤbſal. Wenn wir nun die vielfältigen Crempelyargriin 
der Heiligen bedenifen, was fie gelidten, wie fie GOtt gen. 
‚getröftet und. mitten im Creutz erhalten: So iſt unfer,: * 
Leiden dargegen nichts, und übertreffen die Exempel der 
heiligen Maͤrtyrer mit ihrem Troſt alle unſer Creutz. 
Wer hat ſo viel gelidten als Hiob? Hiob ı. und 2. 
Ber iftfo hoch betrubt geiwefen als Jeremias? €. 20, 
v. 7. ſqq. Wer iſt in fo hohen Alnfechtungen ie gefteckt, 
als David? Pſ. 88. v. 2. ſaq. Ja was iſt unſer Lei⸗ 
den gegen des HErrn EHrifti Leiden? Sind nicht alle 
heilige Märtyrer heilige Kinder GOttes geweſt? War⸗ 
um ftelletfie uns GOtt vor die Augen? Auf daß wir Was das 
lernen follen, daß das heilige Creutz ſey (1) der wahren Kreun ps 
Ehriften Heiligthum, (2) geiftliche, himmliſche Ehre, | 
(3) Vitoria und Sieg uber Teufel und Welt, (4) eine 
RBorbereitung zum Himmelreich; (5) denn ohne Ereus 
kan Fein Chriſt ins Reich GOttes eingehen: (6) Es ift 
das heilige Ebenbild CHriſti: (7) Summa, das liebe Gcheimniß 
Creutz ijt ein hoch groß Geheimniß, darinn die hoͤchſte — 
Weisheit und Rath GOttes verborgen liegt, welches 
Fleiſch und Blut nicht verſtehen, auch nicht ſchmecken 
kan das himmliſche verborgene Manna in GOttes 
Wort ohne Creutz. Darum iſt GOttes Troſt alle⸗ 
mal groͤſſer, denn aller Menſchen Truͤbſal. 
4. Den vierdten Grund ſetzet St. Paulus in di⸗⸗ #, 
fen Worten: Daß wir auch troͤſten Eönnen, die da anal 
find in allerlep Trübfal, mit dem Trofte, damit vonGdrtes 
wir getröffer werden von GOtt. Wormit troͤſtet —— 
aber SOTT die lieben Apoſtel? Und womit tröften 2.Cor.1.0.M 
die lieben Apoſtel uns wieder ? mit dem heiligen * re 
GDr | 


0 


‚624 B.1.C.48. Beine Trübfal ift ſo groß, 


Es giebt GOttes, mit den-theuren Derheiffungen GOttes, wie 
Send Pam, 15.0.4. ſtehet: Was zuvor geſchrieben iſt, 
Röm.ıs. das iſt uns zur Lehre geſchrieben, guf daß wir 
Sharon durch Gedult uno Troſt der Schrifft Hoffnung 
SHtiestubaben, Wenn wir nun GOttes Wort recht anſe⸗ 
areifet en ben, wie freundlich uns GOtt zufpricht, wie groſſe Gna⸗ 
gen tifich, de, groſſe, himmliſche und ewige Guͤter er uns darinnen 
denn alle „oerpeiet, jo muͤſſen wir ja freylich beEennen und fagen, 
unfrElead daß derſelbe Troſt weit übertrifft aller Menfihen Elend, 
Eir. 40, Es haria wol der liebe Sirach am 40, C. v. ı. ein recht 
v. 12. Conterfaͤit und Bild des menſchlichen Lebens beſchrie⸗ 

ben, da er ſpricht: Daß es ſey ein elend jaͤmmerlich 

Ding um aller Menſchen Leben, von Mutterleibe 

an,bis fie in die Erde begraben werben, die unfer 

aller Mutter iſt. Da iſt immer Sorge, Surcht, 

Hoffnung, und zuletzt der Tod, Aber dagegen Ber 

man halten Das himmilfche ewige Leben mit feiner Herr⸗ 
‚Bas iſ un⸗ lichkeit und Klarheit, 2. Corinth. . d. 17. So werden 
re wir fehen,. Daß der Jammer dieſes Lebens weit überz 
gen die erois troffen wird Durch) Die Herrlichkeit des ewigen Lebens, 
Be PEN die ung in GOttes Wort verheiffen wird. Es ſt wol 
Dafer boch die Sünde ein greulich und erſchrecklich Ubel, die wie 
fer Zrot taͤglich am Halſe tragen, um welcher willen wir ſo viel 
CHrifius Zamımdlund Elend unterworffen find; Aber wenn 
/ J—— wir dagegen bedencken, daß CHriſtus unſere Gerech⸗ 
is. tigkeit ſey, ſo iſt der Troſt groͤſſer denn die Laſt der Suͤn⸗ 

de; denn in EHrifto iſt mehr Gerechtigkeit zu finden, 
CHeitus denninuns Sünde Summa, GOttes Wort iſt ſo 
See reich von Troſt, daß unfere Hertzen nicht genug ſeyn, 
der mehe Denfelben alle zu fallen, Wie das Del: Aruglein 
Zroßeh, der armen Wittwe von GOtt ſo reichlich ges 
Sinvennd ſegnet Ward durch den Propheten Eliſaͤum daß 
ve a es mehr Oels gab, denn Gefaͤſſe vorbanden wa⸗ 
edımen. ren, 2. B.derXon.4.d,6. Ja es iſt offt ein Woͤrt⸗ 
2.9.KÖn. (ein in der Schrift, das mehr troften Ean , denn Der 
+ Feufel und die ganse Welt betrüben Eönnen. MM. 55. 

v. 10. GOttes Brünnlein bar Waſſers die Sülle, 

Das wirft du nicht ausichopffen Eonnen, Dang 

ki RM | 


GOtt hat Troſt dagegen verordnet. 625 


ſich GOtt nennet Ser. 2.0. 13. die lebendige Quelle. 
Und Pſ. 36.09.10. Err, bey dir iſt die lebendige 
Ouelle, und in deinem Licht ſehen wir das Licht. 
Solte nun die ſuͤndliche Todes⸗Quelle mehr Truͤbſal 
geben, denn die lebendige Quelle Troſtes? 
5. Der fnffte Troſt⸗Grund it, daß St. Paulus „ 
Der —— Ehriſten Creutz nemnet das Leiden ou! En 
CArifti. Denn er fpriht: Wie wir des Keidens den ori 
Chriftivielbaben. Darum: (1) Weil alle Glaͤu⸗ zum, 
bigen des. HErrn EHrifti geiftliche Glieder feyn. ws. 
Gleichwie nun das Haupt die Schmergen empfindet 
per condolentiam & confenfum, wegen. der Einigkeit 
des Hauptes und Gliedes: Alſo empfindet CHriſtus 
unfer Haupt das Leiden und Truͤbſal feiner Glieder, 
(2) Weit EHriftus in feinen Gläubigen wohnet und 
lebet, und ſich mit ihnen vereiniget hat; ſo leideter in 
feinen Sliedern, wird in denfelben verjagt und verfol⸗ 
get, wie der Herr vom Himmel rufft: Saul, Saul! 
was verfolgeft du mich? Apoſt. Geſch. 9. verſ. 4. 
(3) Weil wir aus Cehriſto neu gebohren feyn, und er 
unfer ewiger Dater ift, &fa.9.0.6. Was nun das 
‚Kind leidet, das empfindet der Vater an feinem Herz 
gen: Darum ift aller Gläubigen Leiden auch. des 
Heren CHrifti Leiden. Wie Fan nun dein Leiden und 
Ereutz ſo groß feyn als diefer Troſt, daß CHriſtus dein 
Hauptift, und du fein Glied ; daß er mit dir vereiniget 
ift, in dir wohnet, und in Dir leidet, und alle dein Ereuß 
für fein eigen achtet, daß erdein erviger Vater ift, und 
an Run heiligen Hertzen dein Leiden empfindet? 
6. Den ſechſten Grund nimmt St. Paulus von oſ 
dem Urſprung und Sundament all unſers Troſts, dde 
welcher iſt CHriſtus, indem er ſpricht: So werden —7— 
wir auch reichlich getroͤſtet durch Cohriſtum. NG 
All unferer Truͤbſal Urſprung iſt die Suͤnde: Dage Fr ER N 
gen-aber ijt der Urſprung al unfers Troſtes JEſus un enlen 
CHriſtus GOttes Sohn. Nun aber ift E:Hriftus erh 
mächtiger denn die Sünde: Derohalben fo it auch Dr Fünde: 
EHrifti Troft machtiger und ser denn alles. Elend, * 
IL Tpeil, ſo 


626: B.II. C.A8. Beine Trübfal iſt ſo groß, 


ſo aus. der Sunde koͤmmt; wie Sanct Paulus. fagt, 
Roͤm. 5. v. 20. Wo die Sünde mächtig ift, da iſt 
die Gnade viel mächtiger, Denn es bat GOtt 
woblgefallen, daß in Chriſto alle Süile und 
Reichthum feiner Gnade wohnen folte, Eoloff. 1. 
0.19. Darum hat ihn GOtt gefandt, alle Trau- 
rigen su tröften, Sefa.61.v.1. Darum fo ift Feine 
Traurigkeit und Ereuß fo groß, in CHriſto ift gröfferer 
Troſt Dagegen. 

7 7. Der legte Grund, ſo Sanct Paulus ſetzet, iſt 
en EHrifti Herrlichkeit: Mir wiffen, wie ihr des Lei⸗ 
Farin un: dens theilhafftig ſeyd, ſo werdet ihr auch des Tro= 
a ffes theilbafftig feyn. Nun wiſſen wir den unaus- 
gen Her» ſprechlichen Reichthum feiner Herrlichkeit, daß er nicht 
—— allein ſeiner Perſon halber herrlich iſt, alfo, daß ſeine 
0.7. . Gemeine an derfelbigen Herrlichkeit Fein Theil oder 

Gemeinfchafft haben folle, fondern CHriſtus iſt zu ſei⸗ 
ner Herrlichkeit erhoͤhet, als das Haupt ſeiner Gemeine, 
zu dem Ende, daß alle ſeine Glieder dieſer Herrlichkeit 
ſolten genieſſen. Darum ſpricht St. Paulus: Er 
ſey das Haupt der Gemeine, und die Fuͤlle feines 
‚geiftlichen Keibes, daß er alles in allem erfülle, 
Eph.1.0.22.23. Wie koͤnte nun ein Creutz, Truͤbſal 
und Leiden dieſer Zeit ſo groß ſeyn, dargegen wir nicht 
aus der kuͤnfftigen Herrlichkeit groͤſſern Troſt haͤtten? 
.Cor.4 Darum St. Paulus dieſer Zeit Leiden nicht werth 
»7 achtet der %Kerrlichkeit, fo an uns foll offenbaret 
werden, Nom. 8.0.18. 
ie werden wir nun biefes Troſtes theilhafftig ? 
des Trofes Hierzu gehören fünff Stück: 
‚genierien. ı. Wahre Buſſe und Erkaͤnntniß der Suͤnde; 
Erfänntniß denn ohne Erkaͤnntniß der Sünde kan das Hertz nicht 
der Sünde. getröftet werden: Die Starcken bedürffen des 
Enncig Artztes nicht, fondern die Brancken, Matth.9.d.ı 2 
derSünden In der Erkaͤnntniß der Sünde fiehet der M enfeh, 
a daß er fich felbft durch die Sünde in ſolchen Jammer 
nicht ge⸗ Und Elend geftürget hat: Darum darff er im Ereug 
botffen. dicht wider GOtt murren, fondern wider feine 
Sünde, 





GOtt bat Troſt dagegen verordnet. 627 


Sünde, Klagl.3. 0.39. ſiehet und erkennet aud), 
daß ihm GOtt nicht unrech: thut. Denn gleichwie die 
Sünde ein allgelnein übel ift, dadurch alle Men ſchen 
vergifftet ſeyn: Alſo trifft auch der? Jammer und Truͤb⸗ 
fal, fd aus dev Suͤnde kommt, alle Menſchen. Wer 
aber das von Hertzen befennet mit Daniel 8, 9.97 
den wird auch GOtt den Troſt bom Himmel fenden, 

als einen Engel; wie dem Propheten Dani el, d. 21. 

2. Der Glsube, der an EHrifto banget, wie en _ =. 
Kind an der Mutter Brüften: Denn der Glaube ifts, — 
der da ergreifft und ſich halt an das Vater⸗Hertz GOt⸗ Sieg, 
tes, an den GOtt alles Troſtes. Er ergreiffet CHri⸗ 
ftum, und halt ihn feft, ‚wie Zacod, 1.B.Mof 32 
v.26. Ich laſſe dich nicht, du ſegneſt mich denn. 

Und in EHrifto fieget der Glaube uber Suͤnde, Tod, 
Zeufel, die Welt und alles Ungluͤck: Denn alle Dinge 
ſind moͤglich dem, der da glaͤubet, Marc. 9. v. 23. 
Und wer.gläuber,der wird die Herrlichkeit GOt⸗ 
tes feben, Joh. ı 1.0.40, 

3. Das Gebet, welches ift ein Alloquium divi- 
num, ein Gefpräch mit GOtt. Gfeichwie wir nun Dur Sam. 
Troſt und Erleichterung unfers Hergens empfinden, 
wenn wir einem freuen Freunde unſere Noth und An⸗ 
liegen Hagen: Alſo vielmehr wird unfer Hertz getroͤſtet 
in dem Geſpraͤch mit GOtt, wie der liebe David fügt, 
Pf. 138.0.3. Wenn ich ruffe, ſo erböre mich, 
und gieb meiner Seelen groffeBrafft. Das Ge 
bet im Namen FEf iſt gleich wie die Himmels⸗Lei⸗ 
ter, 1. B. Moſ. 28.0. 12. darauf wir zu GDit flei-t. B. Def. 
gen. Es ſteiget Fein Gebet gen Himmel, es ſteiget ein €; Forint 
Engel mit herab, Das ift, ein Troft GOttes. Wel⸗ kein Trof 
ches ung vorgebildet ift in dem Leiden EHrifti, da der ED 
Her heftiger betete, und es kam ein Engel und £ur. a 
ſtaͤrckete ihn, Luc. 22,0.43. Denn GOttes theure” # 
Verheiſſungen, darinnen er uns Erhoͤrung zuſaget, koͤn⸗ 
nen BR Sant ſeyn 

4. Daß wir des Troſtes faͤhig werden, gehoͤret * 
darzu das heilige Lob Börtes. Zn allem Lobe Sorte" 

Ar 2 GDtres | 


” 


628 B.U. C.48. Reine Trübfal ift ſo groß, 


EHDttesijt eine geiftliche Freude. Wer täglich GOtt 
Der Engel lobet, Der verrichtet eines Engels Amt. run wiffen 
Amt wir, daß die heiligen Engel GOtt ohn Unterlaß loben, 
und das Angeſicht unfers Daters im himmel fe- 
ben, Matth. 18.0.10. Das ijt ihre höchfte Freude, 
Eur ihe Engel-Brod, das fie effen. Kan demnach kein 
m Lob GESttes feyn ohne Freude und Troft. Daher 
Df34.9.02. der 34, Pſalm v. 1.2. ſpricht: Ich willden HErrn 
- loben allezeit, fein Lob ſoll immerdar in meinem 
Munde ſeyn. Meine Seele foll ih ruͤhmen, daß 
' die Klenden hören und fich freuen. Da feßet der 
liebe David GOttes Kob und Freude zufammen, und 
lehret uns, daß eines aus dem andern herkomme, und 

aneinander hange, — 
95, Endlich iſt auch das rechte wahrhafftige Mittel 
aus DO Troſt zu erlangen, wenn man fleißig GOTTES 
der wahre Wort lieſet, höret und betrachtet, nd auf den Mund 
Troſt. des HErrn Achtung giebt: Denn zu dem Ende ift 
uns GOttes Abort geoffenbaret, daß wir durch 
Gedult und Troft der Schrifft Hoffnung haben, 

Nom. 15.0. 4. { * 
Und alle vorbenannte Stücke, nemlich wahren ber 
ftandigen Troſt in allerley Truͤbſal, und wie wir den? 
felben durch wahre Buffe, rechten Glauben, hertzlich 
- Gebet und Lob GDttes follen fuchen und zu uns nehs 
men, müffen wir allen aus GOttes ABort, als den 

rechten Troſt⸗Brunnen, fchöpffen und nehmen, 


| Gebet. 


»Cor.1. Gebbet ſeyſt du, o Vater der Barmhertzigkeit und GOtt 
v. 3. alles Trofteg, daß du deine Elenden nie unbefuchet noch 
Bi 18 ungetroͤſtet Täffeft. Du züchtigeft fie wol, aber giebeft fie dent 
Efa. 4; ode nicht; du bift ihnen zwar offt ein verborgener GOtt, aber 
v.15 dennochihr Heyland. Du führeltfie mol in die Wuͤſten, aber 
Hof.2,0.14, du redeft doch freundlich mit ihnen. Diefen Troft verfiegele, 
o HErr, in meinem Hergen, und mache denfelben wahr an mir, 

Pſalm zz. wenn Angft nahe ift, und ich feinen Helffer fehe. Sey du, 
v. 12. wenn ich im Finftern fige, mein Licht. laß die Erfänntniß meiner 
Mid. 7. Sünden, und was diefelben verdienen, in mir wahre Demuth‘ 
—* und Gedult wuͤrcken. Stärefe mir, wenn Nor vorhanden, 
en 


GoOtt bat Troſt dargegen geordnet. 629 


den Glauben, wie dem Jacob, daß ich ringe, und dich nicher- B. Moſ. 
Laffe, du fegneft mich dann... Laß mich durch Leiden nicht von 32-0-6-7- 
dir fliehen, o mein Hirte, fondern munterer und eiferiger zum Gere. 17 
Gebet und deinem Lobe werden. Oeffne mir das Verftändniß, 5 16. 
daß ich die Schrift verfiche, aus derfelden deine Wege lerne, Luc 24. 
und dir in wahrer Gtilfe des Hertzens mic) gantz und gar laſſe, U #5. 
durch CHriſtum JEſum deinen Sohn unfern HErrn, Amen! It30 018. 


an Das XLIR. Capitel. MN 
Gottes unfehlbare Wahrheit und 
Verheiſſung, die nicht betruͤgen Fan, ſoll 

. in unferm Hergen Gedult wuͤrcken. 


Mich. 7. v. 7. ſagq. Ich will auf den HErrn ſchauen, 
und des GOttes meines Heils erwarten, mein 
Oott wird mich hören. Freue dich nicht 
meine Seindin, daß ich niederliege, ich werde 
wieder aufkommen. nd fo ich um finffern 
fize, fo ift doch der HERR mein Licht. 
ch will des AKren Zorn fragen, (denn ich 
habe wider ihn gefundiget,) bis er meine 
Sache ausführe, und mir Recht ſchaffe. Kr 
wird mich ans Kicht bringen, daß ich meine 
Luſt an feiner Gnade ſehe. Mieine Seindin 
wirds fehen müflen, und mit allee Schande 
beſtehen, die ietzo zu mir ſagt: Wo iſt der 
Are dein GOtt? — 


Ir leſen im Propheten Jeremia C. 9. v. 4. ſqq. Die Suude 
Daß vor der Babyloniſchen Gefaͤngniß, ehe Je⸗ der Juͤden. 
ruſalem zum erſtenmal verſtoͤret, Das Land ver⸗ 
wuͤſtet, und Die Juͤden gefaͤnglich gen Babylon gefuͤh⸗ Gott ir 
vet, neben der Sünde der Abgoͤtterey, damit fie dieſe die Kiede: 
Strafe verdienet haben, auch mächtig im Schwange keine Liebe 
gangen fey Untreu, Zügen, Falſchheit, Seind- DS 
ſchafft, Haß, Neid, und daß alle Liebe ift erkältet und wir: Da 
erloſchen geweſen: Denn wenn das gefchicht, fo iſt GOtt folger das 
aus einem Lande und Stadt hinweg, ja aus der Mens Tr erbein 
ſchen Hertzen. Und darauf folget der Untergang: 
— | Nr 3 Denn 


J 


Jerent. 9, 
v. 4. ſqq. 


Untergang 


630 B. U. C. 49. GOttes unfehlbare Wahrheit 


Denn fo ſpricht dev Prophet Jeremias am 9. v. 4. ſqq. 
Kin ieglicher huͤte ſich für feinem $reunde, und 
vertraue auch feinem Bruder nicht, Denn ein 
Bruder unterdrücet den andern, und ein Freund 
verraͤth den andern, ein Freund taͤuſchet den an⸗ 
dern, und reden kein wahr Wort. Sie befleißi= 
gen fich darauf, wie einer den andern betruͤge, 
und iſt ihnen leyd, daß fie es nicht ärger machen 
können, 5 falſche Zungen ſind moͤrdliche 
Pfeile. Mit ihrem Munde reden ſie freundlich 
gegen dem Naͤchſten, aber im Hertzen lauren ſie 
auf denſelben. 


Da hoͤren wir, wie es in der Stadt Feruſalem 


eiuersiadt. zugangen iſt vor ihrer erſten Verſtoͤrung; neinlich, 


Mid) 7. 
22 (9% 


folche Untreu HE in der Stadt geweſen, daß Fein 
Menſch dem andern bat trauen durften. Sie haben 
fich nur Darauf beflieſſen, wie einer den andern bat 
moͤgen belügen und betrügen: Darauf haben fie in 
ihren Hertzen gelauret, und das iſt ihr Verderben 
und Untergang gewefen. 


Der Prophet Micha Flagetam7.verf. 1. fag. auch 
drüber: Ach, es gehet ınir, wie einem, der im 
Weinberge nachliefet, da man keine Trauben 
findet zu effen, und wolte doch gerne dev beften 
Srüchte haben. Die frommen Leute find weg 
aus dieſem Kande, und die Gerechten find niche 
mebr unter den Leuten. Sie lenren alle aufs 
Blur. Ein ieglicher jaget den andern, daß er hn 
verderbe, und meynen ſie thun wohl dran, wenn 
ſie Boͤſes thun. Wohlan! wo es ſo jugehet da 


— des arbeitet und graͤbet man ſtarck an der Grube des Ver⸗ 


Aus» 


derbens, da man muthwillig voilt hinem fallen. > Und 
ſehe ſich nur ein ieglicher ein wenig um, obs nicht heuti⸗ 
ges Tages auch alſo zugehet. Darum ſehen wir Au) 


unſer Qerderben vor Augen, dem daſſelbe unfer Ver⸗ 
derben koͤmmt aus ung ſelbſt. Wolte GOtt, wirerfene 


netens, undrlieffen ab von unſern boͤſen Gedancken, —* 
aͤnder⸗ 


ſoll in unſerm Hertzen Bedult wuͤrcken. 631 


aͤnderten das boͤſe feindſelige Hertz, und liebeten 
Wahrheit und Friede! Geſchicht das nicht, fo Fan 
uns nicht geholffen werden. | 
Immittelſt aber, Damit gleichtwol noch fromme 
Keute in Diefer betruͤbten Zeit nicht ohne Troſt feyn 
mögen, müffen wir uns umſehen, wormit ſich betruͤbte 
Hergen, Die vor ung gelebet, in dergleichen allen und 
Unglück getröftet haben. Da zeiget uns der Prophet Siebenfäts 
Micha am 7.v. 7. als mit einem Finger den vechten !aer Troß 
Haupt⸗Troſt, und fpricht: Tech aber will auf den gereigetes 
„ren fhauen, und des GOttes meines Heils er ie n gr. 
warten. Das ift der erſte Troſt. Der andere: 
Mein GOtt wird mich hören. Derdritte: Sreue 
dich nicht, meine Zeindin,daß ich niederliege, ic) 
werde wieder auffommen, Der vierdte: Und ſo 
ich im Sinftern fie, fo ifE doch der HErr mein - 
Licht. Der fünffte: Ich will. des HErrn Zorn 
tragen, denn ich habe wider. ihn gefündiget, bis 
er meine Sache ausfübre, und mir Recht ſchaffe. 
Der fechite: EKr wird mich ans Licht bringen, 
daß ich meine Luft an feiner Gnade ſehe. Der 
fiebende: Meine Seindin wirds fehen muͤſſen, und 
mie Schanden befteben. : 
1. Ich will aber auf den HErrn fehauen, und Glaube 
des GOttes meines Zeils erwarten. Da haben und Hoff 
wir.die Lehre vom Blauben und Aoffnung, wie die⸗ Wir Ichek 
felbe als zwey wackere und wachende Augen auf GDtt res AU 
sehen follen in allerley Truͤbſal, auch im äufferften MAÖEHUE 
Elend: Je groͤſſer die Noth wird, ie ftarcfer der Olaube nigkeik- 
und Hoffnung zu GOtt werden ſoll. Denn dafols 
len wir uns erinnern unfers Ehriftlichen Glaubens: 
Ich ‚gläube an GOtt den Pater, allmächtigen 
Schöpffer Himmels und der Erden. Das iſt: Ich 
glaube, daß keine Noth fo groß fey, GOTT will und 
fan mich Draus erretten. Darum follen wir. allhier 
lernen die Augen abwenden von der zeitlichen Truͤb⸗ 
fal, und nicht allein Diefelbe anfchauen, fondern GOtt | 
den HEren, der alle Jülffe thut, fo. un Aimmel Malt 74 
Nr 4 ummd , 


632 B. II. C. 49. GOttes unfehlbare Wahrheit 


und Erden geſchicht wie uns ſolches der heilige Da⸗ 


vid lehret Pſaim 123. v. 1. fegg. Ich hebe meine 
Augen auf zu dir, der du im Himmel ſitzeſt. Sie⸗ 


he! wie die Augen der Bnechte auf die Haͤnde 


ihrer Herren ſehen; wie die Augen der Mägde 
auf die Haͤnde ihrer Frauen ſehen; Alfo feben 
unfere Augen auf den dkren unfern GOtt, bis 
er uns gnödig werde, Sep uns anädig, HErr, 
fey uns gnädig! Denn wir find febr voll Ver⸗ 
achtung: Sebr voll iſt unſere Seele der Stol⸗ 


‚gen Spott, und der Zoffärtigen Verachtung. 


_ Und nachdem GOttes Weiſe ift, Daß er hilfft zu 
feiner Zeit, und nicht wenn und wie wirs gerne hats 
ten: fo muß neben Dem, daß der Prophet fpricht: Ich 


Mi6.707. will auf den HErrn ſchauen auch dis dabey feyn, 


Glaube, 
Hoffisung 


und des GOttes meines Aeils erwarten. Das ift: 


uud Scdult Glaube, Hoffnung und Gedult muß bey einander feyn ; 


1 y 
einander 
feon. . - 


Habar;, a. 
v. 3» 


Einwurf, 
Glaube 


wie ung der heilige David im 27. Pſalm, v. 1. und 1 3. 
lehret. Nachdem er.anfängtich durch den Glauben ſich 
auf GOtt waget und fpricht; Der HErr ifE mein 
Licht und mein Zeil, für wem ſolt ich mich fuͤrch⸗ 
ten? Der JERR iſt meines Lebens Arafft, 
fie wen folte mir grauen ? Beſchleußt er endlich mit 
Hoffnung, und fpricht: Ich gläube uber, daß ic) 
feben werde das Bute des Afren, in Lande der 
Achendigen, Harret des HErrn, ſeyd getroſt 
und unverzagt, alle, die ihr des HEARRV har- 
ret! Und Pſalm „130. verk.s. Ich barre des 
HErrn, meine Seele barret, und ich hoffe auf 
fein Wort: Meine Seele wartet auf den Eren 
»on einer Morgenwache bis zur andern. Ha⸗ 
bat. 2.0. 3. Die Weiſſagung, das it, die Verheiß 
fung, wird ja noch erfuͤllet werden zu feiner Feit, 
und wird endlich frey an Tag kommen, und nicht 
auſſen bleiben. Ob fie aber verzeucht, ſo harre 
ihr, fie wird gewiß kommen, und nicht verziehen. 
a, fpricht manche: betrubte Seele, es waͤhret mir zu 


und Serge lange, Antwort: Es muß alfo feyn, auf daß Glaube, 


Hoff⸗ 


foll in unſerm Hertzen Gedult wuͤrcken. 633 


Hoffnung und Gedult probirt werde. Das gerallt gefflt 
Gott beſſer, denn alle Herrlichkeit diefer Welt. Weil wopn, 
nun GD:E einen Gefallen dran bat, ey warum wolteſt 
dudennnicht mit Gedult auswarten? Es hat ein ieg⸗ 
lic) Ding feinen Anfang und Ende, und wenn man 
das Ende nicht abwartet, ſo wird nichts draus. Man⸗ 
cher ſaurer Wind gehet uͤber die Fruͤchte auf dem Felde, 
ehe fie veiff werden: wenn fie Denn das Ende ab⸗ 
warten, werden fie gar ſuͤſſe: ſo its auch mit dem 
Creutz; erwartet man Des Endes mit Gedult, fo wirds 
eine fuife fricdfume Frucht der Gerechtigkeit brin⸗ | 
gen, Hebr. 12. v.ır. Denn St. Paulus faget, Nom, eh 12 
5.9. 5. Die Hoffnung laͤſt nicht zu Schanden wer- Kim. 5. 
der. Warum? Denn fie iſt auf GOttes Wort ger 255, Er 
gründet, als auf einen Felſen: Darum beftehet fie wi⸗ Hoffnung 
der alles Unglück, Pſalm 25. v. 3. Beiner wird niet Iäf in 
zu Schanden, der dein barret, Pſ. 34. v. 6. Wel- — 
che ihn anſehen und anlauffen, derer Angeſicht 
wird nicht zu Schanden, SD. 31.0. 1. In te, Do- 
' mine, fperavi,non confundar ir zternum. Are, auf 
Dich traue ich, laß mich nimmermebr su Schanden 
werden. Sir. 2. v. 11, faq. Wer iſt iemals zu 
Sichandenworden, der auf ihn geboffer? Wer iſt 
iemals verlaflen, der in der Surcht GOttes blie⸗ 
bejs ift? Wen bat er iemals verſchmaͤhet, der ibn 
bat angeruffen? Denn der SErr ift gnaͤdig und 
bermbergig, vergiebt die Suͤnde, und bilfft in der 
Yrotb. Di. 9.0.19. Die Hoffnung der Klenden 
wird nicht verlohren fepn ewiglich. | 
Der andere Troſt: Mein GOTT wird mich ggg m. 
N Hören, Dis iſt ein groffer Troſt in Trübfal, wir dörer unfer 
viſſen und find gewiß, daß GOtt unfer Gebet erhoͤret: Gebet ar 
Pſalm 6.0. 9. 10. Der JERR börer mein Wei: * 
nen, der —ERR hoͤret mein Flehen, mein Gebet 
nimmt der JERR am, Pſalm 18. v. 7. Wenn 
mir angft ft, fo.ruffe ich den JERRIT an, und 
ſchreye zu meinem GOTT, ſo erböret er meine 
Stimme von feinen Tempel, und mein Geſchrey 
NS komme 


Einwurf. 
Antwort. 


3. 
GOTT 
tröfter ge⸗ 
wiß nach 
der Trüb» 


fal. 
Mich 7.v.8. 


634 B.Il. C.49. GOttes unfehlbare Wahrheit 


kommt vor ihn zu feinen Ohren. Pſ. 34. v. 7. 16. 
Da dieſer Elende rieff, hoͤrets der HERR, und 
belff ibm aus aller ſeiner Noth. Die Augen 
des HErrn ſehen auf die Gerechten, und feine 
Ohren aufibe Schreyen. Pſ. 91. v. 14. 15. Er 
begehret mein, ſo will ich ihm aushelffen, er ken⸗ 
ner meinen Namen, darum will ich ibn ſchuͤ⸗ 
en, er ruffet mich an, ſo will ich ihn erbören. 
Pſ. 65. v. 3. 6. Duerböreft Beber, darum koͤmmt 
alles Sleifeh zu dir, erböreuns nach der wunder 
lichen Gerechtigkeit, GOtt unfer Zeil, der du bift 
Zuverficht aller auf Erden und ferne am Meer, 
Da ftehet: GOtt fep aller derer Zuverficht, die 
auf Erden und ferne am Mieere wohnen. Sa, 
ſprichſt du, Das find heilige Leute gewefen; wasbinih? 
Antwort: Alle Menſchen find Sünder, und man- 
geln des Rubms, den fie an GOtt baben follen: 
Mom. 3.0.23. GOtt hat fie aber aus Gnaden erhoͤ⸗ 
ret, wenn fie haben Buſſe gethan, und GOtt gefuͤrch⸗ 
tet. Palm ı 45.0, 18. 19. Der SErr ift nabe al- 
len, die ihn anruffen, allen, die ibn mir Ernſt an⸗ 
ruffen. Er thut, wasdie Gotrsfürchtigen begeb- 
ren, und böret ihr Schreyen, und hilfft ihnen. M. 
102.0.18. Er wendet fich zum Geber der Elen— 
den, und verſchmaͤhet ihr Geber nicht. Das 
werde gefehrieben auf die Nachkommen. 

Der dritte Troſt: Freue dich nicht, meine Fein⸗ 
din, daßichniederliege, ich werde wieder aufkom⸗ 
men. Obwol die fehalckhaffte, böfe, arge Welt ſich 
freier, wenns den Frommen übel gehet, und frolocket 
uber ihrer Qrübfal, Joh. 16. dv. 20. So foll doch ihre 
Feindin zu nichte und zu ſchanden werden. Klagl. 
er. 3.v. 31. 32. 33. GOtt verfköfler nicht ewi⸗ 
glich. Er betruͤbet wol, aber er erbarmet ſich 
auch wieder nach ſeiner groſſen Gnade. Denn 
er nicht von Hertzen die Menſchen plaget noch 
betruͤbet. 1. Cor. 10.0. 13. GOtt iſt getreu, der 
euch nicht laͤſſet verſuchen uͤber euer — © 

on⸗ 


foll in unferm Bergen Gedult wuͤrcken. 635 


fondern macher, daß die Derfuchung ſo ein Ende 
gewinne, daß ihrs Lönner ertragen, Pſalm 68. 
dv. 30.21. GOtt legt uns eine Laſt auf, aber er 
hilfft uns auch. Wir beben einen GOTT, der . 
da bilfft, und einen ZERRTT ERXXVI, der 
vom Tode errettet. Palm 30: v. 12. Der HErr 
bat meine Blage verwandelt in einen Reigen, 
Er bat meinen Sad ausgezogen, und mich mit 
Sreuden geguͤrtet. Qob. 3. v. 22. Nach der An⸗ 
fechtung troͤſtet er, und nach der Zuͤchtigung er- 
zeiget er Gnade. Palm 145: d. 14. Der AKrr 
erhält alle, die fallen, und richtet auf, die nieder⸗ 
geichlagen ſeyn. Jeſ. 54. v. 8. Ich babe im Au⸗ 
genblick des Zorus mein Angeficht ein wenig vor 
dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich 
mich über dich erbarmen. Klagl. 3. v. 22. Die, 
Barmbergigkeit des ZERRET ıfts, daß wir 
nicht ger aus fepn. Seine Gnade bat kein Ende, 
und iſt alle Morgen neu. | 
Der vierdte Troft: Ob ich gleich im Sinftern 5 

fitse,fo iſt doch der HErr mein Licht. Wenn Trüb- 621 Id 
fal daher gehet, fo ifts, als wen einen eine groffe Fin- Ki fin 
fterhiß überftel, da Eennen ihn auch Die Freunde nicht Eicht im 
mehr, da verföfcher aller Troft der Welt, da figer man Sukernp 
unter dem Schatten des Todes, da ift Verachtung Nib.z.v 8. 
und Verleumdung. In ſolcher Finfterniß regen fich 
‚alle wilde Thiere, Löwen” und Baͤren, böfe Geiſter und 
böfe Menſchen; ey fo wird doch der HErr derer Licht 
feyn, Die in ſolchem Trauer⸗Schatten figen. Dann 
EDEL laft denen am erften fein Gnadenzicht leuchten 
in folcher Finfterniß, und erfreuet mitten in Truͤbſal, 
daß man ÖDitesgnadige Gegenwart mitten im Creuß 
ſpuͤret, wie der 97. Pſalm, v. 1 ı .fprichbt: Den Oerech- 
ten muß das Licht immer wieder sufgeben im 
Be und Sreude den frommen ZSertzen. 

esgleichen der ı 12. Pſalm, dv. 4. Den Frommen 
gebet das Licht auf im Sinfterniß von dem Gnaͤ⸗ 
digen, Darmbergigen und Berechten, 

Der 


636 B. Il. C. 49. GOttes unfeblbare Wahrheit 


FRE Der fünfte Troſt: Ich will des ZERRIT 
” yon ofen Dorn tragen; denn ich babe wider ihn gefundi- 
Dan get, bis er meine Sache susführe, und mir Recht 
Sorn,aber ſchaffe. Haben wirs gleich gegen Diejenigen nicht verz 
ein Bater⸗ ſchuldet, die uns Leid thun; fo haben wirs Doc) gegen 
iz, GOTT verfchulder. Der ifts auch, durch welches - 
v9 Verhaͤngniß uns alles begegnet, Darum es des 
„ren Zorn bier genermet wird. Darum alles, was 
die böfen Leute thun, gedencke, es iſt des HERAN - 

Zorn. Darum felig ift, der in Truͤbſal gedultig ift, 

und fie. alfo aufnimmt, als komme fie vom HERMAN. 

Pſalm 94. verf.ı2. Wohl dem, den du ZERR 
züchtigeſt, und lebreft ibn durch dein Geſetz, daß 

er Gedult babe, wenns übel gebet, bis dem Gott⸗ 

lofen die Grube bereitet werde, Klagl. 3. 0.26.29. 
30. Es iſt ein koſtlich Ding gedultig ſeyn, und auf 

die Huͤlffe des HEBRRM hoffen; feinen Mund 

in Staub ſtecken, der Aoffnung erwarten; fich 

auf den Baden ſchlagen, und ibm viel Shmach 
anlegen laflen. Deſſen ift David (2. Sam 15. v. 

25. Cap. 16. v. 6.) ein mercklich Exempel; der hat fich 

dieſer dreyer Stuͤcken erinnert: Ich will des HErrn 

Zorn tragen, denn ich habe wider ihn geſuͤndiget. 

Denn ev hat erkannt, daß GOtt die Schmach, fo ihm 

a Sam.15. Simei anlegt, über ihn verhänget: Wird fich der 
Err uͤber mich erbermen, ſo wird er mich wie- 
derholen zum Regiment. Wird er aber lagen: 

Ach babe nicht Luft zu David; ſiehe, hie bin ich, 

IM. 37. 0.1.7. Erzuͤrne dich nicht, ſey ſtille dem 

Errn, und warte auf ihn. Ä 

Enetige Der ſechſte Troft: Er wird mich ans Licht 
keit und bringen, Daß ich meine Luſt an feiner Gnade 
Bahrbeit ſehe. Iſt ein Gleichniß, genommen von einem, der 
ent ans gar im Fiuſtern fiset, deſſen man vergiffet, wie eines 
— Todten, den, man aus einen tieffen Kercker hervor 
Pi 7. bringet ans Licht. Und wienun derfelbe zuvor nichts 
‚gefehen hat, denn eitel Traurigkeit und Finſterniß: 
fo ſiehet er nun feine Luft an Dem ſchoͤnen nal, 

' i on 


und an dem Kicht der Sonnen. Alſo gehets auch im 


° Unglück und Creutz zu, wenn daffelbe überhin ift, fo 


- 


bricht denn der ſchoͤne Glanz GOttes des himm: 
lifchen Troſtes hervor, daß man ſeine Luſt ſiehet an 
GOttes Huͤlffe und Gnade. So iſts dem Joſeph 
ergangen, 1.°B:Mof. 41. v. 38. ſeq. Wie ein herr⸗ 
lich Licht iſt er worden, da die Finſterniß ſeiner Truͤbſal 
uͤberhin war? Desgleichen David, welch ein herrli= 
cher Konig war er, nachdem feine Finfterniß ein Ende 
hatte? Wie herrlich brachte ihn GOtt ans Licht? Sp 
wirds auch gehen arm jüngften Tage, wenn uns GDtt 
aus der Finfterniß der Todten wird wieder ausreiffen, 
und ans Licht bringen: Da werden wir unfere Luft an 
feiner Gnade fehen. 

Der fiebende Troft : Meine geindin wirds fe: a5 
ben, und mit Schanden befteben. Da haben alle 
boͤſe Leute, die ſich anderer Ungluͤck freuen ihren Lohn; 
mit Schanden werden ſie beſtehen. Endlich müfe 
fen fich Doch noch ſolche Laͤſterer und Schaͤnder ſchaͤ⸗ 
men, denn ihr eigen Hertz uͤberzeuget ſie, daß ſie unrecht 
gethan. Wie muſte ſich Simei endlich ſchaͤmen vor 
David und Salomo, 2. Sam. 19. verf. 19. 1. Buch 


ſoll in unſerm Zertzen Gedult würden. 637 


Pſ. 50. v. a. 


1. B. Moſ. 
41: v. 38. ſqq. 


— 
A die 
Sp — 

Mich.7 


8.10, 


der Koͤn. 2. verſ. 44. Spotte des Berrübten nicht; 


denn esift einer, der da Ban de ernieörigen und 
erhöben. Sir.7. v. 12. un Cap. 27. v. 32. Die 
ſich freuen, wenns den Frommen uͤbel gehet, wer⸗ 
den im Strick gefangen, und das Hertzeleid wird 
ſie verzehren, ehe ſie ſterben. Wurden nicht die 
Philiſter an Simſon zu Schanden, da ſie fein ſpotteten, 
und das Haus erſchlug fie? (Richt. 16. v. 23. 24. 30.) 
Weish. 5. verſ. ı, Alsdenn wird der Gerechte ſte⸗ 
ben mit groſſer Sreudigkeit. 2. Theſſ. 1.0.6.7. Es 
iſt recht bey GOtt zu vergelten Truͤbſal Denen die 


euch Trübfal anlegen; EKuch aber, die ihr Trübs 


fal leider, Rubemiruns. Hiob 3 1.0.29. Habe ich 
mich gefreuer, wenns meinem Seinde übel gieng? 
Und babe ich mich erhoben, daß ibn Unglück be 
treten hatte? Denn ich ließ meinen Mund nicht 

undi» 


638 B.II. C. 49. GOttes unfehlb. Wahrheit ꝛc. 


ſuͤndigen, daß er wunſchete einen Fluch feiner 
Seelen. Matth. 5. verſ. 44. Liebet eure Feinde, 
thut Guts denen die euch haſſen, ſegnet die euch 
verfolgen, auf daß ihr Binder ſeyd euers Va— 
ters im Himmel, der die Sonne läßt ſcheinen 
über Gute und Höfe, und laͤſet regnen über 
Gerechte und Ungerechte, ꝛc. 


Gebet. 


fetmächtiger wahrhafftiger GOTT, Vater unfers Herrn 
JESU EHrifti, du haft dich in deinem Worte aroffen- 
Luc. 1.0.37. barer, als ein GOTT, bey dem fein Ding unmeglich ift: 
Die tägliche Erfahrung bezeuget deine Allmacht und Wahr: 
Matth.ı4. heit, und dennoch fänget mein unglaͤubiges Hertz an zu fin 
v. 30. cken, wanneine ungemeine Welle fich erhebet Vergieb mir, 
mein GOTT, dieſe Sünde, und gieb mir Gnade, zu ieder 
Zeit auf dich die Almacht und ewige Wahrheit zu fehen, 
und in Gedult deines Heyls zu erwarten. Verſchmaͤhe du 
nicht mein Gebet, welches ich dir in meiner Noch vorbringe, 
fondern wenn alle Welt meiner fpottek. und über mich fros 
Hiobıs. locket, fo firhe du an dag zu dir thränende Auge, und laß 
D. 20. nicht meine Feinde fich freuen über mir. Ich fehreibe dir 
Pi.350.2. nicht vor, mein GOTT, wie du mich führen folt: Ich habe 
lange geliebet die Wercke der Finfterniß. darum gefchicht mir 
recht, daß du mich laffeft in Finfterniß figen, auf daß ich 
Mich.7.v.3. innen werde, wie eitel alles iſt, was ich auffer dir gelietet. 
ur, du gefreuer Vater, laß mich nickt in der Finſterniß 
verfincken, laß dein Auge mich hüten, deine Hand umgeben, 
deine Krafft mich leiten, fo biſt du auch im Finftern mein Licht. 
An dir allein, o HErr, habe ich gefündiger, darum muß mir 
2. Sam.16. Simei fluchen, darum draͤnget mich eine Plage über die andere. 
».6 1112. Du bift heilig der du wohneft unter dem Lob Iſrael. Du blei⸗ 
Br Sa $ beit rein, wenn du gerichtet wirft, ich aber muß mich ſchaͤmen: 
Dan.g.v.z. Jennoch weil du nicht ewig gedenckeſt der Sünden, fondern 
Efa.s4- v9. Eilgeft fie in den Abgrund der Barmhertzigkeit: Co laß mich 
Mid.7. auch, mein GOtt, deine Önade in meiner Erreftung fehen, fo 
d.19% will ich dir ein Lob Opffer bringen, und deinem Namen 
dancken, daß er fo freundlich ift. Amen. 


3,0 


Das 








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PT ERESSTITHTIT LEFEETTTTFTTITTELLTRETTTTRTTEETTEITTETTTT — 
































„ 


Das Andere Buch, Cap. L.  pag.639 

Hier iſt ein Tubus oder groffeg Perſpectiv und Fern⸗Glas, 
wodurch dag Auge des Sternfeherg fieb; ‚und die fehr weit ent« 
fernten Sterne als gantz nahe und zugegen, ziemlich deutlich 
fiehet und erkennet: Alfo hat au h die Hoffnung eines glaͤubi⸗ 
gen Ehriften fehr helle Glaubens Augen, mit welchen fie durch 
das Sichtbare in diefer Welt gar weit hinfichet auf das Uns 
fichtbare, in GOttes liebreiches Vater-Hertz und in die ewige 

Herrlichkeit hinein, und fich damit erfreuet. 

Epheſß. 1. vor. 18. 

GoOtt gebe euch erleuchtere Augen eures Verſtan⸗ 
des, daß ihr erkennen möge, welche da ſey die 
Hoffnung eures Berufs, und welcher fer der 
Reichthum feines berrlichen Zrbes an feinen 
Aeiligen. 7 

Doe Hoffnung ſiehet nicht auf das, was gegen⸗ 

wariig 
VUnd greifflich; ſondern ſchwingt ſich ringefertig 
Hinauf, und hat zum Zweck, was fern und kuͤnfftig iſt. 
Sie ſieht durchhin 
Durch dieſes groſſe Welt⸗Geruͤſt 
Auf das, was keines Menſchen Hertz noch Sinn 
Geſehen und erkannt; 
- Und ſtehet unverwandt 
Auf GOtt, als ihren Gegenwurff, gerichtet. 
Sie ſchaͤtzt und halt 
Die Freud und Güter diefer fichtbarn Welt 
Derrüglich, wie fie find, falſch, eitel und erdichtet, 
Aohin Fein fleifchlich Auge fich erſtrecket, 
Tas der Vernunfft verdecket, 
Das ftellet fie mit aller feiner Zier 
ans lebhaft dem Gemüthefür, 

Und ob der Himmel etwa ſich entzeucht 
Und eine Trauer⸗Wolck vorüber freicht, 
Bleibt fie doch unverrücket ſtehen, 

Und harret in Gelaffenheit 

| Der angenehmen Zeit, 
Da ſich der Himmel wieder farfet fehen, 
Wohl dem, der Stand halt hier auf Erden: 
Deny, Hoffnung N zu Schanden werden, 


’ ER rar ge 639 


Das L. Capitel. 


Don der Hoffnung, wie und warum 
dieſelbe nicht Läffer zu Schanden werden, wie 
fie probiret wird in leiblichen und geiftlichen 

| Anfechtungen. 
Jeſ. 49. v. 23. Du folt erfahren, daß ich der HErr 
bin, an welchem nicht. zu Schanden werden 
- alle, die auf mich herren. | 


Sy der Glaube nichts anders iſt, denn Hebrans.r. 





eine gewiffe ungesweifelte Zuverſicht Glaube 
(Hebr. 11:0. 1.) auf GOttes Gnade in CHri⸗ | 
fto verheiffen, Dadurd) das gantze Ders und Gemuͤth 
GOtt anhanget: Alfo it die Hoffnung eine gedul- und Hof 
tige beharrliche Auswartung , und beftändige Zuver⸗ nuug mas * 
laßigkeit deffen, das man glaubet, oder daß man mit 
Gedult erwarte, Das man glaubet; und it nichts 
anders, denn der geöultige, beftändige, wartende 
Glaube bis ans Ende. 

Ron diefer Hoffnung fagt Ct. Paulus Nom. 5. Rön.s.v.s. 
v. 5. daß fie nicht Läße zu Schanden werden; Ur- en: 
fah: Sie hat einen unbeweglichen Grund, wie auch nice täft 
der Glaube, das ift, GOtt ſelbſt; Darum Ean fienicht zu u Scan 

Schanden werden, denn ihr Grund und Fundament Ne 
iſt feit, ewig und unbeweglih. Darum ift auch ihr 
Sriede, Freude, Ruhe, Ruhm, Troft ewig, und Ean fich 
niemand fo hoch betrüben, fie ergreift Dagegen genugs 
ſamen Troſt und Friede aus ihrem unbeweglichen Fels 
fen. Wenn gleich Ungewitter und Sturmwinde kom⸗ 
men, fuͤrchtet ſie ſich nicht; denn ihr Haus iſt auf ei⸗ 
nen Selfen gebauet, Matth. 7. v. 5. 

Und weil die Hoffnung einen gewiſſen unbewegli⸗ eigen ⸗ 
chen Grund haben muß, der nicht wancket; und aber !Waftt ber 
alles Zeitliche unbeftändig ift: · So fücher die Hoff Trans 
nung nicht zeitlich Gluck, Freude, Ehre, Ruhm, fonz 
dern fie ruhet allein in GOTT, und ruhmet fich des 
HErrn. Da finder fie beftandige Ruhe und Sriede, 

wie 


= r 
640 B. II. C. so. Hoffnung, wie und warum 


wieder 125. Pſalm, verf. ı. 2. fpricht: Die auf den 
Errn hoffen, die werden nicht fallen, fondern 


ewiglich bleiben, wie der Berg Zion. Um Jeru⸗ 


ſalem ber find Berge, aber der SErr iſt um fein 
Dole ber. - 


Kalbe  . Dieaber zeitliche Dinge zum Grunde ihrer Hoff⸗ 


Hoffnung. nung legen, Ehre, Reichthum, Glück, Freude; die muͤſ⸗ 
fen in ſteter Furcht, Sorge und Angſt leben, muͤſſen der 
Welt unter Den Fuͤſſen liegen, und mit dem unbejtäns 
digen Glück, als auf dem Meer, auf und abfahren, und 


koͤnnen nicht länger Nube und Friede haben, denn die _ 


Welt und ihre Nachbarn wollen. 
Hoffnung Diefes muß im Ereuß probiret werden; Denn 
' Cicut m die Anfechtung machet alles offenbar, was eines ieden 
Hoffnung und Zuverficht fey. Da befindet fichs oft, 
daß wir nicht auf GOTT felbit, fondern allein auf 
feine Gaben und Glück ochoffet haben, und auf den 
Sand gebauet, ja die Ereaturen zu unſern Gott gema⸗ 
chet haben : Denn fo verkehrt iſt die blinde Natur, 
daß fie anden Ereaturen bangen bleibet, durch welche 
fie doch zum Schöpffer folte geführet werden: Denn 
GOtt giebt darum dem Menfchen Gluͤck und Heil, 
daß er dadurch werde über ſich gesogen, durch die Ga⸗ 
ben zum Geber, ja, daß wir lernen GOtt Eennen, lie⸗ 
- ben, fürchten, ehven,und auf ihn allein hoffen. Aber 
die Natur ift alfo verkehret, daß Sie auf die Gaben 
fällt, wie eine Sau aufeinen Dreck; und des Gebers gar’ 
nichtachtet. 
Warum Darım muß uns GOtt Creutz und Trübfal zus 
non ſchicken, und uns die Efeaturen wieder nehmen, daß 
wir auf ihn hoffen lernen, ihn. erkennen , loben und 


gegeben 


“werden  preifen: Ja dieweil wie unfere Hoffnung fegen auf 
uns felbft, auf unfer Vermoͤgen, Kraffte und Ga— 
ben; fo muß uns GOtt offt zubrechen und zu nichte 
machen, demüthigen, gar ausleeven , und uns gat 
ſelbſt nehmen, auf daß er fich felbft uns mochte zu eis 
gen geben. Das Ean nun nicht gefihehen, bis daß er 


MR Vertrauen * uns ſelbſt, welches ſeiner Gnade 
am 


felbige nicht laſſe zu Schanden werden. 641 
am meiften entgegen ift, gar hinweg nimmt, und zu 
nichte macht. — | 

Darum ift die Hoffnung eine Eämpffende Tu⸗ _ ne. 
gend, die da ſtreitet mit dem Vertrauen auf fich ſelbſt, Sara ner 
auf eigene Gaben, Berdienft, Froͤmmigkeit, Herrlich 
keit, Gluͤck, Ehre und Reichthum; mit Diefen Teufels» 

Larven muß fie Fampffen, und ſich darvon los reiffen, - 
fich allein in GOtt verbergen, und auf ihm ruhen. . 

Darum hat die Hoffnung, fowol als der Glaube Der Hof 
und Liebe, allein GGOtt zum Objeat und Gegenwurff: gennurk, 
Denn wenn iemand inetwasanders hoffe, oder in et⸗ 
was neben GOtt hoffet, denn in den bloffen GOtt, der 
hoffet nichts ; denn alle Dinge find auffer GOTT 
nichts, und alfo ift die Hoffnung verlohren. Darum 
find diefe drey Tugenden, Glaube, Liebe, Hoffnung, Glaube, 
gan geiftlich, und ift nichts Srdifches in ihnen, und sornuns 
find aufs Unfichtbare gerichtet: Sind alle geijtlich, und baden als 
haben GOtt allein zum Grunde, und find allein auf den in So 
bloſſen ! GOtt gerichtet. Darum ſpricht St. Pauls de Ne 
Mom. 8.9.24. Die Aöffnung, die mar fiebet, iſt ig 8 
nicht Hoffnung: Denn wie Ban man das hoffen, r 
das man fieher? Der nun auf fichtbare Dinge 
feine Hoffnung fest, hat nicht den unfichtbaren GOtt 
sum Grunde, fondern nur einen Schatten: Darum 
muß feine Hoffnung mit der Welt vergehen, und zu 
Gchanden werden | ER: ner 
Darum muß der Menſch durch Vergleichung der Veralei, 
Zeit und Ewigkeit geführet werden zu der vechten feligen Iurß dee 
Hoffnung und zur beftandigen Ruhe, Die Ewigkeit Ewigkeit. 
iſt unwandelbar; denn in ihr ift Feine Verwandelung 
von einem in das anderes Aber in der Zeit iſt Wan⸗ Warum in 
delung, als vom Tage in die Nacht, von Wochen in Klihen 
Monat, vom Monat in Fahr, vom Winter in den te Ruhr, 
Sommer Und wie fich die Zeit verwandelt, fo ver- 
wandelt fich auch die Eigenſchafft aller Elementen und 
Geſchoͤpffe. Ich gefchtveige, daß der Himmel Eeinen 
Augenblick ftille ftehet, und alle untere Dinge beiver 
det, Daraus folget, Daß Feine bleibende Ruhe ſeyn 

Il: Theil, Soy Fan 


Wie Ruhe 
zu ſuchen. 


642 B. II. C. 50. Hoffnung, wie und warum 


kan in zeitlichen Dingen; ſondern mit der Zeit gehen 
alle Dinge hin/ und muß alles, fo unter der Zeit iſt, ver⸗ 
sehen; Darum iſt alles eitel, Pred. Sal. 1. verſ. 2, 
In der Ewigkeit aber iſt die Ruhe, und nicht in der Zeit. 
Boͤſe und Gute jammern und lauffen nach der ewigen 
Ruhe; aber niemand erlanget ſie, denn die in CHriſto 


ſich wiſſen zu laſſen und zu verlieren, der die ewige Ruhe 


Die Probe 
‚der Hof 
nung. 


ee 
Hoffnung. 


A. Daſſelbe erlanget man nicht mit Wercken und 
vieler Arbeit, fondern mit einer, gedultigen Hoffnung, 
in filentio & ſpe, durch ſtille ſeyn und hoffen, Sen, 
30. v. 15. und in einem ftillen Sabbath. 

Nun muß nicht allein die Hoffnung Durch Entzie⸗ 
hung geitliches Slucfes probirett werden, fondern auch 
durch Entziehung der Gnade in hohen Anfechtuns 
gen: Denn es müffen uns alle Dinge entzogen werden 
in der Probe der Hoffnung, alfo, daß uns auch die al⸗ 
lerbeften Gaben GDttes entzogen werden, darauf 
wir fuffen möchten, auf daß alle unfere Hoffnung 
gantz rein, lauter und bloß * auf GOtt ſtehe. In 
folcher Probe muß man boffen, da nichts zu hoffen 
iſt, * und muß hoffen wider die Aoffnung, wie 

/ von 


* Es wird hier nicht im Neformirten Verſtand geredt von 
einem abfonderlichen bloffen Rathſchluß und Hoffnung, 
daß wir darinnen cingefchloffen wären, fondern von Hoff; 
nung der Goftlichen Errettung aus ſolchen Anfechtungen 
durch Göttliche Gnade, die in der Schwere der Anfechtung 
fich nicht alemalfühlen läffet. Dor/ch. 

+ Berftehe in einem folchen zaghafften geängftigtem Hergen, 
dag nichts denn eitel Schrecken, Furcht und Zagen fühlet: 
Da finder ſich noch eine Hoffnung, nemlich des Glaubens, 
ob fie ſchon ſchwach und geringe iſt, die auf GOttes Wort, 
feine unfehlbare Zufage und Berheiffung gegründet ift, wi⸗ 
der die Hoffnung, verficheder Vernunfft,da nichts zu Fall 
fen ift nach unferer Vernunfft, menfchlichen Gedanden, 
Fühlen und Empfinden unfers Hergens. Da finden wie 
nichts, und haben nichts zu hoffen, wenn wir aufung ſelbſt 
und unfer eigen zaghafftes Hertz und Gewiſſen fehen, viei⸗ 
mehr empfinden mir groß Schrecken und Seelen: Angft : 
GOTT entzeucht ung feine Gnade, Troft, auch alle Set 

aran 


- 


felbige nicht laſſe su Schanden werden. 643. 


von Abraham, Roͤm. 4.0. 18. ftehet. Fa, da muß 

man mit Chriſto bloß ausgezogen werden, von iederz 
man verlaffen, auch von GOtt. Und das heiſt denn 
recht dem Bilde Chriſti äbnlich werden. Daxim.s 
wird denn die Hoffnung recht probirt. * 

In andern Truͤbſalen wird allein Gedult, De⸗ Wo die 
muth, Gebet, Liebe probiret; aber in den Anfechtun⸗ —— 
gen des Gewiſſens wird die Hoffnung probiret und — 
angefochten : ‘Da wird denn ein Menſch wol alle wird. 
feiner Gnade beraubet, aber gleichwol gecrönet mit der 
Aoffnung, die nicht läft zu fehanden werden. - 
Denn obwol in folchen hohen Nöthen offt mit einfällt Die Hof 
Murren, Ungedult, Lafterung, dennoch erwecket yerfrine 
SDTT ein Eleines Seuffzen, das denfelben wider⸗ durch) ein 
ſpricht: So ifts auch vergeben und zugedecft, und fo un 
ift der Menſch als ein Brand aus dem Feuer erretztein ee 
tet, Zad). 3.0. 2. und als ein Öbrläpplein aus des — 
Wolff Rachen erlöfer, Amos v.2. Denn daspenanfap, 
heiſſet keine Verzweiffelung, ſo wider unſern Willen tungen. 
geſchicht, und der mit einem unausſprechlichem Seuff⸗ 
zen widerſprochen wird; ſondern es iſt die allerſchwe⸗ 
reſte Probe und Anfechtung der Hoffnung. Diß ſind 
die unausſprechlichen Seuffzen, davon St. Paulus „; 
Kom. 8. v. 26. redet. rg 

Solche Leute find die gröften Heiligen, und find Dof-tige 
GOTT näher, denn die ftolgen Geifter, Die ihre Hoff- rauch 
nung in ihnen felbft haben : Denn diefe find die grosläherer, 
ften Gotteslafterer, mit allem ihrem Ruhm und Ehren: 

Diefe find die liebften Kinder GOttes, als an ?ieliehken 
Hiob und David zu fehen. Denn fie werden recht 5, 
gereiniget und gelautert wie Gold, und von ihren eigez 

nen Gaben und Ruhm entfepet und in GOTT vers 

feget, als ein glangend Edelgeſtein in Gold verfeget wird, 

auf daß nichts uberbleibe, darinn ſich Der folge Menfch 


ruͤhmen könne, ° 
J ASs2 In 
darauf wir fuſſen moͤchten, und bleibet alſo in ihrem Her- 
Es nichts, darauf wir hoffen mögen, denn afein auf 

DEE. Varen. 


644 B. I. E, so. : Zöffnung, wie und warum 
In diefer Entbloͤſſung lernet der Menſch auf Fein 
ander Ding hoffen, denn allein auf GOtt: Den - 
wenn durch Trubfal alles hinweg genommen wird, fü 
kan uns doch GOtt nicht genommen werden: Truͤb⸗ 
ſal kan uns GOtt nicht nehmen, fordern bringet uns: 
u GOtt, und giebt ung GOtt wieder, ind GOtt uns, 
Bloſſe Hoff· Alſo muß uns Die bloffe Hoffnung im Creutz erhaltenz 
lansin und darum laͤſſet fie nicht zu Schanden werden, 
Ereus,und Mom. z. ver» 5. Darum, gleichwie die Seele bloß 
— — aus GOtt kommen iſt, * alſo muß fie wieder bloß in 
den mer GOtt kommen, ohne Creatur⸗Liebe: Denn wer aus 
den, ihm felber und aus allen Ereatuven fallet, wo folte der 
hinfallen, denn in GOttes Hand, die alles umgreiffer, 

und die gange Welt umſpannet? Jeſa. 40. v. 12. 

Wer aufter Wer nun Durch Die Welt fallt, und vein iſt von allen 
alten Gen Ereaturen und ihter Liebe, das ift, der mit dem Herz. 
bet, der ru gen annichts hanget, fondern frey ift und frey bleibet, 
oz, ſtehet GOtt⸗gelaſſen, laft fich geben und nehmen, nad) 
Gottes WBohlgefallen, derfelbe fällt in GOtt und in 

feine Haͤnde. Die aber inden Ereaturen bleiben, und 

in ihnen felbft, das ift, Die den freyen Pillen eigen ma⸗ 

chen , und nicht nit GOttes Wohlgefallen zufrieden 

feyn, die muffen in ihnen felbft verderben. 
| Geber: 





x Sin der Schöpffung iſt die Seele bloß aus (das ift, von) 
GOtt koͤmmen und erfchaffen worden, ohne einige Ereafur- 
Liebe, ohne einige Englifche oder Welt⸗Liebe iſt fie anfänglich 
eine reine, unbefleckte Seele geweſen, allein mit der reinen 
Liebe GOttes gesieret und bekleidet : und dahin follen wir 
auch in unferm Eben, fo viel immer möglich, ung befleißi⸗ 
gen, daß unfer Hertz und Seele von der Welt- und Ereaturs 
Liebe gereiniget, allein in GOtt ruhen möge, demfelben al» 
fein durch, eine reine unbefleckte Liebe (fo viel möglich) an⸗ 
bangen: Und laſſen alfo die Seele feinen andern Grund 
und Boden haben, darauf fie ruhen, und wider alle Anfech⸗ 
tung feft und unbeweglich ftehen möge, denn allein auf 
GOtt, wie Taulerus redet, damit wir alfo in diefer Welt 
zu unferev vorigen Herrlichkeit allgemaͤhlich ie längerie naͤ⸗ 
her treten. Das heiffet hie wieder in GOtt flieffen, kom⸗ 
men und ruhen. Laren. 


+ 


ſelbige nicht laffe zu Schanden werden. 645 


Gebet. 


GoOtt / du ewige Wahrheit, der du Glauben haͤlteſt ewig⸗ Pſalm 146. 
lich, an welchen: nicht zu Schanden werden alle, die auf. 6. 
dich hoffen! Sch Klage und befenne dir, daß mein verderbteg ef 9. 
Fleiſch und Blut fehr am Zeitlichen hanget, immer fiehet nach” 2*2. 
zeitlichen und leiblichen Troft, und vergiffer offt deiner Verheiß 
fung, Allmacht und Barmhertzigkeit. Ach vergieb mir diefe 
fehwere Sünde, und wende die harte Strafe von mir, da du 
dräuelt, Daß, die ihre Hoffnung aufs Zeitliche feen, nicht fez Kr 
hen follen den zufünfftigen Troſt. Tilge in mir aus alle falfche Jerem. 17: 
betrügliche Hoffnung, die wie ein Naud) und dünner Neiff ver- dv. 5 6 
ſchwindet, benimm mir auch alle vergebliche und unnüße Sor; ee 
gen, laß mich von Hergen gläuben, daß du für mich forgefl , ze. Ya 
und wacheft, laß meines Hergeng Vertrauen und Hoffnung Yalm 39. 
‚allezeit auf dich gerichtet feyn, daß dein füffer und liebreicher vr. 
-EinÄuß deiner Gnade und Güte in mir nicht verhindert und Palm 40. 
meines Herkens Einfehren und Nude in dir nicht verftohret n, al 2 
werde: Denu alle Hoffnung und Begierde, die in dir nicht ruz , E A 
het,muß in ewiger Unruhe bleiben. Laß meine Hoffnungin ' 
aller Widerwaͤrtigkeit in dir allein, als einen Ancker in einem 
feften Grunde, haften, unddeiner Hülffe ungezweifelt erwarten. 
— Hertz empfinden, daß deine Barmhettzigkeit grundlos, 
deine Guͤte unendlich, deine Verheiſſung wahrhafftig ſey, daß 
dadurch meine Hoffnung befeſtiget werde, daß ſie nicht wancke, 
mein Gebet verſichert, daß es gewiß erhoͤret fey, meine Zuver⸗ 
ſicht verſiegelt, daß ich in deinem Schuß und Schirm behuͤtet, 
und ficher fey alg in einer Beftung. Der Grund meiner Hof: Sprüchw. 
nung, o Vater, ift die holdfelige Menfchwerdung deines lieben Sul. 18. 
Sohnes, und fein heiliges theures Verdienft, feine. Auferfte: ® 1% 
bung und Himmelfahrt, daducd) du ung zu einer lebendigen 
Hoffnung neu gebohren, die mich gemißlich nicht wird laſſen zu 1- Petr, I. 
Schanden werden. Denn in EHrifto hin ich alfbereit felig, mit Sn 
ihm und in ihm bin ich allbereir auferftanden, und gen Himmel , Sach 3 
gefahren, und in dag himmlifche Wefen gefeßt: Darum hab ic) Eot.z. v.r, 
in CHriſto FEfu meinem HErrn allbereit dag ewige Leben, und Ephef. 2. 
werte nur auf die Offenbarung der zufünfftigen Herrlichkeit. %+ 6. 
Darum laß mich, o GOtt, in allen Dingen, in alem Thun und Cor. 1. 
Lauffen, auf dich allein hoffen, daß du mir alles allein feyeft, Many. 
was mein Hertz wünfcher Laß mich auch in Truͤbſal über ven y, 4. 
Verzug deiner Hulffe nicht allzuſehr berruber werden, denn ie 
länger du verzeuchit, ie herrlicher du hernach hilffeſt; lindere 
nic aber mein Creutz, auf daß ic) nicht zu muͤde werde, und ſtaͤr⸗ 
che mich allezeit mit deinem Troſt, daß id) mit denen, die aufden gef. 40. 
ern hoffen, neue Kraft befonme, und nicht falie, fondern v. ar. 
ewiglich bleibe, wie der Berg Zion, durch JEfum CHri⸗ Pre 
ſtum unfem HErrn! Amen, 
Ss 3 Das 


\ 





646 B.U.E, sr. Troſt wider die Schwachheit 
Das LI. Capitel. 


Troſt wider die Schwachheit des 
Glaubens. 


Jeſ. 42. v. 3. Das zerſtoſſene Rohr wird er nicht 
zerbrechen, und den glimmenden Tocht wird 

eerr nicht ausloͤſchen. — 
eh Is iſt ein überaus ſchoͤner Troſt wider die 
des Pros Schwachheit des Glaubens, welchen der Pro- 
abeten Je⸗ phet faſſet in zwey Sleichniffe: Das erſte nimmt 
Gefga,nz, er von einem zerbrochenen Rohr, welches man muß 
gelinde und fauberlid) angreiffen, Daß mans nicht vol- 
lends zerbreche: So thut GOTT auch mit unferer 
Schwachheit und fehwachen Glauben. Und gleich- 
wie ein glimmend Tocht, wenns ein Füncklein Feuer 
gefangen hat, nicht mit ſtarckem Winde muß ange 
biafen werden, fünften blafet mans gar hinweg: Alfo 
auch C.Hriſtus unfer HERR blafet das Eleine Fünck- 
- Jein.unfers Glaubens mit der Gelindigkeit feines Geis 
jtes, und mit fanfften Othem feines Mundes an, und 
Laffer einen fanfftmüthigen Geift von feinem Angefichte 
wehen, Damit er uns in unferer Schwachbeit nicht er⸗ 
fchrecke, fondern erquicke, Jeſ. 57.0. 18. Und weil 
dieſe Kleinmüthigkeit und Schtvachheit des Glaubens 
eine ſchwere Anfechtung ift, damit alle Ehriften genug 
zu thun haben, wiewol es mit einem ſchwerer hergehet 
als mit dem andern: So hat der Heilige Seift uns in 
GOttes Wort gewaltigen veichen Troſt dawider auf 
zeichnen laſſen, den wir fleißig mercken ſollen, damit wir 
denſelben zur Zeit des traurigen Kampff⸗Stuͤndleins 

ſeliglich gebrauchen koͤnnen. 

—— 1. Sollen wir mit allem Fleiß mercken, daß der 
SH Glaube nichtiftunfer Thun und Werck, fondern GOt⸗ 
eh. hen tes Werck, Joh. 6. v. 29. 44. Das iſt GOTTES 
ibn Lerch, daß ihr an den gläuber, den er gefandt 
An oder Hat: Ks kan niemand zu mir fommen, es fep denn 
wach er aß ihn ziehe der Vater, der mich — F 
pheſ. 

































































































































































Die Kraft wechſt 
| mitdem ſ age 






































Das Andere Such, Cap.LI.  pag. 646 


Hier ift die aufgchende Sonne, deren Glan, Kraft, Wärme 
und “eürcfung mit dem Tage wächft und zunimmt. Alſo, obwol 
ein gläubiger&hrift imAnfange des Glaubens Krafft nicht ſtarck 
empfindet, fo foll er doch nicht klein muͤthig werden, fondern nur 
gedultig feyn, bis es recht Tag in feiner Seelen wird, da wird er 
deſſen Wuͤrckung, Krafft Stärcke und Troft mercklich empfinden. 


2. Theſſ. 1. verſ. 11. 
GOtt mache euch würdig des Beruffs, und ers 
fulle alles Woblgefallen der Güte, und das 
Merd des Glaubens in der Araffe.. 


«I Hr blöden Seelen, jaget nicht, 
Wenn ihr, nachdem der Sünden Nacht vergangen, 
Das ſchoͤne Glaubens⸗Licht 
In euch zu fchimmermeangefangen, 
Nicht alfobald die Kraft davon empfindet, 
Noch ſich die Frucht urploͤtzlich zeigen will. 
Seyd nur in Demuth ſtillz 
Der dieſes Licht aus Gnaden angejuͤndet, 
Wird mit des Tages Laͤnge 
Zugleich der Strahlen Menge 
Und Wuͤrckung denen, die im Glauben ſchwach, 
Doch fromm und ohne Falſch, vermehren nach und 


nach; 
Er wird fie treulich ſtaͤrcken, 
. Und tüchtig machen zu den Wercken, 

Die blinden Eigenwitz nicht Eönnen moglich ſeyn. 
Er iſt es, der die Macht der Finfterniß wird kraͤncken, 
Ein Überwindung nad) der andern ſchencken, 
Bis daß des hellen Mittags voller Schein 

| Uns in dasvollenfommnekeben 

Zu dem unwandelbaren Licht gebracht, - 

Da gar Fein Wechſel ift von Tag und Nacht, 
Da Gott fich, wie er ift, wird zu erkennen geben, 
Drum auf, ihr boden Seelen, ringet, 
Seht , daß ihr mit Gewalt durch allen Mißmuth dringer: 

Deingt durch die enge Pfort in jene Stadt hinein, 
Da GEott wird felber Schild und Sonne feyn, 


des Blaubens, 647 


— — — — — — — im 
Epheſ. 1.0.19. Die wir glaͤuben nach der Wür⸗ ni $ 
Kung feiner mächtigen Staͤrcke. Epheſ. 2. v. 8. Gaben mil. 


Aus Gnaden feyd ihr felig worden durch den 
Glauben, und daſſelbe nicht aus euch, GOttes 
Gabe ifE es, und nicht aus den Wercken. Ebr. 12. 
v.1.2. Kaflet uns lauffen in dem Aampff, der uns 
verordnet ift, durch Gedult, und auffeben auf 
- fm, den Anfänger und Dollender des Glau⸗ 
bens.. Roͤm 5. v. 5. Die Kiebe GOttes ifE ausge: 
goſſen in unfere Hertzen durch den Heiligen Geift, 
der ums gegeben iſt. Nom. 8.9.23. Die wir has 


ben des Geiftes Erfklinge, welcher aufbilfft unſe⸗ 


rer Schwachbeit, dv. 26. Weil nun der Glaube 
GOttes Werck, und nicht unfer Werck ift in uns, fo 
fiehets ja nicht bey-ung, oder in unferm Dermogen, 
wie ſtarck oder ſchwach unfer Glaube feyn fol. Wie 
uns nun GOtt hat zugeſagt, daß er uns durch den 
Glauben wolte felig machen; fo weiß er auch, wie ſtarck 
unfer Glaube feyn ınuffe, dadurch wir die Seligkeit erz 
greiffen: Und fo viel will uns GOtt geben. Darum 
heiflets, wie GOtt zu Paulo fagt: Laß dir an mei- 
ner Gnade genügen, 2. Eor. 12. 0.9. Denn nie⸗ 
mand Ean ihm etwas nehmen, es werde ihn denn 
von oben berab gegeben, oh. 3.0.27. | 
2. So können wir in diefem Leben die Vollkom⸗ 


Unfer“ 


2 


menheit-nicht erlangen, es bleibet mit ung Stück giaube 
werd: Das iſt GOttes Ville wegen unferer tief unvolltom: 


en, EHris 


fen Derderbung und Blindheit, damit auch der Och ebene 
cherheit und leidigen Hoffart in uns gefteuret werde. gen uns 
Sprichtdoc St. Paulus Phil.3. v. 12. licht aß," 


ſey ich jage ihm aber nach, ob ichs ergreiffen 
möchte, nachdem ih von CHriſto JEſu ergrif- 
fen bin. Db ich gleich nicht einen fo vollfommenen 
Glauben habe, daß ich ihn fo Starck und mächtig er- 
greife, als ich wol ſolte: So bin ich doch von ihm 
ergriffen, das ift, ich bin in CHriſto IEſu durch den 
Glauben. Ergreiffe ich ihn nicht fo ſtarck als ich folte, 

| &s4 ſo 


ichs ſchon ergriffen habe, oder ſchon vollkommen — 


648 B. II. E. sr. Troſt wider die Schwachbeit 
EEE GER: ©: ©. 2. 2 (002.5. O2. 


fo hat er mic) ergriffen. Darum follen wir mit un: 
ſerer Schwachheit zufrieden feyn, bis wir zur Voll⸗ 
kommenheit gelangen, | 
Son 3. So will GOtt unfeen ſchwachen Glauben 
den ſchua Nicht verwerffen, fondern gnadiglich anfehen, ſtaͤr⸗ 
em Ent Een, vermehren und zum feligen Ende führen. Davon 
yerwerfen, mercke Die herrlichen guldenen Sprüche, Jeſ. 42. v. 3, 
Das zerſtoſſene Robr wird er nicht zubrechen, 
und das glimmende Tocht wird er nicht auslö- 
feben. Gef. 25. 0,4. Du bift der BeringenStärce, 
der Armen Stärcke in Trübfal: Kine Zuflucht vor 
dem Ungewitter, ein Schatte vor der Age, Jeſ. 
35.0.3.4. Staͤrcket die müden Haͤnde erquicket die 
fErauchelnde Bnie, faget den verzagten Hertzen: 
Seyd getroſt fuͤrchtet euch nicht,febet,euer GOtt 
kommt, und wird euch belffen, 3ef.40.0.29. 21. Er 
giebt den Můden Brafft, und Staͤrcke genug den 
Unvermögenden, Die auf den ZEren boffen, 
Friegen neue Arafft. Jeſ. so. 0.4. Der HErr hat 
mir eine gelebrte Zunge gegeben, daß ich wifle 
mit den Muͤden zu rechter Zeit zu reden. ef. 57. 
v. 15. 16. Ich erquiche den Beift der Demütbigen, 
und das Hertz der Zerfchlagenen. Don meinem Anz 
geſicht foll ein Geift weben, und ich will Othem 
machen, Jeſ. 61. v. 1. Er bat mich defandt den 
Elenden zu predigen, die 3erbrochene Hertzen zu 
2: B. Mof. verbinden, zu troͤſten alle Traurige. 2. B. Moſ. 34 
26. 9.26, ſtehet: Du ſolt das Böcklein in feiner Milch 
nicht kochen, das ift, den zarten anfahenden Milch» 
Glauben folt dunicht ärgern noch betruͤben. Derftarcke 
Glaube Fan wohl allerley vertragen, Daß man ihn fiede 
und brate, beftchet im Feuer und Waſſer: Aber den 
schwachen Milch⸗Glauben muß manfauberlich angreif⸗ 
fen, wie ein zerbrochenes Rohr, damit mans nicht vol⸗ 
lend zerbreche, Jer. 31, 25. Ich will die muͤden Seelen 
erguicken, und die bekuͤmmerten Seelen ſaͤttigen: 
Die ſich fuͤr Schwachglaͤubige erkennen, die ſind die 
zrattb- Geiſt⸗· armen. Matth. 5. v. z. Selig find die geiſtlich 
arm 


des Glaubens449 


arm ſeyn. Die Schwachglaͤubigen find, Die geiſtlich 
kranck feyn, die troͤſtet der HErr, Matth. 9. v. 12. Die Matth. 9. 
Starcken beduͤrffen des Artztes nicht, ſondern die "'* 
Krancken. Roͤm. 14. v. 1. Die Schwachen im 
Glauben nehmet auf, und verwirret die Bewif- 
fen nicht, 1. Cor, 9. v. 22. Denen Schwachen 
bin ich worden als in Schwacher, uf daB ich auch 
die Schwachen gewinne, Ezech. 34.0. 16. Ich will 
Das Derwundete verbinden, und des Schwachen 
warten, Joh. 6.0.37: Wer zu mir kommt, den 
will ich nicht von mir hinaus ſtoſſen. In dieſe 
troͤſtliche Verheiſſungen ſollen ſich alle Schwachgläubige 
einſchlieſſen, und wiſſen, daß er getreu iſt, der es ver⸗ 
heiſſen hat, der wirds auch thun; Denn ſein Wort iſt 
wahrhafftig, und feine Zuſage gewiß, Pſ. 33.0.4. 
Sehet die Exempel der Schwachglaubigen an; des Erempel. 
armen Mannes, Marc, 9,0. 23. 24. zu dem der HErr 
ſprach: Wenn du glauben koͤnteſt. Er aber fprach 

mit Weinen: Ich glaͤube, HErr, hilff meinem Un⸗ 





glauben! Des Koͤmgiſchen, Joh. 4. v. 47. faq. Der 


Juͤnger im Schiff, Matth. 8. v. 24. faq. Der HErr 
reichet die Hand dem ſinckenden Petro auf dem Meer, 
Matth. 14.90.31. Darum ermahnet St. Paulus 
. 1.Cheff. 5.0.14. Troͤſtet die Rleinmürbigen, teaget 
die Schwachen, feyd gedyltig gegen iederman 
4. Sa der Schwachglaubigen will ſich GDtt am _ 4. 
meiften annehmen. Den die Starcken bedürffen —* — 
des Artztes nicht, ſondern die Krancken, Matth.9. — 
vd. 12. Kr laͤſſet die neun und neuntzig in der u. | 
Wuͤſten, und gebet bin nach dem verlobrnen, De " 
bis ers finde, Luc, 15.0.4. Wie eine fromme Mutz 
ter der Eranchen Kinder am meilten pfleget, und auf fie 
wartet: Alſo GOtt der Schwachgläubigen, | I 
5. Ja ſſrichſt du, ich fühle faſt keinen Glauben 
in mir, So frage ich dich, ob du auch gerne wolteſt auden 
laͤuben? Wenn du das fuͤhleſt, das iſt ein Glaube: wollen, if 
enn GOtt muß auch das Wollen in ung wuͤrckem Gtaube, 
Wenn du derowegen wolteſt gerne glauben, fo fuͤhlſt du Pbilanız. 
| 8% 5 GOt⸗ 


650 B. II. C. gr. Troſt wider die Schwachheit 


GoOttes Wuͤrckung in dir, und hast die troͤſtliche Hoff⸗ 
* daß, der das Wollen in dir würcket, der 
erde auch das Pollbringen würden, Phil. 1. 

— * E20: Ri, 
Pia 6. GOtt fiehet der Gläubigen Begierde alfo gnaͤ⸗ 
Elencen diglich an, daß Feines elenden Hersens Derlangen 
Huining ſoll verlohren ſeyn ewiglich: Das Verlangen der 


EP Elenden hoͤreſt du er; ihr Hertz iſt gewiß, 


mo, Daß dein Ohr drauf mercket, Pſ. 10. v. 17. Darum 
v. 17. ſo groß du gerne wolteſt, daß dein Glaube vor GOtt 
ſeyn ſolte, fo groß iſt er vor GOtt: Denn GHDtt fichet 
das Hertz an: Er wieget die Geiſter pruͤfet Hertzen 
und Nieren, Pſ. 7.0.10. Er begehret mein, dar⸗ 
um will ich ibm ausbelffen, Pf. or. v. 14. 
2 4 . So ifts viel beffer, daß wir uns unfers ſchwa⸗ 
— chen Stanbens ruhmen, denn des ſtarcken: Denn alſo 
mache hats &Det verordnet, damit wir nicht in geiftliche Hof⸗ 
R e ‚iv fart gerathen, 2. Eor. 12.0.9. Meine Krafft ift in 
vir@tude. den Schwachenmächtig. Darum, fpricht St. Mau 


h — = jug,will ich mich am liebſten meiner Schwachheit 


růhmen, auf daß die Krafft CArifti bep mir 
wohne. Def tröfte dich, du Schwachglaͤubiger. 

8. So iſt der ſchwache Glaube auch ein Glaube. 
erde es Denn. c8 ſtehet unfere Seligkeit nicht auf der Wuͤrdig⸗ 
greife keit unſers Glaubens, wie ſtarck oder ſchwach derſelbe 
m ſey, ſondern auf EHrifto, welchen dev Glaube faſſet 
not, als nd ergreiffet. Gleichwie nun ein Eleines ſchwaches 
Dre Kindlein ein Kleinod oder Perle mit feiner ſchwachen 
Ste: ni Hand eben fo wol faſſet und halt,als ein flarcker Diann: 
vom Kiude. Alfa haͤlt und faffet der ſchwache Glaube CHriſtum, den 

edlen Schatz mit alle feinem Verdienſt eben ſowol, als 

der ſtarcke Glaube. Und hat der Schwachglaͤubige in 

ihm und durch ihn eben die Gerechtigkeit und Seligkeit, 

De Aug’ die der Starckglaͤubige hat. Und gleichwie der Aug⸗ 
apffel ein klein verachtetes Dinglein iſt, dennoch der 
Sonnen Licht und Schein, wenn ſie gleich zum hoͤchſten 

am Himmel ſtehet, ja auch die Sonne ſelbſt, welche doch 

um etliche vielmal groſſer denn die Erde iſt, erreichen er 

o 


des Glaubens. | 651 


13 oben ei Be a Mer 
Alſo Fan auch das Auge des Glaubens, ob es fchon 
Hein und ſchwach ift, dennoch die Sonne der Gerech⸗ 
tigkeit, ICſum CHriſtum, mit Ihrem völligen Schein 
und andern unausfprechlichen Gutern und Gaben 
fafjen und ergreiffen. | 
9. So iſt das auch. des Glaubens Ark, daß ern, Gran, 

nicht allezeit gleich ſtarck, fondern zuweilen gansbens Are 
ſchwach iſt / das es ſich anfehen laft,als fen das Licht des ——— | 
Glaubens in uns erlofchen, immaffen die Erempel ken Haile 
aller Heiligen, ſonderlich Davids, begeugen : Ingleichen er die has 
Abrahams, der doch ein Vater aller Gläubigen ge-&gmak 
nennet wird, alswir 1. B. Mof. 12.9. 11. leſen, da.erheit befan⸗ 
beſorget, Die Egupter möchten ihn erwuͤrgen, um Sara" 
willen, da er doch allbereit die Derheiffung empfangen: 
Ingleichen Moſis, da er zweifelt am Hadderwaſſer, 

2. B. Moſ. 20.0, I1. David iſt mit feinem Slauben fo 
ſtarck, daß er Dad im Himmel iſt; bald fo ſchwach, daß er 

in der Holle ift, daß er klaget, er ſey von GOttes An- 

geficht verftoflen, Pſ. 31. 9.23: Darum iſt aus dem P.anv. ars 
ſchwachen Glauben nicht zu fehluffen, als wenn gang 
Fein Ölaube da wäre, und folche Leute gank von GOtt 
verlaſſen waren. Denn gleichtvie wir nicht urtheilen 
und ſchluͤſſen, daß in der Afche Fein Feuer, weil e8 kei⸗ 
‚nen Schein oder Hiße von fich giebt, oder in Baͤu⸗ 
men Eein Leben, weil fie im Winter nachend und bloß 
da ftehen ; alfo follen wir auch nicht fchluffen, daß dar⸗ 
um fein Glaube ift, weil er fich nicht allegeitfehen läft: 
Denn der Geift GOttes bläfer wie ein Wind, 
wenn und wohin er will, Joh. 3.0.8. 

10. Wenn man über den fehwachen Glauben |, 
klagt, fo mercket man, daß ein kaͤmpffender Blaube daflay; Über 
iſt; und das ift eben der rechte Glaube: Denn es ift den Glaus 
ein ftetiger Kampff des Glaubens und Unglaubens im 1 it ein 
Menkchen, Der Glaube muß hier ftehen unter vielen des Giau⸗ 
Schwerdtern der Anfechtung: Denn es ift ein fehwerd · 
Ding, und hat viel zu thun, daß dasirdifche Hertz mit 
CHriſto, und der boͤſ⸗ Acker mit dem himmlifchen Saa⸗ 
men Durch den Glauben koͤnne vereiniget werden, gr 

4 


652 BI C. sr. Troſt wider die Schwachbeit 


die Finſterniß des Lichts fähig werde: Da will immer 
das Fleiſch den Holtzweg, und über den Geiſt herrſchen, 
und die Finſterniß will immer Uberhand haben. Uber 
dieſen Kampff haben die Heiligen GOttes geklaget; 
Baia und das ift ein gewiß Anzeigen, daß der rechte Glaube 
— da iſt Denn die gantz keinen Glauben haben, fühlen 
dieſen Kampff nicht. Und dabey iſt der Troſt, daß 
* &HDtt in ſolchem Kampff nicht verlaſſen tolle, 
auch nicht über Dermögen laffen verfucht werden, 
fondern ihr einen folchen Ausgang geben, daß 
wirs koͤnnen ertragen, . Cor. 10.0. 13. Der HErr 
giebt den Muͤden Brafft, und den Unvermögen- 
den Stärcde genug, Jeſ. 40. v. 29. 
11. Ibenn wir in unferer Schwachheitnur noch 
Eder an Chriſtum gedenken, fo ift er wahrhaftig bey ung, 
wenn wir ja wohnet in uns durch Den Glauben: Denn er 
an ibm —— Mo man meines Ffamens gedenden 
—* of. wird, da will ich zu dir kommen /und dich fegnen, 
20 n24 2. B. Mol. 20. v. 24. Ya wir Eönnen ohne GOtt 
an GOtt nicht gedencken. So find wir auch in ihn, 
als den lebendigen Weinſtock, eingepflanget, 
Joh. E5. v. t, alſo, daß wir Leben und Gafft aus ihm 
empfangen; ja wir leben in ChHriſto, und das Le⸗ 
€0l,3.9.3. bei und Kraft unferg Glaubens ift in CHriſto ver⸗ 
borgen. Det Aeilige Geift zeuger von ibm in 
unſern Hertzen, durch Friede, Freude und Teoſt, 
Rom 8. v. 16, Gleichwie Fein Prophet im alten 
Zeftament geweſen, der nicht GOtt in ihm bat hören 
reden; Alſo if Fein Chriſt im neuen Teſtament, der 
nicht CTHriſtumi in ſeinem Hertzen hatte hoͤren reden, und 
die Salbung des Geiſtes nicht in ihm geſchmecket 
haͤtte. Und dis iſt eine ſolche ſtarcke "Bereinigung mit 
EHE und unſerm Glauben, daß fie vom Tod und 
Teufel nicht Fan aufgelöfer werden; Dierweil” CHri⸗ 
ſtus, deſſen Leben er in ihm hat, unfterblich ft. Ob du 
das gleich allezeit in deinem Hertzen nicht empfinden, 
fo ift doch, der in dir iſt, groͤſſer, Senn der in der 
Welt if, ı, So 4 v. 4. 
12. So 


des Gläubens. 653 

12. So follen wir in der Schwachheit unſers € is 
Glaubend unfern Lrlöfer und ewigen Hohenprie⸗ —— 
ſter, IEſum CHriſtum, anſchauen, der ſich ſelbſt für fer-Amt: 
uns am Creutz hat aufgeopffert, und bittet fuͤr unſern * 
Glauben, wie er. ſagt zu Petro: Ich babe für dich 
gebeten, daß dein Glaube nicht aufböre, Zur, 22. 
v. 32, und reichet ihm feine allmachtige hülffreiche EHritus 
Gnaden⸗ Hand auf dem Meer, da er ſincken wolte: iirenent 
Matt 14.09.31. Und Joh 17. v. 01, 20. bittet: er; Glauben 
Seiliger Vater; erhalte fie in deiner Wahrheit ie ham 
Ich bitte nicht allein für fie, (die Apoftel) ſondern Matıy. 14. 
für alle, die durch fie an deinen Namen galäuben! EA 
werden. Darum fügt auch) die Epiftel an die Hebr, paf für aue 
am 2. v. 17. und 4.2.15. Wir haben nicht einen Gläubige 
ſolchen Hohenprieſter, der —— — Kin 
nicht Eönte Mitleiden haben, ſondern der verſucht 
ift allentbalben wie wir; welcher iſt zur Rechten 
GOttes, und vertritt uns. Dieſer Fürbitte haben 
fi) alle Schwachglaubige zu troften, und werden auch. 
derfelben gewiß genieffen. | 

13. Wir follen ung auch in unferer Schwachheit 
tröften der Barmhertzigkeit GOttes, Die iſt unaus⸗ So macher 
forechlich groß, ja fo groß als er felber if. Daran ſoll hanget an 
niemand versagen : Denn es ift Mifericordia preve- Ne, om 
niens, expectans, fufcipiens, perdurans in zternutn, DAB GOttes, 
it, eine vorlauffende, erwartende, aufnehmende und in ae a 
Ewigkeit wahrende Barmhertzigkeit. GOtt hat nie⸗ Kin an _ 
mand iemals feine Barmhertzigkeit verſaget: In die der Zutter 
barmhertzigen Arme GOttes ſollen ſich auch alle * 
Schwachglaͤubigen einſchlieſſen. 
. Sollen wir uns deß troͤſten daß GOtt, der den „tk 
Glauben in uns angefangen hat aus Gnaden, auch hat atem 
zugeſagt, daß ers auch in uns vollfuͤhren wolle, bis ein Aufin⸗ 
auf den Tag JEſu Chriſti, Bhil.ı. v.6. Er wird dern au 
uns vollbereiten, ftärcken, Erifftigen, gelinden; ein Bolten: 
1. Petr. 5.0. 10, Wir werden aus GOttes Macht iu ar 
durch den Blauben bewahret zur Seligkeit, daß defhatden 
wir das Ende unfers Glaubens davon bringen, Synayı 

| — welches 


654 B. II. C. sr, Troſt wider die Schwachheit 
gläubige zu welches iſt der Seelen Seligkeit, 1. Betr. 1.0. 5.9. 


Fa v.6, Auf das Ende hat GOTT gefehen, da erden Slauz 
ben in ung angefangen bat. Das iſt nun GOttes 
Krafft, Der Fan ung zur PVollfommerbeit führen, 
Darum nennet die Epiftel an die Hebr. am 12. v. 2, 
- Seftm nicht allein den Anfänger, fondern auch den 
Dollender unfers Glaubens. Und E-Hriftus fagt 
Joh. 10.90.27. Meine Schaafe foll mir niemand 
aus meiner „and reiffen. “ 
— — 5. Darum hat er auch fü viel Mittel verordnet, 
key Mireer, dadurch der Glaube in ung geftarcket und erhalten werz 
de, nemlid) fein XBort, die Sacramente, Das Gebet: 
£u.17,05.4&rr, vermebre uns den Glauben! Luc. 17.0.5, 
Bomm zuülffe unfermlinglauben! Marc.9.0.24, 
So hat GDtt verheiffen den Heiligen Geiſt zu geben 
Denen, dieihn darumbitten, Luc. 2.0.13. Dom. 5. 
v.5.€.8.0.26. Der Beift bilfft unfrerSchwachbeit 
auf. Ja unſer gantzes Chriſtenthum iſt dahin gerichtet, 
daß wir im Glauben geſtaͤrcket und erhalten werden. 
— 16. So iſt auch unfer Glaube in der ewigen 
ab, Wahl GOTTES gegründet: Nom. 3. v. 30. 
Welche er verfehen bat, die bat er auch gerecht 
gemacht. Wir werden aber allein durch den Glau⸗ 
benan ChHriſtum gerecht, Roͤm. 3.0.24. Elegit nos 
| in fide veritatis: Er bat uns erweblet im Glauben 
GoTTiſt der Wahrheit, 2. Thefl. 2.0.13. Darum laß dich 
ve die Schwachheit Deines Glaubens nicht allzuhoch bes 
nächften, trüben. Wenn du meyneft, du haft gar Eeinen Glau⸗ 
ben, fo it div CHriſtus naher denn du meyneft,. Wie 
Matth.z. er den Juͤngern nabe war, da fie Noth lidten auf 
v2. dem Mieer: Alfo auch, wenn dein Glaube am meiften 
Noth leider, ſo iſt er bey Dir. | 


Gebet. 
Al magtiger barmhertziger, wahrhafftiger und getreuer 
+ GOTT, ich klage und bekenne dir demuͤthiglich, daß mein 
Herk von Natur mit Unglauben, Mißtrauen und Zweifel gang 
vergiftet und verderbet ift, alfo daß ich dein wahrhafftiges 
Wort nicht recht zu Hertzen genommen, noch mich ganglich und 


berglich darauf verlaffen babe, Ach vergieb mir, lieber * 
N 





Pd 





6,r 


folchen groffen Unglauben und Mißtrauen, und wende bie Ierı7.v.5 
Strafe von mir ab, da du den Fluch dräueft allen denen, fo {ich 

auf Menfchen und aufs Zeitliche verlaffen. Und weil unmog⸗ 

lich ift, ohne Glauben GOtt gefallen, fo bitte ich dich hertzlich, Hebt. um 
reinige mein Her durch den Glauben von allem Zweifel, Aber: v. 5 __. 
glauben, Abgoͤtterey und nichtigem Vertrauen auf zeitlich Eut Ap. Geſch 
und Ehre, auf Menfchen-Gunft und Hülffe, daran der Fluch '* "?* 
hanger. Zünde aber in meinem Hergen an das Licht des wah⸗ 

ren Slaubeng, dadurch ich dich, als den einigen wahren GOtt, 

recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret 

haſt, und daß ich demſelben deinen geoffenbarten Wort moͤge 

von Hertzen glaͤuben, deine Verheiſſung von deiner Gnade und 
Vergebung der Suͤnden / durch deinen lieben Sohn mir erwor⸗ 

ben, mit feſtem Vertrauen moͤge annehmen, mit meinem Ger 

wiſſen darinn su ruhen, einen freudigen Zutritt zu dir dadurch 

haben, und dich mit gantzem Hergen aurnffen. Gieb, daß ich Eph.3.v.12. 
die drey Säulen des Glaubens feft halte, deine etwige Wahr: 

heit, deine hergliche vaͤterliche Barmhertzigkeit, und deine un. 

endliche Allmacht, und mic) darauf feft gründe, Auch bitte ic) 

dich, lieber Vater, du wolleft mir täglich meinen Glauben ver: Luc. 17.0.5, 
mehren und ftärcken, aud) die Schwachheit meines Glaubeng 

mir auß Gnaden zu gute halten, dag zerftoffene Rohr nicht Sef.42.0.3; 


‚ zerbrechen, noch dag glimmende Tochtlein auslefchen, fondern 


das Kleine Senfffdrnlein und Sämlein GOttes in mir wachfen Lue 17.0.6. 

laffen zu einem fruchtbaren Baum, der viel Früchte der Gerech- Phrl.r v.ur. 

tigfeit trage, zu £ob und Preis deines Namens, damit ich nicht Matth. ar, 

bloß und ein unfruchtbarer Baum erfunden werde, der ver" 

flucht werde, und ewig verdorre, und ing hoͤlliſche Feuer ge- 

worffen werde D HErr JEſu CHrifte, du bift der Weg, die Joh.14.u.6. 

Wahrheit und dag Leben, der Weg in deinem Leben, die Wahre ⸗ 

heit in deiner ewigen Berheiffung, das Leben in deinem heiligen 

Verdienft. ch bitte dich, du ewiger Weg, laß mich nicht von 

dir irre gehen; du ewige Wahrheit, laß mich nicht betrogen 

werden durch die JIrr⸗Geiſter, und laß mich nicht an deiner Ber: 

heiffung zweiffeln; du ewiges Leben, laß mich in feinem tödtlis 

chen und vergänglichen Dinge ruhen und das Leben fuchen. 

Du allerfchönfter Bräutigam meiner Seelen, vermähle dich Hof.2.0,19. 

mit mir durd) den Glauben. Du edler Gaft, wohne in mir Epdef 3 

durch den Glauben mit allen deinen Wohlthaten und Gütern. " "7° 

D GOtt Heiliger Geift,vereinige mich wieder mit GOtt meinem 

himmliſchen Vater durch den Glauben, befehre mich wieder zu - 

ihm, pflange und pfropffe mich wieder ein durch den Glauben Soh.15.v.5- 

in den lebendigen Weinfiock, meinen HEren JEfum EHriftum, 

daß ich von ihm allein empfahe und ſchoͤpffe meine, ja feine Le⸗ 

hens⸗Krafft und Safft, alle meine Gerechtigkeit, Leben und Heir 

ligfeit: daß auch mein Glaube nicht möge ein todter Glaube Zac.a. .17. 

fepn, ſondern durch dis Liebe shärig und fruchtbar fep zu allen Gal. 5- 0,6 
; guren 


4 


656 B.II. C.52. Teoft, w ie man ſich in geiſtliche 


Epheſ. 4. guten Wercken. Erneure in mir das Bild GOttes durch Ge⸗ 
v.23. 24. rechtigkeit des Glaubens, und durch Heiligkeit meines Lebens 
2.Cor. z. mache mic) durch den Glauben zu einer neuen Creatur. Laß 
5 4 ae v. Mich durch den Glauben allezeit div meinem lieben GOtt ein 
"2.5.7.8. 20, angenehmes Opffer bringen, wie Abel; in den Himmel aufge⸗ 
22.25.26, nommen werden durch den Glauben, wie Henod); ein wahres 
Glied der Kirchen feyn, und in die Arche durch den Glauben 
eingehen, wie Roah; die abgöttifche Welt verlaffen, und dag 
himmliſche Vaterland durch den Glauben ſuchen, wie Abra⸗ 
ham ; den Gegen erlangen durch den Glauben, wie Jacob; 
im Lande der Berheiffung des himmliſchen Baterlandes ruhen 
durch den Glauben, wie Joſeph; durch den Glauben erwehlen, 
lieber mit ven Volck GOttes Ungemach zu leiden, denn die zeit⸗ 
liche Ergegung der Sünden zu haben, und die Schmach CHriſti 
—— achten, denn alle Schaͤtze Egypti, mie Moſes; durch 
den Glauben mich keines Menſchen Furcht, Thranney und Ge⸗ 
Dan. 6. malt laſſen von dir abwenden, wie Daniel; durch den Glau⸗ 
0.10. bendas verborgene himmliſche Manna eſſen, und das Water 
en des Lebens trinchen von dem Selfen des Heilg, und durchs 
Dar. 6. Angfi-Meer diefer Welt gehen, wie Jfrael; durch den Glauben 
v.22. die Mauren zu Sericho umftoffen. das iſt, des Satans Reich zer⸗ 
€. 3. 0.25: ſtoͤren, wie Joſua; durch den Glauben des hollifchen Löwen 
. Rachen zuhalten, und des höllifchen Feuers Flammen löfchen, 
wie Danielz und endlich durch den Glauben GOttes Herrlich? 
1. Petr. n keit ſehen, und des Glaubens Ende, die ewige Seligkeit, davon 
9% bringen, durch ZEfum EHriftum unfern HEren! Amen, 


Das LI. Capitel, 


Zroft und Bericht, wie man ſich in hohe 
geiſtliche Anfechtung ſchicken ſoll. 
Jeſa. 48. v. 10. Ich will dich auserwehlt machen 
im Ofen des Elendes. 


— KA foll man gewiß dafuͤr halten, daß der 


Banane Seelen Traurigkeit von GOTT herkommt, 
Aufche — Denn fo ſtehet geſchrieben Sam. 2.0.6. Der 
un. HErr toͤdtet, und machet lebendig, er erniedri- 
6" getumderhöbet, er machet arın und machet reich, 
er führer indie Hoͤlle und wieder heraus: Diele 
Seifliche Zölle, da GOtt den Merühen hinein führet, iſt Die 
Hon Dat* geiftliche Traurigkeit, welche Feinen Troſt zulaͤſt; Denm 
führer,  gleichtwie in der Hoͤlle Fein Droſt iſt, alſo iſt auch in die⸗ 
fer geiſtlichen Hole Fein Troſt. Es duncket Dir — 





























— 


— —— 





III 


NN 


—— 






































Das Andere Buch, Cap. LI. pag. 656 
Hier ift ung abgebildet eine Monden-Finfterniß, welche al- 


lein im vollen Licht gefchicht; denn nicht che Fan natürlicher 


Reife eine Monden⸗Finſterniß werden, es habe denn der Mond 
fein volles Licht: Damit wird angedeutet, daß oͤffters, wenn 
ein Chriſt ſehr hoch erleuchtet ift, durch ſchwere Anfechtung, da 
ihm GOtt feine Gnade und Troſt entzeucht, eine ſehr grofe Fin: 
ſterniß in feiner Seelen leiden müffe, damit er fein demüchig 
werde, und des reichen Maffeg der empfangenen Gnade und 
Lichts ſich nicht überhebe, z 
Tob. 12, verſ. 13, | 
Meil du GOtt lieb wareft, fo mufte es fö fern, 
obne Anfechtung mufteft du nicht bleiben, auf 
Daß du bewährer wuͤrdeſt. i 
Nlchdem ſich unſer GOtt der Seel enthuͤllet, 
Dieſelbe gantz — 
Mit feiner Gnaden Glantz 
Und Licht erfuͤllet, 
In ſolchem Stande nur geſchichts, 
Daß er die Strahlen ſeines Angeſichts 
Verbirget and entzeucht. Die Seel erſchrickt und zaget 
In ſolcher bangen Todes⸗Nacht, 
Darinnen fie die Macht 
Der Sinfterniß mit Höllen-Marter plaget. 
- Warum haltfihder HErr foferne? 
as mag die Urſach feyn? 
Auf daß der Mensch fich felber kennen lerne, 
Und ehren in fein eigen Nichtes ein: 
Auf daß er fühle, daß die hoben Gaben, 
Die GOttes Gunſt in ihn gelegt, - - 
Und der er fich fo feicht zu überheben pflegt, _ 
Nicht aus ihm felbfE den Urſprung baben, 
O Menfch! gedencke doch, daß du 
Ein Hand voll Aſch und Staub, 
| Ein bebend Raub, 
Und fehreibe ja dir Feine Tugend zu. 
Die Suͤnde koͤmmt von die, Schand iſt dein Eigenthum: 
—F Drum buͤcke dich: und ſprich: 
HOerr, dein ꝛ allein 
Iſt alter Preiß und Ruhm. 


unfer HE Er, Datth.27.0.46. Mein GOtt, mein 


* 


Anfechtung ficken Pit: 6 
in dieſer Noth, daß ſie gar ſterbe und verſchmachte, Daß 





ſie alle Creaturen anklagen und —* zuwider ſeyn. Sn 


dieſer Angſt ſpricht ein Menſch mit David: Meine 
Seele will ſich nicht troͤſten fen, Pſalm 77,0.3 


Es wird ihm alles entzogen, beyde Die Schrift md 


GoOꝛt ſelbſt. Und das iſt die Hollend darein GOtt ſelbſt 
fuͤhret. Da gehoͤret nichts zu, denn G Schweigen und 
Leiden, ud in Hertzens⸗Grund mit einem unaus ſorech⸗ 
lichen Seuffger ? Darüber beufen und Hagen. Sa, ein 
Menſch Fan in Diefer Angft und Dein nicht an GOTT. 
oder Die Schrifft gedencken; Denn alle Kräffte des 
Glaubens verſchwinden, und verfchmachtet ber Menſch 
wie eine Schnecke, Pſalm 38. b. 8. 9. Pſ. 102.0: 24 
Wenn nun GOTT durch) fein verbove gened Abort und 
Kraft den Menfchen nicht erhielte, fo müfte er von 
Stund an vergehen und zu nichte werden. 


Sn dieſer Holle iſt CHriſtus IEſus unſer HErr Dar Exem⸗ 


— geweſt, Da er anfieng zu trauren zu zittern und Pe Chriſti. 


zu zagen, Matth. 26. v. 37. mit dem Tode rang, 

nnd Blut ſchwitzete, Luc. 22. v. 44. Diele Hoͤlle iſt Hoͤllen⸗ 
viel groͤſſere Angſt dena der Tod, ja der Menſch win- en it 
ſchet ihm in folcher Angſt den Tod, Hiob. 7,0. 15. Henunsin 


Denn Dan waͤre feine Freude und Erloͤſung. Wie der Hoͤlen⸗ 


offt wuͤnſchet ihm KHiob den Tod? EHriftus unſer HErr anal a 
ſchwitzet Su ini dieſer Angſt; aberam Creutz in Todes⸗ — 
Noth nicht. In dieſer Höfen Angie rieff C-Hriftus ——— 
GoOtt! warum baftdu mich verlaflen? Da war 
aller Troſt hinweg. Michts deſtoweniger aber war in 
diefer Hoͤllen⸗ Angſt GOtt bey ihm, und en ihn. Ja, 
iſt das nicht ein groß Wunder, ‚Daß ver Her CHriſtus 


“in feiner Hoͤllen⸗ Angſt keinen Troſt hat Fonnen erlanz 
‚gen, und war doch nit GOtt vereiniget? Denn er war 


ja GOtt und Menſch; nach dennoch dat fih GOtt mit 


feinem Troſte fo tieff vor ihm verborgen, daß er Feinen 
Troſt nach feiner Menschheit hoͤrete oder fahe, Iſt 


‚nun das dem HErrn CHriſto wiederfahren, der mit dev 
ewigen Gottheit vereiniget iſt, u und mit dem hoͤchſten 
AII. Theil, It Freu⸗ 


658 B.ILE. 52. Troſt, wie man fich in geiftliche 


Freuden⸗Oel gefalbet, und ist gleichwol in folche Trau⸗ 
tigkeit gerathen, Was ifts denn Wunder, Daß offt 

einen armen Menfchen folche Betruͤbniß überfüllt ? 
Darum alles, was ung wiederfahret, das it zubor 
unferm HErrn JEſu EHrifto auch wiederfahren, als 
unfern Haupt; Und iſt demnach nicht unrecht, Daß die 

Glieder des Haupts Schmergen empfinden. 

Werinde ¶ Daran erkennet man nun, dag du ein wahres Glied 
— CHriſti biſt, und ein Mitgenoß feiner Truͤbſalen, 
ein Gtied Dffend. 1.0.9. Denn in dieſer Hölle hat auch geſteckt 
Ehriſti. der fromme König Hiskias, da erfprach: Ich winſelte 
N wie ein Ärannich, und girrete wie eine Taube, 
Erempel Jeſa. 38. v. 14. Und der heilige Hiob, als er ſprach: 
on Wenn ich ſchon GOtt frage, [6 antwortet er mir 
nicht. Ruffe ich febon, foerbörer er mich nicht, 


len. 
ne 2. Hiob 7. v. 3. C. 30. 0.20. Ingleichen C. 9. v. 16. 


Wenn ich ihn ſchon anruffe, ſo glaͤube ich doch 
nicht, daß er meine Stimme höre. Und der liebe 
DavidEaget auch faft Darüber im 6.13.38. und 88. 
Pſalm; daman Wunder fiehet, wie die Heiligen GOt⸗ 
tes mit der Hoͤllen gerungen und gekaͤmpffet haben. 
Die un Das zeigen an bie wunderlichen Affecten in Aiob und 
Ufern David: Bald vergagen fie, und glauben nicht, daß es 
der Glaͤu⸗ moglich fen, Daß fie GOtt erlöfen Eonne: Bald hoffen fie 
bigen. quf den Erloͤſer, der noch lebet, als Hiob, &. 19. 
v.25. Darum fleifchliche Dienfchen folche orte und 


Affeeten nicht verftchen Eonnen ; wie man an Hiobs 


Sreunden fiehet, Denen mufte der arme Mann immeruns 

recht geredt haben: Aber fie verfkunden die Waſſer⸗ 

wogen nicht, die über feine Seele giengen, Denn 

es wird ein Menfch in dieſer Noth fo tieff in den Unglau⸗ 
ben geftürget, daß er feines Glaubens nicht kan gewahr 
ori, werden. Es zeucht fich alle Krafft des Glaubens in eis 
Aus in den nen Punct, und in ein unausfprechlic) Seuffzen, darinn 
Bere noch der Glaube ihm unwiſſend verborgen iſt. Und 
Hoden Ans Diefer verborgene Glaube ift denn fein Linglaube, und 
fehtuusen, iſt feine Hölle und Marter. Er Fan in dieſer Holle nicht 
glauben, daß ihm GOtt gnadig fey, und ſpricht; Ach 

wie 


Anfechtung ſchicken ſoll. 69 


wie gern wolt ich gläuben, wenn mir GOtt die 
Gnade gäbe. Die Schrift Fan ihn auch nicht troͤ⸗ 
jten, bis daß das Ungewitter vorüber if.* Da laͤſt In hohen 
denn GHDtt dem Menſchen feine Nichtigkeit fehen, was ‚nfrhtun: 
er an ihn felber fey, Damiter gar zunichte werde an met der 
allen feinen Kräften. Aber gleichwol laͤſt ſch GOtt ya ek 
noch in dem verborgenen unausſprechlichen Seuffzen, keit, 
gleich als von ferne fehen : Und Dadurch wird der - 
Menſch erhalten. —J 

Ob nun wol ein Menſch in dieſer Angſt, Marter Die unge⸗ 
und Zagen offt ungedultig iſt / ja auch Läjtert, fo rechnets Jule wird 
ihm GOtt Doch nicht zu; ** denn es geſchicht wider tenen nice 
i Be ek den auserech 


x Nicht, ob hätte die Schrift ihre Krafft verlohren, da fie doch 
allezeit kraͤfftig ift: fondern wegen der Aufferlichen Hefftig⸗ 
feit ver Anfechtungen. Dor/ch. ’ 

E8 wird geredt nicht von gemeinem Creutz und Aufech⸗ 
fung, fondern von den höchften, ſchwerſten Anfechtungen, da 

,„ aller Troft aug dem Hertzen verfchwindet, und ver Menfch in 
folche grofe Augft vor Traurigkeit und Anfechtung geräth, 
daß er fait nicht glauben Fan, daß ihm GOTT gnädig fey, 
‚und feine Stimme höre. Da will der Troft, fo ihm aug 
Gottes Wort gezeiget wird, nicht fo bald ing Hertz binein, 
das Her Fan denfelben vor groffer Angft nicht faffen, big 
das Ungewitter vorüber fey, und die früben Wolcken fit ein - 
wenig vergogerhaben. Valer. Herbere. Eine Weile verleus 
rei fich aller Troft aus unferm Hertzen, alle ſuͤſſe Sprüche, 
die wir in der Kirche gehorer haben, werden zu Waffer, es 
will. kein Wacht- Spruch hefften. Bald über eine Weile 
faͤllt die Sonne der Gerechtigkeit, JEfus EHriftus, wieder 
mit feinen Strahlen in unfere finftere Hergen, und machet 
ung freudig; Denn fehen wir wieder die Gnade GDtteg, 
amd unfern Herken wird wohl. Paren, 

Luther, Obſchon groffer Borrath der Schrift vorhan⸗ 
den, daß einer auch die gange Welt lehren mochte, wenn 
er ift im Frieden: doch fo GOtt felbft nicht fonımt, wenn die 
Stürme gehen, und fagef ung durch fich allein, oder durch 

‚einen Menfchen, fo ift bald alles vergeffen, und gehet dag 
Schifflein unter. 2 

** Er faget nicht, daß folche Läfterungen nicht Sünde ſeyn, 
fondern daß fie GOtt wicht zurechne, weil man fich mit Glau⸗ 
ben wiederum zu EHrifto verfüget. Dor/ch. £ 

Laucher. Alle muͤſſen wis Anfechtung fühlen, und zwar 
die 


660 B.iLE, 52. Troſt, wie man ſich in geifkliche 


den Willen des Dienfehen, und ift feine höchfte Probe, 
xdadurch ihn GHDtt lautert, und die Sünde ausfegetz 
göttes. ja:es find Feine-geöffere Heiligen und. liebere Kinder 
Liebe Kin ⸗ GOttes, denn eben Diefe, die folche Probe und Züchtir 
| gung aushalten: als wir an Hiob, Cap. 42. v. 2. ſqq. 
David und Jeremia, C. 20.0.1 2.fag. fehen: Denn 

Glauben dieſe lernen den Glauben in der rechten Schule. Die 


lernet man 


nihrohne satten Ereugsflüchtigen Heiligen meynen, fie wollen den 
Creug. Glauben auf Polftern ohne Ereug lernen. | 
Klasl. Ger... 2. Bedencke Den herrlichen Spruch in den Klagl. 
3. 0.32.33. Jerem. C. 3.0.32. 33. Der HErr betrüber wol, 
aber er verftöfler nicht ewiglich, fondern erbar- 
met fich wieder nach feiner groſſen Barmbergig- 

keit, Denn ernicht von Hertzen die Menfchen pla⸗ 

get und betrüber. Daraus lerne nun erftlich, daß dich 

der HErr betrüber babe, aber er wird darum nicht 

ewig verftoflen. Und ob du gleich fagen moͤchteſt: 
Solche Gedancken, die ich leiden muß, die find nicht 

Der Satan yon GOtt, fondern vom Satan; das iftrecht: Der 
u abue Satan Fan nichts thun ohne GOttes Verhaͤngniß. 
Gottes Da nimm nun abermal deinen HErrn CHriſtum JE⸗ 
Derbäng? ſum vor dich: GOtt verhieng dem Satan, daß er den 
Matth. 4. HErrn EHriftum verfischen mujte. Die Worte und 
0... Feurige Pfeile, dieder Satan redete wider E-Hriftum,die 
waren freylich nicht von-GDtt, fondern vom Satan; 

Bun aber es hatte ihm es gleichwol GOtt erlaubet und ver⸗ 
Öfen Ger haͤnget. Und obwol EHriftus, unfer HErr, das alles 
damen Leiden und ausfiehen mufte, fo war er doch gleichwol 
u GOttes liebſtes Kind, und kunte ihm der Satan mit 
* ſeinen feurigen Pfeilen niehts ſchaden, ob er gleich 
icen fol. CHriſtum mit ſich führte: Alſo werden dir des Be 

| ' | eurige 





die, ſo mit geiſtlichen Sachen umgehen, das iſt, die ſtarcken 
Chriſten vom Teufel; Aber ſolch Fuͤhlen, weil es wider 
unſern Willen iſt, und wir ſein lieber los waͤren kan niemand 


ſchaden. | 

* Die Läfterung felbft ift nicht die Probe, fondern folche Anfech⸗ 
tung, die auf ſolchen höchflen Grad der Ungsdult den Mens 
ſchen treiber. Dor/ch, 


Anfechtung ſchicken fol. 661 


feurige Pfeile nichts ſchaden an deiner Geligkeit, 
Siehe den Hiob an, wie ihn der Satan aus GOttes 
Verhaͤngniß plagete und angftete, ausivendig und ins 
wendig an feiner Seelen, daß er den Tag ſeiner G⸗ 
burth verfluchete: Dennoch war GOtt bey ihm, und 
erhielt ihn. Darum fpricht ev Cap. 10. v. 13. Ob 
du fölches gleich in: deinem Hertzen verbirgeft, fo 
weiß ich doch, daß du daran gedenckeſt. | 
Wenn du nun des rechten Urſprungs deiner Trau⸗ 9 
rigkeit gewiß biſt, fo muſt du denn auch lernen die Urſa⸗ 2m un 
hen, warum e8 geſchicht. fechtungen. 
1. So ifts wahr, wenn GOttes Wort in unfern 
Hergen recht geſchmecket wird, fo befinden wir unaus-gRan ee, 
ſprechlichen Troſt, Friede und Freude in ung, und uberz fömedet, 
irifft ſolcher Gottlicher Troſt weit aller Welt Freude rien gren, 
und Herrlichkeit, ja-folcher Troſt ift ein Vorſchmack ve un 
„des ewigen Lebens: Denn das wahre lebendige Erz Trol- 
kaͤnntniß EHrifti zeiget uns GOttes Vater⸗Hertz und 
allerfeuvigfte, brünftigfte, holdſeligſte Liebe GOttes, die 
nimmermehr verlöfchet, fondern ewig iſt, als GOtt 
felbft. Wenn wirnun folchen Troſt offt empfinden, fo 
Fan unfere verderbte Natur ſolche hohe himmliſche Ga⸗ 
ben aus Schtwachheit nicht ertragen, fähet an viel vom 
fich felbft zu halten, als waren wir allein vorallen andern 
folche felige Leute, die GOtt fo hoch begabet hatte, da- 
gegen andere Leute nichts ſeyn; fallen in geiftliche Hof⸗ 
fart, ja verlaffen den rechten Lirfprung dieſer himmliſchen 
Gaben, und fallen auf ung feibft. Solche verkehrte unſere um 
Unart Fan GOtt an ung nicht leiden, weilfie uns ſehr ke 
ſchaͤdlich und hinderlich ift an unferer Seligkeit und an urfac. 
der wahren Buffe: Darum entzeucht er uns den himm⸗ ara, 
lifchen Zroft, und alles, daran wir Luft und Freude hazfeinenTroß 
ben, und verbirger ſich ſo tieff für uns, daß wir ihn we⸗ eutzeucht. 
der fehen, noch hören, noch empfinden in unfern Hergen. 
Saft ung alſo zwiſchen Himmel und Hölle ſchweben, daß. 
wir ſelbſt fr geoffer Angft nicht wiſſen, wo aus oder ein, 
ob. wir glauben oder nicht glauben, ob wir Hoffnung ha⸗ 
ben,.oder gar Feine haben, ob wir einen gnaͤdigen oder 
Xt3 zorni⸗ 


662 B.N.E.52. Troſt, wie man fich in geiftlidye 


zornigen GOtt haben, ob wir im Leben oder im Tode 
feyn. Dis heift denn die Entziehung diefes Goͤttli⸗ 


2.88. 0.4. chen Trofkes, welcher im 88. Pſalm beſchrieben iſt. 


Und im 31. Pſ. v. 23. fpricht David: "ich fprash in 
meinem Sagen; ich bin von deinen Augen verſtoſ 
fen 5; dennoch höreteft du die Stimme meines Fle⸗ 
hens, da id) zu dir ſchrye. 

Dieſe ntziehung it uns Menfchen nüßlicher, denn 
alle Herrlichkeit diefer Welt, obs gleich unferer Natur 
fehr ſchwer und langwird, GOttes eine Zeitlang mans 

geln und entbehren, ja gans und gar nicht fühlen und 
empfinden; Denn dis ift ein Leiden über alles Leiden: 


g Dennoch aber lernet man in dieſer Feuer Probe Die 
. wahre Demuth, die wahre Buſſe, die Verſchmaͤhung 


Der Welt, daß man jich abwende von allen Ereaturen, 
von allen Gaben, von allen verganglichen Dingen, weit 
man ſiehet, daß darin kein wahrhafftiger Zroft der 
Seelen if. Und obwol das Hertz mit hoͤlliſcher Angſt 
und Traurigkeit geſchlagen, daß es ſich zu GOtt nicht 
wohl erheben kan; dennoch iſt immer ein heilig verbor⸗ 
gen Jammern, Seuffzen und Wehklagen nach GOtt 
und ſeiner Gnade; Daraus wir lernen, welch ein ho⸗ 
hes Gut GOtt iſt, daß auſſer ihm kein wahrer beſtaͤn⸗ 


Fechtugen diger Troſt it. Dis Fan man nicht lernen, ohne in die⸗ 


die rechte fer Schule, und iſt doch das hoͤchſte, das wir in dieſer 


hohe 
Schule. 


Nutz der 


oben Anz 


Zeit lernen follen und muͤſſen: Denn wer. das nicht 
weiß, der weiß nicht, was GOtt und EHriftus ift. 
O wolte GOtt! daß wir diefe Entsichung des himm⸗ 
liſchen Troſtes, und dieſe Gold Probe GOtt zu Ehren, 
und uns zum unausfprechlichen Mutz williglich aufnaͤh⸗ 


tungen. men Und auswarteten! ſo wurden wir Wunder uber 


Wunder ſehen; denn ein Menſch, der in ſolcher Probe 
gelaͤutert iſt, iſt hernach das feine Gold, dem Fein Feuer, 
kein Waſſer, kein Ungluͤck ſchaden kan, weder Teufel 
noch Tod: Denn er wird ſich hernach recht wiſſen zu 
verhalten im Gluͤck und Ungluͤck, wird im Creutze nicht 
verzagen, und im Glück fich nicht erheben, nicht an ihm 
ſelbſt und an feinen Gaben Gefallen tragen, hede in 

auen 


— 


Anfechtung ſchicken fol. 663 


allen Dingen auf den Urſprung alles Guten, GOtt 
felbjt, feben, und des HERNN Willen allein, (es 
ſchmecke gleich füß oder ſauer) für fein hoͤchſtes Gluͤck 
und Himmelreich halten, und alfo im Glück und Un- 
glück-feine einige Freude, Friede und Luft an GOtt 
felbjt bloß und lauter allein haben. 

2. So ift derowegen hoch noth, daß wir elende 


"ln 
Unfere Se 


Wuͤrmlein in diefem Schmeltz⸗ und Probier⸗Ofen purr zu 
mehr um Gedult und Stillyalten, als um Ervettung gründen, 
e Pe N — daß wir in 
bitten: Denn wenn wir einmal die Schlacken unſerer gapehtuns 
Bosheit recht abbrennen laffen, Hoffart, Wolluſt, Geis, gen nicht 
Neid; fo Einnen wir hernach in allem Ereuse Feuer defto Aektın 
beffer beftehen, und werden unfern eigenen Willen In fondern 
GOttes Willen gang verlieren. Aber weil wir aumebilneht 
tenfchen gar zu ſchwach feyn, und die Probe nicht gern und Br 


ausfichen, ſo begehrten wir offt ehe Errettung, ehe one hantintcht 


recht warm morden und geläutertfeyn: Und wenn uns 
GOtt offt nicht wider unfern Villen in diefem Ofen 
des Elends feſt bieite, fo wuͤrden wir ihm aus der Probe 
entlanffen, und nichts darnach fragen, ob wir recht ges 
laͤutert oder gereiniget wären oder nicht, wie die Kinder, 
die da immer aus dem Bad entlauffen wollen, ob fie 
gleich noch niche rein feyn. GOtt aber fieher beffer was 
uns nuͤtz und gut ift, denn wie felbjt: Darum hater über 
uns das Creuůtz⸗Stuͤndlein befchloffen, {0 lange es waͤh⸗ 
ren foll, bis ex feinen Willen an uns vollbracht. Darum 
follen wie mehr um Sedultdenn um Errettung bitten. 


3. it gewiſſe Erloͤſung zu hoffen und zu glauben; unſer 

denn Das ift ja GOttes ort und ewige Wahrheit: Hofnung 
Der HErr betrübet wol, aber er verfköffer nicht In N 
‚ewiglich, fondern erbarmet ſich auch wieder nach allben 


— 


feiner groſſen Barmhertzigkeit, Klagl. 3. v. EN 
Diefe Worte folt du offt in Deinem Hergen wiederho⸗ Kla 


len, und iſt nicht dran gelegen, daß du viel Sprüche ler⸗ 3% 


net, fondern daran ifts gelegen, daß du einen Spruch 
wohl faſſeſt und zu Hergen nehmeft: Denn wenn du erſt⸗ 
lich einen glaubeft, fo gläubeft du fie darnach alle, und 
wenn du erſtlich aus einem Fanft Troft faffen, fo haft du 

—— dal 


664 B. II. C.52. Troſt, wie man ſich in geiſtliche 


9.83. v. ꝛ. darnach aus allen Troſt. Bete auch offt den 88. 


Palm, da wirſt du ſehen, wie dein Hertz darinn iſt ab⸗ 


Dt er gemahlet. Daraus du lernen und vernehmen kanſt, 
loͤſet gewiß, 


kich aus ver DAB vor Dir auch. Leute geweſen feyn, Die mit folder 


en, Seelenr2ingit find beladen gewefen, GOtt bat ihnen 
ED aber gleichwol wieder geholfen, und fie wieder erz 
Menfiben freuet; wie Denn alsbald der 85. Pſalm Darauf folget : 
a Ich will fingen von der Gnade des Aren; das 
wird an Die au) wahe werden, das glaube nur gewiß, 
Denn der Hertz⸗plagende unruhige Geift hat nie gez 
ruhet mit ſeinen fenvigen Pfeilen vom Anfang her, ſon⸗ 
‚dern allezeit, als der rechte Seelen⸗ Feind, Die Hertzen 

eplaget: yad gequaler mit Sucht, Schrecken, Angit, 

Ingedult, verborgener innerlicher Laͤſterung, Zweifel, 


Ungiauben, boͤſen Gedancken, Die im Hertzen auffteiz 


gen, wie das ungeflume Meer, fo inner cine Welle 
und Bullgen nad) dem andern auswirfft,daß bie eine 
Tieffe und da eine Tieffe brauſet, Pſ. 42.0.8. bald 
Sucht, bald Schrecken, bald Traurigkeit, und offt ſo 
groſſe Traurigkeit, daß Feine Creatur in der Welt iſt, 
die ein ſolch betruͤbtes Hertz erfreuen kan: Ja was an⸗ 


dere Leute erfreuet, das betruͤbet einen ſolchen angefoch⸗ 


tenen Menſchen, alſo, daß ihm die gantze Welt mit ih⸗ 
rer Luſt ein bitter Creutz iſt, ja daß ihm GOtt ſelber zu⸗ 
wider und ſchwer it, wie Hiob ſpricht Cap. 7. v. 14. 
ſonderlich wenn dein eigen Gewiſen zu die ſagt: Du 

> Daft keine Zülffe ber GOtt Pſalm 3. v. 3. 
um. Darwider Fanft du Feine beffere Artzney finden, 
denn daß dur es alſo macheſt, wie Hiob, David und alle 
che Tran» Heiligen: (1) Daß du dieſe Traurigkeit ſo lange leiden 
rigkeit. muſt, bis fie GOtt von Die nimmt, du muſt Dis Wetter 
Auf GOt⸗ laſſen über dich. gehen, ef. 54.0. ı 1. Mich. 7.0. 9, Ich 
—— will des HErrn Zorn tragen: Denn ich babe wi⸗ 
Ser ihn gefündiget; bis ich wieder meine Luſt an 
feiner Gnade ſehe. Denn es ftehet in Eeiner Crea⸗ 
tur Gewalt, einen erfrenen, welchen GOTT bettüs 
bets Denn der verwunder, der muß heilen; derin 
die Holle führer, der muß auch wieder heraus fuͤh⸗ 
ER ven; 


Anfechtung ſchicken ſoll. 665 


1 un Ali 3 sa Ad 
ren; der toͤdtet, der muß auch wieder lebendig 
machen, 1. Sam. 2. v. 6. j | CR 

(2) So mul du in deiner Seelen Noth nicht hoͤ⸗ 
ven das Urtheil der Melt, wie Hiob that, da ihn ſei⸗ Jahr der 
ne Freunde alſo verurtheilten, auch nidye, was Der dern Got⸗ 
teaftiofe Geift, der Teufel, fagt, auch nicht, was dein fe Lrrbeit 
eigen Hertz, Gewiſſen, Sleifh und Blut faget: Denn 1,909 3. 
fo Sich dein eigen Hertz verdammt, ſpricht St. Jo⸗ 2% 
hannes r. Epiſt. 3. v. 20. fo iſt doch GOtt gröffer 
denn dein eigen Hertz, ja groffer denn die Welt und 
alle Zeufel: Sondern du muft hören, was GOtt von 
folchen eienden Leuten faget, Jeſ. 66. v. 2. Ich ſehe an 
den Blenden, und der betrübtes Beiftes iſt. Jeſ. 

48.0. 10, Ich will.dich auserwebler machen in 
dem Öfen des Elendes. ; 

65) Du muft auch hören, was dir die Erempel  :- 
der Heiligen fügen. Siehe dich um, ob auch vor dir regnel 
folche elende Leute gervefen, und ob ihnen auch GOtt fung anzus 
geholffen? Nie Elaget David im ı 3. Pſalm, v.. die 5 — 
lange wilt du mein ſo gar vergeſſen? Siehe aber, — 
ob ihn GOtt in ſolcher Noth gelaſſen? Nein; denn er 
ſpricht verſ. 6. Ich hoffe aber darauf, daß du fo 
gnaͤdig biſt, mein Hertz freuet ſich, daß du ſo gerne 
hilffeſe. Pſalm 77. v. 10.11. klaget er: Hat denn der 
ERX vergeſſen gnaͤdig zu ſeyn? Ließ ihn aber 
GOtt in ſolchem Creutz? Nein; denn er ſpricht: Ich Yrrz.n.an 
muß das leiden, die Rechte des HErrn Ban alles 
andern, Fer. 17.0. 17. kam GOtt dem Propheten Ier. 17. 
fehreeftich vor, da er fprach: Sep du mie nur nicht" "7° 
ſchrecklich. Ließ denn GOtt den Propheten in Dies 
‚fen Schrecken? Nein; denn er fprach: Meine Zu⸗ 

‚ verfiche in der Noth. Rieff nicht der HErr CHri⸗ 
ſtus: Mein GOtt! warum baft du mich ver- 
laffea? Di. 22.0.2. Ließ ihn aber GOtt in folcher 
Noth? Dein; denn er fpricht: Tech will deinen 
Namen predigen meinen Brüdern, v. 23. Und 
im 118. Pſ. v. 17. Ich werde nicht fterben, fondern 
leben, und des HErrn Wercke verkündigen. 


ts Alſo 


666 B. I. C.5 2. Troſt, wiemanfich in geiftliche 


Alſo muſt du mit Cehriſto vermyrrheten Wein 

trincken, und mit Gallen geſpeiſet werden, auf daß du 

mit uber feinem Tiſch im Himmel den ewigen Freu⸗ 
den⸗Wein trincken mogeft, Jeſ. 65. v. 13. Lerne ſeine 
Schmach tragen, Hebr. 13. v. 13. ſo wirft du 

auch feine Herrlichkeit tragen: gerne dem gecreußige 

ten CHriſto gleich werden, ſo wirft du auch dem 
verfiäcten CArifto gleich werden, Nom. 8. v. 29. 

Philz.vr- Phil. 3. verſ. 21, | 
Gebet. 


. B Moſ. FU GoOtt der Geiſter alles Fleiſches! der bu meines Hertzens 
16. v. 22 Jammer⸗Stand beſſer erkenneſt als ich ihn vorſtellen Fan; 
Giehe herab ven dem Thron deiner Herrlichkeit auf mich Elen⸗ 
den, und befelige mich mit deinem Enaden Blid! HErt, meine 

Pf.38.0.10, Begierde ift flers vor dir, und mein Seuffzen iſt dir nicht ver 
borgen. Ich habe verdienee, verworffen und verlaffen zu were 

er.2.n 19. den von dir; alfo muß id) innen werden, was für Jammer und 
Ephef 4. Hertzeleyd es brinae, dich zu verlaffen, auf ihn felber zu trauen, 
r Ka und dich nicht fürchten. Sch hahe offt betrübet und erbitzert dei⸗ 
= —— nen Geiſt, deine Gnade vergeblich empfangen; Darum werde 
2.Gor. 6. ich billig voller Jammer gelaffen, und mein Leben iſt nahe bey 
v. 1. der Höllen. Was follich aber thun? D du Menſchen⸗Huͤter! 
Df 88.0.4 Ach ftrecke noch einmal aus zu mir deine Gnaden Hand, die 
se 7° Hand, die in den Abgrund reicher, und der Höllen ihren Raub 
Sef.65.0. entfuͤhret. In derfelden fand mich in meinem Blute liegend 
Hof ız.v.i4, Leine ewige Liebe, da du in CHriſto IEſu den Schluß wachteftz 
Rön.s.n8. Ich folte leben. Dahin hat mich nun mein VBerderben wieder 
Cie, 16. geftürger, und mich beraubet der Freude deines Heils. Aug ders 
Eyd.g.o.g, felden bringe mich wieder, du Ubertwinderder Hulfen, ber du dag 
Pfilm og. Grfängniß gefangen geführet, und auch für die Abtrünnigen 
v. 19. Gaben empfangen haft. Ach du unendliche Güte: diedu den 
Pſalm 130. Abgrund umgiebeſt, und deren Glut mit dem Blute JEſu ger 
v Hr 2 löſchet haft, höre mein Schreyen zu dir aus der Tieffe, und laß 
Dim 69. dag Lach der Gruben nicht über mich zufammen gehen. Sey 
Hodız, nicht foernfigegen ein fliegend Blatt, und verfolge nicht einen 
v.25. diieren Halm: verachte nicht ein geängfies und gerfchlagen 
Pf. 57-0.19. Hertz: zerbrich nicht ein zerftoffen Rohr Löfche nicht aus ein 
Sf. 42.03: glimmendes Tocht, fondern erweiſe im Erbarmen, daß du bift 
Hoſ ir 09. der Heilige unter uns, GOtt, und nicht ein Menſch. Mein 
EDEL, ich will gern entrathen aller Freuden Empfindung (die 

gehören nicht vor ſolche, als ich bin) laß mich nur dis einige ers 

fennen, dag du es feyft, der mich in die Hole führer, zu meiner 
Laͤuterung, und nicht zumDBerderben. Und wenn denn dis Gna⸗ 
den⸗Feuer an mir ſein Werck, was es thun folte, N 

:iebe 





—V oVV —— 





















































































































































































































































Doch Irre 
Tch nicht. 























Alm INN 


—— 




















Das Andere Buch, Cap. LI pag 667 


Hier ift der neue Mond,melcher, nachdem er bisher vor der 
Sonnen und ihren Strahlen nicht hat Einnen geſehen werden, 
nunmehro aug den Sonnen⸗Etrahlen wieder hervor Fünmt. 
und anfangs alg ein Hein Licht fich wieder zeiget. Ob er hun 
wol bisher von ung nicht hat koͤnnen gefehen werden, fohat er 
Doch nicht geirret, fondern noch immer feinen richtigen Sana 
behalten; Alſo, obaleich ein gläubiger Menfch bey groffer Ans 
fechtung in grofe Finſterniß fällts- dennoch bleibet er bey ſei⸗ 
nem GOtt, und irret nicht, bis ihm das Gnaden Licht mitten 
im Finfterniß wieder aufgehet. 


Eſa. 40. verſ. 29. Be 


Er giebt den Müden Brafft, und Staͤrcke genug 
den Unvermögenden. | — 


Obholech ein Gottes⸗Menſch auf eine Zeit 
Im finſtern Todes: Schatten ſitzet, 
‚Und Falten Angſt⸗ Schweiß ſchwitzet 
Vor vielen Hertzens⸗Weh und groffer Bangigkeit, 
So irrer er doc) nicht, 
Und halt beftandig feinen Lauf; 
Das Gnadenzkicht 
Seht dennoch den Gerechten wieder auf. 
Den Frommen muß nach trüben Weinen 
Die Freuden⸗ Sonn nur immer heller feheinen. 
Der GDtt der Treue, der fo fremd und hart 
Sich ftellt, und feine Gegenwart, 
Dem Anſehn nach, entziehet, 
Und gleichfam von uns fliehet, 
Iſt heimlich doch mit feinem Troſte da, 
Unnd allezeit den Seinen gleiche nah. 
Gr iſts, der nie von Hertzen fie betruͤbet, 
| Nie allzu lange zappeln laͤßt; 
Befondern ihre Treu, Gedult und Demuth über - 
Zu ihrem Heil. Drum ftehe feft, 
Wenn du muft mit der Hölle ringen; 
Halt einen Eurgen Strauß 
lit ſtillem Geift und ohne Murren aus: 
Das wird Dir taufendfach und ſtete Freude bringen. 


[2 


f 


Anfechtung ſchicken ll. u ——— 


Liebe der Welt und aller Eitelkeit in mir verzehret, Demuth und 
Gelaſſenheit gewuͤrcket: fo bringe mic) wicber hervor, daß ich Mid, 7. 
meine Luft an deiner Gnade fehe, durch CHriſtum JEſum v. 9. 
unfern HErrn! Amen. 

. Das LI. Capitel. 


Troſt wider die hohen geiftlichen 
Ben Anfechtungen. 
Jeſ. gr. verſ. 17. Die Klenden und Armen ſuchen 
Waſſſer, und iſt nichts de, ihre Zunge iſt per⸗ 
dorret vor Durſt. Aber ich der HErr will ſie 
erhoͤren: Ich der GOtt Iſrael will fie nicht 
| | 
SEN diefem Spruͤchlein tröftet der Heilige Geiſt Trek für 
Pal alt hochbetrübte, traurige und angefochtene en 
7 Hertzen, denen nach) Troſt duͤrſtet, und dene 
nich: anders zu Sinne ift, fie muffen gar versagen, 
EHDtt habe fie gar verlaffen und verfioffen, wie der | 
88. falm,v. 4. fpricht: Meine Seele iſt voll Jam= Pr. ss. 0.4. 
mers, und mein Leben iſt nahe bep der Aölle, Dies 
felben follen in ihren hohen geifttichen Anfechtungen 
folgende Haupt⸗Gruͤnde Des Troſtes mercken und zu Haupt 


Herken nehmen. | 
1. Daß Die hohen ſchweren Anfechtungen, traue _ _ 1. 

vige, fehwermüthige Gedanken, Schreien der Ser a 
len, Angft des Gewiſſens uns nicht. wiederfabrer men aus . 
ohne GOttes fonderbaren Rath und gnaͤdigen — 
Willen, wie hart auch der Satan dem Menſchen zung. % 
feßet: Denn GDttes Wort begeuget, daß der Satan 
über Feine Creatur, auch) über die geringfte nicht, einige 
Gewalt babe, auch nicht über ein Haͤrlein, Matth. 10. 
v. 30. oder über einen Strohhalm. Denn aile Crea⸗ 
turen find in GOttes Hand, und nicht in des Zeufelg 
Gewalt, Hebr, 1.0. 3. Vielweniger hat ev Gewalt 
uber einen Menſchen, eg werde ihm denn von GOtt 
erlaubet und zugelajfen, wie Die Bergejenifche Hiſto⸗ 
ria, Matth. 8. 0.32, und das Exempel Hiobs bezeu⸗ 
gen, Diob ı, v. 12. | 

Die 


668 BU. E,53.. Troft wider die hoben 


Zeufelbt Dieweil er nun nicht Wacht hat uber ein einiges 
ne Glied oder Härlein des Menſchen; viel weniger über 
Mabı. feine Seele, daß er Diefelbe alfo ängfte, quale und pei- 
nige, ohne GOttes fonderlichen Rath und Willen. 
Darum der 34. Pſalm, v: 8. ſpricht: Der Engel des 

SErrn lagert ſich um dte ber, die ihn fürchten, 

und Hilfft ihnen aus. Zach. 2. v. 5. Ich willeine 

feurige Mauer mm dich ber ſeyn. Pſalm 17.0.8, 
Behuͤte mich, wie einen Augapffel im Yuge, 
Palm 38. Daher auch der 88. Pſalm, v. 7.8. GOtt dem Herrn 
7.5 ſolche hohe Anfechtungen zufchreibt, als er fpricht: 
Du haſt mich in die Gruben hinunter gelegt, in 

die Sinfkerniß und in die Tietfe, Dein Grimm 

Drücker mich, du drängeft mich mit allen deinen 
Fluthen. Ich leide deine Schreden, daß ich; 

Yalmzı, ſchier verzage. Wie aud) der 71. Pſalm, dv. 20, 
v. 20. ſolche Seelen⸗Angſt GOtt dem HErrn zuſchreibt: 
Du laͤſſeſt mich erfahren viel und groſſe Angſt, und 
macheſt mich wieder lebendig, und holeſt mich 
wieder aus der Tieffe der Erden herauf. Und 
. die Prophetin Hanna, 1. Sam. 2. v. 6. ſchreibet alles 
Gott dem HErrn zu: Der SErr toͤdtet, und ma⸗ 
chet wieder lebendig: Er fuͤhret in die Hoͤlle, und 
wieder heraus. Denn wie GOttes Sohn erſtlich 
in die Hoͤlle muſte, che er gen Himmel fuhr: Alſo 
machts auch GOtt mit ſeinen Gliedern, den wahren 

Wie und Chriſten. Und geſchicht alſe: Wenn GOTT dem 
anne Menſchen feine Suͤnde in ſeinem Gewiſſen offenba- 
fehrungen ret, und ihn empfinden laͤſſet die Krafft und Macht der 
eniſtehen Sünde, den Stachel des Todes, den Fluch des Gefe- 
ges, die feyrigen Pfeile des Satans: So wird des 
Menſchen Seele ſo hoch betrübet, und fallet in fo 

groſſe Traurigkeit, Daß fie alles-menfchlihen und - 
Sötzlichen Troftes beraubet wird, und will ſich auch 

nicht troͤſten laflen,wie David ſagt Pſalm 77. v. 3. 

Ihr duͤncket, es ſeyn ihr alle Creaturen zuwider. Es 

kan fie auch nichts erfreuen, fie achtet ſich alles Tro— 

fies unwuͤrdig, vinget mit der Derzweifelung;, und 
kaͤmpf⸗ 


en 

AR 
> 
3 
» 


geiftlichen Anfechtungen. j 669 


kaͤmpffet mit der Hölle, fühlet der Höllen Angft. 
Das ift der rechte Morlus inferni, Hoͤllen⸗Stich, ja Die Inferni 
Hölle felbit, die Eeinen Troſt zulaft, fondern da iſt eitel Sayenser 
Angſt, Zittern und Zagen. “ Da hat denn GOTT ti. 
warlich einen folchen Menfchen vecht in Die Hölle ge- Plas. .5. 
führet, nicht zwar leiblich, fondern geiſtlich nach der | 
Seelen. Und geher ihm gleich wie dem HErm 
EHrito am Del Berge, da er anfleng zu trau⸗ 
ren, zittern und 3agen, mit dem Tode zu ringen, 
Luc. 22. 0.44. | AS 
: Warum aber GHOtt folches bisweilen zulaft, daß 
feine glaubigen Kinder, die in CHriſtum getaufft, 
Vergebung der Stunden haben, durch den Glauben - 
find gerecht gemacht, und zum ewigen Leben aufge 
nommen, vom leidigen Teufel fo Elaglich und jaͤmmer⸗ 
lid) mit ſchweren hollifchen Gedancken angefochten, ger 
qualet, und zu geiftlichen Martyrern gemacht werden, ift 
ohne Noth, daß wir darnach forfihen: Es folluns ge 
nug feyn, daß wir aus GOttes Worrt verſichert ſeyn, Anfſechtun⸗ 
GDit ſelbſt habe ung dieſe Anfechtung zugeſchickt. Ir Spt 
- Was nun von GDtt kommt, das gereicht Dem Menz keit. 
ſchen nicht zum Derderden, fondern zur Seligkeit; 
darzu denn alles dienen muß, was denen wieder- 
faͤhret, die GOtt lieben, Nom. 8.0.28. . Doch find Urfachen 
auch etliche Livfachen geoffenbaret, warum der gnadige her uufedr 
und treue GOtt feinen heben Kindern folche hohe Anz 
fechtungen wiederfahren laft. | 
(1) Daß wir die Krafft der Suͤnde, welche ift 
der Stachel des Todes, wie St. Paulus fpricht : 
Der Stachel des Todes iſt die Suͤnde; die Krafft 
aber der Sünde iſt das Geſetz, 1. Cor. 15. v. 56. 
recht verſtehen lernen; den Fluch des Geſetzes, den 
Zorn GOttes wider die Suͤnde, und ſein geſtrenges 
Gericht und Gerechtigkeit, und Die groſſe Thranney des 
Teufels; Denn da haͤnget alles an einander, daruͤber 
der Koͤnig Hiskia klagt, Jeſa. 38. v. 14. da er win⸗ 
ſelte wie ein Krannich, und girrete wie eine Taube; 
da ihm um Troſt ſehr bange war. F 
(2) Daß 


60 BE. 53. Troft wider die hoben 


- (2) , Daß wir dadurch die OB und Würz 
digkeit des Leidens Coriſt ti, und feine groſſe Wohl⸗ 
thaten der theuren Eriöfing erkennen lernen, daß cr 
ung von Der ewigen He Angſt und Pein erloͤſet 
durch feine Seelen⸗ Angſt, Pſ. 22.0.2. 

Rn. 8. (3) Doß wir dem iebenbilde Coriſti aͤhnlich 
29% werben, Möm, 8.0.29. 

(4) DaB wir die Arafft des Wortes GOttes 
und den Böttlichen © Troſt darinnen ſchmecken lernen, 
Zefa. 28. Jeſa. 28.9. 19. Die Anfeptiing leDEEERUS Dort 
m»... mexcken 

63 Daß wir Glauben, Liebe, Hoffnung, Demuth, 
Gedult üben lernen, auf daß unfer Slaube Eöfkli- 
cher erfunden werde, denn das vergängliche Bold, 
durchs euer bewährt, ı Detrt.97 
| (6) Auf dap ı Bir hernach deſto krafftiger getroͤ⸗ 
2. Cor, ſtet werden, wie Sanct Paulus ſpricht: Wie wir 
des Leidens Chrifti viel haben, ſo werden wir 
auch deſto reichlicyer getroͤſtet werden, 2. Cor I. 
verſ. 5. 





N 


( e Auf dag wir im ewigen Reben defto Ne 
werden, Non. 8.0.17. Doch daß wir mit leiden, 
auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhaben 
werden. 

Und wenn wir gleich dieſen hohen Nutz nicht 
wuͤſten, noch GOttes Rath verſtuͤnden; ſollen wir 
uns daran genügen laſſen, daß wir wiſſen es ſey alſo 
GOttes Wille, daß wir alſo verſucht werden: 

Matth. ꝛo. Denn, find unſere Haare Su unferm Haupte ge⸗ 

"39° zehlet, wie viel mehr will GOtt der HErr unſere Seele 
behuͤten, daß dieſelbe nicht durch den Teufel in Verzwei⸗ 

Sin hoben. felung geftürget werde. Daraus verftehen‘ wir nun 

— wohl, daß aus dieſen Anfechtungen niemand erretten 

bene Hrito Fan, denn GOTT allein Durch CHriſtum, der den 

u, Datan und dietDelt überwunden, Joh. 12.0.31, 

den. &.,16.0.11. Darum allein bey C Hriſto, und ſonſi 
bey keiner Creatur, Huͤlffe, Rath und zT Troſt in dieſen 


Noͤthen zu ſuchen. 
2. Sollen 


geiſtlichen Anfechtungen. 671 


2. Sollen wir die hohen Anfechtungen nicht anſe⸗2 
hen als Zeichen des Zorns GOttes, fondern als Zeichen Pyramaen 
der Baden, alldieweil uns GOtt in die Zahl derſel⸗ ſindZeichen 
ben bringen und aufnehmen will, die er in dieſer Welt der Gnade. 
fo hoch verfuchet hat. Als da iſt der heilige David, Der Gräfe Heir 
im 18. Pſalm, v. 5. Hager: Des Todes Bande um- — 
fiengen mich. Und im gantzen 88. Pſalm klaget er Anfehrun, 
über Seelen⸗ und Hoͤllen⸗Angſt. Der Prophet Jere⸗ gen a 
mias Cap. 20, v. 17. wuͤnſchet, daß feiner Muster find wc 
Leib fein Grab gewefen wäre, und er nicht lebendig dev SOHtt 
ang Licht wäre Eoinmen, ſo dürffte er folch Unglück men 
nicht feben. Ingleichen, der heilige Hiob, da er ſpricht Ser. 20, 





—— 


E. 6.0.2. Wenn man meinen Jammer auf einer" "7 
Wege wägen möchte, ſo würde er fehwerer fepn, 
denn der Sand am Meer. Cap.7. v. 15. Meine 
Seele wuͤnſchet erhangen zu fern. Ingleichen St. 
Paulus, welchen des Satans Engel mit Faͤuſten 
gefehlagen, 2. Cor. 12.0.7. Ja der Sohn GOttes 
felbft, wie zittert fein heiliger Keib! Wie zaget feine 
Geele! Wie rufft er: Mein GOtt, mein GOtt! 
Warum haſt dur mich verlaffen? Matth,27.0.46. 
Aus diefen Exempeln lernen wir, daß wir nicht Die Zrof. 

erften ſeyn, die mit ſo hoben Anfechtungen verficht 
und gequalet worden feyn, fondern daß es aud) zuoor 
den allerhoͤchſten Heiligen wiederfahren fey: Daraus 
wir den Troſt fchopffen ſollen, daß; wie jene in dieſer 
Todes⸗Noth und Hollens Angjt nicht find verlaffen, 
alfo werde GOtt ung auch erretten. Und gleichwie It das 
leibliche Kranckheiten, Berfolgungen und der>feichen, ch 
Zeichen der Liebe GOttes find, dadurch uns GOtt ſei⸗ Zeichen der 
nem Sohne aͤhnlich machen wolle, und wir alſo ſolch Hnadeniel 
leiblich Creutz CHriſto gedultig nachtragen muͤſſen; Stelen 
wie vielmehr muß ein Zeichen der Gnade feyn, und Ereutz. 
einer groſſen zukünftigen Herrlichkeit, wenn er nicht als 
fein unſerm Leibe, jondern auch der Seelen ihr Creutz 
auflegt, diefelbe lajt Eampffen und weidlich ſchwitzen, 
auf daß der Menfc) an Leib und Seele leide, und feis 
nem HErrn EHrifto deſto ahnlicher werde, nn 

n gleiche 


672 B. II. C.53. Troft wider die hoben 


Geifticher gleichwie Der heilige Leib CHriſti in feinem Leiden voller 
ae san Schmertzen und Krankheit war vom Haupt bis auf 
Auchosıt Die Fußſohlen, und feine allerheiligfte. Seele voll Jam⸗ 
Schmerzen mers, Traurens und Zagens; Alſo mus fein geiſtlicher 
ern Leib, alle feine.geijtliche Stieder und Gläubigen dieſes 
che Slider Schmertzens innerlich und aufferlich theithasfiig werz 
ans den, auf daß auch fein gantzer geijtliher Leib voller 
werden. Schmertzen werde, gleichwie er war in feinem Leiden; 
Col.i.v.⸗ · Und das meynet St. Paulus als erfpricht, Eol.1.0.24. 
Ich erſtatte an meinem Sleifh; was noch inan- 
gelt anden Trübfalen des’ Leibes CArifki, "Diyidu 
nun ein wahres Glied an dem geiſtlichen Leibe EHriiti, 
fo muſt du die Schmergen mittragen, auf daß arftattet 
werde, was noch mangelt an den Truͤbſalen, auf Daß 
fie voll werden. - Darum wir uns der Zrübfalen 
freuen follen, weil diefer Zeit Leiden nicht werch 
ifE der Herrlichkeit, die an uns ſoll geoffenbarer 
werden, Roͤm 8. v. i 8. Daß wir Dersmegen in jochen 
hoben Anfechtungen den vaͤterlichen Zoen GOttes 
lernen mit Gedult tragen, Mich.7. v. 9. und Der Hulffe 
GOttes erwarten, im Gebet nicht muͤde werden, ſon⸗ 
dern gedencken: Diß iſt die Zeit des Zorns, wie es ſich 
anſehen laͤßt, die Gnaden⸗Zeit wird auch kommen, 

wenn der Zorn aus iſt, Sch 74.0.7. | 
Auf den 3. Soll uns das hertzlich troͤſten, daß in ſoſchem 
Ranrg ſor hweren Seelen⸗Kampff und Streit det HEre Chri⸗ 
Sieg ſtus uns den Sieg hat verheiſſen und zugeſagt, obs wol 
hart zugeht, wie der HErr ſpricht Job. 14. verſ. 30. 
Siehe, es kommt der Fuͤrſt dieſer Welt, und hat 
nichts umir. Cap. u6. v. 33. Seyd getroſt, ich habe 
die Welt uͤberwunden. Denn gleichwie Davids 
Sieg wider den Goliath des gantzen Iſraels Sieg 
1.Sam.ız. wat, 1. Sam, 17. v. gu.Alſo iſt CHriſti Sieg aller 
Zoͤliti Glaͤubigen Sieg. Offenb.n 2. d. 10.11. Nunm iſt das 
Siegalter Heil, und die Macht, und das Reich unſers GOt⸗ 
Gläubigen. geg und feines CHriſtus worden; weil der ver⸗ 
si worffen ift, der fie verklager Tag und Nacht vor 
GoOtt, und fie haben ibn überwunden dur des 
3 ame 


* 


geiftlichen Anfechtungen. 673 


Lammes Hlut,i und durchs Wort ibrer Zeugniſſe. 

Und obwol der Teufel, der. Satan, die Alngefochtenen Satans 

mit diefen feurigen Pfeilen feheuft, und ihnen einblaͤſet: Eingeben. 

Du bift verdammt und verlobren, GOtt bat dich 
verftoffen, du bift mein, böre auf zu boffen, zu 
gläuben, zu beten, es iſt aus, fo ſprich: Höre, Teu⸗ Samaf des 
fel, du haft nicht Macht, mich Au verdammen, das Ge⸗8 ap, 
richt ift dir nicht befohlen, oder das Urtheil zu fprechen, 

wer verlohren oder verdammt ſeyn ſolle; ſondern die 

Glaͤubigen ſollen die Welt und die Teufel am 

juͤngſten Tage richten, ı.Corinth. 6.0.3. Ja der 

Sohn GOttes hat den Fuͤrſten dieſer Welt ſchon 

gerichtet, Sol. 16. v. 11. 

4.06 man wol der greulichen Laͤſterung des Sa⸗ u 
tans fich nicht erwehren Fan, welches man nennet den = Er 
Spiritum — den Laͤſter⸗Geiſt; dennoch weil es Pfeile. 
erſtlich wider des Menſchen Willen gefehicht, und sum 
andern Der Menfih zwar darmider ftrebet mit Seuff⸗ 
zen ‚ Gedancken, ‘Beten , mit Hertzen und Mund ſich 
wehret, kan aber nicht, und muß die Läfterung leiden ;, fo 
. fol er diefen Troſt mercken, daß ihm GOtt diefe Laͤ⸗ 
ſterung nicht zurechnet: * Weils wider feinen Wil⸗ 

Ten geſchicht, fo find Die Laͤſterungen nicht fein, fondern 

des Teufels, er muß es nur. leiden, ** wie David klagt 

in 77. Dfalm,v. ı 1. Ich muß das leiden, die rechte 

and des HErrn Ban alles ändern. Denn folche 

Laͤſterung eft paflio anime, es ift ein Leiden der Seele, 

non — nicht ein Werck der Seelen, darum rechnets 

. GOTT nicht u; denn es gehet, gleich als went Die a 
— vor der Stadt Feuer hinein ſchieſſen, das kan Gleichnls. 
man nicht wehren, man muß ſie ihren Muthwillen trei⸗ 

Il. Theil. Mu ben 

* Er redet von Anfechtungen und Denen läfterlichen Gedan⸗ 

cken, welche der Teufel ung eingiebt. Dor/ch. 

#%* Luther. Da muſt du gedencken, wenn er,der holliſche Trauer⸗ 
Geiſt, mit ſeinen Pfeilen alſo kommt, daß ſolche Gedancken 
nicht dein, noch, in deinem Hertzen gewachſen find, ſondern 
hl * Gedancken, die der Teufel eingiebt, und du muſt fie 





' 


674 B. I. C.53. Troſt wider die hohen 


beſn laſſen; aber dem Feuer wehret man, wie man kan. 
Yefa, 36. Und wie Hiskias dem Rabfake nicht webren kunte 
vi. ſeine Laͤſterung: Alfo Fan man auch dem Satan 
nicht wehren, Daß er nicht ausfpeye folche hoͤlliſche Fun⸗ 
cken. Das laß deine Seele leiden mit Schmertzen 
und Seuffzen; rede aber Die Laoͤſterungen nicht aus, ſon⸗ 
dern halt deinen Mund zu, wie Jeremias, Klagl. 3. 
v. 29. und daͤmpffe das inwendige Feuer, daß es nicht 
ausſchlage. Ja, weil ſolche Anfechtungen wider deinen 
Willen geſchehen, ſo iſt noch vorhanden der kaͤmpffende 
ED der roider die Anfechtung ſtreitet. 

So ift das noch ein groſſer Troſt, wenn noch 

So ein Seuffierkeini im Hertzen if, das nach GOTT 
Gluubeit feuffset, und noc) ein Woͤrtlein oder Sprüchlein aus 
Saufen GOttes YBort vorhanden ii: Denn das ift noch 
lein inder DAS Eleine Fuͤncklein des Glaubens und Geiſtes, fo da 
im Herten, ift als ein glimmendes Döchtlein, das wird GOtt 
Gep42.03. nicht auslöfchen laffen , fondern in der geöften 
Schwachheit erhalten. Das ift eine gewiffe Probe, 
daß der Heilige Geift noch da ıft, wiewol tieff verbor- 
gen; denn gleichtwie der Leib noch nicht todt ift, wenn 
fich das Hertz und Othem noch reger: Alſo iſt der Geiſt 
GOttes und Glaube noch nicht gaͤntzlich hinweg, wenn 
nur noch ein kleines dunckeles Seuffzerlein und ein 
Woͤrtlein GOttes vorhanden iſt: Denn das iſt noch 
das geiſtliche innerliche Leben der Seelen, die noch nicht 
gaͤntzlich todt iſt. Und damit muß man fo lange vor⸗ 
lieb nehmen, bis der freudige Seift wieder kommt, und 
die Seele wieder gaͤntzlich geſund wird. Denn ich ſetze 
as den Fall, es Eönte ein Menfch nicht mehr beten, ja auch 
betindn, Nicht mehr feuffzen, ja auch nicht mehr ans Gebet ge 
fechtung dencken, da fiheinets wol, als ware es allesaus: Denz 
ion. noch, wenn ihm angjt und bange darnach ift, wolte gern 
beten, Fang aber-nicht, thut ihm wehe in feinem Hertzen, 
und das iſt feine gröfte Klage und Angft, daß ers nicht 
Fan; ſo betet er doch damit, Daß ers Flaget, er Fonte es 
nicht, und daß es ihm innerlich wehe thut, daß er nicht 
Fan beten, und Daß es ihm hertzlich leid it, Eben Bank 
etet 


geiſtlichen Anfechtungen. 675 
betet er am hefftigſten. Und das iſt das unausſprech⸗ 
liche Seuffzen des Geiſtes, Nom. 8. v. 26. Und Roͤm 5. 
da wirds wahr, was Jeſaias geſagt bat Cap. 41. v. 7.*. 26. 
Die Armen und Elenden ſuchen Waſfer, und if 
nichts da, ihre Zunge iſt verdorret vor Durſt: 
Aber ich, der HErr will fie erbören, ich, der 
GOtt Iſrael, will fie nicht ee 
6. Db gleich ein Hers noch fo hart angefochten 

und ei ift , fo begeuget doch Gdttes Port, daß Bot in 
GoOtt in ibm wohne, und nit der Satan: De 
Satan iſt drauffen, darum ſtuͤrmet er, als ein Feind, 
dein Hertz mit feinen liſtigen Anlauffen. ı Joh. 4.0.4. 
Der in uns ift, iſt gröfler, denn der drauffen in der 
Welt iſt. Und Jeſ. 41. v. 10. Sürchte dich nicht, 
ich bin bey dir. Weil nun dieſe Seelen⸗Roth das Ks 
allergrafte Elend ift, das einem Menfchen wiederfah- 
von Fan, und aber GOtt verheiffen bat, daß er die 
Elenden anfebe, ja bep ihnen wohne, und Chri⸗ 
ſtum gefandt habe, den Elenden zu predigen, und 
alle Traurigen zu troͤſten, Zefa. 57.0. 175. Cap. 61. 
verſ. 2. C. 66. 0,2. Und auch der Sohn GOttes 
Matt). 11.0.28. ſolche Elende zu ſich rufft ſo toll 
keiner in ſolchem Elend verzagen. Denn ſolche Leute 
hat GOtt befohlen zu tröften. Jeſa. 3 5.0.3.4. Staͤr⸗ 
det die müden Haͤnde, erquicket die ſtrauchelnde 
Anie,fagt den verzagten Hertzen: Seyd getcoft, 
fürchtet euch nicht. Und GOtt hat gefagt: Meine 
Krafft ift inden Schwachenmächtig. Und Pau⸗ 
lus fagt 2. Cor. 12.0.10. Wenn ich ſchwach bin, 
jo bin ich ſtarck. Fa, es ift doch noch GOttes 
Gnade bey dem Menfehen, wenn ihn gleich des Sa⸗ 
tans Engel mit Zäuften fehlägt, 2.Cor. 1 2. 0.7.9.2. Cor. 1. 
denn eben zu der Zeit ſprach GOtt zu Dan: Laß dir 979 
an meiner Gnade genügen. 

7. So bat man Fein Erempel, daß GOtt ie- 
mals einen Mie;;fchen in ſolchem Elende und ho⸗u dt 
ben Anfechtungen hatte ——— ſondern vielmehr nen Eien 
Zeugniß, daß, wenn DT F T einen Delligen unge Bu yore 

42 


676 DB.u C.53. Troſt wider die hoben 


des Elendes wohl gelaͤutert und gefehmolgen, Jeſa. 
48. v. 10. die Erloͤſung gar gewiß darauf erfolget iſt. 


Naher Und das iſt ein groſſer Troſt, daß, wenn das Pruͤfe⸗ 


Anfechtung 


mird man 
gewiß ges 
sröfter. 


Tauleri 
Nachrich⸗ 
sung. 


daß er fich koͤnte laffen dem freyen Willen GOt⸗ 


Stuͤndlein aus ift, und der Wienfch die Probe ausges 
halten, gewiß die Erlöfung Fommen wird. Denn 
wenn die Zeit der Trübfalein Ende hat, fo Eommt die 
Freude überfehiwenglih. Hiob 5. v. ı7. ſeqq. Selig 
iſt der Menſch, den GOtt ſtrafet. Darum we- 
gere dich der Zuͤchtigung des Allmaͤchtigen nicht; 
denn er verletzt und verbindet, er zerſchmeißt, 
und feine „and heilet. Aus ſechs Truͤbſalen wird 
er dich erlöfen, und in der fiebenden wird dich Eein 
Ubel rühren. Er führet in die Holle, und wieder 
heraus. Darum foll fein Menſch verzagen in feinen 
hohen Anfechtungen, fondern eine Eleine Zeit lernen 
des HErrn Zorn tragen, Mich.7.0.9. bis die Sonne 
der Gnaden wieder aufgehet: Denn den Gerechten 
gebet immer das Richt wieder auf im Sinfkerniß, 
und Sreude den frommen Hertzen, JM. 112, 0.4. 
Di. U | ns. 
9. Tauterus zehlet die hoben Anfechtungen unter 
fonderbare Gaben BO£tes, und beſchreibet ſie alſo: 
In groffen Anfechtungen nimmt OOtt allesdem 
Menſchen, was er ihm zuvor gegeben bat, und 
will der Menſchen recht in fich felbft sum Grunde 
weifen, und will, daß der Mienfch febe und ers 
kenne, was er von ibm felbfE babe und vermöge, 
und wie er fich in diefer Entziehung feiner 
Gnade baltenwolle. Hie wird recht der Menſch 
vom Grunde gelaſſen, daß er nicht weiß von 
GoOtt, noch von Gnade, noch von Troſt, noch 
von allem, das er ie zuvor gehabt. , Dennes wird 
ihm alles entzogen, verborgen und genommen, 
daß der Mienfch denn nicht weiß, wo erfich hin⸗ 
wenden oder kehren foll. In diefer Entziehung 
ift dein Mienfeben hoch vonnöt en, daß er fich 
könte balten, als es GOtt von ihm baben will, 


tes 


* geiſtlichen Anfechtungen. 677 


tes und fein nem em Urtheil. Es iſt we wol ein groſſes, 
daß die beiliges Märtyrer ihr Keben durch GOt⸗ 

tes Willen gelaffen haben, denn fie batten GOt⸗ 

tes Troſt von innen, daß fie alle Marter fire ein 
Geſpoͤtt hielten, und frölich ſturben; aber es iſt 
kein Leiden diejen gleih, wenn man Ortes 

und ſeines Troſtes entbehren muß, denn das ge= 

bet über alle Dinge: Denn bier ſtehet im Mien- 
ſchen wieder auf alles Ungluͤck, und Bebrechen, 
uno Anfechtung, die der Mienfch zuvor überwun- 
den bat, die fechten den Menſchen wieder an, in 
der all erfchwer ſten Weiſe, viel mehr, denn da 
der Menſch in Suͤnden lag: Hier folte ſich der 
Menſch demuͤthiglich leiden, und ſich dem Goͤtt⸗ 

lichen Willen laſſen, ſo lange, als es GOtt von dem 
Menſchen haben wolte. Solche Leute nennet auch 
Taulerus die geiſtlichen Maͤrtyrer; denn ſie werden Seikliche 
alles geiſtlichen Troſtes beraubet, daß jie nicht wiſſen, Maͤrtoret · 
wohin jie fich Eehren füllen, und werden ſehr gepeiniget 
invendig, wenn fie fehen, daß andere Menfchen Gnade 

und Gaben des | Troſtes haben, Die ſie nicht haben und 
meynen allezeit, es ſey ihre Schuld, daß ſie die Gnade 
nicht haben: Und ob ſie gleich mehr Fleiß darzu 

thun, ſo werden ſie doch inwendig immer duͤrrer, und 
auswendig harter denn ein Stein, und koͤnnen unter 
weilen Feine Gedult haben, und werden alſo mehr. miß⸗ 

tröftig und gepeiniget, und ihnen düncket, fie erzuͤrnen 
SDtt in allen Dingen, und das iſt ihnen von Hergen 

teid: Endlich begeben Tie fich in Die Gedult, wiewol 
es ihnen ſchwer wird, und leiden fich, bis es G Sit wan⸗ 

delt, denn ſie ſehen wohl, daß ſie nicht foͤrder moͤgen kom⸗ 

men: Und dadurch werden ſie den Heiligen gleich in ei⸗ 
ner edlern Weiſe, denn fo werden ſie C Drifto aͤhnlicher, 

deſſen Leben voll war des Leidens, Diele geiſtlichen Wie bie 
Märtyrer find die Aermeſten unter allen, ſo da leben, S;; en 
nach ihren Gedanken, aber vor GOtt find jie die Ketzin ic 
cheſten; ſie ſind die Allerferneften von GOtt nach ihren Ördanden, 
Sonden, und find doch GOtt am alleenäbeften: Bol ind. 


un Ra | jie 





678 B.I. C.53. Troſt wider die hohen 


ſie ſind nach ihren Gedancken die Allerverworffen- 
ften von GOit und find doc) die Allerauserkohr⸗ 


neſten. Sie find nach) ihrem Empfinden GOtt die 


Allerungetreueſten, wiewol fie ihm die Allerge- 
treueſten und Ernſthaffteſten, feine Ehre zu for 
dern, und feine Unehre zu hindern, find; denn darum 
keiven fie. Sie befinden ftch angefochten mit mans 


cherley Dingen, darein fie nicht verteilligen wollen, 


. weiches ihnen ein fchwerer Leiden anthut, denn daß fie 


a &or. 5. 
v. 56, 
Ephef. 6, 
2. 16 


des natoͤrlichen Todes fterben ſollen; denn fie wollen 
gern ihr Sebrechen uͤberwinden und Die Tugend üben, 
und Fonnen doch nicht: Das macht ihnen ein groffes 
Leiden und inwendige Bekuͤmmerniß, als ob fie Die 
hoͤlliſche Dein lidien, und das kommt ihnen von groffer 
Treue und Liebe, ſo ſie zu GOtt tragen, wiwol fie 
daſſelbe an ihnen felbft nicht wiſſen. Sie halten ſich 
für Die allerboͤſeſten Menſchen, die in der Welt feyn, 
und find Die Allerreineſten vor EOtt. 

Darum ſollen fie in ſtiller Gedult nd Sanfftmuth 
auswarten; denn leiden fie es nicht gedultig aus, * 
verlängern fie es: Denn nach dieſer finftern Nacht 
kommt ein klares Licht, welches fie boch exfreuet in- 
der Liebe GOttes, daß fie es nicht ausfpredyen koͤn⸗ 
nen, gleichwie fte zuvor ihre Traurigkeit nicht haben 
koͤnnen ausfprechen, | 

Gebet. 


Sy a0 m es dir, mein GOtt vielmals gefällig ift, nach dei⸗ 

nem unerforfchlid,en, allein werfen und heilfamften Kath, 
deine Glaͤubigen mit hohen geifllichen Anfechtungen zu belegen, 
um fie derinnen die Kraft und Mache der Suͤnden, den Stas 
chel de8 Todes, den Fluch des Geſetzes, die feurigen Pfeile des 
Satans empfinden zu laflen, darüber fie in folche Betruͤbniß 
und Traurigkeit der Seelen verfallen, daß weder Gottlicher 
noch menfchlicher Troft bey ihnen etwas hafften will, alfo daß 
fie fehier versweifein mochten; fo bitte ich dich, barmhertziger 
Vater, du wellefi folche Elende und Betrübte, wo die auch ſeyn 
mögen, in ihrer Angft und Noth nicht laſſen verzagen, fondern 
ihnen dunch deinen H. Geiſt raffiiglich vorhalten, daß ſolches 
ihr zugefchicktes Elend Bon dir, ihrem liebreichen Vater, bers 
komme, und fie dennoch deine liebe Kinder feyn und bleiden ; 
daß du, HErr, fie fo viel und groſſe Augſt erfahren läffeft, — 

n 














aim 


































































































































































































Mnn öä ggöüß“ 


— —— 























Das Andere Buch, Cap.LIV. pag 679 
Hier iſt ein Sieb, wodurch dag Geträide, wenn es gerüftele 
und gefchüttelt wird, von dem Staub und andern Unflath geſaͤu⸗ 
bert wird: Alfo, obwol ein Chrift auf GOttes Zulaffung von 
dem Satan, ale wie der Weihen, durch allerhand Anfechtung 
gefichtet wird, fo muß es Ihm doch gut ſeyn weiler dadurch nur 
defto mehr. von den noch anflebenden Laftern gefaubert wird. 


Hebr. 12, verſ. ro, 


GoOtt zuͤchtiget uns zu Nutz, auf daß wir feine 
Aeiligung erlangen, ; 
| Dilhme du bift, ven GOtt zum Kind erwehlet hat, 
Laß dich zur Ungedult und Zagheit ja. nicht reißen, 
. Sm Fall dic) Satan fichter wie den Weiten, | 
Nach deines Vaters heirgen Rath: 
Wie arg der Menfchenz Feind 
Es immer meynt, 
Muß alles doch zu Deinem Heyl gedeyen. 
Der Wirbel⸗Wind, der dir vermeyntlich Abbruch thur, 
>. ft in der That dir nuͤtz und gut, ; 
Und ſcheidet nur die Körner von den 
retten. 
Es muß dag Hertze javon allem Unbeſtande, 
Und Wanckelmuth, und falſchem Heuchel⸗ 
Schen 
Sn dieſem Jammer⸗Lande 
a, Sefaubert feyn, 
Soll es dem Herren deinem GOtt 
N Fin reines Brod, 
Ein angenehmes Dpffer geben, 
Und wohlgefällig feyn in Dem und jenem Leben, 
Drum leide dich, erfeuffe, und ſtehe ftille, 
Wenn dich der Boͤſewicht verfolge und draͤngt; 
Gedenck: Es it des liebften Vaters Wille, 
Der ſolches über mich verhängt, 

Der Widerfacher wird, und wär er noch fo wild, 
Mir meinen theuren Schatz, den. Glauben, 
Weil meines Heylands Fuͤrbitt ewig gilt, 

So wenig durch Gewalt, als falfche Tuͤcke rauben, 


° geiftlichen Anfechtungen. - 679 


nach deiner gnädigen Verheiffung, fie wieder lebendig machen, Palm 71. 
und aus der Tieffe der Erden heraus holen wolleſt; und daß" 2% 

es dein gnaͤdiges Wohlgefallen, fie auf einem folchen Angft- 

Wege, und nicht anders in den Himmel zu führen: damit fie 

deinen väterlichen Zorn mit Gedult ertragen, und deiner Hülffe Mid. 7- 
ungesweifelt erwarten mögen. Solchesgieb und verleihe um * 
deines Sohns unſers liebſten Heylanzes und Seligmachers 

willen! Amen. i 


Das LIV. Copitel. 


"iR a \ — 2 
Troſt wider die innerliche, heimliche, 
verborgene Anfechtung des leidigen Satans 
durch boͤſe, laͤſterliche, Hertzeplagende, unruhige, 
aͤngſtliche Gedancken. 
Luc. 22. v. 31. 32. Siebe, der Satan bat euer be⸗ 
gehret, daß er euch moͤchte ſichten, wie den 
Weitzen; Ich aber habe fuͤr dich gebeten, 
daß dein Glaube nicht auf hoͤre: Und wenn 
du dermaleins bekehret wirſt, ſo ſtaͤrcke deine 
Bruͤder. | 
As der Satan für. ein grimmiger abgefagter Satan, ber 
Menfehen » Feind fey, bezeuget nicht allein Menichen 
Ä GOttes Wort an vielen Drten, als ı Betr. 5. gend. 
v.8. Seyd nüchtern und wachet; denn euer Wi⸗ 
derfacher, der Teufel, gebet umber, wie ein brül- 
lender Löwe, und fischer, welchen er verſchlinge. 
Eph. 6.0. 1ı2.1nd Dffenb. ı 2.0. 12. Webe euch, 
die ihr auf Erden wohnet, und auf dem Meer! 
Denn der Teufel kommt zu euch binab, und bat 
einen groſſen Zorn, und weiß, daß er wenig Zeit 
‚bat; und die Hiftorie des heiligen Hobs: Gondern 
die tagliche Erfahrung ftellets einem ieden vor Augen 
in fo vielen fehrecklichen und erbarmlichen Eyempeln 
und Fallen, ja in fo mancherley hoben und gefahrlis 
chen Anfechtungen, mit welchen manches frommes 
Hertz geangftet und gequalet wird, auf fo wunderliche 
mancherley unerhörte Weiſe, daß fich niemand dafür 
buten Fan, Bald verfucht er unfern Glauben, bald 
! Uu 4 unfern 


680. B. LE. 54. Troſt wider die innerliche 
unfera Beruff; bald ficht er unſer Geber an; welches 
uns alles vorgebildet wird in der Verſuchung Ccriſti, 
Matt 4. Matth. 4. v. 3. Daraus wir abnehmen Fönnen, Daß es 
Su Teuſel der Satan nicht a er verfucht alle DMenfchen, Eeinen 
— nicht, ausgenommen: Denn fo er unfer Haupt, den HErrn 
alle at CHriſtum, nicht. unde erſucht gelaffen, wie ſolte er doch 
ſchen. "einigen Menſchen unverfucht laffen? Dafür uns der 
Heorr warmer: Wachet und betet, daß ihr nicht 

. An Anfechtung faller, Matti). 26. 0.41. 

De | Unter andern Ynfechtungen aber hat der Catan 
Satans, auc) Diefe, daß er den Menſchen mir bofen, Läfterli- 
chen, —— unruhigen Gedancken plaget, 
dadurch er das Hertz aͤngſtet, martert und quaͤlet, daß 
es nimmer froh kan werden: Und ſolche boͤſe Gedan⸗ 
cken ſind ſo geſchwinde, ſo hefftig und sifftig, | daß man 
nicht einen Augenblick dafür Friede hat. Darum fie 
2.6, °. St. Paulus nennet feurige Pfeile des Boͤſewichts, 
PN iſt, gleichwie ein oͤffentlicher Feind eine Stadt mit 
Feuer aͤngſtet, alſo aͤngſtet der Satan das Hertz mit 
ſolchen hoͤliſchen Gedancken. Und gleichwie ein ver» 
giffter Pfeil einem ſchmertzhafftige Wunden machet, 
und unleidliche Wehtage: Alſo machen die feurigen 
Pfeile des Teufels folche Angſt und heimliche Schmers 
Ben der Seelen, die Fein Menſch ausreden Fan, darges 
sen alle Keibes-Schmersen, ja alles Unglück nichts zu 
rechnen iſt. Wider folche heimliche innerliche Anfech⸗ 


r 


tung, daraus groſſe Seelen⸗Angſt entſtehet, wollen wir 


Ttoft nun etliche Troſt⸗ Gruͤnde aus GOttes Wort anhoͤren. 
ehr Erſtlich, fo redetder HErr dieſe Worte: Siebe, der 
Chrifi Satan Hat euer begehret! gar pathetiſch aus, das ift, 
ar durch ein hertzlich Mitleiden, und beklaget dadurch un⸗ 
chem Ende ſer Elend mitleidentlich: Darum iſt das ‚gereiß, daß ſol⸗ 
— he Anfechtung Feine Zeichen ſind des Zorns EOttes 
iaß und Ungnade uber den Menſchen, daß uns GOtt das 
durch wolle verderben laffen, und dem Catan in die 
Nappufe werfen: fondern es it cine ſcharffe Zucht⸗ 
Rebe, dadurch GOtt der HErr den Menſchen demuͤ⸗ 
thiget, wie das Excmpel St. Petri bezeuget, daß . 

er⸗ 


Anfechtung des leidigen Satans. . 681 





Vermeſſenheit zu feiner ſchweren Verſuchung und Sal 
Urſach geben. ı Und Er. Paulus ſpricht, 2. Cor. 12. 2. Cor.ız. 
0.7.09. Drnit ich mich nicht uͤberhebe iſt mir gege⸗78 
ben ein Pfahl ins Sleifeh,nemlich des Satans En⸗ 
gel,der mich mit Säuften ſchlaͤgt, dafuͤr ich drey⸗ 
mal den SErrnu geflebet, daß er von mir wiche; 
aber er bat zu mir gefagt: Laß dir an meiner 
Gnade gnuͤgen; dem meine Brafft iſt in den 
Schwachen maͤchtig. Dieſer Spruch Et: Pauli 
lehret ung dreyerley: Krfklich, daß St. Paulus, und 
alle die, fo angefschten werden, Durch folche Schläge | 
des Satans gedemutbiget werden: (2) Daß es Durch 
GOttes Rath gefehehe: (3) Dep gleichwol ein folcher 
angefochtene Menſch bey GOtt in Gnaden fey, ob ihn 
gleich der Teufel noch fo ſehr anficht, wieder HErr hie 
fpricht: Laß dir an meiner Gnade gnuͤgen. 
Den andern Troſt giebtuns dar Herr mit Diefen _ = 
Worten: Der Satan bat euer begebrets Da hoͤ—⸗ — 
ren wir, daß der boͤſe Feind wol begehret feine feurigen feinen Vers 
Pfeile mit Hauffen wieder uns auszuſchieſſen; aber — 
er darff nicht, es wird ihm nicht allewege zugelaſſen, ex von 80tt 
muß erſt GOtt darum fragen; Und wenns ihm gleich gueket 
GOtt erlaubt, fo feget er ihm doch ein Ziel, und hält ) 
ihn, wie einen Ketten Hund. - Darum St. Paulus 
fagt, 1. Cor. 10. v. 13. GOtt iſt detven,der euch 1. Eor. 10. 
nicht laͤſt verſuchen üuber eler Dermögen. Da’ » 
ſpricht St. Paulus: GOtt laͤſt dem Satan nicht 
zu; Er iſt getreu. Solches bezeuget das Exempel 
Hiobs, da dr Satan ſprach: Erlaube mir. GOtt 
ſetzet ihm aber ein gewiſſes Ziel; Hiob 1,0. 12. | 
Den dritten Troft giebt uns der HEir,daer 3 
‚richt: Ich aber habe fir dich gebeten, dag dein EA 
Glaube nicht sufböre, Wie der. HErr für uns ge- Fir Angcih 
beten habe, bezeuget das 17. Kapitel Johannis da er ſei⸗ unfter Ans 
ne Glaͤubige hoch und teuer feinem himmlifchen Vater lecbtuns. 
befieblet, daß er fie bewahre für dem Argen, und Ion. ı7. 
daß der Dater in ihnen, und fie in ihm bleiben mo: * + 
gen, daß er ja keinen möge verlieren von denen, 


Uss ſo 


682 B.II. C.54. Troft wider die inmerliche 


ſo ibm GOtt gegebenbat. Dis Gebet wird alle an⸗ 
gefochtene berrübte Hertzen erhalten, daß fie durch den 
Glauben in C Hriſto bleiben ud CHriſtus in ihnen auch 
durch den Glauben den Sieg behalten und uͤberwinden. 
* Den vierdten Troſt giebt uns der ſchoͤne Spruch 
ee Joh. 17.0. 21. wieder HErr für ung gebeten, und was 
unfern An er von GOtt erbeten, nemlich daß wir in CHriſto, und 
fehtungen. CHriſtus in uns bleiben möge. Nun fpricht Si. Jo⸗ 
hannes ı.Epift. am 4.0.4. Der in. euch iff, iſt aröfz 
1. 305.4. fer, denn der in der Welt iſt. In einem ieden Chri⸗ 
v. 42. ſten wohnet EC Hriftus duch den Slauben: Diefer herr⸗ 
liche Saft ift gleichwol bey dir, und wohnet in deiner 
Seele, wenn did) gleich der Satan nod) fo hefftig anz 
ficht. Muſte doch der Herr CHriſtus ſelbſt leiden, daß 
er vom Teufel verſucht wurde, und war doch GOtt in 
ihme, das iſt, die gantze Fuͤlle der Gottheit woh- 
nete in ihm leibhafftig und perſoͤnlich, Col. 2. v. 9. 
Derhalben darffſt du nicht gedencken, daß darum der 
Herr CeHriſtus nicht in dir ſey, ob du gleich verſuchet 
wirft: Haft du nun den HErrn EHrifkum bey Dir, fo 
laß den Satan immerhin ſtuͤrmen, CHriſtus wird fein 
Haus und Wohnung wohl er“Alten. So iſt ja auch 
der H. Geift bey Dir, welcher deiner Schwachbeit 
bilfft, und vertriee dich bp GOTT mit unaus- 
fprechlichen Zeuffzen, Roͤm. 8. v. 26. weiches Seuffs 
zen du ja in deinem Hergen empfindeft, und damit uͤber⸗ 
zeuget wirft, daß der Heilige Geift in Dir ift, der auch 
nicht von die weichen wird, wie der HErr fpricht, Joh. 
14.09.16, Ich will euch einen andern Tröfter ges 
ben, der bep euch bleiben ſoll ewiglich. So hat auch 
Gott geſagt, daß er in den bettübten Hersen wohne, 
Kein betruͤbter Herb Ean auf Erden ſeyn, Denn ein ſolch 
Herb, fb vom Teufel angefochten wird, Ich febe 
an den Elenden, fpriht GOtt der HErr, Jeſ. 57. 
v. 15. Cap. 66.0.2. Dis aber ift ein vechter Elender. 
—— Den fuͤnfften Troſt giebt uns das Woͤrtlein: Daß 
wit ungern dein Glaube nicht aufhoͤre. Ach wie iſt uns dis ein 
Gtanden groſſer Troft, daß uns der HErr bier vertroͤſtet, unfer 
erhalten, | Slaube 


Anfechtung des leidigen Fatansı 683 


Glaube folle nicht aufhören, es folle allezeit noch ein 
Fuͤncklein des Glaubens bleiben, dos glimmende Jeſ 42. va3. 
Döchtlein foll nicht gar verlöfihen, obs aleich nod) 

in ſo geoffer Schwachheit zugehet, Daß wir offt dencken, 

der Glaube ſey gar verloſchen, weil wir keinen Troſt 
empfinden koͤnnen: Dennoch ſoll der Glaube nicht ne su 
aufbören, fpricht ver HErr. Ja, ſprichſt du, wobey dag * 
fol ich das mercken? (1) An deinem Verlangen Haube 
nach dm Glauben: Denn gerne wollen gläuben, und phrer in “ 
ein erlangen haben nah dem Glauben, das ift das Aafech⸗ 

wahrhafftige lebendige Süncklein des Glaubens. @y"* 
Merckſt du, daß Du in deinen hohen Anfechtungen den 
Glauben noch haft, an deinem Aampff und Streit 

mit den Anfechtungen, wenn du mit ihnen kaͤmpffeſt, 

denn wo der Kampff und Streit ift, da iſt der Glaube; 

den Kampff aber und Streit merckeſt du dabey, daß 

Dir folche 2infechtung, und böfe lafterliche Gedancken 

wider Deinen Willen twiederfahren , und thut die fo 

wehe, als wenn man dich mit Fauften ſchluͤge: Was 

nun wider des Menfchen Willen geſchicht, das ift der 

Kampff des Glaubens, das rechnet dir GOtt nicht zu 

ur &ünde. Denn das iftallein krdammlihe Sünde, Verwilli 
darein der Menſch verwiliger: Der böfe Wille ber Shen 
flecket des Menfchen Seele. Hätte Adam nicht ver verdamm- 
voilliget in des Teufels Eingeben, fo waͤre ver rein 9 
gexiieben von allen Suͤnden; fo bald er aber feinen “ 
Be ins Teufels Willen gab, da- fiel er in Die | 
Suͤnde. Alfo ift das Feine Suͤnde, was der Menſch 

wider feinen Willen leiden muß, Wenn der Feind, Gleichniß 
fo vor der Stadt liegt, Feuer hinein fehieffet, das muß 

man zwar leiden, aber gleichtwol zufehen, Daß ınans 

loͤſche, fo viel man Fan: Alfo Eönnen wir arıne Mens 

ſchen dem Eatan nicht wehren, daß er nicht feine feu⸗ 

tige Pfeile in unfer Hertz ſchieſſet: aber weil wir nicht 

darein verwilligen, fondern widerſtreben denſelben, fo 

muffen fie endlich verlofchen, und koͤnnen ung nicht fchas 

den. Da fehen wir denn, daß unfer Glaube nicht 


aufbore,. 
So 


684 ». 1.8.54. Troſt wider die innerliche 


——— So nun unſer Glaube nicht ſoll auf hoͤren, ſo muß 
— endlich der Sieg folgen, derſelbe giebt uns den fech- 
geben. Fkeir Troſt, nach dem herrlichen Epruch, J0).14.0.30. 
Eiche, es lönunt der Sürft diefer Welt, und * 
nichts an mir. €. 16.0. 33. Seyd getroft! 7 
babe die Welt überwunden, Alles, was Chris 
gethan hat, das hat er ung zu gute gethan; denn erift 
un fer mit allen [einem Verdienſt und Woh thaten. 
eHiti Darum weil er den Catan überwunden hat, ſo bat er 
oder Ihn nicht allein für feine Perſon überwunden, fondern 
if unger jur uns alle, wie folches das Vorbild. des Etreits Da— 
— vids mit dem Goliath bezeuget, ĩ. Sam. 17.0.1.f09. 
u. Betcher Streit zu dem Ende angefangen war, daß, 
wenn Goliath den Sieg erhalten würde, und David . 
ſchlagen, fo folten alle Kinder Iſtael der Philiſter 
Knechte ſeyn; wuͤrde aber der David den GSeliath 
fchlagen, fo fölten alle Pbilifie Iſraels Knechte fepn: 
Gleichwie-nun Davids Sieg für das gantze Volck 
galt, alfo gilt CHriſti Sieg und Überwindung allen 
Gläubigen, Darum tt EHrifti Sieg unfer 
mie St. Paulus jpricht, Epheſ. 6. v. 10. Seyd ſtarck 
in dem SErrn, und in der Macht feiner Staͤr⸗ 
cke, ꝛc. Ingleichen ı. Cor. $.0.57. GOtt ſey Danck, 
der uns den Sieg gegeben hat, durch unfern 
HErrn IEſum CHriſtum! 
— Den ſiebenden Troſt geben uns die Exempel 
der Heiu. Ver Heiligen, die auch hefftig vom Teufel angefochten 
gen» worden davon der HErr hier ſpricht: Und wenn du 
dermaleins bekehret wirſt, ſo ſtaͤrcke deine Bruͤ⸗ 
der. Damit weiſet uns der HErr auf die Exempel 
unſerer Mit⸗Bruͤder, ſo auch vom Satan angefoch⸗ 
ten werden. Darum ſagt St. Petrus 1. Petr. 5.0.9. 
Wiſſet, daß eure Brüder in der Welt eben daſ⸗ 
ſelbige Leiden baben. 
Pan Und lerstlich Das £rempel unfers Errn JEſu 
CH, Cé«riſti ſoll uns billig troͤſten. Der war GOttes lieb⸗ 
— ſtes Kind; dennoch ließ ihn GOtt aufs hoͤchſte vom 
"= Satan verſucht werden, alſo daß ihn auch der Satan 
mit 





+ Anfechtung des leidigen Satans. 685 





mit ſich geführet, und nach feinem Muthwillen mit ihm 
gehandelt, welches kein Menſch begreifen Fan, daß 
der Satan fo viel Gewalt haben fol. Aber es iſt der 

tand der Erniedrigung CHriſti geweſt, da er fich ſei⸗ 
ner Goͤttlichen Majeſtaͤt geauffert , auf daß er als ein 
Menſch Eönte verfucht, und feinen Brüdern gleich wer⸗ 
den. Das Exempel Hiobs, Das Erempel St. Dauli 


foll uns auch tröften, ve. | 
| Gebebet. 


Boreiger und gnaͤdiger GOtt, der du uns in deinem 

Worte fo treulich warneſt für des Teufels Trug und Liſt, 
und befichleft ung müchtern gu feyn, und zu wachen, weil der 
Teufel umher gehet wie ein bruͤllender Loͤwe, und fuchet, wel: 1. Petr. 5, 
hen er verfihlinge ; Sngleichen : Wachet und betet,daß ihr nicht % 8- 
in Anfechtung Faller; der Geift ift willig, aber dag Fleiſch ift Matth; 26, 
fhwach! Ich age und bebenne dir, daß ich. offt durch meine eu 
Sicherheirund Nachlaͤßigkeit dem Satan Urfach gegeben habe, 
mich zu verſuhen, mein Gewiſſen zu ängiten und zu plagen, 
ihm auch Thär und Fenſter aufgerhan. Sich bitte dich hertzlich, 
vergieb mir diefe meine Sicherheit, gieb mir Ehriftliche Fuͤrſich⸗ 
tigkeit und Klugheit, daß mich der Satan, der fic) in einen Enz 2, Cor, ır, 
gel des Lichts verſtellen kan nicht mit feiner Lit; wie die Evam, 8.14, 3. 
_betzüge und abfuͤhre vonder Einfalt in CHriſto JEfu ; Daß er 
mich nicht miöge fichten wie den Weisen; daß er mich nicht £ue. 22, 
‚durch Geiß, Hoffart und Wolluft, ald durch feine Stride, in v. 31. 
groffe Sünde, ind Verderben und in Verzweiffelung flürge. £ue. 22, 
Ah ftärche mich mit deinem Geiſt daß mein Glaube nicht auf v.32. 
höre! Laß das glimmende Toͤchtlein meines Glaubens nicht Jeſ.42. v.3 

verloͤſchen noch das zerftoffene Nohrvollendzerbrechen. Sey Matt. ı2, 

du mein Licht und mein Heil, daß ich mich nicht fürchte ; ſey du o =0. 
meins Lebens Kraft, daß mir nicht graue. Laß mich unter Df.27.0.1. 
dem Schirm des Hochften figen,und unter dem Schatten des T?T b. 1. 
Allmaͤchtigen bleiben, O du meine Zuverficht, meine Stärde, yr. 13, 0.7, 
meine Burg, mein GOtt, aufdenich hoffe. Du haft der hoͤlli⸗ 1.3. Mof, 
fehen Schlangen den Kopffzutreten; du haftja ven Fürften die; 3:0. 15, 
fer Welt überwunden, er hat nichts an mir und an allen deinen JOb- 14. 
Gliedern. Du hakja,o HErr EHrifte, dem ſtarcken Gewap⸗ RM . 
neten feinen Harnifch genommen, darauf er fich — * und den o 
Raub ausgetheilet. Du haft dem Starcken feine Gefangene Jeſ. 49. 
los gemacht, und dem Rieſen feinen Raub genommen; Du d.25- 
Haft ung erretfet von der Obrigkeit der Finfterniß, und verfege Eolofl 2- 
in dein Reich; An dir haben wir ja die Erlöfung durch dein — 
Blut, nemlich die Vergebung der Sünden. Du haft ausgezo⸗ Eoloff.a, 
gen die Fürftenshüme und die Gewaltigen, und fie Schau ger v. 15. 

. tragen 


686 B.IL C. 54. Troſt wider die innerliche 


tragen Öffentlich, und einen Triumph aus ihnen gemacht durch 

Hebr. 2° fichfelbft. Du haſt durch den Tod die Macht genommen dem, 

v. 14. der des Todes Gewalt hat, das iſt, dem Teufel, und haft erlöfet 

die, fo dur Furcht des Todes im gantzen Leben Knechte feyn 

£ue. 10. muſten. Du haft allen Gläubiaen Macht gegeben über die 

v. 19. Schlangen und Scorpionen, und uber alle Gewalt des Fendes, 

er Eee und er Auf den Löwen und Ottern wirft du gehen, und tre⸗ 

eg, tzmauf sie jungen Löwen und Drachen. Ach mein GOtt und 
13.14.15, 16, HErr, laß mich ſtarck feyn in dir und in der Macht deiner Staͤr⸗ 
17, che. Lege mir an den Harniſch GOttes, daß ich beſtehen Fan gez 
gen die liſtigen Anlaͤuffe des Teufels, ſtaͤrcke mich, daß ich geruͤ⸗ 

ftet bin, wenn das böſe Stuͤndlein koͤmmt, daß ich alles wohl 
ausrichten, und das Feld behalten möge, Umgürte meinetenz 

den mit Wahrheit, zeuch mich an mit dem Krebs der Gerechtig⸗ 

keit, und rüfte mich aus mir dem Evangelio des Friedes, auf 

daß ich bereit bin. Giebmirden Schild des Glaubens, damit 

ich ausloͤſchen fan alle feurige Vfeile des Boͤſewichts. Setze 

mir auf ven Helm des Heil, und gieb mir in meine Hand dag 

Schwerdt des Geiftes, welches ifi das Wort GDites. Die. 

Waffen aber, o GOtt, muſt du in mir felbft führen, du muſt 

Pf. 18.0 35. meine Handelchren ftreiten, durch dich muß ich fiegen und übers 
5 Cor 10. winden. Der HErr ift mein Sieg, du bift getreu, nnd wirft 
Seren. 17. mich nicht laffen verfuchen über nein Bermögen, fondern wirft 
d.17. machen, daß die Ver fuchung fo ein Ende gewinne, daß ichs Fan 
B.91. v. 4. ertragen. Sep du mir nur nicht Schrecklich, meineZuverficht in der 
2, Chron. Noth, deine Wahrheit ift mein Schirmund Schild. Ach HErr, 
in mir iſt feine Kcafft zu widerftehen den mächtigen Feinden, 
v.9.  _ fondern meine Augen fehen nach dir. Laß deine Krafft in mir 
Dizr. v.a 3. Schwachen mächtig ſeyn: HErr, auf dich traue ich, laß mich 
456 nimmermehrzu Schanden werden, errette mich Durch deine ©ez 
rechtigkeit, neige deine Ohren zu mir, eilend hilff mir, fey mir ein 
ſtarcker Felß und eine Burg, daß du mirhelffeft: Denn du biſt 
mein Feiß und meine Burg. Um deines Namens willen wols 
left du mich leiten und führen, du wolleft mich aus dem Netze 
ziehen, dag fie mir-geftellet haben ; denn du biſt meine Staͤrcke. 
In deine Hände Befehle ich meinen Geift, du haft mich erldfet, 
9.133. 9:6. du getreuer GOtt. Ich hoffe darauf, daß du fo gnaͤdig biſt, 
mein Herg freuet fich, daß du fo gerne hilffeſt. Sch will dem 

HErrn fingen, daß er fo wohl an mir thut. Bebüte mich HErr, 

Pher7 0.8. wie einen Aug Apffel im Auge, beſchirme mich unter dem Schat⸗ 
VPſalm is. ten deiner Fluͤgel. Wenn mir angft it, ſo ruffe ich den HErrn 
v.7.36 an, und ſchrehe zu meinem GOtt, ſo höret er meine Stimme von 
ſeinem Tempel, und mein Geſchrey kommt vor ihn zu ſeinen 

Ohren. Gieb mir den Schild des Heils, deine rechte Hand 

ſtaͤrcke mich, und wenn du mich demuͤthigeſt, macheſt du mich 
Pſalm 25. groß. Meine Augen ſehen ſtets zu den HErrn; denn er wird 
D.15. meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir, und ſey 
Pr1,d.7, mir 


* 


Anfechtung des leidigen Satans. 687 


a 8 
mir gnaͤdig; Der HErr iſt meine Staͤrcke und mein Schild, auf 

ihn hoffet mein Hertz, und mir iſt geholffen, und mein Hertz iſt 
froͤlich und ich werde ihm dancken mit einem Liede. Der HErr, 
wird feinem Volke Kraffı geben, der HErr wird fein Volck feg- en 
nen mit Friede. Da ich den HErrn fuchte, antwortete er mir, ,, — I 
und errettere mich aus aller meiner Furcht. Weicheihnanfe 

hen uud anlauffen, derer Angeficht wird nicht zu Schanden. 

Da diefer Elende men der HErr, undbalffihm aus als 

Ien feinen Roͤthen. Der Engel des HEren lagert fich um die n 

her, fo ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Wenn die Gerech⸗ 

ten fehreyen, fo haretg der HErr, und erreftet fie aug aller ihrer 
Rothe Verwirffinih, HErr, nicht von deinem Angeficht, und Palm st. 
nimm deinen Heiligen Geiſt nicht von mir; Troͤſte mich wieder "+ 
mit deiner Hülffe wid der freudige Geift enthalte mich. - Mein 

lieber GOtt und Vater, du twolleft deine Barmbergigfeir und A 
Güte nicht von mir wenden, laß deine Güte und Treue mich ae? 
lewege behüten; denu es hat mich umgeben Leiden ohne Zahl; 

es haben mic) meine Sünden ergriffen, daß ich nicht fehen fan, 

ihr ift mehr, denn ich Haar auf meinen Haupte habe, und mein 

Hertz hat-mich verlaffen. ch bin arm und elend, der HErr 

aber forget für mich: Du bift mein Helffer und Erretter, mein 

GOtt / verzeuchnicht. Wirff dein Anliegen aufden HErrn, er Pſ. 5. v. 23. 
wird dich verforgen, und den Gerechten nicht ewig in Unruhe Li 
laffen. Seymirgnävdig, GOtt, fey mir gnädig, denn auf dich 9570.23, 
trauet meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel 


‚babe ich Zuflucht, bis das Unglück fürüber gehe. Ich ruffe “ 


GOtt dem Alterhöchtten, zu GOtt, der meines Jammers ein 

Endemaher Schaffens Beyftand in der Noch, denn Men: P.€o. 0.13. 

fchen - Quiffe ift Fein nuͤtze. Du läffeft mich erfahren viel und Pl-zıv.20, 

groffe Angft, und macheft mich wieder lebendig, und holeſt mich 

aus derZieffe der Erden herauf. Wenn ich nur dich habe, fo Malm 73. 

frage ich nicht8 nach Himmel und Erden, und wenn mir gleich "25" 2% 

Leib uno Seele verfehmachtet, fo bift du doch, GOTT, allezeit \ 

meines Hergens Troft und mein Theil. In der Zeit der Roth Pf. 77: v.3 

ſuche ich den HEren, meine Hand iftdes Nachts ausgeſtreckt, +5::7°5:9 

uno läff nicht ab; denn meine Seele will fich nicht troſten laß > 

fen. Wenn ich betrüber bin, fo denche ih an GOTT; wenn 

mein Hertz in Aengſten ift, fo rede ih. Meine Yugen hälteft 

du, daß fie wachen. Sich bin fo ohnmächtig, daß ich nicht re⸗ 

den fan, mein Geift muß forfchen: Wird denn der HErr ewi⸗ 

glich verjtoffen , und feine Gnade mehr erzeigen ? Iſts denn 

gang undgar ausmit feiner Gute, und hat die Verheiffung ein 

Ende? Hat denn GOTT vergeffen gnddig zu feyn, und feine 

Barmhertzigkeit vor Zorn verfchloffen? Aber ich fprach : Ich 

muß das leiden, die rechte Hand dee HEren Fan alles ändern. Pſalm go) 

GOtt, tröfte ung, Laß leuchten dein Anrlig über ung, fo genefen v. 4 6. 

wir, Du fpeifeft mich mit Thraͤuen⸗Brod, und traͤnckeſt mich PI86.v.7, 
mie 


63 B. II. C. 55. Vom Verzug 





mit groſſem Maaß voll Thraͤnen. Thue ein Zeichen an mir, 
daß mirs wohl gehe / daß es ſehen, die mich haſſen, und ſich ſchaͤ— 
ER men müffen, daß du mir mir beyfieheit, HErr, und kröſteſt mich. 
W.94-0.19. Sch hakte viel Befümmerniß in, meinem Hertzen, aber deine 
Pf 88.0.4 Troftungen erquickten meine Seele. Meine Eeele ift vol 
* Jammers, und mein Leben iſt nahe bey der Helle: Ich bin gez 
achtet gleich denen . die zur Holle fahren. Sch bin wie! cin 
Mann, ver feine Hulffe at. Dein Grimm drücket mid), und 
du drängeft mich mit allen deinen Fluthen. Sich. leide dein 
Palm 102. Schrecfen, daß ich fchier verzage. Sch bin wie eine Rohrdom⸗ 
v. 7.8. 11. mel inder Wüften, wie ein Kaͤutzlein in den verftörten Staͤdten. 
ch wache, und bin wie ein einfamer Bogel auf tem Dache, für 
deinem Drauen und Zorn, daß du mich aufgehaben und zu Bo⸗ 
Pſalm 102. den geftoffen haft. Ach HEer, du wendeſt ich ja zum Gebet der 
„18.19 Merlaffenen, und verfchmäheft ihr Gebet nicht, das werde ger 
fchrieben auf die Nachkommen , daß du dag Eeuffjen der Gr 
fangenen erhoͤreſt, und los macheft dis Kinder des Todes, 
Palm 116. Striche des Todes hatten mich umfangen , Anaft der Höllen 
v.3. 4.5. hatte mich troffen, ich fam in Jammer und Roth ; Aber ich ruffte 
anden Namen dee HErrn, HErr, errette meine Seele, denn du 
biſt gnaͤdig, und unfer EOtt ift barmberkig., Die mit Ihränen 
Palm 136. ſaͤen, werden mit Freuden erndten: Sie gehen hin und weinen, 
0.5.6. und tragen edlen Saamen, und formen wieder mit Sreuden, 
Palm 130, und bringen ihre Garben. Meine Seele wartet aufden HErrn 
0.7.8. von einer Morgen Wache big zur andern. Iſrael hoffe auf 
den HErrn, denn bey dem HErrn ift die Gnade, und viel Erlo- 
fung bey ihm, under wird Iſrael erlöfen aus allen feinen Suͤn⸗ 

den! Amen, 2 

Das LV. Capitel, 


Dom Verzug der. Göttlichen 
u Huͤlffe. 


Habac. 2.0.3.4. Die Weiſſagung wird je noch 
erfüllet werden zu feiner Zeit, und wird e: d⸗ 
lich frep an Tag kommen, und nicht auflen 

bleiben; ob fie aber verzeucht, ſo batre ibr, 

fie wird gewißlich kommen, und niche verzie⸗ 
ben. Siebe, wer balsfterrig iff, der wird 
Eeinne Rube in feinem Hertzen haben: Denn der 
Gerechte lebet feines Glaubens. 


Tro  GEIN diefem Spruͤchlein tröftet uns der Hei⸗ 
Graͤude. 9 lige Geiſt wider den Verzug Goͤttlicher 


x 


Huͤlffe. 
K 7, Wel⸗ 


Goͤttlicher Zülffe. 689 





1. Welcher ung zwar ein Verzug deucht; aber Wie 
1, ig, NE DER 

bey GOtt ift Bein Verzug, fondern ein ſtetiges Eilen Berzus 10g 
zur Huͤlffe; Denn dieweil dev allmachtige GOtt nach angejeben 
feinem unerforfehlichen allein weifen Rath, einen ieden 

denſchen fein Creutz abgesehlet , abgewogen und ger 
meffen bat, wieviel er Teiden ſoll; So lat GOtt der 
HErr immer eins nad) dem andern ergehen, und eilet, 
Damit die Zahl der Trübfalen erfüllet werde, und hilfft 
immer eins nach dem undern übertvinden, bis ans Ende, 
Und daffeibe deucht uns denn ein Verzug Göttlicher EN 
Huͤlffe. Aber wir wiſſen nicht, wie fehr GOtt damit Verugein 
eilet, dis Die beſchloſſenen Trubfalen erfuͤllet werden; Eee | 
darum was bey uns ein Verzug ft, das fi bey GOtt ein | 
jtetiges Eifen jur Erlöfung. REN va 

. Wer aber balsftarrig ift, das ift, im Creutz unge Habacız, 
horſam, ungedultig, der wird Feine Ruhe im Herhen ha" + 
ben, Denn die Gedult fanfftiget und ſtilletdas here, 
machets fein ruhig; Die Ungedult bringt aroffe Unruhe, 
ja ift die Unruhe felbi Darum ſpricht der HErr CHri⸗ 
ſtus Matth. rEI. v. 29. Lernet von mir, denn ich bin 
ſanfftmuͤthig und von Hertzen demuͤthig, ſo wer⸗ 
det ihr Ruhe finden füreure Seele, Daß aber der 
Prophet ferner fpricht : Der Gerechte lebet feines 
Glaubens; ſiehet er auf die Verheiffung dr Gnaden 
EHDttes, welcheder Glaube ergreift. Und von diefem 
Troſt ber die Seele, und wird Dadurch erquicket, wie 
der König Hiskias fpricht: HErr, davon lebet man, 
und das Leben meines Geiſtes ſtehet gantz und 
gar in demſelben, Jeſ 38. v. 16. Aus den Unglau⸗ 
ben aber kommt Ungedult, aus der Ungedult Unruhe, 
aus der Unruhe Verzweiffelung, aus der Verzweiffe⸗ 
lung der ewige Tod. Darum wird freylich der Ges 
rechte feines Glaubens leben, das ift, der Gnade 
GOttes leben, und mit Gedult der Hulffe erwarten. 

2, Denn es bat ein iegliches (wie der Prediger 
Salomon C. 3.0.1, $pricht) feine Zeit, und alles Dor- DAN daE 
nehmen unter dem Aimmel bat feine Stunde. derZeuofel 
Da wir horen, wie wir unfer Ereus und Trübfal ans verſeben. 

I, Theil, Xx ſchauen 


690 BU. &.s5. Dom Verzug 


ſchauen follen, nicht alfo, als ob es uns ungefehr zuge- 
ſchickt wurde; fondern daß eben die Zeit von GOTT 
verfehen und verordnet fey, darinn wir leiden follen. 
Derowegen wir in unferm Ereus unfere Augen aufhe⸗ 
ben follen zu dem, der alles. in feiner Hand hat, Glück 
und Unglüc, Armuth und Reichthum, Leben und 
Tod, welches alles von GOtt kommt, wie Sirach 

Cap. 11. verſ. 14. ſpricht; Ja, der auch die Zeit und 
Stunde der Trübfal infeiner Hand hat. Nehmet euch, 

.8 Woſ. deſſen ein Exempel von Joſeph, 1. B. Moſ. 37. v. 36. 
n Eap.41.0.1.f94. GOtt verhieng fein Creutz über ihn 
Erempel. in ſeiner Jugend, und ließ ihn darinn ſtecken dreyzehn 
Jahr, bis GOtt ſein Wort ſandte, und ihn durch⸗ 
laͤuterte und erloͤſete; wie der 105. Pſalm, v. 19. 

Bern ſpricht; Da wir fehen, wie ihm dieſer Verzug hat zu 
Hälfedie groſſem Nutz und Ehren, dienen müflen. Dennda er 
nerunsgu verkaufft ward, HE er ı 7. Jahr alt geivefen, und da 
iM ihn Gtt aus dein Gefängniß erlöfete, war er 30, 
1.8. Mof. Jahr alt, tüchtig zum Regiment, und durchs Creutz 
ER oh bewaͤhret und herrlich gemacht. In diefer feiner 
} Herrlichkeit hat er 90. Jahr gelebet, und iſt ihm Das 
dreyzehenjaͤhrige Ereuß wohl belohnet worden, daß er 

hernach fiebenmal dreygehen Fahr in groffer Herrliche 

keit gelebethat: Denn er ifthundert und zwantzig Jahr 

alt worden. Alſo, obwol mancher frommer Chriſt im 
Kercker der Verfolgung Schmach und Kranckheit lei⸗ 
GOtt hat det, fo ſoll er doch wiſſen, daß ihm von der ewigen 
bie Stunde Weisheit EDttes eine Stunde der Erloͤſung verordnet 
fung vers iſt, gleichwie ihm die Zeit der Trubfal von dem allein 
nis werfen GOtt verfehen ift. Denn gleichwie ein weifer 
Baumeiſter oder Haus-Dater, der feinem Geſinde Arz 

beit auferlegt, weiß, zu welcher Zeit und zu welcher 
Stunde fie mit der Arbeit Eonnen fertigwerden: Alſo 

hat der allein weife GOtt einem ieden fein Creutz zuge⸗ 

meffen, daß er auch gewiß weiß die Stunde, in welcher 

gg Sich andern fol. Und denn muß dem berrübten Her⸗ 
au die Hülffe zu dervon GDttes Barmhertzigkeit vers _ 

rdneten Stunde gewiß wiederfahren, 
3. Wie 


a Goͤttlicher Silfe.. 691 


TEEN 
3. Wie nun GEOtt der Almächtige ihm Die Zahl, 
unferer Trübfal vorbehalten: Alſo hat ex ihm Aloe Ein 
die Stunde unferer Erloͤſung vorbebalten ; und fans Kb 
daran füllen wir ung begnügen laſſen, daß wir folches gr 69 
wiſſen, und eingedenck ſeyn des Spruchs des HErrn, 
welchen et geſagt hat zu feinen Juͤngern, Ap. Geſch. 1, 
v. 7. Es gebuͤhret euch nicht zu wiſſen Srunbdeoder 
Zeit, 2 der Dater feiner Macht vorbehalten 
has. Als GOtt der HErr den Rindern Iſrael ihre zu⸗ 
Fünfftige Strafe der Babyloniſchen Sofa ngniß durch 
Moten verkündigen ließ, ſprach er: Iſt nicht ſolches 
bep mir verborgen, und verjiegelt i inmeinen Schaͤ⸗ 
en? 5. B.Moſß 32. d. 34 Da wir here n, mit was 
groſſer unerforfihlicher Weisheit GOtt die Menſchen⸗ 
Kinder regiere, ſtrafe und — wie auch Sanct 
Paulus Ap. Geſch. 17. v. 26. ſagt: GOtt hat ge⸗ Mp- Gef. 
macht, Daß von einem Bluts-Tropffen aller Men⸗7 "29 
ſchen Geſchlecht aufdem Erdboden wohnet; und 
bat Ziel geſetzt, und zuvor verſehen, wie lange und 
weit ſie wohnen ſollen. Da a wir, wie GOtt GOft bat 
denen Menſchen ihres Lebens Ziel gefest hat, wie fange d4 pen, 
und wo jte. auf dem Erdboden wohnen follen. Wie Trüofat 
nun Die Zeit, Die man leben foll , von GOtt kommn: perfebem 
Afoiftauhde er Grt von GOtt verfeh: en? da man leben 
fol, Dieſe aber von GOtt perſehene Zeit und Ort 
bringet einem ieden ſein Creutz und Truͤbſal mit fi h.- 

4. Wie nun GOtt der HErr ——— Glaͤubi⸗· ¶ 
gen Creutz und Truͤbſal ihr Ziel, Zeit und Dit geſetze — 
hat: Alſo hat er allen muthwilligen Meis hen, — 
die — 5 beleid digen, dri chen, la dern, ſchmaͤhen BILUON 
verfolgen, auch) ihre Zeit, Ziel und Maaß geſetzet. 
Wenn fie nun verfihäumer, und ihren Grimm ausge⸗ 
goſſen haben, ſo wird der I deß die Rache iſt, eine 
mal aufwachen; wie 5. B. Moſ. 32. v. 35. ſtehet: Die. 

Rache iſt mein, ich will ver gelten; zu feiner Zeit Rom. a, 

ſoll ihr Fuß gleiten, Denn die Zeit ihres Ungluͤcks "9 

iſt nabe, und ihr kuͤnfftiges eilet herzu. Es iſt wol 

ehe Die Kirche: GoOttes von den Ketzern und Tyrannen 
&r2 greulich 


692 B. 1.8.55. Vom Derzug 


greulich bis aufs Aufferfte verfolget worden, und hat 
Gott der Here den Satan eine lange Zeit wol aus⸗ 
bruͤllen und ausfihaumen laſſen; aber da ihre Zeit 
ausgewefen, hatfie GOtt alfo geftürget, daß alle Welt 
mit Furcht und Zittern Die Gerichte GOttes anfehauen 
muͤſſen. So fepd nun gedultig, lieben Brüder, 
und ſtaͤrcket eure Hertzen, fpricht St. Jacobus Cap. 
5.9.8.9. Denn die Zukunfft des HErrn iſt nabe, 
Seuffzʒet nicht wider einander, auf daß ihr nicht 
verdammet werdet, Siehe, der Richter iſt vor 


der Thür! 
Gebet. 


SP Hienihersiger himmliſcher Vater, ich erinnere dich in mei: 
nem langwierigen Creuß deiner gnädigen Verheiffung 
Palmso. und Zufage, da du fprichft: Nuffe mich an in der Zeit der 
2.1 Noch, fo will ich dich erretten, fofolt du mich preifen. Befiehl 
un 37° dem HEren deine Wege, und hoffe auf ihn, er wirds wohl 
Palm 55. machen. Wirff dein Anliegen auf den HErrn, der wird dich 
2.2. verſorgen, und den Öerechten nicht ewiglich in Unruhe laffen. 
Palm 62. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, fehüttet euer Herk vor ihm 
09 aus, denn GoOtt ift unfere Zuverficht. Ah HERR, du haft 
ja zugefagt zu erhoͤren; dein Wort fpricht ja: Du giebeft ihm 

feines Hertzens Wunfch, und weigerſt nicht, was fein Mund 

bittet; Er bitter dich ums Leben, fo giebft du ihm langes Leben 

Pfalm. 21. immer und ewiglich. Welche ihn anfehen und anlauffen, de: 
v.3. 5. rer Ungeficht wird nicht zu Schanden. Er begehret mein, fo 
Pfalm.34 will ich ihm aushelffen, er fennet meinen Namen, darum toill 
Mfalm gr, ich ihn ſchuͤtzen er ruffet mich an, fo will ich ihn erharen ; ich bin 
v.14. 15. bey ihm in der Noth, ich will ihn heraus reiffen, und zu Ehren 
Dfalm 145. machen. Der HERAN ift nahe allen, die ihn ancuffen, allen, 
v. i8. 19. die ihn mit Ernft anruffen; er hut, was die Gottesfuͤrchtigen 
Joh. 16. begehren, hoͤret ihr Geſchrey, und hilfft ihnen. Warlich, ware 
** lich, ich ſage euch, was ihr den Vater in meinem Namen bitten 
7— 7. werdet, das wird er euch geben: Bittet, ſo werdet ihr nehmen, 
7.8. fucher, ſo werdet ihr finden, klopffet an, fo wird euch aufgethan; 
Denn wer da bittef, der nimmt, wer da fuchet, der findet, und 

wer da anflopffet, vem wird aufaethan. Hoͤret doch, was der 

Zur: 18.125. ungerechte Richter ſpricht: Ich will diefer Wittwen beiffen, 
7.8. daß fie mich nicht mehr überlauffe. Solte GOtt feine Augs 
erwehlten nicht erhoren, fo Tag und Nacht zu ihm fihrenen, 

und Gedule drüber haben? Warlich ich fage euch, er wird fie 

erhoren. Ach guädiger Vater, dein Wort fpricht ja : Wenn 

die 





Goͤttlicher Zülffe. 693 


RN EL: ——— 
die Gerechten fehreyen, fo hoͤrets der HErr, und errettet fie Pſalm 34. 
aus aller ihrer Roth. Der HErr ift nahe bey denen, fo zubro- v. 18. 19.30, 
chenes Hergene find, und hilfft denen, fo zufchlagene Gemuͤ⸗ 
ther haben. Der Gerechte muß viel leiden, aber der HErr 
hilfft ihm aus dem allen. Ich habe dich einen kleinen Augen; Tef- 54 
blick verlaffen, aber mit groffer Barnıhergigfeit will ich dich "78 
toieder fammlen; ich habe mein Angeficht im Augenblick des 
Zorns ein wenig für dir verborgen, aber mit ewiger Gnade 
will ich mich deiner erbarmen. Ach lieber GOtt! gnädiger Palm 7ı. 
Bater, mich läffeft du erfahren viel und groffe Angft, mein ke- 29. 
ben hat abgenommen für Trübnifi, und meine Zeit für MA 31 
Eeuffjen, dag Gefichte vergehet mir, daß ich fo lange harren ÿſalm sp. 
muß auf meinen GOtt. Ach HErr! wie lange wilt du niel- vo. 4 
ner fo gar vergeffen? wielange verbirgeft du dein Antlitz für Plan 13. 
mir? Wie lange fol ich forgen in meiner Seelen, und mich fein 
ängften in meihem Hertzen täglich? fie denn gantz und. gar v.89 nn = 
aus mit deiner Güte, und hat die Verheiffung ein Ende? Hat 
denn GOtt vergeffen gnädig zu ſeyn, und feine Barmhertzigkeit 
für Zorn verfchloffen? Aber HErr, ich will daß gerne leiden, 
deine rechte Hand Fan alleg ändern. Nach dir, HErr, verlan- Palm 25° 
get mich, mein GDtt, auf dich hoffe ich, laß mich nicht zu fehan, " " 2. 
den werden, daß fich meine Feinde nicht freuen über mich ; denn 
Feiner wird zu ſchanden der dein harret, aber zu fchanden muͤſſen 
fie werden, die gottlofen Berächter. Ach HErr! dubiffgetreu, 1. Cor. 10. 
laß mich ja nicht verſucht werden über mein Vermögen, fondern 9 3: 
mache. daß die Verſuchung und mein Ereuß ein ſolch Ende ge- 
winne, daß ich Fan ertragen. Du bift ja der almächtige Jef59-d1. 
HErr deß Hand nicht verfürget ift, dir ift ja nichts unmoͤglich; 3 37 
HErr Zebaoth if dein Name, groß von Nath und mächtig von Perg : 
That. Du bift ja der Troft Sfrael und ihr Nothhelffer, war-y.g, 9. 
um: ftelleft du dich, ala wäreft du ein Gaſt in Rande, und ale 
ein Fremder, der nur über Nacht darinnen bleibe? Warum 
flelleft du dich als ein Held, der verzagt ift, und als ein Niefe, 
der nicht helffen fan? Du bift doc) ja unter ung, und wir 
heiffen nach deinem Namen, verlaß ung nicht. _ O HErr, nach) 
allen diefen deinen Berheiffungen und wahrhafftigem Wort 
laß mir Elenden und Armen, ber ic) lange vor deiner Gnadens » 
Thuͤr aufgewwartet und angeflopffet, Gnade, Hülffe und Troft 

wiederfahren, fo will ich dir ein Freuden-Opffer thun, Pl.ss. 98 

und deinem Damen dancken, daß er ſo troͤſtlich 
ift! Amen. 


mol 


Kr 3 Das 


* 


694 B. U. C. 56. Daß man inwährenden Creug 





Das LVI. Capitel. —R* 


Daß man in waͤhrendem Creutz das 
Exempel der hohen Gedult EHrifti ſoll an⸗ 
ſchauen, und die kuͤnfftige ewige Herrlichkeit, da⸗ 
durch alles Creutz gelindert werden kan, 
wie groß es auch iſt. as 
Luc. 24.9. 26. Mufte nicht Chriffus földyes kei= 
den, und su feiner Herrlichkeit eingehen? 


a an Cr ewige Cohn GOttes hat durch ferne heilige 
ae RE en ae! ’ 
Mensen Ks Menfhwerdung allen. menfhlichen Jam⸗ 
' Ei ut mer und Blend an fib genommen, nicht 
NE enoungen und aus Noth, fenvern auß Liebe, auf 
Daß cr ung mit feinem eigenen Exempel die Gedult leh⸗ 
rete, und die güldene Kunſt, das Ereug zu tragen, und 
die Truͤbſal zu überwinden, Da er te ein Menfch wer⸗ 
den wolte, da muſte er auc) annehmen, was menfchlich 
iſt, das sit, menfchlich Elend; und weiter allen Menſchen 
zu gute folte Menſch werden, mufte ex auch aller Diens 
eHriti fehen Jammer anfich nehmen. Datum von der Stuns 
de an feiner Geburth bisin feinen Tod am Ereus, iſt er 
fer Ber einicht ohne Truͤbſal, Schmerken und Jammer gewefen. 
Bleib Er hat alles menichliche Elend erlidten, grofle Arz 
muth, wie er Diatih: 8.0. 20. ſpricht: Die Pögelun- 
ter den Simmel haben ihre Neſter, die Küchfe 
Daben ihre Löcher, aber des Menſchen Jahn bar 
nicht fo viel,da er fein Haupt hinlege. Er bat 
"groffe Derfolgung erlidten in feinem Amte, es bat 
ib iederman gehaſſet, belogen, verleumdet, gelae 
ſtert. In feinem Leiden iſt ihm die höchſte 
Schmach wiederfahren; Er iſt der Verachteſte 
unter allen Menſchen geweſen, Jeſ. 53 der. 3. 
Warum wollen wir auch nicht Verachtung und 
Schmach tragen? Er hat für feine grafte Wohltha⸗ 


4 


ten den groͤſten Undanck bekommen, für feine herr⸗ 


liche Wunder⸗Wercke Scheltwort, für feine getreue 
Echte Berleumdung. 
N fl 
i Alſo 





4 























— — 





IIIILLIVIIVXIIIIITITIIVVVIVV 


Umgedrückt 
ungef: chickt. 






































Das Andere Buch, Cap.LVI. pag. 694 


Hier ifteineoffneBuchdrucker-Preffe,darinnen ein ungedruck ⸗ 


ter Bogen Papier lieget. Wie nun, wenn dasPapier nicht unter 
die Preſſe kommt, und gedruckt wird, man auf demfelben nicht® 
lefen Fan ; Alſo auch ein Chriſt, wenn er nicht unter des Lreutzes 
Preffe kommt, bleiverim Glauben ungefchickt, und lernet nicht 
recht auf Dies Wort merchen,dahingegen erunfer der Creutzes⸗ 
Preſſe ſich und andern mitfeinem Glaͤuben und Gedult bekannt 
und offenbar, auch dem Ebenbild Chriſti ähnlich wird: Daher 
er auch mit CHriſto dermaleing wird groffe Herrlichkeit haben. 
——— Her 
Alle Zuͤchtigung, wenn ſie da iſt, duͤncket ſie uns 


nicht greude, ſondern Traurigkeit feyn,aber dar⸗ 


nach wird fie geben eine friedſame Srucht der 
Berciheigkeit denen, die dadurch gehbet find. 
We nicht vom Creutze wird gedruͤcket, 
Der bleibet Gnaden⸗leer, 
zum Glauben ungefcbicer, 
Und faffer Das Geſetz des: Geiftes nimmermehr, 
Im Fall der Menfch den Willen GOttes ſoll 
In ſeinem Hertzen leſen, 
Und von der ‘Blindheit, der er voll, 
Durch fein Erkaͤnntniß feliglich genefen, 
So muß der Höchft aus väterlicher Mild 
Ihn in die Preſſe legen, 
Und des geereutzigten Erloͤſers Bild 
In fein Gemuͤthe praͤgen. 
Er muß durch manches Leiden 
Ihn faͤhig machen feiner- Freuden: 

Denn die allein, die feinem Sohne gleich, 
Sind tuͤchtig und bequem zum Himmelreich. 
ie felig find demnach zu nennen, 

Die ihren trauten Heyland vecht erkennen, 

In denen er durch Lieb und Glauben wohnt und lebt, 
Die feine Pein und Schmergn 

Gefuͤhlt in ihren Kerken, 

Und feinem Creutze nicht als Feinde widerſtrebt: 
Sie werden nie des Todes Schrei Bild fehen, 
Und wohl bereit 
Zur Herrlichkeit 
ns ewge Leben gehen. 


- 


das Erempel Chriſti anſchauen foll. 695 


Alſo iſt CHriſtus vor uns hergangen, und hat und Chriſti fo 
den Weg zum Himmel gegeiget, in deflen Sußftapffen 
müffen wie nun treten, 1. Petr. 2.0.21. Sein Leben ı.'Yerı- 2. 
ift unfer Epempel. Durch die heilige Gedult wandeln». =. 
wir ihn nach: Darum ift er uns vorgangen, auf daß 
wir ihm folgen follen. Wie fern und weit bleiben die 
dahinten, die dis Ebenbild nicht anfchauen, noch dem⸗ 
felben folgen! Wie wandeln Die in fo groſſer Finſter⸗ 
niß, die dieſem Lichtinicht folgen! Joh. 8. v. 12. fpricht 
der Herr: Ich bin das Kicht der Welt, wer mir 
nachfolget, wandelt nicht im Sinfterniß, ſondern 
wird das Kicht des Lebens haben. Da 

Es folte ein Menfch um der Fünfftigen Herrlichkeit 
und um des ewigen Kebens willen allen Sammer Diefer 
Belt leiden; denn die zeitliche Truͤbſal vergehet ja, 
Die ewige Zerrlichkeitbleibet, 2.Cor.4.0.17.18. Es SE 
ift Klein und kurtz alles Das, fo mit der Zeit vergehet, 
und des Eiwigen nicht wertb: “Denn das Ewige iſt viel 5 
eines guöffern Streits und Kampffs wert). Moͤchteſt Auf ae 
du einen. Augenblick fehen die Crone der Herrlichkeit, Ci yratder 
und die ewige Freude derer, Die in dieſem Leben Truͤb⸗ Chriſten 
fal und Elend erlidten haben, die vor den Menſchen Eier er 
nicht werth waren, Daßfie leben folten; duwuͤrdeſt dich 
unteralle Menfchen dvemüthigen, dein Creug mit Freu— 
den tragen, und die nicht viel fröliche Tage in Diefer 
Welt wünfchen, du wirdeft die Truͤbſal für einen 
geoffen Gewinn achten. 

Darum hebe deine Augen auf gen Himmel, und 
fiehe mit dem Evangeliſten Johanne in feiner Offen⸗ 
barung die groffe Schaar an, fo dem Laͤmmlein GOt⸗ 
tes nachfolgen, angethan mit weiflen Kleidern, da der 
Evangeliſt fragt: Wer find diefe? Und ihm wird ges 
antwortet: Dieſe finds, die kommen find aus grof Ofand. 7, 
fem Treübfal, und haben ihre Kleider gewafchen" "+ 
und belle gemacht in dem Blute des Lammes 
GoOttes: Darum find fie bep ihm, und folgen dem 
Zammenach, wo esbingehet, Dffenb. 7.0.14. Die- 
fes haben Die Heiligen GDttes angefihauet, wie von 
- Kr 4 Miofe 


696 B. I. C. 56. Daß man inwährendem Creutz 


Moſe gefchrieben ftehet, Ebr. ı 1.0.24.25.26. Durch 
den Glauben wolte Miofes, da er groß ward, 
nicht mebr ein Sohn beiffen der Tochter Pha⸗ 
raonis, fondern erweblere vielmebe mir dem 
Ser Dot OOttes Ungemsch zu leiden, denn die seit- 
liche £raözungen der Sünden zu baben: Und 
achtete die Schmach Chriſti für groͤſſern Reich- 
thum, denn die Schäge Kgppti; denn er fabe 
ER an die Belohnung, — 
Be Da hören, wir, daß der Heiligen Schaͤtze und 
Be der Hei Neichthunn ihr Creutz ſey geweſen und die Schmach 
lien. °. EHrifin Es gehoͤret niemand unter die Zahl der Heiz 
lisen im Himmel, die nicht unter der Creutz⸗ Sahne 
EHrifti aefteitten haben, Wie würden uns dieandern 
Heiligen im Himmel anfchauen, wenn wir das Zeichen 
Des Ereuges nicht mitbrachten? Sie würden ung nicht 
Kennen, und wir würden Fremdlinge unter ihnen ſeyn. 
Wer überwindet, ſpricht dee HErr, Offenb. 3. v. 5. 
der foll mie weiffen Bleidern angerban werden, 
und ich will ſeinen Namen nicht austilgen aus 
dem Buch des Lebens. Wie fprieht St. Paulus 
2. Tim. 4. v. 7.8. Ich babe meinen Lauff vollendet, 
ich habe Glauben gehalten; hinfort iſt mir bey⸗ 
gelegt die Crone der Gerechtigkeit, welche mir 
der gerechte Richter Eſus Chriſtus geben 
‚wird, nicht mir aber alleine, ſondern auch allen, 
die feine Erſcheinung lieb haben. 
| Gebet. 
2.8. Mof. Ach treuer, gnaͤdiger barmhertziger GOtt, gedultig und von 
31 v. 6. groſſer Guͤte! ich erkenne, daß du mir dis Creutz auferlenet 
und zugeſchicket haſt, aus Liebe und nicht aus Haß. Denn 
Hebr. 12. welche du, HErr, lich Haft, die zuͤchtigeſt u. und ſtaͤupeſt einen 
ns ieglichen Sohn, den du aufnimmſt; Du verletzeſt und verbindeft, 
a *du zuſchmeiſfeſt, und deine Hand heilet, du todteſt und macheft les 
1.Sum, „, dendig, erniedrigeft und erhöheſt, führeft in die Kelle und wieder 
v. 6. heraus; Du führeft ja deine Heiligen wunderlich! So du wilt 
Palm 4. lebendig machen, tsdteft du zuvorzſo du wilt zu Ehren bringen, fo 
* A demüthigef du erſtz fo du wilt erfreuen, fo betruͤbeſt du zuvor: 
IE Du zuchtigeſt die Deinen wohl, aber du giebeſt fie dem Tode nicht, 
Ir Du haſt mir, lieber Vater, den Gedult⸗Spiegel deines lieben 
Re. Sohnes 


das Erempel CArifti anſchauen ſoll. 697 


Sohnes fuͤrgeſtellet und befohlen, deſſelben Fußſtapffen nachzu⸗Pſalm rs, 
folgen. Ach ich armer Knecht / bin ja nicht beſſer denn mein HErr, 18° 
er it durch Leiden in feine Herrlichkeit eingegangen; Gieb.mir, y; Betty: 
daß ich alfo folge, und durch Trübfal ine Reich GOttes eingebe. areh io 
Gieb mir, daß ich bedencke, daß alle, die in CHriſto JEſu wollen ». 24. I 
gottſelig leben, die muͤſſen Verfolgung leiden. Ach laß mich deine Ap · Geſch. 
Zachtigung erdulten! denn dadurch etbeuteſt du dich. als ein Va⸗ * 
ter gegen deine Kinder. ch lieber Vater! wie Fan ſich meine — * 
Vernunft in dis dein Regiment fo gar nicht ſchicken daß ich ge⸗ Hebr. 12 
dultig fey in Trübfal, feslich in Hoffnung ;_da ich doch dag Joch v. 7. — 
CHriſti tilge welches ich williglich, ja mit Freuden tragen folte, Roͤm. 12. 
und nicht gezwungen. Alle Zuͤchtigung/ wenn fie da iſt/ Düne nn Im 
cket mich nicht Freude feyn,fonvernTrübfal; da fie doch hernach — N 
giebt einefriedfame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch Hebr. 12, 
geüber ſeyn. Darum gieb mir Gedult, o freundlicher Bater!d- au. 
Laß die Anfechtungen dein Wort nicht aus meinen Hertzen reiſ⸗ 
fen, den Glauben ſchwaͤchen, das Gebetdampffen, Ungedult und 
AUnftiede in meinem Hertzen erwecken. Ach bülffreicher GOtt! Hiob 6. 
laß mich nicht wider dich murren. Greif mich auch, lieber Va⸗ 1 _ 
ter, nicht ſo hart an gedencke, daß ich Staub und Aſchen bin daß F 
meine Krafft nicht fälern, noch mein Fleiſch eiſern iſt Ach HErr Sr 
rl CHriſte, getreuer Hoherpriefter! du bift ja in allem: ver= d 15. 
uchet, in dem wir verfuchet erden, du wirſt ja mit meiner 
Schwachheit Mitleiden haben. Laß mich Barmhertzigkeit und 
Gnade finden zu dieſer Zeit, da mirs nothift, Staͤcke meine Jelz5.b.3. 
müden Haͤnde, erhalte die ſrauchelnden Rute, daß ich nicht wanz de a 7° 
cke, fage zu meinem versagten Kerken: Dein GOtt iſt Konig. 35.4 
Du biſt ja allein der Muͤden Krafft, ver Schwachen Staͤrcke, ein 
Schatten für der Sonnen Hitze meine Zuflucht für dem Unge— 
witter! Und weil esja dein Wille ift, daß ich hier eine kleine Zeit 1. Petr, ı 
leiden und traurig ſeyn foll, fo verleihe Gedult und ftärcke mich," & 
u überwinden alles was mir der Satan und die Welt durch bein 
Berhängniß zu leide thut. Laß mich durch Stillſeyn und Hoffen Jel- 3% 
ſtarck ſehn daß mir geholffen werde; Daß ich im Glauben dar "U- | 
reiche die Tugend, in der Tugend Gedult, in der Gedult Gott —— 
ſeligkeit; damit mein Glaube rechtſchaffen und viel koͤſtlicher 1. Betr I 
erfunden werde, denn dag vergängliche Gold durchs Feuer ber a 
währe. D GOTT Heiliger Geift! du liebliches Freuden⸗ alm 45. 
Del, erfreue mein Hertz, und laß mich im Glauben anfchauen® & 
die künftige Herrlichkeit, deren diefer Zeit Leiden nicht merthy er 8 
iſt. Du biſt der Geiſt der Herrlichkeit, welcher uͤber allen Ver⸗ N 
folgten und Verſchmaͤheten ruhet: Du wirft mein Leid in 
Freude, mein Ereug in Ehre, meine Schmach in Herrlichkeit 
verwandeln: Dasgläube ich, darzu hilff mir 
gnadiglich! Amen. 


Er Das 


698 3.11. C. 57. Troft wider den 





- 


” Das LVII. Capitel, - 
Zroft wider den zeitlichen Tod. 


2. Qimoth. 1.9. ro, CAriftus bat dem Tode die 

Macht genommen, und bat das Leben und 

. ein unvergaͤnglich Wefen ans Licht ge 
bracht. 


Aehriep wi⸗ Jeſer Spruch begreift in fich die höchfte Arge 
ER nep und Frafftigen Troſt wider den zeitlichen 
od: Denn fo dem Tode die Mischt ge- 
nommen, follen wir billig nicht vor ihm erſchrecken; 
und fo das Keben und unvergängliche Weſen 
wiederbracht ift, follen wir uns billig freuen, das 
unvergangliche Leben und Weſen nach dem zeitlichen 
— Tode zu beiten. Weil aber kein Menſch in dieſer 
or Welt ſo heitig geweſen ift, der fich nicht vor dem Tode 
dem Tode, gefürchtet hatte, wollen wir Die vornehmſten Troſt⸗ 
runde wider den Tod befehen, und diefelbe in zwey 
Stehet in Theile abfaffen. Die erſten Haupt⸗Gruͤnde des Tro⸗ 
meld ſtes find genommen aus dem Tode und Auferfte- 
Sründen.- bung CHriſti, und aus deflelben FgFrucht. Der ans 
dere Theil begreift die Troſt⸗ Gruͤnde, fo aus der Welt 
Eitelkeit genommen feyn, Ein ieder Theil begreifft 
fieben Troſt⸗Gruͤnde. 

PLN 1. Der erfte und höchfte Troſt wider den seitlichen 
h en Tod ift der heiligfte und unfchuldigfte Tod unfers 
gen Tode, hEren IEſu CHriſti, dadurch er Den Tod uͤberwun⸗ 
ed, den, und demſelben die Macht genommen bat. «Des 
ausgemat® Todes Macht aber iſt immerwahrende Furcht, 
tet it. Schrecken, Angft, Zittern und Jagen vor dem geftren- 

gen Gerichte GOttes, damit Die Seele des Menfchen 
dequaͤlet wird, daß fie immer ftirbt, und Dach nimmer> 
Macht des mehr ftirbt, weil fie unſterblich iſt. Das iſt die Macht 
Tod, des Todes, ja der andere Tod, und der ewige Tod, 
Diefen Tod machet der Teufel immer fehrecflichers 

Hebr. 2. darum die Epiftel andie Ebraͤer C. 2.0. 14. fpricht, daß 
is der Teufel des Todes Gewalt babe, das iſt, er 
aͤngſtet 


seitlichen Tod. 699 
aͤngſtet und peiniget die Gewiſſen mit hoͤlliſcher Furcht 
und Schrecken, Zittern und Zagen. . Daruͤber der heil, 
Davidim 18. Pſ.v. 5. klaget: Angſt und Zittern iſt 
mich ankommen, und des Todes Furcht iſt auf 
mich gefallen. Der Hoͤllen Bande umfiengen 
mich, und des Todes Striche überwältigten mich, 
Die Baͤche Belial erfchreckten mich. Das ift Die 
Macht des Todes, Welche Macht der Herr Chri⸗ 
ftus dem Tode genommen hat,und hatihn verwandelt 
in einen fanfften Schlaf, in eine Friedefahrt, in eine 
felige Rubekeibes und der Seelen. Wenn die Seele Seelen 
ruhig ift, fo fehläft der Leid fanfftz denn der Seelen Skde des 
Friede ift des Keibes ſanffte Ruhe und Schlaf: Alſo Rube. 
empfindet Fein wahrer gläubiger Ehrift den rechten 
Tod, wie oh. 8.0. 51. ftehet: Warlich, warlich ich Jop.s.o.,r, 
fage euch: Wer mein Wort wird halten, der 
wird den Tod nicht ſchmecken ewiglich. 

2. Derandere Haupt-Qiroftifidie Auferſtehung 
ünferer Leiber; denn alſo hat der HErr CHriſtus guet 
dem Tode die Macht genommen, daß er nicht allein unz hung wel⸗ 
fere Seele nicht ängfte, fondern daß er auch nicht unfere Aa mel 
Leiber ewig behalten Fan: Denn wieder Tod EHrifti Auferfie: 
in ung Frafftig ift, daß wir des Todes Bitterkeit nicht Ina, web 
ſchmecken; alfo muß auch Die Auferftehung CHriſti in feten urs 
uns kraͤfflig feyn, daß unfere fterbfiche Leiber durch — 
ihn lebendig werden muͤſſen. | | ; 
0. Denn der erſte Grund unferer Auferftehung iſt die unferer 

Auferftebung Criſti, wie er fpricht, Joh. 14.d. 19, Muferfier 
Ich lebe, und ihr folt auch leben. oh, 1.0.25. @rund ik 
Ich bir die Auferftebung und das Keben, wer An ie Aufer 
mich gläubet, der wird leben, ob er gleich ſtuͤrbe. HL. 
Und wer da leber, und gläuber an mich, der wird 
nimmermebr fterben. Hiob 19.0. 25. Ich weiß, 
daß mein Krlöfer lebet, und er wird mich hernach 
aus der Erden auferwecken, und werde mit diefer 
meiner Haut umgeben werden, 1. Cor. 15. v. 21. 
22. Durch einen Menſchen iſt der Tod kommen in 
die Welt, und durch einen Menſchen die Aufer- 


ftebung 


700 B.Il. C. 577. Troſt wider den 


ſtehung der Todten: Denn wie ſie in Adam alle 
ſterben, alſo werden fie in Chriſto alle lebendig 
gemacht werden. 
um GOt· (2) Der andere Grund it GOttes Wahrheit. 
ea Jeſ. 26, v. 19. Aber deine Todten werden leben, 
müfen wie und mit dem Keichnam auferfteben. Ezech. 37. 
fe 9.5. 12.0 ſpricht der HErr von diefen Todten- 
\ einen: Siebe, ich willeinen Othem in euch brin- 
gen, daß ihr folt lebendig werden, ꝛc. Ich will 
eure Bräber aufthun, und euch, mein Volck, aus 
denfelben heraus bolen. Dam. ı2. v. 2. Diele, 
fo unter der Erden fehlafen liegen, werden auf: 
wachen; etliche sum ewigen Keben, etliche zur 
ewigen Schmach und Achande. Joh.5. v. 25.28. 
Werlich, werlich ich fage euch, es kommt die 
Stunde, und ift ſchon tet, daß dic Todten wer- 
den die Stimme des Sohnes GOttes bören, und 
die fie hören, die werden leben. Es kommt die 
Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern find, 
werden feine Stimme boren, und werden bervorz 
geben, die da Buts gethan haben, sur Auferfte- 
bung des Lebens, die aber Übels gerban baben, 
sur Auferſtehung des Berichts. Dffenb. 20.90.12. 
Und ich fabe die Todten bepde groß und Elein 
i ſtehen vor GOtt. 
umeHrini (3). Der dritte Grund iſt des HErrn Chriſti All⸗ 
gerrlih- macht und Herrlichkeit. Denn gleichwie er verkläret 
eit willen EN 8 3 e : 
müffen wir ward in Der Auferweckung Lazari, als errieff: Lazare, 
auferfiee komm heraus, Joh. 1.0.43. Alſo wird er am jüngften 
en age feine Herrlichkeit und Allmacht offenbaren, daB 
er uͤber Codte und Lebendige HErr fep, Nom. 14. 
v.9. Hoſ. 13.v. 14. Ich will fie aus der Kölle erloͤ⸗ 
ſen und vom Tode erretten. Tod, ich will dir ein 
Gifft ſeyn, Hoͤlle, ich will dir eine Peſtilentz ſeyn. 
GoOttes Iſt GOttes Gerechtigkeit. Denn gleich 
wie GOltes Gerechtigkeit. erfüllet it in dem Urteil: 
fere Aufer Du ſolt des Todesfterben, 1. B. Moſ. 2.0.17. Alſo 
ſtedung. muß GOttes Gerechtigkeit erfuͤllet werden ne 
a 


zeitlichen Tod. 701 
daß er uns wieder lebendig mache, weil die Suͤnde voll⸗ 
koͤmmlich bezahlet iſt, Denn wo die Suͤnde hinweg 
iſt, da muß auch der "Sinden Sold aufhoͤren: Und 
das erfordert GOttes Gerechtigkeit. 

(5) Sind die Erempel derer, die in dieſem Per es 

ben von Todten erwecket ſeyn: der Wittwen meckten. 
Sohn, 1. Kön. 17.09.22. Der Sunamitin Sohn, 
2. Koͤn. 4. 0.35.37. der Todte, fo vom Anruͤhren der 
Gebeine Elia wieder lebendig ward, 2. Kon. 13. 
v. 20. Jairi Tochter, Matth. 9.0.27. Der Witt 
wen Sohn zu Nain, Luc. 7.0. “ Lazarus, Joh. 11. 
v. 44. Die Tabea, Ap. Geſch. 9. v. 41. 

(8) EHriftus hat Leib und Sei sum etvigen Leben EHritus 
erkaufft und erlofer. ke u 

(7) Die fihonen Gleichniſſe aus der Natur ge⸗ erkaufft. 
nommen, vom Weitzenkorn, Joh. 12. v. 24. 1. Cor. | 
15.0.36. Du Narr, das du fäeft, wird nicht leben= 
Dig gemacht, es fferbe denm zuvor, 2c. Darum 
werden die Begraͤbniſſe GOttes Acker genennet. 

e iſt die Frucht der Aufer⸗ A 
ftehung CHriſti, das ewige Keben, und das unver=gi — 
gaͤngliche Weſen, das der Herr CHriſtus hatt wie⸗ ſtehung fol- 
derbracht. Denn gleichie alle Menſchen dem Tode re 
Unterworffen, wegen der Sünde des erften Adams: 

Alſo werden auch alle Menfchen durch den andern Adam 
in das Leben und unvergangliche Weſen verſetzet wer⸗ 
den. Offenb.2 1. 5, Siehe ich mache es alles neu. In 
dem neuen unvergaͤnglichen Weſen wird keine Suͤnde, 
kein Tod, kein Leid mehr feyn, ſondern eitel Gerechtig⸗ 
keit, Seben und Freude. Darum heiffer die Freude und 
liebliche Weſen das Paradis. PM. 16.0.1 1. Freude die paradia 
Fuͤlle und lieblich Weſen zu feiner Rechten ewig- \ 
lich, Solls ein Paradis feyn, fo muß Fein Leid, Erin Ge⸗ 
fehrey, Eein Klagen, Eein Betruͤbniß, Eein Send, fein 
Hunger noch Durſt, Froſt noch Hi, Fein Unglück noch 
Sammer da feyn: Denn das alles gehoret su Diefem verz 
gänglichen Weſen: Darum wird das ewige Keben ein 
unvergängliches, unbefledtes, AHRURRANEE 

rbe 


702 B.II. C.57. Troſt wider den - 


Wie altes Erbe genannt, 1. Petr. +.0.4. Das ift die herrliche 
— Frucht der Auferſtehung CHriſti; denn durch ihn iſt 
- umvergäng: alles wiedergebracht, und alles neu gemacht. Das 
lichen We⸗ Vergaͤngliche iſt verwandelt ins Unvergaͤngliche, das 
Hi Bermwesliche ins Unverwesliche, das Befleckte ins Un⸗ 
befleckte, das Zeitliche ins Ewige, alles Leid in Froͤlich⸗ 
keit, alte Traurigkeit in Freude, Die Stunde in Gerech⸗ 
tigkeit, der Zorn in Gnade, der: Fluch in Segen, die 
Armuth in Reichthum, Die Kranckheit in ewige Ge⸗ 
ſundheit, die erachtung in himmliſche Ehre, Die 
Schmach in Herrlichkeit, die Unruhe in ewige Erqui⸗ 
ckung, alle Mühe und Arbeit in volle Öenüge,der Tod 
ing Leben. In DIE unvergäanglihe Weſen Eommen 
wir durch den Ted, Der Tod iſt die Thür zum Leben 

und zu dieſen ewigen Guͤtern. 
N 4. Dervierdte Haupt⸗Troſt wider den Tod ift das 
—— Gebet. Denn wir ſehen, wie hefftig de Sohn GOt⸗ 
tes in ſeinem heiligen Todes⸗Kampff gebetet, wie die 
Gebet lin⸗ Schrifft ſaget: Es kam aber, daß er mit dem Tode 
En ang, und betete hefftiger, Luc.2. v.4. Und Ebr. 
am 5.0.7. Er bat am Tage feines Sleifches Geber 
und Sieben mit ſtarckem Gefchrep und Thränen 
geopffert zu dem, der ihm vom Tode konte aus⸗ 
belffen, und iſt auch erhoͤret worden. Eines Ster⸗ 
benden Gebet gehet von Grund des Hertzens, und 
durchdringet die Wolcken: Da iſts ein rechter Ernſt, 
und da iſt GOtt nicht fern. Pſ. 145. v. 8. Der 5Err 
iſt nahe bey denen, die ihn mir Ernſt auruffen. 
M.91.0.15. Ich bin bey ihm in der Noth, ich will 
ihn heraus reiſſen. Jeſa. 41. v. 10. Sürchte dich 
nicht, ich helffe dir,ich ſtaͤrcke dich, ich errette dich. 
5. 5. Die Verklaͤrung unſerer Leiber. Phil. 3. v. 
— 20.21. Unſer Wendel iſt im Himmel, von dannen 
zerfeiber. Wir auch warten des Heilandes IEſu EAriftides 
en + XErrn, welcher unfern nichtigen Leib verklären 
wird, daß er ähnlich werde feinem verkiärten 
Leibe, nach der Wuͤrckung, damit er Ban auch 
alle Dingeipmuntertbänigmachen. Laß mir das 
eine 


zeitlichen Tod. 703 


eine. groffe Herrlichkeit feyn, daß unfer Leib nicht 
‚allein den Engen GOttes wird gleich ſeyn, fondern 
auch dem verklärten Leibe FJefu CHriſti. Darum 
hat ſich der Sohn GOttes uns zu Troft auf dem 
Berge Thabor in feinem verklärten Zeibe geof⸗ 
fenbaret, und: fehen laffen, Matth, 17.0.2. Dare 9. 
v. 2.3. Daß er-inunfern Herken ein Verlangen erwe⸗ 
cke nach der Verklärung unferer Leiber. O welch ein Verklarung 
herrlicher Tempel GOttes wird denn unfer Leib feyn } Yultıer Lew 
Die heiligen guldenen Sefaffe im Haufe GOttes, groſſe Herr, 
der Königliche und Priefterlihe Schmuck! lichteit · 
6. Die Gegenwart der heiligen Engel, ſo un⸗ e. 
ſere Seele in Abrahams Schooß tragen. Unſere Ber Ense 
Seele koͤmmt in die Geſellſchafft der heiligen Engel, war. 
und zur ewigen Ruhe, welche heiſſet Abrahams 
chooß, Luc. 16. v. 22. Die Ruhe iſt, daß fie Feine Nube der 
Quaal des Todes anrübrer, Weish. 3.0.1. Daher Selen in. 
der 116, Pſ.v. 7. 8.9. ſagt: Revertere,anima mea,in Pfelm us, 
requiem tuam: Behre, meine Seele, wiederum in "7. 
deine Rube, denn der Afrr thut dir Guts; Er hat 
meine Seele vom Tode errertet, meine Augen von 
den Thränen, meinen SußvomBleiten. Ich will 
wandeln vor dem HErrn im Lande der Aebendi- 
gen immer und ewiglich, Da wird die Seele recht 
frey vom och des Leibes, wird als ein Befangener er⸗ 
löfet aus dem Kercker des tödtlichen Leibes. 
| 7. Die Eünfftigeewige Zerrlichkeit. Weish. 5. POLE 
v. 16.17. Die Gerechten werden ewig leben ;_ denn Hereliche 
der „AKrr iſt ihr Kohn, und der Hoͤchſte forger keit. 
vor fie; Darum werden fie empfabenein berrlich 
Reich, und eine fehöne Crone von der Hand des 
Errn. Dffenb. 7.0. 16. 17. Sie wird nicht mebr 
hungern noch- dürften, es wird auch nicht mehr 
über fie fallen die Sonne, oder irgend eine Hitze: 
Denn das Kamm, das mitten im Stuhl ift, wird 
fie weiden, und leiten zu den lebendigen Waſſer⸗ 
Brummen: Und GOtt wird alle Thränen von ih⸗ 
ren Augen abwiſchen. Jeſ. 32,17.18. Es wird allda 
ewige 


* 


704 BE, 57. Troſt wider den 


ewige Stilleund Sicherbeit feyn, daßmein Dold 
wird in Haͤuſern des Friedes wohnen, und in ſtol⸗ 
Ber Ruhe. Jeſ. 66. v. 122. 13. Ich breite ausden 
Frieden bep ihr, wie einen Strom. Ich will euch 
tröffen, wie einen feine Mutter teöfter. Ihr wer⸗ 
detsfehen, und euer Hertz wird fich freien. el.sr. 


Sef,65.0.,d. 13. Meine Bnechte ſollen effen, trincken und froͤ⸗ 


Freude des 


ewigen Le⸗ 
bens, wor⸗ 
inn? 


lich ſeyn, und vor gutem Muth jauchzen. Diß 
hl und Trincken iſt die liebliche Anſchauung GOt⸗ 
s; 1,608, 13.0. 12. Hie ſehen wirs im dunckeln 
Sigel, ‚dort aber von Angeſicht zu Angefihr. 
1.0500..39 2, Wir werden ihn ſehen wie er iſt. 
M.ı7r.v.ı5. Ich will ſchauen dein Antlitz in Ge⸗ 
rechtigkeit. Ich will ſatt werden, wenn ich erwa⸗ 
che nach deinem Bilde. O des freudenreichen Ta⸗ 
ges, wenn wir GOtt ſehen werden! Wie verlanget 
David darnach, Pſ. 22.0.3. Wennwerdeich dahin 
kommen, daß ich GOttes Angeficht fehaue? 
Wird deromwegen die Freude des ewigen Lebens 
darinn beſtehen; (1) Daß wir GOttes Angeſicht ſehen 
werden. (2) Daß wir CHriſtum IEſum unſern 
HErrn und Erloͤſer in feiner Herrlichkeit ſehen werden. 


 0b.17.d.24,. Dater, ich will, daß, wo ich bin, auch 


Melt Eis 
telkelt. 


die bey mir fepn, die du mir gegeben haft, daß fie 
meine Herrlichkeit ſehen, die du mir gegeben haſt. 
(3) Daß wir alle Gaben und Suͤßigkeit des Troſtes 
des Heiligen Geiſtes ſchmecken, als die lebendige 
Quelle, Pſ. 36.0. 10. (4) Die liebliche Geſellſchafft 
aller Auserwehlten, ‚Patriarchen, Propheten, Apoftel, 
Märtyrer, Jeſa. 35. d. 10. Alsdenn werden die 
Krlöferen des HErrn wiederfommen, und gen 
Sion kommen mit Jauchzen. Kwige Freude wird 
über ihrem Haupt ſeyn, Freude und Wonne wer⸗ 
den fie ergreiffen, und Schmergen und Seuffzen 
wird weg müffen, 

Und das ift der erfte Theil der Troſt⸗ Gründe wi⸗ 
der den Tod, ſo aus CHriſto genommen. Der andere 
Theil der Troft ⸗Gruͤnde wider den Tod find * 

dieſer 


zeitlichen Tod. MUS 


dieſer Welt Eitelkeit genommen. Derer find auch 

icben: a 
N 1. Diß Keben ift ein elend Leben. Sir. 40. v. . . 
Es ift ein elend jänmerlich Ding um aller Men- * erben 
feben Leben, von Mutterleibe en, bis fie indie Er⸗ gend 
den begtaben werden, die unfer aller Mutter ıft, re 
Wir fterben ja täglich, 1.Cor.ı 5.0.31. Denndie 
Zeit nimmt taglich ein Stuͤck von unferin Leben hinweg. 
Und indem wir an Jahren zunehmen , indem nimmt 
unfer?eben ab; Ja eben diefen Tag, den wir ießt leben, 
muͤſſen wir mit dem Tode theilen. Mit wieviel elenden 
erbärinlichen Kranckheiten iſt unfer fterblicher Leib ger 
plaget, die unfern Leib auffreffen als Gifft, bis er endlich 
dahin fallet? Mit wieviel Sorgen, Angft, Mühe und 
Arbeit bringen wir unfer Leben zu? Daß wohl der Pre⸗ 
diger Salomo fagen mag, C.7. v. 2. Der Tag des To⸗ 
des iſt beffer,denn der Tagder Geburt, Hiob7.v. 1. 
2.3. Muß nicht der Mienfch immer im Streitfepn 
euf£ırden? Und feine Tage find wie eines Tages 
löbners, Wie ein Änecht fich febnet nach den 
Schatten, und ein Tagelöhner, daß feine Arbeit 
aus ſey: Alfo babe ich wol gantze Monden ver- 
geblich gearbeitet, und elender Naͤchte find mir 
viel worden. Died ı4.v.ı1. Der Menfch vom 
Weibe gebohren lebet kurtze Zeit, und ift voll Uns 
ruhe. Wenn nun derMenfch felig ſtirbt, fo ſtirbt alle 

fein Elend mitihbm. 
2. So ift auch das Zeitliche Leben mit vielen __ e. 
Sünden und vieler Bosheit behafftet. Nicht DIE Leben 
ehe Eönnen wir vonder Sünde gänglich erlöfet und bes Sünden 
freyet werden, denn wenn wir feligfterben. Nom. 7. v. 35 
2 ann Paulus: ch febe einander Befeg" nr 
in meinen Bliedern, das da widerfkrebet dem Be= 
fep in meinem Gemütbe, und nimme mich gefan- 
gen in der Sünden Befeg, welches ift in meinen 
Bliedeen, Ich elender Menſch, wer wird mich Werlänger 
erlöfen von dem Keibe des Todes? Was thun wir utiule 
indiefer Welt anders, denn daß wir ſuͤndigen? Darum länaer Luf 
jener Alt» Dater bat, und ſprach: Ach HErr, laß I“ DINO 

nich 


IL Theil, Vy 


706 DB... 57. Troft wider den 


mich fEerben, daß ich einmal aufböresu ſuͤndigen. 
Alle Cresturen ſehnen fich ängftiglich nad) der 
Stepbeit der Rinder GOttes, daß fievon der Suͤn⸗ 
den Dienft möchten los feyn, Nom. 8.0. 21.22. Wie 
vielmehr wir? Wie voller Aergerniß ift die Welt, die 
wir muͤſſen anfehen und dulten wider unfern Villen? 
Aus denfelben werden wir erlöfet durch den zeitlichen 
od. Weish.4. v.7. 10. Der Gerechte, ob er 
gleich zeitlich ſtirbt, iff er doch in der Ruhe; 
denn er gefälle GOtt wohl, und iſt ibm lieb: 
Darum wird er weggenommen aus dein Leben 
unter den. Sündern, und wird bingerücker, daß 
die Bosbeit feinen Derftand nicht verkehre, noch 
Veish, 4. falſche Lebrefeine Seele betrüge 2c, Seine Seele 
„im gefällt GOtt wohl, darum eileter mit ibm aus 
diefem böfen Leben. Und in den legten Tagen wer⸗ 
den die Aergerniffe fo uberhand nehmen, daß die ges 
vechten Seelen Dadurch werden gequalet werden, wie 
CLoth zu Sodom; 2. Petr. 2. v. 8. Pred. Sal, 4. 
v. 1. 2. 3. Ich wandte mich, und ſahe an alle, die 
unrecht lidten unter der Sonnen, undfiebe, da wa⸗ 
ren Thränen derer, die unrecht lidten, und hat⸗ 
ten Beinen Tröfter. Da lobete ich die Todten, 
die fehon geftorben waren, mebr, denn die. Leben⸗ 
digen; Denn fie werden des Böfen nicht inne, ſo 
unter der Sonmen gefebicht. Welch greuliche 
Irrthuͤmer und Kesereyen find in Glaubens-Sächen, 
wie mancherley Religion, falfche Propheten, und falfche 
Chriſti, daß verfuͤhret möchten werden in Irr⸗ 
thum, wo es moͤglich waͤre, auch die Auserwehl⸗ 
ten! Matth. 24.0.24. Darum eilet GOtt mit den 
Seinen hinweg aus dieſem boͤſen Leben. Wie viel un⸗ 
erhoͤrter, erſchrecklicher, erbaͤrmlicher Faͤlle geſchehen? 
Wie viel Krieg und Blutvergieſſen, ſchrecklicher Hun⸗ 
ger und Peſtilentz? Welchen Jammer kein Chriſt zu 
ſehen und zu erleben wuͤnſchen ſoll. | 
3. Daß der Tod allen Menſchen gemein ſey. 
Dein, 5. d. 2. Der Tod iſt zu allen Menſchen bin» 


allen ges 
mein. durch⸗ 


. seitlichen Tod. 707 


—— 
durchgedrungen, dieweil ſie alle Suͤnder ſind. 
Sind fo viel herrlicher und heiliger Leute vor dir hin⸗ 
gegangen, alle Ertz⸗Vaͤter, Propheten, und viel tau⸗ 
ſend Glaͤubige, warum wolteſt du ihnen nicht folgen? 
Ich bin nicht beſſer denn meine Väter, faget der 
Prophet Elias, 1. Kön. 19. v. 4. nimm meine Seele 
von mir. Ebr. 9, verf.27. Es iſt allen Menſchen 
geſetzt, einmal zu fferben, darnach das Gerichte. 
ef. 40.0. 6.7. Alles Sleifch iſt Heu, und alle feine 
Güte wie eine Blume auf dem Selde. Das Acu 
verdorret, und die Blume verwelder: Denn des 
SErrn Geiſt blaͤſet darein. Pſalm 39.0. 13. Ich 
bin beyde dein Pilgrim und dein Buͤrger, wie alle 
meine Vaͤter. 

4. Stirbet ja kein Menſch ohngefehr; GOtt4. 
iſt ein HErr deines Lebens: Er hat deinem Leben Zeit deheß 
und Stundebeftimmet. Hiob 14.0. 5. Er bat feine Rirber ohn⸗ 
beffimmte Zeit, die Zahl feiner Monden ſtehet bey belebr. 
dir: Du haft ihm ein Ziel gefeget, das wird er 
nicht übergeben. Pſalm 90. verf.3. Der du die 
Menſchen läffeft fEerben, und ſprichſt: Kommet 
wieder, Mienfeben- Rinder, Pſalm ı 39. verf. 16. 

Ks waren alle meine Tage auf dein Buch gefehrie- 
‚ben, die noch werden fölten, und derfelben keiner 
da war. Matth. 10. v. 30. Alleeure Haare auf 
dem Haupte find gezehlet. 5. B. Moſ. 30. v. 20. 
Der SErr iſt dein Leben, und die Laͤnge deiner 


age. 
5. © iftder Tod ein groffer Gewinn, Dhil.r._ 2 

v. 21. Wir gewinnen im Tode mehr, denn wir verlie⸗ gu = 
ren, für die Sünde Gerechtigkeit, für Elend Herrlich winn. 
keit, für seitlichen Neichthum ewige Güter, für zeirti- Phler-n 

che Freundſchafft, Brüder und Schweſtern, ewige 
Freundſchafft und Brüderfchafft im Himmel, für den 
fterblichen,, krancken, ungeftalten Leib einen himmli⸗ 
ſchen verklärten Leib, für dis Exilium und Elend das 
rechte Vaterland, für Unruhe Friede, für die Welt 
das Paradis, Summa, was ift in diefer Welt, das 

, Yy 2 nicht 


— 


708. BI. C.57. Troft wider den 


nicht taufendmal beffer iſt im ewigen Leben. Wilt du 
Reichthum, Ehre, Herrlichkeit, Freundfchafft, Luft, 
Stiede? Dort wirft du alles beffer finden, 


"6 Der Menſch waͤre die elendeſte Creatur 

—* unter.allen, ſo er ewig in dieſem Jammerthal bleiben 
Barmhers folte ; ı. Eorinth. 15. verf. ı9. Aoffen wir allein 
— in dieſem Keben auf CHriſtum, ſo ſind wir die 
er unsaus Elendeſten unter allen Creaturen. Darum find 
iefem , wir zu einem beffern und bertlichern Leben erſchaffen. 
ihatmege Thut derowegen GOTT dr HERR durch den 
nimmt Tod grofle Barmberkigkeit an uns, Daß er ung von 
dem Sammer diefer Welt erlöfer, und nicht ewig in 

der Welt Unruhe läffer. Fel.s7.v.1.2. Die Gerech⸗ 

ten werden weggeraffet vor dem Unglück, und 

die richtig fuͤr ſich gewandelt haben, kommen 

. sum Sieden, und rubentin ihren Kammern, 
Dffend. 14. verſ. 13. Selig find die Todten, die 
im HErrn fterben, von nun an! Denn fr e ruhen 

von aller ihrer Arbeit, 


7. Mit diefenfindlichen en — Augen 
gedt koͤnnen wir GOttes Herrlichkeit nicht feben; 
gen Können noch mit dem ſterblichen Leibe den neuen Himmel 
m, und neue Erden beſitzen, darinn Gerechtigkeit“ 
wohnet, 2. Petr. 3. verf. 13. Darum follen wir 
diefe irdiſche Hütte gern ablegen, auf daß wir mit 
Berklärter einem himmliſchen Coͤrper und Leiſtlichen Leibe ange⸗ 
3 ein zogen werden: Denn nichts Toͤdtliches kan in der 
Shmuck Ewigkeit wohnen, nichts Suͤndliches bey der ewigen 
— — Gerechtigkeit. Darum iſts abermal eine groſſe 
Hoheit. Barmhertzigkeit GOttes, daß er uns diß ſuͤndliche be⸗ 
ſudelte Kleid auszeucht; denn da wird die ewige 
Hochzeit ſeyn: Ein ſchoͤnes Feyer⸗Kleid, denn da 
wird ſeyn der ewige Sabbath: Ein ſchoͤnes Plieſteri⸗ 
ches Kleid, denn da iſt das Allerheiligſte, in wel⸗ 
ches wir eingehen muͤſſen, geſchmuͤckt mit 
heiligem Schmuck. 


Gebet. 


r 


— 


[4 


Bir zeitlichen Tod. 709 


— —— — 


He GOtt und Vater, du haft um unferer Ethaltung 

willen eine natürliche Liebe zu diefem Leben in ung gepflan: 

get; aberwiedie Sünde in uns alles verderbet hat, fo ift auch 

diefe Liebe verfehret, daß wir nun über derfelben vergeffen des 

ewigen und himmliſchen Lebens, zum wenigften nicht nad) dem⸗ 

ſelben folche Begierde haben als wir folten. Ach HErr, vers 

gieb mir Diefe Sunde, und gieb mir deine Gnade, hier foinder 

Melt zu leben, daß mein Verlangen ſtets nach der feligen Ewig⸗ 

feit gerichtet fey, ich auch beftändig auf dem Wege wandele, der 

dahin führet. Lehre mich bedencken wie dis Leben nichts fey Jar. 4. 
als ein Dampff, der eine kleine Zeit währet, darnach aber verz - 14. 
ſchwindet. Verhuͤte in Gnaden, daß ich nicht ungeziemter Weife 

fuche mein Leben zu erhalten, Damit ichs nicht möge. verlieren Lue.9. b. 24 
ewiglich. Laß dig meinen Troft feyn, wenn ich gleich früh- 

geitig in deinem Dienfte, oder nach deinem Wohlgefallen um 
deinetwillen dig zeitliche Leben verliere, daß ichs alsdenn recht 

werde erhalten. Hilff, daß ich nimnter in deren Geſellſchafft 
gerathe, welche den Todfuchen, und er für ihnen fleucht. , Be: Of. Job. 
fiätiae in mir die Hoffnung, daß, weil ich andich gläube, durch 9. d- 6- 
den Tod ing Leben hindurch dringen werde, und immerdar ge 
wiß feyn moͤge/ daß weder Tod noch Leben mich feheiden Finne y.35.39, 


- von ber Liebe GOttes, die in CHriſto JEſu iſt. Wenn denn 


mein Lauf vollendet, und dag irdiſche Haus diefer meiner Huͤt⸗ 

ten zerbrochen werden fol, fo laß die Krafft des Todes JEſu, ? Cor. 5. 
feine, und aus derfelben flieſſende meine Auferftehung die Furcht &oh, u 
des Todes in mir tddten: Er ift auch im Tode. mein Leben, ;. 25.26, 
und wird mich fein Glied nicht im Grabe laffen. Du, o mein. 
Erlöfer, haft die Bitterkeit des Todes acfoftet, du weiſt das Za⸗ 

gen.der Natur in diefem Kampff. Ach geuß aus deinen Geiſt 

in mein Herge, der mich denn führe zu deinen Wunden, und 
daburch mic) ftärcke. Zeige mir im Geift und Glauben mein 
fünfftiges Erbe die Herrliche Wohttung in meines Vaters Haufe, Joh.14.n.m 
damit ich durch Anfchauen deffelben, und Vorſchmack des ewi⸗ 

gen Lebens die natürliche Furcht des Todes überminde. Sende 


deine Engel, daß fie meine durch dein Blut gereinigte Seele vor 
dein Angeficht ſtellen: Laß mich daffelbe in Gnaden fchauen, 


undda in der That erfahren, daß du meinen Namen befenneft vor Lue- 16. 
deinem Vater, dich nicht ſchaͤmeſt mich Bruder zu heiffen, und 22. 
ic) hören möge, was dorten die Brüder Joſephs: Deine Bed, nal > 
der find kommen, das Land ſteht dir offen, laß fie am beflen Ort Hihr. 2. 
des Landes wohnen. Du haft eim weit herrlicher Land durch v.ır. 

dein Blur und Tod mir eroffnet: Ach. laß mich in dem; 1.3 Dof. 

ſelben bey dir wohnen ewiglich, o JEſu mein 17.450 
Heil! Amen. . 


Dy 3 Das 


Aftcologia 
von vielen 


verworffen. 


iſt zu ta⸗ 
deln. 


710 B. II. C. 58. Daß der Zimmel und die ganze 


Das LVI. Capitel. 

Daß der natürliche Himmel und die 
sange Welt mit allen naͤtuͤrlichen Krafften 
dem Glauben und Geber eines Chriften unter: 
worffen fey. 

Jerem. 10. v. 2. Ihr folt euch nicht fürchten vor 
den 3eichen des Himmels wie die Heiden. 

535 haben viel vortreffliche Leute, Philofophi und 
P@ Theologi wider Die Aftrologiam gefchrieben, 
und wollen nicht zugeben, Daß das Geſtirn im 

Menfchen etwas wuͤrcken folte, fein Leben, Wandel 

und Gefchäffte betreffende, haben viel fiheinbare 

Argumente in groffer Menge zufammen getragen, 

und vermeynet, es geſchehe dadurd) ein groffer 

Abbruch der Allmacht, Vorſehung und Regie— 

rung GOTTES: Sonderlich weil die Sternfeher 

von Propheten geftrafet, und den Juͤden ernftlich vers 
boten, diefelben um Rath zu fragen, wie derfelbigen 


Mrügbrand Sprüche viel in der Schrift feyn. Nun halte ichs 


auch gewißlich dafür, ivenn dieſe Kunft gemißbraucht 
wird zur Abgötterey, zum Aberglauben, zur. Leicht⸗ 
fertigfeit und Fuͤrwitz zukuͤnfftige Dinge zu erforſchen, 
welches alles vom Glauben und der Gottesfurcht abs 
führet, daß folcher Mißbrauch bochftraflich und nicht 
zu dulten ſey; Denn daher ift Eommen, daß die 
heiligen Propheten nicht allein die Sternſeher ſtra⸗ 
fen, fondern ihrer auch fpotten, weil die Juͤden zu 
ihnen: ficffen, und wolten ihnen von ihrem zukuͤnff⸗ 
tigen Gluͤck weiffagen laffen aus der Natur und 
Himmels⸗Lauff: da doch GOtt dis Volck erwehlet 
hatte, daß er ſie wunderlich fuͤhren wolte, uͤber, ja 
wider die Natur, wie er auch gethan. Darum kein 
natürlicher Aftrologus den Juͤden hat koͤnnen weiſſa⸗ 
sen, weder Böfes noch Gutes, fondern aus dem Munde 
der Propheten, als aus dem Munde GOttes, flten 
fie e8 hören, und den HErrn fürchten, und fic) ur 

em 


E) 


Welt dem Glauben unterworffen. 7rı 


dem HErrn befehlen, fi) nach) feinem Abort und 
Zeugniß richten. 
Und alfo ſolls auch feyn im Neuen Teftament 
bey den Ehriften: Denn EHriftus unfer Herr will 
feine Glaͤubigen ſelbſt regieren, und ihr neuer Him⸗ 
mel ſeym fie kraͤfftiglich ineliviren, bewegen, leiten 
und führen; wie der 4. Pſalm, v. 4. ſpricht: Er- Pſ4. b. 4. 
kennet doch, daß der AKrr feine Heiligen wun⸗ 
derlich führer. Don welcher wunderlichen Regie⸗ 
rung Gottes der 139. Palm herrlich redet. Denn 
eines Ehriften Leben und Wandel foll allein aus GOtt 
und aus der neuen Geburth gehen, und von GDtt 
regieret und gefuͤhret werden. 
aß aber darum der Himmel und Geſtien natuͤr⸗ Himmli⸗ 
licher Weiſe eine Wuͤrckung haben ſolte im menſchli⸗ (he Fhrper 
chen Leben, Wandel und Gefchäffte, weiß ich. nicht, obR —— 
mans fo gar verneinen koͤnte; und ob eben dadurch der Krafft · 
Vorſehung und Regierung Goites ein Abbruch geſche⸗ 
he: Sintemal der allmaͤchtige GOtt durch die Natur N 
als durch Mittel wuͤrcket. Denn durch den Lauff Des ring 
Himmels ordnet er Zeit und Jahr, und hat alle unſere die Natur. 
Dinge in gewiffe Zeit und Zahl gefaffet und gefeßet, 
Weish. 11. v. 22, Daher der Prediger Salomo E. 3. 
v. 1. ſpricht: Alles bat feine Zeit, und alles Vorneh⸗ 
men unter dem Simmel bat feine runde. Ja es 
liegt allesan der Zeit, &.9.0.11. Yun iftdie Zeit eine 
vornehme und fonderbare Wuͤrckung des Himmels, 
und wir empfindeng, daß alle Zeit nicht gleich ift, es ge⸗ 
hen die menfchlichen Gefhäffte nicht allemal und zu 
aller Zeit gleich) wohl fort, welches auch der HErr CHri⸗ 
ftus felbft andeutet, da gr fpricht: Sind nicht des Ta⸗ Johns. 
ges zwölf Stunden? oh. ı1.v. 9. Als wolteerfprer 
hen: Was zu einer Stunde nicht fort will, gefährlich 
oder ſchaͤdllch geweſen kan ich Leicht zurandern Stunde 
andern. GStt hats alfo geordnet, daß a le Dinge zu 
ſeiner Zeit geſchehen „müffen; „wohl dem, der Die Zeit 
trifft! Hätten die Juͤden Die Zeit des M oh ia und ihrer 
Deimfihung aus den Propheten und ai 
»y 4 CHriſti 


712 BI. E. sg. Daß der Himmel und die ganze 


Chriſti erkannt, ſo ſtuͤnde es wohl um ſie, Luc. 19. v. 44. 

Dieſe weisliche Erforſchung der Zeit beſtaͤtiget vielmehr 

GOttes Aeisheir, Veiſhung und Regierung, denn 

EHEM daß fie derſelben ſolte Abbruch thun. Die Offenbe= 

in ro rung Johannis hat viel mit Derzeit und Zahlzuihun, 
fenbarung und darinn ſtehen die gröften Geheimnſſe 2, 

Sobamis, Zum andern weile uns CHriſtus JEſus unfer 

CHrifins HErr ſelbſt auf die Zeichen des der Son⸗ 

des Hm. nen, Mond und Eterne, Luc. 21. 0.25. Denn der 

* EL Zummel iſt ein Spiegel der groffen Welt, Speculum 

majoris mundi, datinn ein Berjtändiger fehen Fan, was 

auf Erden gefchehen fol. Denn der Himmel trauret 

und giebt Zeichen wenn groffe & trafen auf Erden kom⸗ 

men follen, wie der Prophet Jeſaias Cap. 13.0. 10, 

ſpricht: Die Sterne am Aimmel und fein Orion 

ſcheinet nicht belle, Die Sonne gebet finſter auf, 

der Mond fcheiner dundel Ezech. 32. v. 7.8. Ich 

will den Himmel verbüllen, und feine Sterne ver= 

finſtern, dieSonne mit Wolcken überzieben, der . 

Mond foll nicht ſcheinen: Alle Lichter am Him⸗ 

melwill ich über dir laſſen dunckel werden. Idel 2. 

v. 10. Sonn und Mond werden finſter, und die 

Sterne verhalten ihren Schein. Daher ſpricht 

Jerrno· GoOtt der HErr: Ihr ſolt euch nicht fuͤrchten vor 

—* den Zeichen des Himmels, verſtehe, ſo ihr fromm ſeyd, 

rein, und in meiner Furcht lebet. Denn denen, fo aus GOtt 

nen dürfen gebohren ſeynd, und in der neuen Geburth leben, Fan der 

Een Vol, Himmel und die ganße Natur nicht fehaden, darum 

mels zei, ſich Diefelben vor den Zeichen des Himmels nicht zu 

chen miehs fürchten haben, wie der ı ı 2 Pſalm, v. 7. fpricht: Wenn 

— eine Plage kommen will, fürchtet ſich der Gerechte 

nicht, ſein Hertz hoffet uwerzagt auf den 

HErrn. Und bie heifts Sabpiens dominabitur aftris, der 

Gott⸗weiſe Menſch herrſchet über das Geſtirn. 

Denn die aus der neuen Geburth ſeyn, ſeyn über die 

natürliche Himmel mit ihrem Wandel, und find nicht 

mehr Fıliı oder Söhne des Sarurni, Jovis, Martis, oder 

filü Solis, Mercurii, Lunz, Kinder der Sonnen, des 

der⸗ 


Welt dem Glauben umterworffen. 713 iR 


ee ET — 
dercurii, des Monden, jondern Ali DEI, GOttes Kin 
Her, und leben im Glauben, dadurch fie ſich Den Kraͤff⸗ 
ten und Impreflionen des natürlichen Himmels eut⸗ 
ziehen: Die aber nicht in der neuen Geburth leben, 
fondern, nach. dem Zleifch, die haben fich zu fürchten, 
denn fie mülfen des Himmels Streiche leiden, weil 
fie heidnifch leben. 
Zum deitten,fo iſt gantz unläugbar, was die Sin- 6; 2 
fierniffen der großen Lichter am Hintnel, und Die Co-ühter 
meten für groffe Deranderungen auf Erden mit fich Bun 
bringen, nicht allein an eingelen heben Barfanen, oe CE 
ihres tödtlihen Abgangs, fondern aud) an Verander 
rung der Neiche und Herrfihafften, auch andern groifen 
Land«Strafen, daher aus Erfahrung gefagt wird: 
cœlo nunguam fpedati impune Comere. Das it 
Es find niemals. Cometen am Himmel ohne Strafen 
gefehen worden; und find derſelbigen Exempel alle 
Hiſtorien voll, Es iſt wohl bekannt des Julü Cælaris Exempel 
Exempel, daß ihn ein Sternkundiger gewarnet vor Juli Cæſa- 
den — Marti, das iſt, vor dem Tage, an welchen eu" 
- auf dem Rathhauſe zu Rom erftochen iſt worden. Und 
da derſelbe T Tag kommen war, hat er den Sternkuͤndi⸗ 
ger beritt, und gefagt: Ecce, venerunt Idus Martii, fiehe,- 
der Tag ift nun kommen. Darauf der Sternkuͤn⸗ 
Diger geantwortet: Sed nondum praterierung, es iſt aber 
der Tag noch nicht vergangen. Gehet alſo i in den Kath, 
und * — — er 
um vierdten, ſo iſt der gröfte Theil menschlicher 
Kranckheit aftralifch, wie die En. Medici wiſſen, de⸗ gihet 
nen Die morbi aſtrales bekannt ſeyn mit ihren Urſachen, Geſtirn. 
und mit ihrer Cur. Was find morbi Lunatici, und et uud 17. 
liche fpecies Epilephe, auch die Peſt, und viel andere Marc. 9. 
mercurialiſche und gifftige Kranckheiten? Was dies" "7 
felben im menfchlichen Leben, Wandel und Geſchaͤff⸗ 
ten für Deränderung bringen, giebt die Erfahrung. 
Daher ein berühmter Medicus die Aftronomiam oder 
Stern⸗Kunſt macht und feget zur vierdten Seule der 
Mediein, wie fie denn auch it. 
Dy 5 ; mm 


714 B. I. C. 58. Daß der Himmel unddie ganze 


Zum fünfften fchreibet ein gelehrt Mann: In- 
‚ eptum eft, ftaruere, tonta corpora cazleltia, quæ toties 
terre molem füperant, vacua eſſe virtutibus & opera- 
tionibus: Quandoquidem, ut ait Philofophus, quanto 
formz rerum funt perfediores, tanto res ipſæ, quarum 
funt formz, nobiliores habent operationes & efledus. 
Homo eft centrum majoris mundi, in quem omnes radũ 
collimant & concurrunt. Das ift: Es ift ungereimt, 
dafuͤr halten, daß fo groſſe himmlifche Eorper, welche 
groffer find als die ganse Erde, Feine Krafft hoch 
Wuͤrckung haben: Sintemal ja, wie der Philoſo⸗ 
phus fagt, ie vollfommener die Formen der Dinge 
find, ie edlere Wuͤrckungen haben die Dinge felbft, 
derer Formen fie find, Der Menſch ift der Mittel- 
punct der geöffern Welt, auf welchen alle Strahlen 

zielen und zuſammen laufen, | 
Zudem, wie Fan fb gar verneinet werden, daß das 
Firmament nicht feine Wuͤrckung im Menfchen habe, 
da doc) das ganse Firmament im Menfchen it: 
Und daß microcofmifche Firmament mit dem macro⸗ 
eofmifchen eine fehr genaue und groffe Confonanz_ 
und UÜbereinſtimmung hat, wie die rechtfchaffenen Phi- 
lofophi wohl wiffen. Sch rede nicht von der Wuͤr⸗ 
fung der Sterne, welche die vermeynten Aftrologi den 
Aftris und Geftien andichten, und daraufihre Abahr- 
fagerey gründen, dawider faft alle Theologi zu unferer 
Zeit gefchrieben, und dieſelbige verworfen haben, ſon⸗ 
dern ich rede von natürlichen Krafften des Himmels 
und der Sterne, daß derfelben Wuͤrckung im Mens 
fehen, als in Mierocofmo, in der Tleinen Welt, nicht 
koͤnne verneinet werden, darum, daß die Aftrologi fü 
ungewiß Ding weiffägen. Was Eönnen die Ster⸗ 
nen darzu, daß die Aftrologı ihre Wuͤrckung und Kraffte 
nicht beffer verftehen? Und wenn man unfere teßige 
Mecicinam und Aftrologian auf die’ Gold⸗Wage les 
gen wolte, würde fichs befinden, Daß die Medici auch 
offt in ihren Euven fehlen, ſowol als die Aftrologi im 
prognofticiren. Solte man darum der a 
uͤr⸗ 


Melt dem Blauben unterworffen. 715 


Wuͤrckung verleugnen? Was koͤnnen die Kräuter dar⸗ 
zu daß man ihre Kraͤffte nicht beſſer verſtehet? Es it Ief- 41 
auch in den Auslegungen und Anziehung der Zeugniffe”' 
der Schrift, fo) wider die Sternfeherey und Weiſ⸗ 
fagevey zukunfftiger Dinge, von den Propheten geredet 
feyn, ein Unterfcheid zu machen unter den Wercken 
GoOttes, ſo GOtt immedinte und unmittelbar thut, 
und unter den Wercken der Natur. Die Juͤden 
wolten GOttes unerforſchliche Wercke aus der Natur 
erforſchen, welches unmöglich ift, darum wurden ſie mit 
den Sternſehern zu Schanden, und wurden verſpottet. 
Pharao in Egypten und Nebucadnezar, zu Babel,ı. B. Roſ. 
wolten von den Egyptiſchen und Babyloniſchen Weir Han' z" 
fen die übernatürlichen Wercke GOttes erforfchen, v 27. 
nemlich die Traume und derfelben Deutung, welche 
übernatürlich waren; und das war in derſelben Wei⸗ 
fen Vermögen nicht, 1. °B. Mof. 41. 9. 8. Dan. 2. 
v. 27. Esgehörte eine höhere Weisheit darzu, nemlich 
der Geiſt GOttes, der da alles erforſchet, auch die 
Tieffe der Gottheit, 1. Cor. 2. v. o. Darum ent⸗ 
ſchuldigte ſie Daniel vor dem Koͤnige, und bat fuͤr ſie, 
daß ſie der Koͤnig nicht toͤdtete: Er aber ſagte dem Koͤ⸗ 
nige ſeinen Traum, und die rechte Deutung, durch den 
Heiligen Geiſt, gleichwie auch Joſeph dem Pharaoni. 
Dahin ſiehet auch Salomon in feinem Prediger, daß Pre. & 
man die Wercke GOttes nicht erforfchen Ban, vers ' 7° 
ſtehe aus der Natur, aber wohl durch den Heiligen 
Geiſt. Darum heben folche Sprüche die Wuͤrckung 
des Firmaments nicht auf, | | 
Es feyn aber ſolche Wuͤrckungen des Himmels Der Him⸗ 

wie fie wollen, fo mächtig, ſo ſtarck, fo geſchwind, fo By als 
fehnell, fo find diefelben und alle natürliche Kräffte des van are 
Himmels und aller &lemente dem Blauben und dem ben und 
Gebet unterworffen: Denn ein Gläubiger iſt in german, 
CHriſto ein Herr uber Die ganke Natur, welches Of⸗ 
fenb. ı 2.0. 1. vorgebildet durch das Weib mit der 
Sonnen bekleidet, und den Mond unter ibren Süß 
fen. Das ift, dev Glaͤubige ift in EHrifto über alles 

erha⸗ 


u = 
ar 


716 B.1.€,58. Daß der Himmel und die ganze 


erhaben, und in ihn verfeget, mit CHriſto bekleidet, und 


theilhafftig feiner Herrlichkeit und Lichtes, und hat die 
gantze Natur unter feinen Faffen. Ein Glaubiger ift 


in EHrifte eine neue Creatur, 2.Cor. 5.9. 17. und 


uͤberwindet in CHriſto alles: Denn alles, was aus 


Bott gebohren ift, überwindet die Welt, und ak 
fes, was in der Welt ift, 1. Joh. 5.0.4. Alle Dinge 
find möglich dem, der da gläubet, Marc. 9. v. 23. 
Siehe, ih babe euch Macht gegeben über Schlan= 
gen und Scorpion, und über alle Macht des 
Keindes, Luc. 10.09.19. Ob tauſend fallen zu dei- 
ner Seiten, und zehen taufend zu deiner Kech⸗ 
ten, ſo wirds dich Doch nicht treffen: Auf den 


‚köwen und Öttern wirft du geben, und treten 


auf die jungen Löwen und Drachen, Pſalm gr. 
v.7.13. Er bedecer mich in feiner Jütten zur 
böfen Zeit, und verbirget mich heimlich in feinem 
Gezelt, und erhoͤhet mich auf einem Selfen, Pſalm 
27.8.5. Wenn du durch Seuer und Waſſer ge 
beft, bin ich bep dir, daß dich die Fluth nicht 
erfäuffe, noch die Slamme anzinde, Jeſ. 43, v. z. 
faq. Seyd getroſt, ich babe die Welt überwun- 
den, Joh. 16.0.33. Siebe, es kommt der Fuͤrſt 


dieſer Welt, und hat nichtsan mir, Joh. 14.0.30. 


GOott fep Danck, der uns den Sieg gegeben hat in 


ChHriſto IEſu, 1. Cor. 15.09.57. Wer will uns 
febeiden von der Aicbe GOttes? Trübfal, Angſt, 
Verfolgung, Aunger, Schwerdr, Froſt oder 
Bloͤſſe? "ich bin gewiß, daß weder Keben noch 
Tod, weder Engel noch Sürftenthum, weder 
Hohes noch Tieffes, 2c. ums fcheiden fan von 
der Kiebe GOttes in Chrifto IEſu. Wir 
überwinden alles, um deß willen, der uns gelie=: 
bet her, Rom. 8. ver. 35. 37: 39. Dur) den 
Glauben haben die Heiligen den Himmel auf und 
zugeſchloſſen, Des Feuers-⸗Gluth ausgelöfcher, Sonne 
und Mond heiſſen ftille ſtehen der Löwen Rachen 
zugehalten, Hebr. ı nr, verſ. 334 

Nicht 


Welt den Blauben unterworffen. 717 





Richt allein die Natur iſt dem Glauben unters Hälevdey 
worffen ‚ fondern alte höllifihe Macht und Pforten it 
der Höllen, Sünde, Tod, Teufel und Hölle; denn fen. 
CHriſti Sieg iſt unfer: In ihm fiegen wir, und er 
in ung: Darum fprechen die. fiebentig Juͤnger: 
BERR, es find uns auch die Teufel unterthan 
in deinen Namen. Darauf der HErr ſpricht: 

Steuer euch deſſen nicht, daß euch die böfen Gei⸗ 

ſter unterehan ſeyn, ſondern freuet euch, Daß 

eure Namen in Himmel gefchriebest fepn, Luc, ı 0. £ue- 10. 
v. 17.20, Das iſt euer Sieg, das iſt eure Stars" 7% 
cke, eure Herrlichkeit , eure Seligkeit, euer Nuhr. 
Durch mich fend ihr Kinder GOttes, Erben und 
Herren über alles: Und alfo find aller Gläubigen 
Damen im. Zimmel angefchrieben,. daß jie durch 

den Glauben in EHrifto gerecht, felig und fieghafft 

feyn, ar „Erben und Herren feyn mir EHrifto uber 

alles. Darnach richte, urtheile, meiltere ein ieder Ein Chrik 
Verſtaͤndiger und Gtäubiger feine natürliche Nativi⸗ zn Herr 


; N , “über den 
tat, und wiffe, daß er ein Herr fey des Himmels, und Himmel— 


über das Geſtirn herrſche. 


Gebet. 


!rmächtiger, heiliger GOtt, deſſen Ehre die Himmel erzeh⸗Pſalm 19. 
len, deſſen Haͤnde Werck die Beten verfündigen, der du lieſ⸗ on 
ſeſt in ver. Zeit des Zorns die Heiden wandeln ihre eigene We— N 
ge, und verordneſt ihnen die Sterne, und das gantze Heer des N * 
Himmelg, nach deren Neigung fie lebten als ohne GOtt in der 5. B. Mof. 
Welt; Ich dancke dir, daß du biſt zornig gemefen,und dein Zorn 4. v.19. 
ſich gewendet hat. Du haft mich, 06 ich gleich. .ein Sünder Epheſ. 2. 
aus den Heiden bin, gewuͤrdiget aufzunehmen in EHrifto JEfu * * 
deinem Sohn, in demſelben bin ich eine neue Creatur: Er iſt Galara, 
aufgefahren über alle Himmel, und feine ihm vereinigte Gläuzp. ıs, 
bigen find famt ihm ing himmlifche Wefen geſetzt: So willich.Röm. ı5. 
mein Leid oder Freude nichtdenen Sternen und deren Wuͤrckun⸗b. 7. 
chen, fondern deiner Niegierung, o getreuer Vater, allein zu: 2° sone 
ſchreiben. Gieb mir deine Gnade, daß ich aus denen Sternen Epyef y, 
deine Majeftät und herelihedlimacht,und diePracht deinerherr=v. ıo, 
lichen Wohnung erfenne, fie aber nimmer zu meinen Regenten Ephef. 2. 
mache. Zu dem Ende, o HErr,richte du in mir an ein neues ®. $- 
Glaubens⸗Leben, daß ich nicht wandte nach der Neigung der ver⸗ Fe * 
derbten Natur, nach welcher ich bin ein Kind des Zorns, ſon⸗9 
dern 


* Beſhuußg 


Mf.32. v. z. dern als ein neuer Menſch durch deinen Gnaden⸗Geiſt regieret, 
i. B. Moſ. mit deinen Augen geleitet, mit dir wandeln, alles was mir zu⸗ 
Site. koͤmmt, als von deiner Yand willig annehmen, und dafür deinen 
v.7. Namen immerdar loben möge. Laß mich bey Anſchauung der 
1.8. Moſ. Sterne bedencken deine Majeſtaͤt, welche auch die Morgen⸗Ster⸗ 
5.0.5. ne vom Anfang gelobet, deine unermeßliche Weisheit, nach wels 
f.147.0.4. cher du die Sterne, welche niemand zehlen fan, mit Ramen nens 
he 1. neſt. Verleihe, daß ich durch deinen Geift fo moac achten aufdein 
; Wort, daß der Morgenftern nicht allein hie in Gnaden midae in 
meinem Hergen aufgehen, fondern wenn um dag Endeder Welt 
Matth. 24. auch die Sterne vom Himmel fallen werden, ich gertoft feyn und 
2.29. . mitunter derZahlgefunden werden möge,melche in deinem Reich 
Dan 42.b.3. wie dee Sterne leuchten werden immer und ewiglich! Amen. 


Belchluß des andern Buchs, 
Luc. 21. ver, 36. So ſeyd nun wacker allezeit, und 
betet, daß ihr würdig werdet, zu entfliehen 
| a allen; und zu ſtehen vor des Menfchen 
sohn ! ö 


Im Beichluß muß ich den Zhriftliebenden Lefer 
noch etlicher Puncte freundlich erinnern: Daß 

ich Eeinen andern Finem , Ziel und Zweck habe und ſu⸗ 
che in diefen meinen ‘Büchern, denn daß neben und mit _ 
diefer reinen Religion und Glaubens» Bekanntniß , ſo 
in den Kirchen der Augfpurgifchen Confeßion ſchallet, 
und in Formula Concordæ wiederholet ift, (Zu welcher 
ich mich auch mit Hetgen und Munde befenne,will auch, 
daß dieſe meine Schrifften nicht anders, denn nach 
Derfelben follen verftanden werden ) auch das beilige 
Chriftlihe Leben möge fortgepflanget werden ; 
Denn es hilfft die reine Lehre denen nichts, welche 
nicht sieret ein heilig Leben. Die Neinigkeit der Lehre 
ift mit wachenden Augen zu bewahren; aber die Hei⸗ 
ligkeit des Lebens ift mit gröfferm Ernſt fortzupflan⸗ 
gen. Was hilfft groffe Kunft ohne Gottſeligkeit? 
Es ift viel beffer vor GOTT einen Gottsfurchtigen 
Menfchen erziehen, dem einen Gelehrten. Die Lehre 
Erzrifki treiben ihrer viel mit groſſem Ernft, aber das 
Leben CArifti üben ihrer wenig, Hiervon wolle KR 
er 


In * 


8 


en 





| des andern Buchs. 719 
der Chriſtliche Leſer die Vorrede des erften Buchs, und 


den Befchiuß desvierdten Buchs befehen. 


Ob auch) iemand fagen würde, ich. hätte die Lehre 
vom Chriftlihen Leben zu weitlaufftig befchrieben; 
dem gebe ich zur Antwort: Daß auch unfer bofes tes 
ben weitlaufftig fey, unfer Schade ift ja fo groß und 
heillos, fo ift auch unfere Erlöfung ein groffes Werck 
und tieffes Meer, fo ift auch unfer Creutz mannigfaltig. 
Doc) wers ja will Fürger haben, der lefe nur, was im. . 
erften, andern und dritten Buch, von der Buſſe, vom 
Glauben, von der Liebe, Demutl) , Sanfftmuth, Ges 
dult; und vom Ereuß, in gewiffe Capitel verfaſſet iſt, fo 
wird er das gantze Ehriftliche Keben Eur haben und 
finden. Wirſt du aber das gange Werck lefen , ſo 
wird dirs Zeit und Arbeit reichlich belohnen. 


' Summa DEO foli gloria, laus & honor. 


Dem groffen GOTT allein 
Soll alle Ehre ſeyn! 


Regiſter der Capitel diefes andern Buchs 

| vom wahren Ehriftenthum. 

Cap. ı. JEfus CHriſtus GOttes Sohn, ift ung von unferm 
himmlifchen Vater gegeben zu einem Artzt und HeilsBrune 
nen wider das todtliche verdammliche Gifft der Erbfünde, 
famt ihren Früchten, und wider allem Sammer und Elend 
ge Re ade Blat 296 

2. Wie ein jeder Chriftden Troft des Evangelii au i 
und ihm zueignen ſoll. — a 


3. Daß unfere Gerechtigkeit vor GOtt allein fEche in dem volle 


kommenen Gehorfam und Verdienft JEſu CHri i, und in 
Vergebung der Sünden, welche der ne 0 313 

4. Daß der ſeligmachende Glaube in einem wahren Chriſten 
‚ würde allerley Früchte der Gerechtigkeit, fo augdem inner⸗ 
fen Grunde des Hertzens gehen müffen, ohne alle Heuchez 
ley: Daß auch Gott alle äufferliche Wercke nach dem Grun⸗ 
de des Hertzens urtheile. 320 


5. Daß nicht die Wiſſenſchafft und Gehoͤr des Goͤttlichen 


| 


Worts einen wahren Chriften mache und bemeife, fondern 
GOttes Wort ing Leben vertvandeln, und GOtt I 
antuffen, daß fein Wort in ung Frucht ſchaffe und Iebendig 
werde, als der Saame GOttes. | 329 
* | 6. In 


720 Regiſter. 


6. In der Vereinigung mit CHriſto durch den Glauben ficbet 
des Menichen Bolfommenheit und Seligkeit, darzu der 
Menſch nichts thun kan, fondern hindert fih oielmehr an 
GOttes Gnade, durch feinen eigenen böfen Willen ; CHriſtus 
aber thuts allein in une. 337 

7.Die Buſſe recht zu verfiehen, ift noth zu wiſſen den Unter⸗ 
ſcheid des alte und neuen Menſchen; oder wie Adam in ung 
ſterben und der neue Menſch in uns leben ſoll. 343 

8. ie freundlich ung BDit zur Buffe locke, und warum vie 
Buſſe nicht zuderfäunten. 339 

9. Was Buſſe thun heiffe , und mie fie gefchehen müffe, * 
wie uns GOttes Guͤte zur Buſſe leite 358 

10. Von vier Eigenſchafften der wahren Buffe. 372 

11. Die Frucht der wahren Bekehrung ift die neue Creatur, und 
wagen Chriſt fen nach dem Glauben nemlich, ein Herr über 
alles; und was er fen nach der Liebe nemlich cin Knecht uns 
‘ter allen; Und wie Chriſti Leben unfer Spiegel ſey. 330 

12. Wie Chriſtus der rechte Weg und Zweck der tdahren 
Gortfeligkiit, und wo GOtt den Menſchen nicht leitet * 
fuͤhret, ſo irret er. 

13. Wie CHriftug JEſus das rechte Buch des Lebens =. 
und wie er ung durch feine Armuth lehret ber Welt er 
keit verfehmähen. 

14. Wie und der HE:r Chriſtus lehret durch feine China 
Verachtung und Verleugnung fein feloft, der Welt Ehre und 
Ruhm verſchmaͤhen. 390 

15. Wie wir durch Chriſtum di ie Truͤbſal und Verachtung der. 

Welt tragen und überwinden follen.. 3923 

16. Wie die Ehriften follen die Ehre und Ruhm in CHrifto ir 
im Himmel fuchen und haben. 

17. Wie wir durch CHriſtum und aller Heiligen Erempel ir 
Mäuler und falſche zungen überwinden follen. 


402 
18. Wie wir. durch die Traurigkeit und Echmerßen or 


ſollen die Wolluft des Fleiſches dämpffen. 

19 Wie wir indem gecreugigten CHrifte, als in dem Bucht 47 
Lebens, anfchauen follen unfere Ende, GOttes Zorn, GOt⸗ 
te8 Gerechtigkeit, GOttes Liebe und GOttes Gnade. 421 

20. Von der Krafft und Nothwendigkeit des — in Re 
Goͤttlichen Betrachtungen. 424 

21. Bon der Krafft der edſen Tugend der Demuth. 431 

22. Ale Wercke eines wahren Ehriften follen in Demuth gefcher 
ben, oder es werden eitel Greuel und Abgotteren Daraus, 437, 

23. Ein Menfch, der feine eigene Richtigkeit nicht erfeunet, und 
nicht alle Ehre GOtt giebt, begehrt dir groͤſte Sünde und 
des Teufels Fall. 441 

24. Bon der edlen Tugend der Liebe, und ihrer Krafft, Lauter⸗ 
feitund Reinigkeit. 445 

25. Von 


 Regifter, 721 


—— — 
25. Von etlichen Zeichen, dabey man erkennen kan, ob die 
wahre Liebe Chriſti bey ung fen. 453 
26, Bon fünfferlen Liebe: Wercken GOttes, barinnen a 
lich GOttes Gnade und Güte leuchten. 
27. Wie fi) der HErr JEſus der liebbabenden Eeele of 
baret, alg die hoͤchſte Liebe und das hochſte But. 465 
28. Wie das hoͤchſte Gut erfannt, und in der Seelen geſchme⸗ 
cfet werde. 469 
29. Wie die liebhabende Seele GDE in feinen MWohlhaten 
anfd;auet, ala die mildefte Guͤtigkeit. 473 
30. Wie fih GOtt der liebhabenden Seele offenbaret, als‘ die 
höchfte Schönheit, 481 
31. Wie fih GDtt der liebhabenden Seele offenbaret, as je 
unendliche Allmacht. 


32. Wie die liebhabende Seele GOtt erkennet, als die höhe 


Gerechtigkeit und Heiligkeit. 487 

Ba. ER liebhabende Seele GOtt ſiehet, als die pe 

eig heit. 

34. Wie ein Menfch durchs Gebet die Weisheit GOttes 44 
ſoll. Darbey ein nuͤtzliches Tractaͤtlein und Unterricht vom 
Gebet, wie das Hertz zu erwecken, und in einen ſtillen Sab⸗ 
bath und Ruhe zu bringen daß GOtt darinn ſelbſt Andacht u. 
Gehet wuͤrcke und anzuͤnde, begreifft zwoͤlff kurtze Capitel. 498 

(1) Was wir in Adam verlohren haben, finden wir gang und 
vollfonmen in EHriftg wieder. 498 

(2) Wie groſſer Schade entfpringe und folge, fo man dag —* 
unterlaͤſſet. 

(3) Daß der Menſch groſſen Nutz und Frommen habe von er 
tiger Ubung des Gebets. 

(4) Daß ein wahrer Chrift viel lieber den fchmalen et in 
EHrifto wandeln fol, al8vden breiten in Adam. so 


4 
(5) Wag ein Menfch fürnemlich bedencken fol, damit fein 


Herk über fich zu GOtt gerichtet werde. 506 
(6) Daß der allwiffende GOtt alles wife und hoͤre, mag *8 
bedürffen, ehe denn mir anfahen zu beten. 508 

(7) GEott reitzet, locker, vermahnet, treibet alle Menſchen * 
Gebet, und ſagt allen gewiffe Erhoͤrung zu. 8 
m SH ift kein Anfeher ver Perfon, fondern hat ſie alle ai 


6) am wegen eigener Würdigfeit, ift fo groffe Sünde,” als 
garnicht beten wegen vorbegangener Sünde, 515 
(10) Ein wahrer Anbeter darff nicht zu GOtt lauffen an eis 
nen gewiſſen Ort, ſondern er findet ihn allenthalben im Geift 

und inder Wahrheit. 
Toro 


| (11) Man darff Gſtt nicht zu gewiffen Zeiten anbeten, 


bern mag ihn alle Stunden anfpredyen , wofern fich dee 
Mensch nicht ſelbſt verhindert. 620 


eil. 35 (12) Ang 


— Begiſter. 


(12) Aus obgemeldten Betrachtungen wiı wird nicht allein das 
Herg zum wahren Geber bereitet, fondern es folgen m. 
en ſchoͤne sehren. 

e8 wahren Chriften, bag ift, Gefalbten deg dem & 
* chafft und Kennzeichen iſt das Gebet. 

36. Vom Ruß, Frucht und Krafft des Gebets, und wag — 

Geber muͤſſe für Grund haben. 529 
37. Grund und Urſach, daß GOtt unfer Gebet gewiß erhoͤre. 537 
a. Adminicula und Gehülffen unſers ſchwachen Ges 

ets 51 

39. Ein Geſpraͤch der glaͤubigen Seele mit GOtt. een 

— Geſpraͤch des Glaubens mit der Barmhertzigkeit 

ttes. 

41. Bon dem herrlichen Nutz und Krafft des Lobes * 
und der £ob-Gefänge. 568 

42. Was den Menfchen zum täglichen Lobe GOttes — 
und treiben ſoll. 576 

”:. ea Toben if des Menfchen hoͤchſte ja Englifche Ha 

ichkeit 87 

44. Son der Gedult, dadurch alles Creutz uͤberwunden mb 
die verheiffene Herrlichkeit erwartet wird 592 

45. GOttes Troſt in Trübfal wuͤrcket Gedult. 680 

40. Bewegliche Urfachen zur Gedult; Erde bono crucis, vom 
Nutz des Creutzes. 607 

47. Sprüche und Erempel von der Gedult und Troſt. 613 

48. Es iftfeine Trübfal fo aroß, GOtt hat Troft dargegen vers 
ordnet, Denn GDftes Trost iſt allezeit gröffer, denn unfer 
Elend ; welches dieGedult in ung ftärcken u. erhalten foll 621. 

49. EDttes unfehlbare Wahrheit und Verheiſſung fo ** be⸗ 

truͤgen fan, ſoll in ung Gedult würden. 629 

50. Wie und warum die Hoffnung nicht laͤſt zu Schanden wer⸗ 
den, auch wie diefelbe probiret werde in leiblichen und geiftlis 
chen Anfechtungen. 639 

51. Troſt wider die Schwachheit des Glaubens. ‚646 
52. Troft und Bericht, wie man fich in hohe geiftliche rn 

 £ungen fchicken foll. 

53. Troft in hohen geiftlichen Anfechtungen. 2 
54. Troſt wider die innerlichen, heimlichen, verborgenen Anfech⸗ 

tungen de8 Satans, durch bofe herßplagende Gedanden. 679 
55. Bom Verzug Gsttlicher Huͤlffe. 688 
56. Daß man in waͤhrendem Creutz das Exempel der hohen & 

dult CHrifti anfchauen fol, und die zufünfftige ewige Herr⸗ 
— dadurch alles Creutz gelindert wird, wie groß es 
audi 694 
‚57. Troſt wider den zeitlichen Tod: 698 
58. Daß der Himmel und alle natürliche Keäffte dem Ölauben 
und Gebereines Chriſten unterworffen fen. 710 
Ende des andern Buchs, 


2... 


65 
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My 








ottes HıldVerfifet . 
mOENTLUTEeLL enges LB er 
eın meitesReichurmb(chli 
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a Geai I Jı 
Dasals der Höch ke schak 


in meiner Seelen liegt. 





Reflirung des Zaupt · Bildes des dritten 
- Du 


He find abermal zwey Jungfern, da in ber erften , 
‚ec ihrem Hergen Das felige Reich GOttes abge⸗ 
bildet iſt; womit angedeutet wird, daß das. Neich 
GOttes, darinnen Vater, Sohn und Heiliger Geift 
wohnet und Eeafftig wuͤrcket in einer ieden glaͤubi⸗ 
gen Seele zu finden. In der andern Jungfer Hertz 
it zu ſehen ein Acker, und in demſelben ein Becher 
mit einem Eöftlichen Schatz: Damit wird angedeus 
tet, Daß das rechte Heiligehum GOttes in eines ieden 
ee Kerken, als wie in einem — — 
sen liege. | 


* 


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Das Andere Aaupt-Bild des dritten Buchs. 
Hier ift zu fehen eine zugefihloffene Perlen-Muſchel am 

Meer liegend, in welcher inwendig eine edle Perle liegt: Wo⸗ 

mit wird angedeutet, daß ein Chriſt alles Irdiſche, woran 


e 


fein Hertz bänget, verfauffen, ja fich ſelbſt verlaffen, und ſich 
hingegen in die Tieffe feines Hertzens einfenden, und darin⸗ 
nen die edle himmlifche Perle, EDEL, oder CHriftum IEſum, 
. fuchen und finden fol. h 


1. Petr. 3. verſ. 4. 


Der verborgene Menſch des Zertzens unverrlict 


mit fanfftem und ftillem Geiſte, das ift koͤſtlich 
für GOtt. 


HI Derle, deren Preiß unfchäsbar if, 
Liegt in der Schalen tieff verborgen? 
Ein Chrift, der iedes Ding nach feinem Werth ermißt, 
Und ſeine theure Seel auf ewig will verforgen, 
Rerfauffet, nach dem. Rath 
Des treuen Heylands, was er hat, 
Und fencket.fic), von allen Dingen bloß, 
Selbſt in fein Hers, (ein Meer das Bodenlos - 
Und fihwerlich zu ergründen) 
Auf daß er nur Das Kleinod möge finden. 
Er fuchet, trachtet, ringt, 
Und ruhet eher nicht, bis daß es ihm gelingt. 
Er ift bereit ſich felbft zu haſſen, 
Und alles zu verlaffen, 
Zu Liebe diefer Cron. Er leget willig hin 
Nas feinen Eifer mindert, 
Und den erhigten Sinn 
Beſchwert und hindert, 
O felig ift, der dieſes wohl erwieget, 
Und dringet an den Pas, 
Da dieſer groſſe Schatz 
Vergraben lieget: 
Den wird die Muͤh in Ewigkeit nicht reuen, 
Und feiner Arbeit Lohn ohn alles End erfreuen, 


Ä Dritte Bub 
are Bfri- 

ſtenthum; 
LIBER CONSCIENTLE, 


“ _ Pom 


Inwendigen Menfchen: 


Mir GOtt den hoͤchſten Schatz, 


ſein Reich, in des Menſchen Hertz ge⸗ 
legt hat, als einen verborgenen Schatz im 
Acker, und als ein Goͤttliches Licht der Seelen: 
Und wie daſſelbe in uns zu erwecken 
und zu ſuchen; | 
Durd 
Herrn JoHANNEM ARNDT, 
weiland General - Superintendentgn 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg ıc, 
Luce XV IL v.2ı. 
Sehet, das Reich GOttes iſt inwendig in euch, 
Matth. VII. v. 14. 


Die Pforte iſt enge, und der Weg iftfehmal, der 
zum Leben fübret, und wenig ift ihr, 
die ihn finden, 
Bernhardus: 
Chriftum — citius apprehendes, quam Iegendo, 


Im Jahr Chriſti 174, 





vom marine Pi 


724 O0 > Sp a DR 7 


Das dritte Buch 


Wahren Ehriſtenthum, 
Vom 


Innern Menſchen, und von fer 
nem inwendigen Schatz. 


Vorrede 
über das dritte Buch 


Vom wahren Chriſtenthum. 


EDLeichwie unſer natuͤrliches Leben 

[4 R Z 
(9 feine Ra bat, feine Kindheit, 
wm Mannheit und Alter: Alſo iſts 
| auch befhaffen mir unſerm geift- 
lichen und Chriſtlichen Leben: 
denn daſſelbe hat feinen Anfang in Der 
Buſſe dadurd der Menſch fid täglich bef- 
fert: Darauf folget eine mehrere Etleuch⸗ 
kigung, als das Mittel⸗Alter, durch Goͤttli⸗ 
er Dinge Betrachtung, durchs Geber, 
durchs Creutz, durch weldes alles die Gaben 
GOttes vermehret werden: Letztlich komt das 
vollkommene Alter, * ſo da ſtehet in der TR 
ichen 





+ Nicht daß folches ſchlechterdings muͤſſe erreichet, fondern darz 
nach äufferften Vermẽgens muͤſſe gefirebet werden. Dor/ch. 
Diefe Vollkommenheit faſſet zweyerley in fih: 1. Eine 
Ehriftliche Luft, Enfer und FreudigÄit des Gemuͤths, feinen 
alten Adam anzugreifen, feinen bofen Lüften mit allem Fleiß " 
zu widerfireben, und in allen Ehriftlicden Tugenden freudig 
fich zu üben: 2. Daß mir von Hergen ohne Heucheley und 
Balfchheit GOtt und unferm Nächften dienen. Yarem 


Vorrede. 725 


lichen Vereinigung durch Die Liebe, wel 
ches St, Paulus das volllommene Alter 
Coriſti nennet/ und einen volllommenen 
Mann in Ceoriſto, Epheſ. 4.0. 13. | 
Solche Ordnung habe ich indiefen dreyen Srbaung 
Buͤchern / ſo viel fich leiden wollen, in acht 9e- 2üäe. 
nommen; und halte dafür, es ſey das gange 
Ehriftenehum (fo das Gehet⸗Buͤchlein darzu 
koinmt) hierinn nad Norbdurffe befchrieben, 
ob gleicy nicht alles vollkommen, oder alſo, 
daß nichts defideriyt werden Fönne, ausgefü 
ret iſt. Das vierdte uch aber habe id) Dar-DasBk, 
um hinzu thun wollen, daß man ſehe, wie Diesen Sucs, 
Schrifft, CHriſtus, Menſch und gantze Natur 
uͤbereinſtimme, md wie alles in den einigen, mus 
ewigen, lebendigen Urforung, welcher GOLL ITEM en 
ſelbſt iſt, wieder einflichfe, und zu demfelbenknuine® 
leite, Damit du mich aber in dieſem dritten Auteitung 
Buch recht verftcheft,fo wiſſe, daß es dahin gestnaue. 
richtet iſt, wie du das Reich GOttes in dir 
ſuchen und finden moͤgeſt/ Luc. i7. v. 21. wel⸗ue 
ches, fo es geſchehen folk, muſt du GOTT dein Bott die 
gantz Herß und Seele geben, nicht allein den Seie mu 
Verſtand,ſondern auch den Willen und hera= ste" 
liche Liehe. Ihrer viel meynen, es ſey gar 
gnug und uͤberfluͤßig zu ihrem Chriſtenthum, 
wenn ſie ChHriſtum ergreiffen mit ihrem Ver⸗ 
ſtand, durch Leſen und Diſputiren, welches rhesiogia 
ietzo das gemeine Studium Theologieum iſt, und ee 
in bloffer Theoria und Wiſſenſchafft beſtehet, 
und bedencken nicht, daß Die andere fürnehme 
Krafft der Selen, nemlid der Wille, und 
herglige Liebe, au darzu gehöre. Bey⸗ 
des muſt du GOTT und Chriſto geben, 10 
33 3 haft 


726 Vorrede. 


haſt du ihm deine gantze Seele gegeben: Denn 
es iſt ein groſſer Unterſcheid unter dem Ver⸗ 
ſtand, damit man Chriſtum erkennet, und 
unter dem Willen, damit man ihn liebet: 
denn wir erkennen CHriſtum, fo viel wir kon⸗ 
nen: Wir lieben ihn aber, wie er iſt. CHri⸗ 
ſtum durch bloſſe Wiſſenſchafft erkennen, und 
Erhel z. nicht lieb haben, iſt nichts nuͤtze. Iſt Demnach 
m tauſendmal beſſer, CHriſtum lieb haben, 
heh baten denn viel von ihm reden und diſputiren 
denn niet Tonnen,  Derohalben- füllen wir EHri- 
en Dre ſtum mit unſerm Verſtande alſo fuchen, dag 
wir ihn auch mit hertzlichem Willen und 
Wohlgefallen lieben: Denn aus dem wah⸗ 
ren Erkaͤnntniß CHriſti kommt auch die Liebe 
CHriſti. Thun wir das nicht, fo finden wir 
ihn zwar, aber mit unferm groſſen Schaden: 
Denn dis ift eben das, was der HErr fagt, 
Matth. 7. v. 21. Es werden nicht alle, Die 
zu mie fägen, HErr HErr/, ins Himmel⸗ 
Aneerko geich kommen. So find auch zweyerley 
Etiem Wege, Weisheit und Erkanntniß zu erlan⸗ 
6 sou gen;* Der erſte durch viel Leſen und Diſputi⸗ 
ren, die heilt man Dodtos, Gelehrte; der ans 
dere durchs Gebet und die Liebes Und die heiſt 
man Sandos, Heilige. ** Zwiſchen dieſen iſt 
| | ein 
— — — nn —— 
Es iſt gantz gewiß daß der erſte Weg, nemlich durch Leſen und 
Difputiren, ohne dem andern, der da beſtehet in Gebet und 
Liebe, nicht gnugſam iſt, auch nicht ſchlechterdings vonnö⸗ 

then, iedoch wird er nicht verworffen. Dorſch. 
Eurheraa hielte ein fleißig und eiferiges Gebet vielmehr 
nuͤtzlich ſeyn zur wahren Erudition, Weisheit und Gottfe⸗ 

ligkeit, als bieler Tage Leſen. Varen. 
xDurch die Gelehrten, fo ferne er fie von den Heiligen unters 
ſcheidet, verſtehet er disjenigen, die nur allein durch Leſen 
uu 


Vorrede. 7er 


ein groffer Unterſcheid: Jene, wo fie nur Ge⸗ unterfieib 
lehrte und nicht Liebhaber, find ſtoltz und auf⸗ Geichrren 
geblafen; diefe niedrig und demuͤthig. Durch zud Felle 
den erften Weg wirft du deinen inwendigen | 


— 


Schatz nicht finden: Durch den andern Weg 
aber ſindeſt du denſelben in dir. Darauf 
gehet nun das gange dritte Bud). 

Wie herrlich, koͤſtlich und lieblich iſts num, Ki. 
dag unſer hoͤchſter und befter Schatz, das um. 
Reid) GOttes, nicht cin auswendiges, ſon⸗ 
dern inwendiges Gut ift, ** welches wir ſtets 
bey uns tragen, verborgen vor aller Welt und 

| Bit vor 


und Difputiren Flug und verftändig werden; die CHriſtum 
mit dem Verſtande nicht ergreifen, toiffen von Chriſto viel 
Worte zumachen, Matt. 7.9. 22, und haben doch die Liebe 
nicht, find deswegen flolß und aufgeblafen, weil fie den 
Geiſt CHrifti nicht haben, und führen bey ihrer groffen und 
hohen Kunft und Wiffenfchafft ein Welt-gefinnteg Herß vols 
ler Mißgunſt, Nachgierigfeit, Geig ıc. Durd) die Heiligen 
aber, die entweder ohne viel und ftetiges Leſen und Difpus 
tiren, wie die Einfältigen, oder die benebenft dem Leſen und 
Studiren vornemlich durchs Gebet und die Liebe zur wah⸗ 
ren Erkaͤnntniß GOttes gefommen ; die CHriftum nicht als 
lein erkennen, fondern ihn auch lieben, und alfo beydes ih⸗ 
ren Verftand und Willen EHrifto geben. Zurs. Man findet 
noch verftändige und gelehrte Leute; aber die auch GOttes 
Beift Haben, find wenig. Yaren. 
Luther. Non intelligendo , lezendo, fpeculando, fed vi. 
vendo, imo moriendo & damnando fit Theologus. Dag 
iſt: Nicht durch viel Wiffen, Verfichen, Leſen, Speculiren, 
- fondern mit Leben, Sterben, Berdammen oder verdammt 
werden, wird einer zum rechtfehaffenen Theologo. Ey 
wird hier nicht dahin gefehen, wie wir erft das Neich GOttes 
erlangen mögen, fondern wie wir daſſelbige in ung finden, 
unfern höchften Schaß erkennen und kraͤfftiglich empfinden 
mögen. Paren.. . i 
+ m Hertzen hat GOtt feinen Siß, und geuſt dafelbften feine 
Gaben aus: Alfo haben die Gläubigen allesin ihnen: denn 
fie haben GOtt in ihnen wohnend, der da iſt alles in allem. 


Waren, 





. 


728 Vorrede. 


a ur 11 
vor dem Teufel ſelbſt, welches uns auch we⸗ 

sen der Welt noch Teufel nehmen fan: Darzu 
racen © Wir auch Feiner grofen Kunſt/ Sprachen oder 
ea zu vieler Bücher bedürfen, fondern cin gelaſſen 
mine GOtt⸗ergeben Ders, Laflet uns demnach 
ni 89 Fleiß anwenden, einzufehren zu diefem uns 
* ern inwendigen, verborgenen, himmliſchen 
und ewigen Gut und Reichthum.“ Was 

ſuchen wir auswendig in der Welt, dieweil 

wir inwendig in uns alles haben, und das 

gantze Reich GOttes mit allen ſeinen Guͤ⸗ 

nn ig tern ? In unſerm Hertzen und Seele iſt die 
So rechte Schule des Heiligen Geiſtes, die rechte 
Werckſtatt der Heiligen Dreyfaltigkeit, der 

rechte Tempel GOttes, Das rechte Ber- Haus 

sort im ** Beift und in der Wahrheit/ Job. 4, 
in einer 23 Denn obwol GOtt durch feine allge> 
nt meine Gegenwart in allen Dingen ift, nicht 
eingeſchloſſen, ſondern unbegreiffliher Weiſe, 
dadurch er Himmel und Erde erfuͤllet; ſo iſt 

er 


*Das Reich GOttes wird durch das Wort und Sacrament 
in den Hertzen aufgerichtet, wir beſitzen es im Glauben, 
und wird durchs Gebet die Liebe und heiliges Leben in 
ang täglich vermehret und erhalten, und mit ſtillem Hers 
gen erkennet. Varen, 

** Damit wird die Schule der äufferlüchen Kirchen nicht auds 
geſtoſſen die die Innere Schule befördert. Dor/ch. 

‚Die aufferliche Werckftatt des Heiligen Geiſtes ift die 
Schule und offentlich verfammlete Semeines Die innerlis 
de geiftiiche Werckſtatt ift eine aläubige Seele, darinnen 
der Gift GOttes auch in der äufferlichen Werckſtaͤtte und 
verfammliten Gemeine Durchs Wort und Eacrament kraͤff⸗ 
tig it, und feine Wercke verrichtet. Von diejer wird hier 
achanvelt, und dadurch die Aufferliche in Feine Wege vers 
achtit. Aug. Qui cnthedram in cœlo habetz intus in 
eorde docet. Gott, der feinen Stuhl im Himmel hat, leh⸗ 
ret inwendig im Hertzen. Faren. 


DVorrede, 729 


er doch fonderlidy und cigentlid in des Men⸗ 
ſchen erleuchteren Seele, darinnen er wohnet 
und feinen Sig hat, ı Eor. 6,0. ig. als in ſei⸗ 
nem eigenen Bilde und Hleichheit, *da würdet 
er ſolche Wercke, wie er felbftift, da antwortet 
erim Hergen**allezeit auf unſer Seuffzen: 
Denn wie iſts möglich, daßer fid) denjenigen 
verfügen Fan, bin dem er feine Wohnung hat, 
ja, welchen er ſelbſt beweget und trager? Denn 
ihm nichts liebers und angenehmers iſt, 
denn daß er ſich allen mittheile, die ihn ſuchen. 
Da gehoͤret nun eine feine ſtille und ruhige Kune ber 
Seele zu: Denn wird aber die Seele ruhig anmen n 
und file, wenn fie fih von der Wels abwen- ver Bit 
det. Daher auch die Heiden gefagt haben: 
Anımam noftram tum demum fieri ſapientem, 
cum quiera & tranquilla fir: Denn werde un⸗ 
fere Seele weile und Flug, wenn fie ruhig und 
ftille wird. Davon der heilige Cyprianus 
—— redet: Das iſt ſpricht er, Die be- Sri 
Andige Ruhe und Sicherheit, wenn 
man von den ungeſtůmen Sturm zu 
Winden diefer Welt erlöfet wird, und 
feine Augen und Here zu GOtt erhebet 
von der Erden,undfich mit dem Gemuͤ⸗ 
the zu GOtt nahet, (mente DEO fit proxi- 
mus) verſtehet auch, daß alles, was un- 
ter menfiblichen Dingen für hoch und 
koͤſtlich gehalten wird in feinem Hertzen 
und Gemuͤth verborgen liegt: Alſo daß 
man nichts von der Welt wünfcher, und 
|. aueh 
en De aengene Olhisförmigft 
ar Indem er unfere Hergen ſtillet und befriediget. 


\ 730 Dortede 


begebret, weil ein folcy Gemůthe über 
die Welt ift, und mebr iſt als die Welr. 
O welch ein himmliſcher Schag iſt Das, 
von den, Banden und Striden diefer 
Welt erlöfer feyn! Delch ein hohes und 
grofles But, darzu man nicht grofje Ar- 
beit, Dorbitte an bobe Leute, oder viel 
enge ei: vonnöthen bat, fondern es 
ift ein Gnaden Geſchenck GOttes! Denn 
gleichwie die Sonne von ihr ſelbſt ſchei⸗ 
net, der Tag von ihm ſelbſt leuchtet, der 
Brummen von ibm felbft quillet, der Re⸗ 
gen von ihm felbft fleuſſet und feuchter, 
gu neide Alſo genffer fich Der Heilige Geiſt in eine 
Heil. sunfolche Seele, Dig fich von der Wels zu 
Knut _ GOtt erhebet. 


Summa In dieſen Morten iſt groſſe Weisheit, 
Be arten und hierinn ſtehet die gange Summa dieſes 
dritten Buchs. Alsdenn ereignet ſich offt, 
wiewol meinem Augenblick, * der verbor⸗ 

Anstie gene Schag in unfern Seelen.  Diefer An⸗ 
mblick iſt beffer denn Himmel und Erden, 
ale ern und aller Cregturen Lieblichfeit: wie S. Bern- 
lichkeit. hardus fagt: Welche Seele einmal recht 
gelernet bat in fich felbjt einzukehren, 
und GOttes Angeficht zu ſuchen, und Die 
Begenwert GOttes in ıbrem Inwen⸗ 
digen zu ſchmecken, fo weiß ich nicht, ob 
dieſelbe Seele peinlichee Und fünmerg- 
haffti⸗ 


Es wird hier von feiner Entzuͤckung, fondern von der inner⸗ 
lichen und unſchaͤtzbaren Freude der Seele in GOtt geredet, 
Dorfib. n 


Bee MRDEREBE. “31 
bafftiger achte, eine Zeitlang Die Hoͤlle zu 

leiden, oder Daß fie nach erkannter und 
enpfundener Suͤßigkeit dieſer heiligen 
Ubung wiederum ausgeben wolle zur 
Wollůſt oder vielmebe zur Unluſt und 
Beſchwerung der Welt und des Flei⸗ 

fches, und zur unerfättlichen Begierlich⸗ 

Feit und Linrube Der Sinnen. Hadenüs 

Bernhardus. Denn eine folge Seele findet 

nicht allein das hoͤchſte Guth in ihr ſelbſt, wenn 

fie zu GOtt einkehret, ſondern auch das hoͤch⸗ 

ſte Elend in ihr ſelbſt, wenn ſie GOTT ver⸗ 

leuret: Sie mercket wohl, daß fie in GOtt le⸗ guer der 
bet, als in dim Urſprung des Lebens, wenn Sat an 
fie der Welt abſtirbt; und hinwieder, ie mehr som. 
fie der Welt cher, ie mebr fie GOtt abfticht, 

Eine fülhe Serle, die der Melt abgeftorben 

iſt, lebet recht in GOtt, und iſt GOttes Luft 

und Freude eine ſuͤſſe und reiffe Mein⸗Trau⸗ gobel.n. 
be im Wein⸗Garten Chriſti, wie das Hoher "+ 
Lid Salomonis finger, Die anderen welt 
ſuͤchtigen Hergen find bittere unreiffe Trau- 

ben. Die Zeichen aber einer ſolchen Seele, zeichen es 
die der Welt abgeſtorben iſt, ſind dieſe: Wenn me Sen 

ein Menſch in allen Dingen GOttes Willen Weit atge: 
feinem Willen vorzeucht , Die eigene Liebe rer 
daͤmpffet, Des Fleiſches Begierde toͤdtet, die 
Wolluſt der Welt fleucht, ſich fuͤr den gering⸗ 

ſten Menſchen achtet, ſeinen Naͤchſten nicht 

leicht richtet und urtheilet, GOtt das Urtheil 

und Gericht befiehlet, ſich nicht erhebet, wenn 

er gelobet wird, ſich auch nicht betruͤbet, wenn 

er geſcholten wird, alles gedultig leidet, und 

uͤber 


’ ! 
732 Vorrede. 


uͤber niemand klaget. Ein Exempel ſolches 
aufgeopfferten Willens haben wir am König 

 Cam.3. David/ 2. Sam. 23. v. 15, als er fü hefftig be> 
2 chrte des Waſſers zu trinden aus dem 
runnen zu Bethlehem, und die drey Hel⸗ 

den durch die Feinde hindurch riffen, und dem 

König deſſelben Waſſers holeten, goß er es 

gus vor dem HErrn, das iſt: Er verziehe 

ſich ſeines eigenen Willens, weil die drey Hel⸗ 

den ihr Leben durch ſeinen Willen gewaget 

Bet hatten. Siehe, hierinn ſtehet die rechte * Voll⸗ 
eommen: kommenheit eines Chriſtlichen Lebens. 
beis Rebe. Denn die Bollkommenheit iſt nicht, wie etliche 
meynen, eine hohe, groffe, geiftlihe, himm- 

liſche Freude und Andacht; fondern fie iff die 
Verleugnung deines eigenen Willens, Liebe, 

Ehre, und Erkaͤnntniß deiner eigenen Nichtig- 

keit, eine ſtete Vollbringung des Willens 
GOttes, inbruͤnſtige Liebe des Naͤchſten, ein 
hertzliches Mitleiden; und in Summa: Eine 
ſolche Liebe, die nichts begehret, gedencket, fü- 

cher, denn GEOtt allein, fo viel in der Schwach⸗ 

heit diefes Lebens moglich iſt. Darinn ſtehet 

auch die rechte Chriſtliche Tugend, die wahre 
Freyheit und Friede, in Victoria Carnis & affe- 

Auum, in Überwindung des Fleiſches und 
fleiſchlichen Affecten. Solches wirft du in die⸗ 

fein dritten Buch witer leſen, und durch 
Ubung befinden: Darzu ich dir und die 

na⸗ 





*Dieſe Vollkommenheit iſt dag letzte und weitgeſteckteſte Ziel, 
nicht daß Feine ſelig werden, die ſolches nicht erreicht haben, 
fondern daß eiferig darnach zu fireben fey. _Dor/ch, 

Er redet von der rechten, nicht aber ganglichen Voll⸗ 
kommenheit, die gar keinen Mackel habe. Varen. 


RR Vorrede. REN 
Gnade des Heiligen Geiftes wuͤnſche, Die ale 
les in uns anfahen, mitteln und- vollenden. 
nur zu GOTTES Ehre, Lob und Preiß! 
Amen. 


Pſalm 37. verſ. 4.5. 
Habe deine Luſt an dem HErrn, der 
wird dir geben, was dein Hertz wuͤn⸗ 
ſchet. Befiehl dem HErrn deine Wege, 
und hoffe auf ihn, er wirds wohl 
machen. 





Das 


732 B.. €. 1. Don dem inwendigen Schag 


Das dritte Bud) 


Vom 


Wahren Ehriſtenthum, 


Des 1. Capitel. 


Bon dem groſſen und inwendi⸗ 
gen Schag eines erleuchteten 

02 Menſchen 

1. Cor.6. v. 19. Wiſſet ihr nicht, daß euer Leib 


ein Tempel iſt des Heiligen Geiſtes, der in euch 
iſt, welchen ihr habt von GOtt? 





die glaͤubigen Hersen Wohnungen 
ſind der Leiligen Dreyfaltigkeit, bes 
zeuget die heilige Schrifft an vielen Orten, 
als: 3. B. Moſ. 26.0. ı 1. Jeſ. 44. v. 3. 
und Cap. 57. v. 15. Joel. 2.0. 27. Joh. 
14.0.23. Cap. 17.0.23. Roͤm. 15. v. 18. 1. Cor. 2. 
v.11. Cap. 3. v. 16. Cap. 6. v. i9. 2. Cor. 6. v. 16. 

Sal. 2.0. 20. Eph. 3.0.17. Und Cap. 4. v. 24. Col. 3. 

Wenig er⸗ V. 10. 1. Joh. 4. v. 13. 15. Wer iſt aber unter den Chri⸗ 
kenuen ih (ten, der dieſen Schatz in ihm * erkennet, groß achtet 


ren inwen⸗ 


digen  umd ſuchet? Auf daß nun ein wahrer Chriſt ſeine eigene 
Schat. himmliſche und geiſtliche Dignitaͤt und Wuͤrdigkeit 
erkennen lerne, und feinen hoͤchſten Schatz * Ba 

j e } 


FE SAN RN RER. © 
* Sin allen Chriften ift diefer Schag verborgen, was anlanget 


dasMecht zudem Hinnmelreih. Per 
Er redet nicht, was die Chriften in ihrer verderbten Nas 


£ur,fondern was fie in EHrifto feyn, und durch ihre geiftliche 
Wiedergeburth geworden. Karen. 
a er in fich felbft hat wegen des erlangten Rechts und 
urde, , 





















































eg, IR) adelft mi 
verborgen. 


er wi 3 


PIIETTTTTT LLLTSTLTTELIETTTEITTEESTTSTELTEET LEE 





. Des Dritte Buch, Cap.l. pag. 734 

Hier liegt eine offene Uhr, die man bey fich tragen fan, dar+ 

innen aber dag Edelſte und Befte,nemlich was die Uhr bewegt, 

verborgen ift: Alfo hat man bey einem Chriften nicht zu 

ſehen auf dag Neufferliche, fondern vielmehr auf das Innere 

liche, auf den 9. Geift, der in ihm, als in einem Tempel, 
kraͤfftig iſt und ihn zu allem Guten antreibet. 


Col. 3. verf 3. 
Euer Leben iſt verborgen mit CArifto in GOtt. 


Da, was an Chriſten aͤuſſerlich 
Sich ſehen laͤſt, iſt wenig zu betrachten; 
Um ſo viel mehr und hoͤher iſt zu achten 
| Mes nicht den Augen zeiget ſich: 
Der Geift der Kindfchafft bat im Hertzen feinen Sitz, 
In welchen ex vegieret, 
Und feine Herrſchafft gar verborgen führer, 
Hier wuͤrckt er über Menſchen Krafft und Wis 
Den Glauben, der ohn Unterlaß ſich regt, 
/ Und tebendige Fruchte tragt: 
| Hier ift der Tempel, da er lehret, 
- Da er den Worte Krafft und Nachdruck giebt. 
Und das Gebet mit ftillem Seuffjen übt, 
Da ihn die Seele freundlich veden hoͤret. 
Hier iſt die Tafel, drein er fein Geſetze fchreibt, 
Und unaufhoͤrlich zum Gehorſam treibt: 
Hier iſt der Gnaden-Brief, durch ihn verſiegelt, 
Der Kleinod⸗Schranck, eh ihn verfchleffen und 
02. Vereiegelt. 
O Menfh, nimm diefes theuren Schages wahr, 
Der alle Schaͤtz auf Erden überwieget, 
Der in dem Worte dir, und allen offentieget, 
Und dennoch Denen nur wird Fund und offenbar, 
Die von der Welt⸗Lieb ausz und in fic) felber gehen, 
Und ihren innern Grund mit ſtetem Fleiß Durchfehen, 





eines erleuchteten Menſchen. 735 


ſubſ ſuche und finde, wird in dieſem dritten Buch ge⸗ 
nugſame Anleitung gegeben. Darzu iſt auch zuvor 
im erſten Buch im 5. Capitel, das Fundament ger 
leget, —— wie GOttes Wort muͤſſe im Menſchen 
durch den Glauben lebendig werden. Im andern 
Buch aber, vom 27. bis > aufs 34. Capitel, wie fich 
GoOlit der liebhabenden Seele zu erkennen gebe, als 
die höchfte Liebe, Guͤtigkeit, Schönheit, Heiligkeit und 
Weisheit ꝛc. 

Weil aber folder grofler Schatz im Hertzen nicht Zur 1 Er 
fan erfannt und gefüchet werden, ohne einen ſtillen ummiß, 
und innerlichen Sabbath des Hertzens, * da der lichen gehd» 
Heilige Geiſt inwendig lehret, Durch Betrachtung be Seele 
des Worts, da er erleuchtet, lebendig machet , da der 
Geift alles erforſchet, auch die Tieffe der Gott- 
beit, 1. Corinth. 2. verf. ı 0. ſo iſt vonnoͤthen zu wife 
fen, wie das Hertz in einen folchen ftillen Sabbath 
zu bringen, dazu im andern Buch, in dem Tractaͤt⸗ 
fein vom Gebet, abermal der Grund geleget if. Hie 
aber in a dritten Buch wirds weiter ausge 
fuͤhret, nemlich, wie der verborgene Schag und at, 1; 
Perle im Acker des Hergens zu fuchen, durch Ein Ser inner 
Eehren in ſich ſelbſt, ja in GOTT: Denn das iſt liche Sab⸗ 
Der innerliche Herkens-Sabbath eines ſolchen Her—⸗ 
tzens, ſo durch den Glauben gereiniget, Ap. Geſch. 

15. v.9. und durch den Heiligen Geiſt erleuchtet iſt. 
Aus dieſem Schatz des Geiſtes und des Reichs GOt⸗ in die 
tes, fo im gläubigen Hersen verborgen liegt, ift alle Gtttiche 
Weisheit entfprungen der hocherleuchteten Männer Weisbeit: 
GoOttes, fo ie gelebet haben, auch der heiligen Prophe⸗ 

ten und Apoſtel. Diefe Perle ift zu ſuchen, Diefer 
Acker iſt zu bauen, diefe Babe des Geiftes und Gna⸗ 
den GHDttes ift zu erwecken als ein Fuͤnckl ein Feuer, 

ſo man aufblaͤſet, wie St. Paulus fügt 2. Tim, 1.0. 6. > Tim: 1. 
Damit* % 


* Zusher, Alle die müffen verführet werden , die auf ihnen 
ſelbſt ſtehen; und alle die zu recht kommen, die ihr feldft müß 


‚fig und ledig fichen, dag find, die den rechten Sabbath fey⸗ 
ern. Varen. 


736 B.11.€, 1. Von dem inwendigen Schatz 


Wie man Damit du aber im Eingang dieſes Buchs, welches 
* —— auf den innern Menſchen gerichtet iſt, einen ein⸗ 
gene geſuůh⸗ faͤltigen, doch gründlichen Bericht Haben moͤgeſt, wie 
ret wird. Die Kinder GOttes vom auffern Menſchen abzufühe 
ven zu dem innern, das iſt, in den Grund des Hertzens, 
denfelben zu erforfchen, zu erkennen, zu reinigen, zu 

andern, und in demſelben ihrem Hertzens⸗Grunde 
GoOttes und des Himmelreichs wahrzunehmen, will 

ich davon in dieſem erften Eapitel einen einfältigen Ber 

Zweyerley richt ingenere und fpecie thun; und denn in folgenden 
hie DB geiftreichen Mannes, Johannis Töuleri * Theo!o- 
Tem Eapis giam einführen, deſſen Worte ich auch in diefem Buch, 
iel. ſo viel immer moglich, und unfere ießige zierliche 
1. Teutſche Sprache erleiden will, behalten habe. Das 

N von mercket nun folgenden Bericht: Weil die gange 
Wort im heilige Schrifft auf das Hertz des Menfchen fieher und 
nn dringet, fo iſt die gange Theologia des Tauleri auf den. 
foli das. inwendigen Menfchen gerichtet, und auf den innern 
N Grund des Hertzens oder der Seele. Daher fagt er 
Erf eins ſo offt vom innern Grunde, daß man GDtt und das 
Be, Reich GOttes in Demfelben lauter haben, füchen und 
Kraft finden müffe. Dasift: Was die heilige Schrift und 
fühlen, rechtmaͤßige Erklärung der Schrift auswendig bay 
delt, 





* Luther. Was den Lehrer Taulerum belanget, ob er gleich den 
Theologis in den Schulen unbekannt, und defhalben bey 
ihnen verachtet ift. fo weiß ich doch, ob er gleich durchaus 
Teutſch if, dag ich doch mehr der reinen Gottlichen Lehre 
bey ihn gefunden, denn in ollen Büchern der Schul-tehrer 

auf allen Univerfitäten ich gefunden habe, oder darinnen 
gefunden werden mag. Ingleichen: So du Luſt haſt, die alte 
reine Theologiam in Teutfcher Sprache zu lefen, fo Fanft 

du dir die Predigten Joh. Tauleri, des Prediger- Münch, 
fchaffen, denn ich wider in Lateinifcher noch Teutſcher Spras 
che die Theologiam reiner und heilſamer gefunden, die 
alfo mit dem Evangelio übereinftinmere. Wiederum 
. Du wirft darinnen finden folche Kunft der reinen heilſamen 
Lehre, dargegen ietzt ale Kunft eifern und irdiſch iſt, es fey 
‚gleich in Griechifcher , oder Latsinifcher , oder Hebräifcher 
Sprache. Farın. 


eines erleuchteten Menſchen. I 


delt, das foll im Hergens» Grunde, in der That umd das ik Tau- 
Bahr -:it alfo befunden terden. * Darju iſt von sn. 
nötben das Einkehren zu feinem eigenen Brunde. vom in: 
Und ie mehr man nun von der Welt ausgehet in fich — 
ſelbſt, ie mehr gehet man zu GOtt ein in feinen ewigen Je weiter 
Urſorung: Und ie mehr daſſelbe ein wahrer Chriſt yon der 2 
thut, ie mehr fich das Neich GOttes und der verbor⸗ per zu 
gene Scha in ihm ereignet. Wer nun dieſe inwen⸗ GOit. 
Dige Frucht des Seiftes, oder des neuen Menfchen nicht 
davon bringet, der wird vor GOtt wenig gelten mit 

feiner hohen Profeßion, fondern ift unter dem Urtheil 

des Haren begriffen, Matth. 7.0.22. HErr, haben 

wir nicht in deinem Namen geweiffager? “Denn Hohe Ga 
vor Gott gilt nichts Aufferliches, ** fondern das in- ig supne 
nerliche; nicht was im Buchſtaben beftehet, fondern die inwen: 
was aus dem Geiſt gehet, und im Geiſt beftchet. Dar⸗ Hr Zruht 
um iſt (wie auch in Der Vorrede vermeldet) ein groſſer Noriciali- 
Unterfeheid unter einem Welt⸗Gelehrten und GOt⸗ 7: & ri 
tes=- Belebrren;, oder unter einem Gelehrten und unterfheid 
heiligen. ** Der Belebrte lernet von auffen ans ine Se, 
dem Buchſtaben; der Aeilige lernet aus GOtt, inwen⸗ Heitigen. 
ERDE dig | 


& Luther, Wiewol der Heilige Geift felbft ieberman im Hertzen 
lehret, daß er weiß, was recht ift, fo muß man dennoch die 
Schrifft brauchen, damit zu beweiſen, daß es alfo fey, wie 
wir im Hergergläuden. | 4 
Was aͤuſſerlich iſt, kan die Seele nicht helffen; ein Chriſt iſt 
an keine Statt noch aͤuſſerliche Dinge gebunden, ſondern 
ſchwebet über ale Ereaturen, Latber Pt 
Er will andeuten, daß GDek nicht fürnemlidy auf die 
..Aufferlichen Werde, als GOttes Wort hören, leſen, predis 
gen, 2c. fehe, fondern auf dag innerliche, tvie der Menfch 
‚im Hergen befchaffen ſey ob die Früchte des Geiſtes auch 
ba ſeyn ob das Wort GOttes auch in dag Leben verwandelt, 
und in eine innerliche 'geiftliche Ubung gebracht werde: 
Ohne welcher innerlichen Praxi alles äufferliche vor GOtt 
nichtögilt. Varın Bo Aug, 
‚99% Luther, Mundus plenus eft labiis, linguis, vocibus concib- 
 natorum,nusguam lingua Chrifti ſucculenta & agilis. Das 
iſt, die Welt if voll ungen und Stimmen der Prediger, aber 
nirgend CHriſti fafftige, Fräfftige und fertige Zunge, Farin: 


738 B.1L.E, 1. Von dem inwendigen Schau 


dig aus dem Heiligen Geift, aus der Salbung, die uns _ 

».30b,2. alleslebret,* ı. oh. 2.0. 27. Der Gelehrte hat 
».2. feine Kunft in Worten ; der Heilige in der Krafft: 
Denn das Reich BOttes ſtehet nicht in Morten, 

1.Cor.4. fondern in der Krafft, 1. Corinth. 4.0.20. Damit 
»?© wir. aber nicht in genere bfeiben, ſondern in fpecie den 
Infpecie. Einfaͤltigen zu ihrem Grunde helffen, biß fie es beſſer be⸗ 
ce oet greiffen Eonnen, fo follen fie acht haben auf Die fuͤnff 

Dom Haupffiucke ihres Catechifmi, wie Diefelben nicht auffer _ 

Das Auffer, ihnen, fondern in ihnen ** feyn muͤſſen. Und erſtlich, 
Iicheund Du glaubeft, GOtt habe fein Gefeg gegeben auf dem 
inneriihe ‘Berge Sinai, in zwo fteinerne Tafeln gefchrieben, und 
eintom: Das Geſetz ſey der heilige ABille GOttes, nach dem du 
men. leben folt. Du glaubeft recht: Es ift Dir aber nichts: 
| nuße, wenn GOtt mit den Finger feines Geiftes das. 
Geſetz nicht in dein Hertz fehreibet, Ser. 31.0.33. und- 

feinen Söttlichen Villen in dir felbft vollbringet. Soll 

aber GOtt foldyes thun, und zu dieſem feinem edlen. 

Werck in dir gelangen, fo muft du ihm, weil Du nun ein 

BHtt das Chriſt worden bift, dein ganzes Hertz geben, und ihn. 
eo deinen Willen aufopffern als denn gefchicht fein Wille, 
in dir. Und weildisein hohes und edles Werck GOt⸗ 

tes in uns ift, ſo bittet der Königliche Propher David fo 

emſig darum , fonderlich im ı 19. Pſalm, (denn dahin‘ 

gehet diefer ganse lange Pſalm) daß ihn GOtt nach ſei⸗ 

nem Geſetz und Zeugniß leiten, führen und lehren wolte, 
damit dis hohe heilige Werck GOttes in ihm nicht, 

) Vom möge verhindertiverden. Ferner, du gläubeft, CHri⸗ 

Slauben. ſtus fey deine Gerechtigkeit, Leben und — | 

—— 1. Cor. 





*Doch nicht ohne, ſondern durch das geoffenbarte Wort, 
durch fleißige Anhoͤrung, andaͤchtige Betrachtung oder Er⸗ 
innerung des Worts. 
®* Das Aeuſſerliche und Innerliche find hier einander nicht 
entgegen zu feßen. daß eines das andere ausſchlieſſe, fons 
bern fie werden alfo von einander gefchieden, wie etwas, 
welches feinen Zweck nicht erreichet, von dem andern, das. 
ihn erreichet ; alſo find unterfchieden die Wiſſenſchafft, fo 
allein in dem Buchftaben bleibet, von der andern, barzu die 
Krafft des Geiftesfommeh FR, 1.4 


seines erleuchteten Menſchen. 739 


1. or. 1. v. 30. Du gläubeftrecht; denn es Ban Eein 
anderer rund geleget werden, denn welcher ger 

leger ift, IEſus Cehriſtus, ı.Cor. 3.0, 11, Und iſt 

in keinem andern Heil, iſt auch Fein ander Plane 

den Menfiben gegeben, darinn fie follen flieg 
werden, Av. Geſch. 4. v.t 2. Aber du muſt CHriſtum Cgriſtus 
in dis haben, das iſt inwendig mit dem Glauben faß Wird, unfer 

‚daß er dein eigen werde, mit ſeiner Perſon und mit Sjauden, 

einem Amt. "Siehe, wenn nun EHritus dein it, ſo 

ift alles dein, was. GOttes ft; und wenn er taufend 
Himmelreiche hatte, und aber taufend Himmel voll Ser 
rechtigkeit und Seligkeit, fo ift alles dein. Dein CHri⸗ 

ſtus mit ſeiner Gerechtigkeit iſt mehr und groͤſſer, denn 

tauſend Himmel voll Gerechtigkeit und Seligkeit: Und 

fo schadet dir auch deine Suͤnde nicht, und wenn tauſend 

Welt voller Sünde auf Deinem Halle lagen. Alſo 

mujt du den Schatz in dir haben, nicht auffer dir, 

Gebet, das Reich EDrtes iſt inwendig in euch, 

£uc. 17..0.21. das it, Berechtigkeit, Sriede und 

Freude im Heiligen Geift, Rom. 14.09.17. Du glaͤu⸗ 

beft, daß CHriſtus das ewige Wort des Vaters tft, WR 
das wahre Licht und Leben Dee Menſchen. Du glaͤuee 
beit recht: Siehe aber zu, daß Dis Wort indir rede CHrikus 
daß diß Licht in Dir leuchte, daß die Leben in dit [ebe, HE in uns 
oder es iſt Dir nichts nüße. Du muſt diefen Scaß-teusren 
indie haben: Du muft mit CHriſto durch den Glau⸗ und leben 
ben vereiniget feyn, Du glaubeft und weiſſeſt, daß 
ein koͤſtlich Ding fey , beten, dem HErrn danden,G) Vom 
und deinen KNamen loben, du Alerböchfter, re 
Pfalm 92,.0.1.2. Du glaubeft echt: Wenn aber 
Chriſtus nicht in dir betet, und der Heilige Seift ir Der Delle, 
dir feuffset, Rom. 8.0. 26. welcher iſt ein Geiſt derimum » 
Gnaden und Gebets, Zach. ı2. v. 10. und du im ſeuffin. 
rechten Tempel des Geiftes und Wahrheit, Zoh,4. ' 
v. 23. im runde deines Hertzens nicht beteſt, wird dirs 
nicht viel nügen. Du glaubeft, daß dir in der Tauffe (+) Taufe 
Dergebung der Sünden gegeben werde dle neue Ge, Burke 
bust, bie Kindſchafft GOttes. Du gläubeft recht: 

—* — IR. PP E enn 





740 BU, €. Von dem imvendigen Schatʒ 
ach 


Wenn du aber die Frucht der Zauffe, die neue Geburt, 
Die Salbung des Geiſtes, die wahre Erleuchtigungnicht 
it dir haft, was wird dirs helffen? Du gläubeft, daß 
(5) Abend» du im aufferiichen * Sacrament des Abendmahls 
” den wahren tvefentlichen Leib und Blut EHrijti em⸗ 
pfaͤheſt. Du. glaubeft recht, laut der Worte des 
Geiflide Hrn, Matth.26. 0.26. Aber ift die innetliche 
el geiſtliche Nieſſung nicht Dabey, fo wirſt du nicht allein 
muß ben keinen Nutzen und Frucht davon bringen, fondern über 


ann dasnoch das Gericht eflen und trinden, ı.Eor. ı ı. 


mablfepn- v. 29. Du gläubeft, EHriftus fey das gefehlachtete 
und aufgeöpfferte Laͤmmlein GOttes am Creutz, 
Ken: ” oh. 1.0.29. Du glaubeftrecht: Iſt er aber nicht 
deine tagliche innerliche Speife, was wird er dir nuͤ⸗ 
gen? Alſo fieheft du, wie dein Schaß in dir zu fuchen, 
in dir feyn muß, nicht auffer Dir. ar 


| Gebet, . 
Joh⸗ 14. Nädiger GOtt und Vater, wie groß und unermeßlich ift 
D. 23- deine Liebe, daß du in elende irdifche Sefäffe einen fo groſ⸗ 
er fen und herrlichen Schaß legen, felber zu ung kommen, in ung 
Röm. 14, fern, Wohnung bey ung machen, dein Neich, welches iff Gerech⸗ 
9.17. tigkeit, Sriede und Freude indem Heiligen Geiſt, in ung aufrich- 
ten wollen! Wiegroß aber iftunfere undanckbare Thorheit, daß 
wir auffer ung, in der Welt, fuchen, da nichts zu finden ift, mas 
hen mit grofferMühe ausgehaueneBrunnen,die doch fein Waſ⸗ 
fer geben; und vergeffen hingegen dich, die lebendige Duelle, zu 
Jet 2. v. 73. fuchen! Vergieb mir, GOtt, folche Sünde, und führe die in des 
nen Creaturen verirrete und verwirrete Seele zu der wahren Rus 
| he in dir. Es ſuchet dieſe Taube,aber findet aufferdir feine Ruhe: 
1.B. Moſ. Ach ſtrecke, du himmliſcher Poah, (Ruhe) deine Hand aus, und 
FR 9”  nimmfieeinzudie. Schaffe du, daß meine Seeie fich feße. und 
Dr 62. in ir flille,und lehre mich denn zu forfchen,ob ich ausivendig nur 
B.28.09. ein Chriſt ſey, oder ein folcher, derinwwendig verborgen ift, * 
en 


* Durch dag aͤuſſerliche Sacrament verſtehet er die facra> 
mentliche Nieffung, wie fie der geiftlichen. entgegen geſetzet 
wird; Nicht aber macht er zweherley Abendmahl, ein inner⸗ 
liches und Aufferliches. N, 

- Gerhard. Sollen wirdiefer groffen Nutzbarkeit theilhaffe 
tig werden, fo müffen wir nicht allein äufferlich das heilige 
"Abendmahl gebrauchen, fondern es muß auch babeyfepn die | 
ännerliche geiftliche Nieffung. Farer, 


| "eines erleuchteten Menfeben. „41 


> fen Lob nicht it aus den Menfihen, fondern aus GOtt. Ach 

HErr, gieb mir nicht. allein zu woiffen deinen Willen aus dem 

Geſetze fondern auch dir zu Dienen im neuen Wefen des Ger 

ſtes und nicht im alten Wefen des Buchftabeng. Ich weiß, Kim. 7. 

‘ ewiger Erlsfer, dur haft befieget die Holle, und fie in Triumph v. 6. 
geführer: Ach uͤberwinde fie aud) in mir, daß ich ervettet von Eol. 20.15. 
der Obrigkeit und Wercken der Finſterniß im Geiſt wandeln, lie, 
and bie Lüfte deg Sleifches nicht vollbringen moͤge. Du HErr yr.g,u,n 
biſt König, und haft ein Neich angefangen. fo weit die Welt i 
iſt: Ach laß meine in der®elt verunrubigte Seele dieſes Reichs 
Genoſſen ſeyn. Herrſche du in derfilben; laß aug derfelben 

deine Demuth alle Hoffart deine Gedult ale Nachgier, deine 
Langmuth allen Zorn, deine Heiligteit alle Unreinigkeit vers 
‚treiben. Du bijt mein getreuer Hoherpriefter, der mich ver⸗ Hebr. 8. 
tritt bey, GOtt: Ach lehre mich im, Geift und in der Babe ana 





heit den Vater anruffen. Laß deinen Geiſt ohne Aufhoören a 3 


in mir ſchreyen: Abba lieber Vater! Du bift als ein Prory. 1. 
phet gefalbet,-und gefandt denen. Elenden zu. predigen: Ach Jeſ. sı.v.r. 
Iehre du in mir Elenden Eräffiiglich. Vertreibe durch deine 
Lehre aus meinem Verkande alle Finfterniß, aus meinem 
Willen allen Ungehorfam, aus meinen Affecten alle Unords 
nunngen: Und endlich verleihe, daß ich didy, meinen Schaf, 
wohl fuchen, und beftermaffen moͤge faffen, und wenn ichdich 
gvefaſſet, in Ewigkeit. nicht laffen: Amen, 
an Das IiCapitel, 

Durch was Mittel ein Menfch zu ſei⸗ 
nem in wendigen Schatz kommen fol, nem⸗ 
lich durch den wahren Glauben, und durch Ein⸗ 
ehren in ſich ſelbſt. R 

Jeſß 46. v. 8. Ihr Ubertreter, gebet in euer Hertz. 
Er wahrhafftige Weg einzukehren zu ſeinem Mes einm 

inwendigen Schatz und hoͤchſtem Gut, If der immenbigur 

wabre lebendige Glaube. . Wiewol nun Sat w 
 Derfelbe im erſten und andern Buch gnugfam mit feiner der Glaube. 
Krafft und Eigenſchafft, wie er allein EHrifto anhanget, 
und ſich allein auf denſelben gruͤndet erklaͤret iſt; fo iſt 
doch ‚von demſelben noch eines hoch in acht zu nehmen, 
nemlich dasjenige, was ung ietzo zu unferm Vorneh⸗ 

men dienet. Iſt demnach des wahren, lebendigen Glaubens 
Glaubens Eigenſchafft, GOtt von gangem Herhen kann, 

dan 3 getreu: 


742 B.III. C. 2. we ein menſch zum 


gerreulic) anhangen, feine gantze Zuverficht auf SHtt 
fesen, ihm von Hertzen vertrauen, fid) ihm ‚gang erge⸗ 

benfeiner Barmhertzigkeit fich laffen, mit —— 
einigen, eines mit GOit ſeyn und bleiben, allein in GOtt 
ruhen, und ſeinen innerlichen Sabbath halten, GOtt 
allein laffen feine hoͤchſte Begierde, Wunſch und Pers 
langen, Luft und Freude feyn, alle Creaturen ausge 
ſchloſſen, nichts wwünfchen, nichts begehren, denn GOtt 
allein, als das höchfte, ewige, unendliche, vollfommene 
Gut, das alles Gut if, ohn welches Fein wahres Gut 
feyn Fan im Himmel und Erden, in Zeit und Ewigkeit: 
Und das alles in und durch EHriftum JEſum unfern 
Herrn, welcher ifE der Anfänger und Dollender 
des Blaubens, Hebr, 12.0.2. Diefer Glaube ifts, der 
ung zu unferm inwendigen Schatz und hoͤchſtem Gut 
führet. - Deß nehmet ein Exempel an David; derfelbe 
hatte eben einen folchen Glauben, als er fprach: krr, 
wenn ich nur dich babe, ſo frag ich nichts nach 
97305. Zimmel und Erden, Pf. 73.0. 25. ‚Einen folchen 
Glauben beiviefe Maria, Lazari Schwefter, da fiefich 
ſetzte zu den Süffen des HErrn, und fein Wort bö= 
— rete, Luc. ı 0,39. Denn dieſer Glaube machet und wuͤr⸗ 
2: rhenss " gfet den rechten Hergens-Sabbath, * in GOtt zu ruhen, 
abdatd. in welchem inwendigen Sabbath ſich GStt offenba⸗ 
vet. Darum ſprach der HErr zu Martha: Martha, 
Martha, du haſt viel zu ſchaffen; Eines iſt noth. 

nn m Marie bar das site Theil erweblet, Das wird 
nicht von ihr genommen werden. iſt 
ie dan aber das befte Theil? Ohne Zweifel GHtt allein in 
Son in ‚Särifs JEſu: Denn durch Diefen Glauben, welcher 
eCyrio. GOtt allein im Drehen Statt und Raum giebt, * 





x Luther. Chriftus tune regnat in nobis, quando nos ab operi«- 
bus noſtris feriatos inhabirat, & in Sabbatho fuo per nos 
fan: tihcatoipfein nobis manens facit omnia opera noftra, 
Das iſt: Alsdann regierer EN ifug in ung, wann wir von 
unfern eigenen Wercken fegren, under in ung wohnet, und 
in ſeinem Durch ung aeheiligten Sabdath er ſelbſt in ung bleis 
bet, und alls unfere Wercke verrichtet. 


inwendigen Schar kommen fol. 743 
| fet man das befte Theil, Durch diefen Glauben bes 
figet GOtt des Menfchen Hertz, und wohnet Chri⸗ 
ſtus in uns, famt den H. Geift, und die Heil. Drey⸗ 
faltigkeit, Cph.3.d.17.305.14.0.23.Dasiftdasbefte 
Theil,fo ein Menſch erwehlen kan: Das iftdie Selige 
keit und ewige Leben. In diefem einigen ift alles begrif- 
fen, was zum wahren‘ Chriſtenthum gehoͤret; daraus 
fleuſſet die Liebe und alle Tugend: Denn wer glaube, 2 * ‚dem 
der liebet; wer liebet, der hoffet; wer hoffet, der ift gedul⸗ Krmucn, 
tig; wer gedultig if, ifefanfftmuchig; wer ſanfftmuͤthig — un alle 
ift, ift bemüthig, wer demüthig ift, Der fürchtet GOit; Tugend. 
wer SOTT fürchtet, der betet, der creutziget fein 
Sleifeh, Sal. 5.0.24. perleugner fic) felbft, haſſet 
fein Leben, verſchmaͤhet die Welt, Matth. 16.0. * 
Derentwegen St. Johannes ı. Epifl.am 5. v. 4 
Glauben nennet den Sieg uͤber die Welt. ıf 9 —— iſt 
einige Eins weiſet der HErr den reichen Juͤngling, Luc. fer die 
18.0. 22. welcher ihn fragte: Guter Meiſter, was He 
muß ich tbun, daß ich das ewige Heben ererbe? Le.As. b.a- 
Und da ihn der HErr aufs Geſetz wieſe, fprach er: 
‚Das babe ich alles gehalten von Jugend auf. 
Der HErr antwortete :Es fehler dir noch eins; Ver- Eins if 
Eauffe alles, was du baft, und folge mir, foroirft "- 
du einen Schag im Himmel haben. Da lehrteihn 
der HErr das Einige; nemlich das befte Theil erweh⸗ 
len durch den &lauben, und in feinen Urſprung einkeh⸗ 
ven in GOTT, durch den innerlichen Sabbath des 
Hertzens. Aus diefem einigen quillet heraus das gantze as ‚zw 
Ehriftlicye Leben, und alle Gebot, fo man erdencken dus eiche 
kan, von ihm felbft, als Waſſer aus einem Brunnen; —* Pe 
nicht aus Noth oder Gefes, fondern aus Liebe und Gray Bei ge 
heit des@eiftes : Denn GOtt wuͤrcket folcyes alles felbft (heben. 
in: uns nad) feinem: Woblgefallen Phil. 2.0.13. 
Und was er felbft in ung nicht würcfet, das erkennet er 
nn. das Seine. Darum bedarff man hie Feines 
ang + Gefeges, Gebots oder Verbots; denn der 
e thut alles, mag zu thun.ift, aus freyern Geiſt, 
dos —* laͤſſet fi GOtt, der alles aus Gnaden in ung 
Aaa4 wuͤr⸗ 






744 B.In C. 2. Wodurch ein Menſch zum 
—8 


wuͤrcket. Und das iſt auch, davon Jeſaias prediget, 

daß wir zum HErrn kommen follen, ihn zu hoͤren, und 

Jel. 55.01. umfonft kauffen/ beyde Wein und Milch, Zel. 55. 
v. 1. So iſt nun das das Mittel zu unſerm inwendi⸗ 
gen Schatz zu kommen, nemlich der Glaube, der 

GOtt einen ftillen Sabbath * halt; und den Men 

— ſchen machet einkehren in ſich ſelbſt; denn gleich⸗ 
priheipiüm, wie Des Himmels Lauff Darum der alleredelſte und 
vollkommenſte iſt, daß er ſtets in fich felbft wiederkeh⸗ 
ret, in ſeinen Urſprung, aus welchem ſein Lauff ſeinen 

Anfang genommen hat: Alſo iſt des Menſchen Lauff ** 

der alleredelfte und volllommenfte, wenn ev wiederkeh⸗ 

Bon der tet in feinen Urfprung, welcher it GOtt. Das kan 
ar 3 abet nicht gefchehen, denn ‚wenn ein: Menſch in ſich 
SHr in felbft gehet *** mit allen feinen Krafften, und feinen 








* Zuther, Alle die kommen zurecht, die ihr felbft müßig und les 
dig ſtehen; das find, die den rechten Sabbath feyern, und in 

. folhen Sabbath wuͤrcket die Gnade GOttes ihre Wercke. 
ax Diefer Lauff wird zugefchricben nicht einem Menfchen, fons 
dern dem gangin menfchlichen &efchlecht, nicht daß folches 
darinnen flehe und lauffe, fondern darnach fich ſtrecken folle, 
und wo man frine Unvollkommenheit fühlet, folches aus 
CHriſti Bolfommenheit erfegen. Dorf 
%** Bernh. Filimi, ad cor tuum redeas, ab omnibus, quantum 
posfibile eft, te ipfum abftrahendo, mientis oculum femper 
in pur.tate &trangvillitate cuftodias. Intelletum a for. 
'misrerum infirmarum refervando, völuntatis affetum a 
curis terrenorum penitus .abfolvas, fummo bono amore‘ 
fervido femper inherendo: memoriam quoque jugiter 
furfum eleyaram habens, per contemplationem divin vino- 
ıum ad fuperna tendendo, ita ut tota anıma tua, cum 
omnibus porentiis fuis& viribus in DEum eolle&a,unus 
fiat fpiritus cum eo, in quo fumma perfe&tio vitz cognofci- 
‚tur confiftere. Das ift: Mein Sohn, gebe in dein Her, dich 
von allem, fo viel moͤglich ift, abzufcheiden, und erhalte daß 
Auge deines Gemuͤths allezeit in feiner Reinigfeit und Stils 
ligfeit Deinen Verſtand halte frey von den Bildern ſchwa⸗ 
dier Dinse, und. die Zuncigung deines Willens jiebe allers - 

"dings ad von der Corge dig Zeitlichen, daß du dem hoͤchſten 

EOtt allezeit mit brünftiger Kirbe anbangeft; Laß auch alles 
zeit dein Gedaͤchtniß erhoben feyn, durch — 7 
* f . 


jan inwendigen Schatz Bommen poll. 245 


Verſtaud, Willen und Gedaͤchtniß erlediget von der 
Weit, und von allen fleiſchlichen Dingen, und ſeine 


Seele mit allen ihren Begierden zu GOTT wendet 


durch den Heil. Geift, ruhet und feyret vonder Welt, 


durch einen ftillen Sabbath. Alsdenn faͤhet GOtt an &Htt if 


in ihin zu wuͤrcken; denn auf dieſen Hertzens⸗ Sabbath 
wartet GOTT, und iſt feine hoͤchſte Freude, daß er 


ſo jach nach uns; und eilet fo ſehr, und thut nicht ans 


ders, als ob ihm fein Goͤttlich Weſen wolte zubrechen - 


und zunichte werden an ihm felbft, Daß er ung offen» 
‚bare allen Abgrund feiner Sottheit, und Die Fuͤlle ſei⸗ 
nes Weſens und feiner Natur. Da eilet GOtt zu, 


daß er unſer eigen ſey, gleichwie er fein eigen iſt. Nichts Dam 


hegierig un⸗ 
ſers Heils. 


fein Werck in ung wuͤrcken möge: Denn GOTT IE 


uſch 


mag der Menſch GOtt liebers thun, denn ruhig ſeyn, ruhig 


und dieſen Sabbath halten. GOTT bedarff nicht 
mehr zu feinem Werck, denn daß man ihm ein demuͤ⸗ 
thig und ruhig Hertz gebe, fo wuͤrcket er ſolche Wercke 
- in der Seelen, darzu Fein Menfeh Eommen Fan. Die 
ervige Weisheit GOttes ift fo zart in ihrem Wercke, 
daß fie nicht leiden mag, Daß da eine Sreatur zufehe, 
- &o viel num die Seeleruhet in GOTT, fo viel ruhet 
Gottt in ihr: * Ruhet fie gang in GOtt, ſo ruhet aud) 


In demuͤ⸗ 
ſhigen und 
ruhigen 


Gott gantz in ihr. Brauchſt du aber deinen eigenen Hirnen 
Willen, deinen Berftand, Gedaͤchtniß und Begierde Son, 


nach deinem ©efallen, fo kan fie GOtt nicht brauchen, 
noch fein Werck in ihnen haben; denn wenn zwey 
RN, ren Maas tn eing 


Gaoͤttlichen dich hinauf zu ſchwingen; Als daß fich deine Seele 
. mit allen ihren Kräften in GOtt verfenckende ein Geift mit 
‘ ihm werde, als worinnen die hoͤchſte Vollkommenheit des tes 
bens beftehet. RER 1 wi 
# Luther, Nicht durch Thun, fondern durch Leiden werben 
wir fromm, wenn wir die Goͤttlichen Wuͤrckungen in uns leis 
den, und felbft nur ſtill ſeyn. Ingleichen: Siehe, alsdenn 
laͤſſet der Menſch GOtt den Zaum ergiebt ſich ihm zu eigen, 
thut nichts aus ihm felber, laͤſt GOtt in ihm malten und 
wuͤrcken/ daß alle feine Sorge, Furcht, Bitten und Begierde 
iſt ohne Unterlaß, daß ihn ja GOtt nicht laſſe fein ſelbſt 
Merck und Leben führen. 


745 B. II. C. 2. Wodurch ein Menſch zum 


Sol Bott eins ſollen werben, fo muß Das eine ruhen und leiden, 
Be das andere muß wuͤrcken; Nun ift aber. GOtt eine 
wir uben. unendliche ftetig würckende Krafft, und merus adtus, 
und ruhet nicht, fondern wuͤrcket in dir, wofern er zu 
feinem Werck Fommen Ean, und du ihn nicht hinderſt 
Schön Welches durch dis Gleichniß beffer kan verfianden 
Dom ge Werden: . Wenn dein Auge fehen foll, und ein Bild 
7 empfahen, fo muß es bloß und ledig feyn aller Bilder 
und Formen; denn fo es ein Bild und Forme in 
ibm hätte, fo" koͤnte es nicht‘ ſehen, oder ein Bild faſ⸗ 
ſen: Alſo auch die Seele mit ihren Kräfften, Ders 
fand, Willen, Gedachtniß, Begierde, Eönnen GOtt 
nicht faſſen, wenn ſie voll ſeyn der Welt und der ir⸗ 
und Ohr. diſchen Dinge. Gleichwie das Ohr leer ſeyn muß 
von allem Gethoͤn wenn es foll ein gut Gäitenfpiel 
hoͤren: Alfo auch deine Seele muß leer ſeyn von der 
Welt, fol fie GOttes Lieblichkeit hoͤren. Je ee 
fi) nun Die Seele abzeucht von irdifhen Dingen, 
bimmlifcher fie wird; ie mehr fie fid) der fleifeplichen 
Lüfte entichläget, ie mehr fie tbeilbafftig: wird 
Goͤttlicher Natur, 2. Bett. 12.0.4. \ 
ee Die Natur leidet Feine Leere Stat, % erfuͤlet allg 
vom a Dinge, in ihr felbft; es müfte cher die Natur brechen, 
Bart 4 ehe etwas leeres in ihrfeyn und bleiben felte; Und durch 
Terdfar, DIE Principium und Mittel feynd groſſe Künfte erfun⸗ 
den worden: * Alfs, wenn der Menſch ſein Hertz gas 
ausleeret von der Welt-Liebe, eigenem Willen, 
Lüften und Begierden, und ftehet diefes alles ledig, 
fo Fans GOtt nicht laſſen, ee muß die leere Statt mit 
feiner Göttlichen Gnade, Liebe, Weisheit und Er⸗ 
kaͤnntniß erfüllen. Wilt du aber voll feyn diefer Welt, 
„8, Mol. ſo biſt du leer der himmlifchen Dinge. Da Abra⸗ 
usa ham ausgieng aus ſiaen ——— und von ſei⸗ 
MR 


* Wer etwas recht von GOtt gedencken will, muß von allen 
Creaturen ausgehen, ſonſt Fan er GOtt nicht fehen, fo lan⸗ 
‚ge er diefen zeitlichen Dingen, fo vergänglich ſeyn, anhans 

et, weil fich dag, ſo ewig ift, mit dene, dag in der Zeit 
efihloffen, nicht vergleichen mag. baaber, 








inwendigen Schatz kommen fol. 747 

ner Freundfchafft, aus GOttes Befehl, da ward er von 
GOtt erleuchtet. Unſere fleiſchliche Affeeten, eigene 

Liebe, eigen Wille, eigene Weisheit, eigene Ehre, eigene 

Luft, find unfere nächften Freunde; es thut Dem Fleiſch 

suche, Diefelben zu verlaffen, und von ihnen auszugehen: 

Aber wiedem allen, fo ift Dis der Anfang zu dem vers 
borgenen Schag, und zu der köftlichen Perle im 
Acker, wie unfer HErr Matt). 13. d.46. fagt:_ Ein Deattb.13- 
Menſch verkauffte alles, daß er die Perle finden gp% mau 
möchte. Was ift das anders, denn das der HErr alles ver 
fagt Marc. 10.9. 29. Wer um meinetwillen Lilly een 
fer Dater und Mutter, Brüder, Schweftern, ol. 
Zaͤuſer, Aecker, der wird es hundertfältig finden, _ 

und darzu das ewige Keben. AUnfere fleiſchliche Sleiftliche 
Affecten, Wille und Lüfte find unfere Brüder @ite und 
und Schweitern, die wir laffen ſollen. Gleichwie bie due 
Sungfrau Maris eine reine unbefleckte Jungfraulaſſer. 
war, (und bleibet in Ewigkeit) als fie EHriftum leib 
lich empfieng, Luc, 1.0 27. Alfo unfere Seele foll feyn fuer. v.27. 
wie eine reine unbefleckte Jungfrau, das ift, Ste follnicht 

mit der Welt⸗Liebe beflecket feyn, fp wird fie CHri⸗ 
ſtum geiſtlich nr 1, fo hat fie den hoͤchſten 
Schatz in ihr, fo ift fie des Möniges Tochter inwen⸗ Pf4s.0.14- 
‚dig gefehmücker, Pſalm 45. v. 14. und träget ihren Hui 
Schatz in ihr verborgen: Iſt fie aber mit der Welt 
vermahlet, wie Fan fie mit GOTT vermahlet werz 
8 fpricht unfer Here EHriftus, Luc. 12. d. 49. 

& bin kommen ein Seuer anzusinden? Und molte 
GOTT, daß in dem Feuer der Göttlichen Liebe alle 

unfere Affeeten, fleifchlicher Wille und Lüfte verbren- 
neten, daß allein GOttes Wille und Wohlgefallen n_ 
uns vollbracht würde! Er fpricht v. 5ı. pr foller Eur m 
nicht mepnen, daß ich kommen bin Sriede su brin⸗ Feuer der 
gen,fondern Krieg und Schwerdt. Wolte GOtt, — 
e8 wurden durch den Geiſt GOttes alle deine fleifeh- unferszteis 


liche Sinne und Begierde getödtet und erwuͤrget, auffches Lüns 
daß GOTT in uns leben und wuͤrcken möge! So gen, 
dich aber dein Amt und Beruff hindert, daß du 


nicht 


748 BI. C.ꝛ. Wodurch ein Menſch sum 


nicht in dein Hertz gehen kanſt, folt du allegeit, bey Tage 
oder Nacht, ein Staͤttlein fuchen, oder eine Zeit erweh⸗ 
len einzukehren in den Grund deines Hergens, auf was 
Weiſe du Eanft und magft, und mit Gt. Auguftino ſa⸗ 
gen: Ach lieber HErr, ich will ein Beding mit dir 
machen, ich will recht in mir ſterben, auf daß du in 
mir lebeft. Ich willfelber ganz in mit ſchweigen, 
auf daß ou in mir redeft, Ich will auch felber in 


J mir ruhen, auf daß du in mir wuͤrckeſt. 


Jeſto. v. s. DICH du ewiger und einiger Friede⸗Fuͤrſt, ICſu CHrifte, du al⸗ 
Matıh, A: A erſeligſte und hoͤchſte Ruhe aller glaͤ en Seelen, du haft 
Sb — geſagt: Kommt zu mir, ſo werdet ihr Ruhe finden vor eure 
Seele. In der Welt habt ihr Angſt, in mir habt ihr Friede. Ach 

wie offt habe ich Ruhe geſucht in dieſer Welt und im Zeitlichen, 
habe ſie aber nicht funden! Denn es kan die unſterbliche Seele 
nicht geſaͤttiget, noch geſtillet noch geſaͤnfftiget werden. denn mit 
unſterblichen Dingen, nemlich in dir und mitdie. O du unſterbli⸗ 
cher GOtt /wo du nicht bift, da iſt keene Ruhe der Seelen; denn als 
Pſalm 102. les Zeitliche eilet zum Untergang und verſchieſſet wie ein Kleid: 
v.27.28. Die Erde veraltet wie ein Gewand; ſie verwandelt ſich, und du 
unwandelbarer GOtt wirft fie verwandeln; wie folte denn meine 
unfterbfiche Seele in den fterblichen, wandelbaren, flüchtigen 

Dingen Ruhe finden? Denn gleichwie du, lieber EDrt, unfer 
Schoͤpffer, in feiner Creatur ruhen wolteft, ohne in dem Mens 

1.8. Mof. hen; (denn als du den Menfchen gefchaffen hatteft, ruheteſt du 
2.0.2.  vondeinen Wercken) alfofandesMenfchen Seele in keiner Crea⸗ 
tur ruhen, denn allein in dir, o GOtt. Meine Seele fan nicht 

gefättiget werden, Nenn mit dir, o GOtt, der du alles Gut bi; 

Pſ. 42. 9.3. Darum hungert und dürfte meine Seeie nach dir, und fan nicht 
eher ruhen und gefättiget werden, fie habe dich denn felbft. Deros 

%05.7.0.37. halben vu,mein HErr ChHriſte, wohl gefagt hafl: Wen da bürftet, 
der fommezu mie. Du bijt meiner Eeelen Urfprung ; darum 

kan ſie nirgend ruhen, denn indie: Darum ruffe meiner Seelen, 
Hohel.2. und fprich zu ihr: Komm m ine Taube, meine Taube in den 
D.14. Steinrigen und Felstschern! Das find deine Wunden, HErr 
JEſu, o du Fels deg Heils, in welchen meine Seele ruhet; denn 

Seh. 20. auch dein lieberApoftelThomas nicht ruhen Eunte,er hatte denn 
d 25. feine Hände gelegt in deinelBundenmaal Das find unfereHeilz 
Brunnen unſere Sriede-Örunnen,unfere Liebe-Brunnen. Ad) 

mein HErr JEſu wie bruͤnſtig ift deine Liebe, wie rein iſt fie, ohn 

alten Falſch wie vollfommen,twie unbefleckt, wie groß, wie hoch, 

wie 


inwendigen Schas kommen fll. 749 


— ———— —— — — — — — ——— 

wie tieff, wie hertzgruͤndlich! Ach laß meine Seele in dieſer 

deiner Liebe ruhen in deinem Hertzen, in welchem kein Falſch 

iſt noch Betrug, da ruhet fie ohne Furcht, ſanfft und ſicher. 

Ach laß alle meine Sinnen ruhen in dir, daß ich dich in mi 

höre freundlich reden, o du höchſte Freundlichkeit: Da 

meine Augen dich anfchauen, o du hochſte Schönheit: Daß 

meine Ohren dich hoͤren, o du hschite Lieblichfeit: Daß mein 

Hund dich fchmecke ,. o du hoͤchſte Sußigfeit: Daß ich vom 

die empfinde den,edlen Geruch des Lebens, o du edle Blume 

des Paradifes. Laß meine Arme dich mit. Liebe un fahen, 

9 du lieblichfter Bräutigam: Mein Hertz in dir jauchzen, o 

meine Freude: Meinen Willen dein allein mit Verlangen 

begebren, o meines Hergens einige Begierde: Meinen Ver⸗ 

fand dich allein erfennen, o du ewige Weisheit: laß alle meine 

Affecten und Begierden in dir alleinruben. O JEſu, meine 

Liebe, mein Friede, meine Freude, nimm weg aus meinen 

Hergen alles, was du nicht felber bift. Du bift mein Reichs 

thum in meiner Armuth: Du bift meine Ehre in meiner 

Verachtung: Du: bit mein Lob und Ruhm wider alle Ver⸗ 

leumdung: Du-bift meine Etärde in meiner Schwachheit: 

Du bift mein Leben in meinem Tode. Ach wie folte ich nicht 

in. dir ruhen? Bift vu mir doch alles. Du bift meine Gerı.@or. rn, - 

rechtigfeit noider meine Sünde, meine Weisheit wider meine», 30, 

Thorheit, meine Erlöfung wider meine Verbammniß, meine 
Heiligung wider meine Unreinigfeit. Komm zu mir, und 

ſtille mein Herb, halt in mir deinen Sabbath, laß mich hö⸗Ppſ. zu. v0. 
ten, was du in mie redeft, laß mich empfinden, dag du in 

mir lebeft, o mein Leben : Wie du mich liebeft, o meine 

Siebe: Wie dur mich tröfteft, erquickeft, erfreueſt und erleuch— 

teft, o mein Zroft, o meine Erquickung, o meine Freude, 

v mein Licht! Laß mich dir mein gantzes Her geben, dieweil 

du mir Dein ganges Hertz gegeben haft; Laß mich von mir ſelbſt 

ausgehen, auf daß dırzu mir eingeheft : Laß mich mein Her 

sank ausleeren von der Welt, auf daß du mich mit himmliſchen 

Baben erfuͤlleſt. O JEſu, meines Hergens Ruhe, du heiliger 

Sabbath meiner Seelen, bringe mich in die Ruhe der ewigen 
ESeligkeit, da Freude iſt die Fülle und lieblih Wefen  Pfas,y.ı. 

niet zu deiner —— —— J 

TREUE RER 6 


Ba) — 


\ 


Eu CD Wa ’ 


750 B.UL €, 3. Blaubens-Schaz 
Das Il. Capitel. 4 
Im Glauben iſt der gantze Schatz des 


inwendigen Menſchen, nemlich SOTT, 
EHriftus, der — Geiſt, und das Reich 


- 


dem Reichthum feiner Herrlichkeit, 

werden durch feinen Beift an dem inwendi- 
gen Wenfchen, und CAriftum zu wohnen 
durch den Glauben in euren Hertzen „und 
durch die Kiebe ——— und gegruͤndet 
werden. 


Blahbeift 38 Chriſten —— Werck und Sorge 


 Ephef.3.0.16.17. GOtt ie euch Deren * 


ei Xu follfeyn, daß er den Glauben wohl lerne vers 
jtehen und üben; denn im Glauben iſt CHri⸗ 
Cote m ftus se das gange Neich GOttes, und alle Selig⸗ 
Her. in. feit: Darum aud) die Cpiftel andie Hebraͤer Sap.ır. 
v. 1. den Glauben nennet eine Hypoftafin, eine Zub⸗ 
ſtantz und Wefen. Denn das gantze geiftliche ABer 
fen und Leben beftehetiim Glauben; nicht in einer Wiſ⸗ 
fenfchafft, nicht in einem Schein: und Schatten⸗Werck, 
fondern in lebendiger, thaͤtiger Krafft. Summa, der 
Glaube bringet alle Seligkeit, und benimmt alle Unſe⸗ 
ligkeit: Darum bald im Anfang unfers Ehriftenthums, 
in primo limine Eeclefiz, in der heiligen Tauffe, das 
durch wir als durch eine Thür in die ——“ ein⸗ 
Mart.16- gehen, der Glaube vorn, an ftehet: Wer da gläuber 
* und getaufft wird, der wird ſelig, Marc. 16. v. 16. 
Alben und St. Paulus Nom. ro, ver]. 9.10. Das iſt das 
—2— Wort des Glaubens, ſo wir predigen: Denn ſo du 
rchafften. mit deinem Hertzen glaͤubeſt, ſo biſt du gerecht ec. 
Wir koͤnnen aber den Glauben nicht beſſer verſteher 
und uͤben lernen, denn durch feine. Eigenſchafften: dere: 
wollen wir achte nach einander hören: ” 
. Die erſte iſt die geiſtliche Freyheit von Suͤt⸗ 
4 fest 1 den, Tod, Teufel und Holle, Fluch des Gefeges, vor 


unbeil, * — figuͤrlichen Ceremonien, und von allen 
Menfchen: 


des inwendigen Menſchen 751 


Menſchen⸗Satzungen und Geboten; denn gleichwie 
der Seele keine gröffere Plage und Angſt wiederfahren 

mag, und Feine groͤſſere Seelen» Pein feyn Fan, denn 

wenn. fie leiden muß die feurigen Pfeile des Teufels, 

und die Tyranney des Antichrifts, dadurch die Gewiſ⸗ 

fen mit Menfchen-Seboten gefangen, beftricket und ger 

aͤngſtet werden; Alſo ift hinwieder Feine gröffere Ruhe, 

Briede, Troſt und Freude der Seelen, denn Die wahr- —— 
ha rige Freyheit des Gewiſſens, von der Gewalt ns, miß 
des Teufels und der Sünden, und von allen Menfchen- 
Satzungen: Welche Treyheit des Gewiſſens wahr⸗ 

hafftig nichts anders it, denn der wahre feligmachende. 

Slaube. Urfach: Der Glaube ergreifft (Aaldeiven) Olıube cu 
CHriſtum, den Sohn GOttes mit allen feinen himmz EHrifs at- 
liſchen Gnaden⸗Schaͤtzen; fonderlich die Verſohnung le Onadene 
mit · GOtt, Vergebung der Sünden, den: Heiligen Zue, 
Geift, und alles, was GOttes iſt und das ewige Leben; : 
Da können weder Suͤnde, Tod, Teufel, Hölle oder - 

Belt einem: folchen Glauben fchaden: Denn er hat 
EHriftum in ihm und bey ihm wohnend, der feine Ges 
rechtigkeit iſt wider die Süunde,fein Leben wider den Tod, \ 
feine Staͤrcke wider den Teufel, fein Himmelreich wi⸗ 

der die Hölle, fein Sieg wider die Welt, fein Segen. 

wider aller Welt Fluch, feine Seligkeit wider alle Unſe⸗ 
ligkeit dieſer Welt, feine Freyheit wider alle Menfchen- 
Satzungen;ʒ welches der Herr oh. 8.0. 36. mit dem Job... 36. 
kurtzen Sprüchlein begreiffet: So euch der Sohn 
frey machet ſo ſeyd ihr recht frep. Alſo ift CHri⸗ 
ſtus dem Glauben alles, und er darff nichts mehr zur 
Seligkeit, denn CHriſtum allein: Derowegen giebt der ee n 
Glaube der Seele und Gewiffen Ruhe, Friede, Frey⸗ Senn im 
heit, und vertreibet alle Furcht, Angſt und Schrecken, > 
And macht das Herk in GOtt getroſt und freudig. 

2. © vereiniget der Glaube unfere Seele „Fun 
mit CArifko, als eine Braut mit ihrem Brautigam, einiger mit 
Hof. 2.0. 19.20. Ich willmich mit dir verloben in Rnigeln. 
Ewigkeit, ja im Glauben will ich mich mit dir —5 
vertrauen. Alsdenn haben dieſe beyde ihre Guͤter ſchaf. 

J mit 


l 


752 B.III. C.3. Glaubens Schatz 


mit einander gemein, auch ihr Creutz und Leid; denn 
was EHriftus hat, wird der glaubigen Seele eigen, und 
was die Seele hat, wird CHriſti eigen. Nun hataber 
CHriſtus alle himmliſche und ewige Guter, Weisheit, 
Gerechtigkeit, Heiligung, Erloͤſung und alle Ses 
figfeit und ewiges eben, 1. Cor. 1.0.30. Ja er iſt das 
ewige Keben ſelbſt: Das wird alles der Seelen eigen 
Gut. Unfere Seele hat dargegen Sünde, Unreinig⸗ 
keit, Sammer, Elend, Fluch und Tod, das wird CHriſti 
EHriki. eigen. Ile noftram miferiam facit fuam : Unſer Elend - 
te halt er vor fein Elend. Seine Güter fehenekt er ung 
Sind: und unfer Armuth und Elend nimmt er anfih. Dieweil 
Tod. aber EHrifti Guter ewig feyn, unubertwindlich, ja all⸗ 
mächtig, fo ͤberwinden, verſchlingen und vertilgen fie 
alle unfere Sünde und Tod; denn CHriſti ewige und 
unübermoindliche Gerechtigkeit if. der Sünde zu ſtarck, 
daß fiemuß weichen, verfehlungen und vertilget werden: - 
Alſo wird unfere Seele frey von Sünden, und dagegen ' 
mit Chriſti Berechtigteit befleidet, Jefa, 61. v.10,. 
Das it ein fehöner und munderlicher Wechſel; für 
Sünde, Tod, Fluch, Verdammniß/ bekommen Gerech⸗ 
tigkeit, Leben, Segen und Seligkeit. Demnach iſts 
unmöglich, daß die Stunde einen Glaubigen verdam⸗ 
men Fan; denn die Suͤnde iſt in CHriſto verſchlungen, 
ervwuͤrget und getoͤdtet: der Tod iſt verſchlungen in 
Cor. i8. den Sieg, 1. Cor. ı5.d.s5. Iſt der Tod verſchlungen, 
v.55. ſo iſt auch die Suͤnde verſchlungen und getilget. e 
. 3. Daraus folgetvors dritte, daß der Glaube uns 
3 ſere Seele und Gewiſſen verſichert und gewiß machet 
unsder&e der ewigen Seligkeit. Ich bin gewiß, ſagt St. 
hdtiite Paulus, daßuns nichts feheiden fan vonder Kiebe 
GOvottes, Nom. 8.0.38. : Siebe, ich lege in Zion 
einen Eöftlichen Eckſtein, wer gläuber, fleucht 
nicht, Jeſ. 28. v. 16. Ichwill mit euch einen ewi- 
gen Bund machen. Meine Gnade ſoll nicht von 
dir weichen, und der Bund des Friedens ſoll nicht 
hinfallen, ſpricht der HErr dein Erbarmer, Jeſa. 


54. v. Io. c. I5. b. 3+ ENTE 
i * Da⸗ 


des inwendigen Menfben \ 753 


04. Daraus folgkt num dee Sieg des Blaubens u. - 
über Sünde, Tod, Teufel, Hoͤlle und Welt. 1.Fah.s. gleubeik 
v.4.5: Alles, was von GOtt gebohren iſt, uͤber⸗ und Sieg, 
windet die Welt. Wer iſt aber, der die TDelet. 3-5 
überminder, obne der da gläuber, daß fs " 
Gottes Sohn ift? Da zugleich des Glaubens Ur⸗ 
fprungangedeutet void, Daß er nicht aus eigenen, natürz 
lichen, menſchlichen Rrafften gewuͤrcket werde, fondern 
der Glaube iſt GOttes Werck in uns, Joh 6.9. 29. Iob.6.0.29. 
und die neue Geburt‘ ift ein Goͤttlich uͤbernatuͤrlich 
Werck: Deine Kinder werden dir gebohren wie 
der Than aus der Morgenvörbe, SM. ı 10.0.3, 

Weil nun diefe neue Geburt uber die Natur tft, fo Fan 
ihr auch Die gantze Welt nicht ſchaden. Denn obgleich Ein Lhrit 
ein Chliſt der Welt dluch ſeyn muß, fo iſt er doch in ge 
EHrifto ein Sieges⸗Fuͤrſt/ gantz unuͤberwindlich. a 
dem überwinden wir alles, un deß willen, der uns 
geliebet bat, Nom. 8.0.37. 

5. Daraus folge, des Glaubens Aerrlichkeie. „ 5, 
Diefelbe ift zweyfach: die eine die geifkliche, verborz pringer 
gene, Die andere die zukuͤnfftige, fichtbarliche, offen: Serchigr | 
barliche Herrlichkeit im ewigen Leben: Beyder Her 
lichkeiten CHriſti macht uns der Slaube theilhafftig. 

EHrifti Herrlichkeit ſtehet in feinem Boͤnigreich und Herlidteit 

 Zobenprieftertbum. Er hat uns aber auch zu Prie⸗ Konami 

ftern und Königen gemacht vor GOtt, welches St. Per und Drie: 
irus nicht hoc) genug vühmen kan : Ihr fepd das hetthum. 
aus erwehlte Befchlecht, das heilige Volck, das 

Volck des Ligentbums, das Rönigliche Driefker- | 

thum, 1. Petr. 2. v. 9. Die Serrlichkeit aber des Cı) Herr 

Bönigreichs Coriſti ift, daß es ein ewig Neich ift, und Iepncis det 

alle feine Güter find ewig; ewige Gnade, ewige Gerech⸗ reine. 
tigkeit, ewiger Troft, ewiges Leben, ewige Freude, ewiger 

Friede, ewige Seligkeit. Was wäre uns mir einem 

weltlichen Könige gedienee? Die Güter der weltlichen 

Neiche vergehen mit. der Welt, und der weltlichen 
„Herren Gnade ftirbet mit ihnen: Chriſtus aber ift 
ewig, und feine Gnade, Gerechtigkeit und Heil, 

UL. Theil, Bbb Dar⸗ 


: 954 BEE, 3 Glaubens - Schau 


en Darum beſtehet nun das geiftliche Boͤnigreich eines 
Epriten. Chriſten darinn, daß er Durch den Glauben über alles 
"erhoben ift, geiftlicher Weiſe, daß ihm Fein Ding ſcha⸗ 
den Ean zur Seligkeit, er iſt ein Herr über alles daſſelbe. 

Sa, es müffen ihm alle Dinge unterroorffen feyn, und- 

Bor * Delffen zur Seligkeit; denn denen, die GOtt lieben, 
Es mug müflen alle Dinge zum Beſten gedepen, Rom. 8. 
Fe ehe v. 28. Es fen Leben, Sterben, Tod, Teufel, Hölle, 
Welt. Das ifigar eine hohe, herrliche, geiftliche Herr⸗ 


dienen, 


nichts ſcha⸗ſchafft, und Königliche Wuͤrdigkeit, da Fein Ding fo 
den gut oder ſo boͤſe ift, es muß einem Gläubigen dienen zur 
Seligkeit, weil er CHriſtum hat und befiget, und CHri⸗ 

ftus ihn: Alſo bedarf ein Chriſt nichts mehr zus Selig⸗ 

' Zeit, denn CHriſtum allein durch den Glauben. CHri⸗ 

ftus ift mirgenugfam. Das fa mir eine föftliche Frey⸗ 

heit feun, und Gewalt der Chriften nach dem inwendi⸗ 

Kein äufe gen Menſchen; denn das ift gewiß, daß Eein aufferlich 
Ferdi Ding auffer GOttes Wort und Befehl, einen Chris 
nen Cor ten kan fromm oder felig machen: Sintemaldie Froͤm⸗ 
Ken ſelig. migkeit, Seligkeit, Freyheit der Ehriften, find nicht auf 
ferliche leibliche Dinge; gleichwie auch ihre Gebrechen, 
Gefaͤngniß und Elend nicht aͤuſſerlich ſeon. Darum 

hilfft auch der Seele Fein aufferlich leiblich Ding, von 
Menfchen erdacht. Fa, was hilfft das der Seele, wenn 

der Leib gleich frey, frifch und gefund ift, trincket und ie 

ſet? ꝛc. Wiederum, was ſchadet das der Seele, wenn 

der Leib gefangen, Eranck und matt ift, hungert und duͤr⸗ 

jet, leidet? ꝛc. Diefe Dinge gehen alle die Seele nicht 

an, fie frey zu machen, oder gefangen, fromm oder böfe 

zu machen. Summa, , der glaubigen Seele ſchadet 

nichts aufferliches; fie bleibet in ihrer edlen Königlichen 
Ede Freyheit und Herrfchafft. Alſo Fan auch Fein auffers 
einer lich Ding der Seele an ihrem geiftlishen Priefter- 
riefen, thum fchaden oder hindern, denn ihre Opffer, Ge⸗ 
BO ber, Seuffen, Andacht, gefchehen geiftlich im Glauben 
ohne Hinderung aller aufferlichen Dinge, es fey Zeit, 
Ort, Speife, Kleidung, Kirche, Tempel. Hinwieder 


hilffts auch der Seele nicht, wenn gleich alle Aufferliche 
| Dinge 


des inwendigen Menſchen. ass 





Dinge auf einem Haufen da funden, Heiligen, 
Kleider, Kirchen, auch) das leibliche Faften, muͤndlich 
Beten, und alle aͤuſſerliche Wercke. Es muß ein ans 
ders ſeyn, Das die Seele fromm machet und frey; denn 
es Ean auch ein böfer Menſch, ein Gleißner und Heuch⸗ Meufleriche 
fer, erzehlte Aufferliche Wercke thun, hikfft ihm aber yugreinins 
nichts an der Seele: Denn e8 hat die Seele Fein an⸗ fer Menſch 
der Ding, weder im Himmel noch auf Erden, darinn MP 

fie lebe, fromm; frey, felig und frotich feyn koͤnne, denn 
EHriitum, in welchen die Seele ruhet dyrch den. 
Blauben. Ich bin der Weg, die Wabrbeit ımd 

das Keben, oh. 14.0.6. Bommet zu mir, ſo 
werdet ihr Rube finden vor eure Seele, Mattb. 

11. 0.28 . Wenn der Glaube den HErrn IEſum Dar@laube 
hat, fo darff ev Feines Dinges mehr, er hat an CHriſto lau mie. 
alles und genug, Joh. 0.0.11. Speiſe, Freude, Sriede, CHrife, 
Licht, Kunft, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Frey⸗ Job. rt 
heit, Troſt, Seltgkeit, Leben, Erhoͤrung des Gebets, und 

alles. Alles, und in allem CHriſtus. Muß man Clzum 
aber mit aͤuſſerlichen Ceremonien, um guter Zucht und 
Drdnung willen, umgehen, wohlan, den Reisen iſt 

elles rein, Tit. ı.v.ı5. Ihr fepd rein um des 

Worts willen, Sch.ır. 0.3. Alſo kan die Seele 

nichts beflecken, Denn der Unglaube und feine Früchte, 

6. Es erneuert auch der Blaube den gengen__ 6. 
Micnfeben, würcket in ihm Liebe und alle Chriftfiche Dlaube ern 
Qugenden und Wercke der Barmhertzigkeit; nichtdaß 

er Damit etwas bey GOtt verdiene, fondern daß er. 
dankbar fey: Opffere GOtt Dand, und bezable 

dem Hoͤchſten deine Belübde, Pf. 50.0.14. Da 
fahet denn der Glaube das neue Leben an im Menfehen, ‘ 
and GOttes Wort lebendig zu machen ; denn im. 
Glauben iſt die gange heilige Schrift begriffen. Wie 
nun GOttes Wort ift heilig, wahrhafftig, gerecht, les 
bendig, geiftlich, frey und alles Guten voll: Alfo mas 
chet es auch die, fo es im wahren Glauben annehmen, 
heilig, gerecht, lebendig, wahrhafftig, Kinder GOttes, 
und alles Guten voll, - ME 

Pe Bbb 2 7,9 


756 B.ULE.3. Glaubens Schayg 


7: 7. Ob nun wol der feligmachende Glaube ift ein 
Sienbe „Uberwinder und Sieg über alle Welt und Teufel: 
Knchte Dennoch hat er auch die Art, daß er fich iederman 
u die zum Bnechte machet durch die Liebe, weil ihm 

in Gott umſonſt CHriſtum und alles mit ihm geſchen⸗ 
cket hat, alſo, daß er zu ſeiner Seligkeit nichts mehr be⸗ 
duͤrffe von allem, das in der Welt iſt, daß ihn auch 
nichts von GOttes Liebe ſcheiden kan, Rom. 8. 
v. 38. Auch nichts iſt in der Welt, das ihm ſchaden 
fan. Darum gedencfet er auch alſo: Ich will aus 
fehufdiger Danckbarkeit, meinem lieben GOtt zu Ehren, 
meinem Naͤchſten wieder alfo werden, wie mir CHri⸗ 
ftus worden it. Alle meine Gaben, Weisheit, Der 
fand, Reichthum, Troſt, ſoll wieder meines Nachften 
werden, gleihwie EHrifti Güter mein worden find. 

8. 8. Iſt des Glaubens Art, daß er alles Creutz 
Be lindert und überwindet, und fich des Creutzes ruͤh⸗ 
duls mm mer: Denn in CHriſto haben wir ja vielmehr Gü- 
gi ter, denn wir in der Welt laffen muͤſſen: In CHriſto 
Ereug. haben wir viel groͤſſere Ehre, ob ung gleich alle Men⸗ 

fchen verachten. In ChHriſto haben wir viel gröflere 
Liebe,ob uns gleich die gange Welt haffet. In Chri⸗ 
fto haben wir ja viel mehr Segen, ob uns gleich) alle 
Belt verflucht. In EHrifto haben wir viel mehr 
Sreude, wenn ung gleic) alle Welt betrübet. Und 
wenns moglich ware, das unfer£eib taufendmal in der 
Welt erwuͤrget und getödtet würde, fo bleibet doch 
EHriftus unfer HErr unſer ewiges Leben; welches Les 

ben ja unendlich beffer ift, denn unfer zeitliches Leben. 
O Du hochgelobter GOtt, wer iſt wie du ein ſo heiliger unbe⸗ 
greifflicher unerforſchlicher GOtt! Wie groß iſt der Reich⸗ 
thum deiner Gnade! Wie vortrefflich iſt die Herrlichkeit Die du 
‚dem Giauben an CHriftum zulegeft! Ach vergieb mir, barmher⸗ 
Biger GOtt/ daß mein mit Mißtrauen und Zweifel angefülltes 
Herk diß groſſe Geheimniß nicht, wie esfoll, erweget, —* dir 
fo viel freudiges Lobes und willigen Gehorſam entziehet. Und wie 
Ap. Geſch. du iederman vorhaͤlteſt den Glauben, fo würde denſelben auch 
37.9.31. in mit nach der Wuͤrckung deiner. mächtigen Staͤrcke . e 


P2 


des inwendigen Menſchen. 757 
—— —— —* 
wuͤrcket haſt in CHriſto JEfu, da du ihn von den Todten aufer⸗ Col.a. v. 13. 


wecket haft, und geſetzet zu deiner Rechten im Himmel, Schen⸗ Ephef ı- 
cke mir in EHrifto, und laß mich genieffen der. wahren Freyheit 51 —* 
der Kinder Gites, damit ung CHriftug befreyet hat, und lag Val. 3. b. I. 
mich nicht wieder in das knechtiſche Joch gefangen werden. 

Du haftdich, o mein Erloͤſer, mit mir verlobet in Gnaden und Hof.2.0.19. 
Barmhergigfeit, fo nimm aus folcher Barmhergigfeit von mir 

alle Sünde, ſchencke mir deine Gerechtigkeit, Weisheit, Heili-  — 
sung; Inſonderheit das Pfand und Siegel meines kuͤnfftigen 1. Cor. ı. 
Erbes, deinen Geift, der mich deffelben ftet® verfichere, Sünde, € y 
Sod,Teufel, Hoͤlle und Welt durch des Glaubens Krafft in mir Na⸗ F 
uͤberwinde. Du haſt mic) geliebet und gewaſchen von den Sütr: y,;, 6. 
den mit deinem Blute,haft mich zum Koͤnige und Prieſter ge⸗ 

macht vor GOtt und deinem Vater: Erhalte mich auch in diefer 

herrlichen Würde, daß niemand meine Erone nehme, und gieb Offenb. 3- 
mir mit Röniglichem Muth zu verachten die Eitelfeie dieſer Welt, 1 

zu haffen die Dienftbarfeit ver Sünden. Gieb mir,daß ich gezie⸗ 
ret in Priefterlichem Schmuck, in dem Rock deinegHeils und If. er 
Gerechtigkeit, an allen Drten zu dir heilige Hände aufheben, T Em. z 
mein Gebet für dir wie ein Rauch Opffer tügen, und ich meinen g, 
Leib dir zum lebendigen, Heiligen und wohlgefaͤlligen Opffer ge: Pr.xgr. v. 2. 
ben möge. Gieb mir ein Herb, daß in gläubiger Erwaͤgung der Roͤm. ı2, 
unendlichen Liebe, damit du groffer und unendlicher GOtt mich % = 

in CHriſto JEſu geliebet haft, dir ohne Unterlaß gehorfamie 
Danckbarfeit bringe, um deiner Liebe willen auf den dürfftigen 

Nächften Ströme ber reinen Liebe flieſſen laffe, in- allem Ereug Job.7.0.38- 
‚und Leiden ſtehe, unabläßig deine Güte preife, und in Betrach⸗ 

küng der unermeßlichen in CHriſto gefchenckten Gnaden⸗Guͤter Nöm.s. 03. 
ſich aud) aller Truͤbſal rühme. Amen. — 


| Das IV. Copitel. EN 
Wie eine glaubige Seele GOtt inwen⸗ 
dig in ihr ſelbſt ſuchen Sl; und von der 
Schoͤnheit und Seligkeit der Seele, fo mit 
* GOTT vereinigef if. 
&oh. 17. 9. 26. Ich babe ihnen deinen Namen 
kund gethan, auf daß die Liebe, damit du mich 
liebeſt, ſey in ihnen, und ich in ihnen. | 
Ott wird auf zweyerley Weiſe geſucht; die eine Zwererleo 
Itauswendig: Die andere inwendig. Die go m 
N erfte gefchicht in wuͤrckender Weife fo der fuhen. 
Menſch GOtt ſucht: Die andere in leidender Weiſe, 
ſo der Menſch von GOtt geſucht wird. "Die aus- 
* EUR wen⸗ 


sg B.UILE,4. Wie eine aläubige Seele 


— — —ñ —ñ — — 
wendige Suchung geſchicht Durch mancherley Ubung 
"der Chriſtlichen Wercke,* mit Faſten ** Beten, Stil⸗ 
ligkeit, Sanfftmuth, wie denn ein Chriſten⸗Menſch von 
GOtt angetrieben, oder durch gottsfuͤrchtige Leute ge⸗ 
führer wird. Die andere geſchicht, wenn der Menſch 
eingehet in den Grund feines Herkens, und dafelbft 
wahrnimmt des Reiche GOttes, welches in uns iſt, * 
zur, 1 Luc. 17.0.21. Denn ſo das Reich GOttes in uns iſt, 
5 dit der ſo iſt GOtt ſelbſt in uns mit aller feiner Güte. Daſelbſt 
Seelen näitt GOtt der Seelen naher und inmwendiger, denn die 
Kt Seele ihr felbfiift. Daſelbſt muß der Geund der Seelen 
Feb.  erfuchtierden, welches alfo geſchicht: Wenn ein Menſch 
ar inleidender Weiſe in allen auswendigen und inwendis 
Grund gegen Dingen mit ihm handeln Laft, wie es GOtt gefallet, 
ſucht wird. und laͤſſet ſich GOtt gans, läffet fich allein an GOttes 
| Willen begnügen, wie ihn GOtt habenwill, arım oder 
er der yeich, froͤlich oder traurig, geiftlich oder troftlos: Denn 
Grund zu Dadurch wird das Herk gereiniget von den Creaturen, 
Anden. und von alle dem, das die Sinne und Vernunfft von 
auſſen haben eingetragen, was nicht GOtt ſelbſt ift. 
Wenn Die Seele alſo entbloͤſſet wird von allen vernuͤnff⸗ 

tigen, ſinnlichen creatuͤrlichen Dingen, das GOtt nicht 
felbſt ijt, * fo kommt man in den Grund, da man —* 
Ra aus 





* Hiemit werden nicht auggefchloffen die Wercke, welche aus 
Goͤttlicher Einfegung von CHrifto darzu verordnet und ges 
richtet find, als die Predigt Ödttlichen Worts, und Gebrau 

ı 9. Cacramenten. Do ' 4 

xxKein heuchleriſch Faſten wird hier verſtanden, oder einige 
Moͤncherey. Dorſch. 

+ Luther. Wolt ihr dag Reich GOttes wiſſen, fo duͤrfft ihrs 
nicht weit ſuchen, noch uͤber Land lauffen: es iſt nahe bey 

dir, fo du wilt ja es iſt nicht allein bey dir, fondern in bir: 
Denn Zucht, Demuth, Wahrheit, Keufchheit und alle Tus 
genden (da8 iſt, das wahre Neich GOttes) mag niemand 
über Land oder Meer hohlen: fondern eg muß im Hertzen 
aufgehen. Darum beten wirnicht alfe: Lieber Vater, 
uns kommen zu deinem Neich, als wolten wir darnach laufe 
fen; fondern, dein Reich komme zu ung, zc. | 

* Solte etwa damit die Schrifft ausgefchloffen werden? * 

| | - wort: 


Gott in ihr felbfE füchen fol. 759 


—— — — —— —— — — — — — 
lauter findet mit ſeinem Licht und Weſen. Summa, 
es muß alles gelaſſen ſeyn, wenn du dieſen Grund 
finden wilt: Und die denfelben finden, werden die als 
ierlieblichſten Menfchen, kommen auch über die Natur: 
Denn fie Eleben nicht mehr an den Creaturen, wie 
die natürlichen Menfehen, fondern find in GOtt und 
mit GOtt vereiniget, und GOtt mit ihnen. ni 
Wer nun eine folche Seele ſehen Fönte, der fahe an, 
die allerfchönfte Ereatur, und das Göttliche Licht in Seug, 
ihr feuchten; denn fie ift mit GOtt vereiniget, und. 
iſt Goͤttlich, nicht von Natur, for. n aus Gna⸗ 
den. Und eine folche Seele begeht, chts in Zeit 
und Etvigkeit, denn GOTT allein; Ja bloß und 
lauter begehret fie GOtt allein, und nicht des ihren, 
weder im Geiſt oder Natur. Und hinwieder, wer SAnNL 
eine Seele fehen Eönte, die mit aller ihrer Liebe an 
den Ereaturen hanget, an des Fleiſches⸗Luſt, Augen: 
‚Luft, und hoffartigem-Leben, und hatte mit ihrer Liebe 
der Ereaturen Form und Bild in fich. gegogen, und 
ſich damit vereiniget, der fahe ein greulich Monftrum 
‘und Ungeheuer. vor aller Heiligen Augen, und ſcheuß⸗ 
licher und greulicher als der Teufel felbft. Und weil 
nun an jenem Tage eines ieden Menſchen Hertz 
und Gewiffen wird offenbar, 1. Cor. 4. v. 5. und das 
inmendige Auge aufgethan werden, damit eine jede 
Seele fich felbjt erfennet: fo wird alsdenn eine folche pre 
‚unreine Seele ihren verborgenen Greuel fehen, und gen geid, 
wird und muß denfelben ewig fehen, ohn Ende, und allen und ber 
Jammer, Hergeleid, Angftund Pein in ihr felbft Haben : Sync, 
Aber die lautere Göttliche Seele * wird GOtt und das 
2 | Bbb4 Reich 
‚wort; Nein, denn folche iſt Goͤttlicher Wille, und alſo mit 
GOtt vereiniget. Kat 
9 Zuth, Groß. Catech. Zu den Ende, daß wir GOtt allein 
- anhapgen, wolte ung gern GOtt von allen andern Dingen, 
die auſſer ihm feyn, ja die GOtt felber nicht feyn, abreiffen 
und abführen, und ung allein zu ſich, weil er das einige 
| ie Out felbft üft, ziehen. h 
* Der wird nicht gehandelt von der Rechtfertigung des re 
un 


768 B. II. C. 4. Wie eine glaͤubige Seele 


Reich GOttes in ihr ſelbſt anſchauen, und wid GOtt 
ewiglich ſehen in feinem Weſen, als GOtt, und daf 
felbe in ihr felbft, haben und befigen, un der Verei⸗ 
nigung willen mit GOtt. Wer nun diefe Vereiniz 
gung der Seelen mit GOtt verſtehet und betrachtet, 
der wird verfichen, was St. Paulus Nom. 8. v. 39. 
fpriht: Daß uns weder Hohes nach Tieffes Fan 
von der Kiebe GOttes ſcheiden. Alſo auch, wenn 
es möglid) ware, daß eine ſolche Göttliche Seele in 
der Höllen ware, fo: hätte fie doc) das Reich GOttes 
‚ und ihre Seligkeit in ihr felbit: Und wenns möglich 
ware, daß ein Verdammter, ja der Teufel felbit, im 
Paradies und im Himmel ware, ſo hatte ex doch feine 


- 


Hole und Pein in ihm ſelbſt. 


Yfalm 73, Hem wenn ich nur dich habe, ſo frage ich nichts nach Him⸗ 
v. 25. 26. GI mel und Erden: Und wenn mir gleich Leib und Seel ver⸗ 
ſchmachtet, fo bit du doch, GDtt, allezeit. meines Hertzens Troft 

und mein Theil, Wieleicht ift die, mein GOtt, gefagt! Aber als 

lein mit dir vergnüget feyn, mern aller himm iſcher und iedifcher 

Troſt verſchwindet, wenn. in dem verſchmachteten Leibe die ges 

plagte Seele fich ängftet, ifideines Geiftes Wuͤrckung in deinen 

Gal.s ba⸗4 der Welt gecreutzigten Glaͤubigen. Ach daß du mein Hertz in der 
That und Wahrheit ſo finden möchten! Doch iſt dis meine Zus 
verſicht, daß dir, getreuer Schöpffer, es fo machen Fonneft; und 

meine innigliche Bitte, daß du es fo bereiten wolleſt. Erwecke 

du denmn ogätiger Vater, mein Hertz daß es dich ſtets ale dag 

hoͤchſte Guz, und feinen einigen Schaß, Ehre, Luft, Verlangen 

und Freude achte, dich einig frachte zu haben, umd unverruͤckt zu 

Jeh. rs. vg. beſitzen. Und weil, wem ich dich, deine Liebe, deinen Geiſt (der 
die Melt ftrafet) Habe, ich nicht die Welt, noch deren Liebe,Ehre, 

Gunft, Danck, Güter, Woluft haben Fan, fogieb mir, daß ich 

in beiliger Großmuthigfeit auch nicht darnach frage, und mich 
'Yfı6,v.u, freue, um deinetwillen zu leiden. Bey dir ift Sreude die Fülle, 
Ka ir A — und 


— — — — — — — — — 
Suͤnders ver GOtt in dieſer Welt, ſondern von dem himm⸗ 
liſchen Freuden Reich, welches GOtt ſelbſt in jenem Leben 

ſeinen Glaͤubigen wird aufrichten, indem fie werden GOtt 

felbſt in ihnen haben und anſchauen, und mit demſelben 
viel fefter vereiniget feyn als in diefer Welt: Aus welcher 
Vereinigung fie die hoͤchſte Würde und Herrlichkeit Haben 
werden, Paren. F 























































































































| Erhohet durch 
den Fall. 




















Das DritteBuch, Cap.V. pag. 761 


Hier iftein Spring Waffer oder Spring: Born, mit welchem 
ed alfo bemandt, daß das Waſſer erft fo tieff fallen muß als es 
hochfteigen und fpringen fol: Alſo, will ein Menfch erhöhet 
werden, fo muß ererft niedrig werden und ſich demuͤthigen, O 
wird ihn der HErr erhöhen. 


1. Detr. u: 


Demiütbiget euch unter die gewaltige Hand GOt⸗ 
tes, daß er euch erhoͤhe zu ſeiner Zeit. 


HE Chriſten Ehr und Ruhm ift nicht auf 
Erden; 


Sie muͤſſen, weil ihr Thun der Naſen⸗weiſen Welt 
Durchaus nicht anfteht noch) gefallt, 
Allyier gemeiftert und verfachet werden. 
Hier ift der Stand der Niedrigkeit; 
Jedoch wird ihr Semüth durch folchen Sallerhöber, 
Daß es auf Erden allbereit 
Im Himmel wohnt, und auf den Sternen gehetz 
Zwar heimlich fonder allen Sans und Schein: 
Doc) wird der groffe Tag es offenbaren, 
Daß, die allhier dev Welt Geſootte waren, ® 
Dort Königliher Hoheit Erben feyn. 
Da werden die, Die iederınann 
Mit Füffen trat, auf guldnen Stühlen fißen, _ 
Und heller feuchten als der Sonnen Blitzen, 
Das Eein verweslich Aug ertragen Fan. 

Da wird das Blat fic) gang verdrehn: 
Die Frommen werden ihre Michter richten, 
Und die, die ietzt fie fehanden und vernichten, 

Für geoffer Scham verftummen fehn. 

Drum traure nicht: Aer hie mit Ehrifto wird verhöner, 
D Seele, wird auch dort mit ihm gecrönet, 
Wer ſeine Schmach allhier gedultig trägt, 

Dem iſt auch dort das Kleid der Ehren beygelegt. 


— 


Go in ihr ſelbſt ſuchen fol. 761 


und liebliches Wefen zu deiner Rechten, da deine Gnade ausge Job- 16. 
theilet wird ewiglich· Du giebſt die Ruhe der Seelen, die die! * 
Melt nicht kennet; Frieden den ſie nicht hat, noch geben fan; UST, 
Leben im Tode, Freude im Seide, Reichthum in der Armuth, und" ' 
Ehre inder Schmach; Darum laß mich nur dich. haben, mein 
GOtt, ſo kan ich der Welt wohl entrathen. Dubift genug denen 
Seelen, die dich kennen. Ich befenne auch, daß ich keines Tro⸗ 
fies noch einiger himmliſcher Freude wuͤrdig bin; darum lege ich 
mich,du &Die dir Geiſter afles Fleiſches, in deine gnädige Hän- * B. Moſ. 
de, diefelben haben mich gemacht was ich um und um bin, die- ing 10. 
felben laß mich auch ferner bereiten, auf welche Art und Weife y, 5. 

es dir gefällig, daß ich mit dir hier in der GnadenzZeit,unddort  - 

in der Herrlichkeit ewig vereiniget ſeyn und bleiben möge, durch 

IJEſum EHriftum unfern HErrn Amen 


Das V. Capitel. | 
Wie ein Menfch Fan in GOtt gezogen 
werden; Ingleichen, was geiſtliche Armuth 
ſey; Und von den Graden und Staffeln der 
Ana ER Demuth.  ,, 

Luc. 18.0. 14. Wer fich felbft erniedriget, der 
wird erhoͤhet werden. RT | 
SS: Menfchen fuchen viel Mittel, mit GOtt verei- Demuth 


niget gu werden, mit auswendigem Leſen und innen 
anderer Andacht * Aber. in. der Wahrheit iſt nis 69% 

naͤchſt dem lebendigen wahren Glauben, welcher das t# 
Hertz reiniget vonder Ereaturskiebe, wie droben geleh⸗ 
tet, und: im folgenden 9. Capitel weiter erEläret wird, 
‚Fein befferer und leichterer ABeg darzu,** denn die 
wahre gruͤndliche Demuth. *** Diefelbe aber muß 
se | | Bbb s | nicht 

* Er redet von der aberglaͤubiſchen Herlefung oder Erzehlung 
"der Pfalmen und Gebete ohne Andacht, allein auß der Eins 


bildung, daß es genug feye, mo nur das Werck gefchehe 
und verrichtet werde. Dor/ch. 
*Ohnausgeſchloſſen CHrifti, der vielmehr voraus gefeßet 
Wird. Dorjch, ' | | | 
#»* Die geiflliche Demuth, beftehet in Erfänntniß feiner eige⸗ 
nen Nichtigkeit, Unvermogeng, Elendes und Unwürdig« 
feitz Ohne diefelbe fan der Menfch der geiftlichen Gas 
ben nicht theilhafftig merden, Zurher, Dag ag Ya 
, j mn 





I 


762 BI. &. 5. Wie ein Menſch kan 


RE Te 
Masdafen nicht ftehen in Worten oder aufferlihem Schein, 
nn, fondern im Grunde des Hertzens, daß der, Menſch 
wahrhafftig fich vor nichts halte in allen Dingen; es 

ſeny in geiftlichen oder naturlichen Gaben, alfo, daß er 

Ä Diet 5. inwendig recht geifflih arm fep, Matth. 5.0.3. 


und def er Fein Ding in der Weit fo lieb habe, eg 


fey Gut, Ehre, Leib oder Seele, Freude, oder Ruhe, 

wenn GDtt ein anders von ihm haben wolte, daß er 

nicht alles gern williglich und GOtt zu Lob und Liebe, 

nad) feinem Goͤttlichen Vaͤterlichen Willen, verlaffe. 

Ja, wenn er auch. der Hollen Pein leiden folte, daß 

er fich derfelben wohl werth achte, den Willen GOt⸗ 

tes lobe, und laffe ihm denfelben wohlgefallen. Das 
Geiſtliche ift Die wahre geiftliche Armuth, die bereit ift, alle 
Armuth. Dinge durch GHDtt frolich und willig zu taffen, und 

| zu leiden, wie es Der liebe GOtt will; wie unfer HErr 
JEſus that, da er bereit war, den Willen GOttes 

su leiden, Matth. 26. ©. 39. und zu thun, ein Fluch 

und Wurm zu werden, und den Tod des Creutzes zu 

Heufterlie leiden; Darum bat ihn auch GOTT erböber, 
a Phil. 2.9.9. MWernun eine folhe Erniedrigung 
dert an Des Hertzens hat, der ift recht geiſtlich armz und 
ibm KON wenn er gleich ein Königreich hätte, ſo verhinderte ihn 
licher Doch nichts an der Söttlichen Einigkeit. Das it der 
mutb. rechte Elende und Arme, der da fehreyet, wie im 
Y.34 9:7 34. Pſalm, v. 7. geichrieben ift: Da diefer Elende 
* rieff, börers der HErr. Und wenn diefer elende 
Menfeh über hundert taufend Meil-Weges, wenns 
möglich wäre, von GOtt abweſend mare, GOtt muͤſte 

ibn zu fich siehen, wegen feiner uͤberſchwenglichen Er 
————L —— — 
koͤmmt niemand, der da Fuͤlle und gute Tage hat, ſondern al⸗ 
lein den geaͤngſteten Gewiſſen, die in grofem Hunger find, 
und eine ledige Seelehaben. Ingleichen: GOtt wohnet mit 
feiner Gnade nicht in den folgen ſelbſt errwachfenen Heiligen, 
fondern in den tieffen Thalen der niedrigen und demuͤthigen 
Hergen. Ingleichen: Esgilt in di ſem Reich wicht groß were 

den,fondern Klein werden. Aber iederman will groß ſeyn, mies 

mand willflein feyn ; Diefelbigen gehoͤren in dis Neich nicht. 


d 


a 


in GOtt gesogen werden, 763 





barmung und Gatigkeit; denn der Reichthum Goͤttli⸗ Kihtbun 
cher Gnade verſencket ſich in des Menſchen Elende, Gnade ver 
“und Ean ſich vor demſelben nicht verbergen: Go wenig fetetfi 
als ein Bater⸗Hertz ſich vor feinem elenden Kinde ver- gen en 
bergenkan. Derhalben alsdas Cananaͤiſche Weib⸗ Elend. 
lein fich fo unwerth hielt in ihrem Hergen als ein Hund, 
jaals ein Aundlein, da ward fie vom HFten’gewürdt- _ 
ger feiner Hülffe, Matth.ı 5.0.27.28. Denn es Fomme Srfännt, 
niemand zu der lebendigen Wahrheit, denn Durch dies Richts und 
fein Weg: Nemlich durch Erkänntniß feines eigenen Handrdige 
Nichts.* Ber diefen Grund verfteher, dem iſt nicht Weg sur 
unlieb feine Verachtung, Schmach und Creutz; ſon⸗ lebendigen 
dern hat daſſelbe lieb, und freuet fich der Truͤbſal mit den BDA. 
heiligen Apoſteln, auf daß fi) GOtt mit feiner Herr ° 
lichEett infein Elendfencke. Darum ift nun Fein befferer 
eg, dadurch man zu GOtt und In GOtt gegogen wer: 
de, Denn gruͤndliche Demuth Des Hergens, und geift- 
liche wwefentliche * Armuth des Geiftes. Solches ift 
fein abgebildge in dem güldenen Thron oder Stuhl 
GSalomonis, 1.Kön. 10,0, 19. welcher 6. Gradus oder. Kin. io. 
Stuffen hatte, auf welchen man hinauf ftieg, und auf” 
Der fiebenden findet man Sedem & Thronum Pacis, ; 
den Eis. und Thron des Friedens: Alſo find fechs Gruften, 
Grad der Demuth; wern man Diefelbe aufiteiget, fo dus derDe, 
findet man den. himmlifchen Frieden» König Salo⸗ muth. 
mon in feinem Thron, und den rechten Frieden des 
Hertzens. Der erfte Grad ift, fich in feinem Hertzen 1. 
| gerinz 





* Luther. Darum find die Dinge dir fo groß vorgeleget, daß du 
müffeft erfennen und befenneu dein Unvermoͤgen, an dir ſelbſt 
gank und gar zu verzweifeln, und alfo im rechten Grund und 

Wahrheit gedemütbiget, dich erkennen, wie du nichts feneft, 

und ein ungsttlich, Önadenslog, heillofeg Leben führeft. n- 

gleichen : was in ung ift, iſt ſchwach und nichts: und beweifet 
doch GOtt feine Krafft in folcher unferer Nichtigkeit und Un: 
vermögen, wenn wir nur diefelbe erkennen. Waren. 


x Weſentlich wird hier allein entgegen geſetzt deme, was heuch⸗ 
leriſch und eingebildet iſt. 


764 BU. C.5. x Wieein Menſch Ban 


geringer halten denn andere Leute, und gerne gering 
feyn. 2. Niemand verachten wder vichten, fondern 
allegeit auf ſich felbft fehen. Quicquid agant alii, fis 
memor ipfe tui; Das ift: Andere mögen thun, was 
fie wollen, fey du nur felbft deiner eingedenck. 3. Ans 
gebotene Ehre fliehen und meiden, und wenn man 
Diefelbe haben muß, darob trauren. 4. Verachtung 
gedultig leiden, und fid) Darob freuen. z. Mit gerins 
gen Leuten gerne umgehen, und fich nicht beffer achten 
denn fie, ja Sich für den elendeften Menfchen und groͤ⸗ 
ften Sunder halten. 6. Gern und willig gehorſam 
feyn, nicht allein den Stoffen, fondern auch den Ger 
ringſten. Durch diefe Staffeln- fteigen. wir auf, bis 
zu der fiebenden in den Thron Salomonis, und zum 
wahren Friede. Eſt bumilis via, ſed excelja patria, 
ſagt Auguftinus: Si patriam defideras, viam hanc am- 
bules; Das iſt: Der Weg ift niedrig, aber das 
Vaterland hoch: So du nun das Paterland vers 
langeſt, ſo muſt du dieſen Weg wandeln. ar 


7 Gebet. 


& De, $ Ppemberbiger GOtt und Bater, der du widerſteheſt den Hof⸗ 
färtigen, und denen Demüthigen Gnade giebet: erbarme 
dich uber mich, und gieb mir ein recht demürhiges Hertz. Ich 
babe ja wol nicht Urfach, o HErr, in einem Dinge, wie es auch 
Namen habe, mic zu erheben ; doch will mein Hertz immer den 
Irrweg, und zeiget ſich ich werde gelobet und erhöhet, oder vers 
x. B. Mof. achtet und erniedaiget,leider!allzunieldiefer&chlangen-Saamıen 
3.8.15 in mir ; Den kanſt du allein tilgen, o SEfu, der du der holliſchen 
Schlangen den Kopffzertreten. Zu dir komme ich in beine Schu» 
Matth. zu. je; jaß mich nicht, bis du mich recht ſanffimuͤthig und von Hera 
— gen demuͤthig gemacht habeſt, damit ich Ruhe finden möge vor 
‚meine Seele. Gieb, daß ich in wahrer Demuth meinem Willen 
von. 12, abſterbe/ und dem deinigen mich gänglich ergebe, ie der maͤnni⸗ 
1. Zum, 1. glich mit Ehrerbietung zuvorfomme, und mich ben Öeringfien 
v. 15. ‚und Unwuͤrdigſten icderzeit achte: Verachtung, Verſchmaͤhung, 
Truͤbſal nach deinem Willen gerne und willig erdulte, und mid) 
der Trübfal freue: Ja, allein, o JEſu/ deinem Exempel folge, der 
ef.53. 0.3. du wareſt der allerverachteite und unwertheſte. Gtelle du meine 
1. Cor. 15. Suͤnde und tägliche Ubertretung fo vor mein Angeficht in diefer 
8.9  Gnaden-Zeit, daß, fo bald ſich Fieiſch und Blut ın einigen Dins 
gen erheben, und im Leiden ungeduleig werden will, in 
mi 





a ee 


RX 


in GOtt gesogen werden. „65 
DE Sr ee —— 
mich überzeugen mögen, was ich ſey, und was ich verdienet. 


Mache mich gang.keer und arm von und in nrir feldft, auf dag Dfenb. 3. 
ich mit die ſelbſt erfuͤllet, in dir reich und fehend toerde, Amen.. 9:17. 18- 


Das Vi. Capitel. ; 


Wie ſich das hoͤchſte und ewige Gut oft 
in unfrer Seele ereignet in einem Augenblick, 
» und wo die Statt und Sitz GOttes fy 
0— in der Seele. — 
Hohel. Sal. 5. v.17. Wo iſt dein Freund hingan⸗ 
gen, o du Schoͤnſte unter den Weibern? 


KERN Her Freund ift allegeit bey uns; aber ex laffet Bött iR 
fichhnicht allegeit mercfen, ohne wenn das Hertz dugen end 
jtilleift, wenn alle Sinne hinein gefehret ſeyn, wir mer» 

zur Ruhe gebracht, und in GOTT gefammlet feyn Fu nd 

Wenn im Verſtand Fein irdifc Ding feheinet , ſon⸗ 

dern. die thieriſche Weisheit untergangen ift, und in 

eine Nacht oder Sortliche Finfterniß verwandelt ift, fo 

gehet denn das Bottliche Licht auf, und giebt einen Blick 

und Strahl von fich, und feheinet in der Finfternif, 

Das iftdas Dunckle, darinn der HErr wohnet, und Die Offenbar 

Nacht, in welcher der Wille ſhaͤfft und mit GO Hy N nen 

vereinigerift, darinn das Gedaͤchtniß vergeffen hat der Seeie. 

Welt und der Zeit, ſo beweget alsdenn in einem Aus 

genblick das Göttliche Licht den Verftand, die himm⸗ 

lifche Begierde den Willen, und die ewige Freude das 

Gedaͤchtniß, und es kans doch weder Verftand, Wille 

der Gedaͤchtniß begreiffen noch behalten: Denn es 

bfeibet nicht in den Kraͤfften der Seelen, fondern ift 

verborgen im innerften Grunde und Weſen der Gew 

len. * Es Fan aber wohl erwecket werden durchs 

| Wboort, 
- ® Luther, uͤber das Magnificat: Die Schrifft theilet den Men⸗ 
ſchen in 3. Theile: Das erſte Stück, der Geiſt, iſt das tieffſte, 
hoͤchſte, edelfte Theil des Menſchen, (fo da Arndt nennet das 
lautere Wefen der Seelen) damit er gefchickt ift,-unbegreiffe 
liche, unfichtbare, ewige Dinge zu faffen, und ift fürglich das 
Haus, da der Glaube und Gties Work inne Wabnet, (he 


766 B.IN.E,6. Wiefich das hoͤchſte ewige But 


ort, daß wir im Hertzen ruffen mit der heiligen 
Monica: Evolemus, evolemus ad zterna gaadia! Yaß 
fet uns weg fliehen, laſſet uns weg fliehen zur ewigen 
Seufien, Freude! Daher Fommen ale Seuffser der Heiligen, 
ZW Die auch unausfprechlich ſeyn. Als St. Pauls die 
.  Güßigfeit gefihmerfet hatte, fprach er : Ich bin ge- 
wiß, daß uns weder Leben noch Tod, noch eini⸗ 

‚ge Crestur fiheiden kan von der Liebe GOttes, 

* 8. Roͤm.g8. v. 38. verſtehe, damit mich GOtt liebet, die ich 
Kir in mir empfunden habe. Daher &t. Auguſtinus ſpricht 
ſchmackdes Ich befinde offt eine Bewegung in mir, wenn 
te Siefelbe immer in mir bliebe, fo Eonte diefelbe 
nichts anders fepn, denn das ewige Lebe. Diefe 

iſts, Die unfere Seele gern wolte füilen, und nad) fih 

ziehen, und Daraus lernen wir ſchwecken, was das 

ewige Leben fey: Denn folcher Lieblichkeit und Freude 

wird die Seele ewig voll feyn Daher die liebhas 

— bende Seele im Hohen Lied Salomonis ſpricht: Anima 
F mea liquefacta eſt, meine Seele iſt gar zerfloſſen 
und zerſchmoltzen. Das iſt, meine Seele jammert 

und ſeuffzet immer darnach, daß fie dieſen ihren liebli⸗ 
DerSeelen hen Braͤutigam möchte finden, und ſich in feiner Liebe 
I fättigen, ihren vechten himmliſchen Adel wieder erlanz 

| i gen, 





Palm 51. 0.14.) Dagandere, die Seele, ift eben derfelbige 
Geiſt nach der Natur,aber doch in einem andern Werck, nems 
lich in dem, daß erden Leib lebendig machet, und durch ihn 
wuͤrcket. Die Pernunfft iftdag Licht in diefem Haufe; und 
„wo der Geift nicht mit dem Glauben, als mit einem hoͤhern 
Richt erleuchtet, dig Licht der Vernunfft regieret, fo mag fie 
nimmer ohn Irrthum ſeyn: Denn fie iſt zu gering in Gottlis 
chen Dingen zu handeln. (Die heiffet Arndt, die Wahrheit 
fey inwendig im Grund der Seelen, und dag alles muͤſſe von 
‚ innen hervor quellen.) Das dritte ift der Leib mit ſeinen Glie⸗ 
dern,xc. In der Figur der alten Stiffes Mitte ift ein Chris 
ſten⸗Menſch abgemablet. ein Geift ift Sandtum Sankto- 
. zum, dag Allerheitigite, GOttes Wohnung im finftern Slaus 
ben ohne Licht; denner gläubet, das er nicht ſiehet, noch fühz 
let und begreiffet, (Dis heiſſet Arndt, GOtt habe feinen Sig 
im bloffen Wefen der Seelen.) Faren. 


offe in unferer Seele ereignet. 767 


gen, welcher fiehet in der Bereinigung mit CeHriſto; in ber Vers 
daß fie nicht ihre Luft und Freude am nichtigen Ver⸗ ei 
ganglichen, vielweniger an der Sünde und Fleiſches⸗ m. 
Luft haben möge. Von diefem Adel der Seelen wif 
fen nicht viel Leute, auch die IBeifen und Klugen Diefer 
Welt nicht. * Die, fo von der Seele und ihren ——— IR 
Kräfften gefehrieben haben, find nie auf den rechten gan 
Grund kommen. EHritus iſt der Seelen rechte 
- Kraft, ihre Verftand, ihr ABille, ihr Gedachtniß ; das 
it, ihr Licht im Verſtand, ihre Luft im Willen, ihre, 
— im Gedaͤchtuiß: Alſo iſt auch CHriſtus die 
rechte Heiligung, Zierde und Schmuck der Seelen, daß 
ein Menſch wegen dieſer Liebe CHriſti, die er empfin⸗ 
det, nicht mag fündigen, ** wie Gt. Joh. 1. Epiſt. c. 3. 
0.6.9. ſagt: Wer in ihm bleibet, ſuͤndiget nicht, 
und wer aus GOtt gebohren iſt, der rbur nicht 
Suͤnde; denn fein Saame bleibet in ihm, und kan 
nicht ſuͤndigen. Ja, aus dieſer Liebe EHrifti ent⸗ 
ſpringet offt eine Freude und Wonne. Wenn du um 
Criſti willen Creutz und Schmach leiden ſolt, Apoſt. 
Geſch5. v. 41. alsdenn wird Leiden die hoͤchſte Freu— 
de: Und die entſpringet im Grund deiner Seelen GOttes 
aus Gtt: denn GHDtr hat ihm felbft im Menfchen per Cerfe. 
‚eine Statt geheiliget FF* und alfo gefreyet und geeie 
gnet, daß weder Engel noch Menfchen, noch Feine Eren- 
tur Darein Fommen kan. “Das ift das edle lautere * 
Bi. — Weſen 
*Er verſtehet die Heydniſchen Philoſophos. ——— 
** Daß iſt: ſchwerlich ſuͤndiget er, eg kommt die Sünde nicht in 
ihn ohne groffen Schmergen und Kampff, nicht aber, daß 
deswegen er garvon Sünden frey wäre. Dorfih. 
Das iſt: folangeer inder Liebe CHriftibleiber, hat er feine 
Luſt zur Sünde; denn cin anders ift, nicht fündigen moͤgen, 
dag ift, die Sünde ihm nicht belieben laffen; ein anders, 
nicht fündigen koͤnnen, fo hie nicht von den Menfchen im 
diefer Welt gelehret wird. Varen. e 
+ Nicht Durch die Schöpffung, fondern Wiedergeburt. 
* Es wird lauter genannt: 1. fofernees von den Rräfften der 
eelen unterfchieden if. 2. Weil e8 mit der Zeit und der 
Welt nichts zu thun hat. 3. Würde durch Die Lauterkeit 
% eine 


| 


768 BU. C.6. Wiefich das hoͤchſte ewige Gut etc. 


Weſen der Seele; dieſelbe Statt will der ewige GOtt 
ihm ſelber allein haben, und will fie auch mit keinem an⸗ 
dern gemein haben; Denn der ewige GOtt wohne mit 
groſſer Luft in Der reinen lautern Seele, wie er fpricht: 
a Sal: Meine Luft iſt bep den Mienfchen- Kindern, Spr. 
“@al.8.0.31. Und was das für eine Luft ſey, Fan 
niemand ausfprechen, Denn der. es empfindet; und kan 

doch niemand vollkoͤmmlich davon reden. 

Gebe. 
Wiger getreuer Heiland, esiftja Beine Liebe gegen die Eee» 
len, die dich aufrichtig fuchen, fo groß, daß du dich ihnen 
94.36.0.9. nicht verbergen kanſt. Dir befucheft fie, macheſt fie truncken 
von den reichen Gütern deines Haufes, und trändkeft fie mit 
Hohel. 2. Wolluft als mit einem Strom; deine Linde iſt unter ihrem 
v. 6. Haupte, und deine Nechte herget fie: Wir aber find leider! fols 
cher Art, daß mir entweder ung in diefer Gnade leicht überheben, 
unfern Nächften neben ung verachten, oder auch wol dabey 
ficher und unvorfichtig werden; fo entzieheft du zu unferer De- 
nnüthigung deinen Gnaden-«Schein und Empfindung ung eine 
Weile, da denn Finfterniß und Unempfindlichkeit unfere Eeele 
2. Cor. i2. überfällt. Du giebeft ung einen Pfahl ins Fteifch, ja du laͤſſeſt 
d. 7. wol gar einen Satans⸗Engel wider uns los, auf daß wir ler⸗ 
nen deine Gnade in Demuth ſuchen. Ich ſchreibe dir-nicht vor, 
o Herr, wie du mich führen folt ; diß aber bitteich dich: Erwe⸗ 
die in mir ein herglicy Verlangen und Sehnen nad) dir, und 
denn ftille daffelbe wieder mit dir felbft, und deiner Gnadens 
4. B. Moſ. Gegenwart. Sch weiß, ich bin hie noch in der Wuͤſten, da die 
23.0,21,37. Fruͤchte des gelobten Landes gar fparfam gefunden werden: Ich 
goͤnne auch gerne, daß andere derfelben häuffiger genieffen s 
Gieb nur mir, folangeich hie wulle, fo viel, als mich aufmun⸗ 
tern fan,den Verdruß diefes Weges: und Kampff zu überwinden, 
und verfichere mich, daß ich ein Mit-Erbedeg gelobten Landes 
Gal. 6.9.9. fey, da wir werden erndten ohne Aufboren. Vor allem vers 
leihe mir, dich in wahrem Glauben zu faſſen, und dir in hergliz 
Pf. 23.0.1. chem Gehorfam zu dienen, fo wird mir hiefein Gutes mangeln, 
und du wirft mich endlich dahin führen; da ich in unbermechfelz 
Matth. 17. ber Genieffung fagen werde: Hie ift gut feyn! Dahin verhilff 
D.4. mir um deines Todes willen, o JEfu ! Amen. PR 
- | 2 ie 


eine Heiligkeit verftanden, fo wäre es zu verſtehen von wieder 
gebohrnen, gläubigenund mit CHriſti Blur geheiligten Her⸗ 
gen und Seelen. - Dieſes Wefen der Seelen iſt fübjetum 
primarium des Gnaden⸗Lichts/ darnach erft mit der Seelen 
‚werden die Kräffte derfelben erleuchtet, Yarın. 





offt in unſrer Seele ereignet.: 769 


Lied, 
Liber die Worte des Hohenliedes, 
Cap. 7» v. u, I2. * 
Komm, mein Freund, laß uns aufs Seld hinaus 
geben, und auf den Dörffern bleiben, da will 
ich dir meine Brüfte geben: | 
Ch was mach ich in den Städten, 
°# Da nur Lift und Unruhift? | 
Liebſter Freund, fomm,laß ung treten 
Auf das Feld, da ohne Liſt, Ä 
Dhne Sorgen, Muͤh und Pein 
Mir im Leyen Eiımen feym. 
2 Tinderfich gleich gröffer Prangen 
In der Stadt, als auf dem Fed; 
So hab ich doch fein Verlangen 
Irach der Schoͤnheit dieſer Welt! 
Drauffen hab ich deinen Kuß 
Ohne Mih und ohn Verdruß. 
3. Solt ich weinen Kuß empfangen 
In der Stadt dor iederman, 
VUnd an deinen Lippen bangen; 
Daß mein Feind es ſchaue an, 
Wuͤrde meine Liebes Wein _ 
Nur genannt ein Heuchler : Schein. 
4. Fleiſch und Blut hat nie erfahren 
Wie der HErr fo freundlich if; 
Sehen denn die Käftrer- Schaaren, 
Daß man geiftlichtrundken ift 
Aus dem Strom der Wolluſt⸗Pracht, 
So wird alles nur veracht. AS 
5. Wie ein Braͤutgam pflegt zu kuͤſſen 
Im verborgnen feine Braut, ‚pt 
Laͤſt es niemand gerne wilfen, 
Penn er ihr fein Herb vertraut; 
So giebft du, wenn wir allein, 
Deiner drüfte füffen Wein. _ 
6. Wenn mich deine Liebes⸗Flammen, 
Eüffer JEſu, zünden an, 
MWenndu Leib und Seel zufammen 
Führeft auf den Wolluft Plan, 
So bricht alles; was in mir, 
Wie ein voller Strom herfürs 
Ul. Theil. Cce 7. Mein 


770 B..E. 6. Wie ſich das böchfke ewige Gut 


7. Mein Herb wallet, und die Fuͤlle 
Shütter es zum Mund heraus: 
‚Mein Fuß ftehet auch micht flille, 
Epringet frölich in dein Haug; 
Meiner Augen liebftes Paar . * 
Weinet auch vor ——— gar 
8. Wie die Duelle ſich ergieffet, 
Wenn fie reich an Waffern if, 
Und vor Reichthum überflieffets 
So ift der, der dein genieft: 
Eein verliebter Srenden-Stand 
Muß ſeyn aller Welt befannt. 
g. Er ertichtet Liebes: Pfalmen, 
- Einget, foringet, jubiliet; 
„ Seine Hände find voll Palmen ; 
Seine Zunge triumphirt: RR 
Seine Flamme fan er nicht i 
Bergen, alleg muß ang Licht. 
10 Wenn diß nun ein Welt⸗Kind — 
Meynt es, er ſey raſend toll; 
in Gehirn fey ihm 5 
ae Weines vol 
Alles wird verlacht und böhnt, 
Was er von der Liebe thoͤnt. 
ır. Drum, mein Freund, fomm, laß — 
Auf! das Feld, da mir allein 
In verfüßten Licbes-Weifen 
Wollen feft verfnüpffer ſeyn: 
Taufendmal till ich da dich 
Küffen, und du wieder mich. 
12. Da,da wollen wir die Hergen 
Bloͤſſen, und vor Augen fehn, 
Deinen ich, du meinen Schmergen? 
Da, da fols vor Lieb geichehn, 
Daß wir ung mit füffen Weifen 
Frolich um die Wette preifen. 
13. Du wirſt fingen: Meine Taube, 
Komm zu meiner Wunden » Grufft, 
Daß dich Fein Feind mehr anfihnaube, 
Hie ifteine ſichte Klufft: 
Lege dich an meine Bruſt, r 
Und genieffe füffer Luſt. 
14. Denn werd ich vor Seeuben fpringen 
Sin die offne Wunden: Thür, 
Und, o JEſu, JEfu. fingen, | 
* -Drwiefüffe biſt du mir! y6 





i 


offt in unferer Seele ereignet. 771 
Ich bin dein, und du biſt mein, 
Ewig ſoll die Liebe ſeyn. ae 

15. Hoͤrts ihr Blumen auf der Auen, 
Hoͤrts ihr Vögel in der Lufft, 
Ich will mich in Lieb vertrauen 
Meinem JESU, der mich rufftr 
Ich bin fein, und er iſt mein, 

Ewig fol die Liebe feyn. 


Das VII. Tapitel, | 
Von der Seelen Würdigfeit; von wah⸗ 
rer Reue, und vom gnaͤdigen Willen 
und Erbarmung GDttes, 


Jeſa. 56.9.7. Matth. 21.0. 13. Luc. 19. v. 46. Mein 
Haus ift ein Bet⸗Haus. 


8: Seelen Würdigkeit ift, Daß fie ein Haus gochte 





und Wohnung GEo0ttes iſt, darinn GOtt lie⸗ —— der 
ber wohnet, denn im Himmel und Erden: Und ebies. 
die glaubige Seele hat mehr GOttes in ihr, denn alle 
Himmel, und alle leibliche Tempel, und alles, was 
SOTT ie gefchaffen bat: * Denn das Here und 
Wohlgefallen GOttes iftin der Seele, mit aller feiner- 
Gnade und Liebe, mit aller feiner Luft und Wohlge⸗ 
fallen; denn durch die Ereaturen ſuchet GOtt nichts Wo @dre 
anders, denn wie er die Seele des Menſchen ehre, KBentid. 
würdige und felig mache; und weil GOtt mit aller | 
feiner Liebe und Meynung auf die Seele gekehret iſt, 
fo it GOTT eigentlicher in der Seele, denn in dem 
Himmel, oder in allen leiblichen Tempeln. Denn 
&ce2 GOtt 





*Es werden hier einander entgegen geſetzet, GOtt, die gantze 
Heilige Dreyeinigkeit, und die demſelben unterworffne Cre⸗ 
aturen. Weil denn ale die Creaturen, fo unter der Heiliger 
Dreyeinigkeit find, GOtt haben, fo iſt die Frage hier, welche 
mehr GOttes theilhafftig fey? Und wird geantwortet, daß 
eine gläubige Seele vor allen mehr GOttes in ſich habez 
Damit wird aber eine gläubige Seele CHriſto nicht vorgezo⸗ 

| en, ber felbft zur Heiligen Dreyeinigkeit gehoͤret, und eine 

| Perſon berfelben iſt. Dorf — BUN ER 


m 


772 BI. E,7. Don der Seelen Wuͤrdigkeit, 


GOtt wuͤrcket alle feine Wercke in der Seele, und 

Die Seele giebt ſie der Seele. Die Seele iſt edler, denn alle 
enterdenn Creaturen; GOtt hat ſie aber Darum ſo edel gemacht, 
turen, auf daß er ſich der Seele geben moͤchte: denn fo er 
ihr etwas anders gabe, denn ſich felbft, fo achtete ſie es 

nicht, und ware ihr viel zu gerigg, Es ſpricht St. 

Paulus Ephef. ». v. 4. Wir fepn von Ewigkeit 

ber erwebler in dem Sohn GOttes: nd darum 

follen wir nimmer ruhen, bis wir dazu kommen, daͤß 

wir das werden, das wir ewiglich in ihm geweſen ſeyn. 

— Und. weil die Seele ſoll ein Geſpous (Braut) ſeyn des 
Gefpons. Sohnes GOttes; fo iſt nichts: unter allen Creaturen, 
das GOtt fo lieb hat, als die Seele: Und darum if 

GOttes Sohn ausgegangen von dem Allerhöchften, 

auf daß er hole feine Freundin, Die ihm dev Vater. ewi⸗ 

glich vermahlet hatte, Daß er fie wiederbrachte in das 

Allerhoͤchſte, daraus fie fommenift. 

In ot Darum folte nun der Menfch hinwieder alle feine 
el unfre Luſt und Genuͤge an GOtt haben und füchen weil GOtt 
Önäge. fo eine überaus groſſe Liebe hat zudes Menfchen Seele: 
Solte demnach dem Menfchen leid feyn, daß er an ir⸗ 

gend einer Creatur mit feiner Luft und Freude hangen 

wolte, als allein, an GOtt; denn das iſt GOtt zuwi⸗ 

gOttes der. Es iſt ſolch eine Lieblichkeit und Schönheit in 
Schönheit FOtt, möchte ihn unfere Seele nur einen Augenblick 
fehen von ferne, wie in einer, Wolcken, fie Fehrete ſich 

nicht von GOtt um alle diefe Aßelt: Darum folte es 

nun dem Menfchen leid feyn, daß er feine Seele, die 

GOtt ſo lieb hat, aneine Ereatur bangen fülte, denn 

Bas rechte hiemit thur er GOtt zuwider. Darüber folte man 
eue ſeyr rauren; und das iſt dierechte wahre Neue, Leid dar: 
uͤber haben, ſo man gethan, was GOtt zuwider iſt ſo 

man GoOtt nicht allen Creaturen vorgezogen, ſo man 
EHDttes Ehre nicht in allen Dingen gefucht, ihn uber 

alles geliebet, fondern. die Creaturen und ſich felbft. 

Jede Era Eine iede Creatur liebet GOtt von Natur mehr, denn 
Gor ſich felbft, indem fie GOttes Gebot ausrichtet, und fich 


mebr ats ſelbſt darüber verzehret; allein der elende Suͤnder lie- 


von wahrer Reue, ꝛc. vi 


bet ſich mehr denn GOtt. Darum wenn du Reue und galſche 
Leid haſt um deinen eigenen Schaden, und nicht viel⸗ Reue. 
mehr, daß du wider SDtf gethan, und ihn erfürnet und * 
entehret haft, fo haft du noch keine wahre Reue. Und 

wenn gleich weder Hölle noch Himmel ware, ſoll Dir 

nichts deſto minder leid feyn, Daß du wider GOtt gethan 
"und ihn erzürnet haft; denn GOtt ift dir Himmel ger 

nug: So ift Dir auch fein Zorn Hölle genug. Haft 
du aber folche Reue, wie ichs befchrieben, und wahren 
Glauben an EHriftum, ie fo vergiebt dir GOtt von 
Hertzen alles, was du wider ihn gethan haft, denn es 

iſt GOtt eine gröffere Ehre, daß er die Sünde vergebe, 

Denn daß er fieftrafe: Denn die Gerechtigkeit zwinget 

auch GOtt dazu, daß er barmhertzig ſeyn muß; denn er 

iſt unfer, Vater, und wir feine Kinder, Go er denn 
unſer Dater it, fo vollbringet er feinen vaterlichen 

Willen an ung; beydes nad) feiner Gerechtigkeit, und 
nad) feiner Barmhertzigkeit. Und fo follen wir ung Wemdob 
auch in den Willen unfers Vaters ergeben: denn gefällt, dei 
wen der Wille GOttes freundlich ſchmecket, Dem ge⸗ gefällt alles 
fället alles wohl, was GOtt thut, beydes nad) feiner an.» 
Gerechtigkeit und nach feiner Barınhersigkeit. Einem 
zecht liebhabenden Menſchen gefällt alles das wohl, - 
was GOtt thut und will, es fey Lieb oder Leid, an 
ihm felber, und an allen. Ereaturen. Iſt es GOttes 

Wille, ſo laß es auch deinen Willen ſeyn. Ich 
will lieber in der Hoͤlle ſeyn, und GOtt haben, 
denn im Himmel, und GOtt nicht haben. 


n | Gebet. 
He du allerhöchfter GOtt, du wohneſt nicht in Tempeln, Ap. Geld). 
wie koͤſtlich fie auch mit Menfchen- Händen gemacht find, ja 7°: 48: 

ber Himmel und aller Himmel Himmel moͤgen dich nicht faffen ; — der 

fondern es ift deingnädiges Wohlgefallen / anzufehen den Elen⸗ y 27. 

ben, der zerbrocheneg Geiftes ift, und der fich fürchtet für deinent Jet. 66. 

Worte, und in defielben Seele zu wohnen. Vergieb mir, HErr, 92 . 

daß ich dieſe Herrlichkeit nicht fo,mie ich foll, betrachte und wahr⸗ 

nehme, meine Seele nicht fo unbefleckt, wie fich gebuͤhret, behal⸗ 

te, fondern offtmalen darinnen dir, dem Haus HEren, verdrüß- \ .; ; 
he Bilder, fündliches Tichten und Trachten bige. Weil es Eich 8. 

N €cc 3 aber "3 * 


J 


„v4 BULE,E GoOttes Beruff ift 


aber lauter unverbiente Liebe ift, die dich beweget in meiner See» 
len zu wohnen, fo reinige uns diefer Liebe willen fie von allen ih⸗ 

Ezech 36, sen Goͤtzen, und heilige fie dir zu einer reinen und beftändigen 

» 2 Wohnung. Beſprenge fie mit dem Blut JEſu. Ziere fie mit 
feiner Gerechtigkeit und Heiligkeit. Schuͤtze fie wider alle Ans 
lauffe und Berfüschungen des Satanz, Sünde und Welt, und 
laß fie ewig dein Eigenthum feyn, durch CHriſtum IEſum 
deinen Sohn, unfern HErrn. Amen. 


Das VI. Capitel, _ | 
GoOttes Beruff iſt berglich und > 
lich, und leiter ung zu ihm ſelbſt. 


Palm 50. v. 4. GOtt rufft Himmel und Krde, 
daß er fein Volck richte. 

2. Tim. 1.0.9. OOtt bat uns beruffen mit einem 
beiligen Ruff. 


Otte Ott der himmliſche Vater rufft uns mit allem, 

Verlangen das er iſt, das er hat,und Das er vermag das alles 

uach und ruffet, leitet und locket ung zu ihm und. in ihn; 

denn Gott hat fo ein wahrhafftiges und bruͤnſtiges 

erlangen nach ung, als ob alle fein Weſen und Selig. 

keit an ung gelegen wäre; Sintemal alles,daß er geſchaf⸗ 

fen hat im Himmel und Exden, mit aller feiner Weis⸗ 

heit und Güte, umd alles, wag er jederzeit wuͤrcket und 

thut, das thut er, und hat alles darum gethan, daß ee 

uns dadurd) ruffe und leite in unfern Urfprung, und wies 

Hr up derbraͤchte in fih, Und alle feine Worte und Wercke 

— fh jind ein lauter Ruffen gu unferm Urſprung, Daß er Die 

Worum Seele wiederbringe, daß fie feine Stimme hören fol, 

Werde. und ihn lieb haben, gleichwie fie zuvor des Satans 
Stimme gehöret, und von feiner Liebe abgewichen. 

auge Er hat uns beruffen, an feinen lieben Sohn zu. gläus 

Na Bun ben, und deſſelben Fußftapffen nachzufolgen, in 

murdun Sanfftmuth und Gedult; denn dadurch rufft und 

Gedult. zeucht erung in ſich ſelbſt. Wie en den Eliam vieff, 

2. Ka 9. UND vor ihm uͤbergieng im Feuer und ſtarckem 

iu Minde, der die Selfen zerriß, aber im fanfften 

Sauſen war und kam der Err, 1. Koͤn. 19. . 11 3 & 

8 


"herzlich und gruůndlich. 775 


Alſo fencket er fich in ein ftilles, fanfftmüthiges, demuͤ⸗ 
thiges Herb. Gleichwie der König Ahasverus die 
Eſther umfieng, da fie vor ihm niederfand, 
Sit. 5.0.2. Alto gefehicht auch dem Menfchen, wenn ERD-S9= 
er an allen feinen Kräfften und Vermoͤgen versagt, ' 
und hiederfincker in fein eigen Dichte. Den er denn 
von den Armen der Göttlichen Krafft nicht erhalten 
wird, fo deucht ihn, er muffe zu einem lautern Nichts 
werden; alsdenn duͤncket den Menſchen, er fey gerin⸗ 
ger in allen feinem PVerftand und Dermögen, denn 
ae Exgaturen.. So nun unfer Himmels» und Eng Sp pay 
den-König das fichet, fo frärcket er die blöde und demuͤ⸗ aefest bat, 
thige Seele, und giebt ihr feinen Söttlichen Ruß, dag en 
ruͤhret her von der gründlichen wahren Demuth: Denn drige und 
jeniedriger,ie höher: Denn GOttes Hoheit fiehet ei Auer 
gentlich in das tieffe Thal der menfchlichen Demuth). tung, for: 
So du aber von auffen wegen deiner Niedrigkeit ver —55— 
‚achtet wirſt, fo wirft du noch tieffer in dein Nichts ge⸗ unferer 
ſencket; alsdenn wird eg init dir gargut: Denn darinn Bette 
wird der Geiſt des Friedes gebohren, der alle Der=""" 
nunfft übertrifft, "Phil. 4.0.7. Darum rufft Dich Wohin als 
Goitt wunderlich durch mancherley Treutz und Derz 14 Freus 
achtung, Daß er Dich bereite, denn du muft in Der Rechter 
Wahrheit und That bereitet werden, wieder in GOtt york 
einzukehren, und er zu Dir und in dich: Welches denn _ 
nicht gefchicht mit Gedancken oder mit Worten, fonz 
dern durch viel Leiden: Denn daß ein Menfeh offt ge Demuth 
dencket und vedet von der Demuth, wird er Darum dult Kehes 
nicht demüthig, und hilfft ihm gar nicht, wenn er nicht wir in 
unterdrückt voird unter die Menfchen, und verſchmaͤhet fondern in 
wird. Desgleichen wenn du offt und viel redeſt von der der Kraft: 
Bedult, iſts doc) nichts, du werdeſt denn ſtarck ange⸗ 
fochten von allen Creaturen; fonft ift eg gang nichts, 
und erfangeft nicht dag Weſen der Tugend, fondern es 
füllt alles wieder ab, wie es ein⸗ und zugefallen iſt. Datz 
um ware, billig, daß du einem folchen Menfchen, der 
Dich ſchmaͤhet und verachtet; einen fonderlichen Liebes⸗ 
Dienft erzeigeteftz denn dieſe zwo edle Tugenden, 
| Cor 4 Sanfft⸗ 


Hebr, 13. 
v · 13. 


776 BUL.E.g. GOttes Beruff iſt 





Sanfftmuth und Gedult, muͤſſen durch groſſe, bittere, 
harte Widerwärtigkeit erſtritten werden; Denn wo du 
keine Widerwaͤrtigkeit haͤtteſt, wie wolteſt du dieſe edle 
Tugend in Ubung und Erfahrung bringen? Denn die 
Elena gehet auf Den inwendigen Grund des 
Gemuͤths, welchen du vielleicht nie geprüfet noch erforz 
ſcheth alt; die Gedult aberaufden auswendigen Mens 
fehen,w selcher mit CAriffo hinaus geben, und feine 
Schmach tragen muß, Ebr. 13.90.13. Und fo vers 
gleicher man fich Dem unſchuldigen heiligen Leben unfers 
HErrn JEſu CHriſti: Dadurd) lebet CHriſtus in dir, 


und fein bitter Leiden und Sterben iſt in Dir, 


So ift auc, eine Art des innerlichen Beruffs GOt⸗ 


Sen tes, wenn GOtt feine Liebe im Menſchen anzuͤn⸗ 


— 


det; Denn dadurch giebt er fich dem Menſchen ſelbſt, 


———— Eins weil ex ſelbſt iſt die Liebe: Denn cs iſt ſo unmöglich, daß 
feinerSiebe, De Menfch GOtt habe ohne die Liebe, ſo unmaglich eg 


Grund zu 

prüfen, was 
Pr hoͤch⸗ 
ſten gelie⸗ 
bet werde, 


— 
Lebe folk 
nicht die 
innerſte 


iſt, daß der Menſch lebe ohne Seele. Denn daß Chri⸗ 
ſtus durch der Glauben in unſern Hertzen wohnet, 
Eph. 3. v. 17. wird durch die Liebe bezeuget und 
offenbar, : .$ob.4.9, 16. Es kan aberdiefe Liebe GOt⸗ 
tes in uns nicht Raum oder Statt finden, wodie Welt⸗ 
Liebe nicht ausgetrieben, und GOtt nicht lauter gemey⸗ 
het wird n allen Dingen, 1. Joh. 2.0. 15. Darum ſehe 
ein ieglicher Menfch offt in feinen inwendigen Grund, 
und erforfche da mit Fleiß, was in ihm am. allermeiften 
gefiebet und gemeynet werde, obs GOtt fen, oder er ſel⸗ 
ber, oderdie Ereaturen, Leben oder Tod; was da allerz 
meift befißet dein Hertz und Seele, und worauf deine 
Begierde und Lufthafftet: Denn iftdein Grund etwas 
anders, das da gemeynet und geliebet wird, das nicht 
wahrhaftig und lauter GOtt ift, und deffen GOtt 
nicht eine wahre Urſach iſt, ſo koͤmmt GOtt nicht in 
deine Seele, und weineteſt du fo viel Zaͤhren, fo viel 
Zeopffen im Meer find, es hilfft dich nicht, und muft 
ihn entbehren in Ewigkeit. D ihr armen Menfchen, wo⸗ 
nit gehet ihe um? wie laffet ihr euch Die liſtige Natur 
alfo betrügen durch die Creatur⸗Liebe, die euch fo a 


hertzlich und gruͤndlich . 777 


lich) und verborgen beſitzt, an der innerſten Staͤtte eurer Stätte der 
‚Seele, da GOtt allein figen folte? Denn darum find — * 
wir inder Welt, daß wir durch Abſterben unſers Wil⸗ 
lens, und durch Abſagen der Welt und Creaturen wie— 
der in GOtt und zu GOtt kommen, mit GOtt vereini⸗ 
get werden, daß wir am Ende wieder zu unſerm Ur⸗ 
ſprung kommen, und mie der Leib in die Erde begra⸗ 
ben wird, alfo die Seele in die geundlofe Gottheit. Und 
fo wir das hier verfaumen, fo iſts ewiglich verſaͤumet: 
Den mit wen du Dich-freueft, und mit wen du dich 
„betrübeft, mit dem folt du geurtheifet werden. Ein 
Ding folt du wiſſen und zu Hertzen nehmen, nemlich 
dieſes: Waͤreſt du allein.ledig der ‘Bilder der Creatu- Die Seele, 
ren, du würdet GOtt ohn Untertaß haben und befigen; I ven der 
denn er möchte fich nicht enthalten, weder in Simmel giebe Iedig, 
und Erden, er müftein dic) Eehren, er muͤſte Deine Seele fire! 
erfüllen, fo er ſie ledig finde. Darum kehre es und »5 
‚wende es twie du wilt; fo lange als Die Creaturen in Dir 
feyn, * ſo lange muſt du GOttes entbehren: Denn fo 
viel ein Menſch Daft und Ruhe in den Ereaturen und 
in allen Dingen nimmt, das GOtt nicht ſelbſt iſt, fo viel 
feheider er fi von GOtt. Wie ein hart Creutz nun 
daſſelbe ſey, fo man alfo tragen muß, iſt wohl zu den⸗ 
cken: Aber nicht mit Wohlſeyn, fondern mit Creutz 
erfolger man GOtt. | 
Gebet: 


SH unſer Herrfher, mas ift der Menfch, daß du ihn fo groß Hiob 7. 
 achteft,umd befümmerftdich mit ihm? Du fucheft ihn täglich "17. 18- - 
heim, und verfücheft ihn alle Stunden. Du ruffeft ihn,und er we⸗ 
get fich ; du reckejt deine Hand aug, und niemand achtet drauf. Spr-GSal.ı. 
arum gehen wir auch mehr und mehrin unfer Berderben und d. 24. 
troſtloſe Finſterniß aus welcher ung nichts belffen kan, als der 
Abgrund deiner Erbarmung. Die Elend beflage ich vor dir, Ejech. 36. 
oHErr, und bitte dich durch — — dich meiner. Du v. 26. 
Ccc5 ken⸗ 





* Er redet hier nicht von den Creaturen, welche GOtt darzu 
verordnet, daß der Menfch dadurch befehret werde ; fondern 
von denen, weichen die Menſchen alfo anhangen, daß fie 
GOtt denſelben nachfezen. 


778 B. III. &,9. Wie der wahre Blaube 


BL 58. m, 5. kenneſt das verhaͤrtete Herß, und die verftopfften Ohren; jenes . 
Fanft du allein erweichen und diefe allein eröffnen: Denn du haft 
fie beyde gemacht. Deffnemeine Ohren, baß dein Gnaden-Nuff 
durch diefelbe ing Hertz erfchalle,und mich nicht ruhen laffein ei» 
nem Dinge auffer dir! Oeffne meine Augen, daß fiein allenGes 
fchöpffen nur dich fuchen und lieben, und mich deiner unbegreiffe 
lichen und alles übertreffenden- Herrlichkeit ftete erinnern. Geuß 
deine Liebe aus in mein Herb, daß die Welt mir bitter werde, mit 
aller ihrer Augen⸗Luſt, Sleifchess£uft und hoffärtigem Leben, ich 

1.50h.2, aber dich in allem meinen Thun zum Zweck, an dir allein meine 

D. 16. £uft und Gefallen Haben moͤge. Heiligemir zu den Ende alles 

Sf z J Leiden. Laß mich nicht ſeyn unter denen, die du ſchlaͤgeſt, und fie 

Se b. 5. es nicht fühlen wollen, fondern machen nur des Nbweichen® 
mehr: Vielmehr laß dag Ereuß in mir wuͤrcken wahre Sanfft; 
muth und Geoult, ein lebendig Erfänntniß, wie eitel alle Dinge 

Gal.6.v.14. find auffer dir, auf daß burch dag Ereug CHriſti die Welt mit ai⸗ 
lem, was fie iftund hat, mir gecreußiget werde, ich aber unter 
demfelben dich finden moge mit deiner Gnade, Heil und Erquis 
ung; mit dir durch denGlauben vereiniger,in dir ewig bleiben, 
durch IEſum CHriſtum deinen Sohn, unfern YErrn. Amen. : 


Das IX. Capitel, — 


Wie der wahre lebendige Glaube d 
Herg reiniget von den Ereaturen, von böfen 
Zuneigungen, und von Ungedult, dagegen aber 
Kiebe und Gedult pflanset im 

— Krauß, — 
Apoſt. Geſch. 15.0.9. GOtt reiniget ihre Zertzen 
durch den Glauben. 


Glaub — Es Glaubens Eigenſchafft iſt, daß er das 
* Hertz reinige. Nun mercke, wovon ſoll er das 
Herß von >> Herb reinigen? Antwort: Von der Welt, 


der DEE und aller Zuneigung deſſen, was irdifch, eitel, nichtig 

and Sunei: und vergaͤnglich iſt, und von alleın, da die Natur mit 

edikpen, voller Luft und Gnuͤge an hafftet, und darauf ruhet, es 

a. Seh. ſey Reichthum, Ehr oder Wolluſt. Denn der Glaube 

1909 hanget allein am Unſichtbaren und Ewigen, und fo Die 
Hinderniffen hinweg find, fo folger Die Vereini⸗ 
gung; denn ein Gleiches vereiniget fich mit feines glei⸗ 
chen, und nicht mit einem Ungleichen. Mercke nn | 
* a 
























































Kl, 


ur 











' Das. — 
Melut. 


m \ ii 1 ll 




















Das Dritte Buch, Cap. IX. pag.778 
‚Hier iftein Baum, welchen forwol dürre als andere Aeſte ab» 
gehauen worden, (als twelche hierunter um den Baum herum 
liegen.) daß er daher gar unanfehnlich fiehet. Aber es iſt zufeiz 
nem Deften gefchehen, daß er nemlich nur defto mehr Aeſte trei⸗ 
ben foll, und man alfo hernach ſehen Fan daß das Mindern feiz 
ner Aeſte ihm nicht geſchadet: Alfo macht ef auch der Glaube in 
einem Chriften, der nimmt alles, was dem alten Adam Lieb it, 
wen, und ftärcket hingegen den neuen Menfchen, daf er deftos 
mehr Zugend- Zweige und Früchte zu GOttes Lob bringen fan. 


oh. ı5. ver. 2. Ä 


Einen ieglichen Reben, der da Frucht bringet, 
. wird er reinigen, dsß er mebr Srucht bringe, 


Ds Glaubens Eigenſchafft 
Iſt, daß er unſre Hergen reinigt, 
Und durch ſeine Krafft 
dit GOtt verbindet und vereinigt. 
Er hemmt und mindert 
Des Fleiſches geilen Trieb; 
Er tilget, was den luͤſtern Augen lieb, 
Und was des neuen Menſchen Wachsthum 
hindert. 
Er ſondert ab, was ſafftlos und geſtorben, 
Was durch das kalte Sunden-Sifft verdorben, 
Und pflantzt den zarten Liebes-Zweig hinein, 
Der Geiſt und Leben aus dem Stamme ziehet, 
Und nimmer anders kan als reichlich fruchtbar ſehn. 
Er pflantzt Gedult, die unterm Creutze bluͤhet. 
Der Glaub, in Summa, iſt des alten Adams Tod, 
Des neuen Menfehen Seel und Leben. 
O laffet uns nad) diefem Schaße ftreben, 
Und in demfelben ſelbſt nach GOtt, 
Der uns den Segen aufbehalt 
Und ſchencken will wenn der verfluchten IBelt 
Ihr fanfftes Nofen + Bett, darinn fie Test fich weltzet, 
Nunmehro wird zu Dornen, Wuſt und Stein, 
Und alles Ertz, das fie fo eifrig ſchmeltzet, 
Zu Teuer, Roſt und Motten worden feyn, 


das Hertz reiniget von den Creaturen. 779 


daß GOtt eine lautere, Wuͤrckung tk, und wo er eine 
feeve Statt findet, da wuͤrcket er aus Erbarmung folche 
Wercke, deren das elende Herb, das fein begehret 
und ihm anhanget, notheärfftig iſt. Daher ift kom⸗ 
men, daß der HErr fprach zu den efenden.Leuten im 
Evangelio: Dein Blsube bat-dir geholffen. Nicht ann . 
daß es des Glaubens Vermögen ware; fondern Daß ber vie . 
der Glaube das Her felbft gereiniget hatte, daß er Pälfemird 
GHDtt ganß ergeben, und in EDtt gegogen, und daſſelbe begeſchrie 
leer gemachet von allen Dingen, die nicht GOtt feyn, Ratth. 9. 
auf daß GOtt darinnen wuͤrcken und feine Werckſtatt € 15.0.28% 
haben möge, Darum Funte unfer Here zu Nazareth) Mare. 1», 
Fein Wunder thun, Marc. 6. v. 5. weil er folche Herz gez uso, 
Ben nicht fand, in welchen feine Bottliche Kraft würcken €. . v. a8. 
möchte; denn fol GOTT ein, fo muß die Even Sräeztu 
tur heraus: * Eines ift hier des andern Hinderung. verfichen, 
Es Fan Fein Hers GOttes Huͤlffe fo fehr und hert⸗ BE Spr- 
Lich begehren, GOtt hülffe ihm taufendmal lieber, wenn Nazarerh 
ihm nur das Hertz gründlich anhangen, und fich ihm er 
gank ergeben woltes denn wie Gtt ein folch Her tun. 
williglich erfüllet mit Licht, Troſt, Gnade und Krafft: Marc: 6, 
Alto wird-auch ein ſolch Hertz leicht über fich gezogen,” * 

alfo, daß dem Feuer nicht fo leicht ift zu brennen, und eiz 

nem Vogel zu fliegen, als einen fedigen Gemuͤth auf gebin Ges 
zugehen in GDtt, Dafelbft findet denn GOtt feine Tip" gedet 
rechte Werckſtatt, zu würcken folche Dinge, daran er Goit. 
ein folches Wohlgefallen hat, wie er hatte an CHriſto 

unferm HErrn, darum daß GOtt allein in ihm wuͤrckte 

ohne Hinderniß; denn es gefallen GOtt die Wercke | 
nicht, derer er nicht ein Anfang und Ende ift, Und — 9 
weil GOtt ſo eine groſſe Liebe hat zu dem Menſchen, a 
in ihm zu wuͤrcken, weil daffelbe feine Natur ift, fo wars würden, 
tet er allegeit auf ung; und iſt mehr bereit dem Men⸗ 

ſchen zu geben, denn der Menfch beveit ift von Bi iu | 

egeh⸗ 





*Es wird nicht geredet von den Goͤttlichen Gaben, und mag 
GOtt Gutes in ung würdet, fondern von den Creaturen, 
die ung von GOtt abziehen. Dor/ch, 


736 BE. 9. Wie der wahre Blaube 


Din beten begehren. _ Darum fo verſaͤume dieſe Zeit nicht; denn 
der vaed⸗ nach dieſer Zeit wird ein ieder empfangen, wie er gelebet 
529 hat, und worzu ſein Hertz geneigt geweſen, es ſey Boͤſes 


Yancı, Oder Gutes, GOtt oder die Creatur. Und wenn nach 


dung vom der Zeit alle Heiligen GOttes vor einen Menſchen bete⸗ 


Itdiſchen. ton, und Blůt tveineten, wuͤrde es ihm Doch gar nicht 


helfen: ihm wird weder zus noch abgeleger, fondern 
worzu er fein Herb geneiget, und womit er dDaffelbige 
vereiniget hat, das wird ihm bleiben, 

» Gleihwie nun der wahre lebendige Glaube das 
en Hertz veiniget von der WeltzLiebe; fo reiniget er daf 
unortentli lbe auch von den unordentlichen Affecten und 
ne Neigungen, als vom Zorn, Lngedult, und pflanset 

dargegen Sanfftmuth und. Gedult gegen den Naͤch⸗ 

fien: Denn GOtt Fan nichts anders würden in der 
he Glaͤubigen Herzen, denn was feine Natur ift: Nun 
techtegiehe. iſt GOtt nichts anders Denn Liebe, Sanfftmuth und 
Gedult, als wir fehen an unferm HErrn IEſu CHriſto. 

Die Liebe GOttes aber gehet über alle Menfehen, 

und erbarınet fich über alle; darum würcket er aud) 

eine folche Liebe in den Gläubigen, die niemand 
ausfchleuft in Diefer Zeit, meder Feind noch Freund, 

und iſt allegeit vereiniget mit allen Menfehen, gleich als 

mit. GOtt. Es freuet fich auch die Kiebe alles des 

Guten, das GOtt dem Menfchen giebt, und der mans 

cherley Gaben der Glieder EHrifti,und dienet denfel- 


ben mit Ehrerbietung ; denn gleichtwie den edelften Glie⸗ 
dern alle andere Glieder dienen, als die Hand dienet 


dem Haupt, den Augen, dem Hertzen: Alſo foll eine 


— 


ſolche Bereinigung feyn der Glieder des geiſtlichen Lei⸗ 
Dereinie eg CHriſti. Und wenn wir unter denſelben wuͤſten 


an ein edler Glied, den wir ung felbft erkennen, das 


Steder ſolten wir viel lieber haben denn ung felbft, und folten 


am Leibe 


Enrifi.. uns deffen fo vielmehr freuen, fo vielmehr daffelbe von | 
feinem edien Haupt, JEſu CHriſto, Gaben empfangen | 
bat; denn folches ift ein gemein Gut eines gemelz | 


nen Leibes, fo herab fleuft von unſerm aligemeinen | 
Haupte EHrifto, und deſſelben Ean man nicht Rn 


enn 


das herz reiniget von den Creaturen, 781 


denn durch die Liebe; Denn die Liebe machets unſer 

eigen; Und alles, was ich in GOtt liebe, das iſt mein, 

und genieſſe deſſelben. Alle Gaben, ſo GOtt einem Alles Gute 
feommen Menfchen mitthellet, die find fo wol mein als O1 iu 
deffelben, wenn ich fie in GOtt liebe; denn die Liebe 
machetsunfer eigen. Ja, wenn en Menfch feiner em⸗ 
pfangenen Gaben halben fih nicht erhebet, als es denn 

feyn foll, fondern ſich und feine Gaben für Elein und 

nichts halt, ich Tiebe fie aber in GOtt, fofind fie eigentz 

ficher mein, denn fein; Und alfo werde ich geiftlich 

reich in. GOTT, und theilhafftig aller Guter im 
Himmel und Erden, und in allen GOttes⸗Freunden, 

in dem einigen Haupt IJEſu CHriſto. Es muß - 
wuͤrcklich und weſentlich alles in mich flieffen,, was 

dis Haupt in feinen Gliedern hat, im Himmel und Erz | 
den, in Engel und Menſchen. Aus ſolcher innerlichen Aus der 
Liebe quillet auch Heraus die Gedult, Dadurch man at Liebe mil 
Tes Greus williglie) aufnimme, als eine Bereitung u Gedutt. 
fondern hohen Gnaden GOttes; denn Fein Creutz ift, Ereutz be⸗ 
es bringet eine fondere Gnade mit ſich. Daher ein Feiter alle 
heifiger Mann fagt: GOtt gruͤſſe dich, lauter bit- Kat: 
ter Leiden voller Gnade, Denn St, Petrus Önaden, 
fpricht: So ihr um Cärifti willen das Übel ver-u.n 
‚traget, und leidet das Unrecht, das iſt Gnade bep 
BoD LI; 

Und um der Liebe des Creutzes CHriſti willen fein Woher 
Creutʒ williglich tragen, bringet dem Hertzen endlich danne in 
groſſe Freude und Friede. Darum, wer in feinem id 
ausiwendigen oder inwendigen Creutz gedultig leidet, 
ohne Klage, ob gleich. fein ers fehr verwundet wird, 
und er leidet Das zu Liebe den heiligen YBunden Cehri⸗ 
fi, Demfelben werden feine ABunden und Schmergen 
innigliche Freude bringen; Denn wer ſich GOtt alſo Friede des 
im Creutz laͤſſet, dem wird SOTT endlich ſelbſt zu guhne 
Troftundzum Friede. Und diefer griede ift ein recht griffen. 
Goͤttlich Kleinod und Suͤßigkeit, fo der inwendige 
Menſch ſchmecket; von welchem Friede niemand fagen 
oder denfelben verſtehen Fan, denn der ihn felbft hat, Lind 

- ; das 


— 


782 B.lll. C.10. Das natuͤrliche Licht muß unter⸗ 


DH. 4.0.7. Das iſt der Friede, der höher iſt denn alle Dernunfft, 
davon St. Paulus ſagt, zum Phil.am4. 0.7. - 


Gebet. 


Etreuer barmherkiger GOtt, wenn ich das vielfältige mir 
noch anflebende Werderben betrachte, fo muß ich bekennen 
@ue. 3.0.15. daß mein Glaube noch mehr im Wahn, als in der Krafft beſtehe. 
2.505.3. Uberwindet der Glaube die Welt, reiniger er dag Herb : ſo muͤß 
vs cch derſelbe leider! bey mir gar geringe ſeyn, der ich ſo offt von der 
es " Liebe der Welt überwunden, über die Unreinigkeit und Unorde 
@üc.17.0,,. nung meines Hertzens zu feuffzen fo hohe Urſach habe. Ach mein 
2.6.4. Gott, ftärcke mir den Glauben; ziehe mein Herg ab von dem 
d. 18. fihtbaren Zeitlichen auf das unfichtbare Ewige: Laß mich ers 
Be 3. fennen daß ich nicht zu diefem vergänglichen, fondern zu dem 
9.16% emigen Leben erfchaffen fen, und derowegen die ewigen himmliz 
ſchen Güter fuchen. Verbirge dich auch nicht, barmbergiger 
GOtt, vor meinem Flehen, der ich aus der Tieffe meines Elendg 
zu dir ſchreye. Siehe nicht an, wie ich in mir felber verderbet, 
und zuallem Guten unfüchtig bin, fondern bereite mich, wieich 
durch deine Gnade gerne ſeyn wolte, und denn vereinige dich 
mit.mir,daß ich ein Geiſt mit dir werde, nichts gedencke, rede, 
thue, als was du in mir wuͤrckeſt. Laß mich in Liebe, Sanfft: 
muth, Gedult und andern Chriftlichen Tugenden ermeifen, daß 
ich durch den Glauben gerecht, dein Kind, und der Goͤttlichen 
2. Petr. 1. Natur theilhafftig geworden ſey. Tilge ja aus meinem Her: 
v. 4. gen dag hoͤlliſche Laſter den Neid; und laß mich nie dahin vers 
fallen, daß ich meinem Nächften dag Gute, fodu ihm mittheileft, 
mißgoͤnne, vielmehr dich preife für deine Gaben, die du dem ars 
men menfchlichen Gefthlechte giebeft. Im Ereug verleihe mir 
wahre Gedult, damit ich daffelbe freudig dem nachtrage, der 
Hebr.2.n.g. durch Leiden des Todes gecröner iſt mit Preiß und Ehren, 
1. Bern, ı. Endlich laß mich auch des Glaubens Ende davon bringen, 
0.9 nemlich der Seelen Seligfeit, durch EHriftum IJEſum deinen 

Sohnunfern HErrn! Amen. 

Das X. Capitel, 


Wie das natürliche Eicht in ung muß 
untergehen, und dag Gnaden⸗Licht 
aufgehen. * 

2. Cor. 4. v. 6. GOtt, der da bieß das Licht her⸗ 
vorleuchten aus der Finſterniß, hat einen hel⸗ 
len Schein in unſere Hertzen gegeben. 

as 


ET, wird hie nicht gelehret, daß iedem Menfchen ein bonhe 





7 | 


all Al \ 














I]. 
IL 


III 


\| 
I 


ZN) 





Das Dritte Buch, Cap.X. pag. 782 


Hier ift abgebildet die hell⸗leuchtende Morgenröthe, vor wel⸗ 
bir der dunckle Nachtſchein der Sterne weichen muß: Alſo, 
wenn dag gröffere Gnaden-Licht anfängt in unferer Seelen auf 
zugehen, fo muß dag Kleinere natürliche Licht der Bernunfft wei⸗ 
hen, und in ung untergehen. 


Johann. 6. verf. 63. 


Ber Beift ifts, der da lebendig machet, das Sleifch 
ift Fein nüge, 


Ss bald das Ginaden » Licht 
In die geheimer Winckel 
Des Fenſter⸗loſen Hertzens bricht, 
So muß Vernunfft und aller Eigenduͤnckel 
Im Menſchen untergehn: 
Der ſchummre Nacht⸗Schein muß erblei⸗ 


chen 
Und allgemäbli weichen, 
Wenn fich die Morgenroͤthe läfler ſehn. 
So langerdie geborgten Strahlen 
Der undeftandign Natur 
Mit fremder Schönheit prablen, 
So herrfcht die Finfterniß, und deckt die Spur 
Der Brunnquell allesKichts und Lebens; 
Sp tappt man mit der Hand, 
So ſtoͤſſet man fi) an der Wand, 
"Und ſucht die Wahrheit bie und Da vergebens, 
O Menſch, verleugne deinen Eigen-⸗Witz 
Und eignen Willen, 
So wird des Worktes heller Blitz 
Durchdringen deinen Geift, und dein Gemuͤth erfüllen, 
Verſchleuß die aufferlichen Sinnen, \ 
So wird der Seelen Grund von innen 
Dirzeigen einen folchen hellen Schein, 
Der niemand faul und ohne Frucht lajt feyn, 


und das Gnaden-Kicht aufgeben. 783 
So natürliche Hiche und das Gnaden⸗Licht unterſcheid 





zu unterſcheiden, iſt zu mercken der Unterſcheid en 
der Seelen und ihrer Kraͤffte; nemlic) Ger Gnasen 
vernünftigen Krafft und des Willens, und der inn⸗ Lichis. 
lichen Kraͤffte, und denn der lautern bloſſen Subſtantz 
und Weſen der Seele; Davon im 21. Capitel weis 
ter. In den erften, als in den Krafften der Seelen, 
Vernunfft, Willen und Sinn, ut das natürliche 
Lichts; und fo lange Diefelbe des Menfchen Seele gez 
fangen halten, Fan das Gnaden-Licht die lautere 
bloſſe Seele nichterleuchten. Darum to das Gna⸗ pad uatürs 
den⸗ Licht foll feinen, da muß das natürliche Licht mug unters 
untergehen; * denn die Erleuchtung des Gnaden⸗Lichts gehen, fol 
iſt über alle Sinne und Vernunfft, ja e8 wird durch pen-gint 
die natürlichen Sinne und fleifchliche Vernunfft beige: 
verhindert. ** Da fieheft du, was der natürliche 
Menſch in Göttlichen Dingen vermag; Lauter nichts, 
| Wie 
Licht anerſchaffen fen, der Natur und der Gnade, da das na⸗ 
tuͤrliche Licht in den Kraͤfften, das Gnaden⸗Licht aber in dem 
Weſen der Seele ſey, und in der Wiedergebutt nicht vom 
neuen gegeben, ſondern allein, da es vondem natuͤrlichen un⸗ 
terdrůcket worden, durch die aͤuſſerliche Gnade erwecket wer⸗ 
de: Sondern der Text ſelbſt lehret gantz ein anders. Dor/ch. 
* Luther. Das Gnaden Licht beſtreitet und blendet dag natuͤr⸗ 
liche Licht der Vernunfft, Joh. 6. verf. 63. Wenn nun dag 
Evangelium fommt, und das Gnaden⸗kicht bezeuget, daß der 
Menſch müffe nicht thun oder leben nach feinem Dinkel, ſon⸗ 
dern fein natürlich Licht nur verworffen, getödtet und abges 
than fepn, fo ein Menfch falch Zeugniß annimmt und folget, 
übergiebt fein Licht und Dünckel, will gern neu ſeyn, und fich 
‚führen, lehren und erleuchten laffen, fiehe, fo wirder in fei> 
nem Hauptſtuͤck, das ift, in feinem natürlichen Licht veräns 
dert. Da gehet aus ſein altes Licht, und gehet an ein neueg 
Licht, der Glaube. Varen. 
xxDaß es nicht hinein dringen und ſich ergieffen fan. Dor/ch, 
Das Önaden-Licht fan in cine folche Seele — 
die von ihren Kraͤfften, Sinnen, und fleiſchlicher Vernunfft 
gefangen oder geſperret iſt worden, die nichts glauben will 
oder kan, denn was die Sinne und Vernunfft eintragen: 
So lange diß geſchicht, und das natuͤrliche Licht der J 
nunfft 


784 B. III. C.ro. Das natuͤrliche Licht muß unter- 


Wie aber das Gnaden » Licht, gemeiner Ordnung 

nach, in der Seele aufgehe, Da mercke: GOTT hat 

ein Gnaden⸗Wort, das laffet er verfündigen, und 
505.6.0.63. wuͤrcket durch daſſelbe, und daſſelbe Wort iſt Geift 
und Leben. Wiewol nun GOTT in allen Din⸗ 

u Su, gen ift mit feiner Gewalt, Wuͤrckung und Leben; fo 
Gr bar er Doch nirgend feine eigene Werckſtatt, ſeine 
Werckatt. Gnade zu wuͤrcken und das Gnaden-Licht anzuzuͤn⸗ 
den, denn in der Seele des Menſchen. Darum das 
Goͤttliche Licht und Erleuchtung der Seele nirgend an⸗ 

ders herkoͤmmt, oder kommen kan, weder aus Sin⸗ 

nen noch Vernunfft, noch aus allen andern natuͤrli⸗ 

chen Kraͤfften, als allein aus der Wuͤrckung der 

Gnade GOttes in der Seele des Menſchen. Hier⸗ 

aus flieſſet * aller Troſt und Friede der Seele, alle- 
Wahrheit, Weisheit und Leben; dis beftehet eroiglich, 

denn e8 iſt das ewige Gut der Seele; Alles andere 

7 aber, was von auffen die Sinne und Vernunft bes 
Mercke biB greiffen,, das verdirbet Alles, als ein tummes Korn, 
* und laͤſſet keine Frucht hinter ſich. Dis iſt allein der 
| Seelen Gut, nemlic, die Vereinigung GOttes, und 
Erneue⸗ feine Gnaden⸗Wuͤrckung. Derfelben Eönnen andere 
und Creaturen nicht theilhafftig feyn, in denen das Bild 
BHttes im GOttes nicht iſt; Denn fein Bild allein zieret und 
Menſchen. ſchmuͤcket GOti mit Licht, Weisheit und Gnade. Aus 
dieſem Licht kommen der Seelen ihre rechte geiſtliche 
Kraͤffte wieder; nemlich Verſtand, Weisheit und Er⸗ 
kaͤnntniß, die fie zuvor nicht gewuſt, auch im Willen ein 
Geſchmack der Goͤttlichen Liebe, ſo zart und lieblich, daß 
einer ſolchen erleuchteten Seele alles verdreuſt und zus 
wider ift, was nicht Göttlich if, Viel guter Bewe⸗ 
gung und Antreibung ſpuͤret man, diedu wohl merckeft, 
daß fie von innen aus deinem Hertzen kommen, und von 
Feiner Ereatur, Es mag wol die Ereatur einen bes 
wegen 


nunfft, Witz, Klugheit und Verſtand ſich nicht will ändern 

laffen, Fan die Seele mit dem feligen Erfänntniß GOttes 

nichterleuchtet werden. Yarem. | 
* Aus folcher Wuͤrckung der Gnaden. Paren. 





—— und das Gnaden Licht aufgehen. 785 


wegen zur Luft, Verwunderung und Freude; aber das 


g 


kommt von auffen. Der Unterſcheid aber it hie wohl 

zu mercken; daß der innerfte Grund der Seele uber alle 

Sinne und Dernunfft durch dis Gnaden zKicht berühe 

vet wird; Und ie mehr du fedig bift von ausivendigen erkinntnig 
Ereaturen, ie offter und lauter dis geſchicht, daß du Ber ab: 
Licht und. Wahrheit empfindet. Mus diefem Licht dus mt 
gehet nun Die Erkanntnig der Wahrheit; und wenn Koͤttüchen 
man dieſen Grund verläffet, und fich indie auswendige it. 
Phantaſeyen begiebt, daher kommt Irrthum: Denn 
Wahrheit iſt inwendig im Grunde der Seelen, und 

nicht auswendig. Aus dieſem Licht der Seelen ſteiget 

offt auf ein ſolcher heller Schein und Glantz, das iſt, 

eine ſolche Erkaͤnntniß, daß der Menſch offt mehr weiß 

und erkennet, denn ihn iemand lehren kan: Und wel⸗ 

cher Menſch des Goͤttlichen Lichts in ihm gewahr wird 

einen Augenblick, der wird alſo getroͤſtet und erfreuet, 

daß dieſelbe Wonne und Freude uͤbertrifft tauſendmal 

alle Wonne, Freude und Troſt, die alle Welt mit ein⸗ 

ander leiſten mag: Doch iſt diß alles in den innerſten 
Kraͤfften der Seele. Aus dieſem Fundament hat der 
Koͤnigliche — David geredt Pf. 119. v. 98. faq. Davids 
Du macheft mic) mit deinem Gebot weifer, denn gr mpel 
meine Feinde; denn es ift ewiglich mein Schatz. v. 98.99, 
ch bin gelehrter, denn alle meine Kebrer, ich 

bin klüger denn die Alten; denn ich halte deinen 


Befehl. Dein Wort macht mich Bug, darum 


haſſe ich alle falfche Wege, Und auf diefen Grund 


ift derfelbe ganze lange Pſalm erbauet, daß in ihm Pferrsz da 
möge das Goͤttliche Licht feuchten, daß inihm möge das 


Goͤttliche ABort reden, daß er moͤge diefen Schas in ihm 


durch Sottesfurht und Haltung der Gebote GOttes 
bewahren, und ja nicht verlieren: Darum iſt ihm das». 7s- 
edle Wort und Befez GOttes lieber, denn viel * rg 
tauſend Stück Goldes und Silber, . Summe, bringe 
wenn Die Seele dis hohe Gut in ihr befindet, und dieſen Bra: 


himmliſchen Schaß, fo achtet fie aller Welt Gut und Beitlicen. 


Herrlichkeit für Koth, und faget mit Konig Salomon; 
Il. eil, Ddd Es 


786 B. III. C.10. Dasnatürliche Licht muß unter: 


Sinfiernig Es iſt alles eitel, Pred. Sal.ı.v.2. Weilnundig 


der Sun: 
Den daͤmpf⸗ 


Licht nicht leuchten Fan in den Gottlofen, denn was 


fettasöna-Hat das Licht für Bemeinfchafft mir der Sinfter- 
den Licht. ir 2. Corinth. 6. v. 14. und aber dis Licht der hoͤch⸗ 


fie Schas der Seelen iſt: So bittet der liebe David fo 
hefftig, fo fleißig, fo emſig im ı ı 9. Pſalm, v. 18. und 34. 
(mit folcher geiftlichen Eloquenz und Copia, darüber 
man fich zu verwundern) daß ihn GOtt tolle vor Fins 
fterniß der Sünden bewahren, und in feiner Furcht er⸗ 
halten. Ja es ift dis Önaden-Licht ſo uͤberſchweng⸗ 
lich gut und groß, daß es auch offt als ein Strahl inder 
Gottloſen Hergen * fehlagt, und fie warnet vor ihrem 
Verderben; welches nirgend anders herkommt, denn 
von diefer Erleuchtung. Alſo ſcheinet dis Licht offt 
in der Kinfterniß, aber die Finſterniß koͤnnen es 


unruhe der nicht begreiffen, Joh. 1.0.5. Warum aberdis Licht 


Sinnen 


den innerften Grund der Seele nicht berühre, iſt diefe 


indert d er en hal. 
— Urſach, daß die Kraͤffte der Seele zerſtreuet ſeyn in die 


aͤuſſerlichen Sinne, da keine Ruhe iſt; denn daſelbſt 
iſt Feine Ruhe, da das Ohr alle Dinge hören will, da 
das Auge alle Dinge fehen will, da das Hertz alle Dinge 
bedencken teil. Denn das it eine unruhige und zer⸗ 
ftreuete Seele mit ihren Krafften: ** Dis Licht aber 
ſuchet und begehret einen ftillen Sabbath) des — 

auf⸗ 





* Das helleſte und lauterſte Licht des Goͤttlihen Worte, fo in 
fich felbft ein Geruch deg Lebens ift, wo es fallt in die Hertzen 
der hartnäckigen Sünder, wird ihnen cin Geruch des Todes. 
Dorfch. i 

so thut auch den Gottlofen aus väterlicher Liebe bis⸗ 
weilen einen Blick ins Hers, warnet fie inwendig vor ihrem 
Verderben; wie die Erempel und Erfahrung ſolches bezeus 
gen, daß mancher zuvor ficher und frech lebet, achtet Feine 
äufferliche Warnung, fiehe, GOtt thut ihm ſelbſt einen ftars 
cken Blick ins Herg, greiffe ihm tus Gewiffen, führer ihn zur 
Erkaͤnntniß feines frechen, gottlofen Lebens, daß das Gewiſ⸗ 


ſen darüber vol Schrecken und Zagen wird, und dadurch 


will ihn GOtt innerlich vor feinem Verderben gewarner has 


ben. Varen. * 
x* Alfo lehret er nicht, daß etwas an ſich unbewegliches in der 
Seele ſey. Dor/ch. Ri 


und das Gnaden⸗Licht aufgeben. 787 


auf daß der Menſch von innen erleuchtet werde, daß 
feine Sinne, Vernunft, Verftand, Wille und Ges 
daͤchtniß von innen aus dem Grunde der Seelen * 
erleuchtet werden. Da böret der Menſch anders 
als zuvor, redet anders als zuvor, ſiehet anders ale 
zuvor. Daffelbe find denn nicht fihlechte gemeine 
Worte, ſondern Erafftige Worte des Geiſtes. Da 
ſchauet die erleuchtete Seele im Geiſt Die Herrlich⸗ 
keit GOttes, und feuffzet nach ihm, und fpeicht: 
Ab GOtt, du bift meinen Augen der Aller» 
ſchoͤnſte, meinem Munde der Alerfüffefte, mei 
nen Ohren der Allerlieblichife, meinem hertzen 
der Allerliebſte! So ift denn des Menſchen Thun 
nicht fein, fondern es iſt GOttes Werck in uns, und 
ſo viel SOTT edter iſt denn alle Exeaturen , fo viel 
it auch GOttes Werck edler, denn der Menfiben. 
Darum liegt auch untere Seligkeit nicht an unjern Unfere Se 
Mercken, fondern an GOttes Gnade. Alſo iſt auch Kiranpiest 
unfere Seele viel feliger duch GOttes Werck, wenn Gnade. 
fie GOTT leidet, und in ihr würcken läffet, denn 
wenn fie ihr eigen Werck thut: Denn alto thut die 
Seele nichts ohne GOTT und auffer GOTT, in 
allen Wercken. 


| Gebet. 


— GOtt , der du durch beine Weisheit ale Weisheit der 1. Cor. x 
+ Welt haft zur Thorheit gemacht, und die, fo fich für weiſe d. 20, 
hielten, in ihrem Zichten eitel, und ihr unverſtaͤndiges Herg ver Roͤm. ze 
finftert laffen werden: Erbarme dich über mich, und verzilgegnd" 22.23. 
dig:ich die Blindheit und Finfternig meines Herkeng durch dei- 
nes Wortes Krafft. Allein dein Wort, o HErr, ift ein Licht, dag 2- Vetr, 1. 
da fiheinet im Dunckeln, durch welches die Nacht vertrieben & 29. 
wird, der Tag anbricht, und der Morgenftern aufachet in une 
‚ fern Hertzen, fonften verfallen wir, uno verwirren durch unfere 
eingebildete Bernunfft- Weisheit zu der ewigen Finſterniß. Ach, 
übergieb mich nie in fo verkehrten Sinn, meinem eigenen nas 
* Odd 2 tuͤrlichen 
*Es wird hier nicht angezeiget Origo, mo unfere Erleuchtung 
- urfprünglich herfomme, fondern Subjeftum, mag am Mens 
ſchen erleuchtet werde, nemlich der rechte innerlics Grund 
der Seelen. Varın, 





788 B.E.ı1.BOttiftalleinder Seelen Licht, 


tuͤrlichen Triebe zu trauen,und in demfelbigen zu wandeln. Auch 
2. Cor. u. bewahre mich, getreuer Water, vor denen Verfuͤhrungen des 
v. 14. Sataus, wenn der ſich verſtellet in einen Engel des Lichte, mich 
von deinem Worte und der Wahrheit, die in Chriſto ift, abzu⸗ 

er.15.0.16. führen. Enthalte mir aus Gnaden dein Wort, daß ich e8 Fries 
gen moͤge; denn das allein ift des heilbegierigen Hertzens Freu⸗ 

de und Troſt. Dis dein Gnaden- Wort laß meine Seele er- 

leuchten, mich in Unwiſſenheit lehren, im Kampff ſtaͤrcken, und 

ſtets deiner Gnade und meiner Scyuldigfeit erinnern. Du 

haſt uns ja o HErr, fotheuer errettet von der Obrigkeit der Fins 
Eol,1.v.13 fterniß, fo laß doch nicht im Finfterniß bleiben, die deines Lichts 
und Heilg Begehren. Nimm hinweg aus Gnaden alles, was 

2, Cor. 3. da hindert, daß deine Klarheit fich nicht in uns fpiegeln Fan mit 
vn. aufgedecktem Angeficht, und laß ung denn deines herrlichen 
1.50). 1. Lichts fo vieltheilhafftig werden in diefem Leben, als nöthig iſt, 
——— uns zu dir zu fuͤhren in deiner Gemeinſchafft zu wandeln und 
unſer Licht vor den Menſchen leuchten zu laſſen zu deinem Preis. 
Soloſſ. ꝛ. Erfreue ung auch im Leiden mit dem Licht deines Angeſichts. 
v. 12, Mache ung hie tüchtig zum Erbtheil der Heiligen im Licht, und 
Dfenb. 22 führe ung endlich dahin, da feine Nachtift, da wir nicht beduͤrf⸗ 
v. 5 fen einer Leuchte oder des Lichts der Sonnen; ſondern da du 
Die erleuchteft und regiereft von Ewigkeit zu Emwigfeit! : 

men. 





Das XI. Capitel, 


GOTT allein ift der Seelen £icht, und 
feuchter von innen heraus in Chriſtlichen 
Tugenden und Wercken gegen den Naͤch⸗ 
ſten, fonderlich im Richten und 

' Urtheilen. 


1. Joh. v. 5. GOtt iſt ein Licht, nnd iſt keine 
Finſterniß in ihm. 


GHttes > Dit iſt das höchfte, lauterſte, veinefte, fubtilefte, 
Denen EM Flareite und ſchonſte Licht, und hat eine unmaͤßli⸗ 
zu erlench, che Liebe zu Des Menfchen Seele fie zu erleuchten, 
ten. und fich mit ihr zu vereinigen, wird aber verhindert 
Soh.3.0.19. Durch Die Sinfterniß, welche die Menſchen mehr 
1: lieben denn das Kicht, Joh. r. d.5. 3.0.19. Die 
Sinfsmnif. Sinfterniß aber der Seelen ift die Liebe dieſer Welt, 
und die eigene Liebe; dieſelbe hindert GOtt, und fein ed⸗ 
(es Goͤttliches Werck im Menſchen. Sollnun die Er 
as 


» 


und leuchtet von.innen beraus. ‚789 


das Göttliche Licht empfahen, fo muß fie fid) nicht 
ſelbſt mit den Ereaturen verfinftern, mit Geitz, mit 
Zorn, mit eigener Liebe, mit Hoffart, mit Fleiſches⸗Luſt: 
Denn folches ift die Sinfkerniß, darinn der Bott 
diefer Welt herrſchet, 2. Cor. 4.0.4. Darum 
muß der Dienfch ablaffen von alle dem, das GOTT 
‚ nicht felbft ift, von ihm felber, und von allen Ereaturen: * 
Denn das heiffet abfagen alle dem, das er bat, 
Luc. 14.0. 33.Cinemfolchen Menſchen ſchmecket allen  — 
SGDtt, und niemand anders; und derfelbe wird in der ae Vi 
Wahrheit erleuchtet, und fo er mit der ABelt muß um⸗ Ereaturen, 
gehen, brauchet er alles in demuͤthiger Furcht, und bes fell umge⸗ 
bält den Grund feiner Seelen rein von den Creaturen"" 
und von der Welt: So erleuchtet denn GOtt von ' 
innen; denn es muß alles von innen aus hervor quellen Das Gute 
aus GDtt. ** Dis innerfiche Licht leuchtet denn aus Garen 
wendig in den Wercken, und was du denn thuſt, 

oder redeſt, oder leideſt, ft nicht dein oder der. Natur, 
—— Ddd 3 ſon⸗ 


* Damit follen nicht ausgeſchloſſen ſeyn diejenigen. welche 
GOtt zu Werckzeugen in unferer Wiedergeburch ihm felbft 
- zuordnet. Dor/ch, 


**GoOtt verrichtet ſeine Wercke nicht aufferhalb dem Menfchen, 
ſondern er wohnet ſelbſt in ſeinen Glaͤubigen, und wuͤrcket ſei⸗ 

ne Gnaden Wercke in ihnen; Alſo quillet die Erleuchtung von 

innen her; denn fie quillet aus GOtt, der in ihnen wohnet. 
GOttes Wort muß zwar geprediget und angehoͤret, und Alfo 
von auſſen ung vorgetragen werden : aber doch ſo lange eg’ 

nicht ing Herg gefaſt wird, fan der Menfch dadurch nichter- 
leuchtet werden, Luc. 8.0.15. Nom. 10.0.8. Alfo quiller-die 
Erleuchtung,ja alle gute Früchte des Geiſtes von innen: denn 
fie kommen aus dem Wort, welches in unfern Hertzen bewah⸗ 

ret iſt So iſt dag Herg vornemlich dag, welches muß geoͤu⸗ 

- dert, erleuchtet, befehret und gebeffert werden ; fonften gefalz 
len alle äufferliche Wercke GOtt wicht. Wir müffen einen 
neuen Sinn, neuen Verftand, neues Gemuͤth, neue Luͤſte, 
Gedanken und Bewegung im Kerken empfinden : und alfo - 

‚ alles, unfer gantzes Zeben und Gortesdienft, von innen 
aus dem Grunde des Hertzens herrühren, fol GOtt fiincn 
Gefallen daran haben und tragen. Varen 


+90 B.N.E.ır. GOtt iſt allein der Seelen Licht, 


ſondern deines GOTTes, dem du dich gelaſſen haſt. 
Denn fage mir, weſſen iſt das Werck, deß, der es thut, 

oder Def, der es leidet? Es iftfreylich deſſen, Der esth 
Womit dich nun GOtt beiveget, es fey eine heilige Be⸗ 
gierde, gute Meynung, Gebet oder Danckbarkeits fo ift 
Die auten es alles fein, und nicht dein. Darum laß GOtt in dir wuͤr⸗ 
ne in Ken, und feinen Willen in dir haben, alſo thuſt du alles 
BDtt ge in ihm, und erin die: Alfo muß alles in GOtt gehen, 
bon wer nd im GOtt gefebeben, Zoh. 3. d. 21. daß wir in 
ihm leben, beten und alles thun. Und das Allergering- 
ſte von GOtt gethan, ift beffer, denn aller Creaturen 
— — Werck. Daher kommen die rechten Tugenden: denn 
Tugend. Die Tugend iſt nicht eine Tugend, fie komme denn von 
- GDtt oder durch GOtt, oder gehe zu GOtt, oderin 
SDr. Je groͤſſer aber die Luft der Creaturen und 
Die Welt⸗Liebe in Dir ift, te ferner dir GOtt iſt; ie naͤ⸗ 
her dir aber GOtt iſt im innen Grunde deiner Seelen, 
ie mehr feine Licbe und Barmhertzigkeit gegen den 
Naͤchſten in deinen Wercken hervorleuchtet. Denn 
| unfer. licher Herr fpricht: "Ich bin das Licht der 
Joh.s. v.a2. Welt, Joh. 8.0. 12. darum follen wir hafften an der 
vn wahren Liebe unfers Haupts, fo werden wir erleuchtet 
"in CHriſto. Denn alle unfere Wercke allein Licht: 
| ſeyn, die aus GOtt gehen, und füllen leuchten in der 
Finſterniß unfers Mächten, in Gedult, in Sanfft⸗ 
muth, in Demuth, in Tröften und Mitleiden, in Ber . 
— ‚rung, und ſonderlich in gedultmuͤthiger Strafe und 
ve rlleiheil,. Denn vom uͤbermuͤthigen Uctheit des Mens 
theilse ſchen über feinen Naͤchſten entſtehet ein eignes Wohle 
Schade. gefallen fein felbft, und aufgeblafene Hoffart, Bars 
achtung und Vernichtung des Nachften: Daffelbe 
ift eine boͤſe Wurtzel vieler Sünde und des Teufels 
felbit, die aus den Saamen der Hoffart gewachſen, 
und daſelbſt ft der H. Geiſt nicht mit feinem Licht. Wo 
er aber ift, da urtheilet er den Menfchen nicht eher, denn 
aus hoher Nothdurfft, mit groffer Gelindigkeit, und erz 
wartet der Zeit und Orts, da csfich wohl füger, auf Daß 
man nicht schen Wunden ſchlage, che man eine Kt 
| an 


und leuchtet von innen heraus. 791 
‚Man foll auch den Menfchen in feinem Urtheilen nicht ax man 


verkleinern und vernichten, in Feines andern Menfchen hen ann 
a .csen, es ſey geiftlich oder weltlich; fondern es ſoll ger ien fol. 
hen aus einer lauten Kiebe, Freundlichkeit und Sanfft⸗ 
muth: So bleibet der Menfch felbjtin Demurh und Arz 
much feines Geiſtes, und wandelt feinem HErrn nad), 
wird fanfftmütbig als ein Lammlein gegen die, fo ihm 
zuwider jeyn. Die urtheilenden Menfchen aber find als Se ae 
die Schlangen, fo die alte Schlange, der Teufel, ausge: den Men 
bruͤtet; diefelbefchleicht und geuftihren Gifft in fie, daſ⸗ fen gleich 
felbe gieffen fie denn wieder aus, mit Verkleinerung und nn 
Rernichtung des Naͤchſten. Cie erkennen und fehen 
nicht, wer fie felber feyn, und wollen andere richten, O 
Menfeh,nimm diefes deines falfchen Grundes wahr, und 
richte dich felbft, und fonft niemand, Luc, 6,0. 37. Zue6.037: 
‚Denn das falfche natürliche Licht betreuget dich, und Dr marke, 
fcheinet auswendig in Hoffart, und eigenem Wohlge⸗ Lichte 
- fallen, in eigenem Ruhm und Urtheil anderer Menfchen, Weicke. 
Darum wiſſe, daß dis nicht iſt GOttes Ficht in dir, ſon⸗ 
dern des Satans Finſterniß: Aber das wahrhafftige Des wahr⸗ 
Goͤttliche Licht dag erniedriget ſich, und haͤlt ſich Elein SS, 
und gering in allen Dingen: Es pranget nicht aͤuſſerlich, 
ſondern es ſuchet den inwendigen Grund, daraus es ge⸗ 
bohren ift, nemlich GOtt- daeilet es wieder zu mit allen 
Krafften, und duͤncket ſich der Geringfte, Schnödefte, 
Kraͤnckeſte und Blindefte: denn ift etwas -beffers da, 
das iſt GOttes, und nicht fein. Darum fichevorallen 
Dingen auf dich felbit, und nicht aufandere Leute, ſon⸗ Nichte dich 
derlich auf ihre Sünde, damit du nicht ſelbſt in Miß- Mbhen. 
fallen und Bitterkeicdes Gemüths deinen Nachften ur 
theileſt; Denn daffelbe thut fo groffen Schaden in des 
Menfihen Seele, daß es gu erbarmen ijt: Darum ieahde; 
Eehre dich Davon, fo lieb alsdir GOtt felbft ft, und kehre chen anzun 
dich zu Dir ſelbſt, und befiche, ob du Die Gebrechen nicht leben. 
auch in dir findeft, daß du fie entweder in vergangener 
Zeit gehabt, oder ietzo habeſt. Finder du fie in dir, fo 
gedenche, daß es GOtt alfo gefüget hat, daß du diefelbe - 
an einem andern ſieheſt, Daß du dadurch kommen folteft 

| Ddd 4 um — 


792 BU. Eırr. GOtt ift alleinder Seelen Licht, 


zum Erkaͤnntniß und Reue deſſelben, und Beſſerung 
deines Lebens: Alsdenn bitte fuͤr denſelben, daß ihm 
GOtt Erkaͤnntniß und Beſſerung verleihe, nach jei an 
Willen. Alſo wird ein gut Hertz gebeſſert von andırer 
Leute ebrechen, und vor allem Mißfallen und Urtheil 
des Naͤchſten behuͤtet. 


Gebet. 


“acı.v.ız. GFeErr mein GOtt , von dem, als vom Vater des Lichts alle gute 

Bf. 43 0.3. MGaben von oben herab kommen, ſende du dein Licht und dei⸗ 

a ne Wahrheit in meine Seele, daß fie mich leiten, und führen ab 

von alfer Creatur⸗Liebe zu dir felbft, deiner und des Nächten reis 

Joh z. .ar, nen Liebe. Wuͤrcke du inmir kraͤfftiglich daß meine Wercke mö⸗ 

gen alle in dir gethan werden, von dir urſpruͤnglich herkommen, 

und zu deinen Ehren zielen. Du biſt die Liebe, mache mich dir 

1.505, 4. hierinn ahnlich, daß ich auch rechte Leebe gegen meinen Näch- 
V. 


8, ften üben moͤge. Offt verleitet mich meine verderbte Unart, 


. von meinem Nächften uͤbermuͤthige und verkleinerliche Urtheile 
zu faͤllen, daher entzicheft du mir denn auch offt deine Önade,auf 
daß ich lerne, in welcher Krafft ich ftehe, und daß ich deffen, was 

1. Cor. 4. ich empfangen, mich nicht zu rühmen habe, alg hätteic) es nicht 
v.7. empfangen. Bergieb mir,mein GOFE und hilff mir von der Suͤn⸗ 
de. Gieb mirdeinen Geiſt, der mich lehre rechte Maaß zu halten, 
Sefs.v:a0, daß ich nicht von der einen Seiten Boſes gut heiffe, aug Finfter- 
niß Licht mache, und Dadurch dag Wehe über mich siehe ; vonder 

‚andern Seiten mich über meinen gefallenen Nächften nicht aus 

Buc.ıg.o.rn. Phariſaͤiſchem Geiſt erhebe, Wohlgefallen an mir felber habe, 
Roͤm ıs, anderenebenmirverachte. Lehre mich bedencken, o HErr, daß 
vn e8 deine Gnade ift, wenn ich ſtehe; aber auch wol fallen Fonne, 
m ur 10: und gewiß fallen werde, wo du deine Hand abzeuchft, Laß mich 
Mas betrachten, mie viel noch mir felbft mangelt, daß dadurch ein 
Mitleiden gegen meinen ſchwachen Nächften in mir erwecket 

Matth.7. werde. So offt mir meine verderbte Unart den Splitter in mei⸗ 
v5. nes Nächften Auge zeiger, fo entdecke du durch deine Gnade den 
Balcken in meinem Auge; zeuch denfelden aus Barmherbigfeit 

zuvor heraus, und fehreibe dabey meinem Nergen ein die Don» 

Röm.av. ꝛ. ner⸗Worte: O Menfch, du kanſt dich nicht entfchuldigen, werdu 
2.3 . ‚bifl,derdu richteft: Denn worinnen du einen andern richteft, 
verdammeft du dich ſelbſt; fintemal du eben daffelbe thuft, was 

dus richteſt. Gedenceft vu aber, o Menſch, der du richteft, die 

folches thun, und thuſt auchdaffelbige, daß du dem Urtheil GOt⸗ 

tes entrinnen werdeſt? Da aber meines Naͤchſten Verbrechen 

ein Urtheil erheifchet, fo gieb mir daſſelbe in Liebe, zu feiner und 

anderer Geaͤrgerten Beſſerung zu fällen, vor ihn zu beten; > 

x alfo 


und leuchtet von innen heraus. 793 
-alfo nicht mich felbft oder mein Anſehen, fondern deine Ehre 
und deg Nächten Heil zu fuchen. Durch JEſum EHriitum 1. Petr. 2. 
- deinen Sohn unfern HErrn, der. ung hierinn ein Vorbild ge⸗ v. 21. 
lafien hat. Amen, | a 
Ki Das XI. Capitel, 
Ein Ehrift fol zum menigften des Ta⸗ 
ges einmal von den aufferfihen Dingen ſich 
abwenden, und in den Grund feines Hertzens ein? 
kehren; und was ev davon für groſſen 
..... Nußen hat. in 
Pſalm 116.0. 7. Sep nun wieder zufrieden, meine. 
Seele, (oder Eehre wieder in Deine Ruhe) Denn: 
der HErr thut dir Guts. 


ae Seele des Menſchen, fo ſich in den aͤuſſern Die Seele 
Dingen fo weit ausbreitet, und den Ereaturen MUB mit 
allein anhanget, iſt gar verirret, wie ein verirret vereiniget 
Schaaf. Daran legt nun GOtt der HErr alle feinen werden. 
Fleiß daß er cine folche Seele wieder ſammle, dieſelbe 
von den Ereaturen erledige, in ſich felbft einkehre, auf 
daß er fein edles Göttliches Werck in ihr vollbringen 
möge. Daher der heil. Königliche Prophet in feinem 
langen 119. )Malm, v. 176. mit den Worten befchleuft; Pſalm 113. 
Ich bin wie ein verirret Schaaf, ſuche deinen 
Knecht. Welcher Befchluß einem fleifchlichen Dien= 
fehen naͤrriſch deucht, aber einem Gottweifen zeiget er 
das gange Werck der Erleuchtung und bimmlifchen 
Weisheit. Denn die Seele des Menfchen ift gefeget Wie die 
zwifchen Zeit und Ewigkeit: Wendet fie fich zu der. san in, 
Zeit, ſo vergiffer fie der Ewigkeit, und werden ihr alle per, 
Dinge ferne, die GOtt zugehören: Wendet ſie fic) 
aber zu der Ewigkeit, fo vergiffer fie der Creaturen, 
erlanget ihre Sreyheit, und wird GOtt nahe; fo zeucht 
fie GOtt zu fich. Und das ift feine hoͤchſte Freude, 
daß er fein Werck in des Menſchen Seele haben mag, 
da empfindet- Denn Die Seele ihre vechte Ruhe, ihre 
rechte Speife, ihr rechtes Leben, die Früchte der Sal: 
„ bung, daran du ein Ehrift genennet bift, Siehe, folte 
Ju BI Ddd 5 nun 


ii. m 


#94 BUN. C. 12. Ein Chriſt follin den Grund 


nun ein wahrer Chriſt nicht taͤglich zum wenigſten ein⸗ 

mal dieſe himmliſche Seelen⸗Speiſe, welche GOtt 

ſelber ift, zu genieſſen, ver Seelen ihre rechte Ruhe ge— 

ben, und ihr rechtes wahres Leben? Verſtuͤndeſt du 

das, du wuͤrdeſt tauſendmal mehr lauffen nach dem 

Ewigen, als nach dem Zeitlichen; und wenn du denn 

gleich ein gantz Konigreich hätteft, wie David, es wuͤrde 

Dir nicht fehaden, wuͤrde dich aud) nicht hindern oder 

ee aufhalten. Denn die Ereaturen ſchaden Dir nichts, 

he mein wenn fie nur die Secle nicht gefangen halten: Dder wie _ 

fi nihe Der 62. Miv.ıı.fagt: Wenn du dein Jergnicht dran 

ae bängeft : denn daſſelbe foll allein an GOtt bangen. Aus 

halten. Diefem Grunde (pricht David iM 73. Pſ. v. 25. AKrr, 

Bon ya wenn ich nur Dich habe, fo frage ch nichts rn 
Himmel und Erde, Wenn diefe ſuͤſſe Begierde un 

Liebe GOttes die Seelen berühret, fo vergeffen ſolche 

GOtt⸗liebende Seelen in folcher ſuͤſſen Liebe GOttes al 

les Leidens, achtens klein und gering, bekuͤmmern ſich 

nicht, ob man fie liebe oder haſſe. Denn fie haben fies 

ten Friede in GOtt mit allen Ereaturen, mit Feinden 

und Freunden; und dieſen Menſchen iſt allezeit des 

Matth. u. HErrn Earifti Joch ſ üffe, Matth. ı 1. v. 30, Denn 

3° fie find in CHriſſo, und Chriftus in ihnen: CHriſtus 

trägt fein Zoch in ihnen, und fie in CHriſto. Beine 

Burde macht er ihnen leicht; denn er trägt fie in ihnen, 

vphil 4.v. 13 und fein ihm. Darum fagen fie mit St. Paulo, Phil. a 
v.13. Wir vermögen alles in CHriſto. Giel 

nun, wie hochnothig einem Chriſten it, und wie heil⸗ 

fan und nuͤtzlich täglich zum wenigften einmal 
einzukehren im fein eigen Hertz, in GOtt, m CHri⸗ 

ftum, um der Rube willen feiner edlen Seelen, um 

des rechten Gebrauchs willen des Zeitlichen? 

Sott on welches Zeitliche dir GOtt wohl gönnet und erlaubet, 
Arte, fo du in Demuth und Gottesfurcht wandelt, und in 
menn nur GOtt täglich wieder einkehreſt; Ja auch) um deir 
a ner Armuth twillens Denn eine tolche Seele verlaͤſſet 
danget. G0Ott nicht, es muͤſten ihr ehe alle Creaturen dienen: 
Und endlich um deines taͤglichen Creutzes und 

Buͤrde 


feines Hertzens einkehren. 795 


Birde willen, daß es dir in Chriſto ſuͤſſe und leicht 

werde. Sp erinnert Did) folches der Geiſt GOttes, 

der in Dir ift, daß du wünfcheft und feuffzeft, daß du 
-8Dtt lauterzallein lieben moͤgeſt; und wenn du dar⸗ 

an verhindert wirſt, fo it dirs leid: Und das iſt denn 

der rechte innerliche Beruff des Heiligen Geiſtes oder 

das Anklopffen deines Brautigams an die Thür Dfenb, z 
deines Hertzens, Offenb. 3. d. 20. zum lebendigen * 20. 
Zeugniß, daß dein Her fol fein eigner Thalamus und 
Braut⸗Kammer feyn. | 


Gebet. 


Etreuer GOtt und Vater, du haft und befohlen zu arbeiz 2. B. Deof. 

ten, und einem ieden in feinem Beruff verordnet das zu 20. v. 9 
thun, wodurch die menfihliche Sefenfchafft erhalten wird; Du 
fieheft, wie leicht der Umgang mit den Ereaturen uns von dir 
abführen fan: So bitte ich dich in EHrifto, nimm meiner 
Seelen wahr, und laß die Creatur mir nicht zum Strick wer⸗ 
ben. Kan ich gleich, fo lange ich hier walle, derfelben nicht 
entrathen ; fo behüte mich doch, daß mein Herß nur dir ftetg 
anhange, und in rechter Glaubeng-Einfalt auf dich fehe. Laß Tob.4. v. 6. 
mic in allem meinen Thun und Verrichtungen" dich vor Aus 
gen haben, fey du duch mie mir in allen meinem Thun, und 
wenn mein Fleifch und Blut fich in ver Welt und irdifchen Palm 1ıg. 
Dingen vertieffen will, fo bringe du mich, als ein verirreteg 9 176 
Schaaf, wiederum zu dir, damit ic) jederzeit, was ich thue, | 
und mo ich bin, in dir erfunden werde. Nimm mich auf, 
gütiger Vater, in Gnaden, wenn ich aus und vor der Unruhe 
ber Welt zu dir meine Zuflucht nehme. In der Welt habe Joh. 16. 
ich Angft; Du aber, mein Erlofer, haft die Welt überwunden, 9: 3. 
des laß mich getroft feyn. Ich Legehre unter den Echatten re 
deiner Flügel mich zu vertrauen ; verbirge du. mich heimlich Seas. ni 
bey dir für iedermans Troß ; fprich du zu meiner Seelen: Sch 2.Cor.s. 
bin deine Hülffe. Und wenn mein Lauff vollbracht ift,fo Iaß v. 1. 
mich nicht länger von dir entfernet feyn; zubrich bald dieſe Offenb mr. 
Kummer z volle Hütte, und führe mich ein zu deiner enigen” #* 


und unveränderlichen Ruhe, durch ZEfum CHriſtum ' 
‚deinen Sohn unfern HErrn! | 
Amen. } 

8) 0 


& 
[1 x - j 
Das 


* 


795 B. UI. C. 13. Gebet die Creatur⸗Liebe aus, 





Des XIH, Capitel. 


Wenn die Liebe der Ercaturen ausge: 
bet, fo gehet GOttes Liebe ein; und von den 
herrlichen Wuͤrckungen und Effecten der. 

Gottlichen Kiebe in uns. . 


1. Joh. 2. 0.15. So iemand die Welt lieb Hat, in 
—* iſt die Liebe des Vaters nicht. 


NO Der Menſch GHttes will fähig werden, feine 
Wohnung und Tempel feyn, fo muß er die 


Welt⸗Liehe 
muß Aus: 
gehen, foll 





—2 ID MWelt-Atebe ausziehen, und ſich in der Goͤtt⸗ 
gehen. lichen Liebe üben; denn er Fan zur lautern Goͤttli⸗ 


300.2 hen Liebe nicht kommen, er laſſe denn die Liehe der 
*Welt fahren, und vereinige ſich mit GOttes Liebe: 
GOtt muß uns aber mit feiner Goͤttlichen Liebe be⸗ 
‚rühren, follen wie mit ihm recht gruͤndlich vereiniget 
werden; gleichwie ein Magnet⸗Stein das Eiſen be⸗ 
| ruͤhret und nach fih zeucht. 

GoOites Nun iſt GOTTÆS Liebe gegen die menſchliche 
Aedeit all, Seele ſo groß, daß fie überall leuchtet, und ſcheinet groͤ⸗ 
genen ſer denn die Sonne am Himmel, ja gegen die Sonne zu 
rechnen, als wenn dev groſſe Himmel überali lauter 

Sonne wäre: Und hat alſo der ewige Gtt, der die 

Wodurch Liebe felber ift, Feine Schuld: Aber fein Licht und Ga— 
— ben werden von den Menſchen verhindert. Denn ſo er 
verhindert kommt mit feiner milden, zarten und edlen Liebe, fo findet 
werde. er der Menfchen Hertz voll Welt⸗Liebe, und voll boͤſer 
Gaͤſter das ift, voll Hoffart, Geitz und Wolluſt, Haß 

und Neid, und voll böfer Gedancken; alsdenn muß der 

gutige BHtt mit feiner Lieb und Gnade nieder zuruͤcke 

kehren: Denn des Menſchen Seele iſt allbereit durch 

den Magnet in dieſer Welt, ja, mit dem hoͤlliſchen Ma⸗ 

gnet beruͤhret, welcher ihn nicht zu dem Himmel, ſon⸗ 

dern zu der Hoͤlle zeucht; da doch der liebe GOTT, 

"bereit it, als die Sonue am Himmel, allezeit zu geben 

feinen Gnadenſchein einem ieglichen Menfchen, wenn er 

ein Hertz fein lauter und vein behalten Fonte von der 
Ereaturs 
































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Das DritteBuch, Cap. xiul. pag.796 


Hier haͤnget ein Magnet welcher dag Eiſen an ſich ziehet, aber 
durch den Roſt allein wieder von einander getrennet werden: 
Alſo will GOtt uns auch zu und an ſich ziehen, fo fern wir die 
Welt mit ihrer Liebe und Luft fliehen, und vor muthiwilligen 
Suͤnden⸗Roſt und in acht nehmen: Denn durch die Sünde wers 
den wir von GDELE wieder gefchieden. | 


2. Petr. x. verf. 4. 
Euch find theure und die allergröfleften Verheiſ⸗ 
fungen gefehendet, nemlich, daß ibr folt theü⸗ 
hafftig werden der Böttlichen Natur, fo ibr 
fliebet die vergängliche Luft der Welt. 


Menſch wilt du GOttes faͤhig werden, 
So muß die Seele rein 
Vom Schlamm der Erden 
Und von dem Suͤnden⸗-Roſt geſaubert ſeyn. 
Wilſt du das hoͤchſte Gut beſtaͤndig faſſen, 
Und unabſonderlich 
Dran hangen, muſt du dich 
Von ſeiner Liebe Krafft beruͤhren laſſen. 
Soll er dich zu ſich ziehn, 
Muſt du die Welt mit ihrer Liebe fliehn. 
Soll dieſer reinſte Geiſt dein Hertz beſitzen, 
Als ſeinen Tempel und ſein Haus, 
Und es in zarter Gegen⸗Lieb erhitzen, 
So muß die Creatur hinaus. 
Er iſt bereit ſich zu ergieſſen 
In ein Gemuͤth, das von dem Eitlen leer; 
Da iſt diß unerfchöpffte Meer 
Der Lieb und Huld begierig einzuflieffen. 
Wohl dem, der feinen Einfluß nicht verjtopfft, 
Und thut ihm eilend auf, 
Wenn er mit feiner nad ans Hertze Elopfft, 
| | Den wird der Kauff - 
| In Ewigkeit nicht reuen, 
Den wird ein Wolluſt⸗ Strohm ohn alles End erfreuen, 


fo gebet GOttes Liebe ein, ‘ 797 


Creatur⸗Liebe. Darum it die Schuld unfer, und nicht 
GOttes. Damider dienet nun die Bewahrung und Vorder 
Cuftodia vor der Weltz Liebe, die Bekehiung von der Ar mache 
Welt zu dem lebendigen GOtt, und ein einſig Gebet; fh dewah⸗ 
daß wirdie Göttliche Liebe, Die uns mit GOtt vereiniget, eͤc. 
ſuchen in CHriſto und an die Thür feiner heiligen Wun⸗ 
den Elopffen, in ihm unfere Seltgkeit fuchen, fo wird er 
uns aufthun, und eingeben laffen in Die Liebe der Were 
nigungmit GOtt: Dadurch nahet der Menſch zu GOtt, Gott er⸗ 
und verlaͤſſet die Welt, fo beruͤhtet ihn denn ( GOtt mit hezuer deſſer 
feiner Liebe, und erfreuet ihn. mehr und mehr, Denn Elealuren 
fölte Dich der liebe GOtt nicht beffer ergegen mögen, 
Denn die elende, nothdürfftige und verderbte Creatur? 
Der Menfih, dernun GOtt lieb hat, wird von al- Erin Bolt 
len Heiligen und von allen Engeln unmäßlich ſehr gelie⸗ yauın 
bet, alfo, daß alle Liebe, Die man erdencken Ean, Diefer wird von 
Liebenicht gleich ift: Und wenn ich GOtt liebe, fo ha⸗ len Sm 
ben mich alle lieb, die iin Himmel feyn, über alle Maffe, gelieber. 
und über alle Liebe auf Erden. Denn das it ein un⸗ 
gleich Ding, was die wollen, wuͤnſchen und lieben, fo im 
Himmel feyn, und was die wünfchen, ſo auf Erden feyn, 
Ja alle Heiligen und alle Engel haben an unferer Got⸗ 
tesfurcht und guten Wercken eine folche groffe Freude, 
die Fein Mund ausfprechen kan; denn fie haben GOtt 
unausfprechlich lieb, alfo, daß feine Ehre ihnen Lieber ift, 
denn ihre Seligkeit. Br # \ 
Dieſer Liebe GOttes Zeichen aberift, daß fieder Die Erem . 
Creaturen mit Furcht und Demuth gebrauchet; denn Surarund 
GOtt beruͤhret den Menſchen alfa mit Furcht und Dez Densutd u 
muth Tag und Nacht, er effe oder trinke, daß er. alles Eebrauchen. 
in Eindlicher Sucht gebrauchet. Darauf folget denn 
ein heimlich Seuffgen und Jammern nach EHrifto, und 
nach der Erlöfung von diefer Welt; weilder Menfch in 
feiner verderbten Natur fo viel Sünde und Unflath verz 
borgen findet, die GOttes Licht und Gnade in ihm hin: 
dert, darüber feuffjet er mit St. Paulo, Nom, 7.0.24. Rom. 7. 
Ich elender Menſch, wer will mich erlöfen von Seen zu 
dem Keibe diefes Todes! nd eben darum ir; Ha EHritte. 
: — euffzen 





798 B.UL €, 13. Gehet die Creatur-Kiebeaus, 


feuffjen um Gnade, damit man gejtärcket werde, Diez 

fen Jammer defto beffer zu tragen, Damit mannicht zu 

Franck werde in dieſem Elende. Darum haben alle 
Heiligen gejammert und gejeuffet, wegen der ange 
bohrnen Eitelkeit und fleifihlichen Liebe: Denn ohne 
Zweifel mag Fein Menſch der Göttlihen Gnade em⸗ 
pfindlich feyn, deſſen Ders mit den Ereaturen beſeſſen 

iſt. Denn wer GOtt fiicher, und fucher etwas mit 

GOtt als ihm , der findetihn nicht: Wer aber GOtt allein fücher 
* * ſu⸗ jn der Wahrheit, der findet GOtt, und alles, was GSt— 
tes iſt und was GOtt ie geben und leiſten ken. Denn 

wer nichts anders ſucht und meynet, denn lauter GOtt, 

dem entdecket GOtt, und giebt ihm alles, das er verbor⸗ 

gen hat in feinem Göttlichen Hertzen, daß es ihm fo eie 

gen ift, als es GOttes eigen iſt. | | 


Gebet. 


. Joh4. (EBiger gefreuer GOtt und Vater, , dich folte ich ja Lieben 
2.19. über alles, denn du haftmich ja erſt geliebet; Du bift die 
Matth. 19. Höchfte Vollkommenheit, dag höchſte Gut, und allein würdig 
v. 17. unferer Liebe; Ja wir elende Sünder find unmerth dich zu lies 
ben, oder unfere Augen vor dir aufzuheben. Un fo vielmehr 

beflage ich, mein GOTT, daß mein Herk fa zur Erde geneigt 

ift, und die Liebe der Welt offt deiner Liebe vorzeucht. Ich ers 

fahre, fühle, beflage täglich, wie es alles eitel und bitter iſt, 

was die Welt giebet: und doch haͤnget mein Hertz feſt daran, 

und beraubet mic) des beftändigen Troſtes uud Freude, die 

ich in dir haben koͤnte; So führer diefe Sünde fon hie ihre 

Strafe mit ih! NRunmein GOTT, aus diem Elend kanft 

du allein mir helffen. Ach! oͤffne meine Augen, daß ich 

ſchauen möge deine Lieblichkeit, und dagegen die Welt mit 

allem, was fie bat und zeiget, verachte. Lehre mich bedencken, 

und der Welt Eitelfeic entgegen feßen die Herrlichkeit der Aus— 
erwehlten, die dich ohn Unterlaß anſchauen, und in deiner Liebe 

Hebr.ia, fichergegen. O wie ütein unvergleichlicher Unterfheid unter 
v.2). der Freude der Geifter-der vollfommenen Gerechten, die dich, 
Offenb. 7. das hoͤchſte Gut, vollig befigen, vor deinem Stuhl fichen, und 
1.90 * dir dienen Tag und Nacht in deinem Tempel; und der Unſin— 
** nigkeit, die die Weit mit ihrer Augen-Luſt, Fleiſches Luſt und 
hoffaͤrtigem Leben in eiteln Seelen erwecket! O wie ſelig ſind 
jene, die keine Ruhe haben Tag und Nacht, und ſprechen: Hei⸗ 
Oſſenb. 4. lig, heilig, heilig Mi GOtt der HErr, der Almächtige, der da - 
u war, und der da iſt, und der da kommt; dor denen, — 
— trdiſche 


fo geber GOttes Liebe ein. 799 


irdifche und fleifchliche Sinn Feine Ruhe läffet Tag und Nacht, Offenb. 14 
das Thier anzubeten, und feine Maalzeichen zunehmen, aufdaß v. 11. 
fie auch was geachtet werde! In diefe Übung der Heiligen, in 
diefe felige Unruhe lag mich mein GDtt, hie im Glauben ireten, 
fo werde ich feyn in der Gemeinſchafft der Heiligen, als ein Mit- 
Bürger.deg himmlifchen Jeruſalems, dag ſich vom Himmel auf Offenb. ar. 
die Erde erftveckets So werde ich der Welt und aller irdifchen 8. 10- 
Dinge mit Furcht und Demuth gebrauchen, und ſtets verlan⸗ Pbihıd.23. - 
gen aufgeldiet, und bey CHriſto zufeyn. Dasgieb,mir, o Va⸗ 
ter, durch EHriftum IEſum unfern HErrn! Amen. 
Das XIV. Capitel. ; 
Eine iede Ehriftliche Seele, die eine 
Wohnung GOttes ſeyn foll, muß mit groffer 
Gedult bereitet werden, und die Liebe EOttes 
behalten, und was die Liebe ſey 
| und wuͤrcke. 
Jeſa. 53.0.7. Chriſtus iſt wie ein Laͤmmlein, das 
sur Schlachtbanck gefuͤhret wird. 
Er fein Hertz recht will bereiten, daß er mit Sanſſt⸗ 
Chriſto vereiniget bleibe, der mug C.Hriſti murb und 
Sinn ind Gemüche haben, und muß einpreesn 
Laͤmmlein feyn, wie er iſt, gedultig und ſanfftmuͤthig, Round den 
wie EHriftus. Mache es num wie Du wolleſt, wende giekhabern., 
Dich hin und her, du muſt ein Schäflen und ein Matıt. 10, 
Laͤmmlein ſeyn, wilt du deinem Hrn nachfolgen de“ 
denn der HErr fpriht: Matth. 10. v. 16. Siebe, 
ich fende euch wie Schaafe mitten unter die 
Woͤlffe. Darum macheeg wie du wilt, du muft un: Willie les 
ter die Woͤlffe, die werden Dich zauſen, mit Liſt um an Ntder 
dich hergehen und zerreiſſen. Darwider aber halt DU CreuR. 
keinen bejfern Sieg, denn Die Gedult, die Stilligkeit; » 
Sanfftmuth und williges Leiden, vote du folches an 
dem Lammlein GOttes ſieheſt. &leichwie nun GOtt 
einen Wohlgefallen hat an EHrifto dem fanfftmüthiz 
gen Laͤmmlein; alſo gefället ibn deine Gedult wohl, Ott über 
und er will deine Gedult exerciren und üben. Dar⸗ Dieehriten 
um laſſe dich feinem Willen, in was Weiſe und Wege weriep 
er dich auch üben will, Dusch men, und zu welcher Zeit Weiſe 
c | eg 


80° B.ll IL. &,ı4. Eine Chriſtliche Seele muß 


ö— — — — — — —— ⁊ 
es ſey .8 fen durch sich. felbft, oder durch Menſchen oder Durch 
den Feind, oder Durch alle Creaturen im Himmel und 
Erden, durch Schelt-⸗ Wort oder Verachtung, oder 
was es ſey, Daß du alsdenn ſtille ſchweigeſt, und leideſt: 
Eiche, fo kommt denn der getreue Hirte, und ſucht 
dis Schaͤflein, und traͤgts auf ſeinem Rücken, 
Wie fleiſch Luc, 1 5. v. 5. und ſo wird eine ſolche Seele über alle 
liches u Ereatuͤren gefuͤhret z GOtt: Denn EHriftus führet 
et nirgend anders bin, denn zum Vater. Komme aber 
das blinde fleifchliche Urtheil, und ſpricht: Warum weile 
du Die) alfo verachten und unterdruͤcken fan? 2? So laß 
die Sanfftmuth antworten, und nicht die Rache, und 
ſiehe an das Vorbild des geereutzigten Laͤmmleins GOt⸗ 
tes. Siehe zu, daß du ein Laͤmmlein bleibeſt, das iſt, die 
Gedult und Sanfftmuth behalteſt, und vor allen Din⸗ 
gen die Liebe GOttes; denn bey dem Zorn kan die Liebe 
nicht ſtehen. O du glaͤubiges Hertz, lerne, was die Liebe 
fey. Du meyneft, das fey Liebe, wenn du inwendig groffe 
Suͤßigkeit und Lieblichfeit empfindet. Nein, das iſt 
die Liebe nicht in ihrem Weſen, ſondern es iſt nur ein 
Schein, wie vom euer, und eine Bluͤche oder Glaſt der 
Was diebe Liebe: Das Weſen aber der Liebe it, wenn man ſich 
raid SDtt alfo Läffet, aufopffert, und feinem Willen ergiebt, 
daß man alles — als von GOtt ſelbſt; wie 
Hiob den Verluſt feiner Kinder, Güter, Sefundheit 
nd Ehre, als vonder hand des HErrn aufnahm, 
Hiob 1... und GOtt preifete, Hiod 1.0.21. Als aud) der 
2. Nah Koͤnig David die Schelt-IBorte Simei, 2.SSam.ı6. 
v. 10. aufnahm als vom Herten, und blieb inder Liebe 
und Gedultohn alle Rache; fü bleibet das Weſen, Die 
Flamme, der rund und Quelle der diebe rein ımd unz, 
beweglich, und iſt mit GOtt wohl zufrieden, er mache 
In Gottes es mit ihm wie er wolle, nad) feinem Willen. Und fo ihn 
ie auch GOtt mit CHriſto in die Hölle führen wolte, jo 
desHer Ware ihm daſelbſt wohl, und ruhet in dem Willen GOꝛ⸗ 
benodriede. tes, welcher niemand verderbet oder verderben laͤſſet. Sn 
dieſer Liebe iſt groſſer Friede des Hertzens, wenn man 
nemlich m GOtt alles lieb hat, auch Das Treu, es ſey 
was 


mit Gedult bereitet werden. 801 


was es ſey, auch die Feinde: Denn die wahre Liebe 

ſchleußt niemand aus bie in dieſer Zeit, und iſt alles 

zeit vereiniget in GOTT mit allen Menſchen. Vlies 

mand glaͤubets, welche Stilligfeit und Ruhe diefe 

Liebe dem Hertzen bringet; denn da ruhet man in 
Gebet. 


Kyeiliger gerechter Vater, ie mehr man deine Wege heben; 2. Tim.z. 
7 ckel, ie heiliger, herrlicher und wunderbarlicher find fir. Ei N ir 
Du findeit ung elende Adamg- Kinder zum Glauben und allen & F nn 


guten Werden untüchtig, ungefchickt zum Reich GOttes; € 38.0.3. 


damit wir aber nicht fo bleiben mögen, bereitet du uns Math. ır, 
durch mancherlen Leiden. Du läuterft und macheſt ung v. 28. 
audermwehlet im Ofen des Elends, Bald zerbricht dus durch EURER 
ſchwere und anhaltende Kranckheit unfere Gebeine als ein gun r 
Loͤwe, aufdaß wir nicht, auf unfere Kraffie und Geſundheit y. 15. 7, 
vertrauend, gedencken, unfer HENN komme noch lange 

nicht. Bald heiffeft du einen Simei ung fluchen; bald wer: 

den Näuber wider unfere Güter loggelaffen ; ja gar dem 
Satans: Engel erlaubet, ung mit Fäuften zu fihlagen; bald 

werden mir über die Maaſſe befchwerer, und uͤbermacht, als 

fo, daß wir ung auch des Lebens erwegen: Aber diß alleg 2 Cor. 12. 
gefchicht, daß wir unfer Vertrauen nicht auf etwas Zeitli: "- 7- 
ches , nicht auf ung felbft ſtellen, fondern auf dich, den ler} * 
bendigen GOTT, der du die Todten auferweckeſt. Weil Kom. 3. 
dur deun, o güttiger Bater, e8 nicht anders fanit als gut inv. =. 
allen deinen Brrfahrungen meynen, und alle Dinge deinen Hebr. ı2. 
Kindern zum Beften dienen; fo gieb mir deine Gnade, al- 7.10. 


les fo anzuſehen, wie du es meyneſt, damit ich nicht begebz key % 


re, mich deiner Hand zu entziehen, fondern laffe dich dein Phil. z, 


Werd in mir vollbringen. Gieb mir, o mein GOTT, v. 20, 
die Züchtigung williglich zu erdulten, auf daß ich deine Heiz Offeub. 7. 


ligung erlange, in der Gedult geftärcfer, in deiner Liebe be- 7 Fin * 


feſtiget, der Welt mehr abſterbe, mein Verlangen, Schatz .6 


und Wandel bey dir im Himmel habe, bis du alle Thraͤnen wirft 
abwiſchen von meinen Augen, und mir aushelffen zu deinem 
himmlifchen Reich. Dir ſey Ehre von Ewigkeit 
zu Emigfeit. Amen, 


BE) oo (3% 
* 


11. Theil, See Das 


802 B. III. C. 15. Chriffusverrichterfein Werck 
Das XV. Capitel. 


Daß JESUS CHriſtus, das ewige 
Wort des Vaters, in den glaͤubigen Hertzen 
ſein Werck verrichtet, durch inwendiges Einſprechen 
und Reden; und wie ſolches durch Mittel der Liebe 
gefchehe, auch wie er ſich in der Demuth offen⸗ 
baret und zu erkennen giebt. 


2, Eorinth, 13.0 5. Prüfer euch felbft, ob JEſus 
CHriſtus ın euch ſey. 


GOttes Hei man des böfen Feindes Einfprechen 
1 — und Ernraunen offt wider ſeinen Willen lei⸗ 
— den muß: Alſo empfindet eine glaͤubige Seele 
hiunwieder auch den Goͤttlichen Troſt, fo das ewige 

Wort in uns redet. Davon Taulerus ſagt: Wiſ— 

Gott it fer, daß das ewige Wort uns alfo unausfprech- 
ee lich nahe ift, inwendig in unferm Grunde, daß 
fest. Der Menſch ibm felber, noch feine eigene Natur 
und Gedancken, noch alles, das man fagen und 
verfteben Fan, nicht Jo nabe und fo inwendig 

ift, als das ewige Wort im Menſchen iſt, und 

fpricht ohn Unterlaß in dem Menſchen; und der 

Menſch böret das glles nicht, wegen grofler 
Taubbeit feines Hertzens, welche vom Teufel ber= 

rübrer: Denn der bofe Seind ertäuber den Hien- 

ſchen durch fein Kinzemmen, durch die Welt⸗ 

Liebe, und durch alles das, ſo ander Welt hanget. 

Teuſels Denn der Teufel verſuchet auch jetzo alle Menſchen, 
Einꝛaunen durch alles, was der Natur liebkoſet und ſchmeichelt, 
wie er die EKvam verfüchte, 1. Buch) Mof. 3» v. 4. 
Alfo thut er noch taglıch, Durch Gut, Ehre, Freund» 
ſchafft, durch Deine eigene Natur, oder mas er dir 
einbildet, Durch Lieb und Gunjt der Ereaturen, das 
durch treibet er fein Einraunen. Denn er ift allezeit 
bey dem Menichen, und mercket , wozu der Menfch 
Luft hat, inwendig und auswendig, mir Lieb oder 
Seid, damit ficht er ihn an, und bildet ihm ins * 
da 


in den gläubigen Hertzen. 803 


daß er dafür, was GOTT durch den Heiligen Get ’ 
und Wort in ihm redet, nicht horen fan. Solchem Darwider 
teufelifchen Einfprechen muft du widerſtreben; denn en 
fo viel du deine inwendigen Ohren darzu leiheſt, fo viel 

bitt du allbereit ͤberwunden: Kehreſt du Dich aber 

ſchnell zu Deinem Horgen, und wendeſt deine Ohren 

ab, fo haft du überwunden. Gleichwie nun Die Liebe 

und Freundfchafft zreifchen frommen Menfchen ein 
Geſpraͤche machet, und verurfachet unter ihnen felbft: 

Alfo, fp du GOTT herglich lieb haft, wirſt du feine 
Stimme in dir hören; Denn, wer mich liebet, 

fpiicht der HENN, Joh. 14. d. 23. der wird mein Göttredet 
Wort hören; nicht allein in aufferlichen Verſamm⸗ A äufe 
fungen der Kirchen, fondern.in dem rechten Tempel des Zoh. 14. 
Hertzens; * Denn wenn es dafelbjt nicht gehoͤret *?- 
wird, wird das auswendige nicht viel Frucht ſchaffen. 
Darum ijt nun daran gelegen, daß du GDtt liebeft, 

auf daß du ihn hoͤreſt in deinem Hertzen mit Deiner 


Seele reden, 
Eee 2 Mile 


* Arndt will, daß man hie nächft dem Gehor göttliches Wortg, 
welches er nicht verachtet, den Heiligen Geiſt auch fol laſſen 
durchs Wort in ung würden, und feiner Wuͤrckung nicht 
muthwillig widerftreben, fondern ung vom Geift GOttes 
ziehen und lehren laffen. Darauf dringet er fo viel fleißi⸗ 

er, weiß er fiir Augen aug dem fichern Leben und Wefen der 
elt geſehen, wie daß die Leute nur fehlecht an dem bloffen 
äufferlichen Gehoͤr hangen, und fich gnügen laffen, behalten 
das Wort nur äufferlich in den Ohren, und wollen e8 nicht 
durch den Finger GOttes, dag ift, durch den Heiligen Geift, 
ine Herß ſchreiben; und wenn fie eg ſchon bisweilen wiffen 
und behalten, ift doch bey vielen Eeine Ubung, eg wollen feine 
geiftlichen Früchte hervor wachen. Darum treibet er bene⸗ 
beng dem äufferlichen Gehoͤr auch fo fleißig dag innerliche, 
Varen. 

Luther. E8 mag niemand GOTT, noch GOttes Wort 
recht verftehen, er habe e8 denn ohne Mittel von dem Heilis 
gen Geiſt; niemand aber fan egohne Mittel von dem Heilis 
gen Geift haben, er erfahre,verfuche und empfinde es denn: 
And in derfelben Erfahrung lehret der Heilige Geift, als in 
feiner eigenen Schule, auffer welcher wird nichts gelehrer, 

denn nur Schein-Wors und Geſchwaͤtz. 


804 B. II. C. ı5, Chriſtus verrichtet ſein Werck 

Sedult ein Wilt du aber wiſſen, fagt St. Gregorius, ob du 
Bender GOTT liebeft, ſo mercke, ob du auch alles Creug 
und Leiden, Truͤbſal und Klend, mir Bedult von 
GoOtt aufnimmft, obn alle Ungedult in Worten 

und Wercken, oder Beberden. Thuft du das, ſo 

ift Eein Zweifel, du liebeft GOtt; iſts anders, 

fo liebeft du GOtt nicht rein, fondern liebeff mebr 

das Deine, denn GOtt: Wiewol nichts dein iff, 

als deine Siinde, das andere iſt GOttes. Dar 

Die Gabe um fiehe zu, Daß du die Gaben nicht mehr liebeft, als 
ac GOtt ſelbſt. Wirſt du ihn nun berglich lieb haben, fo 
aulicben. wirſt du manches füffes Wort in deinem Hergen von 
ibm haben und hören: denn er fpricht ja: Wer mich lie- 

‚ Job. 14 ber, dem will ich mich offenbaren, Sol. 14.0. 21. 
v. Dieſe Offenbarung geſchicht durch Eröffnung des 
Verſtaͤndniſſes, durch Erleuchtung des Herkens, durch) 

den Geift der YWeisbeit, des Krkänntniß , der 
Staͤrcke, Rrafft, Verſtandes und Surcht GOttes, 

Eſa. 114. v.2. Sonderlich aber durch Eröffnung der 
inwendigen Augen, Sph.ı.v.18. damit du CHriſtum 

fieheft und erfenneft. Wie aber der Teufel durch fein 
Einraunen die inwendigen Obren verftopffet, wie oben 
vermeldet: Alſo verblendet er auch die inwendigen Aus 

den mit eigener Liebe, mit der Kiebe der Welt, und der 
Ereaturen, und durch deine inmwendige und auswen⸗ 

dige Hoffart. Denn gleichwie du in herglicher und in» 

niglicher Liebe CHriſtum muft hören in dir reden: Alfo 

muſt du EHriftum recht ſehen lernen im Slauben,undin 

der wahren Demuth, dadurd) dein Hertz gereiniget und 

geläntert wird von dem hoffartigen Leben. Denn es ſagt 

Datth.s. der HErr nicht ohne Urfach, Matth. 5. v. 8. Seligfind, 
Greug ſah, DIE reines Hertzens find, denn fie werden GOtt 
rer zur De feben: Darum laͤſſet GOtt fo manch hart und ſchwer 
muib. Creutz auf dich fallen, daß du in den Grund der lautern 
Demuth verfincken folt; welches allesdir zum beiten ge» 

fehicht, und ift dir taufendmal beffer, denn Daß Du in gu> 

ten frölichen Tagen und groffer Herrlichkeit lebeſt. Laffe 

auf dich fallen Himmel und Erden, ja alle Teufel Be 

olle, 


a  »in den gläubigen Hertzen. 805 


Hoͤlle, davon wird dir das beſte Theil werden; denn es 
verſencket dich in lauter Demuth, darinn du CHriſtum 
recht ſehen lerneſt. Siehe, EHrifkus iſt der Allerhoͤch⸗ Chriſi 
ſte und Gewaltigſte, der Himmel und Erden gemacht, Leiden. 
und wieder zu nichte machen kan, und hat doch ſo viel 
leiden wollen wegen ſeiner armen Creatur: Darum 
ſchaͤme dich, du toͤdtlicher Menſch, daß du die Hoffart 

und eitle Ehre, und anderer Leute Urtheil haſt in dein 
Hertz kommen laſſen. Unterwirff dich aber dem Creutz, unter 
109 es auch herkommt, inwendig und auswendig, und Duft, 
beuge dein hoffärtiges Gemuͤth unter die Dornen-Ero: len wir ung 
ne EHrifti, und folae nad) dem gecreusigten GOtt, beugen 
mit niedrigem Gemuͤth, in wahrer Verkleinerung dein 
felbft, inwendig und auswendig; und wende Fleiß an, 
daß du mit gedultigem Leiden und demüthigen Wan⸗ 
del in fein heiliges Leiden dich verbildeſt, ſo wirft du 
EHriftum recht fehen und erkennen lernen. Denn EHrikiteh 
was ifts,daß du an das heilige Leiden Deines HErrn ge: Dh ni 
denckeſt, in einer erlofchenen blinden Kiebe, bringeſt aber bringen. 
EHrifti Leiden nicht in die Ubuna,fondern laßts nur in 
bloffen Gedancken bangen, und wilt im geringften dei⸗ 
ner Hoffart, Ehre und Gemachs nicht entbehren; So 
wirſt du EHriftum nimmermehr recht feben Eonnen, 
noch feine Wuͤrckung in dir empfinden. “Denn gleich⸗ 
wie die Sonne und der Himmel in der Tieffe der Erz 
den würcken; alfo Ehriftus in der Tieffe dev Demuth: 
Wie er denn auch felber in feiner Niedrigkeit die hoͤch⸗ 
ften Wercke gewürcket hat. Das ift aber die Lau⸗ Der De 
terkeit der Demuth, daß ein Menfch von ihm nichts Mr 
halte, nod) von alle dem, das er gethan hat, oder binz In 
fort tbun mag: denn ift etwas Gutes in deinem Wer⸗ 
cke, das iſt GOttes, und nicht des Menfchen. 

In dleſem Grund der Demuth muft du Foms 
men,folt du die feligen Augen haben, die CHriſtum ſe⸗ 
ben; denn den Eleinen demuͤthigen Menfchen offenbare: Wen&dtt 
der himmliſche Vater die Geheimniß von CHriſto, und — 
die verborgene Weisheit, Pſ. 51. v. 8. und verbirget fendaret. 
fie den Groſſen, Blugen und Weiſen dieſer Welt, 
| | Eee— Matth. 


866 BI. E. 15. Chrifkus verrichtet fein Werck 


Math. Matth. 11.0. 25. 1. Cor. 1.0. 20, Denn in diefer 

1.Car.n, bloſſen Niedrigkeit und Kleinheit ifE allein das Vers 

v. 20. ſtaͤndniß und Erkaͤnntniß * der bioffen lautern Götts 

lichen Wahrheit, da das Weſen der ewigen Selig⸗ 

Gottes  Feitinne verborgen liegt. Daſelbſt offenbaret ſich die 

et Hoheit der Majeftät GOttes, und ie mehr wird ihm bes 

fere Rich⸗ kannt feine Nichtigkeit. Und daran foll man erkennen 

iigteit. die Wahrheit Des Goͤttlichen Erleuchtens: Denn ſelbe 

verſencket einen Menſchen immer tieffer in ſeine eigene 

Nichtigkeit, auf daß der Menſch nicht fey ein Liebhas 

ge ber fein ſabſt: : Denn daher iſt alle Finſterniß, Blind⸗ 

den. —_heitund Irrthum Eommen. Welche aber das rechte 

Göttliche Licht empfinden, Die duͤrſtet immer nach Leiden 

und Verkleinerung ihrer felbft, und nachzufolgen der 

Lehre und Exempel ihres HErrn JEſu CHriſti; mie 

a 1. denn folcher Durſt der Gottfeligkeit im 119. Malın 

feligteie  befchrieben ift: Denn der heilige König David wohl 

Fe Web. verftanden, daß ohne diefelbe Erin Görtliches Licht und 

ebesgich. Weisheit, aud) Eein Divinum Refponfum, feine Goͤttli⸗ 

che Antwort und Alloquium oder Einſprechen in des 

Menſchen Seele einleuchten kan; und das ift der rechte 
Verſtand deffelben langen Mi falıng. 

Die Die Niedrigkeit und Demuth des menfehlichen 

iö, der ih Gemuͤths ift die rechte Werckſtatt GOttes, darinn 

vol ke Det alles wuͤrcket mit feiner Gnade. Einem ſolchen 

gottsfürchtigen Menſchen bfeibet allegeit eine Seele 

vol GOttes, und ein Leichnam voll Leidens; denn er 

fich aud) alles Dinges unmürdig achtet, brauchet alles 

mit Furcht, nicht zue Wolluſt: Sondern ift als ein 

P.ız.0.2. Knecht, der vor feines Hexen Tifch ftehet, und ihn ans 

fiehet, was er wolle von ihm gethan haben, denfelben 

laͤſſet der HErr nimmermehr ohne Gnade und freunds 


lic) Geſpraͤch. 
Geber, 


*Nemlich die — Erkaͤnntniß, die mit dem Hochmuth 
nicht beſtehen kan. 
Luther. David will nichts ſeyn, auf daß in ihm GOtt 
altes fey; und alles thue. 





in den gläubigen Hertzen. 807 


fe f * 
Gebet. 

Boregeer GoOtt fuͤr dir beklage ich, daß ich leider denen 

Eingebungen des Satans, der Welt und meines Fleiſches 
mehr gehorchet und gefolget, ale deinem Worte. Du haſt mich 1, Sam.3. 
durch daſſelbe oft erinnert, aber ich habe entweder aus Unwiſ⸗ v. 7. 
ſenheit dich nicht gekannt; oder aus Bosheit nicht hoͤren wollen. 
Ach vergieb mir dieſe Suͤnde, und lehre mich recht erkennen die 
verfuͤhriſche Stimme des Satans, und denn dieſelbige zu mei⸗ 
den. Lehre mich bedencken das erſchreckliche Verderben, ſo darz 1. B. Moſz. 
aus entſtanden, daß Eva nicht gleich Anfangs dem Eingeben des d. 4. 5-6. 
Boſewichts widerfprach. Dffenbare du aber, o HErr, dich mei- Galı. 0.16. 
ner Seelen, rede in derfelben, und gieb mir ein gehorfam Hertz, 
denen Bewegungen und Negierungen deines Geifteg zu folgen. 
Du erwiges Wort des Vaters, rede, daß dein Knecht höre; erz 1. Sam. 3. 
leuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entfchlafe, fondern ®. 9. 
dich in deiner Demuth anfchaue,liche, folge. Schreibe dein Lei⸗ ae R 
den fo in, mein Hertz, daß dadurch in mir getoͤdtet werde alle Ei 4. 
gen⸗Liebe, WeltzLiebe, Hoffart und Eigengeſucht und ich in hertz⸗ Matth, 10. 
licher Demuth dir folge, wo du hingeheft, und dein Creutz willig⸗ v. 38. 
lich auf mid) nehnie! Amen. 


Das XVI. Capitel, 


Mieder Heilige Geiſt empfangen werde, 
und wie er unverhindert in unſern See⸗ 
| len wuͤrcke. 
Eſa. 44.v. 3. Ich will Waſſer aieffen auf die Dur⸗ 
feige, und Ströme auf die Druͤrre. 
| Enn e8 gienge wie zu Elia Zeiten, 1.Kon. 17. Shin _ 
v. 1. C. 18. 0. 45. daß es drey Fahr und feche Gleichniß. 
Monden nicht regnete, daß man weder pflüs | 
gen ndch faen Eönte, und es kaͤme denn ein fänffter, füß 
fer und fruchtbarer Regen, davon alles Erdreich er 
quicket wuͤrde; und aber eines Menfchen Acker würde 
nicht befeuchtet, fondern bliebe allein trocken und duͤr⸗ 
ve, der mochte wohl von Unglück fagen, ja von GOt⸗ 
tes Ungnade, und blutige Thränen weinen: Taufend» empfin: 
mal mehr aber mögen Diejenigen heiffe und blutige Bun 
Thraͤnen weinen, welche den Heiligen Geiſt in dem fies. 
Grunde ihres Hergens nicht empfinden, fondern glaub⸗ 
| Eee 4 [08 


808 B.II. C. 16. Wieder Zeilige Geift 


[08 und lieblos bleiben, als ein duͤrrer fteinigter Acker, 

der auch) Des überfchwenglichen Troftes des Heiligen 

Geiſtes nicht theilhafftig worden. Die Schuld aber 

ift nicht GOttes, der fich erbeut, feinen H. Geiſt über 

Das Hers alles Sleifch aussugieffen, Joel. 2. v. 28. fondern 
J des Menſchen, der den Grund feines Hertzens nicht bes 
reitet. Die gröfte Bereitung aber, den Heiligen Geiſt 

zu empfahen, ift, wenn das Herk von der Welt durch 

den Glauben und Gebet zu GOtt gewendet wird; wie 

Weltziepe Der Apoſtel Herb am Pfingft- Tage, Ap. Geſch. 2. D.4. 
bindet wenns ausgeleeret wird von den Creaturen. Ach 
Wirkung fuͤnde GOtt ein folches leeres Hertz, er göffe den Heil. 
in uns. Geiſt mit allen feinen Gaben hinein. Iſt aber das Ders 
der Welt voll, fo Fans nicht voll GOttes und voll Gei⸗ 

ftes werden. Soll GOtt ein, ſo muß die Ereatur her⸗ 

Natur lei· aus. Gleicher Weiſe wie es in der Natur iſt; die 
ve its Natur leidet keine leere oder ledige Statt, fie erfüllets, 
oder die Natur muß brechen und zerfallen: Und ware 
etwas leer oder ledig auf Erden, der Himmel zoͤge es 
entweder zu fich, Oder neigete ſich Erafftiglich herunter, 

Das Hers und erfüllets mit ihm felber. Darum laß dein Herb 
en elein ja nicht an den Ereaturen bangen, weder auswendig 
bangen. noch inwendig, weder an deiner eigenen Liebe, noch an 
Deinem eigenen Willen, fondern lauter an GOTT; fo 

haft dudas allergrofte und nüglichfte Werck vollbracht. 

Und laß dich ja deine eigene Liebe und Luft nicht bins 

dern. Denn folches ift gleich als wenn ein groffer 

Meifter ein groß Werck anfienge, und es Fame ein 

Kind, und verderbts ihm alles: So ift der Menfch, 

wenn er ihm zueignet, was GOttes it, und fein“ Luft 

und Freude darinnen fuchets denn fo verderbet er 

dem Heiligen Geift fein Werck, und treibet fein eigen 

Werd, und meynet denn, es fen alles GOttes in ihm, 
und ift doch fein eigen TIERE und Gutduͤnckel. Wir 

wiffen aber, daß wir in allen unferm Thun unnuͤtze 
Bnechte feyn, Luc. 17.0.10. und ein unnüßer Knecht 

thut unnüge Aßerche: So vielnun als GOTT beffer 

iſt, denn alle Creaturen, ſo viel ift auch fein Werck ar 

er, 


in unferen Seelen würde, 809 


en nn 
fer, denn aller Menſchen Werck und Menſchen⸗Sa⸗ 

gung. Darum, ſoll GOtt eigentlich) und adelic) in Dir 
wuͤrcken, ift vonnöthen, daß du ihm Statt und Raum 

gebeft, und daß deine Affecten ruhen, und du GOTT 

leideſt. Sol GOTT in dir ruhen, fo müffen alle Soil Son 
Dinge in die ſchweigen. Darum, lieber Menſch, 8 mug altes 
ift nicht alles GOttes Werck, was in Dir würchet, ſon⸗ in uns 
dern esiftdeines dleiſches und Blutes Werck. Cie ſchweioen. 
be zu, daß du dieſes wohl unterfcheiden lerneſt, und nicht 

des Teufels Werck GOTT zuſchreibeſt. Wilt du Be Bee 
aber, daß der Heilige Geift in dir würcfen foll, ſo muſt des H. Geir 


. 


du diefe zwo Regeln in Acht nehmen: (1) Muft du Pr me 
dein Hers von der Welt und den Creaturen, * und u nepmen. 
von dir felbft, und von allen deinem Willen und Affe— 
eten abwenden und abziehen, fo bleibet des Heil. Geiſtes EEE 
Merck ungehindert in dir, (2) Daß du alle Zufälle &Htr an 
des Creutzes und Trübfals, wo fie auch herkommen, sunehmen, 
und was es fey, inwendig oder auswendig, als von 
‚GOTT dir zugefchickt, ohne Mittel annehmeft, und 
nicht anders annehmeft, alsdaß dich GOTT dadurch 
bereiten will, zu ihm felber, und zu feinen groffen Gar 
ben. Wenn du nun in einem Goͤttlichen Werck bift, 
und es kaͤme dir dein liebſter Freund, und betruͤbte Dich 
mit harten Schelt⸗Worten, und du nahmeft das alles 
mit Gedult an, im Schweigen und Keiden, fo wiſſe, 
daß es des Heiligen Geiftes Werck ift in dir, Dadurch 
er dich zu feinen Gaben wohl bereiten will: So aber 
der boͤſe Geift dir bofe Gedancken eingiebt, fo wife, daß Bbſe Ge⸗ 
fie dir nicht mögen fehaden, denn fie geſchehen wider aanen 
deinen ABillen. FF Sp du auch mit deinen aufferlis nicht. 
"ee Si chen 
* Er verfteher hiermit nicht die Mittel, die GOtt felbft verord» 
net zu dem Werck des Heilg, fondern was man aujfer füls 
cher Ordnung GOTTES von den Ereaturen annimmt. 
Dorfch, Be 
#* Inculcandum illis, quod cogitationes illorum nihil fine 
aliud, guam meræ diaboli preftigiz, tentationes & flagella, 
guibus pios torquet: Cogitationes iftas non efle cordis pii 
aftiones, fed potius acerbiffimas pasfiones, quia Be 
nıbus 


gro B. III. C. 16. Wieder Zeil. Geiſt inunfern:c. 


chen Amts⸗Wercken muſt umgehen, ſo ſolt du alles 

in der Liebe thun, zu GOttes Lob und Ehre, und des 

Fr Nutz, ſo thuſt du es in GOtt und in dem Heil. 
eiſte. 





Gebet. 


Du ſuͤſſer Gaſt der Seelen, HErr GOtt Heiliger Geiſt, 
hier bring ich mein armes Hertz, nicht zwar ſo rein, als 
Pf.zr. vae. es deine Hiligkeit erfordert: Ach bereite es durch deine Gnade 
- zu deiner Wohnung, und reinige eg von alle dem, das dir in. 
daffelbe einzufehren zumider ift! Mache eg twürdig,dich zu em⸗ 
pfangen, dich zu haben, dich zu behalten, und deiner Wuͤrckung 

fe und allezeit zu genieffen! Amen. 


Das 





nibus iftis non delectantur, ſed dolores ipfa morte acerbio- 
res ex illıs perfentifeunt. Non ergo a Domino in pecca- 
eum reputabuntur. Das ift: Man full folchen angefoch> 
tenen Hertzen fleißig vorhalten, daß ihre Gedaucken nichts 
anders ſeyn als eitel ſchwere DWerfuchungen und Anfech⸗ 
ungen dee Teufels, damit er die Gläubigen Ängftiget: Und 
daß folche boͤſe Gedancken nicht eines gläubigen Hertzens 
Merck, fondern nur ſehr fehmergliches Leiden feyn: weil 
fie folche bofe Gedancken ihnen nicht gefallen laffen, fondern 
vielmehr groffe unfägliche Schmergen daher empfinden. 
Deswegen werden fie ihnen von GOtt zur Sünde nicht zuge⸗ 
rechnet. Afelmann, Siehe aud) L. 2. c. 53. Varen. R 





BE )ol Re 
Das XVII. Capitel. | 


Wobey man mercken Fan, daß der Hei⸗ 
fige Geift in unferer Seele ſey. 


Johan. 16.5.8. Der Heilige Beift wird die Welt 
rafen. 
Enn der Heilige Geiſt in unfere Seele koͤmmt, Einwoh 

INg das ift, feine Gegenwart Durch feine Wercke gunabeed. 
erzeiget, fo ftrafet er alles in ung, was nicht wird er⸗ 
Goͤttlich ift, und was die Melt ift, als Augen-Luft, Flei⸗ kaunt 
ſches⸗Luſt, und hoffärtiges Leben; und erwecket darwi⸗ aus dem Im 
der einen Verdruß in uns. Und wer daſſelbe Belt-Le serien 
ben in ihm hat, ohne inmendige Strafe des Heiligen daher ent: 
Geiſtes, der foll wiſſen, daß der Heilige Geiſt nicht in den — 
Grund feiner Seelen kommen iſt; denn es iſt des Heil. Sünde, 
Geiftes Art, daß er den Menfchen zu allen Zeiten er⸗ 300.2, 
mahnet, treibet, iocket, und zeucht in ein geordnet Lebens" 
Das thut er allen denen, die fein warten, und ihm ſtatt 
geben. So ftrafet der Heilige Geift die Sünde im 
Menfchen. Die Suͤnde aber ift alles, was wider Siinde if 
GOttes heiligen Willen gefchicht, nemlich Der Ungehor⸗ Fam miner 
fam wider GOtt. Diefe heimliche verborgene Sün- GOTT, 
de offenbaret und ftrafet der H. Geift, wenn er zu dem 
Menfchen kommt: daraus entftehet ein inwendig Her = 
tzeleid, Traurigkeit, Angft und Pein der Seelen, ja offt em 
eine bölifche Pein, davon die Welt⸗Menſchen, fo nach Xnsk und 
Der Natur leben, wenig wiſſen. Das ift der wabreften eg 
Zeichen eines der Gegenwart des Heiligen Geiftes srein 
Die aber auffer folcher Goͤttlichen Traurigkeit feyn, und 
haben an alle ihrem Thun und Laffen Feine Traurigkeit, 
ſondern eitel Luft und Wohlgefallen, die find in einem 
gefährlichen Stand ohne Seit GOttes. Hierbey mer 
cke nun das andere Zeichen Des gegenwärtigen Heiligen 
Geiſtes. Das dritte Zeichen ift, wenn er uns allen _ 3: 
Ruhm unfers eigenen Derdienftes und Gerechtigkeit 
benimmt, und für GOttes Gericht verwelcket macht, wie Rubms, 
eine Blume, welche abfäller, und wwie Jen, fo verdor- 

| ret, 


812 B. III. C. 17.Wobey manmerdenkan,daß der 


Efa.40.0.7. vet, wenn der Geiſt des ZERRIT drein blaͤſet, 
A de fa. 40.0.7. Denn der Beift E:Hrifti zeiget uns allein 
in Chrißo. den feften, unbeflecften und unbeweglichen Grund der 
Gerechtigkeit und Verdienfts IJEſu EHrifti, und der 
Barmhertzigkeit GOttes, Cfa.a5.0.25. Denn webe 
aller unfer Gerechtigkeit, faot Auauftinus, fo fie 
ohne Barmbergigkeit von GOtt foll geurtheilet 
Bräter, Werden; denn alle unfere Gerechtigkeit ift wie 
ce Liebe Unflatb vor GOttes Augen. Das vierdte Zei⸗ 
— chen der Gegenwart des Heiligen Geiſtes iſt, wenn ein 
WMenſch feinen Nechften mit erbarmender Liebe mit al 
len feinen Gebrechen erträgt, und nicht leicht urtheilet 
oder richtet; denn folch hochmuͤthig Richten ift ein 
Saame und Wurtzel des Teufels, das it, Hoffart 
und Verſchmaͤhung des Nechſten, und ein Wohlger 
fallen an ihm felbft, Welches alles eine Anzeigung ift, 
en daß der H. Geift nicht da if. Wo aber derfelbe ift, 
fien Gebre, bemeifet er fich unter andern alſo: (1) Er ſtrafet, 
—I wenns hoch noth iſt. (2) Er wartet der Stunde und 
Ort, da es ſich wohl fuͤget zu ſtrafen, als man an Chri⸗ 
ſto ſiehet. (3) Er ſtrafet nicht mit allzuharten Wor⸗ 
ten, ſondern mit Erbarmung. (4) Verachtet er den 
Nechſten nicht, noch verkleinert ihn in eines andern 
Hertzen, ſondern er thut alles in lauter Liebe und 
Sanfftmuth. Siehe, das mercke, ſo bleibeſt du in wah⸗ 
rer Demuth, und in der Gnade des Heiligen Geiſtes, 

und dieſelbe in Dir, , 


Gebet. 


| If ! tie £röftlich und freundlich, mein GOtt kan doch dieſes 
frommen und betrübten Seelen feyn, wenn fie wegen ihrer 

noch immer anflebenden Sünde offt unvermuthet mit inwendi⸗ 

gem Herseleid, Traurigkeit, Angft und Pein der Seele befallen 
werden, daß folches vor ein gewiſſes Kennzeichen der Gnaden⸗ 
Gegenwart ihres Ober⸗Aufſehers des H. Geiftes, anzunehmen, 

und zu ihrem ewigen Beften angefehen ſey! Wie Erafftig werden 

fie doch hiemit übermwiefen, daß fie auf eigenes Verdienft und 
. 8f43.6.24. Gierechtigkeit nicht trauen Eonnen ; fondern eintzig und allein ih⸗ 
7 reZufischtzu der Gerechtigkeit und Berdienft JEſu Chriſti, und 
ber Barmhertzigkeit ihres GOttes nehmen müffen. Ad —— 


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Das Dritte Buch, Cap. XVII  pag. 813 

Hier find etliche Bienen Stöcke, und nicht weit bavon ein 
vu mit flarcfem Rauch, womit die Bienen verſaget werden! — 

enn fo lange diefer Rauch währet, Hiegen die Bienen von ferne 

herum, und fommen nicht wieder zu den Bienen⸗Stocken. Wie 

nun durch den Rauch die Bienen verjaget werden: il wird 

aud) der H. Geift durch unnüge Reden, faul Geſchwaͤtz und 

Narren-Poffen betrübet,und aus dem Herken vertrieben. Und 

fo lange ein Menfch von folchen fündlihen Dingen nicht laſſen 

will und beffer reden lernet, fo lange Fan der H. Gejft nicht in fein 

Hertz fommen. Eph. 4.9.29. 

Laſſet Eein faul Geſchwaͤtz aus eurem Munde ge> 
ben, und betruͤbet nicht den Heil. Geiſt GOt⸗ 
tes, damit ihr verſiegelt ſeyd. 

GE lange noch der Geift der Welt _ 
Mit feinem Stachelreichen Schergen 
Die mehr als eitlen Hertzen 
. Umringet und belagert halt, 
So muß der Heilge Geiſt, 
ie hoch er ſich befleißt 
Und ſucht hinein zu sieben, 
Betruͤbet drauffen ſtehn und fliehen. 
O wehe der verfluchten Poffen, 
Dadurch du, werther Saft, 

Der du allein den Segen GDtteg haft, 
Fon deinem Eigenthum wirft ausgefchloffen! 
O rafendes Gelächter, tolle Freuden, 

Die dic) von uns, und uns von dir, 

O unſrer Seelen Licht und Zier, 
Und von dem Leben, das aus GDtt ift, ſcheiden! 

Die Urſach find, daß du,o GOtt, der Krafft und Star, 

In uns dein edles Werck 
Nicht foͤrderſt noch vollbringeſt. 
O Menfeh, bedenck im Ernſte, was du thuſt, 
Wie unerſetzlich der Verluſt, 
Nachdem du ſelbſt mit dieſer Kurtzweil ringeſt, 
Was du verſchertzeſt für ein hohes Gut! 
O feße dich und weine Blut! 
Betruͤbe dich, an ftatt du den bisher betruͤbet, 
Der dicyfo brünftig lieber: 
So wird der Welt⸗Geiſt nach und nad) verſchwinden, 
Und GoOttes Geiſt wird Platz in deinem Hergen finden. 


Seilige Beift in unſrer Seele fp. 813 
was Demuth und erbarmender Liebe müffen fie die Gebrechen 
ihres Rächften anfehen! Gieb mir, mein GOtt, daß ich folches, _ 
durch deines Geiſtes Gnade, auch allezeit bey mir wahrnehme. 
Amen. \ —— 


Das XVIII. Capitel. | 


Die Welt mit ihrer Kurtzweil treibet 
aus den Heiligen Geift, und führer ein den 
Welt⸗Geiſt, welcher die Seele ihrer edlen 
| und hoͤchſten Ruhe ber 
raubet. 


7.Pettr. 2. v. 11. Enthaltet euch von den fleiſchli⸗ 
chen Luͤſten, welche wider die Seele ſtrei⸗ 
ten, 


Je elt- Kinder ſuchen Luft und Freude dieſer 
Welt, die Kinder GOttes aber fürchten fich da⸗ DieroWekt 
für, als für der Lock⸗ Speiſe des Teufels, da Se nik 

durch fie von GOTT ihrem hoͤchſten Gut abgeriffen des Tew 
werden. Wil du nun Diefen edlen Schag in deinem lels. 
Hertzen behalten, fo hütedich-für den Urfachen und Ge⸗ 
legenheiten, dadurch du diefes höchiten Gutes berau- 

bet wirſt; nemlich, für der Gefellfchafft und Kurgweil 

der DBelt, fo fie treibet in Worten und Aßercfen: Ja 

für allem Werck, darinn GOttes Lob und Ehre nicht ift. 

Muft du aber ja Noth halber wider Deinen Willen dar⸗ Wie man 
bey feyn, fo fiehe zu, daß du allegeit bey Dir fetbft bleibeft, Ka Inter 
mit einem wahren Einkehren in dein Hertz zu GOTT, feufhaft 
fo behälteft du allegeit den Heiligen Geift, Friede und — 
Freude, wo du dich hinkehreſt: Und fo mag dir die“* 7 
Welt mit ihrer Uppigkeit nicht ſchaden. Alſo war die Gottes⸗ 
Koͤnigin Eſther innwendig von Hertzen demuͤthig, ob ee ehe 
fie wol auswendig mit Königlichen Schmuck gesie- feragerr 
ret war. Alſo war David Fein in feinem Hertzen, in Uppigkeit. 
feinem groffen Reichthum, 2. Sam. 6.0. 22. Joſeph 
hatte ein keuſches Ders in dem wollüftigen Haufe fei- 
nes Herrn, 1. B. Mol. 39, p.9. Alfo giebtder Heilige 
Geiſt allegeit den Seinen die Göttliche Furcht, Her 

j ur 


814 B.UEE, 18. Die Welt mit ihrer Aurgweil 


für der Welt und ihrer Uppigkeit behuͤtet, auf da fie 
den innerlichen geiftlichen Frieden nicht verlieren, noch 
die Ruhe ihrer Seelen, Diß ift die Succht GOttes, 
die ae iſt, Pſ. = * I R Sir. ı. 
Wahre ber p, 16. Darum Eehret fich ein gottsfürchtig Ders nicht 
Randige. zu der Welt, fondern wendet fich von der Bel ya 
Som GEOtt, und fuchet feine Luft, Ruhe, Friede und Freude 
alleinin GOtt. Denn das ift die Frucht der wahren 
Reue, nemlich ein Abkehren von allem, das nicht lauter 
GOtt iſt, oder deſſen, deß GOtt nicht eine Urſach iſt; 
Was wahre und ein wahres Einkehren zu dem lautern und wahren 
Reue [9.5 Gut, welches GOtt iſt und hei Denn fo wir das 
nicht gethan haben, fondern unfer Leben in der Welt 
Uppigkeit vergehret haben, das foll ung unfer Lebtage 
Gottes gereuen: So aber ein Menſch daffelbige thut, und 
Mugen ©, wäre er noch fo ein groſſer Sünder geweſt, fo freuet 
Glauben. fi) GOtt über ihn, und willinicht anfehen feine Suͤn⸗ 
de, fondern feinen Glauben, wie er begehret gegen GOtt 
zu feyn, von Grund feines Hertzens. Go eine groſſe 
Begierde hat GOtt zu des Menfchen Heil, welchem 
doch fo offt widerfianden wird, damit, daß fie fich zu der 
Welt von GOtt abwenden; und treiben alſo mit Ges 
walt GOtt aus ihren Hertzen, der ſie doch mit ſeiner 
Der Welt ſuͤſſen Gegenwart begehret zu beſitzen. Darum ſo 
muß muß ein Menſch der Welt abſterben, will er GOTT 
dapmir eben: Dabeny befindet fichs, daß der meifte Theil der 
Sole · Welt GOttes Feind fey. Ach wie find wir GOtt ſo 
manchen Tod ſchuldig, bis die boͤſe Natur ſterbe, ine 
wendig und auswendig, bis daß ein göttlich adelich Lea 
Dat Ereit ben folge. Diefe Toͤdtung gefehicht Durch manchers 
tree len Creug und Anfechtung, inwendig und auswendig, 
Natur welche unferer vergiffteten Natur Artzney find, diefelbe 
Artzuer · yon ihrem böfen Gifft zu heilen, auf daß ein Goͤttlich Le⸗ 
ben in uns angefangen werde. Darum dieſelben An⸗ 
fechtungen hochnoͤthig und nuͤtzlich ſeyn, und wenn ſie 
uͤberhin waͤren und ausgeſtanden, ſolten wir ſie billig 
alle wiederruffen, und bitten, daß fie möchten wieder⸗ 


Eommen, auf daß das Boͤſe in uns getodtet, und 
GOlttes 


‘ 


treiber aus den Heiligen Beifk. sı5 


sau Near 
SHDrtes Werck in uns gepflangetwürde. Go lerneft 
du das alleredeifte Werck, nemlich der Welt abjterben, 
in Liebe und Leid, und daffelbe in einem Stillſchwei⸗ 
gen und. Hoffen, heimlich, inwendig, ohn alle Klage. 
Denn die alfo Elagen mit Ungedult, Die begeugen, Daß Bea: 
fie der Welt nicht wollen abfterben, Das ift, daß fie wenig im Ereug 
Guts in ihnen haben, und wenig Goͤttliches Lichts in ih⸗ \ a 
rer Seele. Denn GOtt Fan im Menſchen nicht leben, man ver 
fo er nicht der Welt abſtirbt; fintemalen ie mehr man ned 
der verderbten Natur febet und ihrer Luft, ie weniger fager,. Ar 
man GOtt lebet und feinem Willen; Und ie weniger 
mander Natur lebet und ihrer Luft, ie mehr man GOtt 
lebet und feinem Willen. Summa, ie mehr ihr dem 
Geiſt wollet leben, ie mehr ihr der Natur und dem 
Fleiſch muͤſſet fterben. 
Gebet. 
O Du mein freundlicher, holdſeliger HErr JESU Chriſte, 
wie fan ich dir gnugfam dancken für die hohe, herrliche, 
göttliche Gaben deines Heiligen Geiſtes, welchen du verheiffen 
haft, da du fprichft: Sich will Waffer gieffen auf die Durfiigen, Efa. 44. 
und Ströme auf die Dürre: Ich will meinen Geiſt ausgiefen 93-4 
über altesSleifch, daß fiefolen wachfen wie Gras am Wafler; Je? 
ihre Söhne und Töchter follen weiffagen, ihre Juͤnglinge follen  " 
Gefichte fehen, undihre Yelteften follen Träume haben. Du ..: 
aft deinen Heiligen Geift verglichen einem Fühlen. frifchen 
affer ; ach erquicke und fräncke unſere dürre Hertzen mit 
demfelben, daß unfere Seele grüne wie dag Gras! Du haft Ap. Geſch. 
deinen Heiligen Geift in Feuerflammen herab gefandt, und 2. 9.2.3. 


- der Apoftel Zungen feurig gemacht, und fie mit dem heiligen 


euer des Heiligen Geiftes getauffts Ach ermärme, erleuchte, 


entzuͤnde unfere Hertzen im Glauben, in der Liebe, in Andacht, 


im Gebet, im Lobe GOttes! Laß dein Wort zum Feuer in Ser, az, 
unfern Herken werden, daß e8 davon brenne und leuchte. v. 29. 
Du haft deinen Heiligen Geift in einem Winde und inei- | 

nem lieblichen Braufen vom Himmel geſandt; wehe uns an, oh, ao, 
und mache ung mit dem Odem deines Mundes lebendig: v. 22. 
Wie du deine Jünger anbliefeft, und in der erſten Schopffung 1. B. Moſ. 
einen lebendigen Sdem dem Menfchen einbliefeft, und ihn * % 7- 
zum natürlichen Leben lebendig machreft: Alſo mache ung Ice 

bendig durch deinen Heiligen Geift ing eroige Leben. Ach du 
liebliches GOttes-Flaͤmmlein, erleuchte ung! Ach ou leben: 


diges Waffer, erquicke uns! Der Ddem GOttes mache ung gue. ız, 


Ichendig! O du beiliger Singer GOttes, ſchreibe Dein leben⸗ », 26. 
| dig 


815 3.1. E. 18. Die Welt mit ihrer Rurtweıl 


Luc. 24. . dig Wort indie Tafel unſers Hertzens! D du Krafft aus der Hoͤ⸗ 
v. 49. he ſtaͤrcke uns in unferer Schwachheit! O du himmlifcheg Freu» 
Plalm45. den⸗Oel, tröfte und erfreue ungin unferer Traurigkeit! Dulich- 
Keim og, Mer Hmmels-Thau, erquiche unfere verwelchte Hergen! Du 
v.10,  gnädiger Regen, befeuchte unfere verdorrete Hertzen! O * 
Zach 12. JEſu geuß über ung aus den Geiſt der Gnaden und des Gebets, 
v. 10, der in ung feuffje, unſerm ſchwachen Glauben zu Hülffe komme, 
ROM. 3 der ung bey GOtt vertrete mit unausſprechlichem Seuffzen, 
du i. berba Zeugniß gebe unferm Geift, daß wir GOttes Kinder feyn! 
v.22.  Dennerift ja der Geiftder Kindfchafft, dag Giegel EOttes, dag 
Ephef.ı. Pfand unfers Erbeg,mit welchem wir verfiegelt ſeyn big aufden 
v. 1z. Tag unſerer Erloͤſung; durch welchen wir rüffen: Abba, lieber 
* v. zo. Vater! An welchem wir erkennen, daß du in ung bleibeſt, dies 
Be 2. weil dein Geiftin ungbleibet. Laß auch dieſen deinen Heiligen 
1.5oh.3. Geift mit fiebenfältigen Gaben über ung ruhen : denn ung zu 
v. 24. gute ruhet über dir der Geift der Weisheit, des Verftandes, ber 
Efa. ır. Kingheit, des Raths, der Kraffi,der Stärde, der Furcht EOt⸗ 
Salat tes. Er iſt ein Geiſt des Friedes laß ung durch ihn ein fried ſam 
Her und Gewiſſen haben. Er iſt ein Geiſt der Liebe und Einig⸗ 
Foh. 14. keit; Laß ung durch feine Krafft in Liebe und Einigkeit verbun⸗ 
v. 26, den bleiben, daß er ung zu einem Leibe, ja zu deinem Leibe, HErr 
e.15.0.16. JEſu CHrifte, als Glieder zufammen verbinde. Erift ein Geiſt 
€.16. 0.7. des Baters und des Sohnes; denn der Bater und Cohn fenden 
v.16. ihn, darum vereiniget er ung mit Bater und Sohn, und machet 
Zir..05. ung zum Tempel und Wohnung der Heiligen Drepfaltigfeit. 
Er ift ein Geift der Wiedergeburt, dadurch machet er ung zu 

neuen Creaturen. Derhalben, o Heiliger Geift, wende unfer 

Röi.ze. _ Herg ab vonder Welt zum himmlifchen Leben, mache in ung 
Eon neue göttliche Bewegungen, fahe in uns an das ewige Leben, 
oh zichtein ung auf das Reich GDtteg, welches ift Gerechtigkeit, 
op. 14. Friede und Freude im Heiligen Geiſt; Erneure in uns das Bil⸗ 
d. 16. de GOttes in rechtfchaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit; und 
wenn uns aller Troft dieſer Welt verläffer,fo bleibe du unfer 

wahrer und einiger Troͤſter bey ung ewiglich, nad) der Verheiſ⸗ 

° fung unfers HEren JEſu EHrifti. Lehre, leite,führe ftärdke, hei⸗ 

lige, erquicke und mache ung lebendig, fey unfer Advocat, Bey⸗ 

fand, Rath, Krafft, Troſt, ſey unfer Licht u. Freude in aller Traus 

rigfeit. Du bift ja unfer himmliſches Taͤublein mitdem Oel⸗Blat 

1. B. Mof. götelicher Gnaden ; ruhe über ung,wie über unfermYErrn JEſu 
Me u  CHrifte. Du bift ja unfere himmlifche Salbung, die ung alles 
vd. Sub, 3 lehret; fen unfers Geiſtes Stärde, dag wir durch dich Die Lüfte 
1. 5oh. a, unſers Sleifches daͤmpffen: Die Lüfte des Geiftes aber in ung 
v. 27. twachfen mögen, Glaube, Liebe, Hoffnung Demuth, Gedult, Ans 
dacht, Geber und Gottesfurcht. DO du einige Sreude unſrer See⸗⸗ 
Epheſ. ¶. Ten! Hilff, daß wir dich nimmermehr betrüden, noch von ung 
v. 39 treiben ; fondern daß mir dich alezeit mögen bey ung behalten, 
. wie 






































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Das Dritte Buch, Cap.XIX. pag. 817 
Hier ift ein Feuer-fpegender Berg, der inwendig voll Feuer 
iſt, und oben ein wenig don Feuer und Afche heraus wirfft aber 
doch das meifte Feuer innerlich bey ſich behält: Alſo hat eine 
glaͤubige Seele dag meifte Feuer der Andacht, von dem 9. Geift 
erwecket, in ihrem Hergen, welches Fräfftige Seuffzer und ine 
wendiges Gebet würdet Denn ob man gleich von auffen aud) 
die feurige Andacht an einer gläubigen Seele aus gewiſſen 
Zeichen erkennen fan: dennoch ift fie am meiften und kraͤfftigſten 
innerlich im Hertzen. 
1. Samuel r. v. 13. 
„anna redete in ihrem Seren, allein ihre Zip» 
pen regeten fich, und ihre Stimme börete man 


nicht 
Na beil’ge Seur, das ung ing Hertze wird gegeben, 
Das ewig unerfchaffne kicht, 
Der Liebe Quell, der Seelen Leben 
Zeigt freylich fich des Leibes Augen nicht; 
Es glimmet in des Hertzens Aöle, 
Und mwirfft die Stein und Koder-Afchen aus; 
Es hitzet und. ducchftrahlt fein Haus, 
Die fonften kalt und finftre Seele, 
Doch mit fo wenig aufferlichem Schein 
Und ftillem Triebe, daß nur der allein 
| In dem es brennt, 

Die Würcfung diefes Feuers recht erkennt. 
Zwar Fein verweslich Ohr hört Diefer Funcken Praffeln ; 
Doch dringt der Seuffzer Thon, 

Die unausfprechlich jind,bis vor den®naden-Thron, 
Und übertaubt des frarckften Donners Raſſeln. 

- Da pochet er mit folchem Nachdruck an, 

Daß ihm die. Allmacht ſelbſt nicht widerfichen Ean, 
Und fich ergebenmuß. O Wunder-Krafft! 
Die GOttes Geiſt, die reine Himmels⸗Flamme, 
In feinen Kindern wuͤrckt und fchafft, 

Die würdig fic) verhalten ihrem Stamme: 

Die fich mit heiffen Xhranen 
Nach GOTT, dem Kent Sut, und feinem Anblick 
ehnen. 


treibet aus den Zeiligen Geiſt. 817 


wir fchlafen oder. wachen, wir gehen oder ſtehen, leben over flerz Epheſ. x, 

ben ; daß du in unfer Seelen ewig bleibeft, in diefen und jenem v 3. 

Leben: Denn du bift GDtteg Siegel, damit uns GOtt verfie; 2. ES 4 

gelthat ewiglich. Du Geiftder Herrlichkeit GDttes, ruhe über xy, Geſch 

ung; laß uns mit Stephano GOttes Herrlichkeit ſehen hier im 7.0. 55. 

Geiſt und Glauben, dort aber von Angeſicht zu Angeſicht. Amen Cor. az; \ 
RG , I2, 


Das XIX. Capitel. 
Dom inwendigen Gebet des Hertzens, 
und vom rechten Verſtande des | 
N Doter Unfers. | 
Möm.g,v.15. Wir baben einen Eindlichen Beift 
empfangen, durch welchen wir ruffen: Abba, 
lieber Oster! 


Leichwie GOtt groffe Dinge in den Demüthigen x. 
Hertzen wuͤrcket, alſo auch der Heilige Geiſt das Gebet it 
Eindliche Gebet; denn ohnedem Heiligen Geift rung dee 
gefhicht Fein wahres Gebet: Denn der Heilige Geiſt a 
ruffet und ſeuffzet in unferer Seele, und ift unferer Riſes. 
Seelen Sprache und Geſchrey, fa unfer Leben, Nom. 8. 
verſ. 26. Salat. 4. 0.6. Denn gleichwie die Seele Der Heilige 
das Leben iſt unfers Keibes: Alſo lebet die Seele von keit it un 
dem Heiligen Geift, und er ift unferer Seelen Reben, len geben. 
Yun ift aber der Heilige Geift ein Zeuge der Goͤttlichen 
Kindichafft, und der hinmlifchen Geburt aus GOtt; 
er Diefelbe weiß recht zu gebrauchen, im Glauben an 
EHriftum, in der Liebe des Heiligen Geiftes, auf die 
Gätigfeit des milden und ervigen Vaters, der wird 
groſſe himmlifche Güter von ihm erbittenz Denn 
unſer GOtt ift fo gutig und freundlich, wer es vecht GOtt it 
verftünde, er baͤte ihm alles ab; denn er iſt gang leicht kann Im ar⸗ 
zu erbitten von feinen Kindern, die fich gründlich zu 
ihm kehren. Aber Die gründliche Zufehren zu GOtt 
das muß GOTT felber wuͤrcken; darum follen ihn 
feine Kinder taͤglich bitten: Daher koͤmmt das rechte 
inmwendige Gebet des Herkens, durch Die rechte Zus 
neigung zu GOTT. Dis inwendige Gebet drin⸗ Inwendi⸗ 
‚get durch den Himmel, indem man den lieblichen Kyaper- 
Sußtapffen unfers HErrn JEſu CHriſti nachfolger Sehr. 
I Cpeil, Fff aus 


818 B.ILE. 19. Vom Gebet des Hertzens, 


aus groffer Liebe, nicht aus Zwang , wie Simon 
von Cprene, den man zwingen mufte, dem HErrn 
fein Creug nachzutragen, Matth. 27.0.32. Denn 
fo barmhertzig iſ GOTT, daß er nicht warten mag, 
OOtt gehet bis wir ihm bitten. Cr gehet ung entgegen, und bite 
BEE tet uns, Daß wir feine Freunde ſeyn wollen. Denn 
j er begehret von ung, daß wir wollen, daß er ung ver⸗ 
‚gebe, und wie er thut, daß wir auch alfo unſerm Naͤch⸗ 
ſten thun. Selig ift, der dieſe Liebe GOttes erfennet 
und verftehet, und diefelbe in Dem gecreugigten CHri⸗ 
fto vecht lernet anfchauen, derfelbe betet in feinem 
Hersen mehr, denn alle auswendige Stimmen auf 
Erden. . Wahrhafftig, ein einiger Gedancke und 
Durchſchwang duch die Wunden unfers HErrn IEſu 
CHriſti im Glauben, Liebe und Andacht, iſt GOtt 
lieber, denn alle Orgeln, Glocken, Geſaͤnge, Muſic 
und Saiten⸗Spiel. 
Alles aus Ein Chriſt ſoll in ſeinem gantzen Leben aus Liebe 
zu alles thun, und ſich in den gecreutzigten CHriſtum ver⸗ 
bilden. Was moͤchte einem ſolchen gehorſamen Kinde 
GOtt verſagen, das er ihm nicht gebe? Barım aufs 
daß wir willen mochten, wie wir follen bitten, hat uns 
Auslegung unſer HErr das Vater Unfer. gelehret, daffelbe iſt ſo 
— edel und koͤſtlich mit ſeinen Guͤtern, daß wir nichts koͤſt⸗ 
lichers bitten Eonnen; denn ſonſten wuͤſten wir nicht, 
was wir fuͤr groſſe Guͤter bitten ſollen. Denn iſt 
Digerfe nicht GOttes Reich ein überaus groſſes Gut? Nun 
Viaudere iſt GOtt ſelbſt * fein Neich, und in demſelben Reich 
| WR ‚  teichet 
',* Zugleich mit begriffen feine Gaben, die zur Fortpflangung 
feines Neichs geordnet find. Dor/ch. 
Hier wird nicht geredet von den Mitteln, fondern von 
den Gütern und Enaden-Schägen des Reichs, von welchen 
befannt ift, daß GOtt in diefem feinem Gnaden-Keich nicht 
irdifche Schäge und Neichthum, fondern fich feldft mit allen 
feinen Snaden-Schägen und Wohlthaten, feinen Gläubiger 
zu eigen giebt, Pf. 73. v. 25.26. Darum wird auch hier 
das Gnaden⸗-Reich GOttes nach dem hoͤchſten Gut, wel⸗ 
ches ift GOTT felbft in feinem Reich, befchrieben. F. €. » 
In denen beyden erften Bitten haben wir nichts — 
g 


| und vom Derftand bes Vater Unſers. 819 


reichet er * in alle vernunfftige Ereaturen, und dar GOttes 
urh iſt das, um welches wir bitten, wahrbafftig GOtt Neich ein 
 felbft, mit allem feinem Reichthum. In demſelben kioſſeeGut. 
Reich wird ja GOtt unfer Vater, und beweitet jeine 
vaterliche Treue und Liebe in deine, daß er uns fein 
Meich erbauet , auf daß er in uns Statt und Raum 
finde, zu wuͤrcken fein edles Werck, das ift die'Aeıli- 
gung feines Ramens, daß er groß und bereich in ung 
erkannt werde, HS 

In diefem feinem Weich in ung wuͤrcket er auchfeiz Die drirts 
nen edlen Willen ohne alle Hinderniß, alſo gefibiche Bitie. 
fein Wille auf Erden, das ift, in ung, als um Him⸗ 
mel, das ift, in ihm felber. Alſo ficheft du, was ung 
GOtt geben will, wenn wir bitten, nemlich fich ſelbſt, 
wie er zu Abraham ſagt, B.Mof: 15.0 1. Ich bin 1.8. of 
dein Schild und dein ſehr groſſer Lohn. So’ rı 
giebt uns unfer Bater auch das tägliche Brod, das Die vierdts 
ift, er giebt uns alle feine Ereaturen zu Dienfte, und Bitte. 
in denfefden feine Ghütigkeit und Mildigkeit. Denn 
ein recht GOtt⸗ ergeben Herb, darin GOtt feinen Ein Bor - 
Willen wuͤrcket, iſt fabig aller Gaben GOttes, und ergeben 4 
aller Tugenden, die GOTT Te gab oder geben will. rm, 
Dem Gott will und Fan uns wegen feiner aroffen N 
Licbe und Erbarmung nichts verfagen , was uns nüg Keep 
und noth it, leiblich und geiftlic), als deme beym bez 

ſten bewuft und bekannt ift unfer Elend. Darum 

hat er ung auch zu erkennen gegeben unfer Elend und 

Sünde, um unfers Beſten willen, und gelehret, wie fich 

der Menfih, vor GOTT demütbigen folle, und fich 

vor GOttes Fuͤſſe legen, und fprechen: Wergieb uns Die fünfte 

unfere Schuld, als wir unſern Schuldigern ver- Bilte. 

geben, Denn fo barmhertzig iſt GOtt, daß er uns die 

| Sff a Derges 

geſucht und gebeten, denn daß wir GOtt mit allen feinen 
Schägen und Reichthum zu eigen erlangen mögen. Varen. 

* Was nemlich anlangk feinen gnädigen Willen, Abficht, An⸗ 
bietung, Predigt und Verdienft Chriſti, (welche ale, ale 
Menfchen angehen) nicht aber daß allen ein befonder Gna⸗ 

den⸗kicht ansrfchaffen waͤre, Der/h * 


820 B. III. E.19. Vom Gebet des hertzens, 


- Bergebung anbeut, und lehret uns, wie wir von Herz 
ken begehren follen, daß er uns vergebe, anzudeuten, er 
ſey aus grundlofer Liebe und Gnade che und mehr zu 
vergeben geneigt, als wir geneigt feyn ihn zu bitten: 
Sa auf daß er ung aud) lehre, daß feine Liebe von ung 
erfordere, unferm Naͤchſten alfo auch zu thun, und ein 
ſolch Herb gegen ihn zu haben, wie er gegen ung, 
Denn ein wahres Kind GOttes fehlieffet niemand aus 
Wahre aus feiner Liebe, noch aus Der Kiebe GOttes; Ja die 
en Kinder GOttes werden alfo fanfftmüthig und gütig, 
Gütigteit. möchten fie das edle Reich GOttes allen Menfchen 
i ‚mittheilen, das ware ihre Freude, und mochten fie alle 
Menfchen felig machen, fie thaten es gerne. Aus fol 
cher Erkaͤnntniß und Abbittung der Sünde erfennet 
der Menfch, daß er auffer GOtt und feinem Reich 
troſtlos, arm und elend ift, wegen der groffen Schwach- 
hei: und Gebrechlichkeit der Natur. Darum hat uns 
Die fehlte der HErr ferner befohlen zu bitten, daß uns GOtt 
Bitte. nicht wolle laffen fallen in Verſuchung, dadurch 
uns der böfe Feind von GOttes Neich, heiligem Wil⸗ 
/ len und heiligem Namen abguführen unterftehet 5 fon, 
SER dern daß er uns von dem Boͤſen erlöfen wolle, das 
* ift,von unferm eigenen Willen, der böfen hochverderb- 
ten Natur, welche in ung das Reich und Willen GOt⸗ 
tes hindert, und die Ehre, fo allein dem Yamen GDt- 
Beſchluß. tes gebuͤhret. Denn das Reich iſt fein, und folk 
fein bleiben; die Krafft iſt fein, und bleibet fein, die 
Herrlichkeit ift auch fein, und foll und wird in Ewig⸗ 
Feit allein fein bleiben: Und inden wir fie ihm allein 
geben, indem. bleibet fie uns auch. Geben wir fie 
ihm nicht allein, fo verlieren wir fein Reich, Krafft 
und Herrlichkeit; Denn wir heiligen feinen Namen 
nicht recht, thun auch feinen Willen nicht recht: So 
bleiben wie denn auch auffer feinem Neich, haben 
Feine Vergebung der Suͤnden, und Feine 

Erloͤſung von allem Boͤſen. 


Gebet. 


und vom Derftand des Vater Unfers. 822 


Gebet. 


D) mein herglieber Vater im Himmel, welch eine groffer. Yoh.z . 
Liebe haft du mir erzeiget,daß ich dein Kind feyn fol, und du v. ı. 
‚ mein Bater fenn wilt, daß du um deines lieben Sohns unfers 

Herrn JEſu CHrifti willen, mich zum Kind und Erben aller dei⸗ 

ner himmlifchen Guter angenommen haft; gieb mir ein Findlich 

Herk gegen dich, gleichtwie du ein getreues Bater-Yer& halt 98: 

gen mir, daß ich al mein Vertrauen auf dich fee, daß ich dich 

Hertzlich liebe, Eindlich fürchte, demuͤthiglich ehre, und dir in als 
‚ len Dingen gehorfam ſey, daß ich meinen höchften Trek, Luft 

"und Freude an dir habe. Und wenn ich arm und elend bin, 

"ran und verfolget werde, wenn ich in Todes-Noth gerathe, 

fo laß mich Armen gedencken, daß ich einen Water habe, ver all 
mächtig,barmherkig, gnädig, gedultig und von groffer Euͤte ift, Plaoz. 8. 
der meiner nicht wird vergefien, fo wenig als eine Mutter ihres a 
Kindes vergeffen fan; und wenn ich aus Schwachheit fündige, " 

daß ich nicht verzage, ſondern wiederkomme, und fpreche: Var gur.ıs.v ar, 
ter, ich habe gefündiget im Himmelund für dir. Hilffauch, daß 

alle Menfchen auf Erden mit mir dich, ihren Water, erkennen, 

dich mit reinem Hergen anruffen, und mit einem Munde loben, Roͤm. 15. 
daß wir alle unfer Gebet zufammen thun, und alle vor einander. d» 6. 
bitten. Ach Vater ! weilduim Himmel bift,fo gieb,daß ich auch 
meinen Wandel im Himmel habe, daß ich mein Herß nicht an Phil. 3- 
das Zeitliche hänge, fondern erkenne, daß ich ein Sremdling und v. 20: 
Pilger auf Erden bin, tie alle meine Vaͤter; Siehe, du bift ja Bu 39. 
bey mir,ja du bift allgegenmärtig,du biſt nicht ein®Det,der ferne Sera3.0.23. 
iſt, fondern ein GOtt, der nahe iſt. Du biſt ein GOtt, der Him 

mielund Erden erfuͤllet, darum du an allen Orten, und zu aller 

Zeit anzuruffen biſt. Ach GOtt, wir, deine arme Kinder, find ı. Kin. 4 
auf Erven im Jammerthal, du aber im Himmel, in deiner heilizv 3% 
gen herrlichen Wohnung, wir feuffzen zu dir,und hoffen zu dir, 
unſerm Vater, zu fonmen. Uchherglieber Vater, weildueinheir 
liger GOtt bift, und dein Name heilig und hehr ift, fo gieb nıir, Pſalm zur. 
daß ich und alle Menfchen dich GOtt den Vater, Sohn und Heizv. 9. 

ligen Geift, aus deinem Wort recht erkennen, den groffen Nas 

men deiner Allmacht, Barmberkigfeit, Guͤtigkeit, Gerechtigkeit, 
Weisheit und Wahrheit preifen, dich in meinem Hergen mit als 

len Gläubigen allezeit ehre und lobe, daß dein Lob nimmermehe 

aus meinem Hergen und Munde fomme; daß mein Verftand _ 
‚durch dich erleuchtet werde, mein Wille dich über alle Dinge liez 

be, daß ich ohn Unterlaß gedencke, mit herglicher Danckfagung 

und Sreude, an deine Liebe und Treue, fo du mir, deinem armen 

Kinde, erzeiget haſt. Gieb mir emſigen Fleiß, daß ich dich fuche, 

gieb mir Weisheit daß ich dich finde gieb mir ein Leben, das dir 
gefalle, auf daß dir durch mich und a a alle Ehre 

Fff3 in 


r4 
822 B. U. C. 19. Vom Gebet des Zertzens, 


in allen Dingen gegeben werde. Ach lieber Vater, weil dein 
Reich das hochſte Gut iſt und der höchfie Schatz, fo laß es zu mir 
und zu allen Menſchen kommen durch den Heiligen Geiſt, daß dur 





€pd.3.0.27, Durch den Glauben in mir wohneſt dein Reich in mir habeft, daß 


Roͤm. 14. 
— 


Dfaln 77. 


2.25.26, 


Pſ. xõ. 0.5, 


Spr. Sal, 
30. 9.8. 
v. 10. 


Sue. 16, 
d. k a 


ieh dic; mit hertzlicher Liebe umfahe, mit Icbeußiger Hoffnung 
dir anhange, damit ich aller Güter deines ermiaen Reihe moöge 
theilhafftig werden, deiner Gerechtigkeit, deines Friedes, der 
reube im Heiligen Geiſt daß dadurch des Satans Neich, die 
Ende und alle Werche des Satan in mir und aller Menſchen 
Hertzen zerfigret werden, als Hoffart, Geitz Zorn, und die unrets 
nen Lüfte des Zleifches, darinn der Satan fein Reich hat. Ach 
lieber Water, weil nichts heiligerg, venn dein Name. nichts 
föftlicherg, denn dein Reich, nichts beſſers, denn dein Wille ift, 
fo zieb mir,daß in meinem und aller Menſchen Hergen dein Bille 
gefchehen möge, daß ich von gantzem Hertzen deinefbegehre, 
dich fuche und erkenne, und thue alles was dir wohlgefäller, 
Darum richte und ordne mein gantzes Weſen und Leben, mein 
Thu und Laffen, zu Lob und Preis deines Irameng; gieb mir, 
daß ich wiſſe, wolle und Fonne alles, wag dir wohlgefället, und 
was zu deinen Ehren und meinem Heil dienet. O hertzlieber 
Mater, mache mir einen rechten, fehlechten, fichern Weg u dir, 
und fey dir heimgeſtellet, wie du mich. führen wilt, durch Wohl: 
ahrt oder Trübfal, daß ich in guten Tagen. dich lobe, und die 
Danck fage, und mich nicht erhebe, hinwiederum in Widerwaͤr⸗ 
tigkeit gedultig fey, und nicht versage._ Verleihe mir, daß mich 
nichts erfieue, denn mas mich zu dir führet, auch nichts 
betrübe, denn was mich von dir abwendet. Gieb mir, 8 
mein GOtt, daß ich niemand beachre zu gefallen, denn nach deis 
nem Willen, und daß mir aus gangem Hertzen gefalle, wag die 
lieb und angenehm ift; auch daß ich einen Verdruß habe an aller 
zeitlichen Freude, welche ohne dich iſt, und daß ich nichts begehre, 
fo wider dich iſt. Gieb mir eine folche Luft zu dir, dag du mie 
alles ſeyeſt daß ich ohne dich nichts wuͤnſche noch begehre, daß 
ich frolich fagen moͤge: HErr, wenn ich nur dich habe, fo frage 
ich nichtg nach Himmel und Erden, und wenn mir gleich Leib 
und Seel verfihmachtet, fo biſt du doch, GOtt, allegeit meines 
Hertzens Troſt und mein Theil. Du bift mein Gut und mein 
Theil du erhaͤlteſt mein Erbtheil. Gieb mir und allen Menfchen 
auf Erden unfer befcheiden Theil, unſer Mäßlein des täglichen 
Brodes, ein gnuͤgſam Hertz, und deinen Goͤttlichen Segen, der 
alle Maͤngel erſtattet. Behuͤte mich für der Wurtzel des Ubels, 
dent leidigen Grit, daß mein Hertz nicht am Zeitlichen hange, 
fondern daß ich erfenne, daß ich ein Haushalter über deine Guͤ⸗ 
ger bin. und dermaleins werde zur Rechnung gefordert werden, 
Gieb Friede und Einigkeit; fromme Obrigfeit, und gehorſame 
Umerihanen; fehüge unfere Grenge wider allen m. * 


* 


und vom Derftand des Vater Unſers. 823 


Feinde, und fen eine feurige Mauer mit deinen heiligen Engeln Zach.a, v.5. 
um ung her. Gieb auch mir und allen Menfchen wahre Buffe, 
daß ich meine Sünde erkenne, fhmerglich bereue und beweine, 

und meinen lieben HErrn IEſum CHriftum ergreiffe, und um 
deſſelben willen vergieb mir meine Sünde, und rechne mir dies 
felbe nicht zu. Gieb mir einen ftetigen Vorſatz, mein Leben zu 
beffern, und nach) deinem Willen durch deine Gnade zu leben; 
tilge in mir aus alle Rachgier, gieb mir ein verföhnlich Hers, 
daß ich mich nicht felbft räche, fondern mich felbft richte, und. 
meine Schwwachheit erkenne. Mache mich freundlich, ſanfft⸗ 
müthis4 und gedultig, daß ih meinem Nächften befferlich fey 
in Worten und Wercken. Führe auch nich und alle fromme 
Chriſten nicht in Verſuchung; Mache mich demuͤthig ohne als 
len Falſch, froͤlich ohne Leichtfertigkeit, traurig ohne alle Zage 
hafftigkeit, rein, keuſch, zuͤchtig erbar, redlich, fapffer und 
mannhafftig; Gieb mir ein ftandhafftig Hertz, daß mid) nichts 
abwende von dir, weder boͤſe Gedanken, noch Luft, Begierde, 
Anfechtung, Lift und Lügen des Satang, nech einige Trübfal : 
Gieb mir, o HErr JEſu EHrifte, daß dein Leiden und Ereuß Gal.s.0.24 
mein Fleiſch creußige, und meinem Geift der hoͤchſte Troft und 
Gütigfeit fey. Gieb mir Sieg und Etärde über Sünde, Tod, 
Teufel, Hoͤlle und Welt.“ Und erlöfe mich und alle Menfchen 1.306. 5 
endlich von allem libel, fonderlich vom Unglauben und Geitz: v. 4 

Zreibe von mir den Geift der Hoffart, und verleihe mir den 

Schatz der Demuth: Ninım von mir allen Zorn, Kachgier, 

Neid und Ungedult; Gieb mir ein beftändigestapffer Gemuͤth, 

behuͤte mich für Lügen, für Schmäbhung und Verleumdung 

des Nächten, für Heucheley, Verachtung der Armen; behüte 

mich für Gottestäfterung, wende von mir ab Irrthum, Blinds 

beit und Finfterniß des Hertzens; Gieb mir die Werde der 
Barmhertzegkeit, geiftliche Armuth Friede, Froͤlichkeit, Sanfft⸗ 

muth, Reinigkeit des Hertzens, Gedult in aller Widerwaͤrtig⸗ 
keit, einen heiligen Hunger und Durſt nach dev Gerechtigkeit, Matth. 3. 
Barmbertigfeit gegen alle Elenden ; gieb mir, daß ich meinen v. 6. 
Mund und kippen bewahre, daß ich nicht etwas rede wider 
dich, oder meinen Nächiten. Gieb, daß ich verachte die ver- 

ängliche Freude und Wolluſt diefer Welt, und daß ich von ı. Joh. & 
Serben ſuche deine himmlischen Güter und die enrige Freude, b 16: 94 

denn das ift alles dein Neich, sah alles deine Kraft, 


es iſt alles deine Herrlichkeit in Ewigkeit. 
* . A e Er m 


men 
3) o( Sa 





Fff4 Das 


L, 


824 B.llI. C. 20. Die Demuth muß in den Grund 


Das XX. Copitel, 


Die Demuth muß in den Grund des * 
Hergeng gelegt werden, darauf alle Werde 
des Menfchen muͤſſen erbauet werden, oder es fallet als 
[eg zu Grunde, waͤs der Dienfch in feinem gangen Leben 
erbauet hat; Lind wie durch Demuth der Satan ubers 
munden werde; Wie in der Demuth wahre Buſſe 
fey,; ** Wie Demuth das Ereuß williglich 
trage, und das Her in Ruhe 
erhalte, 
1. Petr. 5.0.5. Haltet feft an der Demuth. 


As Werck, das beſtehen ſoll, muß auf den 
Grund 


* &8 wird nicht geredt vom Grund der Seligkeit, welcher iſt 
allein EHriftus, fondern nur von dem Grund der guten 
Werde; und die ift die Summa, daß alle Wercke müffen in 
tiefer Demuth geſchehen dergeftalt, daß der Menfch feine 
eisen? Nichtigkeit erkenne, wie gar nichts er von ihm ſelber 
koͤnne und veimöge, fondern alles an GOttes Gnade hange, 
daran wir ung auch einig und allein haltenmüffen. Zurber, 
Wenn man nun begehret zu wiſſen vie man fromm werden 
und wohlthun fol, welches denn die gemeine Frage ift hab 
‚ ich gefagt, daß dag Erſte und Fürnehmfte ſey, Daß einer wiſſe, 
foie er von ihm felbfi nit mag fromm merden ober wohl⸗ 
thun. Darum muß,er an ihm felbft verzweifeln, Hände 
und Fuffe geben laffen, fich als einen untüchtigen Menfchen 
por GOttes Augen klagen und alda feine Göttliche Gnade 
anıuffen, in welcher er feftiglich vertrauen fol. Gerb. Die 
Demuth ift eine Wurgel und Urfprung aller Chriſtlichen 
Tugenden. Varen. 
x*xEs wird nicht verflanden dic äufferliche Demutb, fondern 
die innerliche Riedrigkeit und Niederſchlagung des Gemuͤths 
in Erfänntniß der en. Dorfch, 

Er verftehet die wahre, geiftliche, innerliche Demuth des 
Hergens vor HDtt, fo da beftehet in Erfänntniß feiner Nich⸗ 
tigkeit, Unwuͤrdigkeit wegen der Sünden, groffen Jammers 
und Elends, aus welcher Erfänntniß wahre Reue und Leid 
entſtehet, und hierinnen iſt gegründet die wahre Buffe, da 
der Menfch von Hertzen die Suͤnde bereuet, und im Glauben 


ſich an GOttes unverdiente Gnade hält. Denn in foicher 
| Demuth 


des Hertzens gelegt werden. 825 


rund der Demuth * erbauet werden, denn Der Demuth 
Menfch vermag.von ihm felbft nichts. Darum wenn en 
du etwas anfahen wilt, fo falle nieder vor Dem ’Hrunz Wercke.. 
nen der überflieffenden Gnade GDttes, und bitte ihn 
demüthiglich, daß feine Göttliche Ehre, Lob und Preis 
in deinem Werck möge gefucht werden. Denn auf 
fer GOttes Gnade ift alles dein Thun Suͤnde und um | 
Verdammniß. Wer nun dis thun Fanyund allein des Gnate als 
fiebften Willens GOttes warten, in der Stille, in hoͤch⸗ les Sünde. 
ſter Demuth, und feine eigene Nichtigkeit anfehen, fich 
in höchfter Liebe GOtt ergeben kan, in demfelben wuͤr⸗ 
cket GOtt folche Wercke, die nicht auszufprechen ſeyn; 
wie im Gegentheil die leidige Hoffart alle Dinge vor Hofart 
GOtt unwerth und zu einem Greuel macht, und alle vererbt, 
Wercke des Menfehen verderbet und beflecfet, und zu Aenauende, 
Grunde reift. Darum haben wir vielmehr Urfach_ „1. 
ung zu demüthigen, denn zu ftolßiren. Denn wir find Sr then, 
ja erftlich Eommen aus einem lautern Nichts, ** und den ber 
werden wieder zu einem —— und find weni⸗ Demuth. 

| Sffs | ger 


Demuth der Erfänntniß feiner Sünde nimmt die wahre 
Buffe ihren erften Anfang, darauf hergliche Neue erfolget, 
und daß man mit demüthigem Herken im Glauben von 
GOtt Gnade bittet. Zurber. Das Gericht ift nichts anderg, 
denn daß ein Menfch fich felbft erfenne, richte und verdams 
me, und das ift die wahre Demüthigfeit und fein felbft Erz - 
niedrigung. Ingleichen: wenn fold) Bedencken ung erniedri: . 
get, und unfern Jammer ung eröffnet hat, fo folget denn 
die Tröftung. Paren. 
* Der Grund aber der Demuth ift der Glaube, ohn or 
die Demuth nicht lebet. Dorfch. Ä 
*Es wird geſehen auf die Erfchöpffung des Menfchen, ſon⸗ 
derlich dem Leibe nach, der ja auseiner geringen, nichtigen 
‚und ſchwachen Materie erfchaffen worden, und muß auch 
hernach wieder, nicht der Seelen nad, foudern dem Leibe 
nad), zu nichte, das ift, zu Staub und Afchen werden. Wie 
das Wortlein, Nichts, bisweilen fo viel bedeutet, als was 
ge:ing, unbeftändig und elend iſt. Pf. 39. v. 6. Zusber. Hic 
mos DEI ef} perpetum & admiranduws, ut ex nihilo faciat 
omnık, & rurfus omnia redigat in nihilum. Daß it: Dieſes 
iſt GOttes ſtelige und wunderbare Gewohnheit, daß er als 
led aus nichte, und wieder alles za nichts machet Yaren, 





826 B. III. €, 20. Die Demuth mußinden Grund 


ger denn ein Schatte, Der verſchwindet. Wir bes 
unfere  ‚Mnden auch Die groffe Dergifftung und Verderbung 
Nichtigkeit unferer Natur, Daß wir alle zu groffen Sünden ge 
und Elend. neigefeyn. Denn ſo uns EDttes Gnade und Barm⸗ 
hertzigkeit nicht enthielte, ſo fielen wir täglich in die ale 
lergroften Eunden, und in. Die ewige Verdammniß, 
würden allen Zeufeln in der Hölle ewig zu heil. So 
a Fanjt du auch den bofen Geiſt nicht beffer überwinden, 
murh mid denn durch Demuth, * Denn der böfe Geiſt iſt hof⸗ 
ber Saran fartig, und will nicht mit Hoffart überwunden jeyn, 
ven Sondern mit Demuth; Durch Hoffart wird ex geſtaͤr⸗ 
cket, denn die Hoffart it eine Wurtzel des Satans, 
Wenn du Did) aber in lauterer Demuth zu GOtt 
wendeſt, von allen Sünden, alsdenn uͤberwindeſt du 
I. den Teufel, daß er mit Schanden davon fliehen muß. 
a Es ift ein erbarmlic) Ding, daß ſich ein Menich alfo 
übernine dom Teufel überwinden Fafjet, da Doch ein Ehrift ift mit 
den lfm GOttes Wort, Geift und Krafft geruͤſtet. Es iſt 
lich. gleich, ale wenn ein wohlgerufter Manns fich- nieders 
u legte vor einer Fliegen, und ließ fich zu tode ſtechen und 
fl zu mo beiffen. Denn bey den Demüthigen ift die Gnade 
derfireben. GOttes fo ftarck und mächtig, daß ein Menfeh Dadurch 
wahrhaftig den Satan überwinden Fan, wenn er ihm 
maͤnnlich duch GOttes Krafft und Gnade widerſtehet, 

und ſo kan ihm auch der Satan nichts angewinnen. 
Denn wahrhafftig, fo ihr dem boͤſen Feind nicht habt 
\ roiderftanden, und ihn durch GOttes Krafft uͤberwun⸗ 
den, fondern euch überwinden laffen, fo werdet ihr der 
Sf Spott feyn an jenem Tage in Ewigkeit, daß 
ihr dem Satan gefolget gehabt. Alſo lerne die Sucht 

EN ' un 





* F8 wird zu diefer Uberwindung die Demuth erfordert, weil 
ohne diefelbe der Glaube nicht feyn fan. Denn fol ich mich 
auf GOtt und feine Stärcke verlaffen, fo muß ich nicht auf 
mich felbfi oder auf meine eigene Kraͤffte ſehen, fondern an 
meinem eigeneit Vermoͤgen derzagen, und fhlecht bloß an , 
GOtt bangen. So wird der Eirg der Demuth zugefchries 
ben, nicht bloß für fich felbft betrachtet, fondern wegen des 
5 laubeng, mit welchem die geifiliche Demuth feft verbunden. - 

aren. War 


\ 


des Hertzens gelegt werden. 827 


und Gnade der Demuth verſtehen. So wird auch PR 
in den demüthigen Seelen erwecket ein ftetiger Hun⸗ zere var 
ger und Durſt nah GOttes Gnade, Denn das ift fer nad 
der Demurh Cigenfhafft, und fo Fans denn GOtt Ol 
nicht laffen, er muß deffen Hunger fartigen, Er kun 
ibn aber nirgend mit fättigen, denn mit ihm felber; 
denn es Ean in Ewigkeit der Hunger und Durft Der 
Seelen nicht gefättiget und gelofchet werden, denn 
mit GOtt felber: Solch einen heftigen Durft hat 
die erleuchtete Seele in ihr nach GOtt. In dieſer zn Kragen 
Demuth ift gegründet die wahre Buffe, da der Menſch rommt her 
pon Hertzen die Stunde bereuet, * feine geundlofe Lin ausderde 
reinigkeit, verborgene Bosheit, und abgruͤndliche Ver⸗ na 
derbung feines Dergens fichet, und im Glauben ſich 
an GOttes unverdiente Gnade halt, und faͤhet an 
GOtt hertzlich zu lieben, fih dem Willen GDites 
zu laſſen, und ſich ihm gang zu ergeben, alfo, Daß, 
was GDtt will, das will er auch, . Einem folchen | 
Menſchen vergiebt GOtt mildiglich, will auch von 
deffelben Sünde nicht wiſſen, dern will fie vers 
geſſen, und nicht mehr gedencken: Denn er hat fich 
von Stunden zu GOtt befehret, fo bat ſich GOtt 
zu ihm gefehret, und will feine Stunde nicht mehr > 
willen, So nimmt aud) die wahre Demuth alles, * 
Ereus von GOit weilliglich auf, als ein ſolch Dir Dante nı 
tel, dadurch ung GOtt zu vielen Gnaden bereitet, fertig sum 
und nimmts nicht an, Als von Menfchen, es komme Fk 
her, wo e8 wolle, fondern allein lauter von GOtt, 
und fprichts Biß willkommen, mein lieber Freund, 
ob ich mich gleich deiner hier nicht verfehen hätte, fo 
koͤmmſt du mir doch nicht zur Ungeit, GOtt will einen 
| Heili- 
* Aus dem Geſetz zwar koͤmmt hergliche Neue und Leid her, 
aber nicht immediare, ynd unmittelbar, fondern vermittelft 
der Erfänntniß der Sünden und dero Strafen: Und folch 
Erfänntniß der rieffen Berderbung und Suͤnden Greuels ift 
der erſte Grad der geiftlihen Demuth, auf welchen tägs 
liche Neue und Leid über folchen Suͤnden-Jammer folget; 
und alſo ruͤhret wahre Neue aus der Demuth, das iſt, aug 
demuͤthiger Erkaͤnntniß feiner Sünden ber, Varen, 


828 BL C. 20. Die Demutb muß im Brund:c, 





Heiligen aus mir ae * und einen gelaffenen Mens 


Sm a, ſchen. Letzlich fo behatt die wahre Demuth den Men- 

ihigen Her: ‚ Ichen allegeit im Friede, auch im groffen Glück und Un⸗ 

hen wahrer glück, in den Gaben GOttes. Er gebe oder nehme, 

driede. ſo bleiber er gleich, und nimmt alle Dinge von GOtt 
gleich, Lieb und Leid, fauer und füffe. Alſo faͤhet denn 
GOttes Gnade an groſſe Dinge zu wuͤrcken in den 
Demüthigen, denn zuvor haben fie ihre eigene Wer⸗ 
cke gethan, aus ihnen ſelbſt; aber nun tragt fie GOtt, 
und wuͤrcket alle ihre RR ja feine Wercke in ih⸗ 
nen, und durch fie, 


Gebet. 
Selm m. ze: ir wie der HErr unfer GOtt, der fich fo hoch geſetzt hat, 
und auf daB Niedrige fiehee im Himmel und auf Erden, 
Dir, HErr, iſt niemand gleich, du biſt groß, und dein Name 
— Be; groß, du kanſis mit ber That beiweifen, wer folte bich nicht 
Eike s. fürchten? Du — den Hoffäriigen, aber den Demuͤ⸗ 
v5. thigen giebt du Gnade. Ach fo kommt / lieben ae, 
Bf 95. v. 6. laſſet ung anderen; Enien und nicderfallen vor dem HErrn, der 
ung gemacht. erlöfet und geheiliget hat; laſſet uns mit allem, 
was wir find und haben, ung ihm zum Füffen legen, und von 
Hergen fagen: HErr, dur bift alles, ich nichts; du bift GDtt, 
1.Cor. 15. ic} bin ein armer Wurm : von deiner Önade bin ich alles, mas 
10. ich bin, von mir felbft gar nichts. Deinem alerheiligften Ras 
men fey ewig — und ai Amen, 


Das 
BEIRISIRNNDL ARE REN. nV en 22 


* Es wird geredet nicht von der Heiligkeit und Gerechtigfeit 
des Glaubeng, die ung durch den Glauben zugerechnet, 
und in der Tauffe gefchencfer wird, ſondern von der Hei⸗ 
ligfeit des Lebeng, wenn wir täglich der Sünden abfterben, 
den’ alten Adam mit feinen Fruͤchten in ung creugigen 
und tödten, und uns der Heiligkeit und Gerechtigkeit eines 
heiligen und gerechten Lebens befleifigen, dazu denn GOtt 
dag Ereug gebrauchet. F. C. Vera & non fimslata mortifi- 
catio fit per crucem & afliliones, quibus DEw nos exercei, 
Das ift: Die wahre und ohnheuchleriſche Toͤdtung ge⸗ 
ſchicht durch dag Creutz und Truͤbſal, damit ung GOit uͤbet. 


Varen. 


* 


| 5, ot Ro | 329 


Das XXL. Capitdl, 


Ein Menſch ſoll ſeine Luſt und Freude 
nicht haben an den Gaben, ſondern an 
GOtt ſelbſt; und von Verleugnung 

fein ſelbſt. 


Ph, 32. verſ. 11. Freuet euch des 288ren, ſeyd 
froͤlich ihr Gerechten, und ruͤhmet alle ihr 
Srommei, 


Je wahre Liebe GOttes ſuchet und meynet 
| SOTT lauter allein in allen Dingen, und Boten, , 
nicht fich ſelbſt; beluſtiget fich allein in Gou Liebe und 
und in dem böchften ewigen unerfchaffenen Gute, Bere 
und nicht in den Creaturen: und folches innerlich im 
Grund der Seelen, da das Reich GOttes ift, * 
Denn die Seele hat über die natürlichen Kräffte, 
fo dem Leibe das Leben und Bewegung geben, ein 
verborgenes, ** innerliches, bloffes, lauteres Weſen, 
weiches mit der Zeit und mit der Welt nichts zu thun 
hat, Da ift der Sitz und die Stadt GOttes abges 
ſchieden von allen Auffe erlichen -wdifchen Dingen; Fr* 
da wuͤrcket der Heilige Geiſt feine Gaben, und treis 
bet diefelbe aus.in die Kraffte der Seelen, in Beier 
beit , Derftand, Sprachen und Erkänntnif. Dar⸗ 
ein fället denn die liſtige Natur, und erfreuet fich Die Natur 
der Gaben mehr als GOttes, , beflecfets mit eiger a 
nem Wohlgefallen und Luſt, liebet die Gaben mehr auf Di Ga⸗ 
als den, der ſie gegeben hat; welches eine falſche, deu 


betruͤg⸗ 


— 


* + Nemlichin der miedergebohrnen Geele. Dorfech, 

In den Öläubigen ift dag Neich GOttes zwar, aber nicht 
von ihnen ſelbſt, als warn fie dag Neich auch vor ihrer Ber 
fehrung in ihren Seelen verborgen hätten, fondern von 
GHDrrfelbiten in ihnen aufgerichtet. Varen. 

** Diefes ift nichts eingefchaffenes, fondern Durch die Wieders 
geburt gewuͤrcket, welches mit dem alten Adam ſtets zu 
kaͤmpffen hat. Dorfch, 


4 je —* GOit nicht falbſt zu ſeinem Wercke verordnet hat. 


836 B. III. C. 21. Ein Menſch ſoll ſeine Luſt 


betruͤgliche Freude und Liebe iſt. Denn die Gaben 

Sort fest GOttes find nicht GOtt ſelbſt, darum fol deine Luft 

u De gllein in GOtt feyn, und nicht in den Gaben. ° Wenn 

ein Menfch die Gaben empfangen bat, fo rubet er dar⸗ 

inn, und hat ſeine Luſt darinn, es ſey was es wolle, eine 

Erkaͤnntniß, Licht oder Süßigfeit GOttes, fo meynet 

er, eg ſey alles genug; aber mit nichten, es mangelt noch 

Wir findzu viel, denn das iſt noch nicht GOtt felbit. “Denn wir 
fehr großen ind zu unmaßigen groſſen Dingen gefthaffen und bes 
serdafen. rufen, nemlich GOttes ſelbſten theithafftig zu werden. 
Darum nimmt das EDtt höchlich für übel, daß wir 

uns an Kleinen Dingen begnügen laffen, denn er ift 

nichts fo willig. und bereit uns zu geben, als fich feldft, 

und das in hoͤchſter edelſter Weiſe. Und wenn ers 

beffer hatte, denn fich felbjt, fo gabe ers uns, darum weil 

wir GOttes "Begierde feyn: Denn GOtt begehret 

nichts. fo had) als uns, derowegen ſoll GOtt binwieder 

unfere höchfte Begierde feyn. Demnad) füllen wirnicht 

in den Gaben ruhen, fondern in GOtt, und follen ung 

nirgend an begnügen laffen, denn an GOTT felbft, 

Denn welche Gabe ware demfelben zu groß zu geben, 

der jich ſelbſt gaͤntzlich gegeben hat, und geben will? Die 

ML. böfe Natur aber iſt alſo fehr auf fich ſelbſt geneiget, 

Farm fang Mit eigener Liebe und Ehre, daß fie ihr allezeit zueignet, 
von SDtt das ihr nicht gebühret , und darinn Luft und Freude 
en füchet, das Doch ein fremd Gut ift, undim Augenblick 

Ede. Fan wiedergenommen werden, wie der Aürbis Tond, 
Jon. 4. v. 6. beflefer auch die guten Gaben GOt⸗ 

Tieffe Vers tes, und hindert GOtt an feinen Wercken. Denn die 
nn, elende menſchliche Natur iſt auch durch Erb⸗ Sünde 
chen Hers alſo hoch und tieff durch und durch vergifftet, daß der 
Fran „taufende Menfh die verborgene Bosheit feines 
IF Hertzens nicht erfennet oder veuftehet, wie Der’ 19. Pf. 
v. 13. fpricht. Und wegen folcher Dergifftung lieber 

ſich der Menfch mehr denn GOtt, feine Engel, und was 

er ic gefchaffen hat. Diefen tieffen Abgrund der Ders 

derbung menfchlicher Natur koͤnnen alle gelehrre Leute 

nicht genugfam ausreden, Eoftet Demnach -viel Er 

eſen 


nicht baben an den Gaben, fondern an GOtt. 331 


diefen falfchen Grund im Hertzen umguftoffen und aus- 
zureuten. Denn dis iftdie vechte Abnegatio und Der aan 
leugnung fein felbft, davon ung unfer HErr prediget, Ship 
wollen wie anders feine Jünger feyn, Matth. ı6. ifebr 
ver. 24. Und Ean che ein Menſch alles Zeitliche vers ſchwer. 
laffen, Sold, Silber, Haufer und Schloͤſſer, denn ex 

fich felbit verlaffen und verleugnen Fan , fo tieff iſt dis 

Gifft eingerourgeltin der Natur. Zu diefer Verleug⸗ 

nung muß ung GOTT. durch mancherley Ereuß zwin⸗ 

gen, und alles Creutz ift zu dieſem Ende gerichtet; 

und was denn alfa dem Menfthen wiederfähret auf 

ferlich und innerlich, leiblich oder geiftlich , iſt von 

EHD:t hierzu verordnet, ja von GOtt ewiglich Dazu 


verſehen. | 
| Gebet, 


>) HErr, du getreuer GOtt, es iſt ja freylich mein Ver⸗ 
$% derben und Unart überaus groß, ich liebe mic) felber uns 
. srdentlich, und weiß gar gerig von der reinen Liebe, mit dee 

ich an dir allein hangen, in deinen Gaben nicht ruhen , fon- 

dern daraus deine Liebe erfennen. und dich brünftiger zu lie⸗ 

en angetrieben werden folte. Es ift aber, mein GOTT, Epb.r.v.19, 
ohne Zweiffel deine Krafft, die du erweifeft an den Gläubis Röm. 5. 
gen, noch färcker, und deine Gnade mächtiger, alg meine" 
mächtige Sünde. Go bitte ich dich, um aller deiner Erbars 

mung willen, unterlaffe nicht wohlzuthbun,, und Gnade zu 
fchenden mir Elenden, Gnaden=bedärffiigen und Gnaden⸗ 
Hungerigen. Gieb aber darneben auch die Önade, dich uber 
‚alles zu lieben, in. dir, als dem einigen und hochſten Gute 

zu ruhen. Heilige mir alles Creug und Leiden, dag du 

nach deinem Bath verhängeft, dazu, daß ich von allen 
> Kreaturen abgewandt zu dir einkehren und in dir ewig 

bleiben möge, durch EHriftum JEſum unfern 
HErrn, Amen. f 


3) —— 
— 





J 


Das 


Bon "S8t: N 
tes — > 


ohne welch 


Mer 90 
(dicht. 


In Wer: 

chen nicht 
Gerechtig: 
keit zu fur 
den. 


Luc. 17 
V. IO& 


832 B.NLE.22.WdDieunfrelDerdeBOre gefallen, 


Das XXI. Capitel. 


ie unfere Were GOtt gefallen; tie 

wir bey GOtt Gnade erlangen mögen, und ge- 

recht werden, Auch wie ein Menſch feiner Gaben, fo 

er von GOtt "empfangen, leichtlich misbrauchen ‚und 

feine Seele fhandlich beflecken kan; und wieer 
feiner Gaben * gebrauchen 


Pſalm 37.0.4. Aabe deine Luſt an dem SErrn, 
der wird dir geben was dein Hertz wuͤnſchet. 


N Eil der Menſch von Natur ift unter GOttes 
Zorn, fo find auch alle feine natürliche Wercke 
2 unter GOttes Zorn, er thue auch nach fo hohe 
Wercke vor der Welt, als er immer wolle; denn er 
kan auſſer der Gnade GOite nichts thun, das GOtt 
wohlgefalle: Iſt er aber in Gnaden, ſo ſind alle ſeine 
Wercke in Gnaden, und gefallen GOtt wohls denn 
GOttes Gnade wuͤrcket dieſe!be in ihm. | 
Daraus folget nun, daß du mit Ar. Paulo alle 
deine Gaben der Bnade GOtte⸗ fole zujchreiben, 
und nicht Dir felbit, 1. Cor. 1 5.0.10. Auch nicht darinn 
deine Gerechtigkeit und Seligkeit fuchen. Denn hätte 
ein Menfch alle Die Marter gelidten, Die alle Heiligen ges 
lidten haben, und alles gethan, das alle Ehriften ie ges 
than haben, oder immer thun mogen bis ans Ende der 
Welt: Und wenn du Dich alle Tage lieſſeſt tödten, und 
wieder lebendig machen, und Steine und Dornen aͤſſeſt, 
hiemit Eonteft du keine Gaben erlangen aus dir ſelbſt; 
fondern ſencke dich durch den Glauben in Die tieffite 
geundlofe Barmhertzigkeit GOttes in EHrifto, mit eis 
nem demüthigen gelaffenen Willen, unter GOtt und 
alle Sreaturen,fp wird dirs CHriſtus allein geben aus 
groſſer Mildigkeit, und freyer reiner Liebe und Barıne _ 
hertzigkeit: Wie unſer lieber HErr fpricht: So ihr al⸗ 
les thut, ſo ſprecht, wir ſind unnuͤtze Knechte ge⸗ 
u 17.20.10, Ach barmhertziger GOtt, wie ft 
unfere 








und wie wir vor ihmgerechtwerden. 833 


unfere Gerechtigkeit an uns felbft fo ein arm ſchnoͤdes 
Ding vor dn Augen GOttes; ein Unflath, wie Je⸗ 
faias ausfagt, © 64.0.6. Denn alle Wercke, die alle 
Menfchen und Ereaturen wuͤrcken oder wuͤrcken mögen, 
bis an dag Ende der Welt, dietaugen alle zu unfer Ges 
vechtigkeit lauter nichts, che aber durch die ficherfte Sicherſter 
Pforte in das Erbe, und opffere CHriſti unſchuldiges Lei⸗ lei 
den für dein verfchuldetes Leiden, feine unfehuldige Ge— I 
dancken für deine fehuldigen Gedanken, feine heiligen 
Worte für deine fchuldigen Worte: Und alfo feine 
Wercke, feine Armuth, Gedult, Sanfftmuth und Liebe, 
für alles das, fo dir gebuhret, auswendig und inwendig, 
und ſiehe allegeit CHriſtum an, fo du bey GOtt wilt 
Gnade haben, und kehre zu ihm, wie der verlöbrne 
Sohn that, jo wird er dich. mit Freuden aufnehmen, Luc, | 
15. b. 20. Erwird ohne Zweiffelfein Weſen, nach feiner NOtt wird 
gewoͤhnlichen Guͤtigkeit, um deiner groffen Sünden with. nen 
len, fo fie dir leid ſeyn, nicht aͤndern. Es iſt doch ſein eigen nicht aͤn⸗ 
milder Schatz, den er allen anbeut aus lauter Güte, dern. 
und ift ihm ein geringes, die deine Schuld zu verger 
ben, wenn du ihm Daffelbe nur getraueftz denn feine 
Zand iſt nicht verkürget, daß fie dir nicht helffen 
koͤnte, Zeh. 59:9. 1. Undfo viel armer und elender du in So viel ar⸗ 
deinen Augen felbft vor ihn kommeſt, ſo viel mehr du ihm hy siet rei” 
angenehmer bijt, und er dich von feinem Gut ſelbſt herr⸗ der in 
fich begaben undreich machen will. Denn gleichwie ein EP 
Zeopffen gegen dem Neer: Alſo find aller Menſchen 
Suͤnde gegen der grundlofen Gute GOttes. So du It die Pers 
nun in Önaden bift, fofind alle deine Wercke in Gna⸗ hm un“ 
den, und alles, was GOtt gefaͤllet, das gefället ihm in feiz GOtt, ſo 
nem eingebohrnen Sohn, und alles, was GOtt lieb har, $fulen 
das hat er lieb in feinem eingebohtnen Sohn. Dar⸗ Werde 
um foll der Menfch alfo leben, daß er eins fey Durch den. 
Glauben mit dem eingebohrnen Sohne EDtteg, fo ift er 
und alle das Seine bey GOtt in Gnaden, Hie muſt du 1. 
aber mercken fo die GOtt, als feinem Gnaden Kinde XRen or 
Gaben giebt, daß du Dich nicht in denſelben ſolt belufti= mie ih ein 
gen, fondern allein an GOit deinem Vater. Amt 
- 11. Theil, 99 Errn 


834 Balll. C.22 Wie unſre Wercke GOtt gefallen, 


darbey ven, „ren ſolt du, wie der 37. Pſalm fagt, deine Auft 
al EL haben, und nicht an deinen Gaben; fondern allein in 
| GOttes Lob und Ehre, daß. allein fein örtlicher Wille 
in dir und durch Dich möchte vollbracht werden, und in 

allen Ereaturen.. Gleichwie ein Waſſer ausfleuft und 

wieder einfleuft in we Urſprung: Alſo trage Deine 

Gaben wieder in ihren Urſprung, in GOtt, daraus fie 

Gaben fon gefloſſen ſeyn. Darum wilt du nun deiner Gaben recht 
Pe gebrauchen, fo mercke folgende Regel: Wenn du alle 
freien, Göttliche Gaben bätteft im Himmel und Erden, 
und darinn und aller Heiligen gute Wercke, fo bald du dich 
N  Harinm beluffigeft, und deine eigene Luft und 
rende ſu⸗ Sreude darinn ſucheſt, ſo bald ift dis But allesbe= 
sen, feckt mit Untugend und Abgötterep. Denn du 
folt an einem Dinge Luft, Ruhe und Freude haben, we⸗ 

der im Himmel noch Erden, denn bloß und lauter an 

GOtt alleine; und ſo du das thuſt, ſo iſt GOtt ſelbſt 

deine Freude, Luſt, Ruhe, Genuͤgen, Schatz Reichthum, 
Aufenthalt innerlich und aͤuſſerlich: Welches tauſend⸗ 

ofärtise mal beſſer iſt denn alle deine Gaben. Auf dieſe Weiſe 
BE: wirſt du würdig ein Werckzeug und Gefäß zu feyn der 
We Gnaden GOttes; denn GOtt will nicht Durch hoffaͤr⸗ 
zeuge. tige Geiſter wuͤrcken, denn dieſelben find Werckzeuge 
und Glieder des Lucifers: Den Demuͤthigen aber giebt 

1.Petr. 5 er Gnade, ſagt St. Petrus 1.Epilt.s.v.s. Darein legt 
fe er feinen Schoß, Die inwendige Hoffart iſt die groffe 
Wurtzel aller Untugend, dadurc beſitzet der Teufel die 
Statt, die allein der ewige GOtt mit feiner Gnade bez 

Shin  firen folte. Gleichwie ein Weinſtock auswendig uns 
Sn. goſtalt und unanfehnlich ift, und wenn er dem Menfehen 
nicht bekannt ware, würde es ihm deuchten, er wäre nir⸗ 

gend nuͤtze und gut zu, denn ins Feuer; aber in dieſen 

feinem Holtz find die lebendigen Adern daraus die edelſte 
Suͤßigkeit entſpringet: Alſo ſind alle Goͤttliche Leute, 

Ale gute durch welche GOtt wuͤrcket, auswendigals ein ſchwartz 
ae ol verdorben unnuͤtz Holtz 3. denn fie find demüthig, uns 
murnger achtbar, weder don groffen Worten noch aufferlichen 
ſcheben. ——— aber inwendig find fie die lebendi⸗ 
gen 


- 


und wie wir vor ihm gerecht werden. 835 


gen Adern, da ihr Theil GOtt ſelbſt iſt. Welche aber 
mit ihren Gaben ftolßiren , und mit ihren milden All 
mofen prangen, machen Tenfter und Altar in Die Kir⸗ 
chen, und zeichnen Diefelbe mie Schild und Wapen, und 
wollen, daß es alle Menfchen wilfen, darinn haben ſie ih» 
zen Lohn hinweg, und Damit hat der Menfch alle feine 
Wercke verderbet. Iſt auch naͤrriſch, daß fie laſſen für 
ſich bitten mit groſſem Schein; denn die Allmoſen, ſo 
aus demuͤthigem, einfaltigein, GOtt⸗ergebenem Hertzen 
gegeben werden, bitten mehr denn alle Menſchen, denen 
die Allmoſen wiſſend und bekannt ſeyn, daß ſie zum 
Schein gegeben ſeyn. Wilt du nun, daß alle deine 
Wercke tuͤglich und nicht wurmſtichich feyn * follen, 
fo mercfe dieſe vier Regeln; * (1) Daß du porn Vier fhöne 
allen deinen Wercken nichts halteſt; nicht dich ſu⸗ Regeln. 
cheſt und meyneſt, ſondern GOtt allein. (2) Solt du 
ein demuͤthig Gemuͤth haben, unter GOtt und al⸗ 
len Menſchen, in dem kleineſten ſo wol als in dem 
groͤſten; dich ſoll duͤncken, alle Menſchen ſind gerechter 
denn du, (3) Solt du alle dein Thun für unnuͤtz 
und fir nichtig halten. (4) Daß du dich immer 
fücchteft für dem verborgenen Urtheil GOttes, 
AR nicht zwar als ein Zweifler, fondern als ein Kiebs 
| Ssg2 baber 
® Er befchreibet hie nicht bonorum operum originem, den 
Urſprung guter Wercke fondern eine Conditionem, wie uns 
fere gute Wercke, die aus dem Glauben herfommen, follen 
geartet feyn. 

Nicht wurmſtichich, heiſſet nicht gar ohne einigen Fehl, 
fondern daß fie nicht falſch fondern rechtfchaffen feyn, und 
von Hergen gehen, und GOtt gefallen folien Yaren. 

xx Diefes find drey Kennzeichen der Wercke, welche aus wah⸗ 

rem Glauben entfpringen, dadurch fie von den felfchen erz 

tichteten mögen unterfchieben werden; iedoch, daß deswe⸗ 
gen ihnen keine Vollkommenheit oder Verdienſtlichkeit zur 
Seligkeit beygemeſſen wird. Dor/ch. 

xxxDiß verborgene Urtheil GOttes iſt nicht dasjenige, fo die 
Galviniften vorgeben, fondern welches GOtt über alle Mens» 
fchen über, ung wunderbarlich durch allerhand Creutz und 
Anfechtungen zu führen. Dor/ch.. ! 

Er ſiehet Hiemis auf bie fehmyeren Creutz⸗ Faͤlle und Züche 

tiauna 





83 B.M.E.2 2. Wie unſre Verde GOtt gefallen, 


aber GOttes; wie fi) ein Freund fürchtet, daß 

Folgen fein Freund nicht mit ihm zuͤrne. Wer in diefen 
ee n,dier Stücken fein Werck nicht thut, der verderbet 
gen: alle feine Wercke, wenn fie lauter Gold wären, und 
wee dem thaͤte er auch ſo viel Wercke, als die gange Welt 
Nächten zu thun Fan: Wer aber feine Wercke alfo thut, der iſt 
oe, ein rechter guter Baum, an welchem allein Die vechte 
fäue Gott Frucht hanget, Die andern find alle wurmftichig und 
wohl. ein fauler Apffel. Auch folt du wiffen, daß nie ſo 
ein Elein oder. geringe Werck und Amt ift, fo es dem 
Yachten zu Nutz gefehicht, es ift GOtt angenehine. 

Und wer fein Pfund nicht anleget, dem Menfchen das 

mit zu Dienen, Der muß ſchwere Rechnung dafür gebenz 

Denn darum bat ers von GOtt empfangen als eine 

Gabe, daß ers wiedergeben — ſeinem Naͤchſten zu 

Nutz: Denn es iſt nie fo ein klein Werck und Kuͤnſt⸗ 

lein, es kommt von GOtt, und iſt dem Menſchen zu Nutz 

Melhe gegeben. Darum ſaget unſer HErr Joh. 3. v. zr. 
ee von den Wercken, die in GOtt gethan ſeyn, das find 
tban find, die, ſo im Glauben, in hertzlicher Lebe zu GOttes Ehren, 
Johz. v 2% gus reiner lauterer Meynung, ohne alle eigene Ehre und: 
Nutz, dem Naͤchſten zum Beſten gethan werden, wie ei⸗ 

nen 





tigung GOttes, damit er auch die Gläubigen in dieſer Welt 
bisweilen heimfuchet ; welches ihnen, fo lange eg ihnen wohl? 
gehet, verborgen ift: Sie wilfen nicht, was GOtt in diefer 
Welt uͤber fie verhaͤnget hat, big fie es hernach doch endlich 
erfahren und fehmecken müffen. (Siehe Hiob 3. verf. 25.) 
So follen denn die Gläubigen bey guten Tagen fich ja nicht 
erheben, weil fie nicht wiffen, was GDrtt noch über fie ver- 
hängen mochte, und fchon über fie befchloffen. So iſts auch 

- eine Warnung, fich zu hüten für Sicherheit, da fie GOtt 
alfo lieben follen, daß fie ihn auch zugleich fürchten, damit 
fie GOttes Zorn-Sericht durch ihren Ungehorfam nicht auf 
fich laden. Yaren. 

Luther, über Pfalm 130. 8.3. Es mußin einem rechten 
Menfchen allezeit ſeyn die Furcht vordem Gerichte GDttegy 
des alten Menfchen halber, dem GOtt feind und zumider iſt: 
und neben derfelben Furcht, Hoffnung zu der Önade vor der 
Barmhertzigkeit, die derfrlben Furcht günftig ift, um des 
neuen Menfchen willen, d demalten auch feind ift, und alſo 
mie GOttes Gericht einſtimmet. 


und wie wir vor ihn gerecht werden. 837 


nen ieden folches fein eigen Gewiffen lehret. Darum 
‚babe acht, was dich zur deinem Werck jaget oder treibet, 
Damit du dein eigen Werck nicht verderbeſt. Godum, ®. 
“ aber mit deinen Gaben deinem Nächften nicht dienen den Enten 
wilt, fo wird dies gehen wie jenem faulen Änechte, dem Rädy 
der fein Dfund vergraben hatte: Der HErr aber, She 
„Der es ihm gegeben, nahm es ihm, wieder, und gabs leurer fie, 
"einem andern, der es beffer zu gebrauchen wuſte, Math 25. 
Matth. 25.09.26. Alſo bleibeft Du leer, beydes dr 
‚Gaben und der Gnaden darzu. Go ifts auch groffe eo 
Thorheit, fich eines Dinaes unternehmen, das ihm Gasen Mb 
GOtt nicht gegeben bat, oder davon zierliche Reden nicht Wors 
führen, das man nie, geübet oder erfahren hatz und fapramee 
‚wenn man auch vorgabe, daß Die Heilige Dreyfaltig⸗ 
keit folches würc£te, fo halte nichts Davon, er habs denn 
‘erfahren und geübet, inwendig und auswendig. 

So folt du auch wiſſen, daß alle Wercke, fo ein gar 
Menſch thut, die nur zum. Schein dienen, oder daß Werckege⸗ 
man gefehen oder groß gehalten werde, daß alle Diefe Arendt 
erde GOtt nicht gefallen, wie geoß und hoch die⸗ 
ſelben auch feyn oder ſcheinen; denn wer des Wercks 
eine Urſach ift, oder wer die Geburt gebieret, deß ift 
fie, und Feines andern. Darum ift der ein Heuch- Schoͤn 
ler oder Bleißner, der in allen Dingen ſich ferbjr Akeichniß. 
meynet, und ift gleich als ein übergüldet Werck, das 
inwendig nichts taugt, und fo man das verguldete 
agbſchabet, fo ift, das da bleibet, nichts werth: Alſo ift 
in folchen Heuchel⸗Wercken Feine reine Liebe und Ehre 
Go0Ottes, fondern eine blinde fleifchliche Liebe, die Der 
ehrfuchtigen Natur luͤſtig und lieblich if. 

Auch ſolt du wiſſen, daß alle gute Wercke, die der __ 5. 
Menfe) in etwas anders richtet, denn in Gtt, eitel 5%, Ki 
Luͤgen feyn, und Abgötterey; Denn alle Dinge find ten. N 
‚denen ein Abgott, def GOtt nicht ein Endeift. Dar 

um mogen wie wol Gaben gebrauchen, aber nicht 

‚daran bangen mit Luft, denn folches ohne Abgoͤtte⸗ 

rey nicht gefchehen Fan. | 


699 3 Gebet, _ 


83 8 | B. III. C. 23. Vom Geheimniß des Creuges, 
Gebet. 


Yer4. v. 3. A Eiliger getreuer GOtt, wenn ich meine Wercke anfehe, fo 
finde ich in denenfelben nichts, das dir gefallen Fönne: 

Denn was von mir ſeibſt kommt, ift Cünde, und was du in 
mir wirrcfeft, beflecke ich mit folcher Inreinigfeit, dag ich mich 

deswegen billio zubeträbenhabe Dig ift mein Troft, getreuer 

Eph. 2. Vater daß meine Geligfeit nicht durch meine Wercke zu verdie⸗ 
v.29. nen, fondern mir durch CHriſtum frey geſchencket iſt Co laß 
Vhil 3. 0.9. mich mun im wahren Glauben ſtels in ihm erfunden werden, 
fiehe mich an in ihm, als mit feiner Gerechtigkeit begnadiget, 

und laß um feinetwillen meine Seele etwas gelten im deinen 

Augen. Laßdeinen Geiſt ohn Unterlaß Gutes in und durdy mich 

Matth. 6. volibringen ; Dabey aber erhalte mich in herglicher Demuth daß 
Derıp, 5, meine lincke Hand nicht wife, was dierechtethut. Laß mich 
y 9 23. nicht ſeyn ein überfünchtes Grab das auswendig ſchon ſchei⸗ 
—— net, aber inwendig voller TodtenzGebein iſt. Viel lieber laß alle 
mein Thun geringe und verachtet ſeyn in den Augen der Welt, 
wenn eg nur aus reinem und aufrichtigen Hertzen gehet und 

dir, dem Hertzenskuͤndiger gefallen mag. Es wird ja eines ieg⸗ 

lichen Werck offenbar werden; dein kuͤnfftiger groſſer Tag wird 

2.Cor.3. es offenbar machen durchs Feuer, welches eines ieglichen Werck 
*. 3. bewaͤhren wird. Gieb mir folche Wercke bier zu thun, die da 
bleiben, und einen Gnaden⸗Lohn nach ſich fuͤhren, auf daß ich 

ſey bier ein geheiligtes Werckzeug deiner Gnaden, und dotten 
dich ewig preifen möge, durch ZEfum CHriftum deinen Sohn 

unfern HEren! Amen, 


Das XXIII Capitel. 


Dom Geheimniß des Ereuges, wie wir 
dadurd) zu GOTT gezogen 


werden. 


Matth. 10,0, 38. Wer nicht fein Creutz auf fich 
nimmt, und folget mir nach, der iſt mein 
nicht wertb. 

are (Fele, Die wahre Zünger, Liebhaber und Nachfol⸗ 
find Ereus; ger EHrifti feyn wollen, die muffen ihr Creutz 
Träger. tragen in diefer Zeit, es ſey welcherley es wolle; 
denn fliehet man eins, fo fallt man ins andere: Fleuch 
wohin du wollejt, und thue, was du wolleſt, es muß ges 
lidten feyn. Es ift ſo Elein oder groß Ereuge nicht, 

GOtt leget feine Hand unter, und traget Die Buͤrde 

am 





Ei 


I. 









































































































































































































































Tch Steige un? 
Sanbere mmch. 


= 
=D 
ſſſnn dfIUIIILK 


A! 


— — UL 











—— —— —— —, = = Se 
sn ZZ ZZ — 


+ \ 


— — — — 


Das Dritte Buch, Cap. xxi. pag. 838 


Hier ift eine Rackete an einen Stecken oder Stab gebunden, 
melche angezündet und etwas in die Hohe geftoffen, in der Lufft 
immer ie länger ie hoher ſteiget, und fih ven dem, womit fie an⸗ 
gefuller ift, ſaaͤubert big fie gank ausgebrennet ift. Hiemit wirb 
abgebildet, wie GDit ein· n Chriften durch das Feuer des Cren⸗ 
tzes zum fteigen tüchtig machet, und dahin bringet, daß er mit 
feinen Hergen und Sinn immer hiher hinan zu dem Himmli⸗ 
fchen und Ewigen fleiget,und zualeich non der Welt⸗ und Eigen» 
Liebe, und vonder Liebe aller andern irdifchen Dinge, die ihn fra 
feinem Chriſtenthum bisher noch aufgehalten, ie länger ie beffer 
geſaͤubert und gereiniget wird. | 


Ser. 31.0. 3. Offenb. Joh. 3.0.19. 


| Ich Habe dich ie und ie_geliebet, darum hab ich 


dich nach) mir gezogen. “Welche ich abes lieb 
babe, die ſtrafe und zuͤchtige ich. 


Inn uns des liebften Vaters Hand 
Ergreifft, und wir ihm ſtille halten, 
Und feine Sur und Weisheit laffen walten 
Ohn allen Widerſtand, 
Durchbohrt ſie unſer Hertz gerad und richtig, 
Und machet es sum Steigen tuͤchtig: 
Das Feur des Creuges hebet 
Und treibt es über fich, bis an der Sternen Dach, 
Verzehrend allgemac) 
Den Schlamm,der feinem Triebe roiderftrebet, 
Doch wenn das Herge ſich ausdraht, 
Und unter Händen mißgeräth, 
So Fan es zwar das Leiden, 


Das ſein Verhaͤngniß ihm beſtimmt , mit nichten meidenz 


Doch weil es auch nicht ſtracks hinaufwaͤrts ſteiget, 
So gehet es den krummen Gang, 
Der es ſein Lebelang 
Vom Himmel ab, und zu der Erden neiget. 
Wohl dem, der GOtt im Leiden ſtille haͤlt, 
Und dieſer Welt 
Gecreutzigt, (wie fie ihm) ihr eitles Weſen fliehet, 
Der wird erfahren in der That, 
Wie G0tt ein Hers, das feinem weiſen Rath 
In Demutl) folgt, Durch Ereus in Gnaden zu fich ziehet. 


wie wir zu GoOtt gesogen werden. 839 


am fchwerften Theil, Dadurch wird der Menſch fü froͤ⸗ 
lich, und ihm das Creutz fo leicht gemacht, daß ihn nicht 
duͤncket, daß er ie gelidten babe; fo bald aber GOtt unz 
ter der Buͤrden weggehet, ſo bleibet die Buͤrde Des Lei⸗ 
dens in ihrer Schwerheit und Bitterkeit: Darum hat 
der Sohn GOttes EHriftus JEſus das ſchwereſte 
Joch getragen in der allerſchwereſten Weiſe, und har 
ben es ihm alle nachaetragen, Die feine liebften Freunde 
geweſen feyn. Denn niemand das mit Worten Se 
ausfprechen mag, wie ein unausfprechlich Gut im Lei⸗ griden ner: 
den verborgen iſt; denn GOtt aus lauter Liebe und bergen. - 
Treue das Creutz aufleget, auf Daß er dadurd) ſeine 
Freunde zu fih ziehe, CHriſto gleich mache, und daß 
fie ihrer Geligkeit nicht beraubet werden, Röm. &__ , 
v. 29. Esfollen dich aber lehren dein Creutz recht tra; a 
gen die heiligen fünff Wunden unfers HErrn unfer 
JEſu Chriſti, diefelben follen dein Lehr⸗ und Creutz⸗ Ereuß- 
Büchlen feyn: Als die Wunden ſeiner heiligen ” " 
sie follen Dich lehren meiden und leiden; meiden alle 
uft, leiden alles, was über dich Font, inwendig und 
auswendig: Diefe beyde Kräfte fauge aus den ABunz 
den der Fuͤſſe CHriſti. Die heiligen Wunden fei- 
ner milden Aandefollen dich lehren ſchweigen, und alle 
zeitliche Dinge verachten. Die Wunde feiner bei> 
ligen Seite ſoll dich lehren dich feldjt verleugnen, 
und allein in EHrito alte deine Hertzens-Luſt und 
Wonne fuchen. Der heilige bloſſe Leichnam Deines Tas 
Herrn am Creutz fol} dich lehren entblöffen von allen biofer Rei6 
Kreaturen: Denn gleichivie unfer HERN bloß ang uns iedren 
Creutz geſchlagen ward, daß nicht ein Faͤdlein an ſei⸗ ou. 
nem Leibe bliebe, und feine Kleider wurden darzu 
verſpielet vor feinen Göttlichen Augen, Pſ. 22. v. ı 9. Matth. 27. 
Alſo folt du wiſſen in der Wahrheit, ſolt du zu deiner "3 
Vollkommenheit Eommen, ſo mujt du alfo bloß werz 
den alles deffen, das GOtt nicht iſt, daß dur einen Fa— 
den an dir nicht behalteſt, und daffelbe muß dennoch vor 
Deinen Augen verſpielet werden, vernichtet, und von al= 
len Menfchen bor ein Geſpoͤtt, und Thorheit, und Ketze⸗ 
| 99 4 I 


840 BI. E.23. Dom Geheimniß desCreutes, 


pe, rey geachtet und gefchäset werden. Es fallt nichts fo 
vergeben. klein auf uns, es iſt alles von GOtt zuvor angefehen, 
Daß es alfo feyn foll, und nicht anders, und davor foll 
man GOtt danken: denn GOTT verhängt das 
allergröfte und ſchwerſte Keiden über die, ſo 
Deeufel ihm lieb ſeyn. Der böfe Feind leget dem Menfchen 
durchgure auch viel heimliche und verborgene Striche, daß er ihn 
Sieg in guten Tagen ftürge; Darum ill unfer lieber 
Ereng auf GOtt feine Auserwehlten aus groffer Liebe und Erz 
aus Liebe harmung in dieſer Zeit ohn Unterlaß creußigen,in mans 
cher verborgener fremder Weiſe, die ung offt unbes 
kannt ift,und will ihnen Eeinerley Ding in diefer Welt 
laffen zu lieb werden, auf Daß die bofen Geifter Feine 
Gewalt über fie haben, fie zu betrugen, und von GOtt 
abzuführen. O wüften wir, wie das Ereuß ung zu 
EoOtt führete, und was vor aroffe Chre drauf folgen 
würde, und wie behende es den böfen Geiſt von ung 
triebe, wir lieffen viel Meilweges dem Creutze entge⸗ 
gen; Denn Leiden und Creutz ift ſo edel und nüße, daß 
A lieber GOtt alle feine Freunde ohne Leiden nicht 

affen will, 
.n Se Berftinden wir den Adel des Creutzes wir ach⸗ 
RR teten ung deffelben unwuͤrdig: ſo eine groffe Gnade 
GEOttes iftes, EHrifti Bild gleich werden. . EHriftus 
bat der Welt nie gefallen, darum hat ihn auch die Aßelt 
verſchmaͤhet: Unter taufend Chriſten aber findet man 
kaum einen, * der zu Diefer Vollkommenheit * kom⸗ 
men. ift, daß er der Welt nicht begehre zu gefallen. 
a et Denn wer der Welt gefallenwill, Fan GOtt nicht ges 
feisft abge: fallen; und wer der Welt vollift, der it GOttes leer: 
Rorben. Denn fo viel ein Menfch der Weit und ihm felbft ftirbt 
und ausgehet, alfo viel gehet unfer HErr GOtt Re 





* Er zweifelt felbft dran, ob auch unter taufend Ehriften ein 
folder Menſch erfunten werde. Paxen. IR 

* Es iſt diefes noch nicht die hoͤchſte, fondern allein eine groffe 
Vollkom menheit, dev Welt begebren zu mißfalen ; wiewol 
auch diefe in deren hoͤchſten Grad vollkoͤmmlich in diefem 
Leben nicht erlanget werden fan. 


wie wir zu GOtt gezogen werden. 841 
der ein, Der das Leben it. Kein Menſch gefaͤllet GOtt 


beſſer, Denn an dem GOtt feinen Willen vollbringer. 


Waͤre ein König, dem ich gerne wolte gefallen, und ich San 
wuͤſte gewiß, daß ich demſelben beffer gefiele in einem Gleichniß. 


‚grauen Rock, ‚denn in einem RN wie gut er auch 
- ware, fo iſt Fein Zweifel, mir ware 


as graue Kleid lu⸗ 
ftiger und lieber, denn Fein anders, es ware fo gut als 
es wolte: Alfo weil du weift, daß dein Ereug GOttes 
Wohlgefallen it, fo foll dirs lieber feyn denn gute Tage, 


Wilt du recht wiſſen, ob dein Leiden GOttes ſey Oder unterſcheid 
dein, das ſolt du daran mercken: Leideſt du um — 
dein ſelbſt willen, in weicher Weiſe es ſey, das Leiden jur und 


thut dir wehe, und iſt dir ſchwer zu tragen; Leideſt du Age 
aber um GOtt allein, das Leiden thut dir nicht MM 


wehe, und ift die auch nicht ſchwer; denn GOtt traͤgt 


die Laſt. Legt dir nun GOtt einen Eentner auf, und 


‚trägt ihn felbit, fo mehr legt er hundert auf, als nur eis 


nen, denn daſelbſt macht GOtt die Laſt leicht, und 


‚das Joch fuͤſſe, Matth. 11.0.30. Darum lege auf, Matth.ın. 


lieber GOtt, was du wilt, und wievieldu wilt, und hilff "3% 
tragen, fo trage ichs nicht, fondern du. So muft du auch 
lernen, Daß alle rechtſchaffene Gaben GOttes müffen 
durch Leiden kommen; kommen fie aber vor dem Leiden, 
fo muffen fie doch mit dem Leiden bewaͤhret werden: 


Und dieweil das Leiden der Seele ſehr nutz⸗ und frucht- Das Leiden 


bar ift, darum hat GOtt allen feinen lieben Heiligen — 
und Freunden, und ſonderlich feinem eingebohrnen lic, 


Gohn,groß Leiden hier in Diefer Zeit aufgelegt, darum 


| — auch um GOttes willen von wegen derſelben 


ruchtbarkeit. Die gottſeligen Leute ergeben ſich GOtt GOtt fon 


ce 


gang und gar, und nehmen Suͤſſe und Sauer zugleich um iD, 


von ihm an, fo müffen fie in der Demutly bleiben; denn tem 


die —3 Hunde laſſen nicht ab, ſondern verſuchen 
allezeit, ob fie den Menſchen von der Gottſeligkeit abs 
xeiffen mögen. Der bimmlifche Vater fandte feinen 
eingebohrnen Sohn, in menfchlicher Natur zu leiden ; 
fo wollen wir gern alle Leiden fliehen: Aber ich fage euch 


fürwahr, wollen wir Den ficherften Weg gehen, und 


gg s durch? 


342 B. III. C. 23. Dom Gebeimniß des Creutzes, 


durchbrechen, ſo mag es nicht anders ſeyn, wir muͤſſen 

dem wahren Bilde unſers HErrn IEſuCHriſti in etwas 

durch Leiden nachfolgen. Alle Leiden eines Chriſten, ſie 
Nichts ahr find fo gering als fie wollen, Eommen von GOtt, und aus. 
oe feiner unausfprechlichen Liebe, und gereichen dem Men⸗ 
fehen zu Nutz. Es ift nimmer fo ein Elein Leiden auf 

Dich kommen, GOtt hat e8 zuvor ewiglich angefehen, 

und das geliebet ihn, und hat feinen Wohlgefallen 

Einem dran. Wenn alle Teufel, die in der Holle feyn, und 
ne alle Menfchen, bie auf Erden find, zafammen geſchwo⸗ 
mand (dar ren hatten, fie Enten alle einem glaubigen Menfchen, 
und einem Geliebten GOttes nicht fchaden, und’ ie 

mehr fie fich beflefßigen ihme zu fchaden, je mehr er erhoͤ⸗ 

het wird von GOtt: Und wenn ein ſolcher Menſch 
gleich in Die Hölle gesogen würde, fo müfte er doch dar⸗ 

. „Innen GDtt, fein Dimmelveic), und Seligkeit haben. 

eh Diiee Jaͤger, welche einen Hirſch im Thier-⸗Garten 
‚Se hesen, wenn ftefehen, daß der Hirſch fo müde if, (weil fie 
Huͤſch· ¶ wiſſen, Daß sie feiner im Garn gewiß feyn) balten die 
Hunde ein wenig, und laffen den Hirſch im Thier⸗Gar⸗ 
ten ein wenig ſpatzieren gehen, daß er etwas Dadurd) ge- 
ftarcket werde, damit er das Jagen darnach defto beffer 
ausftehen moͤge: Alfo thut GOtt dem Menfchen auch, 

wenn er fiehet, daß ihm. das Jagen will zu viel werden, 

und die Anfechtung zu groß ift, fo halt er ein wenig auf, 
troͤſtet, [abet und erquicket den Menfchen, daß ihn deucht, - 

er habe feine Noth nun gan und gar überwunden. 

Dis ift darnach eine Starefung zu einer neuen Jagd: 

und wenn der Hirfch am wenigiten darauf gedencket, fo 

find ihm die Hunde wieder auf dem Halfe, und fegen 

anf ihm mehr zu, denn zuvor. Und das thut GOtt aus 


wo It. groffer Treue und Liebe: Denn durch die Anfechtung 
wird der Menfih zu GOtt gejaget mit begierlichem 
Durft und frolichem Hersen, als zu dem Brunnen, da 
alte Wonne, Friede und Freude iſt: Alto, daß ihm der 
Trunck, den er bekomme auf den Durft, deito ſuͤſſer, 
(uftiger und angenehmer werde, hier in dieſer Zeit, dar⸗ 
nach im ewigen Leben, da man den füllen Brunnen 
trin⸗ 





wie wir zu GOtt gezogen werdem 843 


trinken wird mit voller Luft, aus feinem eigenen’ Ur⸗ 
fprunge, das ift, aus dem vaterlichen Hertzen. Das 

Tonnen die Klugen dieſer Welt nicht begreifen, Die _ 
hiervon nichts wiffen, was der Detlige Geiftvor Wun⸗ 

der wuͤrcket in feinen Heiligen. GOtt thut wie ein Gott han 
Enger Haus- Pater, der fo viel gutes edles Weins hat, ia; nz, 
geht hinmeg, legt fic) fehlafen, fo gehen denn feine Kin⸗ Ereur ala 
der bin, und trincken des guten Weins fo viel, daß fig An Vater. 
truncken werden: Und wenn der Haus⸗Vater aufſte⸗ 

bet, und das gewahr wird, fo machet er eine Ruthe, und 

ſtaͤupet die Kinder wohl, daß ſie darnach fü traurig wer⸗ 

Den, jo frölich fie zuvor geweſen, und giebt ihnen darnach 

fo viel Waſſer zu trincken, daß fie Davon wieder nüch- 

tern werden: Alſo thut GOtt feinen auserwehlten 
Kindern. Erthut gleich) als wenn er entfihlafen wäre, 

und laͤſt feine Kinder zuvor feinen füllen Wein trinz 

cken, mit vollem Munde und ganser Luft, wie fie esbes > 
gehren; aber wenn er ſiehet daß es ihnen zu viel und 

nicht nuslich feyn will, fo entzeucht ex ihnen den guten 

Nein, und machet fie fo traurig, fo frölic) als fie zuvor 

geweſen feyn, damit fie nach ihm durften, und er fie zu 

ihn bringe, und Daß fıe fehen, was fie find, und was fie 

aus eigenen Kräfften vermögen, wenn GOTT feine Dasger 
Gnade von ihnen abzeucht, und daß fie gedemuͤthiget — 
werden: Da fie zuvor gedachten, fie wolten wohl mehr aus eige⸗ 
leiden um GOttes willen, fo fehen fie, daß fie nichts — 
vermögen, und daß fie nicht nur ein klein Werck oder teidem, 
Wercklein um GOttes Willen leiden und vertragen 

mögen. Wir fehen, wie ung EHriftus vorgangen ift 

in Armuth, Elend, Verſchmaͤhung bis in den Tod: Als 

fo müffen wir denfelben Weg auch gehen, wollen wir 

anders mit ihn in den Himmel kommen. Dans In der An⸗ 
EHtt fonft nicht Fan demüthigen, fo laͤſt er ung offt in MOtuns 
Schande und Zrübfat fallen, daß es vor iederman erz fi fein er, 
baͤrmlich ift, auf daß wir in uns felbften geniedriger keuuen. 
werden; denn inder Anfechtung lernet der Menfch fich 

felber erkennen, wie er iſt oder waserift. Denn mans 

cher Mensch ift in Diefer Welt verdorben, dem PS 

> andere 


| 844 PB.IT.E, 23. Dom Gebeimniß des Creutzes, 


anders gefehlet, denn die Anfechtung. Wenn du es 

recht bedaͤchteſt folteft du Dich von Hertzen freuen, und 

dich nicht unwürdig duͤncken, daß man dich verſchmaͤ⸗ 

here, und dir Leid anthäte, daß du es um GOttes willen 

leiden folteft: Denn wen GOtt die Ehre und die 

Geligkeit gönnet, daß er Das Kleid des Leidens um 
feinetwillen hier in Diefer Zeit an ihm tragen fol, es ſey 

Alles Creutz auswendig oder inwendig, das iſt ein lauter Zeichen 
ein Beben der Liebe GOttes, und führet den Menſchen zu feinem 

eigenen Grund, daß er Sich felbft vor nichts halt, mehr 

denn ihn iemand. halten mag. Welcher Menfch uns 

ſerm HErrn JEſu Chriſto nachfolgen will, der muß 

der Natur und ihrer verkehrten Luſt Urlaub geben. 

Man findet der Leute viel, die GOtt gern nachfolgten 

ohne Leiden und Arbeit, und dieſelben ſuchen in ihnen 

ſelbſt Troſt, Friede und Freude; da wird denn nichts 

zug aus. Cqxiſtus muſte leiden und ſterben und alfo 

* in feine Zerrlichkeit eingeben: Demfelben Hertzog 

unfers Lebens follen wir allegeit nachfolgen, der ung 

das Paniet des bittern Leidens fo treulich hat vorge 

—— mit ſo groſſer Gedult inwendig und auswen⸗ 

dig. Darum ſollen alle wahre Nachfolger CHriſti 

— * demüthiglich auf ſich nehmen das Ereuß ihres Leidens, 

und dafjelbe gedultig und fröfich tragen um EHrifti 

willen, wovon es auch herkommt, es fey verfchulder oder 

unverfchuldet, inwendig oder auswendig, fo gehet er 

mit EHrifto durch fein Leiden in die Herrlichkeit. Wir 

fehen ja, daß mancher Menſch der Welt dienet und 

nachfolget um ein wenig verganglicher Ehre und 

Ruhms willen, und fich froͤlich fein ſelbſt vergeihet, und 

was er hat, und waget fich in ein fremdes fand und 

Krieg, um zeitlicher Ehre und Gute willen: Golten wir 

um die ewige Cron nicht defto williger fechten und ſtrei⸗ 

ten? Es ift im Creutz ein groſſer Sieg, wie du an deir 

nem HErrn Chriſto ſieheſt. GOtt iſt auch im Ereuß; | 

denn GOtt giebt ſich dem Menſchen ja ſowol durch 

harte fehivere Anfechtungen, als durch Suͤßigkeit und 
Guͤtigkeit. Im Creutz iſt GOttes an 


‚wie wir zu GOtt gesogen werden, 845 


mehr denn in guten Tagen ; Denn ſo wenig das ne ur 

Flelſch behalten werden mag ohne Saltz, daß es nicht N nayzıs 

faul werde, fo wenig mochte der Menſch GOtt wohl⸗ fs. 

gefallen ohne Leiden und Anfechtungen. Ja ie mehr 

der Menfch durch Ereus geſenckt wird in den Grund 

der wahren Demuth, ie mehr er gefenckt wird in den 

Grund des Göttlichen Weſens: Denn wenn fich der 

Menfch recht gründlich demüthiget, fo Fan fih GOtt 

nicht enthalten wegen feiner geoffen Guͤtigkeit, er muß 

fich ſencken und-gieffen in den demüthigen Menfcben._ 

Darum brauchet GOtt mancherley Mittel, den Dien, Barum . 

ſchen zu demuͤthigen, und in das Erkaͤnntniß feiner muß gedes 

Nichtigkeit zu bringen, auf Daß er des Menfchen Wil⸗ mütbiget 

fen zu nichte mache, daß er GOtt diene ohne eigenen" =, 

Pillen; welches denn GOtt fonderlic) lieb iſt. Es 

ift auch offenbar aus vielen Syempeln der Heiligen, daß Erempet 

fie mit hatten Anfechtungen geplagt gervefen, und nice der Pl 

haben koͤnnen erlöfet werden, bis fie ſich ganglich und 

gruͤndlich dern Willen GOttes ergeben und feiner gnaͤ⸗ 

digen Vorſehung, und fich ganslichverleugnet und auf⸗ 

geopffert, alſo, daß fie ſich ergeben, die Zeit ihres Lebens 

ſolch Ereuß zu tragen, wo es GOtt gefiele, und dadurch 

find fie bald erloͤſet, nemlich durch eine ſolche Demuth 

und Gehorfam, und Aufopfferung ihres eigenen Wil⸗ 

lens: Denn da hat GOtt erlangt im Menfchen, was 

er wolte,nemlich die Berleugnung fein felbft, um welcher 

willen der MenfchdasEreng leiden mufte- 
Letztlich haft du auch aus dem lieben Creutz diefe Niemand 

Lehre, daß du wiffen folt, daß Dich niemand beieidigen Öelebiger, 

Fan, wo du dich nicht felbft beleidigeſt durch Ungedult felbers 

und Zorn. Du iereft, wenn du meyneft, du ſeyſt von 

dieſem oder jenem beleidiget; denn was Fan dich anderer « 

Leute Spott, oder Verachtung, oder Verleumdung be 

leidigen, wenn du in der Stilleruhig und gedultig blei⸗ 

beit? Glaube mir, die gange Welt kan dich nicht beleidis 


gen, wenn du ohnellngedult und Zorn bleibeft. Schweig 


fill, als ein Todter im Grabe, und fiche, was Dir die 
sange Welt thun kan: Warlich, ſie thut nichtsanders, 
| denn 


846 9.1. €, 23. Dom Bebeimniß des Creutzes. 


Der Gedult denn daß fie Dir eine Krone bereitet Deines Lobes bey 
—— GOtt. O welche ſchoͤne drey Grade hat die Gedult, 
fen.» im welchen Der rechte Sieg ſtehet: (1) Leiden ohne 
Murmeln: (2) Nicht allein Truͤbſal leiden, ſondern 
dieſelbe um der Liebe CHriſti willen begehren: (3) Sich 
in der Truͤbſal freuen: Das iſt der allermaͤchtigſte und 
ſtaͤrckſte Sieg. | 
Gebet. 


Ay. Geſch. Ein GOtt, ich weiß, daß wir müffen durch viel Träbfak 
14. 0,22, ing Reich GOttes gehen; aber du meift, wie Fleiſch und 
Blut fich fperret, diefen Weg zu gehen. Ach getreuer Vater, 
höre nicht auf mich zu lieben und Gutes zu thun, ob ichs 
gleich nicht verſtehe. Lehre du mich recht erkennen die Ges 
x.Cor. 12, heimniffe des Creutzes CHriſti; und wie dadurch die Welt 
2.32. Son mir abgefehret wird, fo laß auch mich durch daffelbige 
Hebr. 12. vor der Melt bewahret feyn, daß ich nicht mit ihr verdam⸗ 
® met, fondern wie ich mit allen deinen Rindern der Züchtiz 
gung, alfo auch mit ihnen des verheiffenen Erbes theilbafftig 
werde! War iſt doch mein Leiden gegen bie Leiden derer, die, ob 
fie fchon bey deinem Dienft Aufferlich nichts als Schläge, 
2.Cor. 2. Gefängniß, Angſt Noch und Trübfal hatten, gefteiniget, zer⸗ 
v. 4.5. hackt, geſtochen, durchs Schwerdt 'getödfer wurden, unıgiens 
a zu. gen in Pelgen und Ziegen-Fellen, mit Mangel,mit Trübfal, 
v 36. 37.38. mit Ungemaͤch, doch ben dir gehalten, und deine Schmach höher 
geachtet haben, als ale Schäge der Welt. Derer Ende gieb 
Hebr.ız. mir, mein. GOtt, anzufihauen, und ihrem Glauben nachzu⸗ 
v7. folgen, in heiliger Stille des Hergeng, ohne Murren willig und 
gedultig zu leiden ; und in allem Leiden dich zu preifen, der 
du bift Hochgelobet über aeg in Ewigkeit! 
2 A ME N. 





= 


Summa DEO ſoli gloria, laus 


& honor! 


Dem groſſen GOTT allein 
Soll alle Ehre ſeyn! 


N E)o LE 


Regiſter 


NH 0897 


Regiſter 
der Capitel dieſes dritten Buchs 
vom wahren Chriſtenthum. 


1. Von dem groſſen und inwendigen Schatz eines erleuchteten 
Menſchen 734 
2. Durch was fuͤr Mittel ein Menſch zu ſeinem inwendigen 
Schatz kommen ſoll, nemlich, durch den wahren lebendigen 
Glauben, und durch Einkehrung in ſich ſelbſt. 741 
3. Im Glauben iſt der gantze Schatz des inwendigen Men⸗ 
ſchen, nemlich GOtt, CHriſtus, der Heilige Geiſt, und das 
Reich GOttes. RE: 750 
4, Wie eine gläubige Seele GOtt inwendig in ihr felbft fuchen 
fol; und von ver Schönheit und Seligfeit der Seelen, fo 
mit GOtt vereiniget iſt. 757 
5. Wie ein Menſch in GOtt kan gezogen werden; Ingleichen: 
was geiſtliche Armuth ſey; und von den Graden und Staf⸗ 
feln der Demuth. wi. N 
6. Wie fich das hoͤchſte ewige Gut offt in unfern Seelen ereig⸗ 
net in einem Augenblick, und die Statt und Sig GOttes fey 
inmn der Seele. A 765 
7, Bon der Seelen Würdigfeit, von wahrer Neue, und vom 
ggaͤdigen Willen und Erbarmung GOttes. N BFH 
8. ——— iſt hertzlich und gruͤndlich, und leitet uns zu 
ihm ſelbſt. 774 
9. Wie der wahrelebendige Glaube dag Herg reiniget von den 
Ereaturen, von dein boͤſen Zuneigungen, und von Ungedult; 
“ dagegen aber Liebe und Gedult pflantzet im Creutz. 778 
10. Wie das natuͤrliche Licht in uns muͤſſe untergehen, und das 
Gnadens⸗LLicht muͤſſe aufgehen. 782 
11. GOtt iſt allein der Seelen Licht, und leuchtet von innen 
heraus durch Ehriftliche Tugenden und Wercke gegen den 
Naͤchſten, fonderlich im Richten und Urtheilen. 738 
12. Ein Chriſt fol zum weniaften des Tagegeinmal von allen 
äufferlichen Dingen fich abwenden, und in den Grund feis 
nes Hertzens einkchren; und was er davon für groffen Nu⸗ 
Ben hat. ty93 
13. Wenn die Eiche der Ceatuten ausgehet, fo gehet GOttes 
Liebe cin; und von den herilichen Wuͤrckungen und Effecten 
der Sottlichen Kiebe in ung, ) 79 
14. Eine iede Chriftfiche Seele, die eine Wohnung GOttes feyn 
« fol, muß mit aroffer Gedult bereitet werden, und die Liebe 
GOttes behalten; und was die Liebe fiy und würde. - 799 
15. Daß JEſus CHriſtus dag ewige Wort des Vaters in den 
glänbigen Hertzen feine Wercke verrichte, durch a 
* ins 





848 Regiſter. 
Einſprechen und Reden; und wie ſolches durch Mittel der 
Liebe geſchehe: Auch wie er ſich in der Demuth offenbaret 
und su erkennen giebt, 8002 
16. Wie der Heilige Geiſt empfangen werde, und wie er unverz 
hindert in unfern Seelen würcke. 807 
egenee kan, daß der Heilige Geiſt in unſerer 
Seele ſey. Eger 
18. Die Welt mit ihrer Kurtzweil treibet aus den Heiligen 
Geift, und führer ein den Welt:Geift, welcher die Seele 
ihrer höchften und edlen Ruhe berauber, 813° 
19. Bon dem innmendigen Gebet des Herkeng; und vom 
rechten Verſtand des Vater Unſers. 817 
20. Demuth muß in den Grund des Hertzens geleget werden, 
darauf alle Wercke des Menfchen müffen erbauet werden, 
oder es fällt alles zu Grunde, was der Menfch in feinem 
gantzen Leben erbauet hat: Und wie durch Demuth der 
Satan überwunden werde, wie in der Demuth wahre Buffe 
fen, wig Demuth dag Ereug willig frage, und dag Herg in 
Ruhe halte. ' 2 324 
a1. Ein Menfch foll feine Luft und Freude nicht haben an den. 
Gaben, fondern an GOTT felöft; und von Verleugnung 
fein felbft. —— 829 
22. Wie unſere Wercke GOTT wohlgefallen; wie wir bey. 
GOtt Gnade erlangen moͤgen, und gerecht werden; auch 
tie ein Menfch feiner Gaben, fo er von GOtt empfangen, - 
leichtlich mißbrauchen , und die Seele fhändlich beflecken 
fan; und wieer feiner Gabenrecht gebrauchen fol. , 832 
23. Bon dem Geheimniß des Creutzes, wie wir dadurch zu 
GOtt gezogen werden. 838 





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Erklaͤrung des ae Bildes des vierdten 
\ uchs. 


Jer ſind wiederum zwey Jungfern, da in der 

erſten ihrem Hertzen abgebildet iſt die Geſchicht, 
welche im 2. Buch Moſe am 3. Capitel beſchrieben 
iſt, da ſich der HErr dem Moſi, der ſeine Schuhe 
ausziehen muſte, in der Wuͤſten aus einem feurigen 
Buſch geoffenbaret, und fein Weſen zu erkennen ge⸗ 
geben. In der andern Jungfer Hertzen iſt abgebil⸗ 
det der Himmel mit ſeinem Donner und Blitzen, 
und die Erde mit ihrem ſchoͤnen Getreyde und 
Garten⸗ Fruͤchten. Womit wird angedeutet, daß 
GOtt durch die groſſe Welt, aus Himmel und Ers 
den und «illen Ereaturen, die darinnen find, gar deut⸗ 
lich zu erkennen fey, 


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Das Andere Jaupt-Bild des vierdten Buchs. 

Hier ift zu fehen eine Buchdruckerey, da etliche Käften mit 
Buchſtaben ſtehen welche ın ihre Fächlein eingetheilet find. Da 
können nun die Buchftaben, fo lange fie, ein ieder an feinem Drt, 
in dem Kaften liegen, nicht gelefen werden, big fie zufam es 
feger werden, da fie gantze Worter und eine Schrifft machen, da 
kan man ſie fein lefen. it wird abgebildet, mie GOtt feine 
Wercke in der gangen Welt ausgebreitet, und ieglicheg zu feiner 
Zeit und an feinem Drt verrichtet; aber am beften fan man fie 
erkeunen, wann man fie fein zufammen feet, und andächtig bes 
frachtet. Denn da wird man darinnen lefen und erkennen den 
großmächtigiten Schopffer, und fehr groffe Luft an feinen Wer⸗ 
den haben, F 
Pſalm ı 1. verſ. 2. 

Broß find die Wercke des 4ren, wer ihr achtet, 
der bat eitel Luft 5 can. Aa 
NH Wercke der ratur, fo weit und-breit 

Vertheilet und zerſtreuet, 

Die nimm und fee fie zufammen, _ 

So wirft du, wie mit lebendigen Flammen, 
Den Schöpffer fichtbarlich drinn abgemahlet fehn 

WVonr deinen Augen ftehn. 

Dis geofe Welt⸗Gebaͤu mit aller feiner Zier 
Stellt ung des Meifters Groͤß und Schoͤnheit für. 
So mancher Himmels-Kreig, ſo mancher Stern - 

Die Lufft Durchwandert nab und fern, 

So manche Blum in Garten, auf den Auen, 
Es manches grünes Kraut im Fühlen Thal zu ſchauen, 
So manches Thier, fo mancher Baum in Waͤldern, 

So manche Korn⸗Aehr auf den Feldern, 
So manches Siegel hat der Schoͤpffer ausgedruͤckt, 
in deren jedem etwas Goͤttlichs blickt: 
So manches Zeugniß dringt fich ins Gemuͤthe 
Ron feiner Weisheit, Machtund Gute 
Wie ſelig iſt, der dis mit Fleiß zuſammen füget, 
Studiret GOttes Wunder Tag und Nacht. 
Und nimmt des HErren Thun und Wercke wohlin acht: 
roch ſel ger, der fein Lob mit Mund und Handenrügetz 
Am felgjten, der GOtt und fich daraus erkennt, 
Sich felber haffen lernet, 
Und gegen dem, der ihn fo freundlich koͤrnet, 
In beiffer Gegen⸗Lieb entbrennt! 


DER Pu 


Dom 





ſtenthum; 
LIBER NATURE, 
Wie das groſſe Welt/Buch der 


Natur, nach Chriſtlicher Auslegung, 

von GOTT zeuget, und zu GOTT fuhret: 

Wie auch alle Menfchen GOtt zu lieben Durch 
die Ereaturen gereißget, und Durch ihr eigen 
Hertz uberzeuget werden: | 


Dur) 


Herrn JouanneMm ARNDT, 
weiland General - Superintendenten 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg ꝛc. 

Matth. VI. v,2$. 


Schauet die Kilien auf dem gelde, wie fie 
wachfen, u 


Pfal. XCIV. ».9. 


Der das Ohr gepflantzet hat, ſolte der nicht hören? 
Derdas Auge gemacht bat, folce der nicht ſehen? 


Pſal XIX. v1. ' 
‚* Die Aimmel erseblen die Ehre GOttes. 


Im Jahr Chriſti 1741. 


RI 00 RE 0 
Vorrede 
über das vierdte Buch. 


Die Creaturen find Hande und 
Bothen GOttes, die ung zu GOtt 
fuͤhren follen. — 
. &ol.1.0.16.17. Durch ibn iſt alles geſchaffen, was 
im Himmel und auf Erden iſt; das Sicht— 
bare und Unfichtbsre, beydes die Thronen 
und Fuͤrſtenthuͤme, und Aerrfchafften, und 
Obrigkeiten: Es ift alles durch ibn und in 
‚ibm gefebaffen, und er ift vor allem, und es 
beffebet alles in ibm. 


Re Er groffe Prophet Mofes hält ung 
Mim Bud der Schöpfung für 
DB} } zweyerley gewaltige Zeugen GOt⸗ 
az 57 tes: Erſtlich die groſſe Belt, und | 
denn die kleine Welt, das iff, den 
Menſchen. Don diefen beyden nimme-die 
Heilige Schrifft herrliche Zeugniſſe an vielen 
Drten, beyde aus der groffen Welt und aus 
des Menſchen Hertzen, durch welche ung der 
Schoͤpffer und Erhalter aller Dinge geoffen⸗ 
baret, und in unſer Hertz gebildet wird. 
um 8ollen demnach in dieſem Buche ſolche 
Ken Bu beyde Zeitgniffe,erftlic der groffen Welt, dar- 
nad) auch der. Eleinen Welt, einführen, und 
are fernen, wie die Creaturen gleichfam als Hande 
son. oder Handleiter und Bothen GOttes feyn, fo 
ung, Chriſtlicher Erklärung nad, zu GOtt 
und Chriſto führen. SW 
Serra Achte derowegen unnöchig zu beweifen, 
Veeen DAB AUCH DIS Buch zum wahren u 
—— gehoͤre, 







Zween Zeu ⸗· F 
gen GOt⸗ 
tes. 


Vorrede. 851 


gehöre, wie ihnen etliche möchten cin Widri- gottes in 

ges. traͤumen laſſen. Wollen fte aber ie Bes re sreatue 

weis haben, fo nehmen fie denfelben aus ob- auc Jum 

geſetztem Spruch, Co ı. und aus dem Ex- um 

ordio und Eingang des Evangelii Johannis, 

und andern fehr viel Orten Aires und Neues 

Teſtaments: Bedencken auch, was dir Koͤ⸗ 

nigliche Prophet David im 19.104, 139, Pſalm 

finat: Ingleichen was St. Paulus zum Roͤm. 

am s. v. 22, von der Angſt der Creaturen 

ſchreibet, und 1. Eorinth, i5. verſe 52. von der 

Auferfiebung der Todten, ſo werden fie 

mir gütlicher und guadiger ſeyn; werdens Bleichnife 

auch unfern; Erloſer JEſu CHriſto zu gute vermum 

halten, daß er aus dem groffen Welt Bud) gmemmen. 

der Natur durch fo viel troͤſtliche Gleichniſſe 

das wahre Chriſtenthum und das Himmel⸗ 

reich erklaͤret, und ſeinen Kindern vor Augen 

ſtellet. Sie moͤgen auch die heiligen Sacra⸗ 

menta aufheben mit ihren Subſtantialien, fo 

zu Zeugen und Siegeln der Gnade EOttes 

verordnet, und aus dem groffen Welt Buch 

der Natur genommen und gebeiliget ſeyn. 

So werden ihnen aud antworten die heilis 

‚gen Vaͤter, Ambrofius, Bafılius, Theedorerus, 

und andere, die von den ſechs Tagewerden 

der Schoͤpffung Herrliche Buͤcher gefteller. 

Laſſen demnach denfelben hiemit aufs Ereafpiut 

kuͤrtzeſte, aber mit ſattem Grunde geantwor-jum tote 

tet ſeyn, und fagen al: Daß ein wahrer dm. 

Chriſt der Ereaturen GOttes gebrauchen ſoll 

zur Erkaͤnntnißz, Lobund Preiß GOttes, auf⸗ 

daß in allen Dingen GOtt gepreiſet werde, 

durch CHriſtum IEſum unſern HErrn. 
Hbh 2 Wie 


852 | Vorrede. 


wie , Wie ung aber die Creaturen zu GOtt 
son führen, mercke alſo: GOtt thut gleich als cin 
foren. liebreicher Vater, der. ein Kind zu ſich ruffer, 
und gewöhnets mit füffen Worten, Mills 

denn nicht bald kommen ſo wirffter ihm einen 

Apffel oder Birne zu, oder einen ſchoͤnen bund⸗ 

ten Rod, wie Iſrael feinem Sohn Zofeph, 

1. B. Moſ. 37.0.3. nicht aber darum, daß dag 
Kind den Apffel oder ſchoͤne Kleid ſoll fo Lieb 

haben, daß es an der Gabe hangen und £ieben 
bleibe, fondern es foll ander Liebe des Baters 
hangen und des Gebers: Alfo laffers unſer lie⸗ 

ber Vater im Himmel dabey nicht bleiben, 

daß er ung mit fo holdſeligen und freundlichen 
Worten dur die Propheten und Apostel zu 

fih ruffet, fondern giebt und wirfferuns auch 


noch viel guter Baben zu, viel fruchtbare 


Seiten vom Himmel, und erfüllet unfere 
Hertzen mit Speife und Freude, Aboſt. 


Gefid, 14. 9.17. welches eitel Dande und Boten - 


GOttes fenn, die ung follen zu GOtt führen, 


und ung feine Liebe bezeugen und einbilden, 
aufdag wir den Geber felbjt inden Creatu⸗ 
ren und Gaben empfangen follen. 


wette Aberfiche nun, wie uͤbel du thuſt, dur elen⸗ 


rich Der Menfd), daß dur an der Gabe Fleben bieie 


Ben Eleben 


an denn heſt, am einer Hand voll Gold und Silber, 
vergeffen Haufer, Aecker, weltliher Ehre und Luſt; 
des Beben. welche doc vor GOttes Augen nichts anders 


feun, denn ein Apffel oder Birne, dadurd) dich 


GOTT will zu fich ziehen und locken: Und 
wenns aud) ein Rönigreidh ware, Ja eben ' 


darum hat GOtt den Menſchen fo mangel 


hafft, fo dürftig, fo elend achaen aac pr d 
oß, 


— Pr 


Vorrede. 853 


bloß, hungrig, und durftig auf dieſe Belt laß 
fen gebohren werden, auf daß ihn GOtt mit 
fo vielen Wohlthaten, Gaben und Geſchencken 
zu ſich ziehe, auf daß der Menſch GOttes Liebe 
in allen Dingen ſchmecken moͤge, auf daß er in 
den flerblihen Creaturen den unſterblichen 
GDtt finden möge, auf daß der Menfch lernen — 
ſolle, daß der ewige unſterbliche GOtt baß er⸗ wort tan 
freuen, tröften, ſtarcken, erhalten koͤnne, denn gar 
die vergaͤnglichen und flerblichen Creaturen. töten als 
Der groͤſte Bote und Legat GOttes aber,ren. 
und das groͤſte Geſchencke, und die ſtaͤrckeſte 
Hand GOttes, die ung zu GOtt führen ſoll, 
it IEſus CHriſtusGOttes Sohn; in dem 
ift alles, und alle Fuͤlle, der ſtrecket feine Hand 
aus in allen Creaturen: Denn alle — 
find durch ihn gemacht, Job. i. v. 3. Es 
beftehet alles in ihm, Eoloff. 1.0.1. Er 
halt und trägt alles, Hebr. ı. v. 3. 

Darauf fahen wir nun an den erften 
Theil dieſes Buches, nemlich die ſechs Tage- 
werde der Schopffung GOttes in genere und 
insgemein zu befhreiben, zum Erfänntniß, 
Lob und Preis des Schöpffers. | 

Dom WMenſchen aber infonderbeit ſoll im 
andern Theil hernach folgen. Und damit 
niemand zu geſchwinde urtheile, will ich ihn 
gewiefen haben auf den Beſchluß, fo zu Ende 
des andern Buchs iſt angeheffters Denn ich 
diefe meine Schriften nad) den Libris Symbo- 

kcis der Kirchen der Augfpurgifhen Con⸗ 
feßion, und nicht andere, will vers 
fanden haben, - 


Ahh >77 





854 B. WV. Er. Vom erſten Tagewerck GOttes, 


Der Erſte Theil 


Bierdten Buche, 


Bon den ſechs Sogeivercen der 
Schoͤpffung GOttes insgemein. 
Das 1. Eopitel, 
Dom een Zagavırd GOttes 
dem Licht. 


u B. Moſ. 1. v. 3 Goi⸗ ſprach: Es werde Licht. 
Und es ward Licht. MM. 104.0.2. Licht iſt 
Sein Bleid, das du anbaft. 1.%0b.1.0.5. 
iſt ein Licht, und iſt keine Finſterniß in ihm. 





— a Bivolder heil. Hiob C. 38.0. 19. ſpricht 
wied A Welches ift der Weg, da das Licht 
von ir J wobnet , und durch welchen Weg 
forung und iR tbeiler ſich das Licht? Haſt du gefe= 
ee —hen die Thore der Sinfterniß? Mit 
handel. welchen IBorten der heilige Mann andeutet, daß nicht 


wohl zu erkennen noch zu befchreiben, was das Licht 
fey, und daß der Urſprung des Lichts aller Vernunfft 


unbegreifflich fey; denn ob wir gleich durch den Aus 


genfchein etwas davon willen, fo iſt es Doch ein gerin⸗ 

ges Woͤrtlein, das wir Davon vernommen haben: Den= 

noch follen wir das geringe Woͤrtlein zu GOttes Ehre 
‚gebrauchen. 

a8 Bas Das Licht ift der cdelfte, fubtifefte, teinefte, weils 

Sicht Pa fefte Candor, Schein oder Klarheit, fo in der Schoͤpf⸗ 

füng von der Finſterniß der groffen Welt gefchieden, 

indem der Schoͤpffer Das Licht heiffen hervor leuchten 

aus der Finfterniß, dadurch die Welt erleuchtet, er⸗ 

freuet, unterfchtedlich erkannt, und gang weislich und 

wunderbarlich offenbaret, ja, dadurch das Licht des 

Lebens , nach etli icher, Meynung, der groffen Welt 

influirt, und allen Kreaturen einverleidet morden: Aug 

— Candore und weiftem&chein die hoͤchſte Clarität 

und 


dem Licht. 855 


— — —— — — 

und Diaphanität it in die Globul oder Kugel der Sonnen, 
als in dasrechte Tage “Gicht aufammengeaffet, ER Tag 

zu erleuchten und zu regieren, Jar, 3 1. 6.3 Darum 
" auch der allmachtige — das Sie den T Tag. 
genennet hat, 1. B. Moſ. r. 

Weil nun einem Chriſten Sebähret, die Creaturen ie 
GOttes mit geiftlichen Augen alfo anzufchauen, Daß iz auf 
er GOtt feinen Schöpffer darinn fehe, und aus Den unter 

Wercken den Werckineiſter preife; So wollen wir kienn 
uns damit beluftigen, wie das Licht oder die Sonne ce aus der 
ein Zeuge GDttes und EHrifti ſey. FR 
Schluͤſſen demnach alfo: Hat GOtt fo ein fehöes — 

nes, anmuthiges, erfreuendes, lebendigmachendes, kla⸗ * 
ves, hellſcheinendes, glaͤntzendes Licht geſchaffen; wie 6 Ott eu⸗ 
viel ein ſchoͤner, herrlicher, erfreuendes und lebendig: se. 
machendeg Ficht muß ex felbft feyn? ‘Darum fraget Der 
Interpres oder Dolmetſcher St. Diomyfii: Warum 

GOtt das Licht zuerjt erfchaffen? Und antwortet: Quia 

ab ipfä divina luce plus quam intelligibili, ftatim emanat 

lux omnium fimillima DEO. Das iſt: Weil don dem 
Goͤttlichen und überverftandlichen Kicht felbften alsbald 
entfpringet das Licht, fo unter allen GOtt am gleiches 

ſten. Darum nennet er Eucem imaginem bonitatis 

DEI, das Licht ein Bildniß der Göttlichen Guͤtigkeit, 

und fügt: Lux fuperintelligibilis, das überverftändliche 

Licht feyi in GOtt; Lux intelligibilis, das verſtaͤndliche 

Licht in Engeln und Menſchen Lux vifibilis, das ſicht⸗ 

bare Licht in der Sonnen, 

‚Und weil GOtt das Licht zu dem Ende geſchaffen, Ba 
daß dadurch alle Creaturen in ihrer eigenen aufferz p Deal 
lichen Form, Geſtalt, Zierlichkeit und Lieblichkeit er- — 
kanntu und unterſchieden werden; ſo iſt daraus zu ſchluͤſ⸗* — 
ſen, daß ein ander verborgenes Ficht feyn muͤſſe, dadurch 
alle innertiche Form und Geftalten aller Erenturen er⸗ 

Fannt werden: Vor welchem Licht fich nichts bergen ‘ 
* es ſey fo heimlich als es wolle, Und daſſelbige 
iſt die ewige Weisheit GOttes, welches nach rechter 


* des natuͤrlichen erſchaffenen Lichts genannt wird 
ha Can- 


Das Licht 
der Gon⸗ 
nen net 
vor Kdg 
tes Liebe. 


856 B.IV.T.ı. Vom erſten Tagewerck GOttes 


— Tu REN a 
‚Candor zternz lucis, ein Glantz des ewigen Lichts, 
Weish. 7. v. 26. 

Davon ſagt St. Dionyſius: Gleichwie das ge- 
fi haffene Licht die ſichtbare Welt verwaltet, ordnet, re⸗ 
gieret und erfuͤllet: Alſo das überverjtänbliche Licht, 
Lax fu serintelligibilis, erfüllet und erleuchtet alle übers 
himmliſche Geiſter mit dem geiftlichen Licht, veiniget 
auch alle Seelen, und giebt ihnen Die Gemeinſchafft des 
Lichts, vertreibt die Finſterniß, theilet mit erſtlich den 
Anfang eines geringen Lichts, darnach wenn ſie das 
Licht ſchmecken und erkennen und init groſſer Begierde 
entzuͤndet werden, ergeuſt ſichs mehr in ſi ie, nachdem 
ſie viel und groſſe Luſt und Liebe dazu gewinnen, und 
wie viel fie faffen toͤnnen. Derhalben Lux fuperintel- 
ligibilis, das Überverftändliche Licht, übertrifft alles 
Ficht, als der erfte Strahl und uͤberflieſſendes Licht, 
und. erleuchtet alle Geiſter von der Fülle feines Lichtes, 
und. begreijft in fich, als der Urſprung ‚alles Lichtes, 
altes geiſtliche, englifche, vernünftige, und natürliche 
List, und machet unfterblich, Denn ‚gleichwie Die 
Unwiſſenheit die, fo verführet feyn, fcheidet von dem 
Licht: Alſo Die Gegenwart Lucis fuperintelligibilis, des 
über verftändlichen Lichts, ſammlet, pereiniget, macht 
vollkommen, und erlediget von Unwifferheit und Irr⸗ 
thum alle, fo erleuchtet werden, und wendet fie zudem, 
Das wahrhaftig ift, und beinget Die mancherley Phan- 
tafeyen i in eine einige lautere Wiſſenſchafft, und erfüllet 
ſie mit einem einigen und vereinigenden Lichtes So weit 
Dionyſius, ic, 

Se leuchtet auch aus der Sonnen Licht eitel reine, 
‚innigliche, heile und brünftige Liebe GOTTES, 
Denn wen hat GOTT die Sonne gefchaffen ? 

Nicht ihm ſelbſt. Er darff Feiner Sonnen und Feia 
nes erſchaffenen Lichts. Ex Mt ſelbſt das ewige uns 
endliche Licht. Darum hat er uns die Sonne ge⸗ 
ſchaffen. Sie leuchtet uns. Darum leuchtet GOt⸗ 
tes Liebe aus der Sonnen. 

Und weil die ewige ea: GOttes eine  foche 

Eonne 


Sonne und Ficht ift, die ung in allen Dingen GOttes 
Liebe und Güte zeigt, ſo wird Diefelbe nach Art und Ei⸗ 
genſchafft der natürlichen Sonne und des Lichts gez 
nannt Imago bonitatis Divine, ein Bild der Goͤttli⸗ 
chen Guͤtigkeit, Weish. 7.0. 26. | 
Das bicht giebt. allen Dingen Ordnung, Zeit, Ziel, Licht giebt 
Maaß und Unterfehied: denn ohne das Licht waͤre tie 
"Unordnung und Confufion in allen Dingen: Darum nung. 
iſt das Licht ein ‘Bild der Aßeisheir GOttes. 
| Das kicht wendet alle Dinge zu ſich durch feinen 
Glantz und Schönheit: Alſo EDttes Güte ziehet alles 
nach fich und zu fich, als dem erjten Urſprung, da alle 
Dinge ihre Ruhe finden und ihre Erhaltung. ; 
Sehet, wie reine it das Kicht der Sonnen, und Fan Licht it 
nicht beflecfet werden? Unendlich reiner und fincerior, —— 
unbefleckter iſt GOttes Liebe gegen uns. Darum weil - ." 
die Weisheit GOttes ein ſolch unbefleckt Licht ift, ſo 
wird fie nach Art der Sonnen genannt Speculum fine 
macula, ein unbefleckter Spiegel der Sottlichen Kraft, 
Weish. 7. v. 20. # —8 
Sehet, wie das Licht fo reichlich, mildiglich, uͤber⸗ giche feuf 
fluͤßig ausfleuft aus der Sonnen, Alfo gehet GOttes Wberfläfie 
Liebe uberflüßiger, ja unendlicher 4 über ung. Sonnen. 
Die Sonne ift unpartheyiſch, fie mißgonnet Feinem 
Menschen ihr Licht: Alfo gehet GOttes Liebe über 
alle Welt. Sehet, wie inniglic) das Licht der Sons 
nen ift, und gehet aus dem inwendigften Weſen der 
arg Alſo inniglich und herslih ift GOTTes 
iebe. i 
Ferner ift zu betrachten, weilder allmächtige GOtt Wie da⸗ 
der groffen Melt und den leiblichen Dingen ein Auf gun pa 
ferlich Licht gefchaffen, ob er denn nicht auch ein geift- Sonnen 
üch innerlich Licht der Seelen verordnet habe? Denn Kiger bon, 
das iſt ie natürlich zu ſchluͤſſen: Hat GOtt den leibs lichen Licht 
lichen Dingen, oder dem Leibe des Menſchen ein fo ya sscen. 
ſchoͤn Licht verordnet, fo hat er vielmehr ein innerlich Stein 
Licht der Seelen verordnet. Dis Licht der Seelen iſt Hr Fr. 
GOtt ſelbſt, unfer Hm IEſus EHriftus, und der 
Dhh 5 Dil, 


858. B.WV.E,r. Dom erften Tagewerck GOttes, 


Heil. Geiſt, von welchem unſer Verſtand durch GOt⸗ 
tes Erkaͤnntniß im Glauben erleuchtet wird. Mache 
Dich auf, werde licht; denn dein Licht koͤmmt, 
und die Herrlichkeit des HErrn gebet auf über 

) dir, ef. 60,9. L, Kahrade 0 Mine 
Sonue em Gleichwie nun die Sonne die Welt erleuchtet: 
Alfo erleuchtet CHriſtus unfere Seele. Das iſt das 
7 wabrbafftige Aicht, welches alle Menfchen er⸗ 
leuchtet, fo in diefe Welt kommen, ob. r.verf. 9. 
Darum wird er von dem Propheten Malachia die 
Sonne der Berechtigkeit genannt, E. 4. v.2. Und 
GOtt wird von St. Jacob C. 1. v. 17, genannt ein 
Dater des Kichts: Und der Heil. Geift ift in einer 
Senerflammen im Munde. der Apoftel. erfchienen, in 
GSeftalt feuriger Zungen, Apoft. Geſch. 2.0.3. Aus 
dieſem ewigen Licht kommt num das Licht der Gnaden, 
das Licht der Weisheit und Erkaͤnntniß GOttes, 
das Licht der Wahrheit und des Lebens, das Licht der 
Freude, das Licht des Troſtes, das Licht der Herrliche 
teit GOttes, das Licht des Glaubens und aller Chriſt⸗ 
lichen Tugenden. * 
Licht die Was Licht iſt die hoͤchſte Zierde, Schmuck und 
böchfteBier" Herrlichkeit der Creaturen; darum jtehet gefehrieben: 
suren. Licht ift dein Aleid, das du anbaft, Pſalm 104, 
v. 2. Und der heiligen Engel Zierde und Schmuck ift 
die Alarbeit des HErrn, Luc, 2. 0.9. Im ewigen 
Leben wird der Auserwehlten hoͤchſter Schmuck ſeyn 
ib die Klarheit und Licht: Die Gerechten werden 
leuchten wie die Sonne in ihres Daters Reich, 
Matth. 13.9 43. Dan. 12. v. 3. Welches in der 
Dftenhanine, Johannis vorgebildet durch das Weib 
mit der Sonnen bekleidet, Offenb. Fol. 12. v. 1. 
Ja, gleichwie das Licht Die fihönfte Zierde und 
Schmuck iſt in diefer verganglichen Welt: Alſo void 
das ewige Licht die hachfte Zierde und Herrlichkeit 
ſeyn der zufünfftisen Welt, des bimmlifhen Jeru⸗ 

ſalems, Offenb. Joh. 21.0. 102, 

Zemehe Se mehr Lichts, ie edler Geſchoͤpff; als wir feben 
an 


I RAR E BR 2 dem Zicht. 859 


an Engeln, an Sonne, Mond und Sternen, an Edelz Lichts, ie 
gefteinen, an Metallen: Aulfo ift auch die Tugend ein Ein Or 
fchönes Licht, und alle Gaben der Auserwehlten wer⸗ 

den aus ihnen leuchten im ewigen Leben, Darum 
diefelben einander übertreffen werden, wie die Sonne 

und Sterne einander übertreffen in ihrer Klarheit, 

1, Cor, 15.9. 41. | 9 
Das Licht erfreuet und bringet Freude mit ſich: Das Licht 
Was wird aber dag ewige Licht vor Freude mit ſich erfreut 
bringen, wenn der Tag des ewigen Kichts wird anbres 

chen? Solt uns das ewige Lichf nicht mehr erfreuen 
Tonnen, denn das -vergängliche Licht, welches viel 
Truͤbſal auf Erden beicheinen muß? Ä 

Das Licht erwecket die Schlafenden: Alſo ENTE Das tigt 
ftus unfer Ficht weckt ung auf vom Schlaf der Suͤn⸗ erwecket. 
den: Wache auf, der du ſchlaͤfeſt, ſo wird dich 
CArıftus erleuchten, Eph. 5. v. 14. 

Das Licht zeiget uns den Weg: Alſo ſpricht Dar Licht 
EHriftus unſer HERR: Ich bin das Licht der dhn den 
Welt, wer mirnachfolget, wird nicht im ginſter 
wandeln, fondern das Kicht des Lebens haben, 

Joh 8. v. 12.C. 12.02.46, 
Das Licht fuͤhret mit ſich eine verborgene Lebens⸗ Das Licht 
Krafft: Alfo it EHriſtus unſer HErr ein folch Licht, Fihret mit 
in welchem war das eben, und das Leben iſt das Krafft, 
Licht der Menſchen, Joh. 1.0.4. Der Err iſt 
mein Kicht, und mein Zeil, und meines Lebens 
BKrafft, Pſ. 27. v. 1. | — 
Das Licht kan man ohne das Licht nicht ſehen: Das Licht 
Alſo Tan man GOtt ohne GOtt, ohne EHrifto, ohne hithet ns 
dem Heiligen Geift nicht erkennen: In deinen Kicht gict. 
feben wir das Licht, Pſ. 36.0. 10, 

Das Licht vertreibet die Finfterniß, und die Geifter Das Licht 
der Finſterniß: Alfo vertreibet GOttes Licht in ung, die gingen, 
das it, EHriftus, den Unalauben, und alle Wercke ug. 
der Finſterniß und des Satans. GOtt muß auch) 
in uns ſprechen: Es werde Licht, wie im Wercke der 
Schöpfung. Darum fagt der 18. Mal, verf. 29. 

Du 


‚860 B.W.E.ı. Dom erften Tagewerd BÖttes, 


Du erleuchtet meine Leuchte. Der JERR 
mein GOtt machet meine Sinfterniß licht. Auf 
Daß er erfcheine denen, die da figen im Sinfterniß 
und Schatten des Todes, Luc. 1.0.79. Ich fabe 
einen Engel vom Himmel berab ffeigen, von wel⸗ 
ches Blarheit die Erde erleuchtee ward, Dffenb, 
Na OR RR | 
Aufferdem - Nenn des Tages Licht hinweg weicht, fo gehet die 
a Nocht und die Sinfterniß an, und gehet das finftere 
nie» Licht, der Mond, auf, als das Nacht⸗Licht: Alſo ift 
auffer CHriſto eitel Finfterniß, und das rechte Nachts 
Licht der Vernunfft verfinftert den Verſtand. 
Der Son - Gleichwie nun diejenigen närrifch thun, die me 
Ta it von dem Mond erleuchtet werden wollen, als von Der 
dern vorz Sonnen: Alfo thun die viel narrifcher, fo mehr wollen 
eben erleuchtet werden von der Welt⸗Weisheit, als von 
EHLNG der Gottlichen ervigen Weisheit. So naͤr⸗ 
riſch es ift, wenn einer des Tages bey einem Licht befr 
fer fehen wolte, als bay der Sonnen: Alfo naͤrriſch iſts, 
wenn einer durch die Welt⸗Weisheit beffer fehen und 
Elüger feyn wolte, alsdurch die Weisheit GOttes, wel⸗ 
heit CHriſtus. O Thorheit, wenn einer meynet mehr 
erleuchtet zu werden durch die Erentur, als durch den 
Shöpffer! Wer mich hier vecht verftehet, der hat den 
Anfang zu der Göttlichen avigen himmilifchen Weis⸗ 
heit, welches der 2.19. Pſalm fo emfig fuchet, und. das 
Buch der Weisheit Salomonis. | 
ee Die Sonne ift eine Zierde des Himmels: Alfo 
elite EHriftus der HErr iſt eine Zierde ferner Kirchen, und 
dx, des neuen Himmels und: Erden in der zukunfftigen 
Herrlichkeit, da offenbar wird werden vor aller Auss 
erwehlten Augen, wie er iſt der Glantz der Herrlich⸗ 
keit ſeines Vaters, Col. i. v. 159. und das Ebenbild 
ſeines Goͤttlichen Weſens, Hebr. 1.0.3. ı 
Das Ei — -Dasticht giebt und macht eine liebliche Wohnung: 
testiche  Alfo wohnet GOtt in einem Richt, . Tim. 6.0.16. 
Wohnung Alſo bar er auch das himmliſche Jeruſalem zu einer 
lieblichen Wohnung gemacht: die Stadt — 
nr eis 





dem Licht. 861 
keiner Sonneund Mondes; fondern die Herrlich⸗ 
Beit des „ren iſt ihr Richt, und das Laͤmmlein 
BOttes erleuchterfie, Dffenb. 2 1.0.23. | | 
Das Licht offenbaret alles: Alſo Tan fich nichts Das Sit 
Bor den unendlichen Licht GOttes verbergen, was ya auf 
im Himmel und Erden iſt, auch: was in allen Bei- ſchen Bes 
feern, in allen Seelen der Menſchen verborgen ift, * | 
Hebr. 4. verf. ı2. 13. alſo, daß fich auch der ge⸗ Dffenbaret 
vringſte Gedancke des menfchlichen Hergens vor GOtt les, 
‚nicht verbergen Fan. Unſere unerkannte Sünde 
ſtelleſt du vor dich ins Kicht vor deinem Ange⸗ 
ficht, Pſalm 90. verf.g. Du verfteheft meine Ge- 
dancken von ferne, Pſalm 139.0.2. Die Weis⸗ 
beit GOttes gebet durch alle Geifter, wie ſcharff 
fie ſeyn, Weish. 7.0. 23. ! a | 
Das Licht theilet fich allen Erenturen mit, und Das Licht 
‚ergeußt fich über Die gange Welt: Alſo theilet ſich Batch 
EHDtt allen Ereaturen mit, fonderlich aber den Mens Ereaturen; 
foen, und iſt feine Freude und Luft, den Menfchen Gutes 
EEE N 0 N 
Das Licht und die Sonne ift auch endlich ein Zeuge Das zicht 
der Verklaͤrung unfers Leibes und Seele in der Auf a 
erftehung. Es geſchicht zwar Die Verklärung unferer Hörung un, 
Seelen zum Theil in diefem Leben durch den Heiligen ferer£eiber. 
Geiſt; Nun aber fpiegelt fich in uns allen des 
HErrn Blarheit mit aufgedecktem Angeficht, 
und wir werden verklaͤret in daſſelbe Bild von 
einer Blarheit in die andere, als vom Geiſt des 
ren, 2. Cor. 3. v. 18. ber cs iſt nur ein gerin⸗ 
ger Anfang, und iſt gantz unvollkommen: Dort aber 
wird Leib und Seele verklaͤret werden mit ewiger un⸗ 
aufhoͤrlicher Klarheit und Herrlichkeit, wie St. Pau⸗ 
lus ſagt: ine andere Blarheit bat die Sonne, 
eine andere der Mond, eine andere die Sternen, 
1,&or. 15.90.41. Alſo wirds auch feyn in derAuferz 
fichung der Gerechten: Die Lehrer werden leuch- 
ten wie des „immels Glantz, und wie die Ster⸗ 
nen immer und ewiglich, Dan, 12. v. 3. Die Ges 
| rechten 


⸗ 


* 


852 B. IV. C. 1. Dom erffen Tagewerd Gottes, 


vechten werden leuchten wie die Sonne in ihres 

Vaters Reich, Matth. 13.0. 43. 
Berfikun Deſſen Bild ift die Verklaͤrung CHriſti, da fein 
ep ME Antu leschrete wie die Sonne, und fein Bleid 
ver Ba weiß ward wie der Schnee, Matth. 17. verf. 2. 
—* „Das war der himmliſche übernatinliche Glantz oder 
2. meiffes Kicht der ewigen Sonnen. Alſo glaͤntzete 
und feuchtete das Angefiche Moſis viel heller denn 
die Sonne, alſo, daß es die Kinder Sfrael nicht anz 
fehen kunten um der Klarheit willen, und daffelbe 
2.3. Mof.daher, weil GOTT mit ihm gevedt "hatte, 2. Bud) 
34, 0.29% Mof. 34. verſ. 29. 2. Cor. 3. verſ. 7. und war Doch 
Mofes nur wenig Tage bey. dem HErrn geweſen; 
Was wird denn für eine Klarheit aus ung (euch 
ten, wenn wir GOtt ewig werden beywohnen, und 
bey ihm feyn allezeit? Moſis Angeſicht leuchtete 
ſchrecklich: CHriſti Angeſicht aber lieblich in ſeiner 

Rerklärung. 

Ingleichen Offenb. ob. r. verf. 16, leuchtet das 
Angeficht deffen, der die fieben Sterne in feiner 
Hand hatte, wie die Sonne: Und alſo wird ung 
Das eroige Licht, welches ift CHriftus, an jenem 
Qage verklaͤren daß der gantze Leib wird erleuch⸗ 
tet — wie der Blitz, Matth. 6. verſ. 22. Luc. 11. 


verſ. 3 

n allen * Beſchluß iſt auch zu wiſſen, daß der güs 

—A tige Schoͤpffer ein reines und anmuthiges Licht als 
len Dingen eingeſchloſſen habe, wie die wiſſen, ſo 
die natürliche Separation und Abſonderung verſtehen, 
und die Puricat und Reinigkeit alle Dinge recht 
philoſophiſch ſcheiden Fönnen von der Impuritat, Uns 
veinigkeit und Finſterniß: Und alſo koͤnnen alle 
Dinge natuͤrlich gebracht werden in ihre Klarheit: 
Denn das iſt ihre natürliche Verklaͤrung, und ein 
herrlich augenſcheinlich Zeugniß der Verklaͤrung un⸗ 
ſerer Leiber am juͤngſten Tage, wenn alle Unſau⸗ 
berkeit von Leib und Seele hindan wird geſchieden 


ſeyn. 
Gebet. 


dem Licht. De 
See. 


Hfetmästiger GOTT und Vater, ich preife dich daß du haft 1.5. Mof, 
wollen das Licht fiheiden von der Finfterniß, und durch 1. v. 5. 
das Licht deine Gefchöpffe fihtbar und erfennilicd machen. 
Was wären alle deine Gefchopffe, o HErr, wenn fie nicht 
durchs Licht offenbar würden ? Du haft nach deiner heiligen 
Weisheit alles Licht der untern Welt in die Sonne zufanımen 
gefaffer; aus derfelben flieſſet ohne Unterlaß dag Kicht, durch 
welches ale irdifche Geſchoͤpffe ihr Wefen, Erhaltung, Leben, 
Krafft und Wahsthum haben. Dig edle bimmlifche Liche 
ergeußt fich in fie, wird aber von und in ihnen mit vieler un- 
reinen irdifihen Finſterniß verdecket und überhäuffet, daher 
das Licht in ihnen wenig fehen, als welchen du die Augen Matth. s. 
oͤffneſt. Wie fol ich aber dich, o ewiger Vater, genug prei⸗ v. 1. 
fen , dag du meine Seele nicht haft wollen laffen im Finſtern 
bleiben, fondern derfelben läffefi aufgehen die Sonne der Ge⸗ 
rechiigkeit, JEfum EHriftum, deinen Sohn, in welchem du 
alle Dinge zufammen verfaffeft, bende dag im Himmel und Eph.e.v.ıo, 
‚auf Erden ift? Du fendeft ihn; und feine Freude if, daß er | 
ale das Licht der Welt, gebe der Welt dag Leben: Aber lei⸗ 
der! enttweder die Finſterniß begreiffer dieſes Kicht nicht, oder Joh. ı. 
bedecket und verhindert es fo, daß fehler das Licht in ung. 4-5. 
Sinfternißg wird. Ach HENRN mein GOTT, verleihe mir, Mattb.6. 
daß ic) des natürlichen Sennen-Lichtg recht gebrauche zu deir syarıg, H 
nem Dienft und Ehren, dabey mich ſtets der herrlichen Klar: y. 2. : 
heit, in welcher deine Gläubigen einmal leuchten werden, er- Dan,ı2,0,3, 
innere, und nach felbiger ringe. Laß auch in meiner Seelen 
aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit, EHriftum JEſum, und 
in derfelben eine Geftalt gewinnen, daraus zu vertreiben alle Gal-4.v.19, 
Liebe und Wercke der Sinfterniß. In der Natur wickelt fich 
nad) und nach das himmliſche Licht aus der irdifchen Finfterz 
niß hervor, wirfft dieſelbe durch eine natürliche Scheidung son 
fich, und erfreuet mit feinem wunderbaren Glanß deine verborz 
gene Fremde. Ach, laß dag, was ich inder Natur fehe, in mir 

| geile gefchehen. Laß deinen Geift in mir erwecken die Gabe 

Ottes, die in allen Gläubigen ift, Laß ihn alles unreine von ı. Tim, ı. 
mir fcheiden, mid) durch Abtoͤdlung meines fündlichen Slei-v.6. 
ſches zu einem beffern Leben erneuern, mit dir vereinigen, und 
endlich herrlich verklären, durch Jfſum Chriſtum 
deinen Sohn, — HERAN, | 
men, 


BE) ol 





Das 





864 B. W. C. 2. Dom andern Tagewerd GOttes, 


wei Das 11. Capitel. 
+. Dom andern Tagewerf GOttes, 


den Himmel. 


Wie der Himmel ein Zeuge GOttes iſt, 
und der Ihönen Bohrung der | 
| Seligen. 

1. B. Moſ. 1.0.6.8. Und GOtt ſprach: Es werde 
eine Zefke zwiſchen dem Waſſer. Und GOtt 
nennete die Kefte himmel. Pſalm 104. v. 3. Du 
woͤlbeſt es oben mit Waſſer, du faͤhreſt auf den 
Wolcken als auf einem Wagemund geheſt auf 
den Fittichen des WMindes. Pſalm 19.0, ı. Die 

Himmel erzehlen die Ehre GOttes, und die 

Leſte verkuͤndiget feiner Haͤnde Werck. 
aAllhie wird (EBwol viel Diſputirens iſt unter denen Theolo- 
gehandelt RRs und Philofophis von der Materia und Sub⸗ 
Yon Er⸗ u Itans des Himmels; ſo wollen wir uns doch 
fhafung Daran genügen laffen, daß GOtt der HErr fpriht: 
and Weſen Sir expanfıo inter aquas: Es fep eine Feſte swifchen 
De dem Waſſer. Welches im Buch) Hicb erfläret wird: 
1.8.Mof. Expandes fortia zcher: ſicut fpeculum fufum? Wirſt 
18.6 du ven Himmel mit ibm ausbreiten, der feſt iff, 

wie ein gegoflen Spiegel? Hiob 37. v. 18. 
‚Daraus nicht unfüglich Fonte gefchloffen werden, 

daß die Tefte zwifchen dem Waſſer, das iſt, der Hims 

Was der nel, ans Waſſer gemacht fey, welches das Wort Scha- 
Himmel mojim andeutet. Doch wollen wir hie mit niemand 
ip? sanken, und fagen: Daß uns die Ordnung der Ele— 
mæente zu erkennen giebt, daß der Himmel fey das aller- 
beftändigfte, reineſte, ſubtileſte, Elävefte, lauterſte We⸗ 

ſen der groſſen Welt oder der Waſſer und Lufft, ge⸗ 

Himmel ip ſchie den von aller elementarifchen Grobheit; ein durchs 
feiner Cor- fcheinender, klarer, unverganglicher Eorper, welcher 
ruption un® · don wegen der Meinigkeit Feiner Corruption unter 
rc worffen : Denn er iſt von derſelben abgefchieden, 
darum Ean Eeine Corruption oder Verderbniß — 

allen, 






\ 


* J dem HKimmel. — — 
Lim —— —— —— —— —— —— — 


fallen, und Fan ſich mit der Unreinigkeit nimmermehr 
„vermengen. Denn es find zwey contrarie Nauure, 


wibderwartige Naturen. Er iſt voller wunderbarli⸗ Himmel ik 
cher Keaffte, alle untere Dinge zu regieren, und durch kuud. 


die Hand des Almachtigen geftellet in die allerzierlich⸗ 
fe überaus raumefte Form der unbegreifiichen Runde, 
auf. daß nicht allein in dieſer Circkel-Runde die 
weite Ausbreitung der Luffe, auch die Waſſer⸗ und 
Erd⸗Kugel beſchloſſen und gehalten werde, alſo, daß 
kein Element von feiner Staͤtte weichen mag; (um wel⸗ 
cher Urſach willen der Himmel das Firmament oder 
die Feſte genennet wird) ſondern daß er auch allen Ele⸗ 
menten ſeinen Einfluß durch Die Runde gleich austhei⸗ 
len koͤnte. | 


Darum, was das Weſen des Himmels anlangt, Himmel it 


fo fehet die Erde an, wie ſchwartz, grob, Dick fie ift, dag? 


nichts grobers feyn Fan; darnad) fiehe das Waſſer 
an, wie viel fubtiler, kauterer, Elaver, veiner ift eg, denn 
die Erde. Denn ie weniger Erde damit vermiftht, ie 
reiner es ift, alfo, daß man erliche Ellen tieff hinein fehen 
- mag. Giehe die Lufft an, die abermals mehr ges 
lautert denn das Waſſer, und iſt gar Durchfichtiger, 
unbegreifflicher denn das Waſſer, fo lauter und pur, daß 
mangarnichtsinihrfiehet. Fest gedencfe nun, wie uns 
eich dieſe Eorper gegen einander feyn, die Erde ge 
gen dem Waſſer, und das Waſſer gegen der Lufft, wie 
ein groſſer Unterfcheid ift zwiſchen ihnen der Subftang 
halben; Set bedenke num den Coͤrper des Himmels. 
Der ift über Die Lufft, und das Elarefte, lauterfte We⸗ 
fen, und ie reiner Weſen, ie fpiricaahfcher und mehr 
Krafft da iſt. 
Solte nun dis wunderſchoͤne, reine, lautere We— 


ſen des Himmels mit allen ſeinen Eigenſchafften nicht ia 
erfchied» 


t 


ein herrlicher Zeuge GOttes feyn? Quid eft calum ı 


er fubtiles 
e Coͤrper. 


IE. 


& totius nature decor aliud, inquit quidam, quam lie Lehr, 
guoddam fpeculum, in quo ſammi Opificis relucer ma- Der Hifnel 
gifterium? Mas ift der Himmel und die Zierde der ein berrlis 


gantzen Ereatur, fagt ein alter Geribent, anders, Bore. 
IV. Theil, ei; ii 


2 denn 


er Zeuge 


866 B. IV. C.ꝛ. Domandern Tagewerd GOttes, 


f 


denn ein Spiegel, in welchem da leuchtet des höchften 
Werckmeiſters Meiſterſtuͤck? 
Gott dielDenn fo GOtt der Allmaͤchtige ſo ein reines, lau⸗ 
reiner and teres, beftandiges Weſen gefchaffen, welches wir doch 
ms in dieſer Bloͤdigkeit unſers Berftandes nicht ausgrůn⸗ 
mel. den koͤnnen; was muß er denn ſelbſt fuͤr ein reines, lau⸗ 
teres, ewiges, geiſtliches, unerforfchliches, unausdenck⸗ 
liches, unausſprechliches Weſen ſeyn? Und ſo er den 
toͤdtlichen Creaturen ſo einen ſchoͤnen Himmel geſchaf⸗ 
fen, in welchem ſie eingeſchloſſen und erhalten werden; 
was wird er denn den untoͤdtlichen, unſterblichen Crea⸗ 
turen für ein ſchoͤnes Haus und Wohnung erbauet has 
a. Cor.eß. ben? Wir wiſſen, ſo unſer irdiſch Haus dieſer 
vum Zuͤtten zerbrochen wird, daß wir einen Bau ha⸗ 
ber von GOtt erbauet, ein Haus nicht mit Haͤn⸗ 
den gemacht, das ewig iſt im Aimmel, und wir 
ſehnen uns auch nach unferer Wohnung, dievom 
Himmel iſt, 2. Eur. 5. d.1.2. » * 
Br, Was bedeutet Die groſſe Höhe und Weite des 
— Himmels, dagegen die Erde ein Puͤnctlein iſt, denn die 
- Himmels. unausdenckliche, unermeßliche, groſſe Gewalt und 
Weisheit GOttes? So viel hoͤher der Himmel 
iſt, denn die Erde, ſo viel find meine Gedancken 
hoͤher, denn eure Gedancken, und meine Wege 
Höber, denn eure Wege, Jeſ. y 5. v.). Davon’; 
4. Capitel weitläufftiger. 
Kundedes Was bedeutet Diegroffe Eircfel- Runde des Him⸗ 
Himmels. nels mehr, denn die Ewigkeit GOttes? Denn wie in 
einen Circkel weder Anfang noch Ende iſt: Alſo ift 
auch in GOtt weder Anfangnoch Ende, } 
Srofero- Was bedeutet die unausfprechliche Rorundicät 
eundität des Himmels anders, denn die Allgegenwart GOt⸗ 
bed 157 Denn fo der Himmel alles beichleuft, und mit 
unermeßlicher Weite alles halt, hedt und tragt, wie 
folte GOtt nicht alles beſchlieſſen, halten, heben und 
tragen? Wer mifjer die Waffer mit der Fauſt, 
und faflet den Himmel mit der Spanne, und be= 
greiffe die Erde mit einem Drepling, und Be 
| € 


dem Himmel. —667 


die Berge mit einem Gewicht, und die Huͤgel mit 

einer Mage? Jeſ. 40. v. 12. | 

In einem Circkel ift nichts unten noch oben, fondern Der Him⸗ 
“alles zugleich unten und oben: Alſo erfüllt SOTT nd 
zugleich altes. Er erfüllet Himmel und Erden, und ifE pien. 
nicht weit von einem jeglichen unter uns, denn in 

ihm leben, weben und find wir, Ap. Geh. m28, 

Und obgleich unser uns auch Menfche n und viel an⸗ 

dere Creaturen GOttes feyn, wie die Runde der Erden 
bezeuget; So hats doch GOtt der HErr alfo geord⸗ 

net, daß allent halben der Himmel oben ift, und alles 

muß gegen den Himmel über ſich fehen und ſtehen: 
Welches die unermeßliche Weite Des Circkel⸗runden 
Himmels macht. Sirach c. 43.0. 13. fpricht von der Sir. 44 
Munde des Hinmels: Br Dat der Aimmel fein" 
rund gemacht, und feine „ande haben ihn ausge- 
breitet. 

Was ift die Feſte des Himmels anders, denn Die Fefte des 
ewige beftändige Wahrheit GOttes und feines Himmels. 
Worts? Denn wer hält den Himmel, daß er nicht 
falle? Welches find die Seulen, die iyn tragen? Dder 
woran hanger er? Nirgend en, denn an der Gewalt 
des Wortes GOttes. Die Seulen des Zimmels zit⸗ Hiob a6. 
tern und entfegen ſich vor feinem Scheiten; erhalt”? 
Dre Stubl, und breiter die Wolcken dafür, 

Hiob 26.0.9.11. 

Siehe, Ean GOnes ort den Himmel alſo befe⸗ Gottes 
ſtigen, und er folte dir feine Zufage nicht halten? Er Pa J 
haͤlt und traͤget den Himmel durch ſein kraͤfftiges gene. 
Wort, Hebr. 1.0.3. und er folte dich) nicht Eönnen er⸗ 
halten, heben und tragen? 

Es fol dich aber diefer vergangliche Himmel hoͤ⸗ —5 
ber führen gu dem verborgenen Himmel, 1.3. Kon. g. er, Pim 
B.27. da das lieblichfte Weſen, da Sreude iſt 3 
Luͤlle, Di. ı 6.0.11. Welches St. Paulus das Pa⸗ 
radis und den dritten Himmel nennet, 2, Cor. 12, 

v. 2. und die Herrlichkeit, in welche unfer | lieber 
wert JEſus Coriſtus aufgenommen 1. Tim 3, 
bi ii 2 ie L6, 


8 SB. IV. €. 2. Domandern Tagewerd GOttes, 


2.16. Welches der HErr nennet feines Daters 
Aaus, da er uns die Stätte bereiter, Soh. 14. v. 2. 
Welcher auch genennet wird aller Simmel Aiminel, 
1.3. Kön. 8. v. 27. ? —* 

Dergläu Ja ,es ſoll dich dieſer vergaͤngliche aufferliche Himmel 
bigen Men in Dich ſelbſt führen, in dein eigen Hertz und Seele. 
ke Da hat auch GOtt feinen Himmel, in welchem ex 
immel. wohne. So fpricht der Hohe und Erbabene, 
457018. der ewig wohnet, deß Name beilig iſt: Der ich- 
wobne in der Aöbe, und im Zeiligebum, und in 
denen, ſo 3erfihlagenes und demütbiges Beiftes 
find,auf daß ich erquicke das Hertz der Gedemit- 
rbigten, und den Geiſt der Zerſchlagenen, Jeſ. 57. 
verf.is. Siehe, da it GOTT mit feinem gangen 
Reich indie, wie davon genugfam im dritten Bud) ge 

meldet iſt. x 
Neuer Letztlich, fo foll dich dieſer aufferliche Himmel führen 
Himmel zu dem neuen Himmel, von welchem St. Petrus fpricht: 
Wir warten eines neuen Himmels und einer 
neuen Erden , nach feiner Derbeiflung, in wel- 
ben Gerechtigkeit wohnet, 2. Petr. 3.0. 13. Denn 
‚obgleich der Himmel alfo pur und rein von GOtt ges 
macht, daß Feine Corruption und Verderbung drein 
fallen kan: dennoch fo ſind die Himmel vor GOtt 
Hiob ıs. nicht rein, ſagt der heil. Hiob C. 15. v. I. Darum 
25 auch endlich die Himmel vergeben werden, wie 
St. Perrusfagt 2.Cp. 3.0. ro. Undder 102. Pſalm 
v. 27. fpricht: Die Himmel werden vergeben und 
alle veralten, wie ein Gewand, fie werden ver- 
wandelt werden wie ein Kleid, wenn du fie vers 
wandeln wirft. Darum fpricht St. Johannes: 
"ich fabe einen netten Aunmel und einenene Erde, 
denn der erfte Himmel und die erſte Erde vers 
gieng. Und der auf dem Stublfaß,fprach: Sie⸗ 
be,ich mache alles neu, Dffenb.21.v.ı. Und der 
- Prophetfpricht: Siebe, ich will einen neuen Him⸗ 
mel und eine neue Erde fehaffen, daß man der 
vorigen nicht mehr gedencken ſoll, Jeſ. 65 8 : AB 
Was 


dern Zimmel. 869 


——— —— —— —— — — — — 

Was wird das fuͤr eine ſchoͤne Stadt GOttes ſeyn, das 
himmliſche Jeruſalem, welcher Baumeiſter iſt GOtt? 

Wer wills uns ſagen, weils kein Auge geſehen, kein 

Ohr gehoͤret, und in Feines Menſchen Hertz kom⸗ 

men, was GOtt bereitet hat denen, ſo ihn lieb 
haben? 1. Cor. 2.0.9. Darum der heil. Evangeliſt Of: Job: 
Johannes das neue und himmliſche Jeruͤſalem befehrei"" b. l. 
bet durch ſolche Dinge, ſo aus der Natur genommen, 

und in der Natur die koͤſtlichſten ſeyn, als da er ſagt: 

Die Stadt ſey als ein durchſcheinend Gold, der 
Grund von Edelgeſteinen, die Thore von Perlen, 

und ſey voll Kicht, Klarheit und Herrlichkeit GOt⸗ 

tes, diefie erleuchter an fEatt der Sonnen und. des 
Lichts. In diefem neuen Himmelwird GOttale 
les in allem ſeyn, 1. Cor. 15. v. 28. | 


# Gebet. 


FRETH hebe meine Augen auf zu dir, der du im Himmel ſitzeſt /Pſalm taz. 
Bü und lobe dich in deiner herrlichen Pracht. Du breiteſt deisv. ı. 
nen Himmel aus wie einen Teppich, du wolbeſt ed oben mir Waf: Palm 104. 
fer. So offtich den Himmel anfehe, und deffelben flüßige Nei:' * 3 
nigfeit betrachte, muß ich preifen deine almächkige Krafft. durch. 
deffen Wort die groffe und gewaltige himmlifche Eörper fo in ih⸗ Hebr.r #3 
rer Stelle undDrdnung beftändig erhalten werden,und beflagen 
meinen Unglauben, der ich in Noth fo bald vergeffe des HErrn, 
der mich gemacht hat, der den Himmel augbreitet, und die Erde Zefsı.v.1z 
gründet. Je weiter von der Erden, ie herrlicher und reiner We- 
fen! So feuffzeich ja billig in dieſem Schlamm⸗vollen Gefaͤngniß, 
in welchem auch die reineſte Lufft voller irdiſcher Unreinigkeit iſt. 
Viel eine groͤſſere Laſt und Elend aber iſt es der Seelen, irdifch Ppil.z.v.19. 
gefinnet feyn. Darum gieb mir, o getreuer Vater, durch Anz . 
fchauung des Himmels im Glauben und Vertrauen auf deine 
Allmacht und Regierung,in aller Noth geftärcket zu werden. Und 
wie du mich haſt durch CHriſtum ins himmlifche Wefen verſetzet, eyp,2.u. €. 
fo gieb mir auch himmliſch gefinnet zu feyn, von der Erden nach 
dem Himmel mich zu fehnen. Gieb mir ſtets zu betrachten die 
Herrlichkeit dee mir in EHrifto verfprochenen Erbes / da ich über 
die Sternen und fichtbaren Himmel erhöhet, eine Wohnung has 
ben werde in meines Vaters Haufe, dergleichen Fein Ohr gchd> Cor. # 
tet, kein Auge gefehen, und in feines Menfchen Hertze gefom:v. 9. " 
menift; auf daß ich in Betrachtung diefer Herrlichkeit mich mit 
der unreinen, und zum Grunde verworffenen Erden nicht bes 

Siiz flecke. 


Kom. 7: 
D. 2% 


Don der 
Erden 


und ihrem 
Grunde, 


870 B.v, E.3. Dom dritten Tagewerck GOttes " 


IT ALTE Er ee a, 
flecke. Und endlich führe meine Seele aus dem Leibe dieſes Tor 
des, und laß mich, wenn diefer fichtbare Himmel und Erde mit 
groſſem Krachen vergangen, als ein Mit⸗Erbe des neuen Hims 
mels und des neuen Jeruſalems in und bey dir feyn emiglich, 


durch IEſum Chriſtum deinen Sohn unſern HErru! Amen. 


Des III. Capitel, 


Dom dritten Tagewerck EOttes, nemlih 
von Der ae Waffer von der , 
2 From. 


Der Erden: Kreiß, fo unter dem Him⸗ 

mel mitten in der Belt ſchwebet, iſt ein Zeuge 

der Allmacht und Weisheit GOTTES, und eine 
Schatz⸗Kammer der überreichen Midigkeit des 
| guͤtigen Schöpffers. 

1. B. Moſ. 1.0.9. GOTT fprah: Es fammle ſich 
das Waſſer unter dem Himmel an fondere 
©erter, daß man das Trodene febe. Und 
GoOtt nermere das Trockene die Erde, IM. 33. 
v. 5. und Pf. 104.0.24. Die Erde ift voll der 
Büte des HErrn. 


Je Erde ift die grobefte, ſchwereſte, corporas 
lifche Subſtantz der groffen Welt, geſchieden 
> son den Waſſern, und gefeget durch die Ger - 
walt GOttes ing Centrum und Mittel⸗Punet der groß 
fen Welt unbemeglich,zu einem Receptacul und Behalt- 
niß aller himmliſchen Einflüffe: Darum fie aud) wegen 
Der Rotundität des Himmels in eine runde Kugel geſetzet, 
Die Wuͤrckung des Himmels allenthalben zu empfaben, 
und machet mit dem Waſſer einen Globum, und beftehet 
im Waſſer. Und wird dieſe Erd» und Waſſer⸗Kugel 
vonder Gewalt der Lufft getragen, durch Krafft des All 
mächtigen Worts, voller lebendiges, verborgenes uns 
fihtbares Saamens aller. ihrer fichtbaren Gewachfe 
und Früchte 
Da laßt uns nun bedencken, wie dis wunderliche 
Gebaͤu der Erden mit feinem Grunde und Funda⸗ 
* ment 


von der Scheidung der Waller. 871 


Den TEE TER EEE TE 
ment ung die Allmacht GOttes greifflich vor die Aus 
gen ftele! Denn worauf flehet die Erde? Was find 
ihre Seulen? | el 
Hier Difputiven die Gelehrten, ob die Erde auf dem —— 
Wafferſtehe, oder ob fie, als das groͤbſte und ſchwereſte ynun⸗ 
Element, das unterſte ſey, und das Fundament des 
Waſſers? Ita, ut terra ſubſtrata fir aquis: Alſo, daß Die 
Erde den Waſſern untergebreitet ey. 
Die da halten, daß die Erde auf dem Waſſer ſtehe, Die x. 
haben dieſen Spruch für ſich: Super, vel ad maria funda- 
vit eam, & ſuper, vel ad flumina præpoſuit eam: Er bat + d. 
ihn an die Meere gegründer, und an den Waſſern 
bereitet, Pſ. 24.0. 2. (Qui extendit terras ſuper aquas: 
Der die Erde ausbreiter auf das Waſſer, P.136. 
v. 6. Und der heilige Chryſoſtomus ſchreibet: Die Erde 
iſt von GOTT alſo gegruͤndet, daß ſie unter ſich das 
Waſſer habe. 
Die andern, die da wollen, die Erde ſey der Grund Die = 
und Boden des offers, haben dieſe Fundamente 
und Grunde. (1) Weil die Erde das fehmerefte Ele⸗ CH) 
ment ift, fo babe ſichs zu unterft gefegt an die unterfte | 
‚Stelle, und fey das Centrum und Mittel-Punct wor⸗ 
den der Welt, da fie denn natürlich und unbewegtich 
ruhe, und Fonne von, dannen nicht bewogen werden 
ohne mit Gewalt; waredemmach wider die Natur, und 
ein Wunderwerck, wenn fie anderswohin fallen folte. 
Denn ein teglicher Drt, der aufferhalb dent Centro iſt, 
ift höher denn dag Centrum oder der Mitte Puner. 
Darum wohin auch die Erde bewogen würde, fo muͤſte 
fie über fich fteigen, und müfte demnach die Erde, fo fie 
fallen wolte, uber ſich fallen, welches unmöglich it. 
Das hat auch) der 104. Pſalm, v. 5. andeuten wollen: 
Der du die Erde gruͤndeſt auf ihren Boden, daß Plalm 104. 
fie bleiber immer und ewiglich, Das ft: Die” * 
Erde ruhet im Centro unbeweglich, daraus fie nicht 
fallen fan. Zum (2) führen fie auch diefen Beweis, _ @) 
daß Die Schiff⸗Leute durch den Bleywurff und Inſtru⸗ 
mente den Grund und Tieffe des Meers ſuchen und 
Jii 4 finden, 


872 B.IV. C.3. Dom dritten Tagewerck GOttes, 
872% er 


finden, und erklären die Eprüche der Pſalmen von der 
2 8. Mol Scheidung des Waſſers von dem Trocknen, wie 
Wöoöſes fehreibet. | ; 

Entfebeis Es foll uns aber der heilige Apoftel Petrus diefen 
Stra Streit entfcheiden, da er richt: Die Erde iſt aus 
2. Petr. 3. den Waſſern, und in dem Waffer, oder durd) 
5”. Waffer beftanden (wie es in feiner Sprache lautet) 
durch GOttes Wort, 2. Petr. 3.0.5. Dabezeu⸗ 
get der heilige Apostel, daß die Erde im Waſſer beſtehe, 
und mache alfo mit. dem Waſſer einen G!obum, da fie 

auch im Waſſer und durch Waſſer befeſtiget ſey. 
ee Diefe ſchrecklich groſſe Waſſer⸗ und Erd Kugel, 
Hiod 26, Moran hanget fie? Aber tragt fie? Welches find ihre 
v7. Geulen? Horet, was der heilige Hiob fpricht: Er 
bänget die Erde an nichts. Das faget er darum, 
weil die groffe ungeheure Waſſer⸗ und Erd-Rugel mit» 
ten in der Welt ſchwebet, in der Lufft unter dem Him⸗ 
mel, und wird von Der Lufft in der groſſen Expanfion 
getragen, weil die Erde gleichfana in Die Waſſer einger 
9104.06. wickelt if, wie der 104. Pfalm, v. 6. fagt: Mit der 
Tieffe deckeſt du es, als mit einem leide. Und 
weil die Lufft und Waſſer eine nahe Verwandniß ha⸗ 
ben, daß fie, einander tragen, wie wir fehen an den 
Wolcken, was für eine groffe Laſt Waſſer diefelben in 
fich halten, ımd werden gleichwol von der Lufft getra= 
gen, daß fie nicht herab fallen. Denn eine folche ber. 
bende und tragende Krafft iſt der Lufft Eigenfchafft. 
Er faſſet das Waſſer zufammen in feine Wol⸗ 
den, und die Wolcken zerreiflen darunter nicht, 

Hiob 26. 0.8. k 

ge Iſts nicht ein groß Wunder, daß durch die Expan- 
Eiemen, ſion des Himmels die Welt alſo befeftiget und ums 
ren. ſchloſſen, daß die vier Elemente alſo zufammen gehal⸗ 
ten, und in einander gefuͤget feyn,daß Feines zuruͤck weis 
an chen fan? Als, daß ich ein einfältig Gleichniß gebe: 
OP In einem Ey iſt erſtlich das Klare, in der Mitten hanz 
ger die runde Kugel des Dotters, und Die beyde find 
init einem Haͤutlein überzogen, und auswendig. ifts 
mit 


von der Scheidung der Waſſer. 873 | 


‚mit einer Schale befeftiget, daß nichts weichen kan. 
Alſo hangen die Elemente in einander, und eines haͤlt 
und traͤgt das andere. Der Himmel befeſtiget alles, 

und laͤſt nichts von feiner Statt weichen ratione vacui, 
darum daß die Natur feine leere Stätte leidet. Darum 
ſchweben die ſchweren Regen⸗ Wolcken in der Lufft, und 
fallen nicht. 

Dieſe Befeſtigung des Erdbodens im Waſſer It. 
und durch Waſſer, in der Mitte und Centro der groß ahPauf at 
fen reiten Expanfion der Lufft, iſt ein überaus geoffer Ierten Lehr, 
Zeuge der Allmacht GOttes, welche uns der heilige Seren 
Hiob Cap. 38.9.4. zu Gemuͤthe führer: Wo wareſt nung der . 
du, da ich die Erde gründete? Weiſt du, wer ihr Ser iu 
Das Maß gefeuert bat? Und wer bat ide den Bi 3% 
Eckſtein gelegt? Da wir hören, daß dis Sundas " 
ment und Grund des Erdbodens Feine Vernunfft er 
forfchen mag, fondern folches.der Gewalt und Allmacht 
GOttes zufchreiben muß. Denn es ift gar ein groß 
und unbegreifflich Wunder, daß die groffe Erd⸗Kugel 
alfo im Waſſer beftehet, und doch nicht in die Tiefe 
hinein ſincket und untergehet. „Davon fagt der 46. 
Pſalm, 0.3.4. Darum fürchten wir uns nicht wenn 
gleich die Welt untergienge,und-die Berge mit: 
ter ins Meer füncken, wenn gleich das Wieer wuͤ⸗ 
tete und wallete, und von feinem Ungeftüm die 
Berge einftelen. 

Daraus tt unter andern abzunehmen, was für ein Pefenis 
groß Wunder und Gewalt, auch geoffe Weisheit GOt⸗ a, 
tes ſey, daß die Erde alfo feſt gegründet ift, und befeftirwon Bor, 
get im Waſſer. Darum fpricht die Weisheit GOttes: I Weide 

Da er den Grund der Erdenlegete, dawar ich der 

Werckmeiſter bey ihm, und da er die Berge ein⸗ 

fenddere, Spr. Salom.8. v. 29. 30. 

Dis ift nun der Erdboden, Ale welchen der al⸗ geh eg 
mächtige GOtt den Adam mit feinen Nachkommen fuctpares 
gefesethat. Pſalm ı 15.90.16, Die Erde barerden Eiement, 
Mienfehen-Rindern gegeben. Und obwol die Erde EL Ion 
auswendig ungeſtalt, ‚grob, ra dich, finſter, —* a 

Jii 


durch ihr 
Gewaͤchs· 


Verneue⸗ 


Anrede der 


Erd⸗Ge⸗ 
wächie- 


374 B. W. C.3. Vomdritten TagewerckGOttes, 


BB RETTET En 
duͤrt undEalt iſt; ſo ift fie Doch inwendig ein edles le⸗ 


bendiges Element, von dem Schoͤpffer mit vielem Se⸗ 
gen, unaufhoͤrlicher Fruchtbarkeit und Saamkraͤfften 
erfuͤllet; die nimmer ruhen, ſondern als verborgene le⸗ 
bendige Aftra immer arbeiten, und Feine Ruhe haben, 
bis fie ihre lieblichen Fruͤchte hervor treiben, und auf das 
allerziertichfte ausarbeiten, mit Form; Droportion, 
Kleidung, Geruch, Schmack und Farben, dadurch) fie 
dein Menſchen ihre inwendige Krafft und Vermögen 
anzeigen. 66 

Da treten die Erd⸗Gewaͤchſe hervor aus der Erden, 
als aus ihrer Schlaf⸗-Kammer, und haben abgelegt 
den alten Leib, und einen neuen angenommen, der zart, 
jung, bluͤhend iſt; denn der alteift verfaulet und geftorz 
ben. Giehaben den alten Rock ausgezogen, und ein 
neues Kleid angelegt; denn das alte war zerriffen, vers 
wefet, ungeftalt, und haͤßlich worden, hat die Farbe, 
Geftalt und Geruch verlohren. | | 

Alsdenn fahen fie an, durch ihre ſchoͤne verneuerte 
Seftalt und edlen Geruch und Farbe mit uns zu ve 
den; denn das iſt ihre Sprache. Als wolten fie fagen: 
Sehet ihr Menfchen= Kinder, ihr Unglaubigen, wir 
waren todt, und find lebendig worden. Wir haben 
unfern alten Leib und Kleider abgelegt, und find neue 
Sreaturen worden. Wir haben uns erneuert in no- 
ftro fonte, in unferm Ursprung. Fieber ihr auch eu- 


E&ph.4023.ren alten Menſchen aus, und ziehet den neuen 


Menſchen an, Eph. 4.0.23. 24. Erneuert euch 
such in eurem ewigen Urſprung, welcher it GOTT 
euer, Schöpffer, nach welchem ihr gebildet ſeyd. Und 


ſo ihr das thut, werdet ihr in dem groffen Sommer des 


jüngften Tages, nachdem ihr euren alten verwesli⸗ 
hen Leib abgelegt, wieder hervor gehen aus der Er⸗ 
den, gleichtwie wir, mit neuen Leibern, mit fehönen Kleiz 


- dern der Verklärung, r. Cor. 15. v. 42. ſeqq. welche 


ſchoͤner leuchten werden denn unfere Narben, die wir 


ietzo mitgebracht haben. Unterdeffen weil ihr in Diez 


ſem elenden Leben waller, forger nicht für euren 
E: Leib, 


von der Scheidung der Waſſer. 877 


Leib, Matth.6. v. 25. Sehet, wie ſchoͤn hat uns unſer 
Schoͤpffer aufs neue gekleidet, mit ſo ſchoͤnen Farben, 
und hat uns nun ſo viel tauſend Jahr daher, ſeit der er⸗ 
ſten Schoͤpffung, alle Jahr einen neuen Leib und ein neu 
Kleid gegeben, zum Zeugniß ſeiner Guͤtigkeit. Sehet! 
wir geben euch alle unſere Kraͤffte; denn unſere Krafft 
dienet ung nicht felbft, ſondern euch. Wir bluͤhen uns 
nicht ſelbſt, ſondern euch: Ja GOttes Guͤtigkeit bluͤ⸗ 
bet: auch in ung, und ihr moͤget wol fagen, daß GOttes 
Güte in ung blühet, und ur. mit ihrem Geruch buch 
uns erquicket. ; 

Ber fiehet nun nicht auhier unter dem Erd⸗Ge⸗ Erd⸗Ge⸗ 
waͤchſe allein viel taufend Zeugen der Liebe, Güte Mihleokl 
und Allmacht GOttes? Da hat. SHOT TE: zugerüftet gen Gi⸗ 
eine groſſe Apotheck und em groß Kräuter Buch, gang tes. 
wunderlich und vollkoͤmmlich geſchrieben. Das iſt ein 
lebendiges Buch, nicht wie man die Kraͤuter in Bir 
‚chen befchreibet, und.als einentodten Schatten abmah⸗ 
let; fondern in GOttes Buch finds lebendige Buchſta⸗ 
ben, welche allen Menſchen, Groß und Kleinen, Selehrt 
und Ungelehrten vor Augen geſtellet werden: Allein, 
daß ſie Tin von iederman recht gelefen werden koͤn⸗ 
nen, madıt, daß fi jie die fehöne herrliche Signatur oder 
Zeichnung der Krauter nicht kennen. Diefelbe muß man 
zuvor wiſſen, fo kan man diefe herrliche, fehone, lebendige | 
Buchſtaben lefen und sufammen feßen.- | 

Bedencke allhier die Weisheit and Glligkeit Kraͤuter 
Gottes! Du wirſt an iedem Kraͤut⸗ und Bluͤmlein gen ge" 
ſonderliche Zeichen finden, welche ſind die lebendige Weisbeit 

Handſchrifft und Lberfchrifft GOTTES, damit ein) tig 
iedes Kraut gezeichnet nad) feiner" verborgenen Kraft, 
fo kuͤnſtlich, fo wunderlich, fo zierlich, daß fie Fein Künfts 
ler wird fo eigentlich nachmahlen Eönnen. Ja, ‚mit 
der aufferlichen Form und Proportion zeigen fie offt 
an ihre verborgene Kraft. Denn eines hat die Ger Signatur 
ftalt eines Haupts, ein anderg die Geſtalt und Signa⸗ der PR 
tur der Augen, das dritte der Zähne, das vierdte der 
BungeN, das fünffte der Haͤnde und Fuͤſſe, Das rechte 


# 


876 B.IV. €. 3. Vom dritten Tagewerd GOttes, 





des Hertzens, der Leber, der Blaſen, der Nieren, der 
Wunden und dergleichen. Und das liegt da vor dei⸗ 
nen Augen allenthalben. So bald du auf einen gruͤ⸗ 
nen Raſen trittſt, ſo haſt du unter deinen Fuͤſſen deine 
Zaufende Speife und Arkney. Denn in dem allergeringften 
— Graͤſslein und Saͤmlein, welches du gar gering und 
Kräutern unnuͤtz achtet, iſt gröffere ABeisheit GOttes, Krafft 
aa und Wuͤrckung als duergtünden kanſt. Denn GOit 
hat nichts unnüßes gefehaffen. Darum fiche zu, daß 
du GOtt in feinen Wercken nicht verachteft. Ich füge 
Dir, es iſt der — Theil der Kraͤuter Krafft noch 
nie ergruͤndet. 
Scheidung Wo du nicht allein die Aufferliche Form und Si⸗ 
der  gnatur erfenneft, fondern Die innerliche verborgene 
von dem Form; und Diefelbe offenbar macheft durch die Kunft 
Sn der Scheidung, daß Du heraus gieheft die Krafft, inwels 
cher die rechte Artzney liegt, die pur lautere Eſſent und 
helles Licht aus ihrem Schalen⸗Haͤuslein und Kaͤſtlein, 
darein fie GOtt der HErr gelegt hat: So wirft du erſt 
die Guͤte deines Schoͤpffers ſchmecken in feinem Werck, 
und ihn von Hertzen preiſen, daß er dem bloͤden efenden 
Menfchen in feinen Gebrechen und ſchmertzlichen 
Krankheiten folche Linderung, Hülffe und Suͤßigkeit 
geſchaffen hat. 
Seife der Siehe, wie hatder gücige Schöpffer allen Vögeln 
u und unter dem Himmel, allen Thieren, die einen lebendigen 
Ddem haben, fo wunderlich mancherley Speiſe ver 
ordnet, daß fie zu effen haben auf dem Erdboden. Da 
ſiehe, wie GOtt Speife giebt allem Sleifch, ‚nal 
\ 136,8. 25. Me 145.0. 15. Der HErt laͤſt Gras 
wachſen für das Diebe, und Saat zu Nutz den 
Menfchen, daß er Brod aus der Erden bringe, 
Palm 104.9. 14. Alſo ift die Erde eine groſſe 
Schatz⸗ und Speiſe-Kammer GOttes, , darinn ein 
groffer Segen und Vorrath vor Menfeben und Viehe, 
daß 3 33. Palm v. 5. wol fagen mag; Die Erde 
— voll der CE des Errn. 


Ein 


von der Scheidung der MWaſſer. 877 


Ein groß Wunder⸗Werck der Guͤtigkeit GOttes Speiſe des 
iſt / daß das Brod den gantzen Leib ſpeiſet, alſo daß in Biods. 
‚einem Biſſen Brod aller Glieder des gantzen aͤuſſerli— 
chen Leibes Speiſe ſeyn Fan, und theilet ſich Die Krafft 
eines Biſſen Brods aus in den gantzen Leib, da ſonſt 
alle andere Gewaͤchſe und Kräuter eitel particular ſeyn, 
auf dis oder jenes Glied des menſchlichen Leibes ent⸗ 
weder zur. Geſundheit, oder die Kranckheit zu vertrei- 
ben, verordnet, Die offt einem Glied dienen, dem andern Brod if 
nicht. Allein das Brod iſt eine Univerfal + Speife, Yukaau 
darum der ewige Sohn GDttes fich felbit das leben Speifedes 
dige Brod nennet, den gangen Menfchen an Leib, garten Lei 
Seel und Geiſt zu ſpeiſen und zu erhalten, | oh 6.0.35. 

Ein groß Wunder ifts, Daß in einem Eleinen Saͤm⸗ In einem 
dein fo ein groß Gerwächs, ja ein groffer Baum verbor- er 
‚gen liegt mit feiner ABursel, Stamm, Yeften, Blätz aanse 
‚tern, Saamen, Früchten, da ein ieder eine fondere —A 
Kraflt hat, und den Menfchen fondere Artzeney und | 

Speiſe giebt; ja daß alle Fahr folcher Saamen und 
Srüchte wwiederfommen. Das liegt alles in ſpiritu fe- 
minis, in Dem verborgenen Geift des Saamens. Da 
liegen fo mancherley Kräffte, die ich alfo austheilen in. 
fo vielfältige Groͤſſe, Breite, Hohe und Länge, Mercke 
hie, was ein Spiritus für Krafft habe. 

Siehe an, wie Gras und Kraut, fodas Viehe und Kleider 
Voͤgel eſſen deine Speiſe werden durch Milch und —— 
Fleiſch der Thiere; ja wie dein Kleid und Bette aus der Hi ei 
Erden wächfet, wenn Thier und Voͤgelein durch Gras Erden. 
und Kraut geſpeiſet werden, wie dem Schaͤflein ſeine 
Wolle waͤchſet durch geime Weyde, und den Voͤgelein 
ihre Federlein. 

Inſonderheit von Kraͤutern und Baͤumen zu re⸗ 
den, iſt hie unſer Vornehmen nicht, ſonſt koͤnte von dem 

eigen ⸗Baum geſagt werden, wie denſelben der 
HErr verflucht hat, Matth. 21. v. 19. Don dem Oel⸗ 
Baum und Oel⸗Blatt, ſo das Taͤublein Noaͤ mit 
ihm in die Archen bracht, B. Moſ 8. v. 1u. Dom 
immergruͤnenden Palm⸗Baum, Pſalm 92, verſ. a 
er 


878 B.1V. E.3. Dom dritten Tagewerd GOttes, 


FF 
Der Gerechte wird grünen wie ein Dalm-Baum. 
Don Erden, von Gewürgen, daraus Mofes das heis 
lige Raͤuchwerck machte, 2. B.Moſ. 30. 0.23. Von 
dem edlen, Eöftlichen Balſam, melcher ung den Heiligen 
Geiſt vorbildet, und die Auferfiehung der Todten, weil 
er die Todten⸗Coͤrper erhält. . Dom Wein und Wein⸗ 
ſtock und allen andern Gewaͤchſen, davon der Heilige 
Geiſt Gleichniffe nimmt und einführet, uns damit das 
: Himmelreich einzubilden. 
Fruchtbar Don der Fruchtbarkeit der Erden fast der Sr. 
er Er Pſalm, verf. 10. ſeqq. herrlich: Du ſucheſt das Land 
heim, und wöflerft es, GOttes Bruͤnnlein bar 
Waſſers die Fuͤlle. Du macheft die Erde voll 
. Seischte, die du ſchaffeſt und feuchteſt ihre 
urchen. Du netzeſt ſein Gepfluͤgtes, mit Re 
gen macheſt du es weich, und fegneft fein Ge⸗ 
965,010. waͤchs. Du Eröneft das "fahr mit deinem But, 
und deine Sußfkapffen trieffen von gett. Das ill: 
es bringet ein ieder Monat. feine eigene Fruͤchte aus der 
ae Speife z Kammer GDttes, der gütigen Erde, 
erbor, 
— Die Erde iſt unfruchtbar worden durch den Fluch 
lien ver, des Allmaͤchtigen. Aus dem Fluch waͤchſet das Un- 
Aus, kraut, fo die guten Erd-Gewächfe verderbet: Derflucht 
of. ſey der Acer um deinet willen, Dorn und Difkeln 
ſoll er dir tragen, 1.3. Mof. 3.0.17. Darum von 
G0Ott die Fruchtbarkeit und Sedeyen zu erbitten, fonft 
hilfft Fein Pfluͤgen, Fein Saͤen, Eein Bauen, noch Pflan⸗ 
gen: GOtt muß das Gedeyen darzu geben. Und der 
Pſalm fpricht : Daß ein fruchtbar Land nicht 
trägt um der Suͤnde willen derer, die drauf woh⸗ 
nen, Pſro7. v. 34. 
Zutunſſtize Cs ſoll ung aber die wunderliche, unausſprechliche 
na Fruchtbarkeit der Erden erinnern der neuen Erde, 
v7, welcher wir warten, darinnen Gerechtigkeit 
wohnet, 2. Petr. 3. v. 13. da der Fluch nicht wird 
ſeyn, wie in dieſer vergaͤnglichen Erde, die dem Fluch 
ak fondern da der sechte Segen 9— hei 
enbar 


von der Scheidung der Waſſer. 879 


fenbar werden mit ungehligen ewigen, himmlifchen Le- 
bens-Krafften, da die neue Erde wird das neue Para⸗ 

Dis ſeyn voller himmliſcher Lieblichkeit, Luft und Freude, x 
Da werden wir fagen: Flores apparuerunt in terra 

noftra, die Blumen find hervor kommen in un⸗ 

ferin Lande, Hohel. 2.0.12. O liebliche himmliſche 
Freuden Blumlein ! 

Es iſt auch eine fonderbare herrliche Zierde der Erz Berne ber 
den, daß fie GOtt mit ſo mancherleyen hohen, luſtigen Soon 
Bergen gesieret hat; davon ſagt der falm: DieBer-" 
ste geben hoch hervor, und die Breiten ferzen fich 
herunter zu dem Ört, den du ihnen gegründet 


haſt, Di. 104.08 


Die Berge find GOttes Schatz⸗Kammer, darinn Serge find 
allerley Metall durch die Natur bereitet wird, denn Belurlihe 


fie find als natuͤrliche Deftillie-Defen, darinn GOtt Defen, 
alle metalüifche, mineralifche Dinge Eochet und zeitiget. 

Und find in die Berge eingefchloffen die vier Elemente, 
Zeuer und Dampff, Lufft und Dunft, Waſſer und 
Erde. Und die Erde, darinn die metallifchen Dinge 
wachfen, find die Steine, und das Geſtirn ift der Mes 
tallen Wurtzel und Saamen. 

Es müfjen aber die Berge natürlicher Weiſe hoch In den ° 
über der Erden gen Himmel ftehen, weil die natürliche werden 
Influentz und Einfluß des Himmels und der Sternen fenderlich, 
fonderlich in den hohen Gebirgen feine Wuͤrckung hat, amumii 
in Kochung und Zeitigung der Metallen. Ja, es lehrer ensen ge. 
die Erfahrung, daß die Frafftigften Kräuter auf den hair: , 

hen Gebirgen wachſen, von wegen der Influentz und Kräuter 

Einfluß des Himmels, auch alfo, dab, wenn folche gınehet 
Kräuter von hohen Gebirgen in die Gärten gepflanget : 
werden, ſo verlieren fie ihre Kraffte; denn der Einfluß 
Des Himmels entgehet ihnen. Daher vom Hippocrate 
gefchrieben iſt, Daß er allefeine Krauter, damit ex curivet 
hat,auf den hohen Gebirgen gefammlet hat. 

Daher koͤmmts nun, daß etliche Gebirge wun⸗ 
derliche, fonderliche Gewaͤchſe bringen , inwendig und 

aus⸗ 


880B. IV. C.3. Dom drirten Tagewerd GOttes, 


auswendig, nachdem der Einfluß des Himmels iſt. 
Und iſt gewiß, wo etwa eine ſonderliche nutzbare Guͤ⸗ 
tigkeit und Einfluß des Himmels iſt, unter ſolchem 
Geſtirn liegt etwa ein folcher Berg, der dieſelbe Influentz 
Gott hat an ſich zeucht. Darum Die Berge nicht ohngefehr hie 
(enoerlid und dahin zerſtreuet liegen, wie etwa Die Kinder hie und 
aifo * dahin Stein⸗Hauffen zuſammen tragen, ſondern durch 
ſtreuyet. ſonderbare Ordnung und Austheilung GOttes liegen 
die Berge unter einer gewiſſen Influentz und Wuͤr⸗ 
ckung des Himmels. Darum ſtehet in Pſalmen: Daß 
die Berge hoch hervor gehen, und die Breiten 
ſich dabin-fegen zum Ort, den ihnen GOtt ge⸗ 
gruͤndet bat, Pſ. 104.0. 8. ENG 2 
Bere ¶Hiebey follen wir uns erinnern der Berge GOttes, 
Sorte. Das iſt, des Schutzes GOttes: Ich bebe meine Au⸗ 
gen auf zu den Bergen, von welchen mir Zuͤlffe 
kommt, Pſalm 121. v. i. Und der Kirchen GOttes: 
Laß die Berge den Frieden bringen, und die Huͤgel 
die Gerechtigkeit, Jeſ. 45.v. 8. Pſ. 72.v. 3. Sind 
zwey ſchoͤne Berge GOttes. — 

a So ifts auch eine fonderliche groffe Lieblichkeit und 
Duelle der. Zierde der Erden, daß GOTT in den Gründen laͤſt 
Brunnen. Zrunnen quellen, daß Die Waſſer zwiſchen den Bergen 

hinflieffen ; und obwol die Beſchreibung der Brunnen 
eigentlich nicht hieher, fondern zum fünfften Tagewerck 
wre. geböret, fo feget Doch in Diefem 104. Pſalm der Könis 
gliche Prophet Berge und Brunnen zufammen, weil 
aus den Bergen die Brunnen und Waſſerfluͤſſe ents 
foringen, und der Himmel eine ſonderliche Vereini⸗ 

gung hat mit den Bergen und Brunnen. it, 
Hrfprung Vom Urfprung der Brunnen und Waſſer⸗Quel⸗ 
ber Br (om, daraus denn groffe Fluffe werden, find viel Luftige 
ai Difputationes. Etliche fehreiben, daß die Aßaffers 
Quellen ihren fonderlichen verborgenen Saamen has 
ben, daraus fie wachfen, wie ein Baum aus einem Kern, 
oder aus Der Wurtzel der fich hernach in viel Zweige 
austheiler; Alſo eine Waſſer⸗Quelle theilet ſich aus 
— m 


Don Scheidung der Waſſer. 881 


in vil Stroͤme. Man findet auch Oexter, Da vorzeiz Mrfach, dag 
ten vor etliche hundert Fahren geoffe Wafſerfluͤſe her Kufehüt 
gefloſſen feyn, Die ietzo nicht mehr da feyn, und als ein vertroch 
Baum in feiner Wurtzel ausgedorret: Die Urſach " 
iſt dieſe daß die Brunnen eine gof Verwandniß has 
ben mit dem Geſtirn, das hanget alles verborgener uns 
fichtbarer Weiſe an einander, ald an einer unfichtba- 
ren Kette. Daher Eommts, daß, wo ABafferzreiche 
Duellen feyn, da ift ein gutiges Geſtirn, und ein feuchte 
bar Land; wenn aber der Himmel feine Influentz wie 
der zurück zeucht, und die AWaffer- Sterne nicht wuͤr⸗ 
cken, die Stelle aquofe & pluviales, die waͤſſerigen und: 
vegnichten Sterne, wie der Poet ſagt: Hiyades fignum 
pluviale capel'«, fb vertrocknen die Brunnen. Wieman 
fichet in groffer Dürrer Zeit, wenns lange nicht regnet, 
fo vertrocfnen auch die Waſſer⸗ reichſten Quellen, ja 
groſſe Waſſer⸗Stroͤme; darum iſts eine wwunderliche 
Contonanz und Verwandniß des Himmels und der- 
Erden. Dashatmanleiderim Fahr ı so1. erfahren, Dürrezen. 
da in Frießland und Holland fo duͤrre Zeit geweſen, 
weil es fo lange nicht geregnet, daß Eein Gras gewachfen, 
und die Brunnen ausgetrocfnet, alfo, Daß das Viehe 
die Wurtzeln des Grafes aus der Erden gefreffen, und 
ſich mit Erde begehret zu fattigen. Darauf gemeini- 
glich boͤſe Zeit erfolget. — 
Der Prediger Salomon fpricht : Alle Waſſer Walter 
Lauffen ins Meer, noch wird das Meer nicht völ- ug ven 
- ler; an den Ott, da fie berflieffen, da flieffen fieMen. 
wieder bin, Cap. 1.0.7. Obwol die Waſſer aus 
dem Meer durch die Erde dringen, und dadurch ſich 
reinigen und diftilliven von ihrer Saltzigkeit: Denz 
noch fo brechen fienicht an allen Orten aus, und wer⸗ 
den nicht Brunnen an allen Orten, fondern an den 
Drten,da GOtt will, da GOtt diefe Semina fontium, die 
Saamen der ‘Brunnen, und Influentiam cœleſtem, den 
himmliſchen Einfluß, hin geordnet und geleget hat. Darz 
um ftehet im Palmen: Du laͤſſeſt Brunnen quel-Pf- 1%. 
len. Und ihr Ausbruch und ftetiger immerwährender” 
IV. Teil, Kkk Aus⸗ 


8982 B. V. C. 3. Vom dritten Tagewerck GOttes, 








Aus fiuß iſt eine groſſe Gabe GOttes, ein groſſes Wun⸗ 


Wunder⸗ 
Brunnen. 


Pſal. 104 . 
Vv. U. 


Voͤglein 
bey den 
Brunnen. 
Nfal. 104, 


9,12. 


der, und ein Bild des ewigen Lebens. Perperui fontes, 
vireque perenmis imsge. 3 ? 

Iſts nicht ein groß Wunder, daß man Brunnen 
findet, Die ſo heiß Waſſer geben, daß man Huͤner und 
Gaͤnſe darinn brübenfan? sie viel koͤſtliche artzneyi⸗ 
{che ‘Brunnen find hin und wieder, Die man Thermas, 
warme Bader nennet? So find auch Gauerz Bruns 
nen, Salse Brunnen Bitter Brunnen, und dergleichen. 
Bey den Saramanten findet man Brunnen, die des 
Nachts fo heiß feyn, daß man fie nicht Fan anrühren, 
und de3 Tages fo Falt, Daß mans nicht trindken Fan. 
Alſo bat GOtt artzneyiſche Brunnen und Speiſe⸗ 
Brunnen geſchaffen. Darum ſpricht der Pſalm fer⸗ 
ner: Daß alle Thiere auf dem Felde trinken, und 
das Wild ſeinen Durſt loͤſche. 

Es fuͤhret aber der Prophet darum das Wild ein, 
denen GOtt zu gute die Brunnen geſchaffen, daß wir 
gedenken füllen: Sorget GOtt für das Vieh, viel 
mehr für uns. Der Prophet Soel ſpricht ©. iĩ. v. 20. 
Es ſchreyen auch die wilden Thiere zudir: denn 
die Waſſer-Baͤche find ausgetrocknet; vielmehr 
follen wir gu GOtt ruffen in unfrer Noth. 

Und weils luftigeDerter feyn; da die Brunnen und 
Büchlein flieffen, fo figen aus) dafelbft gern die Vögel 
des Himmels, und fingen unter den Zweigen. 


- Das ift eine fehone Mufic, die hat ihm GOtt der HErr 


im grünen ABald zugerichtet, auf daß fein Lob an allen 
Orten erfihalle, und die Erde deffeiben voll werde, auf 


Daß auch wir Menſchen von den Creaturen lernen ſol⸗ 
len, daß alle Ereaturen, fonderlich aber der Menfch, zu 


GoOttes Lob erfchaffen fen. . 


Guaden⸗ 
Brunu 


THriſtus. 


Hiebey ſollen wir uns auch erinnern des Gnaden⸗ 
Brunnen, des Heil⸗Brunnen, der lebendigen Quelle, 
welche iſt CHriſtus: br werdet mit greuden Waſ⸗ 
fer ſchoͤpffen aus dem Heil⸗Brunnen, Sofa; ı2. 


9% 3. Bey dir iſt die lebendige Auelle, und in dei⸗ 


nem Licht ſehen wir das Licht, Pſalm 36. ver. ro, 
| | ' Wohl⸗ 


‘von der Scheidung der Wafler: 883 


a — — — — — — ——— 
Wohlan! alle die ihr durſtig ſeyd, kommet ber 
zum Waſſer, ꝛc. Jeſe ss. vafhı. Das Laͤmmlein 
GOttes wird fie führen sum lebendigen Waſſer⸗ 
rinnen, und alle ihre Thraͤnen abwifihen, Op 
fenb. Joh. 7. v. 17. re — 
Es giebt uns auch offt angezogener Mahn, ſo auch P 1 
herrlich von dieſem Dritten Tagewerck GOttes von der penunn 
Erden, zeuget, zu betrachten frebenerlep herrliche Ger. de Se 
fhöpffe GDites, fo aus der Erden kommen, die auch Dane, 
ihre geiftliche Bedeutung,haben. Denn vors erſte ver ausderen 
der Der Prophet von der Erden insgemein, wie ſie GO Yyrı, ro M 
gegrundet, mit Waſſer bekleidet, mit Bergen gezieret, v.5-feag, 
mit Brunnen erfüllet und geſchmuͤcket; Darnach Eomz 
met er ad Ipeciem, auf die Früchte der Erden, derer ers 
zehlet ev fiebenerkey: (1) Den Than, damit GOtt die 
Berge feuchtet, wiewol Dis eine Frucht IE der Mor 
genröthe. (2) Das Gras. (3) Das Brod. (4) 
Den Wein (5) Del oder Balſam. (6) Die Baum? 
Srüchte. (7) Die Wald⸗Woͤgelein und Thierlein, fo 
auf den hoben ‘Bergen wohnen. Denn fo fügt der 
104. Dalın sr ARE — * 
L. Di feuchteſt die Berge von oben herab. Du 1, 
macheſt das Land voll Fruͤchte, die ou ſchaffeſt. Hr 
Man jieher offt mit Derwunderung an, wie die Wol⸗ Pral-104, 
cken überden "Bergen bangen, und gleichfam die Berge "3 
anruͤhren und bedecken, da die Wolcken gleichfam 
wie in einem Schlauch die Waſſer halten; wie. Hiob 
fügt, Cap. 38. va 37. Daß auch Waſſer uber den 
Bergen ſtehen; da fichet man auch; wie die Wolcken an 
den Bergen berftreichen, und ziehen wie eingroß Heer. 
Da feuchtet GDtt die Berge von oben herab, ja auch Zbau 
mit dem lieblichen Thau, welcher eine fondere Der uyd dis 
wandniß hat mit den Bergen, und da haufig faͤllet: 
wie auf dem Hermon im Juͤdiſchen Lande, der immer 
voller Thau iſt; unddie Berge Gilbog, darauf Jo⸗ 
natbanund Saul gefallen. Darum fpricht David: 
Es foll weder Than noch Regen auf fie fallen, 
2.Cam,. 10,2 I, \ 


384B. IV. C. 3. Vom dritten Tagewerck BOttes, 


L. Nun ift des Thaues Urfprung und Effect zu be⸗ 
Thaues Ur⸗ trachten. Ex utero aurorz, aus dem Bauch der Mor- 
ae genroͤthe wird der Thau gebohren, Pſalm 110, 
as die v. 3. Und die Morgenröthe iſt nichts anders, als ein 
ee Glantz der Sonne, der die fubtilen, hellen, klaren 

Wolcken erleuchtet, und durchfehimmert, gleich als 
wenn man ein Licht feet hinter ein helles Glas voll kla⸗ 
res Waſſers, fo giebt das Waſſer einen hellen Glan 
von ſich dabey man heller ſehen kan, denn vom Licht ſel⸗ 
ber. In den ſubtilen, klaren Wolcken wird durch der 
Sonnen Glantz der Thau gebohren, und faͤllet auf die 
Erde, davon der Pſalm ein Gleichniß nimmt: Deine 
Binder werden dir gebohren, wie der Thau aus 
der Morgenroͤthe. 

Etliche ziehens auf die Geburt EHrifti, daß, gleich⸗ 
wie der Glantz der Sonnen, wenn er die licht-⸗hellen, 
klaren Wolcken erleuchtet, die Morgenroͤthe gebieret: 
Alſo der Glantz der Herrlichkeit, der Sohn GOttes, 

Bert EHriftus JEſus, hat ſich mit der klaren, reinen Wol⸗ 
Corini. cken menſchlicher Natur im jungfraͤulichen deibe vers 
einiget, und iſt Menſch worden. Und alſo werden 
Geifliche noch heutiges Tages durch den Glauben und Heiligen 
ee Geiſt GOttes Kinder gebohren, ja, Durchs Waſſer der 
heiligen Tauffe, und den Heiligen Geiſt. Das gehet 
unbegreifflicher Weiſe zu, wie der Thau aus der Mor⸗ 
genroͤthe gebohren; ja alſo muͤſſen wir aus GOtt ge 

bohren werden. 

2. Das iſt nun des Thaues Urſprung. Sein Effect 
er und Nutz aber ift, wie bier der JMalın fpricht: Dumas 
Pal. 104. Heft Das Kand voll Srüchte, die du ſchaffeſt. 
v.3. Der Thau machet die Erde fehr fruchtbar, erquicket 

die verwelckten Blümlein, fo der Sonnen Hitze hat 

Woraus Ausgemattet, wenn n fie ihr Haupt niederhangen. Und 
Di Qie ſonderlich iſt der Thau der Blumen Freude und Le⸗ 
a ben; denn wenn Blumen undder Thau zuſammen vers 
einiget werden, Daraus machen die Bienen ihr Honig, 

das wiſſen fie zu temperiren und zu digeriren. Ja es 

faͤllet offt der Honig⸗ Thau auf die Blätter) ir vor 

eiten 


von der Scheidung der Waſſer. 885 


Zeiten das Manna: Alſo wird das geiftliche Honig Geifllies 
das Evangelium, aus den Himmels-Thau des H. Geiz Honis. 
ftes, und aus der edlen Blume, welche it CHriſtus, ges 
macht. Alſo muͤſſen die Früchte der Erden auch ihr Le⸗ 
ben und Freude vom Himmel haben. Der Regen er 
quicket die Wurtzeln, dev Thau die Blumen, der Reiff 
die Blatter, und machet die Koch-Krauter milde, ſuͤſſe 
und lieblich, _ | Ye je: 

| In GOttes Wort wird der liebe Sriede dem Fhau ein 
Thau verglichen, Pſaalm 133% v. 3. Denn gleichwie Srieves. 
der Thau aus der Morgenroͤthe gebohren wird: Alſo Pr. v.53. 
muß der Friede aus CHriſto kommen; und wo auch 
EHriftus lebet, regieret, wuͤrcket, du ift eitel Friede, und 
iſt das Reich GOTTES, Gerechtigkeit, Sriede 
und Sreude im Zeiligen Geift, Nom. 14. verſ. 17. 

Selig find die Sriedfertigen, fie werden GOttes 
Kinder beiflen, Matth. 5.0.9. Denn fie find aus Matthı $. 

Gott gebohren, twieder Thau aus der Morgenröthe. "7 
Darum muͤſſen wir den Friede⸗Fuͤrſten um dis edle 
Kleinod. herslich anruffen. Und wie vom Thaudie Erde 
fruchtbar wird, grunet und bluͤhet: Alſo bluͤhet alle 
unter dem Friede, Bi Steh A 

Lestlichiftdas Woͤrtlein allhier in acht zunehmen: 
Du macheſt die Erde voll Srüchte, die du ſchaf⸗ 
feſt; dab das Wort des Schöpffers, GOttes noch ar en 

kraͤfftig fey, als GOTT Sprach: Die Erde laffe auf and im 
geben Gras, Araut, fruchtbare Baͤume. Aus mer räf 
dem Worte GOttes, als aus der Wurtzel des Segens lis. 
GOttes / die nicht faulet, wachfet heut zu Tage noch als 

‚les, Und dis drünnlein GOttes bat Waſſers die 
Sülle, Pſ.65.v. 10. Die Erde iftdie groffe Speiſe⸗ 

Kammer GDttes, da ein groffer Vorrath iſt für alle 

Du Lafft Bias wach 15 Viehe,, 

U. Du laͤſſeſt Gras wachfen für das Diebe, , 
Mancher möchte dencken, was ift das, daß der Malın e 3. 
vom Gras jagt? Iſt das fo ein groß Wunder? fhiof 
O lieber Menfch, das Gras auf dem Felde iſt ein yanıraa 
herrlich Gefchopff und groffe Wohlthat GOttes; u 14- 
| Kkk z denn 


886 Bav. C.z. Vom dritten Tagewerck GOttes, 


denn wer wolte font fo viel taufend Haͤupter Vieh 
ernehren? Es muͤſte ja das Vieh un Wild ver⸗ 
ſchmachten. Welch Kammer wuͤrde werden, wenn 
GOtt einen einigen Sommer kein Gras wachſen lieſſe? 
0 es bezeuget Die Erfahrung, wenn manches duͤrres 
Jahr einfällt, daß man meynet, es koͤnne das Land fo 
viel Dieb nicht tragen noch weiden; dennoch muß das 
Vieh erhalten werden, ‚ne man nicht anders geden⸗ 
cken Fan, denn was das Dich des Tages hinweg friſt, 
das möle ja des Nachts wieder wachfen, denn auf 
den Morgen findet 68 Doch noch etwas wieder, und 
immer neues, Daß wohl die Heyden gejagt haben; Er 
Quantum longis carj#ınt armenta diebus, exigua tantum 
gelidus rosno&ereponit. Das ift: Und wieviel den 
langen Tag tiber das Vieh abfrift, fo viel erfeget Der 
 Sät&st Kühle Thau über Nacht wieder. ‘Darum wir die 
ne groſſe Gütigfeit GOttes füllen bedencken lernen, und 
Grafes, nicht, wie jenes einfältige Weiblein, meynen: Die 
fetten Ochſen und Kübe fleigen aus Dem Meer, wie 
die fetten Fiſche, wie Pharao in feinem Traum gefe- 
ben hat, Gen.41.v. 2. Darum Eönnen wir GOTT 
dem HERTN für das Gras aufdem Felde nicht 
gnugſam danceken, das doch anzufehen iſt fuͤr die gering⸗ 
ſte Creatur GOttes. Ja, die geringſte Wohlthat 
GOttes üubertrifft aller Menſchen Danckſagung: Die 
kleineſte Wohlthat GOttes iſt groͤſſer denn alle Men⸗ 
ſchen Danckbarkeit. 
Erinne⸗ Sonſt erinnert uns das Gras auf dem Felde N 1) 
Ben Grup. der Göttlichen Vorfehung. So denn GOTT das 
Kath. 6, Gras auf dem Felde alſo bekleider, vielmehr uns, 
3°. Matth. 6.0.30. 42) Unſrer Eitelkeit und Nichtigkeit: 
Alles Fleiſch iſt wie Heu, und alle ſeine Guͤte wie 
eine Blume auf dem Selde, Feſ.40. v. 6. (3) Muß das 
Gras auf dem Felde unyer Troſt ſeyn: Erzuͤrne dich 
nicht uͤber die Übeltbäter, und fep nicht neidifch 
über die Sottlofen. Dein wie das grüne Gras 
werden fie abgebauen, und wie das gruͤne Braut 
werden fie verwelcken 26, Pſ. 37.v. 1.2. 
3. Und 





. von der Scheidung der Waſſer. 887 


3. Und Saat zu Nutz den Menſchen, daß du — os 
Brod Aus der Erden bringeft, und das Brod des variın fich 
Menſchen Hertz ſtaͤrcke, Di, 104 d. 14. Aus dieſem Su er 
einigen Geſchoͤpff GOttes, dem Lieben täglichen Brod, am 104. 
‘haben wir viel und groffe Wohlthaten GOttes zu er⸗ u. 15 
kennen und zu lernen. & 
Erſtlich lerne hier erkennen GOTTES Vater⸗ og Hen 
Hertz; denn ein Vater muß ja feine Kinder ſpeiſen, liebreigen 
und thuts gern, es iſt feine Natur; Denn wo iſt eis Vater. 
Pater, den das Rind um ein Stuͤck Brod bittek, 
und er gebe ihm einen Stein dafür? Luc. 11. v. 11. 
Auf dab wir nun nimmermehr vergeffen follen, daß Warum 
GOtt unfer Vater ift, darum hat er den Menſchen Bir buyser 
Dungeig: und durſtig gelehaffen, und nicht wie einen dusfig find. 
Engel-der ohne Speiſe lebet; Auch unfer natürlicher 
Hunger und Durst folhunfer Prediger feyn, und uns zu | 
GOtt führen. Darum, fo offt du einen Biſſen Brod 
iffeft, fo iffeft du deines himmliſchen Vaters Liebe und 
Barmberkigkeit. | | i 
Vors andere lerne hier betrachten die wunder „en 
liche Dorfebung GOttes, wie GOtt der HErr einem allmädgie 
ieden Menſchen feinen Biffen Brod zutheilet, und ihn genHErru 
«mit Wohlgefallen fättiget. Lieber GOtt, es iſt ein 

groß Wunder, wenn man die Menge des Volcks auf 

‚Erden bedencket, es. bekommt ja ein jeglicher fo viel, 

daß cr fatt wird: GOtt miffet einem ieglichen. fen 
Maplein zu, wie den Juden das Himmel⸗Brod; und 

ein ieglicher Menſch auf Erden hat fernen Gegen und 

fein Theil. GOTT hat Eeinen vergeffen noch ver⸗ 
faumet, Hebr. 13. v. 5. Es muß einem teglichen das 

Geine werden. | > 

Vors dritte lernen wir am dem lieben Brod die ,,, A 

groffe Weisheit BOTTESI; denn hier ſtehet: meifn 
GOTT giebt Saat su Nutz den Menſchen, Er 
daß er das Brod aus der Erden bringe, Unſer Fon 
Brod, das wir eſſen iſt erſt ein grün Graz, daraus end⸗ fet och 
lich das Koͤrnlein waͤchſet, Daraus das Brod Erna, Kinn der 


weiches endlich in unfer Fleiſch und Blut berwandel Menfher 
KIE4 ig, FI und 





838 B.IV.E.3. Dom dritten Tagewerck GOttes, 


De wird, wenn wirgeffen. Da bedencket GOttes Wun⸗ 
Een Day bie er an ans thut, und lernet hier Das Werck eurer 
Schöpfung verftehen, wie GOtt der HErr noch heut 
zu Tage des Menfchen Fleiſch und Blut aus der Erben 
machet. Iſt Bas nicht ein groß Wunder, daß wir ſa⸗ 
eir. vomz. gen mögen: Die Erde iſt unfer aller Mutter? Sir. 
40.0.1. Daraus formiret GOtt durch feine Allmacht 
unfern Leib, Fleiſch und Blut noch heutzu Tage,dak wir 
wol fagen mögen: In GOtt leben, weben und feyn 
wir, Ap. Geſch. 17. v. 28. Die nehrende Krafft ift GOt⸗ 
tes Wort im Brod. Darum lebet der Menſch nicht 
Matth,4: allein vom Brod, Matth. 4. v. 4. 5. B. Moſ 8.0, 3. 
Denn nimmt GDtt die nehrende Krafft vom Brod, fo 
verſchwindet unfer Fleiſch und Blut, verwelcket wie eine 

Blume, verdorret wie Heu. 
(4) Zum pierdten. fast der Pſalm: Daß das 
Brod des Menſchen Hertz ſtaͤrcke. Hier haben 
ae wir Die rechte Kigenfchafft des Brods; denn aller 
Brodes. Speiſe wird die Natut mude und uberdrüßig, fo man 
dieſelbe täglich genieffet, aber des lieben Brods 
a: nicht. Das ift die Lirfache, daß das Brod eine allge⸗ 
Speik. ine meine General⸗Speiſe ift, darinn aller Speiſe Krafft 
liegt, und Daraus alle Speiſe ihre Krafft nimmt‘, gleich 
wie die Sonne cin Generalzkicht ift, daraus alle Sterne 
ihre ET te nehmen und empfaben, "Darum hat 
G em Brod aller Speiſen Eigenſchafften und 
Set eingefehaffen ‚ auf daß die Natur des Mens 
fehen mit einem Eleinen Bißlein Brod Eonte geſaͤttiget 
werden. Gleich als wenn man in ein klein Bißlein 
oder Maſſam vieler Kraͤuter Kraͤffte kan einſchlieſſen: 
Alſo iſt in einem Biſſen Brod die gantze Natım ein⸗ 
geſchloſſen. Denn der Menſch iſt microcofmus, die 
ns Welt, und der gangen Natur der geoffen Welt 
Beſchopff und Eigenſchafft iſt im Menſchen beſchloſ⸗ 
Sn einem fen: Weil nun der Menſch mit einem kleinen Biß⸗ 
Soda die kin Beod kan gefpeifet werden; derhalben fo muß in 
— einem Biſſen Brod die gante Natur eingeſchloſſen 
fehloffen. von daraus * der gemacht und g u} 


von der Scheidung der Wafler. 889 


ift: Quia ex iisdem nutrimur, ex quibus conſtamus. 
Denn wir werden aus eben Demfelben ernehret, wors 
aus wir befteben. Summa: Air effen und trinken 
eitel Wunder GOttes, feine Liebe, Weisheit und Ge⸗ 
rechtigkeit. | N 
etztlich erinnert ung das Hertz⸗ſtaͤrckende Brod „9. 
des Brods des Lebens, welches ift CHriftus: Ich ner uns” 
bin das Brod des Kebens, wer an mich gläu- EJrifi des 
bet, den wird nimmermebr bungern, und wer zu gross des 
mir koͤmmt, den wird nimmermehr dürften ; Lebens. 
Joh. 6.0.35. In Diefem Brod des Lebens find.alle a 
Kräffte des Himmels und der Exden,ja GDttes Kräffte 
zuſammen verfaffet: denn es bat GOTT wohl: 
‚gefallen, daß in ibm alle Sülle wohnen folte, 
ol, 1. v. 19. und dag wir von feiner Sülle alle 
nehmen follen, Gnade um Gnade, Soh.ı 0.16. und 
durch ibn mit aller GOttes⸗guͤlle follen erfüllee 
werden, Eph. 3.0,19. Selig iſt der Menfch,dervon 
dieſem Brod iffet. Ob wir gleich von dem irdifchen 
Brod eſſen, fo müffen wir doc) endlic) fterben: Wer 
aber von dem Brod des Lebens JEſu CHriſto iſſet, 
wird nimmermehr fterben. — 
4 Und daß der Wein erfreue des Menſchen ww. 
Gerz. Durch dis herrliche Geſchoͤpff GOttes erin⸗ Yom:ein. 
nert ung GOtt der HErr vieler Guͤtigkeit, fo er ung zus. 7 
bezeigen £uft bat, daß wir feine Freundlichkeit daraus 
erkennen follen, I 
Erſtlich hat GOTT den traurigen und be- „ 
trübten Hertzen zu gut den Wein gefchaffen: Gieb au nu 
Mein zu teinden den Traurigen, daß fie ihres Spr. Sat. 
Leids vergeffen. Da hören wir die Leutfeligkei 3" * 
und Zreundlichkeit GOttes, wie er will den traurigen 
Menſchen auch natürlich, erfreuen: Die traurige 
Seele aber erfreuet und teöftet erübernatürlich mit dem Der Heilige 
Sveuden-Mein des Heiligen Geiffes und himmli⸗ Geikrzökee 
ichen Troftes, der da herquillet aus dem lebendigen gran 9 
Weinſtock, welcher iſt CHriſtus. Don diefem weiſſa⸗ 
ger das Hohe⸗Lied Salomonis, Cap. 2. v. 4. 5. Mein 
Kkky5— greund 


890 B.W.E.3. Vom dritten Tagewerck GOttes/ 
greund führ führer mich in feinen Mein⸗Keller, er la⸗ 
ber mich mit Aepffeln, und erquicket mich mit 
Blumen. Diefen IBein haben die heil. Propheten 
getruncken; Jeſaias: Ich freue mich im Errn, und 
meine Seele iß froͤlich in meinem GOtt ꝛc. Je. 61. 
v. 10. Und David erfreuet ſich auch im Sen Pſ. 33. 
d.1. DM. 63.0. 12. 

(2) Vors andere hat GOtt den Aranden den Wein 
a sur Staͤrckung ge ſchaffen: Denn im Wein iſt ein ſol⸗ 
naeh cher ‚Spiritus, welcher eine natürliche Wärme und 

Staͤrcke den Lebens⸗Geiſterlein im Kerken giebt. Da 

ſehen wir abermal die Guͤtigkeit GOttes, und feine 
vaͤterliche Vorſorge. Dabey wir ung auch erinnern 

follen, wie GOtt unfter krancken Seelen einen ſuͤſſen 

Wein geichaffen, nemlich, dag edle Trauben⸗Blut, aus 
dem verwundeten lebendigen Weinſtock, welcher it 
EHriftus. Kr wird fein Kleid in Wein wa— 

feben, und * Mantel in Weinbeer⸗ Blut, 

— DB. Moſ. 49. v. 11. 

—— Endlich bar GOtt auch alter Leuten den Wein 
quleet ;e zu gut gefchaffen, derer Kichtlein ihres Lebens will ver⸗ 
Ailen. oͤſchen, auf daß fie es damit wieder ein wenig anzuͤn⸗ 
den und erhalten. Dabey wir uns erinnern follen des 
geiftlichen Alters der Birchen, die alt und ſchwach 

wird; gleichiwie ein natürlicher Menſch, dem das Ge⸗ 

ficht Bergehet, das Geher abnimmt, vie Kräffte vers 

föfchen; alſo verlifchet der Glaube, erkaltet die Liebe, 

| verfchtwindet die Hoffnung, und nimmt der geiftliche 

Leib der Ehriftlichen Kivchen immer mehr und mehr 

ab. Wenn des Menſchen Sohn kommen wird, 
meyneſt ou auch, daß er werde Glauben Ben: ? 
Luc. 18.001f. 8. Jeſ. 40. verſ. 29. ſeqq. hat GOTT | 
durch den Propheten verheiſſen, den Glaͤubi gen — 4 
Braͤffte zu geben, wie den Adlern, und wolle ſie 

beben und tragen bis ins Alter, bis fie grau wer- 

den, Jeſ. 46.9.4. Wenn fie gleich alt werden, 

\ N 5 ſie doch fruchtbar und friſch ſeyn, 


2 v. I 5. 
$ Lind 


von der Scheidung dee Waffe. 891 


7 Und daß feine Geſtalt ſchoͤn werde vom v. 
Oele. Dis it von dem Föfttichen Judiſchen Dal yannar- 
ſam * Narden-ABaffer zu verſtehen, damit Die Sur u. 15. 
den und Drientalifcdyen WVoͤlcker ſich gefalbet, wenn ſie 
haben wollen frölich feyn; und wenn fte Ihre Säfte ha⸗ 
ben wollen herrlich tractiven, haben fie Diefelben damit Balfam er: 
bejtrichen, davon alle Kräffte des Leibes erfriſchet feyn, BRDeS 
und der Menſch gebluͤhet wie eine Roſe. “Davon fagt Kräfte, 
David: Du falbeft mein Haupt mit Oele, Pſalm 
23.0.5. Alſo iſt der Hey CHriſtus m Simonis 
Hauſe als ein lieber Saft geſalbet worden, Matth. 26. Nattb. 26, 
v. 7, und dem andern Simoni, dem Pharifäer, wirffts "7 
der HErr var, Luc.7. v. 44. 46. Ich bin in dein 
Aaus kommen, du baft mein Haupt nicht mit 
©ele gefalber, diefe aber bat. meine Suffe mir 
Balſam oder mit Salben gefalber, Tja Diefer 
Balſam ift fo Eraffiig, daß er Die todten Corper viel 
hundert Jahr unverweslich erhält; wie zur Zeit des 
Kayfers Augujti des groffen Alerandri Leichnam ger 
funden worden in Egypten, welcher dreyhundert Jahr 
im Grabe gelegen, und noch fo friſch geweſen, als wenn 
er geſtern geſtorben. Wir werden dabey erinnert des ren 
rechten Freuden⸗Oels/ mit welchem der Sohn GOt⸗ 
tesnach feiner menfchlichen Natur ohn alle Maſſen ger 
ſalbet; Darum bat dich, GOTT, dein GOTT - 
gefalbee mit Sreuden= Oel, über deine, Mit-Be- : 
nofjen, Pſalm 45.0.8. Und von feinem Geiſt bar 
ben wie noch alles empfangen, Joh. 1.0. 16. Welches 
iſt die Salbung, die uns alles lehret, als St. Jo⸗ 
hannes ſpricht, 1.Cp. Kap. 2,0.20. Davon wird uns 
fere Seele fehon vor GOtt mit Gaben des Heil, Geiz 
ſtes gegieret: Wenn nun das Sterbliche anziehen 
wird die Unſterblichteit, und die Unehre die Herr⸗ 
lichkeit/ 1. Cor. 15.0. 53. 

6. Daß die Bäume, des JZERKRYT voll, Mi 
Saffts fieben , die Cedern Libanon, die, der Bäumen 
HERR gepflanget bar. An den Baumen haben En de 
wir viel natürliche Wunder zu bedencken, derer zwey a 
in Pr aoy,ı 


892 B.IV.E. 3. Vom dritten Tagewerd GOttes, 


nn nn nn — — — — 
Der, in biefem Sprüchlein befchrieben feyn: (1) Daß fie 
me Saft, voll Saffts ſtehen, und daffelbe zu geroiffer Zeit im 
Frühling, da fie im Winter jtehen, als wenn fie todt 
- wären; Aus welchen Safft hernach die grünen 
Blätter werden, und denn die Früchte, welches hoch 
zu verwundern iſt. Denn welcher Künftler Eönte aus 
einem Safft von einem Baume einen Apffel formis 
von, oder aus einem Saffte des Weinſtocks eine Traube 
machen? Die Bircken geben im Frühling fo eine 
Menge Saffts, Daß mans heraus zapffen Fan, alsaus 
einem Faß. In Oſt⸗Indien ift eine Inſul, darinn- 
Fein. Yrunnen und kein Waſſer zu teincken ift, aber 
ein Baum giebt fo viel Waſſers, Das aus den Blätz 
tern treuffelt, daß damit die gange Inſul geträncker 
——— wird. (2) Stehet hier, der HErr bat fie gepflan⸗ 
wachen et, verſtehe durchs Wort in der erſten Schöpffung, 
— 1. B. Moſ.r. v. 12. und Dadurch wachſen nach heute 
orsor zu Tage neue Baͤume, ob man gleich die alten mit der 
tes. Wurtzel ausreutet: Denn die Erde behaͤlt dieſen 
Segen, ſo lange ſie waͤhret, und iſt GOttes Wort der 
Same alerefte Saame aller Erden ⸗Gewaͤchſe. Es erin⸗ 
der Liebe nern uns auch die Baume mit ihren. Früchten der 
Bo Liebe GOttes; denn wie fie hervor geben das al 
lerbeſte, was fie haben, hatten fie es beſſer, fo gaben fie 
es beffer, ohn allen Neid: Alfo follen wir auch unterz 
einander gefinnet feyn gegen GOtt und Menfchen, 
als fruchtbare Baume, Pflangen des KERRTT, 
zu Lobe und Preiß GOttes, Pfalm,92.0,13. Fefı 
61.0,3. Letztlich werden wir auch dabey erinnertdes 
Baums des Lebens mit feinen edlen Fruchten, wel 
cher ift Chriftus crucifixus, dergecreugigte IEſus; wer 
von diefer Frucht iffer, wird ewiglich leben, Offenb. 

Joh. 22.0. 2. | 
Die Vese ⸗ 7: Die fiebende Frucht der Erden, oder damit 
kein zeugen GOTT. die Erde gieret, find die Wald Voͤgelein, 
von gor wiewol fie ihren Urfprung aus dem Waſſer haben, 
dorge. fo niſten fie doch auf Bäumen, vermehren fich den 
rot 104, Menfchen zum Beſten und zur Speifes und — 
‘ 2 u - ein 


von der Scheidung der Waſſer. 893 


 Tein,fp auf den hohen Bergen wohnen. Daſelbſt nis 
ſten die Vögel, und die Reiger wohnen auf den 
Tannen. © Die hoben Berge find der Gemfen Zu⸗ 
flucht, und die Steinklüffte der Caninichen, Pſ. 
104.0, 17.18. Weift du die Zeit, wenn die Gem⸗ 
. fen auf den Selfen gebäbren? Wer batdas Wild 
ſo frey geben laflen, und die Bande des Wildes 
aufgelöfer? Denen ich das Geld zum Hauſe gege⸗ 
ben babe, und die Wüfke sur Wohnung. Der 
Storch fleucht hoch, und verlacht Roß und Mann. 
Fleucht der Habicht durch deinen Verſtand? 
Kleucht der Adler aus deinem Befehl ſo hoch, und 
machet fein Neſt in die Hoͤhe? Hiob 39.0.1.5.6, 
18.26.27. N B: 
Da füllen wir lernen, daß GOtt den Erdboden Warum. 
‚nicht leer haben till, fondern die wilden Wuͤſten voller SH De 
Voͤgel und Thiere gefchaffen, da fie ihre Wohnung Erden en 
haben, auf Daß GHttes Guͤtigkeit gegen den Menſchen ſchaffen. 
erkannt werde; fein Neichthum an der Menge der 
Ereaturen, und feine Allmacht in feinen Wercken, 
feine Weisheit aber in fo viel Eigenfchafften und 
Yrusbarkeiten der mancherley Thiere, Alle Tiere 
im Walde find mein, und alles Dieb auf den. 
Bergen, da fie bey taufend geben. Ich Eenne 
alle Dögel auf den Bergen, und allerley Thier 
auf dem Zelde ift vor mir. Wo mich hunger 
te, wolte ich dir nichts davon fagen, denn der 
Erdboden ift mein, und alles, was drinnen iſt. 
Meyneſt du, daß ich Ochſen⸗ Sleifch effen wolle, 
oder Docks - Blut trincken? Pſ. so. 9.10; ſeqq. 
Was ift denn deine Speite, lieber GOtt? Was find Gottes 
die rechten Opffer? Opffere GOtt Danck, und be- Sea und 
zahle dem Aöchften deine Belübde. Und ruffe 
mich an in der Zeit der Noth, fo willich dich 
erretten, und du ſolt mich preifen, 
verſ. 14.175, 


y s“ Felle 


894 B.IV.E.3. Domdeitten Tagewerck GOttes, 
u Frühlings : £ied, 


Paul, Gerhard, F 
Mel. Den HErren meine Seel erhebt; Ober; 
Kommt her zu mir, ſpricht GOttes Sohn. 
Eh aus, mein Herß, und ſuche Freud 
Su diefer lieben Sommer »Ziit 
An deines GOttes Gaben ; 
Schau an der ſchoͤnen Gärten Zier, 
Und fiehe, wie fie mir und dir 
Sich ausgefhmücet Haben. £ 
2. Die Bäume ftehen voller Laub, 
Das Erdreich decket feinen Staub 
Mit einem grünen Kleide: 
Narciſſen und die Tulipar 
Die ziehen fi; viel ſchoͤner an, 
Als Salomonis Seide. 

3. Die Lerche ſchwingt fich in die Lufft 
Das Täublein fleucht aus feiner Klufft, 
Und macht ſich in die Wälder: 

Die hochbegabte Nachtigall 
Ergoͤtzt und füllt mit ihrem Schall 
Berg, Hügel, Thal und Felder. 

4. Die Glucke führt ihr Kächlein aus, - 
Der Storch) baut und bemohnt fein Haus, 
Das Schwälblein fpeift die Jungen: 

Der fehnelle Hirfch, das leichte Reh, 

Iſt frob,und koͤmmt aus feiner Höh 

Ins tieffe Grag gefprungen. 

5. Die Bärhlein raufchen in den Sand 

Und mahlen ſich in ihrem Rand 

Mit fchartenreichen Myrthen: 

Die Wieſen liegen hart dabey, 
Und Elingen gantz vom Luft-Gefhry 

Der Schaaf und ihrer Hirten. 

6. Die unverdroßne Bienen-Schaar 

Sleucht hin und ber, fucht hie und dar 
Ihr edle Honig» Epeife: 
es füffen Weinſtocks ſtarcker Gafft 
Sringt taͤglich neue Staͤrck und Krafft 
In ſeinem ſchwachen Reiſe. 


— 


7. Der Weiten waͤchſet mit Gewalt; 
Darüber jauchzer Zung und Alt, 
i Und rühme die groſſe Güte 
De, der fo uͤberfluͤßig labt, 
Und mit fo manchem Gut begabt 
Das menſchliche Gemuͤthe. 8.35 





von der Scheidung der Wafler 895 


8. Sch ſelbſten Fan und mag nicht ruhn, 
Des groffen &Dites groſſes Thun 

Erweckt mir alle Sinnen: u 
Ich finge mit, wenn alle fingk, 

Und laffe, was dem Hoͤchſten klingt, 

Aus meinem Hergen rinnen, 

9. Ach, denck ich, bift du hie fo ſchoͤn/ 

Und laͤſt du ung fo lieblich gehn SO AR 
Auf Diefer armen Erden, 

Was will doc) wol nach diefer Welt y 
Dort, in dem feften Himmels-Zelt * 
Und guͤldnem Schloſſe werden? 

10. Welch hohe Luft, welch heller Schein 
Wird wol in Chriſti Garten feyn! } 
. Wie muß es da wohl Eingen, 

Da fo viel taufend Seraphim 

Mit unverdroßnem Mund und Stimm 

Ihr Halleluja fingen. RT 

11. D wär ich da, o flünd ich fchony 
Ad) ſuͤſſer GOtt, vor deinem: Thron, ° 
And trüge meine Palmen! 

So wolt ich nach der Engel Weis 

Erhoͤhen deines Namens Preiß 

Mit tauſend ſchoͤnen Pſalinen. 

12. Doch gleichwol will ich, weil ich noch 
Hie trage dieſes Leibes Joch, RER 
Auch nicht gar ſtille fehroeigen: 

Mein Herge fol fich fort und forf 

An diefem und an allem Ort 

Zu deinem £obe neigen. 

13. Hilf mir, und fegne meinen Geift 
Mit Segen, der vom Himmel fleufl, 

Daß ich dir ſtetig bluͤhe: 

Gieb, daß der Sommer deiner Gnad 

In meiner Seele fruͤh und ſpat 

Viel Glaubens⸗Fruͤcht erziehe. 

14. Mad) in mir deinem Geiſte Raum, 
Daß ic) dir werd ein guter Baum, 
Und laß mich wohl befleiben: 

Werleihe, daß zu deinen Rubm 

Sich deines Gartens fehone Blum 

Urs Pflanke möge bleiben. 

15. Ermwehle mich zum Paradeig, 

Und laß mich big zur letzten Reis 

An keib und Seele grünen ; 

So will ich dir und deiner Ehr 
Allein, und fonften feinem mehr, er 
Dier und dort ewig dienen. Das 





896 B. IV. C.4. Vom vierdten Tagewerck GOttes 


Das IV. Capitel. —— 


Von dem vierdten Tagewerck GOttes, 
von der Sonne, Mond und Sternen 
| Des Finmels, 


1. B. Mof. 1.0.14. Es werden Lichter an der 
Kefte des Aimmels, und feheiden Tag und 
Naht, und geben Zeichen, Zeiten, Tage und 
"jahre. Pſ.104. v. 19. Du macheft den Mond, 
das Jahr darnach zu theilen; die Sonne weiß 
ihren Niedergang. Sir. 43.0.2.5. Die Sonne 
iſt ein Wunderwerck des Hoͤchſten. Es muß 
ein groſſer HEErr ſeyn, der fie gemacht, und bat 
fie beifjen fö ſchnell lauffen. | 


Mas die } Je Sterne find himmliſche Cörper und Lich 
Ste 6 ter, einer himmliſchen Effeng, durchs allmachtige 
eig ort EDttes an Die Feſte gefeger, Die Erde zu 
erleuchten, Tag und Nacht zu feheiden, zu geben Zei⸗ 
chen, Zeiten, Zag und Fahre, und den gangen Himmel 
zu zieren: Und geben Dratur> Zeichen, Zorn Zeichen, 
und OnadenzZeichen, 1,.Eor 15.0.4, 1. B. Mof; r. 
v.14. Sir. 43. v. 2.4q. 
Bott, Dun ſpricht GOtt der HErr, Jeſa. 40. verſ. 26. 
Fa nl Hebet eure Augen in die Zoͤhe, und.jebet, wer 
Ich den diefe Dinge gefchaffen bat, der das Acer nach der 
— w Zahl herausfuͤhret, und nennet fie alle mit Na⸗ 
gefa4o. men. Iſt derowegen billig, daß wir nach GOttes Bes 
mas. fehl die Höhedes Himmels anfchauen,und die Allmacht 
und Weisheit des Schöpffers daraus erkennen; denn 
die Aimmel erzeblen die Ehre GOttes, und die 
—* verkuͤndiget feiner Haͤnde Werck, Pſalm 19. 
verſ. 2. ) | 
Drop Es ift aber an den Sternen hoch zu verwundern 
— erſtlich die Groͤſſe, darnach der Lauff, und denn die 
werden al: Wuͤrckung. D. Bafilius Magnus, in feiner 6. Homilia 
biegebanı uber die fechs Tagewercke GOttes, ſchreibet von der 
elt- j Groͤſſe 


> 


von der Sonne des Himmels. 897 


Groͤſſe der Sonne und des Mondesalfo: Sch halte (2) 

es dafür, daß Zonne und Mond nicht darum al- See der 

lei groffe Lichter von GOtt durch Moſe ge- und ves 

nennet ſeyn, daß ſie die andern Bleinen Sterne mie Nondes. 

der Gröffe übertreffen; fondern darum, daß fie 

groß fepn in ihrem Umfang, daß fie den ganzen 

Aimmel mitibrem Licht nicht allein erfüllen koͤn⸗ 

nen, fondern auch die £rde und das Meer: Denn 

Sonne und Mond werden allezeit in gleicher 

Gröfle angefeben im Aufgang und Niedergang. 

Das iſt ein heller Beweis, daß die Coͤrper einer 

ungläublichen Bröffe ſeyn muͤſſen/ weil die Breite 

des Erden Breyſſes nicht hindert, daß fie Eönnen 

an allen Orten gleich groß gefeben werden. Bis 

Daher Baſilius. | 

Boedencke nun bie Dis groſſe Wunderwerck: Wenn Gteihuig, 

du auf Erden ſolteſt ſehen herum lauffen eine feurige Dir Son, 

Kugel, die geöffer wäre, denn der geofte und höchfteyuereien 

Berg in der Welt: Dder faheft vor dir über deinem 

Haupt in der Lufft ſchweben die allergröffefte Stadt, - 

fo in der Welt ift, und ware eitel Licht und Klarheit 

durch und durch, wuͤrdeſt du dic) nicht verwundern, 

ja dafur entfesen und verſtummen? Nun iſt aber die 

Sonne hundert und fechs und fechjigmal geoffer denn 

der Erden⸗Kreyß. Da bedenifenun, was für einen 

groffen unausdencklichen Kaum die Sonne allein am 

Himmel einnimmt, nicht allein mit ihrer Groͤſſe, fon- 

dern vielmehr mit ihrem Lauff. Fa, der allerFleinefte Der kleine⸗ 

Stern in Sphera.odtava, ander Veſte des Himmels; ift — 

fo groß, daß er etliche hundert Deutſcher Meilweges in denn der 

fich in der Munde befchleuffet, und groffer IE denn der Erdboden. 

gange Erden⸗Kreyß. Und find folcher Sternen viel 

taufendmal taufend am Himmel, die mit unfern Yugen * 

nicht mögen erfehen werden. Bedencke nun diee. 

Sröffe des Himmels, wie viel taufendmal taufend 

muß er geöffer feyn, denn die Erde? Denn ein ieder 

“Planet hat feinen eigenen Himmel und Circkel, in wer 

chem er lauft, immer einer uber dem andern, und höher 
IV. Tpeil, | gu denn 


898 B.IV. E.4. Vom vierdten TagewerckGOttes, 


denn die andern. Bedencke nun die Groffe einesieden 
Planeten, und den Umkreiß und Circkel eines ieden, in 
welchem folche groffe Eorper laufen, Die viel gröffer find, 
denn der Erdboden. 

Droͤſſe des Hie muß menſchliche Vernunfft aufhören zu den⸗ 
eg. cken. Es iſt die Hohe und Groffe des Himmels un 
ũch. ausdencklich, und der Vernunfft unbegreifflich; und 

darum, auf daß uns die groſſe Barmhertzigkeit GOt⸗ 
Pſal. 10o3. tes wohl eingebildet würde, wird dieſelbe im 103. 
N Rd 1. aus der Natur nach der Höhe des Him⸗ 
Bröffe des mels beſchrieben: So hoch der Himmel uͤber der 
me ‚Kgrden IE, laͤſſet GOtt feine Gnade walten 
grofen über alle die ihn fürchten. So ferne der Abend 
— iſt vom Morgen, laͤſſet er unſere Ubertretung 
Säle, von ums ſeyn. Die Erde ift viel zu Elein, die Barm⸗ 
hertzigkeit GOttes mit ihrem Umkreiß vorgubilden, 
wiewol fie auch voll der Büte des AKrın iff,- 
Pſalm 33.0.5. Darum jeiget uns der Heilige Geiſt 
die Höhe des Himmels, daran fo viel-groffe Coͤrper der 
Sterne bangen, Die gröffer find denn der Erden-Kreiß, 
da ein ieder voll Guͤte des HErrn iſt; denn die Sterne 
find viel groͤſſere Schatzkammern GOttes, denn die 
Erde. Aus welchen Thelaurisund wunderlichen Schaͤ⸗ 
gen GOtt der Allmächkigefo viel Segen und Güter hers 
vorbringt, daß fie nicht alle zu zehlen, und Fünnen auch 
den taufenden Theil nicht be eſchrieben werden. Davon 
hernach weiter. 

D.Es it aber nicht allein die gewaltige Groͤſſe der 
ne hair himmliſchen Coͤrper ein geoß Wunder und Zeugniß 
ihren gerpip DEU Unausfprechlichen Gewalt GOttes; fondern auch 
(en Lauf ihr befkändigerundgewiffer Lauff Bedencke wie 

wunderlich Das fey, daß ſolche graufame erfchreckliche 
* groſſe Eörper nicht allein an der Feſte des Himmels 
bangen, fondern daß fie auch daran lauffen, und was 
für eine unermeßliche Weite und Naum folche groſſe 
Eörper zu ihrem Lauff haben müffenz fonderlich weil 
ein jeder feinen eigenen Himmel und Circkel bat, feinen 
ſonderlichen abgemeſſenen Weg am Himmel, —— er 
wider 


von der Sonne des Aimmels. 899 


wider GOttes Ordnung nicht überfihreiten darff, Damit 
feinerdenandern bindere, Darum wohl David fagt: 
Qui fecit coelos in intelligentia: Der die Himmel or- Ps. 0.5. 
dentlich gemacht bat. Das muß fürwahr eine 
groffe Weisheit feyn, fo ein groſſes Heer der Sterne alle 
in ihrer Drdnung- und eigenem Kauff heraus führen, 
und mit Namen nennen. Hie iſt ein groß Geheimniß 
verborgen, und ir Davon etwas angedeutet in der Difen- 
barung Johannis, daß ein Stern vom Himmel ge= 
fallen, und deflelbigen Sterns Name heiſſet 
Wermuth, Dffenb. Joh. 8. v. 10. 11. 

Hoch iſts zu verwundern, daß ſolche groſſe Licht⸗ Sterne 
helle Kugein ihre lebendige Bewegung in ihnen u 
ſelbſt haben, alfo daß fie nicht einen Augenblick natür-in ihnen 
licher Weiſe Eönnen ftillftehen, auch nicht ruhen, fon. Mb, 
dern immer fort und fortihre unaufhörliche Bewegung 
und Arbeittreiben. Denn fo das gefchahe, ſo wurde 
die gantze Ordnung des Himmels turbiret und vera 
wirret, ja Die Sterne verlöhren alsdann ihr Leben, 
wenn fie ihre Bewegung nicht hatten, und waren, als 
waren fie todt, wie ein Menfch, der Feine Bewegung 
hat durch den lebendigen Othem. Alſo ruhet Fein 
Sternlein am Simmel, e8 beweget und veget fich alles 
mit folcher Gefthwindigkeit , daß cs Fein Menfch ber 

greiffen Fan. Denn die Sonne, ob fie gleich über Der Soni 
hundertmal geöffer ift denn der Erden⸗ Kreiß, noch MT Lauff: 
laufft fie alle Tage um den Himmel, vom Aufgang bis 
zum Niedergang; da fie doch, wenn fie auf der Erd⸗ 
Kugel des Erd-Kreiffes umlauffen folte, müfte fie alle 
Stunden zweyhundert und fünff und zwanzig Meil- 
tveges lauffen. Da bedencke, was die Erde fey ges 
a die Höhe und Runde des unbegreifflichen Him⸗ 
mels. 4 

Iſt nun der einigen Sonnen Lauff ein ſolch groß 
Wunder, was wollen wir denn ſagen von der ungehlis 
chen Menge der Sterne, welche alle ihre Bewegung 
und Lauff haben? Ber da möchte nur eine Viertel 
Stunde alle, Sterne u am Himmel ſehen, 
2 wie 


900 B. V. C.4. Vom vierdten Cagewerck GOttes, 

wie ſie ſich regen, bewegen und gehen, der wuͤrde von 
groſſen Wundern zu ſagen wiſſen, wie lebendig der gantze 
Himmel waͤre. | 
Dieeterne CS foll ung abeßder Lauff der Sterne und ihre 
ſellen uns groffe Menge höher fuhren, nemlich zu den unfichtz 
et, baren hochleuchtenden Sternen, den heiligen Eagein, 
sung der den himinlifchen Geiftern ; wie uns ſolches bezeuget 
Engel. die Dffenbarung Johannis, da der Sohn GHDtteg 
fich vorbildet, daß er in feiner Hand fieben Sterne 

hat, Offenb. Joh. 1.0.16. Und das find die fieben 
Geiſter oder Engel,-in alle Sande ausgefandt. Mit 
welcher Figur die rechte wahre übernatürliche Aſtro⸗ 
nomie befchrieben wird : : Davon wir auch leſen im 
Hiob zz3. Buche Hiobs: Wo wareſt du, da mid) die Mor⸗ 
v7. gen: Sterne lobeten, und jauchzeten alle Rinder 
GOttes? Hiob 38.9.7. da uns gleichfalls der hei⸗ 
lige Hiob von den Sternen höher führer, nemlich zw 
den heiligen Engeln, Denn ſo GDit eine fo groffe 
Menge und Heer der Sternen erfchaffen, was wird 
denn für eine Menge feyn der himmlischen Heerfcha- 
ren, die GOTT ohn Unterlaß loben? Es loben ihn 
Sonne und Hiond, und alle leuchtende Sterne, 
Ma83 
Was uns aber der guͤtige und allein weiſe GOtt 
fuͤr groſſe Wohlthaten erzeiget durch den Lauff der 
Sonne und des Monden, und wie wir derſelben auch 
geiſtlich gebrauchen ſollen, wollen wir zuletzt ſparen; 
denn ietzo eilen wir, die drey Puncte von den Sternen, 
nemlich die Groͤſſe, den Lauff und Wuͤrckung ſumma⸗ 
riſch zu erzehlen. —* 

(3) Von der Wuͤrckung aber der Sternen ſollet ihr 
Vrcung wiſſen, daß fie groſſe Schaß-Kammern ſeyn GOttes 
der Eterue. des Allmaͤchtigen, aus welchen er wunderlich feine 

zeitlichen Suter und Gaben austheilet, beyde den Men⸗ 

fehen, und denn auch der groffen Aßelt. Und allbier 

muß ich einführen die Meynune des. fürtrefflichen 

Paracei Teutſchen Philofophi, Faracelfi, wie er die Afteonomie 
Wepmuus yerſtehet, und wofuͤr er diefelbe halt, und laſſe das I 
> thei 


von der Sonne des Zimmels. .9o1 
cheil und Judieium dem Ehriftlichen Leſer. Das iftson der 


aber feine Meynung: Daß in den Sternen alle na- Any sin 
tuͤrliche Weisheit, Kunft und Geſchicklichkeit begriffen dung ver 
fey, die. ein Menfch auf Erden erfinden und uͤben mag, Sternen. 
Daher Eommen, fpricht er, die groffen Künftler und na⸗ | 
türlichen Meifter in allerley Kuͤnſten und Inventionen; 
‚denn die Natur treiber: die Gemüther folcher Leute, den 
Künften mit hefftigem Nachfinnen und Arbeiten ob⸗ 
zuliegen, auf dab GOTTES Wercke offenbar und 
hervor gebracht werden zu GOTTES Ehren und 
dem Menfeben zu Nutz: Denn fo hats GOtt geordnet, 
und inden Himmel folche natürliche Schäße gelegt, als 
in feine verborgene Thefauros, auf daß er zu feiner Zeit 
folches alles an Tag und ans Licht brachte durch den 
Menichen: Undtheilerdaffelbe aus, wenn, wo, wieund 
wen cv will, h 
Und auf-diefe Weiſe, nemlich durch die ounderliche wie vie 
Operstion und Impreflion, erzehlen auch die Himmel Pimmel 
die Ehre OOttes, und die Veſte verkuͤndiget feiner ð Ones er. 
Haͤnde Werck, Pſalm 19. v. 1. Welches, ſagt er,schten- 
nicht allein geſchicht durch die Groͤſſe des Himmels und PT 9" 
durch die Drdnung und gewiſſen Lauff der Sterne, ' 
fondeen vornemlich durch ihre Wuͤrckung. Daher 
find Die Inventores rerum, die Erfinder der Dinge, ent> 
fprungen; nicht daß fie Inventores feyn, fondern Werck⸗ 
zeuge, Durch welche der Himmel feine von GOtt einge⸗ 
pflangte Wuͤrckung vollbracht, und aus den verborges 
nen Schaͤtzen GOttes die Künfte ans Licht hervor ge 
trieben, gleichtwie ein Baum zu feiner Zeit feine Frucht 
giebt. Denn alſo folt ihr auch Die Sternen in ihren 
Wuͤrckungen verftehen, ımd nicht anders. Sie haben 
ihre Zeit in Hervorbringung ihrer Früchte. Und mer 
nun ein guter Aftronomus ift, derfich mehr auf die Ster⸗ 
nen verfichet, denn auf die Rechen⸗Kunſt, der weiß, wo, 
wie und wenn ein folcher Baum am Simmel blühet, 
und feine Frucht geben wird. Siehe, alfo erzehlen die 
Himmel die Ehre GOttes, und die Veſte verfündiger 
feiner Haͤnde Werck. hr FON, 
Rz Giche, 


902 B.IV.E.4.OomvierdtenTngewerd Ortes, 


Bienfiben Siehe, welch ein groſſer Erro: und Irrthum iſt nun, 
Werck“ Daß man Menſchen hat geſetzt zu NHventoribus rerum, zu 
zeuge · Erfindern der Dinge, da ſie nur Werckzeuge find. Go 
‚its auch der Himindl nicht für Sich felbften, ſondern es 

find nur Thelauri GOttes, Schatz⸗Kaͤſten am Himmel, 

in welche GOtt, der oberfte Schag Meifter und HErr, 

feine Schäße gelegt hat, theilet fie auch hernach aus de— 

nen, ſo es werth feyn, und die er darzu verfehen hat. 

Siehe, alfo Eommen alle gute Baben, und alle volle 
kommene Gaben aud) meditte und mittelbar von 
Jan v.ny. open herab, vom Vater des Lichts, Zar. 1.0. 17. 
Alle Weisheit iſt von GOtt, und iſt bey ihm ewig⸗ 
Ernte, Sir. 1, v. 1. Er theilet fie aber entweder mediate, 
natürlicher Weiſe, oder immediate, übernätürficher- 

Weiſe aus. | | N 

zeober bie Daher kommt nun alle natürliche Weisbeit, 
Meicheir Daher kommt DBerftand in allen natuͤrlichen Dingen, 
kommt. weltliche Gerechtigkeit, Kunft der Artzney. Daher 
kommen artige Poeten, liebliche Muſici, kluge Redner, 
kuͤnſtliche Werckmeiſter in allerley Arbeit, in Holtz, in 
Metallen, in Steinen. Daher kommen weltliche Re⸗ 

genten, Kriegs⸗Leute, und in Summa, daher kommen 

einem ieden ſeine natuͤrliche Gaben, wie ſie ihm GOtt 
austheilet: Die aber GOtt der HErr mit dem Geiſt 

der Weisheit uͤbernatuͤrlicher Weiſe erfüller, als 

die Künftler des alten Teſtaments, als die klugen Res 

senten und Kriegs⸗Helden, derer in der Schrift ges 

dacht wird, dabin auch Saͤlomonis Weishelt gehoͤret, 

Die haben mit dem natürlichen Himmel nichts zu thun. 

Daher kommts, daß ein jeder Menſch natürlich be 

gehrt ein Ding zu wiſſen und zu erforfihen, und iſt 
manchem fo bange darnach, hat eine folche hitzige Ber 

gierde nach Künften, daß er nicht dafür ruhen Fan. 

Denn gleicher Weiſe, als der Leib des Menſchen aus 

den unterften Elementen gefpeifet und erhalten wird, 

Senn, Früh ang der Erden und Waſſer und kan ohne Dies 
een Sun felden nicht leben: Alſo die Sinne, Gedancken und 
und Ge⸗Geiſt des Menfchen haben ihre Speiſe vom Seflitn. 
Denn 


von der Some des Himmels. 903 


Denn alle finnreiche Menfehen haben ihren Cinftußdaneen bar 
und Einfälle vom Geftien, und ift gleichfam ihre &peik 
Speiſe. Welches eine gewaltige Probe ift der Aftro- vom Go 
nomtez Denn ſolte der Menſch von den untern Ele⸗ itn. 
menten nur als ein Vieh geſpeiſet werden, und ſeine 

er und Gedancken folten nicht ihre Speiſe auch 

‚haben? 
Und fo denn zu diefem natürlichen. Richt die. Er⸗ 
leuchtung von oben herab koͤmmt, durch den Heiligen 

Geiſt und Wiedergeburth, alsdenn erreichen die na— 
tuͤrlichen Gaben einen viel hoͤhern Grad zu ihrer Voll⸗ 
kommenheit: Die bekommen denn einen neuen Him⸗ 

mel, d der fie viel höher incliniret. 

. Die nun aus der neuen Geburth feyn, aus GOtt * Se 
gebohren, derer Himmel und Inclinatio. oder Neigung Purti,erbb 
iſt GOtt ſelbſt, und die heiligen Engel find ihre Ster- ats bie dia⸗ 
ne, wie die Offenbarung Johannis bezeuget; die has kur. 

‚ben mit dem natürlichen Himmel nichts zu "thun, fie 

find uber denfelben, und ihre Wercke hoben einen hoͤ⸗ 

hern Urſprung, nemlich aus GOTT ſelbſt. Solche 

Leute find geweſen die heil. Ertz⸗ Däter und Prophe⸗ 

tenz wie vom Joſeph, Daniel und Salomon gefchrier  H Kon 3. 

ben iſt, daß ihre Weisheit übertisffen habe alle Weis⸗ 

beit Egypti, und in Perfia und gang Drient. Denn 

diefe haben nur die natürliche Weisheit des natürlie 

chen Dimmels gehabt; Mofes aber, Joſeph, Das 

niel, David, Salomon haben über dieſelbe auch die 

übernatürliche Meisheit gehebt. Die heiligen. 

Apoſtel find mit dem Heiligen Geiſt, mit Licht und 

Brafft aus der Hoͤhe angezogen geweſen, Apoſt. 

Gef. 1.0.8. Denn fie ſolten nicht natürliche Weis⸗ 

heit und Kunſt verfindigen, und natürliche M eiſter 

und Lichter der Welt ſeyn; ſondern ſie ſolten die ewige 

himmliſche Weisheit verfündigen, welche die Weis 

Be Welt nicht erkannt baben,ıc. 1. Cor. 2. 

ver. 8 

Dis ift obgedachten Philofophi Meynung, welche Des Awo- 

auf des Aucoris — und Beweis bein — 
4 en 


904 B. V. E&,4.DomvierdtenTagewerd®Gttes, 


| coming ben mag. Db wir nun wol die unnüge Weiſſagerey 
3. Stüde, der Aſtrologen verwerffen, fonderlic), ſo in individuo, 
determinate und dehinite gefchicht, ſo find Doch andere 

I. noͤthige Puncte Diefer Kunft in acht zu nehmen: (1) 

2. Die Didnung und Revolution der Zeit. (2) Die 
nafitrlichen und unnatürlichen Zeichen des Himmels. 

3. (3) Die natürlichen und unnaturlichen Wuͤrckungen 
des Himmels. Don iedem wollen wir gar kurtzen 

Son dr, Bericht thun. Erſtlich ift nöthig gu willen, daß 
nung und durch den wunderlichen Lauff des Himmels die Zeit 
—— der Welt gantz weislich von dem allein weiſen Schoͤpf⸗ 
A fer geordnet iſt, daraus GOTTES wunderliche Vor⸗ 
ſehung, Regierung und Weisheit klaͤrlich abzuneh⸗ 

men: Sonderlich wenn wir durch weisliche Erforſchung 
der Zeit die Gleichſtimmigkeit der ‘Propheten mit den 
Hiltorien und der Natur augenfcheinlich fpüren. Als 

die Fahre der Welt mit ihren Seculis, die zrates mundi, 

die Alter der Welt, die Zeit der Monarchien, die 
fiebenzig » jährige Babylonifche Gefängnif, die fieben- 

zig Jahr⸗Wochen Danielis, die Zeit des Meßiaͤ, die 
Periodos Regnorum, die beftimmten Zeiten der Neiche, 

die Zeit des Antichrifts im Daniele, und Dffenbas 

‚ rung SFohannis, un? dergleichen: Welches alles die 
Vorſehung GOTTES, wunderliche Regierung und 
Weisheit gewaltig begeuget und befeftiget. Und ob⸗ 

Ap Geſchi. wol unfer lieber Here IEſus CHriſtus (Alp. Geſch. 
"71:9: 7.) ſpricht: Es gebuͤhret euch nicht zu wif 
‚ Ten Zeit oder Stunde, welche der Pater feiner 
WMWMacht vorbehalten bat; fo redet doch der HErr 
von folcher Zeit, derer Wiffenfchafft weder zu dem Apo⸗ 

ſtel⸗ Amt, noch Erbauung der Kirchen und Fortpflan- 

Bung des Evangelii noͤthig und nüglich ift; Auch daß 

man EHrifto zu Aufrichtung feines Reichs weder Zeit 

noch Ort feen foll,er weiß, wie, wo, and wenn er fein 

Reich und Kirche pflantzen wolle; wir follen nur feine 

Zeugen feyn, und unfer Amt thun, und ihm Zeit und 
Stunde befehlen. Zudem verftunden auch die uns 

ser Das Reich EHrifti dazumal noch nicht ** 

enn 


von der Sonne des Himmels. 905 


denn ſie verſtundens vom irdiſchen weltlichen Reich, 
welches der HErr ſtrafet. 

Was ſonſten Zeit und Stunde in weltlichen Ge⸗ Zeit in 
ſchaͤfften anlanget, Die füget, ordnet, fehicfer und giebt geryam 
GOTT auch : wenn wir fleißig beten, und dem HErrn ten. 
unfere Wege befehlen, fo wird ers wohl machen, wie 
wie die Hiftorie des Knechts Abrahams bezeuget,da er 
betet, GOtt wolte ihm beute begegnen, 1. B. 

Mol. 24. v. 12. —5 

Zum andern iſt zu wiſſen, daß der Himmel und 2. 
die gantze Natur ihre natuͤrliche Zeichen haben, und Von Bei 
nichts thun ohne Zeichen. Daher auch der HENK Himmel. 
EHriftus ein Argument nimmt aus den allgemeinen 
natürlichen 3eichen des Aimmels, ſo Durch die Erfah? 
rung im gemeinen Leben beftatigt feyn, Matth.ı 6.0.2. 

und Luc;ı2.9.54. Dadurd)er die Juden höher fuͤh⸗ 
ren, und ihnen Urſach geben will, auch die Zeichen des 
Mebia in acht zu nehmen und zu judieiren. Denn alfo 
ſchleuſt ee: (Matth. 16.0. 2.) Des Abends fprecht Matth. 16. 
ihr, es wird ein ſchoͤner Tag werden; denn der 
Himmel iſt roth: Und des Morgens fprecht ihr, 
es wird ein Ungewitter ſeyn; denn der Himmel ifE 
roth undtrübe. Ihr Aeuchler, des Himmels Ges 
ſtalt Eönnet ihr urtbeilen, koͤnnet ihr denn nicht x 
auch die Zeichen diefer Zeit urtheilen? Das ift deg 
HErrn Shluß: —9— | 
Si attenditis ad figna naturalia, & ex’facie cœli d 
tempeftate redte concluditis; ‚Cur non magis ad ſigna 
præſentis temporis attenditis, & Meflie tempus adeffe 
judicatis? A 
So ihr aus der Seftalt des Himmels vom Ges 
witter vecht urtheilen Eönnet; warum urtheifet ihr nicht 
vielmehr aus. den ietzigen Zeichen Die Zeit Des gegen- 
waͤrtigen Meßia ? 

Und Luc, 12.0. 54. Wenn ihr eine Wolcke fe Luc. 12. 
bet aufgeben vom. Abend, fo fprecht ihr bald," '5* 
es kommt ein Regen, und es gejchicht alfo: Und 
wenn ihr febet den ... weben, ſo fprecht 

As ibe 


906 B.V. C.4. Vom vierdten Tagewerck GOttes, 


ihr: Es wird heiß, und es geſchicht alſo. Ihr 
Heuchler, die Geſtalt des Himmels und der Kr- 
den Eönnet ibr prüfen, wie prüfet ibr aber die 
Zeit nicht? Schleuft derowegen der HERR alfp: 
Sicutex fignisnaturalibusredte concluditis de tempeſtate, 
quia fequitur effectus: ira ex fignis & miraculis, que cerni- 
tis, re&te debebatis de Meflia concludere. Gleichwie ihr 
aus den Zeichen des Himmels recht fehlüffer und ur⸗ 
theilet vom Ungewister: Alſo foltet ihr vielmehr aus 
- den Zeichen und Wunderwercken, fo ihr ießo vor Aus 
gen fehet, von der Gegenwart des Meßiaͤ urtheilen. 
Aber ihr feyd Heuchler, eines fehet ihr, das andere wollet 
‘ ihr nieht fehen, da doc) vielmehr. an gelegen ift. Ergo 
Chriftus approbat figna naturalia. Derohalben billi⸗ 
fi get EHriftus Die natürlichen Zeichen.  - | 
Warnungs 8 giebt. aber auc) der Hiinmel feine natürliche 
Zeichen. Warnungs⸗ Zeichen Denn unfer lieber GOTT 
ftrafet nicht plößlich, fondern warnet zuvor durch Zeiz 
chen, wie in allen groffen Land-⸗Strafen zu fehen: dar⸗ 
um dieſelben mit nichten aus Sicherheit zu verachten, 
fondern als Vorboten Eünfftiger Strafe anzufchauen 
find. Es hatfichaber ein glaubiger Ehrift fuͤr denſel⸗ 
Ger.1o.v.2. ben nicht zu fürchten, wie GOtt der HErr Fer. 10, 
y. 2. gebeut, fondern er fol wiffen, daß er unter dem 
Schirm des Aöchiten und Schatten des Allmäch- 
tigen ficher ift, Pſalm 91. v. 1. und in CHriſto uͤber 
die Natur herrſchet. 

Zum dritten, von. den Wuͤrckungen des Him⸗ 
ed mels foll man wiffen: Erſtlich, von den uͤbernatuͤrli⸗ 
des Hm chen, daß nicht der Himmel und Geſtirn etwas thun 
mels wels Yon ſich ſelbſt, und fo böfe feyn für und an ſich ſelbſt, als 
De fie die Aſtrologi machen; fondern Die Sünde Laſter 

(m. und Bosheit der Menschen find die Urfachen, daß GOtt 
gene die Ereaturen zur Rache rüftet, Weish. 5. v. 18. und 
Ercaturen zur Strafe gebraucht wider die Gottlofen: Denn 
1 alſo ſtrafte GOtt der HErr die Sünde der erften Welt 
Race, mit einem viergigstägigen Negen, daraus die Suͤnd⸗ 
fluth ward, 1. B. Moſ.7. v. 11. Und die Bosheit der 
Sodeo⸗ 


‚von der Sonne des Aimmels. 907 


Sodomiter verurfachte den feurigen Schwefel⸗Re⸗ 
gen, 1.B.Mof. 19.0. 24. 

Alſo werden folcher Plagen taͤglich viel verurfachet, 
nemlich unnatuͤrliche Hitze und Kalte, unnatuͤrliche 
Naͤſſe und Duͤrre, unnatuͤrlicher Donner, Hagel und 
Feuer, viel Geſchmeiß und Gifft in der Lufft, welche als 
das Feuer zu Sodom vom Himmel fallen. Dis aber 


alles ſoll den Kindern GOttes nicht ſchaden, wenn fein © 


Gottesfurcht und im Glauben leben ; gleichwie Die Egy⸗ 
ptifchen ‘Magen den Kindern Iſrael nicht fehadeten, 
2. B. Moſ. 8. v. 22. Denn das ift die Meynung des 
121. Pſ.v. 5. 6. Der AKrr iſt dein Schatten über 
deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne 
nicht fEeche, noch der Mond des Nachts. Wel⸗ 
cher Spruch nicht fo einfältig zu — iſt, als daß 
man ſich vor der bloſſen Hitze und Koͤlte der Sonnen und 
des Mondes bewahren ſolle; ſondern es ift zu verftchen 
von den Plagen, Strafen, und unnatürlichen ſchaͤdli⸗ 
dien Wuͤrckungen, ſo GOtt durchs Geſtirn, als durch 
feine Ruthen über und ausgeuffet über die Bosheit der 
Welt: Wider welche Plagen und Strafen wir fleißia 
beten müffen, wieung der Pſalm ermahnet, unfere Au⸗ 
gen aufheben zu den Bergen, von welchen uns Hülffe 
kommt ,/ daß wir durch Huͤlffe des Allmaͤchtigen denſel⸗ 
ben entfliehen moͤgen: Denn allein durch Buſſe und 
Gebet ſolche Strafen und Plagen muͤſſen abgewendet 
werden. Und alſo legen auch etliche den Text aus, Of⸗ 
fenb. Joh. 16. v. 1. ſeqq. da die Engel ihre Schaalen und 
die letzten Plagen der Welt ausgieſſen. 
Wie nun unſer lieber GOtt das Firmament und 
Sterne zur Rache und Strafe gebraucht, alſo braucht 
ers auch zur Huͤlffe und zum Schutz und Rettung der 


Frommen und Gläubigen; wie im B. Richter am 1.8 Kies . 


Die Plagen 
ſchaden den 
tindern 
SHrL8 
nichts. 


Palm 121 


2* 


Wider bie 


Plagen ſoll 
man beten. 


Cap. v. 20. ſtehet: Dom Aimmel ward wider fie" 20 


geſtritten, die Sterne in den Küfften fEritten wis 
der Siſſera. So ift bekannt die Hiſtorie vom Kayfer 
Theodoſio, wie ein Wind und Netter ferne Feinde 
geſchlagen; Davon der Poet fagt; 

O mi⸗ 


/ 


908 B.IV.E.4. Dom vierdten TagewerckGOttes, 


O nimium dilede DEO, cui militar zther, 
\ Et conjüurati veniunt ad prelia venti! . 
Das ift: O wie garlieblich biftdu GOtt, fuͤr welchen 
der Himmel ftreitet, und welchem die Winde zu Huͤlffe 
im Streit kommen! 

(2) Bon den netürlihen Würcungen aber des 
— Himmels ſolt ihr mercken, daß das Firmament der 
Baben er- groſſen Welt, und dem aufferlichen Leben des Mens 
Be ichen, täglich und ohn Unterlaß feine Fruͤchte giebt. Hier 
Fon der laß Dich die heydniſchen Seribenten nicht irren mit ih⸗ 
Sierne. ren Difeipeln,ze. ſondern wiſſe, daß alle Meteora, wie 

ſie hernach folgen, Srüchte und Wuͤrckungen der 
| Sterne ſeyn. 

1. Erſtlich bringen die Sterne hervor die Wol⸗ 
Biene cken; davon Sirach fagt,E.43.9. 15. Durch GOt⸗ 
hervor die tes Bebot werden aufgethan feine Schaͤtze, und 
Wolden. die Wolcken fliegen wie die Dögel. In feiner 

Miacht bat er die Wolcken geſetzt. 

Nebel. zur andern Zeit bringen fie hervor die Mebel, 
ſo durchs Geſtirn gewuͤrcket, und von der Erden auf⸗ 
gezogen werden. So bald der HERR ſeine Stim⸗ 
me hoͤren laͤſt, ſo iſt groß Waſſer am Himmel, 
und zeucht die Nebel auf vom Ende der Erden; 
denfelben ſtreuet er aus wie Afche, Ser. 10.0. 13. 
Er bedecker auch offt den Aimmel damit, Pſalm 

"147.0. 8. Der Err bedecket dus Angefi cht ſei⸗ 
nes Stuhls, und breiter feine Wolcken drüber, 
Hiob 26. v. 9. 

Schnee. Zu feiner Zeit bringen fie hervor den Schnee, 

— BETT der HERR machet durch fein Gebot den 
Schnee fallen, Sirach 43. 0. 14, Kr ſpricht zum 
Schnee, ſo iſt er bald da, und zum Platz⸗Regen, 
ſo iſt er da mit Macht, Hiob 37. v. 6. Palm 148. 

verf. 8. 
Kälte. Darnadı bringen Sie hervor die Baͤlte und Froſt. 
Vom Mittag kommt das Wetter, und von Mit- 
ternacht Kälte, Dom Othem GOttes kommt 


der Froſt, Hiob 37. v. 9. 10. 
Dar 


> 


= 


von der Sonne des Zimmels. , 909 


nn nn aeg m m — — 

Darnach bringen fie hervor das Eyß. Aus eye. 
weß Leibe iſt das Eyß gangen? Und wer hat den 
Reiffen unter dem Himmel gezeuget? Hiob 38. 
der]. 29. Er ER 
er andern Zeit bringen fie hervor Hagel und Haser, 
Schnee. Biſt du gangen zu den Schägen des 2) 3 
Schnees? Oder haft du sefeben den Schat oder 
Urjprung des Angels? Die ich bereitet habe auf 
den Tag des Sfreits und. Ärieges, Hiob 38.0. 22. 

23. OOtt rüfter auch die Crestur zur Rache 
widerfeine Zeinde, Weish. 5.0.18. Die Creatur, 
ſo dir, als dem Schöpffer, dienet, ifE hefftig zur 
Plage uͤber die Ungerechten, und thut gemach zur 
Wobltbat über die, [6 dir trauen, Cap. 1 6.0.24. 
Die Geſchoß der Blitzen werden gleich zutreffen, 
und werden aus den Wolcken, als von einembart 
gefpanneten Bogen, fabrensum3iel, Und wird 
dicker Angel fallen aus. dem Zorn der Donner 
febläge, Cap. 5. v. 22.23. Ich will über Gog und 
Magog regnen laffen Plegw- Regen und Hagel⸗ 
Steine, Ezech. 38. v. 22. Dergleichen lefen wir im 
doſe und Joſua, 2. B.Moſ. 9.0.23. Joſ. 10. v. 1I1. 

Zu feiner Zeit bringen fie vervor Feuer = Slam geuer 
men und Hitze, Donner, Ölig, Donnerſchlag. a 
Banſt du deinen Donner in den Wolcken hoch ner, 
herfuͤhren? Banſt du die Bligen auslaffen, daß Hiob 37. 
fie hinfahren und ſprechen: Hie ſind wir? Hiob * 
38.v. 34. 35. Feuer gehet vor ihn ber, und zuͤn⸗ 
det an umher feine Feinde. Seine Blitzen leuch⸗ 
ten auf dem Erdboden, das Erdreich ſiehets, 
und erſchrickt. Berge zerſchmeltzen wie Wachs 
vor dem — vor dem Herrſcher des 
gantzen Krdbodens, Pſalm 97. verſ. 3.4. Die 
- Sonne machets beiffer denn viel Oefen, und bren⸗ 
net die Berge, und bläfee eitel Hitze von fich, 
Sirach 43.0.7 Da wird die Sonne befchrieben als Sir.4.04 
ein Feuer, das alle Dinge zeitiget und Fochet. Wo 
wolte man fonft ein ſolch Seuer nehmen, Das die Welt 

erwar⸗ 


910 B. IV. C.4. Vom vierdten Tagewerck GOttes, 
erwaͤrmete, und alles in feine Maturitaͤt braͤchte, und 


reiff machte? 


Megen, 


5.3. Def. 


48. v. 12. 


Zur andern Zeit bringen ſie den Regen, ohne wel⸗ 
chen das Erdreich nicht grünen Fan: Der JZERR 
wird feinen Schatz aufthun am Himmel, daß 
er deinem Lande Regen gebe zu feiner Zeit, 
5. B.Mof. 28.0.12. Da hören mir, daß GOtt al 
lein den Schlüffel gu diefem Schaßs Raften habe, daß 
er Regen hervor gebe, wenn er will, und wenn wir ihn 
den Regen abbitten, Pſalm r47.0:8. Er allein hat 
Die Tropffen des Regens gezehlet. Sind auch unter 
den Heyden Götter, Die Regen machen Eönnen? 
Dover geben die Himmel Regen, wenn du nicht wilt? 
Jerem. 14.09.22. Durch feine Weisheit find die 
Tieffen aufgebrochen, und die Wolcken trieffen 
mit Thau, Spruͤchw. Sal. 3.0.20, Wer iſt des Re⸗ 
gens Vater? Wer hat die Tropffen des Thaues 
gezeuget? Hiob 38.0.28. Werdet ihr inmeinen 
Geboten wandeln, fo will ich euch Regen geben sur 


- feiner Zeit, und das Land foll fein Gewaͤchs ge⸗ 


ben, und die Bäume auf dem Selde föllen voll 
Srüchte werden, 3. B. Moſ. 26.0.4. Laſſet uns 
Doch GOtt fürchten, der uns Fruͤh⸗ und Spat- 
Regen giebt zu feiner Zeit, und uns die Erndte 
treulich und jährlich bebüter, Jer. 5. verſ 24. Ich 


will die Senfter des Himmels auftbun, und Segen 


Regenbo⸗ 
Ben. 


herab ſchuͤtten die Sülle, Mal, 3.0.10. Banſt dur 
die Waflerfibläuche am Himmel verjtopffen? 
Hiob 38. 9.37. 

Darnach den Regenbogen: Siebe an den 
Regenbogen, und lobe den, der ihn gemacht. 
bat. Saft [non iſt se in feinem Schein: Den 
Zimmel umgiebt er mit feiner Blarheit: Die 
Aand des Alerhoͤchſten bat ihn gemacht, und 
ausgeſpannet. Er leuchtet ger lieblich in feinen - 
Wolken, Sirach 43. verſ. 2. 13. C. 50. p. Der 
Regenbogen iſt GOttes Zeuge in den Wolcken, 
ein Gnaden⸗Zeichen, ein Siegel Des Bundes ar | 

m 


von der Sonne des Himmels. 911 


ae en N 
‚ mit den Menfchen und allen lebendigen Thieren aufge 
richtet, Pſ.89. 0.38: 1. B. Moſ. 9.0.13. ſeqq. Kin 
Regenbogen iſt um den Stuhl GOttes wie ein 
Smaragd, Dffenb. Joh. 4.0.3. & 10.0.1. . 
Zu feiner Zeit den Thau: Der Thau erfreuet das Thau 
Gras, kühler die Hitze, Sirach 18.derf. 16. Dom 
Thau blüben die Rofen,und feine Wurtzeln ſchla⸗ 
gen um fieaus, Seinejungen Zweige breiten ſich 
weit aus, Hof. 14.0.6. Der Himmel hat euch fei- 
nen Thau verhalten, und die Erde ihr Gewächs, 
Sag. 1.0, 10. Joel 1. v. 17. Mehlthau iſt eine groffe 
Strafe: Ich ſchlage euch mit Duͤrre, Mehlthau Mehltbhau. 
und Hagel, in aller eurer Arbeit, Hag.2. v. 18. Da⸗ 
von leſen wir auch im 5. B. Moſ. 28. v. 38. und dem 
Propheten Amos, C.4. v. 9. Re 
\ Zu feiner Zeit bringen fie hervor den Wind :Wüb 
GOTT hat dem Winde fein Gewicht gemacht, 
und dem Wafler feine gewiffe Maſſe gefezer, 
Hiob 28.0.25. Der den Wind hervor bringt, P.13.%.2, 
aus beimlichen Bertern, aus feinen Schägen, 
Pſalm 135.0.7. Da HER aber hat diefe feine 
Schaͤtze der Winde gar wohl geordnet, und diefelben 
andie heimlichen Derterdervier Ecken der Welt gelegt, 
Uber dieſe Schase der IBinde hat GOtt der Herr Treaturen 
feine Schag-Meifter verordnet, aber alfo, daß fie niche Punales 
für ſich felbft, fondern aus feinem Befehl, die Winde 18 Berdk 
müffen auslaffen, und hervor bringen. Und auf diefe 
Weiſe ift von allen ſolchen natürlichen Schaͤtzen des 
Himmels zu halten. Aus welchem: Grunde det 
Prophet Zacharias Cap. 6. v. 5. Gleichniß⸗weiſe redet 
vonden vier Wagen, welche der Engel ausgeleget von 
den vier Winden unter dem Aimmel: Welches 
der ‘Prophet nach ‘Prophetifcher Art geiftlich gebrau⸗ 
chet. Dergleichen lefen wir in der Dffenbarung, 
Cap. 7.0. i. daß Johannes fabe die vier Engel ſte⸗ Ofend: 
ben auf den vier Ecken der Erden, aufdaß Fein Ib.7.0 8 
Mind über der Erden wehe, noch über das Meer, 
noch uber einen Baum: Welches dey Evangeliſt 
qus 





912 B.IV. C.4. Dom vierdten TagewerckGOttes, 


aus der Natur nimmt, und zur Prophetiſchen Weiſſa⸗ 
gung gebraucht. Kr wird feine Engel fenden; und 
wird verjammlen feine Auserweblten von den 
vier Winden, vom Ende der £rden, Marc, 13. 

v. 27. Matth. 24.0. 31. | 
Namen Die vier Winde haben in der Schrift ihre befon- 
beit dere Namen. Vom Morgen fommt der Oſt⸗ Wind, 
Wind, heiß und trocken, durch welchen GOtt den Grund des 
rothen Meers getrocknet, 2. B. Moſ. 14.09.21. Der 
Err wird einen Oſt⸗Wind vonder Wuůͤſte her⸗ 
auf bringen, und wird die Brunnen⸗Guellen aus⸗ 
Sub⸗ trocknen. Der Sud-Wind kommt vom Mittag, 
Ri. warm und feucht: Sind deine Rleidernicht warm, 
wenn das Land durchwehet wird vom Mittags⸗ 
Winde? Hiob 37.v. 17. Wenn ihr ſehet den Mit⸗ 
tags⸗ Wind wehen, ſo ſprecht ihr: Es wird bald 
regnen. Und es geſchicht alſo, Luc. 12,0.55. Der 
ee Weſt⸗Wind kommt von der Sonnen Niedergang, 
Wind. kalt und feucht: Da wendete der HErr einen febr 
ſtarcken Weft- Wind, und hub die Acufchrecken 
auf, und warff fie ins Mieer, 2. B. Moſ. 10.0. 19. 
Nord Der Ford Wind Fommt von Mirternacht, ift Ealt 
Wind. und trocken: So der kalte Nord-Wind weber, fo 
— aus dem Waſſer ein heller Cryſtall, Sir. 43. 

verſ. 22. 

Frůchte des Dis find nun die Früchte des Himmels, ſo GOtt 
Himmels der HErr aus feinen Schaͤtzen zu feiner Zeit hervor 
bringet, und koͤnnen die untern Elementa derfelben 
gan, nicht entrathen. Darum bat es der getreue 
Schöpffer alſo verordnet, daß die untern der obern 
Gautze Nas Kräffte und Einfluß empfahen müffen. Und hanget 
— die gantze Natur an einander als an einer Ketten; wie 
der. ſolche auream catenam naturæ & providentiæ divinæ, 
guͤldene Kette der Natur und Goͤttliche Vorſorge, der 
H0.2. v. Prophet Oſeas beſchreibet, Cap. 2. verſ. 21. 22. Ich 
ar will den himmel erhoͤren, ſpricht der HErr, und 
‘der Himmel ſoll die Erdeerbören. Und die Erde 
foll Korn, Moſt und Oel erbören, und — 
ollen 


N 


von der Sonne des Aimmels. 913 


an ann nn Muhr u FE un Er ur Er er 

follen Iſrael erbören. Hier redet GOtt der HErr 

von der gantzen weiſen Ordnung det Natur, und faͤhet 

von oben an, a prima caula: Ich will den Himmel 
erhoren; Das iſt, wenn in groſſer duͤrrer Zeit der 
Himmel vor Hitze brennet, und die Sterne ihre Wuͤr⸗ 

ckung nicht haben, daß fie fruchtbare Zeiten geben koͤn⸗ 

nen, da will ich den Simmel erhuren, und denfelben mit 
Wolcken bedecken, und die Sterne ihre natürliche 
Wuͤrckung vollbringen laffen: Denn wenn Sonn und 

Mond veriinftertiwerden, geben ſie unnatuͤrlich Wetter, ' 

Und der Himmel fol die Erde erbören: Das iſt 

Die andere Drdnung der Natur; Denn Die unterſten Unterfen 
Kräffte der Erden bangen alle an den obern Krafften ErAfte ber 
des Himmels: Wenn der Himmel in feiner Wuͤrckung gen an ven 
verhindert wird / und nicht gütig ift, ſo Ean auf Erden Serntäfe 
nichts wachſen; So rufft die Erde in ihrer Angſt und Himmers, 
durch dieſelbe den Himmel an in dürver Zeit, wenn fie 

ihren Mund aufthut, von einander fpaltet, und nach 

dem Regen dürfte. Und die Erde ſoll Rorn, Moſt 

und Oel erhoͤren; Das iſt: Die Erd⸗Gewaͤchſe muͤſ⸗ 

ſen aus der Erde ihre gruͤnende Krafft und Safft ſau⸗ 
gen und an Sich siehe: Wenn denn die Erde ohne Safft 

iſt fo wollen die Gewaͤchſe gerne Trincken haben von 

ihrer Mutter, das it, vonder Erden, wie ein Kind nach 

Der Mutter fehreyet, wenns durſtig iſt. 

Nun laft ung auch die Wohlthaten, ſo uns GOtt 2. 
der HErr durch den Lauff der Sonne und Mond er- Wohltha— 
zeiget hat, ein weniginder Furcht GOttes betrachten, ee 
- und Dabey erinnern, wie wir dieſelbe Leiblich und geift- Lauff der 

lich gebrauchen follen. —— 
Es ſpricht GOtt der Herr zu Hiob, mit welchem Monds er⸗ 
er damals felbft geredet: HZaſt du geſehen die Thür Sy, 
der Finſterniß? Weiſt du den Weg, da dasv.ı. zu 
Licht wohner? Banſt du die Bande der fieben 
Sterne zufanmen binden, und das Band des 
Orions auflöfen? Kanſt du den Morgenftern 
hervor bringen zu feiner Zeit, oder den Wagen 
sn Himmel über feine Binder fuͤhren? Weiſt du, 
IV. Theil, - Mm — wie 


914 B.IV. E.4. Vom vierdten Tagewerck GOttes, 


wie der Himmel zu regieren iſt? oder kanſt du ihn 
meiſtern auf Erden? Banſt du den Donner in 
Woͤlcken bob herfuͤhren, und die Blitze aus- 
laflen, und die Waſſerſchlaͤuche am Himmel ver⸗ 
SOites ſtopffen? Hiob 38.0. 19.3 1.199. Mit diefen Aborz 
weicht ten giebt Der liebe GOTT feine großmaͤchtige Gewalt, 
erfheines und Weisheit gu vernehmen, alſo, daß Fein Menſch 
ausder feine Weisheit ergründen, und die Urfache feiner Asers 
Netur. Eee ausdencken, vielweniger nachthun Fan; denn ein 
Menſch nicht ein grünes Graslein machen Ean, ich gez 
ſchweige denn licht oder Finſterniß. Muͤſſen ihm dene 
nach die Ehre geben, unfern Mund zubalten, und uns 
vor feiner Allmacht demüthigen, GOTT in feinen 
Wercken loben und, preifen, als David thut, da ex 
fpricht: Dur macheft den Monden, das Jahr dar 
nach zutbeilen. Die Sonne weiß ihren Nieder⸗ 
ꝓſal. 104. gang, Pſalm 194. verſ. u9. Die koͤmmt der Pro⸗ 
v. 13. phel auf das vierdte Tagewerck GOttes, da GOtt 
ſpricht: Es werden Lichter ander Feſte des Him⸗ 
mels, und ſcheiden Tag und Nacht, und geben 
1.9. Mof.ı. Zeichen, Zeiten, Tag und Jahre. Und GOTT 
v1 machte zwey große Lichter, ein groß Licht, das 
den Tag regiere, und ein Elein Licht, Das die 
lache regiere, und darzu Sterne, 1. B.Moſ.1. 

verſ. 14.16, 
eihde Man bat ſich nun billig hoch zu vertvundern über 
Morudiu. das Licht des Monden, daß cs ab⸗ und zunimmt, und 
feine gewiſſe Zeit halt, und ift als wenns gar verlor 
fehen ware am Himmel; baid nimmt ex wieder zu, 
und wächfet, und wird geoffer, wie andere Gewaͤchſe. 
Mut des Das hat der liebe GOtt darum alfo geordnet, auf daß 
Br man nach dem Mond-Schein das Jahr theilen, und 
im Lond. die Zeit gewiß unterfcheiden koͤnne, und die weltli⸗ 
chen Geſchaͤffte ordentlich unter menſchlicher Geſell⸗ 
ſchafft koͤnnen verrichtet und entſchieden werden. 
Ohne welche gewiſſe unterſchiedene Monden und 
Tage keine richtige Ordnung in der Kirche GOttes, 
in den weltlichen Regimenten und Gerichten, > IR 
| aus⸗ 


von der Sonne des Alınmels. gIs 


— — — — — ——— — — — — 
Haus-Stande ſeyn konte. Was wuͤrde dag für eine 
greuliche Finſterniß, Unordnung und Confuſion in der 
Welt in allen Staͤnden geben, wenn kein Unterſcheid 
der Monden, Wochen und Tage waͤre? 

Darum lerne nun bie die Weisheit GOttes er⸗ Nach dem 

kennen in dem gewiſſen Lauff des Monden und Ab⸗Mhlezeh 
theilung der Zeiten. Das allerweiſeſte, das in allen zen ausge 
Ständen it, iſt gute Ordnung halten, und die vechte heilen 
Zeit reifen: ber das thun Fan, der mag ſich billig 
für einen guten Negenten und Haus Dater achten: 
Denn es it alles ander Zeit gelegen. Was zur Unz 
zeit gefehicht, verderbetalles; denn GOtt hat alle Dinge 
in gewiſſe Zeit, Maß und Gewichte befchloffen, 
Weish. ıı. ver 22. und bringet eine isgliche vechte 
Zeit ihren Segen und glücklichen Fortgang mit. Es 
bat alles feine Zeit,und alles Vornehmen unter 
dem Himmel hat feine Stunde, Pred. Sal. 3.0. 1. 
Wohl dem,ders treffen kan! da muß man GOtt um 
bitten, 

Die andere Urſach, warum GDtt das Licht des Verändern 
Monden wandelbar gefchaffen, daß es ab⸗ und zur Zyuapıs 
nimmt, ift, daß durch ſolche Veranderung die untern näser den. 
Dinge und Ercaturen regieret wuͤrden; denn alle Mon, Lreaturen. 
den hat man durchs gange Jahr faſt etwas neues; Dier 
ſer Mond bringt dis, dev andere ein anders, Eine ans En feder 3 
. dere Gabe GDttes bringet der Mers, eine andere der — 
May, eine andere der Brachmonat, eine andere der Früchte 
Heumonat, eine andere der Herbjimonat, eine andere 
der Auguſtmonat. Es hateinieder Monat feine eigene 
Erd» Gewaͤchſe, feine eigene Kräuter, feine eigene 
Fruͤchte, feine eigene Fiſche, feine eigene Voͤgel, fein 
eigen Wetter, feineeigene Binder. Summa, egift 
ſo eine weiſe Drdnung GOttes, man fans nicht genug 
ausdenden ; | 

Es giebt ung auch der Königliche Prophet mit Diez 
ſen Worten, die Sonne weiß ihren Tliedergang; 

Pf. TO4.derf. 19. zu betrachten den geſchwinden Lauff Pal-ı04 
der Sonnen, Dadurch die Tage unterfihieden, verlänz ""' 
Mmm 2 gert - 


Eu u — — 


916 B.IV. C.4. Vom vierdten Tagewerck GOttes, 


gert und verkuͤrtzet werden, wie auch der Sonnen Lauff 
unterſcheidet die vier Jahrs⸗Zeiten, den Frühling, den 
Sommer, den Herbft und Winter: Welches alles 
den Menfchen zu fondern Nutz — 
Gewiſſer Da haben ſich nun alle Menſchen billig zu ver⸗ 
er. wundern über den gewiffen Lauff der Sonne, daraus 
auc) die Heyden erkannt haben, es muͤſſe ein GOtt ſeyn, 
h ein ewiges Gemuͤth, voller Weis heit, Das ſolchen gewiß 
fen Lauff der Sonne georonet denn die Sonne halt 
ihren Lauff ge wiß,umd 2sehe eich weiter, oder uͤber dag 
Ziel, das. ihr GOTT gefeget hat, — hoͤher, nicht 
niedriger, ſie hat ihren groffen Weg am Himmel, 
welchen man nennet viam dolis ad lineam ecliptieam: 
Wenn die In dem Wege bleibet fie gewiß. Sie gehet nicht wei⸗ 
ne ter gegen Mittag, denn in den erſten Punct des himm⸗ 
und Som: liſchen Steinbocks, da machet fieden Winter, da keh— 
mer macht. vor ſie wieder. Sie gehet nicht weiter gegen Mitterz 
nacht, denn in den erften Punet des Krebfes, da machet 
fie den Sommer, da Eehret fie wieder, Und das haͤlt 
ſie fo gewiß, daß es nicht um eine Minute fehlet. Wenn 
ſie die zwoͤlff himmliſchen Zeichen einmal durchlauffen 
bat, fo ifts ein Solariſch Jahr. Wenn aber der Mond 
zwoͤlffmal diefelbe durchlaufen, ſo machets ein Luna⸗ 
riſch Jahr. 
Sonnen Das ift nun der Sonne ihr jährlicher Lauff, da- 
ur durch fie das Jahr macht: Ihr täglicher Lauff aber, 
Fahr, dadurch fie den Tag macht, ift einer folchen Gefchwins 
digkeit, Daß es Feine menfchliche Sinnen ausrechnen 
fonnen: Denn alle vier und zwanzig Stunden um⸗ 
laufft fie den gangen Himmel. Dencket nun, welch 
eine Groͤſſe des Himmels fen, dagegen Die Erde wie ein 
Punct zu vechnen. Sie läufft alle Jahr dreyhundert 
und fechzig Srad, Ein Grad aber hat am Himmel 
fünffhundert und fiebengigmal taufend, fünffhundere 
und ein und achsig Meilweges. Hie iſt Fein Menſch, 
derdis ausrechnen kan. 
N er wolte fich nun Darüber nicht billig verwun- 
ETRERN dern, und die Weisheit des Schoͤpffers preiſen? Ja, 
dadurch 





BE in —— 


Es ln 
von der Sonne des Himmels. 917 


dadurch find auch die Heyden bewogen worden, die fhönfe 
Sonne für einen Bott anzubeten, weils die gröfte und THE. 
fehönfte Ereatur iſt, die mit ihrem Licht Die Welt er 
feuchter, und mit ihrem Lauff und Krafft alles vegieret: 

ber dis iftmenfchliche Blindheit und Thorheit: Denn 

die Ereaturen find ja tote ein Spiegel GOttes, Daraus 

wir den Schöpffer füllen erkennen lernen, wie Sirach Sirach 43, 
fagt, &.43. 0.2.5. Sehet dieSonne anwiegeoß"""- 
und ſchoͤn if fie. Es mußein groffer HErr ſeyn, 

der fie gemacht bat. Von einem Indianifihen Koͤ⸗ 

nige liefet man, als er hat hören predigen von CHriſto 
unſerm HErrn, daßer um unferer Sünde willen geſtor⸗ 

ben, und daß man an ihn glauben müffe, hat er gefagt: 

„Ey folt ich an den alänben, der geftorben ift? Viel⸗ 

„mehr glaube ich an die Sonne, die iſt noch nie geftors 

„ben. Da fehet ihr menfchliche Blindheit. Derowe⸗ 

gen, auf dag der Menſch Durch die Groͤſſe und Durch 

die Schönheit der Sonnen nicht betrogen würde, befieh⸗ 

lt GOtt und fpricht: Huͤte Dich, daß du dein Hertz 5. 3. Mof. 
‚nicht aufbebeft, und feheft die Sonne ind Mondt+ 14. 
an und beteit fie an: denn die hat GOtt der HErr 
geſchaffen sum dienſt aller Voͤlcker unter dem 
Aunmel 5. B. Moſ. 4:0. 19. 

So ſollen wir auch nicht meynen, daß die Sonne, Sonne ik 
Mond und Sterne nur allein in der Griffe ge ln, 
ſchaffen find, wie fie von uns gefehen werden; denn ner, 
es find gewaltige groffe Lichter und Eörper, wie oben 
vermeldet. Und iſt der Mond und dieandern Sterne 
zwar Eleiner, Denn die Erde: Aber Die Sonne, fagen 
die Mathematici, fey«hundert und fechs und ſechzig⸗ 
mal geöffer, denn die Erde, welches fie aus gewilfen 
augenfcheinlichen Beweifungen, welche fit Demonttra- 
tiones , heiffen, bewahren Eonnen. Daß ung aber Werum die 
die Conne fo Elein feheinet, machet die genoaltige un nem Age 
maßliche Höhe, und die Geſchwindigkeit ihres Lauffs, mt. 
wie der Augenfchein bezeuget; ie höher und weiter etz 
was ift,ie Eleiner fcheinet es. Aber das laſſen wir den 
gelehrten Sternfündigern. Ob ihrs gleich nicht ver = 

Mmm:z ftehen 


918 B.IV.E,4. Vom vierdten TagewerckGOttes, 


Rep konnet, fo lernet euch doc) Darüber verwun- 
‚dern 
Applica- Hierbey ift aber erſtlich zu betrachten die Allmacht 
Fonderet,e UND Weisheir öttes. Wie weislich und zierlich 
Lehrin hats GOtt gemacht, daß er dem Tage ſeine Zierde und 
er Licht gemacht hat, Die Sonne; und der Nacht ihr Licht, 
Kusdem den Mond! Denn Licht Me die höchfte Zierde und 
—— der Schoͤnheit aller Dinge. Wir verwundern uns, wenn 
erfcheimgg einer etwa ein fehon Haus bauet, und es zieret mit Bil⸗ 
one dern, Gemaͤhl den, fehanen leuchtenden Sarben: Viel⸗ 
Allmacht mehr ſollen wir uns verwundern über das gewaltige 
Gebän des Himmels, welches mit fo groſſen, ſchoͤnen 
und vielen kichtern gezieret iſt: Denn Licht ift die hoͤchſte 
Zierde aller Creaturen. 

2). Vors andere iſt feine Weisheit auch darinn zu er⸗ 

— kennen, daß, wie der heilige Prophet faget: Er zehlet 
die Sterne, und nennet fie alle mit Ramen. Groß 
iſt der ARrıygroßift feine Macht / und feiner Weis⸗ 
heit iſt keine Zahl, Pſ. 147. v. 4.5. Wenn wir nun 
das wiſſen, ſo ſollen wir auch GOtt in allen Dingen das 
Lob der Weisheit geben, ob er uns gleich befiehlet zu thun 
und zu glaͤuben, das wir nicht begreiffen koͤnnen, ja, das 
uns naͤrriſch deucht ſeyn: Denn die Goͤttliche Thor⸗ 
heit iſt kluͤger, denn aller Menſchen Weisheit, 
1. Cor. 1.0.25. 

8 Vors dritte, ſo lehret uns auch Sonn und Mond 
—— mit ihrem gewiſſen Lauff betrachten die Wahrheit 
und onds GOTTES, und die Gewißheit feiner ‚Derheiflung; 
a denn wie gewiß hat SOTT zu ieder Zeit feine Ders 
MWaprheit. heiffung erfuͤllet? In der € Sendung des Meßiaͤ, in den 

Veraͤnderungen der Monarchien und Kayſerthuͤmer, 

Jer 33 v.e5. ei andern Erlöfungen des menfchlichen Geichlechts. 
Daher er fpricht: Wenn meine Ordnung auf börer 

mit Tag und act, ſo ſoll wein Bund mit Da= 

vid aufhören, Ser. 330.25. Das ift, ſo gewiß foll 

* von ihm kommen, ſo gewiß Sonn und Mond 

eyn. | 

B Si Dors vierdfe find Sonn und Mond, wenn fie 
Var finſte⸗ verfin⸗ 


von der Sonne des Aimmels, 919 





verfinſtert werden, auch Spiegel des Zorns GOttes, rung ber 
und Zeichen des juͤngſten Tages und groſſer Veraͤn⸗ en 
derung der Belt, Buß Predigten, dadurch uns GOtt Ronden 
unferer Sünde erinnett. an Bu 
Wiewol nun die Finfterniffen der aroffen himmli⸗ 
ſchen Lichter natürliche Urfachen haben, alfo, daß auch 
etliche Theologen die Finfternig der Sonnen und 
Monden, fo Zeichen des juͤngſten Tages ſeyn füllen, guc ar.v.as. 
nicht von natürlichen, ſondern uͤbernatuͤrlichen Finfter- 
niffen verftehen, wie die Sonnen⸗Finſterniß geweſen 
im Leiden unfers Herten, und die Egyptiſche Finſter⸗ 2 
niß; welches wir denn nicht in Abrede feyn wollen, Obs natärs 
daß Euch vor dem Ende der Welt ſolche uͤbernatuͤrliche Huunine 
Finſterniſſe ſeyn werden, alfo, daß auch die Sterne feon wer 
vom Himmel fallen werden: So hindert doch nichts, DEV NR, 
daß auch die natürlichen Sinfterniffen nicht folten ken Tage 
. Zeichen feyn, Die uns den jüngjten Tag verkündigen eusen 
Denn alle Tinfterniffe find wider die Natur und Eigenes 
schafft der himmlifchen Lichter; denn zu Lichtern find die Ratur. 
fie gefchaffen, daß fie leuchten ſollen: Wenn nun ihr 
Sicht verhindert wird, das ift wider die Natur, und 
ift ihre Leiden; welches auch die Heyden verjtanden, 
und gefagt: Defedtus Solis Lunzque labores. "Das ift; 
Die Finfterniffe find’ ein Leiden der Sonne und des 
tonden. Denn unfer Herr fpricht: Die Braͤffte Matth. 24. 
des Aimmels werden fich bewegen, Matth. 24.” *. 
dv. 29. Die Sterne aber find die Kräffte des Him⸗ Kräfte des 
mels, denn fie geben alle Kräffte und Wuͤrckung des Pimmels. 
Himmels durch ihren Lauf. Sie gehen frey am 
Himmel in ihrer Krafft, wie dee Menſch; derjelbe iſt 
mit den Füffer nicht an Die Erde gebunden, wenn er 
Keine Krafft hat, fällt ex: alfo werden auch die Kraͤffte 
des Himmels gefchrwacht werden. Die Finfternifje Binkernife 
verfündigen und bringen allerley Jammer auf Er Petim 
den, Hunger, Krieg und Peſtilentz, welches alles Die bringen al 
Menfchen verurfachen: denn alle Ereaturen und!trleosam 
die ganse Natur angftet ſich, und hat ihr Leiden und 
Angſt. Welches Leiden der groffen Welt hernach 
Mmm 4 auch 


920 B. W. C.a. Vom vierdten Tagewerck GOttes, 


aueh in Microcofmo, das iſt, im Menſchen vollbracht 
wird. Was dem Menſchen wiederfahren ſoll, das lei⸗ 
det zuvor Die Natur und die groſſe Welt; denn aller 
Creaturen Leiden, Gutes und Boͤſes, iſt auf den Men⸗ 
ſchen gerichtet, als auf ein Centrum, darinn alle Linien 
Was der des Circkels zuſammen ſchlieſſen: Denn was der Menſch 
ei verſchuldet, das muß zuvor die Natur leiden. Je groͤſ⸗ 
muß zuoor ſere Sünde der Menfchen, ie mehr die Ereatuven leiden, 
— und ſich aͤngſten Rom. 8.0.19.22. Weil nun die 
Nom. sg. Bosheit der Menſchen immer groͤſſer wird, Fan die 
v. i9. 22. Welt Die ſchwere Laſt der Sünden nicht mehr tragen, 
ſie muß vergehen. Die Bosheit ſteigt gen Himmel, 
und füllt hernach als ein Gifft wieder herab auf den 
Mentchen, das ift feine Strafe: Und fo gieffen die Enz 
gel ihre Schalen aus, aufd Meer und Trockene, auf 
Menfchen und Vieh, und alle Gewaͤchſe, Offenb. Zub. 
„26. d, 1. fegg. NN. | E 
Finſterniß Wenn der Sonne ihr Licht verhindert wird, das 
en empfinden alle Sterne, ja alle Creaturen, die ihre 
” (r LE, . * > re ; . 
die Sterne. Kraft von der Sonne haben. Darum fpricht unfer 
Eurarda. HEMM Luc. 21. v. 25. Es werden auch Zeichen an 
den Sternen geſchehen, fie werden auch ihre Angft leis 
den und haben, darum fie auch endlich vom Himmel 
fallen werden, denn das Licht ft ihr Leben. Iſt nun ihr 
Leben geſchwaͤcht, fo müffen fie fallen, wie ein Menfch, 
der Eeine Krafft mehr bat, zu Boden fallt. Sterne 
find Lichter, und das Licht ſchwebet natürlich gern oben 
inder Höhe: Wenn aber ihr Licht geſchwaͤchet wird, fo 
muß ihr Globus fallen,ja ſo muß das gange groffe Gebaͤu 
des Himmels fallen, wenn feine Kraffte bewogen wers 
den und verzehret feyn, wie ein Frafftlofer Menſch zu 
Boden fälle, 
Sinkernife Wenn man nun eine Sinfternif der Sonnen und 
erkinde. Mondeg anſchauet, foll man gedenken, es ſey eine 
gen, daß eir >_ / / En 
ne groffe Derhinderung - tbrer natürlichen Wuͤrckung, und 
De Kräfte, denn es iſt wider ihre Natur und verkuͤn⸗ 
volbrache. digen uns eine groſſe vollbrachte Bosheit auf Erden, 
Die 0 und deroſelben Strafe, Hiob zo. v. 27. Der Bin: 
me 





- 


von der Sonne des Aimmels. - 921 


mel wird feine Bosheit eröffnen, und die Erde 

wird fich wider ihn fegen. Wie die Finfterniß im Lei⸗ 

den EHrifti verkuͤndiget der gantzen Welt den Tod 

EHeifti,und groſſe Bosheit und Läfterung wider CHri⸗ 

ſtum, Matth. 27.90.45. denn Sonne und Mond find Matth. ar. 

gleich als Spiegel der groſſen Welt, darinn man der" 

Menſchen Bosheit und zukünftige Strafe anfchauen 
ſoll, und die Suͤnde, fo gen Himmel geftiegen, iſt wie das 

Geſchrey zu Sodom, ſo hinauf kam vor GOtt, 1. B. 

Moſ 18.0. 20. Alle Sonnen⸗Finſterniſſen bedeuten Finſterniſſe 

eine inwendige Finfterniß des Unglaubens in den Her⸗ Fedeuten 

‚Bender Menfchen,daffelbe verkuͤndiget ung der Himmel, Finfternig 

gleich als foräche er zu uns; Sehet ihres, ihr Menfchen, — 

fo feyd ihr inwendig in eurem Hertzen. Und wenn der* 

Himmel alſo brennet, und die Sonne blutroth iſt, willer 

zu uns ſagen: Sehet ihrs, ſo werde ich einmal im Feuer 

vergehen. Auf dieſe Weiſe reden alle Elemente mit 

uns, verkuͤndigen uns unſere Bosheit und Strafen. 

Was iſt der ſchreckliche Donner anders, denn eine ges Donner 
waltige Stimme des Himmels, dafür die Erde zittert 5 | 
dadurch uns GOtt warnet? Was ift das Erdbeben ER 

anders, Dennteine fehreckliche Sprache der Erde, Die ih⸗ 

ven Mund aufthut, und groffe Veränderung verfindt- 
get? Alſo auch Die reiffenden und tobenden Sturm: 
winde und Brauſen des Meere, 

Zum fünfften follen wir auch an der Sonne, | 5. 

Mond und Sternen GOttes Gůͤtigkeit erkennen, Same h 

daß ein ewiges Licht ift, Das ung erleuchtet, tröftet, er⸗ Stemezeus 

freuet; denn weil fonft GOTT unfichtbar und uns er 
begreifflich ift, follen wir aus den fchönen natürlichen Sure 
Lichtern feine Natur erkennen lernen: Denn Durch 
die lieblichen Kichter will ev uns reisen ihn zu lichen. 
ie man das Licht lieb hat, als die ſchoͤnſte Creatur: 
Alſo follen wir GOTT, das ewige Licht, herglic) lieb 
haben, ung zu ihm wenden, und von der Zinfterniß der 
Suͤnden abkehren, und im Kicht wandeln: Denn was 7 , 
bat das Licht für Gemeinſchafft mie der Sin- 
ferniß, und die Gerechtigkeit mit der Unges 

2 Nmms rech⸗ 


922 B.IV.E.4. Dom vierdten Tagewerck GOttes, 


rechtigkeit? Oder was bat Chriſtus, das wahre 
Licht, für Gemeinſchafft mit dem Belial? 2, Eor. 
6.0. 14. 

6, Letztlich haben wir auch eine geiftliche und ewige 
—* Sonne, welche iſt die Sonne der Gerechtigkeit, 
ne ehnne. Ehriſtus JEſus, Mal. 4. v. 2. Die ſcheinet mit ih⸗ 
Mah4 0.2. rem Gnaden⸗Licht allen Menſchen, und mißgoͤnnet kei⸗ 

nem Menſchen ihr Licht. Wie die natuͤrliche Sonne 
allen Menſchen ſcheinet, alſo beut ſich CHriſtus in ſei⸗ 
nem Wort iederman an: Ich bin das Licht der 
Welt, wer mir nachfolget, wandelt nicht im 
Finſterniß, ſondern wird das Licht des Lebens 
haben, Joh. 8. v. 12. 


Gebet. 


Roſſer und Majeſtaͤtiſcher GOtt, du Schoͤpffer und Erhal⸗ 

ter der unbegreifflich-groſſen himmliſchen Coͤrper, wenn ich 

betrachte, wie du mit deinem unermeßlichen Wefen undNerrlichs 

keit dieſelben alle erfuͤlleſt, ſo erbebe ich billig vor deiner heiligen 

Majeſtaͤt, welche zu begreiffen mir weniger moͤglich, als den 

ef. 420. Himmelmit der Spannen zu faffen, und die Erde zu begreiffen 
—— mit einem Dreyling. O mit was Demuth ſolte ich, eine Hand 
voll Erde, vor deiner groſſen Majeſtaͤt erſcheinen? Wie groß iſt 

Eph.e. 0.18. die Gnade, daß ein elender Wurm zu einem fo greſſenGOtt einen 
Zugang bat, ja darff denfelben in CHriſto Bater nennen? Wie 

Gir.10.0.9. groß iſt die Unſinnigkeit, daß die arme Erde undAfche fich erhebet, 
If. 45:09. mit feinem Schoͤpffer hadert und wider denfelben frevelt? Alle 
3.40 Heyden find vor dir geachtet wie ein Tropffen, der im Eymer 
u. 15 überbleibet, alle Inſuſn find wie ein Stäublein : Und ic), derich 
ungleich weniger bin alg ein Stäublein, darff mich unterfichen 

dir ungehorfam zu ſeyn durch Sunde deine Ehre zu fchmälern, 
freventlich mic) deinem Willen zu teiderfegen. D mwiegroß iſt 

deine Langmuth,  HErr, die mich bisher gedultet ! Ach gieb mir, 

daß, fo offt ich die Sonne, Mond und Sterne anfehe, ich daz 

durch zur wahren Demuth, Danckbarfeit, Eindlicher Furcht und 
Gehorfam angeführet werde. Heyden mögen ihr Glück oder Uns 

glück aug den Sternen füchen ; ich, dein armes Kind, begehre 

nicht anders, alg durch deines Geiſtes Negierung geführet, nach 

9.73. 0.24 · deinem Rath geleiter zu werden, und als von deiner Vater⸗Pand 
= alles, was mir begegnet, es ſey Freud oder Leid, anzunehmen. 

Dru haſt, mein GOit, deine Gläubigen deiner Gnade fo gewiß 
verfichert, als du hälteft den Bund mit Tag und Nacht,oder die 

Ordnung des Himmels und der Erden ; Verleihe mir daß ich, ſo 

offt die Sonne den Tag, der Mond und Sternen die Yacht brine 

gen 


von der Some des Himmels. 923 





gen, dadurch meinen Glauben an dic) ſtaͤrcken, und aus Ies 

bendiger Erfahrung degMorgeng deine Gngde und des Nachts 

deine Wahrheit verfündigen moͤge. Bedecke du mich wider die Pf.92, v. 3 
Hitze aller Truͤbſal, dag ich darinnen nicht matt werde; fen du 

meine Sonne und Schild, bis du mich wirft dahin verfegen, da Pl.ßa, v. 12. 
nicht mehr wird anf mich fallen die Sonne oder irgend eine Hi⸗ Offenb. 7- 
ge, da Feine Nacht mehr feyn, und man nicht bedürffen wird Bun: 
einer Leuchte oder des Lichts der Sonnen, da du, o HErr, beine 
Gläubigen wirft erleuchten, nnd fie mit dir regieren werden Offenb. 22. 
von Emigfeit zu Ewigkeit, wenn werde ich, o HErr, dabin kom⸗ 5. 
men? Befchleunige meinen Lauff dahin, duch IEſum CHri⸗ 

ſtum unfern Herrn! Amen. 


Das V. Capitel, 


Don den fünfften Zagewerf GOttes, 
vom Meer und Waſſern, und von den 
| Früchten des Meers und der 

Waſſer. 

1. B. Moſ. 1. v. 20. 22. Und GOtt ſprach: Es er⸗ 

recge ſich das Waſſer mit lebendigen und we⸗ 
benden Thieren, und mit Gevoͤgel, das auf 
Erden unter der Veſte des Himmels fleucht. 
Und GITT ſprach: Seyd fruchtbar, und 
mehret euch, und erfuͤllet das Waſſer im 
Meer. Pf: 104.0.25. Das Meer, das ſo groß 
und weit iſt, da wimmelts ohne Zahl, beyde 
aroß und Kleine Thiere. | 


As Waſſer iſt ein feuchtes, flieffendes und netzen⸗ 1. 
des Element, gefehieden von den andern Elemen vpinex- 
ten, nemlich von der Erden, von der Lufft, und plicatio, 

von dem Firmament oder Feuer, daß es fey ein ſonderlich Kauporfey. 
feuchtes und flieffendes Element, geöffer denn die Exde, 
mit fonderlichem Saamen begabet, gefchieden von den 
SaamensKrafften der andern Elementen, zu gebähren 
fonderliche Früchte: Und begreift in fich die primam ma- 
teriam, oder Saamen der Vögel, der Fifche, der Steine, 
der Gemmen, der Metallen, Mineralien und Salgen. 

Es ift aber vor allen Dingen bey diefen Element Dreverleo 
des Waſſers erſtlich zu bedenefen feine Stätte Er ben dem 

5 


Woſſer zu 
bedencken. 


I; 
Ort des 
Waſſers. 


2 


924 B.IV. C. 5. Vom fünfften TagewerckGOttes, 


Ort; Darnach, wie es ſeine Fruͤchte gebiehret, derer un? 
sehlich viel feyn: Und denn, wie es feine Zweige und 
Früchte, als ein Aßaffer Baum, austheile durch die 
gange Globul der Erden, beydes an Waſſerflüſſen Mi⸗ 
neralien und Metallen. 

Belangend nun ſeine Staͤtte * Ort; fo ift eg 
gefegt in die untere Globul, alfo, daß es in der Erden 
feine graufame Höhlen und Concavirät habe, darinn es 
liegt: Und iſt verordnet, daß es tragen muß mit famt 
Der Erden Den Dienfchen, daß er auf ihm wandern mag, 
und fein gebrauchen, und gehet ringe um Die Globul 
der Erden, und fältet nicht aus feiner Stätte, alſo, daß 
der Theil, der unter ung ift, gleich ſowol über fich ſte⸗ 
het, als wir, und Doch unter fic) hanget: Und iſt ſo wun⸗ 
derlich geſchaffen, daß die Concavitat und Grube des 
rechten Elementi, da es fein Centrum hat, und feine Exal- - 
ration, gar ohne Boden ift, alfo, daß es vonder Erden 
Fein Haͤltniß hat, a es ſtche ſondern frey wie ein 
Ey in ihm ol ftchet, und nicht aus der Schalen fäl- 
let. Alſo hat dag Elementum aquz, das Clement des 
Waſſers, eine folche rounderliche Enthaͤltniß auch, und 
it ein groß Wunderwerck GOttes. 

Es gebiehret aber das Elementum aquz, das Ele 





Er A ment des Waſſers, feine Srüchte in der Erden, zu gleis 


cher Weiſe, als die Erd Stüchte ihren Saamen und 
Wurtzel in der Erden haben, aber nur in der Lufft per- 
fed und reiff werden; denn die Erde treibets heraus, 
umd bleibet nicht in der Erden, fondern es feheidet ſich 
von der Erden: Alfo gehet auch vom IBaffer aus fein 
Gewaͤchs, Metallen, Dineralien, Salia, Gemme, Lapi- 
des, Saltze, Edelgeſteine, Steine, alles von der Mutter 
Des Elements aqua In eine andere Matricem, das iſt, in 
die Erde, da vollendets feine Operation und Wuͤrckung, 
hat aber feine Wurtzel im Waſſer wie Baͤume und 
Krauter ihre Wurtzel in der Erden. Und aber auf Erden 
werden fie perfect und vollkommen, und gehen in ihre 
ultimam materiam, welches denn in der Lufft geſchicht: 


vun geſchichts in der Erden, was vom Waſſer waͤchſet. 


DM um 


vom Meer und Wafleen 925 


Darum laß dich nicht irren die Philoſophos, welche Metauen, 
ſolche AWaffer + Früchte, Metallen und Mineralien, — 
Gemmen und Steine, der Erde zuſchreiben; denn e feine find. 
find nicht Früchte der Erde, ob fie wol in "der Erde? a 
» wachfen, wie in der Schrift ftehet: Sondern fie ha⸗ —— 
ben ihren Saamen und Wurtzeli im Waſſer. Denn vbnſo 
gleich als es unrecht waͤre, wenn du ſagen wolteſt: Die 
Baͤume und Kraͤuter wachſen aus der Lufft, weil ſie 
uͤber der Erdei in der Lufft wachſen; denn ihre Wurtzeln 
werden in der Erde gefunden, weil fie von Der Erde 
ihren Urſprung nehmen, und wachfen in ihre Vollkom⸗ 
menheit in der Lufft: Alfo IE unrecht, daß man halt, f 
Mineralien und Metallen wachfen aus dev Erde, dieweil 
fie inder Erde wachfen. 

Darum muft du zuvor lernen und wiffen, was ein Was ein 
Element ſey; nemlich ein Brunnen und Urſprung fon- rear 
Derlicher unterfchiedlicher Saamen und Kräfte, die 
fonderliche unterfchiedliche ‚Früchte bringen , ein jedes 
Element nach feiner Art, wie eg von GOtt begabet iſt, 
mit ſonderlichen verborgenen lebendigen Saam⸗Kraͤff⸗ 
ten nach feiner Art. 

Die Erde it von GOtt begabet mit den Saam⸗ ei; Fruͤch⸗ 
Kraͤfften der Baͤume, Kraͤuter, Blumen und Grafes, te. 
das ſind die Fruͤchte der Erden, und weiter nicht, wie 
GoOtt der HErr ſprach: Die Erde laſſe aufgehen 
Gras und Braut, und fruchtbare Baͤume, 1. B. 
Mof.r.v.11. Siehe, welch J— iſt 
zwiſchen dieſen Erd⸗Gewaͤchſen, fo man Vegetabilia 
nennet, und unter den Metallen! Denn ein iedes hat 
feinen fondeen Urſprung und Element, 

Alfo wiffen die wahren Philofophi, daß die Ger 
wachfe der Mineralien. und Metallen alle Waſſer ſeyn, 
und ihre primam materiam, oder Saamen, im Waſſer 
haben. Alſo muſt du recht erkennen und unterſchei⸗ 
den die Elemente mit ihren Fruͤchten, auf daß die 
Wunder⸗Wercke GOttes erkennet und ergruͤndet 
werden. 

Darum fol num Diefelbe-Philofophia ftatt — — die 

un 


926 B. IV. C.5. Vomfuͤnfften Tagewerck GOttes, 


Philofo- Und ſortgepflantzet werden, welche da allein Die Wer⸗ 
phia. cke GOttes zu erkennen giebt, welche einieder Menſch 
aus fehuldiger Dankbarkeit und Liebe GOttes zu ers 
Eennen ſchuldig ift, aufdaß er wife, was fein Schoͤpf⸗ 
fer ſeinetwegen gefihaffen habe. Darumfehen die Lo⸗ 
giſchen Artiſten zu, daß fie nicht ihr Lebtag mit unnoͤthi⸗ 
gen Subtilitaͤten umgehen, und der Wercke GOttes 
vergeſſen. 
Wunder⸗ Siehe aber hie, und bedencke die wunderbarliche 
bare Ders Freundſchafft, Verwandniß und Einigkeit der Ele⸗ 
Bo menten wie eines feine Früchte in des anders Schooß 
mente, gebieret, und dem Menſchen zu Mus hervor treiber, 
reiche manche fehöne Frucht gebieret das Firmament 
in der Lufft, und giebt uns hernach Durch die Lufft Regen 
und Schau, liebtiche Waͤrme, und Fühle, und warme 
Binde unddergleichen? Die Erde theilet ihre Früchte 
hervor in der Lufft, da grünen, blühen und reiffen fie, 
denen giebt die Lufft ihre Frucht, und umfaͤhet fie aleich 
in ihren Armen und Fluͤgeln, daß ihr eben in ihnen nicht 
erfticke und fterbe: Denn ohne die Lufft erftichen und 
fterben fie. iR 
Darum nimmt die Lufft die Erd-Gewächfeauf in 
ihren Schooß, und ergeucht fie aus Liebe, obswol fremde 
Kinder feyn. Und die Erde und das Waſſer nehmen 
| die Früchte der Lufft wieder auf, nemlich ihre Lebens⸗ 
eufft durch⸗ Kraft, fo fie Verborgener Weiſe mit fich führet, denn 
gr fie durchgehet alle Elemente, und giebt ihnen das Leben : 
Denn ohne Lufft brennet Fein Feuer, fondern erlöfchetz 
Ohne Lufft faulet und ftirbet das Waſſer, und alle Erd» 
Gewaͤchſe erſticken. Alſo gebierer das Waſſer feine 
Fruͤchte in dem Bauch und Schooß der Erden: Da 
theilet ſie dem Menſchen mit auf manche wunderliche 
Art, als ein Baum ſeine Fruͤchte, immer einem Lande 
und Volck mehr denn dem andern. 

ER Und vor allen Dingen giebt das Element des Waſ⸗ 
Waſſer⸗ ſers hervor die Waſſerfluͤſſe, dieſem Lande den Rhein, 
ing Dem andern Die Donau, dem Dritten Die Ihe, Bo 

| ierdten 


vom Meer und Waſſern. 927 


um — —ñ ñ —ñ —— —ñ— — — 
vierdten den Nilum: Welche alle nicht für ſich ſelbſt das Zweige und 
Element des Waſſers ſeyn, ſondern nur als Aeſte PAR 
und Zweige eines groffen wunderbarlichen lebendiz gicxh as 
gen Baums, welcher aud) viel Eleiner Hefte und Zweige ee 
hat, welche feyn die kleinen Waſſer. Und gleich als" 
an einem Zweige eines groffen fruchtbaren Baums 

viel Früchte bangen : Alſo hangen an dem Aft und 

Zweige des Waſſer⸗Baums, des Elementi Aquz; nem⸗- 

lich an dem Rhein und Donau, und andern groſſen 

und kleinen Waſſern, viel herrlicher und mancherley 
Fruͤchte. Und alſo gehet heraus aus dem Element des 
Waſſers bald ein flieſſender Bach, bald ein Brunnen: 

Wie denn die Zweige und Aeſte des Baums durch die 

gantze Erde ausgetheilet ſeyn, und iſt Doch alles ein 
Baum, ein Urfprung,eine Wurtzel von einem Stamm; 
“und alle Baͤche, Stroͤhme und Brunnen, ſo da find in 

der gangen Kugel der Erden, find Aeſte diefes Stam⸗ 

mes von diefem ‘Baum. wie 

Alfo find nun alle ABaffer /Stroͤhme und Bäche Das Meer 
eine Srucht ihres Elements, ‚aber das Element ſelbſt ne 
nicht. In mari extraneö, in dem auffern Meer, ift Das 
Element, aus dem fie alle wachfen, und in das fie wie⸗ 
der muͤſſen, wie gefchrieben ſtehet: Alle Waſſer flief Pred. Sal. 
fen ins Meer, und das Meer wird doch nicht völ-"""7* 
ler. Anden Ort, da fie berflieffen, flieffen fie 
wieder bin, Pred. Sal. 1.0.7. Warum aber das 
Meer nicht voller wird, und warum es gefalgen, wirſt 

du bey einem fürtrefflichen Teutſchen Philofopho gründe 
lichen Befcheid finden : weil nicht allein alle Saltz⸗ 
Waſſer ins Meer flieffen, fondern auch das Meer felbft 
die Semina Salium, die Saamen der Saltze in fich hat. 
Denn es ift doch gar zu elende, was alichevon den Ur⸗ 
fachen der Salßigkeit des Meers fchreiben, welches wir 
den Phyficis befehlen; und darvon hernach weiter Be⸗ 
richt folgen wird. 

Wie nun von den Waſſer⸗Fluͤſſen geredet ift, wel Fruͤchte 
che da feyn Aeſte und Zweige des Elementi Bigpiie: Piefeh eier 
Alſo ſollet ihr auch verfteben von den Metallen , von Waffere. 

den 


? 28 B.IV: C. 5. Vom fuͤnfften Tagewerck GoOttes 


den Mineralien, vom Gold, Silber, Kupffer, Eifen, 
‚Zinn, "Bley, auch von Kdelgefkeinen, Smaragden, 
Sapphiren, Corallen, Granaten ꝛc. Ingleichen, von 
den Salgen, Alaun, Vietril. Ingleichen, von den 
Brummen, ſauer ‚füffe, Ealt, warm ıc. Ingleichen, von 
den Steintlüfften und Bruͤchen, und dergleichen; de⸗ 
rer aller Yustheilung durch die gantze Erde gehet, aus. 
dem Element des Waſſers. Und dieſe alle habenihren 
Saamen, primam materiasm, Wurtzel und Stamm in 
den Waſſern. Und iſt nicht anders zu verſtehen; denn 
wie aus der Erden mancherley unterſchiedliche Bäume 
wachen, da ein ieder feine eigene Frucht hat: Alſo iſts 
mit dem Element des Waſſers auch; das treibet her⸗ 
vor ſeine Baͤume und metalliſche Fruͤchte in die Erd⸗ 
Gänge und Klüffte: "Lind ſo bald fie in die Erde kom⸗ 
men, ſo geſchicht Die Coagulstio und Härte,-und wird 
ein metallifcher oder mineraliſcher Baum gebohren, der 
feine Aeſte weit ausbreitet in Die Erde, aljd, daß fich ein 
Aſt offt zwantzig, viertzig, fechsig, ja mehr Meilwegs er⸗ 
ſtrecket. So denn die Fruͤchte gar ausgeſchuͤttet, ſo 
verdorret derſelbige Baum, und ſtirbt ab in ihm ſelbſt, 
und verlieren ſich die Bergwercke, gehen in ihre Ends 
ſchafft und Confummation, damit alle Geſchoͤpffe bes 
ſchlieſſen. Unterdeſſen ereignet fich an einem andern Dre 
ein neues; wie denn der allein weife Schöpffer alles in 
feine Zeit und Ende verordnet hat. 
Wunder in Bedenche nun bie, lobe und. preife die NBeisheit, 
den grach Guͤtigkeit und Aumacht deines Schoͤpffers, wie wun⸗ 
Wafiers. derlich er dieſe Waſſer⸗Fruͤchte geſchaffen, wie weis⸗ 
N Lich er diefelben unterfthieden, wie gütig und milde er die⸗ 
Loeene ſelben austheilet, wie groſſe Lieblichkeit und Anmuthig⸗ 
ne laſſen keit eier, eingepflanger! Nicht. allen was Gold 
machen nd Silber anlanget, fondern auch die Corallen, Pers 
fen, Agtitein, Ambra und die Edelgeftein, Ezech. 28. 
v. 13. Welche alle nicht um Hoffart und Pracht willen: 
geſchaffen, fondern um der Gefimdbeit willen der Men 
chen, und dadurch die Wunder GOttes zu erfor 
fchen, Offenb. Job, 21,0,19, Jeſ. 54. v. 12. EN 
et 


” 


vom Meer und Waflern, 929 


cket, was die zwölff Kdelgeffeine in des Hohenprie⸗ 
ſters Kleinod bedeuten, was GOtt der Allmaͤchtige 
‚Dadurch wollen fürbilden! 2. B. Moſ. 28.0.7. Wel⸗ 
che mancherley rounderliche Arten der Waſſer⸗Brun⸗ 
nen giebt GOtt der HErr? Cs find Stein Brunnen, 
Sals-Brunnen, warme Waſſer, die alle argneyifche 
Kraͤffte im fich führen: Gleichwie die Erde giebt man⸗ 
cherley Art der fauren, füffen, bittern Früchte, alfo giebt 
Die das Waſſer auch x, SEN. 
Belangend die Thiere, Voͤgel und Sifche, fo aus Thiere Vz⸗ 
dem Meer Eommen, deren find ungeblich viel; denn d,un, 8% 
Gott hat eine fonderliche groffe Foecundicät und Frudibar⸗ 
. Fruchtbarkeit dem Meer eingefchaffen , daß es erfuͤlet Spt De3 
werde mit lebendigen Thieren, weil es fü weit und £ 
groß ift, und der Menfch feine Speife babe: Denn 
aus der. groffen Speife- Kammer des Meers gehen zu 
feiner Zeit hervor Die Menge der Fifche, und geben fich 
aus den verborgenen Dertern anden Tag, alfo, daß ein 
jeder Monat feine eigene Fiſch⸗Erndte hat. Sonſten 
find die Fiſche im Meer mit ſolcher Art und Eigene 
Schafft begabet, daß fie nicht Fonnen gefangen werden, 
wo ihre Zeit nicht iſt. 
Und hierbey iſt ſonderlich zu mercken, daß das Das Meer 
Meer, und alles was drinnen iſt, feine von GOtt ein⸗ m 
gepflangte Drdnung, Zeit und. Bewegung hat, gleich» 
wiealle andere Elemente: Am Himmel find die Aftra 
oder Geftien, Die ihre Drdnnung, Zeit und Bewegun⸗ 
gen, ihre Ortus & Occafus, Aufgang und Untergang, 
haben; In der Erde haben alle Früchte ihre Ord⸗ 
nung, Zeit und Bervegungen, und kommen zu ihrer 
gewiſſen Zeit hervor. Alſo iſt die Erde in perpetao moru, 
in ſteter Bewegung, da ruhet nichts, bis alle Fruͤchte 
heraus ſind. LESE | 
Auf Diefe Weiſe gefchicht die Bewegung der 
Erde, nicht, wie etliche gefagt, Daß die Erde umlauffe, 
Alle hat das Meer aud) feine innatas leges, motus, eins 
geichaffene Geſetze, Bewegungen, daß es nicht allein für 
3 Aa abs und zufleuft, und reciproci- 
WV. Ch Nun Ret; 


930 B.IV.E,5. VomfünfftenTagewerd GOttes, 


vet; fondern treibet alle feine Früchte durch feine verbor⸗ 
gene,innerlichg,lebendige Bewegungen zu feiner Zeit,und 
in feiner Ordnung hervor, alfo, daß nichts im Meer Fan 
und muß verborgen bleiben, es muß fich dem Menfchen 
in Die Hande geben. | 

Bon der Es ift viel Difputirens von der Bewegung, Abs 
— und Zulauffen des Meers; etliche ſchreibens der Sonne 
Ser. zu, etliche Dem Mond, nachdem der Mond ab- und 
zunimmt; Aber wer den motum totiusNarurz, Die Bes 
wegung dergangen Natur verſtehet, und was ein Ele⸗ 
ment ſey, was er für eine lebendige, angebohrne, einge 
pflangte, univerfalifche und particularifche beivegende - 
Krafft babe, motum naturalem intrinfecum proprium, 
dadurch es fich beweget, und alles, was es in fidy be 
greift, hervor treibet, der verfichet Die Bewegung des 

Meers am beften. | 
aue Eles Denn wie folte GOtt der HErr allen Elementen 
dat ihr geben und Bewegungen univerfaliter & parsiculariter 
Bewegung eingefchaffen haben, und folte das Meer nicht viel 
"mehr, das fo groß und weit ift, mit einem lebendigen 
Geiſt und Bewegung begabet haben, fondern folte es 
todt ohne Bewegungen gefchaffen haben? Hat er 
dem Himmel feine Aftra und Geſtirn gegeben, Die ihre 
gewiffe Zeit halten: der Lufft ihre Bewegungen; der 
Erde ihre geroiffe Zeit zu grünen und zu blühen, und _ 
ihre Früchte hervor zu treiben: So bat er vielmehr 
den groffen weiten Meer, da ſonderlich GOttes 
Wunder erkannt werden, auch feine Bewegungen; in- 
naras leges temporis & ordinis, eingefchaffene: Geſetze 
der Zeit und Drdnung gegeben. . Und das find die 
Aftra, invifibilia maris, die unfichtbaren Geftien des 
Meers, die das Meer treiben. Daher bervegen fich 
alle Waſſer, daher flieffen und Tauffen fie ohne Aufe 
enthalt , daher find fie fruchtbar, daher laufft das 
Meer taglich einmal ab und zu, Daher bewegt fich 
und waͤchſet das Mittel-Meer, nimmt ab und zu, wie 
wol nicht fo augenfcheinlich, daher laufft der Euripus 
und die Waſſer in Eubza alle Tage fiebenmal * 

un 


vom Meer und Waſſern. 931 


und ab, und hat ja der Zuripus mit feinem Lauff desfalls 
Feine Vergleichung mit dem Mond: Wiewol die Ver⸗ 
wandniß des Himmels, ſonderlich der Waſſer⸗Sterne, 
mit dem Meer, nicht verleugnet wird; aber in einem 
viel andern Derftande, 

Man muß hie unterfcheiden inter concordantiam & 
caufam: Denn obwol der Mond eine Concordang und. 
Vergleichung bat mit Dein Ab⸗ und Zulauffen des 
Meers; fo will darum nicht ſchlechterdings Folgen, 
Daß diefer groſſen wund@lichen Bewegungen des 
Meersder Mond allein Urfach fey: Sondern das Fol 
get daraus, daß das Meer eine folche natürliche, verborz 
gene, eingepflangte bewegliche Krafft habe, oder eine 
bewegende Urſach, fo fich mit den obern Motibus vers 
gleicher, denn wenn Feine Dergleichung der obern und 
untern Kraͤffte wäre, koͤnte keine Bewegung geſche⸗ 
hen. Nehmet deſſen Exempel an vielen geringern 
Dingen: er wendet den Magnet nach dem Polo? 
Wer wendet Das Solleguium & Calendulam nach der 
Sonne? Thuts nicht der inwendige Motor und Ps 
weger? Lind fo der erloͤſchet, ſo wendet fichs nicht mehr, 
fondern ift todt. Derowegen muß eines ieden Dins 
ges, fünderlich eines ieden Elements urfprungliche, lea 


Mend if 
eigentlich 
nicht Die 
Urfach der 
Bewegung 
des Meers. 


bendige, bewegliche Krafft in ihm ſelbſt ſeyn, und nicht 


in einem andern. Der Verwandniß halber, ſo die 
Elemente haben, und ſonderlich der Mond mit den 
Waſſern, iſt kein Streeiii. 
Rolſellus de hoc negotio ſic feribit: Albumafar certo 
experimento invenit, fluxum & refluxum maris non ſemper 
Segzi curfum Luna: Ideo dorrt. aquas duplici affedas vir- 
zure, celsfli & elementari. Elementari quidem deorfumä 
'  eelefli vero, regulart æſtu ex ſex horis in fex horas moveri: 
Alias vero alter , pro illorum virtutis proportione atque 
‚men/ura. ENT N 
Das ift: Rofellus ſchreibet von diefem Handel alſo: 
. Der Albumafar hat mit einem gewiffen Experiment ers 
funden , daß der Ab» und Zulauff des Meers nicht 
allegeit nach dem Lauff dee Mondens fich richte, Daber 
nn a lehret 


J 


9329. IV. C. 5. Vom fuͤnfften Tagewerck GOttes, 


lehret er, daß die Waſſer eine doppelte Krafft haben, 
‚eine himmliſche und elementariſche. Durch Die elemen⸗ 
tariſche Krafft werde es unterwaͤrts beweget; durch 
die himmliſch che Krafft aber, bey ordentlicher Hitze, werde 
es von 6. Stunden zu 6. Stunden beweget ; Sonften 
aber gefchehe die Bewegung anders, nach — ——— 
und Maß einer ieden Krafft. 
Wilhelmus Anoponymus hanc profert rationem: 
Cum mare ad occidentem iuque venit, duas refluxiones ibi 
facit, quarum altera ad Auflrum, altera ad Septentrionem 
vergit, latera terre fequentes: Similiter in oriente facit du- 
as, ad prediölaloca vergentes. Cum igitur illa occidenta- 
lis refluxio, & hæc orientalis ad Septentrionem vergentes, 
‚fibi oscurrunt, ex repercuflione ingürgitatur retro mare, fit- 
que famofa illa acceſſſo maris & receflio Oceani: Simi- 
liter alie due in illo capite terre fi ibi funt occurrentes. 
Sunt tamen, qui dicunt, montes mari fubditos caufam effe 
acceſſionis, & vecefionis Oceani ; cum enim ad ipfos mon- 
tes pervenit, retro cadit atque ingurgitatur: impleturque 
retro alveus, [ed ante expletur. Cum iterum revertitur, ex- 
pletur retro, fed ante impletur. Alii dicunt, ortum & 
occafum Luna hujus rei cauſam eſſe, unde bis in die natu- 
vali, nec amplius contingit: Sed quia non eadem hora, 
Luna quotidie oritur vel occidit, diverfis boris ft luxus 
maris. Alii dicunt, calore & fpiritu, a fundo maris en- 
eunte, aftendere mare. Hæc Anoponymus. - 
Das iſt: Wilhelm Anoponymus bringt dieſe 
Urſach vor: Wenn das Meer bis zum Niedergang 
koͤmmt, fo machetes daſelbſt zwey Nückgänge, deren eis 
ner nach Mittag, der andere nad) Mitternacht zu an der 
Seiten der Erden gehet; Gleicher Geftalt machet es 
zwey Ruͤckgaͤnge nach Mittag und Mitternacht zu, wenn 
es bis zum Morgen koͤmmt. Wenn denn nun jener 
Ruͤckfluß vom Niedergang, und dieſer von Morgen, ſo 
beyde nach Mitternacht zu gehen, einander begegnen, 
und an einander ſtoffen, ſo wird das Meer aus der Zu⸗ 
ruͤckprallung hinter ſich uͤberſhwemmet, und daher 
entſtehet derſelbe bekannte Zufluß des Meers und re 
u 


| vom Hieer und Waflern. 933 

fluß des Oceani: &feichergeftalt ift e8 auch bewandt, 

wenn die andern beyden Zuruͤckfluͤſſe im Mittage fich 

begegnen. Jedoch find etliche, welche fagen, daß die 

im Meer verborgenen Berge eine Urfach find des Zu⸗ 

und Abfluffes des groffen Welt⸗Meers; denn wenn 

es bis an diefelben Berge koͤmmet, fo fallt es zurück, und 

wird uͤberſchwemmet; Und da wird der Strom hin⸗ 

ter ſich voll, aber vor fich leer, und wenn das Meer wie⸗ 

Der zurück gehet, ſo wird es hinter fich leer,aber vorfih 

voll. Andere fagen, daß der Alf und ilntergang des 
. Mondes deffen Urfach fey; Daher folcher Ab⸗ und Zur 

fluß Des Meers an einem natürlichen Tag nur zweymal 

und nicht mehr gefchicht; Aber weil der Mond nicht 

alle Tage zu einer Stunde, fondern immer: anders 

und anders auf und untergehet, fo gefchicht auch der 

Ab⸗ und Zufluß des Meers zu unterfchiedlichen Stun⸗ 
den. Andere fagen, daß, wenn die Hitze und der Spir- 

tus von Dem Grund Des Meers ausgehe, fowerde Das 
Meer hoch und groß. N; 

Es ift aud) daher abzunehmen, daß GOTT der Das Meer 
Herr dem Meer Diefe rounderliche Bewegungen einge nn | 
pflanget habe; weil daffelbe nicht allein feine gewiſſe Terminum, ° 
Zeit und Stunden hat, fondern es überfchreitet auch 
fein gewiſſes Ziel und Terminum auf den; Lande nicht: 

enn e8 hat einen gewiſſen Terminum, da es natürs 
lich wiederkehret und zurück weiche. Daraus abs 
zunehmen, daß es ein gewiſſes eingefchaffenes Geſetz 
und Drdnung habe von GOTT, wie weit es auss 
lauffen ſoll. * ; 

So iſt auch fein inwendiger Motor und Beweger Inwendi⸗ 
daran wohl zu mercken, daß es in ihm felbft mitten auf $6% Meere. 
der Tieffe fich von innen heraus erhebt, und aus der 
Tieffe in die Höhe fteiget, und fich aufbaͤumet, gleich 
als wenns von einem Innern Spiritu und Aftu oder 
Hitze Aufgetrieben würde, rote das Waſſer, wenns vom 
Feuer ſiedet. Und weil man augenfcheinlich mercket, 
daß es von innen heraus getrieben wird, ift Francifcus 
Valefius endlich auf die Meynung gerathen, Daß. in 
— * den 


N 


nn 3 





934 B.IV.E.s. Dom fünfften Tagewerd GOttes, 


den Hölen der Erde Duͤnſte wachen, ſo das Meer 
aufichwellen: Und diefeiben follen feyn die nachften Ur⸗ 
fachen der Bewegung des Meers, nach feiner Mey 
nung: Die Duͤnſte aber, fagt er, machen die obern 
Geſtirn, und wenn derfelbe ſtarcke Dunft heraus fey, 
ſo dlle ich das Meer wieder ſetzen. Wo das wahr 
iſt ſo haben die Phyſici dem Monde allzugroffe Arbeit 
aufgelegt, nicht allein das Meer auf und abzufühe 
rei, ſondern auc nach die Dunfte im Meer zu mas 
chen; denn was wolte er mit dem Euripo allein zu thun 
haben? Wo wolten aud) die andern Waſſer bleiben, 
fo die Zeit nicht halten wie das Meer, fondern zu wider⸗ 
woaͤrtiger Zeit reciprociren? wer bewegt dieſelben, und 
fuͤhret ſie an ihren Ort? Was treibt die Brunnen aus 
der Erden? erg 
Darum ME nun nicht allein die Afttonomia des 
Himmels zu erkennen, fondern auch Dev andern Ele—⸗ 
menten, nemlic) Altronomia aeris, terre & maris, Det 
Lufft, Der Erden und des Meers: und denn Die Confo-, 
nantia, Harmonia & Cognatio, Die Übereinftimmung, 
. Harmonie und Verwandniß derfelben unter einander. _ 
a Daher kommen auch die Prognoftica und natürlichen 
nice Weiſſagungen des Ungewitters, daß etliche Meerz 
Thierlein ſeyn fo Ungeſtuͤm und Sturm auf dem 
Meer verkuͤndigen. Dasmachet ihre Goncordantia und 
H rmonis cum. aſtris cealeftibus, mit dem himmliſchen 
Geſtirn. Etliche verfündigen Ungemitter auf dein ans 
De; wie etliche unter den Nagela ſeyn. Solcher 
imder der Natur find viel, derer der heilige Ba⸗ 
ſilius in feiner fiebenden Rede uͤber die ſechs Tage⸗ 
werck GOttes gedencket. 28 
—— Laſt uns nun ferner GOttes Allmacht, Weisheit 
und Wunder aus dem Meer erkennen lernen, und was 
es geiſtlich bedeute. GOtt der HErr ſpricht zu Hiob, 
au DT, 38. v. 8. faq, Wer bat das Meer mir ſeinen 
Ho Thuͤren verſchloſſen, da es berausbrach, wie aus 
ri Mutterleibe? De ichs mit Woleken kleidete, und in 
Dunckel einwickelte wie in Windeln. De UBER: 


vom Meer und Waffern. 935 


den Lauff brach mit meinem Tamm, und ſetzte 
ihm Riegel und Thier, und ſprach: Bis hieher 
ſolt du kommen, und nicht weiter: nHier ſollen ſich 
legen deine ſtoltzen Wellen. Biſt du in den Grund 
des Meers kommen, und haſt in den Fußſtapffen 
der Tieffen gewandelt? Mit dieſen denckwuͤrdigen gottes 
Worten will der allmaͤchtige GOtt uns zu Gemuͤthe fuͤh/ uyagın 
ren feine groſſe unausſprechliche Gewalt, die wir aus heit⸗ 
dem groffen, weiten und erfchreeflichen Meere erkennen | 
follen. Davon niemand beffer reden Fan, denn der es 
gefehen hat, Es iftfreylich ein groß Agunder, daß GOtt 
mit feinen: Wort, als mit einer Thür, Riegel und Tamm, 
das Meer verfchloffen hatz da fonft auf Erden Feine ae — 
Gewalt waͤre die das Meer halten koͤnte, wenns Durch dem Meer 
GOttes Drdnung nicht wieder zurück lieffe: Darum wehren 
ift das Ab- und Zulauffen des Meeres ein überaus Gornicht 
groß Wunderwerck. Denn es fleucht das Waſſer tdaͤe. 
und das Meer gleichfam vor der Erde, nemlich vor der 
Gewalt und Krafft des Worts GOTTES, dadurd) 
GOTT dem Meer geboten hat: Dadurch wendet 
ſichs, und fleucht, und zerreiſt dor der Erden, als der 
Jordan vor dem Gnaden⸗Stuhl, und das rothe 
Meer zuriffe, und flohe vor dem HErrn, wie der 114.% ie se 
yfalm,v.3.fagt;.. Und der 33. Malm,d.7. Er bale'* 
das Wafler im Meer zuſammen, als in einem 
Schlauch. Sir. 43. v. 25. Durch fein Wort weh⸗ 
ret er dem Meer, daß es nicht ausreiſſe, und hat 
die Inſulen drein geſaͤet. So iſt auch dis ein groß 
Runder; daß das Meer hoher iſt, denn die Erde; Denn die 
Denn als man verfuchet bat. eine Schiffahrt zu machen Erde 
aus dem Milo ing rothe Meer, hat fichs befunden, Daß 
das rothe Meer drey Ellen höher iſt, als der Nilus 
und Egypten. | | 

Es iſt auch dencfwürdig, dag GOTT dar HERN 
hier ſpricht: Er Dat das Meer mit Wolcken be⸗ 
kleidet, und in Dunckel eingewickelt, wie in 
Windeln. Dem EDTI der HErr bedeckt offt das 
Meer mie Wolcken, wenn ſich die Wellen Des Meers 

Nun 4 aa 


936 B. W. C.5. Vom fünfftenTagewerd GOttes, 


an den Himmel erheben, und die dicken Wolcken auf 
dem Meer daher ziehen, daß es davon dunckel und finſter 
wird, alſo, daß Wolcken und Meer ein Ding ſeyn. 
Do ſiehet man denn die rechten groſſen Wunder und. 
Gewalt EDttes, davor man zittern und erſchrecken 
Palm 107. muß; wieim 107. Pfalm, v. 25. ſqq. Daffelbe äbges 
v · 23. mahlet und befbrieben wid, ae, 
— 9 Von dieſem fuͤnfften Tagewerck GOTTES, 
* Belt dem Meer; geigen auch herrlich diefe ABorte Davids, 
104. 8.25, da er fpricht: Das. Meer, das ſo groß und weit iff, 
io Sa wimmelts ohne Zahl, bepde Klein und® groffe 
Thiere: Daſelbſt geben die Schiffe, da find 
Wallfiſche, die du gemacht Haft, daß fie darin. 
ſchergen. | | | 
— Und halten uns dieſelben vier Eigenſchafften des 
en Meers vor: (1) Die Gröffe und Weite des Meers 
(2) Die ungehlige Menge der Meer Fifche und 
Meer z Alsunder. (3) Die Schiffahrten.- (4)- Die 
— inſonderheit. Die muͤſſen wir wohl be⸗ 
eckigen. dan ar Re 
—— Und erſtlich ſollen wir uns billig verwundern 
graniame OL Die grauſame Groͤſſe des Meers. Denn 
Sibſſe. wenn wir bedencken, wie eine mächtige groſſe Menge 
Waſſers alle Tage ins Meer fleuſſet von allen Orten 
der Welt, und wird doch davon nicht vüller; obs gleich 
fo viel hundert Jahr gewaͤhret; ja wenns gleich bis⸗ 
weilen feine Wellen erhebet bis an den Himmel, uber 
alte Berge, fo fegets fich Doch wieder, und bleibet in feiz 
nen Gixfel: So müffen wir dabey GOTTES 
Allmacht greiffen und fehen, Ein Teutfcher Philos 
— — ſophus fchreibet, das Meer ſey aller Waſſer Tod; wenn 
Sov. ſie ins Meer Fommen, fo fterben fie Darinnen, und vers 
weſen, wie die menfchlichen Leiber in der Erden: -Das 
her werde das Meer nicht voller, Denn es ift eine ges 
waltige Putrefstio und Fanle im Meer⸗Waſſer, und 
ſo bald ſuͤß Waſſer ins Meer koͤmmt, wirds falgig, und 
ſtirbet gleichlam, und ift ein todtes Waſſer gegen cie 
nem lebendigen fühlen Waſſer zu rechnen; und * 


F 


vom Meer und Waſſern. 537 


ber kommts, daß das Meer falgig iſt: denn die legte 
Materie aller Dinge iſt Saltz. Und es ift ein Waſſer Ein tegti 
fo rein und lauter, es führer ein verborgen Saltz nie fe — 
ſich: Das kommt denn alles im Meer zufammen, und —5 
durch Die Faͤulung im Meer wird das Saltz offenbarz Saltz 
und wegen des Saltzes leidet das Meer keinen Todteit, 
fondern es wirfft alle Cadavera Aus, es fer sen Menſchen 
oder Thiere. 
Anoponymus ſchreibet: Mare ———— 
*. calore ſpiſſatur firque ſalſum; aqua enim per calorem 
tranſit in Sal. Item: Calör, qui plurimus eſt in fundo ma- 
ris, terram fubjacentem incendit, qua terra incenſa mari 
admiz ta, facit mare [alfum. 
Das iſt: Das Meer iftunterdem heiſſen Hiinimeles 
Gürtel oder Cireul, und wird durch die Hibe Dick gez 
macht, und wird ſaltzig: Denn das Waſſer gehetdurch 
die Hige ins Saltz. Ingleichen: Die Hitze, welche ſehr 
haͤuffig iſt im Gruͤnde des M eers zuͤndet Die Erde unter 
fich I welche angegündete Erde mit Dem Meer vermi⸗ 
ſchet, das Meer ſalhig machet. 
Penn manaber die Gröffe und Weite des Meers Inſulen im 
will bedencken fo muß man die Inſuln des Meers 5 
betrachten. "Das ift ein groß Wunder, daß mitten And gemei 
im Meer fo groſſe, gewaltige , volckreiche Länder und‘ en mit 
Koͤnigreiche liegen; ſo viel, als wenn fie ins Meer ge⸗ Steinfelfen 
pflantzet oder gefäet wären. Da man fich billig ver⸗ umgeben 
wundern muß, erftlich, über den Grund und Boden 
der Inſuln, worauf fie fiehen muͤſſen, daß fie das 
Meer nicht abroafchet und hinweg flöffet. Es find 
2 die Inſuln gemeiniglich mit hohen gewaltigen 
geofen GSteinfelfen und Klippen umgeben, die aus den 
r gewachſen ſeyn, darauf, meynen etliche, ſtehen ſie 
auch.” So iſt ſich auch zu verwundern uͤber die Frucht⸗ 
barkeit der Inſuln, uͤber den Ackerbau und lieblichen 
Fruͤchte, die darinnen wachſen, ja uͤber die Menſchen 
und Voͤlcker, die drinnen wohnen, wo fie doc) da atıs 
faͤnglich hinein Eommen find : Denn es wohnen ja fo viel ee mahnen 
| Menſcheni im Meer, als auf Erden. Da —5— 
uns ’ Ot⸗ 


938 B.IV. C.5. Dom fuͤnfften Tagewerck GOttes, 


in Meer SHtfes Wunder bedenken: Dieweil das Meer gröf 
ler ſer ift denn die Erde, fo hat GOtt nicht gewolt, daß fo 
* ein ſo groß Theil der Welt ohne Menſchen feyn ſolte. 
Darum hat er die Inſuln mitten ins Meer geſencket 
und gegründet, auf daß alle Wohlthaten und Gaben 
EDttes indem Meer offenbar würden. Und hat auch 
den Leuten, fo im Meerwohnen, fein Goͤttlich Wort und 
Evangelium geoffenbaret, und predigen laffen durch 
209.3. v. Die heiligen Apoftel. Und bat das Meer und Tros 
ckene bewegt, nachdem kommen ift aller Heyden 

Troſt, Has. 2. v. 8. 


u PDors andere ſollen wirune billig verwundern über - 
Dense per Det groſſen Menge der Meer⸗Chiere: Denn man 
See  fchreibet, daß ja fo viel und mancherley Thiere im Meer 


Shiere,. ſeyn, als auf Erden, Sonderlic) ift das hoc) zu vers 
wundern, daß zu gewifferz Zeit die groffe Menge er Fir 
ſche ſich aus der Tieffe hervor thut, und, bey groſſen 
Hauffen, als eine Heerde Schaafe ſehen laͤſſet, und ſich 
den Menſchen i in die Haͤnde giebt/ und zur Speiſe dar⸗ 
— u beut. Ja, das Meer iſt eine groſſe wunderbare Speiſe⸗ 
groeSpei, Kammer, GDttes, daraus er den groͤſten Theil der 
fe sam Welt ſpeiſet, ja, daraus die edelſten Früchte und Ges 
mer. wuͤrtze Eommen: Daher kommen die ‘Perlen, der Agt⸗ 
Fan Eledrum, die Corallen. Ovidius« 

Sic & coralium, quamprimum concipit auras, 

Tempore durefeit, mollis fuit berba fub undis, 
Das it: Alfo auch die Corall, ſo bald ſie Lufft be⸗ 
koͤmmt, wird mit der Zeit hart, da ſie zuvor unter dem 

Waſſer ein weich Kraut geweſen. 

Zum dritten muͤſſen wir die Schiffahrten be⸗ 
ah teachten. Daß GOTT der erſte Erfinder der 
Schiffahrt: fen, begeuget die Hiſtorie Noa: Denn 
er hat demfelben befohlen, das sounderlihe Schiff der 
Archen zu bauen, und mit Pech inwendig und ausıwens 
dig zu begieffen, 1. B. Mof. 6.0.14. Und iſt denck⸗ 
wuͤrdig, daß gefchrieben if, GOTT babe die Thür 
binter ihm sugefehloffen, fo bald Noa und die Sei— 
nen inden Kajten gangen, ı B. Moſ.7.b. 16. ap | 
giebt 


vom Meer und Wafkern. 939 


giebt uns das Buch der Weisheit eine feine Erklärung: 
Das Schiff iſt erfunden — 5 zu ſuchen, und Weish.ı4,' 
der Meiſter hats mie Bunſt zubereitet: Aber vree3. ſeq. 
deine Vorſichtigkeit, o Dater, regieret es. Denn 
du im Meer Wege giebſt, und mitten unter den 
Wellen fichern Lauff, damit du beweifeft, wie du 
an allen Enden helffen kanſt, ob auch jemand ohne 
Schiff ſich ins Meer gebe! Doch weil du nicht 
wilt, daß es ledig liege, was du durch deine Weis⸗ 
beit geſchaffen haſt, geſchichts, daß die Menſchen 
ihr Leben auch einem geringen Holtz vertrauen, 
und behalten werden im Schiff, damit fie durch 
des Mieers Wellen fahren. Denn auch vor Alters, 
da die hochmuͤthigen Riefen umgebracht wurden, 
flohen die, an welcher Hoffnung blieb Die Welt zu 
mebren, in ein Schiff, weiches deine Hand regie⸗ 
vet, und lieffen alfo der Melt Saamen binder fich: 
Denn folch Holtz ift Segens wohl werth, damit 
man recht handelt. 

Von den wunderlichen und unerhoͤrten Schiffahr⸗ 
ten,fo bey Menſchen Gedencken in die allerweiteſten Oer⸗ 
ter, gegen Abend und Morgen geſchehen, wird Wunder 
geſchrieben, Daß man auch dieſelben Buͤcher ohne groſſe 
Verwunderung nicht leſen kan. Und dieſelben groſſen — 
weiten Schiffahrten und gewaltige Thaten werden zur Sara 
wege gebracht Durch Kunft und Hülffe des Magneten ; tem. 
welches fonft ein. unachtbarer Stein ift, und Fan doch 
auf dem Meer fh groffe Dinge ausrichten, und den 
Schiff⸗Leuten den rechten gewiſſen Weg zeigen, wie fie 
ihre Schiffahrt regieren follen, ohne welchen Magneten . 
die Schiff⸗Leute auf Dem Meer nicht wuͤſten, wo fie waͤ⸗ 
ren, oder wohin fie ſolten: Denn der Magnet wendet 
ſich allewege gegen Mitternacht, aus eingepflangter 
himmliſchen Eigenſchafft; daraus haben fie ihre Nach⸗ 
richtung. Don denfelben wunderlichen Schiffahte 
ten, und was für ander und Inſulen, Voͤlcker und Koͤ⸗ 
nigreiche dadurch erfunden, ſind viel Buͤcher geſchrieben, 
die hier zu lang zu erzehlen. 





Letzt⸗ 


940 B. IV. C.. Vom fuͤnfften Tagewerck GOttes, 


Letzʒtlich gedencket David infonderheit der Wall⸗ 


Ci 
gun fiber da er fpricht: Da find Wallfifche, daß fie 


0,26, 


GHttes 
All macht 
erſcheinet 
aus des 
Meeres 
Gröfk. 


LIT, 


darinnen ſchertzen. Dieſer Fiſch fteller ung fonder- 
lic) die groffe und fehreckliche Gewalt GOttes vor die 
Augen, darzu denn auch GOTT der HErr felbft das 
Erempel des Wallfiſches einführet, da er zu Hiob alfo 
redet, C.40. v. 13. 14. C. 41. v. 9. 11. 16. 22. Seine 
Bnochen ſind feſt wie Ertz / feine Gebeine find wie 
eiſerne Stäbe: er iſt der Anfang der Wege GOt⸗ 
tes, er ſchlucket in fich den Strom, und achtets 
nicht groß, und läfler fich düncken, er * den 
Jordan mit ſeinem Munde ausſchoͤpffen. Seine 
Naſe glaͤntzet wie ein Licht: Seine Augen ſind 


wie die Augen der Morgenroͤthe. Aus ſeiner 


Naſe gehet ein Rauch wie von heiſſen Beſſeln. 
Wenn er ſich erhebet, fo entſetzen ſich die Star⸗ 
cken, und wenn er daher bricht ſo iſt keine Gnade 
da. Kr macht, daß das tieffe Meer feuder wie 
ein Topff, und rübrets unter einander, wie man 
eine Salbe menger. 

Aus diefem allen follen wir nun erkennen lernen 
GOttes Allmacht, in der Gröffe des Meers: (Der 
miſſet die Waſſer mit feiner Fauſt? ef. 40.v. 12. 
Unfer GOtt im Himmel kan thun was er will, im 
Himmel und auf Erden, im Meer und in allen 


| Tieffen, Pſ. 135. v. JSHT TES Weisheit in den 


groffen Wundern des‘ Meers; GOttes Gütigkeit in 
den mancherley Geſchoͤpffen, Gütern und Gaben des 
Meers; GOttes Neichthum in der.groffen Menge 
der Thiere im Meer: Und ihn in allen feinen Werden 
loben, ehren und preiſen. 

So haben wir ung auch hierbey zu erinnern, daß 


Seine wir in GOttes Wort ziweyerley Meer haben: Kin 
auf sweyer, Angſt-Meer, oder ein Meer der Truͤbſal, und ein 


ley Meer, 


Gnaden- Meer. Die Welt und unfer elendes 


Anafrren Leben ift nichts — denn ein ungeſtuͤmes Meer: 
biefes Ler- denn gleichwie Das Meer nimmer ftille ift, fondern als 


eins. 


lezeit mit Winden und Wellen bewogen wird: =. 


' 


vom Meer und Waſſern. 94 


ö—— —— ln — — —— — — 
iſt die Welt auch, und unſer Leben: Wenn man mey⸗ 
net, man will die beſte Nuhe haben, ehe man ſichs ver⸗ 
ſiehet, koͤmmt ein Sturmwind, der das gange Leben, 
Leib und Seele unruhig macht. Gleichwie auch das 
Meer ab- und zufleuft, und nimmer ftille ftehet, bald 
fieuffets zurück, bald koͤmmt e8 wieder, und ift in per- 
petuo motu, in ſteter Bewegung; Alſo ifts mit dem 
Zeitlichen auch, bald koͤmmts, bald faͤhrets wieder hin, 
undiftin ftetem Ab⸗ und Zufluß. Und wie des Meers 
fluxus & refluxus, Ab⸗ und Zufluß, eine verborgene Ur⸗ 
fach hat: Alfo koͤmmt alle Veranderung des menfchlie 
chen Zuftandes-aus verborgenem Nat) GOttes; wie 
der Prophet fügt: Ego Dominus, qui conturbo'mare, 
Ich der HErr, der ich das Meer bewege, Pſalm 
51.0. 10. Ser. 31,0.35. Wenn er ſprach, und eis 
nen Sturmwind erregete, Pſalm 107.0.25. Es 
koͤmmt alles von GOTT, Glück und Unglück, 
Armuth und Reichthum, Leben und Tod, 
Sirach 11.09.14. Wie wiraxd) fehen,-daßalle füfle 
Waſſer, wenn fie ins Meer flieffen, fo werden fie bitter 
und ſaltzig; Alſo alle Sußigkeit, Lieblichkeit, Herrlich 
keit, Wolluſt, Ehre, Reichthum dieſer Welt, obs einem 
Menschen noch fo ſuͤß Waſſer ift, wirds ihm doch endz 
(ich bitter und ſaltzig: Und die fich allzuſehr Darauf 
verlaffen, verlieren ihren füffen himmliſchen Troſt, und 
erfauffen in der Bitterkeit der Furcht und Traurig⸗ 
Eeit Diefer Welt. Wie auch) im Meer find groffe 
Sand Berge, daran offt die Schiffe zu Stücken lauf⸗ 
fen : Alfo Lauffen viel Leute hinein mit vollem Seegel 
inden Geis und fandigen Reichthum, daß fie darinnen 
ſtecken bleiben, und nicht Eonnen los kommen, bis fie ers 
fauffen. Gleichwie auch das Meer alle todte Coͤrper 
auswirfft, und Eeinen behalt: Alſo ſpeyet ung endlich 
die Weit aud) aus: Sie Fan und will uns Die Länge 
‚ nicht behalten; darum follen wir beyzeit einen fichern 
Hafen und Anfahrt fuchen am Lande der Kebendigen, 

Wie man auch auf dem Meer ohne Magnet irre faͤh⸗ Der rechto 
zet, und Feinen gewiſſen Weg treffen Ean, und der Dias Magnet. 


gnet 


C 
Gnaden: 
Meer mis 
reichem 
Troſt. 


Mich. 7 
9,19 


2, 
GOtt hat 
die gröfen 
Wunder 
im Meer 
gerban- 


942 B. IV. C.5. Vomfünfften Tagewerck GOttes, 


gnet ſich allezeit gegen Himmel wendet: Alſo iſt unſer 
Magnet EHriftus IJEſus, unſer HErr, der unſere 
Hergen zu ſich wendet und zeucht gen Himmel, auf 
dag wir nicht irre fahren auf dieſem Meer der Welt. 
ie auch eine unglaubliche Tieffe des Meers ift, die 
kein Menſch etgrunden kan; wie Hiob fagt, E32 8.0.16. 
Biſt du indie Tieffedes Meers tommen; und haſt 
in den Sußfkapffen der Tieffegewandele? Alſo ift 
eine unglaubliche Tiefe unfree Suͤnde, unſers Jammers 
und Elendes. Aus der Tieffe, ARrr ruffe ich zu dir, 
Pf. 130,0. 1. Ingleichen: Deine Fluthen raufehen 
Daber,daß bie eine Tieffe und da eine Tieffe braus - 
fer. Alle deine Wafferwogen und Welten geben 
über mich, Pf. 42.0.8. Alſo haben wir nichts denn 
ein Angſt⸗Meer und ein Meer der Truͤbſal. 

Wider Diefes tiefe Meer unfrer Sunde, Jammers 
und Elends haben wirnun das Gnaden⸗Meer und 
vielerley Troſt. RUE TR | 

Der erfte Troft ift, daß GOTT darwider die 
groſſe Tieffe feiner Onade und Barmhertzigkeſt eroͤff⸗ 
net hat; als der ‘Prophet fpricht: Er wird fich unfer 
erbarmen, und unfere Sünde in die Tieffe des 
Meers werffen, Mich. 7.0.19. Und wie die Egypter 
alle im rothen Meer. erfoffen, 2. B. Moſß 14. b. 28. 


Alſo ſollen alle unſere Suͤnden in dem blutrothen Meer 


des Blutes EHrifti erſauffen, und ſoll keine uͤberbleiben. 


Denn iſt das Suͤnden⸗Meer grundlos und tieff, ſo iſt 


GOttes Gnade und Chriſti Verdienſt noch tieffer und 
grundloſer. —8 

Der andere Troſt iſt, daß GOTT allewege die 
groͤſten Wunder und Erloͤſung im Waſſer gethan hat, 


und daß der HErr Chriſtus allewege feinen Juͤngern, 


da fie Noth lidten auf dem Meer, zu Huͤlffe kommen 
ſey, Matth. 8.v. 26. Als da der Herr in der Nacht 
auf dem Meer wandelte, und dem ſinckenden Petro 
die Hand reichete, Matth. 4. v. z1. Alſo erſcheinet 
CHriſtus nicht Lieber, denn auf den Meer der Trubfalz 
Da offenbarer er ſich im Creutze, da laffet er feine Ges 

genwart, 


vom Mieer und Waſſern. | 943 


genwart, Hülff und Troft fehen, und begeigetfich als ein 
Veothhelffer: Wenn du durchs Waſſer geheſt, will 
ich bep dir ſeyn, daß dich die Slucb nicht erfäuffe, 
Sjef.43.0. 2. Es ſoll dich das Waſſer der Truͤbſal nicht 
uͤberwaͤltigen. | 
Der dritte Troſt wird vom, Propheten Zacharia_ 3- , 
‚Cap. 14.0.8. mitdiefen IBorten befehrieben: Zu der Bd. ı# 
Zeit werden frifche Waſſer aus Jeruſalem ins 
Meer fliefferr gegen Morgen und Mittag. Und der 
Prophet Ezechiel C.47. v. 8. fichet ein Seficht, daß aus 
dem Tempel neben dem Altar ein Waſſer flieſſe ins 
Meer, und von einem Meer ins andre, und davon 
werden die Waſſer im Meer geſund: Ja alles, was 
darinn lebet und weber, dahin dieſe Ströme kom⸗ 
men, das ſoll leben. Bedeut, daß GOttes Gnaden⸗ 
und Troſt⸗Bruͤnnlein durch ſeinen Heiligen Geiſt uͤber⸗ 
flieſſen werde in Verkuͤndigung des Evangelii, und werde 
das bittere Meer des Creutzes aller betruͤbten Hertzen 
ſuͤſſe und gut machen; daß das liebe Creutz ein heilſam 
Waſſer des Lebens, nicht ein todtes bitteres Meer ſeyn 
ſoll. Daher David ſpricht: Ich hatte viel Bekuͤm⸗ 
merniß in meinem Hertzen, aber deine Troͤſtungen 
erquickten meine Zeele, Pſ. 94.0. 19. | 
Der vierdte Troft wider das ungeftume Mer 4; 
diefer Welt ftehet in diefen Worten, Palm 65.0.8. —9— ne 
Der du fEilleft das Braufen des Meers, das Braus das unges 
fen feiner Wellen, wenn fie fich erheben , und das Bene N 
Toben der Dölcker, wenn die Völker unruhig wer⸗ Alm. 
den, blutdürftig, und braufen wie ein ungeftum Meer. 
Iſt allenthalben Furcht und Schrecken für Krieg und 
Verwuͤſtung, fo Fans GOtt mit einem Wort ftillen; 
wieder Herr EHriftus, da er Wind und Meer bes 
draͤuet, Matt. 8.0.26. HErr, die Mafferwogen 
braufen febr, und find groß, aber der SErr iſt 
‚noch gröffer in der Hoͤhe, Pf. 93.0.4, | 


Gebet. 


gs: den HErrn, meine Seele! HErr mein GOtt, du bift fehr Pal. 104. 
herrlich in deinen Werden, du woͤlbeſt es oben mit Waſſer, v. 4.3. 6, 
bu 


944 B. IV. C.5. Vom fuͤnfften Tagewerck BOttes, 


du laͤſſeſt Waſſer ſtehen uͤber den Bergen; und weil dis Element 

Pal. 109. bequem iſt, zu gehen in das Inwendige aller Corper, egeſt du 

2m barein den Saamen, Nahrung und Wachsthum aller Dinge,fo, 

2.Pelr-3. daß die Erde,und mag fie in fich hält oder traͤget, aus Waſſer oder 

— im Waſſer beſtehet durch dein Wort. Das lebendige Waſſer iſt 

voller Geheimniß/aber ſo geringe geſchaͤtzet daß ein Thorichter 

Pſ. 92.0.7. es nicht glaͤubet, und ein Narr ſolches nicht achtet. Das Waſſer 

reintget alle Dinge, und muͤſten wir ohne daſſelbe in unſerm 

Unflath vergehen: Es machet durch deinen Segen reich ohne 

Pſ. 104. Mühe. Es wimmelt von denen Gefchdpffen,die zu unferer Nah⸗ 

v. 25. rung und Nothdurfft dienen. Es uͤberzeuget uns deiner herrli⸗ 

chen Allmacht und Regierung, da du den Sand dem Meer zum 

Jer.5. v. 22. fer ſetzeſt, darinn es allezeit bleiben, darüber es nicht gehen 

muß: Und obs ſchon wallet ſ v vermags doch nichts, und ob ſei⸗ 

ne Wellen ſchon toben, ſo muͤſſen ſie doch nicht daruͤber fahren. 

Oeffne mir, o HErr,die Augen, daß ic) fehen möge deine Wun⸗ 

der inder Natur, und Badurch zu dir geführet werde. Du offene 

Jer2,v.13- hareſt dich in deinem Worte, als eine lebendige Duelle. Acht ° 

erweiſe dich alfo meiner dürren, fruchtlofen und fchmachtenden 

Seele, gehe in mein Inwendiges, ſtaͤrcke, nähre und vereinige 

Joh. 4+ michmitdir. Du befichleft zu bitten, und verheiffeft zu geben 

v.10.14. lebendiges Waffer : Ich bitte,o HErr, gieb du nun dag Waffer, 

daß mich ewiglich nicht dürfte, fondern in mirwerde ein Brunn 

Eitd, 36r des Waſſers, das ins ewige Leben quillet. Sprenge du über mich 

1.25. das verheiffene reine Waffer, daß ich rein werde von aller Unrei⸗ 

nigfeit, und gereiniget von allen meinen Goͤtzen. Gefegne und 

Pfal.107. bewahre die, fo mir Schiffen auf dem Meerfahren, und in ihren 

v. 23. 30.35. Beruff ihren Handel treiben in groffen Waſſern. Gebeut dem 

Wind und Wellen zu ihrem Beſten, bringe ſie endlich zu Lande 

nad) ihrem Wunfch, und mache fie danckbar fuͤr deine Güte und 

Wunder, diedu anden Menfchen-Findern thuft. Wenn auch, o 

9.42.98. HErr,deine Waffermogen und Wellen der Trübfalüber mich ges 

ben; wenn die Waſſerſtroͤme der Verfolgung ihre braufende 

Pſal.y3. Wellen empor heben, groß find und greulich braufen, fo erweiſe 

v.3 4. du dich mir, daß du noch groͤſſer ſeyeſt in der Hhe. Wenn das 

Pſal. 46. Welt⸗Meer wuͤtet und wallet und von feinem Ungeftüm die Ber⸗ 

v. 5.6. ge einfallen, ſo laß deine Wohnung, die Hertzen deiner Glaͤubi ⸗ 

gen, darinnen du bift, fein luſtig bleiben in dir, hilff du ihr frühe. 

Wenn meine Sünden mich drengen, fo erbarme dich meiner. 

Mich. 7. Daͤmpffe meine Miſſethat, und wirff fie in die Tieffedeines ums 

D.194 ergründlichen Gnaden⸗Meers. - Und endlich bewege das Meer 

DAB. 2. und das Trockne, daß bald erfcheinen möge zur gänslichen Er⸗ 
wa rettung deiner feuffjenden Gläubigen, der Heyden Troſt, 

Chriſtus JEſus, unfer HErr, hochgelobet über 
adulees in Ewigkeit. Amen. 


Drs 


ER DR U % 945 
jr Das VI. Capitel, 
Bon dem fechften Tagemerd GOttes. 


1. B. Moſ. 1. v. 24. Die Erde bringe bervor 
lebendige Thiere, Dieb und Gewuͤrm ein iegli> 
‚ches nach feiner Art. Pſalm 104. 9. 21. Die 

- jungen Löwen brällen nach dem Raub , und 

. Jüchen ihre Speifevon GOTT. 


35 rühmet ſich Salome im B. der Weish. 7.«n >; 
© v. No er wifle die Arc der zahmen und en 

> wilden Thiere, und faget ‚daß der Beifk der Nr? behan⸗ 
Weisheit ibm folches. gelebret babe. Daraus 1. 
abzunehmen , daß folhe gründliche Erkänntniß alley Fon den 
Thiere ein fonderes Stück der natürlichen Weisheit fey, und war 
Derobalben,da GOTT der Allmaͤchtige gemacht Aue bp 

atte von der Erden allerley Thiere auf dem Selde, TE Fa - 
und allerlep Dögel unter demAimmel , brachte er ne 
fie zu dem Menſchen, daß er febe, wie er fie nen⸗ A m. 
nete; denn wie der Menſch ailerlep lebendige der Thiere 
Thiere nennen würde, fo folten fie beiffen: Und gennup. 
der Hienfch gab einem ieglichen Vieh und Vogel Namen, 
unter dem aimmel ‚und Thiere auf dem Selde fer 
nen Kamen, . B. Moſ. 2.0.19.fa. - 0. | 
_ Die hat nun der Menfch müffen feine angefchaffene die Weis 
Weisheit hervor ans Licht bringen, zu Ehren feines beit des 
Schöpffers, und erftlich in den mancherieyen leben⸗ ginn, 
Diaen Thieren anfehauen die Weisheit und Allmacht mungder. 
GOTTES; mie GOTT der HERR ein iedes irn 
Thier und Vogel unter dem Himmel mit fonderlicher 
unterſchiedlicher Geftalt, Form, Figur, Proportion, 
Bildniffen, Farben und dergleichen geſchaffen. Weiche 
Merck » Zeichen und Signatur Adam aus angefchaffener 
Weisheit olle wohl verftanden; nemlich die Phyfio- 
gnomiam aller lebendigen Thiere, daraus er ihre ein» 
sepflangte Art, Narur und Eigenfchafft erkannt, und 
diefelben ihrer unterfchiedlichen Art nach, mit ihrem 
“eigentlichen natuplichen Namen genennet, welcher 

IV. Theil, 009 ame 


Name eines ieden Thieres Art, Natur und Eigenfchafft 
in ſich beoriffen bat: Darum er auch feine Evam nen» 
nere Maͤnnin, darum, daß fie vom Manne genom⸗ 
menift, 1.3. Moſ 2. v. 19. 23. Solches erfannte 
und wuſte Adam, ob gleich GOTT der Allmaͤchtige 
hatte laſſen einen tieffen Schlaf auf ihn fallen, da er 
die Evam aus ſeiner Rippe erbauet: Hernach nennet 
er fie Evam; darum, daß fie eine Mutter ſolte 
ſeyn aller Lebendigen , 1. B. Moſ. 3.9, 20, 
Musden Solche Eigenfhafften der Thiere hält uns GOttes 
Kard erfen, LBort dor,die Alimacht und Weisheit GOttes daraus 
ner GOttes zu erkennen, und flellet fie ung aud) vor unfere Yugen, - 
Mair wie dem Adam. ‘Denn fo jtchet gefehrieben Hiob. 12. 
Hiwd.ız. 0,7. Stage das Vieh, das wird dichs lehren, und 
».7.. die Dögel unter dem Himmel werden dirs ſagen; 
— oder rede mit der Erden, die wird dichs lehren, 
Köifer der und die iſche im Meer werden dirs erzeblen. Der 
rer un Heil. heilige Hiob fuͤhret uns auch in den groſſen Thier⸗Gar⸗ 
ae ten, und ftellee uns an den Thieren ſolche Wercke 
acht vud · GOttes vor Augen, darob wir ung alle verwundern 
muͤſſen, Cap. 39. v. 1. ſeſ. Der heilige Prophet Jere⸗ 
mias weiſet uns auf die Turtel- Taube, Storch und 
Schwalben, dieibre Zeit wiſſen wieder zu kommen, 
Jer. 8. v.7. Jeſaias weiſet uns auf die Ochſen und 
Eſel, die ihren Herren kennen, Jeſ. 1.0.3. David 
und Hiob auf die jungen Raben, die den ZERRTT 
ancuffen, Pfalm 147. 9.9. Hiob. 39.9.3. Item, 
David zeiget uns die Örtern, oder Afpides, und 
Schlangen, die ihre Ohren verftopffen, Dfalm sg. 
v. 5. Jeſaias ſagt von. den: Bafilisken = und 
Schlangen =£yern, Jeß 5 9. v. 5. Und Seremias 
von den Drachen, die ihren Jungen ihre Brüfte 
reichen, Rlagl. 4.0.3. Der Straus wohnet inder 
Wildniß und ift unbarmhertzig gegen feine Yun: 
gen, Jeſ. 34.90.13. Cap. 43. 0.20. Jer. 50. v. 3% 
Das Hohe sLied Salomonis finget von einem jungen 
Rebe, Taube und Turtel» Tauber: Ingleichen von 
den Süchfen, Cap, 2,0, 9, 14 15% ir dem 
‘ 


von den Thieren 947 


Be rn a N 

Hirſch/ den nach friſchem Waſſer dürfter , Pſalm 
42.0.2. und vonder Hindin, die frübe gejaget wird, 
Palm 22.0.1. Salomo weiſet uns auf die Ymeife, 
Spruͤchw. 6.v. 6. Daxid jeiget ung die Erneuerung 
oder Derjüngerung des Adlers „Pfalm 103. v. 5. 
wie auch Jeſaias Cap. 40. v. 31. Alſo die auf den 
HERRN hoffen. Habacuc und Jeremias zeugen von 
den Woͤlffen Daı wödehr und Löwen zur Straffe, 
Dabacuc. 1. v8. Gere. 
. > Zn Neuen Teſtament zeiget uns der HENN die 
Sperlinge der keinet auf die Erde faͤllt ohne GOt⸗ 
tes Willen, Matth. ro. v. 29. Er ſagt auch von der 
Blugheit der Schlangen und Einfalt der Tauben, 
v. 16. Ingleichen, vonder Gluckhenne, die ihr e8ůd⸗ 
lein verſammlet unter ihre Siügel, Cap. 23. v. 37. 
Item, vom Adler, der nach dem Aaß fleucht: Cap. 24. 

v. 28. Item, vom Huͤndlein, welches die Broſamen 

‚aufliefet, fo von feines Herrn Tifche fallen: &. 15. v. 27. 
Item die Schäflein Cariſti werden mit ihren Eigen⸗ 
ſchafften beſchrieben, Joh. 10,v. 27. 28. Es gedencket 
auch der HERR einer Schlangen und Scorpion, 

die Eein Vater feinem Rinde giebt für einen Fiſch, 
oder für ein Ey, Luc 11. 11,12. 

Allhier lerne bedencfen, warum dein HENR und 

Erlöfer einem Aämmleir verglichen toird; Jeſ. 53. v. 7. Ir 
Nemlich von wegen feiner Gedult und Sanfftmuth. 
Warum der Heilige Geiſt in Tauben⸗ Geſtalt uͤber 
CHriſtum erfchienen, Matth. 3. v. 16. Gleichwie Matth.3. 
Hiskia ſagt: Ich girrete wie eine Taube ‚%: — 

v. 14. Alſo ſeuffzet der Heilige Geiſt in den Glaͤubi⸗ 
ven. Warum die vier Thiere in Ejechielis Cap. W Eich, r, 

‚8.10, und in der Offenbarung Johannis Cap. 4. v. 8 

die Geſtalt haben eines Menſchen eines Ofen ot Er 

. einesLöwen, eines Adlers. Denn dadurch find die Bier Lhiere 
vier hoben Amts > ABercke EHrifti bedeutet, feine IE 

Menfchwerdung, fein Dpffer ‚feine Yuferftehung und He, tag fie 
feine Himmelfahrt. Von der Lowin fagr mar, dag "Prim 
ſie ihre Jungen ER und mit einem itarcken 

00 2 


Geſchrey 


- 


948 B. IV. C.6s. Vom ſechſten Tagewerck GOttes, 


Geſchrey erwecke und lebendig mache: Alſo werden 
wir alle geiſtlich todt gebohren, nemlich todt in Suͤn⸗ 
den; aber der Loͤwe vom Stamm Jude, derübers 
wunden bat, Dffenb» s. v. 5. machet ung durch fein 
ſtarckes Geſchrey feines heiligen Werts geiftlich lebens 
dig: ‚Und am jüngften Tage wird feine Stimme er- 
ſchallen, Dadurch alle Todten werden lebendig werden, 
und aus den Brabern hervor gehen. 

— Laſt uns auch allhier betrachten die wunderliche Vor⸗ 
Spruch aus ſehung GOTTES, dadurch er alle Creaturen erhält, 
Davids ernehtet, und für fie forget. Es fpricht Der heilige 
Pam David: Du erhoͤreſt Geber darum koͤmmt alles 
Hattes Fleiſch zu dir. Erhoͤre uns nach deiner wunder, 
Vorſehung chen Berechtigkeit, GOTT unfer Zeil, der 
du bift die Zuverficht aller auf Erden, und ferne 
aın Meer. Du macheft fröliy was da lebet, 
bepde des Hiorgens and des Abends, GOTTES 
Bruͤnnlein bar Waffers die Sülle, Pfalm 65. 

v, 3.6.9. 10, — 
Mit dieſem troͤſtlichen Sprüchlein preiſet der heilige 
Prophet die vaͤterliche Barmbergigkeit GOTTES, 
daß er fich über alles Fleifch erbarme , und wie er am 
ondern Orte hat  AERR, du bilffeft beyde 
Menſchen und Diebe, Pſalm 36.0.7. Darum wir 
ihn auch getroft anruffen follen , und durdyunfer Gebet 
zu ihm Eommen. 1lnd erinnert der Prophet durch das 
Wort Sleifeh GOTT den HERAN unferer Duͤrff⸗ 
tigkeit, unfers Hungers und Durſts, und aller. menſch⸗ 
lichen Bloͤdigkeit, über welche fih GOTT wolle ws 
barmen; unsaber unfrer Wichtigkeit, Alles Sleifch 
iſt wie Heu, ꝛc. Zef. 40.0. 6, Darnach ſo tröftet 
ung der Prophet, daß Fein Menfch bey GOTT fo 
verachtet und verlaffen fey, auf welchen SOTT nicht 
ein gnaͤdiges Auge hatte, denn erfpriht: GOTT 
fev eine Zuverficht aller, die auf Erden find, und 
. 9* ferne am Meer. GOTT bat alle Menſchen in 
oet vor aue eine päterliche Vorſorge eingefchloffen , fie ſeyn wo fie - 
wollen, auf Erden; oder auf dem Meer. So ſpricht 
er 


Van den Thiern. 949 


er au: GOTT mache frölich alles , was da lebe, 
beyde des Morgens und Abends. Dasift: SOTT 
ſpeiſet und fättiget alles, was lebet, und Dadurd) ma> 
cheters frölich. Wie auch Sanct Paulus faget Apoſt. 
Gaſch 149.17. GOTT erfüllee mir Speife und Ar Geſch. 
Freude unfer Hertz. Ah! wie ift das eine arofler * 
Babe ‚ wenn GOTT giebt feine Speife mit Freuden 
‚zu genieffen, daß man des Morgens mit Freuden und 
GOttes Lob den Tag und feine Arbeit anfahet; und des 
Abends feine Ruhe mit Danckfagung ! Letzlich ſetzt er 
die Urſach hinan, und pricht: GOttes Brünnlein bat 
Waſſers die duͤlleʒ Der Brunn der Guͤtigkeit, Liebe, 
Mildigkeit Gttes ergeußt ſich in alle Creaturen, Daß 
jederman, ja alle Creaturen ihr Lebens und Freuden, 
Troͤpfflein daraus ſchoͤpffen. | vi, 
Es zeuget auch hiervon der 104. Pfalm verf. 27. da 3. 
er alfo fpricht: Es wartet alles auf dich, Daß du guninte 
ihnen Speife gebeſt zu feiner Zeit; Wie fodenn, lie- Palm. 104 
ber David? Verſtehen denn dieunvernünfftigen Thie»" "7°, 
ve, daß ESDTT fpeifet und ernehret? Wenn die jun- Gott fpeik 
gen Löwen nach dem Raub brüllen, fo ſuchen fie Alk hiere, 
ihre Speife von GOTT. Dosift: GOTT fichetu.g 
auch andie Angſt der Natur, dadurch auch GOTT) als 
ein Erhalter der Natur, bewogen wird: Denn wenn 
die Natur Noth leidet, ſo beweget es den Erhalter de 
Natur. Und das iſt ihr Warten, wie hie ſtehet. ir kalt 
Nun gedencke man, wie unzehlich viel und mancherley par feine 
Ereaturen in der£ufft, auf Erden und im Meer feyn ;fonderbare 
Denen allen Hat GOTT nicht allein Speife zur Nor, Sreiſe. 
durfft, und zur Freude und Wohlgefallen gefchaffen : 
fondern aud) einem jeden fonderliche Speiſe nach feis 
ner Art und Eigenſchafft; und das alles durch feine 
paterliche Vorſorge. Und hat alfo keines einigen &Dtt ver 
Thierleins vergeffen, wie folte er Doch des Menfchen, Tue 
feines Bildes, vergeffen haben, und vergeffen Enten 
nen? Es find ja derer Thierlein anf Erden, in der 
Lufft, im Meer, im Walde, viel mehr denn Mens 
ſchen auf Erden ſeyn, noch hat er auch des geringiten 
' D00 3 Thier⸗ 


— 


950 B. W. C.s. Dom fechften Tagewerd GOttes, 


Therleins nicht vergeſſen; vote ſolt er doch konnen eines 

Menſchen vergeſſen? Wie ſolte doch GOtt deſſen ver⸗ 

aAd Gelch geſſen koͤnnen, der in ihm lebet, webet und ift-s der von 

GoOttes Krafft und Othem lebet? In GOtt aber le⸗ 

ben, weben und ſeynd alle Menſchen, Ap. Geſch. 17. 

928 Darum iſt nicht moͤglich, daß GOtt eines Mens 

ſchen ſolte vergeſſen. Wie ſolt doch GOtt deſſen vergeſ⸗ 

ſen koͤnnen, das Durch feine Krafft erhalten wird? Zr 

hält und trägt alles durch fein kraͤfftiges Mort, 

Hebr, 1.0.3. Wie folte er deſſen vergeſſen können, 

Das feine Hand gemacht hat? Wir find Thon du un- 

fer Topffer;und wir allefind deiner Haͤnde Werck, 

Jeſ. 640.8. Wie folte GOtt deffen Yergeffen, den er 

Durch den Tod feines Sohnes haterlöfen laſſen? Wie 

folt ex derer vergeffen, die er mit feinem Heiligen Geiſt 

verfiegett hat? GOtt muͤſte feiner felbft vergeffen, wenn 

er folte unfer vergeffen. Darum warten wir, HErr, 
aufdich, daß du uns Speife gebeſt. 

Sorthat Ferner fpricht angegogener Pfalm: Wenn du ih⸗ 

allen Thie, nen giebeft, fo fammlen fie. Wenndu deine Hand 

ar aufthuſt/ ſo werden fiemit Güte gefärtiger. Nie 

Epeite zu iſt befchrieben, erftlich die erhaltende Krafft der Ereas 

gen. turen, daß GOtt einer ieden Ereatur eingenaturet und 

ve kr eingepflanger hat die Erhaltung und die Art Speiſe zu 

fuchen. Das hat GOtt darum gethan, auf daß er ers 

quicke und erfreue mit Speife alles, was da lebet; daß 

GOttes Gütigkeit offenoar werde, wie erein erfreuen⸗ 

Br GOtt ſey, ein Liebhaber des Lebens, der feine Crea⸗ 

turen nicht allein fchaffe, ſondern auch erfreue. Er⸗ 

freuet nun GOtt alles, was lebet und webet; ach fo 

wird er ung ja nicht zu immerwährender Traurigkeit 

erſchaffen haben, fondern auch bisweilen ein Tiſch⸗ 

Freudlein in der Sucht des HErrn vergönnen. Wird 

ja nicht immer mit uns gürnen, fondern wie David 

fpricht Pfaim go.v.ı5. Erfreue uns nun wieder, 

nachdem du uns ſo lange plageft, und nachdem 

‚wir ſo lange Unglüc leiden, und der HErr unfer 

GOtt fey uns freundlich, ver freundliche und die 

elige 


Don den Tieren. 951 
lie GOTT. Sa, er bat uns doch zugefagt, 
daß feine Knechte effen, und für Sreuden jauchzen 
werden, Jeſaia 65.913 14. So wird uns auch bie 
gu betrachten gegeben die reiche Mildigkeit GOttes, 
daß er feine Ereaturen nicht Färglich fpeifet, fondern 
mildiglich und überflüßte , ja alfo, daß feine Suß-Pfal- Ss 
ſtapffen vom Fett trieffen, Pſalm 65.v. 12. Wel⸗ 
ches wie augenſcheinlich ſehen, daß ale Ereaturen ih⸗ 
te Zeit haben, wenn fie GOTT mildiglich gefpeifet 
und gemäftet hat; wenn die Woͤgelein in der Lufft 
feiſt feyn, die Thier im Walde gemäftet ſeyn, das Vieh 
auf dem Felde, die Schaafe auf den Auen ‚die Fiſche 
im Meer in ihrer Zeiftigkeit geben, da trieffen GOt⸗ 
tes Fußftapffen vom Fett. Das ift alles. ihre Zeit, 
wenn fie GOTT in unfere Hände giebt. Gebet, 
das ift die Vorfichtigkeit des weifen Haus⸗Vaters! 
Das ift ein kluger Schaffner! So ſorget GOTT vor 
feine hungerige Kinder. 9 
Endlich ſpricht auch derſelbe Pſalm: Verbirgeft, nd zo, 
du dein Antlig, [6 erſchrecken ſie. Du nimmſt wegv. a9. 30. 
ihren Othem, fo vergeben fie, und werden een ni 
der zu Staub, Du laͤſſeſt aus deinen Othem, fOler Sreatur 
werden fie geſchaffen, und erneuerft die Geſtaltren Erben. 
der Erden. Hiehören wir, was unſer und aller Erras 
turen Leben ift, nemlich GOttes Othem, das iſt, GOt⸗ 
tes Seift und lebendiomadyende und rhaltende Kraft, 
die in allen Dingen it: Wie das Buch der Weisheit 
fpricht Cap. 11.09.27. Du Liebhaber des Lebens ‚Weish, ır. 
und dein unvergänglicher Geiſt iſt in allen, das iR," 7° 
Deine erhaltende lebendigmachend: Krafft, dadurch in 
der erſten Schoͤpffung nicht allein alles gefihaffin, 
fosdern auch auf den heutiaen Tag erhalten wird. 
Dee Himmel iſt durchs Wort des JERRTT geryrz.ne, 
macht, und alle fein Acer durch den Beift feines 
Mundes, Pſalm 33.0.6. Und eben diefe lebendig⸗ 
machende Kraft GOttes ift Das Work, dadurch 
GOtt alles gefhaffen hat. DIE Wort, ſo GOtt geres 
der hat, ift nicht verſchwunden, oder ein bloffer Schall 
D004 gewe⸗ 


&Dttes 
Wort er: 
bältales. 


952 B.IV.E,6. Vom ſechſten Tagewerd BHttes, 


geweſen, fondern ift dag Leben worden aller Exeaturen, 
alfo, daß es von den Gefchöpffen GOttes nicht gewi⸗ 
chen, fondern dabey geblieben. Und iftebemdie erhal⸗ 
tende Krafft aller Dinge, davon St. Paulus fpricht 
Hebr. 1.0.3. Der SErr bält und trägtallesdurch 
fein Eräfftiges Wort, Wie ein Schatten am Baum 


hanget, alfo hanget unfer Leben an GOtt. 


Wenn nun GOTT vonden Ereaturen diß fein Le⸗ 
bens⸗Wort und Krafft wieder hinweg nimmt, fo vers 
schen fie, und werden wieder zu Staube, fallen wieder 
in ihr eigen Nichts; Iſt gleich als wenn einer den 
Kern weanähme, und ließ einem Die. Huͤlſe. Wie ein - 
Faß zerfäle, wenn die Reiffen abgehauen : Alfo dag 
Gefaͤß alter Ereaturen zerfällt ohne GOttes Wort. 
GOttes Wort iftdie gantze Welt voll, Nom. 11. v. 36. 
GOtt, der da iſt über euch alle, durch euch alle, 
und in euch allen, Eph. 4.0.6, derift unfer Leben und 
unfers Kebens Krafft, Palm 27.0.1. Ich bin 
dein Leben und deiner Tage Länge, 5.B.Mof. 30. 
d. 20. Gleich als wenn einer eine wahrhafftige Lebens⸗ 
Krafft empfindet aus GOttes Wort, wenn man traus 
tig iſt: (wie folches in meiner Auslenung über den Pſal⸗ 
ter an vielen Orten erklaͤret ift.) Alſo ift eine folche Le⸗ 
bens⸗Krafft in allen Creaturen; und dasift das Wort 
der Schöpffung: Wird daffelbe weggenommen, das ift 
oller Sreaturen Tod. DIE Wort ift der Segen und 
Vermehrung aller Creaturen, dadurch GOtt die Ge⸗ 
ftaft der Erden jährlich erneuert, in Wiederbringung 
jaͤhrlicher Srüchte und Thiere, daß GOtt durch die Es 
neuerung aller Dinge gleichfam jährlich einenene Welt 
ſchaffet. Solange die Erde ſtehet, ſoll nicht aufhoͤ⸗ 
ren Saamen und Erndte, Sroft und Aige, Soms 
mer und Winter, Tag ımd Nacht, 1. B. Moſ. 8. 
v. 22. Und von dem Segen Noaͤ effen wir noch alle 


Folget die heut zu Tage. £ 


Application 


an unter⸗ 


Doraus kernen wie nun die wunderliche all 


Hiedlichen gemeine Dorfebung GOttes uͤber alle Ereaturen. 


ke 
cten. 


or⸗Pun· 


Dieſelbe ſtehet fuͤrnemlich in dreyen Dingen ; a 
l 


— 


von den Thieren. 993 


lich in der Wiſſenſchafft GOttes. GO TT fd m 
alle feine Wercke von Ewigkeit her bekannt geweſen ee: 
durch dieſe feine unbegreifflihe unendliche Weisheit hung. 
weiß, fiehet und höret et alles? Darum er in der g tthiehet 
Schrifft genannt wird der Sehende und Lebendige, altes. 
.B. Moſ. 16. v. 13. 14. Alſo ift Feine Creatur vor!,B: Mof. 
ihm verborgen, fondern ale Dinge find bloß, lauter und "+ 
offenbar vor feinenAlugen. Go ift er auch der rechte 
Lebendige, nicht allein, daß er non Ewigkeit zu Ewigkeit 
von ihm feibft lebst 5 fondern auch, daß er alle Dinge 
lebendig machet. ! 

Sürs andere beruhet diefe Lehre auf der vaͤter⸗ = 
lichen Guͤte GOttes, dadurch er vor alle Dinge for- u re 
get, auch vor die Vögel unter den Himmel, Matth.6.ie. al 
2.26. Ga, er läffee auch die Sonne aufgeben 
über Bute und Hofe, Sap- 5.0.45. Welche aroffe — 
Unehre thun wir nun an diefem unſerm allergnädigften arofe une 
Vater, wenn wir an feiner Vorſehung zweifeln, ob er ehre an. 
auch für uns forget, weil er auch für die geringften Crea⸗ 
turen forget, ja auch fürdie Boͤſen. Diß iſt uns ſon⸗ 
derlich ein groſſer Troſt im Creutz und Truͤbſal, weil 
wir wiſſen, daß nichts in der Welt geſchicht ohne GOt⸗ 
tes Ordnung und Vorſehung, daß wir lernen gedultig 
ſeyn, und nicht wider GOtt murren; ſondern gläuben, 
er ſorge fuͤr uns, und habe ſolches alles nach ſeinem un⸗ 
erſorſchlichen Rath und Gericht zu unſerm Beſten, und 
zu ſeinen Ehren uͤber uns verſehen. In der Schrifft 
wirds genannt des HErrn Zorn, ꝛc. Mich. 7. 0.9. 

Kommt auch Gluͤck, Ehre und Gnade, wohlan! es 
kommt vom HErrn, dem dancke, und ſage mit Hiob: 
Der HErr hats gegeben, der HErr hats genom⸗ 
men, Hiob 1.9. 21. Dieſer Heil, Mann dancket GOtt 
dem HErrn fomwol für fein Creutz, als für fein Glück, und 
rechnet ſich mit Paulo der Trübfai würdig. Plus no- 
cent profpera quam adverfa. Das Gluͤck fchader mehr 
als —— — 
ndlich beruhet dieſe Lehre von der allgemeinen „5... 
Vorſehung GOttes über * Creaturen, auf BOT Nonceie⸗ 
00 5 tes 


954 B.IV.T.6. Domfechften Tagewerck GOttes, 


tesAlimacht, dadurch, er allgegenmwärtig iſt bey allen 
Ereaturen,diefelben erhält und regieret; aller Menſchen 
Hertz in feiner Hand hat, daßer ſie lencken und beugen 
P.3.0.15. Fan, wie er wid, Pſ. 33.0. 15. Wie wir ein Klümptein 
Bachs mit unfern Fingern formiren. Derbalben wir 
uns alle für feiner Goͤttlichen Gegenwart, Angeſicht, 
Augen, Gewalt fuͤrchten und ſcheuen tollen, in Ser 
Dancken, Worten und Wercken: Denn wir find in 
GOttes Hand ‚wir der Thon in der Hand des Topf 
fers. Ser. 18.0. 1. ſqq. "Gebe binabin des Töpffers 
Haus. Und als ich hinab kam ſiehe, da arbeıtere 
er eben auf der Scheibe, und der Topffimißrierb - 
ibn in feinen Haͤnden. Da subrach er ihn, nd 
machte eineitandern, 2c. Alto, ob uns GOtt gleich 
zubricht, er kan ung wieder machen. 
— Ferner haben wir hie den Troft, weil GOtt gegen⸗ 
Rorfenung waͤrtig alles erhalt und regiert, daß er durch feine ſonder⸗ 
geher fon» liche Vorſehung ein fonderlich Auge habe auf die Sei- 
ei a. nen, fo genau, Daß ohne feinem Willen nicht ein Haͤr⸗ 
gen. lein von ihrem Haupte fallen kan, Matth. 10.0, 30, 
So erhält er ung, und behütet ung mitten unter 
unfern Feinden; wie es David in den Pſalmen bes 
zeuget, Pſalm 23. 0.4. Palm 27.0. 1. Pſalm. 121. 
ders 5. 
GOtt weiß So haben wir auch hie den Trof, daß, wenn wir 
Itt ne oft in unferer Trübtal weder Huͤlffe noch Rath wiſſen, 
if. und Bein Mittel der Huͤlffe feben, daR wir uns damit 
teöften, daß der GOtt, der das Creue verſehen und vers 
haͤnget hat, der wird auch Narh finden, dergroß von 
Rath und mächtig von That iſt, Jerem. 32. 0.19. 
Commenda Domino viam tuam; Befiehl dem HErrn 
Deine Wege, ıc. Dal. 37.5. Wir Abraham, da er 
feinen Sohn opffern folte,ließ ee GOtt rathen, wie er Piz 
ne Zufage und Verheiſſung erfüllen wolte, 1 B. Moſ. 22, 
v.8. Roͤm. 4. v. 18. ſeqq. Debr. 11. 9.19. 
— Letztlich erwecket die Vorſehung GOttes in unſerm 
Derfehung Hertzen Glauben, Hoffnung und Gedult. Nehmet 
würdet ein Exempel an David, an Hiob, an CHriſto unſerm 
Glauden, HErrn 


Don den Thierem 955 
‚Herrn ſelbſt: Er wuſte, daß von GOtt verſehen war, Hoffaung 
er folte ſterben, darum war er in feinem gantzen Leiden un, Oe⸗ 
. gedultig bis in den Tod, Philipp. 2. 0.8. und bisihn 
GOtt wieder auferweckte. Alſo that David aud), der 
erlidte zehenjaͤhriges Elend, erdultete Hohn und Spott, 
Armuth und Verachtung; denn er wuſte, was GOtt 
-über ihn verſehen hatte, wie er ſpricht: Du biſt der 
Schild fuͤr mich, der mich zu Ehren ſetzet, und 
mein Haupt aufrichtet, Pſalm 3.9.4. Wir wollen 
mit dieſem Spruch beſchlieſſen: Der HERR macht 
arm und reich, er toͤdtet und machet lebendig, er 
erniedriger, und erhoͤhet, er führer in die Aolle,und 
mwiederberaus, 1. Sam. 2.0.6. — 
Zum Beſchluß muͤſſen wir auch nothwendig etwas u. 
vom letzten Geſchoͤpff GOttes, nemlich vom — 
ſchen reden: Von der Fuͤrtrefflichkeit menſchlicher das * 
Natur, und daß der Menſch die ſchoͤnſte LE 
fey, an welcher GOtt feine groͤſte Luſt haben tolle ‚Ah 
Epr. Salom.8.9.31, Beil er alle Dinge um des GOties ik. 
Menſchen willen gefchaffen , ja der Dienfeh dag Ende 
iſt aller geſchaffenen Dinge 5 fo ift daraus leicht abzu⸗ 
nehmen, daß der Menfch Die fürtrefflichfte und fchönfte 
Creatur ſey. Ja, weil erift die Eleine Welt, und aller De Mens 
Ereaturen Befcbluß und Epitome ; fofoiaet nothmen- anne Fene 
dig, daß er aller Dinge Vollkommenheit in ſich begreifz ein Bearif 
fe. Derin 8 giebts die Vernunfft, daß dasjenige fürs yyroftn 
frefflicher und vollfommenerfey, das da iſt derandern 
Dinge Ende, und derfeiben Vollkommenheit. Schön 
find Die Brunnen, und die grünen Auen und YBies 
fon, fo mie mancherley Blümlein und Gewäcs ge 
zieret ſeyn: Luftig find die Bäume anzufehen in ihrer 
Bluͤte und mit ihren Früchten, und die Waͤlder, fo 
Damit geſchmuͤckt ſeyn: Schön ift der Himmel mit 
"Sonn und Mond, und fo ungehlich vielen leuchten, 
den Sternlein gezieret; aber weit ſolche Schönheit 
alle um des Menſchen willen gefchaffen, fo muß freylich 
der Menſch viel ſchoͤner und herrlicher feyn, daß auch 
der Sonnen Schönheit mit Demfelben nicht zu vergleis 
chen 


956B.IV. Cꝛs. Dom ſechſten Tagewerck GOttes, 


chen. Denn gleichwie des geringſten Bluͤmleins 
Schoͤnheit uͤbertrifft die Schoͤnheit und Schmuck des 
oͤniges Salomonis, auch in ſeiner groſſen Herr⸗ 
Matth · 6. lichkeit; wie unſer lieber HERR ſpricht, Matth 6. 
2. 9,29. Alſo uͤbertrifft Die Schönheit und artige Ge⸗ 
ſtalt des Menſchen nicht allein Salomonis aͤuſſerliche 
Herrlichkeit, ſondern auch aller Blumen auf dem Felde; 

ja auch die Schoͤnheit der Sonnen am Himmel, ſon⸗ 

derlich wenn mar die Seele des Menſchen berrachter. 

Die Seele Denn es fan auch der Seelen Schönbeit aus der 
ak ſchoͤnen Geſtalt menfchlichen Leibes erfannt werden, 
födnte weil der Leib ift ein Hausund Wohnung der Seelen. - 
Tieaiur. Derowegen weil das Haus fo ſchoͤn iſt, welches 
wir augenſcheinlich ſehen, wenn wir einen ſchoͤnen 
wohlgeſtalten Menſchen anſchauen; wie ſchoͤn wird 

denn ſeyn die Seele, ſo im ſelben Hauſe wohnet? 

Denn einem ſchoͤnen Gaſt hat auch der Schoͤpffer ein 

ſchoͤn Haus erbauet. Wir ſehen auch, daß eine ſchoͤne 

Geſtalt eines ſchoͤnen Menſchen aller Augen auf ſich 
wendet, welche Krafft doch der aͤuſſerliche Leib von 

Die Schoͤn / der einwohnenden Seele erlanget. Es kan auch die 
N ei Schoͤrheit menſchlicher Natur bewieſen werden von 
der menſch · dem Ort, in welchen ver Schoͤpffer den Menſchen 
uchen Da geſetzet hat, nemlich von dem Paradies, welches iſt 
"ein Garten aller Luft und Freude, dargegen die ietzige 
Welt mit ihrer Schönheit nichts zu achten. Deros 
‚wegen fb der. Dit , Dahin dev Menſch von GOTT 

geſetzt war , fehön und tieblich iſt: wie viel fehöner und 
lieblicher muß der feyn, um deß willen derfelbe Ort 
gefchaffen und gepflanget it? Man Fan auch die 
Wuͤrdigkeit der menfchlichen Dratur daraus abnehmen, 
En weil die heiligen Engel zu Dienft und Wache der Mens 
ſchen von GOTT geordnet jeyn, Ebr. 1.0.14. Fa es 
| erfcheinet ſolches fürnemiich aus des Menſchen Schopfs 
Die wor fung. - Denn er ift aus fonderlichem Rath GOttes, 
eſchteit Der hochgelobten Dreyfaltigkeit, gefibaffen: Und 
fchen wid. GOTT fprach : Laſſet uns Menſchen machen, 
beroiefen cin Bild, das unsgleich ſey, 1.B, Mof. 1.0. 26, 
um 


von den Thin. 957 


Nun iſt es zwar ein groffes, aus fonderlichen Nathaus den 
GOttes geſchaffen ſeyn; aber ein viel groͤſſers iſt es nach Natbiälas 
dem Bilde des Schöpffers, der-Heiligen Dreyfaltig⸗ 13 Mof. x 
Feit , gemacht feyn. GOTT hat gefhaffen die Elesv- a6. 
mente, den Himmel, die Sterne , den Mond , und die 
ganze groffe Welt: Aber Er ſprach, und es geſchahe; 
Da e8 aber kam zu des Menfchen Schaffung , als zu 
dem allergröften und herrlichiten Werck GOttes, da 
ward gefagt : Laßt uns Menſchen machen. O wie 
ein herrlicher Rathſchlag! O wie groſſe Würdigkeit, 
Vortrefflichkeit und Adel hat die menſchliche Tratur,dars 
über man ſich billig verwundern muß! Sonne, Mond 
und Sterne, und die gantze Welt, iſt ohne Berathſchla⸗ 
gung, wiewol nicht ohne ſonderliche Weisheit und 
Allmacht, geſchaffen; der Menſch aber beyde mit ſon⸗ 
derbarem Rath und Goͤttlicher Weisheit. Es war 
vonnoͤthen einer groſſen Berathſchlagung, da etwas 
groſſes zu machen war, nemlich der Menſch, welcher eure fon 
ein Bild und Gleichniß feyn folte des Schöpffere Sara 
Alle Creaturen find nur GOttes Spur und Zußflapfe ren 
fen, der Menfh aber GOTTES Bild, melcer 
den Schöpffer folte vor Augen fielen. Die Heilige 
Dreyfaltigkeit fpricht nicht: Laßt uns. Mienfehen 
machen, ein Bild , das gleich fey der Sonnen, oder 
dem Monden , oder den Engeln, fondern, ein Bild, 
das uns gleich ſey, auf Daß unſer Bild im Menfchen 
ausgedruckt werde, | | 2 

Darum bedenke nun die Schönheit der menſch⸗ Sqoͤnheit 
lichen Seelen, die da trägt, das Bild und Gleichniß der Seelen 
SOTTES. Bedencke, meld) eine Schönheit fey der 
örtlichen Majeftar, fo wirſt du erkennen die Schöns 
heit und Wuͤrdigkeit der menfchlichen Seelen und 
ratur 5 den wer molte diefelbe Ereafur nicht für 
Die fchönfte halten, welche aus fonderm Rathſchlag 
GOTTES gemacht it ? welche nach dem Bilde, . 
des hoͤchſten und allerfchönften Künftlers ift gebils 
Det , und ihrem Schöpffer gleich ift? Daraus gnug⸗ 
fam zu erkennen, wie fleißig der Menſch fich hüten Ms 

| ur 


958 B.1V.E,6. Dom fechfken Tagewerck GOttes, 


für aller Unſauberkeit, Daß er das ſchoͤne Bild GOttes 

des Schoͤpffers nicht beflecke, weil ſolche Befleckung 

nicht geſchehen kan ohne groſſe Verachtung des 
Schoͤpffers, und Beleidigung der hohen Maieftät 
Bad, GOTTES: Denn weil GOTT den Menfchen 
böchfteehre Durch fein Bild in Die höchfte Ehre und Wuͤrdigkeit ger 
und fest, und zum höchften Adel erhaben, ift es dem Mens 
Menfpen. chen eine groffe Schande, Daß. er fich durch fleifchliche 
Unteinigfeit feiner Ehren und NBürden entfeget. Es 

it ein groffes Lob, wenn ein Bild von dem höchiten und 

aröften Kuͤnſtler gemacht iſt; und wenn ein ſolch Bild 

s Berftand hatte, es thaͤte feinem Künftler nichts zuwider, 
damit es nur feine Schönheit behielte, zu Lobe feineg 
Künftlers und Werckmeiſters: Gedenckeſt du denn 

nicht, o Menfch, wer Dich zu einem folchen fehönen 

Bilde GOTTES gemacht? warum beraubeft du 

i denn deinen Künftler, der Dich fo ſchoͤn gemacht hat, 
feines Lobes, und befleckeft dich mit Unteinigkeit? Es 

Melden, hat auchPlato recht gefagt: Daß die Tugend und 
Schonpeit. Gottfeligkeit fey der Seelen Schönbeit., Wenn 

| wir. aber bedenefen die Vereinigung unferer Seelen 
mit GOTT und EHrifto, und die Gerechtigkeit 
CHriſti, damit unfere Seele, als mit einem Bleide 
arten. des Yeils, und mit dem Roc der Gerechtigkeit 
3934 bekleidet iſt, Jeſ. 61. v. 1o0. Go verſtehen wir die 
unier&eespechte innerliche Schönheit unſerer Seelen. Denn 
SD unfere Seele hat alle ihre Schönheit von CHriſto 
. JESU: Und mer wolte denjenigen nicht für ſchoͤn 
halten, der I..ne Schönheit von dem, Der die unendliche 
Schönheit il: ;Lift,empfanger? welcher mit der un⸗ 
endlichen Schönheit vereiniget, und mit derfelben ein 
Ejech. i6. Geiſt worden ift? Daher der Prophet Ezechiel fpricht, 
vi Eap. 16. v. 14. Dein Rubm erfchell unter den 
Zepden deiner Schönheit halben , welche gang 
volltommen war durch den Schmuck, den ich an 
dich geleget hatte: Perfeda eras:in decore meo. 

"in meinem Schmuck wareft du ſchoͤn. Und fo 
die Kinder ihrer Eltern Schönpeit erlangen durch Die 

natur⸗ 


von den Thieren 959 


natürliche Geburth: wie folte unfere Seele durch die 
geiftliche Wiedergeburth nicht Die geiftliche Schöne 

heit durch ihn haben, und von ihm erben? Wernotte 
auch nicht ſagen, daß dieſelbe die ſchoͤnſte Creatur fey, | 
welche ihm der Sohn GOTTES zu feiner Braut Seele eine 
erwehlet hat, und mit feinem Gottlichen Licht und Braut. 
Schmuck geziexet? Dahero auch billig die glaͤubige Erf 
Seele eine Bönigin genannt wird, und des Königs 
Tochter , inwendig ſchoͤn geſchmuͤcket mit guͤlde⸗ 

nen Süden, PſaſmaF. v. 14. Und fo ein unedles palm 45, 
Weib einem Edlen vermahlet , edel wird, und aufs*'* 
allerfchönfte gefehmücker werden Fans, Wie folte un ⸗ 
fere Seele nicht ſchoͤn und edel werden, melche mit dem 
Alleredeliten und fehönften Braͤutigam vermaͤhlet wird ? 
Derswegen der heilige Irenzus gar weislich geſagt 

hat: Gloriam hominis eſſe DEUM; operatienum 

vero DEI, & omnis fapientie ejus & virtutis rece- 
ptaculum effe hominem; Das iſt: GOTT ſey des Gott der 
Menſchen Herrlichkeit, und Schönbeit, der lee 
Menſch aber fep ein Gefaͤß und Werckzeug der keit, 
Wercke, Weisheit und Kraft GOTTES, 

Und p GOTT der Allerhöhfte in des Menfchen. 
Seele am allerliebſten wohnet, und Diefelbe zu feinem 
Tempel geheiliget hat, daß Sie feyn foll eine ABohnung 
des Vaters, eine Braut» Rammer des Sohnes, des 
allerhoͤchſten Braͤutigams, und ein Tempel des 
Heiligen Geiſtes; So folget unmwiderleglich, daß die 
Geele ſehr fchön feyn muß, und die fehönfte unter allen 
Credturen. Und ſo GOTT im Ezechiel fagt, Daß er Der allen 

unfere Seele feymücke, alfo, daß fie fehon fe in feinem Binde 
Schmuck, Ezech. 16914. HF GOTT, wos sieht un: 
wird das für ein überaus ſchoͤner Schmuck feyn Er Seilen 
as merden das für Schöne Edelgefteine feyn, für fhönfen 
Kleinodien , für güldene Cronen, welche fo ein ge, Schmuck. 
woltiger, herrlicher, reicher und ſchoͤner Bräutigam 
feiner Braut-giebt? D der wunderlichen Gnade und 
Freundlichtkei SOTTEOS gegen unfere Seele! O 
der groſſen Schoͤnheit! Wenn fie mit oe 

| ugen 


— 


960 B.IV.E.6. Dom ſechſten Tagewerd GOttes, 


Augen Eönnte erfehen werden, wie wuͤrde fie ung zu fich 
ziehen! Diefe Schönheit wird immer vermehret 
durchs Gebet und täglich Gefpräch mit GOTT, alfo, 
daß wir von einer Klarheit in die andere vers 
klaͤret werden, als vom Geiſt des JERRLT, 
2. Cor. 3.0. 18. Denn ſo Mofis Angeſicht glängte 
vom Selprach,fo er mit GOTT nur wenig Tage 
2.8. Mof. hielte, 2. B. Mof, 34.0. 35. folte nicht unfere Seele, 
ind.35 Die ohn Unterlaß mit GOTT redet, vielmehr und 
groͤſſere geiftliche Klarheit und Schönheit empfahen ? 
Davon weiter im folgenden und andern Theil Diefes 
vierdten Buchs, vom Menfchen infonderheit, 


| Gebet. | 
Pſalm 104; H ERN, deine Ehre iſt ewig, und du haſt Wohlgefallen an 
v zi. deinen Wercken, darum erhaͤlteſt und verſorgeſt du dieſel⸗ 
Matth. 10. hen. Ohne deinem vaͤterlichen Willen faͤllt auch fein Sperling 
—8 auf die Erden; Die Vögel unter dem Himmel fäen nicht ernd⸗ 
0.26. ten nicht, ſammlen aud) nicht in die Scheuren ‚und du himmli⸗ 
Halm 147. ſcher Baternehrefifiedoch: Du giebeft dem Vieh fein Futter, 
v9. auch denen unnügen Raben, wenn fie dich anruffen. ‚ Ja, wenn 
ich bedencke, o HENN, deine Vorförge ‚die Bu auch für Erz. 
haltung des Gewuͤrms trägeft , wie weislich diefelben ihre Eyer 
bewahren , an folchem Orte/ da fie ann bequemilen ausgebruͤtet, 
und vor Kälte ſowol als gar zu ſtarcker Hige befchüget werden ; 
da auch die Jungen, fo bald fie ausfriechen, ihre Nahrung ‚die 
du einem ieden ihres Geſchlechts geordnet haft, finden konnen: 
So bleibee.mir nichts übrig, Damit ich meinen Unglauben bes 
decken mochte. Erzeige du dic) fo gegen das Vieh, ja gegen 
‚ Ungegiefer ‚ wie wirft du gefinnet feyn gegen die, die in CHriſto 
‚deinem Sohn mit dir vereiniget, deine Bundes s Genoffen 
ı Belr.s. und Rinder find? So verleihe mir denn, o getreuer Vater, die 
2. + Gnade, daß Ich nicht mehr im Unglauben forge, nachdem du 
? Im 389. gormichforgeft. Deine Vorfehung erftreckt ſich über alle deine 
Matth.ro, Geſchoͤpffe, fo werde id) auch nicht davon ausgefchloffen feyn. 
v.30. Wie du meine Tage, meine Haar, meine Thränen zehleft; fo 
Pfalm. 56. mirft du auch zu deiner Zeit offenbarlich beweiſen, daß ein Uns 
a ; terſcheid ſey zwiſchen deme, der GOTT dienet, und der ihm 
ADB. nicht dienet. Gib mic die, oNENN, feſte zu glauben, und 
im folchem Ölauben nicht zu Schanden zu werden, L 
durch IJEſum EHriftum deinen Sohn 
unſern HERAN. Amen. 


Der 


NS — 


& — ter ° E 
Ortung ee 
— 5 3 @ S en 





Das Dierdte Buch, Th. II. Cap.I. pag.961 
Hier ift ein Glas mit Waffer über die Helffte gefüllt. Darein 
iſt gemorffen ein Stück Geld, fo zu Boden lieger,deffen Schat; 
ten aber ſich doch aud) oben indem Waffer deutlichpräfentiret; 
und alfo ift dag, was untenzu Boden liegt und unfichtbar ift, 
oben im Waffer flar zu fehen. Hiemit wird angedeutet, daß 
GOttes Werfen zwar unſichtbar fey ; aber doch aus der Echopf; 
fung der Welt und aus feinen Gottlichen Werchen, wo man die 
recht betrachtet, ziemlich deutlich erfennet werden fan, ja daß 
ein Menfch, der fein Gemuͤth recht betrachtet, darinnen GOttes 
Bild ziemlich Harantreffen und fehen fan. 
Roͤm. 1. verf.2o. 
GOttes unſichtbares Weſen, das iſt, feine ewige 
Krafft und Borebeit, wird erſehen, ſo man 
das wahrnimmt an denen Wercken, nemlich 
ander Schöpffung der Welt. 
HE Menfch kan GOttes unfichtbares Weſen 
3war in der gansen Creatur, 
Mennerfiene 
Mit Fleiß befihaut, gar deutlich leſen; 
Doch nirgend deutlicher, als wenn er fein Gemuͤth 
Ducchfücht nd GOttes Bild darinnen ſieht; 
Denn weil er merckt, daß felbes frey 
Sm Augenblick durch alles Dringet, | 
Und alles (auffer GOtt) begreift, fo brinaet 
Er diefen Schluß herfür, daß GOtt unendlich ſey: 
Das feine Weisheit und Verftand, 
Davon ein Schatten Bild im Menfchen ift, 
Selbſt unermeßlich, alle Ding ermißt: 
Daß feiner rechten Hand 
Nichts Endliches vermag zu widerftehen, 
roch feiner Lincken zu entgehen. | 
O blinde, freule Schaar, die diefes nicht empfindet! 
Ja, (ob ſie GOtt von inn-und auffen fühle) 
Sich dennoch, daß er fey, zu leugnen untermwindet, 
Und mit der erogen Blut fo kecklich fherst und fpielt. 
Ich fürcht, ich fürchte fehrz fie werden fich verbrennen 
Mit folcher ‘Bein, die unaufhorlich ſchmertzt, 
Und allzufpät erkennen und bekennen, 
Daß ſie ihr J Heil verſchertzt. 


ce 961 


Der Andere Theil 


des 
Sierdten Bude, 


Von dem Menfchen infonderheit, 
Das I. Capitel. 
Aus derSchöpffung aller Dinge wird 
gefchloffen ‚daB GOTT ein ewiges Wefen feyı 
ohne Anfang und Ende, daß er unendlic) fey, 


daß er allmächtig fey,daß er eines unendlichen 
Verſtandes und Weisheit fey. 


Jerem. 32. v. 17.18.19, Siebe, du haſtHimmel und 
Erden gemacht durch deine groffeßrafft , und 
durch deinen ausgeſtreckten Arm und iſt vor 

dir kein Ding unmöglihb. JERR Zehaoth 
iſt dein Name, groß von Rath und mächtig 
von That, Wesh.. u 4. GOTC Hat 
alles Weſen gefbaffen, daß es im * ſeyn 
ſollte. 


D iſt ein —— des Weſens God em 
en ir aller Ereaturen, und harıı a 
denfelden allen ihr Weſen und Leben fens und 
gegeben und erſchaffen; derohalben fogescnepe 
iſt er vor dem Anfang aller Creaturen — 
geweſen ein ewiges Weſen und Leben: Denn ſonſt 
hätte ev nicht das Weſen und Leben alien Creaturen 
Heben Eörmen. Daraus folget nun, daß BOTT 
das ewige Keben felbft iſt. Sfnfonderheit aber wird 
aus der ge Gemuͤth und Gedancken gefchloffen, 
daß & T unendlich iſt; denn es begreift Desgozz ie 
Menſchen — im Augenblick Himmel und Erde. uuendlich 
* Sonne hat zwar fo einen geſchwinden Lauff, daß 
V. Tpeil, Popp ſie 





Was GDtt 
iſt, das iſt er 
weſentlich. 


GoOttes 
Weisheit 
und Ver⸗ 
Rand uns 
en dlich. 


GOttes 
Weisheit 
ewig. 


GOtt weiß 
alles. 





fie den groſſen Himmel in 24. Stunden umlaͤufft: 
Des Menſchen Gemuͤth aber thut es im Augenblick, und 
begreifft alle Creaturen in ſich. Daraus folget nun, 
daß GOtt vielmehr alle Dinge begreift und befchleuft, 
und demnach unendlich iſt. 

- Was nun BOTT ift das iſt er weſentlich. Er 
iſt unendlich ; darum ift er ein unendlich Weſen, und 
ift auch ein unendlich Leben: Denn fein 2rfen und 
Leben find nicht geſchieden. Weil aber GOTT au 
des Menfchen Seele mit Verſtond und Weisheit ge» 
ſchmuͤcket bat, fo muß er vielmehr einer unermeßlichen 
Weisheit und Verftandes feyn: Und nachdem alles - 
in GOTT wefentlich und ewig ift, fo muß aud) fein 
Verſtand und Weisheit ewig und unendlich ſeyn; 
denn feine Weisheit ift nicht gefehieden von feinem une 
endlichen Aßefen, fintemal alles in GOTT die höchfte 
ungertvennliche Einigkeit ift. Derohalben fomuß feine 
Weisheit ja fo wol unendlich und ewig feyn , als fein 
Weſen und Leben. 

Weil nun feine Weisheit ewig und unendlich iſt, 
fo hat er auch alles von Ewigkeit her gerwuft, Und 
gleichwie fein Weſen unwandelbar ift, und unbewegs 
lich, und bedarff nicht von einem Det um andern bes 
wegt zu werden: Alfo iſt auch fein Verftand, derfelbe 
darff nicht von einer Ereatur zur andern lauffen, und 
einen Difcurs halten, twie wir Dienfchen in unferm Ver⸗ 
ftande. Darum verftehet und weiß GOTT alle 
Dinge auf einmal zugleich und iſt in feinem Verſtande 
weder Vergangenes noch Zufünfftiges, fondern alles 
ein Gegenwaͤrtiges; denn wie GOTT nichts bedarff 
zu feinem Weſen, alſo bedarff ee auch) Feiner Ereatur 
zu feinem Verſtande; Denn wie er von ihm felbjt ift, 
alfo verſtehet er auch von ihm felbjt: Und wie er alles 
in feinem-unendlichen Weſen befchleuft, alfo begreift er 
alles mit feinem unendlichen Derftande zugleich auf 
einmal. Darum ift ihm unverboraen, wie viel Sand 
im Hieer, wie viel Tropffen im Regen, Sit. 1,0. 2, 


Darum Ban Bein Vogel auf die Erde, kein Haar 
g von 


daß GOtt ein ewig Weſen ip. 963 


von unferm Haupt fallen on ibn, Maith. 10. 
929.3% Er weiß die Tage der Welt, alle Stuns 
den und Augenblicke der Zeit, und ihte Yenderung, 
und if ihm nichts verborgen, was Inder. Zeit unter 
den Himmel befchloffen iſt: Denn das durch feine 
Allmacht erfchaffen it, das ift in feinem unendlichen 
Verſtande begriffen, auch ale Worte und Gedanken 
der — und alle ihre Wercke, Diem 139. 
v1 B, 





SU ift es auch mit feiner Macht und Gewalt: Wie Sord 
fein Wefen, fein Leben, feine Weisheit unendlich und annld. 


ewig iſt, alfo auch feine Macht und Gewalt: und gleich⸗ 

wie man nichts zu ſeinem Weſen thun kan, alſo auch 

nichts zu feiner Almacht: Und gleichwie man ſein un⸗ 
endliches Weſen nicht kan theilen, alſo kan man auch 
nichts von feiner Allmacht hinweg nehmen. Und weil 
auch feine Gewalt Eeine Creatur hindern Fan, darum ift 
er —— Und das alles darum, teil fein We⸗ 
fen, Leben, Weisheit, Gewalt nicht — 


werden. 
| Gebet, 


9 Du ewiges Weſen, von welchem alle Dinge ihr Wefen Offenb. 
haben, gieb mir ‚mich ſelbſt recht zu erfennen, um fo viel v. u.. 


völliger Eifänntnig von dir zu erlangen. Was Gutes du in 
Menſchen geleget haſt, laß mich allezeit ſo anſehen, daß ſelbiges 
in Pie unse + Ran dic) Br alles ee ‚lieben, 
und fndir sergnügt eyn möge ‚durch IEſum CHriſtum um 
fern GERN! Anien, 


Das II. Capitel, 


Aus der Schöpffung aller Dinge wird 
gecſchloſſen, 9— ee das höchſte 


Roͤm. 11. v. 36. * ir m, N ä 
. find alle Dinge — in Ihm, durch Ihn 


Enn alles Guth, ſo im Himmel und Erden, und GOtt bad 
allen Creaturen ift, in einem einigen ift, fo iſt op 


derſelbe Das höchfte * und alles Guth; 
Ppp In 


964 BIV. C. 2. Aus der Schöpff. wird geſchloſſ 


In In BOT Tdem Schöpffer oller Dinge iſt alles Guth, 

ſo in allen —— und Creaturen iſt im Himmel 

euren Ba und Erde; denn es entfpringet alles aus ihm: Denn 

nos, von Ihm in Ihm, durch Ihn ſind alle Dinge. 
Darum iſt SOTT dus höchite Guth, und alles Guth. 


Bas in allen Dingen Stück: weile , particnlariter, 
if, das iftin GOTT univerfliter, gang ungetheilet und 
gang vollfommen. Darum wer ſich zuden Erearuren 
wendet, und an denfelben bangen bleibet, der wendet ſich 
zu dem unvollfommenen. Stuͤckwerck, ift allegeit arm, 
dürftig, mangelhaft und unruhig. Wer fich aber von 

gantzem Hergen zu GOTT wendet, der wendet ſich 

In gFeratn zum hoͤchſten vollkommenen Guth, und erlanget daſſelbe 
Pe De auch, ja er erlanget in demfelben feine höchfte Vollkom⸗ 
Gut menheit ift allegeit veich in GOTT , ruhig und felig: 
Hanget aber ein Menſch den Creaturen an, ſo wird er 

nimmer in denſelben das vollkommene hoͤchſie Guth er⸗ 

langen. Derohalben find alle die, fo die Welt lieb 

haben, unruhig und unfelig in ihrem vLeben und in ihrem 

Tode: Denn fie haben nicht das volllommene Guth, 

darinn Die Geile ruhet. 


Gebet, ⸗ 


gerad. SZ HERR ‚du einiges, ewiges und hoͤchſtes Guth bergieb; 
mir, daß ic) dich, die lebendige Duelle des Guten,verlafs 
fen‘ mich mehr um bie Creaturen, als dich zu haben, bemübet. 
Ich ! nimm mich Miederkehrenden an, und theiledich felbft mir 
mit, auf daß ich Did) , dag hoͤchſte Such, hier und dort ewig bes 
ſitzen möge, durch JEſum CH tum unfern YErm! Amen, 


Das I. Capitel. 


Der Menſch ift die edelfte Creatur, 
weil alle Creaturen dem Menſchen zu dienen 
geſchaffen ſind: Der e Menich aber ift geichaffen 
GOTT zu dienen. 

Melm 100.0. 3. Erkennet, daß der JZERR 

GOTT if, Er bat uns gemachte, und 
nicht wir felbff, zu feinem Volck ‚ und zu 


Schaafen feiner Weide, 
& Ale 


B.N IV. &3: Der Menſch ift die edelfte Creatur. 96x 


Fele Creaturen, wiewol ſie wunderich unterſchie Alle Crea⸗ 
An ſeyn, find ſie doch gu einem einigen Ende und Inne" m Diem 
Ziel verordnet, nemlich dem Menſchen zu dienen ; des Men 

denn wit feben ‚ wie die oberiten Coͤrper in den untern (den en 

wuͤrcken: Die Elementa geben den Früchten ihre Nah⸗ 

rung, die Früchte den Thieren, die Thiere den Mens 

ſchen. Alſo erhält eines das andere; Eines hilfft dem 

andern: Die obern Kräffte dienen den untern, und ge⸗ 

ben alle in einer ſchoͤnen Confonanz und Ordnung zu eis 

nem einigen Ende in ‚eine Einigkeit und Freundſchafft 

des Menſchen. 

Daraus kenne man, dab der Menſch Die edelſte Derdeenſch 
Ereatut ſey, weil alle Ereaturen dem einigen Menfchen ge Di 
zu dienen von dem Schöpffer aller Dinge verordnet Liketur 
feyn. Dadurch wirſt Du aber, o lieber Menfch, ermah⸗ 
net und gelehrt, dem einigen GDitzudienen; und zwar Sol Got 
mit allem Vermoͤgen, gleichwie dir die Sreaturen mit allein die 
ihrem gangen und höchften Vermoͤgen dienen: Zada-"" . 
durch wirſt du ermahnet, dich zu dem zu menden, der BR 
alle Sreaturen zum Dienft verordnet hat, 
> Wenn die Creaturen all ihr Bermögen dem Men⸗ Der Crea⸗ 
ſchen gegeben haben, daß der Menſch ihr genieſſen kan, — 
von den obern biß auf die unterſten: So haben ſie ihr Denen, 
Ende und hoͤchſtes Ziel erreichet, und ruhen alle ihre 
Werck in dem einigen Menſchen, als in dem hoͤchſten 
und edelſten Geſchoͤpffe. Siehe! alfo. fol der Menſch 
mit allen feinen Wercken in dem einigen GOtt ruhen, 
und all fein Vermoͤgen dahin wenden, dem einigen 
GOtt zu dienen, wie alle Creoturen all ihr Vermoͤgen 
anwenden, dem einigen Menfchen zu dienen: Denn 
weit alle Ereaturen keine Ruhe haben, fondern eilen 
der alleredeliten Creatur unterihnen zu dienen: fo wäre 
es wider die gange Natur und wider alle Creaturen, 

Daß der Menſch, der die edelfte Ereatur iſt, nicht ſolte 
dem einigen GOtt dienen, als einem, der viel höher und 


edler ift denn der Menſch. | 
PpP 3 Gebet, 





966 B.V. C.a. OOtt hat den Menſchen 
llnahtioer Schoͤpffer, du haft in ben Menſchen dad übers 
flauͤßig geleget dadutch er ein Herr ift über alles, und nichts 
bedarff als deiner Gnade: Go kehre mid, o HERR, meine 
Herrlichkeit in diefem Stuͤcke recht erfennen, bamit ich los von 
dem Dienſt der Creaturen, mefne einige und Höchfte Sorge ſeyn 
laffe, nach deinen Reich und beffen Gerechtigkeit zu trachten, 
und. in folchem Gnaden + Reich dir hier zu dienen , big ich im 
Reich der Herrlichkeit dich preifen oͤnne ewsigkich, durch IECſum 
CHriſtum deinen Sohn unfern YEren! Amen, 
Das IV. Capitel, 


Daß GOTT den Menfchen darum zu 
feinem Bilde gefchaffen ‚daß ex feine Luft 
| und Wohlgefallen an ihn habe, 
Spruͤchw. Sal. 8.0. 31. Meine Luft ifE an den 
EHienfeben - Kindern, Dfalm 104. v. 31. Der 
WERK bat Gefallen an feiren Wercken. 


EI Zn ieglicher Werck⸗ Meifter liebet fein Werck 

eg und. hat andemfelben ein Wohlgefallen; denn 

>. pätte er an demfelben fein Wohlgefallen nicht, 

3.3. Mef. » fondern baffete e8, fo würde ersnicht machen: n 

um fabe alles was er gemacht hatte ‚und fiche da, es 

waralles dr. gut, 1. B. Moſ. 1.0.31. Weil aber 

SOTT feinen Wohlgefallen hatte an feinen Wercken, 

die ex Dach nicht nach feinem Bilde gefchaffen : So 

bat ex vielmehr am Menfchen feinen Wohlgefallen, 
welchen-er nach feinem Bilde gefchaffen. 

Denn ie gleicher einem etwas ift, ie gröffern Wohl⸗ 
gefallen er daran hatz Ein Vater erfreuet fich mehr 
über feinem Kinde ‚das feines Weſens iſt, denn überfeis 
nem Werck; als fo er etwa ein Haus bauet. 

BHttes Dieneil nun der höchfte Wohlgefallen GO TTES 

‚röreoR iſt an dem Werck und‘ Bilde, das ihm gleich ift „ und 

khen. aber unter allen feinem Creaturen Beine fein Bild war: 
darum fehuff er den Menschen zu feinem Bilde, auf daß 
ev ne höchften Wohlgefalten am Menfchen haben 
mochte. 


Särs 


Ma it, 6 
R.33:. 


Ott liebet 
in. Werck. 





zuu ſeinem Bilde gefihaffen. 967 


Kies andere, weil unter gleichen eine Societät und Hemenrch 
Geſellſchafft entfteher; denn natürlich Gleiches zu Ste int ” 
chem fich gefellet, und aber GOtt den Menſchen zu feiz zeu, weit oe 
nem Gleichniß gefchaffen : So ift vernünfftig Daraus su feinem 
abzunehmen, daß GoOtt an der Societät und Geſell⸗ Ayudın 
fchafft des Menfchen babe einen Wohlgefallen gehabt, 

alſo, daß der Menfch fih zu GOtt halten, fich zu ihm ges 

fellen, mit GOTT Gemeinfchafft, und feine Luft am 

HErrn haben folte, gleichwie GOtt feinen Wohlgefal⸗ 

len am Menſchen, als an ſeinem Bilde hat. 

Fuͤrs dritte, weil GOtt die hoͤchſte Liebe iſt, ſo hat er — 
ſich gern mittheilen wollen mit alen feinen Guͤtern: snen, 
Solte er fich aber mittheilen, fo muſte er feines gleichen feben zu ſei⸗ 
haben, der ihn aufnehme; denn ein ateiches nimmt ſei⸗ pa 
nes gleichen an, und nicht ein Ungleiches. So kunte er 
auch mit Peiner Creatur Bemeinfhafft haben, ohne mit 
der, fo ihm am naͤchſten verwandt, und derfelben, und 
Feiner andern, kunte er auch fich felbft und feine Liebe mit« 
theilen: So woite er ſich auch einer folchen Creatur 
mittheilen, die ihn dafür mit reiner herglicher Gegen» 

Liebe aufnehmen und wieder lieben koͤnte. Darum hat 
erden Menſchen nach feinem Bilde gefchaffen, weiches 
fürnehmlich ftehet in der vollkommenen Liebe. 

Zum vierdten, es ijt natürlich, Daß zwiſchen einem SOttes 
Geber und Nehmer eine Liebeentftehe,die da entfpringeSilten aus. 
aus dem Geber zudem Nehmenden, und hinwieder ausnchmen. 
dem Nehmer zu dem Gebenden; und alſo ift da ein Aus⸗ 
gang der Liebe von einem zum andern. Darum ſoll 
der Menſch in geoffer Liebe GOttes Güter, ja GOTT 
ſelbſt empfahens weil fich ihm GOit mit allen feinen 
Gütern aus großer Liebe giebt, 


Sch | 


Feillger Vater, du haft mich ja alfogelichet, daſdu mich zu ddr 1.6. 
* deinem Bilde erfhaffen, und ſelbiges in mir wieder aufzu⸗Joh.i. v. 14. 
sichten, deinen Sohn, auch) in ihm die Herrlichkeit deiner Kind, I B. Moſ. 
ſchafft aegeben Haft. ch aber bin oft ein Schandflect deiner?” 
Schoͤpffung geweſen, nicht werih, daß ich dein Kind heiffe : gucuıs-n,ar, 
| Vpp 4 Dannen⸗ 


968 B.IV. C.5. Daß fih GOtt durchfeineliebe:;, 


| Dannenhere du an meinen Werden wenig Gefalen baten 
Pr fanft, ch! waſche mich von meinen Sünden , und erneure 
Er * dein Bild in mir, laß mich haben meine Luſt an dir und aß 
mid) farat meinem Thun dir angenchm ſeyn in dem Geliebten, 
deinem Sohn CHriſto JESU unferm HERAN! Amen. 
- \ 


i Das V. Capitel, 


Daß fi) GOTT durd) feine Liebe 
| ung felbff giebt. 
1. Joh. 4:0. 16. GOTT ift die Liebe. 
GOtt giebt 


SON sieht rs, Leichwie ein Menfch durch feine Liebe ‚damit et 
tücegang, &V) GOTT Iiebet, ſich GOTT gang ergiebt: 
| Alfo giebt ſich GOTT ung ſelbſt durch feine 
Liebe, damit ee ung lieber. Denn feine Liebe ift vol» 
fommen darum giebt er fich ung gank und gar Durch 
feine Liebe, Derowegen bat e8 nicht anders feyn koͤn⸗ 
nen, er hat ung müffen nach) feiner geoffen Liebe feinen 
Sohn geben. Denn die allerhoͤchſte Liebe im höchiten 
Grad siebt fich dem Geliebten ſelbſt; GOTT har ung 
geliebet im hoͤchſten Grad, darum bat er ſich ung ſelbſt 
gegeben, und Daffilbe in feinem lieben Sohne. 


Menſch⸗ Aus dieſem Grunde koͤmmt die Menſchwerdung, 
ee Leiden und Tod des Sohnes GOTTES. Darum 
bichte if das dieallerheifigfte, lieblichſte und troͤſtlichtte Con- 
net Fequenz der himmtiſchen Dialedicz : Alfo bat GOTT 
1c8, die Welt gelieber, daß er feinen eingebobruen 
Joha.dis. Zohn gab, oh. 3.0.16. Das iſt: GOTT Hat 

Die Welt aufs hoͤchſte geliebet, darum hat er ihr feinen 

Sohn gegeben. Ferner, Die ewige Liebe ift ein 
Ott Urſprung des ewigen Lebens : Die ewige Liebe 
trpung GOTTES aber ift in und durch CHriſtum gu ung 
seiewigen kommen; darum haben wir in CHriſto dag ewige 
sen geben. Daram ſchleuſt der HERR ſelbſt alſo: 

Auf daß alle die an Ihn glaͤuben, nicht verlohren 

werden, ſondern das ewige Leben haben. 





B.V. C.s. Wie der MenſchGott verpflichtetzc.969 
Gebet. 
Woett der du die Liebe biſt, reinige mich durch das Blut JEfu 1. Joh: + 
ven aller Unreinigfeit, die mi h von dir ſcheidet, und Denn, 16. 
ergeuß dich in mein Hertz, daß ich mir ſelbſt und der Wert ent; -d.7. 
riffen dir einig im Glauben, Liebe und Gedult mid) beitändig er; 


gebe, und ewig dein Eigenthum bleibe, duch JEfum CHriſtum 
deinen Sohn unfern HErrn ! Amen, 


Das VI. Capitel, 


Wie der Menfch dem ewigen GOtt ſei⸗ 
nem Liebhaber verpflichtet ſey. 


. Joh. 4. v. 19. CLaſſet uns Ihn lieben; denn Er 
hat uns erſt geliebet. 


Lle Wohlthaten ſtehen in dreyen: In dem Ge⸗ San 
ber, indem Nehmer, und inder Gabe, Dies pähken 
weil nun aus dem Geben und Nehmen eine na: verpflichtet. 
türliche Verpflichtung und Obligation entftehet groifchen. 
dem Geber und Nehmer; ſo lernet der Menfch allyie exs 
Eennen, wie buch ee GOtt verpflichtet fey, vemlich ſo 
hoch, fo viel er von GOtt empfangen hat : un bat er 
alles von GOtt empfangen, und kan deffennicht entra⸗ 
then; darum ifter GOtt aufs höchfte verpflichtet, 
Dieweil aber der Menfch von GOtt Leib und Seele 
bat, fo hat GOtt auch alle Ereaturen dahin verordnet, 
Daß fie dem Menfchen an Leib und Seel dienen follen : 
Dem Leibe dienen die Elemente, und alles, was in dene 
felben ift, ohne welche der Leib nicht leben koͤnte. 
Für diefe Wohlthaten, fo der Schöpffer durch die Aller Crea⸗ 
Creaturen dem Menfchen leiſtet, ift der Dienfch feinem Kapiepa: 
Schoͤpffer aufs höchite verpflichtet, Darum rufferten führen 
die ganze Creatur dem Menfchen zu : Nimm hin iu Gott. 
die Wohlthaten Deines Schöpffers , Die er dir durch 
uns giebt; diene und dancke ihm täglich dafür. Der 
Simmel fpeicht Ich gebe dir mein Tage »Kicht zu 
arbeiten , und die Finfterniß zum Schlaf und Ruhe: 
Ich gebe dir den lieblichen Frühling, den warmen 
Ppps Som⸗ 


970 B. IV. C.7. Welche Dinge der Seelen dienen, 
Sommer, den frudjtbaren Herdfk,und den Falten Abın- 
ter, alles zu deinem 'Beften. Die Lufft ſpricht: Ich 
gebe Die den Othem, und Die wunderliche Art der mans 
cherley Vögel, Das Waſſer ſpricht: Ich gebe Bir deis 
nen Tranck, reinige dich, und gebe die mancherley Art 
der Fiſche. Die ide fpriht: Ich trage Dich, ich naͤh⸗ 
we dich, gebedir Brod, Wein, Fleiſch. Siehe! wielteb 
dich der hat, der Dich gefchaffen hat, und mich dir zu gut 
‚gemacht! So viel Wohlthaten du empfäheft, fo viel 
biſt du mit Dand verpflichtet dam Schöpfer. 


' Gebet. 
1.@Cor.s. MEin EDEL, ich weiß, daß ich nicht bin mein ſelbſt; meinen 
8.18.20 Leib und Seel neben allem, was zu deren Nothdurfft und 


Zierde dienet, habe ich von dir: Und da ich alles durch die Sünde 
verloßren, bin ich durch das Blut deines Sohns theuer erfaufft. 
Ach! verleihe mie, daß ich dich an meinem Leibe und Geiſte wel⸗ 
he dein find, preife, bie zeitlich, und nachmal ewiglich, durch 
ZEſum CHrifum! Amen. ? 


Das VII. Capitel, 


Welche Dinge der Seelen dienen, und 
die Seele pin erfreuen,oder 
| ehren. Ä 
Hiobr2.0.7. Frage das Dich, das wirddichs leh⸗ 
ren, und die Dögel unter dem Aimmel werden 
dirs fagen; oder rede mit der Krden, Die wird 
dichs lehren. ‚ | 


Die Welt Mon sbt allein aber it die Welt dem Menfchen zu 
a $ Dienft feines Leibes geſchaffen fondern viel⸗ 
Ve eciden, DU mehr gun Lehre feiner Seelen: Denn es iſt kei⸗ 


uud Sch „ne Creatur, Die den Menfchen nicht etwas ſonderliches 
ES hy, derans welcher der Menfih nicht eine fonderkiche 
Eehre ſchoͤpffen koͤnte zu ſeinem Beſten; daher alle Crea⸗ 
turen dem Menſchen dienen zur Lehre und zur Freude. 

Wir wollen erſtlich ſehen, wie die Crealuren dem Mens 

| feyen zur Freude dienen. | | 

Alleia der Allein der Menfch ift alfo von GOTT geſchaffen, 
mul. Daß er fich deſſen freue, was cr bar; Das — 
Ki: Ä andere 


andere Creaturen nicht thun; denn fie verfteben ihr eis frenet geh 


gen Gut nicht. Gold und Silber freuen ſich nicht ih⸗ Bein, wat 
res habenden Guts; denn fie haben deffen Keinen Ders 
ftand: Weils nun dev Menfch verftehet , fo freuet er 
fich, daß GOTT ihm zu gute fo ſchoͤne Creaturen ges 
fhaffen hat, Iſt nun das nicht ein groß Wunder 
und Sütigkeit des Schöpffers, daß alles, was die kin, 
Creaturen haben ‚des Menſchen Sreude feyn ſoll, ren inım 
und nicht der Creatucen felbft ? Denn GOTT Weuſchen. 
hat den Creaturen alle ihre Freude genommen über ih⸗ 
rem Gut, auf daß fie der Menfch allein habe: Alte 
Steude , fo das Waſſer haben folte wegen feiner 
Suͤßigkeit, Klarheit und einwohnenden Güte, die has 
das Waoſſer nicht, fondern der Menſch: Und alte 
Freude, fo eine Rofe haben folte wegen ihres Ges 
ruchs, die hat fie ſelbſt nicht, fondern der Menfch : Und 
alle Freude, fo die Sonne haben folte wegen ihrer 
Schönheit und Lichts, die hat der Menſch. Daher 
ift offenbar, daß alte Freude, Die die Ereaturen an ihn 
nen felbft Haben folten, die hat ver Menſch, und nicht. 
fie feibft. Ja, dev Menfch hätte Feine Freude, wenn 
die Creaturen nicht wären ; denn ex wuͤſte nicht, daß 
er die edelfte Exeatur wäre, wenn Feine andeen Gr 
fchöpffe wären : Aus den Vergleichungen aber ander er | 
zer Dinge verſtehet der Menfch wohl, daß er die edelfte mit anders 
Natur habe unter allen, und darum verſtehet ex auch Ereatusın 
wohl, daß ihn GOit über alle Creaturen liebe; denn Irene, 
aus lauter Güte hat GOtt den Menfchen über andere ve Würpe, 
Ereaturen fo erhoben, und allen vorgezogen. Es be⸗ 
ſehe nur der Menfch die Statur feines Keibes, und 
halte fie gegen andere Creaturen, fo wird.ex feinen Adel 
por den andern wohl erkennen; denn alle andere 
Thiere fehen unterwerts: auf die Erde, allein den 
Menſch hat ein aufgericht Angeſicht gen Himmel, 
und man fiehets, wie wohl es dem Menfchen anfteher, 
wenn er gen Himmel ſtehet. Ja, der Menſch befehe 

feine Seele , fo wird er feinen Adel über alle Creaturen 
wohl eriennen? Denn Die Seele des mn 





972 B.IV.E.7. WelcheDingederSeelen dienen:zc. 


ift nach GOttes Bilde geſchaffen, und fonft Eeine fichtba- 
re Creatur mehr, wenn nun. der Menſch fich ſelbſt recht 
erkennet, dasift eine groffe Weisheit; Sich ſelbſt aber 
nicht erkennen, ift die hoͤchſte Thorheit. 

Derenſch Wie nun alle Kreaturen dem Menfchen zur Freude 
Bun, er ef chaffen, alſo auch zur Lehre; denn der Menſch ſiehet 
—e ja wol aus den Creaturen, daß ſein endliches hoͤchſtes 
ben ut nicht ſtehe in irdiſchen und greifflichen Dingen, und 
inn Beluſtigung des Leibes, als in Eſſen, Trincken und 
Wolluſt; denn daſſelbe haben die Thiere auch. Daher 

ſolte ja der Menſch erkennen, daß er andere Guͤter ha⸗ 
ben müfle, welche uͤbertreffen die, fo auch den Thieren 
gemein ſehn, ſintemal der Menſch das Vieh weit uͤber⸗ 
trifft: Derowegen muß ja in dem nicht die hoͤchſte 
Gluͤckſeligkeit feyn, Das auch andere Thiere haben, als 
Effen, Trincken ꝛc. Darum muß ein edeler Eſſen, Trins 
cken, und Freude feyn , davon die Thiere nicht wiſſen; 
ser weil der Menſch edler iſt denn alle Thiere. Ja der Menſch 
er Weiss hat den meiſten Theil der Weisheit aus den Creaturen 


le 2er erfernet,z denn die Kunft der Artzney entfpringet ja aus 





"Yen Srentu, den Creaturen: Die Akronomiam lernet man aus dem 


— 4 Geſtirn: Die Muficam haben die Philofophi Aus dem 
Trufie ers Klange der Metallen erfunden, und fo fort. Derowe⸗ 
fanden gen ift die gantze Ereatur dem Menfchenzur Freude und 
‚BODEN ae Lehre geſchaffen; dannenhero fo folget auch, weil 
der Menfch fo viel Gutthaten ausden Geſchoͤpffen GOt⸗ 
tes empfähet, zu feines Leibes Nutz, und sur Lehre feiner 
‚Seelen, daß er GOtt vor allen Ereaturen zum hoͤch⸗ 
ſtren verpflichtet iftz denn er empfaͤhet von allen Creatu⸗ 
ren Wohlthaten. Diefe Obligation iſt daserfie Band, 
damit der Menſch GOTT verbunden it; Und fo ift 
der Menſch GOttes Schuldner. Das ift die Wurtzel 
und Fundament der Obligation des Menſchen gegen 


GOCT. 
Gebet. 
Noms. FACH bin ja, o HERR, nicht ein Schuldener dem Fleiſch, 
—8 daß ich nach) demſelben leben ſolte; ſondern dir, der du 
alles zu meiner Freude und Lehre fü heiliglich erfarafen DATE: 


B.1V.€. 8. Wie groß die Obligation ſey, 2c. 973 
Ach gieb mir, der Freude über die Ereaturen nicht zu mißbrau⸗ 
eben ; fondernlaß mich dadurch zu dir dem Schoöpffer angeführt 
werden, daß alle Geſchoͤpffe mich zu dir.leiten , und id) in bir 
meine hoͤchſte Freude habe, hier zeitlich und dort ewiglich, Durch 
CHriftum ZESUM unfern HENNN! Amen. | 

Das VIII.Capitel. 

Wie groß die Dbligation fen, damit der 
| Menſch GOTT verpflihten 
Pſalm 92. v. 6.7. Wie finddeine Wercke fd groß? 
Deine Gedancken find ſehr tieff. Kin Narr 

A nicht , und ein Thörichter gläubers 
nicht. 

— D groß iſt die Obligation, fo groß und viel der Auet Erea⸗ 
Ne empfangenen WBohithaten ſiad: So großund — 
Sviel iſt der Menſch GOTT verpflichtet ſo viel ren machen 
die gantze Welt und alle Creaturen werth ſind: denn ſie — 
find ja um des Menſchen willen geſchaffen. Alles, waͤs verpfichren, 
Himmel, Erde, Lufft und Waſſer für Güther haben, da⸗ 
fuͤr iſt der Menſch GOTT ſchuldig und verpflichtet; 
denn Sie ſelbſt verftehen ihe Guth nicht, genieſſens auch 
nicht ſelbſt, ſondern der Menſch, darum iſt ja der Menſch 
dafür GOTT verpflichtet. Iſt gleich, Als wenn in 
einem Haufe eitel unverftändige Kinder waͤren, die ihre- 

Guͤther nicht verftünden, denen ein Königalt feine Gi» - 
eher ſchenckete, fie aber verſtuͤndens nicht; es waͤre aber 
ein Verſtaͤndiger drunter: Waͤre nun der nicht ſchuldig Dermenſch 
dem Könige zu dancken, wegen der andern alle, oder es uhdi 
würde dem einigen alle Schuld gegeben , und Die Un- vanden für 
Dankbarkeit zugerechner? Alſo die Welt auch; Die der * 
Ereaturen find unberſtaͤndige unmündige Kinder, die" onth. 
derfichen ihr eigen Guth nicht; weils nun der Menfeh 
verſtehet, ſo iſt er ja fchuldig folcheszu erkennen, SOTT 
zu Dancken ‚und der andern Wort zu halten: Und wenn 
Das nicht gefchicht, fo würde die Undanckbarkeit dem 
Menfchen allein zugerechnet, Darum iſt der Menfch 
ſchuldig für ale Ereaturen zu dancken, 
. Zudem, fohabens dir Creaturen nicht ihrer felbft we⸗ Aue Crea ⸗ 


gen empfangen was jie haben, fondern um des ga —52 


974 B.V.C.9. Der Menſch iſt GOtt viel ſchuldig 


um ſchen willen: ſolte denn der Menſch dafuͤ GOTT richt 
an Re verpflichtet feyn? Und ie beffer und edler die Creaturen 
supfaugen. ſeyn, fe mehr und mehr der Menfh SOTT dafür ver: 
pflichtet ift. Wenn nun der Menſch nicht mehr empfan⸗ 
gen hätte, denn die utthaten der Creaturen, fo wäre 

er doch GOTT mehrdenn guug fchuldig, 


Gebet, 


Magl.s, Etreuer SOTT, deine Barmhertzigkeit ift ale Morgennen 
933. über mir ‚ deine Treu ift groß, und deine Wohlthaten find 
unzehlich· Gieb mir über ale deine Gaben auch ein bands 
bares Hertz, das nimmer feiner Pflicht vergeffe , fondern dich 
im Glauben , Gedult und Gehorfam preife, durch CHriſtum 
FESUM unfern HERAN! Amen. 


RER, Das IX. Capitel, 
Daß der Menſch GOTT mehr ſchuldig 
iſt fur dasjenige, was er in ihm ſelbſt bat, denn 
fuͤr alles, das in der Welt iſt; und wird hie bewie⸗ 
ſen die Unſterblichkeit Der Seelen. 

B. der Weish. II.V. 27, C. I2:9,1: Du Liebha⸗ 
ber des Lebens, dein unvergaͤnglicher Geiſt iſt 
in allen. 1. Buch Moſ. 9. v. 2. Eure Surcht ſey 

ber alle Thiere. Weish. 2.0.23. GOTT bat 

den Menſchen geſchaffen zum ewigen Leben, 
und hat ihn gemacht zum Bild, daß er gleich 
ſeyn folle, wie er iſt. / 


Der Meuſch Ss der Menfeh erfennet, daß er die edelfte Crea⸗ 


erh ‚als tur iſt unter allen, ſo iſt e SOTT vielmehr für 
Bie ganie fich ſelbſt ſchuldig und verpflichtet, denn für die 
* gantze Welt: Denn weil alles um des Menſchen wil⸗ 
len geſchaffen, ſo muß ja der Menſch mehr werth ſeyn, 
denn die gantze Welt und alle Creaturen. Denn ob 
wol viel herrliche Creaturen in der Welt fenn, als die 
Elementa, die himliſchen Coͤrper, und fonderlid) die 
Sonne; dennoch, weilfie Ale um des Menſchen willen 
geſchaffen feyn, und ihm dienen, fo iſt leicht zu erach⸗ 
sen, daß des Menfchen Natur höber ſeyn muß, —* | 
| | i 


Der menſch iſt GOtt viel fehuldig. 975 


ihm fo viel herrliche, groſſe, gewaltige, mächtige Crea⸗ Der Crea⸗ 
turen dienen: Durch dieſen ihren Dienft aber lehren Srern zens 
ung die gewaltigen und herrlichen Ereaturen GOttes, ger von der 
Daß im Menfchen etwas Untodtliches, Unfterbliches und Muferölie 
Ewiges ſeyn muͤſſe. Denn e8 find ie auch die himmli⸗ Seelen, 
ſchen Eörper der Corruption und Verderbung nicht 
unterworfen, fondern wahren immer ohne Abnehmens 
wie folte das nun zugehen , daß die Ereaturen ſo da fo 
heyelichfeun, daß fie Feiner Corruption und Zerftöhrung 
unterworfen, dem Menfchen dienen folten, wenn 
nichts Unfterbliches und Ewiges im Menfchen ware? 
Derohalben fo muß im Menfchen etroas Linfterbliches 
ſeyn: Diefes aber ift nicht der Xeib „weil derſelbe 
ftirbet, darum muß etwas anders im Menfchen ſeyn, 
Das unfterblich ift, welches Die Seele genannt wird. 
Darum weil der, der da dienet, nicht groffer feyn Fan Dem gedie⸗ 
noch muß, denn dem er Dienet, derohalben fo muß imgcsger, ar 
Mentchen etwas ſeyn, Das gröffer, herrlicher, unverz der da die. 
gänglicher , unfterblicher ift, denn ale himmliſche Coͤr⸗ "" 
per : ſonſt wäre es gar eine widerwärtige Ordnung, 
ja es wäre Feine Ordnung , fondern gang umgekehrt, 
und wäre wider die gange Natur, wenn die himmlis 
ſchen Eorper , die nach ihrer Art untödtlich feyn , einem 
tödtlichen Menfchen dienen müften, in dem Feine unſterb⸗ 
liche Seele wäre. Dieweil die Seele nun unfterblich Die Sede 
ift, fo fol fie auch Feine Gemeinfchafft haben mit den BU AP. 
toͤdtlichen Dingen, fo unter dem Himmel befchloffen gen an irdis 
feyn. Denn es Fan doch Bein tödtlich Ding fich verei⸗ ſche Dinge - 
nigen mit einem unfterblichen 3 Darum follen allein die 
unfterblichen Dinge mit der Seelen vereiniget feyn, 
fürnemlich aber GOTT. Mit dem Keibe des Mens 
fen haben alle tödtliche Dinge Gemeinfchafft, denn der. 
Reib geneuft ihr; -aber mit der Seele foll allein der uns 
fterbliche GOTT Gemeinfchafft haben: Alſo ift und. 
fol GOTT allein, als der Konig, in der Seele des 
Menfchen feinen Sishaben. Siehe, alfo ift die Seele Die Seele 
im Menfchen SOTTES Stuhl. Das iſt der hochſi fanfon 
Adel des Menſchen, zu welchem GOTT Keine are tubh 

n 


-  Menfehen 


976 B.IV.E. 10. Pie weisl. und kuͤnſtl ® Orr ꝛc. 


in der Welt erhaben: Alo iſt die gläubige Seele des 
Menfchen GOttes Bilde und Wohnung, höher Fan 
Feine Creatur gewürdiaet merden; darum iſt der 
Menfch über alle Creaturen, Deromegen der Menfch 
SOTT mehr fihuldig für das , fo in ihm iſt, denn für 
alles was in der Welt if. : 


Ä Geber. | 

(Her: SOTZ, beine Barmhertzigkeit ift ale Morgen 
Flagl.z. neu über mir, deine Treuift groß, und beine Wohlthaten 
v2. find unzehlig: Gieb mir überalte deine Gaben auch ein danck 

bares Herg, dag nimmer Feiner Pflicht vergeffe, fondern dich 

im Glauben, Gebult und Gehorfam preife, durch CHriftum - 

FESUM unfern HERAN! Amen, 

u Das X. Tapitel. 
Wie weislich und Fünftlich GOtt den 
Menſchen erſchaffen. 
Palm 104.024. Du haſt alles weislich geordnet 


Dreverlen 55 find drey unterfchiedlihe Stände im Mens 
ng (En , als ein narürlich Reich; Der unterfte 
Nährende * Stand ift die naͤhrende Krafft, das find die 


Kraft im Acker⸗Leute, Arbeits z Leute ‚Die dem Leibe die Speiſe 
" fünftlich im Magen bereiten ‚Eochen , zurichten, Appetit 
machen, an fich ziehen, behalten und genexiren, austrei⸗ 
ben, fubtil machen, fünjtlicher denn ein Kuͤnſtler. Diefe 
unterften Kräffte dienen den obern, und arbeiten chn 
Unterlaß Tag und Nacht, auf daß die obern erhalten 
werden, denn wenn eines feine Arbeit nicht thut, fo 
liegt das gange Werck, und die obern Kräfte werden 
geſchwaͤcht. Die Kräffte aber find mit den Leibe vers 
bunden, und faft leiblich 5 darum find fie unedler denn 
die obern. 
SEinnliche Darauf folget der andere Stand, das find finns 
sräfie liche Aräffte, und find edler als die untern, als Se⸗ 
' ben, Hören, Schmecken, Niechen, Fühlen, und unter - 
Denfelben ift eins edlerdenn das ander. Das Sehen 
iſt edfer denndas Hoͤren dena wir koͤnnen weiter feheng | 
denn bören 5; Das Gehör übertrifft den * 
* | enn 


Wie weisl. und kuͤnſtl GOtt ꝛ?c. 977 

denn wir koͤnnen weiter hoͤren denn riechen: Der Ge⸗ 

ruch uͤbertrifft den Geſchmack; denn wir koͤnnen weiter 
riechen denn ſchmecken: Das Fuͤhlen aber iſt das un⸗ 

terſte, und durch den gantzen Leib ausgeſtrecket. in, 

Der oberſte und er Stand ift die Dernunfft, Die der 

der Wille und Bedächtniß, und iſt der Negiment- 
Stand denn diefer regieret die andern alle : Und haben 

ihre unterfchiedene Aemter, und find nicht leiblich, ſon⸗ 

dern gang geiftlich ‚datum auch gang edel , gefchwinde, 

und fubtilz und die Fan niemand zwingen, wie die uns 
terften. Denn wer Ban den Willen zwingen? Ein Der Wine 
gezwungener Wille ift Fein Wille, denn der Wille iſt un 
gang freu, läffer fich nich? zwingen; denn was ee will, werden. 
das will er frey. Dis find die Raths⸗Herren im Menz 

fehen, fo befchlieffen und exequiven. Der oberfte Stand 

im Menfchen iſt nun mit vielen Tugenden geſchmuͤcket, 

die fein Kleid ſeyn. Als, mitder Gerechtigkeit iſt ges 
ſchmuͤcket der Wille, der Verſtand mit der Weisheit, 

das Gedächeniß mit Beredfamkeit, und mit andern 

vielen mehr. Das ift die Obrigkeit im Menfchen und 

das natürliche Reich, ſs GOTT dem Menfchen einge 


pRanget hat. | 
Geber. 
A dancke dir ‚allmächtiger Schöpffet ‚daß ich wunderbar⸗ gay, 139, 


lic gemacht bin; wunderbarlic, find deine Werde, und v. 14 
daß erfennet meine Seele wohl. Erhalt auch) in mir die Drds 
nung ‚die du heilig gefchaffen , und laß mid) in einem gefunden 
Leibe eine geheiligte und dir gefaͤhlge Seele haben; auch ale 
Kröffte Leibes und der Seelen zu deinem Dienft fo anwenden, 
aufdaß ich eſſe oder trincke, oder was ich thue, alles gereiche zu , Corie 
deinen Ehren, ber du biſt mein GOTT ‚hochgelobet in Emig: u. 31. 


keit! Amen, 
Das XI. Copitel, 


Wie hoch der Menſch GOTT verpflich ⸗ 
tet ſey wegen ſeiner Liebe und wegen der 

J empfangenen Gaben. 

1. Cor. v. .w , ou Me d it nicht 

| empfangen —* a he 

IV. Teil, Qaq Zwey⸗ 


978 B. IV. C. ı1. Wie boc der Menſch 


ee verley allgemeine Gaben find, Dafür der. 
melcher _ Menſch GOTT hoch verpflichtet iſt: Die eine 
—— iſt greifflich und fichtbarlich ‚und iſt die gantze 
Hr ver Welt; die andere verborgen und unſichtbar, und iſt 
nit. GoOttes Liebe. Die Liebe ift die erfie Gabe GOttes; 
GHtres toeil fie aber unfichtbar it, fo wird fie für Feine Gabe 
geachtet, und ift Doch das Fundament und Wurtzel aller 
pruns. Gaben: Denn alle Gaben entfpringen ausdiefer Wur⸗ 
gelund Brunnen, und find nichts anders denn Zeichen 

der Liebe, in melchen die unfichtbare Liebe leuchtet 5 

Der Menſch aber iftfo narrifch, und achtet das fichtbare 

Ding für eine groſſe Gabe ‚und dencket nicht,daß die - 
verborgene Liebe , fo darunter ift, viel geöffer ‚und herr⸗ 

licher fey. Denn gleichroie der Rauch ein gewiß Zei⸗ 

chen ift des Feuers: Alſo die Gaben GOTTES find 

ein geroiß Zeichen feiner £iebes denn wenn er ung nicht 

hätte geliebet,, fo hätte er ung auch nichts gegeben. 
Babe Ku · Dero wegen find die Gaben GOTTES ein Weg und 
Gore Leiter zu GOTT zu Fommen ‚und GOTT zu finden. 
Liebe. So groß nun die Gabe ift, fo groß iſt GOttes Lieber 
Weil nun GOTT die gange Welt und alle Ereaturen 

um des Menfchen willen gefchaffen, ift leicht zu den» 

cken, wie groß GOttes Kiebe gegen den Menfchen ſey; 
Bott lebet denn um des Menſchen willen liebet er die Ereaturen, 
oe ja, in allen Creaturen liebet er nichts, denn den Mens 
alle Trea⸗ ſchen: Und meilerden Menſchen über alle Creaturen 
zur. erhoben und gezieret, darum fo liebet er auch den Men⸗ 
fehen über alle Geſchoͤpffe. Dieweil auch die Liebe 

| GOTTES if die allerreinefte , wahrhafftigſte, 
gott ficherfte, ungefälfchte, höchfte, mildefte Gabe; (denn 
gröfe@abe. er den Menfchen nicht um etwas geliebet, daß er 
Nrusen von ihm hätte, fondern aus lauter Goͤttlicher 

Guͤte ift er dem Menfchen zuvorfommen, und ihn 

lauter umfonft geliebet, freywilig, ungezwungen,) So 

ift auch der Menſch GOTT vielmehr ſchuldig für 

feine hergliche Kiebe, denn für alle andere Gaben, weil 

GOttes Liebe beffer iſt, denn alle Ereaturen. Dero⸗ 

wegen in.allen Dingen zweyerley zu betrachten 5 * 

lebe/ 


| 


Ä 


BOtt verpflichtet ſey. — 


Liebe, die vorhergehet, und denn die Gabe, die viel 
gevingerift denn die Liebe. Denn die Liebe ift ſo edel, Rice bb 
wiedsrfelbe ift, der da liebes und weilnichtshöhersund eipres 
befjers it, denn GOTT ſo iſt auch nichts edlers und Liede. 
beſſers denn GOltes Liebe; Derowegen iſt der Menſch 
GOTD hoͤher verpflichtet für feine Liebe, denn für feine 

Gaben. Und weil aus unvermeidlidier Moth der 
Menſch GOttes Wohlthaten genieffen muß, Sr koͤnnte 
fonft nicht einen Augenblick leben; Daraus folget denn 
eine unvermeidliche Obligation. Und weil niemand, 
denn GOTT allein, dem Menfchen geben Ban ſein Leben 

und Othem, jo ift aquch der Menſch GOTT uͤber alle 
Dinge dafuͤr verpflichtet. 

ERR du haft mich erſt geliebet, und deine Liebe durch biele ¶ goh. y, 

 Mohlthaten,, inſonderheit durch Schenckung deinedv.'1g. _ 
Sohns, gnugſam erwieſen. Gib, daß ic) dich herglich wieder Jod-3. v5 
lieben, und mich gank zu deinem Dienfiergeben möge, durch 
JEſum LHriſtum deinen Sohn unfern HERAN! Anren. 

* Das X. Copitel. 

Womit der Menſch feiner Obligation 
und Berpflihtung gegen GOTT gnug 


thun fonne, * 
Pſalm. 18. b. 2. Zertzlich lieb hab ich dich, 
HERR, meine Staͤrcke. | | 
Lldieweil GOTT den Menfchen freywillig, un⸗ Durch die 
gezwungen ‚alles Gutes thut, und ihme damit —— 
den Menſchen — hat; fo fol⸗ feiner 
get nothwendig, Daß etwas im Menſchen ſeyn wuͤſſe, ige 


das er GOTT wieder zugeben ſchuldig fen} Und daſ⸗buůus thun. 


ſelbe muß eine ſolche Gabe ſeyn, die nicht auſſer dem 
Menſchen iſt, daß fie ihm niemand wehren und ent 
wenden Fönne wider feinen Willen. Denn alles was 
auſſer dem Menfchen ift, kan ihm genommen werden 
wider feinen ABillen : derowegen ifts nicht wahrhaftig 
fein, und Fan auch mit folchen aufferlichen Dingen 
SOTT Feine fhuldige danckdare Ehre anthun ; denn 
kin Leib und Leben Fan Ihm genommen werden wider 
Qqq 2 feinen 


980 3.1V C. r2. Womit der Menſch gegen GOtt 
ſeinen Willen, und derowegen iſt daſſelbe nicht in ſeiner 
Gewalt: Weil nun GOTT fein Hoͤchſtes und Beſtes 

a gen, dem Menſchen umfonft giebt, nemlich feine Liebe , fo ift 

hen napes der Menfch pflichlig, daſſelbe wiederum zu thum Es 

böpeas denn iſt aber im Menſchen nichts beffer® ‚ höhere, edlers denn 
die Liebe. feine Liebe, dieſelbe ift der gange Schagdes Menfchen ; 
werner „negiebe giebt,dem giebt er fichfelbft: Wem 
fol nun ver Menfch dieſen Schag billiger geben, denn. 
an GoOtt allein, volltömmlic) über alle Dinge, aus natürs 
Ber Schar lichem Recht und Obligation, auf daß die Liebe mit Liebe 
feine Liebe yergolten werde? Alfd, wie SOTT Feine höchfte Liebe 
den Menfchen giebt, im böchften Grad; Alſo ift der - 
— Menſch hinwieder GOTT ſeine Liebe ſchuldig im hoͤch⸗ 

8. Mor⸗ ten Grad von gantzem Hertzen und Seele, und allen 
Kraͤfften, welches uns die Vernunfft und die Natur 
lehret. "Denn die Bernunfft lehret unsja, daß , wer 
da im höchften Grad liebet, der foleund muͤſſe auch im 
böchften Grad wiederum geliebet werden, oder man ift 
nicht werth der begeigten Liebe; und die ift die höchfte 
Kiage GOTTES überden Menfhen: Siehe, mie 

; lieb habe ich euch, und ihr wollet mich nicht wieder Tieben! 
te , Wienun die hochſte Wohlthat GOTTES feine Lie⸗ 
geltung be, alfo ift die hoͤchſte Wiedervergeltung des Menſchen 
td Liebe, fonften begehrt GOTT nichts. So iſt auch die 

Die Liede iſt Liebe an ihr ſelbſt lieblich, anmuthig, angenehm, füffe 

angenehm. und holdſelig, und iſt ohne die Liebe nichts angenehme 
und lieblich: Denn was iftdie Furcht ohne Liebe, 

Ehre ohne Liebe, oderalle Gaben ? Die Liebe ift alle 

zeit angenehme , fie gefallet allezeit wohl, Kein Reis 

cher und Gewaltiger, der fonft alles hat , iſt iemals ge⸗ 

wefen, der eines Dienfchen Liebe und Gunſt verworffen 

hätte; denn er will ja gerne von iederman geliebet wers 

ok Den: Alfo auch GOTT, weil er der Hoͤchſte Reichefte, 
keinesMen- Bervaltigfte ift , fo verſchmaͤhet er Doch keines Mens 
ſchen Liebe. (chen Liebe, fondern ift ihm angenehm, Und dieweil 
nun die Kiebe der hoͤchſte Schatz Des Menſchen ift: 

fo ift er billig diefelbe GOTT fehuldig, weil aud) 
GOTT feinen höchften Schag, nemlich ——— 

en⸗ 








Das Dierdte Buch, Th. I. Cap. XI. pag. 98 ı 
Hier ift ein Brenn: und Ziegel⸗Ofen, darinnen durch dag ftarz 
efe Seuer und beffen ſtarcke Slut die Ziegel recht gut gema⸗ 
ches werben: Alfo pflegt GOtt auch die Seinigen indem heife 
fen Creutz⸗Ofen zu ptuͤfen, und —— zu machen. 


1, Petr. 4. vef. 12. 


Laſſet euch die Hitze, ſo euch begegnet, nicht be⸗ 
fremden, die euch wiederfaͤhret, daß ihr ver⸗ 
ſuchet werdet, als wiederfuͤhre euch etwas 
ſeltſames. > 


FI Liebe GOttes aͤuſſert fi E 
In allerley "Begebenheiten; 
Sie iſt im Wohlergehn und Widerwaͤrtigkeiten 
Den Glaͤubigen zum Heil beförberlich : 
Au wenn er fie ing Feur der Truͤbſal lege, 
Iſts Gnad und Huld, die ihn dazu beweget. 
Sein Zweck it, ihre Hertzen zu probiren, 
Zu ſehn, ob fie auch rein und lauter feyn, 
Und allen Zuſatz, Arglift, falſchen Schein, 
Der heimlich noch darinn fich aufhält, absufübren. 
Dbgleich die Probe Fleifch und Blut 
Empfindlich wehe thut; 
Muß ſie den Geiſt doch inniglich erfreuen, 
Der GOttes Gunft auch in dem Ereuß erkennt, 
Und den von Hergen Vater nennt, 
Der alles ihm zum Beften laft gedeyen. 
D Seel! erkenn und preiſe GOttes Güte 
Im eh und Wohl mit unverändertem Gemüthe; 
Kuͤß ihm die Hand, wenn er dich ſtrafft und fchlägt, 
So wohl, als wenn er dich auf feinen Armen trägt: 
Denn alles, was er thut, (wie böses immer feheinet) 
Iſt hertzlich gut gemeynet, 
Und zielt dahin, daß erdich bier in dieſer Zeit 
o zubereit, 
Wie er dich haben vi dost. in der Ewigkeit, 


- feiner Pflicht genug thum Eönne, 981- 


Menfchen gegeben hat. Diß Eapitel iſt nicht alſo zu Wie dißca⸗ 
veritehen, daß die Liebe nıch dem Fall in unfern eigenen * — 
Kraͤfften ſtehe, oder daß mir Durch die Liebe unſerer 
Pflicht gegen GOtt Eönten gnug thun, oder die Liebe 

und Wohlthaten GOttes dadurch vergelten: Sons 

dern wir werden nur erinnert und übzrzeuget in unferm 
Gewiſſen, daß wir GOtt wieder zu lieben (Huldig ſeyn; 

nicht allein GOttes Wort, ſondern auch das Licht der 

Natur uͤberzeuget uns. 


6e— 

>) N Here! wie fanichdir vergelten alle deine Barmhertzig⸗ 

Akeit, die duan ıyir Unwuͤrdigen thuſt? Entzuͤnde mich in deis 

ner Liebe, daß ich dich über alles licbe von gangem Herken, von’ 

ganger Seelen und von allem Vermögen, durch ZEfum CHri⸗ 
ſtum unfern HErrn! Amen, RR 5 


| Das XII, Capitel, A 
G0Ottes Liebe iſt in allen ſeinen Wercken, 
auch in dem, — er den Menſchen 
rafet. 
Weish. 12.0. 18. Du gewaltiger Herrſcher richteſt 
mit Gelindigkeit, und regiereſt uns mit eitel 
Verſchonen. lan y 
Ir haben zuvor gehöret, daß GOttes Liebe fey gichtigung 
eine Anfängerinund eine Wurtzel aller Wer rüpret aud 
cke und Wohlthaten GOttes gegen den Men: gußdet He 
fen: Dieweil aber dem alſo, und aber die Zuchtigung, 
fd GOtt dem Menſchen zufihicket, aub GOttes Werck 
it; fo Ean daſſelbe nicht ohne GOttes Kiebe feyn. Denn 
aller Wercke GOttes Anfang ift die Liebe; hätte ex 
nicht geliebet, fo hätte er Feine Wercke gethans Will 
nun der Menſch GOttes Liebe antworten,fo muß er auch 
die Zuchtigung in der Liebe aufnehmen, Deromwegen | 
ſo SOTT zürnet. über den Menfchen , fol der Menſch Derrenſch 
nicht wieder zuͤrnen; denn GOtt bat das nicht verurſa⸗ foll nicht 
chet , fondern der Menfch. Wenn GOtt den Menſchen wieder air 
firafer und ſchilt, foll der Menfh GOTT nicht wieder 
ſcheltenz ſondern wie GOTT in der Strafe ſeine Liebe 
ur 2443 behält, 


982 B. W. C. 14.1Dieder Menſch verpflichtet if 


bebhaͤlt, ſo ſoll der Menſch im Aufnehmen der Strafe 
auch feine Liebe behalten gegen GOTT. Darumtenn 


Dit kan 
nicht anug, 
geliebet 
werden. 


GDTT den Menſchen vichter, fo ſoll der Menſch 
SHYTT nicht wiederrichtenz denn er finde mn GOTT 
Feine Urſache des Richtens, we GOTT mol am Mens 
fehen findet: Und das iſt die rechte Liebe, die der Menich 


GOTT fehuldig ift, und das ifFihre rechte Probe, 


Darum wiewol der Menſch GOTT dem HEten nicht 
Fan gleiche Liebe bezeigen, (denn GOttes Liebe gegen den 
Menſchen iſt unendlich und volkommen) ja, wenn der 

tenfch ſchon ſelbſt zu eitel Liebe wuͤrde mit Leib und 


Seele, fo. wäre es doch nichts gegen GOttes Liebe: Doch 


gleichwol ſoll der Menſch von gantzem Hertzen und allen 
Krafften ſich befleißigen, daß er täglich zum hoͤchſten 
Grad der Liebe kommen möge. Und das iſte GOTT 
ſchuldig, daß feine Liebe fen heilig zuůͤchtig, rein ohne falſch, 
und nicht müde werde, im Creutz nicht aufhores wie 
EOttes Liebe auch im Creutz nicht aufhoret, fondern 


hertzlich, bruͤnſti, rein, ohne Heucheleh, immerwährend 


® . 


ft: Denn es wäre ja eine arofp Schande dem Mens 
ſchen, daß a SD TT für feine alterheiligfte , reinefte, 
herrlichſte Liebe gebe eine unreine Liebe, eine falfche Liebe, 
eine Heuchel⸗Liebe; da doch daſſelbe Feine Ereatur thuf, 
Die viel unedler federn Dev Menſch. ⸗ 


Gebet. 


Iacır 817. Tier Vater des Lichts, bey welchem Feine Veraͤnderu 


noch Wechfel iſt, gieb mir den Slauben, der auch inTrübf 
und unter der Züchtigang deine biebe erkenne, und in hertzlicher 


Fon. 4. v. s Gedult preiſe; fo wol wenn da in der Hitze mirSchatten ſchaffeſt, 
? . 9.10. 21, als wenn der geliebte Kürbie verdorren muß, zu meiner ferner 


Unterweiſung, durch IEſum Chriſtum unfera HEren ! Amen, 
‘ Das XIV. Capitel, 


Wie und auf wag Weile der Menſch 


verpflichtet iſ GOTC zu lieben, 
Hoher Lied 8. v. 7. Wenn einer all fein Guth in 


er nn. 


feinem Hauſe um die Kiebe geben wolte ‚fo gülte 


es allıs nichts, — 
Dieweil 


—â— ur — 


| Gott zu lieben. 983 


Jeweil wir nun gehandelt haben von denen Zwilchen 
| Dingen infonderheit, die der Menſch GOtt gottun 
ſchuldig ift, und Diefelbe gantze Erkaͤnntniß gesit eine nas 
gründet iſt in der Obligation oder Verpflichtung, ſo erkicgn 
Da herrüßlet aus dem Geben und Nehmen; fintemalsung 
. eine natürliche Verpflichtung entſtehet zwiſchen dem 
Geber und Nehmer: Denn diefe Obligation ift das 
Fundament, Urfprung, ja ein unauslöfchliches natürs 
liches Licht, Dabey erkannt mag werden, was der 
Menſch GOtt ſchuldig fey, und dieweil GOtt allein 
alles giebt, der Menſch aber alles von GOtt umſonſt 
empfaͤhet. Ja, ſo GOtt nichts gaͤbe, ſo empfienge der 
Menſch nichts, derowegen auch keine Obligation ſeyn 
koͤnte, ja, es koͤnte keine gewiſſe Maaß, keine Ordnung 
und Weiſe ſeyn, was der Menſch GOTT wieder zu 
geben ſchuldig waͤre: So entſpringet demnach aus 
dem vorigen Grunde die Ordnung und Weiſe, wie der 
Menſch GOtt wieder zu geben ſchuldig iſt, was er em⸗ 
pfangen hat. Gleichwie nun die rſte Babe, fo der GOttes er⸗ 
Menſch von GOtt empfangen hat, it GOttes Kiebe ‚Hr Sad vie 
denn GOTT hatden Menfchen geliebet, indem er ihn 
geſchaffen: Derhakben it der Dienfeh ſchuldig SOTT 
wieder zulieben. Was der Menſch Butes hat, das 
hat er von GOtt, darum daß ihn GOtt geliebet hat; 
und der Menſch hat nichts von ihm ſelbſt, noch etwas 
von einem andern urſpruͤnglich: Darum iſt er auch — — 
niemand anders ſo hoch zu lieben verpflichtet, ale GOtt, auch 880 
ja er iſt ihm ſelbſt nichts verpflichtet, denn er hat nichts zum 
von ihm felbft, ſondern altes von GOTT. Daraus! ih 
folget, daß der Menfch feine erfte und höchfte Liebe 
GOTT. geben fol, und nichtihmfelbft; und dieweiler 
alles allein von GOtt hat, fo foller feine gange vollkom⸗ 
mene Liebe GOtt geben, und nicht ein Theil derfelben 
einem andern: Denn er hat von Feinem andern die als 
lererſte und höchftekiebe, fondern von GOtt, darum 
fol auch hinwieder feine höchfte Liebe GOTT feyn. 
Ja, dieweil der Menfch ohne Unterlaß und augenblic- 
ih von GOTT erhalten wird, und unaufhörtiche 
2444 Wohl 





0 


984 BIV.E.1s.Creaturen ermabnen den Menſchen 


Wohlthaten von GOTT empfaͤhet, und ohne GOTT 
aenfhnicht leben Ban: Ja, dieweil es GOTT verordnethat, 





obn Lntersdaß alle Ereaturen dem Menfchen dienen müffen ‚ohne 






leben könnte ; fo folget, daß auch der Menfiiisolkomm- 
lich / ohn Unterlaß,unaufhörlich,alle Augenblif SOTT 

ſchuldig ift zu lieben, Und das ift die Weiſe, Art und 
Maaſſe der Pflicht⸗ſchuldigen Liebe GOttes. 


Gebet. 


V* unaufhoͤrliche Wohlthaten gehoͤret dir biliz HERR, 
Pfalm· 104. auunermuͤdeter Danck, Dienftund Liebe. Gieb mit, dieſel⸗ 
v. 33. be dir williglich, fo lange ich hie lebe, und vollkoͤmmlich dorten 
in der Ewigkeit abzuſtatten, durch EHriſtum JESUM unſern 
HERRN! Amen. 
Das XV. Capitel. 


laß lieben. und auſſer welchen der Menſch nicht einen But 
i 


Daß alle Ereaturen den Menfchen 


unaufbörlih ermabnen, GOTT 
| zu lieben, 

Spruchw. Sal.8. v. 1. 2. Ruffeenicht die Weisheit, 
und die Blugheit laͤſt ſich hoͤren? Oeffentlich 
am Wege und an der Straſſen ftehet fie. 

a Icht allein aber vuffet und fehreyet die immer« 

wiederzu - $ waͤhrende unaufhoͤrliche Liebe SHOTITES, und 

INF ermahnet den Menfchen, GOTT wieder zu lien 
ben aus gansem Hergen, wie er immer kan; ſintemal 
SOTT den Menfchen erftlich geliebet vollkoͤmmlich, ja 

. unter Allen Sreaturen der Welt hat GOTT den Men 
(chen am höchften geliebet, ja in der gantzen Welt hat ex 
den Menfchen nur allein geliebet, dieweil er alle Exea- 
turen um des Menfchen willen aefchaffen hatı Daraus 
denn folget, daß GOTT. den Menfchen einig und allein 
in der Weit geliebet hat. Nicht allein fage ich, ermah⸗ 
net diefe immerwährende Kiebe GOTTES den Men« 
is fchen,, feinen Schöpffer zu lieben; fondern auch alle 

wiadnen Kreaturen, und.die ganke Welt rufft dem Menſchen 

oe unaufhoͤrlich zu, daß er GOTT liebe. Und das alfo: 
“ Denn alle Greaturen, und. die ganse Melt erzeigen 

alle ihre Dienſte dem Menſchen aus GOTTES 30 

ehl / 


lieben. 


— 





Das Vierdte Buch, Th. II. Cap. XVI. pag.984 


Hier iſt eine Brille, durch welche man auf etwas anders 
ſiehet und eg deutlicher erfennen fan: Alſo follen die Ereaturen 
unfere geikliche Brillen ſeyn, durch welche wir follen auf ihren 
Schoͤpffer fehen, und denfelben defto mehr lieben. 


Ef. 40. verf. 26, 


Hebet eure Augen in die Hoͤhe, und feber, wer bat 
folche Dinge erfchaffen? Der fie alle mit Ma⸗ 
men ruffer, fein Dermögenund ſtarcke Brafft 
HE groß, 


D Fe Creaturen find zwar dir, 
O Menſch, zum Dienft erſchaffen; 
Doch gar nicht, daß du dich an ihrer Zier 
Und Anmuth ſollſt vergaffen: 
Du ſollſt vielmehr durchhin auf etwas Aöbersfebn, 
Und in der Schönheit Urſprung gehn: 
Da folbt du ſuchen Deine Lieb 
Und ganze Neigung anzulegen 
Bey dem, der diefen edlen Trieb 
Selbſt in dein Herz gepflarst: Der Regen, und 
| Bewegen, | 
Und alles, was du haft und bift, 
Aus lauter Güte fehenckt undgiebet, 
Der in von Ewigkeit geliebet, 
Und deiner Gegen⸗Lieb alleine würdig ft, 
Drum laß dir die Natur ein Mittel ſeyn 
Dein bloͤdes Aug zu ſtaͤrcken, 
Zu füchen und umfangen EOtt allein, 
Und ruhe ja nicht. in erfihaffnen Wercken. 
Wirſt du diß thun, fo wird auch dir 
. Der Himmel ftatt der Erden, 
Ein Segen vorden Flub, - 
An ftatt der Deck ein offnes Buch, 
An ſtatt des Kercfers eine Thür 
Zur wahren Freyheit werden. 


GoOtt su lieben. 985 


feht, fo hoch und gut fie vermögen, oder aus allen Ihrem 
Bermögen, und mas ſie Liebes und Gutes vermögen, 
geben fie dem Menfchen ; und das hat ihnen EOtt ge- 
boten. Damit ermahnen fie nun den Menfchen, daß 
er hinwieder das Beſte, daser hatund vermag, GOtt | 
ihrem Schöpffer wieder aebe, aus dem Fundament der 
notürlichen Obligation. Das Beſte aber, daß der Das Ber, 
Menſch hat, iſt die Liebe; darum fchreyen alle Gran 
turen, der Menſch folle doch feinen Liebhaber wieder lies Liene. 
ben, fo freyreillig und gerne, als die Ereaturen dienen 
aus GOttes Gebot. - —* 

Und bieweil die Creaturen dem Menſchen Feine falbDergrenn 
ſche Dienſte ergeigen, fondern wahrhaftig ohn alle Deusnicpr far c, 
cheley und Betruͤgerey; denn GOtt hat Feine falfchedarum fou 
und berrügliche Dienfte den Ereaturen eingeichaffen ga uere 
Derhalben fo ift auch der Menſch fchuldig , feinemfalich fen. 
Schoͤpffer Feine falfche Kiebe zu begeigen, fondern eine | 
reine, ungefärbte Liebe, ohne Heucheley. Und weil die 
Creaturen aus allen Kräfften dem Menfchen dienen ; 

Alſo ift der Menſch ſchuldig aus allen Krafften GOTT 

zu fieben,jaTag und Nacht, wie die Creaturen den Men» 

fchen Tag und Tracht dienen. Wie auch die Ereaturen 

dem Menfchen allein dienen, alſo fol auch der Menfch 

EHDtt allein dienen, und keinem andern; denn die Crea⸗ 
turen find zu nichts anders gefchaffen, und haben keinen 
andern Intent, denn dem Menfchen gudienen : alſo auch 

der Menfch fol feinen gangen Willen und Intent dahin 
richten, daß er GOtt diene. Wieaber auch der Crea⸗ 

turen Dienft dem Menfchen angenehm ift, und er feinen 
Wohlgefallen daran hat; Alſo auch GOtt am Dienft 

des Menſchen, und der allerangenehmſte Gottesdienſt 

des Menſchen iſt die Liebe, ſo ſie aus dem Glauben an 
Chriſtum und freywilligen Geiſt gehet;ʒ nichtsaber iſt 

freyer und ungezwungener, denn die Liebe. Das er 
mahnen uns nun ale Creaturen: (1) GOTT aus Wie mir, 
allen Krafften lieben, (2) willig, gerne, (3) von gantzem eg 
Hertzen, ohne Deucheley, und zum (4) &HDtt alleine,“ —" 


und Leinen andern, ' 
Das Gebet, 


986 B. W. €.ı 6. Regel, wie der Menſch 
| Gebet. 


VPſ. 3. b. 7. Err mein GOtt, du haſt einen Greuel an den Falſchen, und 
haft in alle rechtſchaffene Seelen diß dein Bild eingedrucket 
Luc. 10, 37: daß fie Falſchheit von Hertzen haſſen. Ach laß mich janicht mit 
Heucheley mid) beflecken , oder meine Seele betrjigen , fondern 
dich und meinen Nächften mit reinem Hertzen aufrichtig lieben, 
durch JEſum CHriſtum unfern HErrn! Amen. 
Das XVI. Capitel. 


Einegemeine Regel und Lehre, wie und 
weldyergeftalt der Menſch GOtt geben 
ſoll, was er ihm fehuldig ift, 
Hohe⸗Lied 4.0.17. Mein Sceund komme in feinen 
Garten, und effe feiner edlen Srüchte. 


— Er Menſch iſt ſchuldig ebener maſſen GOTThu 
unferetehr, lieben, gleichmie die Ereaturen von GOtt geord⸗ 
—— > ner find, dem Menſchen zu dienens und hat alſo 
BHO GoOtt die Creaturen zu unfern Schulmeiftern und Præ- 
| ceptoribus verordnet. Geheteinen Baum an, der giebt 
nicht allein feine Früchte dem Menſchen, fondern er giebt 

fie ihm auch wohl reiff, zeitig, ſuͤſſe wohlſchmeckend, voll⸗ 

kommen und angenehm; ſonſt naͤhme ſie der Menſch 

nicht am, wenn fie unzeitig, bitter, verdorben wären, und 

fo hätten die Baume vergeblich gearbeiter: Alſo foll der 

Menſch EDte nicht allein feine Dienfte bezeigen, ale 

Liebe, Zucht, Ehre, fondern es ſoll auch eine wohl reiffe, 
volllommene, füßfe, angenehme Frucht ſeyn. Sie wird 
Die — aber lieblich und angenehm durch CHriſtum, und in 
ferer Siebe EHrifto, Durch den Heil, Geiſt der alte gute Srüchte in 
kelid ung wuͤrcket. Und daran ſoll er höchftes Vermögens are 
wid. peiten mit feinem Glauben und Gebet, daß feine Frucht 
angenehm ey: Gleichwie ein Baum aus allen Kräfften 
Durch Die vier Sahr- Zeiten daranarbeitet, daß feine 
Srucht angenehm und lieblich fey den Menfchen: Denn 
GHDtt will fo wenig eine bittere, faule, unreiffe Frucht 
von Menfchen haben, als der Menſch von einem Baum, 
oder alle Arbeit des Menſchen iſt verlohren. Und wie 
die Bäume dem Menſchen dienen ohn allen ae 

un 


GOtt geben foll, waser ihmſchuldig iſt. 987 


und Liſt, fondern in hoͤchſter Einfalt, wiſſen ſelbſt nicht, 
was ſie machen, und ihre Natur iſt, daß ſie den Men⸗ 
ſchen erfreuen, und Der Menſch feine Luſt an Baͤumen, 
Blumen und Thieren ſehe: Alſo ſoll der Menſch aus Liebe 
lauter Einfalt, ohn allen Eigennutz und Perdienft, ohn —9 — 
allen Betrug und Liſt, ohn elle Eigen-Ehre GOtt dienen wicht eigen, 
aus reinem Jergen, gutem Bewiffen, und — — 
gen Glauben, nur daß er feinen Schoͤpffer erfreue. o.s. 
Und das ift die allgemeine Regel und Lehre aus der Na⸗ 
fur, wie und welcher Seftalt der Menſch GOtt dienen 
folt, nemlich, daß er nicht auf hoͤren foll, bis fo lange feine 
Frucht GOtt angenehm ſey. Und alſo kan der Menſch 
‚aus der Natur erkennen, daß aller erdichteter Gottes⸗ 
dienft, auch alles, was Liftund Betrug iſt, GOtt nicht 
gefalle, fondern bey ihm, als eine verdgrbene Frucht, ſo 
gang bitter, verwwerfflich ſey. 


0 Gebet, | 
Eiliger Erloöͤſer, bu biſt gefandt, zu ſchaſſen, daß deine Elende Jeſ 61 u.a 
+ würden Baͤume der Gerechtigkeit, Pflangen, den HErrn zu Palm 10%. 
preiſen: laß auch mich, als einen in dir gepflangten Zweig, vol] 9-14 
Saffts ſtehen gruͤnen blühen, und zum Preiſe meines Schoͤpf⸗ 
fers in aller Einfalt meines Hertzens unverdroſſen, ſchuldige 
und angenehme Fruͤchte bringen I Amen. - MR 
* Das XVII. Capitel. 
Daß ein Chriſten⸗Menſch keine Ent⸗ 
ſchuldigung habe, daß er EOtt nicht geliebet 
habe, entweder aus Unvermoͤgen, oder daß es zu 
ſchwere Arbeit ſey. 
Weish. 13.0.9. Haben fie ſo viel mögen erkennen, 
Daß fie die Creaturen hoch achteten, warumbas 
ben fie nicht viel ebe-den HErrn derfelben ſun⸗ 
‘ den? 1. Joh. 5. v. 3. Das iſt die Liebe zu GOtt, 
daß wir ſeine Gebot halten, und ſeine Gebot 
find nicht ſchwer. | 
ITT hat alen Menfchen einen Willen einge Die Natu 
haften, und in demſelbigen Die Liebe; denn Iehrer®ngg 
= ein Meuſch ift ohne Willen ynd ohne Liebe, Ne. 
und 


988 BV.E.17. Ein Chrift hat keine Entſchuld. 


Ken. 
Menſch iſt 
entſchuldi⸗ 
et, daß er 
GHDtt nicht 
gelichet. 





md kan auch fein Wille ohne Liebe ſeyn; denn was ich 
liebe, dag will ich, und was ich nicht will, dag liebe ich 
nicht, Und aber der Menfch auch von Natur verftehen. 
fan, daß er Das Allerbefte lieben fol; und weil GOtt 
das allerbefte und höchfte Gut ift, fg erfennet der Menfch 
natürlih, daß er GOTT zu lieben fchuldig ift, vers 
ftehet aud) die Urſach, warum er GOTT lieben folle, 
nemlich, weil er von GOTT alles hat, daher die natürs 
liche Obligation entfpringet. Derhalben fo ift nun 
Eein Mensch entfchuldiget, dag ee GOTT nicht gelie⸗ 
bet hat; Denn fo ein Huͤndlein und unvernünfftige 
Thiere die lieben, fo ihnen Gutes thun „folte denn der - 
Menſch allein fo grobfenn , daß er den hoͤchſten Wohl⸗ 
thaͤter nicht lieben folle? Rom. 12.0.9, Ferner, dieroeil 
die Liebe ſo lieblich ift, daß fie nicht müde wird, daß ihr 


die Arbeit nicht ſchwer wird, und keine Traurigkeit und 


Schmergen in der Liebe ſeyn kan, fonft waͤre es nicht Kies 
be,fondern Haß; Ja, es kan kein Uberdruß in der Liebe 
ſeyn, fonft höverfieauf, 1. Cor. 13.0.3. Ja die Liebe 


‚treiber hinweg alle Schmergen, Pein und Angſt; Ya 


Liebe macht 
alles leicht. 


die Liebe macht alle Arbeit leichter, ob fie noch fo ſchwer 
ift 5 denn Lieben ift ſuͤſe, anmuthig, voll Freude und 
Wonne. Derhalben ift hier kein Menfch entſchuldi⸗ 
get, fondern wir werden alleübergeuget, daß wir GOtt 


zu lieben fhuldig feyn, auch, mit Luft und Sreuden, weil 


Wie diß Ca⸗ 
pıiel zu ver⸗ 
Keben, 


die Liebe ift das allerfüffefte, lieblichſte und anmuthig⸗ 
fte Werck, das ein Menfch thun kan: Und daraus er⸗ 
kennen wir GOttes Freundlichkeit, daß er den Dienz 
fehen nicht hat wollen verpflichten zu einem unträglis 
chen, ſchweren, ſchmertzhafftigen Gottesdienſt, davon 
der Menſch kranck, mait und muͤde wuͤrde, ſondern zu 
einem lieblichen ſuͤſſen Gottesdienſt, welcher allein in 
GOites Liebe ſtehet; und iſt derowegen ſchließlich kein 
Menſch entſchuldiget, wenn er GOtt nicht liebet. Diß 
Capitel iſt nicht alſo zu verſtehen, als koͤnte der Menſch 
von Natur nach dem Fall aus eigenen Kraͤfften GOtt 
lieben, ſondern es uͤberzeuget uns nur in unſerm Her⸗ 
gen und Gewiſſen, daß ein Menſch aͤrger ſey denn cin 

IR): underz 


Das Vierdte Buch, Th. II. Cap. XVIII. pag.989 
Hier iſt ein Vogel in einem Käfichk,melcher,ob er gleich gefan⸗ 
gen zu feyn feheinet. und nicht mehr in der Lufft Frey herum flie— 
gen fan, dennoch eg beffer hat. als die andern freyen Vogel, in- 
dem er frey ift von aller Gefahr und Nachfiellung, von aller 
Angſt und Yunger, fondern fein Herr, deffen er ift, pfleget fein, 
und giebt ihm feine ordentliche Epeis und Trand: Damit 
wird angedeutet,daß ein Ehrift, der ſich EOtt gang und garzum 
Dienft ergiebet, ob er gleich ein Knecht fcheinet zu fenn, weil er 
nicht mehr frey fündigen darf, dennoch hater das Beftedavon, 
daß ihn nemlich fein HErr im Himmel bifcyüget, ernaͤhret, verz 

forget und feligmachet. 7 

Phil. 4. verſ. €. 

Sorget nichts, fondern in allen Dingen laffet eure 
Bitte im Geber und Sleben mir Dancfagung 
für GOtt kund werden. 
>] Bi ich im wilden Walde mich enthielte, 

Da jagt ein ieglich rauſchend Blat, 

Mit dem der leichte Weſt-Wind ſpielte, 
Mir Furcht und Schrecken ein. Sch lebte früh und fpat, 
Dbgleich ich niemand unterworffen war, 

In tauſend Aengiten,taufend Eorgen: 
est aber bin ich ficher und geborgen, 

Der Beficht macht mich frey vonlinfall und 

Gefahr. 
Jetzt, da es ſcheint, 
Wie die betrogne Welt vermeynt, 
Daß ich gefangen, 
Bin ich des Voglers Netz entgangen, 
Der, dem ic) dien, und deß ich bin, 
Derift es,der mich fehügt, verforat, verpfleget, 
Und auf den Händen träger. 
Der falfchen Ledigkeit Verluft ift mein Gewinn, 
Was ich zu feinen Ehren fing und tichte, 
Diellbung meiner Pfiichte 
Gereicht mir felbftzum Wer deß will theilhafft 
eyn, 
Der ſtelle ſich zum Dienſt der edlen Knechtſchafft ein, 
Die mehr erhoͤht als alle Reich auf Erden: 
Der komm und wickle ſich in dieſes guldne Band, 
Mit dem der Weltling ungebundner Stand 
An Herrlichkeit nicht Fan noch mag verglichen werden. 


daß er Gott nicht geliebet habe. 989 | 


dm [22707000 nn mn — £ 

unvernünfftig Thier, wenn GOTT feinen Liebhaber 

nicht liebetz und was der Liebe Artfey, auf daß wir ale 

Ehriften dadurch erwecket werden, die Sreundlichkeit 

und Suͤßigkeit der Liebe zu erkennen, und Diefelbige zu 

üben, darzu uns nicht allein GOttes Wort, fondern 

auch die Natur ermahnet und überzeugen 

Loben Vater, wenn du und etwas Groſſes hätteft geheiſſen B Fön, 
fo ſollen wir, unſerer Schuldigkeit nach, es ja thun: MWies.v.n. 

vielmehr, wenn du ſageſt: Dufoltdeinen GOTT lieben ? Ach 5: B· Moſ. 

wuͤrcke in mir, was du befiehleft, fo werde ich mit Freuden lauf 88. 

fen in dem Wege deiner Gebote, und dich von gangem Herhen Vlu⸗d 32. 


lieben! Amen. ' 
| Das WIII.Capitel. DAS 
Daß alle Pflicht und Dienft, fo der 
Menſch GOTT Ihuldig , dem Menfchen allein 
zu Nutz und Frommen gereichen. 
Pſalm. 19. v. 12. Auch wird dein Anecht durch 
dein Bebor erfreuet, und wer fie hält, der bar 
aroflen Lohn. 


Jeweil nun drobenim 1. und 2. Capitel unwider ⸗ GOtt bes 
ſprechlich bewieſen iſt, daß GOTT ein unend⸗ — 
lich, vollkommen, uͤberfluͤßig Gut ſey, und keines —2 
andern Dinges beduͤrfftig; denn er hat alle Vollkom⸗ 
menheit in ihm ſelbſt, und iſt unmoͤglich, daß ihm etwas 
mangeln ſolte, oder einiges andern Dienſtes beduͤrffe, 
Nutz oder Frommen davon habe: Derhalben ſo 
darff GOTT keines Menſchen Dienſtes: dienet er 
aber GOTT, fo koͤmmts dem Menſchen zu Nutz und | 
‚zu mercklichen Frommen. Und damit aller Creatu⸗ Der Crea⸗ 
den Dienft nicht vergeblich fen, dieweil ihr GOTTUE, und 
auch nicht bedarf, fo muß all ihre Dienft dem Men⸗ der Dienf, 
fchen zu gut und zu Nutz gereichen: Alſo koͤmmt nun Kein 
aller Ereaturen Dienft, fomol auch des Menfchen S91r ter 
Sottesdienft, niemand anders, denn dem Menfchen I * 
ſelbſt zu groſſem Nutz und Frommen, und darum una, 
fol auch der Menſch deſto fleißiger und von —9— 
ertzen 


990 B.V.E. 18. Gottesdienſt des Menfchen Nutz. 


Hergen und allen Ktäfften GOTT dienen ; denn es ift 
fein eigen Frommen, GOTThat nichts davon, fondern 
er iſt dem Menſchen fo guiig‘,daß er ihm den Weg der 
Liebe gegeiget hat, auf Daß er dadurch viel Gutes aus 
dem Beunn des ewigen Guts ſchoͤpffen möge, wenn er 
GOTThertzlich liebet. O der überfchmwenglichen Guͤ⸗ 
tigkeit GOttes gegen den Menſchen! daß er nichts zu fei- 
nem eigenen Nutz und Frommen gefchaffen und verord⸗ 
riet hat, fondern alles zu Nutz des Merfchen, duch wenn 


er GOTT dienet und ihnliebet; ſo viel Guts wird nun 


Wie dis 
Capitel zu 
verſtehen. 


1. Cor. 7; 
v. 25. 
Pſ. 86. v. I X, 


der Menſch aus dem ewigen Gut fhöpffen , ſo viel er 
daſſelbe licbet. Das Kapitel ift nicht fo zu verfiehen, - 
ale Fönnte der Menſch SOTT dem HERRN etwas 
abverdienen , fondern GOTT. belohner aus Gnaden 
alle Froͤmmigkeit und Gottesfurcht, indiefem und jenem 
Leben: Go ifts aber zu verftehen , bijt du fromm, fo 
bat BOTT Eeinen Nutz davon, fondern du felbft, GOit 
darff deiner nicht; bift du böfe, fo yat GOTT Eeinen 
Schaden davon ‚fondern du ſelbſt. Ipfa etenim virtug 
ſibimet pulcherrima.merces; Ipfum etiam vitium fibi= 
met dererrima pcena. Denn die Tugend ift ihr ſelbſt 
der allerfchönfte Lohn; Das Laſter iſt auch ihm ſelbſt die 
allerſchaͤndlichſte Strafe. = j 
Gebet, 

Dur vollkommenſtes Weſen, eg ift ja eine groffe Gnade, 

daß wir arme Adams Kinder zugelaffen werden zu deir 
nem Dienft. Ach würdige mich, HENK, diefer Gnade , daf 
ich dein Knecht fen, laß mich Barmhergigfeit erlangen ‚ getreu 
zu ſeyn, und erhalte mein Herg bey dem einigen ‚daß ich beinen 
Namen fürchte! Amen; 

Das XIX. Capitel, 


Vergleichung der zweherleh Dienſte, 


der Creaturen gegen den Menſchen, und 
des Menſchen gegen GOtt. J 
Spruͤchw. Sal. z. v. 21. Mein Kind, laß die {Weiss 
heit nicht von deinen Augen weichen, ſo wirſt 
du gluͤckſelig und klug ſeyn: Das wird deiner 
Seelen Leben ſeyn. —J ER 
Dieweil 


BVG. ı 9.Dergleichung zweyerlepDienfte;c. 991 


Jeweil nun zmeyerley Dienfte feyn, der Men⸗ Zweneriep 
fehen s DienfE der Creaturen, und der Gottes- Dienk. 
Dienſt der Menfchen, alle beyde aber dem 

Menſchen zu Nutz kommen; fo müffen wir fehen, worinn 
fich diefe beyde Dienfte miteinander, vergleichen, und. 
worinnen fie unterfchieden find. Der Menfch Ean der Der Menſch 
Ereaturen Dienft nicht belohnen, den erhat nicht, wo⸗ Greatren 
mit; weil alles, wag er hat, GOTTES ift, und iſt Dient 
auch nicht von nöthen, weil aller Creaturen Guͤtigkeit ein ia: beloht 
Austufiftvon GOTT; Darum nicht den Ereaturen 
dieLiebe und Danck gebühret, fondern GOTT ,dem 
Urfprung und Ausfluß alles Guten. Der Menſch ber char, 
darff täglich der Ereaturen Dienft u feinem Leben und ren nichtig 
Nothdurfft: Aber darum fol er nicht die Creaturen su lieben. 
lieben ‚ fondern den Schöpffer, denn GOTT madıt 
durch die Ereaturen ihm den Menfchen verpflicht, der 
Creaturen Dienft macht, Daß der Menſch lebet, und 
ohne ihren Dienft Eonnte der Menfch nicht eine Stunde 
leben. Aber dadurch will GOTT den Menfchen tee 
gen , daß er hinwieder GOTT. diene , und GOTT 
liebe: Denn was hilfft leben durch Hülffe der Crea⸗ 
turen, wenn man nicht auch GOTT liebet? Darum 
will GOTT ſo viel zu uns ſagen: Siehe, du lebeſt durch 
der Creaturen Dienſt, und haſt durch ſie das natuͤrliche 
Leben ‚auf daß Du an ihren lernen ſolteſt, mir zu dienen, 
und mir zu leben. Denn fobald der Creaturen Dienft 
aufhören, und der Menfch nicht mehr ihrer Hülffe ges 
brauchet, als der Lufft und Athems, ꝛc. fo bad fltbt - 
der Menfch und verfeurer fein natürliches Leben 3 Alſo, Wenn der 
fo bald der Menfch aufhöret GOTT gu dienen und gu el®, 
leben in CHriſto, fo flirbet e GOTT ab, und it 89tu 
ebendig todt. And gleichtwie e8 dem Menſchen nichts pienen, vers 
nuͤtze ift, Daß er lebe, wenn er nicht auch) gottfelig lebet; fein feliges 
Alſo ifts ihm auch nichts nüße ‚daß ihm die Creaturen Leben. 
ienen, wenn er nicht auch GOTT dienet. Und gleich» 
wie es beffer und gröffer ift, gottfelig leben, denn natuͤr⸗ 
ich leben: Alſo ifts viel befjer und gröffer, daß der 
Menſch GOTT diene, denn dag ihm alle Ereaturen 
Dienens 
® 












992 B.IV.E. 20. Daß GOtt alle Dinge 


dienen; ja der Menich ‚der GOtt nicht dienet, iſt nicht 
werth, daß ihm eine einige Creatur diene: Denn gleich» 
wie die Ereaturen Darum leben, daß fie dem Menfchen 
dienen, alfo lebet der Menfch darum, daß er GOtt diene 
ae Era Derowegen dienen alle Creaturen dem Menſchen dar— 
Hendem um, aufdaß der Menſch GOtt wieder dienen foll, und 
88 wenn das nicht geſchicht, fo ft aller Creaturen Dienſt 
wieder die⸗ vergeblich geſchehen und verlohren: Und ſo hat denn ein 
ne. Mensch alle Creaturen, die ihm gedienet haben ſchaͤnd⸗ 
lich betrogen, und derſelben mißbraucht. Wie es nun 
verordnet iſt, daß alle Creaturen dem Menſchen dienen 
zum natürlichen Leben: Alſo hat GODT den Men⸗ 
ſchen dadurch lehren wollen, daß er ſchuldig ſey GOTT 
zu dienen, und gottfeliggu leben. Siehe, das iſt die Ver⸗ 
gleichung der zweherley Dienfte, der Creaturen gegen 
den Menfchen, und des Menſchen gegen GOtt. 


Gebet. 


en 3 Ye HERN/ ‚wie oft hab ich der Creaturen Dienft mißbrau⸗ 
ea chet deren Seuffzen-wider mich verurfachet, und verdienet, 
daß ihr Dienft mir gang entzogen würde? Vergieb mir biefeg, 

‚mein BDTET, und verleihe, daß, wie ich durch der Creaturen 

Dienſt natürlich , alfo durch deines Geiftes Krafft dir zu Ehren 

recht gottfelig lebe, durch ZEfum CHriſtum deinen Sohn unfern 


HErrn! Amen. 
. Das XX. Capitel, 


Durch der Ereaturen Dienft Fan der 
Menſch augenfcheinlich feben, Dda8 GOTT. 
nothwendig alle Dinge in feiner Hand und Ges 
walt habe und erhalte. 
 Reishsır. v. 26. Wie könnte etwas bleiben, wenn 
du niche wolteft? Oder wie könnte erbalten 
Bot werden, das du nicht geruffen bätteft? x 


Der Erea⸗ WJeweil der Menfch öhne der Erearuren Dienft 
Dieuſt jew, nicht einen Augenblick leben Fan, und aber Die 
get von > edelfte Creatut ift, und die andern Geſchoͤpffe 


vo viel geringer find; fo folget daraus , daß ein GOTT 


ſeyn muͤſſe, der auch die Ereaturen erhalte: Denn 
| wenn 





Das Dierdte Buch, Th. IL. Cap. XX. pre. 992 


Hier ift ein onlliger Sonnen⸗Weiſer oder Zeiger zu fehen, an 
welchem bie hellfcheinende Sonne die Stunden viel richtiger 


machet, ale eine Schlag-Uhr, die bald zu geſchwind bald zu 


lanafam gehet; aber die Sonne gehet durch Göttliche Ordnung 
richtiger: Denn fie gehet einmal wie dag andere, und haͤlt 
ihren richtigen Lauff. Aus diefen und andern ordentlichen 
Wercken der Natur kan man den wunderbaren und allermeis 
feften Schöpffer erfennen, und dadurch aufgemuntert werden 
ihn hochzuhalten und defto herfzlicher zu lichen. 


Buch der Weish. 13. verf. 1. 
Die Menſchen find eitel, daß fie an den fichtberli- 
chen Bütern den, der es ift, nicht Eennen, und 


ke an den Wercken nicht, wer der Mieifter 


iſt. 
Dr ein vollfommnes, höchftes Weſen fey, 
Selbſt niemand unterworfen, franck und frey, 
Das dieſes groffe Welt⸗Geruͤſt regieret, 
Und überall den Zügel führet, 

Das, Krafft der Ober-Aufjicht und Gewalt, 
Den Himmel,Erd und Meer, und was fich drinnen reget, 
Mit einem Winck beweget, 

Und alles, was da Lebt, verfieht mit Unterhalt, 
Blicke aus der fehönen Ordnung der YTatur, 
Dem unverructen Lauff des ganzen Werckes. 
D Seele! folge diefer Spur, 

Schau in die Hoͤh, und merck es; 

Setz auf des Glaubens Brillen, 

Und fuche den, der diefen Bau der Welt 
. Um dein: dich ſelbſt um ſeinetwillen 

Bereitet und erhält: 
Und wenn du ihn gefunden, 

Ergieb dich ihm zu Dienft, und fag ihm herglih Danck 
dit Mund und That zu allen Stunden, 
Dein ganges Lebelang. 
Eil, esift Zeit fich aufzuraffen 
Diß ift der Zweck, zu welchem du erfchaffen: 
Der Dienft, in welchem du allein 
Kanſt wuͤrcklich frey und ewig felid feyn. 


‚in feiner Gewalt babe, 993 


En SEIT — 

wenn niemand wäre, der fie erhielte, fo waͤren fie beſſer Die Erhal⸗ 
und edler als der Menfch, weil der Menſch ihrer bedarff guuaearan 
fie aber Feines Erhalters bedürfften. Weil fie aber viel seuget von 
geringer find denn der Menfch, der Menſch aber. eines PM. 
Erhalters bedarff; fo muß folgen, daß ſie vielmehr eines 
Erhalters bedürffen: Denn fo der Menfch, die edelfte 
Ereatur, eines Erhalters bedarff, vielmehr bedürffen die 

geringen Ereaturen eines Erhalters. Dieweil aber der 
Menfch, die edelſte Creatur, die andern Geſchoͤpffe nicht 

erhalt, fondern wird vielmehr ducch fie erhalten im na⸗ 
türlichen Leben; fo muß folgen, daß noch eine edlere Na⸗ 

tur feyn müfe, denn der Menfih, Dadurch die Creaturen 

erhakten werden um des Menſchen willen: Denn eben Lott iR 
der, der die Ereaturen erhalt, der erhalt auch folgend- es En: 
lich) durch die Ereaturen den Menſchen, und das Fan niez ter der 
mand anders feyn, denn der, von welchem der Menſch Freaturen, 
und alle Creaturen ihren Utfprung haben; denn von 

dem etwas feinen Urſprung hat, von dem wirds auch exe 

halten. Darum erhalt nun GOtt alle Kreaturen um des 
Menfchen willen, den Menfchen aber um ſeinetwillen; 

Alſo erkennet nun der Menfch aus feiner Erhaltung, daß 

ein Erhalter aller Dinge feyn muͤſſe. 


| Gebet. 
Umächtiger Schöpffer und Erhalter meines Lebens, dir dan⸗ 
cke ich, daß du auch mir zu gut und Dienft die Creaturen ers 
hälteft. Ach gieb mir, in dir, meinen Urfprung, wieder einzukeh⸗ 
ren,in dir zu leben, in dir erhalten zu werden zur Seligfeit,durd) x, Yet, » 
JEſum EHriftum unfern HErrn! Amen. v. 5. 
Das XXIl. Capitel. | 
Daß durd) die zweyerley Dienfte, der 
Creaturen und des Menſchen, die gange Belt 
wunderbarlich mit GOtt und Menfthen verz 
| einiget ſey. 
Ser. 10. v. s6. Aber HErr dir iſt niemand gleich, du 
biſt groß, und dein Name iſt groß, und kanſts 
mit der That beweifen; wer ſolte dich nicht 
fürchten, du Bönigder Acpden? Malady.1.v.6. 
Bin icheuer Vater, wo ift meine Ehre? Bin 
ich euer HErr, wo iſt meine durcht? 
IV. Tpeil, Rrr Siehe 


994 B.IV.E.2 1. Swererlep Dienſte der Ereaturen, 


Aller Erea: (AP sche Doch, welch eine wunderliche Ordnung 

na Ss und Vereinigung ſey der gangen Ereaturen 

mir dem IS mit GOTT, durch die zweyerley Dienfte! 

Menfben. Dann alle Ereaturen dienen dem Menfchen, und find 

um des Menſchen willen gefchaffen, und durch ihren 

Dienft find fie mit dem Menfchen verbunden und vereis 

niget; und alfo verbindet der Dienft der Creaturen 

Diefelben mit dem Menſchen, der Menſch aber wird 

verbunden mit GOtt durch feinen Gottesdienſt. Aus 

Liebe hat GOtt anfanglich alles dem Menfchen zu gut 

geordnet, und aus lauter Liebe zeucht GOtt den Mens 

fehen zu fih: Darum hats GOtt alfo geordnet, daß 

- alle Ereaturen dem Menfchen dienen, und ihn lieben: 

Wenn nun der Menſch GE0Ott nicht allein dienet und 

* liebet, ſo iſt aller Creaturen Dienſt und Liebe nichtig 

Ki ne und vergeblih. Da foll nun der Menfch erkennen, 

Denen Daß beyde Dienfte, der Creaturen⸗Dienſt, und Der 

su Rus, Gottesdienſt, zu des Menfchen Nus und Srommen 

auch Kin gereichen: Denn die Creatuven haben keinen Nu 

dient. davon, Daß fie dem Menfchen dienen, der Mus iſt des 

Menfchen, allein daß die Ereaturen dadurch edler wer⸗ 

den, fo ie eine die andere in ihrem ‘Dienft übertrifft. 

Denn ie Erafftiger eine Ereatur den Menfchen erhalt, 

ie edler fieift: Alſo auch, ie emfiger ein Menſch GOtt 

dienet, ie edfer er ift, und ie mehr Nutz und Frommen 

er davon hat; denn GOtt hat Eeinen Nutz von des 

Menfchen Dienft, allein der Menſch empfahet den 

Nutz. Siehe nun, wie durch diefe beyde Dienfte die 

Ereaturen mit dem Menfchen, und der Menſch mit 

GOtt verbunden iſt O wolte GOtt, daß das Band 

der Einigkeit und treuen Dienftes des Menfchen gegen 

SOTT fo feft und unauflöslich ware, als der Crea⸗ 

turen Dienft gegen den Menſchen! Denn daffelbe 

Band reift nicht, GOtt hats zufeft verbunden, daß die 

Creaturen dem Menſchen dienen muͤſſen ohn Unter 

laß, alſo, daß ſie nicht anders koͤnnen, denn dem Men⸗ 

De Menſch ſchen Dienen: Aber der elende Menſch zureiſt das 

Box Band ſeines Gottesdienſtes und Liebe offt und viel, * 
mac 


und des Menſchen. 995 


macht ſich in dem geringer, denn alle Creaturen, da ei nicht ſo em⸗ 

doc) edler iſt. Stehets nun fein, daß Lie untern Crea⸗ ſa No: 
turen dem Menfchen dienen, als ihrem Deren; wie viel pnpienen, 

ſchoͤner ftehets, und wie viel edler, ifts, dag der Menſch | 

GDtt diene? Iſt der leibliche aufferlihe Dienſt der 
Ereaturen fchön, wie viel fchönerift der innerliche geiftlis 

che Sottesdienft, der in der Seele it? Denn fo viel 

beffer Die Seele ift denn der Leib, ſoviel beifer und edler 

iftauch der Seelen Dienſt denn des Leibes. Alfowers 

den Durch den Menfchen und feinen Gottesdienft alle 

Ereaturen mit GOtt verbunden, und in Der Liebe vollen⸗ 

det, aufdaß fienicht vergeblich gefihaffen feyn. 

Gebet, 
Err mein GOtt, wenn ich bedencke, mie unausſetzlich ich 
den Dienft der Ereaturen, den du mir geordnet haft, er: Joh. 2 

heifche, fo muß ich mich fhämen, daß ic) dir meinen ſchuldigen 1.38% 
Dienft fo offt entziehe. Ach gieb mir, daß, wie ich ohn Unter- 

laß der Creaturen gebrauche, alfo ſtets durch deinen Geift erin⸗ 

nert werde meiner Schuldigfeit gegen dir, und felbige dir hertz⸗ 
willig nach allem Vermögen abſtatte, durch IJCſum CHriſtum 
unfern HErrn! Amen. 


E 
Das XXI. Copitel, 


Daß aus der erſten Liebe, die wir GOtt 
ſchuldig ſeyn, noch eine andere Liebegegen 
den Menſchen entſpringet. 
1. Joh. 4. v. ꝛ1. Dis Gebot haben wir von ihm, 
daß, wer GOtt lieber, daß er auch feinen 
_ Bruder liebe. _ 


Jeweil wir droben bewieſen haben , daß der Derne 

® Menfeh feine gange Liebe vollkimmfich Ex Bi A 

ſchuldig ift, und daß die Liebe die erfie Dicht wem am 
ſey ſo GOtt gebühtes fo folget, daß es unvecht,fen, dern-ale 
und wider Die Gerechtigkeit, Diefelbe Liebe einem an-yan # 
dern geben: Denn dieweil GOTT dem Menfchen 
feine vollkommene Liebe ſchencket, fo ift der Menſch 
folches GOtt wieder ſchuldig; nicht Daß er feineXiebe 
theile, und GOtt Die Hefffte, und einem andern die 


Nrr 2 Helffte 


596 BIV.E. 23. Mus Ordnung der Treat. erhellet 


Die Crea⸗ Helffte gebe: Denn obwol die Creaturen dem Menſchen 
a @utsthun, ſo thun fie es doch nicht, ſondern GOtt durch 
en Men Sie, der jie erhalt, und dem Menſchen zu dienen verordnet 
J— Und derowegen, dieweil auch der Menſch eine 
dern BD Creatur iſt, von GOtt verordnet, andern Neben⸗ 
burbbie  Menfihen zu dienen, fo folget daraus, daß er ihm ſelbſt 
nichts zuſchteiben fol, fo ex andern etwas Guts erzeiget, 
fondern GOtt: Soll er auch dafür weder Liebe noch 
Ehre begehren: denn eg gebühret allein GOtt. Die 
weil aber der Menſch GOtt ſchuldig ift zu lieben über 
alles, fo muß er auch zugleich dasjenige mit lieben, was 
SDtt an allen feinen Creaturen am liebiten hat, oder er 
ift mit feiner Liebe GOtt zuwider, und Fan mit GOtt 
nicht eins ſeyn; Nun aber liebet GOtt über alle feine 
Creaturen den Menfchen, datum auch der Menfch nach 
un, EDS Bilde gefchaffen iſt: Derohalben foift auch 
feinen der, ſo GOtt liebet, fchuldig, den Menſchen als der nach 
ee GOttes Bilde gefchaffen ift, zu lieben, Derowegen ſo 
“ Fan der nicht recht GOtt lieben, der ſein Bild im Men, 
fehen nicht liebet; denn naͤchſt GOtt foll die Liebe in ſei⸗ 
nem Ebenbilde uhen Daͤß aber der Menſch GOttes 
Bild ſey, ſagt und rufft die gantze Creatur. 
Gebet. | 
Rön. 5. Ge ebreicher GOtt geuß aus in mein Herb den Geift ber Liebe, 
In J damit ich dich uͤber alles, und um deinet willen meinen 
35. Vaͤchſten hertzlich, ohn all Eigengeſuch, liebe, und zu deſſelben 
1.50d. 4. Dienſt auch ohne Hoffnung einiges Dancks oder Vergeltung, 
v. ai. willig fey, durch JEfum Chriſtum unſern HErrn! Amen. 
Das XXI, Capitel. 


Aus der Ordnung der Creaturen ler⸗ 
nen wir, daß der Menſch GOttes 
Ebenbild ſey. | 
1 B.Moſ 1. v. 26. GOtt ſprach: Laſſet uns Men⸗ 
ſchen machen, ein Bild, das uns gleich ſey. 

n den (EIS ift eine gewiſſe Ordnung in den Creaturen, 
ee und viel unterfchiedliche Grade, dadurch fie 
Ordnung. GOtt etlicher maflen nachfolgen, und nachah⸗ 

— men 


daß der Menſch GOttes Ebenbild, 997 


men, eine mehr, die. andere minder: Die lebendigen 
Creaturen, und die empfindlichen oder fühlenden Creg⸗ 

turen ahmen GOtt mehr nad, denn die unempfindliz 

chen; die vernünfftigen mehr, denn die unvernuͤnffti⸗ 

gen. Derowegen weil wir augenfcheinlich fehen, Daß 

eine Drdnung und Gradus in den Creaturen find, da 

immer eine GOtt mehr nachahmet denn die andere, 

von der geringften Creatur bis zu der edelften, der 
Menſch aber die edelfte Cregtur ift: Derhalben fo In Men 
muß auch im Menſchen feyn der höchfte Grad, GOtt Ende alter 
aleich zu feyn; Denn im Menfchen ift das Ende aller Erearuren. 
Ereaturen. Derowegen muß auch der Menfch ans 
fänglich ein volllommen Gleichniß oder Ebenbild GOt⸗ 

tes geweſen feyn; denn fonft wäre die Ordnung der 
Creaturen vergeblich, da immer eine Die andere in Der 
Nachahmung GOttes übertrifft: Denn GOtt hat in gu ben 
allen Creaturen ein Zeichen. eingebildet, oder ein Fuß⸗ find xuß. 
ftapffen, daraus man, den Schöpffer fpuren mag. Hanfen 
Gleichwie man ein Siegel in Wachs drucker, alſo dar GI" 
SHtt etwas in allen Ereaturen gelaffen, daran man 

feine Fußitapffen fpüren mag, wiewol unvollfommen: 

Im Menfchen aber hat er anfanglich fein gantz Sie⸗ 

gel rein ausgedruckt, daß man fein Bild gang fichet, 
welches man nicht fichet in andern Creaturen, fon- 

dern etwas davon; Darum lehret ung nun die Ord⸗ 

nung der Creaturen, daß der Menfch nach GOttes 
Ebenbild gans vollkommen gefhaffen fey. Dieweil 

aber GOtt geiſtlich ift, und. ein verſtaͤndiges Gemuͤth, 
gerecht und heilig, Derowegen muß auch fein Bild 

im Menfchen alfo feyn: Daraus folget, daß der 
Menfch muß eine geiftliche Seele, und ein verftändig 
Gemuͤth haben, darinn anfänglich GOttes Ebenbild 


geleuchtet. 
. Gebet. 


Eiliger GOtt, der du mich nach deinem Bilde heilig und 1. B. Mof 
vollkommen erfhaffen, erneure dig verlohrne Bild in mir, 926 
durch CHriſtum in Krafft bes Heiligen Geiſtes! Amen. 


Nırz Das 


— 


HHEBIV.E.24. Lin Menſch iſt ſchuldig 
NEST Eopiieh an: 


Daß ein ieglicher Menſch fchuldig ift, 
einen ieglichen andern Menſchen zu lieben, alg 
fich ſelbſt; und daß auch diefelbe Liebe dem Men- 
ſchen zu feinem eigenen Beſten 

| gereiche. 

1. Joh. 4. v. 8. Wer nicht lieb bat, der kennet 
GOtt nicht, denn GOtt iſt die Liebe. 
Jeweil alle Menſchen nad) GOttes Bilde ges 

ſchaffen, und GOtt aus hertzlicher Liebe gern 
wolte durch ſeinen Heiligen Geiſt ſein Bild 
in allen Menſchen erneuern, und, ſo viel an ihm iſt, 
un durch CHriſtum felig machen: Derowegen fo follen 
Denfchen Sich alle Menfchen unter einander lieben als fich ſelbſt, 
een ſol als die, ſo einer Natur und eines Geſchlechts find, und 
foll ein ieglicher den andern achten und halten als ſich 
felbit, nicht als fe, ex weit von dem andern unterfchies 
den. Denn er ift ein allgemeiner GOtt, von dem alle 
Menfchen ihr Leben und Weſen empfangen haben: 
Derswegen was ein Menfch ihn felber willund wuͤn⸗ 
ſchet, fol er dem andern auch wünschen, damit dem Fein 
Leid geſchehe, ſo GOtt zu feinem Bilde gefchaffen, und 

—* Rev durch CHriſtum hat erloͤſen laſſen: Darum ſoll auch uns 

heben meiz fer den Menſchen das ſtaͤrckſte Band der Einigkeit und 

fie mach Des Friedes ſeyn, und. alle Menfchen follen feyn als ein 

8 Menfch; dennfie find alle nach dem Bilde &Dttes ges 

fhafen. ſchaffen, und haben einen Erlöferund Heyland. Und 

gleichwie die erſte Kiebe von Rechts’ wegen dem 
Schoͤpffer gebühret, alfo gebühret aus Recht der Natur 
die andere Kiebe dem, der nach GOttes Bilde geſchaf⸗ 
fen; Denn dieweil der Menfch vornemlich nach feiner 
Seelen zu GOttes Bilde gefchaffen, ſo felget, daß 
ein jeder Menfch eines andern Seele fo lieb haben ſoll 

Zwey Ban ala feine eigene Seele. Alſo find zwey Bande Der 

ae Liebe im Menfehen: Durchs erfke ift er mit GOTT 

fen. verbunden, durchs andere mit feinem Nächten, und 

Das andere entipringet aus dem erſten; denn - 
a 


I 
=M 
IN 


a, 


—— 
—— 


| 


—— 





Das Dierdte Buch, TH. IT. Cap. XXIV. pag. 998 
Hier find viel runde Circkel zu fehen, da immer einer gröffer 
ift ale der andere, und doch alle aus einem Urfprung, nemlich 
. aus einem Centro und Mittel-Punct herfommen: Damit wird 
ebacbilder, daß die Menſchen alle.mit einander, groß und 
Hein, hoc) und niedrig, auch nur aus einemlirfprung fommen, 
nemlich von GOtt, und daher folten fie auch alle mit einander 
diefen ihren GOtt und Schoͤpffer auf aleiche Weife, und fich 
auch untereinander lieben: Denn gefchähe diefeg, fo würde 
auch eine rechte Einigkeit unter ihnen fern. i 
| Epheſ. 4. verf. 3. 
Seyd fleißig su balten die Einigkeit im Geiſt, 
durch das Band des Sriedes. 
Fer Mittel⸗Punct, um welchen fich 
Dergange Bau des Ehriftenthumes drehet, 
Und ieder Stand einträchtiglich 
| In feinem Kreiß herummer gehet, 
Iſt GOttes Lieb allein, wo diefes edle Band 
Die Hergen an einanderfüget, 
Da lebt man felig und veranuget: 
Hat aber Selbft- und Figen-Lieb die Oberhand, 
So wird die Drdnung jammerlic) verrücket, 
Das ſchoͤne Werck zerftücker: 
Da herrſchet Eigen-Nutz, 
Laß-⸗Dauͤnckel, Argwohn, Frechheit, Trutz: 
| Da wurgelt heimlich Haß und Neid: 
Da blüher öffentlich Verfolgung, Zanck und Streit: 
Da fieht man alles durch einander lauffen, 
Da fallt der gange Zweck der Schöpffung übern 


Hauffen. 
Ihr Menfchen! feht ihr bier 
Den Urſprung alles Unglück, aller Magen? 
O möchten wir diß bofe Thir 
Mit EHrifti Creutz in uns zu tode fehlagen, 
Dem Denckmahl feiner heiffen Lieb! 
O möcht ein Füncflein diefer Liebe fallen 
In unfer Hertz::: und Himmel = werte 
Zurücfe prallen; 
So würden wir, durch feines Geiftes Trieb, 
Den GDit des Friedens und der Liebe preifen, 
Und uns einander gern die Bruͤder-Lieb erweifen. 


den andern zu lieben. 999 


"Das erfte nicht, fo wäre das andere auch nicht. Denn 
bedenche die wunderliche Dydnung: GOTT hat die 
Menſchen anfangtich geliebet, und liebet fie unaufhoͤr⸗ 

ih: Die Ereaturen aber offenbaren die unaufhoͤrliche 

Liebe GOttes mit ihrem täglichen Dienft gegen Die 
Menfchen. Alle zeucht GOtt die Menſchen nach ſich 

durch feine Liebe, und übergeuget fie Damit, daß fie hin⸗ 
wieder ſchuldig find zu lieben, und will nun, daß auch 

die Menfchen ſich untereinander unaufyörlich lieben 

nach feinem Exempel, und darum hat er allen anfange_. _. 
lich, fein Bild eingepflanget, Die Liebe aber der DieSiee 
Menfchen gereichet ihnen ſelbſt zu ihrem eigenen From⸗ fen 
men und Beften: Sintemal droben erwiefen it, daß — 
die erſte Liebe des Menſchen, ſo GOtt gebuͤhret, und Sean 
der Gottesdienſt, allein dem Menſchen zum Beſten ge⸗ 

reiche: ſo folget nothwendig, daß die andere Liebe, 

fo dem Menſchen gebuͤhret, auch allein den Menſchen 

zum Beſten gereichen muͤſſe; denn die andere Liebe 

folges aus der erften. Denn daß die Menfchen Dt 

tes Bilde feyn, daß ift ja dee Menſchen Nutz und 
Frommen, und nicht GOttes; Und dieweil GOTT Die er r 
und Menfchen Heben, Die exfte Pflicht iſt, Die ein enfpen, 
Menſch thun foltz fo folget daraus, daß diefelbe Liebe 

feyn muß das vornehmfte Haupt⸗Gut des Menſchen. 

as nun ein Menfch für Gut, Frommen und Nu⸗ 

Gen haben foll, dag muß eine Wurtzel haben, daraus 

es entſpringet; dieſelbe Wurtzel ift nun die Liebe: 

Mas nun aus derfelben nicht entfpringet, das Fan 

fein wohrhafftig Gut und Frommen des Menfchen 

feyn. Daraus folget nun: fo viel zunimmt Die Liebe 
Ggttes und des Nachfter, fo viel nimmt auch zu des 
Menfchen Haupt⸗Gut. 


| Seel, 
Err, der du ieberman Leben und Othem allenthalben gie⸗ Ap Geſch. 
beft, und begeugeft unaufporlich durd) den Dienft der 17, v. 25. 
Creaturen deine Liebe "gegen alle Menfchen: mache mic) 
hierinnen deinem Bilde ähnlich, daß ich auch dein edelſtes Ge⸗ 
 Kıry ſchoͤpffe 


1000 B. IV. C. 25. Alle Menſchen unter einander 


ſchoͤpffe meinen Neben⸗Menſchen, um deinetwillen, und nad) 
deinem Erempel unermuͤdet lieben, und was die Liebe erfordert, 


ihme ermweifen möge, durch JEfum CHriftum unſern Herrn! 
men, Ä 


Das XXV. Capitel, 


Diemweil alle Ereaturen allen Menfchen 
ohn Linteriaß dienen, lehren fie ung, daß alle 
Menfcheh fich unter einander für einen Mens 

ſchen halten follen. 


. Malach. 2. v. 10. Haben wir nicht alle einen Dater, 
und bat uns nicht alle ein GOTT gefchaffen? 
Warum verachtet denn einer den andern ? 


Creaturen Ott hat die Creaturen alſo verordnet, daß ſie al⸗ 
an) len Menſchen ohn Unterfcheid dienen, und fo viel 
Unter, — an ihnen ift, dienen fie feinem mehr oder minder, 
ſcheid. denn demandern: Das Feuer brennet dem Armen, als 
dem Meichen: Alſo alle Creaturen, fie machen feinen 
Untericheid, achten Feinen höher denn den andern, unters 

feheiden keinen Burger oder Bauren. Die Erde dienet 

dem Bauren fowol als dem Edelmann Alſo Lufft, 
Waſſer, Brunnen und Thiere. Und das fiehet man 
vornemlich an der Sonnen, der fehönften Cregtur, Die 

dienet allen Menfchen gleich, Warum gefchicht das 
nun,daß alle Creaturen dem Mentchen ohn Unterfcheid 

dienen nach GOttes Willen unv Drdnung? Darum, 

daß EDtt will, daß alle Menfchen fich unter einander 

halten follen für einen Menſchen: Sa, darum hat GOtt 

| allen Ereaturen geboten, dem Menfchen zu dienen, und 
Der@reas den Menfchen zu ehren, weil der Menſch nach GOttes 
Dienf mie Bild geſchaffen ift: darum fol auc der Menfch mit 
Darf Danchfagung der Ereaturen Dienft aufnehmen, fonft 
men ſt er nicht werth, daß ihm einige Creatur diene, Denn 
was meyneft du, lieber Menfch, warum GOtt verord⸗ 

Dem Det net hat, daß dir fo viel herrliche Ereaturen dienen, deren 
ren De Die gange Welt voll iſt, warum hat fie GOtt verordnet 
Ercam dir zu dienen? Ohn Zweifel darum, Daß du _ 
olt, 


für einen Menſchen zu halten. 100 


ſolt, du ſeyeſt GOttes Bild, und folt leben als GOttes ——— 
Bild; und waͤreſt du nicht nach GOttes Bilde geſchaf⸗ tea gune 
fen, ſo dencke nur nicht, daß dir einige Creatur dienen geſchaffen. 
wuͤrde. Dieweil nun die unvernuͤnfftigen Creaturen dir 
darum dienen, und dich ehren, daß du nach GOttes 
Bilde gefchaffen 5 vielmehr ſolt du deinen Naͤchſten die⸗ 
nen, und ihn ehren, weil er auch nach GOttes Bilde ge⸗ 
ſchaffen: Darum lehren dich Die Creaturen, warum du Wie den 
deinem Nächften dienen, und ihn lieben folt, und wie alle Saat 
Menfchen ihnen ein Menfch feyn, alfo dir auch, Schlüß- fen ein 
Lich, weil die Menfchen der Oemeinfchafft und der Liebe Menrh 
‚eines einigen GOttes theilhafftig feyn, der da ewig ler aud peine 
bet; und ein ieglicher Menfch nad) des einigen GOttes Liebe. 
Ebenbifde gefchaffen , und iſt eine allgemeine Liebe 
GOttes gegen alle Menfihen, weil er ihnen allen fein 
Bilde anfaͤnglich gegeben, So find auch die Wohl⸗ 
thaten GOttes allgemein, iſt auch eine allgemeine 
Nothdurfft aller Menfchen, fo alle GOttes bedürffen, 
find auch alle gleich verpflicht, GOtt zu lieben, wegen 
enpfangener allgemeiner ABohlthaten, auch einem einis 
gen HEren fehuldig alle zu dienen. Ingleichen, eine alle 
gemeine Erhaltung aller Menfthen, ja eine allgemeine 
Natur, ein allgemeiner Name, daß wir Menfchen feyn 
und heiffen, denen auch-alle Creaturen ohne Anfehen der 
Perfon und ohn Unterfcheid dienen, auch alle einem Ende, 
dem Tode untertogrffen ſeyn; fo füllen alle Menfchen 
unter einander fich für einen Menfchen achten, und 
unter einander die gröfte Einigkeit und Friede halten. 
Und aus diefem allen entfpringet die zweyfache Brüs 
derſchafft der Menfhen: Erſtlich eine allgemeine Iwenfage 
Bruͤderſchafft, dieweil wir alle GOttes Creaturen zelder 
ſeyn, und das Weſen von GOtt haben, wie alle andere Menfchen. 
Ereaturen : Zum andern eine fonderliche nähere Bruͤ⸗ 
derfchafft und Berwandniß, dadurch die Menfehen von 
andern Creaturen unterfhieden werden,denn fie allenach 
dem Bilde GOttes geſchaffen. Dis lehret ung alfo 
bie Natur ausdem Artickel der Schöpffung: Aber dag 
Evangelium lehrer ung 9— viel hoͤhere Bruͤderſchafft 
zrr in 


1002 B.IV.E.26, Aus der Kinigkeit entſtehet 


in CHriſto IEſu, da wir alle eins feyn in CHriſto 
JEſu, da wir alle unter einander Glieder feyn unter 
einem Haupt, von welchen Der geifkliche Leib CHriſti 
alle Fülle empfabet, i | 


Gebet. 
ir GOtt und Vater, weil alles mir darum bienet, daß 
du zu deinen Ebenbilde mich erfchaffen haft, fo heilige mir 
ben Dieuft der Creaturen dargu, daß fiemichantreiben erneuert . 
Eol z. b. no. zu erden nach dem Bilde deſſen, der mich erſchaffen hat, und 
in ſolcher Erneuerung meinem, auch nach deinem Bilde erſchaf⸗ 
fenen Raͤchſten zu dienen und zu lieben, durch CHriſtum IJEſum 
unſern HErru! Amen. * | 
Das XXVI. Copitel, 
Das aus der Einigkeit, welche aus 
Pflicht der Natur unter den Menſchen ſeyn 
ſoll, entſtehet Die hochſte unuͤberwindlichſte 
| | Staͤrcke. Yan 
Eph; 4.0.3, Sepd fleißig zu halten die Einigkeit 
des Geiſtes durch das Band des Sriedes, 
ee Jeweil Die höchfte Stärke aus der Einigkeit. 
höchtie kommt, die Schwachheit aber aus der Spaß 
Stärde > tung; fo folget, daß, ie groͤſſer die Einigkeit ift, ie: 
groͤſſer iſt die Staͤrcke. Damit aber die Einigkeit unter 
den Chriſten groß werde, ſo muß dieſelbe ihren Urſprung 
nehmen aus der Einigkeit mit GOtt. Je mehr nun ein 
Chriſten⸗Menſch mit GOtt vereinigt iſt durch die Liebe, ie 
Einigkeit groͤſſer auch die Einigkeit unter den Chriſten wird: Denn 
en horinget wer mit GOtt vereinigt iſt Durch die Liebe, oder wer 
Tebe. GOtt hertzlich liebet, der wird auch mit feinem Naͤchſten 
nicht unvereiniget bleiben; denn es iſt unmoͤglich, daß 
einer ſolte GOtt lieben, und ſolte denſelben haſſen, wel⸗ 
chen GOtt ſo hertzlich liebet: Ja, ie mehr er GOtt lie⸗ 
bet, ie mehr wird er auch denſelben lieben, den GOtt lie⸗ 
bet, Se mehr nun ein Menſch den andern liebet, ie mehr 
wird er mit ihm vereiniget: Dieſe Einigkeit wird ſo lange 
währen, fo lange die Liebe waͤhret; die Liebe aber kan 
und muß immer wahren, ſo bleibst die Einigkeit auch 
| un 














Das Vierdte Buch, Th. I. Cap. XXVI. pag. 1003 

Hier ift eine Orgel abgebildet, deren Pfeiffen groß und klein 
eine lichliche Harmonie geben, weil fie fein einträchtig zu⸗ 
fammen ſtimmen und daher bey den Menſchen eine nicht nes 
ringe Freude erwecken: Alfo wenn der Menſch mit GOtt einig 
it, daß er ihn herglich lieber, fo hat er auch aus folcher Einiafeit, 
da er mit GOtt oder CHriſto eines Einneg ift und harmoniret, 
eine fehr.groffe Freude und einen Vorſchmack des ewigen es 
beng, ald welches in lauter Liebe und Freude beftehen wird. 


Palm 16. verf. ı ls 
Sür dir ifE Freude die Fülle, und lieblich Weſen zu 
deiner Rechten ewiglich. 


D As laß mir eine Freude ſeyn, 
Die doch von wenig Leuten wird empfunden, 
Wenn GOtt und unſre Seel in treuer Huld ver- 
bunden, 
Gang lieblich ſtimmen überein: 
Wenn dieſer Geiſt, der fich in reinen Hertzen reget, 
Der Lieb und Gegenstiebe fand, 
Die Seelen-Krafft und Neigungen bemeget, 
O füffe Harmonie! O Himmels⸗Wonn! 
D lautrer Freuden Brunn! 
Ah! wer davon ein Troͤpfflein nur genieffet, 
| Dem wird im Augenblick 
Das bitterft Ungelück 
Und alles Creutz der gangen Welt verfüffet. 
Was wird alsdann gefihehn, 

Wann nichts mehr die Vereinigung wird hemmen? 
Ein ganger Wolluſt⸗ Strom wird in die Seele gehn, 
Und altes uͤberſchwemmen. 

Ihr , die ihr mehr euch ſelbſt und Welt, und Wolluſt liebt 
Als euren GOtt, ihr ſelbſt beraubet euch 
Der edlen Frucht, die in dem Gnaden⸗Reich 
Geſchencket wird. Ihr ſeyds, die ihr euch ſelbſt betruͤbt 
Auf ewig, weil ihr nur nach falſcher Freude trachtet, 
Und GOttes Lieb und Buͤndniß wenig achtet. 
Drum auf! Gebt dem das Herk, in deſſen Lieb allein 
Ihr wahrhafft könnt vergnügt und ſelig ſeyn 


die hoͤchſte Stärde, 1003 


und ie mehr die Liebe zunimmt, ie ſtaͤrcker die Einigkeit 

wird; , Daraus entftehet Denn eine unuͤberwindliche 
Staͤrcke. Und hier fiehet man ausdrücklich, wenn Die 3a der Ei⸗ 
Menfchen GOtt lieben, Daher lieben fie fich auch unter HE be 
einander felbft, und durch dieſe Liebe werden fie ſtarck Meufchen 
und unüberwindlich: Wenn aber die Menfchen allein Staͤrcke. 
auf ſich fehen, und nicht GOtt anfchauen, fondern ein 

jeder auffich allein ſiehet fo werden fie zertheilet, werden 
getrennet, und werden gar ſchwach. Derhalben ijt Die 
Einigkeit ein geoffes ut der Menſchen, und ihre geöfte 
Staͤrcke, und fo lange die Einigkeit wahret, fo lange 

währet das Gut der Menfchen, de Eönnen fie alle gez 

nieſſen: Wenn fiefich aber trennen, fo Fan Feiner desges 
meinen Guts genieffen, fondern verleuvets ein teglicher 
infonderheit, das fie allein hätten gemein behalten mo? 

gen. Wenn nun die Menſchen die Einigkeit erhielten, 

und fie waren Darinnen ftandhafftig, fo Fünte fie Feine 
Gewalt verderben; Ein folches groffes Gut Fommt | 
aus der Liebe GOttes und des Dienfchen. Alſo find Ereaturen 
wir nun von den unterften Ereatuven hinauf geftiegen, Goctes 
als an einer Leiter, u GOtt, zu GOttes Erfänntniß, 
zu feiner Liebe, als zum hoͤchſten Gute, hoͤchſter Weis⸗ 

heit , höchfter Gewalt, zum. hoͤchſten Anfang. aller 
Dinge, und haben uns die Creaturen ubergeuget, daß 

wir verpflichtet feyn, GOtt zu lieben: Darnach find wir 

wieder herunter geſtiegen von dem Schoͤpffer zu den 
Creaturen, von der Liebe des Schoͤpffers zu der 

Liebe des Menſchen. Das iſt das natuͤrliche Auf⸗ 


und Abſteigen. 
| 
? Gebet, | 
See: Erlsſer, der du die Einigkeit deines Geiftesfo hoch Epb-4-%. 3 
geſchaͤtzet, daß du verheiffen, mo zween eins werden auf Raub. 18. 
Erdin, warum e8 ift, dag fie bitten wollen, das foll ihnen le 
wiederfahren von deinen Vater im Himmel; fleure dem Saz 
tan, dem Verſtoͤrer der Einigkeit, kraͤfftiglich, damit nicht fein 
Reich durch deiner Chriften Uneinigfeit wachſe, und dein Neich 
ee werde, um deines Namens und Ehre willen! 
men, \ MR 





Das 


1004 B. V. C. 27. Don der Natur der Liebe, 
Das XXVII. Capitel. 


Von der Natur, Eigenſchafft und 


Frucht der Liebe, 
Luc. 11.80.35. Schaue drauf, daß nicht das Licht 
in die Sinftermg ſey. 
Nichte iM As ift geriß, daß wir nichts haben, Das wahrhaff⸗ 
el tig unfer,und in unſerer Gewalt ift,denn dieLiebe; 


= Derhalben iftdie gute Liebe unfer einiger Schatz, 

unferganses Gut; und die böfe Liebe ift unfer gantzes 

Ubel. Denn dieweilmwir nichts haben, das wahrhaftig 

unfer ift, denn. die Liebe, fo folget draus; Iſt die Liebe 

nicht gut,fo iftalles das nicht gut, das wir haben; Ders 

halben fo die Liebe gut ift, fo find wir gut und fromm; 

ift aber eine böfe Liebe in ung, fo find wir auch bofe: 

| Denn allein die Liebe beweifer, daß der Menſch gut oder 
— hoͤſe ey. Und wie nichts beſſers in uns ſeyn kan, denn 
gute Liebe, gute Liebe, alſo Fan nichts uͤblers im Menschen ſeyn, 
mie, dem bofe Liebe: Und weil wir nichts haben, das recht 
böfegiche, unſer ift, denn die Liebe; derhalben wenn wir jemand 
| unfere Liebe geben, fo haben wir ihm alle das unfere 
gegeben. Und wenn wir auch unfere Liebe verlohren 

haben, das ift, auf böfe Dinge gervandt, fo haben wir 
Alkes verlohren, was wir haben, das ift, uns felbft: 
zei die, Denn verlieren wir aber unfere Liebe, wenn wir fie 
lehren deme geben, dem fie nicht gebuhrer. Und weil unfer 
mid gantzes Gut ift die gute Liebe, und unfer höchites 
—5 Ubel die boͤſe Liebe; folget daraus, daß die Tugend 
ders alsgu, nichts anders fey, denn die gute Liebe, und die Laſter 
sekiebe ſeyn die böfe Liebe, Derhalben wer die Eigenſchafft 
der. Liebe recht Eennet, der Eennet fein hoͤchſtes Gut 

recht, und Fennet auch fein hochites Libel, 


Gebet. 


Wiger GOtt, du Duelle und Urheber der Liebe, kehre meine 

k Liebe ab von aller Eitelfeit, und richte fie zu Dir und deme, 

x. Sob. 4 mag gut ift,auf daß ich gang der Welt genommen, gang dein 
».26 eigen ſey, durch Jfſum Chriſtum unfern HErrn! Amen. 


Das 


B.V.E.28.0Don der Eigenſchafft der Liebe. 100 
— — — — — — — — — — 
Ki Das XXVIN. Capitel. | 


Die erfte Eigenfchafft der Liebe ift, daß 
fie den Liebhaber mir dem Geliebten vereint, 
2. get, und den Liebenden in das Geliebte 
verwandelt. 
1. Joh. 4. v. 16. GOtt ift dieKiebes Wer in der 
Liebe bleibet, der bleibet in GOtt, und GOtt 
in ihm. 
Je Urſach, warum ſich die Liebe mit dem Gelieb⸗ ziehe berel⸗ 
| ten vereiniget, iſt dieſe: Dieweil der Kiebe Na⸗ niget- 
| tur und Weſen ift, daß fie ſich felbit mittheitet, 
austheilet und fchenchet; darum laͤſt fich die rechte Liebe 
nicht halten , fie giebt ſich ſelbſt, und theilet ſich felbft Liebe their 
mit. Und dieweil die Liebe nicht Fan gezwungen wer⸗ PERS mit, 
den 5. denn es Fan niemand einen zwingen zu lieben, 
derohalben iſt fie eine freywillige Gabe, die fich ſelbſt 
vor ihr felbft giebt und mittheilet: Was nun einem ane 
dern gegeben ift, das iftin feiner Gewalt: Derohalben 
fo ift nun die Liebe deffen, dem fie gegeben wird, und 
wird deſſen eigen, den man liebet. Dieweil nun der 
Menfchnichts mehr eigenes hat, denn feine Liebe, dero⸗ 
halben, wenn er feine Liebe giebt, dem giebt er fich ſelbſt, 
undauf dieſe Weiſe wird Der Liebende mit dem Gelieb⸗ 
ten vereiniget, und wird ein Ding mit ihm, und aus 
zweyen eins ins andere verwandelt; und diefe Ver⸗ Verwande⸗ 
wandelung ift nicht genöthiget noch gezwungen, bar une bes 
nicht Pein oder. Furcht, ſondern iſt freywillig, lieb⸗ ins Getieß 
lich und füllt, und verwandelt den Liebenden in das teiR lied 
Geliebte, alſo, daß Die Liebe ihren Namen von den "* 
Geliebten bekommt, Denn fo man irdiſch Ding lies 
bet, fo heiſſets eine irdiſche Liebe ; liebet man etwas Tod⸗ 
tes, fo heifjets eine todte Liebes; liebet man viehiſch 
Ding,fo heiffets eine viehifche Liebe; liebet man Men 
fchen, fo heiffets eine Menschenskiebe; liebet man GOtt, 
fo heiffets eine Göttliche Liebe; Alſo Fander Menfch vers 
wandelt werden durch die Liebe in ein edler und un⸗ 
edler Ding, von ihm felbit und freywillig. au 
au 


1006 B. V. C.29. Bein Ding iſt in der Welt, 


— ——— ——— — — — 
giebe ver auch offenbar ift, Daß auch Die Liebe den Wiien vers 
den Willen, wandelt, eine: iegliche Verwandelung aber gefchehen 
fol in ein beffers und edlers: Derowegen follen wir 

unfere Liebe nicht geben einem geringern, fondern dem 
alleredelften, höchften und wirdigften, gemlich GOtt 
alleine, fonft wird unfere Liebe und Wille unedel und 
Ein ieolis nichtig. Dem das lehret ung die Natur, ſintemal 
in etwas allewege Die geringen Dinge der Natur in edlers und 
edlers ver⸗ beſſers verwandelt werden; denn die Elemente , als 
wenden. da feyn Erde, Waſſer, Lufft, werden in Kräuter und 
Baͤume verwandelt, die Krauter aber in die Natur 

der Ihiere, die Thiere aber in des Menſchen Fleiſch 

und Blut; Alfo fol unfer Wille in unferer Liebe in 
SOTT verwandelt werden, fonft ware es wider die 

ganze Natur; darum fehreyet und ruffet die gantze 
Natur, daß GOtt das Erfte, und Beſte, und Edelfte fey, 

dag von uns foll geliebet werden, weil ex beffer it, 

denn: alle Creaturen. 


Gebet. 


Efreuer GOTT umd Vater, du haft dem Menfchen eine 

natürliche Neigung eingepflanget, nach welcher er dag, 

was er gut zu feyn achtet, lieber: Bewahre mich, daß Satan 

mich nicht verführe, dag Eitele unterm Schein des Guten zu 

Matth. 19. Jieben; und meil du biſt das hoͤchſte Gut, fo laß auch meine 

817. höchfte und einige Liebe zu dir gerichtet ſeyn durch IEſum CHrie 
ftum unfern HErru! Amen. 


Das XXIX. Capitel. 


Es ift Fein Ding in der Welt, das da 
würdig fen unferer Liebe, ohne das ung wie⸗ 
der lieben Eönne, und unſere Liebe Fonne edler 
und beffer machen. 
1. Joh. 2.0. 15. Zieben Kindlein, habt nicht lieb 
die Welt, noch was in der Welt iſt. 
Daß nichts Jeweil unſere Liebe iſt die edelſte und wuͤrdigſte 
au lieben, abe, und verwandelt unfern Willen in die 
eg Yratur und Art des Geliebten, allo, daß dass 


wuͤrdiger 
iſtt. jenige, was wir zu allererſt lieben, herrſcht uber 
— € 


ſo unferer Liebe würdig. 1007. 


fern Willen, und weil es weder billig noch vecht ift, 

daß ein geringes und unwuͤrdiges Ding babe die 
Herrſchafft eines edlern, unſer Wille aber geiftlich iſt, 

und demnach edfer denn alles, was leiblich iſt; Der⸗ 

halben fo ift Fein leiblich Ding wuͤrdig unferer Liebe, 
derowegen weder unfer eigner Leib, weder Die Thiere, Oft als 
weder Sonne noch Mond, weder Bäume oder Ele in ale 
mente, oder Haufer,. oder Aecker, find wuͤrdig imferer würdis. 
freyen Liebe. Weil es aber recht und billig ift, daß, 

was edler, höher und beffer ift, herrſche über ein un⸗ 

edlers und geringere, GOtt aber der Höchfte und 
Edelſte iſt; derhalben iſt GOtt allein wuͤrdig, daß er 

von uns geliebet werde; Und alſo erzwinget die Art 

und Eigenſchafft der Liebe, daß GOTT allein von 

uns geliebet werde im höchften Grad, und fonft nichts. 
Ferner, weil eg unbillig ift, dasjenige lieben, von dem Ercaturen 
man nicht Fan wieder geliebet werden, welches auch unenuns 
nicht verftchet, was die Liebe fey, nemlich des Men der lichen. 
fchen höchfter Schatz; vderhalben follen wir unfere 

Liebe nicht den todten Ereaturen geben, die uns nicht 

allein nicht wieder lieben Eönnen, fondern verderben 

unfere Siebe, machen diefelbe irdifch, viehifch, und zu 

einer todten Liebe: Weil ung aber GOtt über alle 
Ereaturen liebet, follen wir billig denfelben wieder über 

alle Sreaturen lieben, denn er verderbet unfere Kiebe 

nicht, fondern macht fie edel, und giebt uns die allerz 

edelfte Liebe wieder, welche unfere Kiebe weit übertrifft; 

Denn feine Liebe ift ewig und unerfchaffen, 


Gebet, 


ERR, du biſt ja allein würdig, zu nehmen Preis, und Offend; € 
+ Ehre, und Krafft, und unfere Liebe fönnen wir nicht 11. 
beffer antvenden, als an dir: Ach Hilff mir wehlen, was dag Lur, 1% 
Veſie ift, Damit ich nicht den Tod, fondern dich, dag wahre ker" 
ben hertzlich, beftändig über alles liebe! Amen. 





Das 


GOtt ge⸗ 
buͤhret Die 
en. und 


chſte 


iehe. 


— Einrichtung unſers Willens: Wenn aber die Eigen⸗ 
e eine un⸗ 
ordentliche 


Liebe: 


und den erften Sitz im Menfchen; denn es ift ie nichts 


gerechte, falſche, unrechtmaͤßige Liebe, wider GDtt und 


daß ich GOtt nicht fo wuͤrdig achte, und fo lieb * 


1008 B. IV. C. 30. Erſte Liebe des Menſchen 
Das XXX. Capitel. oe 


Die erfte Liebe des Menfchen ſoll Billig 
por allen andern Dingen GOtt dein Herrn, 
als dem Erſten und Kesten, dem Anfang aller 

5 Dinge, gegeben werden, » 

5. B. Moſ. 32.9.4 Treu iſt GOtt, und kein Böfes 
an ihm: Gerecht und fromm iſt er, Die ver⸗ 

kehrtte boͤſe Art faͤllet von ihm ab. 
MJe gantze Natur bezeuget neben dem Gewiſſen 
des Menſchen, daß GOtt dem HErrn die erſte 
> und hoͤchſte Liebe gebuͤhre: (1) Weil er das 
hoͤchſte und ewige Gut ift: (2) Weil der Menſch und 
alle Creaturen aus GOTT Ihren Urſprung haben: 
(3) Weil Gttes Liebe und Güte durch alle Creaturen 
zu dem Menfchen gelanget und einfleuſt. Derohalben 
fo hat GOttes Liebe von Rechts und der Natur wegen, 
auch wegen natürlicher Verbindung, Billig den Vorzug 











fo würdig unferer Liebe, ale SOTT Felbft: Und das 
ift die erfte, vechte, wahrhafftigſte, billigfte, gevechtefte, 
ordentlichfte Liebe, und die erſte Gerechtigkeit zquita- 
tis, debiti & gratitudinis, det Billigkeit, Schuld und 
Danckbarkeit in ung, und die Reditudo und rechte 


Liebe den Vorzug hat, und der Menfch ift felbft das 
Ding, das der Menſch erft und am meiſten lieber, {0 | 
its, nach Recht der Natur, eine unordentliche, uns 


die Ordnung der Natur; und iſt die erfte Ungerechtig⸗ 
Feit im Menſchen, die erfte Unordnung, die erfte Bes 
feidigung GOttes, das erſte Ubel und Laſter. Derohal⸗ 
ben, wenn ich mir die erſte Liebe gebe, die nicht mir, ſon⸗ 
dern GOtt gebübret, ſo thue ich GOtt zum höchften 
unrecht, und lege ihm die hoͤchſte Verachtung an. Und 
darum wenn ich mich erft liebe, und nicht GOTT, 
das ift auf zweyerley Weiſe wider GOtt: Erſtlich, 





= a: 


SALAT 


— 


* 
—F 
us 
EB 





* 


Das Vierdte Buch, Th. IlI. Cap. XXX. pag.1008 

Hier iſt zu ſehen ein kleiner Knabe, der ſeinem Schatten 
nachjaget und ihn haſchen will, aber ie mehr er ihm nachjaget, 
ie mehr fleucht er von ihm: Alſo iſt es auch bewandt mit der Ei⸗ 
gen⸗Ehre der Menfchen: Denn ie mehr die armen Menſchen 
ihre Eigen-Ehre, fo ein nichtiger Schatten iſt, fuchen und ders 
felben nachjagen, ie weniger erlangen fie davon, und werden 
endlid) darüber zu ſchanden. k 


Johann 5. verf. 44. 
Wie koͤnnet ihr glauben, die ihr Ehre von einan- 
der nehmer, und die Ehre, die von GOtt al 
lein, füchet ihr nicht ? 


9 
Is mehr der Menſch nach Ehre rennt und laͤufft, 
Je mehr ſie vor ihm fliehet; 
Je gieriger er darnach greifft, 
Je mehr ſie ſich zuruͤcke ziehet: 

Noch eilt der arme Thoͤr mit ſo viel Ungemach, 
Und Unruh, und Gefahr der Tugend Schatten nad). 
Wie ſeyd ihr Sterblichen fo Eindifch und verblendet, 

Daß ihr die edle Zeit 
In folcher Arbeit ohne Lohn verſchwendet? 
„ Darob der Ewigkeit 
Vergeßt und GOttes feldft, dem ihr den Mücken Eehret, 
Und defjen Feind ihr feyd, fo lang ihr hier 
Mit unerfattlicher Begier 
| Don iedermann geehret 
Zu merden fucht. Ihr Menfchen wißt und glaubet, 
Daß ihr dem Höheften das Seine raubet, 
Und dringet euch in GOttes Stuhl, 
Davon er euch wird ftürgen müffen, 

Und laffen in dem Pech und Schwefel⸗Pfuhl 
Mit Lucifer vor euren Hochmuth buffen; 
Drum wendet um, erfennet eure Pflicht, 

Und wandelt, Demuth-⸗voll, hinfort in feinem Licht: 
Denn wer zuruͤck auf GOtt, nicht auf fich felber ſiehet, 
Und Eigen-Ehr und Hoheit fliehet, 

Dem wird fie ungetrennt nachfolgen hier auf Erden, 
Und dort zur fehönen Erone werden, 








foll billig GOtt allein gegeben werden. 1009 


hoch als mich feloft: Zum andern, fonehme ih GOtt 
den HErrn das, fo ihm gebühret. vor allen Creaturen, 
und gebs feinem Geſchoͤpff; welches das hoͤchſte Un⸗ 
recht iſt, und wider die gantze Natur. | 


Geber. 


8. Yebreicher GOtt und Vater. dein Wort Iehret mich, die Na⸗ 
fur und mein eigen Gewiſſen überzeuget michg, daß ich dich, 
das hoͤchſte und ewige Gut, von dem der Menfih und alle Erea⸗ 
turen ihren Urfprung haben, vor allen Dingen und zuerft lichen Matth. 19, 
fol: e von ganzem Hergen, von ganzer Seele, von gangem Ge. D-17- 
müthe und von allen Kräften: Ach verleihe mir dein:g Geilteg age = * 
Krafft, daß ich ja nicht durch unordeniliche SelbſieLiede diefe n 
deine heilige und gerechte Drdnung verrücke noch zerſtore: ſon⸗ 
dern deine Liebe, damit du mich, ehe ich noch war, geliebet haft, 
allezeit mir laffe dag Centrum und Mittel-Punct kenn, dahin 
ich mich mit aller meiner Liebe fehren müffe, durch Chriſtum 
JEſum unfern gelichten Heiland und Scligmacher! Amen. 


Das XXX. Capitel, 


Daß der Menfch, der fich felbft zuerſt 
liebet, ſich ſelbſt zu GOtt macht, und zeucht 
ſich ſelbſt GOtt vor. 


Dan. 9. verſ.7. Du Err biſt gerecht, wir aber 
möffen uns fehämen. °Df. ıı5. v. ı. Nicht 
uns, HErr, nicht uns, fondern deinem Na⸗ 
men gieb die Ehre: 


Jeweil GOtt ift der Anfang und Ende alles Din⸗ Eigene Lie⸗ 
ges , fo gebühret ihm billig die evfte Liebe des ——— 
Reuſchen Und wenn nun der Menſch ſich Zeinde. 

felbit, oder etwas anders erft liebet, denn GDtt , ſo 
macht er dasjenige,oder auch fich ſelbſt zu Gott; weis 
ches die geöfte Feindſchafft gegen GOtt if, indern der 
Mensch ſich oder etwas anders höher, werther und lies 
ber hält, denn GOtt. : Und weil die Kiebe vertvandelt 
wird in das Selichte,fo wird dadurch der Menfch gar 
von GOtt abgemwendet: Und dieweil der Menfch zu 
allererſt fich ſelbſt liebet, fo liebet er denn alle Dinge um 
fein felbjt willen, und in ihm felbit, da er font alle 
Dinge um GCOttes willen, und in SHDrt lieben tech 
IV. Tpeil, Sss Alſo 


7 J 
ı0r0 B. V. C. 32. Von der Liebe GOttes. 
Alſo hat der Menſch ſein gantz Hertz und Fundament 
ſeiner Liebe in ihm ſelbſt, die er billig in GOtt haben 
ſolte. Und weil der Menſch ſich ſelbſt liebet, ſo folget 
er auch allein feinem Willen, und nicht GOttes Wil⸗ 
| — len: Denn aus eigener Liebe entſtehet auch eigener 
on Bortes Wille, und eigene Ehre und Ruhm, fo nimmt denn der 
Gar Menſch, was &Dttes it, und giebts ihm felbft. Gleich 
als wenn einer einem Konig feine Erone nahme, und - 
feste fie ihm felber auf, fo will denn der Menfch ſelbſt 
GoOtt und Koͤnig feyn,und fahet eineigen Reich an wider 
GOtt, und ſtreitet immer wider GOtt: Alſo macht die 
eigene Liebe, dab der Menſch GOttes abgeſagter Feind 


wird. 
Gebet. 


Err, ich erkenne durch deines Geiſtes Gnade das boͤſe und 
ſchaͤndliche Weſen der Eeldft : Liebe, dadurch der Menſch 
von dir, feinem Schöpffer nach und nach abgezogen und ende 
lich gar dein abgefagter Feind. wird, indem er fich zueignet, was 
beinift: Ach verleibe mir, HEre, folcher verdammlichen Unart 
Eräfftiglich zu widerſtreben und meiner eigenenLiebe ie mehr und 
PLUS, v. s mehr ——— : hingegen mich in allem deinem Willen zu er⸗ 
geben, dein: Ehre und Ruhm eintzig und allein zu ſuchen, und 
dich über alleg zu lieben, um JEfu,meiner Siebe roillen ! Amen. 


Das XXX. Capitel. 


Gleichwie die Liebe GOttes, wenn dies 
felbe die erfte iſt und den Vorzug bat, Die erſte 
Wurtzel, Urfprung und Brunnen ift alles Guts: Alſo 
ift die eigene Kiebe, wenn diefelbe den Vorzug 
hat, ein Urſprung und Wurtzel alles 
Boͤſen. 
Hof. 13.0.9. © Iſrael! dein Heil ſtehet allein bey 
mir; du aber bringeft dich in alles Ungluͤck. 


Die Liebe Je Liebe ift eine Urfache aller Dinge, und durch 
zen | die Liebe gefchehen alle Dinge, und dieweil diefe 


: zwo Lieben, GOttes und die eigene Liebe, 
abgeſagte Feinde mit einander ſeyn, ſo muß eine ſehr 
gut ſeyn, und die andere boͤſe: Weil aber die Liebe 
GEOttes ſoll billig die erſte ſeyn; fo folget Daraus, DaB 
PET . * je⸗ 





‘als dem Urfprung alles Guten. 1011 


Diefelbe Dir allein gut ſey; Denn die Kiebe GOttes iſt Die Liebe 
ein Böttliher Saame in uns, daraus * alles Gute FO ei 





ne Wortzel 


wächft, und Fan aus der Söttlichen Liebe nichts Boͤſes alles Eu 
wachen. Denn die Liebe vereiniget fich mit Dem Gesten, 
fiebten, das iſt, mit GOtt, dem hoͤchſten Gut, fie blei⸗ 
bet und ruhet in GOtt, und GDtt in ihr; fie freuet 
fich in GOtt, und GOtt in ihr, Denn Freude wird aus 
Der Liebe gebohren, M. 18.0.2. Sie breitet fich aus 
über alle Menfchen,und theiletfich iedermann mit, gleiche 
wie GOtt. * 
Ja die Liebe GOttes bedarff Feiner Creaturen, BOttes 
denn ſie hat an GOtt alle ihre Genuͤge ihre hoͤchſte Liebe gieve darff 
und Freude. Gleichwie nun aus GOttes Liebe nichts Creatur. 
Boͤſes in uns wachſen Fan, ſondern alles Gutes; 
Alſo iſt die eigene Liebe die TBurgel alles Boͤſen in ung, Eigene Lie 
daher alles Boͤſe entſpringet; daher koͤmmt alle Uns gpureer 
gerechtigkeit, Sünde, Lafter, Blindheit, Unwiſſen⸗ aues3% 
beit, Schmertzen; und fo macher der Mensch feinen · 
Willen zum falfchen Gott, Und wie der rechte wahre 
Go0Ott ift ein Urfprung alles Guten, fo ift der falfche 
Gott, des Menfchen eigner Wille, ein Urſprung alles 
Bofen, Und weil die Ereatur, fo man zuerft lieber, Ereature 
aus nichts gemacht ift, und nicht in ihr hat eine Ber ige 
ſtaͤndigkeit und Gewißheit, ſondern eilet allegeit zu ſei⸗ 
nem Nicht von Natur, und iſt allezeit nothduͤrfftig; 
und aber die Liebe auch verwandelt wird in das Ges 
liebte: So Fan der Menſch in ihmfelbft keine Beſtaͤn⸗ 
digkeit und Gewißheit haben, fondern wancket allezeit 
Ne 888 2 hin 
* Unter den Tugenden felbften ift die Liebe die erfteunter allen, 
als welche andere alle aug der Liebe herfommen: Wie fie in 

den Tugend-NRegifter voran ſtehet Gal. 5. verf. 22. Aber 

nach der Haupt⸗Quelle anzufehen, rühren fie alle, auch die 

Liebe felbften, aus dem Glauben her; denn der Glaube ff 

durch die Liebe chätig, und durch die Liebe wuͤrcket er alle an» 

dere Tugenden in dem Menſchen. D. Gerhard, in Aphor, 
. p.166. Ut ex radice multiarboris rami prodeunt, fic ex cha- 

* — is ne Bm Wie aus der 

urgel die Aeſte des Baums herkommen; Alſo 

der viel Tugenden gezeuget. Farın, IRPRER ING 


1012 B.WV. €, 32. Don der Liebe BOttesic. 


hin und ber, iſt immerdurfftig, kan nimmer ruhen; denn 
er hat ſich durch die Liebe in das Vergaͤngliche verwan⸗ 
Darum delt. Und weil die Creatur in ihr ſelbſt iſt Nichtigkeit 
auch a und Eitelkeit, (p verwandelt fich der Menſch auch felbft 
HE in ſolche Nichtigkeit und Eitelkeit: Und weil der Menfch 
Ersaturen der Creaturen bedarf; fo Fieber er fie auch wegen feiner 
geht Feine Duͤrfftigkeit, und ift ihnen unterworffen: Und weil die 
Rude. Creaturen verderben, verwandelt werden und vergehen, 
fo iſt der Menſch in ftetigen Sorgen und Aengiten, der 
Eigene Lies fie liebet. Alfo macht die eigene Liebe, ſo im Menſchen die 
be berteht erſte iſt, alle Menſchen zu GOttes Feinden, und erfüllet 
des Mir: den Menſchen mit allerfey Ubel, und machet ihn untere 
ſchen. wuͤrffig den Ereaturen. Und gleichwie GOttes Liebe 
macht den Willen des Menfchen allgemein, und mittheiz 
fig allen: Alſo macht die eigene Liebe den Willen des 
Menſchen unmittheilig, daß fieniemand geneigt, fondern 
macht.den Willen ungerecht, böfe, verkehrt, hoffartig, 
geitig,xc. Und wiedie Liebe GOttes den Willen macht 
ruhig, friedſam, lieblich: Alſo macht die eigene Kiebe den 
Willen des Menfchen unruhig, unfriedfam,unfveundtich, 
Die Liebe GOttes macht den ABillen frey, daß er an 
Creaturen: nichts gebunden iſt: Aber die Creatur⸗Liebe macht den 
Kietemaht Pillen des Menſchen unfrey, allen Creaturen zum 
Knechten, Knecht unterworffen. Die Liebe GOttes macht derr 
Wblllen des. Menſchen feſt gewiß, beftandig in GOtt: 
Aber die eigene Liebe macht den Menſchen ungewiß, ums 
beitandigund wandelbar, Die Liebe GOttes macht den 
Menfchen gelinde, ftarck, reich: Eigene Liebe macht den 
Menſchen ftörrig,fehrwach,arın. DieLiebe GOttes macht 
den Menſchen allen angenehm: Die eigene Liebe macht 
den Menſchen iedermann zuwider , gehaͤßig und feindfelig. 


Gebet. 
(Sitiser GOtt, barmbertiger Vater, hie bringe ich mein ars 
mes Herg, welches ſich mit der gifftigen Wurgel der Selbſt⸗ 
Liebe noch immer quälen muß, und ohne deine Gnade und Huͤlffe 
al. zu. Nicht augzureuten vermag; Ach befreye mich davon, und tülge 
».9.11, ſolche aus meinem Hersen, damit der Saanıe deiner Goͤttlichen 
Liebe inmir möge wachfen und Frucht bringen, und ic) deffen 
heilſamlich genieffen fonne! Amen. =, 
ns 





> No, ll. er Fe 1013 
Das XXXIII. Capitel. 


Gottes Liebe und Eigen-Liebe ſind 
zwo Thuͤren und Lichter der Erkannt⸗ 
| niß des Menſchen. 
Roͤm 8. v. 7. Fleiſchlich geſinnet ſeyn, iſt eine Feind⸗ 
ſchafft wider GOtt. 


Eil nun von derſelben zweyfachen Liebe alles tus BA 
geſchicht, alles Eommt, alles vegieret wird, en 
was des Menfchen Wille thut, und find ein ee 

Urfprung aller, andern Liebe; fo folget, daß an ihnen Ps imaprew 

hange alle Erkaͤnntniß anderer Dinge, es ſey Gutes ſchen. 

oder Boͤſes: Denn EDttes Liebe iſt ein Anfang zu 

erkennen alle, was gut iſt am Menfchen: und eigene 

Liebe ift ein Urfprung, zu erkennen alles; was böfe iſt 

am Menfchen. Und wer GDttes Liebe nicht Eennet 

oder weiß, der weiß auch nicht das Gute, fo im Menz 

fehen iſt; und mer feine eigene Liebe nicht Fennet, der 

kennet alle das Boͤſe nicht, fo im Menſchen ift: Denn 

wer die Wurtzel und Urfprung des Guten und Bofen 

nicht Eennet, der weiß nicht; was * oder gut iſt. Die Daun i 

Liebe Goties ift ein erleuchtendes Kicht, darum giebt ginn." 

fie zu erkennen fich felbft und fein Gegentheil, nemlich 

die eigene Liebe, Und die eigene Kiebe ift eine Finfterz 

niß, die Die Menfehen verbiendet, daß fie ſich ſelbſt 

nicht fehen, noch erfennen können, was gut oder bofe ift 

in ihnen felbft. Alſo haben wir zwey Wurtzeln des 

Guten und Boͤſen, und zwo Thuͤren zu denſelben, wer 

dieſelbe nicht weiß, der kennet auch die zwo Staͤdte 

nicht, nemlich die Stadt des Boͤſen und Guten: Denn 

dieweil der Menſch zwey Theile hat, Leib und Seele, 

daher entſtehet zweyerley unterſchiedliche Liebez eine 

wegen der Seele, die andere wegen des Leibes. Aus 

der Seelen entſpringet die Liebe der Hoheit oder Fuͤr⸗ 

trefflichkeitt Aus dem Leibe entſpringet die Liebe 

der Woliſt. Derhalben wer zuerſt ſich ſelber lie— 

bet, der liebet alſobald ſeine eigene Ehre und Hoheit, 

oder liebet die Wolluſt "os Und dieſe zwey 


3 Dinge 


Aus 


' 214B. W. C.34.GOttes Liebe Urſach der Einigk. 


Dinge liebet er, als zwey feiner groſſen und hohen Guͤ⸗ 


ter. Und aus diefer zweyfachen Liebe wachſen darnach 


viel andere, nemlich, alles was zu Erhaltung eigener Chr 


ve und des Leibes Wolluſt dienet; alle die Dingemüffen 
denn nothwendig geliebet werden um der eignen Ehre 
und Wolluſt willen: Daher koͤmmt die Liebe des Geldes 
und Reichthums, die Liebe der Kuͤnſte und Dignitäten, 


aus Eiger weiche alle dig eigene Ehre erhalten.  Derhalben ents 


entipinan ringen aus der eigenenLiebe drey andere welche da find 


örey Lafer. drey Laſter: 1. Hoffart, welche iſt Die Liebe der eiges 


nen Chr und Fürtrefflichkeit: 2. Wolluſt und Sraß, 


welche find die Liebe der fleifchlichen Aolluft: Und 


denn zum 3. der Geitz, welcher iſt eine unordentliche 


Liebe der zeitlichen Dinge, und des Geldes. Wer nun 
Die eigene Chre lieb hat, der ift alledemjenigen feind, was 
die eigene Liebe zerftören Fan: Daher koͤmmt der Zorn 


und Rachgier;, daher entfpringet auch der Neid, wel⸗ 


cher ift ein Hab des Guten,fo eines andern ift, welches uns 


fere eigene Ehre Tan verkteinern: Daher entfpringet 
auch die Saulbeit und Meidung der Arbeit, die dex 


fleifchlichen Wolluſt zuwider iſt. Und alſo kommen 
alle Laſter aus der eigenen Liebe. | 


Gebet. 


GERR,, mein GDfE, weil ohne dag Licht und Erkaͤnntniß deis 


ner Liebe der Menfch nicht weiß, was gut oder bofe in ihm 


VE WR 





öft, fondern durch die Eigen-Liebe verblendet, leicht aufallerhand 


Ser: und Laſter⸗Wege gerathenfan: Ach fo verleihe mir, HErr, 


‚beine Gnade, doß mein Herß mit dem Ölang deiner Liebe durchs 


Jeuchtet, fich feluft erkennen, und in deiner Liebe einzig und 


allein feine Ruhe fuchen und finden mege! Amen. 
Das XXXIV. Capitel. | 


Daß allein GOttes Liebe, wenn fie die 


erſte iſt im Menſchen, eine Urſach ift der Einige 


keit unter den Menſchen: Und allein die eigene 
Liebe iſt eine Urſach des Zancks und 
Uneinigkeit. | 
Eol. 3.0. 14. Fůr allen Dingen ziehet an die Liebe, 
welche iſt das Band der PRO 
zenn 


\ 


Eigen⸗Liebe eine Urſach des Zancks. 101 5 
SB: Fnn ein einiges Gut, von allen Menfthen gleich SOttrette 


geliebet wuͤrde, fo wäre ale Liebe der Menſchen ae 
gleichförmig und eintradhtig, und ſo muͤſten nigkeit. 
nothwendig dieſelben Liebhaber unter einander eins 
ſeyn; denn ſie haͤtten alle eine Liebe. Wenn nun alle 
Menfchen SHtt gleich Lieb hätten, fo müften fie noth⸗ 
wendig einig feyn, und fi ch unter einander lieben ; fo wäre 
GoOttes Liebe eine Urfach der Einigkeit unter den Mens 
ſchen: Weil aber das nicht gefchicht, fondern ein ieder 
liebet fich felbft und feinen eigenen Willen, fo void die 
Liebe getrennet.” Und wer feine eigene Ehre liebet, und Uneinigfeit 
fuchet, der liebet eines andern Ehre nicht, fondern haſſet en 
| fie: Daher entftehet die Lneinigkeit unter den Men⸗ 
ſchen; denn ein ieder zeucht feine eigene Ehre andern 
vor, und wer feinen eigenen Willen und feine eigene 
Ehre liebet, der macht fich zum Gott. Alſo find | "2 — 
Goͤtzen in der Welt, ſo viel Cigen⸗Ehre und Liebe: D 
her koͤmmt denn Zanck, Haß, Neid, Krieg; * * 
‚jeder will feine eigene Ehre vertheidigen. Alſo ift die 
eigene Liebe allein eine Wurtzel alter Uneinigkeit in der 
belt: GEOttes Liebe aber ein Urſprung alles Sties 


des und Einigkeit. 
Gebet. 


Err mein GOtt, du haft su meiner Erhaltung In im“ eine 
natürliche Eigen⸗Liebe beiliglich gepflanget; ich aber habe 
durch Betrug des Satans disfelbe wider dich gebrauchet, bin 
von dir abs und auf mich felbft gefaflen, liche und fuche vom 
‚Natur mich feldft, meine Ehre, Luft und Gemach : Sege mich 
dadurch aus deinem gerechten Gerichte in alle Unruhe und 
Jammer. Erbarme dich meiner in dieſer Noth, rette mich 
von mir ſelbſt und ei unordentlichen Eigenzkiebe! a. 
meine Nichtigkeit und Unvermögen mir ing Hertz, daß ich aufs 
hoͤre, ein ſolch Greuel und Schnöde, als ich bin, zu licben und PR os 
juehren: hingegen anfange von Hergen mich feibft zu haffen, 9 36. 
zu verleugnen; Dich aber und deine Ehre allein zulieben, _ Luc. u. 
zu fuchen und zu erlangen, durch JEfum CH, v. 6 . 
ſtum unfern HErrn! Amen. | 


Sss 4 Das 





1016 B. V. C. 35. Aus feiner Liebe erkennet man 


. Das XXXV. Capitel. 
Daß ein ieglicyer aus feiner eigenen 
Liebe erkennen fan, was er GOtt zu thun 
huldisiy. . 
1.Tim. 1.9. 5. Die Jaupt-Summa des Bebots ift: 
Liebe von reinem Hertzen, von gutem Gewiſ⸗ 
fen, und von ungefärbtem Glauben. 


Dasgräfe (AI In ieder Menſch kan nicht befferübergeuget wer⸗ 
—— den, denn durch ſich ſelbſt; und iſt der allergewiſ⸗ 
des Mens feite Beweis was aus des Menfchen eigenem 


—— Gewiſſen koͤmmt; Und wenn er in ihm ſelbſt ſiehet, als in 
einem Spiegel, was er thun ſoll, ſo darff er nichts mehr 
zum Beweis, denn ſich ſelbſt, und keine andere Zeugen. 
Nun iſt droben erwieſen, daß aus natuͤrlichem Rechte 
GOtt vor allen andern Dingen ſoll geliebet werden, 
und wer ſich ſelbſt vor allen Dingen liebet, der macht 
ſich ſelbſt zum Abgott. Wenn einer nun wiſſen will, 
was er EDtt ſoll geben, fo ſehe er an, was er ihm wolte 
geben: Weil du dich aber für allen Dingen wilt gelie⸗ 
bet haben, fo lerne bier, daß du daſſelbe GOtt zu thun 
ſchuldig biſt: So fege nun GOtt an deine fiatt, und 
nicht dich felbftan GOttes ftatt, und gieb ihn die erfte 

Be Liebe gar allen, die du dir giebft. Denn erfklich liebeft 

forgen. du deinen eigenen Willen, und folgeyt ihm; Das Echre 

“um, weil du GHDtt für allen Dingen lieben folt, fo licbe 

— auch feinen Willen, und folge ihm und keinem andern: 

fördern (2) So liebeft du deine eigene Ehre, und wolteſt, daß 

und zu ver jederman diefelbe hülffe erhalten und befördern: Eiche, 
theidigen. das thue EDtt dem HErrn, und bitte, daß alle Mens 

Denen fehen feine Ehre befördern und groß machen. (3) Hin⸗ 

Kr St, Neieder, wie du denen feind bift, und mit ihnen zuͤrneſt, 

BOrt nicht Die deine Ehre verkleinern: So ſolt du billig allen denen 

ebren. feind feyn, die GOttes Ehreverbindern. (4) Weil du 
dich ſelbſt liebeſt, fo liebeft du dein eigen Lob wilt auch 
von iederman gerne gelobet ſeyn, Daß iederman von 
div Gutes rede: Daffelbige bift du GOtt and) fchuldig, 
Die x und 


die Schuldigkeit gegen GOtt. 1017 


—— 





und folt wünfchen, daß er von iederman gelobet und &Ortergod 


gepreifet werde,und dag Fein Menfch auf Erden feinen!" Prifa 
Namen unchrr: Denn dieweil ich mir ſolches goͤnne, 
taufendmal mehr fall ichs, GOtt gönnen. (5) Du 

wilt, daß dir iederman glaube, und dic) Fein Menſch 

für einen Lügner halte: Das foltdu auch wünfchen, daß Gott zu 
e8 deinem lieben GOtt gefchehe, und alle Menfehen auf blauben. 
ihn trauen, Alſo it offenbar, daß ein ieglicher Menfch | 
in ihm ſelbſt tragt einen Elaren unbetruglichen Spiegel, 

darinn er fehen Fan, was: er GOtt zu thun fchuldig ift, 


wenn ernemlich fich von der. Statt nd Stuhl GOttes 


herab feger, und GOtt daſelbſt fißen laͤſt: Und dis ift 


fo ein gewiß Zeugniß, das alle Menfchen ohne Schrift 
und Bücher übergeuget. \ 
ein: Gebet. | | 
ii GoOtt fuͤhre mich durch deinen Geift und Wort recht 
in mich felbit, damit ic) durch mich zu dir geführet. algeine 2. Cor. & 
neue Creatur in Chriſto, dir alles wiedergebe, was id) in Adam d, ı7. 


dir geraubet hatte! Amen. | 
| Das XXXVI. Capitel. Da 


Von der Frucht der Liebe GOttes, 


nemlich der Freude in SOTT. 
Pſalm 5. v. ı2. Srölich laß feyn in dir, die deinen - 
Namen lieben. | 
Meler Dinge Ende ift ihre Frucht, unterfchieds Frucht der 
liche Saamen aber bringen unterſchiedliche !epden fie 
v Seuchte: Weil nun im Menfehen zwey uns 
terfchiedliche Saamen oder Wurtzeln feyn, nemlich 
GOttes Liebe und eigene Liebe, fo ift aufzumer 
cken, was ein ieder Saame für Frucht bringe: Und 
weil dieſe zwey Saamen im Menfchen wider einans 
der. feyn, fo folget daraus, daß fie auch widerwaͤrtige 
Früchte bringen. Alles was der Menfch thut, deffen 
Ende und Frucht ift entweder Freude oder Traurige 
Feit, das ift der, Menfchen Gewinn oder Frucht in aller 
feiner Arbeit; Weil nun die Freude eine ‚gute zreude 
Sss 5 Frucht fonimt aus 


\ 


1018 B.v. C. 36. Von der Frucht der Liebe GOtt. 


einem gus Frucht iſt, lieblich und angenehm, derowegen, fo muß 
ten San dieſelbe aus einem guten Saamen oder guten Wur⸗ 
tzel herſprieſſen: Und weil die Traurigkeit eine boͤſe 

Frucht iſt, derowegen ſo muß ſie auch von einem boͤſen 

un Gaamen berfommen. Und demnach fo ifts gewiß, 
pair von Daß die wahre Freude, Dadurch wir uns in diefem Les 
rg ben in GOtt freuen, herkommt und entſprieſſet von 
Liebe. der herslichen Liebe GOttes; Und die Traurigkeit 
und Dein des Gewiſſens von der eigenen Liebe. Denn 

- wo keine Liebe iſt, da Fan auch Feine Freude ſeynz Denn 

die Freude wird aus Der Liebe gebohren: Wie aber 

' die. Liebe ift,fo muß auch nothiwendig die Sreude feyn. 
Iſt num die Liebe Göttlich, ſo iſt auch die Freude Goͤtt⸗ 

lich: Iſt die Liebe irdiſch, und hanget am Irdiſchen, 

fo iſt die Freude irdiſch. Hanget die Liebe GOTT. 

Die Freude allezeit an, ſo wird fie ſich allezeit m GOtt erfreuen; und 
dag iſt ein Vorſchmack des ewigen Lebens. Waͤre 
ſchmock des Die Liebe polllommen in diefem Leben, fo ware e8 auch 
emigen£e cine vollkommene Freude: Weil fie aber. in jenem 
Leben wird vollkommen feyn, fo wird auch im ewigen 

Leben vollkommene Freude ſeyn; und wie wir GOtt 

ewig lieben werden, ſo wird auch Die Freude ewig feyn. 

Und wie die Liebe dort wird vollfommen feyn, fo wird 

‚fie auch haben allegeit ein vollkommen Gut, dem nichts 
gebricht, das da iſt unfterblich, unendlich, unwandel- 

Wie bietie har, unmangelhafftig: Deromegen fo wird aud) die 
ae Kiebe ſeyn unfterblich, ewig, beftandig, wahrhafftig, 
unbeweglich,. lebendig, unpreßhafftig. Weil nun die 

Liebe in jenem Leben wird feyn vein, unbefleckt, Goͤttlich, 

fo wird auch die Feucht alfo ſeyn, nemlich eine reine, 
Goͤttliche, unbefleckte Freude, die allerbefte und koͤſtlich⸗ 

fie Sreude, und wird in fich begreiffen die höchfte Lieb⸗ 

lichkeit, den hoͤchſten Friede, die hachfte Nuhe des Der: 

Gens; dag froͤlichſte Jauchzen und Zubiliven der Sees 

len, die hoͤchſte Suͤßigkeit und Gnuͤgſamkeit, und Saͤt⸗ 

tigung im höchften Grad, und das feligfte Leben, ja das 

Ewige for ewige Leben: Denn das ewige Leben it nichts ans“ 
beuikierit ders, denn ewige Freude, Davon dieglaubige liebhabende 
ge Freude. " 4 Seele 





nemlich der Freude in ®Ött. 1019 


- Seele bisweilen ein Eleines Füncklein empfindet, und 
ein Eleines Tröpfflein ſchmecketz davon das Hohelied 
Sal. 2.0.4. 5. ſinget: Mein Freund führer mich in 
feinen Wein-Aeller, er abet mich mit Aepffeln, 
und erquicket mich mit Blumen. Und im 100. Pſ. 
dv. 1. Jauchzet dem AKEren alle Welt. Und aber- 
mal Pſ. 89. 0.16. Wohl dem Volck, das jauch⸗ 
zen kan. Wer nun dieſe Freude hat, der hat alles, was 
er wuͤnſchen und begehren mag; und über diefelbe Freu⸗ 
de Fan er nichts mehr wünfchen : Und weil diefelbe Sreu- — — 
de entſpringet aus der wahren Liebe GOttes, ſo aus eneferin, 
dem Glauben an unfern HErrn JEſum EHriftum se. 
koͤmmt; ſo folget, wo wir dis hohe Gut haben, unden - - 
Troͤpfflein davon ſchmecken wollen in dieſem eben, ja 
wenn wir in uns ein lebendiges Zeugniß haben wollen 
des ewigen Lebens, daß wir im Glauben nach der einigen 
Liebe GOttes trachten, und uns derfelben ergeben. Da⸗ 
hero St. Paulus fagt Eph. 3.0. 19. CHriſtum lieb Erb3.019. 
baben, iſt viel befler,denn alles wiffen. ‚Und weil De Söt 
dieſe Liebe in ung ift, und nicht auffer uns, tiervol un? £ebens iR 
vollfommen; fo folget, daß wirdiefen Schaß in unferer in und. 
ESeelen haben, und bedürffen nichts auswendiges dar⸗ 
zu, weder Gold noch Silber, weder Ehre noch Würde, 
weder Kunft noch Hoheit, weder Sprachen noch Anſe⸗ 
ben, weder Speife noch Tranck, noch etwas Zeitlis 
es, fondern in der einigen Liebe GOttes ift das alles zu Gottes 
begriffen. Und weil die Liebe dort wird vollkommen peorifen. 
and ewig feyn, fo wird auch ewiger Friede und Freude 
feyn. Und diefen Schatz und Meichthum wird der 
Menſch haben in ihm felbft, und wird ihm denfelben 
niemand ſtehlen Eonnen, und er wird auch feine Freude 
ſtets an ihm felber haben, dazu er weder Gold noch 
Eilber bedarf, weder Ehre noch Aufferliche Herrliche FOttestie 
feit Denn Gttes Liebe iſt ihm alle Herrlichkeit. Und altes mir 
Diefen Reicht hum weiß und Eennet niemand, denn der P%, 
ihn bat: Aber ihn aber in ihm felber hat, der wird _ 
nichts ausiwendiges begehren, und wird niemand et⸗ 
was mißgonnen, denn er iſt voll und fatt feines a. 
uts, 


1020 B.IV.E.37. Von der Frucht 


Guts, jener eigenen Freude, und begehret nichts, denn 
die Liebe GOttes, darinn feine Freude und Leben ift. 
Und folhes Schatzes Anfang Binnen alle Gläubige 
haben; denn GOttes Liebe wird dadurch nicht gerin⸗ 
gert, fondern mehret fidy, und theilet fich unendlic) aus; 
und hindert darinn Fein Gläubiger den andern, fondern 
machen vielmehr folche Gaben in ihnen wachfen und 
gunehmen; Denn ie mehr ein Menfh GOTT liebet, 
ie mehr ex ſich im GOtt erfreuet. Und wie GHtt feine 
Liebe dem Menfchen austheilet, fo theilet er auch feine 
Freude aus, ſo offenbaret ſich auch GOtt feinen Lieb⸗ 
Keiner bin: habern, nachdem fie ihn lieben. Und fo hat GOttes 
en Liebe, und Freude, und Erkänntniß in allen Menſchen 
BOttes ihre Grados, und hindert bierinn Feiner den andern: 
gie. — Daraus abzunehmen, wie groß die ewige Freude im 
ewigen Leben feyn wird, weil GOtt feine Liebe und 
Freude in ‚alle Auserwehlte gang ausgieffen, und ‚fie 
‚damit erfüllen wird, wenn er wird alles in allem 

‚fe 1.Cor, 15. v. 28. 


Gebet. 


P.16.0.11. SYRCy dir, o HERR; ift Freude die Fülle, und lieblich Wer 
- fen; auffer dir iſt lauter Pein und Bitterkeit: Ach ſchen⸗ 
de mir deine wahre Liebe, damit ich dich in allen Dingen, und 
alles in dir fuchen, finden, ‚und indie allein hier zeitlich und dort 
ewig erfreuet werden möge, durch JEſum Chriſtum unfern 
gern: Amen. 


Das XXXVII. Capitel. 


Bon der Frucht der eigenen Liebe, daß 
aus derfelben Feine wahre Freude wachſen 
kan, ſondern eine falſche Freude, jo ewige Trau⸗ 

rigkeit gebiehret. 
Jacob 4.0.9. Seyd elend, und traget Leide, und 
weinet: Euer Lachen verkehre ſich in Wei⸗ 
nen, und eure Freude in Traurigkeit. 


Aus e'ge ⸗ Leichwie aus der wahrhafftigen Goͤttlichen 
ner Leben Liebe wahrhafftige Goͤttliche Freude folget: 


— Alſo aus der falſchen eigenen Liebe koͤmmt ber 
Freude. eine 


der eigenen Liebe. 1031 


eine falfche nichtige Zreude: Denn die eigene Liebe lies . 

bet ihren eigenen Willen, ihr eigen Lob, ihre eigene Ehre, . 

ihre eigene Wolluſt undalle Lüfte des Fleiſches. Und 
demnach liebet Die falſche Liebe alles, was da Dienet 

eigene -Chre und Wolluſt zu erhalten, als zeitlich Gut 

und Reichthum, Würde und Gunft, und dergleichen: - 
Beil aber folches alles unbeftandig, und bald verlohr Der@rund 
ven werden kan / fo muß ſich der Menfch immer fürchten, game Xier 
und forgen, wie erserhalte, und dargegen muß er dafe Rändig. 
felbe haffen und meiden, welches ihm fein Gut, daran 

er mit feiner Liebe hanget, verderben und nehmen Fan. 
Derowegen fo folget daraus, daß er fic) nicht recht in Fremde aus 
feiner eigenen Liebe freuen Ban, fondern diefelbe Freude girener tier 
iſt mit Furcht und Traurigkeit vermiſchet, und wird endlich in 
endlich in Traurigkeit verwandelt : Darum iſts eine zu. 
falfehe und nichtige Freude; denn wieder Saamen wandelt. 
iſt, fo ift auch die Frucht. 

Wir haben aber droben bewiefen, daß die eigene Eisen: Lie, 
Liebe unordentlich if, unbillig, falſch unvein, verderbt, deene 
voller Lafter,bushafftig, ſchaͤndlich, wider die gantze Na⸗ alter Uurus 
tur und Creatur; und demnach eine Wurtzel aller Uns vend. 
tugend und alles Bofen, ein Gift, ein Tod, Finſterniß, 
Irrthum, Blindheit, Lügen und Wurtzel aller Kafter, 
und die erſte Ungerechtigkeit. Derohalben fo gebieret 
auch ein ſolcher boͤſer Saame eine boͤſe Frucht, nemlich 
eine falſche Freude, eine unreine, boshafftige, ſchaͤnd⸗ 
liche Freude wider GOtt und den Naͤchſten, und freuet 
ſich wider GOtt und alle Gerechtigkeit: Freuet ſich in 
allen Laſtern und Suͤnden, in aller Verachtung GOt⸗ 
tes, und iſt GOtt zum hoͤchſten zuwider: Und kan 
nichts verdammlichers dem Menſchen ſeyn, denn ſich 
wider GOtt in aller Bosheit freuen und beluſtigen. 

Denn es iſt boͤſe, etwas lieben wider GOtt; viel aͤrger Freude aus 
iſts, ſich freuen deſſen, das wider GOtt iſt; denn ſolche be IR auffer 
Freude iſt wider Diegange Natur und alle Creaturen / HDtr,onne 
auffer EDtt, ohne GOtt, wider GOtt; Daraus denn —A— 
nichts anders werden Fan, denn der ewige Tod, die ö 
ervige Traurigkeit und Zinfterniß, 

| * Denn 


1022 B. IV. C. 37. Von der Frucht der Eigen⸗Liebe. 


Bleifhliche Denn gleichwie die Göttliche Freude den Men⸗ 
Sue ſab chen immer naher und näher zu und in GOtt führer ı 
GO ar. Alſo die fleiſchliche Freude führe den Menſchen im⸗ 
Berglen, „mer weiter und weiter von SOTT. Die Göttliche 
Iaber und Freude vermehret Die: Goͤttliche Freundfchafft: Die 
Reihlicher falſche Freude vermehret die Seindfchafft wider GOtt. 
Sende. Die Göttliche Freude ſaͤttiget und befeitiget den Wil⸗ 
len in GOttes Liebe, und macht das Gewiffen freudig, 

frofich,, füfle und holdfelig: Aber die fleifchliche 

Freude macht das Hers und Willen unbejtandig, 
unruhig, bitter und feindfelig. “Die Göttliche Freude 

Fan man haben ohne Arbeit, Unkoſten, und ohne ans 

derer Leute Hulffe und Schaden ; Aber die fleifch- 

liche Sreude Fan man nicht haben, denn mit groffer 

Mühe und Arbeit, Unkoften, mit anderer Leute Schas 

den und Verderben, und mit vielen zeitlichen Dinges 
Vorrath und Uberfluß. , “Die Gottliche Freude mas 

chet, vermehret und erhalt Friede und Freundfchafft, 
Einigkeit und alles Guts unter den Menfchen: Die 

falſche Sreude macht Unfriede, Zeindfchafft, Uneinig- 

keit, und ftifftet viel Derderben und Ungluͤck. Aus der 
Göttlichen Freude Fan nichts Boͤſes kommen, und Feine 
Aergerniß: Aber aus der falfehen Freude Fan nichts 
erachten, denn alles Hofes, und viel Aergerniß. Die 
Göttliche Freude ervecfet den Menfchen zu allem Gu⸗ 

“ten: Die falfehe Freude erwecket den Menfchen zuals 

lem Böfen. Die Göttliche Freude ift lebendig, heil⸗ 

fain, lieblich, herrlich, ehrlich: Die fleifchliche Liebe 

und Sreude ift fehandlich, lafterhafftig, unehrlich. Die 
Göttliche Freude it GOtt dem HErrn angenehm und 
wohlgefällig: Die _falfebe Freude haſſet GOtt der 

Herr aufs hoͤchſte. Die Göttliche Freude vermehret die 
Göttliche Begierde, und macht Verlangen nach GOtt 

und allem Guten. Die falfche Sreude vermehret die 
Begierde alles Böfen. Die Göttliche Freude erleuchtet 

das Her und Verſtand, erfüllet mit Weisheit und. 
Goͤttlicher Erkänntniß: Aber die falſche Freude vers 

finftert und verbiendet.den Verſtand, und gi 

er 


B.V. C.38. Donderlegt. Sr. der Eigen⸗L. 1023 


Hertz mit aller Thorheit und Eitelkeit. Die Goͤttliche 

Freude iſt wahrhafftig, und betreuget niemand: Die 
fleiſchliche Freude iſt luͤgenhafftig, und nichts denn 
lauter Betrug und Verfuͤhrung. 


Gebet. 


Err, mein GOtt, wie heilig iſt deine Regierung, daß keine 

wahre Ruhe und Zufriedenheit der Seele zu finden iſt auſ⸗ 
ſer dir, ob etwa die Welt ermuͤden moͤchte uͤber den Betrug der 
Eitelkeit, und dic) ſuchen. Bieb du mir die Klugheit der. Ger Que. 1.0.7, 

"rechten, daß ich die Göttliche Traurigkeit der eiteln Welt⸗Freude 2. Cor, 7. 
fiets vorziehe, und lieber. ohne alle Freude fey, ala mich darüber 9.10. 
freue, foag mich. ewig betrüben fan, durch JfCſum Chriſtum, 
deinen Sohn unfern HErrn! Amen. 
- Das XXXVIN. Capitel, 


Bon der endlichen und legten Srucht, 

fü da waͤchſet aus der eigenen Liebe und fal⸗ 

ſchen Freude, welche da ift Die ewige Traurigkeit 

—— und ewiger Tod, | 

Mom. 8.0.13. So ihr nach dem Sleifch lebet, ſo 
werdetibrfterben. 


Roben iſt angezeiget, daß aus der Göttlichen Auseiges 
ewigen Liebe wachſe und entfpringe ewige Freu⸗ 1er Lirbe 
| de: Daraus folget, wo Die Liebe GOttes nicht —— 
iſt, da Fan aud) nicht ſeyn Die ewige Freude, und alle rikeit. 
das Gute, fb zu Der ewigen Freude gehoͤret; fondern 
da ift und muß feyn eineewige Beraubung aller Freude 
und alles Guten. Und darum Fan dafelbft nichts an⸗ 
ders feyn denn eitel Traurigkeit und Herseleid: Denn Hqhter 
Die Seeledes Menfchen wird denn in fich felbit gefehret Schmerg 
werden, und in ihr felbft befinden, daß ſie des ewigen Der Bere 
und hoͤchſten Guts beraubet ift, darzu fie nimmermehr Seelen. 
in Ewigkeit wieder kommen Fan, und daffelbe Durch ihre 
eigene Schuld. Und ob fie wol folches fehnlich und 
‚mit groffem Heulen begehrten wird, wird fie es doch 
nimmer in Ewigkeit erlangen: Daraus nichts denn 
Herseleid, Angft und Pein inwendig in der Seele 
entfiehen iu: Ri - Aa 
LM Und 


1024 B. V. C. 38. Von der legst. Fr. der Eigen⸗C. 


Verdamm⸗ 
ten werden 
waͤnſchen 
zu uichte zu 
werden. 


Und weil der Menſch nimmermehr in Ewigkeit der 
ſchwertzlichen Reue über das verlohrne Gut los werden 
kan, fo wird er immer wuͤnſchen, Daß er gar zu nichte 
würde, daß er. michts mehr ware; welches denn auch 
nimmermehr gefchehen-Ean, andern mußalfo bleiben, 
und die Derdammniß in Ewigkeit leiden. Daraus 
nichts anders werden Fan, denn ein ewiger Haß fein 
felbit, und daß ein Verdammter fid) ewig verfluchen 
muß, fonderlid) weil er fehen muß feine Schande, feine 
Heßlichkeit, feine Abſcheulichkeit, dadurch er fich felbft 


nicht wird ertragen, dulten und leiden koͤnnen und wirds 


Lue.14. 


v. 26. 


GOtt über 
alles zu eb: 
sch 


doc) in Ervigkeit ertragen müffen. Alſo wird an ftatt 
der eigenen Liebe Eoinmen eigener Haß und Vermale⸗ 


deyung. 

eb mir,mein GOtt die Gnade, hie in mein He chen; 
6 und deſſen Befchaffenheit vecht zu erforfchen h rich felöft 
heitiglich zu haſſen, auf dar ich nicht erwig in der Berdammnig 
mich haffen, und mir felbft eine unendliche und unerträgliche 
Laft ſeyn dörffe, durch JEfum CAriftum! Amen. 


Das XXXIX. Capitel. 


Wie wir GOtt unferm Schöpffer alles 
geben, und ihn allein chren follen.. 
Pſalm gs. v.6. Bommt laſſet uns anbetens und 
Enien, und niederfallen vor dem HErrn, der 
uns gemacht bat. 
IE wir wiffen, daß GOtt unfer Schöpfer, 
RErhalter und Liebhaber, ja unfer Vater ift, 
RE oem wolten wir denn billiger alle Ehre und 
Ehrerbietung geben, denn unferm Schöpffer und Erhals 
ter? Wen mwolten wir billiger anruffen, bitten, flehen, 
ehren, loben und preifen, denn denfelben, deruns gefchafs 
fen hat? Wem wolten wir vertrauen? Auf wen wolten 
wir unfere. Hoffnung fegen ? Wen wolten wir billis 
ger lieben? In wen mwolten wir ung billiger freus 
en? An wen wolten wir unfern höchiten Wohl 


gefallen haben, und unfern hoͤchſten Troſt? Wen 
wolten 


Wie wir OOtt alles geben und ebren föllen. 1025 


wolten wir anders lieben, denn: den, der uns zu feinem 
Bilde geſchaffen? Wen wolten wir ehren, denn den, 
der ung fo hoch über alle Creaturen geehret hat? Wem 
wolten wir uns doc) ganß ergeben, denn dem, der ſich 
uns gang ergeben durch feine Liebe, der uns alſo gefchafs 
"fen, daß wir mit ihm ewig leben, und bey ihm eiviglich 
bleiben follen, und uns mit ihm ewig freuen follen? 
‚Ben wolten wir doch billiger lieben und ehren, Denn 
den, der ung zu feinen Kindern angenommen, und ſich 
"uns zum Vater gegeben hat? —— 
Darum bedencke, o Menſch, warum dich GOtt zu Warum 
einem vernuͤnfftigen Menſchen erſchaffen hat: Daß praa 
du ihm nemlich alle deine Sinne und Seelen⸗Kraͤffte tinen Creme 
geben folt. Deromegen weil dic) GOtt alſo gefchaffen, turen ew 
daß du lieben Fanft, fo fol du GOtt lichen; weildu er" 
was erkennen Eanft, ſo ſolt du GOtt erkennen; weil du 
etwas fuͤrchten kanſt, ſo ſolt du GOtt fuͤrchten; weil 
du etwas ehren kanſt, fo ſolt du GOtt ehren; weil du be⸗ 
ten kanſt, ſolt du GOtt anbeten; und weil du loben 
und preifen Fanft, ſolt du GOtt loben und preifens und 
weil du dich verwundern kanſt ſolt du Dich über deinen 
Schoͤpffer und Vater verwundern; und weil du glaͤu⸗ 
ben, vertrauen und hoffen kanſt, ſolt du GOtt glaͤu⸗ 
. ben, vertrauen und auf ihn hoffen, und weil du dich 
freuen und beluftigen Eanft, folt du dich in GOTT 
freuen und befuftigen. Und weilin GOtt alles ift, und 
er vermag alles unendlicher Weiſe, fo Fanft du alles bey 
GOtt und in GOtt finden, und thun, was dein Her 
wünfchet, fodu deine Luſt an SDtthaf. 
Daraus folget denn die rechte wahrhafftige Ehre Womit 
Goltes: Denn wer GOtt liebet, der ehret ihn; wer Tun CM 
ihn aber nicht lieber, der unehret ihn: Wer GOTT | 
‚fürchtet, der ehret ihn, und wer ihn nicht fürchtet uns 
ehret ihn. Alſo iſts mit allen Tugenden und Laſtern: 
mit Gchorfam ehret man GOtt, mit Ungehorfam um 
ehret man ihn, Alſo ifts mit dem Glauben, mit Hoff⸗ 
nung, mit Lob und Preiß, mit Danckbarkeit, 
‚Daraus ift nun offenbar, daß nichts beffers, herrli⸗ 
IV.Tpeil, tt chers 


1026 B. W. C.40. Eigene Ehre 


chers, loͤblichers, ehrlichers, nuͤtzlichers dem Menſchen iſt, 
denn GOtt ehren; und nichts ſchaͤndlichers, abſcheuli⸗ 
chers, greulichers iſt denn GOtt unehren. 
Gebet. 
F ſoll ja, o HErr, der Ackermann nach deiner Ordnung de 
Fruͤchte am erſten genieſſen; vielmehr ſolte, o Schoͤpffer 
meiner Seelen, dieſelbe alle ihre Kraͤffte dir zuerſt wiedergeben, 
und alles zu deinen Ehren anwenden! Vergieb, o gütiger Ba: 





“ter, was bishero darinnen verſaͤumet, und heilige, was du er» 


ſchaffen, damit ich dich mit allen meinen Kraͤfften und Vermoͤ⸗ 


gen ehre, durch Jfſum Chriſtum unſern HErrn! Amen. 


Alle Ehre 


GOtt dem 
Schöpfer & 


au geben. 


Eigene 

Ehre raus 

bei GOtt 
Die Ehre, 


Das XL. Capitel, " | 
Don eigener Ehre, welche der Ehre 


GOttes zuwider if, und ihr abge- 
fagter Feind. 


N. ı15.d.1: Nicht uns, HSErr nicht uns, fondern 


deinem Namen gieb die Ehre, 
Enn ein Menfeh nicht in allen Dingen GOttes 
Ehre fuchet, dieſelbe hilffet ausbreiten und vers 
mehren, fo handelt er nicht als ein Geſchoͤpff 


und Ereatur GOttes, noch als ein Werck feiner Haͤn⸗ 


de, fondern er handelt wider GOtt, wider die ganse 
Drdnung der Creaturen, die GOtt zu feinen Ehren 
geſchaffen. Diel arger aber handelt ein Menfch, wenn 


ben auszubreiten: “Denn dadurch raubet der Menfch 
GOtt feine Ehre, die ihm allein gebuhret, und ſetzt ſich 
aufden Stuhl GOttes, als Lucifer, undda muß er her⸗ 
unter geftürßet werden, dadurd) wird er ein hefftiger 


Feind GOttes. Ein folcher Menfch erfüller fein Hertz 


mit eigener Ehre und Nuhm, darnach er Tag und 
Pracht trachtet und vertreibet alſo GOttes Ehre aus feis 
nem Hergen: Denn fein Hertz foll der Ehre GOttes 
voll ſeyn, fo ifts voll feiner eigenen Ehre; und finder dem- 
nach GOttes Ehre keine Statt und Raum indejfelben 
Menfchen Hergen, * 


er alles thut zu ſeinen eigenen Ehren, zu ſeinem eigenen 
Lob, ihm einen groſſen Namen zu machen, und denſel⸗ 


Nicht | 


iſt GOtt zuwider. 1027 





Nicht allein aber hat er fein eigen Hertz alſo vergiffs Eigene ey 
tet, fondern erwill auc) anderer Leute Hertzen, (welche pers 
follen feyn ein Siß und Haus der Ehre GOttes, mit rer men. 
feiner eigenen Ehre erfüllen, Daß er von ihnen hochge⸗ Den Ders 
halten werde: Und alfo vertreibet er GOit von ſeinem ginn, 
‚Stuhl aus der Menſchen Hertzen, und fest ſich ſelbſt 
mit feiner Ehre hinein. Wie koͤnte nun ein gröfferer Durch eiges 
Feind GOttes ſeyn? Darum, wilt du kein Feind GOt⸗ Hey men 
tes ſeyn, fo ſiehe zu daß du bald aus deinem Hertzen Bdttes 

austilgeſt und tödteft die eigene Liebe und eigene Ehre, Feind. 
Darum muft du dich felber haſſen und verleugnen, wilt 
du GOttes Freund feyn: Denn durch eigene Liebe und 
Ehre wirft du GOttes Feind, Dadurd) wird ein fol 
cher Menſch aus dem Himmel verftoffen, das iſt, von 
GOtt / vonfeinem Angeficht ins ewige Verderben, in die 
ewige Schmach und Schande: Das ift die Frucht, fo 

aus der eigenen Ehre waͤchſet. 

Darum gehe wieder zurück, thue Buſſe, glaube an Wieder⸗ 
EHriftum, und lebe in ihm als eine neue Creatur, ſo wird u 
er Dich für den Seinen erkennen; Zu den andern, die 
nicht Buſſe getyan, fondern nach dem Fleifch gelebet in 
Adam, ja im Teufel, zu denen wird er fagen: "Ich ha⸗ 
be euch noch nie erkannt, weicher alle vonmir,ibe 
Ubelthaͤter, Mattly.7.0.23. So iſt auch die eigene 
Ehre der Liebe EHrifti gar zuwider, und vertilget fie 

‚aus deinem Hertzen. Darum weil unſer höchites Gut \ 
it, unfere höchite Weisheit und Kunſt die Liebe CHri⸗ 
fi: So laß die eigene Ehre und WeltzKiebe von deiz 
nem Hergen ausgehen, aufdaß die Kiebe EHrifti eins 
gehe; denn fie koͤnnen nicht bey einander ftehen. Und in 
der Liebe CHriſti wird unfer wahres Chriſtenthum volz 
endet, mit, welcher GOtt unfere Seelen ewiglich wolle 
erfreuen, fattigen und erfüllen! men, 


Gebet. 


Geeehr GOtt, der du der Engel, diefic von dir zu eigener », Pet.« 

Liebe und Ehre abgewandt nicht verſchonet, ſondern fie mit b. 4. 

Ketten der Finfterniß zur Holen verſtoſſen, und übergeben, daß 

fie zum Gerichte behalten .. h wie darff ich meine Augen 
tt 2 vor 


1028 Beſchluß. 


Roͤm. 2. vor dir aufheben, der ich dir fo offt geraubet die Ehre, fo dir al- 

v. 2% lein zuſtehet? Ich folte durch jener Strafe flug und demüthig 

werden, fo reiger dag von der Schlangen mir angehaudhte Gifft 

mich zureignen Ehrfucht. O JEfu, der du die Wercke des Teu⸗ 

1. Joh.3. fels ju zerſtoren gefomment bift, ſchaffe in mir ein ſolches Hertz, 

v8: das nicht alein nach dem Buchſtaben fonvern in gründlichen 

Ernſt fage: Nicht mir, o HErr, nicht mir, nur allein deinens 
Namen ſey Ehre von Ewigkeit zu Emwigfeit! Amen, 


Beſchluß. 
SI vier Bücher haben darum den Titul vom 


Pſ. 115. 1. 


wahren Ehriftenthum , dieweil der wahre 
Blaube an unfern HErrn IEſum EHtiftum, 


und die Gerechtigkeit des Glaubens, das Sundas 


ment feyn, daraus das gange Ehriftliche Leben herflieſ⸗ 
fen fol. Demnach) habe ich nicht den Heyden geſchrie⸗ 
ben, fondern den Thriften, die zwar den Ehriftlichen 
Glauben angenommen, aber gans unchriftlich leben, 
und die Krafft des Glaubens. verleugnen, oder nicht 
verftehen wollen, 2. Tim. 3. v. 5. Ich habe nicht ges 
fehrieben den Unglaubigen, fondern den Glaubigen, 
nicht den Juftificandis, fondern den Juftificatis. Darum 
das gange Werck von taglicher Buſſe und Ehriftlicher 
Liebe nicht anders verftanden werden foll, denn prelu- 


cente fide in Chriftum & præſuppoſita fide, das ift, daß 


der Blaube vorleuchte, und das Fundament fey, damit 


niemand gedenefe, daß allhier unſerm fleifchlichen freyen . 


Willen oder guten Wercken etwas zugefchrieben werde, 
Mit nichten ; fondern weil du ein Chriſt bift, und mit 
dem Geiſt GOttes gefalber, fo folt du CHriſtum laſſen 
indir leben, in dir herrichen, und den Heiligen Seift dic) 
regieren damit dein Chriſtenthum nicht Heucheley fey. 
So foll auch) der andere Theil diefes Buchs nicht alfo 
verftanden werden,\daß wir aus fleifchlihen Willen 
Fönten GOtt lieben ; denn die Liebe iſt eine Frucht 
des Heiligen Geiſtes; Sondern dahin gehet derfelbe 
Theil, daß wir neben dem Wort GOttes, und neben 
dem Buch der heiligen Schrift auch Fönnen überzeus 
get werden in unfern Dergen und Gewiſſen, aus a 
1 


Befehl. 1029 


Buch der Natur, und aus dem Licht der Natur, daß 
wir GOtt zu lieben ſchuldig feyn, wegen feiner groffen 
Liebe, die er uns durch) alle Ereaturen ergeiget und bez 
weiſet. Und ſolch Argument aus der Natur überzeus 
get alle Menfchen, ev ſey Heyde oder Chriſt, glaubig- - 
oder unglaubig, und Fans auch Fein Menfch widerle— 
gen. GoOtt erzeiget und beweifet uns durch alle feine 
Creaturen Liebe, und wir nehmen feine Wohlthaten 
an, darum machen wir uns verpflichtet, unſern Liebha⸗ 
ber DR zu lieben; Sa, darum ruffet und reigetung 
GOTT durch alle Creaturen zu feiner Liebe, welche 
alle M enfehen im gemeinen Reben genieffen, böfe und 
gute. Darum freylich auch GDttes Liebe aus den 
Buche der Natur zu erkennen, und koͤnnen damit 
auch) die Heyden uberjeuger werden. Groß find die 
Werde des HErrn, jagt der 111. Pſalm, verf. 2. 
‚wer ihr achtet, der bat eitel Auft.daran. Und | 
der 92. Pſalm, v. 5. Du laͤſſeſt mich froͤlich ſingen 
von deinen Wercken, und ich rübme die Geſchaͤffte 
deiner Haͤnde. Wie koͤnnen fie aber beſſer geruͤh— 
met werden, denn auf ſolche Weiſe? GOtt gebe uns 
Verſtand und Weisheit, daß wirs erkennen, und 
SDTT in allen Ser Wercken preifen, 
hier und dort ewiglich! 
Amen, 


" Summa D EO foli gloria, laus 
| & honor! 


Dem aroffen BOTT allein 
Soll alle Ehre ſeyn! 


3 )o (li 
& 


Ttr3 Regi⸗ 


1030 Regiſter. 


| Regifter 
der Sapitel im erſten Theile deg 
Vierdten Bus. 


Cap. 1. Vom erften Sagewerd GOTTES, von hen Licht. 

g. 854 

2. Vom andern Tagewerck GOttes, von dem Simmel. 864 

3. Bem dricten Tagewerck ©dDtteg, yon der Scheidung der 
Maffer von der Erden. 870 

4: Vom vierdren Tagewerck GOttes, von Sonne, Mond und 





we 894 
59. Dom fünfften Tagewerck GOttes, nom Meer und Waffern, 
von den Früchten des Meers und der Waffer. 923 


6, Vom fechften Tagewerck GOttes, von den Thieren. 945 





Regifker des anderi Theile dig 
Dierdten Buchs, 
Cap. 1, Aus der Schöpfung aler Dinge wird ER 
daß GOtt ein ewiges Wefen fen, ohne Anfeng und Ende, 


daß er unendlich fey, eines unendlichen hi * 
Weisheit. r 


2. Aus der Schepffung aller Dinge wird heſthloſen das sb 


das höchfte Gut fen. 963 
3. Der Menſch ift die helfe Greatur, weil alle Greaturen dem 
Menfchen zu dienen geſchaffen ſeynd; Der Menſch ader ift 
efchaffen GOtt zu dienen. 964 
aß GOtt den Menfchen darum zu feinem Bilde sekhafin, 
ur: er feine Luft ımd Wohlgefallen an ihm habe 964 
5. Daft ſich GHDtr durch feine Liebe ung felbft gebe. 968 
6. Wieder Menfh dem ewigen GOTT feinem Liebhaber vers 
— fey. 969 
7, Weiche Diane ber Geele dienen, und die Seele entweder 
erfreuen, oder lehren, 979 
8, Wie groß die Obligation fey, damit der Menfch GOtt vers 
ehrt 973 
9. Daß der Menfeh GOtt mehr ſchuldig if für dasjenige, tung 
erin ihm ſelbſt Bat, denn füralleg, dag in der Welt; und * 
hier bewieſen die Unſterblichkeit der Seelen 
10 Wie weislich und kuͤnſtlich GOtt den Menfchen er 


a Pie hoch der Menſch GOtt verpflichtet ſey wegen Ran 
Lehe, und wegen der empfangenen Gaben, 


ee use 


ee Bellen 7. 1031 
Cap. ı2. Womit der Menfch feiner Dpligarion und —— 


tung gegen GOtt genug thun fonne. 979 

13. GDtteg Piebe ift in allen feinen Werken, auch in a; 
er den Menfchen ſtraft. 

14. un und auf was Weiſe der Menfch verpflichtet ift, eb 
zu lieben. 

15. Daß iur Ereaturen den Menfchen unaufhoͤrlich emahnm 
GDtLt zu lieben. 984 

16. Einegemeine Regel und Lehre, wie und welcher geflalt der 
Menſch GDtt geben fol, was er ihm fihuldig iſt. 986 

17. Daß ein Chriften-Menfch keine Entſchuldigung habe, daß 
er GOtt nicht gelicbet Habe, entweder aus Unvermoͤgen, m 
daß e8 zu fehmere Arbeit fen. 

18. Daß allepflicht und Dienft,foder MenſchGOtt ſchuldig IR 

dem Menfchen alleinzuNtug und Frommen gereichen. 989 

19. Vergleichung der zweyerley Dienfte, der Creaturen gegen 
den Menfchen, und des Menſchen gegen GOtt. 990. 

20. Durch der Ereaturen Dienft Fan der Menſch augenfhein- 
lich feben, daß GOtt nothwendig alle Dinge in — 
habe und erhalte. 

21. Daß durch die zweyerley Dienſte, der Creaturen und 
Menſchen, die gange Welt wunderbarlich mit GOTT * 
Menſchen vereiniget ſey. 993 

22. Daß aus der erſten Liebe, die wir unſerm GOtt ſchuldig en 
noch eine andere Liebe gegen den Menfchen entfpringe. 995 

23 Ausder Ordnung der Ereaturen lernen wir daß der Menſch 
GOttes Ebenbild ſey. 996 

24. Daß ein ieglicher Menſch ſchuldig iſt einen ieglichen andern 
Menſchen zu lieben als ſich ſelbſt, und daß auch dieſelbe Liebe 
dem Menſchen zu ſeinem eigenen Beſten gereiche. 9 

25. Dieweil alle Ereaturen allen Menfcher ohn Unterlaß die» 
nen, lehren fie ung, daß alle Menfchen fich untereinander für 
einen Menfihen halten ſollen. 1000 


26. Daß aus der Einigkeit, welche aus Pflicht der Natur. unter 


den Menfchen feyn fol, entftehe die hoͤchſte unuͤberwindliche 
Staͤrcke 1002 
27. Von der Natur, Eigenſchafft und Frucht der Liebe 1004 
23. Die erſte Eigenſchafft der Liebe iſt, daß ſie den Liebhaber 
mit dem Geliebten vereinige, und den Liebenden in dag Ge⸗ 
liebte verwandele. 1005 
29. Es iſt kein Dingin der Belt, daß da würdig ſey unſerer Lie⸗ 
be, ohne das ung wieder lieben koͤnne, und unfere Liebe konne 
edler und beffer machen. 1006 
30. Die erfte Liebe des Menfchen muß billig für allen anderu 
Dingen, GOtt dem HErrn, als dem Erften und Lesten, dem 
ig aller Dinge, gegeben werden. 1008 


Stt4 Cap. 31. 


1032 Regifter. 


— — — — — — — — — — — 
Cap. 31. Daß der Menſch, der ſich ſelbſt zuerſt liebet, ſich ſelbſt 
zu GoOtt machet, und zeucht ſich ſelbſt GOtt vor. 1009 
32. Gleichwie die Liebe GOttes, wenn dieſelbe die erfte ift, und 
den Vorzug hat, die erfte Wurgel, Urfprung und Brunnen 
ift alles Gutes; alfo ift die Eigen⸗-Liebe, wenn diefelbe den 
‚Vorzug bat, ein Urfprung und Wursel alles Boͤſen 1010 
33. GOttes kiebe und eigene Liebe find zwo Thuͤren, und zwey 
Lichter der Erfänntniß des Menfchen. 1013 

” 34: Daß alleinGDttes Liebe, wenn fie die erfte ift im Menfchen, 
eine Urſach ift der Einigkeit unter don Menfchen; Und allein 
die Eigenzkiche ift eine Urfach des Zancks und Uneinigfeit. 

| "1014 

35. Daß ein ieglicher aug feiner eigenen Liebe erfennen Fan, 
was er SHrt zu thun fehuldig ſey. 1016 
36. Bon der Frucht der Liebe GOttes, nemlich der Freude in 
GOtt. 1017 
37. Don der Frucht der eigenen Liebe, daß aus derſelben keine 
wahre Freude wachſen fan, ſondern eine falſche Freube,melche 
ewige Traurigkeit gebiehret. 1020 
38. Von der endlichen und letzten Frucht, fo da waͤchſet aus der 
eigenen Liebe und falſchen Freude, welche iſt die ewige Trau⸗ 
rigkeit und der ewige Tod. 1023 


89. Wie wir GOtt unſerm Schoͤpffer alles geben und ihn allein 
ehren ſollen. 


1024 
40. Von eigner Ehre, welche der Ehre GOttes zuwider iſt, und 
ihr abgefagter Feind. ’ 1026 


EI DM 








as vor etiv heller Glan 
mn ul utunb fange, 
' obald fie de 1m te 
— userlanıgen, 
Dis Ya ıh hose ie 
—— ‚So "wo * 


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En 


UETTPLIITTSPNSERTDEITE ED RIGEHNN la fie 


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‚ot... Eh 


Erklaͤrung des Bildes zum fünfften Buch. 


Hi find zwey Sungfern, da in der erften ihrem 
Hersen zu fehen die geiftlihe Dermäblung 


des geiftlichen Seelen » *Brautigams EHrifi und 


feiner Braut, ſo eine jede gläubige Seele ift. In 
der andern. Jungfer Hertzen ift die bochbeilige 
Drepeinigkeit abgebildet, und wird damit angedeus 
tet, wie Dater, Sohn und Heiliger Geift. in einer 
gläubigen Seele, als wie in ihrem Himmel, wohne, 
und darinnen Frafftig wuͤrcke. 


I 


Das 


Fuͤnffte Bud 


Dom 


Safe Vhri 


ffenthum; 


In ſich haltend 
Drey ſchoͤne geiſtreiche 


Lehr⸗ und Troſt⸗Buͤchlein, 
zum wahren Chriſtenthum gehoͤrig: 
J. Vom wahren Glauben und 
heiligen Leben: 


II. Bon der Pereinigung der 
Glaͤubigen mit CHriſto JEſu 
ihrem Haupte: 

III. Von der Heiligen Dreyfab⸗ 


tigkeit, von der Perſon und Amt 
ChHriſti, und den Wohlthaten 
des Heiligen Geiſtes; 
Durch 
Herrn JonANNeEMN ARNDT, 
foeiland General - Superintendenten 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg ıc. 


Im Jahr CHrifii 1741. 








1034 * 
Des fuͤnfften Buchs 


Erſtes Buͤchlein, vom wahren 
Glauben und heiligem Leben, 
hat XI. Capitel. 
Summe und Inhalt eines ieden Capitels. 
I. Bon der Unvollfommenheifund Gebrech⸗ 
lichkeit des Chriftlichen Lebens. 
II. Vom innerlichen neuen Menſchen. 


11. Bom Leben, Werden und Ubungen des 
innerlihen Menſchen. 

IV. Vom Worte GOttes, daraus, als aus 
den lebendigen Saamen, der neue Menſch 
gebohren wird. 


V. Von des innerlichen Menſchen Speiſe und 
Nahrung. | 
v1. Dom wahren feligmachenden Blauben. . 
VII. Bon gnädiger Vergebung der Sünden, 
VIII. Bon der Gerechtigkeit des Glaubens, 


IX. Vom neuen Leben, Srüchten der Gerech⸗ 
tigkeit und guten Wercken. 
X. Vom Gebet. 


xl. Dom Creutz und Verfolgung des heili⸗ 
gen Chriſtlichen Lebens. 


Bol 
* 


Das 


EL 88 © $ 8 —* 


Das | 
Fuͤnffte Bud) 
| Bom’ '.’ ‚N 
Wahren Lhriſtenthum. 
Erſtes Buͤchlein, 
Vom wahren Glauben und 
heiligem Leben, 
Das I. Capitel. 


Don der Unvollfommenheit des heil, 
Chriſtlichen Lebens und übrigen Gebre⸗ 
chen der Gläubigen. 


Leichwie es über alle Maffe ſchwer i ; 
a) falfche Lehre und Abgötterey — und 
fen, und. aus den Herhen der Menfchen ferne ges 
ala zu vertreiben, und dagegen die ſeligma-⸗ dertSatarı, 
B ‚chende Lehre des Evangelii zu pfianten: grofg 

Alto it 8 auch ein überaus fhtweres” 

Werck, das unchriftliche, ungöttliche Leben zu verftö- 
ven, und die wahre Buffe und Belehrung aufgurichten, 

Wider beyde wuͤtet und tobet der Teufel, Welt Drenfaches 
und Fleiſch. Etliche ſchwaͤrmen und fagen: Sie Kunfidee 
feyn ſchon vollkommen, und Eönnen nicht mehr fündir pen, 
gen, mißbrauchen darzu die heil. Schrifft, und andere 7, 
erbaufiche Bücher, wie der Satan, welcher auch GOt— 
tes Wort migbrauchet, und ſich in einen Engel des 
Lichts verftellen Ban, 2.Cor. 11.0. 14. Andere % 
fagen : Es ſey unmöglich alſo zuleben ; das find Die Gott⸗ 
ofen, fo die Buſſe haſſen und nicht leiden koͤnnen. Die 





Drit⸗ 


1036 B.V.E.r. Von der Umvollommenbeit 


3. Dritten läfterns aus lauter‘ Bosheit und Neid, wie die 
Pharifaͤer EHrijtumläfterten, damit ja ſeine Lehre und 
heiliges Leben von dem Volcke nicht angenommen, ſon⸗ 
dern in Verdacht gezogen und verworffen wurde. 

ie % Die erften find Schwarmer und unleidfiche 
Kalten Phantaſten, welche der Teufel in diefen legten Zeiten 
menheit erwecket Die wahre Buſſe zu verhindern, welche ſich 
durchs gange Leben eines Chriften-Menfchen erftrecker, 
bis in den Tod hinein: Alsdann ift er gerechtfertiget 
von der Sünde, wenn er nemlich das fündliche Fleiſch 
abgeleget hat. Daher fich nie Fein Heiliger GOttes 
geruͤhmet, daß er vollkommen fey, und nicht mehr ſuͤn⸗ 

digen koͤnne 
im@laufen Zwar in EHrifto find wir alle vollkommen, wenn 
und Leben. ex uns feine Heiligkeit Durch den Glauben zurechnet 
und fchencket: aber mas der Gläubigen Leben ans 
reicht, Da mangelts weit: Denn auch in den Glaͤubi⸗ 
gen und Abiedergebohrnen noch viel überbleibende 
Sünden, Gebrechen und Mängel gefunden werden, 
darüber fie täglich feuffzen, diefelben bereuen, und GOtt 
erde fol’ abbitten. Pſalm 19. v. 13. Wer kan mercken, 
— wie offt er fehle? Verzeihe uns die verborgene 
amd Erem: Kehle. Denn ob wir wol Die neue Geburth und die 
per net tröftiiche Kindfehafft GOttes empfangen haben durch 
tommen: den Glauben, ſo gefihicht doc) die Erneuerung nicht 
beit. gaͤntzlich auf einmal, fondern der Heilige Geift reiniget, 
erneuert und heiliget fein Haus von Tag su Tage, und 
fehmücket das Gnaden⸗Kind GOttes täglich ie mehr 
und mehr mit feinen Gaben, und heilet feine Gebre⸗ 
chen. Darum St. Paulus befiehlet, daß die, fo durch 
den Glauben find gerecht worden, die Sünde nicht 
follen herrſchen laffen in ihrem fterblichen Leibe, 
In den Mom. 6. v. 12. Klaget auch darüber, daß die 
en Zůnde noch in ihm wobne, und nehme ihn offt ges 
Sunde und fangen; widerſtrebe dem Geiſt feines Gemuͤths, 
das Be. 18. 23. Warnet auch die Glaͤubigen, wo 
fie nach) dem Sleifch leben werden, fo werden fie 
ſterben; wo fie aber die fleifchlichen RER 
en 





| | des heiligen Chriftlichen Lebens. 1037 


— — — — — — — — 

den Geiſt GOttes daͤmpffen werden, ſo werden fie Km. 2. 
leben, Kom. 8.0. 13, ſeq. Und daſelbſt ſpricht er; Es tur 
fep nichts verdammliches an denen, dieinCArifto 
JEſu find, die nicht nach dem Sleifch wandeln, 
fondern nach dem Geiſt. Da befennet ev, daß in 

den Gläubigen beydes fey, Fleiſch und Geiſt, das ill, 
fleifchliche Kufte und ‘Begierde, fo Die Wiedergebohr⸗ 

nen plagen. Ja es ermahnet der Apofteldie Eorinthier, 

und fpricht: Laſſet uns von aller Befleckung des 
‚Kleifches und Geiſtes reinigen, und fortfsbren 
‚mit der Aeiligung in der Zuccht GOttes, 2. Cor, 
7.0.1. Und zum Galat am 5. v. 17. befchreibeterden Gal. xv. ry. 
Streit des Fleiſches und des Geiſtes, wie dieſe beyde 
wider einander ſeyn. Davon auch St. Petrus ſagt 

1. Epiſt. am 2. v. 11. Enthaltet euch von fleiſchli⸗ 
chen Küften, fo wider. die Seele ſtreiten. 
Was ſagt der wiedergebohrne heilige David ? 
SErr, fo du wilft Sünde zurechnen, wer wird für 

dir befteben? Pſalm 130.0.3. HErr, gebe nicht 
‚ins Gericht mit deinem Änecht, denn für dir if 
Fein Zebendiger gerecht, Pſalm 143.0.2. Der 
Gerechte fäller fiebenmal, jagt der weiſeſte König, 

Spr. 24.09.16. Und der Herr zu Petro: Wenn 

dein Bruder des Tages fiebenmal an dir ſuͤndi⸗ 
get:c, Luc, 17.0.4. Und der Evangelift Johannes 
ı.Cpijl.am ı.v.8. So wir fagen, wir haben keine 
Bunde, fo betruͤgen wir uns felbft, und die Wabre 

beit ifE nicht in uns, Daher richt St. Paulus 

zun Phil. am 3.0. ı2. Nicht, daß ichs fehon ergrife 

fen babe, oder fchon vollEommen ſey. Diefe Lehre Nus dieſer 
von der Vollkoinmenheit Chriftlichen Lebens habe ich *% 
bielfaltig getrieben in meinem erften ‘Buch vom wahren 
Chriſtenthum, alsin der Vorrede, und im ı 6. Kapitel; 
Ingleichen Cap. ıı, Das 19. Capitel vom Erkanntz 
niß menfchlichen Elends, ftveitet gang wider Die Voll 
Eommenbeit. Das 40. Capitel hat viel herrlicher Leh— 

en davon. Lies das ganke 41. Capitel, da wirſt du 
Bericht genug finden wider Diefe Schwaͤrmer. 





















1038 B. V. C.1. Von der Unvolltommenbeit 


Iſt demnach die taͤgliche Buſſe und die ſtetige Creu⸗ 
tzigung des Fleiſches, ſowol als der taͤgliche Streit des 
Fleiſches und Geiſtes, welchen die heilige Schrifft von 
den Glaͤubigen fodert, dieſen Schwaͤrmern gantz zuwi⸗ 
der. Dieſe Lehre von der Unvollkommenheit giebt Ur⸗ 
ſach andaͤchtig zu beten wider den Teufel, Welt und 
Fleiſch, wie der HErr ſeine Juͤnger und uns alle lehret: 
Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung 
fallet; denn der Geiſt iſt willig, aber das Fleiſch 
iſt ſchwach, Matth.26.0.41. Ja was ſagt St. Baur 
lus 2.Cor.11.0.29.30. Wer iſt ſchwach, und ich 
werde nicht ſchwach? Wer wird geaͤrgert, und 
ich brenne nicht? So ich mich ja ruͤhmen will, fo 
"willich mich meiner Schwachbeit ruͤhmen. 
OhneſSaͤn Eine geoffe vermeffene Sicherheit iſt es, ſich der 
deitni® Vollkommenheit rühmen, und. ohne Sünde feyn wol⸗ 
mand · ¶ ſen/ da doch vor GOtt niemand unſchuldig ifE, wie 
Moſes ſagt 2. B. Moſ. 34.0.4, Und der Prediger 
am7.v.2ı. Ks iſt fein Menſch auf Erden, der 
nicht fündiger. Darum ſpricht der 32. Pf. vi 5. 6. 
SErr, um Dergebung der Übertretungund Zudes 
dung der Suͤnden, und nicht Zurechnung der 
Miſſethat werden dich alle Acıligen bitten zu rech⸗ 
ter Zeit. 
gohannis Daß aber St. Johannes 1. Epiſt. 3. v. 9. 10. ſpricht: 
a Wer aus GOtt gebohren iſt, der thut nicht Suͤn⸗ 
ae de; denn fein Saame bleiber bey ihm, und Ban 
nicht ſuͤndigen: Denn er ift von GOtt geböbren: 
Daran wirds offenbar, welche die Kinder GOt⸗ 
tes und die Rinder des Teufels find: Da macht ex 
einen Unterfcheid unter GDttes und des Teufels Kinz 
dern. Diefe haben Luft zu allen Sunden, das iftihre 
Sreude und Kurkweil: GOttes Kinder aber haben | 
Feine Luft zur Stunde, fondern hüten ſich dafür, beten ' 
darwider, und wenn fie aus Schwachheit ſtraucheln, 
gereuet esihnenvon Hertzen; Denn GOttes Saameift | 
in ihnen, GOttes Wort und Geift der laͤſſet fie nicht in 
Sünden verharren. | S 
ie 







ſti von Sünden auferſtehen; wie dieſe Lehre vom Apo⸗ 
ſtel Paulo gewaltig getrieben wird Nom. 6.7.8. 
12.13.14. Ingleichen an die Salater und Ephefier. 


ſieget, lebet in feinen gläubigen Gliedern: Da hat er 


. des beiligen Chrifklichen Lebens, 1039 


m ee — 
Die andern, fo fich Die Unmöglichkeit laffen ab⸗ 1. 
ſchrecken haben Eein rechtes wahres Erkaͤnntniß CHri⸗ Don ae “A 


ſti, verftehen das Leiden, Sterben, Auferfiehung CHri⸗ keit. Dagn 


fti nicht recht, laſſens dabey allein beenden, daß CHri⸗ gen feltbu 
ftus für ihre Sünde geftorben; wollen aber nicht wiß cu) Die 
fen, daß die Frucht des heiligen Todes und Auferite- —5 9 
hung EHrifti in ung wuͤrcken muͤſſe, daß wir der Sünde der Aufer« 


follen abfterben, und in Krafft der Auferftehung CHri⸗ du 


Sie verftehen auch Das Neih EHriftinicht, welches er | 
‚aufrichtet und bauet in der Glaubigen Hergen: Er) DieRe⸗ 
führet fein Neich nicht wie iedifche Konige, welche auf Sinn 
ferlicher Weiſe mit fichtbarer Gewalt über ihr Land tung im 
und Leute herrſchen, fondern CHrißus herufchet, vegieret, Gyne,, 
feine Herrfchafft im Geift und Glauben, und ift das 
Haupt feiner Gemeine, welche ev, als feinen geiftlichen 
Leib, mit allerley geiftlicher Fuͤlle, Krafft, Licht und Le⸗ 
ben erfüllet. PR 

Solte num das Haupt in feinen Gliedern nicht 
wuͤrcken? Golten wir von feiner Fuͤlle nichts empfahen? 
St. Paulus wunfchet ja Epheſ. am 3. v. 19. Daß wir eppef. ;. 
moͤgen erfuͤllet werden mit allerley GOttes⸗duͤlle; v. is. 
welches er an die Philipper am 1. verſ. 11. alſo aus⸗ 
redet: erfuͤllet mit Fruͤchten der Gerechtigkeit. 


Wber nun EHriftum JEſum will recht erkennen lernen, Der König 


der muß ihn auch erkennen als einen vegierenden, herr⸗ berriher in 
fehenden König, der fein Reich in feinen gaͤubigen lies tertpanen, 
dern hat. Und das machet den Unterſcheid unter den 
Heyden und Ehriften, wie daffelbe St. Paulus deutz 


lic) erklaͤret andie Eph. am 4. v. 17. 18. Sofageich 


nun und zeuge indem HErrn, daß. ihr nicht mehr 


wandelt, wie die andern Heyden wandeln in der 
Kitelkeit ihres Sinnes, welcher Derftand ver- 
finftere iſt, und find entfremder von dem Les 
ben, das aus GOtt ift; Ihr aber Habe ChHriſtum 

nicht 


1040 B. V. C. 1. Donder Unvolltommenbeir 
nicht alfo gelernet, fo ibs anders von ihm gebö- 


ret babt, und in ibm gelebrer ſeyd, wie in IEſu 


ein rechtfebaffen Wefen iſt. Darum ifE nun die 
Gnade GOttes erfchienen allen Menſchen, und 
züchtiges uns, daß wir follen verleugnen das uns 
göttliche Wefen und die fleifchlichen Lüfte, und 
zuͤchtig, gerecht und gottfelig leben in diefer Melt, 

Dit. . Bar | 
6) Und in Summa, wasdarffsviel Worte? Beden⸗ 
Gleichniß cke doc), wie der Teufel fein Werck bat in den Bin⸗ 


von S0. dern des Unglaubens, und hat fein Reich in feinen 


tans Regi⸗ FE f 
ment der Gliedern, dawider wir taglich beten und ſtreiten: Solte 


ee un CHriſti Reich in den Gläubigen nicht vielmehr feyn 

2.2. und herrſchen im Glauben, Liebe, Hoffnung, Demuth, 
Gedult, Gebet, Sottesfurcht? Dazu uns unſer ewi⸗ 
ger Koͤnig ſeinen Geiſt gegeben hat, der unſrer 
Schwachheit aufhilfft, und vertritt uns mit un⸗ 
ausſprechlichem Seuffzen, Roͤm. 8.0.26. Hie wird 
zugleich der Vollkommenheit und der Unmoͤglichkeit 
widerſprochen. | 

wies ' Daß aber St. Paulus zum Ephefern am 4.0. 13. 


Bau fihreibet, daß wir alle hinankommen follen zu eis 


— nerley Blauben und Erkaͤnntniß des Sohnes 
Er. GÖktes, und ein vollkommen Mann werden, 
3 ifenicht vom Leben zu verſtehen, fondern von der vol 

kommenen Lehre, fo ung zur Seligkeit führet, daß ung 


nichts verhalten ift, fondern aller Natb GOttes geof⸗ 


fenbaret, wie wir follen felig werden, auf daß wir ung 
nicht verführen laſſen; wie fich der Apoftel felbft er⸗ 
Hlaret, daß wir nicht mebr Kinder fepn follen, und 
uns wiegen laſſen von allerlep Wind der Lehre. 


Coloſſ. . So fpricht er auch, Eoloff. 1.0.28. Wir ermabnen 


2% alle Mienfiben mit aller Weisheit, auf daß wir 


Osrftellen einen ieglichen Menſchen volllommen 
in CHriſto IEſu. Dasift: Wir lehren, wiegllein 


in EHrifto JEſu die vollkommene Gerechtigkeit, volls 

a2. 7 Eommener Leg zur Seligkeit ſey. Desgleichen 2. Tim. 

WAT 3. v. 16. 17. AleSchrifft von GOtt eingegeben 
i 


des beiligen Chrifklichen Lebens. 104 1 


iſt nuůtz zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung, zur 
Züchtiaung in der Gerechtigkeit ‚daß ein Menſch 
GOTTES fep volllommen, su allen guten Wer⸗ 
cken geſchickt. Das iſt: GOttes Wort ift eine voll 
komimene Lehre und Weg zur Seligkeit, und machet den 
Menſchen geſchickt zu allen guten Wercken, ſo GOTT 
gefallen; daß man keine neue Lehre oder Wercke darzu 
erdencken, oder darzu thun darff. | 

Diedritten, fo diefe Lehre von wahrer Buſſe und, II. 
Chriſtlichem Wandel aus lauter Bosheit und Muth: — 
willen laͤſtern und verachten, die laͤſtern das heilige Lei⸗ gen Vers 
den EHrifti, und Ichmähen den Geift der Gnaden, und Men 
die Nachfolge des Exempels CHriſti, und mögen ſich 
bedenken, was fie dem HErrn EHrifto antworten 
wollen, da er ſpricht: Wer mir folgen will, der ver= 
leugne fich felbfE, und nehme fein Creutz auf fish 
täglich ‚und folge mir nach, Luc. 9.0.23. Ingslei⸗ 
chen: Wer zu mir kommt, und baflee nicht fein 
eigen Keben, der kan mein Jünger nicht feyn, 
Luc. 14: v. 26. Ingleichen: Lernet von mir: 
Ich bin fanfftmütbig, und von Hertzen demütbig, 
Math. 11.0. 29. Ingleichen was fie dem Apoftel 
Petro wollen antworten, da er fpriht: CHriſtus bae 

uns ein Exempel gelaflen ‚daß wir follen nachfols 
gen feinen Sußfkaptfen, 1. Petr. 2.0.21. Auch dem 
Evangeliften Johanne, da er fpricht : Wer da faget, 
daß er in ihm bleibe ‚derfoll auch wandeln , gleich» 
wie er gewandelt bat, ı.%0h. 2. v. 6. Gefällt ihnen 
nun dis nicht, fo wir» ihnen am Tage des Gerichts dag ge» 
fallen muͤſſen: Ich habe euch noch nie erkannt ‚weis 
chet alle von mir, ihr Übelebäter, Matth. 7.0. 23. 

Hie kan gebrauchet werden das Gebeth, ſo im andern Buch 

zu Ende des 4. Capitels gefunden wird. 

N ' Das I. Capitel. RR 

- Bon dem inmendigen neuen 

| Menfchen. | 
di: habe mich nicht gnugfam verwundern Finnen, Die Lehre 


/ 


jeit der Zeit. on, da ic) meine geringe Büchlein kepen ren, 


vom wahren Ehriftenthum gefchrieben habe, daß ſchen. 
V. Theil, YUuu Beute 


1042 B. V.C. 2. Don dem inwendigen 


den Maul⸗ Leute im Chriſtenthum ſeyn ſol en, welchen die Lehre vom 
Eorifien innerlichen Menſchen fo gar fremde fuͤrkommen ſolte: 

ſremd. Dieſelben Leute muͤſſen ſich ja ſelbſt nicht erkennen, ob fie 

Heyden oder Chriſten ſeyn, glaͤubig oder unglaͤubig, 

auch nicht wiſſen, was Sarct Paulus erinnert, 2. Cor. 

13.95. Derfücher euch ſelbſt, ob ibr im Glauben 

ſeyd: Prufet euch ſelbſt; oder erfennet ibr euch 

felbft nicht , daß IEſus Chriſtus in euch ifE ?es fey 

denndaßibrumtüchtig ſeyd. Derohalben iftes eine 

groſſe Ungefehicklichkeit und Untüchtigkeit zum Reich 
GOttes, den inwendigen neuen Menfchen nicht Eennen. 

Shabers» Wenn Fein inmendiger neuer Menſch ift, wozu ift 

gründe Denn das groſſe treffliche Geheimniß der neuen Geburt 

Geburt. nüße? Gebieret denn die neue Geburt nicht einen neuen 

Wader Menfchen? und derfilbe neue Menſch ift ja inwendig, 

Menfh nicht auswendig, er ift das erneuerte Bild GOttes in 

Bi: uns, welches Sanet Paulus zu den Epheſern am 4.0.22. 

».232% 23.24. alſo beſchreibet: So leget num von euch ab 

nach dem vorigen Wandelden alten Menſchen der 

durch Luͤſte in Irrthum fich verderber: Erneuert 

euch aber im Geiſt eueres Gemuͤths, und ziehet den 

neuen Menſchen an, der nach GOTT geſchaffen 

iſt, das iſt, gebildet iſt, in rechtſchaffener Gerech⸗ 

tigkeit. Derohalben iſt die Erneuerung des Geiſtes 

und Gemuͤths der inwendige Menſch, der nach dem 

Col. 3.09. Bilde GOttes erneuert iſt. Welches zum Coloſſ. am 3. 

v. 9. auch erfläret wird: Ziehet den alten Menſchen 

mit feinen Wercken aus, und ziebet den neuen an, 

der da vernenert wird zu dem Erkaͤnntniß, nach 

dem Ebenbilde deß,der ihn geſchaffen hat. Diefe 

Verneuerung zu der Erkaͤnntniß GDttis nach feinem 

Ebenbilde ift der inwendige Menfch in welchem das Er⸗ 

Fänntniß GOttes verneuert ift, gleichtwie es in Adam 

por dem Fall in feinem Verftande und Gemüthe volls 

koͤmmlich geleuchtet hat, nach dem Fall aber erlofchen, 

Ä verblichen, verfinftert, verlohren ift: Nun aber durch 

2.€0,3. den Heiligen Geiſt wieder angezündet und erneuert, wie 

„18 imn der andernan die Cor. am 3. v. 18. gefchrieben iſt; 
Fun aber fpiegelt fich in uns allen (MAI Ans 

aubi⸗ 


neuen Mlenfhen. 1043 


—— — — — — — —— 
Glaͤubigen) des HErrn Blarheit (das iſt, GOttes 
Erkaͤnntniß, in welchem das Bild GOttes ſtehet) mie 
aufgedecktem Angeficht , und wir werden verklaͤ⸗ 
ret in daſſelbige Bild, von einer Blarheit zur ans 
dern,alsvom Geiſt des HErrn. Dasift: Das Bild 
GOites oder der neue inwendige Menſch waͤchſet tags 
lich, und nimmt zu in uns, und der Heilige Geiſt bauet 
taͤglich daran, und erneuert es von Tag zu Tag, daß 
wir immer wachſen und zunehmen im Erkaͤnntniß GOt⸗ 
tes, Phil. 1. 0,9. Darum aud) Sarct Paulus win: ——— 
fox und bittet, Ephef 3.b. 16.19. Daß die Bläubigen wirsertät 
mögen ſtarck werden durch den Geift GOttes am 'y allesicp 
imwendigen Mienfehen, und erfüllet werden mit Saure 
aller BOttes Fuͤlle; Das ift, ſtarck werden im Glaus Edel. 3 
ben, in der Liebe, Hoffnung, Geduld, Sanfftmuth, Des" 
muth, daß wir die Sünde, Welt und Fleiſch überwin- / 
den moͤgen. Und das iſt das rechte geiftliche Leben des Feen bes 
neuen Menfchen, davon Sanct Paulus fagtzum Gala⸗ Menichen. 
tern am 6,0. 1. So wirim Geiſt leben, das iſt, im Sal 6.0.1, 
Glauben und Erfäntniß GOttes in CHriſto gerechtfer- 
tiget ‚fo laßt uns auch im Geiſt wandeln: Das ift, - 
laßt uns das fleifchliche Leben ablegen, und das geiftliche 
neue Keben annehmen, welches ift ein fanfftmüthiger 
Geiſt. Alfo beſchreibet auch Sanct Petrus den inwen- —* — 
digen neuen Menſchen in den heiligen tugendfamen Weiz" * x 
bes » Perfonen ‚infeiner 1. Epiftel am 3. 0.4. da er ihn 
nennet den verborgenen Menſchen des Hertzens mit 
ſanfften und ftillen Geiſt, ſolches iſt der köftliche 
en vor GOtt. Menſch if E 
Dieſer neue inwendige Menfch ift das neue Hertz, Der neue 
Davon der Prophet Ezechiel am 36. v. 26, ra 3 — 
hat: Ich will euch ein neu Hertz und einen neuen Lertz: 
Geiſt geben, und will folche Leute aus euch ma- ya 
chen, die in meinen Geboten wandeln. Wie 
auch der Prophet Jeremias fprihtam 3 1.0. 23. Ich 
‚will mein Gefeg in ihr der geben , und in ihren 
Sinn fehreiben. Welche Wohlthat Sanct Paulus 
mit feinem eigenen Exempel beftätiget an die Roͤmer 
8 Yun 2 am 


ge 





1044 B. V. C. 2. Von dem inwendigen 


du ⸗ a, am 7. v. 22. Ich babe Auft an dem Geſetz GOt⸗ 
tes nach dem inwendigen Menſchen: Das iſt, 
des inwendigen neuen Menſchen Luſt und Freude iſt, 
Neue Cꝛea⸗ BHOttes Willen thun. Das iſt die neue Creatur in 
sur. CcHriſto ZESU, aus- ihm gebahren, welche EHrifti 
Geiſt und Sinn bat, und nach Chriſto geſinnet iſt, 
Phil. 2. 0.5. Welcher aus GOTT gebobren if, 
und die Welt überwindet, 1. Joh. 4 v.7. Das ift 
Yfsı.dıa das reine Hertz darum David bittet Pfalm 5 ı.v. 12. 
En und der neue gewiſſe Beift. Cs it michis anders, als 
die erieuchtete gläubige Seele‘, auch nichts anders als 
dor lebendige Blaube, der durch die Liebe thaͤtig iſt: 
Gal.5.v.« Denn der wahre Slaube ift Das gange Syftema oder 
Weſen des neuen Kebens, darum er hypoftafis, eine Sub- 
Hebr · i. b.. tanz genennet wird, Ebr. i. v. 1. weiler alles im wiederge⸗ 
bohrnen Menſchen thut, alſo, daß auch CHriſtus durch 
Erb. 016 den Glauben in unfern Hertzen wohnet. Und dieſer 
neue inwendige Menfch it nicht vollfommen, fordern. 
er wird täglich Durch den Geift GOttes erbauet und ers 
neuert; ja auch durchs h n’ge Ereuß, wie Sanct Paulus. 
faget, 2.Cor. 4.0.16. ©b unfer äufferlicher Menſch 
verweſet, fo wird doch der innerliche von Tag zu 
Fe Tag erneuert. Und endlich, fo iffder neue inwendige 
in und.  Menfeh nichts anders,alsdas Leben CHriſti in ung, wel⸗ 
ches durchs Ereuß offenbaret wird , wie Sanct Paulus 
ur 2Cor. 4A. v. 10. ſpricht: Wirtragen um allezeitdas 
U Sterben des HErrn ISESU sn unferm Leibe, auf 
daß auch Das Keben des HErrn PESU an unferm 
Leibe offenbar werde. Und abermal dafelbft,v.ı 1. 
Wir werden immer in den Tod gegeben um 
TEZU willen, auf daß auch das Leben IESU 
offenbar werde an unferm ſterblichen Fleiſche. 
m: „ Denn dieſer neue Menſch ergiebt fich gang dem gnaͤdi⸗ 
Dein des gen Willen GOttes, tragt fein Creutz in groſſer Ger 
WMeuſchen. dult, weil er weiß, daß er dadurch dem Ebenbilde 
Ceoriſti gleich und aͤhnlich wird, Nom. 8. v. 29. und 
ſiehet auf die kuͤnfftige Herrlichkeit: Wie Sanet Pau⸗ 
lus ſpricht, Roͤm. am 5. v. 2. Wir ruͤhmen uns der 
Hoffnung 


i 


\ neuen Mienfben. 1045 . 


Aoffi er der zukünfftigen Zerrlichkeit, nicht allein 
aber das, ſondern wir ruͤhmen uns auch der Trübs 
‚falen. Daher freueten fich die Apoftel,daß fie wir, 
dig wären Schmach zu leiden um des Llamens 
SEFU willen, Apoft.&efch.s.d.41. Darumfpricht 
dr HENRN Matth.ın.d.29. Mein Joch iſt fanfft, & — 
‚und meine Laſt iſt leicht: Verſtehe dem neuen Men="* 
fchen,weldhem um EHrifti willen gu fterben eine Freude 
‚und Ehre iſt. Denn ob wir gleidy, faget Sancı Pau» 
lus Rom, 8.0.36. 37. um deiner willen erwürges 
Be taͤglich, und find geachter wie Schlacht⸗ 
Schrafe, fo überwinden wir doch um deß willen, 
der uns geliebet bat, und find gewiß, daß uns nichts 
‚von der Liebe BOTTES feheiden kan. 
Diefer neue Menſch dient GOTT mit Freuden Derneme,, 
und find ihm des HErrn Bebor vom Glauben und a 
Liebe nicht fehwer, wie ı. Johan. am 5. v. 3. geſchrie⸗ in und 
‚ben iſt: Denn er thut GOTT ein freywilliges Opffer, 
als im Glauben und in der wie der 110. Pſalm 
v. 3. ſpricht: Nach deinem Sieg wird dir dein 
Volck williglich opffern im .beiligen Schmuck. 
Bedencke nun, was das für Ehriften feyn , die den ins 
wendigen neuen Menfchen nicht kennen: Denn der iſts, 
der da gläubet,/liebet, hoffet, leidet, duldet, betet, 
feuffiet , SOTT fürchtet ‚ehtet, liebet , befennet ‚und 
die Belt überwindet. 
Hieher gehoͤret das Gebet ‚fe im een Buch zu Ende des 
: 11. Capitels zu finden. 


Das II. Capitel. 

Von den geiſtlichen Ubungen des 
neuen inwendigen Menſchen. 

— neuen Menfchen. innerliche und geiſtliche ubung des 


2 


UÜbungen beftehen vornemlich in dem wahren Harman 
leb endigen Erkaͤnntniß GOttes, in der Liebe erien 
30 U CHriſti, in Betrachtung feines allerheiligſten 
Berdienftes, in des Heiligen &eiftes ſuͤſſem und liebli» 
chem Troſt, in der Betrachtung der Liebe und Gnaden⸗ 
Uuu3 Wercke 


1046 B. V. C. 3. Von den geiſtlichen Ubungen 


Wercke GOttes, fo uns in der Schoͤpffung und Erhal⸗ 
tung aller Creaturen für Augen geftellet werden, daraus 


Was der 


betrachtet 
und bedens 
er. 


Wie ee 
lebet. 


GOttes Allmacht, Weis heit und Liebe leuchtet. Es bes 
trachtet die glaͤubige Seele die Freundlichkeit GOttes, 
fo feine Goͤttliche Almacht uns erzeiget, in Anordnung 
des ſtarcken Schutzes und holdſeligen Beywohnung der 
heiligen Engel, bite GOTTdarum, und dancket ihm: 
Bedencket offt die hohe Weisheit und Vorſichtigkeit 
GOTTES, dadurch er alle Dinge regieret: Dancket 
SDTT ‚daß er ihn aus Gnaden zu feinem Kinde in 
EHrifto erwehlet hat: Bedencket oft die Schoͤnheit 
des Bildes GOTTES, darnach der Menſch anfaͤng⸗ 
lich gefihaffen, darzu er nun durch den Heiliaen Geiſt 
täglich erneuert wird. Betrachtet oft die Abſcheulich⸗ 
keit der Erb⸗Suͤnde, darinnen wir empfangen und ges 
bohren find, und bittet, SOTT wolle ihn davon reini« 
gen, und vor Sünden behüten: Bedencket auch ofı der 


menfchlichen Rräffte Invermögen ‚und feine eigene | 


Nichtigkeit, daß er lauter nichts iſt auſſer GOttes Gna⸗ 
de; Fuͤrchtet ſich auch vor den Drohungen GOTTES 
in feinem Wort und heiligem Gefeß; troͤſtet ſich aber 
wieder mit den gnaͤdigen Verheiſſungen des heiligen 
Evangelii von Vergebung der Sünden durchs Blut 
und Tod CHriſti erworben. Er lebet auch in ſtetiger 
Reue und Leid uͤber die Suͤnde, thut von Hertzen Buſſe: 
Er freuet ſich der Gerechtigkeit in CHriſto durch den 
Glauben, über Liebe und Barmhergigkeit gegen feinen 
Naͤchſten, ‚über fich in alen guten Wercken, zu GOttes 
Ehre und des Nächften Wohlfahrt. Bedencket oft 
den Önadens Bund, SOTT mit ung in der heilt, 
gen Zauffe gemacht: Gebrauchet oft das heilige Abends 
mahl, und gedencfet des heiligen Todes des HErrn, und 


dancket ihm fuͤr den theuren Schatz, feines Leibes un 


Blutes im Abendmahl, dadurch er uns feiner Liebe und 


unfer Erloͤſung verfichert: Er freuet fich dev Gemein⸗ 
fchafft der heiligen Ehriftlichen Kirchen, über welche der 
HERD zum Haupt gefegt ift, von defien Foͤlle alle 
feine Stieder empfangen: Hoͤret fleißig und andächtig 
GOttes Wort, und über ſich darinn, ruffet GOTT 

an 


des neuen Menſchen 1047 


an im Namen EHrii IESU, dancket und lobet fe 
nen Namen, Bittet GOTT ftets um Dergebungiünt er 
der Sünden, um Vermehrung des Olaubens, um &ur 
dult im Creug, um Demuth, um die Göttliche Liebe, 
um Abmwendung allerley wohlverdienten Strafe ‚um 
Beyftand in allen Anfechtungen, um Die gnaͤdige Bey⸗ 
wohnung SOTTES, um Troft, Friede und Freude: 
Des Herhens, um das ewige Leben und zukuͤnfftige Herr⸗ 
lichkeit. Dieſes alles erfordert ein andaͤchtig GOtt⸗ 
ergebenes Hertze, welchesfanfft in CHriſto und des heir 
ligen Seiftes Troſt ruhet. Und kan demnach nicht feh⸗In BE 
ben ‚ein fol) Hertz muß viel geiftliche Gaben empfangen HE.K, 
Erleuchtigung, Gnade, Troft, Leben, Stärke, Kraffiadun, 
Friede und Freude ; wie Sanct Paulus zum Ephefern 
-amı.d3. GOTThertzlich dancket, daß er die Glaͤu⸗ 
bigen geſegnet haͤtte mit allerley geiſtlichem Segen 
in himmliſchen Guͤthern nach dem Reichthum ſeiner 
Gnade, welche uns reichlich wiederfahren iſt, in allerley 
- Meisheit und Klugheit. : | 
Es foll aber niemand gedencken, daß falche Übung ein Deſſen 
Geſetz, Zwang oder muhfelige Arbeit feyn müffe, fon hung! 
dern es ift den Gläubigen eine Luft und Freude, und besundgreude 
greifft oft eine einige Andacht und Seuffzerlein alle folchein zellen 


Stücke in ſich, und führet fie u SOTT; undder Hz" 
lige Seift, der himmliſche Lehrmeiſter, lehretsunsohn . 
alle Mühe und Arbeit, und erinnert esunsalles in einem 
Blick, und erleuchtet unfern Verſtand gang fehnell ohne al 
alle Mühe, wie in. der andern Epiftel an die Corinthier 
am 4. v. 6. gefchrieben iſt: GOTT ‚der da hieß das2.E0r4.u6. 
Licht aus der Sinfterniß herfuͤr leuchten, bar einen 
hellen Schein in unfer Hertz gegeben , Daß durch 
uns (durch Die Predigt Des Evangelii ) entſtuͤnde die 
Erleuchtung von der Erkänneniß der Klarheit in 
dem Angefihte IESU CArifti Das ift: | 
Gleichwie Mofis Angeficht, welches schrecklich leuchtete, © 
2.Corinth. 3.9. 13. Furcht brachte: Alſo bringet das = * 
Angefiht CHriſti Freude und Erleuchtung in der Klar 
a a RE Bun a Fan ‚beit 


1048 B.V.E.4. Vom Wort GOttes 


heit des Erkaͤnntniß GOttes: diß iſt dic himmliſche Sal⸗ 
bung, die uns ohne Muͤhe und Sicherheit alles lehret, 
1. Joh. 2. v. 27. Und diß iſt fo leicht, daß eine iede glaͤu⸗ 
bige Seele, die nur ihre Andacht zu GOtt ernſtlich wen⸗ 
det, ſolches empfinden, ſehen und ſchmecken kan, wie 
freundlich der HErr iſt, Pſ. 34. v. 9. Wie theuer iſt 
deine Guͤte, ſagt der 36. Pſalm 0.8. daß Menſchen⸗ 
Rinder unter dem Schatten deiner Fluͤgel trauen? 
Sie werden truncken von denreichen Gütern deis 
ves Hauſes; Du traͤnckeſt fie mit Wolluſt alsmit ci» 
nen Strohm: Den bey dir iſt die lebendige Quelle, 
und in deinem Licht ſehen wir das Licht. Von die⸗ 
ſer geiſtlichen Speiſe und Tranck des neuen Menſchen 
wollen wir weiter im fuͤnfften Capitel reden, wenn wir 
zuvor vom Wort GOttes geredet haben. 

Hieher gehoͤret das Gebet, fo im r. Buch zu Endedeg 10. Ca⸗ 

pitels zu finden. 

Das IV. Capitel. 
Vom Worte GHOffes,aus welchem de 
neue inwendige Menſch, als aus einem goͤtt⸗ 

3 lichen Saamen, gebohren wird. 


Samen Er Apaoſtel Petrus fpricht inder 1. Epiftelam r. 
—* v.23. Ihr ſeyd wiederum gebohren, nicht 
di der eier N aus verganglichem,fondern aus unvergäng« 
peraebun. lichen Saamen,nemlich aus dem lebendigen Wort 
— GOttes, das da ewig bleibet. Und St. Jacobus 
Vac. n. d. 13. am 1.0.18. Er hat uns gezeuget nach feinem Wil 
len durchs Wort der Wahrheit, auf daß wir wis 

ven Erſtlinge feiner Creaturen. Hieift der Urſprung 

und Saame des neuen Menfchen befchtieben, darzu der 

Heilige Geiſt, als die würckliche Lrfach, und das Mittel 

r. der heiligen Tauffe gehöre. Wollen aber iko allein 
ort vom Wort GOttes reden, als vom Saamen GOt⸗ 


Boot a e tes, welcher in unfer Ders gepflanget und geſaͤet wird, 
Waprheit. unfer Hertz zu erneuern und zu reinigen vonden Rügen 
des Satans, fo er in uns als einen teufliſchen Saamen 

geſaͤct hat, darum es auch das Wort der Wahrheit 

| ; genen⸗ 


als einem Böttlichen Saamen. 1049 


genennet wird ; denn des Teufels Lügen iſt der erſte 
Saame und der Urfprung der Sünden und Verfuͤh⸗ 
zung, 1.B.Mof 3.0.1. Derowegen GOtt der All 
mächtige nach feinem allein weifen Nah fein göttlich 
Wort, als die ewige YBahrheit, wider des Satans Luͤ⸗ 
gen, Kift, Betrug und Verblendung ung geoffenbaret 
bat, auf daß er ung davon abwende, und unsdurche 
Wbort einen andern Geiſt ins Hers pflange: denn mas 
ein Menfch für ein Wort ins Hertz faſſet, folch einen 
Geiſt bekommt er. Und ift der Schade und Berder- Spbnithe 
bung der Menſchen Gemüther-nicht gnugfam zu bekla⸗ bringen 
gen, fo da entftehet aus Leſung fa vieler heydnifcher, lo⸗ Kiden 
fer, leichtfertiger Bücher und Schrifften, aus welchen n 
die, fo fich gar darauf legen, einen heydniſchen Geiſt und 
Gemuͤthe fchöpffen, wo fie nicht mit rechtem Verſtande 
und Chriſtlichem Hertzen dieſelbe leſen. Es hat unſer 
lieber Herr nicht umſonſt geſagt, Fob.1 7.v. 17. Hei⸗ Joh.iy, ı7. 
liger Vater, heilige ſie in deiner Wahrheit, dein 
Wort iſt die Wahrheit. Lehret uns hiemit, daß un⸗ 
ſere Gemuͤther durchs Wort geaͤndert und geheiliget Hotte 
werden: Ergo werden fie Durch ſolche Buͤcher verunhei⸗ ger und rei« 
liget, fo die NBahrheit nicht vortragen; denn gleichmieniget unfee 
der Geiſt der Wahrheit und des Lichts bey dem Wort = 
der Wahrheit ift, alfo der Geift der Finſterniß bey dem 
Wort der Lügen, Die Wege des HErrn find eitel 
Guͤte und Wahrheit, fagtder 25. Pſalm v. ıo. Und 
abermal im 119. Pfalmv.ı60. HErr, dein Wort 
iſt nichts denn eitel MWahrheit. Deröhalben reini⸗ 
get GOttes Wort das Hertze von den Lügen des Sa⸗ 
tans, vom falfchen Sottesdienft, und von dem Unfall der 
falſchen Lehre und Aberglauben, wieder Herr Johiıs. 
v. 3. ſpricht: Ihr fepd rein um des Worts willen. 
Derowegen wird unfer Her durch GOttes Wort 
gleichfam. neugebohren , 18 durch GOttes Saamen, 
welcher die fleifchlichen Luſte Andert, und machet neue 
geiſtliche Bewegungen und Gedancken , giebt einen 
neuen Geiſt, welcher unfere Gemüther nach dem Bilde 
GoOttes erneuert, | 


Uuu s | Das 


GOttes 

Wort ein 

lebendiger 

Saame, 

1 Her. L, 
v. B. 


4 B. Mof. 
32. v. 1. 2. 3. 


2. 
OOttes 
Wort 
GOttes 
Weisheit. 


* 
GOttes 


1050 B.V. C.4. Vom Wort GOttes 


— — nn 


Das iſt die Urſach, daß GOttes Wort der lebendi⸗ 

ge Saame GOttes genennet wird, . Petr. 1.0.23, 
denn daraus waͤchſet das wahre Erkaͤnntniß GOttes, 
GOttes Liebe, und Der Glaube, Gebet, Gottesfurcht, und 
der gantze inwendige neue Menſch mit allen ſeinen Glie⸗ 
dern, Sitten und Tugenden, mit allerley geiſtlicher 
Weisheit, heilſamer Lehre und Frafftigen Troſt: Das 
it ver Baum am Waſſer dis Lebens gepflantzet, defs 
fen Blaͤtter nicht verwelcken, und was er macht, 
das geraͤth wohl, Di 1.9.3. Das ifkder fruchtbare 
geiſtüche Regen und Thau, ſo vom Himmel fäller, 
und nicht wiederleer zu GOtt kommt, Jeſy 5. p.t0. 
Darum ſpricht Moſes im 5. B.Moſ z32. v. 1. 2.3. Mer⸗ 
cket auf ihr Himmel, ich will reden, und die Erde 
höre die Rede meines Mundes, Meine Lehre trief⸗ 
fe wie der Regen, und meine Rede flieffe wie der 
Thau; wie der Regen auf das Gras, und wiedie 
Tropffen auf das Kraut. Denn das alte unwieder⸗ 
gebohrne Her& Fan ohne GOttes Wort nichts tragen, 
als lauter unnuͤtz Gewaͤchs, Dorn und Diftel, Thorheit 
und Irrthum; darum uns GOtt fein Wort, alsden 
Saamen der ewigen Weisheit, geoffenbaret und geges 
ben hat, und hat es felbit geredtdurch den Mund feiner 
heiligen Propheten, durch den Mund feines lieben Soh⸗ 
nes, durch den Mund der heiligen Apoftel, durch welche 
der Beift GOttes mit feurigen Zungen: geredt hat, das 
durch fich der verborgene GOtt, der in einen Licht 
wohnet, da niemand zukommen Ban, geoffenbaret 
hat, welchen niemand iemals gefehen, welchen aller 
menfchlicher Wis nicht erforfchen kan, und die Alugen 
diefer Welt nicht erkannt haben, 1. Cor. 2.0.6.8. 
Derentwegen GOttes Wort ein Brunn aller Weis⸗ 
heit iſt, welchen noch niemand ausgeſchoͤpffet hat. Und 


if ein Spiegel des unſichtoeren &Dttes, ein Schau⸗ 


Brunu al⸗ 
ler Weis⸗ 
beit. 


Mag der heiligen Engehund der Heerfehaaren GDttes, 
ein Eonterfait des wahren Gottesdienfis, eine Nichts 
ſchnur unfers Glaubens, eine Negel der Gottfelig» 
Reit 2 Es ift der vollkommene Rath GOttes von uns 
ſerer Seligkeit, ein Regierer unfers gangen Lebens, 

ein 





als einem Börtliben Saamen. rosı 


ein Fräfftiger Troftim Sterben, und ein gewiffer unbe> 
fleckter Weg zum ewigen Leben. a | 
Darum, o Menfch, folt du GOttes Wort nicht für 
ein ohnmächtiges Wort oder Menfchen =» Wort halten 
und achten, denn GOttes Wort iſt lebendig und und Kraft. 
kraͤfftig, und febärffer denn Bein zweyſchneidig Hebr. 4, 12. 
Schwerdt, und durchdringet, bis daß es feheide 

Seel und Beift, auch Marc und Bein, und ift 

ein Richter der Gedancken und Sinnen des Her⸗ 

tens und iſt Beine Creatur für ihm unfichtbar: 

Es ift aber alles. bloß und entdedet für feinen Aus 

gen, Hebr. 4.0.12. GOttes Wort iſt ein Eräfftiges 
ort, ja die Brafft GOttes von dem mäshtigften Kim. 1.19, 
Herrn ausgegangen. Esift heiligvon dem Allerheilige 

ſten, wahrhafftig vonder ewigen Wahrheit entfproffen, . 
ewig von dem Ewigen, unüberiwindlich von Dem Uns 
überwindlichiten, gerecht von dem Gerechten, ein Rich 

ter. aller Dinge von dem ‚ der. aller Welt Richter iſt: 

Iſt nicht mein Wort ein Seuer und ein Hammer, 

der die Selfen sufchläget? Fer. 23.02.29. Die Stim⸗ 

me des ZERRTT gebet mit Macht, die Stimme 

des 5ERRXVM gehet herrlich , die Stimme des 

SErrn zubricht die Cedern, haͤuet wie Seuer-Slamr 

men, Pſalm 2 9.0.5.7. Das ift: GOttes Wort richtet, Pr.asıs. 7. 
verdammet, verwirfft alles ‚was fich wider SOTT, 

wider CHriſtum und fein Neich auflehnet, und richtet 

alle Welt mit ihrer Weisheit, Vernunft, Hoheit, An⸗ 

fehen und Herrlichkeit, Neichthum und Ehre, und begeus 

get,daß folches alles für GOtt nichte gelte: Denn alles 

Fleiſch ift wie Zen, undalle feine Herrlichkeit wie 

eine Blume auf dem Selde ; denn der Beift GOt⸗ 

tes blaͤſet drein, Jeſ. 40. v. s. Damit werden die Hei⸗ 

ligen gewappnet und ausgeruͤſtet zum Streit wider den 

Satan und die Welt, wie ſolche geiſtliche Ruͤſtung GOttes 
zum Epheſern am 6. v. 13. beſchrieben iſt. Und 2. Cor. 10. te 
v. 4. fpricht Sanct Paulus: Die Waffen unferer Wehr und 
Ritterſchafft find nicht fleifäylich , ſondern mäch- Sorte 
tig vor GOTT zu verftören die Veſtungen, Ans 

ſchlaͤge, 


4. 
Ottes 


Wort Leben 


⸗ 


1052 B.V.E4 Vom Wort GOttes 


ſchlaͤge, alle Hoͤhe, die ſich erhebt wider das Er⸗ 
kaͤnntniß GOttes, und nehmen gefangen alle Ver⸗ 
nunfft unter den Gehorſam Criſti. Es iſt aber 
auch GOttes Wort freundlich den Frommen, 
Mich. 2. verſ.7. Ks iſt ohne Mandel, und erqui⸗ 
cket die Seele, es iſt gewiß, und machet die Albern 
weiſe, es iſt richtig, und erfreuet das Hertz, es 
ift lauter , und erleuchter die Augen, es iff rein, 
wabrbafftig und ewig, Eöftlidyer den Bold, 
füffer denn Honig und Honigſeim, Pſ. 1 6.0.8. ſeqq. 
Daher iſt es unfere Seelen⸗Speiſe Matth. 4.0.4. 
unfer Leben, fo aus den Munde GOttes gehet; das 
bimmlifche Manna, welches mit dem Thaue des Heis 
ligen Seiftes in unfer erg fület, 2. B.Mof 16.90.14: 
Alsdenn wird im Wort empfunden und gefehmecket 
8Dtres Freundlichkeit, Gnade, Liebe, Troft, Güte und 
5. Wahrheit. GOttes Wort vereiniger uns mit GOtt, 
—* vermaͤhlet unſere Seele mit CHriſto durch den Glau⸗ 
tunen, machet unſer Ders zur Wohnung, Tempel und 
das Wort. Werckſtatt des Heiligen Geiſtes, mehret den Glau⸗ 
BE eh ben, entzündet die Liebe, ſtaͤrcket die Hoffnung, gebich⸗ 
des Worte vet Gedult, machet kräftig das Gebet, erwecket die Anz 
Son. dacht, lindert die Trübfal, heiter Die geiftlihe Schmers 
| gen, tröftet die Traurigkeit, ſaͤnfftiget die Betrübniß, 
erweichet die Hartigkeit des Hertzens, beweget zum 
Mitteiden, verſchmaͤhet der Welt Eitelkeit , würcket 
Demuth, entdecket dem Menſchen feine eigene 
Schwachheit, ftreitet wider die Anfechtungen, offen» 
barer Göttliche Geheimniß, preifet die Wercke GOt⸗ 
- tes, mildert dag menfchliche Elend, beffert das gange 
Leben , locket herzu die heiligen Engel, giebt einen Vor⸗ 
ſchmack des eigen Lebens, und giebt Das Geleit ins 

ervige Vaterland. | | 
6. Daher it GOttes Wort unferer Seelen Licht, wel 
* ches unſere geiſtliche Finſterniß vertreibet, und ſchei⸗ 
St net in einem dunckeln Ort, bis der Tag anbricht, 
Pal 119. und des Morgen» Stern aufgebet ın unfern Her⸗ 
lid d tzen, 2. Petr.1r.v.19. Welcher aa > ift 
ri⸗ 


als einem Goͤttlichen Seamen, 1053 


EEE EL EEE TEEN ET OFT 

CHriſtus FZESUS, unfer ewiges und wahres Licht, 
wider alle Irrthuͤmer, Abgoͤtterey und Verführung, 

In ihm haben wir ein Gnaden-Licht, ein Freuden» 

Licht, ein Troft- Licht, ein Licht des Lebens, Joh. 1.0.9. 

Und damit wir dieſer hohen Früchte des Goͤttlichen wol 
Boris und Fichte genieffen mögen ‚müffen wir GOt⸗ Wort mit 
tes Wort mit reinem und glaͤubigen Dergen aufnehmen. u Glaus 
und mit beiliger Andacht lefen und betrachten, und ern nd. 
davor halten, als rede GOTT feldft mit uns in ſei⸗ dachtig zu 
nem Wort 5 Wie wirdenn auch GOTT feldft hören !rraaten, 
reden im Wort: Denn GOTT mwillnun nichtmehr, 
weil feine®nade im Eoangelio geoffenbaret ift,fo ſchreck⸗ 
lich mit ung reden aus dem Feuer, wie am Berge - 
Sinai gefchehen ift, 2. Buch Moſ. 20.0: 89. oder wie 
SGITT der HERR durd Hiofen, deffen Angefiche 
fehrecklich leuchtere, mit den Kindern Iſtael geredet 

bat, 2. B. Mol: 34. v. 30. fondern durch ein ſchoͤnes 
Licht, wie die Verklärung des HERRN auf dem 
Berge Thaber, Matth. 17. v. 2. und die liebliche 
Slamme, fo aus dem Munde der Apoftel geleuchtet hat, 
Ap. Geſch. 2.0. 3. begeuget. Zwar, wir füllen es davor 
halten, wenn GOTT der HERR drohet , daß er mit 
uns ausdern Feuer feines Eyffers redet, wie der 7. Pſalm 
v. 12. ſpricht: Will man ſich nicht bekehren, ſo bat Iu der 
‚er fein Schwerdf gewegt, 2c. Sollen uns auch für grobPre 
feinem Drohen fürchten. Wenn er aber von feiner " 
. Gnade prediget ‚alsim ı 03. Pfalm v. 8. follen wir eg Inder 
gewiß davor halten, wir hören unfern lieben Vater mit grapior 
uns reden, und fehen dag liebliche leuchtende Angeficht 
EHrifti in feiner Verklärung, und die leuchtende feurige 
Zungen und Slammen des Heiligen Geiſtes. 
- Wir follen auch bedencken die Weisheit und All⸗ Auf Got⸗ 
macht deſſen, der in GOttes Wort mit ung reder, und u e 
Gottes Wort nicht nach der Vernunfft urtheilen ; Aumache 
denn der fagets, dem alles möglich ift ‚welches orte feben mit s 
eitel Wercke feyn, deffen ABeisheit ohne Zahl ift, wel⸗ genpernem, 
ches Wercke, Wege, heilige Gedanken unbegreifflich 
ſeyn: Denn fo viel Höher der Himmel iſt als die 
Erde, 


1054 B. V. C. 4. Dom Worte Göttes, 


Erde, ſo viel hoͤher find feine Gedancken als unfere 
Gedancken, und ſeine Wege hoͤher als unſere We⸗ 

ge, Eſa. 5 5.0.9. Denn er uͤberſchwenglich thun an 

über alles, das wir bitten und verſtehen, Eph. 3. 

v. 20, Denn es ift feine Vergleichung unfers Verſtan⸗ 

des mit dem unendlichen, unbegreifflichen, allweifen und‘ 
Moe, allmächtigen Göttliche Weſen. Sehet an! mit was 
2.8. R0f.3. groffer Furcht der Mann EDttesMoferedet,2.B.Mof. 
EN 3.0.5. ſeqq als ihm GOTT erfchienin einem feurigen 
ansgelsget- Buſch. GOTT befabl ibn die Schube auszusie- 
ben; denn das Land, darauf er fEünde, wäre hei⸗ 

lig: Das ift, wer das Heilige fürder Sortlichen Rede 

zu empfinden-begehret, muß den fleifchlichen Sinn ables 

gen: Denn GOttes Wort iſt nicht fleifchlich, fondern 

geiftlich ‚Darum er auch nicht mit irdifchen Sinnen , fon- 
dern mit geiftlichem Gemüthe ergriffen wird. Dasbeis 

lige Land bedeutet die Gegenwart und Offenbarung des 

Sohnes GOttes und feiner Fußftapffen; und der 

Ap Geſch brennende Buſch bedeutet unter andern das glaͤubige 
v.3 Hertz, mit GOttes Liebe und Furcht entzündet, welcher: 
zwar brenner, aber nicht mit vergehrendem Feuer, fons 

dern mit einem lebendigen Feuer; Deffen Bilde find die 
fenrigen Zungen der heiligen Apoftel. Da redet 
SOTT felbft: Und wenn du folche Kraft im Wort 
empfindeft, fo verhülle dein Angeficht, roie Mofes; denn 

mit äufferlichen , fleifchlichen Sinnen Einf du GOTT 

im Wort nicht anfchauen, fondern mit innerlichen Aus 

gen des Seiftes und Glaubens, und gehe in dein Derse 

durch innerliche Andacht, wenn du GOttes Wort liefeft, 

böreft, betrachteft, da wird GOTT in dir von Hersen 

mit die veden, dich lehren ‚ erleuchten , tröften ‚lebendig 

machen, und mitdem Finger feines Heiligen Geiftes fein 
Wboort in die Tafeln deines Hertzens fchreiben , wie Der 

Jer 3t. 033 Frophet Seremiasam-3 1.0, 33. Weilfaget: Ich will 
mein Befeg in ihr Hertz und in ihren Sinn ſchrei⸗ 

ben: nd das ift das inwendige Zeugniß der Kind» 

ſchafft GGttes/ welches der. Heilige Beift giebt uns 

ſerm Geiſt, wie Sanct Paulus zum Romern am 8.0.16. 

troͤſtlich lehret. a ae Das 


als einem Böftlichen Saamen. 105; 


Das iftaunder lebendige Saame und Urſprung des Gottes 
inwendigen neuen Menfchen, welcher aber nicht voll» Kort der 
kommen ift, fondern wie ein Eleines Kind, wie Sanct neuen 
Petrus ı.Cpift. am 2. v. 2. redet: Seyd begierig nach Muihen 
der vernuͤnfftigen lautern Milch, als die ietzt ge⸗ 
bohrnen Bindlein, auf daß ihr durch dieſelbe zu⸗ 
nebmet , fo ihr anders geſchmecket habt ‚daß der 
BERR freundlich iſt, zu welchen ihr kommen 
fepd. Iſt nun GOttes Wort ein Wort der Wahr⸗ 
heit, fo muß es uns ja billig lehren. Iſt es GOTTES 
lebendiger Zaame, ſo muß es ja in uns wachſen. Iſt 
es GOltes Weisheit, fo muß es ja das Erkaͤnntniß 
GOttes geben. Iſt es lebendig und mächtig, ſo muß 
es ja in uns wuͤrcken. Iſt es das Mittel, dadurch wir 
zu GOTT kommen, fo muß es uns ja mit GOTT. 
vereinigen. Iſt es ein Licht, fo muß es ja unfere Seele 
erleuchten. Iſt e8 geiftlich, fo muß es ja mit dem 
Geift des Glaubens aufgenommen werden. Daraus 
waͤchſt nun der neue inwendige Menfd) „und nimmt von 
Tag zu Tage zu. 

Die aber vom inwendigen neuen Menſchen nichts 
wiſſen wollen, die wollen ein ſolch Wort haben, welches 
ihr Hertz nicht lehret. Einen tummen Saamen, der 
nicht waͤchſet. Eine Weisheit, die zu keinem Erkaͤnnt⸗ 
niß fuͤhret. Ein ohnmaͤchtiges Wort, das nichts wuͤr⸗ 
cket. Ein Wort, das mit GOTT nicht vereiniget. 
Ein Licht, das nicht in ihnen leuchtet. Ein fleifchlicheg 
Wort, das den Geift nicht erworben, -. So haben fie 
denn ein folch Wort, aus welchem Eein neuer Menſch 
Ean gebohren werden, und behalten den alten unwieder⸗ 
- gebohrnen Menfchen, der in ihnen lebet und herrfchet 
durch Geis und Hoffart; feyn kahle unfruchtbare 
Bäume, die nur Blätter tragen ohne Frucht, haben 
nurden Schein der Gottſeligkeit, aber die Arafft 
verleugnen fie: 2; Tim. 3.0.5. Haben einen todten 
Glauben bis in Ihr Ende, und in die Hölle hinein ‚oo 
fie nicht den neuen Menſchen ansiehen. 
Hieher geböret dag Geber, fo im erfien Buch zu Ende bes 
6. Capitels zu finden, ' D 
as 


1056 B.V.E.5. Von des innerlichen Menfchen 
i Das V. Capitel. 


Bon des innerlichen Menfchen 
Spei und Nahrung. 
EHrifus ift AB unfer lieber HErr EHriftus in feinem heiligen 
2 Ale Evangelio und Sacramenten unfere Seelen⸗ 
are. 9. Speife fey ‚hat der HERN rede, und verdeckt 
B.°. kan. damit wollen gu verftehen geben, daß er inder Wuͤſten 
* feng. einmal mit ſieben Broden vier tauſend Mann, und 
mit fünff Broden fünff tauſend Mann gefpeifer, 
Marc 8 Joh. 6. Denn er will uns mit ſolchen 
Wunder s IBercken viel hoher führen, zu dem, das viel 
mehr anbetrifft, alg die leibliche Speife und Sättigung 
unfers leiblichen Hungers , wie der HERR Zoh. 6. 
2.27. fein Wunder⸗Werck ſelbſt alfo ausleget, da er 
fünff taufend Mann mit fünff Seriten - ‘Broden in der 
805.6.0.27. Wuͤſten gefpeifer hatte, ſprach er: Wuͤrcket, oder 
ſuchet Speife, die ins ewige Zeben fpeifer. 

1. Damit wiraber die Seelen- Speife recht verftehen, 
Ser, fo müflen wir erfilich den Seelen⸗Hunger und Durſt 
mo erkennen lernen. Wo GOttes Gnade, Liebe, und 
mon armhersigkeit nicht erfunden wird, da ift die Seele 
verleurer arm, Dürfftig, mangelhafftig,, hungrig, durftig und vers 

ſchmachtet, fucher hie und da Huͤlffe und Rath, und fin- 

det nichts, big GOTTES Gnade fich wieder zu ihr 

1.8. Moſ.z. wendet; welches ſich angefangen hat, fo bald der Menſch 
» vom verbotenen Baum gegeffen, da it GOTT mit 
feiner Snade , Heiligen Geiſt, Liebe und Beymohnung 

vom Menfchen abgewichen, und hat der Menfch feine 

Seele ledig und, leer empfunden, Die zuvor voll GOttes 

und voll Geijtes, vol Liebe und Freude GOTTES 
geweſen: undiftdagegen eine groffe Furcht und Wider⸗ 
wärtigkeit gegen GOTT in der Seele entftanden s 

daß fie GOttes Ungnade gefürchtet , wie die Hiftorie 

des leidigen Sünden» Falls unferer erſten Eltern bezeu⸗ 

get. Solches befindet fich noch auf den heutigen Tag 

in allen Adams = Kindern , wenn die Sünde offenbar 

wird im Gewiſſen; da ſtehet iego der Baum De Er⸗ 

— annt⸗ 


 Speife md Nahrung. 1057 - 


Tanntniß Gutes und Boͤſes im unferm Gewiſſen, da ruf 

ft GOTT: haſt dur nicht gegeffen von der verbote⸗ 

nen Seucht? Da machet uns denn die gödtliche gifftige 
Speiſe fo angft und bange ſo hitzig und durflig, wie 
einen Hirſch, welcher eine Schlange gefreſſen, und 
ſchreyet nach friſchem Waſſer, Pi.42.0.2. So heit Prem v.* 
es denn: Wir find alle verwelder wıe Blätter, wir 
verſchmachten in unfern Sünden, die führen uns 
dahin, wie ein Wind, ef 64. v. 6. So aehets ung 

wie dern verlohrnen Sohn, welcher in fo greffen Hun⸗ 

ger gerieth, daß er begehrte feinen Bauch su füllen £ue 15. 
mit Trebern, ſo die Säue fraſſen. Und wie im 102." % 
Palm v. 10. ſtehet: Ich eſſe Afche wie Brod, und 
mifche meinen Trance mir Thränen. So beißt eg; 
Meine Seeledürfternah GOTT, nach dem leben» 
digen GOTT, als eindüre Land, Pſalm 63.0. 1. 

Zum andern entftchet der Seelen - Hunger daher, _ =. 
wenn GOTT fein Wort und Troft entzeucht, und Senn man 
faliche Lehre überhand nimmt, Amos g.v.ıı. ie Worrund 
find die Leute im Pabſtthum gelauffen, hungrig und dur⸗ Frof se 
ftig nach dem Ablaß. } 


Zum dritten, wenn GOTT Ereuß und Verfolgung 2.) 
zuſchicket, Pſalm 42.0.4 Meine Thränen find meine Unterm 
‚Speife Tag und Nacht. Und im 80. Pſalm, v. 6. Cteun. 
Du ſpeiſeſt uns mit Thraͤnen⸗ Brod und traͤnckeſt 
uns mit groſſen Maaſſen voll Thraͤnen. Davon 
ſpricht Hiskia: Siehe! um Troſt war mir ſehr 
bange, aber du haſt dich meiner Seelen hertzlich 
angenommen, daß fie nicht verduͤrbe. Du wirffeſt 
alle meine Sünde hinter dich zuruͤcke, Jeſ. 38.10.17. 


‚ Damit wir nun ſolchen Seelen » Hunger und Durft , 
nicht ewig leiden Dürfften, fo hat ung 1) GOTT feine DieS eelen ⸗ 
Gnaden » Perheiffung verfündiget und verkündigen Sri 
laffen, und folches fein Wort zu unferer Seelen» Speifesnaben, 
gemacht ; darum daß GOttes Gnade und Kiebe, var 
Wort und durchs Wort unferer Seelen fürgetragen. * 
und inſinuiret wird. Denn wenn die Seele der Gnade 

V. Theil. XRXxx GOttes 


1058 B. V. C. 5: Don des innerlichen menſchen 


GE0ttes nicht verſichert iſt, fo Fan fie nicht geſaͤttiget wer⸗ 


den, ſondern bleibet immer und ewig hungrig und durſtig. 
apa. Darum ruffet GOTTder HErr im Propheten Fofaia 
am 55. v. i. Woblan! alle die ihr durſtig ſeyd, 
kommt ber sum Waſſer, und die ihr nicht Geld 
babt, kommt ber, Bauffer und eſſet umfonft bepde 
Wein und Milch. Da faget der Propher fie folen 
GOttes Gnade annehmen umſonſt, GOtt wolle feine 
Barmhergigkeit zu ihnen wenden ‚und einen ewigen 
Bund mit ihnen machen die gewiſſe Önade Davids, 
Wenn nun unſere Seele das empfindet, ſo troͤſtet der 
Her Chriſtus, und ſpricht: Selig find, die da hun⸗ 

gert und duͤrſtet nad) der Berechtigkeit, denn fie 

(2)  follen fast werden Datth.5.0.6. 2) Damit nun GOtt 


‚ Goms felbft unfere Seele fättige und fpeife, fo hat er fich ins- 


u Wort verwickelt mit aller feiner Gnade und Liebe; 
fonjt wenn cs nur ein bloſſes Wort wäre ohne GOttes 
Krafft und Reben, Eönnte es unfere Seelen » Speife nicht 
feyn. Weilaber GOtt im Wott iſt, fo fpeifet er die Sees 
le, erquicket fie, machet fie lebendig, ef. am 44: v. 3. 
ch will Waſſer gieffen auf die Durfkigen , "Ich 


will meinen Geiſt ausgieffen. Da hören wir, daß 


GOttes Geiſt ſelbſt unfer Erquick⸗ Waſſer feyn muͤſſe. 


(3) 3) Za,damit GOTT felbft unfere Seelen - Speife 


— würde iſt GOttes Sohn Menſch worden, auf daß er 
en“ ung mit vollkommener Liebe und Gnade fpeife und fät- 
worden, tige, wie er oh. 6.0.35. fpricht : Ich bin dns Brod 
Job·s. v 35. des Lebens. Solches iftdurch das Manna oder Him⸗ 
mel⸗Brod bedeutet, welches eine uͤbernatuͤrliche Speiſe 
geweſen. CHriſtus ſpricht: Ich bin das Manna, oder 
das lebendige Brod das vom Himmel kommen iſt. 
4.B Moſ. Darum haben ſich die Juden fo hoch verſuͤndiget, daß 
5 ſie das Himmels Brod verworfen , darüber fie ſterben 


muften, anzudeuten, wer CHriſtum verwirfft, muß des 


* ewigen Hungers ſterben. Darum ſpricht ers Komme 

023. berzumir,ich willeuch erquicken, Matth. ı 1.0.28 

Als wolt er ſprechen: Auffer mir ift Feiner Seelen wahre 
Erquickung und Sättigung, 

4) 3a 


2 — 
Pe 


— — 


Speife und Nahrung. 1059 


er Ka, damit der HE er CHriſtus unfere rechte (4) 
Seelen⸗ Speife und Tranck würde, und unfer Brod des Ir Ort 
Kebens,hat er fich am Creuse aufopffern laſſen für unfere” 
Suͤnde. Und, GOTT, wie iſt die Bezahlung und Erlihe I 
Gnugthuung für alle uniere Sünde fo ein füffe en 
unferr Sek DaF GOTT <fine Beigenen Sohnes nicht Brods. 
verichonerhat! Wie iſt unſere Berfohnung mit GOTT 
fo ein ſuͤſſes 6 Seelen⸗ Brod! Roͤm. 5. v. 10. Dem fo 
uns GOTT verſohnet hat durch den „Tod feines 
Sohnes ſo will er nicht mehr mit uns zuͤrnen. Wie 
iſt die Vergebung der Sünden ſo ein ſuͤſes Seeler⸗ 

Brod! Bekehret euch zu dem ZER RE. denn er iſt 
barmhertzig, und zu unſerm GOTT; denn es iſt 

viel Vergebung bey ibn, Zeh 55.v. 7. Bir iſt das ein 
wohlſchmeckendes Seelen⸗Brod ‚daß wir wiſſen, wir 

ſind frey von der Anklage vor dem ſtrengen Gerichte 
GOoTRES! Wer will die Auserwehlten GOttes 
beſchuldigen? GOTT iſt Die, der gerecht machet, 

Ro 1.8.0.3 3. Und das iſts das GOtt der HErr ſpricht, 

Jer. 31. v. 25. Ich will die muͤden Seclen erqui⸗ Jerzunas, 
len, und die bekuͤmmerten Seelen ſaͤttigen, dar⸗ 
um bin ich aufgewachet, und habe ſo fanfft ge= 
feblaffen. Das it, g gleichiwie man bey einem fäugens 
den Kinde, welches T Tag und Nacht Speife bedarf, 
fanfft fchlaffen muß ; 5 sngleichen bey einem Kranden: 
Alſo ſchlaͤffet GOTT leife, (wiewol er niche fehläffet, 
fondern ift nur ein Sleihynif) und unfere hungerige 
Seele wecket ihn baldauf. Wie fprichtder HENN, 
Johan. 4.0.14. - Wer bittermich, fo will ich ihm 
Waſſer des Kebens geben ‚das foll in ihm ein 
Bruͤnnlein werden, das ins ewige Keben quiller, 
oh. 7.2. 38. Wende dürffer der komme zu mir, 
Denn EHrifti Leiden und Sterben iftfo eine reiche 
Duelle, weiche überflüßig gnugift , aledurftige Seelen 
zu traͤncken, Sirach. 24.0.28. Wer von mie iffer, 
den bungert immer nach mir; und wer von mit 
trincket, den duͤrſtet immer nach mir, 


5) * hat der von. EHriftus mit der 
Xxx 2 Stiff⸗ 


‚ x we KR 
1060 B.V.E.s. Dondes innerlichen Mienfehen 


DasAbend- Stiftung feines beiligen Nachtmahls anders bejtäti- 


mahl. 


gen wollen, denn daß ſein heiliger Leib, welchen er uns 
giebt, das rechte Brod ſey, und ſein Blut der rechte 
Tranck; nicht Bedeutungss weiſe oder abweſend, ſon⸗ 
dern des HErrn Leib und Blut ſelbſt gegenwaͤrtig: 


Rutth 26. Nicht mit dem Glauben allein zu genieſſen, ſondern auch 
v· a6. 


6 
PR 
Zroft im 
Hort, 


mit leiblichem Munde, aufdaß es dem gantzen aläubis 
gen Menfchen wahre Speife und wahrhafftiger Tranck 
fey; Nicht figürlicher ABeife, fondern weſendlich, fonft 
Fönnte er unſere wahrhafftige Speife nicht feya, dadurch 
die Gläubigen wabrhafftig gefpeifer werden zur Unſterb⸗ 
lichkeit für GOTT, und zur Auferfichung in das ewige 
Leben. Denn wir find Blieder feines Leibes, von 
feinem Sleifche und von feinem Gebeine, Ephrf. 5. 
v. 30. Er bat ein Gedaͤchtniß geftiffter feiner 
Wunder, der gnädige und bacmbergige HERR; 
Er giebt Speiſe denen die ihn fürchten, Mfalm ı rı. 
v. 5. Schmecker und ſehet wie freundlich der 
HERX it, Palm 3.09 5 
6 Wosthut unfer lieber GOTT anders, wenn er 
unfere Seele tröftet und erfreuet durch feinen Heiligen 
Geiſt, ‚denn daß er unfere Seele fpeifet ‚ erquicket und 
fättiget; Pfalm 84: v. 1. Miein Freund führer mich 
in feinen Wein» Beller : Er Iaber mich mir Aepffeln 
und erquicher mich mit Blumen, fpricht das Hohe 
Lied, Cap. 2. v. 4.5. Disiftentgegen gefeßet dem toͤdtli⸗ 
chen Apffel, an welchem unfere erſte Eltern den Tod 
- gegeffen haben, 1. B. Moſ. 3: 0.6. Und Hohe, 5. v. 1. 
Komm meine Braut, ich babe meine Myrrhen 
faınmt meinen Würtgen abgebrochen, Ich babe 
meines Seims famme meinemAonig gegeffen. Ich 
babe meines Weins ſammt meiner Milch getrun⸗ 
cken: Eſſet meine Kieben, und trincket und werdet 
truncken, Pſalm 36.0.8. Wie theuer iſt deine Güte, 
o GOTT, daß Menſchen-BKinder unter dem 
Scyattendeiner Flügel trauen! Sie werden truns 
cken von denreichen Bütbern deines Hauſes, du 


traͤnckeſt fie mie Wolluſt als mit einem Strobm! 


Pſalm 


Speife und Nahrung 1061. 


EN > > RE 
Pſoalm 23.0. 4. Dir bereiteft für mir einen Tifch 

gegen meine Seinde, du ſalbeſt mein Haupt nit 

Oele, und fehenckeft mir vollein, Offenb. am 2.v. 7. 

‚Wer überwindet, dem will ich zu effen geben von 

dem Aolız des Aebens , das im Paradies GOttes 

ift, und von den verborgenen Mana, 

7. Was wird das ewige Leben andere ſeyn, als ein „ ;7,.., 
ftetiges ABohlleben, und Geſchmack, und Nieffung der Lesen. ö 
Freude GOttes. Eſa. 65. 9.13. Siebe, fpricht der 
-ZSERR SERR , meine Bnechte follen effen, trins 

den, jauchsen und frölich fepn. Und Offenb. 7. v. ı7. 
Das Lämmlein GOttes wird fie weyden und füb- 
ren zu den lebendigen Waſſer » Quellen : Sie wird - 
nicht mebr bungern und dürften, und GOTT 
"wird abwifchen alle Thraͤnen von ıbren Augen. 


Hieher gehoͤret das Gebet, fo im 1. Buch zu Ende deg 3. Capi⸗ 
telg zu finden. Me 


Das VI. Capitel, 


Dom wahren feligmachenden 
| - Glauben. 
Es Glaubens Saame ift GOttes Wort, aus x. 
welchem der Glaube waͤchſet und feinen Uvs Das Wort 
Iprung nimmt, (wie die erſte Verheiſſung im Pas vens Sag 
radies den Glauben gewuͤrcket hat) wie der HERRmen. 
ſpricht Joh. 17. v. 20. Ich bitte nicht allein für fie, 
fondern auch für die, ſo durch ihre Wort an mich 
gläuben werden, Und Nom. 10,0. 14. Wie follen 
fie gläuben ‚von dem fie nichts gebörer haben? 

2. Daher die Epijtel an die Ebraer am 12. v. 2: = 
den Heven ZESUM nennet den Anfänger und Cpritus 
Vollender des Glaubens. Uud Sanet Paulus nerz I Une 
net den Glauben eine Srucht des Heiligen Beifkes, fünger und 
Sal. 5.0.22. Und der HErr Joh. 6. 0.29. 7. Aal 
Werck GOttes in uns, dadurch unfer Hertz, Vers 
fand und Wille kraͤfftiglich zu GOTT geneiget und 
gezogen wird, ihn recht gu erkennen, zu lieben, zu ehren, 
angubeten und zu preifen. : 
| - Krr 3 3. Fuͤr 


1062 B. V. C.6. Dom wahren 


(3) 3. Bor alien Dingen aber erfonnet und befennet der 
wahre Glaube den einigen wahren GOtt indreyen un 
gar ons terſchiedenen Perſonen, und die Heilige Dreyfaltigkeit 
ermumPiz einem einigen Goͤttlichen Weſen, ohne welches Erz 
DE EI IM .« eig, > r 5 x 
bersinhen kaͤnntniß Erin wehrt Glaube feyn Fan, und ergiebt ſich 
Ditranen. gar der Gnade und Barınhersigkeit des Vaters, der 

berslichen getreuen Liebe des Zohnes, und der gnaͤdi⸗ 
gen Regierung des heiligen Beiftes, haͤlt ſich an GOt⸗ 
tes Verheiſſung, Wahrheit und Allmacht, wider-und 
über ale Berrunfft. ER; 
Re 4. Der Slaube ſchleuſſet alle Cresturen aus, (denn 
Sanbeheter hanget an Leinen fihtbaren Dingen, ) und veiniges 
zen zürich, Die Seele von allem irdiſchen peraanglihem Weſen, 
und dengerumd führet fie üb.r alle Bernunfft, Natur und Ckeatur, 
— daß ſie daran nicht hangen bleibe, ſonſt kan fie nicht felig 
werden, weil in allen irdiſchen vergaͤnglichen Creatu⸗ 
turen Feine Seligkeit iſt: Hinwieder aber, weil die Se⸗ 
ligkeit allein aus GOtt koͤmmt, ſo muß auch die Seele 
anu keiner Creatur hangen, ſondern bloß allein an GOtt. 
Darum ſchleuſſet der Blaube alles aus, ws GOTT 
Abm. z. 23. DE ſelbſt iſt: Daher bekennen wir, daß wir allein 
durch den Blauben felig werden, 

(5) 5. Darum bat ung nun der allmächtige, gnädige, 
— ——— himmliſche Vater ſeinen eingebohrnen Sohn zu einem 
voneheie Seligmacher gegeben , und ihn Darum laſſen Menſch 
e Ay: werben, und ihm den Namen JESUS gegeben, daß 
auf fh oe, er fein Volck ſolte felig machen von ihren Sunden, 
Staub fe Math. 1,0. 2:. und bar feines einigen Sohns 
bein. nicht verfehoner, fondern denfelben fürunsalle da⸗ 
hin gegeben, Nom. 8:90.32: daß wir durch feinen 
Tod erloͤſet und verſoͤhnet, und durch feine Auferſtehung 
gerecht wuͤrden; weil Suͤnde, Tod, Teufel, Hoͤll, 
Fluch und Verdammuiß durch ihn uͤberwunden und von 
uns weggenommen, und uns der himmliſche Vater be> 
fohlen, an demſelben feinen Sohn unſern Seligma⸗ 
Av Geſch.a. er zu glaͤuben, Matth.i7. v. 5. Weil ſonſt in keinem 
ni anders Heyl iſt, auch kein anderer Name den Men⸗ 

ſchen gegeben iſt, in welchem ſie ſolten ſelig * 
oe, 


feligmachenden Glauben. 1063 


den, Apoſt. Geſch. 4.0.12. Darumiltdasdes Ölaus 
bens Art und Eigenfchafft, das er Die Seligkeit bey nies 
mand anders ſuchet, denn allein bey dem Seligmacher 
EHrifto JEſu. ‘ f 

6. Diefe unfere Geligfeit wird durd den Namen 6. 
KESU befihrieben, daß er uns von Sünden ſelig annen 
mache: Deßhalben fo erlanger der Glaube allein in Ipron 
EHrifto, aus feinem heiligen Verdienſte und Bezab- — 
lung, Vergebung der Suͤnden, ſuchet auch dieſelbe bey Graubedie 
keinem andern im Himmel und Erden; weil kein ander Sclisteit. 
für unfere Sünde geftorben, und weil fein Tod eine Patb-! 
vollkommene Bezahlung, Löfer Geld und Verſoͤh⸗ 
nung ift für aller ABelt Sünde. Daher GOTT der 
himmliſche Vater alle feine ®nade und Barmhertzigkeit 
genen uns arme Sünder in unfern HErrn ZESUM 
‚EHriftum geleget bat, und denfelben allen armen 
Suͤndern vorgefteller zu einem Gnaden- Thron 
durch den Glauben in feinem Blute, Roͤm. 3. v. 25. 
Er iſt allein Sedes & Thronus gratiæ, der Sitz und Thron 
der Gnaden. Darum iſt der Glaube ein freudiger 
Zutritt zu dem Gnaden-Stuhl, auf daß wir Barm⸗ 
hertzigkeit empfangen und Gnade finden, zum 
Hebr. am 4. v. 16. Darum ift er parrheſia und ple- Was Glau⸗ 
rophoria, ein ſtarcke Zuverſicht und Hertzhafftigkeit; be 1 
wie der HERR ſpricht zu dem Gichtbruͤchigen: Con- pay, 9 
fide fili, fep getroft, mein Sohn. an 

7. Daher macht aud) der Glaube gerecht, weil er -, 
EHriftum erareifft mit feiner gantzen Perſon und Amt, Gtaube 
Verdienſt, Erloͤſung, Gerechtigkeit und Heiligkeit, ae 
machet ihm denfelben zu eigen, zeucht ihn an als gerscht, 
ein Kleid des Heils und Rock der Gerechtigkeit, Ä 
Jeſaiaͤ 61. v. 10. Denn er iſt von GOTT ge 
macht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Hei⸗ 
ligung und zur Erloͤſung, 1. Cor. 1.0. 30. Und 
alſo und auf dieſe Weiſe macht der Glaube gerecht in 
CHriſto; und fo werden wir in EHrifto nicht allein 
gerecht, fondern die Gerechtigkeit felbft, 2. Corinth. 5. 
v. 21. das iſt, volllommen gerecht, weil EHrifti Ges 

| Kr 4 rechtig⸗ 


1064 B.V.E.6 Vomwahren 


techtigkeit vollfommen ift, fein Verdienſt ift volkom⸗ 

men, die Bezahlung ift vollfommen, die Erloͤſung ift 
vollfommen und ewig, die Verſoͤhnung ift velfommen, 

und iſt alles unfer durch den Glauben, weildiefelbe voll⸗ 
kommene Gerechtigkeit dem Glauben zugerechnet wird, 

Phil: 3.0.9. Roͤm. 4. v. 6. 

ee „8 Darum iſt auch der Glaube einfanffter Seelen, 
bringet Zriede und Ruhe, ruhet allein in CHriſti Verdienſt, 
ara und feinen heiligen Wunden ‚-flillet Das bofe Gewiſſen, 
beie vom  Melches Die Suͤnde verunruhiget, Matth. ı 1. v. 28. 
ge, Roͤm. 5.v. L. Vertreibet alle Furcht und Angſt, und 
MSIE machet die Seele frey vonder Anklage des Geſetzes und 
des Teufels, weil der Satan überwunden, und dem ans 
Elagenden Gefege gnug gefchehen : Erlediget Die Seele 
von. allen Menfchen-Sagungen, weil allein in CHriſto 

alle Seligkeit ift, und CHriſtus den Gläubigen alles ift. 

I0h.8. 0.36. Denn wenn uns der Sohn frep gemacht bat, fo 
ind wir recht frep von Sünden, Tod, Teufeh Hol > 
und Welt, und Eonnen folche den Gläubigen nicht fchas 
den, Joh. 8.36. ! ' | 

9. 9. Daher ift nun der Glaube der Sieg über die 
eh Belt, denn alles, was aus GOTT gebohren iſt 
1.30),5, 4. überwindet die Welt, und unfer Glaube ift der 
- Sieg, der die Welt überwunden bat, 1. Joh. 5x 
v. 4. Seyd getroſt, faricht unfer Erloͤſer, Joh. 1 6; 

verſ. 33. ich Habe die Welt überwunden. Dieſe 
Überwindung und Sieg über Sünde, Tod, Teufel, 

Hölle und Welt ift unfer eigen durch den Glauben, wie 

St. Paulus ſagt, 1. Cor. 15.v. 57. GGStt fer Danck, 

der uns den Sieg gegeben bat in CHriſto IESU 

unferm HErru! Darum Fan einem Glaͤubigen die 

gantze Welt nicht ſchaden mit aller ihrer Macht, Gewalt 

und Liſt, und muß ihn in CHriſto feinem Siegs⸗-Fuͤrſten 

paßiren laſſen: Denn er iſt aus GOtt gebobren, und 

iſt uͤber alle Welt. Denn wer da glaͤubet, daß 

IAEſus CHriſtus GOttes Sohn iſt, der iſt aus 

GEOtt gebohren, und uͤberwindet die Welt, hat 
die Welt unter feinen Fuͤſſen, und tritt in te 
alten 


ſeligmachenden Glauben. 1065 


alten Schlangen auf den Kopf, gehet auf Löwen 
und Ditern’Di.9 1.0.13. auf Schlangen und Scor⸗ 
pion, und bat Gewalt über alle Macht des Seins 
des, Luc. 10. v. 19. Siebe, es kommt der Sürft diefer 
Welt, und hat nichts an mir, Joh. 14.0. 30. Mir 
überwinden alles in dem ' der uns gelicber bat, 
Nom. 8.0.37. 


10, Denn der Slaube t vereiniget die gläubige See⸗ To. 

le mit CHrißo, Dfe 2.0.20. Im Glauben will ic) Aausenm 

mich mit dir vertrauen. Urd 1. Eor.6.d.17. Wer EHrio. 

dem Errn anhanget, wird ein Beift mit ihm: 

ja ein keib, ein Fleifch und Blut, Ephef. 5.0.23. 30. . 

Alsdenn vermaa der Glaube allıs in EHrito, und En Oldus 

den Gläubigen find alle Dinge möglich, Marc. 9. magalles. 

v. 23. und ale himmlifche und ewige Güter werden 

durch den Glauben und hohe Verbuͤndniß der glaͤubi⸗ 

gen Seele mit EHrifto des Chriſtglaͤubigen Menſchen 

Ya und er hat fie mit CHriſto gemein s Darum lebet, 
herrfchet, überrindet CHriſtus in feinen Släubigen. 

Obwol Sünde, Teufel und Welt wider einen Glaͤubi⸗ 

. gen ftreiten, fo heiſſet es doch: Seyd ſtarck in dem 

Errn, und in der Macht ſeiner Staͤrcke, ziehet 

an den Harniſch GOttes, ergreiffet den Schild des 

Glaubens, ꝛc. Eph. 6. v. 10. Denn der in unsift, iſt 

gröfler, denn der inder Welt ift, 1. Joh. 4.0.7: 


ıt, Darum iſt der Glaube Hypoftafis, eine Sub⸗ ır.. 

fang oder Weſen, Daß er allebona gratiæ, und Gnaden⸗ beseheien 
Güter in CHriſto beſitzet und gewiß hat, und allbereit Standven. 
ein ungejweifelter Erbe ift der zufünfftigen Güter der Ebr. rn. vr. 
Herrlichkeit Denn er hat die KRindfchafft GOttes in 
EHrifto ererbet, Eph. 1.v.5. Sind wirdenn Rins 

der, ſo find wir aud; Erben, nemlich GOttes Er⸗ 

ben und Mit⸗Erben CAriffi, Nom,8.0.17. Und 

1. Petr. 1.0.4. neu gebobren zu einem unbefleckten, 
unverwelclichen, unvergänglichen Erbe. 


12. Daraus fehen m +,daf ung der Glaube unferer 
Seligkeit gewiß machet; gewiß als CHriſtus Seh, Ole 
—* 





1066 B. V. C.6. Dom wahren 


anne nn re re — 
Gewißheit für unfere Sünde geftorben, aufgeftanden, gen Dimmel 
um SE gefahren, und zur rechten Hand GDites figet, ein HErt 
über alles: So gewiß hat er uns auch ſeelig, gerecht, 
heilig gemacht, und alle himmliſche Güter erworben, 
fonft wäre er umſonſt geflorben und auferftauden, 
Nom: 8.0.38. Ich bin gewiß, daß uns weder Le⸗ 
ben noch Tod fiheiden Ban von der Liebe GOttes. 


(13) 18. Das ift nun der Segen, in welchem alle Böl- 
Be cker auf Erden gefegnet werden: So kommt der Segen 
Eigen. Abraham zu allen, und aufalle, die da aläuben, Roͤm.4. 

2.16. 1. B. Moſ. 22.0.1. Gelobet ſey GOtt, der 
uns geſegnet hat mit allerley geiſtlichem Segen in 
himmliſchen Guͤtern ꝛtc. Eph. 1v. 3. Darum kan der 
sangen Welt Dab, Neid, Verfolgung und Fluch einem 
Glaͤubigen nicht ſchaden; dınn er iſt ein Geſegneter des 
HEen, und der Gegen GOlles rubet auf ihm. 

(14) 14. Hieraus iſt offenbar, daß der Glaube den gantzen 
Glauteer: Menſchen ernenert; denn er wuͤrcket Liebe, Hoffnung, * 
sangen Sanfftmuth, Demuth, Gedult, Andacht, Sottesfurcht, 
Menden. und ein gankesneueskeben, welches nen? Leben wir aus 

Chriſto ſchoͤpffen, weil wir in ihn gepfropffet find, 

Joh. 1 5.6. 2. Der Glaube bringt ein ſtetiges Seuff⸗ 

zen nach CHriſto, hungert und duͤrſtet nach ihm, ver⸗ 
Verſchma⸗ ſchinaͤhet die Walt 5 denn er hat das beſte Theil etweh⸗ 
bt die fer, Und der Menfd) wird durch den Glauben eine 
5* neue Creatur: Denn er erneuert das Ebenbild GOttes 
in ung, ſchmuͤcket die Seele mit allen Goͤttlichen Tugen⸗ 
den und himmlifchen Kräfften. Er aiebtfich auch dem 
Naͤchſten gang zueigen, wie ih ihm E-Hriftug zu eigen 

gegeben hat, und ſpricht: Ich will meinem Naͤchſten 

wieder alſo werden, wie mir CHriſtus worden iſt, weil 

wir in CHeiſto ein Leib feyn, und allzuſammen Glieder 

eines Haupts, Kom. 12.0. 5. 1.Cor. 12.60.27. DIE - 

ift aber nicht unfere Ge rechtigkeit vor GOTT, ſondern 

der Gerechtigkeit Frucht. Man muß den Baum erſt 

pflantzen, ehe er Frucht traͤgt. 

(15). 15. Ob nun wol der Glaube erſt ſchwach wird, und 
Shuaner anfänglich Diode ii, wie ein ſchwaches Kind; fo ift doch 

der 


N feligimachenden Olauben. I 067 


der ſchwache Glaube GOtt gar lieb und angenehm, , Gott an an 
dieweil er EHrifto unferm Herten anbanget 5 Darum doc mußer 
fieht GOTT feine Schwachheit nicht an, urthjeilet ihn machfen. - 
auch nicht nach feiner Schreachheit, fondern nad) EHI 

fto, an den er gläubet, um welches willen er ihn gnaͤdig 
anfiehet, und ihm elle Schäge EHriftt mittheilet, reicher 

ihm die Hand, wie dem finefenden Petro, wird auch ge⸗ 

ftaͤrcket und vermehret, waͤchſet und nimmt u in EHris 

jto, wie ein Kindlein, wenn es wohlernehret wird. 

16. Es tröfter der Glaube unfrre betrübte Geele in ann 
allen Creutz und Truͤbſal: denn ein gläubiger Chriſt ifk pringer 
vor GOtt theuer und werth, weil er theuer erkaufft iſt, in 
— er gleich | in der Weleviel leiden muß, Palm ı gie 

3. 1. Betr. 1.0.6.7. EHriftus hat ihm fein Reich 
J—— himmliſche Ehre wider alle Verachtung 
Der Welt, eroige Güter für zeitliche, ewigen Segen für 
den Fluch Diefer Welt, ewige Freude für Die Traurige 
* Feit dieſer Welt, ewiges Leben für den zeitlichen Tod, 
einen bimmlifchen verklästen Leib für den fündlichen 
ſterblichen Leib, ewige Herrlichkeit für Die Verachtung 
dieſer Welt. 

17. Endlich, weil der Glaube allein an Chriſto han⸗ (17) 
get, fo beſchuͤtzet er die Seele vor aller falſchen Lehre, Ke— Biare ei 

tzereh und faiſchen Propheten, bewahret Die Seele vor Srenften- 
allen unrichtigen Meynungen, als das allerkoͤſtlichſte vor —* 
Praͤſervativ, ſo vor allem Gifft bewahret, und widerle⸗ 
get und verdammet alles Widerwaͤrtige, ſo dem Glau⸗ 
ben und GOttes Wort nicht aͤhnlich iſt. 

Hieher gehoͤret das Gebet, ſo im 1. Buch zu Ende des 5. Ca⸗ 
pitels zu finden. 


Das VII. Capitel. 


Von gnäbiger Pergebung der 
Er Artickel von * en der Sünden Vergebung 

ift der höchfte Troſt, fo ein Denfch in Biefet ne: SR 

ꝰ Melt haben Fan, Dadurch. er fein Geuen en iR Der 
—  " 


1068 B. V.C.7. Von der gnädigen Vergebung 


ee u6 beilen ı und ſtillen, des Teufels liſtige Anläuffe abwen⸗ 

aber reche den, der Verzweifelung wehren, feine Seele vor falſcher 

gefaber Lehre und Verführung bewahren, und der Welt Vers 

werden folgung und Verachtung überwindenkan: Dennwas 
fragſt du nach bern Teufel und der gangen Welt, wenn 
Du ben SOTT in Gnaden bift, und Vergebung der 
Sünden haft. - 

r. 1. Es muß aber vorher gehen wahre Buſſe und Er⸗ 

Dom: Fänntniß der Sünden, wie der Prophet Fefaias lehret, 
C.I. v. 16. Waſchet euch reiniget euch ꝛc. Ejech.i8. 
d.21. Wenn ſich der Sünder bekehret von allen 
feinen Sünden, die er getban bat, x. Pf. 38.0. 5. 
Meine Sünden geben über mein Haupt. Darzu 
denn gehöret der Sünden Bekaͤnntuiß, Pſal. 32.0.5. 
Pfal,sı.v.3. 1. Joh. 1.0.9. Luc. 24. v. 47. Buſſe 
und Vergebung der Sünden, 
a6 2. Bergebung dar Sünden muß man fuchen duch 
ar ren ’ Das Gebet, durch Tolle ⸗hertzliches Seuffzen zu 
Gebet. Godtt mit zerbrochenem und zuſchlagenem Hertzen und 
Geiſt, wie in den 7. Buß⸗Pſalmen zu ſehen: Auch mit 
Thraͤnen, wie David im 6. Pſ. v. 7. Petrus und Das 
via Magdalena, Matth. 26. v. 75. Lur 7.38 

3. Man muß fie aber allein bep ChKriſto IEſu 
unferm HErrn und Suͤnden-Buͤſſer fuchen, welcher die 
Suͤnde der Welt getragen und hingenommen ; an 
: welchem wir baben die Krlöfung durch fein Blur, 
nemlich die Dergebungder Sünden, Kol. 1.0.14. 
Fefa. 53.0.5. . Die Strafe liege auf ibn, auf daß 
wir Sriede hätten, und durch feine Wunden find 
wir gebeiler. So fehlüffet St. Paulus: Wo die 
Erloͤſung ift, da iſt auch die Vrrgebung. Bey EHrifto 
allein ift die Erloͤſung; darum iſt auch bey ihm allein 
die Vergebung: 

4. 4. Man muß feinen Glauben gründen auf die 
—— Deibeiffung ‚ und diefelde im Hertzen — aus 
Verheiſ⸗ Dem alten und neuen Teſtament⸗ Jeſa. 43. v. 25. Ich, 
ung. ſch tilge deine Suͤnde. Jerem 31.0.33.34. Das 

ſoll der Bund ſeyn, ꝛc. Ich will ihnen ihre Miſſe⸗ 
that 


3. 
Bey Chri⸗ 
fo. 


der Simden. 1069 


that vergeben, und ibrer Sünden 'nimmermebr - 
gedencken, Ezech. 33: dv. 14. 16. Wenn fich der 
Gottlofe bekehret von feiner Sünde, ſo foll er 
leben und nicht fferben , und aller feiner Sünde, 
die er getban bat, foll nicht gedacht werden, Jer. 3. 
v.i2. Komm wieder zu mir , Eebre um du Ab⸗ 
trünnige ‚fo will ich mein Anrlig m nicht gegen euch 
verftellen. Matth. 9. v. 12. Die Starcken beduͤrf⸗ 
fen des Artztes nicht, fondern die Brancken. 
1. Joh. 2.0. 1. Meine Rinolein , ob jemand fü uns 
diget, ſo haben wir einen Sürfprecher, I ARE, 
5, Man mußund fbll in dieſem Artickel die Hoheit, 5. | 
Mürdigkeit und Wichtigkeit des geborfamen Der ühk |, 
dienftes, Blutes und Todes CArifti erwegen; und Dersienfes 
was für eine Perſon für unfere Sünde gelidten, feine Lorißi. 
Heiligkeit, Unſchuld und Gerechtigkeit, welche gnugſam 
iſt, alle Suͤnden zu tilgen und hinzunehmen ‚fie haben 
Namen wie fie wollen, heimlich oder öffentlich, wiſſent⸗ 
lid) ‚ oder unroiffentlich, vergangene oder gegenwaͤrtige, 
oder zufünfftige: 3a, ob ein Menfih alle Sünde der 
gangen Welt allein gethan und auf fich hätte ‚fo ift des’ 
Herten EHrifti Leiden und Tod fo wichtig, ſtarck, 
Fräfftig und mächtig, daß es alle Suͤnde hinnimmt und 
tilget, und ſollen dem Gläubigen ‚welcher Bergebung 
der Sünde in EHrifti Tod fuchet ‚vergeben feyn und 
nimmermehr zugerechnet werden; . denn Chriſti Tod 
iftnicht allein für etliche Sünden, für dieſe oder jene, 
fondern fur alle Sünden gnugſam, Pfalm 103. v. 3. 
Pſalm 130.0. 8. 1. Tim. 2. v. 6. Antylitron, zur 
Erloͤſung für alle, 

6. So faffet auch der Glaube, der um Vergebung 
der Sünden bittet, nicht allein eine oder etliche Sünde, ai ale 
fondern alle Sünde in fich ‚und bringet fie dem Arte Berges 
E-Hrifto für, und bittet um vollfommene Eur oder Hei⸗ bun- 
Jung, des gangen böfen Hertzen, in welchem der Duell» 
Brunn ift alles Bofen. Denn gleichwie der Mann, 
Math. 8. v. 3. der voll Auſſag mar, und vor dem Din 
HErrn niederfiel, nicht allein bat) um die — 

eines 


10790 B.V.E,7. Vongnädiger Dergebung. 


feines Haupts, fondern um die Neinigung des gansen 
Leibes: Alſo begreifft der Glaube die gantze vergiffte, 
verderbte menſchliche Natur in ſich, mit Leib und Seele, 
und bringet fie zu Dem Artzte, es fey inwendig oder aͤuſ⸗ 
ferlich, groß oder klein Gedancken, Worte oder Wercke, 
gegenwärtig oder gufünfftig 5 wie der 103. Palmv. 3. 
fpricht: Der dir alle deine Sünde vergiebt, und 
heilet alle deine Bebrechen: Und wie der heilige Pro⸗ 
phet Eſaias am 1.0, 5. 6. ſpricht: Das gantze Haupt 
iſt kranck, das gantze Hertz iſt matt; von der Fuß⸗ 
folen bis aufs Haupt iſt nichts geſundes an ibm; 
fondern Wunden , Striemen und Zpeer- Beulen, 
die nicht gebefftet, noch verbinden, noch mit Dele 
gelindert: Es waͤſchet aber CHriſtus untere Sünde 
alſo, daß fie fehneeweiß werden, ſupra nivem, nach weif- 
fer als Schnee; da bleibet Feine Sünde uͤbrig, die Suͤnde 
wird wie Wolle, das heiſt entſuͤndigen, Pſalm 5 1.0.9, 
die Suͤnde gar hinweg genommen, wie der Prophet 
Nathan ſaget zu David: Der HERR bat deine 
Suͤnde weggenommen, 2. Sam. 12. v. 13. Item 
Hiskia: Du wirffeſt alle meine Sünde hinter dich 
zuruͤck Seh 38.0. 17. 

7. Darum muß man dieſen Artickel nicht alſo ver⸗ 
ſtehen oder gebrauchen, daß man allein auf eine oder 
auf wenig Sünde fehe, oder auf die vergangene Sünde, 
fondern diefer Artickel und die Krafft des Blutes 
CHriſti erſtrecket ſich aufdas gantge ſuͤndliche Leben 
des Menſchen, von der Stunde der Empfaͤngniß an, 
die in Suͤnden geſchehen, bis auf den letzten Othem, 
über Leib und Seele, Gegenwaͤrtiges und Zufünfftiges : 
Und ift nicht alfo gu verſtehen, als wenn eine Sünde 
heute vergeben , morgen wieder zugerechnet würde, 


Mer wahre rein, mit nichten; fondern wer ftetig in wahrer Buffe, 


Reue und Leid, in wahren Glauben an EHriftum, 


tommene lebet, der hat Vergebung der Sünden fo vollkoͤmmlich, 


8 als vollkoͤmmlich CHriſtus die Sünde bezahlet hat 
durch feinen Tod, alfo, daß fie ihm in Ewigkeit nicht 
zugerechnet werden, fondern vergeben, vergeflen? | 

getib · 


der Sünden. | 1071 


aaa ERETEEEeTERE EEE EEE DENT 7 WETTER — — 
getilget, zugeſiegelt und in die Tieffe des Meers 
geworffen ſeyn, wie. Die Schrift faget: ef. am 43. 
v.25- Dan. 9.0.24. Mich. 7. v. 19. Die Miſ⸗ 
ſethat verſiegelt und eine ewige Gerechtigkeit wie⸗ 
dergebracht, Ebr. 9. v. 12. Denn eg iſt eine ewige 
Erloſung und Verſohnung, weiche nicht heute waͤhret 
und morgen aufhöret, fondern ewig, feſt und gewiß bleis 
bet. Denn dis iſt der ewige Bund GOttes in CHriſto 
mit allen Gläubigen gemacht, und durch den Tod 
CHriſti beftätiger. 

8. Eoift auch in dieſem Artickel hoch gu bedencken, _. 8. 
daß wir Vergebung der Sünden haben aus Gnaden, us Sina 
obne Derdienft, lauter umfonft ‚Durch die Barmher? Verdienk, 
tzigkei SOTTES, um des Verdienſtes und heiligen 
Todes EHrifti willen, welcher gefforben iſt um uns 
‚ferer Sünde willen, und wieder auferffanden um 
unferer Gerechtigkeit willen, Roͤm. 4. v. 25. Wels 
ches Blut uns reiniget von allen unfern Sünden, - 
1.504 1,9% 7. Denn fo die Vergebung der Sünden 
in unferm Verdienſt ftünde, hätten wir nimmer ein gut 
Gewiſſen, hätten Feinen Friede im Hertzen, müften in 
ftetem Zweifel und Unruhe feben und fterben , und wäre 
uns EHrifti Verdienſt nicht heilfam und nichts nuͤtze; 
denn es befriediget das Hertze nicht, und wäre Fein 
Troſt der Seelen: Denn darum heiffetes Vergebung 
der Sünden , Daß die ſchweren und aroffen Schulden 
aus Gnaden und Erbarmung vergeben werden, weil 

wir nicht haben zu bezahlen. Darum preiſet David 
den Menſchen felig, dem die Ubertretung vergeben, Pſzꝛab.n 
dem die Suͤnde bedecket iſt, dem der SERK die 
Miſſethat nicht zurechnet, Pſalm 32. v. 1. Iſt es 
nun vergeben, ſo iſt es nicht verdienet: iſt es bedecket, ſo 
iſt es aus Gnaden zugedeckt; wird es nicht zugerechnet, 
fo iſt es ewiglich vergeſſen. Daher wird GOTTES 
Barmhertzigkeit von Moſe ſo hoch gepreiſet, als er 
ſpricht: 6KRR, 4ERR, GOTT , barmbergig 
und gnaͤdig. Und im 103. Pſalm v.8. Jeſ. 55. v. 1. 
ſt dieſer Punct gewaltig gegruͤndet, daß wir gantz 

— umſonſt 








1072 B. V. C.7. Don ghädiger Dergebung 


umfonft Vergebung haben. Das giebt dem Hergen ger 
wiſſen Friede und Troſt⸗ ee iſt ewig 
und faͤllet nicht hin Df.1o 3.0.17. Jeſ. 54. v. 8. Luc.i.v. 77. 
Und Erkaͤnntniß des Heyls gebeſt feinem Volck, die 
da ift in Dergebung ihrer Sünde, durch die beris 
liche Barmhertzigkeit unfers Göttes. 
9. So iſt auch DIE in dieſem Artickel zu bedencken, 
Der Glaube daß wir der Dergebungder Sünden Fönnen gewiß 
Is nn ſeyn: 1) Aus dem theuren Eyd GOttes, Ezech. 33. D.1, 
chert der 2) Aus dem Amt Chriſti: Er iſt kommen die Suͤn⸗ 
—835 der ſelig zumachen, ĩ. Tim. 1. v. I5. Des Menſchen 
Sohn iſt kommen zu ſuchen und ſelig zu machen, 
Das verlohren iſt, Luc. 19. v. 0. 3) Er hat fuͤr die 
Bünde der gantzen Welt, genug gethan . Joh. 2. v. 2. 
4)Er hat alle Sünder zu ſich geruffen, und machet kei⸗ 
nen Unterſcheid. 5) Nom. 5. v. 20. {Do die Finde 





mächtig wordenift, da ift die Önade GOttes noch 


viel mächtiger. 6) GOTT will, daß allen Mens 
ſchen geboölffen werde 1. Tim. 2. v. 4. und willnicht, 
Daß iemand verlohren werde, 2..Pett.3.0.9. 7) Aus 


Der heiligen Tauffe; denn darinn iſt der neue Gnaden⸗ 


“Bund wiederholet, welcher ewig iſt. 
10. So iſt auch in diefem Artickel auf die Frucht 


en Ad der Vergebung der Suͤnden Acht zu haben, welche iſt 


ven Berger griede des Hertzens, Roͤm.g. v. t. und Cap. 8. v. 33. 
Ste, BOTT iſt bie, dev gerecht machet. Wenn aber 
Diefer Hertzens⸗ Friede fo bald nicht koͤmmt, fo behalte 
nur im Gedaͤchtniß EHriftum und fein Verdienſt für 
der gantzen Welt Sünde , fo wird gewiß der Sriede 


Fommen. Siehe allegeit CHriſtum im Glauben an, 
als die Sfraeliten die eberne Schlange, fo wird der 


feurige Biß des böfen Gewiſſens geheiletz muft auch 


darum bitten, wie im 5 ı.Pralm v. 13. fichet; Ver⸗ 


wirff mich niche von deinem Angeſicht. 
11. Straouchelſt du aber oder fälleſt wieder, ſo habe 


Ei gt deine Zuflucht zu dem Gnaden » Seubl, EHtilto | 
ya Bier 86 BU unferm HErrn; Hebr.4. v. 16. Auf daß wir 
Ft Barmhertzigkeit erlangen am Tage, wenns er 


nor 


der@ünden. 1073 


noth ſeyn wird ; und denn ifts unsnoth. GOTT wird EHrifte 
dich wiedertuffen wieden Adam ‚1. Buch Moſ. 3. v. 9, "men. 
DEHENR fpriht : Wenn dein Bruder des Tages 
fiebenmal wider dich ſuͤndigte, und kaͤme zu dir, 

und fpräche: Vergieb mir, fo ſolt du ihm verges 

ben, Luc. 17.0.4. Ach vielmehr wirds GOTT hun! 

Ser. 3.0. 12. Bommet ber zu mir. Darum gehöret 

Dis auch su Diefer Lehre, daß uns GOttes Gnade wieder 
aufrichter, Malın 1 46.0.8. Und läffer unsniche in , 
unfeen Finden verderben, wie Manaffe ſaget. 

12. Wider die böfen Lüfte des Herggens aber mg 
muft dubeten,Bämpffen,Elaaen,mitSanct Pauſo aud) witer die 
lernen ftreiten durch den Heiligen Geift, der unſrer BE 
Schwachbeit auf hilfft, Kom. 8.0. 26. llsdenn 
koͤnnen uns unfere Sünden nicht fchaden noch verdame 7 
men, weil du wider dieſelben fampffeft, und fle nicht 
laͤſſeſt herrſchen, Nom. 6.0. 12. ie werden dir 
auch nicht zugerechnet , wenn du bittet, GOTT wolle 
dich für Sünden behüten, und Krafft geben, Sünde, 
Fleiſch, Teufel und Welt zu überwinden. 

13. Endlich muſt du zuſehen, daß du mit deinem Veiß ha⸗ 
Naͤchſten in Friede und Verſoͤhnlichkeit lebeſt, gerne uhfei mit 
vergebeft , wie Dir CHriſtus vergeben hat. Alſo haft dem Naͤch⸗ 
du dieſen Artickel, und kanſt ihn dir heilſam zu Muß" 
machen. 

Hieher gehoͤret das Gebet, ſo im andern Buch zu Ende des 
2. Capitels zu finden. 


Das VIIL Capitel. 


Don der Gerechtigkeit 
| des Glaubens. 


AB der Menſch aus Gnaden allein durch den gruͤnde der 

Glauben an CHriſtum ZESUM vor GOtt Ferechtis⸗ 

gerecht und felig werde, bezeuget erfklich die Kilkı s. 
grundloſe, unerforfchliche , tiefe Verderbung menfihli- _. 1. 
cher Natur, welcher Feine Creatur im Himmel und Er- Zinaıe 
den heiffen Ean, ohne GOttes Erbarmung , Jeſ. am ı.. dung des 
v. 5. Ce. 16,0, 1.{9. Von welchem abfcjeutichen Mader. 

V.Tpeil, vyy Auſſatz 


1074 B.V.E.8. Von der Gerechtigkeit. 


Auſſatz die verderbte Natur nichts reinigen kan, ohne 

2. das Blut ChHriſti. 2) Derohalben Flager das heilige 
Geſetz GOttes den Menſchen an, erfordert vollkomme⸗ 
nen Gehorſam, oder verflucht ihn, 5. Buch Moſ. 27 
v. 26. Gal. 3. 0.10, 3) Wenn nun alle menſchliche 
Kraͤffte ſolches nicht vermoͤgen; denn der Menſch iſt todt 
in Suͤnden, Eph.2. v.a. und kan ihm ſelber nicht helffen, 
4. Jer ci7. v. i4. 4) So hat GOtt die Verheiſſung der 
Gnaden geoffenbaret, und dieſelbe dem Glauben fuͤrge⸗ 

ſtellet und den Gnaden⸗Bund geſtifftet, und aufgerich⸗ 

tet mit den Vaͤtern, daß in dem Saamen Abrahaͤ 

alle Voͤlcker follen gefegner werden, 1. Bd. Mof. 22. 

v.18. Derohalben kommt der Segen aus. Gnaden. 

s. 9 Dieſen Bund hat GOTT erfüllet in feinem lieben 
eHriius Sohn EHLFESU und denfelber zu einem Mittler, 
REP Heyland / Geligmacher und Exlöfer des menfchlichen 
$ Geſchlechts verordnet , welcher dis hohe Amt williglich 
und vollkoͤmmlich verrichtet, Dadurch er dem Geſetz für 

uns aenug gethan, den Fluch auf fich genommen, uns 
-SDTT verföhnet, Vergebung der Sünden erworben, 

und ung erlöfes von Sünden, Tod, Teufel und Holle, und 

dadurch Die ewige Gerechtiakeit wiederbracht, Nom. s. 

6 v. 10. ColLnv.20. 6) Def haben ficy ale Heiligen 
von Anfang her getröftet, wiedas Exempel Mofis 2.3. 

Mof. 34. v. 6. und Hißkiaͤ bejeuget, Jeſ. 38.0. 17. 

7. Roͤm.8.v.5. 7) Darum auch die gange Heil. Schrift 
dieſe Lehre von der Gerechtigkeit des Ölaubens, und von 


3. 


gnädiger Bergebungder Sünden mächtig befräfftiget, 


1. B. Moß i5. v. 6. C.22. v.8. Pfalm 32.0.1. undim 
andern Buß⸗Pſalmen, Sechs 3.0.12. Cap.A5. v. 24. 
C.55.v.7. C.64.0.6. Jer. 3.v. 122. €.31.0.34. 
C.33. v.is. Ezech.i8.v.2i. Dan.9. v. 24. Oſe. 2. v. 19. 


Joel 2.v.13. Mich.7. d.18. Apoſt. Geſch.10. v. 43. 


E.s.v.ın Lucnvar.fgg C.2. v. n. Joh.3. b.16. 
E.20.0.31. Roͤm.3. v. 24. 25. 28. Gal.2.v. 3. 4. 5. 
3. Eph.2. v. 8s. Phil. 3. v. 8.9. 1.Joh. 2. h.i2. 8) Sol⸗ 
ches bezeugen auch Die Exempel der Glaͤubigen vom Ans 

fang die im Glauben geftorben, zum Hebr. u. v. — 
9) Es 


des Blaubens. 1075 


9) Es bezeugen auch die Exempel der befehrten Sün- 9 
der?! Manaffe, Davids, Petri, Pauli, Maria Magda⸗ 
lenä; die Zöllner und Sünder, Luc.7. v.38. Capo. 
und Eap.ı9.d.ıo. auch der Schaͤcher amCreutz, Luc. 23. 
v. 43. 10) So nun die Gerechtigkeit aus den Wer⸗ 10. 
cken koͤmmt, ſo wird die Gnade aufgehoben, die Ver⸗ 
heiſſung iſt vergeblich, Gehorſein und Verdienſt CHriſti 
nichtig, wie zum Gal. am 5. v. 4. ſtehet: Ihr ſeyd 
aus der Gnade gefallen, die ihr durchs Geſetz wol⸗ 
let gerecht werden, und habt CHriſtum verlohren, 
ja ihr ſeyd noch unter dem Sluch, zum Gal. 3. v. 10. uJ. 
11) So würde auch GOTT dem Allmaͤchtigen ſeine TI- 
Ehre genommen, und den Menschen gegeben welchen 
Ruhm aber der Prophet Seremiasam 9,0, 24. und der 
Apoftel Paulus zum Ephef, am 2.2.9. allen Wiens _ 
ſchen benimmt und abfthneidet, 12) Und endlich be» 12. 
duͤrfften wir Feiner Gnade, Feines Mittlers, Feiner Ders | 
gebung der Sünden, keines Glaubens, auch Feines Ge⸗ 
bets ‚und wäre aufeinmal das gange Evangelium auf 
- gehoben und zu nichte gemacht. | 
Wir wollen aber ietzo das Amt Chriſti und fein np 
hochheiliges Verdienſt etwas weiter bedencken, und An. 
erftlich die Öenugtbuungder hoben geſtrengen Ger guuhchu⸗ 
rechtigkeit GOttes im Beleg erfordert, betrachten ; ung ver ger 
Diefelbe hohe Berechtiafeit hat der HErr E-Hriftus er a n 
füllet auf sweperlep Weife , würcflicher und leidender kei —* 
Weiſe. Deren keine konnte ein Menſch buͤſſen, darum Thun. 
trat CHriſtus an unſre Statt, und erfuͤllete GOTTES 
Gerechtigkeit, im Geſetz erfordert, mit ſeiner Unſchuld 
und Heiligkeit, als der Allerheiligſte, Danielis 9. 
v. 24. und Geh.53.0.9. Welcher Beine Suͤnde ger 
than hatte, iſt auch kein Betrug in ſeinem Mund 
erfunden. Darum GOTT der HErr ſpricht: Diß if 
mein Bnecht, der Gerechte, mein Auserwehlter, 
an welchem meine Seele Gefallen hat, Jeſ. 42. v. 1. 
Mein lieber Sohn, an welchem ich ein Wohlgefall⸗ 
len habe, Matth. 3.0. 17. Darnach hat dr HERR ae 
EHriftus der ar GOttes im Geſetz genug * 


Vyy 2 gethan 


1076 B.V.E.8. Don der Berechtigkeit 


gethan durch fein Beiden und unfcehuldigen Tod, und 


ift an unfere Statt getreten, die Strafe der Stunde und 
Fluch von unseuf fi genommen. Und meilnun bey- 
des ung zu gute gefchehen, daß der HErr CHriſtus durch 
feine wuͤrckliche Genugthuung, nemlich durch feine Hei⸗ 
ligfeit und Unfehuld, das Geſetz — und d Darnad) 
durch feinen heiligen Sehorfam ; Leiden und Tod auch 
dem Geſetze und der Gerechtigkeit HDites genug gethan 
für ung, fo fehencket er ung beydes, und macht es unfer 


Wie wir fie eigen durch den Glauben 5 davon der heilige Prophet 


und * dr 
gen 
ri 


Roͤm.8. 
v.32. 


Verführ 
nung mit 
GOtt. 


Epheſ. 5. 
V.2. 


Jeremias am 23.9.6. geweiſſaget hat: Man wird 
ihn nennen JERR, unſere Gerechtigkeit. Und 
Sanct Paulus ı.Eor. 1.0.30, Chxiſtus iſt uns von 
GOTT gemacht zur Gerechtigkeit ; Daher er ſich 
auch trofter der Gerechtigkeit CHriſti, dievon GOtt 
dem Glauben zugerechnet wird, Phil.3.0. 9. Und 
zum Roͤmern am 5.d. 19. fpricht er; Wie durch eines 
Mienfehen Ungeborfam viel Sünder worden, alfo 
find durch eines Menſchen Beborfam viel gerecht 
worden. Und am 8.Cap. v. 32. GOTT bat feines 
eigenen Sohnes nicht verſchonet, fondern für uns 
alledabin gegeben. Das Wrtlein, Uns, machet ung 
Das gange Verdienſt EHrifti zu eigen, darum ift fein 
Gehorſam unfere Gerechtigkeit. 


2. Daraus folget die Derföhnung mit GOTT, 
welche durch die Derföhn » Opffer des Alten Teftas 
ments teöftlich begeuget wird; weil aber dieſelben 
SOTT nicht verföhnen Eonten , hat fi der HERR 
EHriftus , das unbefleckte Kimmlein GOttes, opffern 
laffen für uns, GOTT zueinem füffen ®eruch, Cph. 
5.0.2. Dasift, zur Berföbnung, wie zum Hebr. am 
10.0. 9.10.14. gefchrieben ift, da der wahre, ewige, 
rechte Hohes Priefter Fam, fprach er: Opffer und 
Brand⸗ Opffer gefallen dir nicht : Siebe! Ich 
komme zu tbun, GOTT , deinen Willen. (Da 
heber er die alten Dpffer auf, und ſetzet ein neues ein.) 

In welchem Willen wir find gebeiliget, einmal 
geſchehen durch das Opffer des Leibes und Blutes 


JEſu 


des Glaubens. 1077 


JEſu Cärifti: Denn mit einem Öpffer bat er 
vollendet in Ewigkeit, die gebeiliger werden. 

3. Aus der Perfohnung folget Vergebung der _ 3- 

Sünden; Vergebung aber ift, Daß uns GOtt unferr Aireyer, 
Suͤnde nicht zurechnet, Pſ. 32.0.2. Selig find die, gebung der 
welchen der HErr ihre Miſſethat nicht zurechnet, a 
2.Cor.5.0. 19. GOtt war in Chrifto,undverföh: 
nete die Welt mit ihm felber, und rechnetibnenibre 
Sünde nicht zu, und bat unter uns aufgerichtet das 
Wort der Derföhnung. Dargegen aber rechnet 
uns GOtt zu die Öerechtigkeit IEſu EHriftiz denn um 
feines heiligen vollkommenen Gehorſams willen find 
wir vor GOtt gerecht, Nom. 5.9. ı 8: Philipp. 2.0.9. 
1. B. Moſ. 15.0.6 So nun die Sünde um EHrifti 
willen vergeben ift, und nicht fol zugerechnet werden, 
fo muß fie auch getilget und vergeffen ſeyn, auch nicht: 
mehr gedacht werden ewiglich; denn fo mächtig und 
Fräfftig ift das Blur EHrifli vor GOTT: Darum 
fpricht der Prophet Jeſaias am 43.0. 25. Ich tilge 
deine Siinde, und gedende derfelben nimmermebr. 
Item Ezech. 18:0. 22. und Jerem. 3 1.0.34. 

‚4. So nun die Sünde alfo vergeben,daß fie ewialih _ 4 
ſoll vergeffen feyn, fo muß auch die Strafe der Sün- Funaue 
den aufbören : Nemlich, Fluch, Tod, Teufel und Sünve ik 
Hölle: Denn die Strafe liegt auf ibm, fpricht Je⸗ Me Serafe 
faias am 53. Cap. vd. 5. daß wir Sriede hätten, und ben. 
ducch feine Wunden find wir geheilet. Daher It 3% 
koͤmmt die Freyheit unfers Gewiſſens, daß wir los feyn 
von aller Furcht, Angſt, Schreden, Anklage des Teu⸗ 
fels und des böfen Gewiſſens, und dag iftder Friede des 
Hertzens. So wir durch den Glauben find ges 
recht worden, fo haben wir Sriede mit BOTT, 

Mom. SG. dv, Ix ? - * 

5. Daraus fleuſt die ewige Erloͤſing; denn WEL G 44 
eines andern Schuld und Strafe auf ſich nimmt, derifung 
erlofet ihn davon. Mir können ung aber felbft nicht | 
erlöfen, darum koͤnnen wir ung auch felbft nicht gerecht 
und felig machen : EHriftus ift ung von GOtt gemacht 

| Dyy3 _ zur 





1078 B. V. C. 3. Von der Berechtiateit 


a —— 
zur Erloͤſung. Dfea am 13. v. 14. Ich, mill fie vom 
Tode erretten, und aus der Hoͤlle erlöfen. Rom. 3. 
v. 24. Durch die Kelöfung, fo duch JESUM 


Carift geſchehen iſt. Das it auch des heiligen 
Hiobs Glaube gewefen: Ich weiß daß mein Krlös 


ſer lebet. C.19. v. 25. Jeſ. 49. b. 24. Ban man 
auch dem Rieſen den Raub nehmen, und einem 
Starcken, ſeine Gefangene los machen? Nun 
ſollen aber dem Starcken ſeine Gefangene genom⸗ 


men werden, und der Raub des Rieſen foll los - 


werden, fpricht der EErr. 
er a Soldıs vortreffliche Amt des Meßiaͤ ift zuſam⸗ 
SEeU® men gefaffet in dem hochheiligen Namen "PESU: 


est denn darum heiffet er JESUS, daß er fein Dold 


tbatın. felig mache ‚von ihren Sünden, Matt. ı.v. zr. 
Wahre. Welches Sanct Paulus nennet ein theures wers 
thes Wort, daß JEſus Chriſtus kommen n if in 
die Welt, die Sünder felig zumachen, ı. Tim. ı. 


v. 15. Heil moin nun einen folchen Seltgmacher haben, - 


fo müffen wir auch in ihm allein und bey Eeinem andern 
| unfere Serechtigkeit und Seligkeit ſuchen. 


y. 7. Solches geſchicht aber. allein durch den Glau⸗ 
| —— welcher ung CHriſtum gu eigen machet, wie Sanet 
fordert. Daulug sagt, Roͤm. am 3. v. 25. GOtt hat uns Chri⸗ 
be zu einem Gnaden⸗Stuhl fürgefkeller durch 

den Glauben in feinem Blut. Darum wird dem 
Glauben aliein Die Serechtigkeit EHrifti zugerechnet, 

wie St. Paulus faat zum Roͤmern am 3.0.22. Ich ſage 

eber von folcher Berechtigkeit für GOTT, die da 

kommt durch den Glauben. Gal.2.0.16.Mirgläu- 

ben an ChHriſtum TESUM, auf daß wir gerecht 

werden durch den Glauben an CAriftim,und nicht 

Durch des Gefeges Werck. Dfea.2,0.19. Ich will 

mich mit dir verloben in Gerechtigkeit, ja im Glau⸗ 

ben will ich mich mit die vertrauen. Jeſ. 26.0.2. 

Thut die Thore auf, daß hinein gebe das gerechte 

Volk, dasden Glauben bewahret. Die Epiſtel an 

die Hebr.am 11, beſchreibet ein langes Regiſter der heili⸗ 

gen 


— u Zn SE hen Zu Ze 


des Glaubens. ° 1079 


N de ER een 
gen Vüter, fo durch den Glauben GOtt aefallen und ges - 
recht worden, welche alle im Glauben felig geftorben. 

8. Darum aber fehreibet GDttes Wort die Ge-__ 8. 
rechtigkeit dem Blaubenzu, weil ſie iſt grauira , (eine Gaacam bie 
Snadens Gerechtigkeit, die mit Dem Glauben muß er- keit dem 
griffen werden, und GOttes Gnaden-Verheiffung ge⸗ aen 
wiß und veft bleibe, wie St Paulus zum Roͤm. 4. v. 16. ben werde, 
ſpricht: Darum muß die Gerechtigkeit durch den 
Glauben kommen, aufdaß fie fer aus Gnaden, und 
die Derbeiffung veft bleibe: Denn ohne GOttes 
Gnade und Verheiffung Eönnen wir feinem gewiffen 
beftandigen Troft haben in unſerm Gewiſſen wider uns 
fere Stunde. Denn wenn unfer Gewiffen aufwachet 
und uns anklaget, oder inunferm legten Ende ung alfo 
anfpricht: Siehe! nun muftdu davon; wie haſt du dein 
Leben zugebracht? So Ean unfer Glaube antworten: 

Meine Berechtigkeit und Seligkeit iſt nicht gegründet 
auf meine Wercke, fondern auf die Gnade in CHri⸗ 
fto JEſu unſerm HEtrn, Eph. 2.0.8... Jeſo. 55. v. 7. Ilssor. 
Bey unſerm GEOtt iſt viel Erbarmung, nemlich 
bey dem Vater unſers HErrn Jen CHriſti. Pſ. 103. 
v. 7. Bey den Errn iſt die Gnade und viel Kr 
barmung bey ihm. 

9. Daher iſt auch unſere Gerechtigkeit gewiß und 9. 

ungezweifelt; denn GOttes Gnade in EHriſto ver⸗ Dun 
heiſſen, waͤhret von Ewigkeit zu Ewigkeit bey de⸗ rechtigfeit. _ 
nen, die ihn fuͤrchten, Pf. 103.0.17. Wie auch der 
theure Eyd GOttes bezeuget Ezech 18. v. 23. Zeh 54. 
v. 8. 10. C.55. v. 3. Der iſt getreu, der es verheiſſen 
hat. Rom.8.0.33. Wer will die Auserwehlten 
GOttes befcehuldigen? GOtt iſt hie, der gerecht 
machet. Wer will verdammen? Wer will ums 
fcheiden von der Liebe GOttes? 

ı0. Damit aber unfere Gerechtiafeit gewiß und 10 
ungermeifelt fen, fo bezeuget Die Schrift, daß fie ewig eu —* 
ſey, Dan. 9.0.24. Es ſoll eine ewige Gerechtigkeit Ar 
wiederbracht werden. Und dasift ein groffer Troft, 
wenn wir etwa ſtraucheln oder fündigen, daß wir nicht 

yY4 geden⸗ 


Eyech. 33. 
v. 12. 


II. 
Gerechtig- 
keit EHrt 


1080 B. V. C. 8. Von der Gerechtigkeit. 


gedencket, es ſey nun mit uns gar aus und verlohren, 
unfere Gerechtigkeit fey nun dahin, ſey umgeftoffen und 
hoͤre auf: Dein, mit nichten: denn der Prophet Jeſaias 
faget am 45.0. 10. Meine Gnade follnicht von dir 
weichen, und der Bund des Sriedens foll nicht bin= 
fallen, ſpricht der HEERR dein Erbarmer. Pſ. 1 ıı. 

v. 5. Er gedencket ewiglich an jeinen Bund, Und 
abermal ſpricht er, Jeſ 54.v. 8. Mit ewiger Gnade 
will ich mich über dich erbarmen. Denn obwol Ejzech. 

am 33. v. 12. gedraͤuet wird: Wenn der Gerechte 


Böles thut, fol es ihm nichr belffen, daß er fromm 


geweſen ift, und aller feiner Berechtigkeit foll nicht 
mebr gedacht werden: fo iſt doch diefer Spruch zu 
verſtehen von der Unbußfertigkeit „ wenn man in Guns 
den verbarret. Denn alfo erkläret fih der Mann 
EDites Mofeg, 5. B-Mof. 4.0. 25.29.31. Wenn 
ihr den J ERRXNV ersürnen werdet ‚fo werdet ibr 
umkommen: Wenn du aber den KERRTT deinen 
GOTZ ſuchen wirft, fo wirſt du ihn finden, wo du 
ihn wirft von ganzem Hertzen und von ganger 
Seelen füchen; denn der HERR dein GOTT ift 
ein barmbertsiger GOTT, er wirddich nicht laſſen 
verderben, wird auch nicht vergefjen des Bundes, 
ſo er deinen Vaͤtern gefehworen bet. Es bezeuget 
auch der Koͤnig David, 2. Sam. 7.0.16. daß SOFT 
einen ewigen Bund in E-Hrifto mit ung gemacht habe. 
Und der Prophet Dfeas C. 2. v. 19.fagt: Ich will 
mich mit dir verloben in Kwigkeit, in Gnade und 
Barmhertzigkeit. Welche ewige Gnade SOTTES 
ung wieder aufrichtet, wenn wir fallen, Pſalm 146. v. 8. 
Der 5RR haͤlt, die da fallen, und richtet auf, die 
da niedergefchlagen fepn. 

ı1. Diefe Gerechtigkeit, die noir in CHriſto haben, 
‚Noollföimmlich, und mangelt nichts daran. Wie ges 


ci vollem ſchrieben it Eph. 5. v. 26. 27. Chriſtus bat feine Ges 


men. 


meine geliebet, und ſie gereiniget durchs Waſſer⸗ 
Bad im Wort ‚auf daß er ihm ſelber darſtellete 
eine Gemeine, die herrlich fep, Die nicht babe einen 

Sleden 


des Blaubens. H 1081 


Slecten oder Runtzel, ſondern daß ſie heilig ſey und 
unſtraͤff lich. Daher St. Paulus ſaget 2. Cor. 5. v.21.— — 
daß wir in CHriſto richt allein gerecht, fondern die Ger 
rechtigkeit ſelbſt ſeyn das it, volllomm:ngerecht , weil 

uns die volllommene Gerechtigkeit EHrfki zugerechnet 

wird. Das find die Bleider des Heyls undder Roc. 

der Gerechtigkeit, Jeſ. 61. v. 10. Und das heiffet 
C⸗riſt um anziehen, Gal. 3.0.27. Das heiffet: Tora | 
pulchra, Du bift gang fehön, Hobel. 1.0.15. Das iſt Hobel. 
der vollkommene, geiftliche, inwendige Schmuck, mit: 
koͤſtlichem Golde, wie er Ezech. 16.0. 10. befchrieben iſt. 

12. Dieſe unſere Gerechtigkeit iſt nun verſiegelt mit — 
dem Heiligen Geiſt, Eph.1. v. 13. 2.Cor.1.v.22. Und rechrigteie 
mit den beyden hochwuͤrdigen Sacramenten, als Sie⸗ IR, petſie⸗ 
geln GOttes, dadurch wir der Vergebung unſerer Suͤn⸗bell. 
den, und der Gerechtigkeit vor GOtt verſichert werden. 

Hieher gehoͤret das Gebet, ſo im 2. Buch zu Ende des 3. Ca⸗ 
pitels zu finden. 
Das IX. Capitel. 


Vom neuen Leben, Fruͤchten der Ge⸗ 
rechtigkeit und guten Wercken. | 


ME 1. ein Menſch gläubig worden, und mit_. 1. 





dem Heiligen Geiſt begabet und verfiegelt, und 3 
durch den Glauben an ihn Vergebung der Suͤn⸗ macht neue 
den, und die Gerechtigkeit erlanget, und durch den Heis Ereaturen 


und Finder 


ligen Geiſt geheiligetz fo ift er nun eineneue Creatur Söttes,die 

worden, und neugebohren zum Kinde GOttes, ifk im on ches 

Geiſt feines Gemuͤths erneuert zum Edenbilde @Dttes: van fab⸗ 

So faͤhet er auch ein ander neues gottfeliges und Ehrift- 

lichesLeben an, und Läffet fahren das alte, ungöttliche, 

Adamifche, viebifche, fündliche und gortlofeXeben und 

Weſen; denn er iſt nun ein neuer Menfch worden, und 

bat einen neuen Geift bekommen, welcher in ihm wuͤr⸗ 

cket und lebet, und ift der böfe Geift, welcher zu allem 

Boͤſen treibet, ausgetrieben. Laͤſſet demnach ein folcher 

neuer Menfch fich nicht mehr von dem böfen Geift trei⸗ 

ben, fondern widerſtrebet demfelben, wie St. Paulus 
Pyys faget 


108 2 BV.EH. Vom neuen Keben, Schchten der 


€;5.203.4 faget zum Eph. 2.0.3.4. Ihr habt wepland in Sins 
den gewandelt nach dem Zauff diefer Welt, nach 

dem Sürften, der in der Kufft berfcher, nach dem 

- Geift, der fein Werd bat inden Kindern des Un⸗ 
glaubens, in den Luͤſten des Fleiſches, ımd thatet 

den Willen des Sleifches und der Dernunfft; Aber 

GOtt / der dareich ift von Barmbergigkeit, durch 

feine geoffe Liebe, dadurch er uns gelieberbat, da 

wir todt waren inSünden, bater uns ſamt Chri⸗ 

ſto lebendig gemacht; denn wir ſind ſein Werck 
geſchaffen in CHriſto JEſu zu guten Wercken, zu 
welchen uns GOtt vorbereitet hat, daß wir dar⸗ 

innen wandeln ſollen. In dieſem Spruch unter⸗ 

ſcheidet St. Paulus das alte Leben von dem neuen, und 

ſpricht: Das alte Leben wuͤrcket der boͤſe Geiſt in 

den Unglaͤubigen; das neue Leben aber wuͤrcket 

Tit.z. v.ic· GOtt in uns. Und zum Tito am 2. v. 14. ſpricht St. 
Paulus: Der HErr Chriftus bat ſich ſelbſt fuͤr uns 
gegeben, au daß er uns erloͤſete don aller Unge⸗ 
rechtigkeit, und reinigte ibm felbf£ ein Volck zum 
Eigenthum das da fleißigwäre su guten Wercken. 

Da hören wir, warum und worgu wir crlöfet find, was 

da feyn fol die Frucht unferer Erloͤſung, nemlich ein 

neues Leben. Und abermal: Einer iſt geftorben 

für alle, auf daß, die da leben, nicht ihnen ſelbſt les 

ben, fondern dem, der für fie geftorben und aufers 

fanden ift , 2.Cor. 5. v. ı5. 

— 2. So lernet nun das Fundament, Anfang und Ur⸗ 
Brund und ſprung eines neuen Lebens, daß es ſey die Erlöfung CHri⸗ 
Aufung des (3; fein heiliger Tod und Auferſtehung; wie zum Roͤm.6. 
bens it v. 4. ſtehet: Gleichwie Chriſtus ifE auferftanden 
a von den Todten, alſo ſollen wir auch in einem 
und Aufers neuen Leben wandeln. er nun dasnicht thut,der 
Aebung. aͤſtert und verleugnet den heiligen Tod und Auferftes 
hung EHrifti, und laͤſt denſelben an ihm unfruchtbar 

und Eraffilos feyn. So iſt nun das neue Leben nichts 

anders, denn eine Wuͤrckung und Frucht der Auferſte— 

bung C-Hrifti in den Glaͤubigen; denn CHriſtus lebet 

in 


; Gerechtigkeit und guten Werden. 1083 


"in ihnen, wie St. Paulus ſagt zum Gal.2.d.20. Was 

ich io lebe, das lebe ich im Glauben des Sohns Öala.v.2o, 
Gottes: Ich lebe, doch niche ich, fondern CHri⸗ 

fEus in mie. Da unterfiheidet er fein eigen Leben, und 
Cchriſti Leben in ihm. Solches wiederholt ev auch 

2. Cor. 13. v. 5. Verfüchet euch felbft, ob ihr im re 
Glauben fepd, prüfer euch felbft ; oder erkennet ** 
ihr euch felbft nicht, daß CHriſtus IEſus in euch 

ift, es fep dem, daß ihr untuͤchtig ſeyd. Allhier hoͤ⸗ 

ren wir, daß das neue Leben fey ein Leben des Glaubens, 

durch welchen EHriftus in ung lebet und wohnet. 

3. Beil wir auch, da wir aläubig worden find, mit ur 3. 

dem Heiligen Geift verfiegelt fun, fo ift derfelbe auch ee 
kraͤfftig in uns; denn er iſt das Dfand unfers Erbes, der ein _ 
Eph. 1.0.14: und erinnert uns flets unferer Hoffnung pen" 
und unſers Beruffs zur ewigen Herrlichkeit, giebt auch 
Zeugniß unſerm Geiſt, daß wir GOttes Rinder 
ſind, Roms. v. 16. Denn er iſt ein Geiſt der Kinds 

ſchafft, ein Beift des Sohnes GOttes: Darum 
lehret er uns ruffen: Abba, lieber Dater! Wer nun 
den Geiſt Chriſti nicht hat, der iſt nicht ſein: Dar⸗ 

um ſind die GOttes Binder, die der Geiſt GOttes 

treibet. Und die erſte Bewegung und Getrieb des 

Geiſtes GOttes iſt das Gebet, welches, ob es wol an⸗ 

faͤnglich ſchwach iſt, ſo hilfft doch der Heilige Geiſt 
unſerer Schwachheit, und vertritt uns be GOTT 

mit unausſprechlichem Seuffzen. Darauf folgen 
denn die Fruͤchte des Geiftes, Kiebe, Srende, Sries 
de, Gedult, Sreundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, 
Sanfftmuth, Beufchbeit,zc. Gal. 5.0.22. Diefeg 
find beyde innerliche und Aufferliche Wercke des Heili⸗ 
gen Geiſtes nad) der erften und andern Tafeldes Ge— 
ſetzes GOttes. ih 

4. Und alfo vichtet der Heilige Geiſt das Geſetz GOt⸗ gay 

tes wieder aufin uns, und fehreibet daffelbe wiederum Weit prim 
als GOttes Singer in die Tafel unfers Hertzens, de Fufnud 
nicht mit Zwang und Furcht, wie Mofes, fondern in Se 
Gnade und Liebe. Darum find das allein gute Werck, 

die 


1084 B. V. C.9. Vom neuen Leben, Srüchtender ıc. 
— ee reihen wehren... 


FDelches al» die ohne Zwang im Glauben und. inderkiebe aefcheben, 
lee tie1.or.ı 6. 0.14. gefchrieben ſtehet: Laſſet allesin 
hımd, der Liebe geſchehen. Und abermal, &ol.3.9.17. Al 
les, was ihr thut, das thut alles im Namen unfers 
HErrn JEſu Chriſti, und dander GOtt und dem 
Dater durch ihn. Da befi:hlet St. Paulus, daß alle 
unfere Wercke im Glauben gefchehen follen, frey, aus 

lauter Liebe, ohn eigen Gefuch, Ruhm oder Nutzen. 

57 5. So lehret uns auch St. Paulus Eph. 1.0.22.23+ · 
Haupt Dab CHriſtus das Haupt iſt der Gemeine, welche 
une iſt iſt fein Leib, nemlich die Sülledeß, der alles in allen 
ae Kate, erfüllet. Das iſt: Gleichwie das Haupt dennangen - 
Eh 10.22. Leib regieret,mit Leben und Staͤrcke erfüller: Alſo CHri⸗ 

ftus ole Släubigen. Darum wuͤrcket nundas Hauptin 
den Gliedern, und 'erfüllet dieſelbe mit: Gnaden, Troft 
Licht, Keden, Krafft, Friede, Sreude, Erkaͤnntniß, Liebe, 
Glaube, Gedult, Barmhertzigkeit, Sanfftmuth, Dez 
murb, Hoffnung, Bertändigkeit, Gehorfam, Weisheit, 
Wahrheit, Maͤßigkeit; alfo, daß ein glaͤubiges Here 
und wahres Glied EHriftinicht lange fragen darf, was 
es thun fell, fondern der Geiſt GOttes und die Liebe 
Chꝛiſti ſagets und lehrets ihn, wie St. Paulus ſpricht 
zum Tito 2.v. 11. 12. Es iſt erſchienen die heilſame 
Gnade GOttes allen Menſchen, und zůchtiget uns, 
deß wir follen verleugnen das ungoͤttliche Weſen, 
und die fleifchlichen Luͤſte und zuͤchtig, gerecht und 
gottfelig leben in diefer Welt. | 

6. 6 Diß gehet nun alle Gläubige an, fomit ChHriſti 
‚Enide A Namen genennet feyn, welche dem HErrn CHriſto 
— durch den Glauben und die heilige Tauffe einverleibet 
le Glieder ſeyn, daß fie in EHrifto leben und wandeln ſollen; hohe 
= und niedrige Perionen, Groffe und Kleine, Gelehtle 

und Ungelehrte, Mann und Weib, At und. Yung: Sa, 

ee Die giebt oft einfältigen Leuten, fo dem Heiligen Geiſi 

viel Gnade nicht widerſtreben, fordern fich fürchten vor GOttes 
en Wort, mehr Gnade Chriſtlich gu leben, denn groffen 

‚anfehnlichen Leuten vor der Welt, die der Untugend, 

Hoffaert, Geis, Fo Vermeſſenheit, Zorn, Rach⸗ 

gier, 


| Gerechtigkeit und guten Werden. 1085 


Hier, Ungedult, weltlicher Klugheit, Spitzfindigkeit, 
groſſer Kunſt, eigener Ehr und Ruhm voll feyn, und die 
Einfältigen verachten. | 

‚ 7. Wenn nun ein frommer Ehrift zu allem Guten _ 7. . 
durch den Geiſt GOttes angetrieben wird, fo Fan er Linehuin 
bald mercken den Unterfcheid zwiſchen den Bewegun— Antrieb des 
gendes Heiligen Geiſtes, und des bofen Geiſtes, des alten rg 
und neuen Menfchen, des Geiftes dieſer Welt, und des Geifies aus 
Beiftes, deraus GOTTiſt; wie Sanct Paulus faget, Su hin 
1. Cor. 2.0.12. Wie haben nicht empfangen den Ne 
Beift diefer Welt; fondern den Beift aus GOTT, Ne’ 
daß wir wiffen koͤnnen, was unsvon GOTT ges 
gebenift. Und zwar esgebühret einem ieden Chriſten, 

diefen Unterfcheid zu mercken, auf daß er GOTTES 

Werck und Gnade inihmfelbft erkenne, GOTT dafür 

dancke, um Vermehrung und Erhaltung der Gaben 
SOTTES in aller Demuth bitte ‚daß ihr GOTT 

wolle Rrafft geben, Far! zu werden am inwendi⸗ 

gen Menfchen , und durch die Kiebe eingewurtzelt 

und gegruͤndet werde; und erfüllee werde mit 

allerley GOttes Sülle, Eph. 3. v. ı 6.17. 


8. Daraus denn folget ‚daß fich Fein Chrift- Släu- 4, oͤheit 
biger feiner Gaben und feiner Wercke erhebet, fich Der: if atfo gears 
felben nicht ruͤhmet, Eeinen Verdienſt in denfelben fucher ; tet, Daß er 
denn er weiß, daß es alles lauter Gnade GOttes iſt, und I 
alles was er thut, find Gnaden-⸗Wercke GOttes in ihm: nicht erhe⸗ 
Darum gebührer ihm Feine Ehre davon, fondern GOtt —— 
allein die Ehre, wie Sanct Paulus ſagt, ı.Eor.ı 5.9.10. noch Vers 
Nicht ich, ſondern GOttes Gnade, die in mir iſt: Mu ik on. 
die hats es gemacht, will er fagen, Daß ich vielmehr gear: 1. Cor. ıs. 
beitet yabe. Wie uns auch der HEN felber lehrer." 
£uc. 17.0.9. 10. Wenn ein Herr feinem Anechte £uc- ı7. 
etwas befieblet, dancket er auch demjelben Bnech/ "' 
te, daß er getban bat, was ihm befohlen war? Ich 
mepnees nicht: Alfo auch ibr, wenn ihr alles ges 

tban habt was euch befoblen ift ‚fo fprecht : Wir 
find unnuͤtze Knechte, wir haben getban, was wir 
zu thun fehuldig waren, Da ift ales Vertrauen 
Ruhm 


1086 B. V. C.9. Vom neuen Keben, Srüchten der 


— — —— — VE TO ET BETTER BEE? TORE — — 


Ruhm und Verdienſt den Wercken abgeſchuidten: 
Denn wir find vorhin mehr ſchuldig, was koͤnnen wir 


denn verdienen? Go iſt aud) das Vermögen nicht uns | 


fer, fondern- GOttes. Denn gleichivie ein Rebe am 
Weinſtock feine Kraft und Saft aus dem Welmock 
an fich zeucht, fo ev grünen und Frucht tragen ſoll, und 
30.15 wenn er abgeſchnidten wird, fo.verdorreter: Alfo auch 
»4% ihr, fprichtder HERR koͤnnet keine grucht bringen, 
ihr bleibet denn in mir, denn ohne mich konnet 
lat ihr —— — 2* 425. Dorum fol und muß 
zugefpsies alles Guthe, fo je durch ung geſchich, SOTT allein zus 
ben werden. gefchrieben, und ihm allein Die Ehre gegeben werden, 


Pſalm i 5. v. . Nicht uns, JERR, nicht uns, fon | 


‚dern deinem Namen gieb die Ehre, ı. Chron. 30. 
v. 14. Alles was wir haben ausgericht, Os baft 
du uns gegeben. Und SancıPaulusr. Eor.i5. v.10, 
Don GOttes Gnade bin ich, das ich bit, Phil. 2. 


v. 13. GOTT iſt, der da wuͤrcket, beydedas mob 


len und Vollbringen, nach feinem Wohlgefallen. 


Phil... v. 6. Der in uns bat angefangen das | 


gute Werck, derwirds auch vollfübren. 
So wir denn nichts verdienen Finnen, warım 


9. 
—— — denn die Wercke die Verheiſſung der Beloh⸗ 


fung, dat nung ? Antwort: Die Belohnung iſt reich und groß, 


nn we GOTT cr HERRſaget zu Abraham, 1. B. Moſ. 


aufge 15. v. ch bin dein Zchild und dein ſehr groſſer 


Lohn! Ich bin der Allmaͤchtige GOTT, wan⸗ 
ele mie und ſey fronnn! Weil aber der liebe 


SOTT mit feinev Gnade alles in ung würdet, was wir 


Guns hun, ſo ſchencket er uns aus Önaden, waser in 


ung würdet, und belohnet es, als hätten wir e8 gethban! | 


wa fer Der Glaubige aber erkennet ſolches wohl, und giebt 


ee Wer GOTT die Ehre und den Ruhm wieder, und nicht ihm 
ke geehret felber. Darum bittet Sanct Paulus —J vru. daß 
— ſie moͤgen erfuͤllet werden mit Srüchten der Ge⸗ 
rechtigteit, die durch IESUm Chriftum ges 
febeben in euch, fpriht er, sur Ehre und Lobe 


GOTTES, Und Math. 5. v. 16, lehret er ung, daß 
Ousch 





Berechtigkeit. und guten Wercken. 1087 


durch unfere gute Wercke GOTT unfer Dater im 
Himmel gepreifet werde, und nennet es ein Licht, ſo 
wir follen leuchten laffen vor den Menſchen. Dar⸗ 
um auch GOTT der Herr durchden Propheten Jere⸗ 
miam@.9.0.23.24.allen eigenen Ruhm verbothen.es ſey 
Rubin der Weisheit, Reichthum oder Staͤrcke; 
wer fich aber ruͤhmen will, der ruͤhme fich deß, daß 
er mich kenne, daß ich der⸗Err bin, der Barmher⸗ 
tzigkeit, Recht und Gerechtigkeit über auf Erden; 
dennfölches gefiiller mir, |prichr der a Krr. Don den 
Allmoſen fpricht der HErr, Matth.6. v. 3. daß wir fie mit 
ſo einfaͤltigem Hertzen, ohn alle eigene Ehre und Ruhm, 
geben ſollen, daß auch die lincke Hand nicht wiſſen 
ſoll was die rechte thut. So hat ſich auch kein Menſch 
ſeiner Gaben zu ruͤhmen; denn fie find nicht fein eigen, 
fondern er hat fie von GOTT empfangen und diefelben 
wuͤrcket der einigeGeift GOttes und theilet einem 
ieden feines zu, nachdem er will, 1. Cor. 12. v. 11. 


10. Von den Belohnungen aber aller guten Wer⸗ Von der 
cke follen wir lernen, daß fie um des HErrn E-Hrifti wil Bid 
len, an welchen wir gläuben, belohnet werden, (fo wohl 
gefäiltSEOTT VemHErin der&laube,) und denn, weil 
folche zu GOttes Ehre geſchehen. Es find aber zweyer⸗ 
ley gute Wercke, die Berheiffung der "Belohnung ha⸗ zuf die ig 
ben. Die innerlichen guten Wercke find Gottſelig⸗ nerlien 
feit , davon Sanct Paulus fagt 1. Tim. 4. v. 8. Die Kinn, 
Gottſeligkeit ift su allen Dingen nuͤtze, ımd hat v. . 
Derbeiffung diefes und des ewigen Lebens, das ift, 
fie wird geittich und eroig befohnet. Welche ſchoͤne 
Verheiſſung hat die Furcht GOttes! Dfalm ı ı 1.0.10. 
Sir. 1.0.17. Welchen ſchoͤnen Lohn und Verheiſ—⸗ 
fung baden die Barmbergigen, Sriedfertigen, 
Sanfftmuͤthigen, ꝛc. Matth. 5. v. 4.7.9. IBelchen 
ſchoͤnen Lohn hat der wahre Gottesdienſt! Pſalm 

27.9.4. Pſalm 480.1. Welche ſchoͤne Verheiſſung 
hat das Gebet, Pſalm 50. v. 15. Pſalm 145. v. 18. 
Joh. 16. v. 13. Luc. 11. p.9. Welche ſchoͤne Verheiſ—⸗ 
ſung hat das oͤffentliche Bekaͤnntniß des Namens 

C⸗riſti! 


— 


1088 B.V.E.9.Dom om neuen Leben, Fruͤchten der ic, 


Chriſti! Matth. 10.0, 32. Wer mich betennet vor 
den Mienfchen, den willich auch befennen vor mei- 
nem bimmlifchen Vater. Welche ſhone Verhiſſung 
haben die, ſo um EHrifti willen verfolget werden, 
Matth. 5. v. ro. Sanct Paulus ſagt 2. Tim. 4. v. 8. 
Ihm ſey die Crone der Gerechtigkeit beygelegt, 
Matth.ı9.0. 29. Wer um meines Namens willen 
verläffer Adufer, Aecker, Brüder, Schweſtern zc. 
der wirds bundertfäleig nebinen, und das ewige 
Leben ererben, 2. Tim. 2. v. ı1. Sterben wir mit 
ihn, ſo werden wir mit ihm leben, Roͤm. 8. v. 18. 
Diefer Zeit Leiden ift nicht werth der herrlichkeit, 
fo an uns foll offenbarer werden. 
aut ge — aͤuſſerlichen guten Wercke aber haben dieſe 
— Verheiſſung Matth. ĩo. v. 42. Wer dieſen gering⸗ 
ſten mit einem Becher Balten Waſſers traͤncket, 
warlich ich ſage euch est wird ibm nicht unbelob- 
‚ net bleiben, 41.91. Fehr 8.0.8. Dan. 2.24. 
Mattd- 25. Im Marıh. 25.0. 27. wird gu dem Knechte, der fein 
Pfund wohl hat angelegt, und damit gewuchert, das if, 
gutes gethan hatte, gefager: Du frommer und ges 
treuer Knecht, du bift im Geringſten getreu ge= 
wefen, das it, du haſt meine Gurher wohl ausgerheilet, 
ch will dich Über viel fergen; gebe ein zu deines 
RErrn Freude. Gal. 6. v. 9. Zu feiner Zeit wer⸗ 
2.809,06. den wir auch erndten ohne Aufl bören. 2. Cor. 9. v. 6. 
Wer kaͤrglich ſaet, wird kaͤrglich einerndten, wer 
im Degen ſaͤet wird im Segen einerndten das iſt, 
"reichlich, Luc. 14. v. 13. 14. Tade die Armen, die 
dich nicht wieder laden koͤnnen: Es wird dir 
vergolten werden in der Auferſtehung der Ge⸗ 
rechten. Matth. 25. v. 35. Ich bin hungrig ges 
weſen, und ihr babe mich gefpeifer, x. 

11. Hicher gehöret das Creutz CHriſti, welches iſt 
Du Srent die Berleugnuna fein ſelbſt, der Has ſeines eigenen Les 
Zuc.14 0.26, bens, der angebohtnen Untugend, Luce14. v. 26. Das 
ift, die Creugidung feines eigenen Steifches , ohne 

weich⸗ niemand CHriſtum angehöret, Gal. 5. v. J | 
ohne 


ale 1089 


Ohne’ welche aud) der neue Menſch nicht Fan herfür 
fommen, 


Hieher gehoͤret das Geber, ſo im 2. at zu Eine de8 7. Capi⸗ 
tels zu finden. 


Das X. Capitel. 


Dom Gebet. 


As Gebet ift ein Geſpraͤch mit GOTT, ein „,: 
Stück des innerlichen, geiftlichen, himmliſchen — 
| Lebens, eines Chrift- slaubigen Hergens Eigene 
ſchafft und Kennzeichen, eine ftetige Bewegung des Heiz 
ligen Seiftes; denn er ift ein Geiſt der Önaden und 
des Gebets, Zac). ı 2.0. ro, eine Wuͤrckung der göttlis 
chen Salbung. Denn gleichwie das natürliche Keben Wieder 
den Keib beweget: Alſo der Heilige Geiſt die Seele durchs 3 
Gebet, durch Seuffzen, durch heilige Andacht, durch Seeie bes 
hergliche Klage über des Menfchen Elend, durch Ab⸗eget. 
bitte der Sünden, oder Strafe der Sünden, durch Fürs | 
bitte für alle Menſchen, für die Obrigkeit, durch Bitte 
um den Heiligen Geiſt, um Erfänntniß und Erleuchtie 
- gung, um Troft, um Linderung des Creutzes, um Erhal⸗ 
tung, um Staͤrckung des Blaubens, um Gedult, um 
allerley Nothdurfft, durch Gebet und Donckfagung 
für ale Wohlthat GOttes, dadurch GOTT geehret, _ 
gelobet und gepreifet wird in allen feinen Wercken und 
Wohlthaten, es gefchehe heimlich in feinem Kämmers 
lein ‚in feinem Hergen ‚an allen Drten ‚in aller Arbeit, 
oder gefchehe öffentlich in der Gemeine , zum Bekaͤnnt⸗ 
niß des Glaubens, Ehredes heiligen Namens GDtteg, 
und Danckfagung für alle Wohlthaten. 
2. Das alles muß im Beift und inder Wahr: 
beit gefchehen , von Dergenarund ohne Deucheley vor —95 
GOTT, nicht. vor den Menſchen, ohne wo es das nulfe gu 
Öfenihe Lob GOttes und Danckfagung in der Ge⸗ förben, 
meine erfordert ‚ wieder 22.Pſalm, v. 26. ſagt: Ich 
will dich preifen in der groffen Gemeine. "Und 
wenn dis Gebet im Geiſt gefchicht, fo kang ohne Unterlaß 
geichehen: auch) an allen Dextern , und iſt dag tägliche 
V. Theil, 344 Opffer, - 


1090 B. V. C. 10. Vom Gebet. 


Opffer, davon der Prophet Malachias am 3. v. 4. 
weiffaget; und der 141. Pſalm, v. 2. 
Re. ft demnach dag Gebet ein Kenngeichen eines 
— wahren glaͤubigen Chriſten, ein kraͤfftig lebendig Zeug⸗ 
Mad: niß des Heiligen Geiſtes, ein Kennzeichen der wahren 
mal. Kinder GOttes, , und des Eindlichen Geiſtes EHrifti: 
Denn weil wir GOttes Rinder find, fo hat GOtt 
gefandt den Beift feines Sobnes in unfer Hertz, 
durch welchen wir ruffen: Abba, lieber Dater ! 
Gal4.d. 6. al, 4. v. 6. Mit dieſem Spruch) hat Sanct Paulus 
BSOTT unfern fieben Bater, SOTT den Sohn und 
Heiligen Geift zufammen gefeßt, und ins Gebet einge» 
ſchloſſen. Wo nun das Gebet nicht ift, da iſt keine GOt⸗ 
ges Erkaͤnntniß, kein Glaube, kein Heiliger Geiſt. 
4 4. Daraus abzunehmen, welch ein koͤſtlich Werck 
EN das Gebet ſey; Das ift ein Eöfklich Ding, dem 
Wed SERRILT danden, und deinen Namen loben, du 
Allerhoͤchſter, Pf. 9 2: v. 1. denn es die hoͤchſte Ehre 
2,00) GOTTES ift, die er feinem andern geben will, 
NE noch feinen Ruhm den Goͤtzen, Jeſ. 42.0.8. Dar⸗ 
sunggebi- um Die wahren Anbeter den Vater Durch den Sohn 
zer SOTT I ‚Heiligen Geiftanbeten, und Diefe Göttliche Ehre Beis 
"nem andern geben; denn das ift wider den gangen heis 
ligen Ehriftlichen Glauben, welcher allein GOTT an- 
hanget ‚und feiner Creatur; allen GOTT vertrauet, 
und fich auf keine Ersatur verläffet : Denn da höret 
der rechte Glaube alfobald auf, und wird ein Aber⸗ 
glaube. Zu dem Ende ift der Menfch von GOTT 
erfchaffen, ertöfet und geheiliget, daß er GOTT erken⸗ 
nen, anruffen, ehren, loben und preifen foll. 
Bee 5 Es wird aber das Gebet gang Eräfftig und feurig, 
in der Liele wenn man in der Liebe betet; denn wenn die Liebes⸗ 
en 8% Flamme gegen GOTT brünftig if, und man GOTT 
mit inniglicherXiebe empfahet ‚das ift ein vecht Findlich 
Gebet, und erlanget ‚was esbittet; Wer mich lieber, 
fpricht der HERR, oh. 14.0. zı. dem will ich 
‚ mich offenbaren. Ingleichen: Der Dater hat euch 
lieb, darum daß ihr mich lieber, Je brünftiaer 
' nun 


[ * f 
Vom Geber. 1091 


2 RR SD LP ON a Mer N 
nun die Kiebe ‚ie Eräfftiger das Gebet iſt: Derohal⸗ 

ben wiewir um Vermehrung des Glaubens bitten muf 

fen, alfo auch) um Bermehrungder Liebe GOTTES; 

Und ift eine fonderliche troſtreiche Verheiſſung, daß 

GOTT feine Kiebe durch den Heiligen Geift in 

unfer „er ausgegoffen bat, Kom. 5. v. 5. 

6. So machet aud) die Freudigkeit des Her⸗ ger muß 
tens und Gewiſſens das Gebet vor GOTT Eräfftigersin Sreudip 
denn wenn wirnicht mit Verdruß fondern mit Freuden it 1, 
beten, das iſt die lebendige Hoffnung, daß uns nicht geigepen. 
wird abgefd)lagen was wir bitten, und iſt ein lebendig 
Zeugniß der Erhörung. Daher fagt die Epiftel an die 
Hebräer am 4.0.16. Laſſet uns mit aller Freu⸗ if 4. 
digkeit hinzutreten zu dem Gnaden⸗Stuhl. Und 
St. Johannes ſagt: Das iſt die Freudigkeit die wir 
haben zu GOTT, daß wir von ihm nehmen, was 
wir bitten, inder 1. Epiſt. Joh. am 3. v. 22. Dieſe 
Freudigkeit iſt die Danckſagung fuͤr alle Wohlthat, wie 
der 100. Pſalm ſolches artig beſchreibet: Rommt vor 
fein Angeſicht mir Frolocken, dienet dem ZERRIT 
mit Freuden, gehet zu ſeinen Thoren ein mit Dan⸗ 
cken zu feinen Vorhoͤfen mit Loben, dancket ibm, 
und lobet ſeinen Namen. Pſalm 54. v. 8. So will 
ich dir ein Freuden-Opffer thun, und deinem 
Namen dancken, daß er jo tröftlich if, 

7. Wenn nun das Gebet alfo geichicht,, im Glau⸗ Das Örket 
ben, Liebe, Hoffnung und Treudigkeit, fo ergiebtfich das untergiebt 
Her gantz und lauter dem gnaͤdigen Willen GOttes Basen 
und der göttlichen Fiebe, ftellet GOTT alles heim ‚opfz aöuen, 

fer ſich SOTT auf mit allem ‚was eshatundift ‚und und erwar⸗ 
läßt ihm mohlgefallen, was GOTT gefället. Ihm iſt Sie un⸗ 
daran genug und wohl, daß er GOTT zum Vater hat, serfeli- 
und GOttes Kind ift, betet auch nicht um feines Nu— 
Gens willens, fondern aus Liebe,und dem lieben Vater 
zu Ehren und Wohlgefallen; Und weil ein fold) Herg 
GOttes Liebe und Freudeim Gebet empfunden und ges 
ſchmecket hat, fo betet es auch indubicanter, auffer allem 
Zweifel ‚und wancket nicht, wie Sanct Jacobus fagt, 

| 3 34 2 . C. Ir 


— 


1092 B.V.E&,1o. Vom Gebet. | —— 


Jacob · 1. E,1:0.6. Und der HERR ſelbſt: Wenn ihr betet, 
— fo zweifelt nicht, ſondern glaubet, ſo werdet ihrs 
empfahen, Matth. 21.9. 21. Denn GOTT ſiehet 
das Hertz an, und erhoͤret nach dem Hertzen, nicht nach 
dem Maul: Siehet den Glauben an und das inner⸗ 

liche hertzliche Seufffen und Verlangen. 


F 8. Es ſtaͤrcket das Gebet maͤchtig, dieweil der 
Klier FHENN, den wir anrufen nicht fern, fondernnabeiftz 


Pſ. 145.0. 18. Der JERR iſt nahe denen, die ihn 
anruffen, allen die ihn mis Ernſt anruffen. Denn 
gleich wie alle, die den HERAN anrühreten, durch eine 
a ot Krafft ſo von ihm ausgieng,gefund worden; der HERR 
ben, auch den Ausfägigen ‚der ihn um die Reinigung bach , 
Phz7. v. 8 anrührete: Alſo rühret unfer Gebet den HERAN an 
Durch die Berbeiffung Pſ. 27.0.8. Mein Aerg haͤlt 
dir für dein Wort: Ihr fole mein Antlig ſuchen: 
Darum füch ich auch, HErr, dein Antlig, darum 
verbirge esnicht vor. mir. HERR, das haft du gefagt 
und verheiffen, auf folch dein Abort bitte ih: Das iſt, 
EHDttanrühren. Herr EHrifte, du haft gefagt: Was 
ihr den Vater inmeinem Namen bitten werder, 
das wird er euch geben, Joh. 16. v. 2 3. Diefteher das 


Eruncke Weiblein, Luc, 8. 0.44. und rübret feines - 


\ Rleide: Saum an, durch und in feiner Verheiſſung. 
Gebeners 9 Gleichwie nun die Krancken die Krafft CHriſti 
einiger mit Durchs Gebet’ an fich gezogen, welche fie heilete: Alſo 
BO, und gchtdie Kraft CHriſti alle, fo im Geiſt und in Wahrs 


bringet in k : 2 " ee 
der Engel heit beten, an fich , und vereiniget fich mit ihnen; denn 


a" Glaube, Liebe, Hoffnung, Gebet ſeynd göttliche geiſt⸗ 


liche Bande, fo unsmit GOTT vereinigen. DEUM 
invocare, eft DEum incorfuumvocare. GOTT ans 
ruffen, tft, ihm in fein Hertz ruffen. Dorausmir fehen 
die Krafft und Wuͤrdigkeit des Gebets, welch ein koͤſt⸗ 
li Werckes ſey: Und weil beten und GOTT loben 
ein Englifih Werck und Amt ift, fohaben die Betenden 
Gemeinſchafft mit den heiligen Engeln, ob wol daffelbe 
noch nicht ericheinet und offenbar ift. 
10. Dieweil aber unfer Sleifch und Blut ſchwach 


iſt, 


vom Gebet. 1093 


ift, fo haben wir drey mächtige Gehülffen in unferm Ger Gehätfen 

- bett (1) Die Dorbitte unfers einigen Mittlers und des Gebels. 
ewigen Hohen⸗Prieſters, welcher- ein erwiges Hohes» 
Prieſterthum har, undbittet für ung, Hebr. 5. v. 6. 7. 

(2) Den Zeiligen Beift, der unfrer Schwachbeit 

bilfft, und vertritt ung bep GOtt mit unausſprech⸗ 

lichem Seuffzen, Nom. 8. 0.26. (3) Diebeilige 
CEbriftliche Birche, die für alle wahre Glieder CHri⸗ 

fti bittet, Epheſ. 6.0. 182 N, 

11. Der Satan unterftehet fich auch, unfer Gebet zu Hindernit 
Herhindern durch mancherlen unvermuthliche Mittel und des Gebeis. 
Wege, durch Verftöhrung der Andacht , Verwirrung ' 
der Gedancken, Anfechtung der Nicht: Erhörung, der 
Unwürdigkeit, Fürhaltung dee Stunden und mancherz 
ley Gebrechen. Da müffen wir ihm lernen begegnen ; Wie ſolchen 
(ı) Mit GOttes Befehl, GOtt hat befohlen zu beten ; iu begegnen 
Ruffe mich en in der Zeitder Noth, Pſal. 50. v. 15. 

(2) Mit der Verheiſſung der gnaͤdigen Erhoͤrung. 

Seh 65.0. 24. Ehe ſie ruffen, will ich antworten, ıc. 

Pf. 145. v. 18. Pi. 340.18. (3) Mit dem Mittlers 

und Hohen⸗Prieſter⸗ Amt IJEſu ChHriſti. (4) Mit dem 

Gnaden⸗ Stuhl, welchen uns GOtt bat fuͤrgeſtel⸗ 

let durch den Glauben in feinem Blut, Roͤm. 3. v. 25. 

(5) Daß GOtt feines armen bußfertigen Suͤnders Ges 

bet verwirfft, Pſ.102. v. 18. Gelobet ſey der HErr, 

der mein Gebet nicht verſchmaͤhet, noch ſeine Gna⸗ 

de von mir wendet; das werde geſchrieben auf die 

Nachkommen, Di. 66. v. 20. (6) Daß der HErr bes 

fohlen hat, mit dem Gebet anzuhalten, und nicht muͤde zu 

werden, Luc. 18.0.1. Item Matth. 7. v. 7. Bittet, 

ſuchet, kloffet an. (7) GOtt hat uns durch ſeinen Be⸗ 

fehl, Verheiſſung und durch CHriſti Verdienſt und 

WVorbite würdig gemacht zum Gebet, und zu geiſtlichen 

Prieſtern gemacht, Offenb, 1.0. 6. zu opffern Barren 

oder Srüchte der Lippen, Hebr, 13.0, 15. 
„12, Verzeucht GOtt mit Hülffe und Troft, fo harre „.."* 

des HErrn: Sep getroft und unversagt und u 

harre des aKren, Pf. 27.0.1714. Wie ſagt der Heil, Varron. 

3 3 David 


/ 


1094 B.V.E,ır, Vom Creutz und Verfolgung 


David Pf.ao,v.ı. Ich harrete des HErrn, und er 
neigete ſich zu mir, und hoͤrete mein Schreyen und 
zog mich aus der grauſamen Grube. GOTT hat 
Zeit, Ort, Mittel in ſeiner Hand; der allein weiſe GOtt 
hat viel Mittel; der wahrhafftige GOtt weiß die Zeit, 
der Allmaͤchtige hat Gewalt. Gruͤnde du dich auf ſei⸗ 
ne Allmacht, Barmhertzigkeit, Wahrheit und Weisheit. 
Dancke ihm nun dafuͤr, daß er dir die Verheiſſung der 
gnaͤdigen Erhoͤrung gegeben hat, und glaͤube und traue 
ihm, er wird ſeine Zuſage halten; denn was er zuſaget, 
das haͤlt er gewiß: Er iſt nicht ein Menſch, daß er luͤ⸗ 
ge, und eines Menſchen Kind,daß ihm feiner Zuſa⸗ 
ſage gereue, . Sam am 15. v. 29. 
Hleher gehoͤret das Gebet, ſo im 2. Buch zu Ende des 36. Ca⸗ 
pitels zu finden. — — 


Das XI. Capitel. 


Vom Creutz und Verfolgung des heili⸗ 
gen Chriſtlichen Lebens. 

chritlich (beichwie die reine Kvangeliſche Lehre, der 
—— wahre Glaube und Bekaͤnntniß, viel Verſol⸗ 
\ gung: Dar N gung hat von der falfchen Kirchen, alfo auch das 
Deren, Chriftliche Leben, St. Paulus fagt 2.Tim.3.0.12. 
der trönfi, Alle, die gottſelig leben wollen in CHriſto IEſu, 
der inter · můſſen Verfolgung leiden. Darum auch der Herr 
2. Tim 12. CHriſtus die Nachfolgung feines heiligen Lebens eines 
jeden Ehriften Menfchen Ereug nennet: Wer mirfol- 

gen will, der nehme fein Creutz auf fich, und folge 

mir nach, Mattbe 1 6.0.24. Wilt du GOttes Diener 

feyn, fagt der weife Mann, Sir. 2. v. 1. fo ſchicke dich, 

1. zur Anfechtung. . Und folt erfklich wiſſen, daß das 
te gotifelige Leben im Glauben und in der Liebe CHriſti, 

rechte Got, Der wahre innerliche Sottesdienft ifl,durch den H. Geiſt 

seödienf, erwecket; welchen der Satan gern zerftöhren wolte, und 
fo er anderſt nicht kan, fo laͤſtert er die, fo da gottſe⸗ 
ligleben ; und ıhut, wie fein Name lautet, denn er heiſt 
ein Laͤſterer: Und alles, was EHrifto unferm Herten ges 
fältet, das mißfaͤllet ihm und widerfirebet —— 

arum 


des heiligen Chriftlichen Lebens. 1095 


darum heift r Satan, ein Widerſacher: Selig fepd 

ihr, wenn ibr geſchmaͤhet werdet über dem Na⸗ 

men Chriſti; denn der Geiſt, der ein Geift der 

Herrlichkeit und GOttes iſt, ruhet aufeuch: Bey 

ihnen iſt er verlaͤſtert, bey euch aber iſt er gepreiſet, 

1. Petr. 4.0.14, Als der heilige Prophet Daniel taͤglich J * 

feinen Gottesdienſt verrichtete Durchs Gebet, und dr 

Satan durch feine Werckzeuge dem frommen Manne 

durch Erin Mittel Schaden thun, und feinen Neid und 

Grimm wider ihn ausgieſſen Eunte, weil er ein gerechtes, 

aufrichtiges, unfträffliches Keben fuͤhrete, gedachte er 

ihn durch Verhinderung feines Gottesdienſtes, fo er 

durch täglich Gebet übete, ums Leben zu bringen : Aber 

der GOtt, dem er Dienete in feinem Hertzen, halff ihm 

maͤchtiglich. Alſo gedencket der Satan alle Die, fo gottz 

felig leben, den Löwen vorzumerffen: Der HErr aber 

fpricht Joh. 12. v. 26. Wer mir dienet, den wird 

mein Dater ebren; und wo ich bin, d« foll mein 

Diener auchfepn. Iſt es nun nicht beffir, von GOtt 

geehret werden, vor allen heiligen Eingeln um der Gott⸗ 

feligkeit willen, als von der Welt geehret werden, um 

Der Sottlofigkeit willen, % 

’ 2. Das gottfeline Leben ift das edle Leben Chriſti Chrifch 
in feinen gläubigen Gliedern, und find Früchte des Heili- nv. ü } 

gen Geiſtes, ob es gleich von hoffärtigem. ftolgen und zuuge. 

wollüftigen Belt» Kindern verachtet, gefehmähet und 

verfolge wird. Und fo. dann ein folches Ehriftliches 

Leben gehaſſet und verfolget wird, fo wird EHriftus in 

feinen gottſeligen Gliedern gehaffet und verfolget: Das 

betrübet wol den ausmwendigen Menſchen, aber es ift 

Gnade vor ®Hdtr, fpricht St. Petrus: Die Laͤſte⸗ 

rer aber werden Rechenfchafft geben dem, der be⸗ 

zeit iſt su richten die Kebendigen und die Todten, 

1. Petr. 4.0.5. 


3. Das Chriſtliche gotefelige Leben machet einen Un: _, 3: 
terſcheid gwifchen den Bindern GOttes, und den ER 
Rindern des Satans, zwifchen denen, die CHriſtum terfcheides 
angehören, und die ihm nicht angehören, 1.Zoh.3. EU 

5 4 v. 10. feine 


1096 B.V.E.ır, Vom Creutz und Verfolgung 


v.10, und Gal. am 5.0.22. faq. Db nun wol dieſer 
Unterfcheid noch nicht offenbar ift vor den Menſchen; 
fo ift ee doch vor GOTT dem HERAN bekannt, 
der wirds zu feiner Zeit offenbar machen, wie der Pros 


Mal3.014 pher Mal. 3.0.14 fg. ſpricht Die Bottlofen fpres 


4. 
Die nad 


dem Fleiſch 
leben achd: 


ren nicht 
ins Reich 
© 


chen: Es ift umſonſt, daß man BÖrtdienet, und 
was nutzet es, daß wir feine Gebot halten, und 
Dart Keben führen für dem HErrn Zebaotb? (den 
gottlofen fleifchlichen Leuten deuchnes ein hart Leben 
feyn, aber den GOtt⸗Liebenden ift es leicht und füß. ) 
Darum preifen wir die Derächter. “Denn die 
Gottloſen nebmen zu; fie verfuchen GOtt, und 
gebet ibnenalles wobl hinaus. Aber die Gottes⸗ 
fürchtigen tröften fich unter einander alfo: Der 
HErr merckets und börets, und iſt für ihm ein 
Denckzettel geſchrieben fuͤr die,fo den HErrn firech- 
ten, und an feinen Ramen gedencken; Sie ſollen, 
ſpricht der HErr Zebaoth, des Tages, den ich ma⸗ 
chen will, mein Kigenthum ſeyn, und ich will ih⸗ 
rer ſchonen, wie ein Mann ſeines Sohnes ſchonet, 
der ihm dienet, und ſollen dargegen wiederum ſe⸗ 
hen, was vor ein Unterſcheid ſey zwiſchen dem Ge⸗ 
rechten und Gottloſen, zwifchen dein, der GOTT 
diene, und dem, der ihn nicht Diener. 

4. Die Seil, Schrifft urtheilet und-hält alle die für 
Sottlofe,die nach dem Fleiſch leben, und fpricht ihnen das 
Reich GOttes ab: Derhalben fo muß nothwendig das 
fleifchlicheXeben abgeleget ‚und ein geiftlich Keben anges 
nommen werden, welches dem fleifchlichen Reben gantz 


RR zuwider feyn muß, das iſt die Augen-Luft, des Fleiſches 


Luft und das hoffärtige Leben 5 fonft Eönnen wir für 
CHriſti Glieder nicht erkannt werden: Denn dieden 
Geift C.riſti nicht haben , die find nicht fein, 
Dom. 8.079. Wo aber der Geiſt EHrifti if, da find 
auch die Früchte des Geiſtes. Und das find allein die 
Kinder GOttes, die der Geiſt GOttes treibet, und Die 
gebören CHriſtum an, die ihr Fleiſch creugigen 
ſamt den Lüften und Begierden, Gal. 5.0. 24. 

5. Und 


des heiligen Chriftlichen Lebens. 1097 


5. Undeben dieſes iſt die enge Pforte, dadurch wir zumkeben 5. 

eingehen müffen, und derfchmahle Weg, der zum Leben führer, Gottfelig 
und wenig find, die ihn finden, Matth.7.0.12. Die ihn aber fin: een 
den, und darauf wandeln, find, die wahrhaftig an den Sohn \y, —5— 
GOttes glaͤuben und allein in ihm ihre Gerechtigkeit ſuchen, und je Weg. 
die Fruͤchte der Gerechtigkeit und des Glaubens in ihnen walten Matıh. 7. 
und herefchen Laffen, darüber auch alles leiden, was GOTT ver. B- 
HErr verhänget : Denn wir müffen durch viel Zrübfalin das 
Reich GOttes eingehen, Up. Gefch. 14.0.22. Wirhaben aber 
die Berheiffung, fo wir mie CHrifto leiden, fo werden wir auch 
mit ihm zur Herrlichkeit erhaben werden Nom.8.0.17. 2.Tim.2. 
v.12. It. Roͤm. 2. 9.7. Preis, Ehre und unvergängliches We⸗ 
fen denen, die mit Gedult in guten Wercken trachten nach dem 
ewigen Leben : welches aber niemand ohne dem wahrbafftigen 
Glauden thun wird oder kan. Darum iſt die Summa aller Ge⸗ 
bot: Liebe von reinem Hertzen, von gutem Gewiſſen, und vun 
ungefärbtemGlauben, in der 1. Epiſt. an Tim. 1.0.5. 

6. Iſt nicht Chriſtus unfer HErr alfo fürunghingangen, und _ 6. 
find nıcht alle Heiligen GOttes mit ihrem Ereug alfo nachgefol- LHriſtt 
get? Was find es vor Leute geweſen? Sind es Welt⸗Kinder ge⸗ —2 
weſen? Und ſind nach ihrer Buſſe im fleiſchlichen gottloſen We⸗ Erempsl, 
fen und Leben blieben ? Haben fienach ihrer Befehrung auf dem 
breiten Wege der Berdammniß gewandelt? Sind fie nicht in 
Die demüthigen, heiligen Fußſtapffen Chriſti getreten, und find 
feinem heiligen Exempel nachgefolget in-ihrem Leben, in groffer 
Gedult? Haben fie nicht dag Ereug EHrifti, fein Joch und feine 
Laft, welche um EHrifti willen füffe, leichte und fanffte find, auf 
fic) genommen, und es dem HErrn nachgetragen ? Matth. 10. Mattd.ro, 
2.38. €.11.0.29.30. Sind fie nicht dem Ebenbilde Oites v.38. 
gleich worden durch das Creutz? Menneft du, daß diefeg ein “939 
Schertz und todter Glaube gemefen ift? Was follg denn nun 
feyn, daß diefe hochnoͤthige Lehre von den überklugen, fuper- 
feinen und hochfinnigen Gelehrten und ungelehrten Stolgen 
verachtet und geläftert wird ? Da doch allenthalben der wahrs 
hafftige lebendige Glaube und neue Geburt zum Grund und 
Zundament geleget wird,ohne welche Grund⸗-Feſte Fein heilige 
und Ehriftlicheg Leben feyn fan odermag. Und ich fage inder 
MWahrheit,daß dieſe Leute nicht wiffen, was fie läftern, fie haben - 
den Glauben nie recht verftanden, aus welchem der Menfc) new 
gebohren wird; Verſtehen dieKfindfhafft&Dttes nicht. Daß 
geiftliche Reich CHriſti, fo in den Gläubigen iſt, haben fienie .. 
erfannt, noch dag hohe Geheimniß des Haupts der Kirche ‚und 
die Sue feiner Gemeine,melche iſt fein Leib ; auch nicht des Hei⸗ 
ligen Geiftes Regiment und Wohnung inden Gläubigen. Sa⸗ 
get mir, was ift die Kirche GOttes? Iſts nicht die geiftliche Matth.1z. 
Erndte und der Weinberg GOttes? Marth.r3.0.24. &20.9.1. v.24 
Wo feyn denn die Früchte ? Sole eitel tummes, erſticktes C.20.v. 1. ſq. 

3355 Brand» 





1098 B.V.E.ır. DomCreug und Verfolgung,:c. 


Brand: Korn ſeyn da infelix lolium & fteriles dominantur 
avenæ? das ledige Unkraut und berWind-Naber überhand nehs 
men? Sollens eitel Heerlinge feyn, die der Weinberg tragen 
fol? ef 5.0.1.0. Was iſts Minifterium, das Amt? Gelg 
carnis ober Spiritus Minifterium, des Sleifches oder deg Seifteg 
Amt ſeyn? Sehet aufdie faulen Arbeiter, Phi. 3.u.2. rd. 
Gebet ift Wie ed nun hoch north iſt zu Bitten, Daß der Lauff des heiligen ' 
ndihia wi⸗ Evangelii und des Glaubens nicht verhindert werde durch Rot⸗ 
der vie Hin / ten, und Secten,und Tyronnene alfe iſts hoch noth zu bitten, daß 
—— der Lauff der Gottſeligkeit und Chriſtlichen Lebens nicht vechins 
er, 8 derewerbe durch Unbußfertigfeit,. Welt-Liebe, Heucheley und 
Aergerniß damit der Tag des HErrn ung nicht plötzlich in un⸗ 
fern Sünden übereile, und ein geſtrenges Urtheil darauf folge. 


Gebet. | 
SP Urmbergiger GOtt und Vater , dir dance ih von Grund 
meiner Seelen für die gnädige Offenbarung veinesWorte, 
Darinnen du uns nicht allein die Fehre vom wahren feliamachen; 
den Glauben Flärlich vor Augen geſtellet wie wir zu dir unferm 
gütigen GOtt, in aller Noth und Anliegen eintzig und allein une 
fere Zuflucht in herglichem Vertrauen und Eindlicher Zuperficht 
auf deine Berheiffung nehmen, und dagtheure Berdienftunferd 
wercheften Eriöfers und Seligmachers EHriki FEfn, zu unfer 
Seligkeit, in Krafft des Heiligen Geiſtes, beilfamlich erareiffen 
follen ; fondern wir werden aud) aus dieſem deinemgeoffenbars 
ten Wort untermwiefen zu einem Heiligen und dir, SOtt, wehlge: 
fälligen Leben, wie wir verleugnen müffen das ungoitliche Wer 
Tit. 2,012 fen und die weltlichen Lüfte, und heilig, gerecht und gottfelig les 
ben im dieſer Welt. ch verleihe uns hierzu deines Seiftes Gna⸗ 
de, und würcke ven Glauben, als dein Werck, ſelbſt in ung, das 
durch unfer Herg, Berfland und Wille Eräfftiglich zu dir geneiget 
und gesogen werde, Did) recht zu erkennen, zu lieben, zu ehren, 
onzubeten und zupreifen; Chriſtum unfern eingigen Erloͤſer 
und Heyland mit feiner Gerechtigkeit und vollfommenem Ver⸗ 
dienft wider Sünde, Tod, Teufel. Hole und Welt zu ergreiffen, , 
und ung deffen zu unferer Seligkeit zugebrauchen. Ach fo Fan es 
ung dusch dieſe beine Gnade nicht fehlen, unſer Hlaube wird nicht 
Gal.5. 0.22 ein todter Schein⸗Glaube ſeyn, fondern wir werden die Früchte 
des Geiſtes überfommen , als da find, Liebe, Freude, Sriede, 
Gedult, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube Sanfftmuth, Keuſch ⸗ 
Roͤm. g. 16. heit, und in unſerm Hertzen durch) deinen Geiſt bezeuget werden, 
daß wir GOttes Kinder find. Dafuͤr wollen wir dich auch, 
o Vater, preifen, und = danden inalle Ewigkeit! 
men. 


Ende des erſten Büchleins, 


m Pam u. 


— — 


— — — 





Das" 
Andere Büdlein, 


Don der 
Hoch wunderlichen 
Gnaden⸗reichen 


Dereinigung 


; Der —— 
Chriſt-Glaͤubigen mit dem 
allmaͤchtigſten, uuſterblichen und 
unuͤberwindlichen Kirchen⸗VNaupt 

CHriſto JEſu: 


Allen frommen, Gottesfuͤrchtigen 
betrübfen Ehrift = Rittern in dieſen 
befchwerlihen und gefährlihen Laufften, zu 
fonderbarem Herkens - Troft, Wonne und 
Freude, aus treuhertziger Affedtion mit 
befonderm groſſen Steig 
beſchrieben 
Durch 
Herrn JoHANNEM ARNDT, 
weiland General - Superintendenten 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg x, 


Im Jahr CHrifi 1741. 


. I1eo #8 2)0.0 38 


Beweis und Gründe, dadurch 
die hoch » wunderliäye Vereinigung des 
Kirden- Haupts FESU EHrifti mit 
feinen gläubigen Gliedmaſſen bekräfftiget 
„wird: 


I. x Euftaun und Wiederbringung des 

en 

IL. Das Ebenbild GOttes im Menſchen. 

11. Das Wort GOttes. 

IV. Die Minfchwerdung des Sohnes GOttes. 

V. Die Gnaden⸗reiche Einwohnung des Hei⸗ 
ligen Geiſtes. 

VI. Die wahre Buſſe und der Glaube, 

v1. Die geiftlihe Ehe- Verbuͤndniß und Ver⸗ 

| maͤhlung. 

-VM.Die vereinigte Liebe und Gegen⸗ Liebe 
Chriſti und der glaͤubigen Seelen, 

IX. Das Reid EHrifft und der geiftliche Leib 
der Kirchen , die Gemeinfchafft der Gi 
ther und Gaben des Heiligen Geiftes. | 

x. Die himmliſche Begierde und geiſtlicher 

Vorſchmack der ewigen Sreude. 

XI. Die Heilige Tauffe und Wiedergeburth, 

x. Das heilige Abendinanfdes Herrn. > 

XIII. — Gebet und Anruffung des Namens 

tes. 

XIV. Des Menſchen hoͤchſte Seligkeit und 
End⸗ Urſach. 

XV. Das groͤſte und auſſerſte Elend und 
Linfeligkeit des Menſchen, die ewige 
Abfonderung von GOtt. 


Das 


SB in el BR Lot 
Das |. Capitel. Ä 


Der erfte Grund und Beweis der 


Bereinigung GOTTES mit dem Menfchen 
iſt die San Er des 
en 


SS iſt die gantze Natur und Creatur einig ae Crea⸗ 

N und allein zu Lob und Ehre des einigen Airemin 
VB und wahren allmächtigen GOttes er- Enren er 

8* ſchaffen; Derohalben auch alle Ge—⸗ſchaffen. 

* doͤpffe und Wercke GOTTES ins- 

gemein die Herrlichkeit und Gütigkeit ihres Schöj«Ters 

preifen und verkündigen? Denn e8 iſt alles von dem. 

oberſten Werck⸗ und Kunſt⸗Meiſter fo vollkommen, 

gut, herrlich und ſchoͤn gemacht, daß der Schoͤpffer 

ſelber in ſeinen Wercken, wenn er deroſelben vollkom⸗ 

mene Guͤte und mannigfaltige Schoͤnheit und Wahr⸗ 

heit angeſchauet, ſich darinn erfreuet hat. 


Weil aber unter allen denſelben ſeinen —— 
noch kein ſichtbares Ebenbild des unſichtbaren SOtteg Bates 
welches feinem Schoͤpffer gleich wäre, vorhanden war, ‚rate, 
hat aus fonderlichem , und aus wunderlichem und wun; 1-3.Mofır 
derbarem Rath der Heiligen Dreyfaltigkeit, —— un 
den Menfchen gu feinem Ebenbilde erfchaffen. Das ift: 

Er hat ein lebendiges Bild und Gleichniß ſeiner Guͤtig⸗ 

keit, Heiligkeit und Gerechtigkeit in dem Menſchen 

abgedruckt, und denſelben zum vollkommenen Be⸗ 

ſchluß⸗ Werk und Vollendung aller feiner Wercke 

gemacht. Daher denn in dem einigen Menfchen, als 

in einem artigen und Eurgen Auszug, der gangen 

Ereatur Wuͤrdigkeit, Sütigkeit, Schönheit und Vor⸗ 

teefflichEeit zufammen gefaſſet: Denn was folte wol 

GOTT in fein Bild nicht eingefchaffen haben, daran 

der Schopffer felber feine Luft, Liebe und nd Wohlgefallen 

haben wolte ? Diefes Ebenbid GOTTES in dem Ausver 

Menſchen hat Durch die Gleichheit der Gerechtigkeit Sleichbeit 

und Heiligkeit SOTT und Menfchen aufs nähefte und bitoes euts 
feſteſte Reber ſels 







1102 B. V. Th2.C. 1. Grund und Beweis der Ver. 


and unbe feſteſte vereiniget und verbunden: Daher denn auch der 
HErr inden einigen Menfchen feinen Stuhlund Woh⸗ 


gulg, 
Sn. * nung geſetzt, wie er ſaget, daß ſeine Luſt ſey bey den 


Hienfchen-Bindern, Spruͤchw. Sal-.am 3.0.31. 


Die rg Nach dem Fall aber des Menſchen, durch welchen 


Eat Durch diefe Vereinigung getrennet und aufgelöfet ift, hat die 


ven Sun: ewige Barmhertzigkeit GOttes des himmliſchen Bar 


eireonas, ters Diefelbe wieder auftichten toollen, mit WBiederbrins 


aberduch gung feines Bildes in dem Menſchen, durch das lebens 
fonderöate Yigmachende Wort, durch den Glauben an Die Ver- 
Goes heiſſung, Durch die Menfchwerdung feines eingebohrnen 


re weſentlichen Sohns, Ducch die Wiedergeburth dee 


weuſchiei om. ‚hen , und durch die Öcheimniß der heiligen Sa⸗ 


cramenten, durch welche Mittel er den Menſchen von 
neuem mit ihm felbjt wiederum verbunden, und zur 
Wohnung un Sitz feines Heiligen Geiſtes gemachet, 
und alfo mit ihm ſelbſt vereiniget, auch mit feiner Gna⸗ 
den reihen Gegenwart und Einwohnung wiederum 
befeliget. D der unausfprechlichen Gnade und Guͤtig⸗ 
keit der allerhoͤchſten Majeſtaͤt GOttes! D des wun⸗ 
derbaren und in alle Ewigkeit Lobwuͤrdigen Raths der 
J Wiederbringung des menfölichen Geſchlechts. 

Sit, Der einige ‚allein mächtige, groͤſſeſte, gürigfte, allein 
Wopuans ſeligſte, weiſeſte und allein ewige SOTT bat in dem 
Den Menfchen, der zu feinem ‘Bilde erfchaffen, t derzur Nieſ⸗ 
Denen fung des höchften Guthes und Seligkelt wiedergebracht 
baben. par, der zu der unjterblichen Herrlichkeit wie dergeboh⸗ 
ren war, und zu einem Vorſchmack der ewigen Weis⸗ 
heit erleuchtet war, feinen Sitz und Wohnung ſtifften, 

und in ihm feine Rubeitätte haben wollen. 
— Denn warum bat GOTT geruber, da er den 
* denſchen erſchaffen hat? 1. B. Moſ. 2. v. 2. Dar⸗ 
um daß der Menſch GOttes Ruhe feyn ſolte: Darum 
hat er den Menfchen zum Beſchluß feiner aangen Crea⸗ 
tur und Schöpffung gemachet,daß er in dem einigen 
Menfchen ruhen wolte. Denn alfo fagtder ewige und 
alterheiligfte SOTT felber von diefer feiner ABohnung, 


Bott web Jeſ. 57«. v. 15. Alſo ſpricht der Hohe und Erhabene, 
der 


ss 


BOttes mit dam Menſchen. 1103: 


NT Te Pag: Satan PER [ 

der ewiglich wohnet, deß Name heilig iſt, der net in dem 

ich in der Höhe und im Heiligthum wohne, uno —— 
bey denen, fo zerſchlagenes und demuͤthiges Gei⸗ 

ſtes find, auf daß ich erquicke den Geiſt der Ge= 

Denütbigten, und das Hertz der Zerfchlagenen. 

Allhie verembaret unſer allergnädigfter. Einwohner 
ſelber feine göttliche Hobeit, Majeſtaͤt, Derrlichkeit und 

Heiligkeit mit des Menſchen Wichtigkeit, und hat den 

demuͤthigen und zerſchlagenen Geiſt zu feiner Woh—⸗ 

nung und Himmel gemacht und verordnet. Es wird 

auch zwar anderswo gefagt, daß GOTT über den 
Cherubim ſitze, Dfalm 80.0. 2. Aber vonden Menz 
ſchen darff der Apoftel ruhmen: Ihr ſeyd ein Tem- Gert 
pel des allmächtigen lebendigen GOTTES,2,E9r. gung nit 
6.0.16. Fuer ſchreitet noch näher zu diefer en ee 

chen Vereiniguna, da er fagt: Werden JERRTTrEr.s, 17. 
anhanget, der iſt mit ihm ein Beift, i. Cor. 6. v. 17. 

as konnte herrlicher und gottlicher feyn, als mit 

GOTT ein Beift werden ? Was koͤnnte feliger ſeyn, 
als in GOTT feyn und bleiben? Wie der Ebangeliſt 

Jehannes ſagt: Ihr werder bepdes im Dater uno 1I9b.2.24 

Sohne bleiben, 1. Joh. 2. 0. 24 Welches unfer 

Geligmacher ſelbſt beftätiget, indem er diefe vom Vater 
empfangene Vereinigung feine KBlarheit nennet, und 

faget, Joh. 1 7.0. 22. Die Alarbeir, ſo du mir geges 

ben haft, habe ich ihnen gegeben, daß fie eines ſeyn, 
gleichwie auch wir eins fepn ‚ich in ihnen, und du 

in mic. Daher vergleichet ex fich einem Weinſtock, 

und unsden Reben andem Weinſtock, Joh. E5. b. 2. 2c. 5-9 

auf daß wir aus ihm den lebendigmachenden Safft 

und Krafft ſaugen und ſchoͤpffen mögen, die wir fonft 

von und durch uns felbft nimmermehrrecht und wahre 

hafftig leben würden, fo wir nicht in CHriſto leben; 

welches der Apoftel von fich bejeuget , al. 2. v. 20, 

fun lebe aber iegund ich nicht , ſondern Chriſtus 

in mie. Welches aud) uns allen zu probiren der . 

Apoſtel vermahnet, da er fpriht 2, Cor. 13. 0. 5. 

Prüfer euchfelbft, ob CHriſtus in euch ſey. 
BE Es 


1104 B.V.Th.2.C.2. Die Vereinigung GOttes mir 


Schwerdt ⸗Es ifteine aroffe Würde und Herrlichkeit der vor⸗ 
u nehmſten Churfürften und Herren des Roͤmiſchen Reichs, 
daß, fie des Neichs Schwerdt = Apffelz und Scepter> 
Träger ſeyn: Wie viel gröffere Wuͤrde und Herrlich⸗ 
Reit ifteg, daß die Ehriften GGttes⸗ und Chriſt⸗ Traͤ⸗ 
ger feyn und heiffen,, und alfo mit der Heiligen Dreys 
einigkeit eines feyn, daß fie GOTT den Uberwinder 
der Welt, in ihnen tragen; denn pie der Evangeliſt 
fast: Der in uns iſt, iſt groͤſſer denn der in der 
Melt iſt, 1. Joh. 4.0.4. 

Hier kan gebrauchet werben dag Gebet, fo fm x. % uch zu 

Ende des 3. Capitels zu finden. 


Das II. Capitel. 
Die Bereinigung SOTTES mit dem 
Menſchen wird bewicfen durd das Bild 
GOTTES im Menfchen. | 


ln eg Bild GOTTES indem Menſchen ift 
DMenfehen die Gleichformigfeit mit GOTT, darinn dag 
12 Rn. Gleichniß desunfichtbaren GOTTES cigent 
lich und lebendig abgedruckt ift, und leuchtet, nemlid) ein 

Similicudo Gleichniß der Guͤtigkeit, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Un— 
mer am ſferbůchkeit, LBeisheit, Barmbersigkeit, Macht und 
Bildbrin: Gewalt, und Der Glaube, — beide Figenfhafften, 
Prise tweil fie alle zufammen in GOTT wefentlich und unend+ 
Gleichheit Lich feyn, hat er felbft in du Menfehen derfelben ein 
RUE lebendiges Eonterfait und Bildniß ausdrücken wollen, 
fiche verei Ein jegliches Gleichniß aber gebieret die Liebes Die 
get. Liebe aber Die Zufammenfügung und Vereinigung. 
Was folte nun GOTT ihm beffer und fefter mit Kiebe 
verbinden und vereinigen, ‚als fein Ebenbild und Gleich- 

niß? Wo folte GOtt lieber wohnen, als in feinem Eben» 

. bilde ? Mit wem ſolte er fich liebreicher vereinigen, als 

mit den, den er Mu feinem Bilde und Gleichniß erſchaf⸗ 
fen hat? GOTT der Vater iſt in feinem eingebohrnen 
Sohn, welcher "Sohn GOttes iſt das ewige und we⸗ 
ſentliche Ebenbild GOttes des ewigen Vaters; Daher 
die — Vereinigung des Vaters und u 


dem Menſchen wird bewieſen. 1105 


Ebenbildes klaͤrlich erſcheinet. Zu einem Gleichniß 

aber dieſer Vereinigung, und derſelbigen nachzuahmen, 

hat der liebe GOtt nach ſeiner unendlichen Guͤtigkeit 

auch mit dem erſchaffenen Menſchen durch die Gnaden⸗ 

reiche Einwohnung wollen vereiniget ſeyn: Derohal⸗ 

ben hat er das Licht der wahrhafftigen und vollkomme⸗ 

nen Erkaͤnntniß GOttes in des Menſchen Verſtande 
angezuͤndet, auf daß GOtt ſelbſt mit den Glantz und, 
Strahlen feiner Goͤttlichen Weisheit in dem Menſchen 
leuchten möchte: Den Affect der reineſten und vollkom⸗ Der Affeet 
menſten Liebe hat er in des Menſchen Hertz gepflantzet, ao 
auf daß GOtt, weicher die Liebe felbjt iſt, durch die Liebe — 
des Menſchen kraͤfftig und thaͤtig ſeyn koͤnte: Die voll⸗ men 
kommene Gerechtigkeit, Heiligkeitund Wahrheit hater 

in des Menſchen Willen gelegt, daß er ſelbſt feine Ge- 
rechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit durch den Men⸗ 

ſchen üben und erzeigen möchte, 

Dis aber hat ohne Die Einwohnung und Vereini⸗ SOtt hat 
gung EHDttes mit dem Menfehen Feinesweges geſche⸗ (en Sie 
hen koͤnnen, derohalben GOtt durch fein Bid und Gl leich⸗ mit dem 
niß mit dem Menfchen ſich vereinigen wollen : Wie über: ae 
aus gutig, herrlich und liebreich iſt derowegen dev Ratl) 04 
der Heil. Dreyeinigkeit! da er beſchloſſen und gefagt: —* 
Laſſet uns Menſchen machen, ein Bild, das uns a 
gleich ſey. Welches eben fo viel ijt, als: Laſſet ungn".26. 
Menfchen machen, die ein febendiger Spiegel feyn uns 
fers Söttlichen Lichtes und Weisheit, unferer Liebe und 
Guͤte unſerer Gerechtigkeit und Heiligkeit, unſerer Wahr⸗ 
heit und Unſterblichkeit, unſerer Macht und Herrlichkeit, 
daß wir in dem Menfchen, als in unferm lebendigen 
Ebenbilde, hervorleuchten und geſchauet werden. 

Was ift demnach GOttes Bild im Menſchen anz GOttes 
ders als ein klarer und wiederſcheinender hell⸗leuchten⸗ ER 
der Glanz der unausfprechlihen Guͤtigkeit GOt⸗ 
tes? Welche Guͤtigkeit zwar in GOtt urſprünglich 
und weſentlich iſt, in dem Menſchen aber eine ſchoͤne 
Goͤttliche Zierde und Gnaden⸗Schmuck, aus welchem 
die groſſe Göttliche Güte und Sei bervorleuch- 

V. Theil. Aaa tet 


1106 B.YV.Th.2.€:3, Durchs Wort SOttes wird 


° tet und fiheinet. Denn fo das wefentlicdye Ebenbild, 
der Sohn GOttes, der Glantz der Aerrlichkeit ge- 
Hebt.2.9:3. nennet wird, Debr, 1. v. 3. darum, daß in Diefem wes - 
fentlichen Ebenbilde, GOttes des Vaters Herrlichkeit 
hervor leuchtet, als die Herrlichkeit des eingebohrnen 
Sohnes vom Dater: Warum folte denn auch nicht 
das Gnaden-Ebenbild GOttes in dem Menfchen ein 
heller wiederfcheinender Glantz der Göttlichen Guͤtig⸗ 
keit billig genennet werden? D der unausfprechlichen 
Kiebe und Keutfeligfeit GDttes, die mit Feines Mens 
fehen Verſtand zu begreiffen! Was werden die Aus⸗ 
Bolfom erwehlten alsdenn wohl feyn, wenn fie GOtt gleich 
meine Der ſeyn und ihn felbft, wie.er iſt, feben werden? 
mi BDtt. 1: ob. 3.0. 2. Welches denn endlich die vollkommene 
. Id 3 Bereinigung mit GOTT feyn wird, da Die Sleichförs 
EM migkeit mit GOtt perfect und vollfommen feyn wird: 
Denn ie gröffer und vollkommener auch in dieſem Leben 
das Bild GDttes in ung erfcheinet; ie gröffer ift auch 
die Bereinigung mit GOTT. Darum wird durd) 
das vollfommene Ebenbid und Gleichniß Die voll 
Enınmenjte Vereinigung vollbracht und vollzogen wer⸗ 
den, nemlich alsdann, wann wir ihn, wie er ift, fehen 
werben. RR > 
uedie, Derhalben die Vollkommenheit und. dolle Gnuͤge 
ligfeit und Des Menfchen ift feine Dereinigung mit GOtt; die 
ir Vereinigung aber mit GOtt iſt die höchfte Seligkeit 
ie Abſcheidung aber und Abfonderung von GHtt iſt 
die höchfte Unſeligkeit und aufferftes Elend. 
Hieher gehöret das Gebet, fo im 1. Buch zu-Ende des 6, 
Kapitels ſtehet. 
Das II. Capitel, 
Durchs Wort Gottes wird eine Ver⸗ 
einigung GOttes und der Dienfiben 
| ‚seftifftet. | 
Aß das Göttliche geoffenbahrete Wort ein 


SOttes 
——— Band der Vereinigung ſey GOttes und des 
der Vverei⸗ Menſchen, bezeuget das allererſte Gebot, dem 


nigung. | Mene 


der Menſch mit GOtt vereiniget. 1107 


Menſchen im Paradis gegeben, damit GOtt der HErr 
ihme ſelbſt den Menſchen aufs feſteſte verbunden; 

denn wie daſſelbe durch den Ungehs orſam aͤbertreten —— 
it alsbald die Aufloſung und Trennung der aller fern ne 
figjten Rereinigung darauf erfolge, und das Bilb das Bam 
GOttes verlohren: Uber weiches denn nis —— nur, 
ters, nichts Schrecklichers oder Ereulichers ſeyn, noch aelbfer, 
genennet swerden mag. Denn. wie der Menſch das! nz Re: 
"Bild GDttes verlobren, hat er ſich ſelbſt verlohren, 
und iſt gefallen vom Licht in die Finſterniß, von der ‚und mars 
Wahrheit in die fügen, von der Gerechtigkeit in die Mena 
Ungerechtigkeit von der Heiligkeit in allerhand Schande in ne 
und Lafter, aus dem herrlichen und ſchoͤnen Schmick satten. j 
in eine abicheuliche baßliche Bloͤſſe, aus Dir Freyheit 

in die — Dientoarkeit und Gewalt des— Teuf⸗ 

fels, aus dem Leben in den Tod, aus dem Himmel in 

Die Hölle, Aus dem Paradis in das auffer rſte Clend aus 

der Geſundheit in ſo vielfaͤltige und mancherley Kranck⸗ 

heiten, aus dem groͤſſeſten Reichthum in die aͤuſſerſte 
Armuth, aus der feligen Ruhe in die haͤrteſte und 
ſchwereſte Arbeit, aus der füffeften Wolluſt und Freude 

in allerley Trübfal, Angft und Schmertzen: Lind wel⸗ 

ches Das Allerkläglichfte iſt, in dem Sail ſelbſt hat fich 
angefangen die allerbetrübtefte Abſcheidung von GOtt, 

Flucht vor dem’ Angeſicht GOttes, eine knechtiſche 

Furcht und Schaam, eine dicke Finſterniß indes Mens 

ſchen Vernunfft und Verſtande, eine Abkehrung des 
Willens von GOtt, eine Halsitar rigkeit und Haͤrtigkeit 

Des Hertzens, und Feindſchafft wider GOtt daß nicht 

unbillig der Prophet Darüber klaget und ruffet: Eure Jeſ55. v.ꝛ. 
Suůnden ſcheiden euch und GOtt von einander, 

Jeſa. 59.0.2; 

Daher ware auch in alle Ewigkeit dieſe allerklaͤg⸗ Di Zurch das 
lichfte Abſcheidung und Abfonderung von GOtt ger pie Be 
blieben, wo nicht das Abort Darzwilchen kommen, und beste 
die Vereinigung wieder aufgerichtet und gemachet an 
haͤtte. Derohalben rufet GOtt den Menſchen durch ver angss 
das Wort von der Sucht wiederum zu fi), won der kichtet. 


ann z Sins 





1108 B.V. Th.2.C.3. Dutchs Wort GOttes wird. 


Sinfterniß zum Licht, von der Lügen zue Wahrheit, 
vom Tode zum Leben, von der Verzweiffelung zur 
Gnade: Der Menfc) ſcheuet ſich, und bekennet ſeine 
heßliche Bloͤſſe; Die Urſach zeiget GOtt an, darum, 
daß er habe feine Gebot uͤbertreten, fordert Die Schlange 
vor fich, und verfluchet diefelbige, nimmt den Men⸗ 
fehen wiederum zu Gnaden an, und verheiffet den Mitt- 

, ler, der folches rächen fol, welchen er des Weibes⸗ 
Sasmen sur Schmach der Schlangen nenne. Auf 
diefe Weiſe hat GOtt, unfer_ allergnadigfter Vater, 
durchs Wort den Menſchen, ſo das Wort uͤbertreten, 
wiederum angenommen und mit ſich vereiniget. Dero⸗ 
Die Forte halben iſt die Fortpflantzung des feligmachenden Worts 
planung vom Anfang nichts anders, als eine Verbindung und 
ih die Ber: Vereinigung der Menſchen mit GOtt. Alfo werden 
N denn der Menfchen Seelen und Gemuͤth welche 
durch die Suͤnde von GOtt geſchieden ware ‚mit ihm 
vereiniget , daß der Allechöchfte wiederum feinen Sitz 

Das Wort und Wohnung darinn erbauet und aufrichtet. Das 
rein Wort GOttes ift der Wagen, darauf GOtt fahret, 
"wie Ezech 1.v. 15. zu fehen, und Zach. 6.0.1. Aus 

den Munde GDttes gehet dafjelbige Wort mit dem 

Berade Heiligen Geift vereiniget, Jeſ. 59.d. 21. Welches ſo eg 
cs ın verachtet und weggeſtoſſen wird, gehet GOtt felbft den 
ein Abfall Menfchen vorbey, und verläffet ihn, 1.@am. 15.0. 23. 
nn Mi Weil du mein Wort — habe ich dich 
23. auch verworffen, ſagt der, ſo das Wort gegeben hat. 
An das Wort verbindet ſich GOtt der Herr ſelbſt, da 

er ſagt: Ich bin mit euch. Nach dem Wort da ich 

mit euch einen Bund machte, ſoll mein Bing unter 

euch bleiben, Hagg. 2.0.6. Wie Fönte die Vereini⸗ 

gung mit GOtt durchs Abort Elarer angedeutet werz 

den? Ja das Gedaͤchtniß GOttes, Ehre und Dienft, 

fo ihm oeleifte wird, verbindet GOtt mit uns, wie 2. B. 

Moſ. 20. v. 24. geſchrieben ſtehet: An dem Ort, 

da ich meines Namens Bedächtniß ftifften wer⸗ 

de, da willich zu die kommen, und dich fegnen. 

— Im Wort aber und heiligen Saeramenten iſt das rechte 
Gedaͤcht⸗ 


se 

38 
> 
Ss 


we 
— 7 


der Menſch mit BOtt vereiniget. 1109 


Gedaͤchtniß des Namens GOttes geſtifftet: Darum Sacꝛement 
wird er auch durch das Wort und Sacrament mit gig ya, 
uns vereiniget. Welches unfer Heylnnd mit dem nigung mit 
fehönen und lieblichen Spruch befräfftiget: Wer 
mich liebet, der wird mein Wort balten, und 
mein Dater wird ihn lieben, und wir werden zu 
ibm kommen, und Wohnung bep ibm machen, 

Joh. 14.0. 23 
| Daher wilde ein Wort genannt, welches unfere Erlerch⸗ 
Augen erleuchtet, Pſalm 19.0.9. GOtt aber iſt es, a. 
der uns erleuchtet, wie David finget, Pfalm ı 18.0. N Ras 
Der SErr ift Gott, der ums erleuchter. Daher 

wird e8 genannt ein Wort des Heils, Ap.Gefch. ı 3. 
v.26. GDtt aber it unfer Heil, Df. 27.0. 1. Dar 
her heift es cin lebendigmachendes Wort; ob. 6. 
0.63. GDtt aber iftunfer keben: Daber unfer Ser . 
ligmacher faget: Die Worte, fo ich zu euch rede, ſind 
Geift und Leben. Dab:r heiftesauch ein Wort der 
Wabrbeit; weil CHriſtus ift die Wahrheit und 
Das Leben, Joh. 14.0.6. Daher wird es genennet 
ein unvergänglicher Saame GOttes, dadurch 
wir wiedergebobren werden, ı. Petr. 1.0.23. Das 
- her heift aud) das Evangelium eine Arafft GOttes, 
om. 1.0.16. EDtt aber ift es, der in uns die Krafft 
wuͤrcket. Warlich, GOttes Gegenwart felbit, feine 
Wuͤrckung und Vereinigung. gehövet darzu, daß wir 
erleuchtet, lebendig und wiedergebohren werden. So son it 
nn ſolches Durchs Wort gefebicht, muß. GOit felber year 
nothwendig in und mit dem Wort gegenwaͤrtig ſeyn. af 
Darzu denn auch) kommen die gnadigen Berheiffun: $. Berbeifs 
gen GOttes/ welche GOtt und Menschen mit einanz fung von 
der vereinigen und verbinden: Fuͤrchte dich nicht, nn 
fpricht der HErr, Jeſ. 41.0. 10. denn ich bin mit dir; 
weiche nicht und erfchreckentcht, denn ich bin dein 
GOtt: Ich ſtaͤrcke dich, und belffe dir, icherbalte 
dich ach. Und aberzal Kap. 43.0. 2. Wenn du 
durchs Feuer und Waller gehen wirft, willich bey 
dir ſeyn. Mit welchen lieblichen tröftlichen Derheif 

Aaaa 3 fün- 


1110 B. V. Th.2. C.3. Durchs Wort GOttes wird 


ſungen GOtt ſelbſt ſich in unſere Hertzen hinein ſencket. 

Göttes, Liber das iſt auch der Eyd, welchen er uns Menſchen ge⸗ 
ee ſchworen hat, ein feftes Band der Bereinigung GOttes 
DBereinis Mit Dem Menfchen. Ich babe bep mir felbfE ge— 
sung ſchworen, fpricht der Herr, Sef. 45.9. 23. 24. 25. 
und ein Wort der Gerechtigkeit ift aus meinem 

Munde gangen, da foll es bey bleiben: Mir fol- 

len fich alle Rnie beugen, und alle Zungen ſchwo—⸗ 

ren, und fagen: Im HErrn babe ich Gerechtig> 

tet und Staͤrcke. Und ſolche werden auch) su ibm 
kommen: Dein im Afren werden gerecht aller 
Saame Iſrael, und fich fein rühmen. Und aber- 

mal, Sef54.9.9.10. Alſo habe ich geſchworen, daß 

ich nicht über dich zuͤrnen, noch dich ſchelten will: 

Den cs follen wol Berge weichen, und Augel 
binfallen,aber meine Bnade follnicht von dir weis 

er, und der Bund des Sriedens foll nicht binfals 

Bey der oß len, fprichtder aKrr, dein Erbarmer. Hieher ge 
— 5 hoͤret auch die Gabe der Prophezeyung und die Offen⸗ 
bar man baruug des Worts durch die Propheten und Apoſtel 
ee, gefchehen, 1. Petr. r. v. 10. 11. Apoft. Geſch. 2. v.4. 
nung zu Cap.9. v. 17. Daher cs heiffet GOttes Wort, und 
— eine Rede von OOtt ſelbſt eingegeben: weil es der 
v2 Geiſt GOttes durch ven Mund des Propheten geredet 
hat; und die heiligen Menſchen GOttes haben ge⸗ 

redet, getrieben von dem Heiligen Geiſt, 2. Petr. 1. 
ed 2. Welches denn ohne fonderliche Vereinigung 
in den bes GOttes und der Menfchen nicht hat gefehehen konnen: 


—— ig wie Dann auch daſſelbige kraͤfftiglich darthut und bes 


Ya; 


ein Urfunp weiſet, wie geſchrieben ſtehet: Daß die heiligen Pros 
NS, pheten und Apofiel mit dem Heiligen Geift feyn er 
ER füllet worden, das Wort GOTTES zu verkuͤndi⸗ 
gen, Luc. 1.0.70, Uber das gehöret auch zum wah⸗ 

ron Troſt, Dadurch betruͤbte und zerfchlagene Kerken 
anfgerichtet und lebendig. gemacht warden, GOttes 

Hilfe und Gegenwart felber, welches der Prophet bes 

zeuget, fagende, Jeſ. 57. v. 15. Ich der HErr, der 

ich wohne bep denen, die zerfchlagenes und Er 

thiges 


der Menſch mit GOtt vereiniger. 1111 


tbiges Beiftes find, aufdaß ich erquicke den Geift 
der Bedemürbigten, und das Hertz der Zerſchlage⸗ 

nen: Ich will nicht immerdar haddern, und nicht 
ewiglich sürnen; fondern es foll von meinem An⸗ 
geſicht ein Beift weben, und ich will Odem ma⸗ 
chen. Daher Fan der Konigliche ‘Prophet David mit 
feinem Troſt zufrieden feyn, ſo er GOtt felbft nicht hat 
und befißet: Was foll mir, fagt er, der Himmel obne Przat.e}. 
Dich? 73.0.25. Die Seelen der Gottsfürchtigen | 
werden mit feinem Gut, als mit GOtt felbit gefattiget. 
Daher erim 34. Pf. v. 9. ſagt: Schmecket und feber, 
wie freundlich der Are ift. | 

Hieher gehöret das Gebet, welches im 2. Buch zu Ende des 

1. Capitels zu finden. 

| Das IV. Capitel. 
Die Menfchwerdung des Sohns GOt⸗ 


tes iſt der vornehmſte Grund und Beweis 
der Vereinigung mit GOtt. 


— Sohn GOTTES ift offtmals vor feiner Derbi 


Menfchwerdung in menfchlicher Geſtalt den gpenfhr 
Vaͤtern erfchienen, damiter ihren Glauben und merdung 
Hoffnung von der zukünftigen Menſchwerdung ftärckte EAN. 
und beftätigte, 1.B.Mof. 18.9. 1. ſqq. Iſt aber nun Diefelbe ik 
nicht die Bereinigung der Göttlichen und menfchlichen sit zrrund 
Natur ein gar gevoiffes und unfehlbares Kennzeichen nigung 
und Anzeig der Vereinigung GOttes mit dem Men ren, 
fchen? Es begeuget folches der liebliche und troſtreiche Menfchen. 
Name Immanuel, Sef.7.v. 14. welches nicht allein hr og 
eine Beywohnung, jondern auch eine Einwohnung be me Zmmas 
deutet, Ich bin in euch, und ihr in mir,fagt unſer Se⸗ nuel. 
ligmacher, $0b.17.0.26. auf daß die Tiebe damit du Jeb⸗. b.it. 
mid) liebeft, fep in ihnen, und ich in ihnen. Inglei⸗ 
chen Joh. 15,4. 5. Bleibet inmir,und ich in euch: Der 
in mir bleibet und icdyin ihm, der wird viel Srlchte 
bringen. Darum wohne Cehriſtus in ferien Gliedern, 
Eph. 3.0. 17. machet fie ledendig, und fchaffet in ihnen 
das geiftliche Leben, wie dev Apoftel Paulus zum Roͤe⸗ 
Agaa 4 mern 


ı 112 B.V. Th.2., C.5. Don der Einwohnung 


mern am 8. Cap. v. 10, bejeuget: So CAriftus in 

euch‘ iſt, ifE der Leib zwar todt um der Sünde 

willen, der eift aber ift das Leben um der Ge⸗ 
rechtigkeit willen. Derhalben fordert der Apoftel 

von uns, daß wir dieſe Einwohnung an uns probiren 

y und verfuchen füllen, 2.Cor. ı 3.0.5. Verſuchet euch 
feibft, ob ihr im Glauben feyd, prüfet euch felbft: 
Oder erkennet ihr euch felbft nicht, daß IEſus 
—— Coriſtus in euch iſt? NB. Es ſey denn, daß ihr un⸗ 
mohnung tüchtig ſeyd. Sa er ſetzet dieſe Einwohnung Cehriſti 
Hriti mung zu einem gewiſſen Zeichen der zukuͤnfftigen Herr⸗ 
Zuſen üchkeit, da er in der Epift. an die Coloſf ain d. 27. 
richt: Welches ift CHriſtus in euch, der da ift 
die Hoffnung der Herrlichkeit. Gleichwie nun der 
Leib des HErrn iſt der allerheiligfieTempelund Woh⸗ 
nung, in welchem die gene Sülle der Gottheit woh⸗ 
net leibhafftig, Col. 2.0. 9. Alfo bat GDtt die Hers 
gen der Gtkäubigen zu feinem Heiligtum und Woh- 
nung gemacht; wie der Apoftel begeuger zum Ephefern 
am 2.0.22. Auf welchen auch ihr mit erbauet wer⸗ 
det su einer Behauſung GOttes im Geiſt. Wel⸗ 
ches der Sohn GOttes zuvor hatteverfündiget, Joh. 14. 
v. 20. An dem Tage werdet ihr erkennen, daß ich 
in Vater, und ihr in mir, und ich in euch fep. DO 

der wunderbaren Wuͤrdigkeit der Glaubigen! der 
lieblichen Geſellſchafft der Seligkeit, fo über allesifti! 
Sicher gehsret das Gebet, fo im 2. Buch zu Eude des 
1. Capitels zu finden. 


Das V. Capitel, 


Bon der Einwohnung. des Heiligen 
— Geiſtes. | 


Die Vere ¶¶¶ Nas vor eine groffe Verwandniß, Gemeinſchafft 
Ag mit und Vereinigung der allerhoͤchſte und ewige 





rn I Dit mit dem Menſchen geftiffter, bezeugen 
dren Stan klaͤrlich die drey vornehmften Wercke der Gnaden als 
dein aus (1) die Erſchaffung des Menfchen su ſeinem Bilde: As 
den dicy fern. ssiiienfchen inachen, ein Bild, das uns gleich 


fep, 


des Heiligen Geiſtes. 1113 


ſey, 1. B.Mof. 1.0.26. (2) Die Menſchwerdung des Gnaten- 
Sbhns Gttes. (3) Die Sendung des Heiligen Gei⸗ Garn u 
fies. Durch welche groffe Wercke GOtt der HErr of⸗ prüfen. 
fenbar gemacht und bezeuget hat, worzu der Menſch er⸗ 

fehaffen, erloͤſet und geheiliget fey, nemlic) darum, daß 

er der Gemeinſchafft mit GOtt genöffez darinn denn 

des Menſchen hoͤchſte und einige Seligkeit beftehet. 

Darum iſt das Wort Fleiſch worden, damitesin _ 1 
uns wohnete $oh.1.0.14. Darum iſt der Heilige Geiſt can ner 
vom Himmel herab geſandt, daß er dieſe Gemeinſchafft nungdes. 
und Vereinigung GOttes mit dem Menſchen ſtifften Zhdhne 
ſolte. (+) Wir hatten des Geiſtes GOttes hoch von⸗ waren wir 
noͤthen, damit wir von dem Geiſt der Welt entlediget ee 
und befreyet wurden: Wir hatten vonnöthen des Geiz Testen guten 
fies der Weisheit, damit wir das hoͤchſte Gut lieben — 
möchten: Es war uns vonnothen der Geiſt des Der" 
ſtandes, damit wir die Gefchaffte unfers Beruffs weis⸗ 
lich verrichten Eönten : der Geiſt des Raths das Creutz 
gedultig zu tragen; der Geiſt der Staͤrcke und der 
Krafft, die Welt und den Teufel gu überwinden; der 
Geiſt der Krkänntniß, die Kafter und Untugend zu 
meiden; der Beift der Eindlichen Furcht, damit wir 
EDtt gefallen möchten, der Beift der Gnaden und 
des Bebets, daß wir GDtt in allen Noͤthen anruffen, 
und in allen feinen Wercken feine Gnade und Güte 
preifen Fonten, Zac). 12,0. 10. | 

(2)Weil wir auch in CHriſto gEfuzurdindfchafft __ = 
GOttes erwehlet waren, wie der Apoftel zum Roͤmern Garen 
am 8.0.16. und Ephef. 1.0.13. bezeuget; hat GOtt die rechte 
unfer lieber Vater Diefe geoffe Gnade mit feinem eige⸗ et 
nen Geiſt befrafftigen wollen, welcher auch ein Geiſt * 
EHDttes des Sohns iſt, daß er uns der Goͤttlichen Na⸗ 
tur theilhafftig machte, als feine rechte und wahre Kins 
der, die aus GOtt gebobren find, und in GOtt blei- 
ben; wie n. Joh. 4. v. ı 3. geſchrieben ſtehet: Daran er⸗. Joh.4 
kennen wir, daß wir in ihm bleiben, under in uns; v. 11. 
denn von ſeinem Geiſt hat er uns allen gegeben. 

Denn gleichwie ein rechter natuͤrlicher Sohn nicht al 
Aaaas kein 





1114 B. V. Th.2. C.5. Don der Linwohnung 


fein das Fleiſch und Blut feiner Eltern an fich bat, fon 


dern auch mit derfelben Art und Gemuͤth begabet if: 
Alſo muͤſſen auch die, fb aus GOtt gebohren find, mit 
GOttes Geift begabet feyn, und etwas Göttliches in 
fi) tragen : wie zum Galatern am 4.9.6. gefchrieben: 
Weil ihr GOttes Rinder fepd, bat GOtt den 
Geift feines Sohnes in eure Hertzen gefandt. 


(3) Weil uns aber GOtt zu feinen Kindern wegen’ 


vorn feines eingebohrnen Sohnes angenommen hat, hat er 
das Siegel uns auch zu feinen Erben und Mit-Erben feines Soh⸗ 
derung I nes EHrifti JEſu geſetzt; derhalben hat er uns den 
binml:- Seift,das Pfand der Eünfftigen Erbſchafft gege⸗ 
ſchenEꝛbes. hen, mit welchem cr uns auch verſiegelt bat zu dem 
obe feiner Herrlichkeit zum Ephel. am r.v. 14. 
ri (4) Auch hat er uns mit feinem Geift gefalbet 
en zum Sengnih der empfangenen, aber noch verborge⸗ 
fere Sals J Koͤniglichen Wuͤrde und Herrlichkeit, Pf. 45;0.8. 
bung. Und auf daß wir mit Weisheit, Lehre und Erkaͤnnt⸗ 
niß des ewigen Heils unterweiſet und begabet wuͤr⸗ 
den, haben wir die Salbung des Geiſtes empfan⸗ 
gen, 1. Joh. 2. v. 20. 
(s) Wir find auch mit dieſem Freuden⸗ Oel wider 
Smligen der Welt und-des Teufels Wuͤten und Toben geſal⸗ 
nenund Det, und damit wir durch das liebe Creutz nicht gar zu 
überdrüßig und müde würden,» bat der himmliſche 
"Vater jeine Liebe durch den Heiligen Geift in 
unſere Hertzen ausgegoſſen, Roͤm. 5. v. 5. 


—* (ei (6) Weil wir auch von unfers Fleiſches Unteinige 
ei pi Feit offt befleckt und befudelt werden, bat er uns mit 


lie Heil dem Geiſt der Heiligung begabet, daß wir ftets wiederz 
gun m abgemafchen und geremmiget wuͤrden; wie der 
’ —— Apoſtel bezeuget, 1. Cor. 6.0.11. Ihr ſeye abgewa⸗ 
— ſchen, ihr ſeyd geheiliget, ihr ſeyd gerechtfertiget 
durch den Ramen JEſu, und durch den Geiſt un⸗ 
ſers GOttes, Noͤm. 8. v. 9. Ihr ſeyd geiſtlich, 

ſo — GOttes Geiſt in euch wohnet. 
(7)- Endlich, weil wir gegen den Tod einen lebens 


— digmachenden Geiſt haben muͤſſen, hat — 


ee end 


RL Anne fe 


; des Aeiligen Beiftes.. 1115 


Vater unferefeiber zu Tempeln und Wohnungen des und die 
Heiligen Seiftes geheiliget; wie der Apoftel 1. Cor. 6. Krafedes 
v. 19. lehrer: Wiſſet ihr nicht, daß eure Keiber 
Tempel fepn des Zeil. Geiſtes der in euch iſt; wel- 
chen ibr von GOtt babt? Und abermal, Roͤm. 8. 
vd. ı1. So wird nun der Beift deß, der IEſum 
von den Todten auferwectet bar, eure flerbliche 
Keiber lebendig machen, um deß willen,daß fein 
Geiſt in euch woher: 
NHieher geboret dag Gebet, welches im 2. Buch zu Ende 
des 16. Kapitels zu finden, 
| - Das VI. Espitel. 
Durd) das Mittel der heilfamen Buffe 
oder Berchrung zu GOTT, ale wahre Reu 
und Leid über die Sünde und den Glauben, ges 
fehicht die Vereinigung GOttes mit 
r dem Menfchen. 
Ehre wieder,du abtrünniges Iſrael ſpricht galdener 
der HErr, ſo will ich mein Antlitz nicht ge⸗ Spruch: 
gen euch verfellen; denn ich bin barmber- Jera v. 13. 
tig, fpricht der HERR, und will nicht ewiglih - 
zůrnen: Allein erkenne deine Mifferbat, daß du 
wider den⸗Errn deinen GOtt gefündiger baft,zc. 
Bekehret euch, ihr abtrünnigen Kinder, ſpricht 
der HErr; denn ichwill euch mir vertrauen, und 
willeuch bolen,2c. Fer. 3.0. 12. ſaq. Wennfich ein ger. 3. 6. 
Mann von feinem Weibe feheiden läffet, und fie 
zeucht von ibn, und nimmt einen andern Mann, 
darff er fie auch wieder annehmen? Iſts nicht 
alſo, daß das u verunreiniget würde? Dit aber 
haft mir vielen Buhlern gehuret: Doch komm 
wieder zu mir, ſpricht der HErr, er. 3.0.1. Mit Kurtze Aus⸗ 
welchen freundlichen und lieblichen Sprüchen GOtt legurtg des 
unfer himmliſcher Vater felbft bittet, und will, Daß die 5 — 
Menſchen ſollen wiederum zu ihm kehren, und mit ihm 
ſelbſt vereiniget werden; ‚denn gleichwie Durch den Ehe⸗ 
bruch die eheliche Vereinigung getrennet und are * 
looſet 


— 


1116 B. V. Th.2. C.s. Durch dasMittel derBuffe 


loͤſet wird, welche fonft machte, Daß zwey ein gleiſch 
Binde fen, Matth,19.0.5.6. Alfo machet die Suͤnde undMif- 
foribet ſethat zwiſchen GOtt und Menfchen eine folche geiſtli⸗ 
net: Be che Eheſcheidung: Die heilſame Buſſe aber bringe 
Se Die geiftliche Verehligung und Vereinigung wieder 
mir 6BRit. um mit ſich. Darum briche unfer- barınhergiger 
GOtt und Vater, der nicht ewiglich über ung zürnet, 
in diefe Worte heraus: Belehret euch zu mir,denn 
ich bin euer Mann, ich will euch mir vertrauen: 
Dubaftmit vielen Buhlern geburer; doch komm 
wieder, fpricht der HEErr. 
Sur Bufe Der Anfang der Bekehrung ift die Göttliche 
geböret, Traurigkeit, welche da wuͤrcket eine Reue zur 
feit. * Seligkeit, die niemand gereuet, 2. Cor. 7. v. 10. 
2. Cor.7. Derhalben iſt GOtt ſelbſt der Anfaͤnger und Urſach zu 
o. io. dieſer heilſamen Traurigkeit. Dahin auch der Sptuch 
des Propheten Jeſaiaͤ Cap. 40. v. 7. deutet: Das Heu 
verdorret, die Blume verwelcket; denn des 
SErren Geiſt blaͤſet darein. Durch dieſe Trautig⸗ 
keit, ſo durch den Geiſt GOttes erwecket wird, wird 
der Anfang der heilſamen Bekehrung und Wieder⸗ 
kunfft u GOtt gemacht, und durch den Glauben wird 
die Vereinigung vollzogen und vollendet. 
Erempel Laſſet uns das Exempel des verlohrnen Sohns 
— beſehen, der wieder umkehret zu feinem Vater, Luc. ı 5. 
Sue.ıs. 9.20.fgg. Lieber, was bedeutet allda das bergliche 
v. 20. Umfangen, Buß und berrliches neues Bleid? 
Was bedeutet der Ring und die neuen Schubeanz 
ders, als die inbrünftige Barmhertzigkeit, Wieder⸗ 
ſchenckung der verlohrnen Guter und Gaben, und die ° 
fiebliche Bereinigung? — | 
Die arme Laſſet uns anfchauen die heiffen Thkaͤnen der arz | 
ü 
| 





Sündertn, men Sünderin, nit welchen fie ihrem bochverdienten 
Luen. 038 Heyland feine Füffe wuſche: desgleichen wie fie ihn 
falbet, wie Sie feine Fuͤſſe kuͤſſet, Luc. 7. v. 38. Iſt 

nicht alles ihr Thun bey dem HErrn Coriſto nichts 
ans, denn eitel Finleibung, undeitel Eöftliche Bande, 
damit fie die Vereinigung mit GOtt aufs neue wieder 

« am feft befehlieffe und binde? Der ) 


geſchicht die Vereinigung. rar (4 


Der Her EHriftus ift die einige Ruhe und Erz EHrikus 
quickung unferer Seelen. Darum ruffet er aufs al- ee 
lerfreundlichjte zu ſich alle die beladen find, Matth. 
11,0.28, nicht nur darum, daß er fie von auffen mit - 
feiner liebreichen Freund und Holdfeligkeit etwas labe 
und erquicke, fondern daß er fie innerlich teöfte, und feine 
Gegenwart mit ſuͤſſer Gnade und Gunft auch in ihre 
Hersen gieffe: Ja vielmehr darum, daß er inihren zer⸗ Bußfertige 
Enirfchten und demuͤthigen Herken wohne, "Denn er ——— | 
nimmt nicht allein die Bußfertigen wahrhafftig auf, * 
ſondern er weihet und heiliget auch ihre Hertzen, daß ſie 
ſeine Tempel und Wohnung ſeyn ſollen. 

In ſolcher Goͤttlichen Wohlgewogenheit und Freund: Glaubens 
lichkeit halt ſich der Glaube feſt und ſteiff auf, beruhet Art. 
auf derſelbigen, und tritt zu dem himmliſchen Vater 
mit groſſem Vertrauen und Freundlichkeit, in Krafft 
des Verdienſtes Chriſti, ergreifft ihn aufs lieblichſte, 
haͤlt ihn feſt, und laͤſſet ihn nicht, bis er mit ihm vereini⸗ 
get werde, und in GOtt getroͤſtet, ſich zufrieden gebe: 
Denn das iſt des Glaubens hoͤchſte Eigenſchafft, daß er 
alle Creaturen beyſeit ſetzet, und allein GOtt unzer⸗ 
trennlich anhange, allein GOttes Gnade fruchtbarlich 
genieſſe, allein GOtt den HErrn unaufhoͤrlich ſuche, 
auf daß alle Creaturen ausgefchloffen werden, und 
GOtt allein bleibe der. glaͤubigen Seelen einige Erſaͤt⸗ 
tigung, Freude und höchftes Gut. Wie ſolches ohne 
gemeldte Vereinigung gefchehen Eönne, iſt unmoͤglich zu 
erweifen : Denn der Glaube fchöpffer aus dem Brun⸗ Glaube 
nen desHeils,unferm Seligmacher, unglaubliche Kräffte — 
der Seelen, nemlich Heil, Gerechtigkeit und Heilig- ? 
keit, alfo,daß er alles, was des HErrn EHrifti iſt, ihm 
zueignet, als wenn es fein felbft eigen ware. Darnach ſo 
fchopffet auch der Glaube aus dem Heil Brunnen Ge 
ſundheit des Leibes, wie der Evangelift von dem blut⸗ 
flüßigen Weiblein bezeuget, Luc. 8.0.43. Matth. 9. Matth. 9, 
v. 20, welches den Saum des Nleides: ihres hochver- " ?* 
dienten Heylandes anrübret; a durch den Glau— 
ben geiftlicher Rbeife dermaſſen gehalten, daß ir 

Krafft 


1118 B. V. Th. 2. C.7. Durch die geifkliche Ehe 


Krafft aus dem heiligen Tempel ſeines Leibes ausgan⸗ 
gen, welche ihre vieljaͤhrige Kranckheit — und 
ſie wieder friſch und —— gemacht habe. 
Glaubens Daher iſt klaͤrlich abzunehmen, daß die Krafft des 
Kraft. Glaubens ſtaͤrcker ſey als cin M —— wie ſolches un⸗ 
ſer Heyland beſtaͤtiget: Sey getroſt, meine Tochter, 
dein Glaube hat dir gebolffen, sche bin mit Sric= 
Shin, dem Denn zu gleicher Maſſen, wie die lieblichen wohl⸗ 
—— riechenden Bluͤmlein ihren Geruch unſichtbarer Weiſe 
— von ſich geben, welcher durch den Geruch an ſich gezo⸗ 
— af gen woird, und wird dennoch den Bluͤmlein nichts ent⸗ 


rt zogen noch genommen, wenn ſchon etlicheraufend Men⸗ 


gehrutet: 


— Paradis⸗ Vlume, dar Her EHriftus, einen 


Geruch des Kebensvon fich, fo reichlich und überflüfig, | 


daß er durch den Geruch des Glaubens von allen glaͤu⸗ 
biyen Menſchen an ich gezogen wird, und gehet ihm den⸗ 


fehen dieſes Geruchs theilhafftig wurden: Alſo giebt 


ind (2) noch nicht sab, erverleuvet nichts davon. Und gleichwie 


bungdes von einem einigen Licht andere tauſend koͤnnen angezůn⸗ 


Lichies. Det werden, und bleibet gleichwol das Licht gantz: Alſo 
wird das Licht des Glaubens von dem einigen Licht, dem 


HErrn Chriſto, angezuͤndet und erfeuchtet, und bleibet 


gleichwol das ewige Licht gantz und underfehret. | 
ale gehoͤret das Gebet, welches im 1. Buch zu Ende des 9. 
Capitels, und im 2. Buch des 9. Capitels zu finden. 


Das VII. Capitel. 


Dutch die geiftliche Ehe und Vermaͤh⸗ 
lung geſchicht die Bereinigung 8 Herrn 
EHrifti mit der glaubigen Seele. 


iR Braͤuti⸗ 
ganı, und 
Die heilige 


heilige Seele; und giebt genau und fleifig 
Achtung auf feine Gegenwart, denn durch 


Seele ih feine feöliche, Hertz⸗erquickende und heilige Ankunfftvers 


Die freu freibet er die Finſterniß und die Nacht: Das Ders bat 
denreiche ſuͤſſe Freude, es flieffen Die Bat Der Andacht. die 


mentunge Seele föhtneißet vor Liebe, der Geſt euet |ich, Die | 


ae und Begierden werden inbrünftig „die 3— 
wir 


CHriſtus SSH der Bräutigam koͤmmt, fo freuet fich die 


F 


, 


} 


geſchicht die Vereinigung. 1119 


wird entzuͤndet, das Gemüt) jauchzet, der Mund lobet 
und preifet, man thut Geluͤbde, und alle Kräffte der 
Seelen freuen fich in und wegen des Brautigams. 
Sie feuer ſich, ſage ich, daß fie den gefunden hat, wel⸗ 
chen fiediebet, und daß der fie zur Braut auf und ans 
genommen, welchen ſie chret. O welch eine Kiebe ! 
D welch ein feuriges Verlangen! O welche liebreiche 
Geſpraͤche! O wie ein Feufcher Ruß, wenn der Heilige 
Geiſt herab, koͤmmt, wenn der Tröfter überfchattet, 
wenn der Höchfte erleuchtet, wenn das Wort des Bar 
ters da ift, Die Weisheit vedet, und Die Liebe freundlich 
fie umfaͤnget! 

Denn zur felbigen Zeit wird die Seele gemacht zum Die Herr 
Tempel EDttes, zum Sig der Weisheit, zur Woh⸗ Balsı. Me 
nung der Keuſchheit, ur Lade des Bundes, zur Hütz 
ten der Heiligkeit, zur Kammer des Braͤutigams, zum 
geiſtlichen Himmel, zu einem geſegneten Acker, zu ei⸗ 
nem Hauſe der Geheimniſſe, zu einer geliebten Braut, 
zu einem lieblichen arten, zu einem Gemach und Zim⸗ 
mer der ochgeit, und zu einem twohlriechenden und 
mit ſchoͤnen Tugend⸗Blumen beſaͤeten Paradis⸗Gar⸗ 
ten, zu welchem der HErr aller Engel Und der König der 
Ehrengehet, aufdaß er ihm Die hersgelicbte Drautvers, 
maͤhle, ſo vor Liebe kranck iſt; mit dem Bluͤmlein des 
heiligen Verlangens gefehmücket mit den Granat⸗ 
Aepffeln der Tugend gezieret, und auf ihren Hertzge⸗ 
liebten wartet, wenn er in feiner ZierlichFeit daher 
koͤmmt. Denn weil fiemit der Cron eines reinen Ges 
viſſens glaͤntzet, mit dem ſchneeweiſſen Kleid der Keuſch⸗ 
heit angethan, und mit den koͤſtlichen edlen Perlen der 
uten Wercke gezieret ift, fo fürchtet fie ſich kenesweges 
or ibm, als vor eines ſtrengen Richters Anblick; CHriſtiAn⸗ 
fondern ihr einiges und herhliches Verlangen ift, daß fie ſhauuns. 
as viel und offt gewünfchte Angeficht des Herrn 
Bräutigam, darnach fie Verlangen getragen, (welches 
auch die feligen Heerſcharen und heiligen Frongeiſter⸗ 
ein, die Engel im Himmel, fuͤr die hoͤchſte leit 
chten/ anſchauen und ſehen moͤge. 

Nach⸗ 


















1120B. V. Th. 2. C.7. Durch die Beifkliche Ehe 
giebreiche Rachdein fie aber feiner. Feufchen Beymohnung ge⸗ 
Bermoh» neuft; Fan Feine Ereatur wiffen, was für Freude aus 
nung. derſelben fie habe, und was fie im Hertzen fühle, wie 
inbrünftig fie werde, wie fie vor Liebe jubilise und froh⸗ 
Locke, auf was fiir liebreiche und hertzhaffte Worte und 
Die Freude Geſpraͤch fie foımme. Niemand, fage ich, Fan folches 
In: ‚Seelen wiſſen denn Die alleine, welche flches erfähret. Führ 
ausgarpre [en und mercken mag mans zwar, aber auszufprechen 
chen· iſts unmoͤglich: Denn es ſind geiſtliche, geheime und 
Goͤttliche Suchen, welche man nicht ausreden darff, das 
mit der Braͤutigam keinen Ungefallen daran trage, 
welchem in Geheim und in der Stille des Hertzens zu 
wohnen beliebet. 

In welchen Bor allen Dingen aber und inſonderheit hat dieſer 
Dergen der Bräutigam groffe Luſt in den niedrigen und demuͤthi⸗ 
BÄUgam gen Heren zu wohnen, welcher Ehre ift ein Schatz 
wol.  groffer und vieler Gnaden, ein tägliches Zunehimen 

und Wachsthum der Gaben, der Friede des Geile . 
fens, das Licht der Erkaͤnntniß, ein geiſtliches Jauch⸗ 
zen, ein reines Gebet ein rechtſchaffen Hertz 3 Gemuͤ⸗ 
the, ein beftändiger Glaube, die Krafftdes Mitleivens, 
eine ſtarcke Hoffnung,eine brennende giebe,ein Schmack 
der Goͤttlichen Suͤßigkeit, ein Verlangen zu lernen, ein 
Durſt der Tugenden: Dieſes ſind der Demuͤthigen 
groſſe Schaͤtze, die kein Dieb rauben noch ſtehlen kan: 
Ihre koͤſtliche Edelgeſteine, ihr unaufhoͤrlicher Reich— 
thum, ihre habe Ehren, ihre vortreffliche Herrlichkeiten, 
ihre geheimen Wolluͤſte ihres Brautigams Geſchen⸗ 
cke, ihre hochzeitliche Zierden, und die geiftlichen Aßeins _ 
Eeller der Braut; in welchen nicht eingehen die Hoffaͤr⸗ 
tigen, noch die Faulen und Linreinen eingelaffen werz 
Ankunft Den. Zwar durch diefes, als durch die geiftlichen Thuͤ⸗ 
—* u⸗ ren, kommt der Bräutigam hinein zu der Braut, leh⸗ 
ret und unterrichtet fie, und theilet ihr feine Gegen: 
wart mit, nicht durch Die leibliche Sejtalt, fondern 
durch das Licht des Glaub⸗ns, durch den Schein des 
Rerftandes, durch den Scmac der Andacht, durch 
das SER des Jauchzens, Durch den Freuden⸗ 
Gprung 


gefehicht die Vereinigung. ı2r 


- Sprung der Liebe, durch den Kuß des Friedens, durch 
das Umfahen der Treue; denn zu derfelben Zeit nahet 
fich der Widerſacher nicht herzu, wegen der Gegen 
wart des Braͤutigams, und Fein Fremder darff fich 
nicht einmengen: Denn die Seele ift mit viel taufend 
heiligen Engelein, welche die Schildwache halten, um⸗ 
ringet. 
Da iſt die demuͤthige Seele worden ein Tompel Die bobe 
SDttes,ein Sitz der Weisheit, ein Thron des Norte, Sem. 4 
ein Haus des Troͤſters, eine Kammer des Braͤutigams, 
Die Lade des Bundes, ein verguͤldeter Gnaden⸗Thron, 
eine Hütte der Heiligkeit, ein Ort der heiligen Ruhe, 
ein Paradis der Wolluſt, ein verfchloffener Garten, 
ein verfiegefter Brunn, ein irdifcher Himmel, eine 
bimmlifche Wohnung. Es verwundern fih zwar . 
die himmlifchen Seelen » Geifter felber diefer groffen 
Würde, fo dem Menſchen von GOTT wiederfährer, 
und über die Liebe des Brautigams, welcher zu Troft 
der Braut gleichlam den Glantz feiner Gottheit abges 
legt, und, mie ich fagen folte, der ewigen Ehre ſich entz 
blöffet, fich herab Laffet, und neiget fich zu wohnen in ei⸗ Bunderti: 
nem gebvechlichen Gefälle, nicht als ein mächtiger Ko⸗ Gime 
nig, noch wie ein HErr über alles, auch nicht wie ein | 
Richter über Lebendige und über Todte; fondern wie 
ein Schwacher mit einer fehroachen, wie ein Niedri⸗ 
ger mit einer niedrigen, wie ein Demuͤthiger mit einer 
verachteten, und wie ein Dürfftiger mit einer armen 
Braut. Siehe! fprechen die heiligen Engelein unters 
einander, was ift das vor eine Ungleichheit, zwifchen 
GOtt und dem Menfchen? Zwiſchen dem Schepffer 
und dem Gefchöpffe? Zwifihen dem HErrn und der 
Magd? Zwifchen Tag und Nacht? Zwiſchen Weis⸗ 
heit und Unmwiffenheit ? Zwiſchen dem Wort und der 
- Seele? Diefe geiftliche VBermahlung übertrifft weit Geiſtliche 
allen menfchlichen — allen eigenen ABillen, Fmna 
alles eheliche Leben: Denn e8 ift ein himmliſch Ge⸗ fe fen 
ſchenck, ein Gnaden⸗Werck des Erloͤſers, ein geneigten 
Wille des Brautigams, ein Vorzug der Liebe, cin 
V. Theil. Bbbeb ſonder⸗ 


1122-8. V. Th.2. C.7. Durch die geiſtliche Ehe 


—— 
ſonderliches Privilegium der vornehmſten Liebe, wel⸗ 
ches zwar gegeben wird denen, ſo von Hertzen demuͤthig 
find, ſich wahrhafftig erkennen, ſich ſelber für nichts 
achten, und die ſich gleich fuͤr unfruchtbare Baͤume, 
fuͤr geringe und ſchlechte Knechte, fuͤr unnuͤtze Gefaͤſſe 


und fuͤr ein ſtinckend Aaß halten. Dieſe Seele, zu 


Geſpraͤch 


welcher unſer HErr fo dienftwillig, fo demuͤthig, fo froͤ⸗ 
lic) eingegangen ift, wo fie nicht mit der Tugend der Der 
muth ware gegieret, mit dem Glantz der Reinigkeit bes 
Eleidet, mit den Slammen des himmlifchen Derlanz 
gens entzündet, mit ſtetem Gebet erleuchtet, und unauf⸗ 
hoͤrlich Darauf. befliffen geroefen, daß ſie ein reines Hertz 
bewahren wolle, ſo waͤre ſie mit nichten dieſer geiſtlichen 
und geheimen Ehe und Vermaͤhlung des Sohnes GOt⸗ 
tes wuͤrdig geweſen. Se 
Sie ift aber dem Brautigam vertrauet: Cie her - 


desöräuti ret, wie er ihr innerlich zuruffet: Stehe auf, meine 


gams und 


Zreundin, meine Schöne, und tommeber! Meine 
Taube in den Selslöchern und in den Steinrigen, 
laß mich hören deine Stimme ; denn deine Stim⸗ 
ine ift füß, und deine Geſtalt lieblich, Hohel. 2. v. 
53.14. Die Braut aber, die über dem hertzbrechenden 
lieblichen Gefprach kranck worden ift, fpricht vor Liebe: 
Meine Seele febmelgete mir gleich im Leibe, da 
nein lieber Buble redere, Mein Freund iſt mir 
ein Büfchel Mprrben, das swifchen meinen Brü- 
ſten hanget: Mein Sreund iſt mir ein Trauben 
Copber, in den Weingärten Engeddi, Kapı 1. 
2.13.14. Der Brautigam aber wiederholet das Lob 
der Braut, damit er ſie weiterin der Liebe anzinde, und 
fpricht : Deine Kippen, meine Braut, find wie ein 
trieffender Honigſeim; Honig und Milch ift un⸗ 
ter deiner Zunge: Und deiner Kleider Geruch 
iſt wie der Geruch Libanon. Mieine Schwe- 
ſter, liebe Braut, du bift eine verfehloffene Ovel- 
le, ein verfiegelter Brunn. Dein Gewaͤchs iſt 
wie ein Luſt⸗Garten von Granstäpffeln, Cap. 4. 
v,11.12.13+ ie aber, die Braut, Die voller tft 

AR Net De 


gefehicht die Vereinigung. 1123 


Liebe ift, antwortet: Mein Sreund iff weiß und 
roth, auserfohren unter viel taufenden. Ich 
balte ihn, und will ihn nicht laffen, Cap. 5. v. 10, 
In diefer allerheiligiten Umfahung werden viel heilige 
Liebes⸗Kuͤſſe gegeben, und freudenreiche Gefpräche ges 
heiten, welches Feines Menfchen Ohr hat gehoͤret, kei⸗ 
nes Hochmüthigen Auge geichen, und in Feines Mens 
fehen Ders, der fleifchlich gefinnet, kommen iſt. ES Wer der 
find nur folche ABollüfte, weiche vor die Demüthigen a 
gehören: Es ift ein verborgen Manna, es it Honig im genicfren 
Honigfeim, und it Wein mit Milch vermiſcht. Wenn Fonaet 
das genoffen wird, fo werden die Hergen erfreuet und 
erquicket, daß ihnen Die Mühe und Arbeit dieſer Wan⸗ 
derfihafft deſto leichter werde; denn fie würden leichtz 
fich auf dem Wege verfchmachten, wenn fie nicht bis⸗ 
‚weilen mit der geiftlichen Speiſe erquicket, mit Milch 
geſpeiſet, mit Befuchung geftarcfet, mit Gefprad) unterz 
richtet, und mit lieblichen Bandender Licbe und Gegens 
Liebe verbunden wurden: Denn da Eommen fie zum 
Verſtand, und ſchmecken, wie viel und mancherley die 
Suͤßigkeit des HErrn ſey, welche verborgen ijt den Erz 
wehlten, und verheiffen den Demüthigen, und die GOtt 
von reinem Hergen lieben. RN 
Diefes ift ein Vorſchmack des ewigen Lebens, Beſchtei⸗ 

welches ift das höchfte Gut, die ewige Freude, eine un: aus 
ausfprechliche Wonne, eine vollfommene Sattſam⸗ bene, 
Feit, ein ungerftörter Friede, eine wahre Freyheit, eine 
ſichere Genieffung, eine unaufsörliche Erquickung, 
ein würckliches Jauchzen, ein unendliche Loben, welz 
ches Fein Unfall zerftöret, Fein ‘Feind vaubet, Feine Zeit 
Andert noch benimint, denn fie ift feft, beftandig und 
A welcher Menſch des HErrn Fieblichkeit 
ift theilhafftig worden, der hat nichts, dafür er fich 

fürchte, das ihn ſchmertze, daran er zweifele, und dar— 
auf er ferner hoffete: Denn er geniefjet allegeit der mer dir 
Gegenwart defjen, den er liebet, welchen ex lobet, wel⸗ Lieblichteie 
hen er chvet, welchen er erfennet. Denn feine Er yaruun 
Fanntniß ift das ewige Leben, fein Kuß ift Die höchfte 
: Bbbbz_ Selig⸗ 





Wozu die 
Be bev 


1124 B. V. Th. 2. €. 7. Durch die geiſtliche Ehe 


Seligkeit, ſeine Liebe iſt die hoͤchſte Herrlichkeit, ſein Lob 
iſt die unausſprechliche Freude, und feine Gegenwart iſt 
die ſtarcke Beſitzung aller Guͤter. Wer da hinein 
kommt, der gehet auf die gruͤne Weide welche nicht ver⸗ 


Boäutigam welcket; er Eommt zur lieblichen Wolluſt, die nimmerz 


kommt. 


Geiſtliche 
Truncken⸗ 
beit, 


Pſal. 36. 
% 2. 10. 


mehr aufhoͤret; zu den Schaͤtzen der Weisheit, die nicht 
verderben; zu dem Glantz der Wahrheit, welcher mit 
nichten berdunckein wird zu dem Lande der Lebendigen, 
welche GOtt unaufhoͤrlich loben; zu der Stadt Jeru⸗ 
ſalem, welche von dem Schein der ewigen Sonne helle 
glaͤntzet, und auf den heiligen Berg Sion, welcher mit 
tauſendmal tauſend heiligen Engelein gezieret, und mit 
dem Chor aller Heiligen geſchmuͤcket iſt, welche alle zus 
gleich mit einhelliger Stimme, gleichem Gefang, einerz 
ley Gedancken, unfern GOtt wit inbrünftigen Begier⸗ 
den, ſo viel ſie vermoͤgen, loben, und ſprechen: Heil und 
Preiß, Ehre und Krafft ſey GOtt unſerm HErrn 
von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Dffenb. 19. v. J. 
Sie legen ein ieder ſeine Krone zu feinem Majeſtaͤ⸗ 
tiſchen Ehren⸗Thron, Offenb. 4. v. 10. Denn die Ehre, 


das Lob, die Ehrerbietung, ſo ſie ihrem Schoͤpffer brin⸗ 


gen werden, ift voller lauter Kicbe, auf Demuth ge 
gründet, mit DBerwunderung vermifchet, und von bes 
gieriger Nieſſung des hochften Guts feurig und bruͤn⸗ 
ftig. Denn fie trincken zwar, und dürften doc, immer 


" zugleich: Sie werden fatt, und find doch hungrig: Sie 


haben alles die Fülle, und begehren erfüllet gu werden, 
Denn fie werden von dem Lberfluß der eroigen Wol⸗ 
luſt truncken gemacht, indem fie nach Luſt weislich 
und mäßig fehöpffen von dem. Brunnen des Lebens 
den Tranck der Goͤttlichen Suͤßigkeit, und von dem 
Licht der ſeligmachenden Anſchauung das maus⸗ 
ſprechliche Licht, wie der Prophet bezeuget, da er ſpricht: 
Sie werden truncken von den reichen Guͤtern 
deines Hauſes, und du tränckeft fie mit Wol⸗ 
luft als mit einem Strom: Denn bep dir ift die 
lebendige Ovelle, und in deinem Licht feben wir 
Das Licht, Pſ. 36. 0.9.10. O felige — — 

wel⸗ 


gefehicht die Vereinigung. 1125 


welche voller Müchterkeit ift, welche nach ihrem Uber⸗ 
flug und Schmack den, fo es genenffet, erhebet zu GOtt, 
und vereinigt ihn mit GOtt, daß fie eineswerden! O 
Brunn desXebens! der da bey GDtt ift, von welchem Zrunn des 
freylich alte welche zum bimmtifchen Pancket und Wohls⸗ kebens. 
leben verfchen find, ohne einigen Abbruch dieſes Brun⸗ 
nens trincken, zur feligen vollfommenen Sattſamkeit! 

Nach diefem Brunnen hatte der König David ins 
brünftiges und fehnliches Derlangen, da er ſaget, Pſ.a2. 
v.3. Meine Seele důrſtet nach GOtt, nach dem le= 
hendigen GOtt; wenn werde ich dahin Eommen, 
daß ich GOttes Angeſicht ſchaue? Denn dafelbftift 
alles loͤblich, lieblich, anmuthig; Da iſt die Breite der 
Guͤte, die kein Ende hat, und alles begreifft; da iſt die 
Weisheit , welche alles erforfchetzda iſt die Hoheit uͤber al⸗ 
leIrrthum. er dieſen Brunn erkennet, der hat das ewi⸗ 
gebLeben; wer ihn liebet, der hat unausſprechliche Freude! 


Gebet. | 


>) DU Herr JE CHrifte, du fchänfter unter den Menſchenkin⸗ Mas. v. 3. 

dern, du holdſeliger Bräutigam unſer Seelen , du haft geſagt: 

ch wit mich mit dir verloben in Ewigkeit, ich will mich mit dir Hof 2.u.19- 

vertrauenin Gericht und Gerechtigkeit, ja im Glauben willich 2.” | 

mich mit dir verloben,und du fol denHErrnerfennen? Ich dans 

cke dir von Herken für deine inbrünftige, hergliche, heilige und 

reineLiebe damit du nich allezeit gelicher haft. Du haft deinekiche 

bewieſen in deiner heil. Menſchwerdung, da du menfchl. Natur, 

das ift,menfchl Leib und Eeele in bie Einigkeit der Perfon anges 

nommen,und mit deiner ewigen Gottheit ungertrennlich und un« 

auflsstich in Ewigkeit dir vereiniget. Ach welch eine troͤſtliche, lieb⸗ 

liche und holdſelige Bereinigung ift dag, dag GOtt Menfh, und 

Menſch GOtt iſt Was Fönte doch freundlicher und Teutfeliger 

fiyn ? Damit haft du begeuget,daß du dic) alfo mit mir und allen 

Gläubigen vereinigen wolleft, daß wir mie dir ein Leib und ein Eph.5.v.30 

Sleifch undBein,einGeift und Herg werden follen. Dazu haft du 

derordnet die H. Tauffe / und dadurch did) mit mir vereiniget,ver- 

maͤhlet und verbunden, daf fie mir fey ein Bund eineg quien Ge⸗ 

wiſſens mit die Und weil du deine zarte edle menfchl. Natur, die 1. Petr 3: 

du angenommen,gebeiliget haſt daß fieEngelsrein,ja mehr denn >. 21. 

Engelzrein, ohne Euͤnde ohne Mackel lauter unbefleckt fey: Co 

haft du ung in der H. Tauffe,meil du dich mit ung vermaͤhlen wol⸗ 

ieſt, auch gereiniget durchs Waſſer⸗Bad im Wort und haſt Dir zus 

gerichtet eine Gemeine, die heilig ſey, die nicht habe einen Flecken 
Bbbb 3 oder 


1126 B. V. Th.2. C.7. Durch die geiſtliche Ehe 


RUE. ee 
Ep5.5,0.26. Oder Runtzel, fondern daß fie heilig fey und unfträflich. Sorein 
27. und vollkommen rein haft du ung mit deinem Blut gewaſchen; 
(Denn deine Reinigung ift vollfornen,) daß Fein Suͤnden⸗Fall ift 
überblieben. Haft du ung auch mit dir durch den H.Geift vereini⸗ 

get u. zu einemLeibe verbunden und vereinigeft ung auch mit dir 

durchs H. Nachtmahl, durch Nieffung deines H. Fleifhes und 

Blutes, damit du dich ung gar zu eigen giebefl. Dein Leben, dein 

Geiſt, dein Fleiſch und Blut, ja deine Gottheit und Menfchheit 

ift unfer; der gange EHriftusiftunfer eigen,und du wilt in ung 

fen, und wir follen in dir feyn. Du haft aus groffer Liebe deinen 

N: Leib und Blut für ung geopffert am Ereuge; weildu ungeins 

Hohel.s. mal lieb gemonnen,fo haft du eine fo beftändige Liebe gegen ung, 
».6.7. daß ſie ſtaͤrcker ıft denn der Tod, dein Eifer ift fefi wie die Hole, 
ihre Glut iftfeurig, und eine Flamme des Herrn,daß auch viel 

Waſſer nicht mögen dieLiebe ausloͤſchen noch die Stroͤme & fäufs 

fen! Und wenn einer alles Gut in ſeinem Hauſe un dieLiebe geben 

wolte, ſo waͤre es alles nichts. Ach mein Freund, wie freudig iſt 

€, 2 9, 8.9. dein Herg, wie wacker deine Liebe! Das iſt die Stimme meines 
Sreundeg fiehe er fommt,und hüpffet aufden Bergen,und fprin» 

R get aufden Hügeln; Mein Freund it gleichwie ein Rehe oder jun⸗ 
€. 5.9.10. ger Hirſch; Mein Freund iſt weiß und roth, auserkohren unter viel 
31.13,14.15. tauſenden: fein Haupt iſt wie dag feinfte Gold, ſeine Backen wie 
die wachſenden Wuͤrtzgaͤrtlein, ſeine Lippen ſind wie Roſen, die 

mit flieſſenden Myrrhen trieffen, ſeine Haͤnde ſind wie die guͤlde⸗ 

nen Ringe voller Tuͤrckis, ſein Leib iſt wie ein Elffenbein mit Sap⸗ 

phiren geſchmuͤcket, feine Beine find wie Marmel ⸗Saͤulen ges 

C.x. v. 2. gründet auf guͤldenen Fuͤſſen. Ach du allerſchönſter Braͤuti⸗ 
gam! entzuͤnde eine hertzliche inbruͤnſtigeLiebe in mir: Kuͤſſe mich 

€. 1.0.5.6. mit dem Kufſe Deines Mundeg,erquiche mich mit Blumen deines 
edlen lebendigen Geruchs, labe mich mir Aepffeln deiner Lieb⸗ 
lichkeit.lege deine lincfe Hand unter mein Haupt, und deine rech⸗ 

€. 5. v. I. te Hand herge mich. Ach komm mein Freund in meinen Garten, 
&.8,9.6. und iß deiner edlen Früchte. See mich wie ein Siegel auf dein 
Hertz, und wie ein&iegel aufdeinen Arm. Nimm weg aus mei» 
nemHertzen alles,wag deineLiebe in mir hindert: entfleide meine 
Seele von aller Creaturen⸗ und Welt Liebe, mache fie bloß von 
alten irdifchen Dingen, daß du dich allein mir ihr vermählen«und 
vereinigen fanft, daß du fie allein haben und befigen mogeft,und 
fein andrer mit dir. Du fehonfter Hoherpricfter im 9. Schmud, 
eine Jungfrau muſt du zur Gemahlin haben, die nicht mit der 
Welt⸗und mir fremderfiebe beflecket iſt; eine folche&eele nimmſt 
du gantz an, und fie nimmt dich gang an, eine foldye Seele haft 
du taufendmallieber,denn ein lieber Buhle —— 
er 


2. B. Moſ. 


2i. 0.13 


Dis iſt feine neue Vermählung, fondern der vorigen Fortfes 
"gung, Erhaltung, und (mo fie verleget worden) Erneuerung. 





‚gefebicht die Vereinigung. 1137 


“über einer folchen Seele freueſt du dich taufendmal mehr, denn zepaa.y,5. 
fich ein Bräutigam freuet über feiner Braut; einer folchen See⸗ 

- Ien offenbarejt du dich, und dein gantzes Her: Wer dich herg- Job. 14. 
lich liebet, dem offenbareft du dich herglich. Ach meine Seele, d. 21. 
vergiß der ganzen Welt, und wende dich zu deinem Bräutigam, Pf: 45. dur. 

ſo wird er Luſt an deiner Schönheit haben, fo wird er fich mit die "* 
recht vereinigen, und du wirft den HErrn erfennen. Er hat bir ja 
feine Liebe gank gegeben, und dadurch ſich gang mit dir vereini- 
get: Daß du dich aber mit ihm nicht gang vereinigen fanft, dag 

macht, daß du ihm deine Kiebe nicht gang gegeben haft. Ach wie 
gehet diefer liebe Bräutigam umher, und fuchet eine liebhabende 
Seele / eine reine Jungfrau/ mit welcher erfich vermählen mach» 
fe! Acher hat ſoſche heilige gläubige Seelen ſo lieb, daß er tau⸗ 
fend Himmel verlieffe,und wohnete in einer folchen liebhabenden 

- Seele; mit derfelden nimmt er alles gleich, Gluͤck undUngluͤck fe 
benund Tod. Er nimmi einer folchen Seelen Creutz auf fich,und 

‚trägt eg, als waͤre es fein eigen; Er leidet mit ihr, er arbeitet mit 

ihr trauret mit ihr / weinet mit ihrz Er fuͤhret ſie durchs Cꝛeutz und 

Truͤbſal, durch Holle und Tod mit ſich, und fo wenig alsCꝛeutz und 

Tod ihm ſeine menſchliche Natur nehmen, von ihm trennen und Roͤm.1. 

abreiſſen koͤnnen, ſo wenig fünnen auch alle Truͤbſal, wederv- 38. 

Schwerdt noch Hunger, weder Engel noch Fürftenthum, weder 

Hohes noch Tieffes, weder Gegenwaͤrtiges noch Zukuͤnfftiges, we⸗ 

der Leben noch Tod ihme eine ſolche Seele nehmen, und von ihm 

ſcheiden; denn er hat ſich mit derſelben in Ewigkeit verlobet. Ach 

hilff, HErr JEſu daß wir das erkennen, dieſe hohe Himmels⸗Ge⸗ 

möhlfhafft und Koͤn ewige Bereinigung recht bedencken, und mit 

Dir ewig verlobet,vermählerund vereiniget bleiben!Amen Amen. 


Das VII, Copitel. 
Durch £iebe und Gegen⸗Liebe wird ge: 
macht die Bereinigung GOttes mit 
dem Menſchen. 

I OTT ift die Liebe, und wer in der Liebe vott ik 
B bleibet, der bleibet in GOTT, und GOTT die ciebo 

ö in ihm, 1.%05.4,0.16.. Darum iftdie Liebe 

ſelbſt Menfch worden, daß fie waredas Band unferer 

ewigen Bereinigung ME GOTT. D felige Bereini- 

‚gung! o heilige Gemeinftbafft! welche den from⸗ 

men Hertzen den Schmack der Liebe und Suͤßigkeit 
der Gunſt mittheilet. Durchſcheuß, o ſuͤſſer Her Sehnlicher 
JEſu, unſere Hertzen mit den feurigen Pfeilen deiner Vunſh 
Liebe, brich hindurch in die verſchloſſene und innerſte 

Bbbb4 Kam⸗ 


a3 bie 


Mur Fiebe Eric 


ſi iſt. 


Die Chris 


_ fien find 


Glieder de: 


gerhlis 


1128 B. V. Th.2. C.9. Die Zuſammenfuůͤgung 


Kammer der Seelen und Hertzen, und erleuchte dieſelbe 
gnaͤdiglich mit deinem Glantz, auf daß wir, die wir von 
dir verwundet und erleuchtet worden, in dir haben moͤ⸗ 
gen unſere Wohnung, unſern Frieden, unſere Freude, 
unſere Gnuͤge, unſere Hoffnung, unſere Liebe, unſer 





 Sauchzen, unſer Leben, unſere Erquickung, unſer Licht, 
unſere Ruhe, unſer Vertrauen, und alle unfere Güter: 
Denn was iſt ſuͤſſer als deine Liebe? Was iſt heilſa⸗ 


mer als deine Gunſt? Was iſt lieblicher als dein Ge⸗ 
daͤchtniß? O ewige Liebe! ohne dich wird nichts beſ⸗ 
ſers geſuchet, nichts koͤſtlichers gefunden, nichts feſter zu⸗ 
ſammen gebunden, nichts inbruͤnſtiger begriffen, nichts 
lieblichers befeffen, das wiſſen die, die dich lieben: Denn 
Beinekicbeift ein Urfprung derlinfterblichkeit,ein Brunn 


der Weisheit, ein Strom der Wolluſt, ein Leben der 


Glaͤubigen, ein Abgrund der Güte, ein Paradis der 
Ergösung, ein Troft derer, Die in dieſem Pilgrims⸗Thal 
wandern,ein Lohn der&eligen,eine Speife der Liebe eine 
Wurtzel der Tugend,eine Wage der Wercke, eine Staͤr⸗ 
cke der Streitenden ein Band der Vereinigung, und ei 
beftandiger Grund und Fundament unferer gangen Hei⸗ 
ligkeit. Wen da dürfket, der komme su dir,fo wird er 
mit dem Waſſer des Lebens getraͤncket werden, Job. 7. 
0.37. &.4.0.14. Wer da müde ift, der komme zu dir, fo 
wird er mit deiner Liebe erquicket werden: Wer da ange 
fochten wird, der komme zu Dir, ſo wird er Durch. deine 
Liebe uͤberwinden, und den Sieg behalten. Bon deiner 
Fuͤlle, o HErr, baben wir alles empfangen, Job. 1. 
v. 16, Ä r * 
Hieher gehoͤret das Gebet, fo im 2. Buch zu Ende des 28. und 
29. Capitels zu finden. — 


Das IX. Capitel. 


— 


Wegen des geiſtlichen Leibes und ſeiner 


Gaben iſt die Chriſtliche Kirche mit ihrem 
Haupt Criſto JEſu vereiniget. 
NG) Leichwie einZeib ift,und bat doch viel Glie⸗ 
—8 der, aber alle lieder eines Keibes, wiewol 
N ihr 


der Glieder bringet Vereinigung. 1129 


ihr viel find, find fie doch ein Keib: Alfo auch wir hen Leibes 
in Coriſto; denn wir find durch einen Beift alle A": 
zu einem Leibe getauffet, 1.Cor.12.0.12.13. Diefe 
feine Glieder feines geiftlichen Keibesgieret unfer hoͤchſtes 
und einiges Haupt mit mancherley Gaben der Gnaden 
und des Seiftes: Er Ichret fie mit mancherley Gaben, EHrifi 
welche doch der einige Geiſt in ihnen wuͤrcket. Alſo lebet yit und 
und wuͤrcket der Herr EHriftus in allen Gliedern feines alten Slie, 
geiftlichen Keibes, daß von feiner Sülle ein ieglicher Br ei 
empfähet, 30h. ı. v. 16. denn er, als das Haupt, hat“ " 
‚ alle Fülle aller und ieder Gaben. | 
Darum hat er fich wollen in einen ieden transfor- 
miren und verkleiden, auf daß er durch das "Band der 
Liebe einen ieden in ihm reformirte und erneuerte, und 
ihme felbft conformirte und ahnlich machte. Wie Leiden des 
nun der Schmerg des Haupts den Gliedmaſſen zuzu⸗ Dainfes 
fchreiben ift, alfo find Die Tugenden der Glieder dem Glieder. 
Haupte zuzufchreiben, auf daß, wer fid) dev Tugend 
ruͤhmet, der ruͤhme fich des Hauptes: Und werde lei: rin 
det an Gliedern, der trage es mit Gedult, und tröfte fic ou man 
des Haupts: Bey eigener Schmach fey ein jeder 2 —* 
eingedenck der Schmach des Haupts, ſo wird der onnd, 
Schmertzen ſich lindern, und die Bitterkeit wird ſuͤß innen, 
werden, wenn ſie dem Leiden des Hauptes verglichen 
wird. Das gantze Leben deines unſchuldigen Hau⸗ 
ptes iſt voller Creutz geweſen, und voller Truͤbſal uͤber 
alle andere ſterbliche Menſchen. Wenn du demnach 
unſchuldig leideſt, ſo beweiſeſt du, daß du EHrifti Glied⸗ 
maß biſt; Er hat ſich gemacht wie dich, auf daß er dich 
machte wie ſich. 
Du biſt ein Gliedmaß ſeines Leibes, er iſt des Lei⸗ DR des 
"bes Leben; ohne dich ift der Leib gefund und frifch, un nee 
und bleibet, ohne das Haupt aber lebet der Leib mit Sliwer 
nichten, denn er lebet von dem Geiſt des Haupts, und 
hat durch das Wort fein Leben. Das Haupt mas 
chet den gangen Keib lebendig, es machet alle Glieder 
lebendig: Es werden die &lieder an Dem Keibe erhoͤ⸗ 
bet, der Leib aber wird an dem Haupt geehret; die 
Bbbb5 Ehve 


1130 B. V. Th. 2. C.9. Die Zuſammenfuͤgung 


De Omar Ehre des Haupts aber flieſſet herab in die lieder, und 
Fomm von theilet den Sliedern mit das Keben, den Geift und die 
dem Haupt Gaben der Gnaden, auf Daß der Leib genieffe der gan- 
Glieder. sen Fülle des Hauptes: Alfo ſammlet unfer Haupt die 
Glieder feiner Ehriftlichen Kirchen, indem er ihnen mit- 
Ehen theilet die Krafft des Seiftes. Er will zwar durch die 
Ru, dung Predigt der menfhlichen Stimme eine Kirche ſammlen, 
BR urhe aber dennoch alfo, daß ein ieder den HErrn EHriftum 
on. in ihm reden höre, weiches der Apoſtel bekraͤftliget da e 
fpricht, 2. Cor. 13. v. 3. Ihr füchet, daß ibr einmal 
gewahr werdet, daß Coriſtus in mir rede. Und. 
wiederum: Ich duͤrffte mich nicht unterſtehen, et⸗ 
was zu reden, wo es der HErr CHᷣriſtus nicht in mie 
wuͤrckete, Nom. 15.0. 18. Der HErr Chriſtus redet 
Ben den a ar und unter weiſet Das Hertz der Lehrer, auf daß 
Lebreꝛu. er ihre Predigten kraͤfftig mache: Der HErr Chriſtus 
redet inwendig zu den Hertzen der Zuhoͤrer, auf daß ſie 
die Predigten der Lehrer verſtehen; denn er oͤffnet die 
u \ Hertzen der Zuhörer,und macher die Rede in dem Munde 
der Lehrer Erafftig. Thue deinen Mund weit auf, 
fpricht GOtt Durch den Propheten, laß mich ibn fül- 
U RT ZN 
Ohne dem Denn wer wolte e8 davor halten, daß er ohne Re⸗ 
De gierung und Führung des Geiftes der Weisheit mit 
mand mit Nutz Lehren und predigen koͤnne? Der Geift der 
en prede Weisheit, welcher in dem Menfchen wohnet, der redet 
durch den Menfchen die Geheimniſſe. Darum höre 
ich Paulum nicht wegen des Pauli, ich glaube auch 
nicht ‘Paulo, weil ev ‘Paulus ift, ich gehorche auch nicht 
einem Menjchen um des Menſchen willen; fondern ic) 
gehorche dem Menfchen um des HErrn⸗ cHrifti wil⸗ 
len; und höre den HErrn CHriſtum reden durch Pau⸗ 
fum. Darum fpricht unfer Heyland: Wer euch hoͤ⸗ 
ret, der hoͤret dr und wer euch verachtet, der 
verachtet mich, Luc. 10.0. 16. Ihr fepd es nicht, 
die ihr redet, fondern der Geift GOttes in euch, 
Matth. 10.0, 20. 
Gemein, Weiter, fo ift nicht allein Der Urſache halber * 


der Blieder bringet Dereinigung. 1131 


Reib mit dem Haupt vereiniget worden, daß der Leib aus Kehafft * 
den Schäsen des Haupts reich gemacht wuͤrde; ſondern Cam mi 
es ift auch darum. gefchehen, auf daß die Schmertzen sen. 
Br ihnen gemein und getheilet wurden: Denn das ift 

ie rechte Eigenfchafft der Bereinigung, daß, wenn das 
Haupt geehret wird, auch die andern Glieder geehret 
werden, und was der Leib leidet, das leidet auch das 
Haupt, wie er felber ſpricht: Ich bin hungerig gewe⸗ 
ſen, ich bin durſtig geweſen, ich bin ein Gaſt gewe⸗ 
ſen, ich bin nackend geweſen: Und was ihr gethan 
habet einem unter dieſen meinen geringſten Bruͤ⸗ 
dern, das habt ihr mir gethan, Matth. 25. v. 35. Matth =y. 
O unermeßliche Güte! O ungertrennliche Verbindung” 7° 
der Liebe! Der Schöpffer des Himmels, der König der 

Engel, der HErr der Ertz⸗Engel, der Preis’ der Heiliz 
gen, der Schöpffer aller Dinge, und die Freude der 
Seligen will in einem Hungerigen gefättiget, in einem 
Druurſtigen getrancket, in einem Sremden aufgenoms 
men, in einem Nackenden bekleidet, in einem Kranz; 

cken befuchet, in einem Gefangenen getröftet, in einem 
Zodten begraben werden! Das find doch überaus 
gottfelige Zeugniffe der Vereinigung, Güte und Hold» 
feligkeit der glaubigen Sliedmaffen mit dem Haupte 
Criſto! 

Hieher gehoͤret das Gebet, welches im 2. Buch zu Ende des 
27. Capitels zu finden. 
Das X. Capitel. 


Durch die Begierde des hoͤchſten Gu⸗ 
tes, und durch das ſehnliche Verlangen nach 
dem himmliſchen Wandel geſchicht die Vereini⸗ 

gung GOttes mit dem Menſchen. 


Leichwie der Glantz der Sonnen alle andere gotte⸗ 

himmlifche Lichter übertrifft: Alſo übertrifft Säsiereit 

der Geſchmack der Göttlichen Suͤßigkeit alte Ibertwite 
LieblichEeit, welche aus den Ereaturen entjtehet. Daß turen Lieb, 
das Geſchoͤpff fo ſchoͤn zierlich und lieblich ift, das er- uͤchleit. 


freuet 


1132 B. V. Th. 2. C. 1. Die geifkliche Sehnſucht 


freuet zwar des Menſchen Hertz, mit nichten aber fätz 
tiget es. Die Welt mit ihren mancherleyen Gütern 
beliebet zwar dem Beten, aber zufrieden ftellet fie es 
. nicht: Denn te mehr der Menfch, meicher dem Irdi⸗ 
fehen fic) ergeben hat, vor ſich fichet, ie mehr begehret 
er zufehen. Kan demnach billig alles dasjenige, was 
nicht GOtt ift, feinem Liebhaber die Gnuͤge nicht ver- 
ſchaffen, und die vollkoͤmmliche Ruhe nicht geben: 
Denn des Menſchen Affect und Begierde fteiget alle 
geit natürlicher Weiſe hinauf zu demjenigen, das da 
höher iſt, bis fo lange fie erreichet daffelbige, welches 
er das allerbefte und höchfte Gut iſt. Ihrer viel haben 
Me Reichthum, viel Ehre, und Wolluͤſte, viel Künfte mit 
tun Ita geofer Mühe und Arbeit gefucht, aber ihr Feiner er⸗ 
hen ners greifft daſſelbe, fo er ſuchet, ſo viel, daß er dadurch ger 
gen nicht ſaͤttiget würde, und fich begnügen lichfe, denn wenn 
Heu: gleich einer die Wiſſenſchafft aller Dinge diefer Welt 
erlangete, und alle Woluuͤſte dieſes Lebens befame, fo 
befindet er dennoch, daß fein Gemüth noch duͤrfftig 
und unerfättiget it; Denn es mangelt ihn an dem 
einigen und höchfien ut, in welchem die Lieblichkeit 
aller Wolluͤſte, und die Fuͤlle aller Kuͤnſte und Wiſ⸗ 
ſenſchafft gleichſam uͤberfleuſſet. Es koͤnnen zwar die 
Creaturen ihren Liebhabern eine zeitliche und augen⸗ 
blickliche Luſt bringen, aber die Begierden koͤnnen 
‚fie mit nichten füttigen; denn zu gleicher Weiſe, wie 
ein Gefaͤß Feinen andern Safft denen, ſo daraus 
fchöpffen, geben Ean, denn nur den, welcher darinnen 
iſt: Alſo geben auch die Ereaturen, welche felber dürff 
tig find, ihren Liebhabern einen folchen Safft, damit ie 
Bott durchaus nicht zufrieden noch begnüget feyn. Und 
ni gleichwie das Auge nicht fatt wird durch das Sehen, 
Munich 
völlige und Das Ohr durch das Huren: Alſo wird aud) des 
Gnuͤge. Menſchen Hertz nicht ſatt durch den Affect und Be⸗ 
gierde des Erkaͤnntniß und Verlangens; es ſuchet 
mit Aengſten, daß es moͤge finden dasienige, in wels 
chen es frölich ruhen koͤnne. Wenn aber des Wiens . 
fhen Het GOTT ergreiffet, alsdenn freuet fich * | 


führer zur Vereinigung, 1133 


Geiſt, welcher nun in GOtt fatt worden iſt, und bricht: 

Err, wenn idy nur dich habe, ſo frage ich nichts 

‚nach Aimmelund Er den, I. 73.0.25. Und: Das 

ift das ewige Leben, daß fie dich wahren GOtt, 

und den du gefandel baft, JEſum Cäriftum, erken= 

nen, 305.17.0.3. In dieſe r Erkaͤnntniß ſtehet und ift Iob.ı7.0.3. 
endlich die rechte Kuhe der Seelen, die Genuͤge des Her⸗ 

tzens und das ewige Leben. 

Daher ruͤhret der ſchoͤne Spruch: Bey dir iſt die Aus 89n 
lebendige &uelle, und in deinem Licht ſehen wir Je Brad 
das Licht, Bf. 36. def. ıo. Ich will anſchauen und don. 
dein Yrıelieg in Gerechtigkeit; Ich will ſatt wer: 
den, wenn ich erwache nach deinem Bilde, °M. 17. 
verl.:5. Darum hoffe ich allein auf dich, der du bift 
das Ende alles meines Wunſches und "Begierde, du 
bift meine Genuͤge, mein Erbe,meine Freude, mein Fohn, 
mein gicht, mein Friede. Du bift das unaufüorliche 
Licht, du bift das ersige Wort, die Weisheit des Va⸗ 
ter, Die Zierde der Engel, der helle Spiegel, die unaus⸗ 
loͤſt hliche dence der Seelen Braͤutigam, der Brunn 

des ewigen Lebens, von welches Uberfluß wir hie und 
dort geſaͤttiget werden: Dort, auf daß wir die reiche 
Fuͤlle des Lebens, Genuͤge des Lichts, Einigkeit, Ruhe, 
Friede, Unſterblichkeit, Preiß und die ewige Krone er⸗ 

langen: Hie aber, daß du den Chriſten-Rittern, 
fo da ſtreiten, verleiheft und gebeft Staͤrcke, den Be 
ladenen Huͤlffe, den Berrübten Finderung ‚ den 
Fremdlingen Hoffnung, den Gefallenen Rath, den 
Elenden Zroft, den Demüthigen Gnade, den 8we⸗ 
felhafftigen Glauben den Predigern das Wort, den 
Kaͤmpffern Krafft, denen, fo beyfammen wohnen, Ei⸗ 
nigkeit, den Gläubigen Freude, den Lehrern Weisheit, 
den Durſtigen das Waſſer des Lebens, den Hungeri⸗ 
gen den Geſchmack der ewigen Suͤßigkeit. Alſo kom⸗ 
meſt du nach eines ieden Raͤumlein in die Hertzen der 
Glaͤubigen, und offenbareſt dich mit Lieblichkeit 
deiner Gnaden. Wenn du dich dem Menſchen nicht 
mittheileteſt/ und der Menſch haͤtte keine Vereinigung 
mit 





1134 B.V.Ih.2.E.ır. Die n.Tanffe iſt eine Befeſt. 


Die füffe mit deiner Gegenwart, ſo geſchaͤhe Deren feines; denn 

DEN Durch deine freudenreiche Gegenmart verjageft du Die 

So Sinfterniß, vertreibeft die Macht, und die böfen Geiſter 

in Der Lufft: Das Hertz wird durchſuͤſſet das Gemuͤth 

ſchmeltzet vor Liebe, die Thraͤnen flieſſen vor Freuden, 

der Geiſt frolocket, die Begierden brennen, die Seele 

jauchzet, und alle Kraͤffte freuen ſich in dir. Denn er 

wird Dich erquicken mit Suͤßigkeit erfüllen mit Weis⸗ 

heit, erleuchten mit Glantz, entzuͤnden in der Liebe, ſpei⸗ 

ſen mit Andacht, erfreuen in der Hoffnung, ſtaͤrcken im 

Glauben, begaben mit Tugenden, erhöhen inder Des 

much. Du wirt fühlen und befinden, daß er mit dir 

gehet, mit dir ftehet, mit dir redet, dich bewahret, Dich 

lehret, did) liebet, und Dich. mit keuſcher Liebe umfaͤnget. 

Du wirft es erfahren, daß es wahr fey, was er faget; 

Meine Luft ifE bep den Menfhen = Kindern, 
Sprüchw. Sal. 8.0.31. 

Hieher gehoͤret bag Gebet, welchesim 2. Bud) zu Ende des 

27. Kapitels zu finden. 


UNE Das Xl. Capitel, RS 
‚Die heilige Tauffe ift eine herrliche 
DBefeftigung — Vereinigung 
: mit GOtt. 


.GXN der heiligen Tauffe gefchicht Die geiftliche Zus 
zen fage und Verloͤbniß; Denn zu gleicher Maſſen, 
fchicht Die DDP ie im Eheſtand zweh find ein Fleiſch: Alſo iſt 


erst auch EHriftus und die Kirche eins. Das iſt ein 

ee groffes Bebeimniß, fpricht "Paulus zum Ephef. am 

7. v. 3 2. Sch fage aber von Chriſto und der Ges 

meine. Gleichwie aber ein Mann fein Weib als fein 

eigen Fleiſch Liebet, er naͤhret vs, und pfleget fein: 

Alfo auch der DERR CAriffus feine Gemeine, 

oder die Chriftliche Kirche, denn wir find Glieder 

feines Keibes, von feinem Sleifch und von feinen 
Deinen. 

2: Durch die heilige Tauffe werden wir CHriſto 

—— einverleibet und eingepfropffet, wie ein Reißlein dem 

* | Baum, 


der Vereinigung mit GOtt. 1135 


Baum, welches mit dem Baum eines Weſens wird, werden mie 
mit ihm vereiniget und, waͤchſet; denn der Baum open 
machet lebendig, und nahret das "eingepfropfite Reiß⸗ 
lein, daß es gruͤnet, bluͤhet und Fruͤchte traͤget: Alſo 
erhalt der Herr EHriftus feine Glieder mit ſeinem 
lebendigmachenden Gert, machet fie lebendig und 
daß fie blühen und Früchte tragen, Joh. 15. 
ver 
Der heilige Apoftel Paulus r. Cor. 12.0.12. ber 

geuget, daß Die Shriftliche Kivche oder Gemeine fe ein Und ai 
Leib, vermitteljt der heiligen Tauffe, da er fprichtzeingeleibet. 
Wir find duch einen Beift alle zu einem Leibe 
getaufft: 4 r aber ſeyd der Leib Criſti, und 
Glieder feines Keibes, verf.27. Und darum hat ſich 

auch) der HERR CHriſtus tauffen laffen, Matth. 3. 
verſ. ar Daß er mit. der Ehriftlichen Gemeine ein Leib 

wuͤrde 

Wer aber EHrifti Glied will werden, der muß 

durch die NBiedergeburt Darzu kommen: Darum in Qu se 
Die Tauffe ein Bad der Wiedergeburt, Tit. 3.burt —* 
verſ. 5. in welchem die Glieder der Kirchen gereiniget ea wir ges 
werden durch das Waffer - Bad im Wort, in umorächtig 
welchem alle Sledden und Runtzeln ausgetilget wer⸗ gemacht zur 
den, auf daß er fie ihm darfkellete eine Bemeine, nm 
die dabeilig ſey und unfträflich, zum Epheſ. am 5. GOites. 
verſ. 25. 27. Und das ift die rechte YBiedergeburt und 
die neue Creatur , welche vor GOttes Angeficht erz 

ſcheinet rein und heilig ,.ohne einigen Flecken, gefauz 

bert und gereiniget durch das Blut EHrifti und den 
Heiligen Geift. Co vollkommen ift diefe Abıwa- 

ſchung im Blut EHrifti, dag der Bräutigam faget ; Dis Hohen, x. 
biſt allerdings (bon, meine Freundin; darum! 
nimmt fie der Bräutigam, und vermählet fie ihm 

mit einem ewigen Derbündniß, und verfnüpffet fie mit 

einem viel feſtern Bande, als Fein Ehe⸗Mann feinem 

Weibe thun Fan. Dieſe Zufage in der Verlöbniß, da 

der Brautigam feine Braut ihm vertrauet, ift ſtaͤrcker 

als Feine Verſprechung; denn er hat fie alfo Mine 


1136 B.V.Ih.2.€.11. Die4.Tauffe iſt eine Befeſt. 


daß er ſich ſelbſt fuͤr ſie in den Tod gegebens Darum 
geſchicht dieſe Verloͤbniß, Trauung und Verbuͤndniß, 
in dem Namen des Vaters, das iſt, in der Liebe des 
Vaters, in dem Glauben an den Sohn GOttes, und 
in der Krafft und Wahrheit des Heiligen Geiſtes; in 
der 1.Pet. 3.0.21. Hoſ. 2. v. 19, 

Das heiſſet CHriſtum anziehen, Galat. 3.0.27. 
naher Beil. gezieret und geſchmuͤcket feyn mit des HErrn CHrifti 
 denmir eigener Gerechtigkeit, mit feinem Gehorfam und Heis 
—— ligkeit: Von welchen Ehrenſchmuck Wunderding zu 
u nehren, leſen iſt Ejech. 16.0. 10. Pf. Ar v.14. Gef. 61.0. 10, 
Schmuck. und hin und wieder im Hohenlied —— 

Gleichwie der Mann an ſeinem Weibe hanget: 
Alſo halt der HErr CHriſtus auch ſteiff und feſt bey 
feiner Gemeine, und verlaͤſſet dieſelbe nimmermehr, ſon⸗ 
dern er liebet fie bergfich, er harfie in feinem Schooß,alfe, 
2.Gam.ıa. daß fie von feinem Biffen iſſet, aus feinem Becher 
* trincket, in ſeinem Zchooß ſchlaͤffet, und wird von 
ihm gehalten wie ſeine Tochter, 2. Sam.2. v. 3. 
O eine fuͤrtreffliche Frucht der Tauffe! O eine unaus⸗ 
forechliche, ehrliche und herrliche Ehe! + 
Was iſt es anders, in dem Namen GOttes des 
* bel. Yaters, Sobnes und Aeiligen Geiſtes tauffen, als 
 Eommen zu Kindern und Erben GOttes aufs und annehmen, zur 
wir Erbichafft Bohrung der hochgelobten Dreyeinigkeit bereiten, 
| ee heiligen, ſchmuͤcken und zieren? Dis iſt die Fuͤrtrefflich⸗ 
| feit, Ruhm, Wuͤrdigkeit, Et und Ehre unferer heili⸗ 
gen Tauffe. 


Hier kan geßenuc werden dag Gebet, ſo im 1. duch zu Ende 
des 3. apitels zu finden. 


BB) 
® 


* 


Das 


—— 





ol 1137 
Das XII. Capitel. 


Die Vereinigung des HErrn CHriſti 
misden Gläubigen beftätiger das geiffliche 
facramentliche Effen im. heiligen 
Abendmahl. | 
Amit der Here CHriſtus, unfer hochverdienter Im Abend» 
| Heiland und Seligmacher ; diefe hochwun⸗ Mahl wird 
> derliche Vereinigung. mit feinen Gläubigen nigung mie. 
betätigen möchte, fo hat er fein letztes Abendmahl ein⸗ — 
geehet, daß es ein Sartament oder Zeugniß fen fer 
ner Dereinigung mit den Gläubigen: - Denn als er 
kurtz vorher dieſe Vereinigung mit inbruͤnſtigem Ge⸗ 
bet von ſeinem himmliſchen Vater erbeten, und ſeinen 
letzten Wunſch fuͤr dieſelbe gethan hatte, Joh. 17. 
v. 22. und dieſelbe mit einem ſchoͤnen Spruch erklaͤ⸗ 
ret, Joh. 6.0.56. Wer mein Sleifch iſſet und trin⸗ 
cket mein Blut, der bleibet in mir, und ich in ihm; 
da hat er endlich, als er ſterben wollen, im Teſtament 
dieſe Vereinigung mit feinem eigenen und wahren 
Leib und Blut ungezweifelt confirmigen und beftätis 
gen wollen, Matth.26.0.26. Denn was iftdie Dars 
reichung feines eigenen Leibes, welcher für uns in 
den Tod gegeben, und feines eigenen Blutes, wel⸗ 
des für uns vergoffen ift, anders, alg daß wir mit - 
EHrifto zu einem Leib vereiniget werden? Air werz 
den war durch) den Glauben und Seift mit dem HErrn 
CHriſto ein geiftlicher Leib: Es hat aber unferm Heis 
land in Gnaden gefallen, auch ein Band derfelbigen 
Bereinigung ung zu geben Durch feinen legten Willen, 
nemlic) feinen Leib und Blut, das Rantzion⸗ und Lofes 
Geld unferer Erlöfung, welches uns, Kraft des 
Glaubens und des Geifteg, mit dem HErrn EHriftg' 
aus rechtem innerlichen Affect der Liebe zuſammen 
verbinde und vereinige, Zwar der Geift des HErrn WieChriti 
CHriſti, GOttes Sohnes, verbindet und vereiniget ne 
uns mit unferm Haupte, und mit allen feinen geiſtli⸗ geio und 
chen Sliedern , mit und Durch das geiftliche Band ; Brupiteim 
V. Theil. Eric Aber Pfand 






















1138 B.V.Th.2.€.12. Das beilige Abendmahl 


unterer Aber der eigene Leib des HErrn EHrifti, welcher für 
Breite uns auf dem Altar des Creutzes aufgeopffert wor⸗ 
Bu den, und fein eigen Blut, welches zur Vergebung - 
unferer Sünden vergoffen it, und im Abendmahl 
wahrhafftig und weſentlich geveichet wird, ift ein 
herrliches und Eräfftiges Pfand der wahren Verei⸗ 
nigung mit CHriſto, und deffelben ein gewiſſes Ver⸗ 
buͤndniß und Beftatigung. Darum hat der Herr 
- EHriftus diefe Reife, feinen Leib-und Blut zu effen 
und zu trincken, uber alle Weiſe, nach feiner Allmacht 
verordnet und eingefeget , auf daß alle feine Glieder 
feines Leibes und Blutes mit der That theilhafftig 
würden, Damit die, welche durch feinen Geift mit ihm 
verbunden worden, auch durch den Brauch und 
Nieſſung feines weſentlichen Leibes und Blutes mit 
ihm vereiiniget wuͤrden. Denn was iſt die Gemein⸗ 
ſchafft des Keibes und Blutes Chriſti, davon 
1.€or.10, Paulus ſchreibet 1. Corinth. 10. v.16. anders , als 
v1 eine Vereinigung mit dem Haupt EHrifto? Darum | 
wird allhie nicht eine Gemeinfchafft des bloſſen Brods 
und des bloffen Weins eingefest, Jondern eine Gemeine" 
fchafft des Leibes und Blutes CHriſti durch das Brod 
und Wein, als durch Mittel, durch welches Leibes und 
Blutes wefentlihe und wurckliche Darreichung die 
würcEliche, wahre und geheimefte Vereinigung vollzo⸗ 
Ehrifi gein. gen und vollbracht wird. Ein einiges VerſoͤhnOpffer 
umddlutift gm Stamme des Creutzes ift durch den Leib und Blut 
ah GE yriftivollbracht worden, Dadurch wir von Sünden 
föhn:Opf gereiniget und mit GOtt ausgefühnet feyn, Daffeibe hat 
in unfer Hoherprieſter, vermittellt Brod und Wein, zur 
Abendmadlgeiftlichen Speife und Tranck confecriret und geheis 
ee liget, aufdaß dasjenige, welches er dem himmuſchen 
Zrand, da Vater zur Verſoͤhnung aufgeopffert hat, ung zu einet 
Dur SE Erquickung und zur Gemeinfchafft mit ihm mochte 
Gemein: gedeyen, damit fein Fleiſch und Blut uns wurde zu eiz 
= ya ner wahrhaffiigen Speife und Tranck, dadurd) wi 
wahrhafftig erlöfet feyn worden. Der Satan, als 
ein Feind des menfchlichen Sefchlechts, hat, als a 
| J 








die Gemeinſchafft BOttes. 1139 


Ottes, abfeheuliche Opffer bey den Heyden gejtifftet Heydniſche 
und angerichtet, daß das Volck eſſen foite von demzzpterfäb, 
Dpifer, welches den Zeufel geopfert wurde, auf Daß meinihaft - 
alle hierdurch in des Teufels Gemeinſchafft kaͤmen, und der Teufel, 
ein Leib mit dem Teufel würden, die da deffelben Dpfe 
fers genoͤſſen; wie es der heil. Apoftel Paulus erklaͤret, | 
1. Corinth. 10,0. 20. Weil nun Diefes ein greulich 1. Eor.ıo, 
und abſcheulich Werck ift, fo ſchrecket ev ab Diejenigen, » 20. 
welche des HErrn Chriſti Glieder fayn, von dem Ger 
brauch der teuflifchen Opffer; und beweiſet hergegen, 
daß wir mit dem HErrn EHrifto ein Leib werden, Die 
wir nach feiner Einſetzung, vermittelſt Brod und 
eins, feinen wahren Keib eſſen, welcher für ung geges - 
ben, und fein Blut trincken, welches für ung vergoſſen, 
und Daß wir demnach) nicht zugleich des HErrn Ti- 
febes, und des Teufels Tifches koͤnnen theilhafftig 
werden: Dennda Hin CHriſtus hat wahrhafftig 
in der Einfeßung des legten Abendmahls gefehen auf 
dieſe Vereinigung und derofelben ‘Beftätigung. Denn 
warum befchreiber und erElaret er Joh. 6 v. 56. daß Joh. 6, 
die Gläubigen in ihme, und er in den Glaͤubigen SE. 
bleiben wolte durch das Eſſen feines Sleifches, ahden⸗ 
und durch das Trincken feines Blutes, weil die Fan 
Bereinigung in CHriſto durch den Glauben gefchicht? 

Der Grund der Weisheit und Wahrheit redet aufs 
allezdeutlichfte: Wer mein Sleifeh iffet, und trin— 
cket mein Blut, der bleibe in mir, und ich in ibm. 
Warum fagt er nicht: Wer an mich gläuber, der 
bleiber in mir? Je darum, daß wir Die Sache defto 
ernſtlicher betrachten, und die Gröffe der Sache aus 
der Hochwichtigkeit der Worte fehasen, daß er nemlich 
/ durch dag Kiffen feines lebendigmacyenden Sleifches 
ſich mit uns wolle vereinigen. Welche Vereinigung, 
ob fie wol durch den Glauben geiftliher Weiſe ger 
fchehen Eanz fo bezeuget er doch Elarlich, daß er, unfer 
Heyland und Seligmacher, geliehen, und gleich mit eis 
nem Finger gezeiget habe auf das GSacramentliche 
Eſſen, welches er hernach im legten Abendmahl einge 
Ri | Ecccez ſetzet, 


1140 B. V. Th.2. C.12. Das Abendmablbeftätiger 


ſetzet hat, indem er ſich nicht allein nennet das leben⸗ 
Joh s. v.gn. dige Brod, Joh. 6. verſ. 35. 91. daß, wer zu ihm 
komme, nicht hungern folle, und der. an ibn 

. gläube, nicht dürften ſolle; fondern auch ausdrück- 

lid) das Brod, welches er geben werde, fein 

Fleiſch nennet, welches er geben werde für das 

Beben der Welt, und daß feld) fein Kleifch ſey die 

rechte Speife, und daß fein Blut fep der rechte 
Tranck, welche Speife und Tranck er zu geben zuges 

faget und verheiffen. Daher erfcheinet, Daß unfer 
Heiland und Seligmacher zugleich gefehen habe auf 

das heilige Abendinabl, welches bald- hernach folte 
eingefeget werden, Darum redet er allhier ſo wol 

von der geiltlichen, auffer dem Abendmahl, als von der 
facramentlichen Nieffung , und zwarvon dem heilfaz 

men Gebrauch und Eſſen feines Keibes und Blutes im 
Abendinahl, welches zur felbigen Zeit aber noch folte 
eingefeßet werden. Mit welcher Erwägung der 

orte ich Eeinesweges abweiche: von der Meynung 

unferer. Lehrer, von der geiftlichen Nieſſung, welche im 

6. Capitel Johannis befchrieben iſt: Sendern ich 

‚achte und halte es Dafür, daß die Emphafis und Wich⸗ 

tigkeit der Norte unfers Heilandes andeute, er habe 

auch zugleich auf das heilige Abendmahl biemit ges 

— 9 ſehen. Traun was da fuͤr das Leben der Welt 
Bet gegeben wird, das betrifft den gantzen Menſchen: 
(haft dei Aber wolte denn fagen, daß die Leiber der Slaubigen 
Stege; nicht folten zur Gemeinfchafft des Leibes und Blutes 
weg EHrifti iommen? Voraus, weil der Apoftel Paulus 
faget Ephef: 5. verſ. 30. Wir find Glieder feines 
Leibes, von feinem Sleifehe, von feinem Gebeine; 
Und weil er in der 1.Eorinth. 6. verſ. 19. fihreibet, 

- Daß die Leiber der Gläubigen Tempel des Heiligen 
Beiftes find, welcher in ihnen wohne; und dag 

fie demnach nicht befleckt, fondern dem HErrn confe- 

eriret und geheiliget füllen feyn und bleiben. Welche 
demnach mit dem HErrn EHrifto, ihrem Haupte, ver⸗ 

einiget werden, Die freuen fich, und Eommen mit * 

em. 


"die Ge meinſchafft GOttes. 1141 


chem Affect und Bewegung zum Tiſche des HErrn, 
continuiren dieſe Vereinigung mit herglicher Freude, 
betätigen und bekennen ſie öffentlich; Welche aber 
fremde find von Chriſto, und Glieder des Teufels, 
und den Herrn EHriftum aus Haß laftern und 
fehänden, die werden fehuldig an feinem Leibe und koͤſt⸗ 
lichen Blut, fo ex vergeffen hat, und haben gar ge⸗ 
wiß feine-gerechte Strafe und Nache zu erwarten. 

Hier fan Baer dag Gebe: „ß im 3. es zu Ende 
des 1. Capitels ſtehet. 


Das XI. Capitel. 
Durch Anruffung, Gebet und Lob 
GOttes wirdder Menſch mit GOtt ver⸗ 
bunden, und — Heiligen Geiſt 
erfuͤllet. 


SE andächtiger Menfch , der gern betet, der wie das 





ſchauet und ruffet die Göttliche Majeftät an. 8346 

durch das Anfehauen lebet er diefelbe, und Rouſa 
durch die Krafft der Liebe wird er mit derfelben vers 
bunden und vereiniget; mit folcher heftigen Liebe wird 
er bisweilen auffer ihm gefühtet zu dem, welchen er lies 
bet, alfo und le er vielmehr auffer ihn, ale 
in ibm felber lebet: Bisweilen wird er auch mit eiz 
nem folchen geiftlichen, Geſchmack und Wolluſt erfuͤl⸗ 
let, daß ſeine Seele wuͤnſchet davon zu ziehen, und zu 
dem lebendigen GOtt einzugehen. Ein andaͤchtiger Ein an⸗ 
Menſch wird GOttes Freund, daß er ſtets vor fein Anz? —— ia 
geficht koͤmmt, und in fein Heiligthum gehet ohne Hin⸗ GHttes 
derniß, und mit GOtt gar freundlich, umgehet, Iſch Freunde 
muß hieher ziehen unſers ara." tröftlichen Spruch, 
Joh. 10.0.9. Ich bin die Thuͤr; fo iemand durch 
inich eingebet, der wird felig werden, und wird 
ein- und ausgeben, und Weide finden, . Was 
bedeutet das Ein⸗ und Ausgeben anders, als eine 
fonderliche und die allergroͤſte Freundſchafft? Siehe! 
Ich ſtehe vor der Thür, und klopffe an, ſo ie⸗ 
mand meine Stimme hoͤren wird, und die Thuͤr 

Ececz aufe 


11 42 PVTh.2.&.13. Durch Anruff. u. LobGOtt. 
een. nn 


auftbun, zu dem werde ich eingehen, und das 
Abendinahl mit ibm halten, und er mit mir, Of⸗ 

fenb. 3.0.20. Denn weil der Menfch alfo mit GOtt in 
Sreundfchafft ſtehet, ſo pflege fi) unfer GOtt offt⸗ 

mals zu feinen Freund zu begeben. O du liebliche Gute 

Samuelis und Freundlichkeit GOttes! Darum ftehet im 1. Bud) - 
Eremoel. Samuelis am 3. v. 10. daß GOTT der HENN 
bey der Nacht den Samuel drepmal bey feinem 
YIamen geruffen, und er geantwortet habe: Rede 

Kerr, denn dein KBnecht hoͤret. Und darum fpricht 

auch GOtt der HErr durch Hoſeam 2.0. 14. Ich will 

fie locken, und will fie in eine Wuͤſte fuͤhren, und 
freundlich mit ihr reden. Daher ſchreibet Auguftinus _ 

N und ſpricht: GOtt anruffen,ift ſo viel, als GOtt in fein - 
runen Hertz ruffen. Als der HErr zu Abraham Fam, fprach 
Abrabams er; Ach ſiehe, ich habe mich unterwunden zu re= 
8 Mio, den mit dem GErrn, wiewol ich Esde und Afche 
3.0.27. bin. B.Mof.ı 8.0.27. Als aber der HErr fichet, wie - 
fich Abraham im Gebet demuͤthiget und erniedriget, ſo 
infinuiret er fich bey ihm defto mehr, und redet und. . 
converfirt deito freundlicher mit ihm. Er fpricht Zefa. 
66.0.2. Ich fehe an den Klenden, und der zerbro⸗ 

chenes Geiſtes iſt, und der fich fuͤrchtet vor mei⸗ 

nem Wort. Durch ſolch Geſpraͤch des gegenwaͤrtigen 

GOttes find die gottsfuͤrchtigen Chriſten fo hoͤchlich 

erfreuet worden, daß ſie auf keine Sache mehr Muͤhe 

und Fleiß angewendet haben, als darauf, daß ſie durch 

das liebe Gebet mit GOtt moͤchten Gemeinſchafft und 
Freundſchafft haben; denn daffeldige verbindet wahr⸗ 

hafftig mit GOtt, bringet Freude und Friede dem Herz 

gen, und führet mitten unter das Chor der heiligen Eins 

ae gel. Alle menſchliche Gefprache, Converfariones und 
eine Freundſchafft find nichts zu achten, wenn fie mit Diefem 
Convert GoOttes⸗Geſpraͤch veralichen werden. Wie lieblich 
So und freundlich ift GOtt der HErr mit den Propheten 
und Apofteln umgangen, durch welcher Mund er geres 

det hat? Welch eine Wuͤrdigkeit hat der gehabt, welz 

cher fpricht; Der Geift des HErrn bat durch ie 

geredt, 


wird der Menſch mit GOtt verbunden. 1143 


Nase ——— 
geredt, und ſeine Rede iſt durch meinen Mund ge⸗ 
ſchehen? 2. Sam. 23.0. 2. Welch eine Herrlichkeit 
bat der gehabt, von welchem der HErr ſagt: Muͤnd⸗ 
lich rede ich mit ihm, und er ſiehet den HErrn in 
feiner Geſtalt, nicht durch dunckel Wort oder 
Gleichniß? 4. B. Moſ. 12.0.8. Ks iſt ein Eöftlih 
Ding, ſpricht David, dem HErrn dancken, und dei= 
nem Kamen lobfingen, du Mlerböchfter, Pſ. 92- un 
v. 2. Eine andächtige Seele fpüret und mercket; Daß rufen und 
dag ein koͤſtlich Ding ſey; aber mit Worten an es pargr 
nicht ausgefprochen werden. Das Gebet it Füfl- 
lid) vor GOttes Angeficht, denn der himmliſche Va⸗ 
ter bringet und giebt ſchoͤne Gaben, die edler und koͤſt⸗ 
licher find als Perlen und Gold; Er giebt ein Englis 
fies Leben, er geuft ins Hers den Schmack der 
ewigen Seligkeit, und richtet zu eine Bereitſchafft 
zur Sefellfchafft des ewigen Lebens. € 
Hier kan gebrauchet’werden dag Gebet, fo im 2. Buch zu 

Ende ded 38. Capitels ſtehet. ö 


Das XIV. Capitel. 


Des Menfchen höchfte Seligkeit und 
Ä Ende iſt, mit ee vereiniget 
' werden. 


&)* die Seelen der Sottsfürchtigen nicht können In GOtt 


t* 


| erfattiget werden, fie haben denn GStt ſelbſt Mrs Sem 
begeuget ‘David, Pf. 17.0. ı5. Und daß wesgu 

der Aimmelnoch Erde nuͤtze ſey, wo die Seele GOtt 

den HErrn nicht felbft befiße, finger David Pſ. 73. 

v. 25, Db wir nun zwar einen geringen Anfang 

dieſer GSeligkeit in diefem Leben erfahren, fo ift es 

Doch ein feiner Beweis unferer Rereinigung mit dem 

höchften Gut. Hiervon jeuget die geifkliche Sreude 

und der Gefehnat der Göttlichen Süßigkeit, 

welcher hin und wieder in den Pſalmen und: Pro⸗ 

pheten befchrieben und geruͤhmet wird. t 

| Warlich, es ſchmecket den andächtigen Hersen, Der befle 
Cccec 4 wel⸗ Geſchmach 


1144 B.V. Ü.2.€.14. DesMenfihen hoͤchſteSel. 


welche fi) GOtt ergeben haben, aufer GOtt nichts; 
es ift ihnen ohne GDtt alles ungeſchmackt, bitter und 
todt: Darum haben die heiligen Seelen ein Verlanz 
gen zu den lebendigen Brunnen, die da in das ervige 
Leben flieſſen; nad) der gruͤnen Weide, welche auffer 
CHriſto nirgend an keinem Ort aefunden wird. 


Sid und Dieſes ift ein Bild, ja ein Anfang des ewigen Lebens, 
anfamsoetin welchem GOtt alles in alleım ſeyn wird: Cr ‘ 


bens. wird ſeyn unfere Wohnung, unfere Epeife, unfere 
n Pag 15 Gnuͤge und Kleid, unfere Liebe, unfere Ergoͤtzung, uns 


fere Lieblichkeit, unfere Ruhe, unfere Weisheit, unſere 

Ehre, unfer Ruhm, unfer eben, Alsdenn wird ofr 
fenbar werden die Herrlichkeit der Kinder GOttes, 
die ietzt verborgen it; denn wir werden den HErrn 


1.906.3 feben, wie er iff, fpricht der Apoftel 1. oh. 3.0.2. 


»2 Woer will aber erzehlen das Weſen GOtctes, oder die | 


wefentliche Güte GOttes, welche ft ale und unendliche 
’ Sütigkeit? Das Echen GOttes iſt die Genieſſung 
GOttes. GoOtt ben, wie er iſt heiſſet, der ganz 
tzen Fülle theilhafftig werden, und erfuͤllet werden mit 
der unermeßlichen und unendlichen Guͤtigkeit GOttes; 


welche Fuͤlle wir in dem HErrn CHriſto erkennen und 


umfahen, ſchmecken, und mit allen Auserwehlten und. 
heiligen Engeln preiſen werden, erfuͤllet mit der Herr⸗ 
lichkeit CHriſti, und mit der Freude des Heiligen Geiz 

ſtes in alle Ewigkeit, Aber hiervon haben wir gnug- 
fam geredet droben im 7. Capitel, 


Darum, liebe Seele, bereite dich, Daß dein Herge 


ſey GOttes Wohnung. PDereinige dich mit GOtt 
in dieſem Leben. Laß deine Augen nicht schlafen, 


noch deine Augenlieder feblummern, bis du eine 


Staͤtte findeft für den HErrn deinen GOtt, Pſ. 


ea 13 2.0.4.5. Denn wer durch wahrhafftige Bekehrung 


Bortes in zu GOlt vereiniget wind mit GOit in diefem fterbliz 


——— chen Leben, bis die Seele abſcheidet, der wird vereiniget 

act id ng bleiben mit GOtt im unſterblichen Leben in alle Ewig⸗ 

ein ger Feit; Denn EOtt wird felber in den Auserweblten 

und Seligen wohnen, und fie mit ewiger Senen 
un 





B.V. Th.ꝛ. C.15. Des Menſchen hoͤchſtes ꝛc. 1145 
und ungetrennetem Licht, Glantz und Herrlichkeit erfuͤl⸗ 
len. In Summa: die Scelg, die da vom Leibe abs 
fcheidet, wenn fie mit GOtt vereiniget worden, Die 
wird in alle. Ewigkeit mit GOtt vereiniget bleiben. 
Hieher gehoͤret das Gebet, fo im 2. Bach) zu Ende deg 26, 
Capitels zu finden. 
Das XV. Capitel. 
Das groͤſte und Höchtte Elend des Mens Ser.v. 
ſchen ift, ewig von GOtt gefäjieden 
werden. PEN Re, | 
2 Elche Menfchen auf Die Hoffart, Geis und Meit Luſt 
Wolluſt Diefer Welt fich begeben, und gar in fhgderven 
REIT denfelben Laſtern erfoffen ſehn, und fich nicht einioer mit 
-befehren, diefelden wenden und Eehren ſich nicht allein demSatan. 
von GOtt ab,und verſchlieſſen dem H. Seiftallen Eins» 
gang, fondern werden auch mit dem Teufel vereiniget; 
denn die dem Teufel anbangen, find nicht allein Herz 
bergen des Teufels , fondern werden auch mit ihme 
ewig vereinigets Denn ihre Seele ift von GOtt abs 
gewandt, vom wahren Licht, Ruhe und Freude: Es 
wird zwar die verdammte Seele das Kicht wuͤnſchen; unbeil der 
aber auffer GOtt ift Fein Licht, ſondern es find und wer: Gunein 
den bleiben greuliche und ewige Finſterniſſen. Cie Satans. 
wird zwar die Ruhe wuͤnſchen; aber auſſer GOtt ift 
Feine Ruͤhe der Seelen, fondern eitel Schrecken und 
Sraufen. Sie wird Freude wuͤnſchen; aber auffer 
GoOtt ijt ewige Traurigkeise Cie wird Erquickung 
wünfchen; aber auffer GOTT ift Feine Erquickung, 
fondern Angſt und Berrübniß, Sie wird Troft wuͤn⸗ 
fehen; aber auffer GOtt iſt Fein Troſt, fondern fer » 
tige Marter und Pen, und unauf hoͤrlicher Hoͤllen⸗ 
Bi. Die Teufel werden in den Gottlofen wohnen, 
und fie erfüllen mit aller Teufliſchen Fülle, mit Marz 
‚ ter, Kafterung, Unfinnigkeit, Schrecken, Graufen, Ge⸗ 
“ fpenften, Schlangen » Etichen, Angit, Schmertzen, 
Finſterniß, Schande und ewiger Verzweifelung. 
Ccee 5 Dar⸗ 


1146 B.V.ITh.2.C.1 5. Des Menſchen hoͤchſtes ꝛc. 


Darum wenn des Menfthen Seele, fo mit dem Teufel 
vereiniget ijt, vom Leibe abfcheidet, fo wird fie mit ihme 
vereiniget bleiben in alle Ewigkeit, denn die Teufel 

Erlbſung werden in den Berdammten wohnen. Es wird aber 

Gene Die Seele vom Teufel erlöfet Durch die Buſſe und Bes 

(haft. Februng | in dieſem Keben. Nach dem Tode iſt keine 

Erloͤſung und Scheidung vom Teufel. In Summa: 
Die Seele, welche vom Leibe — —— und mit dem 
Teufel vereiniget iſt, wird in alle Ewigkeit mit dem 
Teufel vereiniget bleiben; Deſſen Seele aber vom 
Teufel und der Welt nicht, iſt verblendet, der Wille 
nicht verkehret, Das Gedaͤchtniß nicht befleckt, die 
bereitet GOtt dem HErrn eine wuͤrdige 


Wohnung. 


——— gehoͤret das Gebet, im 1. Buch zu Ende des 17. 
Capitels zu finden. 


Ende des andern Buchlen⸗ 


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Dritte Büchlein, 


Don der 


Heiligen 





Ron der 


Menſchwerdung des Soh— 


nes GOttes, JESU 
CEHRISTI, 
Und dem ’ i 
Heiligen Geift, und feinen 
Gaben und ZBohlthaten: 
Durd) 


Hrn JoHANNEM ARNDT, 
weiland General - Superintendentgn 
des Fuͤrſtenthums Lüneburg ꝛc. 





RL) Jahr Ehrifi 1741. 


LEE BEIGE 


Summa und Inhalt dieſes 
Buͤchleins, 
| In drey Capiteln: 


I. — 

Don der Heiligen Dreyeinigkeit, 

GOtt Mater, Sohn und — 
Geiſt. 

I. J— 

Von dem wunderlichen und ſonderli⸗ | 

hen Geheimniß der Menſchwerdung 
des Sohnes GOttes. 

ILL. 

Vom Heiligen Geift, dem wahren 

Gott, und von feinen Gaben und 

———— | 


*8 Il 


Das 





Das I. Capitel, 


Er wahre Chriſtliche Glaube erfennet, Der mahre 


Don der Heiligen Dreyeinigkeit. 
ruffet an und ehret den einigen wah⸗ Biaube fies 
von GOTT, welcher ift der Daten, Det aufden 


: ) dreyemigen 


IN Cohn und Heilige Geiſt, drey unter 691% 
EV fchiedliche Perſonen, eines Göttlichen 
Weſens gleicher Ewigkeit, Weſens, Majeſtaͤt und 
Herrlichkeit. | | | 
1. Denn wir haben erkannt im Glauben, daß x 
GOtt der Dater von Ewigkeit gezeuget hat feinen Es der, 






eingebohrnen Sohn gleiches Weſens. 
2. Wir haben im wahren Glauben erkannt, daß 2. 
der Bohn, vom Datervon Ewigkeit gebohren, ſey dag LOrt der 
weſentliche Cbenbild des Vaters, der Glautz der Herr⸗ CP 
lichkeit des Vaters, ein Licht vom Licht, ein wahre 7" 
GOtt vom wahren GOtt; und daß derſelbe ſey in der 
Zeit Menfch worden, und habe die menichliche Natur 
an fic) genommen, aus und von der Jungfrau Maria, 
daß er fey cin Heyland der Menſchen. | 
3. Wir haben im Glauben erkannt, daß der Hei⸗ 3. 
lige Beift wahrer GOtt ſey, vom Pater und Sohn LOit der 
ausgehe, und ſey ein Trofterder Menſchen. Heil. Geitt. 
4. Wir glauben, daß wir einen Vater haben, 4. 
von welchem alle Dinge find, und wir in ihm; und 
einen „Eren IEſum Eäriftum, durch welchen 
alle Dinge find, und wir ducch ihn 1. Cor. 8. v. 6. 
s. Wir glauben, Daß der Himmel durch das 5. 
Wort des BErrn gemacht ſey, und durch den 
Geift feines Miundes alle fein Acer, Pſ. 33.0.6, | 
6. Wir haben im Glauben erkannt, daß der Vater 6, 
durch feinen Sohn alles wuͤrcke, (durch welchen er auch 
die Welt gemacht, durch welchen alle Dinge gefchaffen, 
die fichtbaren und unfichtbaren, in welchem alles beftes 
het,) beyde aber durch den Heil, Seit; Denn alles was 


der 





7. ° 


9 


Io. 
11. 


12. 


13. 


14. 
— 


16. 


1150 B. V. Th. 3. C. 1. Von der Heiligen 


der Vater thut, das thut auch der Sohn, und wie 
der Vater lebendig machet, alſo auch der Sohn, 
und wie der Vater das Leben bat in ihm felber, 
alſo hat er auch den Sohn gegeben das Keben zu 
haben in ihm felber, Joh. 5.0.19. 2:26.00 - 

7. Wir gläuben, daß Drep ſeyn im Himmel, die 
da zeugen, der Dater, das Wort und der Heilige 
Beift, und daß diefe Drep einsfind, 1. 30. 5.0.7. 

8. Wir glaͤuben, daß der Antichriſt (ep, welcher 
verleugnet der Dater und Sohn: Denn wer den 
Sohn verleugnet, der hat den Vater nicht, 
1J 

9. Wir glauben, daß GOtt der Water geſalbet 
hat feinen Sohn mit Freuden Oel des Heiligen Gel 
fies, gu predigen den Betruͤbten JM. 45. d. 8. 

- 70, ir glauben, Daß der Vater mit uns rede 
durch den Sohn, beyde aber durch den Heiligen Geiſt, 
Her: tie ar ' | 

11. Wir glauben, daß GOtt der Vater inunfern 
Hertzen wuͤrcke und anzunde den Glauben an feinen 
Sohn durd) den Deiligen Geiſt. 

12. Wir gläuben, daß niemand sum Sohn 
kommen Eönne, wo ihn der Vater nicht ziehe durch 
feinen Geiſt, Joh 6.0.44. —* 

13. Wir glaͤuben, daß niemand zum Vater 
kommen koͤnne, denn durch den Sohn, und daß 
niemand zum Sohn kommen koͤnne, denn durch den 
Heiligen Geiſt, Sob.r4.0.6. J 

14. Wir glauben, daß der Vater, nicht koͤnne er⸗ 
Fanntwerden,denn darch den Sohn; und daß der Sohn 
nicht koͤnne erkannt werden, denn Durch den Heil. Geift. 

15. Wirglauben, daß die Gnade des Vaters nicht 
Fönne erlanget werden, denn in dem Sehne, twelcher If 
der Gnaden⸗Thron; Die Gnade aber nicht koͤnne zuge⸗ 
eignetiwerden, denn Durch den Heiligen Geiſt. 

15. Wir glauben, daß von dem Vater aller Gna⸗ 
den und Barmbersigkeit aller Troſt zu uns komme, in 
und durch den. Sohn unfern Mittler und Vorbitter, 
durch den Heiligen Geiſt. 17. Wie 





Dreyeinigkeit. 1151 


17. Wir glauben, daß Der Vater des Lichte ung 
erleuchte und heilige in dem Sohn, welcher unſer Licht 
iſt, und in rg Der da unfere Heiligung ift, durch den 
Heiligen Geiſt. 

18. Wir gläuben, daß uns der Vater hertzlich 
lieb habe in feinem geliebten Sohn; durch den Heili⸗ 
gen Geiſt aber feine Liebe in unfere Hertzen ausgieſſe. 

19. Wir glaͤuben, daß wir mit GOtt dem Va⸗ 
ter, Sohn und Heiligen Geiſt das hoͤchſte Verbuͤndniß 
in der Tauffe aufrichten, und angenommen werden zu 
Kindern des ewigen Vaters, zu Gliedmaſſen des Soh⸗ 


nes GOttes, und zu Tempeln und Wohnungen des 


Heiligen Geiſtes geweyhet werden. 


20. Wir glaͤuben, daß die Gnade unſers HErrn 


ef Chrifti, des Sohnes GOttes, die Liebe des 
Vaters, und die Bemeinfehafft des heiligen Gei⸗ 
ſtes allezeit bey uns ſey, 2. Cor. 13. v. 3. 

21. Wirg Lauben, daß ung der Vater angenom⸗ 
men habe zu Kindern in feinem geliebten Sohn; die 


Kindſchafft aber durch den Heiligen Geiſt verſiegelt habe, 2 


Ephel. 1.0.5.6. 


22. Wir glaͤuben, daß der Vater in ſeinem Sohn | 


ung erwehlet habe zu Erben des ewigen Lebens, dieſe 
Erbfchafft aber Durch das Pfand und Mahlſchatz des 
‚Heiligen Geiſtes befräfftiget und bejtätiget habe. 
23. Wir glauben, daß GOTT der Vater den 
Geiſt feines Sohnes gefandt in unfere Hertzen, 
welcher ruffet: Abba, lieber Dater! aufdaß er 
Seugnißgebe unferm Beift, daß wir Kinder GOt⸗ 
tes fepn, Sal. 4.0, 6. Nom. 8.0. 16. 

24. Wir glauben,daß der Bater in EHrifto (ey, 
und der Sohn im Vater, und daß fie beyde Durch den 
Heiligen Geift mit unsvereiniget werden, und in unfern 
Hertzen wohnen, Joh. ı 7.0.21. 

25. Wir glauben, daß der Sobn den Aeiligen 
Beift fende vom Dater, auf dag er uns in alle 
Wabrbeit leite, und von Cariſto zeuge, und ihn 
verkläre, Joh. 15,0,26, C. 16. v. 13. 14. 

26. Wir 


17. 


18. 


19. 


20. 


21. 


22. 


23: 


24 


25. 


26. 


27: 


23. 


29. 
Geiſt anzubeten ſey. 


30. 


31. 


3% 


33% 


34. 


35. 


1152 B. V. Th. 3. C. 15. Don der Aeiligen 


26, wir gläuben, daß wir durch den Sohn einen 
Zutritt baden in einem Geiſt zum Vater, 

27, Wir glauben dem wahrhafftigen Wort un 
fers Seligmachers, da er fpricht : Wie vielmehr 
wird mein binmlifeher Vater den Aeiligen Geiſt 
geben denen, die ihn bitten? Luc. 11.0.13. - 

28. Wir haben erkannt im Glauben, ımd glaͤu⸗ 
ben, daß der Vater ohne dem Sohn, und beyde ohne 
dem Heiligen Geiſt nicht recht und wahrhafftig geehret 
und angeruffen koͤnnen werden: 

29. Wir glaͤuben gantz feftigfich, daß der Vater 
anders nicht, denn durch den Sohn, i indem Heiligen 


30. Wir haben im Glauben — daß eine 
jede Perſon in der Heiligen Dreyeinigkeit, GOtt der 
Vater, Sohn und Heiliger Geiſt, fuͤr ſich felbt Fanjus 
ruffen fen; denn fie find einerley Goͤttliches ABefens, 
Majeſtaͤt, Allmacht und Ehre, 

31. Wir glaͤuben, daß der Name GOttes des 
Vaters, und GOttes des Sohnes unſers HErrn 
fe CHriſti, und GOttes des Heiligen Geiftes, ſey 
der höchfte Segen aller unferer Wercke, und daß wir 
in demfelbigen einigen Namen, in ** wir ge⸗ 
taufft ſind und GOtt geheiliget, unſer Leben ſelig 
ſchlieſſen muͤſſen. | 

32. Wir gläuben, wenn wir mit dem Tode rin⸗ 
gen, daß GOtt der himmliſche Vater unfere Seelen, 
Die durch den Sohn erlöfet, und durch den Heiligen 
Gert geheiliget find, aufnehme; und daß der Heilige 
Geiſt, der Troͤſter, niımmermehr, auch im Tode nicht, 
von unfern Seelen weiche, 

33. Wir glauben fejtiglich, daß GOtt der Vater, 
durch die Stimme ſeines Sohnes, unſere Leiber aufer⸗ 
wecken, und mit ſeinem Geiſt ſie verklaͤren werde. 

— 34. Wir glaͤuben beſtaͤndig, daß der Vater in dem 
Sohn, der Sohn im Vater, durch den H. Geiſt im ewi⸗ 
gen Leben den Auserwehlten werde alles in allen ſeyn. 

35. Darum ſey dir, dem Dreyeinigen —* 

em 


Drepeinigkeit. VER 


‚den wahren GDtt,der du bift ewig, lebendig, unendlich, 
unermeßlich, allmachtig, das hoͤchſte Gut, der Allerheiz 
ligſte, Allerweiſeſte, der Gerechrefte, der Wahrbafftige 
fie, der Brunn der Barmbergigkeit, ver Schöpffer aller 
‚Dinge, der fichtbaren und unfichtbaren, der gnadigfte 
und gürigfte Erhafter aller Creaturen, dir GOtt dem 
Vater, GOtt dem Sohn, GOtt dem Heil. Geift, fey 
Ehre, Lob und Preiß, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 
» heilige Drepfaltigkeit, 36. 

Wuͤrdig des Anruffs tederzeit, | 
© wunderliche Einigkeit, 
Geehret ber von Ewigkeit, 
O unbegreiffliche Majefkät, 
© unumfchriebene Gottheit, 
© unzertheilte Drepfaltigkeit, 
BO unauflösliche Einigkeit, 
O unausfprechliche Bütigkeit, 
O unbetrüglihe Wabrbeit, 
© Weſen hoch und ungefchägt, 
© Macht, der gar kein Ziel geſetzt, 
O Blarheit, die ohn Dunckel ift, 
© Licht, das unausloͤſchlich iſt, 
Erbarme dich unſer gnaͤdiglich, 
Regier und ſchuͤtz uns ſtetiglich, 
Amen, Amen, Amen. 
Hier kan gebraucht werden das Gebet, ſo im 1. 
Bier s1 Capitels zu finden. ee ton 1 DR Ende 
Das 11. Capitel, 


Bon dem mwunderlichen und fonderli: 
chen Geheimniß der Menfchwerdung des 
Sohnes SDttes, | 


| Er himmliſche Vater, als er dem menfchlichen Die Ver⸗ 
Sefchlecht su gut, feinen Sohn von Ewigkeit beilluigdes 
her zum Heyland und Seligmacher verordnet Hop an dir 
„hatte, da hat ernicht bloß folche Verheiffung des Heils Gtedeit, 
an die Gottheit feines Sohnes allein verbunden , fon- lan 
dern an den Saamen des Weibes, welcher der an die 


V. Theil. D dvd dv Schlan⸗ 





1154 B.V. Th.3. C.2. DondemwunderlichenGch. 


Vreheir Schlangen den Bopff zertreten ſolte und an den 
a  Saamen Abrabams,in welchem alle Voͤlcker fol- 
daraufiß gen gefegnet werden. Darum haben die Ertz⸗Vaͤ⸗ 
— ter, die unter dem Alten Teſtament gelebet, den Sohn 
Glaube ger GOttes, welcher kuͤnfftig Menſch werden ſolte, im 
a Roy Glauben ergriffen, und haben in ſeinem Tod die Gnug⸗ 
3.0.15. thuung für die Suͤnde und Erlöfung von dem ewigen 
512 9.3. Tod gefuchet,und find erhalten worden; denn der Glau⸗ 
be machet Die zukuͤnfftigen Rerheilluingen GOttes, we⸗ 
gen der Gewißheit, gegentwartig, und geneuft der vers 
heiffenen Güter, als denn fie gegenwaͤrtig waͤren. Alſo 
hat Abraham den Tag des AKren gefeben, und 
Vb 3.6.56. hat fich gefreuet, Joh. 8.0.56. Das iſt er hat der 
Fruͤchte und der gegenwaͤrtigen Freude der kuͤnfftigen 
Menſchwerdung des Sohns GOttes genoſſen, welche 
uͤber etliche hundert Jahr hernach die Engel verkuͤndiget 
eg haben. Darum iſt des himmliſchen Vaters Rath ges 
weſen, daß fein Sohn, welcher von Ewigkeit her geboh⸗ 
ven,aufbeftimmte Zeit Menfch wuͤrde. Diefe Berfon, 
 fogugleich wahrer GOTT und vollfommener Menſch 
ift, hat GOtt der ewige Vater zu einen Heyland und 
Geligmacher des menfchlichen Gefchlechts verordnet. 
Darum fol ein gottfeliges Herb Dielen alleriveifeften 
und geheimen Rath des Daters wohl bedencfen, und 


u 


bey fich betrachten: £ 
x1. n DESGOTTder Vater diefePerfon zu unfern 
got bat Heyland und Geligmacher verordnet hat, nicht nur 
EHritum feine Göttliche, auch nicht nur ſeine menfchliche Natur, | 
su anferm ſondern die Göttliche, welche mit unferm Fleiſch vereinie 
vordronet. get worden, auf daß er durch fein Fleiſch uns eine Arges 
ney zubrachte, und Durch feine Seele unferen Seelen eis 
nen Troſt eingoͤſſe. Unſer Seligmacher ift GOtt, daß 
| on gerzoft ſeyſt; Eriftein Menſch, Daß du dich nicht 
uͤrchteſt. 4 
RER Diefe Perfon hat GOtt der Pater zu einen 
Diner Mittler verordnet zwiſchen GOtt und den Menfchen, 
i und darum hat er beyde Naturen haben müffen. Dem⸗ 
nach hat GOtt aus dem Menſchen müffen a are | 
* on \ —* 447 7 


der Menſchwerdung JEſu Chriſti. 1155 
den, auf daß eben der, der da GOtt iſt, auch ein wahrer 
Menſch ſey, und wahrhafftig des Menſchen Sohn: 
Und daß eben der, der da Menſch iſt, auch ein wahrer InGOttes 
GEOtt fen, und wahrhaftig GOttes Sohn, auf daß hn: 
wir gläuben, IEſus ſey Chriftus, der Sohrmunferötuu 
GOttes, daß wir durch den Blauben das ewige er 
Leben haben in feinem Namen, Joh 20.03 1. ‘ 

Darum ergreifen wir.diefe Perſon mit wahren 

Slauben, und treimen Die Gottheit nicht von Der 
Menfihheitz denn GOtt iſt Menſch worden. Schauet 
die Herrlichkeit. Des Fleiſches des Sohnes GOttes, wel⸗ 
ches wir in Einigkeit der Perſon anruffen; denn wir Chriftusitt 
gaͤuben an dieſe Perſon, welche GOtt und Menſch iſt ee und 
Denn das Heilige, das von dir gebohren wird, iR 
fpricht der Engel, wird GOttes Sohn genennet 
werden, Luc. 1.verf, 35.2, ABir trennen auch nicht Die 
Menfchheit von der Gottheit, denn diefer Menſch iſt 
SDrt, welcher in Einigkeit der Perſon für uns gelidten, 
gecreugiget, geftorben und begraben iſt. Darum fol Wie Chris 
ein Ehriftliches Hertz erwaͤgen, wie theuer und twerth, fi ie | 
wie Erafftig und beilfam dieſes Leiden und dieſer Tod anzujehen, 
ſey, welcher nicht ift eines fihlechten und bloffen Dienz 
fchen Leiden und Tod, fondern einer. folchen Perſon, 
weiche GOtt und Menfch ift, auf daß es ein vollkom⸗ 
mencs und genugfames Rantzion⸗Geld für die Sünde 
der ganken Welt wurde. Darum hat GDtt feines 
Sohnes nicht verfchonet, fondern für uns alle in den Tod 
gegeben. Iſt das nicht ein wunderliches Geheimniß, daß 
eine ſolche Perſon hat gelidten Schmach, Creutz, Tod 
und den Fluch? Daß GDttgelidten im Fleiſch, und mit 
ſeinem eigenen Blute ſeine Kirche oder die Gemeine er⸗ 
loͤſet? Daß der HErr der Herrlichkeit iſt geereutziget? 
Iſt das nicht ein unausſprechlich Geheimniß, daß dieſe 
perfönliche Vereinigung auch mitten in dem bittern 
Tod nicht hat koͤnnen qufgeloͤſet werden? Denn dr 
Apoſtel ſpricht: Bet unmöglich geweſen, daß 3 
Coriſtus von dem’ Tode babe koͤnnen gebalten 
werden, Ap. Geſch. 2. 0. 24.. x | 
— Ddd dao 3. Der 


11569, v.Th.3 C. 3.00n dem wunderlichen Geh. 
—— 


3. Der himmliſche Vater hat dieſe Perſon zu un⸗ 

gu 3u fen fen Eelöfer verordnet, aufdaß der gefallene Menſch 
* durch den Menſchen, welcher zugleich GOtt iſt, erloͤſet 
wuͤrde von dem ewigen Tode; und daß der Weibes⸗ 
Saame der Schlangen denKopff jertrete, welche den 


Menfchen mit Liſt und Lügen betrogen hat. Das iſt 


“ traun eine gerechte und wunderliche Drache. 

4 4. Der bimmlifche Vater hat aus Barmhertzig⸗ 
zu einen Feit diefe Perſon uns verordnet zu einem Arge, aufs 
Hat daß wir durch fein Blut von dem Unflath der Sünden 

gereiniget, durch feine Striemen und Wunden * 
let, durch feinen Tod vom Tod zum vorigen Leben wi 
erlöfet,, und wiederum zum volllommenen Ehren 
Stand und zur Gleichfoͤrmigkeit des Ebenbildes GOt⸗ 
tes verneuert wuͤrden. 

5. 5. Der allergnaͤdigſte Vater hat dieſe Perſon uns 
—* verordnet zut Gerechrigkeit, daß er ung ſolte gerecht 

machen, auf daß wir wider das unendliche Übel der 
Sünden eine unendliche Argeney und Huͤlffs⸗ Mittel 


durch ſein Verdienſt haͤtten: Und wider die Strengig⸗ 


keit der ewigen Gerechtigkeit eine vollkommene Gnug⸗ 
thuung in und durch feinen T Tod, auch wider die Anklage 


des Geſetzes und des Teufels eine völlige Abfolution 


und Losfprechung von der Verdammniß hätten. 
6 6. Derallerliebfte Vater hat diefe Perfon verord- 


Zu einem net zu einem Haupt, aufdaßer feine Eliederverfamms 
lete, durch feinen H. Geift lebendig machte und heiligte, | 


Haupt, 
und fie feiner Fülle theilhafftig machte. 


* Der himmliſche Vater hat dieſe Perſon zum R 
2— &obenpriefter verordnet, auf daß er Durch das allers 


heiligfte Opffer feines Leibes, für uns gegeben, uns rei⸗ 


nigte, durch feine Borbitte ung verföhnete, und als das 


Wort des Lebens uns unterrichtete und lehrete, 


82. 8. GHDttder heilige Vater hat diefe Perfon ung 
— oabl Hero zu einem Gnaden⸗Dtuhl, aufdaß er ung 


brachte Vergebung der Stunden, welche wir durch den ° 
Glauben ergreiffen, Krafft des Verdienſtes und Erlös" 
fung durch fein Blut. 


9. GOtt 


der Mienfehwerdung JEſu CHriſti. 1157 


9. GOtt der himmlifche Vater hat dieſe Perſon ver⸗ 
ordnet zu unſern König, auf daß er in unſern Hertzen $5 
ein Reich der Gnaden aufrichtete, unfere Hertzen reis 
nigte, die Sünde und Tod serjtörete, des Teufels Reich 
vertilgete, allen Creaturen mächtig und gegenwärtig ge 
biete, und feine Gläubigen in das Reich ſeiner Ehren 
und Herrlichkeit einfuͤhrete. 

10. Es hat GOtt dern bimmlifchen Vater gefallen, 10. 
daß in diefem feinem Sohne alle Sülle wohne, aufdah — 
wir nicht anders wohin fliehen, noch bey einem andern wohrner. 
ſuchen duͤrffen Heil, Segen, Leben, Gnade, Vergebung 
der Suͤnden, Verſoͤhnung, Linderung der Strafen, 
Vorbitte bey dem Pater, Artzney und den Arst felbften, 
die Erkänntniß unferer wahren und rechten Weisheit, 
die vechte Erleuchtung durch den Glauben, und endlich 
Das ewige Leben. 

Dis hochheilige Geheimniß der Menſchwerdung Wie die 
müffen wir heilig beylegen und verwahren, wie Diecgrm. 
Goͤttliche Natur durch) die. unauflöslid)e und unaus= recht u be 
fprechliche Vereinigung das menfchliche Fleiſch opera 
Mittheilung und Gemeinfchafft der: Goͤttlichen Wer⸗ 
cke und Herrlichkeit angenommen hat. Denn wir 
haben ſeine Herrlichkeit geſehen, eine Herrlichkeit 
als des eingebohrnen Sohns vom Vater, voller 
Gnade und Wahrheit Joh. 1.0.14. Darum iſt es 
unnoͤthig, daß wir die —— exæquiren und gleich 
halten, oder confundiren und vermengen, fo wir glaus 
ben, daß Die Wercke GOtt und Menfch thue, das ift, ſo 
wir es dafür, als GOttes Wort gemaß,halten, daß beys 
der Naturen Wuͤrckungen auf einen einigen Effedum 

und Werck zufammen Eommen, in Einigkeit der ‘Pers 
fon, welches Eutychesgefeugnet hat, Es iſt auch unnoͤ⸗ Diese 
thig, daß wir die Perſon rennen, und die Naturen von — 
einander reiſſen, wenn wir die Gemeinſchafft dev Natu⸗ ren in 
ren und Eigenfchafften glauben, welche Neftorius ge⸗ ia 
leugnethat. Es begeugen diefe Einigung und Gemein⸗ | 
fchafft der Naturen und Eigenfchafften die Wunder: 
werde, und die GOtt⸗ —— Wercke/ (wenn 

man 





Zu „Die 


1158 BV.Th.3. C. 2. Von dem wunderlichen Geh. 
— —— — — —— ——— —— — — 


man alſo Teutſch redenEonte;) Es bezeugens Die leben⸗ 
digmachenden Worte, welche in menſchlicher Stim⸗ 
me ausgeſprochen worden, mit welchen Kranckheiten 
geheilet, Zeufel ausgetrieben, und Todte lebendig ger 
macht worden. Es bezeugets fein lebendigmachendes 
Sleifch, welches iſt das Brod des Lebens, das er für dag 
Leben der Welt zu geben in Gnaden verſprochen hat, 
Es begeugets die Abwaſchung und Reinigung von 
Suͤnden duch fein Blut. CE begengets Die Verſoͤh⸗ 
nung durch feinen Tod, die Heilung durch ſeine Wun⸗ 
den. Es bezeugets alle Gewalt im Himmel und auf Er⸗ 
den, welche ihm nach dem Fleiſch gegeben iſt. Es bezeu⸗ 
gets Die Gewalt über alle Creatuͤren über den Wind 
und dag Meer, uber Teufel ind Tod. Es bezeugens alle 
Schaͤtze der Weisheit, ſo in ihm verborgen feyn, Col. 
2.0.3. Es bezeugets das allgemeine Gerichte, wel⸗ 
ches ihm gegeben, weil er des Menfchen Sobn ift, 
Joh.5. v. 27. Es begeugets feine Verklaͤrung auf dem 
Berge, da an feinem heiligen Leibe die Ehre und Herr⸗ 
lichkeit der Goͤttlichen Majeſtaͤt ſich hat ſehen laſſen, als 
er dieſen Tempel, von GOtt gebauet, mit der Herrlich⸗ 
keit GOttes erfuͤllet, und die himmliſche umherleuch⸗ 
tende Freunde die gottsfuͤrchtigen Hertzen der Anweſen⸗ 
den gleich entzuͤndet hat; da die Stimme des Vaters 
aus einer hellen Wolcke erſchollen: Das iſt mein lieber 
Sohn! Moith. 17.0.5. Da der Sohnvom Vater 
Ehre und Herrlichkeit empfangen hat, ale des Vaters 
wuͤrckliches Zeugniß, durch Die Verklärung und Erſchei⸗ 
nungder Majeftat, Daß er ſey verordnet zu einer Perfon 
Des Mittler, und Durch die Ankündigung feines Amtes, 
welches. durch die Stimme des Vaters rarificiret und 
| beftatiget worden. —— 
EHrifier ¶ Es bezeugts der Stand der Erniedrigung oder 
ae Demuth, welchen ver Apoſtel befehreiber Ppil.2.0.8- 
" Denn woran bat er fich felbft geäuffert? Sreylich von 
dem Gebrauch der unendlichen empfangenen Gaben, - 
weche die Menſchheit E-Hrifti durch die perfünliche 
Dereinigung empfangen hat; Denn weil das Fleiſch 
i 





der Menfchwerdung JEſu Chriſti. 1159 


CHriſti der Gottheit perſoͤnlich iſt vereiniget, und mit 

der Gottheit eine Perſon worden, was ſolten es denn 

für Gaben ſeyn, Die es nicht empfangen hätte? War⸗ 

um folte es nicht unendliche, unermeßliche, und allen 

Ereaturen unausfprechliche Gaben in Diefer und jener 

ABelt haben, wie der Apoſtel bezeuget? Welcher Un⸗ 

nelichei oder Ohnmacht folte es unterrvorffen feyn? 
elcher Herrlichkeit folte das Fleifch nicht theilhaff⸗ 

tig feyn, welches der unendlichen Gottheit durd) Die 

Dereinigung beitbat ift? Aus welchem Funda⸗ 

ment und Grund der perfönlichen Vereinigung der 

Anoftel Paulus einen ſolchen Schluß macht und fpricht: 

Welcher, ob er wol in Göttlicher Gefkalt wer, us * 

hielt ers nicht für einen Raub, GOtt gleich ſeyn, Stige der 

fondern äufferte fich felbft. Darum ift es nöthig, ai 

Daß wir die Gradus und Unterſcheid dieler Erniedri- 8 

gung erwaͤgen. Fk di 

1. Er hat Änechts Geſtalt an fic) genommen,da I 
er war ein HErr der Ehren, Matth.20.0.28. Des Men⸗ 
ſchen Sohn ift nicht kommen, daß er ihm dienen 

aſſe, fondern daß er. uns diene. 

2. Die Knechte und Leibeigene müffen arbeiten: 
Da Her Chriſtus hat mit feiner Seelen und mit fei- 
nem Leibe die fehtwerefte Arbeit ausgeftanden., 

3. Ein Recht ift der Armuth unterworffen; Det 3° 
Herr EHriftus bat auch nicht ein Neftlein gebabt, 
da er ſein Haupt binlegete, Matth.8.0.20. EinKnecht 
muß Schläge und Wunden leiden: Der unfchuldige 
Herr Cehriſtus ift gefeblagen und verwunder wor= 
den um fremder Sünde willen. HT * 

4. Der Herr Cehriſtus iſt heßlicher worden, * 
denn andere Leute, und fein Anſehen, denn der 
Mienfchen - Binder; er ifE der Allerverachtefte 
und Unwertbefte worden, Seh 53.2. 3. da er doch 
der allerheiligfte und allerfchonfte Menſch iſt. 

5. Der Here EHriftus iſt ein Spott der Keute- 5 
worden, ‘Pf. 22.0. 7. da erdoch ift die Weisheit feines 


Vaters. a 
PR * DODdd d 4 6, De 





6. 


9 


10. 


CHriſti Er⸗ 
hoͤbung. 


i1s0B.V Thz.Ca. Von dem wunderlichen Geh. 


6. Der Herr EHriftus ift geläftert worden, daer 
doch der Unſchuldigſte und Gerechtefte ift, | 

7. Da HErr CHrftus if am Creutz ein Wurm 
worden, da er doc mit Ehren und Schmuck iſt ges 
crönet worden, Pſ. 22.0.7. C. 8.0, 6, 

8. Der HErr CHriſtus, als eram Holtz gehangen, 
iſt ein Siuch worden, Sal. 3. 9. 1 3, von welchen doch 
alle Volcker den Segen Khöpffen und empfangen, 

9. Der HErr CHriſtus iſt Troſt⸗ los gelaffen wor⸗ 
den„da.er doch mit Freuden⸗Oel geſalbet iſt Pl. 45: 
v, 8. 

10. Der HERR ChHriſtus ſtirbet in äufferfter 
Schmach und Gpott, da er dad) it der Blanız der 
Herrlichkeit des Daters, der Brunn und Stiffter des 
Lebens, das Zeben felbft, und des Licht der Mens 
chen, Hebr. 1.0, 3. Joh. 1.0.4. 

Diefe tieffe Gradus undUinterfcheib der Erniedrigung 
kan keines Menſchen Verſtand begreiffen, und machen 
dieſelben das Werck der Erloͤſung ſehr herrlich. 

Wir muͤſſen aber auch die Erhöhung des SErrn 
nach dem Fleiſch in gleicher Gottesfurcht be⸗ 
trachten: 

. Die Herrlichkeit und Ehre der perfönlichen Ver⸗ 
einfoung iſt ſo groß, daß ſie kein Menſch mit Gedancken 
erreichen fan: Er iſt die allerdurchlauchtigſte Perſon, 
in welcher alle guͤlle der Gottheit leibbafftig woh⸗ 
net, Cpl. 2.0: 9. 

2. Wie ein groſſe es Geheimniß iſt das, daß die 
menschliche Natye mit GOtt eine Perfon ift, und die 
andere Perſon ın der H. Drevfaltigkeit? 

3. Welch eine unausſprechliche Gewalt und Macht 
iſt das, daß der Het CHriſtus, nachdem, er den Tod 
überwunden, mit unbegreifflicher Majeftar zur Hoͤllen 
gefahren, Sn zerftöhret, und die Pforten der Höllen 
zerbrochen bat? 

4 Nie nortrefflich, hoch und groß iſt die Erhöhung 
und Verälätung, daß der HErr CHriftus, nachdem er 
von den Todten auferftanden, den Gieg —— F 


der Menſchwerdung JEſu Chriſti. 1161 


über die Sünde, Tod, Teufel und Holle, und hat den 
Sieg uns erworben und geſchencket zu einem unge 
zweifelten Zeugniß, daß er die gange Sunde abgethan, 
und den Teufel, welcher die Hischt und Gewalt 
des Todes hatte, überwinden: ja aud) den Tod 
in Sieg verfehlungen habe! Hebr. 2. v. 14. 1. Cor. 15. 


d, 54. 

5. Wie unausfprechlicd, groß. ift feine Erhöhung, 
daß er gen Himmel gefahren, ind triumphiret hat über 
feine Feinde, die er-gefangen geführet und erleget, und 
ihnen alle Macht und Gewalt ausgezogen hat! Eol.z: 
A 

6. Welch eine Majeſtaͤt iſt zu erfehen in feiner Erhoͤ⸗ 
bung, daß er figet zur Nechten GOttes des Vaters wel? 
che iſt eine Rechte der Krafft, nemlich eine Macht zu herr⸗ 
(ben) und eine Regierung uber alle Creaturen, unſicht⸗ 


5. 


6. 


arliche und a er bezeuget Ephet. 


v. 29. Der Dater bar Chrifftum von den Todten 
auferwecket, und gefegt zu feiner Rechten im 
Himmel über alle Sürftentbum, Bewalt, Mache, 
Aerrichafft, und alles, was genannt mag werden, 
nicht allein in diefer Welt, fondern auch in der zu⸗ 
Eünfftigen. Don welcher Hoheit überalleunfichtbare 
Eresturen der H. Apoftel Petrus 1. Ep. C. 3: 0.22: 


ſagt: Welcher iſt zur Rechten GOttes aufgefab= 


ren gen Himmel, und find ihn unterthan die En⸗ 
gel, die Gewaltigen und die Aräffte. Don den 
fihtbaren Creaturen begeuget der 8. Pſ. v. 7. und 
erklarets der Apoftel andie Hebr. 2.0.8. daß der Vater 
ihme alles unter die Fuͤſſe gethan babe, darum iſt 
nichts ausgenommen, das ihm nicht unterworf⸗ 
fen waͤre. Das ift der HErr, welcher im Himmel fer 
nen Stuhl feft gefegt bat, deffen Konigliche Gewalt fich 
über alle Creaturen erſtrecket; Das iſt der Herr über 
alle Herren, der alle feine Seinde zum Schemel feiner 

Süffe geleget bat, Pſ. 110.8, ı: 
7. Wie herrlich iſt die Erhoͤhung daß ihn der Vater 
gefezt bat zum Haupte über alles, und über die 
Dddd Bee 


7 
Eph 1.9.22, 
N 


1162 B.V.Ih.3.E.2. Don dem wunderlichen Geh. 


Gemeine, welche ift fein Zeib, der alles in allem 
erfülleer? Denn er herrfchet zur Mechten des Daters, 
daß er ift die Fuͤlle feines Leibes, daß er alles in feinen 
Glieder gegenwaͤrtig wuͤrcke, (mas zu dem geiſtlichen 
Leben, zur Seligkeit und ewigen Leben gehoͤret) nem: 
lich Glauben, Liebe, Hoffnung, Andacht, gottfelige 
Gedanken, Seuffgen, Demuth, Anruffung, Gedult, 
Staͤrcke, Furcht, Friede, Freude, Beftandigkeit, Sieg, 
Troſt, Licht, Weisheit, Lehre; welcher ift das Licht der 
Propheten, die Rede der Prediger, die Erleuchtigung 
der Lehrer, der Sieg der Apoftel, di? Crone der Martys 
ver. Diefes alles verrichtet er als das Haupt durch 
feinen Geift, und floͤſſet alle feine Fülle in feine Glieder 
durch feine heilige Salbung, ais der Dohepriefter,durch 
die geiſtliche Wuͤrckung, als unfer König, vom Pater. 
mi auf den heiligen Berg zu Sion, Pf. 2. 
verſ. 6. I 
8. Welch eine Herrlichkeit diefer Erhöhung ift, daß 
er feinen Heil: Geiſt über die Apofiel ausgegoffen hat? 
Denn et, nachdem er sur Rechten GOttes erhoͤhet 
ift, undempfangen bat die Verheiſſung des Aeili- 
gen Geiftes vom Dater, bat er ausgegoflen, das 
ihr ietzt hoͤret und ſehet, fpricht der. heil. Apoftel, 
Ap. Geſch. 2. v. 33. Ä a a 
. 9. Wie hoch iſt die Erhöhung, daß des Menfchen 
> Sohn gefegt iſt zur Nechten der Majeſtaͤt, und in den 
Thron der Herrlichkeit, und wird angebetet von den Eins 


geln, und von der Nitterfehafft der himmlifchen, irdi⸗ 


fchen und höllifchen: darum,daß ihm der Vater einen 


Namen gegeben hat, der über alle Namen ift, in wel⸗ 


dem alle Anie fich beugen muͤſſen, derer, die im 


Himmel, und auf Erden und unter der Erden ſind, 


und daß alle Zungen bekennen, daß JEſus CHri⸗ 


ffus der HErr ſey, zur Ehre GOttes des Vaters; 
wie Paulus ſchreibet Phil. 2. v. 9. Und darum hat der 


Apoſtel gehöret viel taufendinal taufend, welche mit . 


— — 


lauter Stimme geruffen: Das Lamm, das erwuͤr⸗ 
get iſt, iſt würdig zu nehmen KBrafft und a | 
; x ’ x J — t n F 


- 


der Menfehwerdung IEſu Chriſti. 1163 


thum, und Weisheit, und Staͤrcke, und Ehre 
Preiß und Lob! Und alle Creatur, die im Himmel 
ift, und auf Erden, und unter der Erden, und im Meer, 
und alles, was drinnen ift, hat er hoͤren alle fagen zu 
dem, der auf ven Stuhl gefeffen, und zu dem Lamm? 
2.ob und Ehr, und Preiß, und Gewalt von Ewig⸗ 
keit zu Ewigkeit! Offenb. 5. v. 12.13. 
10. Welch eine Gewalt und Macht iſt das, daß er 
der oberſte Praͤſident und Richter iſt an dem allgemei⸗ 
nen Gerichts⸗Tage; denn er iſt vom Vater verordnet 
und geſetzt ein Richter der Lebendigen und der Todten: 
Darum wird des Menſchen Sohn kommen, und ſitzen 
auf dem Stuhl der Herrlichkeit, Matth. 25.0.3 1. 
wird von iederman geſehen werden, in menſchlicher 
Geſtalt, ein Richter aller Menſchen, weil er des 
Menſchen Sohn iſtz und es werden ihn alle Augen 
feben und fehauen, in welchen fie geftochenbaben, 
Dffenb. ı. v. 7. | 
..ın. Welch eine Herrlichkeit ift es,daß er geſetzet iſt 
zu einen Herrn über Lebendige und Todte, welcher mit 
feiner Stimme die Todten auferwecken wird, und aus 
dem Grabe hervor ruffen, und die Seinen in einem Auz 
genblick verklaͤren? Wer diefen Glauben hat, der ift 
nicht mehr unterrvorffen der Sünde, dern Fluch, dem 
Zorn GOttes, dem Tode, dem Teufel und der Welt: 
Denn der HErr EHriftus ift von dem Vater gefandt, 
den Klenden zu predigen, den Gefangenen eine 
Krledigung, und den Bebundenen eine Oeffnung, 
Jeſ. 610 v. 1. Diefer Blaube überwinderdie Weit, 
1.30). 5.0.4. und tritt unter Die Fuͤſſe, was fich wider 
EHrijtum erhöhet, oder fich dem HErrn gleich machet, 
‚oder auffer EHrifto Heil fuchet, oder ſetzet ihme etwag 


zu,was zur Seligkeit gehoͤrig iſt; Denn es iſt in kei⸗ 
nem andern Heil, es ifE auch kein ander Zfame . 


den Mienfchen gegeben, darinnen wir felig werden 
follen, Ap. Gefch.4.0.12. Diefen allein hat der Vater 
gefendet, Diefen allein hat er gefalbet, Daß er fey ein Kor 


nig, das Haupt, und unfer Beil. Darum erfennet . 
| wahre 


N 


1% 


Il, 


1164 B.V. Th. 3. C. 3. Don dem Zeil. Geift, 


wahre Slaube Feinen andern Heyland, als den einge 
bohrnen Sohn GDttes, Zefum EHriftum, welcher 
uns gemacht ift von GOtt zur Weisheit, zur Ge⸗ 
rechtigteit,zur Aciligung und zur Erlöfung, 1. Cor. 
1.0.30, Darum ift. er allein unfer Heil, der wahre 
GOtt, und das ewige Leben. . i 

Das iftdie Herrlichkeit und Triumph unfers Glau⸗ 
bens. OJEſu, unfere Liebe, unfer Wunſch, Urfprung 
alles Öuten, "Brunn des Heils, Strom der Barmher⸗ 
gigkeit, Thron der Gnaden, unſere Zuflucht, unfer Licht, 
die Ruhe unſerer Seelen, unfere Seligkeit und unfer 
ewiges Leben! Kobet den HErrn alle feine Engel! 
Lober ibn alle fein Zeer, lober ihn Sonne und 
Mond, lobet ihn alle leuchtende Sterne, Pf. 148. 
v. 2.3. Kobet den Errn alle feine Heerſcharen, die 
ihr fein Wort ausrichtet. Koberden Errn alle 
feine Wercke, an allen Orten feiner Herrſchafft. 
Lobe den „ren auch meine Seele! Und aller Glaͤu⸗ 
bigen Seelen loben unfern HErrn IJEſum CHriſtum in 

alle Ewigkeit! Amen. Pf. 103.0.21. 22. 

| | Das I. Capitel. —* 
Von dem Heiligen Geiſt dem wahren 
GOtt,/ von ſeinen Gaben und Wohl⸗ 

... ‚thaten. 


— Er Heil, Geiſt iſt wahrer GOtt, die dritte Per⸗ 
ch fon in der heiligen Dreyeinigkeit, welcher vom 
fehreibung. > Pater und Sohnausgehet, und gefandt wird, 


der da giebt Zeugniß von dem Herten EHrifto, dem - 

Sohn GOttes, dem wahren Meßia, und rühmet ihn 

ni und erhebet und preifet feine Perfon und Wohl⸗ 
Per Der Heilige Geift ſammlet eine Gemeine unter - 
un · dem einigen Haupt EArifto, erneuert fie mit feinen - 
Gaben, theilet ihnen Troft mit aus dem Derdienft des 
HErrn EArifti, machet die Glieder des HErrn CHriſti 
febendig, jtarcket fie mit feiner Krafft, wiedergebiehret " 
fie, und beftatiget das geiftliche Dieich. Des re f 
RAN j“ | ri⸗ 


‚dem wahren GOtt. 11658 


EHrifti in den Hertzen der Gläubigen: Er erleuchtet 
das Gemüthe, reiniget die Hergen, und alles, was Der 
Herr EHriftus im Fleifch unferthalber verrichtet hat, 
das fehreibet er in unfere Hertzen, Damit es nicht auffer 
uns bleibe, was uns inwendig im Herken erfreuen und 
erquicken fol. 

Darum wird der Heilige Geiſt in unfere Lergen 3. 
ausgegoſſen, daß er in Diefelben gieſſen möge des Herrn Ausgick 
EHrifti Liebe, Verdienſt, Woblthaten und Leben, ""* 
Darum ifter Ceriſti Geift, aufdaß er alles, was CHrifi 
EHrifti ift, ung zu eigenmache. Darum iſt er des Da- Sk. 
ters Beift, daß er Zeugniß gebe unferm Geiſt, daß wir Vaters 
GOttes Kinder feyn, wegen des eingebohrnen Sohnes Geik- 
GOttes. Darum it er ein Geiſt der Bindfchafft, Seit ver 
ein Pfand und Mahlfchag der Kinder GOttes und feiz Kindſchaſt. 
ner Erben, und die Salbung, fd von oben herab aus dem 
Himmel. von E-Hrifto unferm Haupt gefandt iſt; welz 
cher alle Fülle des Geiſtes nach dem Fleiſch, von dem 
Pater empfangen hat, auf daß aus feiner Fülle die Glie⸗ 
der EHrifti theilhafftig wurden, nach eines isden Maaß, 
wie e8 der Heilige Seit, des HErrn CHriſti Haushal⸗ 
ter, difpenfiret und austbeilet. 

Dieſe Salbung iſt der Chriften gewiſſes Merckzeichen; denn 4. 
wer den Geiſt Chriſti nicht har, der ift nicht fein. Es find aber Der Chri⸗ 
die Gaben und Wohlthaten des Heil. Geiſtes mancherley: Erſt⸗ Ken Merck 
lich allgenieine Gaben: Denn er iſt ein Geiſt des Glaubens, der deichen. 
Weisheit, des Verſtandes, des Raths, der Erfänntnif,der Stär- SAN 
de, der Krafft, der Furcht GOttes der Liebe, der Hoffnung, der meine er 
Gottesfurcht, der Sanfftmurh, der Demuth, der Keufchheit,der ben, 
Gedult, ver Heiligung, ber Gnade und des Gebets, durch wel- 
chen wirruffen: Abba, lieber Barer! Welcher aufpilfft unferer 

Schwachheit ung mit unaufoorlichem Seuffzen verbitter. Er 
ift ein Geift der Wahrheit, der Beſtaͤndigkeit, des Troftes: Erift 
ein Icbendiger und getreuer Zeuge JEſu EHrifti, ein Schatzmei⸗ 
fler der Reichthuͤmer Chriſti, ein Erneurer deg Ebenbildes GOt⸗ 

tes, als durch ven Finger GOttes: Er iſt auch der Schlüffel und 
Ausleger der H. Schrifft und der Gottlichen Geheimniffe,er ver, 
geriffert ung, daß GOtt wohne und bleibe in unfern Hergen. 

Es ift aber auch nochig und nüglich, daß wir diefe Wuͤrckun⸗ 5. 
gen und Bewegungen des H. Geiftes mit ınnerlichen Gedancken Was derH, 
bes Hertzens wohl erwegen: Denn er widerftehet den fleifchlichen Gift in den 
Begierden ſo bald er fi in uns reget. Er ſtrafet alles, mas 9 ET 

" ich würdet, 


1166 3,V.Th.3.€.3. Von dem Heil. Geiſt, 


lich und fleiſchlich iſt und erwecket einen Eckel und Grauen vor 
derfelben Eitelkeit. Er wuͤrcket auch eine heimliche, iedoch ſelige 
Traurigkeit, wegen der begangeuen Sünden. Er benimmt ins 
fonderheit alles Vertrauen und Ruhm der eigenen Werde,und 
legets alles auf unfern einigen Heiland und Seligmader. Er loͤ⸗ 
ſchet aug die unordentliche Liebe, da man die Weltund fich ſelbſt 
lieber. Er drücker zu Boden die Hoffart, und macht ung einge⸗ 
denck unfrereigenen Schwachheit, und giebt nicht leichtlich zu, 
daß wir die Schwachheit unfers Nächten faͤlſchlich richten und 
übelauslegen. Erfeuffzet unaufhorlich in ung,u fehnet fich nach 
dem Himmliſchen und Gottlichen, und verneuert ung immerdar 
zur Öleichförmigfeit des Ebenbildeg unfers HErrn JEfu CHri⸗ 
ſti. Denn zu gleicher maffen wie die Seele ift dag Leben des Lei⸗ 
bes: Alſo iſt der Heil. Geift das Leben unfrer Seelen. Dis ſind 
gemeine Gaben und Wercke des Heil. Geiſtes in den Hergen der 
Gläubigen, welche er ohne Ünfehen der Perfonen mittpeilet den 
Gläubigen nach feinem Gefallen. we 
6. Die fonderlichen Gaben aber beſchreibet der Apoftel Paulus 
Des Heil. T- Cor. 12. v. 8. ſqq. Welche er nennet die Austheilung der Gna⸗ 
Beißes den⸗Gaben und Wuͤrckungen; desgleichen die Offenbarung des 
fonderliche Geiſtes, welche geſchicht durch ſonderliche Krafft des Geiſtes, als 
Baden. da find: Die Prophetiſchen Gaben, die verborgene Weisheit, 
die lebendige Wohlredenheit, die Gaben der mancherley Spra⸗ 
chen, die Prüfung. der Geiſter, die Würckung der fonderlichen 
Helden⸗Tugenden, des Wunder-Ölaubeng, die Gabe der Ger 
fundmachung. Und diefen Unterfcheid hat der Apoftelgemacht, 
da er fpricht, 1. Cor. 12.0. 28.fqg. Eph. 4. v. I1. Erhat in der 
Gemeine etliche erftlich zu Apofteln gefeet, zum audern etliche 
zu Propheten, zum dritten etliche zu Evangeliften zuHirten und 
Lehrern. Darnach gedencket er, wie der Heilige Geift gebe und 
austheile Krafft der Geſundmachung, Hälfe,mancherlen Spra⸗ 
chen Auslegung der Sprachen. Sind ſie alle Propheten? Sind 
fie alle Lehrer? Sind es eitel Kraͤffte? Haben fie alle di Gnade 
Krancken zu heilen? Reden fie alle mit Zungen? Legen fie alle 
die Schrifft aus? Und ein ieder trachte nach den befien Gaben. 
RER Das find aber die beften Gaben, wenn der Heil. Geift die ſuͤſſe 
Die beſten Liebe CHriſti, und die geiftliche Freude in die Hergen der Glaͤu⸗ 
Daben des bigen ausgeuſſet, lebendigen und kraͤfftigen Troſt drein ſencket, 
H. Geiſtes. einen Schmack der Goͤttl Suͤßigkeit giebt, machet, daß wir das 
Wort , welches GOtt zu unſern Hertzen redet, innerlich faſſen und 
begreiffen fönnen ; davon der Prophet Jeſaias am 55,.€. 0.2. 
„lage: Hoͤret mir doch zu, und effet dag Gute, fo wirdeure Geele 
in Woluft fett werden, dagift, in Uberfluß des Troftes. Das iſt 
die Lebendigmachung der zerfnirfchten und demüchigen Nergen, 
welche gefihicht durch den Geift, der da ausgehet von GOttes 
Angeficht, und Odem machet. Ich mache einen-folchen Rus Rt 
x m 


Jeſ. 55. v. 


dem wahren GOtt. 1167 


mit ihnen, fpricht der HErm Mein Geift, der ben dir ift, und 
mein Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, follen von 
deinem Munde nicht weichen, noch von dem Munde deines 
Sagmens und Kindes; Kind, Fef 59. v. 0 
un ift noch) übrig und hinferfiellig, daß mir den Lehrer ver 8. 
Wahrheit, den Heil Geiſt, recht erkennen, und feine innerliche Die inner⸗ 
Lehre vernehmen derergundament und Grund iſt die Salbang, liche Lehre 
die ung alles Ichret, 1.Joh.2 v. 2o: Dieſe begreifft die innerliche einen, 
Erleuchtung des Zeugniſſes, welches der Heil. Geiſt unſerm Geiſt Sp. 
giebt, daß wir GOttes Kinder ſeyn. Inſonderheit aber giebt er v. 20. 
ung vor zu betrachten die groſſe Liebe des HErrn Chriſti, und die 
Groͤſſe feines Verdienſtes Er beſtaͤtiget auch den wunderlichen 
und beftändigen Rathſchluß unſerer Wahl, welche in Chriſto ges 
ſchehen durch das Pfand und Mahlſchatz des Geiſtes GOttes und 
ChHriſti. Er fuͤhret und auch aus, dag wir beſchauen ſollen die 
erſchaffene Creaturen, daß mir anfehen ſollen die dienſtbare Bes 
ftallung der H.Engel und himmliſchen Wachter,daß wir betrach⸗ 
ten follen die wunderliche Weisheit feiner Berfehung, daß wir 
erwägen follen die Schönheit des Goͤttlichen Ehenbild:g, daß 
wir die Häßlichfeit der Sünden beweinen, die Schwachheit uns 
ſerer menfchlichen Kräffte erkennen, die feharffe Anklage des 
Geſetzes ung zu Gemüthe führen, die Evangelifchen Gnaden⸗ 
Verheiſſungen feftiglich glauben,dievollfommene Önugthuung 
für unfere Sünde wohlbehergigen follen. Er treibet uns an zur Voch andes 
Ubung der Buffe, zur Betrachtung der bollfommenendiechtfertis tg Wir: $ 
gung in CHrifto. Er beweget uns zur Freywilligkeit der guten 9 beine 
Wercke zurBetrachtung des Gnaden⸗Bunds welcher mit ungin “ \ 
ber Tauffeift aufgerichtet, Er nöthiget und beruffet ung zu der 
alterfüffeften und lebendigmachenden Speife des Abendmahls 
des HEren, zur lieblichen Gemeinfchaffe der Kirchen, zum ſuͤſſen 
Giefpräch des Gebets und der Dancdfagung, zur Erkaͤuntniß der 
unermeßlichen Gnade GOttes, zur Erfänntniß und Verleug⸗ 
nung unfer felber. Er erwecket den Kampff zwifchen dem Steifch 
und Geift. Er machet,daß mir bemweinen unfre Schwachheit und 
dag Eiend des menfchlichen Lebens. Er erwecket die Demuth und 
Armuth deseijteg,er erhält dieLiebe er vermehretden Glauben, 
er ſtaͤrcket die Hoffnung,er giebtKrafft det Gedult er unterſtuͤtzet 
die Staͤrcke, zu tragen die Laſt des Creußeg, ex ſtoͤſſet die Anfech⸗ 
tung um, er reiniget die Hergen,er vereiniget mit CHriſto, er vers 
neuert das Ebenbild GOttes, er wiedergebieret unfer Herg und 
Sinne, er erwecket neue Bemegungen, Ergeuffetin das Hettz ein 
fehnlichesBerlangen und Sreude nad) dem ewigen feben,er vers 
huͤtet den Betrug u. Lift des Teufels, er zwinget dasSleifch,er trd> 
ſtet die Betruͤbten er mäßiget dis Trauzigfeit,er lindert dasCreutz, 
er — die Schmertzen, erweichet das Hertz / er lehret die Eitelkeit 
der Welt verachten er eignet ung zu die Gnade GOttes er gibt ei⸗ 
Wi nen 


u 


1168 B. V. Th. 3. C. 3. Von dem 5. Beift,demzc, 


— — — nme ge ul Rp Een 
nenSchmack des ewigen Lebens, er iſt ein gewiſſer und ungeſchie⸗ 
dener Gleits mann in das himmliſche Vaterland: Damit wir 
nun diefe Lehre mit der That und im Werck befinden mdgen, fo 

fchaffet der Heil. Geift eine guͤtige Einwilligung und Beypflich⸗ 
tung des Willeng, ein andaͤchtiges Hertz, welches fih Gtt ers 
giebt, und allein in GOtt und in dem Herrn EHrifto beruhet. 


Die rechten Das aber find rechte GOttes⸗Gelehrte, welche empfannen haben 


GOttes⸗ 


die Salbung, welche alles lehret. Darum beduͤrffen ſie keines 


Gelehtien. Difzutirens; denn fie befisen dag Weſen der Wahrheit, und” 


verſtehen, was der Geligmacher fpricht Matth. 23.0.8. Finer 
ift euer Meiſter. Denn fie ſchoͤpffen vom vem HEren ne 
allein, als aus dem Brunnen und Haupr aller Goͤttlichen Fülle, 
Gaben, Rräffte, lebendige Lehre, wahre Erleuchtigung, Troſt, 


Schule des Beitändigfeit, Freude, und alle geiftliche Reichthuͤner. Diefe 
H · Geiſtes. Schule des Heil.Geiftes hecket feine falſche Lehre aus, fondern 


Mas darı 
aus kommt, 


- fieblichfte Lebendigmacher, der weiſeſte Kegierer unfers Lebeng, 
Ebenbildes, unfer gemiffer Mahlſchatz und Dfand,unfer freunds 


gebieret einen geiftlichen Leib, (deffen Haupt der HErr CHriſtus 
allein ift) eine einige Braut und lieben Bublen, welcher auß - 
CHriſto und feinem Geiſt wiedergebohren ift, mit der Gerechtigs 
feit und Heiligfeit CHriſti gezieret, mit lebendiger Lehre und 
beilfamer Weisheit, Durch den Geift CHrifti unterrichtet, einen 

ungezmeifelten Erben des ewigen Lebens. Aus dieſer Schule 
fommt Heiligkeit dee Lebens, Wercke, die da GOtt lieb, und | 





dem Nächften heilfam find, weiche vergeblich von ven Menfchen, 
die da mit diefer lebendigmachenden Erkaͤnntniß nicht begabet 
find, erzwungen werden. Nemlich gute füffe Früchte von den 
Wald⸗Baͤumen, die noch nie neu gepfropffet, und zahm worden 
find. GoOtt dem Heil. Geift, weicher iſt uuſe befter Tröfter, der, 





der neue Erleuchter, der Fünftliche Baumeifter des Goͤttlichen 
licher Wiedergebährer, unfer treuer Lehrer der Wahrheit, unfer 
allerheiligfter Vorbitter, unſer füffefter Trofter,unfer frepgebiger 
Coliator und Geber der himmliſchen Gaben, unfer allerfüfjes 


ſter Seelen-Gaft; dem fen Preiß, Lob und Ehre 
in alle Ewigkeit! Ahnen. 


Summa DEO ſoli gloria, laus 
& honor! 


Dem groffen GOTT allein 
Soll alle Ehre ſeyn! 


BE) 06 Si 
Das 





—JJUU 


.Me 1 u Plerb.ach mach di nicht = 
j” 4 —— 


auc er WeR BE, Ei; 
Srehilures ft dir No 

rumb dencke,was dirfehlt 
bricht Maria hat 


Theil erwehlt 




















erklärung bes Bildes zum fechfken Buche. 


Hr find abermal zwey Jungfern, da in der erften 
ihrem Hertzen abgebildet iſt die gefchafftige 
Martha, welche in ihrem Hauſe und in der Kuͤche 
ſich viel zu ſchaffen machte. In der andern Jung⸗ 
fer Hertzen iſt zu ſehen ihre Schweſter, die gottſelige 
Maria, welche dem HErrn JEſu zum Fuͤſſen ſaß, 
feiner ‘Predigt andaͤchtig zuhoͤrete, nd alſo den be 
ſten Theil erwaͤhlete. Die ganse Geſchicht ift zu * 
finden Luc. 10.0. 38. fegg. Damit wird angedeu 
tet, daß Chriſten fih ohne Noth in der Welt nicht 
follen viel zu fehaffen machen, als wodurch fie gar 
leicht mit ihrem Hergen von GOtt ab⸗ und zur Welt 
hingeführet werden Fonnen, fondern daß fie vielmehr 





follen bedencfen und eriwagen das rechte Zins, das 


ibnen noth ift, und mit Maria den beffen Theil, 
nemlih IEſum mit feinem Wort zu ihrer Seelen 
Beſten erwaͤhlen, und ihm mit beftandiger Liebe 
anbangen, | 


Das 


Sehe Bud 


Wahren Vhri— 
ſtenthum;— 


Darinnen 
L Die Wiederholung und Verant⸗ 
wortung der Lehre vom wahren 
Chriſtenthum: 
Il. Zwey Send⸗Schreiben an gute 


Freunde, die Buͤcher des wahren 
— betreffend; 


III. Bedenden her TAauLerr 
Zeutfche Theologie, 1mA8 dero Kern 
oder Inhalt, und wie hoc, ſolches 
Buͤchlein zu halten; 





Durch 
* JOHANNEM ARNDT, 
weyland General· Superintendenten 
des Fuͤrſtenthums Luͤneburg ic, 


Im Jahr Criſti 1741. 


Denen 


Ehrenveſten, Hochachtbaren 
and Hochweiſen 


Herren Buͤrgermeiſtern, 
Rath a ‚Shoppen 


Loͤblichen —— Stadt 


Dantzig, 


Deinen großguͤnſtigen und ſonders geehrten 


Herren und Freunden. 


MMbeöeichwie der heilige Apoſtel Paulus 
an die Coloſſ am dritten, ve8. ſeqq. 
a und fonft an vielen andern Oertern 
ea die Släubigen ermabnet, alle Un⸗ 
| 7 tugend und Bosheit abzulegen, 
und den alten Menſchen mit ſeinen 

Wercken auszuziehen, und den neuen anzuziehen, 
der verneuert wird zu dem Erkaͤnntniß, nach dem 
Ebenbild deß der ihn geſchaffen hat; da nicht iſt 





Srieche oder Zude, x. das ilt,da GOTT feine ‚ 
u anfieher, und niemand einen Vorzug hat, 
ndern alles und inallen CHriſtus: Alfo gebühe‘ 


ver auch gottesfuͤrchtigen Lehrern der Kirchen, nadya 


dem das Erkaͤnntniß EHrifti durch den Glauben‘ | 


gepflantzet iſt, und das Fundament gelegt, (dag. 
nemlich 


| 


| 


Zufehrifft. EL 
nemlich in CHriſto JESU allein unfere Gerech⸗ 
tigkeit und Seligkeit befiche ) daß auf dis Funda⸗ 
ment auch die Gottſeligkeit erbauet werde, welches 
St. Paulus an ermeldtem Orte nennet anziehen 
hertzliches Erbarmen, Sreundlidreit, Demuth, 
Sanfftmuth, Gedult: Liber alles aber anziehen 
Die Liebe, die da iſt das Bandder Vollkommenheit; 
Lind daß der Friede GOttes in unfern Hergen regie⸗ 
ven ſolle. Daſſelbe aber komme nicht her aus eines 
Menſchen eigenem Vermoͤgen, Wuͤrdigkeit oder 
Anſehen, ſondern es fen alles und in allem Chriſtus, 
der ſolch Vermögen gebe der in allen ſolches wuͤrcke, 
thue und verrichte, als das Haupt in feinen Glie— 
dern und Werckzeugen. Und dazu ſey niemand 
unter den Chriſten zu hoch, zu heilig, zu anſehnlich; 
denn ſo er nicht werde CHriſtum in ihm alles ſeyn 
und wuͤrcken laſſen, fo ſey er untuͤchtig und repro- 
bus, wie er 2, Cor. iz, v.5. ſaget. Darum auch St, 
Paulus ſich felbft zum Exempel vorfieller, Phil. 3, 
12. und ſpricht: Nicht dag ich es ſchon ergriffen 
‚habe, oder ſchon vollkommen ſey; ich jage ihm aber 
nah, ob ichs ergreiffen moͤchte, nachdem ich vo! 
ChHriſto IESUergriffen bin, MeineBrüder, i 
ſchaͤtze mich ſelbſt noch nicht, daß ichs ergriffen habe: 
Eins aber ſage ich: Ich vergeſſe was dahinten iſt, und 
ſtrecke mich nach dem, das da vorne iſt: Und jage nach 
dem vorgeſteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches 
vorbildet die himmliſche Beruffung GOttes in ChHri⸗ 
ſto JEſu: Welches alles erſtlich von dem wahren 
Erkaͤnntniß Chriſti im Glauben zu verſtehen iſt, daß 
wir die groſſe Gnade unſerer Gerechtigkeit und Se⸗ 
ligkeit in CHriſto mögen recht erkennen (denn das 
ciſſet von CHriſto recht ergriffen feyn,) und daß wir 
n ſolchem —— immer moͤgen voͤlliger wer⸗ 













62 den. 


1172 Zuſchrifft. 


den. Darnach / daß wir auch in dem Lauff des Chriſtli⸗ 
chen Lebens und der Gottſeligkeit moͤgen taͤglich zu⸗ 
nehmen, und unſers himmliſchen Beruffs wahrneh⸗ 
men, daß uns CHriſtus unſer HERR erlöfer hat 
von aller Ungerechtigkeit, und ihm ſelbſt gereiniget 
har ein Volck zum Eigenthum, ‚das fleißig wäre zu 
guten Wercken. Solches alles aber muß der Herr 
ChHriſtus in feinen Glaͤubigen würden, wie St. 
Paulus ſpricht: Alles, und in allen Chriſtus; 
anzudeuten, daß die Gläubigen allein des HErrn 
Chriſti Werckſtatt ſeyn: _ Denn in den Unglaͤu⸗ 
bigen würdet er nicht. Derfelben Würdungen 
des HErrn EHrifti in den Glaͤubigen find nun 
mancherley, ſo beyde die Geheimniß des Glaubens, 
ewigen Kebens, und die Gottſeligkeit betreffen, wie 
folcheg die Erempel der Heil. Schrift und anderer 
Gottfuͤrchtigen Lehrer bezeugen, Es werden aber 
auch folche Operationes CHriſti und des Geiſtes 
CHriſti von unferm eigenen Sleifh und Blut, vom 
Satan und von der Welt oft handlich verhindert, 
und wenn man fid) denfelben nicht ernſtlich widerfes 
get dur GOttes Gnade, Fan das Goͤttliche Licht 
nicht einleuchten, und der Menſch in Chriſto nicht 
wachen und zunehmen. 3 
Solches habe id nad) Vermögen in meinem‘ 
Buͤchlein vom wahren Chriftenthum tractiret und‘ 
gehandelt, iſt aber von Unverfländigen übel aus— 
gelegt, und mit ſchweren unverantwortliden Inju- 
rien pregraviret, die ih GOTT dem Herrn zu 
richten befehle: Mir aber und allen wahren Gläus 
bigen ift von GOTT gegeben, nicht allein an CHri⸗ 
ſtum zu glauben, fondern aud) um feinet willen zu 
leiden. Habe demnach ſolch Buͤchlein recapituliren 
und verantworten muͤſſen: und bin Bro. 
| o 











| 
. 
i 
B 


Zufebeiff.. 2.1173 


folhes die unfehlbare Wahrheit und das: rechte 
wahre lebendige Chriſtenthum iſt. Wer nun dem⸗ 
ſelben widerſtrebet, und der Wahrheit nicht gehor⸗ 
chen will, der fahre hin, und brauche des Satans 
Handwerck, das Calumniren, fo lange, bis er ſei⸗ 
nen Lohn empfaͤhet. E. E. und Herrl. aber habe 
id) dieſes Büchlein zufchreiben wollen, weil derofel- 
ben Glaube und Liebe zu GOttes Wort, und wahre 
Gottſeligkeit von vielen gerühmer wird: Auch 
vernommen, daß in derofelben Löblichen und weit 
berühmten Stadt viel fromme und Bottsfürdtige 
Ehriftenfeyn, fo die Wahrheit und, Hortfeligfeit 
fießhaben ‚welchen i von Hergen wuͤnſche, daß fie 
neben E. E. und Herrl, mögen im Glauben und 
in der Liebe zunehmen, daß fie lauter und unan⸗ 
fößig feyn bis auf den Tag EHrifti, erfüller mit 
Fruͤchten ber Gerechtigkeit, die durd, SESUM 
CHriſtum gefchehen in ihnen, zur Ehre und Lobe 
GoOttes: E.E. und Herrl. dem gnädigen allmach⸗ 
tigen Schug GOttes/ zu gluͤcklicher Regierung und 
guten, friedlichen, loͤblichen Wohlſtande treulich 
empfehlen. Geſchrieben zu Zell im Hertzogthum 
Luͤneburg, am io. Junii, 1620, 


E. E. und Herrl. 


Freund⸗ und Dienſtw. 
Johann Arndt, 
der Kirchen im Fuͤrſtenthum 


Luͤneburg General-Superin- 
tendens. 


Eee e 3 Vor⸗ 





2 cl o-) 3# 





WVorrede 
An den Chriſtlichen Leſer. 


WAchdem, freundlicher lieber Leſer, nun 
— in die hundert Jahr unſer heiliger 
SM Chriſtlicher Glaube, und die reine 
Evangeliſche Lehre, nad) der Richt⸗ 
=” Vo (dur des heiligen Goͤttlichen Worts 
erlautert, gereiniget, und gnugſam erklaͤret, auch 
durch die beyden oͤffentlichen herrlichen und loͤblichen 
Bekaͤnntniſſe der Augſpurgiſchen Confeflion und 
Formule Concordie von vielen Irrthuͤmern geſau⸗ 
bert iſt, zu welchen ich mich auch iederzeit bekannt 
habe, und noch bekenne; und aber dabey oft befla- 
get babe das gortlofe Leben der iegigen Welt, bey 
welchem der Chriſtliche Glaube nicht befichen fan: 
Als habe ich vor etlichen Jahren vier Bücher vom 
wahren Chriſtenthum gefhrieben, in welden ich 
das innerliche und auch das Aufferliche Chriſtliche 
Leben abgemahler habe. Denn obwol das vor⸗ 
nehmfte Stück des wahren Chriſtenthums iſt die 
reine Lehre, ſo Habe ich doch diefelbe nicht principa- 
lirer tractiren wollen, wie ſolches reichlich und zum 
Uberfluß durch andere gefcheben, und noch täglich 
geſchicht; fondern ic habe nur das Chriſtliche Leben 
vorgenommen, Dieweil aber daffelbe von innen 
aus dem Hertzen liefen muß, fo habe ich nothwen⸗ 
dig das boͤſe Herk angreifen, und berichten müfß 
ſen, wie daſſelbe erkannt und geändert werden muͤſſe, 
auf daß aus dem guten Schatz des Hergens etwas 
Gutes möge hervor gebracht werden. Das haden? 
erlihe unrecht aufgenommen, ald wenn Die Juftifi- 
cation darauf gebauet ware, 2) Weil wir . | 
u 






Vorrede an den Kefer. 1175 


Guts thun fonnin,.eswirdese m GOTT inung, 
wie St. Daulus ſagt: Daß wir etwas tügen,dag 
ift von GOTT; find erlihe auf die einwohnende 
angefangene ‚Gerechtigkeit gefallen , als wäre 
Chriſti Verdienſt nicht gnug zu unſrer Gerechtigkeit. 
3)Weil geſagt iſt, CHriſtus muͤſſe in uns leben, wie 
Sanct Paulus ſpricht; Sind etliche auf die wes 
ſentliche Gerechtigkeit GOTTES in ung gefallen. 
4) Weil GOtt im Menſchen müfe feine Wohnung 
haben, und ihn bewegen, find etliche auf Enthuſia⸗ 
fteren gefallen. 5) Beil die Nachfolge des Heil, Les 
bens EHrifti iſt erfordert worden, find etliche auf die 
Vollkommenheit gefallen. 6) Weil diefe Büchlein 
nie den Unglaͤubigen, fondern den Gläubigen ges 
ſchrieben find, haben ihnen etliche eingebildet, als 
würden die Mittel verworffen. 7) Weil die neue 
Geburt, und der intvendige neue geiftlihe Menſch 
dem alten Menſchen muß entgegen gefeget werden, 
haben etliche eitel Geift wollen daraus machen, wie , 
vorzeiten etliche Schwaͤrmer gethan; und was der 

unartigen Calumnien mehr ſeyn. | 
Dawider habe ih mic nothwendig erklären, 
und beweifen muͤſſen, daß, obwol dieſe Puncte alle, 
und noch viel mehr zu einem Chriſtlichen Leben ge- 
hören, ſo muͤſſe man doch dieſelbe recht verſtehen 
und unterſcheiden. Zu dem Ende habe ich zwey 
Buͤchlein geſchrieben, unter welchen das erſte iſt 
das Lehr⸗ und Troſt⸗Buͤchlein vom Glauben und 
heiligen Leben, in welchem ic) die Linvoll£ommens 
heit des Ehrifttichen Lebens, den neuen Menfiben, 
des neuen Menſchen geiſtliche Speiſe, den Glauben, 
Vergebung der Sunden, die Gerechtigkeit vor 
GOTT, und deroſelben Frühe, das Gebet, die Ver⸗ 
einigung mit GOCT, das Geheimniß der Heiligen 
Eee e 4 Drey⸗ 





1176 Porrede an den Lefer. 


Dreyeinigkeit, und derofelben Gnaden⸗Wuͤrckun⸗ 
gen in den Gläubigen, habe beſchrieben. 

In diefem andern Büdjlein aber habe ich noth⸗ 
wendig eine gange Recapitulation der Buͤcher vom 
wahren Chriſtenthum machen, und die Nothwen⸗ 
digkeit derfelben Lehre beweifen, confrmiren und von 
den Calumnien vindiciren muͤſſen. Wolleſt biemit, 
guthergiger Leſer, vorlieb nehmen, und dich nicht 
lafien irre madıen: Der HERR aller Hertzen 

Kimdiger wirdeinen ieden nach ſeinem Hergen 

richten und vergelten, 


Das erfte Buch 
Dom. wahren Chriſtenthum 
FJohann Arndt, 


| Carur I 
GOTTES Bilde, 

As Fundament und Grund des wahren Chris 
\ ftenthume ift das wahre Krfänntniß unfers 
J 2Errn Ef Chrifti nach feiner heiligen 
Perſon und Mittier Amt, in welchem er uns 
von BOTT gemacht ift zur Weisheit, zur 

© Gerechtigkeit, zur Zeiligung und zur Erlös 
fung, 1. Cor. 1,0. 30. Auſſer dieſem Grund Ean kein ander 
Grund der Seligkeit geleget werden, Cap. 3, d» rı. Darum 
ift uns EHriftus in dem heiligen Wort GOttes klaͤrlich offen» 
bahret, daß wir ihn als in einem Elaren Spiegel und hellen 
Licht fehen und hören Fönnen, und ihn durch GOttes Gnade 
und Geift (fo allegeit bey dem Wort GDttes feyn) durch den 
Slauben ergreifen, und in unfer Here faffen koͤnnen. Alſo 
muß ein wahrer Ehrift feinen Herren IEſum E-Hriftum alles 
zeit in feinem Hertzen haben, und behalten mit allen feinen 
MWohlihaten, fo hat und behält er auch den Vater und den 
Heiligen Geiſt; Und alfo koͤmmt die heilige —— 

durchs 





Buch VI. REPETITIO APOLOGETICA. 177 


durchs Wort GOttes zu uns, und madyer Wohnung bey uns, 
Und alſo wird der Menſch wiederum GOttes Bild , denn 
wir wiffen den Rathſchlag der Heil. Dreyeinigkeit über die Er⸗ 
ſchaffung des Menfchen : Laſſet uns Menſchen machen, ein 
Bild das ums gleich fep, 1. B.Mof.ı.v.29. Was nun 
daffelbe Bild für ein herrlicher Ornat und heiliger Schmuck 
muß gemefen feyn, für eine hohe Weisheit, Gerechtigkeitund 
Heiligkeitift nicht auszudencken. Bas auch GOTT der Als 
mächtige für Luft und Freude, Wohlgefallen und Lieblichkeit 
an den Menſchen muß gehabt haben, ift wohl abzunehmen aus 
dem Spruch, Sprüchw. Salom. 8:0. 31. Meine Luft oder 
LieblichEeit ifE bep den Mienfeben-Rindern, Wie gerne wols 
te aber GOtt der Herr den Menfchen zu folcher Heiligkeit wies 
derbringen ? wie hat er feines einigen Sohnes darum nicht vers 
fehonet ? Wie freundlich fpricht er unferer Seelen zu in feinem 
Wort, Denn durch daffelbe fein Wort handelt er vornemlich 
mit unfrer Seelen, auf daß ex fich felbit durchs ABort unferm 
Hertzen und Seelen infinuire, wie von dem Heiligen Geift ges . 
fchrieben ftehet, Weish. 7.9.27. daßer fich vornemlic) in die 
beiligen Seelen gebe, und mache Dropbeten und GOttes 
Sreunde, Darum der 27. Pſalm lehrer, daß der HErr ſelber 
unfer Licht und Heyl, und unfers Lebens Krafft ſey, und ift 
nichts gemeimers im Wort GOttes. 


Hier fan wiederholet werden dag Gebet, fo vorn im 1. Buch beym * 
Kapitel ſtehet. ti, 


NB, Eben diefes Fan der Ehriftliche Lefer auch in den folgenden Capi⸗ 
teln thun, daß er ben einem ieglichen Capitel das Gebet wiederho⸗ 
let, welches im 1. Buch bey ieglichem Eapitel zu finden. 


| Carur Il 
| Abfall. 

St böfe Feind aber, der Satan, hat aus Neid und Feind» 
fchafft fich an den Menfchen gemachet, und fich unterftan» 

den, denfelben von GOtt abzumenden, und hat erftlich des 
Menſchen Hertz undSeele angegriffen,und fo lange an derfels 
ben mit Lügen, Lift und Betrug handthieret, daß er ihr GOttes 
Wort, den Glauben, die Liebe und Behorfam GOttes qus dem 
Hertzen geriffen, fie beraubt des fehönen Bildes GOttes, das 
Hertze, Seele und Gewiſſen vergiftet mit aller teufelifchen Un» 
Eeee7 art, 


1178 Sub VL. REPETITIO 


art, fo liſtig verborgen, fo tieff, fo abgründlich, daß die Schrift 
nicht genugfam darüber Elagen fan. Gintemahl die gange 
menfchliche Natur fo fehr verderbet, daß fie GOtt dem HErrn 
geiftlich abgeftorben, und vor GOtt geifilich todt ift, nad) dem 
geftrengen und eiferigen Urtbeil GOttes: Welches Tages du 
von dem Baum des Erkaͤnntniß Gutes und Boͤſes eſſen 
wirft, fole du des Todes fkerben! 1.3.Mof, 2.0, 17. 
Cırur Il 
5 Carifkus. _ | 
rauf ift alſobald das heilige göttliche Wort offenbaret, 
durch GOtt den HErrn felbft, von der Wiederbringung 
des gefallenen, verlohrnen und geiftlich » geftorbenen Menfchen : 
welches Wort GOttes vornemlich gerichtet ift auf des Mens 
fchen Hertz und Seele, und weildiefelbe von GOtt abgeroichen, 
rieff fie GOtt der HErr wieder zu fich, und durch fein Wort 
erweckete GOtt dar HErr den Glauben im Hertzen der gefalles 
nen Menſchen an den verheiffenen Weibes-Saamen, welcher 
der Schlangen folte den Bopff zertreten, 1. B. Mof. 3. 0.15. 
Dabin gehet die ganke Heil, Schrift ,nemlich auf des Wiens 
ſchen Herb, Gewiſſen, Seele und Gemuͤth, auf daß fie CHri⸗ 
ſtum ins Herb bringe und einpflange durch den Glauben. Da⸗ 
her iſt kommen die mancherley Art zu reden vom Glauben, von 
Des Glaubens Wuͤrckung, fo voraemlich in des Menfchen Ders, 
. J ſeinen Sitz, ſeine Wurtzel, ſeine Krafft und 
eben hat. 

Darum legen wir allhier bald anfaͤnglich den Grund unſerer 
Seligkeit in das Wort der Gnaden GOttes, und der Verheiſ⸗ 
ſung von CHriſto IEſu unſerm Herrn, welcher im Wort der 
Gnaden im Hertzen, in unſerer See, im Geiſt muß ergriffen 
merden, a) Iſt demnach der Glaube nicht ein Menſchen⸗ 


Werck, fondern ein Werck GOttes, durch das kraͤfftige Wort - 


GOttes, durch den- Heiligen Geiſt und heiligen Sacramente im 
Herten und inder Seelen gewuͤrcket und angezuͤndet: Iſt auch 


nicht ein fleiſchlicher menſchlicher Wahn, oder eine bloſſe Wiſ⸗ 


ſenſchafft menſchliches natuͤrliches Verſtandes, ſondern eine 
Gabe GOttes, eine Frucht des Heiligen Geiſtes, ein lebendi⸗ 
ges, geſchaͤfftiges, thaͤtiges, kraͤfftiges Werck, wie die Epiſte 

| an 


\ 


3) Schwencdfeld verworfen. 


| APOLOGETICA. 1179 
an die Hebr. am ır. des Ölaubens Krasfte.herrlich befchreibet, 
und Lutherusin der Borrede über die Epiftel an die Roͤmer. 

b) Diefer Glaube machet uns die Verheiffung und das 
Wort der Gnaden, und EHriftum im Wort gantz zueigen, mit 
feiner gantzen Perſon, und mit feinem gaugen Amt, mit ſeiner 
Heil, Menſchwerdung, mit feinem gantzen Evangelio, mit feis 
nem Leiden und Sterben, Auferſtehung, Himmelfahrt und 
Herrlichkeit, mit ſeinem gantzen Heil. Berdienft, mitaller feinen 
göttlichen IBeisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Erlöfung, Reben 
und Seligkeit. Damit aber ein jeder Chriſten⸗Menſch diefer 
Weohlthaten feines Erloͤſers möge genieffen und theilhafftig 
werden: fo erbeut ſich GOtt aus fauter Gnade und Barm⸗ 
hertzigkeit, den Heil. Geiſt zu geben allen, c) die ihn darum bitten, 
und Denfelben durchs Wort, dero beyder Fracht iftder Glaube, 
auf daß ein jeglicher durch feinen eigenen Glauben die hoben 
Wohlthaten EHeifti ergreiffe z denn der Gerechte wird feis 
nes Ölaubens leben, Habac. 2.0.4. Durch diefen Glauben 
werden wir allein vor GOtt gerecht, und durch Feines Menſchen 
Wercke, wie das Exempel unfer erften Eltern Elärlich begeuger, 
weiche in ihrer Belehrung und Rechtfertigung fich allein an 
das ort der Gnaden, als verlohrne Menfchen, ohne alle 
Wercke haben halten müffen. Dadurch haben diefelben auch ein 
ander neues Hertz bekommen, ein gläubiges Ders für das uns, 
gläubige, ein gehorfames Hers für das ungehorſame, ein bekehr⸗ 
tes Hertz zu GOtt, für das abgekehrte Hertz von GOtt, ein kind⸗ 
lich Hertz fuͤr das furchtſame knechtiſche Hertz. Und alſo ſind 
fie wieder neu s gebohren durch den Glauben, Wort der Gna⸗ 
den, und durd) den Heil. Geiſt. Diß heiſſet eigentlich die neue 
Geburt, darum, daß wir durch den Glauben GOttes Kinder 
werden. Darzu unſer Erloͤſer und Seligmacher im Neuen 
Teſtament das Mittel der Heil. Tauffe verordnet und eingeſe⸗ 
tzet hat, Dadurch wir in den ewigen Gnaden ⸗Bund aufgenom⸗ 
men werden, welcher ewig iſt, und nicht hinfaͤllt, ob wir gleich 
fallen, fondern uns vielmehr roiederum aufrichtet Durch den 
Glauben, Eja, 54.9. 10. und Pf. 146. v. 8. Der SErr rich» 
ter auf die niedergefchlagen ſeyn. Diefe neue Geburt mas 
et ung zu neuen Ereaturen, darum wir nicht in der alten Ada⸗ 

\ mifchen 
b) Dfiander verworfen. c) Enthuſiaſmus verworffen. 


1180 Buch VL REPETITIO 
mifchen, fleifchlichen, fündlichen, unveinen Geburt leben follen, 


fondern in-einem neuen, geiftlichen, heiligen Leben. 

Dip neue geiftliche Leben nimmt feinen Urfprung aus dem 
wahren lebendigen Glauben, und aus dem Heil. Geift, welcher 
iſt der Geiſt JEſu CHriſti unfers HErrn, welchen wir ven ihm, 
als dem Geſalbten des HErrn, und unſerm ewigen Hohenprie⸗ 
ſter empfangen ; dadurch ein Unterſcheid gemacht wird zwiſchen 
Släubiaen und Ungläubigen: denn wer den Beift Chriſti 
nicht bat, der iſt nicht fein, Roͤm. 8.v. 9. Gleichwie wir 
nun des böfen Beiftes Unart und Wuͤrckung durch die fleifchlis 


che fündfiche Geburt empfangen haben: Alfo muͤſſen wir auch 


aus EArifto einen neuen gewiſſen Geift, und ein neues Her 
empfangen; den Geift des Glaubens, der Siebe, der Hoffnung, 
der Gnaden und des Gebets; den Geift der Demuth, der 
Sanfftmuth, der Gedult ‚der Langmuth, der Barmhertzigkeit, 
der Danckbarkeit, des Lobes GOttes; den Geift des Fleiffes, 
des Gehorſams, der Freundlichkeit, der Gütigkeit, ver Mildigs 


Feit , den Geiſt der Keufchheit, ver Mäßigkeit, der Wahrheit,der 


Aufrichtigkeit, der Beſtaͤndigkeit: Wie Sanct Paulus die 
Fruͤchte des Geiſtes befehreiber, Sal.am g. DIE ift das neue 


geiftliche Leben in ung:, Iſt aber nicht unfere Gerechtigkeit für 


EHDtt, weil es unvolkommen ift, und mit vielen Gebrechen be» 
hafftet. ‘Darum bleibet CHriſtus allein unfere Gerechtigkeit 
mit feinem heiligen Verdienſt. | 


Carur IV. 


Di iſt nun das Fundament, Srundundlirfache, warum 
die gange Heil. Schrift auf den inwendigen neuen Mens - 


fehen gerichtet iſt; nemlic) denfelben aufgurichten, und den als 
ten Menſchen zu deftiuiren und abzufchaffen. Darum fürs 


4.die wahre Buffe hierauf nothiwendig folgen muß; welcher 


Effet ift die Toͤdtung des alten Menfchen , auf daß der neue 


lebe. Und bie muß der innerfte Grund des Hergens angeariffen | 


werden, das tieff verborgene abgründliche Ubel der Exbfünde, 


und muß derfelbe Greuel fpeciatim, infonderheit erfläret werden, 


—4 


— 


oder es kan nimmermehr keine wahre gründliche Buſſe geſche⸗ 


hen. Und weil die gantze menſchliche Natur ſo gantz durch 
| | und 


APOLOGETICA. 1181 


und durch vergiftet und verderber ift, daß fie von Natur nichts 
Ean, denn Boͤſes gedencen und wollen, und Luft dazu hat, ja 
fo Eräfftig zum Boͤſen geneigeiftz ſo muß diefelbe boshafftige 
Natur alſo gedämpffet und geandert werden, daß der HERR 
fagt Luc. 9,0. 23. daß wir uns ſelbſt verleugnen muͤſſen; und 
Dafelbft am 14. Cap. v. 26,33, daß wir unfer eigen Leben 
baflen müflen, und abfagen allem, das wir haben ; oder 
wir Eönnen des HERNRN Züunger nicht ſeyn. Im Segen» 
theil aber müffen die, fo wahre Buſſe thun wellen , des 
HERAN Sauffemueb und Demueb, an-und auf fid) neh⸗ 
men, als des HERAN Zoch. Quid enim eft jugum Chrifti 
ferre alıud, quam imitari exemplum vitæ Chrifti , ipfius nempe 
humilitatem & manfuetudinem ? Was ift des HERRN 
EHrifti Zoch tragen anders, als feinem heitigen Exempel fol 
gen, und feine Sanfftmuth und Demuth. auf fich nehmen; 
Denn Hoffart und Zorn ifE des Teuffels Joch, welches 
taufendmal ſchwerer zu tragen ift, als-C-Hrifti Demuth und 
Sanfftmuth. Wer dis nicht weiß oder verſtehet, wird nim⸗ 
mermehr auf den rechten Grund kommen, wird auch nimmer⸗ 
mehr ein menſchliches Her recht befehren. Siehe hie, ob dis 
Weigeliſch iſt. | 
| Carurı V 
Glaube. 


SG aber die Buffe heilfam feyn, fo muß nothwendig der 
 Blaubedabeyfeyn, dadurch GOTT das Herg erleuch⸗ 
tet, bewegt und rühret. Da haft duja wiederum ein unwider⸗ 
legliches Zeugniß, daß GOTT mit dem inwendigen Menfchen 
und mit der menſchlichen Seele handelt. Und weil die heilige 
Schrifft ein Wort des Glaubens iſt, wie ſoll ſie denn anders 
womit, als mit des Menſchen Seele, Geiſt, Hertz, Sinn und 
Gemuͤthe handeln, daſſelbe zu GOTT zu richten, daß fie 
SOTT anhange, aus GOTT ihr Keben, Troſt, Heyl und 
Seligkeit fhöpffe, und fih mit GOTT vereinige, auf daß der 
elende Menfch nicht mehr den Zügen des Satans glaube und 
folge, wie anfänglich , auch nicht der Welt und dem Fleiſche 
mehr anhange, und verblendet werde, fondern von dem ewigen 
Licht erleuchtet werde , im Geiſt und Glauben zur Geligkeit? 


CArur 


1182 Such VI. REPETITIO 


CArur VL 
. Das Reidy GOttes. 





Darauf folget nothwendig und unwiderfprechlich: Weil der. 


Slaube aus dem Wort GOttes feinen Urfprung hat, und 
in den Kerken der Menſchen gewuͤrcket wird; daß GOttes 
Bott im menſchlichen Hertzen muß feine Lebens⸗Krafft erzei⸗ 
gen, und im Meyſchen erfuͤllet werden, wie kan es fonft den 
Siaubenmwürcken? Wie Fan fonftdas Reich GOttes zu ung 
Fornmen, welches in ung iſt, ſo das Wort GOttes nicht in ung 
haftet und fafftet, wuͤrcket und lebet? 

Dorum, auf daß es das Hers fallen Eonne durch den Glau⸗ 
ben, hat GOtt der HErr fein heiliges Wort alſo geoffenbarer, 
daß es nicht eine fehlechte bloſſe Hiſtorie ſeyn foll, fondern aller 
glaubigen Ehriften Leben und Wandel, Creutz und Verfolgung, 
Glauben und Hoffnung ift in der Heil Schrift dermaffen ab⸗ 
gebild.t, daß es der Glaube bald annimmt, als waͤre es von ihm 
allein gefagt, daß gleichſam der glaubige Menſch fein eigen Ders 
in den Exempeln der Heiligen fiehet ; item fein Creutz, auch feis 
nen Troft, feine Hülffe und Errettung. Daher koͤmmts, daß 
der Glaube die Troft- Sprüche Altes und Neues Teftaments 
ergreifft, ihm dieſelbe zueignet und zu nuge macht, Daß gewiß⸗ 
lich eine lebendige Freude und Troſt im Herben daraus wird, 


Wie folte denn GOttes Wort nicht im menfcblichen Hergen 


leben ?: Iſt denn der Seit GOttes im Wort todt und leblos? 


Sind richt des HERRN Worte Geiſt und Keben? Joh. 6. 
v.63. Oder meyneſt du,daßes aufferhalb deinem Dergen oh⸗ 
ne Glauben feine Krafft ergeigen und erfüllen werde? Ja GOt⸗ 
tes rt wirdtäglich erfüllet, beyde an und in den Glaͤubigen 
und Gottlofen. Jenen zu Troſt, Schus, Sieg, Errettung 


und zur Seligkeit; diefen zur Rache und Straffe, und wenn 
man die Augen wird aufthun, fo wird fichs alfo befinden, Sie 


be hie, ob DIE Weigeliſch fey. Wie offt erinnert ung der Heflige - 


Geiſt eines Troſt⸗Spruchs in unferm Hertzen, in welchen wir 
viel ABeisheit, Lehre und Troft finden ? Was ift die Weiſſa⸗ 
gung Jer. 3 1.0018 33. Ich will ihnen mein Gefez in ihr 
„ers und Sinn fehreiben? Was duͤncket dich, ob das nicht 
eine hohe Gabe GOttes geweitfey, als der HErr den Apofteln 
die Schrifft eröffner ? Du aber haft fie lange mit Haut und Haar 


ET er a en A 


1 


gefreſ⸗ 


 APOLOGETICA. 1183 


gefreffen. Was meyneft du, ob es nicht hoc) vonnoͤthen, Daß 
GOTT der HER zu deinem finſtern Hertzen ſpreche: Es 
werde licht? Was ſieheſt du in dem Opffer des Abels in der 
Suͤndfluth, in dem Raͤuchwerck Noaͤ, in der Archen, in den rei⸗ 
nen und unreinen Thieren, in der Taube und in dem Raben? 
Haſt du nicht auch den Thurm zu Babel in dir aufgebauet? 
Kenneſt du auch den Melchiſedech? Seynd Abrahams Gaͤſte 
auch ehe bey dir geweſen, und haben Mahlzeit mit dir gehalten? 
Haſt du auch ehe an desLoths Weib gedacht? Biſt du der Sara 
oder Hagar Sohn? Haſt du auch die geiſtliche Beſchneidung 
angenommen? Haſt du auch Abrahams Verſuchung mit feinem 
eigenen Sohn erfahren? Weiſſeſt du auch den Unterſcheid unter 
Jacobs und Eſaus Segen? iſt auch in dir der Eſau dem Jacob 
gram? Haſt du auch ehe Die Himmels⸗Leiter geſehen? Kenneſt 
du auch des Jacobs bunte Staͤbe und bunte Schaafe? Sind 
Die nicht ehedie Mahanaim begegnet? Haſt du auch den Kampff 
Jacobs erfahren ? Iſt dir deine Tochter Dina nicht ehemals zur 
Huren worden Biſt du nicht auch ehe ein Benoni geweſen? 
Haben dich deine falfche Brüder nicht ehe in Egypten verkauft? 
Hat dich dein Bruder Joſeph nicht ehe in Deinem Geelen-Hunz 
ger geſpeiſet? Hat er Dir nicht ehemals aus feinem Becher ge⸗ 
ſchencket; Dat dich Joſeph nicht erft probirer, ehe er dich über feis 
nen Tiſch gefegt ? Glaubeſt du auch, Daß dic) Joſeph werdeauf 
feinem Wagen zu ſich holen laſſen, und ſagen, komme zu mir, und 
fiehe deinen Vorrath nicht an, ich will dich und Deine Kinder ver⸗ 
forgen? Biſt du nicht mit Iſrgel aus dem Egyptifchen Dienſt⸗ 
Haufe durchs Anaft- Meer gegangen? Haſt du nicht auch mit 
Iſrael am rothen Meer ein Sieges⸗Lied gefungen Biſt du nicht 
auch mit dem geiftlichen Iſrael bey den zwoͤlff Waſſer⸗ Bruns 
nen gervefen , und bey den 70. Palm = Baumen ?-Haftdu nicht 
mit Iſrael Himmel⸗Brod gegeffen, und von dem Felſen getruns 
cken? Haſt du nicht ehe den Donner und Blig des Geſetzes 
‚empfunden ?°Biftdu nicht kommen zur Befprengung des Heilis 
gen Blutes? Haft du nicht ehenor dem Gnaden⸗Stuhl gebe» 
tet und Eherubim gefehen? Den Vorhang ‚den güldnen Altar, 
den güldenen Leuchter, das Bruſt⸗Schildlein des Hohen⸗Prie⸗ 
fters, das füffe Raͤuchwerck, die Heil. Opffer ? Sind nicht in 
Die Tafeln deines Dergens Geſetz und Evangelium n.. n 
A 








1184 BuhbVL  REPETITIO 


Haft du nicht ehedas güldene Kalb angebetet? Haft Du nicht 
ehe die reifen Baus Meifter gefehen die am Heiligthum GDr- 
tes arbeiten? Haft du des Hohen + Priefters Seegen nicht 
gehöret ? Biſt du auch zu Ferufalem auf dem Zubel + Foft ges 
mefen? Haftdu aud) von dem Wein⸗Trauben aus dem gelob⸗ 
ten Lande geaeffen ? Haft du auch den groffen Goliath in dir 
erleget? Haft du auch die eherne Schlange angefehen ? Und 
was fol man fagen? Die Zeit würde es nicht ertragen, darinn 
weiter zu tractiren; folteich auch die Application der ‘Propheti- 
ſchen und Apoftolifchen Sprüche, und das Exempel unſers Er⸗ 
löfers vornehmen, wuͤrde eine groſſe Schrift daraus werden. 

" Sehe nun hin, und fage, die Schrift müffe nicht in ung ers 
füllet werden; wird das nitht gefchehen in dir, fo wird dir 
EHrifti Menſchwerdung, Evangelium, Wunderwerck, Leis 
den und Sterben , Auferftehung, Himmelfahrt, und Herrlich 
keit, nichts nuͤtz ſeyn, und wirft derſelben nimmermehr theilhaff⸗ 


tig werden. 
:Carur VI. 


GOttes Wort im Gewiſſen und Hertzen. 
gras muß nothivendig folgen, daß es müffe ein ſehr gro⸗ 
ber tölpifcher Unverftand, ja ein groffer Irrthum feyn, 
wer nicht verftehet und weiß ‚ja noch wol leugnen darff, daß 


GOttes Wort inder Menfchen Hertzen Seiftund Seele muͤſſe 


erfüllet werden nach feiner Art, oder Eräfftig empfunden oder 
gefchmecket werden , wie mans denn auch mag ausreden, 

NB. Was ift das angefchaffene Bild GOttes anfanalich 
anders gemefen, als was GOTT in feinem Geſetz fordert Und 
von der Predigt der Gnaden fpricht St Paulus 2.Cor.am 3, 
v. 3. Ihr ſeyd ein Brief Chriſti durchs Predigt⸗ Amt zus 
bereitet, und durch uns geſchrieben, nicht mit Tinten, ſon⸗ 
dern mit dem Geiſt des lebendigen GOttes; nicht in ſtei⸗ 
nerne Tafeln, ſondern in fleiſcherne Tafeln eures Her⸗ 
tzens. Wenn nun der Heilige Geiſt dis innerliche Buch nicht 


bereitet, da bleibet freylich GOttes Wort wohl drauſſen z wo es 
aber durch den Geiſt GOttes ins Hertz geſchrieben wird da wird 


es auch bewahret, daß es Frucht bringe in Gedult: Da wird 
auch die Wahrheit gar bald erkannt, da iſt Das lebendige Zeugs 
niß des Geiſtes, da ift Die rechte gruͤne wohlſchmeckende a 

er 


Bi u I ns 


APOLOGETICA .° 1185 


der Schäflein EHrifti, da wird, als in einem güldenen Ge 
fäßlein das Himmel: :Brod aufgehoben , und mit ins gelobte 
Land des ewigen Lebens gebracht. Gehe nun abermal hin, und 
ſage: GOttes Wort mufje nicht in ung erfuͤllet werden. 


urVIII. 

Bußfertig Hertz. | | 
HFaaus fieheft du nun, mas für Hertzen dieſes groffen 
Schatzes theilhafftig werden, und aller XBoblthaten , fo 
im Wort begriffen ſeyn, fonderlich des Verdienſtes CHriſti und 
der Vergebung der Sünden, nemlich, allein die bußfertigen 
Hertzen. Bedencke, was für Sünder gemwefen feyn, die der 
Herr JEſus hat aufgenommen; Bedencke, was die Opffer 
feyn, die GOTT gefallen: Bedencke, warum die Buſſe in der 
gangen Welt geprediget ift neben der Vergebung der Sünden: 
Bedencke auch, daß ung der Sohn GOttes beydeszur Exlg- 
fung, als zu einen theuren Geſchenck von GOTT gegeben if, 
und auch zu einem Exempel und Kegel unfers Lebens; auch 
mit was Hertzen und Gemüthe wir in die Fußſtapffen CHriſti 

teeten müffen ‚nicht mit ſtoltzem, hoffartigem Gemüthe, 


Carur IX 
Glaube verleugnet. FJ 

DAbauf folget, daß ein wahrer Chriſt das Leben der ietzigen 

Welt examiniren muß, ob es dem Exempel Cehriſti aͤhn⸗ 
lich oder zuwider iſt? Iſt nun iemand ein wahrer Chriſt, der 
wird Chriſtliche Wercke thun; iſt er ein Kind des Glaubens ‚fo 
wird er des Glaubens Früchte würdken ‚Durch den Heil, Geift: 
Iſt er ein Kind des Unglaubens, fo wird der Satan fein Werck 
in ihm haben. Daran, fpricht der Evangelift, werden offen» 
bar die Rinder GOttes und die Kinder des Satansz 
1. Joh. 3, v. 10. Wie die Frucht ift, fo ift auc) der Baum, 


URPOR'&. 
Salfeh Chriſtenthum. 
Sy Alraus folget ja unmiderfprechlich, weil alles dem Glau⸗ 
ben und der Liebe, und alfo CHriſto zuwider gehandelt 
und gelebet wird, und gleichwol unter dem Namen CHriſti 
- VL Tpeil, Ffff geſchicht, 


1186 Buch VI. REPE ITIOT 


gefchicht , daß ein ſolch Leben ein falſch Chriftenthum feyn muß 3 
darwider um der Ehre Chriſti willen ftreiten, Eampffen, fehren, 
ermahnen, ftrafen, eifern ‚beten und wehren, ja weinen fol, 
wer EHriftum lieb hat, und die arınen Seelen erretten will. 
Capur XI. —* 


Das Haupt wuͤrcket in den Gliedern. 

UNwiderprechuch folget hieraus, daß der kein wahrer Chriſt 
iſt, der nicht Chriſtlich lebet, iſt auch nicht GOttes Kind; 

denn er iftnicht aus GOTT gebohren. * 
Urſache, in einem neugebohrnen Menſchen lebet, regieret, 
wuͤrcket EHriftus ſelbſt; und iſt ein grober Irrthum / daß man 
meynet, ein Menſch, fo ev etwas Guts thut , fo. thue ers ſelbſt, 
da doch der HERN EHriftus ſagt: Ohne mich koͤnnet 
ihr nichts thun, Soh. 15,0. 5. So verftehen auch ihrer viel 
nicht die Urſachen der Menſchwerdung EHrifti, und warum ihn 
GOTT zum Hohen-Priefter und zum Haupt feiner Gemeine 
gefalbet und gefeget hat. | 
Rreylich ift das unter andern eine hochwichtige Urfache, 
warum der Sohn GOttes unfer Fleifch und Blut an fih ge⸗ 
nommen ‚nemlich, weil daffelbe von GOTT durch die Sünde 
abgeriffen ‚er daffelbe wiederum aufs genauefte in feiner hoben 
Perfon mit GOTT vereinigte, in ihm felbft heiligte und reinig⸗ 
te, und in feiner heiligen Menfchheit durch fein Leiden machte die 
Reinigung unferer Sünde, da ift dem höchften Ubel das hoͤchſte 


Guth entgegen geſetzt worden, und ift in unferm angenommes _ 


nen Zleiih von GOTT gefest zum Haupt der Kirchen, zur 
rechten Hand der Krafft GOites, auf daß er in feinen gläubie 
gen Gliedern auf Erden lebete, wuͤrckete, herrfchete, diefelben ers 
leuchtete ‚ beiligte ſtaͤrckete, tröftete, fegnete ‚und alles verrich⸗ 
tete, was zur gangen Fülle feines geiftlichen Leibes gehöret, und 
alles in allem wuͤrckete und erfülletes darum fpricht S. Paulus 
zum Phil. 4, v. 13. Ich vermag alles in deme, der mich 
mächtig machet. Und ift dernichtin ung, der da würder 
alles inallem? 1. Cor. 12, v. 6. 

Darjzu gehoͤret vornemlich, das Sanct Petrus ſpricht: 
Er ſitzet zur rechten GOttes im Himmel, zu geben Iſrael 


— — 


Buſſe und Vergebung der Suͤnden, Apoft, Geſch. 5 8* J 
“ | 


‚APOLOGETICA. 1187 


Da bedende nun ein ieder Chriſt, was dis vor ein gewaltig 
Wert und Amt fey unfers einigen Haupts zur rechten Hand 
GOites? Er tilget Durch feine Lebens» Kraft und Herrfchafft, 
und duch den Heiligen Geift in unferm fterblichen Leibe die 
Sunde, als die Wercke des Satans ; denn er herrſchet uͤber 
Suͤnde und Teufel, Und diefe Herrſchafft führet er in feinen 
‚gläubigen Gliedern auf Erden, wehret und zerbricht den boͤſen 
Willen, reiniget das Here täglich durch den Glauben, vertrei⸗ 
bet die Finfterniß und Irrthum des Dergens, jtofet zu Boden 
alles, was ſich wider ihnechebet, es fey menfchliche Vernunfft, 
Weisheit oder Gewalt; demüthiget au) durchs Creutz, fü er 
zuſchicket, und machet gar andere Menfchen aus denen, die ee 
befehret , zu dem Ende, daß er In ihnen lebe, und Eräfftig fen; 
ihnen auch hierauf gebe den Troft der Gnaden, der Vergebung 
der Sünden, der Gerechtigkeit, und viel Gaben des Heiligen 
Geiſtes, auf daß der bekehrte Menfch hernach nicht in ihm 
felber, fondern in CHriſto lebe, und CHriſtus in ihm, das iſt, 
des HErrn Chriſti Ders, Sinn, Beift, Affecten, Gedanden, 
Gedult, Demuth, Sanfftmuth, würden und leben inihm, obs 
gleich in groſſer Schwachheit gefchicht, und dem zumider iſt, 
und fich ein Kampff erreget, denn der Geift GOites bilfft unfrer 
Schwachheit. Und diefelbe Anfechtung, ift unfer innerliches 
Creutz, durch welches das Fleiſch gedaͤmpffet iſt, der alte 
Menfch geereugiget wird, mit allen feinen böfen Gliedern, und 
der neue Menfch, der nah GOTT gebildet, wieder auferftehe, 
und lebendig werde mit feinen fehönen Gliedern. Wer nun 
nicht alfo lebet, der lebet warlich nicht in EHrifto, und fan 
mit Sanct Paulo nicht fagen: Ich lebe nicht, fondern 
CAriffus in mir, Sal. 2, v. 20. Und mache darauf die 
Rechnung, in wen er lebe, und wer in ihm lebe? ob er ein 
wahrer Ehriftfey , die wahre Buſſe vecht verſtehe, ein Kind 
GOites fey, und weme er angehöre ? 
Capur XI 

Der Welt abfkerben, | 

Hs folgetunwiderfprechlih : Wer ein wahrer Chriſt 
ſeyn will,mußin CHriſto leben, und CHriſtus in ihm, ihm 
felder und der Welt abfterben; denn hie muß aus dem Leben 
des Menſchen, als aus — der Baum; probiret wer⸗ 
2 


ben? 





rıg8 : BuchVl.  .REPETITIO 

den: Denn mo die Wercke des Satans herrfehen, da ift ja 
nicht CHriſtus, da lebet man ja nicht in CHriſto, fondern im 
Satan ‚und der Satan in ihm , und verdreuft dag der Welt, 
dem hoffärtigen Fleiſch und dem Teufel felbft ‚daß mı“ı folches 
fo ſcharff anruhrer, und aus den Effecten die Urſach zeiget. 
Diß ift gnugfaın mit Gleichriffen und Exempeln der Schrift 
probiret,und wird nimmermehr fonnen umgeftoffen werden. 


€ Apur XIIL 

Urfach des geifflichen Todes, | 
—5 abermal gewißlich folget, daß ein Chriſt ihm ſelber 
und der boͤſen Welt gerne ſoll abſterben, erſtlich um 
unſerer Erloͤſing willen von unſern Suͤnden, darnach um der 
Liebe CHriſti willen, und endlich um der kuͤnfftigen ewigen 

Herrlichkeit willen. =” 
NB. Hie aber wird nicht die Juftification oder Rechtfertigung 
befchrieben, fondern die Fruͤchte der Gerechtigkeit: dis ift 


allhie mit &leichniffen der Schrifft erkläret, und ift eine groſſe 


Gottloſigkeit, dis leugnen, 


Carur X IV. 
| Das alte Leben haſſen. 


Fy’rraus muß nothwendig folgen, weil ein Chriſt ein neues 


geiſtliches Keben führen muß, daß er. das alte Leben muß 
ablegen, und das fleifchliche Leben ausziehen. Welches aber 
‚nicht geſchehen kan, man muß das: alte Leben haffen, und die 


Belt, welche nichts anders ift, als das fleifchliche Xeben, und ° 


die weltlichen Küfte meiden, und die Welt verfchmahen. Diß 
erfcheinet am allerbeften aus dem Exempel unfers HERAN 
SESU EHriki , in welchem war fein urrordentlicher Affect, 


) 
| 
i 


Feine Eigen-Liehe, Eeine Eigen- Ehre, fondern e8 war alles 


in ibm ; fein Her, Geift und Wille, dem himmlifchen Vater © 
aufgsopffertz da war Eein Ungehorfam, fondern eitel Gchors 


farn ; Eein Zorn, fondern eitel Sanfftmuth: Feine Rache, ſon⸗ 
dern eitel Vergebung; Feine WBiederfcheltung, fondern lauter 


Gedult; Eein Dräuen , fondern eitel Selindigkeit, Auf wel 7 


ches Exempel uns die heiligen Apoftel weiſen. ; 
: Carus 


’ 






’ 
— 


APOLOGETICA.: 1189 





GAPUT AN, 
Toͤdtung des Fleiſches, unfer Creug. 
JM dieſem hanget nun vors ı 5.die Todtung des alten Men⸗ 
ſchen: Denn foll diefem Exempel CHriſti gefolget werden, 
fo muß der alte Menſch täglich in ung fterben. Daher denn 
kömmt die Verleugnung fein felbft, welches dem Fleiſch ein 
bitter Creutz ift, wie der HEMN ſpricht: Will mir iemand 
folgen , der. verleugne ſich ſelbſt, und nehme fein Creutz 
auffich, Luc. 9. 0.23. Damit uns der HERRlehret, daß 
feine Nachfolgung ſey unſer Creutzʒ. 
Carur. XVI. 
Bereit, 
Drtraus entftehet nun vors 1 6. der Streit des Ghefte und 
Fleifches, darliber auch Sanct Paulus um Rom. am 7. 
klaget; auc) befihreibetexdiefen Kampf zum Gal. am 5, v. 17. 
Und Sanct Perrusfaget , daß die fleiihlichen Lüfte wider die 
Seele fkreiten, 1. Petr.2,v.ı1. Ab Her GOTT, dieſer 
Streit gilt der armen Seelen! Siehe wohl zu, o Ehriften, 
Menſch, daß deine Serleüberwinde und erhalten werde! 
Cıerur 'XYV1l. 
Kin Chriſt, ein Pilger. 
Sy nun die fleifchlichen Begierden, fo an zeitlicher Eher, 
Reichthum und Wolluſt bangen, fallen überwunden wer⸗ 
den durch den Geift , und ein Chriſt zu viel hoͤhern Guͤthern, 
Ehre und Herrlichkeit erloͤſet iſt; ſo muß er auch ſeinen wahren 
und beften Reichthum nicht in dieſer Welt haben, ſondern die⸗ 
ſes Zeitlicyen ‚ als eines fremden Guths brauchen , als ein Pilz 
grim in diefer Welt wallen, bis er zum ewigen ‚unbeflectten, 
unvergänglichen , unverweslichen Erbe, das im Himmel 
— wird, gelanget,.r. ‚Petr. 1,04 
Caıerur XVII 


Undanckbarkeit. 
FMraus abermal folget, da GOTT hoch erzürnet werde, 
wenn man mit dem Hergen am Zeitlichen hanget, und 
daffelbe mehr liebet, al die himmlifchen und ewigen Schäße, 
welches die hoͤchſte Undanckbarkeit iſt wider die Liebe GOttes, 
daß er uns ſo hoch, ſo theuer, ſo uͤberkoͤſtlich erloͤſen laſſen 
Ffff3 durch 


ı190 Buch VL. REPETITIO 


durch den Tod feineg_lieben Sohnes, und ung die eroigen 
himmliſchen Schäge fo theuer bat erkanffen laffen, und wir 
achtens fo gering. Ad) SOTT, gieb allen erlöfeten me 
TORE gu bedencken! 

Capur XIX. 

Menfhlih Elend. 
Din folget abermal, daß ein Menfch wegen zeitlichen 
Reichthums und Ehre nicht zu ſtoltziren hat, fondern fol 

fich in feinem Hersen demüthigen , fein Elend erkennen Au S feis 
nem Hertzen geiftlich arm erben, fo wird ihn GOTT mit 
himmlifchen Guͤthern erfüllen. Und ietieffer fich ein menfeh« 
lich Hertz in fein Elend fencket , ie mehr und tieffer fich SOTT 
mit feiner Gnade in feine Seele verſencket. 

Cırurtr XX, 


Geiſtliche Traurigkeit, 

Sale Kan nun Lohne innigliche Göttliche Traurigkeit nicht 

gefinehen; Denn GOTT muß ſelbſt das Hertz alfo 
bereiten zum Himmelreich, und daffeibe von Dee Welt abwen⸗ 
den. Da BereueR. — denn einen Chriſten ⸗Meuſchen ſchmertz⸗ 
lich, daß er GOTTie beleidiget, die Welt ie geliebet hat: 
ja f6 boch von GOTT geliebet fey ‚und habe ihm fo wenig ges 
dancket, und ihn dafür geliebet : weinet Bitterlich darüber ‚daR - 
et gegen dag Keiden CHriſti fo undanckbar, fo gottlos fich vers 
halten Da und bittet um Entzündung der Liebe GOttes. 

Caırur XXI. 
Gottesdienft. 

Syn fofget der wahre Gottesdienſt, fo da beftehet i im 

Heiſt undinder Wahrheit, im Glauben ‚in der Liebe, 
in nErkaͤnntnß der Gnade GOttes, und Vergebung der Suͤn⸗ 
den, in der Gerechtigkeit und Heiligkeit IFSU CHrifti, und 
in den Fruͤchten der Gerechtigkeit, fo in uns durch JZEGUM 
CHriſtum gefchehen ift, um Lobe und Drei GOttes. 

Carur XÄXlIlL 


Probe —_ 
— ſolget, daß ein wohrer Chriſt an ſeinem Glauben 
d Liebe muß erkannt werden, als ein Baum an feinen 
Seügen, und das muß keine Heucheley feyn, fondern von ner 
au 





“ APOLOGETICA. ‚II9E 


aus dem Kerken muß folhes hervor blühen, aus dem Geiſt 
CHriſti. Gleichwie eine Frucht von innen aus dem Safft 
und Krafft des Baums hervor wächfet ‚nicht in der Form der 
Blätter, fondern in wahrer, guter, woelentlicher Frucht; alfo 
muß eines Ehriften Leben feyn, ja er muß leuchten als ein Licht, 
daß manfehe die guten Wercke, auf daß GOTT im Himmel 
Dadurch gepreifet werde, Mit welchen Worten der HERR 
EHriftus feine Gläubigen informiret „daß fie ihnen nicht felber 

die. Ehre geben, fondern der Gnade GOttes alles zuſchreiben. 

Carutr XXI. 

Gemeinfchafft der Welt ſchaͤdlich. | 

ON aus folget nun, meil die boͤſe Welt die Gläubigen mit 
ihren Hergerniffen hindert an vielem Guten, daß fie der Ge⸗ 
meinfchafft dee Welt und der Sottlofen fi) enthalten müffen, 
auch alles deß, was das Hertz ärgert und nicht beſſert, es fey im- 
Reden, Gedancken, Worten oder Wercken, fehen, lefen oder 
hören; und vielmehr ihr Hertz, Sinn, Gedancken und Gemuͤth 
beyfammen behalten undin GOTT zufammen colligiren und 
fammlen, mit SOTT durchs Geber reden, GOttes Troftund 
Freude im Hersen fchmecken lernen, den Friede und Ruhe des 
Hertzens in GOTT empfinden. Denn das ift die liebliche 
und freundliche Antwort GOttes in uns, davon faft der 
gange Pfalter redet; dadurch aber das heilige Predigt Amt 
mit nichten ausgefchloffen wird, fondern das. ift- die innerliche 
- Praxis der Gottſeligkeit, darzu auch das aufferliche gehörte Wort 
EHDttes diene. Darum die Unerfahrnen ſolche Lehre für 
Enthufiaftiih halten, zu ihrem eignen Zeugniß, daß fie niemals 
mit SOTT dem Almächtigen ein andächtig Soliioquium und 
Geſpräch gehalten, auch niemals geſchmecket, wie freundlich 
der HERR ift: darum fie in die Praxinder heiligen Theologie 

niemals gelanget und kommen feyn. 1 
" Carur XXIVG 
Liebe, —5 

rauf folget nun die Summa eines Chriſtlichen Lebens, 
wie fie Sanct Paulus befchreibet 1. Tim. 1,0.5. Die ' 
Summe aller Gebot iſt: Kiebe von reinem Aergen, von 
gutem Gewiflen , und von ungefirbtem Glauben. Da 
IFfff4 wir 


1192 Buch Vl. REPETITIO 


wir hören, daß GOTT der HERR nicht von ung fordert 
groſſe Wunderwercke, fpisfindige Künfte , geſchwinde Sophi⸗ 
ſterey, ſondern die Liebe des hoͤchſten Guthes, nemlich GOttes, 
welches dag allerliebſte, ſuͤſſeſte, holdſeligſte ſreundlichſte Werck 
iſt, da keine Unluſt und Beſchwerung bey iſt; denn das hoͤchſte 
Guth lieben, bringet die hoͤchſte Luſt und Freude. Welches 
hernach mit groſſer Luft auch dem Naͤchſten mitgetheilet wird, 
aus Liebe der ewigen Liebe, welche GOTT felbft ift. 


Caıreur XXV. 
GOttes Liebe in ums. 


Frans folget , daß die Liebe des Naͤchſten muß rein ſeyn, 
> ohne Falſch und Heucheley 5 denn fonft ift nicht GOttes 
Liebe it uns; Denn GOTT bat keine falfche Liebe. Aus 
der geoffen, reinen, lautern Liebe GOttes fleuftdie Erbarmung, 
die Bergebung , die Verſoͤhnung, das Mitleiden, der Troft, 
die Hülffe über Seindeund Freunde. . Zft deine Liebe nicht alfo, 
fo ift fie nur eine falſche, und iſt nicht GOttes Liebe in dir; wie 
St. Johannes fagt, wie bleibe die Kiebe GOttes bey ihm? 
1.0. 3,0, 17; 


Cırur XXVI. 

| Urſachen der Liebe, | 
Datum muͤſſen hierauf alſobald betrachtet werden die Urſa⸗ 

= chen, warum der Naͤchſte zu lieben. Denn weil GOtt 
Die Liebe ſelbſt ift, Ean derjenige Fein Kind GOttes feyn , aus 
GOTT gebohren , in welchem die Liebe GOttes nicht iſt: 
er Fan auch EHrifti Juͤnger und Glied nicht feyn, denn 
EHriftus ift eitel Liebe; er Fan auch des Heil. Geiſtes Werck⸗ 
zeug nicht feyn , denn GOTT. hat feine Kiebe inder Gläubigen. 
Hergen ausgegoffen durch den Heiligen Geiſt; er Ban aud) in 
der heiligen Ehriftlichen Kirchen Gemeinfchafft nicht feyn, dern 
er befleißiget fich nicht 3u halten die Kınigkeit durch das 
Band des Kriedes, Kin Geiſt, ein @laube,;Eph.4, 0.3.4 | 
Er Fan auch in der heil. Engel Geſellſchafft nicht feyn; denn _ 
Zorn und Falſchheit, Daß und Neid, ift nicht Engeliſch, fon- 
dern Teufelifch, | 

CAarpur 


APOLOGETICA. 1193 


Caprur XXVll 
| Probe der Rinder GÖttes. j 
NE: hoͤchſte Grad aber der Liebe iſt, die Feinde lieben; 
| feegnen, die uns fluchen, woblebun denen, die uns 
haſſen bitten für.die, fo uns beleidigen und verfölgen, auf 
Daß wir Rinder unfers Daters im Himmel ſeyn, Matth. 5. 
2.44.45. Das ift nun die höchfte Kunft der Chriften, der 
höchite Adel der Chriftlichen Tugend ‚der böchite Sieg, der ſich 
ſelbſt überwindet, die rechte Nachfolge des SrempelsCHrifti. 
Capur XXVill. 
Probeder Liebe GOttes. 
SA ift nun die Probe der Liebe GOttes, nemlich ‚ob GOt⸗ 
tesKiebe auch in uns iſt, ob wir auch die Kraft, Freund». 
lichEeit und Suͤßigkeit der Liebe GOttes ie geſchmecket haben ? 
ı ) Wenn wir auf vorige Weiſe die Liebe üben. 2) Wenn 
wir die Liebe GOttes aller Ereaturz Kiebe vorziehen; denn 
wer die Welt lieb. bat, in dem iſt die Liebe des Vaters 
nicht, 1. Joh. 2,0. 15. Weilnun GOTT felbft-die Liebe 
ift, und auch die Liebe in uns würcket, fo ift ja unfrer Liebe nie- 
mand mehr und befjer würdig, als GOTT felbft 5 find dem- 
nach alle irdifche Ereaturen unferer Liebe zunering. GOTT 
ift ewig und unſterblich; bleiber nun unfere Liebe in ihm, fo ift 
diefelbe auch ervig und unvergänglih: Hangen wir aber mit 
unferer Liebe an den fterblichen Ereaturen, fo faͤllet fie mit ihnen 
dahin und vergehet. Die Kiebe.der Creaturen reiget ung zu 
vielen Sünden, GOttes Liebe aber bewahret ung vor vielen 
Hroffen Sünden, Die Liebe der Creaturen machet unferm 
Hersen viel Befchwerung und Unruhe; aber GOttes Liebe 
giebt Friede und Freude, iſt holdfelig und lieblich. 
"Capur XXIX. 
| Verſoͤhnung. 
Frau folge die andere ‘Probe der Liebe, nemlich die Vers 
föhnung des Nachften? denn GOTT dar HERR wird 
ſelbſt beleidiger durch die Feindfchafft oder Ungerechtigkeit wider 
den Naͤchſten; und kan des Menfchen Gewiſſen den Frieden 
GOttes nicht haben , auch feine Seelen «Ruhe, wo er ſich nicht 
mit dem Naͤchſten verfühner, und demfelben verdiebet. Da 
fol uns die Berfohnung mit ee den Tod EHrifti 
5 


geſche⸗ 





1194 Buch VI REPETITIO 


— — — — — — — — — — —— — 
gefchehen,immer vor Augen ſtehen, daß wir uns untereinander 
aufnehmen, gleichwie uns CHriſtus aufgenommen bat 
zu GOttes Lobe, Rom. ı5,0. 7. 

Carur XXX. 


| Wahrer Liebe Eigenſchafft. 
rd weil ein Dina aus feinen Eigenſchafften muß erkannt 
merden, fo beſchreibet Sanct Paulus ı. Cor.13, v. 4. ſegq. 
der Liebe Eigenſchafften, welche alle gerichtet ſeyn wider die 
boͤſen Affecten des Hertzens, welche wider die Liebe ſtreiten, auf 
daß wir fuͤr wahre gruͤndliche Liebe keine falſche Liebe uͤben; 
ſondern wie Sanet Paulus ſagt, r. Tim. 1,0. 5. Liebe von 
reinem Hertzen, von gutem Gewiſſen, und von ungefaͤrb⸗ 
gem Glauben. | | 
ICAPUr  EXXL 
Groſſe Gaben obne Liebe nichts, 
raus folget nothroendig, gleichwie die Liebe GOTT. 
allein anhangen, und den Naͤchſten mit'einfchlieffen muß: 
Alſo muß fie auch die von GOTT empfangene Gaben mode- 
riren ‚zieren, regieren, alfo daß der Menfch mit feinen Gaben ” 
nicht feine Ehre fuche , fondern allein GOttes Ehre und des 
Naͤchſten Erbauung ; oder er verberbet und machet zu nichte 
alle feine Saben por GOTT und Menfchen, und wird nichts 
fruchtbares damit ausrichten, 
Carur XXX. | 
GOTT ſichet keine Rınfl am 
Mi muß derentwegen fich wohl fürchten und hüten vor den 
fatfchen Urtheilen, daß man die Aufferlichen und fcheinbas 
von Gaben der Menfchen nicht vorgiehet dem Glauben, der 
Liebe, der Furcht GOttes, der Frömmigkeit, der Wahrheit, 
der Aufrichtigkeit und Treubergigkeit:e Denn GOTT fiehet 
aroffe Kunft und Gaben nicht an, oder Beredſamkeit, oder 
Wiſſenſchafft, fondern den Glauben; und gilt vor ihm allein 
die neue Creatur in CHriſto, Sal. 6,0: 15s | 
Carur XXXIL 
GOTT fiehet das Hertz an. 
Dum richtet GOTT alles nach dem inwendigen Grunde 
des Hertzens, derohalben hat der König Hißkia, * —8 
Ott 


APOLOGETICA. 1195 


GOtt feinen Abſchied ließ ankündigen, ihme flehentlich borge⸗ 
fteflet, er wolle doch anfeben, wie er miteinfältigen, kindli⸗ 
chem, aufrichtigem Hertzen vor ihm gewandelt haͤtte; 
Jeſa. 38. d. 3. Darinn aber nicht beftund des Hiskiaͤ Gerech⸗ 
tigkeit vor GOtt, ſondern Die zeitliche Wohlfahrt und Berlanger 
rung feines Lebens. Alſo richtet GOtt olle Wercke nad) dem 
Hergen, welches GOtt allein anfiehet , prüfet, richtet, erwaͤget. 
Und hilfft bier Fein Anfehen der Perſon, oder der Gaben, fordern 
es heiſſet: Man bat dich auf einer Mage gewogen, und 
zu leicht. befunden, und wird nicht beiffen, daß man fagt ; 
Her, HErr, Dan.s. 9.27. Matth. 7.0.21. 


Caprur XXAIV, 
Gerechtigkeit allein GOttes Werck. 

DRaus unwiderſprechlich folget, daß die Gerechtigkeit und 

Seligkeit eine viel hoͤhere Gabe, Geſchenck, und allein 
ein Werck GOttes iſt, welches in keines Menſchen Thun oder 
Laſſen beſtehet oder beſtehen kan; denn Sünde und Teufel Hoͤlle, 
Fluch, Verdammniß hinweg zu nehmen, iſt allen menſchlichen 
Kraͤfften unmoͤglich. Daraus folget, daß auch die Gerechtig⸗ 
keit wiederzubringen allen Menſchen unmoͤglich iſt; darum 
muß hie aller Mund verſtopffet werden, und CHriſtus allein mit 
feinem Derdienft walten, herrfchen, regieren, fiegen, überwins 
den: Der Menfch aber muß zum Creutz Eriechen, Buſſe hun, 
an CHriſtum glauben, um Vergebung bitten, und al feine Ge⸗ 
techtigkeit und Seligkeit aus dein Heyl⸗Brunnen des Leidens 
EHrifti ſchoͤpffen; und hernach auch aus demfelben ein neues 
heiliges Leben durch des Heiligen Beiftes Regierung anfahen. 


Capur XXXV. 
Gute Werde keine Zeuchelep. 

Woe nun der Glaube aus dem hohen Goͤttlichen Werck 
unſerer Rechtfertigung alles Menſchen-Werck - augs 
ſchleuſt, alfo muß auch die Frucht der Gerechtigkeit, welche ift 
das neue Enrifiliche Leben, ausfchlicffen alle Deucheley, und 
muß die Aenderung und Beſſerung des Lebens, That und 
Wahrheit ſeyn: Denn der wahrhofftige Glaube bringet Feine 
falſche Frucht. Darum ob man gleich alle Schrifft wüfte, ale 
erde thaͤte, ja ein Märtyrer würde, aus falſchem Schein, 
aus 


* 


1196 Buch VL  REPETITIO 


ous eigner Ehr und Ruhm, giltales vor GOtt nicht, fondern if | 
ein Greuel vor GOtt. ! Bi 
Carur XXXVL on 
GoOtt ergebenes Hertz geneuft der Kieblich» 
keit GOttes. | 
Ha folget unwiderſprechlich, wenn der Menfeh, im 
Glauben erleuchtet, anfäher in CHriſto zu leben, ihn zu ſu⸗ 
chen, hertzlich zu lieben, fo wird ihm der HErr CHriſtus immer 
füffer, lieblicher, holdfeliger und freundlicher. Dahin iſt gerich⸗ 
tet das gantze Hohelied Salomonis, wiedie glaubige Seele ihr 
ven Braͤutigam fuchet, findet, liebet, Eüffer, hertzet, flehet, fich mit 
dem Geliebten vereiniget, und an feinem Halſe weinet. Da re 
det der Bräutigam ins Hertz; da fpricht en: Veni, Columba 
mea, Chariflima mea: Komm meine Taube, meine Kiebe, 
Cap. 2.0.13.14. Da fpeifet und traͤncket er Die Seele mit 
dem verborgenen Manna; da heiffets dann: Wer von mir 
iffer, den bungert und dürfkee immer nach mir, Sir.24. 
v. 28. 29. denn die Seele muß GOtt allein ſaͤttigen: Das ift 
der durſtige Hirſch, der nach frifchem Wafler ſchreyet, 
42.0.2. Da it ein ſolch Hertz das da fpricht : Wie lieb 
lich find deine Wohnungen, SErr Zebaorh! mein Keib 
und Seele freuer fich in dem lebendigen GOtt: P1.8 4.0.3. 
Und abermal: Meine Seele dürfte nach GOTT, als 
ein duͤrres Land ꝛc. Pſ. 143.0.6. Da heiſts Joh. 6.0. 27. 
Wuͤrcket Speiſe, die bleibe ins ewige Leben. Das ſind die, 
von derer Leibe Stroͤhme des lebendigen Waſſers flieſſen, 
Joh. 7. v. 38. Die da ſchmecken und ſehen, wie freundlich 
der HErr iſt, Pf. 34.v.9. Da heiſts: Die Liebe GOttes 
iſt ausgegoflen in unſer Hertz durch den Heiligen Geiſt, 
Roͤm. 5. v. 5. Sehet zu, ihr Calumnianten, ob dag Enthuſia⸗ 
ſterey ſey? Ihr elenden Leute, wenn wolt ihr lernen, daß die 
Theologie nicht eine menſchliche Wort⸗Kunſt fey, ſondern eine 
himmliſche und Göttliche Weisheit und Erleuchtigung, Durch 
den Heiligen Geift und Wort GOttes angezuͤndet? Ein lebens 
diges Erkaͤhntniß GOttes und Zeugniß des H. Geiſtes, Dadurch 
die Krafft des Worts befannt und geſchmecket wird durch den 
Glauben, wie St. Johannes ſagt: Weranden Sohn GOt⸗ 
tes glaubt, der bar diß Zeugniß bep ihn, 1. Joh. 5.v. R 2 
| 


KPOLOGETLICAT (mt ‚2197 


Iſt demnach das menfchliche Hertz die einige Werckſtatt Des 
Goͤttlichen Wortes, darinn der H. Geilt feine Krafft erzeiget, 
durch die Gabe der Weisheit des Erkaͤnntniß / des Verſtan⸗ 
des, des Raths, der Arafft, der Furcht GOttes, der An⸗ 
dacht und des Gebets, Jeſ. 11. v. 2. Diß edle Werck des Gei⸗ 
ſtes GOttes wirft du Unverſtaͤndiger nicht zur Enthuſioſterey 
machen. Woher ſoll Glaube, Liebe, Hoffnung, Gedult, Demuth, 
Sanfftmuth kommen, wenns nicht durchs Wort und Geiſt im 
Hertzen gewuͤrcket wird? Diß ſind nicht hloſſe Worte, die der 
Geiſt GOttes wuͤrcket, (Doctrina verbalis, ſed realis) fondern es 
ſind lebendige Bewegungen und Kraͤffte; das iſt das himmli⸗ 
ſche Manna, welches ſuͤſſer ift denn Honig und Honigſeim; 
welches die Hoffaͤrtigen, Ruchloſen, Gottloſen nie geſchmecket 
haben, auch nicht ſchmecken koͤnnen oder werden. 


Caırur XXXVII. 
Ohne Buß lauter Finſterniß. 

Jeraus folget abermal unwiderſprechlich, daß das eine groß 
ſe Blindheit ſey in geiſtlichen Sachen, wer diß nicht erken⸗ 

net, verſtehet, glaͤubet und ſiehet, nemlich, daß die Frucht des 
Worts GOttes und des Glaubens ſey Leben und Licht, Erleuch⸗ 
tung, Troſt und Krafft, und allerley geiftliche Gaben. Und die⸗ 
ſelbe Blindheit koͤmmt daher, daß man ſich nicht von der Fin⸗ 
ſterniß kehret, und abwendet zum wahren Licht durch wahre 
Buſſe, und täglich Abfterben der Sünden, Und lehrets ja die 

innerliche Erfahrung, wie das Hertz erfreuet wird mit himmlis 
feher Freunde, wenn man daffelbe abwendet von der Welt zu 
Goͤttlichen Betrachtungen, wie man in den Pſalmen und Pro: 
phetifchen Kob-Sefängen mercket, und in den Canticis des Neuen 
Teſtaments. Welch eine fanffte, füffe Rute ift in der wahren 
Liebe GOttes und des Naͤchſten! Welch eine Freudigkeit iftin 
Ubung des wahren Glaubens ! Welch ein Eräfftiger Troſt ift 
im Gebet! Woher Eommen fonft die geiftlichen Exclamationes 
und Freuden ABorte der Heil, Schriffi, auch anderer andaͤchti⸗ 
‚ger heiliger Leute in ihren Medirationibus und Betrachtunsen ? 
Dos ijt das verborgene Manna, das iſt die himmliſche Mahl⸗ 
zeit, welche der Männer Feiner, fo die Welt lieb gewo nen 
haben, nimmermehr ſchmecken werden, Luc, 14.0524. Wers 
nun 





1198 duch VI. REPETITIO 


—— — — — — —— 
nun ſelber nie geſchmecket hat, wie kan ers andere lehren? 
Gumma die himmliſchen Schage und Gaben des Heiligen _ 
Geiſtes, Erleuchtigung und andere Früchte des Glaubens und 
Erkaͤnntniß GOttes, müffen mit himmliſchen Gemuͤthern, und 
nicht mit irdiſchen Hertzen ergriffen werden. Der Friede des 
Hertzens iſt ein groß himmliſches Gut, hoͤher denn alle Ver⸗ 
nunfft, und bewahret Hertz und Zinn in CHriſto JEſu; 
der Gottloſe aber hat keinen Friede, ſpricht mein GOtt, 
Phil.4. v.7. Jeſa. 57. v. 21. 


ApuT XXXVIIL 
roͤſſeſte Strafe der Gottloſigkeit. 


Hiraus folget unwiderſprechlich, daß zulegt das gottlofe, 
unbußfertige, unchriftliche Leben mit falſcher Lehre, vielen 
Irrthuͤmern und Keßsreyen muß geftraffet werden 2 Derowe⸗ 
gen wir täglich) bitten folen, daß unfr lieber GOtt um unferer 
Hroffen Sünden und Unbußfertigkeit willen fein Wort und Die 
reine Apoftolifche Lehre nicht wolle von ung nehmen, Wie betet 
der Prophet Fer. am 14.0.7. Ach HErr, unfere Miſſethat 
habens ja verdienet, aber hilff doch um deines Namens 
willen, denn unfer Ungehorſam ift groß, damit wir wi⸗ 
Der dich gefiindiger haben. Da Elager der Propbetüber den 
Ungeborfam wider GOttes Wort. Undam ı 5.0. 16%. fpricht 
er: Indeß enthalte uns, HErr, dein Wort, wenn wirs 
kriegen; denn es ifE unfers Hertzens Sreude und Troſt. 
Wenn man predigt wider die Derachtung des Östrlichen 
Worts, , fo verfichens die albern Feute von dem Gehör des 
Worts. Ach du Elender, vom Ungehorſam wider GOttes 
Wort iſt die Verachtung su verſtehen, dof niemand nah GOt⸗ 
tes Wort lebet, iſt kein Slaube, Feine Treue, Feine Liebe, Feine 
Gottesfurcht, keine Andacht, Eein Gebet, Feine Ehre gegen GOtt 
und Menfchen unter den Reuten, fondern alle Bosheit im hoͤch⸗ 
ften Grad hatüberhand genommen. Das it (du ’Blinder die 
Verachtung GOttes und feines Wortes, das iſt das Unkraut, 
- welches der Feind füet unter den Weitzen, nemlich die Kinder 
der Bosheit; da ſaͤet der Teufel Abgoͤtterey, Irrthum, Ketze⸗ 
rey, durch hoffaͤrtige, ehrgeitzige, fleiſchliche, — 9 — 
au 


— 


APOLOGETICA 1199 


auf daß geſtrafft werden alle, die Luſt haben an der Ungerech⸗ 

tigkeit, 2, Theſſ. 2. v. 11. 12. 

Capur XXXIX. 
Zeilige Kebre beilig zu bewahren. 
FT Araus folget ja unmwiderfprechlic) abermal, daß auch mit 
heiligen gottfeligen Leben, neben dem öffentlichen Wi⸗ 
Derfprechen der falfchen Lehr, die reine Lehre erhalten werde, 
Erſtlich Darum, weilder Heil, Geiſt, der Geiſt der Wahrheit, 
bey den Frommen und Gottsfuͤrchtigen bleibet; die Gottloſen 
und Ruchloſen aber fleucht, und der Satan verblendet und ver⸗ 
finſtert die Hoffaͤrtigen, Stoltzen, Vernunfft⸗ gelehrten. (2) 
Iſts nicht genug, daß man feſt halte an dem Fuͤrbilde der heil⸗ 
ſamen Worte vom Glauben, ſondern auch vonder Liebe in 
EHrifte JEſu, welches fo noͤthig iſt, Aergerniß abzuwenden, 
auf daß der Name GOttes nicht verläftert werde, ı. Tim. 6. 
v. 3. 4. So iemand nicht bleibet bey den beilfamen Worten 
unfers HErrn IEſu Coriſti, und bey der Lehre von der 
Gottſeligkeit, der iſt verduͤſtert und weiß nichts; ſon⸗ 
dern iſt zaͤnckiſch in Scagenund Wort⸗Kriegen. (3) So 
fallen die, fo altzuhoch ſteigen in ihren Difputationibus’und Spe- 
culationibus , gemeiniglich herab in groſſe Irrthuͤmer, oder. ers 
ſpintiſiren Gubtilitäten, die keinem Menfchen nuͤtzlich oder befr 
ferlich feyn ; darum St. Paulus die Eorinthier von den hohen 
Gaben und Gubtilitäten der Sprachen und andern Sachen 
herunter in die Liebe weiſet, und ſpricht: Ich will euch einen 
beffern Wegzeigen, 1. Cor. 12. v. 31. (4) Sodarff auch 
niemand gedencken, daß der Glaube rein und wahrhafftig fey, 
Der Durch die Liebe nicht thatigift. Wie kan denn die Lauterkeit 
des Goͤttlichen Worts durch einen unthätigen und fruchtiofen 
Glauben erhalten werden ? Denndie Schrift ſtellet ung zwi⸗ 
fhen GOtt und den Menfihen, daß wir beyden Theilen Ges 
ie geben follen durch den Glauben und durch die 
ebe. 
CAPUT XL 
Regeln Chriſtliches Lebens. 

Jerauf iſts nun ſehr foͤrderlich zur Gottſeligkeit, daß man 
Mandaͤchtige, troͤſtliche precepta und Regeln vor Augen batı 
| ie 


1200 Buch VL. REPETITIO 


die man fonderlich ins Gedaͤchtniß faffe, und offt daran gedencke. 
Daffelbe aber find rechtfchaffene præcepta und Regeln Chriſt⸗ 
liches Lebens, die dem Menfchen feine eigene Wichtigkeit und 
Schwachheit ju erkennen geben, die einen Ehriften darinn recht 
unterrichten und tröften, Die die Liebe pflantzen, die Gedult ers 
werfen, die Andacht befördern, die Danckfagung ſtaͤrcken Die 
Sünde dämpffen, die Demuth anzunden, und vor allen Dins 
gen den Ölauben bewahren. | | | 


Caırur XLI. und XLII. 


Marauf folget nun der Beſchluß und Wiederholung des gans 
gen erften Buchs, und hat diefe Confirmation: GOttes 
ort inder H. Schrift iſt eine Göttliche Lehre, dadurch GOtt 
der Here mit des Menfchen Her und Seele, Geiſt und Ge⸗ 
muͤth handelt,vaffelbe erleuchtet und beweat durch den H. Geiſt, 
welcher in den Hergen der Menfchen den Glauben würcket, und 
im Anfang vor allen Dingen die inwendige Bosheit und Un⸗ 
reinigkeit des Hertzens, ſo aus dem Eläglichen Sünden - Fall 
herruͤhret, angreift, nicht alfo, wie die Philofophia moralis, Die 
erbare und fittliche Welt⸗Zucht, fo die äufferlichen Laſter und 
Untugend ftraffet und befchreibet: Sondern der Gift GOttes 
greifft viel tieffer in den Grund des Hertzens hinein, durchforz 
fchet alle heimliche, verborgene Unart, ſo GOtt zumider iſt, und 
die unerkannte Unreinigkeit, welche die Vernunfft nicht für 
Sünde achtet, und ſtellet diefelbe ins Kicht vor GOttes Ar» 
geficht, Pf. 90.0.8. welcher fo viel feyn, wie Sand am Meer, 
daß wohl die Schrift faat, das Hertz des Menſchen ſey uners 
gruͤndlich und unerforſchlich boͤſe, Jer. 17.v. 9. Dagegen aber 
fordert GOttes Wort die neue Geburt, welche nicht mehr wuͤr⸗ 
cket ein fleiſchlich Leben, ſondern ein neues geiſtliches Leben: nicht 
auf die Weiſe, wie die Philofophia moralis ein aufferlicheg, 
fittliches, erbares Xeben erfordert, fondern ein innerlich eilig 
Leben , welches ſtehet inwabrer täglicher Buſſe, und im 
lebendigen Blauben, und in der Regierung des Aeiligen 
Geiftes, in Toͤdtung des Fleiſches in Abfterbung der 
Welt, in Derleugnung fein felbjE und der böfen Luͤſte; 
und Binmwieder in wahrem lebendigen Troſt der Gnade GOttes, 
Der Vergebung der Suͤnden, der Gerechtigkeit — 
ichen 





APOLOGETICA. } 1201 


lichen Seelen » Friedens, der lebendigen Freude im Heiligen 
Geiſt. Dis ift das neue geifkliche Leben ‚welches weit übers 
trifft das Aufferliche erbare Leben der Vernunfftz denn dis iſt 
ein Leben das aus BOTT iſt, nemlich ein innerlich ‚ geiſtlich, 
Goͤttlich Leben, mit feinen geiftlichen Gliedern: Denn da iſt 
anfaͤnglich eine Göttliche Etkaͤnntniß, eine Goͤttliche Traurige 
keit, ein Goͤttlicher, ewiger, himmliſcher Troft, eine Görtliche 
geſchenckte und nicht menfchliche Gerechtigkeit, welche aus 
CHriſto dem Sohne GOTTES durch den Glauben an ung 
gelanget, ein Goͤttlicher Friede, eine Göttliche Freude, eine 
Goͤttliche Weisheit, welche die Weiſen dieſer Welt nicht era 
kannt hahen. — ae! 
NB. Wenn dirs aber SOTT hatzu erkennen gegeben, fo 
fiehe su, daß ſich dein Hertz nicht erhebe, fondern bleib in Deo 
muth und Gottesfurcht, fonft wirſt du deine Guben verlieren 
und verderben, daß jie weder dir noch deinem Naͤchſten zu Nutz 


kommen koͤnnen. 





- SYLLOGISMUS .APOLOGETICUS, 
Sichug: Schluß wider die Laͤſterer. ! 
Wee JESUM ChHriſtum in feinen Schrifften zum eini⸗ 
gen Zweck und Ziel ſetzet mit ſeiner Perſon und Amt; 
2. Alles auf ihn ziehet und rekeriret, was im Alten und 
Neuen Teftament gefchrieben ift, beydes myftice, oder typice, 
Das iſt ne oder offenbarticher Weiſe; 2 
3. Snfonderheit aber den hohen Artickel von unfer Rechtfer⸗ 
tigung vor GOTT, fo aus dem Verdienſt EHriiti , als aus 
einer lebendigen Duelle entſpringet, welche fo hell und klar ſeyn 
muß daß nicht ein Stäublein menfchlicher Wercke darinnen 
muß geſpuͤret werden, rein fuͤhret; —J 
4. Die Mittel zu unſerer Seligkeit, GOttes Wort, Geiſt 
ch Glauben, und die Heiligen Sacramenta ‚rein behält und 
Iehret 5 | 
5. Die Früchte der Gerechtigkeit, die Erneuerung und 
Heiligung ernftlich fordert, nemlic) den Baum mit den 
Fruͤchten; Gi 
6. Das falſche Chriftenthum und Heucheley aufs hefftigfte 
ſtrafet, weil es gay überhand genommen, und der tauſende 
VI.Tpeil, gg 9 | nicht 


1202 BuchVl.  REPETITIO 


nicht erkennet noch verjtehet, was das EhriftlicheXeben ſey, und 
feyn muß und foll 5 — 

7. In allen Puneten der Augſpurgiſchen Confeſſion und 
Formulz Concordiz unterfehreiber und gemäß Ichret; 

Demfelben thut man Gewalt und Unvecht ‚daß man ihn 
läftert und verleumdet, für Oſiandriſch, Schwenckfeldiſch, 
Weigeliſch, Paͤbſtiſch ausruffet. - ; * 

Dieſe Puncten alle wird man in allen meinen Buͤchern 
deutlich, klaͤrlich, oͤffentlich finden, alſo, daß allen Calumnian⸗ 
ten ſey Trotz geboten, daß ſie in ihren Schrifften derſelben Arti⸗ 
ckel einen klaͤrer, ernſtlicher und heilſamer zeigen: Denn 
darauf iemand kuͤhne iſt, darauf bin ich durch GOttes 
Gnade auch kuͤhne. 2. Cor. 11,v. 21. Und verſuche es einer 
meiner Laͤſterer, ob er des menſchlichen Hertzens verborgene 
Bosheit, darnach ſein Unvermoͤgen, Nichtigkeit und Elend; 
hinwieder aber GOTTES Gnade, Liebe und Gerechtigkeit 
in EHrifto gründlicher und höher Fan befchreiben und rühmen, 
fo will ich ihm mit Freuden dancken: Zudiefer Thorheit vers 
urfochen mich die Käfterer und Verleumder. Darum thut 
man mir vor GOTT und feiner Kirchen Gewalt und Unrecht, 
ud GOTT wird zu feiner Zeit folche Lafterung richten, und die 
Läfterer zerſchmeiſſen. | | 


Das andere Bud) 
Vom wahren Chriftenthum. 


Leichwie das erfte Buch den Urfprung und 
Brunnen menſchlichen Elendes zeiget, und 

wie die tieff verderbte menfhliche Natur 
müffe wiederum geteiniget, erneuert, geherlis 
get, und das fündliche Fleiſch gedäampffet 
mwerden, durch mahre berggründliche Buſſe, 
und AWiederaufrichtung des Bildes GOTTES durch ' 
den Glauben und Liebe: Alſo zeiget das andere Buch 
1) den Medicum und die Medicin, die ung von ſolchem Elend | 
und Unteinigfeit reiniget. 2) Wer nun wil curiet werden, 
muß fich mit einfchlieffen in die Curam, und — } 
“ angiehen, 





APOLOGETICA. Et‘; 





anziehen, ja durd) den Glauben an ſich ziehen, ihm zu eigen 
machen. 3) Allein in CHriſto IESU feine Gerechtigkeit 
ſuchen durch den lauben, welcher uns EHriftum gang giebt, 
mit feinem Verdienſt, Gehorſam, Verſoͤhnung, und allen 
Wohlthaten. 4) Aus welchem lebendigen Grunde wahrhaff⸗ 
tige Feuchte der Gerechtigkeit wachen, nicht zum Schein aug 
Heucheley, ſondern wie die Erloͤſung durchs Blut CHriſti wahr⸗ 
hafftig, gewiß, und kraͤfftig iſt: Alſo muͤſſen auch die Früchte 
der Gerechtigkeit und Danckbarkeit wahrhafftig, gewiß und 
lebendig ſeyn in der That und Wahrheit. 5) Darum iſt es 
nicht genug, daß man GOttes Wort weiß, ſondern alſo muß 
mans wiſſen, daß es in uns lebet, und gleichſam unſer Leben 
wird ‚mie im 1 19: Pſalm mit ſo vielem Seuffzen daſſelbe be> 
fhrieben und gebeten wird. . 6) Diemeil aber unfere verderbte 
Natur dargu viel zu ſchwach ift, fo hat uns unfer Erlöfer und 
Seligmacher feine und feines Heiligen Geiſtes gnädige Bey⸗ 
mohnung verheiffen, ja er hat uns zugeſagt feine sroftliche liebli⸗ 
che,freundliche,holdfelige Vereinigung mit uns, und hat für ung 
Eräfftiglich gebeten, 30h. 17,0. 11. Daß fie eins find, gleich, 
wie wir eins fepn ‚daß wir mitihm mögen vereiniget feyn und 
‚bleiben, wie er fpeicht: Ich in ihnen, und du in mir, auf 
daß die Liebe, damit du mich liebeft, ſey in ihnen, und ich 
in ihnen, v. 26. Diefe Bereinigungiftdie groſſe Wuͤrdigkeit 
der Gläubigen , die Emendarion, Melioration , Verbeſſerung, 
oder wie man es nennen Fan, der menſchlichen Natur, Huͤlffe 
und Staͤrckung im neuen geiftlichen Leben, welches CHriſtus 
in uns wuͤrcket. Dieweil er uns durch fein Blut hat gerecht 
gemacht ‚geheiliget und gereiniget, fo hat er uns auch mitdiefee 
geiftlichen Herrlichkeit und Seligkeit begnaden und begaben 
wollen ‚daß er ſich als unfer Haupt wit feinen Gliedern vereini⸗ 
gen wollen, welches ift eine hohe Srucht der Gerechtigkeit des 
Blaubens ‚dadurch EHriftus felbft in ung wohnet. Und dag 
nennet der HERR felbft unfere Dolltommenbeit , verftche, 
da ung nichts mangelt an Gaben, an Troft, an himmlifchen 
Guͤthern: Denn fo lauten des HEERRN Wort, 30h 17, 
v. 22. 23. Ich babe ihnen gegeben xc. Ich in ihnen, 
und du in mir, auf daß fie vollkommen fepn in eins, 
Als wolte ev, fagen, wenn zwiſchen mir und ihnen nicht eine 
5 9942 Verei⸗ 


1204 Such vl. REPETITIO 


Boreinigung wäre, wie zwiſchen mir und dir, fo wärenfie niche 
vollfommen in eines, denn in der Vereinigung ift die Vollkom⸗ 
menheit. Darum follen fromme Ehriften diefe ihre hohe Wuͤr⸗ 
digkeit wohlerkennen lernen, und fi) alfo in ihrem Leben, Ans 
dacht und Geber verhalten, daß fie die Bereinigung nicht fen» 
nen; denn der liebe HEIM verheiffet ung, er molle mit feinem 
Vater und Heiligen Seit Wobnung bepunsmachen, Joh. 
14,0.23. Ein frommes Ser bedencke dis Wort, was «8 
heiffe, und eigentlich ſey Vobnungbepunsmachen. Iſt das 
nicht eine groffe Seligkeirund Gnade, ein Hausund Wohnung 
der Heiligen Dreyeinigkeit feyn ! Won diefer unfer groſſen Herr⸗ 
lichkeit Stehet ein fehöner Locus in det Kirchen-Poftill&urberi 
am Pfingſt⸗Tage, welchen man, alseine edle Blume, inden 
Luft » Barten feines Dergens pflangen foll, da eralfo ſpricht: 
Das. muß eine grofſe Aerrlichkeit und Gnade feyn den 
ienfchen ‚foda wertb geachtet werden su ſeyn eine ſolche 
herrliche Wohnung, Schloß und Saal, ja Paradieß und 
Zimmelreich da GOTT auf Erden wohnet welche doch 
find folche arme betruͤbte, ſchuͤchtere Hertzen und Gewiß⸗ 
ſen, die nichts an ihnen, denn Suͤnde und Tod fuͤhlen, und 
vor GOttes Zorn beben und zittern, meynen, GOTT fep - 
von ihnen am weiteſten, und der Teufel am naͤheſten: 
Aber die ſinds, denen ſolches verheiſſen iſt, und froͤlich 
ſich deß troͤſten moͤgen, daß ſie ſind das rechte GOttes⸗ 
Aaus und Birche, da GOTT Luſt hat zu ruhen und zu 
bleiben, wie der Prophet Jeſaias am 66, v. 1. ſeq. ſpricht 
von ſolchen, wider die ſtoltzen aufgeblaſenen Heiligen: 
Was wolt ihr mir vor ein Haus bauen, und welches ſoll die 
Staͤtte ſeyn, da ich ruhen ſoll? Hat nicht meine Hand alles 
gemacht, was da iſt? Ich ſehe aber an den Elenden, und der 
zerbrochenes Geiſtes iſt, und der ſich fürchtet vor meinem Wort. 
Und wo ſollt auch GOTT ſonſt wohnen? Er findet ſonſt 
Beine Herberge auf Erden. Die andern trefflichen, ho⸗ 
ben, groſſen, ſelbſt gewachſenen Heiligen find ihm viel zu 
ſtoltz, viel zu hochmůthig, weiſe, klug und heilig, dazu 
weit durch und oben über den Himmel hinaus gefahren, 
Daß fie folten feine Wohnung auf Erden ſeyn. So iſt er 
auch wiederum viel zu edel und eckel, daß er nicht —* 
noch 








APOLOG ETICA, 6 


noch Ban bey ſolchen hoffaͤrtigen Rubmredigen Heiligen 
ſeyn und wohnen ‚welche, hrem Abgott dem Teufel 
nach , wollen BOTT gleich firgen, und mit ihm von ihrer 
Zeiligkeit pochen, und achtet fie der Ehre nicht wertb, 
daß er fie mie all ibrem Pracht, Ruhm und Schmuck 
ihrer fehönen felbfigemachten Herrlichkeit anfebe ‚finde 
fich dieweil in die arıne geringe Hůtten der Armen, Ders 
achteten, ſo CHriſti Wort hoͤren und gläuben, und gerne 
Chriſten wollen ſeyn, halten ſich aber ſelbſt fuͤr gar un⸗ 
heilige, unwuͤrdige Sünder; das iſt ja eine troͤſtliche, 
fehöne, und wie Sanet Petrus fagt, der theuren und 
allergröften Derbeiffungen eine, uns armen elenden 
Siündern gefehenct, daß wir auch Börtlicher Natur 
theilbafftig werden follen, und fo hoch geadelt ‚daß wir 
nicht allein durch CHriſtum föllen von GOTT geliebet 
werden, feine Gunſt und Gnade, als das hoͤchſte, theureſte 
Heiligthum halten, ſondern ihn den HERRM ſelbſt 
gang in uns wohnend haben, ' 
tem: Siebe nun,welch.eingroß Ding fep der Menſch, 
der da ein Chriſt iff. Kin rechter Wunder = Menfch 
auf Erden ‚der vor GOTT mehr gilt denn Himmel und 
Erden, ja ein Licht und Aepland der ganzen Welt, 
inden BOTT alles vermag und thut, aber vor der 
Welt gar boch und tieff verborgen und unbekannte, welche 
auch nicht werth if, folche Leute zu erkennen, fondern 
muß fie halten für ihre Suß - Tücher. 
Ibid. pag. 118. Das iſt die uͤberſchwengliche Zerrlichkeie 
der Chriften ‚daß ſich GOtt ihnen fo tieffberunter giebt, 
und fo. nahe zu ihnen tbut, daß er nirgend anders ‚dent. . 
in ihnen und durch ihr Wort und Werde, Hand und ' 
Mund ſich erzeigen,feben und hören laſſen will, und da» 
mit einen groſſen Unterſcheid machet zwifchen ihnen und 
‚allen andern Menfchen , daß auchein eingeler Chriſt vote 
gering er iff,vielein ander Mann ‚und vor GOtt böber 
geebret ift, denn alle Boͤnige, Baͤyſer, Sürften und alle 
Welt auf einem Aauffen, welche von dieſem Ruhm und 
Ehre nichts haben, noch wiſſen. Bisher Lutherus. 
Ach HErr/ was iſt der Menſch, daß du fein gedenckeſt⸗ 
* ©9993 und 


1206 Buch VL "REPETITIO 


— — — —— —— — — — — — — 

und des Menſchen Kind, daß du dich fein annimmeſt? Pf. 
8.0.5. Gebet, wie hat GOtt die Menſchen fo lieb! 5. B. 
Moſ33.v. 3. Wo iſt ein Volck, zu welchem ſich GOtt ſo 
nahe thut, als der HErr unſer GOtt, fo offt wir ihn an⸗ 
ruffen? C. 4. v. 7. Laſſe ſich demnach kein frommer Chriſt dies 
fer feiner Herrlichkeit durch derlogene Maͤuler berauben. Iſt 
Schande und zu beklagen, daß der Menſch, ich geſchweige ein 
Chriſt, ſolche troͤſtliche Lehre anfeinden, laͤſtern und verketzern 
ſoll, da es doch die Heyden beſſer verſtanden, und geſagt: Eſt 

Deus in nobis, agitante calefeimusillo. Item: An dubium eſt, 

habitare Deum ſub pedorenoftro? Dasift: GOtt iſt in ung, 

durch ihn werden wir entzündet. Item: Iſt es bey dir noch im 
Zweifel, daß GOtt in unſern Hertzen wohnet? Ja der H. Apo⸗ 
ſtel Petrus ſaget wol mehr, nemlich, daß wir der Goͤttlichen 
Natur theilhafftig worden, 2. Petr. t. v. 4. Und der Apo⸗ 
ſtel Paulus gehet den heydniſchen Poeten Aratum an, der da 


ſpricht: Wir ſind GOttes Geſchlechte, Ap. Geſch. 17.0.284 


Ja freylich aus GOtt gebohren durchs Wort und Heil. Sacra⸗ 
ment: Summa, wer das verleugnet und verketzert, der verkeh⸗ 
vet die ganke Heil, Schrifft: Denn GOttes Wort und der 
Heil. Geiſt wuͤrcket nicht auffer ung, fondern in uns, da lehret 
er,da tröftet er, da erleuchtet er, das find Die rechten @xadidaxron, 
davon die Weiſſagung Jeſaiä lautet, Cap. 54. v. 13. Deine 
Kinder ſollen alle von GOtt gelehret werden, nicht Enthu⸗ 
ſiaſtiſcher weiſe, wie die klugen Phantaſten meynen, ſondern 
durch goͤttliche Mittel: denn wo der himmliſche Doctor inwen⸗ 
dig nicht lehret, da hilfft kein auswendig Lehren, es iſt weder der 
da pflantzet oder begeuſt etwas, ſondern der das Gedeyen 
darzu giebt/ 1. Cor. 3.9.7. Was iſt es fuͤr ein hohes Geheim⸗ 
niß, daß St. Paulus ſpricht, 1. Cor. 2. v. 10. 11. Gleichwie 
niemand weiß, was im Menſchen iſt, ohne der Geiſt des 
Menſchen, alſo weiß niemand, was in GOtt iſt, ohne der 
Geiſt GOttes; denn der Geiſt GOttes erforſchet alles, 
auch die Tieffe der Gottheit. Von dieſem Geheimniß ſollen 
die Unverſtaͤndigen, welche die klaren Zeugniſſe von der Vereini⸗ 
gung GOttes mit dem Menſchen leugnen, ſehr viel verſtehen, 
werden demnach nimmermehr ſchmecken den Strohm des le⸗ 
bendigen Waſſers, ſo von der Glaͤubigen Leibe — 

8 J 


* 


APOLOGETICA. "+ 1207 


Joh. 7.v. 38. St. Paulus fchreibet an Timoth. 2.cap. 1.0: 6. 
Er folle das verborgene Fuͤncklein, fo er empfangen hat durch 
Auflegen feiner Haͤnde, in ihm aufblafen und erwecten, daß 
es leuchte und brenne: Wird vielleich: nach der Verjtandigen 
Meynung,den Enthuſiaſmum gelehret haben. Was iſts denn, 
daß die Epiſtel an die Hebr. 6. v. 4. 5. ſagt, daß etliche geſchme⸗ 
cket haben die himmliſchen Gaben, das guͤtige Wort, und 
die Kraͤffte der Eünffrigen Welt ? Iſt diß auch ein Enthu⸗ 
fiofmus? Was ſagt hiervon der 34 Pfalm, v.9. Schmecket 
und febet, wie freundlich der HErr iſt! Was iſt das Abend» 
mabl, und das verborgene Hanna, in der Offenbarung For 
bannis? C. 2.0.17. E,3.0.20, Haft du auch der D. Junge 
frauen Mariä Freude enıpfunden, welche fie harte in GOtt ih⸗ 
ven Heylande? Was iſt dr Heyl⸗Brunn Jeſaiaͤ, daraus 
man mit Freuden Waſſer ſchoͤpffet? Cap. 12.v. 3. Dazu 
auch der HErr CHriſtus ruffet Joh. 7.v. 37. Wohlam alle, 
die ihr durſtig feyd, kommet her zum Waſſer! Wo iſt der 
Geiſt der Weisheit, des Verſtandes, der Erkaͤnntniß, der Staͤr⸗ 
cke, des Raths, der Krafft und Furcht GOttes? Wo hat er ſeine 
Werckſtatt? Warlich bey den Laͤſterern und Verleumdern 
nichts denn da iſt weder Weisheit noch Verſtand. Und wenn 
der Geiſt GOttes wuͤrcket die Liebe, die Gedult, Gebet und Troſt, 
was ſind es für Wuͤrckungen, ſind es bloſſe Worte ohne Kraft? 
Iſt es nicht realis doctrina, eine wuͤrckliche, thaͤtliche, Frafftigc 
Bewegung, iſt es nicht eine lebendige Lehre? Wo hat die be⸗ 
truͤbte Seele ihre Ruhe? Muß ſie nicht in GOtt einkehren und 
ruhen? Summa, die Heil. Schrifft, und GOtt in derſelben, 
wiil mit Geiſt, mit Glauben, mit Hertzen, Andacht und himmli⸗ 
ſchen Gemuͤth ergriffen feyn, alfo,daß derſelben Licht, Krafft, Le⸗ 
ben, Troft, Staͤrcke, Weisheit, Sieg, und alle GOttes⸗Fuͤlle, 
wie St. Paulus Eph. 3. v. 19. redet, im Hertzen, Geiſt, Glau⸗ 
ben, Sinn und Gemuͤth empfunden werde, und GOtt Vater, 
Sohn und Heiliger Geift im Wort erkannt, geſchmecket, gelies - 
bet und gelobet werden, und Durchs Wort im Glauben im Her⸗ 
gen wohnen, und das gange Reich GOttes im Menfchen aufe 
richten. Hie helffen Feines Menſchen Künfte, fondern durch den 
Glauben und Heiligen Geift erleuchtet werden, von oben herab 
gebohren werden, den Schluͤſſel zu dem Schap-Kaften GOt⸗ 
89994 tes 


1208 Bub VL REPETITIO 


tes Den Heiligen Geiſt erbitten. Ni enim radio lucis Divine 
fenfus noftri purificentur, DEI in Scriptura Joquentis men- 
tem & dulcedinem percipere non poffumus, “Denn wo 
nicht unfere Sinne mit dem Strahl Goͤttlichen Lichts erleuchtet . 
und gereiniget werden, fo koͤnnen wir den eigentlichen Sinn und 
die Suͤßigkeit GOttes, der in der Schrift redet, nicht foffen 
noch beareiffen. Die Göttliche Erleuchtigung, Weisheit, 
Friede, Liebe, das Reich GOttes, läffer ſich nicht alg eine Wort⸗ 
und Welt⸗ Kunſt lernen, durch die Eluge Vernunfft, du muft in 
die rechte Pfingſt⸗ Schule gehen, oder bleibeſt ungefchickt zum 
Reiche GOttes. (7) Darzu iſt nun hoch nöthig, Daß ein gotts⸗ 
fürchtiger Menſch ſich ſelbſt lerne vecht erkennen und prüfen,wer 
in ihm das Regiment und die Herrſchafft habe? Gewißlich 
hat St. Paulus folches empfunden in feinen Gliedern, wie er 
darüber klagt Roͤm. 7. v. 23. befiehlet auch, daß wir die Sünde 
in unſerm fterbfichen Leibe nicht follen herrſchen laffen, u 
thun, was wir wollen, Roͤm. 6.0.12. fondern wir follen prüfen, 
ob Chariftus in unsfep-, daran wir merdken Eönnen, daß wir 
nicht reprobi oder verworffen, oder untüchtige Glieder CHriſti 
feyn, 2. Cor, 13.0.5. Darum follen wir den alten Menfchen 
ablegen, und den neuen Menfchen angiehen, den Aufferlihen 
Menſchen kaffen durchs Ereus und wahre Buffe vermefen, auf 
daß der innerliche täglich erneuert werde, Wir ſollen unterſchei⸗ 
den lernen die Früchte des Geiftes und Fleiſches: Denn was 
aus den Sleifch gebohren ift, das ift Sleifeh, was ausdem 
Geift gebobren ift, das iſt Beift, Joh. 3.0.6. DenndieNas 
tur Kinder des Zorns gebiehrer, der Geift aber Kinder der Gna⸗ 
den; die Bernunfft muß gefangen genommen mwerden,der&laus 
be aber die Welt überwinden : die Wercke der Sinfterniß 
muffen abgeleget , die Waffen aber des Lichts angerban 
werden, Rom, 13.90.12. Der faule Baum muß abgehauen 
werden mit feinen argen Früchten, der gute Baum muß einges 
pflantzet werden, der gute Früchte bringe. Der Sünde muß 
abgeſtorben, und der Berechtigkeit gelebet werden, 
1. Betr. 2.0.24: Unfere Gewiſſen müffen gereinigertwers 
den von den todten Wercken, Hebr. 9. v. ı4. und dagegen 
die lebendige Tugend eingepflanget werden. Das Sterben 
EArifti muͤſſen wir an unferm Leibe tragen, auf daß * 
as 





'APOLOGETICA 129 


Das Leben Chriſti an uns offenbar werde, 2. Cor. 4,0.10, 
Das alte Zerufalem muß zerftöhret werden, und muß auf uns 
gefchrieben werden der Name des neuen Jeruſalems, Of⸗ 
fenb. Joh. 3,0. 12. Das Reich des Satans muß untergehen, 
auf daß das Reich GOttes in uns erbauet werde; das Otter⸗ 
gezuͤcht und der Schlangen⸗Saamen muß vertilget werden, 
Gottes Saame aber muß in uns wachſen: Der natuͤrliche 
Menſch, der nichts vernimmt vom Geiſt GOttes, muß 
gedaͤmpffet werden, aber der geiſtliche Menſch muß leben, und. 
alles gelftliche ausrichten, 1. Cor. 2,0. 14. Das Bild dee 
Satans muß ausgetrieben, GOttes Bild aber in ung vers 
Flätet werden. Wer dieſes nicht verftehet, wird nimmermehr 
die Buſſe vecht verftchen, auch die Gnade GOttes nicht, audy 
die menfehliche Schwachheit nicht, auch GDttes Erbarmung 
nicht, auch das neue geiftliche Leben nicht, und ift noch fehr 
weit vom wahren Cheiftenthum, er. laffe fich denn in feinem 
Hochmuth fo viel duͤncken, als er wolle, Hieraus fieheft du 
nun, wie hochnöthig einernftes, andäachtiges, unaufhorlic Ger 
bet fey, wie dadurch der inwendige Menfch geftärcket, geheili⸗ 
get, gereiniget, getroͤſtet, erleuchtet, gank in GOtt gesogen, und 
GOTT dem HErrn gang familiar und geheim erde, wie ein 
Heil. Engel, welcher alegeit GOttes Angeficht fiehet im Him⸗ 
mel. Summa, es feynd im Gebet mehr Scheimniffen, denn 
auch der allerklügefte Menfch begreiffen oder verftehen fan, 
wie im 20, Cap. diefes 2. Buchs aus dem alten geiftreichen Leh⸗ 
rerTaulero angezogen. Und ift gang Eindifch und lächerlich, daß 
Die Unerfahrnen folche bimmilifche Sachen vermwerffen, die fie 
doch) mit ihrem groben Unverftande den taufenden Theil nicht er⸗ 
reichen koͤnnen, ja fie roiffen nicht, mas recht beren ift, viel we⸗ 
niger wiſſen fie, mas fischen ift, amallerwenigften vwoiffen fie, - 
was anklopffen iſt. Ach wie ſanfft ruhet die gläubige Seele 
in der Liebe GOttes, wann ihr GOtt auf ihr Anklopffen die 
Schaͤtze CHriſti JES U aufgethan hat, Davon ein Eleines 
Woͤrtlein inden Kapiteln von der liebhabenden Seelenindier 

fem Buch zu finden ift, _ | 
Diefen Schatz habe ich nachgeforfchet, ob ich etwas davon 
finden möchte; die edle Perle habe ich geſuchet in manchem 
Acker. Und daher ift es fommen , als mir” ungefehr vor 
89995 15. Jah⸗ 


1210 BuchV. REPETITIO 


eg a ee 
15. Jahren, da noch des Weigels Schriften das Licht nicht 
geſehen hatten, dis Tractätlein in ı 2. Kapitel vom Gebet von 
einem guten Freunde verehret ward, und ich daffelbe andaͤchtig, 
Schrifftmaͤßig und lehrhafftig befand, daß ich mirs belieben 
laſſen, mit in mein ander Buch zufegen,, die Cireumſtantien des 
Gebets damit zu erklären , wie nemlich Durchs Gebet alles , was 
an geiftlichen Gaben nonnöthen ift, muß wieder vom Vater des 
Fichte erbeten werden; was für groffer Schade entftehe, wann 
man nicht fleißig bete,daß nemlich ein nicht betender Menfch fein“ 
Allerbeftes verfaume in Diefem Euren Leben ; vie das Gebet der 
rechte Weg fey zu allem Guten, darauf ein Menſch ftets wan⸗ 
deln und ſich üben folle. Daßdas Geber weder an Zeit noch 
Ort, weder an Würdigkeit noch Unwuͤrdigkeit der Perſonen 
gebunden ſey, ꝛe. "Bitte aber die groſſen Heiligen, fie wollen 
mir die Sünde verzeihen, Daß ich mich der Apoftolifchen Regel 
gebraucht habe, pruͤfet alles, das Butebebaltet, 1. Theſſ. 5. 
v.21. Sie wollen aber nach ihrer hohen Kunftnicht fonärrifch 
argumentiren und fchlüffen: “Dieferhat (und zwar unroiffend) 
aus dem Weigel etwas angezogen, darum billiger er des Wei⸗ 
gels Irrthum. Seynd das nicht ſcharffſinnige Köpfe! Item: 
Das verftche ich nicht; Ergo ſo iſt es nicht recht. St. Paulus 
hat aus den Heyden was angezogen; Ergo ſo iſt er mit Heyd⸗ 
niſchen Irrthuͤmern behafftet. Aber genug hiervon. Wir 
müffen den herrlichen Lehrer Taulerum im dritten Buch auch 
von den Calumnianten vetten. 


Das dritte ud 
Bom wahren Chriftenchum. 


So kommen wir zu unferminmwendigenSchag, 
welchen wir bishero geſuchet haben durch die 
Buſſe, durch Betrachtung des Worts GOttes, 
durch die Gerechtigkeit CHriſti, durch die Heili⸗ 
gung und Erneuerung, durchs Gebet und andere 

I Böreliche Mittel. Und muß nun unfere gläu> 

bige Seele feyn und bleiben eine ABohnung GDttes, eine 
Werckſtatt des Heiligen Geiſtes, ein Beſitz des Reichs GOt⸗ 
tes, 





APOLOGETICA. 1211 





tes, ein Haus des wahren Gottesdienſtes, ein heilig ‘Bet 
Haus, im Geiſt und in der Wahrheit. Alle, die dieſes vers 
leugnen, haben eine Theologiam, ſo das Hertz und die Seele 
nicht angehet: Denn mo rollen fie doch das Reich GOttes 
binfesen ‚in oder auſſer dem Menſchen? ABo fol der wahre 
Gottesdienſt verrichtet werden, in oder auffer dem Menfchen? 
Bo fol der Glaube, Kiebeund Hoffnung entzündet werden ? 
Wo ſollen die Wuͤrckungen des Heiligen Beiftes gefchehen, die 
Erleuchtigung , die Lebendigmachung, die Heiligung? Wo 
folder Sieg des Glaubens über die Welt geſchehen? Vielleicht 
in Utopia ? Wo fol dag Subjedtum feyn der Gaben des Hei⸗ 
ligen Geiftes? Wo fol die Offenbarung der Önaden, des 
Troſtes, der Freude, des Friedens arfchehen? Wo ſoll das 
Licht der Gnaden fcheinen? No fol das Licht der Seelen leuch⸗ 
ten? Wo ſoll die Prüfung des Hergensfeun? Wo fol die Liebe 
GOttes geſchmecket werden? Im leiblichen Munde, oder im 
Geiſte? Wo ſoll GOTT durch fein Wort, Geiſt, Andacht 
und Bewegung mit unſern Hertzen reden? Zu Rom oder zu 
Serufalem ? Wo ſoll man den Heiligen Geiſt und feine Kenn⸗ 
zeichen fchen? Wo foll die Ruhe der Seelen feyn ? Wo ſoll 
man die himmliſchen Bücher und geiftlihen Reichthum fuchen ? 
Wo ſoll man das heilige und erneuerte Bild GOttes ſuchen? 
D ihr elenden Leute, die ihr nirgend von zu fagen wiſſet, als von 
Secten; dis fol man wiſſen, aber jenes auch verftehen lernen; 
fonft ift aure Kunft des Theologifchen Namens nicht mwerth. 
Die YBürdigkeit und Hoheit des Verdienftes CHriſti fol. man . 
treiben ‚Die Herrlichkeit des Glaubens, die Heiligkeit des Lebeng 
EHrifti , und fein holdſeliges Exempel, und wie CHriſtus eine 
Geſtalt in ung fol geroinnen. Um folche vecht Theologifche 
Sachen folltet ihr euch befümmern. | 
Das Fundament und Grund aber alles deffen, was ich im 
dritten Buch vom wahren Ehriftenthbum gefthrieben habe, ift 
der Spruch des HErrn, Sehet, das Reich GOttes ift ins 
wendigimench, Luc. 17, v. 21. Und St. PauliEph. 1, v. 13. 
Da ihr glaͤubetet, ſeyd ihr mit dem Helligen Geiſt verſie⸗ 
gelt worden. Das iſt in unſern Hertzen und Seelen geſchehen; 
darum lehret und ſchreibet Taulerus, daß wir muͤſſen zu un⸗ 
ſerm inwendigen Grund des Hertzens gefuͤhret werden, daſelbſt 
| unfern 


1212 Buch Vi. REPETITIO 


unfern inwendigen Schatz zu ſuchen, da werden wir ihn finden, 
da werden des Glaubens Kräfte fich offenbaren, Die inwendige 
geiftliche Schönheit, decor internus, da offenbaret ſich GOttes 
Krafft und Weisheit, da ift Erkaͤnntniß menfchliches Elendes, da 
wird GOttes Erbarmung empfunden das Licht der Gnaden, die 
göttliche Liebe, göttlich) Geſpraͤch, Wuͤrckung und alle Kraͤffte 
des Geiſtes, Kennzeichen der Beymohnung GOttes Ruhe der 
©eelen , fräfftige Gebet, und alles, was zum geiftlichen, göttlis 
chen und himmliſchen Weſen gehötet, und das gantze Reich 
GOttes, alle geiſtliche Guͤter und himmliſcher Reichthum, wie 
daſſelbe particulatim, inſonderheit durch dieſelbe Capitel im 
dritten Buch wird ausgefuͤhret, und iſt ein iegliches Capitel ein 
Stuͤcklein von dem Siegel des Heil. Geiſtes, und wenn daſſelbe 
durch Gebet und Betrachtung eroͤffnet wird, ſo ereignen ſich 
mancherley Guͤter dieſes Schatzes und des Reichs GOttes, und 
iſt keine Enthuſiaſterey, wie du elender Menſch meyneſt, ſondern 
es iſt eben das, was St. Paulus ſagt, dvafwrvgsv, daß aus 
einem Rüncklein ein Feuer fan aufgeblafen erden, und aus eis 
nem Senfflörnlein ein geoffer Baum werden. ft auch Fein 
Schwenckfeldianifmus, wie du meyneft, fondern ein Ehrift ift als 
bereit durch GOttes Wort und Hochwuͤrdige Sacrament neu 
gebohren, gläubig worden und befehret, NB. mangelt nur die 
praxis und Übung desthätigen Glaubens, Iſt auch kein Ofian- 
drifmus, denn es iſt nicht Die wefentliche, fondern Die Gnaden⸗ 
reiche Gerechtigkeit ZESU CHriſti, die ung aus Gnaden ges 
fchencket. wird, welche in uns eitel Gnaden⸗Fruͤchte wuͤrcket. 
NB. Iſt Eein Papifmus, denn eg ift Fein Verdienſt, fondern Gna⸗ 
de. NB. ft kein Weigelianifmus,denn es ift hiedie Krafft des 
lebendigen Wortes GDttes, Pre 

Darum fahen wir nun an ein jedes Capitel des dritten 
Buchs ſonderlich Zu confirmiren. | 

has Confirmatio der Vorrede. 

Nachdem der Sohn GOttes begeuget, Joh. 7.6.38. daß, 
wer an ihn glaͤubet, von deß Leibe werden Ströbme des . 
lebendigen Waflers flieffen; welches er fagt von dem - 
Beift, welchen empfaben-follen, dieanibn gläuben. Und 
nachdem 1. Joh. 2.0. 20, 27. gefchrieben ift : Ihr habt die 
Salbungempfangen, die euch alles lehrer, Item Ser 31. 

. v,33+ 


APOLOGETICA. 1213 


— — —— — — — — — —— — — 
v. 33. Ich will mein Geſetz in ihr hertz geben, und in ih⸗ 
ren Sinn ſchreiben; ſo iſt hoch vonnoͤthen, daß wir dieſes 


Schatzes in uns wahrnehmen, daß wir ihn fuchen, als eine 
koͤſtliche Perle im Acker, durch Betrachtung des Goͤttlichen 
Woris, durch innerliche Andacht, durch Wuͤrckung des Heilis 
gen Geiſtes. Sol aber ſolches gefchehen, fo muß Die Liebe der 
Belt ausgezogen unddiekiebe GOttes angezogen werden; und 
muß ein GOtt⸗ ergebenes und GOtt⸗ gelaffenes Hertz da ſeyn, 
fähig der Sinaden-Saben des Heil, Geiſtes welcheman Charif- 
mata nennet, und Diefelben machen einen Unterfcheid unter den 
Gelehrten und unter Heiligen. Die Heiligen lernen aus dem 
Heil. Geiſt, wie die Apoſtel; unter derſelben Zahl koͤnnen auch 
wol einfaͤltige, und vor der Welt ungelehrte Leute ſeyn, aber 
Gottsfuͤrchtige und Andaͤchtige. Die Welt⸗Gelehrten aber 
ſind in der Welt in groſſem Anſehen wegen ihrer hohen Ver⸗ 
nunfft und Welt⸗Weisheit, Darum muß man dieſen Unterſcheid 
wohl mercken, auf daß man auf den rechten Grund der irdiſchen 
und himmliſchen Weisheit komme. Denn St. Paulus nicht 


ohne Urſach diefen Unterſcheid befchreiber 1. an die Cor. 1.0.18. _ 


als er ſpricht: Das Wort vom Creutz iſt eine Thorheit 
denen, die verlohren werden, uns aber, die da ſelig wer⸗ 
den, iſt es GOttes Krafft; wie geſchrieben ſtehet: Ich 
will umbringen die Weisheit der Weiſen, und den Ver⸗ 
ſtand der Verſtaͤndigen will ich verwerffen. Wo ſind 
die Blugen? Wo ſind die Schrifftgelehrten? Wo ſind 
die Weiſen? Hat nicht GOtt die Weisheit dieſer Welt 


zur Thorheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch 


ihre Weisheit GOtt in feiner Weisheit nicht erkannte, 


gefiel es BETT wohl, durch thoͤrichte Predigt felig su - 


machen die, fo daran gläuben. Und im 2.c. v. 4. ſqq. Mein 
Wort und Predigt war nicht in klugen Reden menſchli⸗ 
cher Weisheit, ſondern in Beweiſung des Geiſtes und 
Krafft. Denn unſere Weisheit iſt nicht eine Weisheit 
dieſer Welt, auch nicht der Oberſten dieſer Welt, wel⸗ 


‚che vergehet, ſondern wir reden von der heimlichen 


verborgenen Weisheit GOttes, weiche er verordnet 


bat vor der Welt, welche keiner von den Öberften dies _ 


fer Welt erkannt bat, Unsaber bares BOTT offen» 
barct 


# 


ee N 


— 
— 


ı214 Buch VI. REPETITIO 


baret durch feinen Geiſt: Denn der Geift GOTTES 
erforfeher alles, auch die Tieffe der Gottheit, und wir 
haben nicht empfangen den Geiſt der Welt, fondern den 
Geift zus GHTT, wir reden auch nicht mit Worten, 
welche menſchliche Weisheit lehren Ban, fondern mir 
Worten, die der Heilige Beift lebrer. Und im 3:6, 
v. 19.20. Der die Weiſen erbafcher in ihrer Klugheit; 
denn der 5SRR weiß der Weiſen Gedancken, daß fie 
eitel ſeyn. Wiſſet ihr aber nicht, daß ihr ein Tempel 
GoOttes ſeyd, und der Beift GOTTES in euch wohner? 
Denn der Tempel GOTTES ift heilig, der fepd ihr. 
Allhier legt St Paulus den Grund der Weisheit in dem Heili⸗ 
gen Beift, welchen wir empfangen haben, die wir zum Glau⸗ 
‚ben bekehret find. Aus diefem Fundament folget eine, andere 
himmlische Weisheit, und macher nun der Glaube den Uns 
terfcheid unter den Gelehrten und Zeiligen. Wie wie 
ſehen an den ungläubigen Heyden und Juͤden: Gelehrt feyn 
fie aus dem Welt⸗ Geift ‚aber heilig feyn fienicht ‚wegen des 
Unglaubens, denn fie mangeln des Heiligen Geiſtes. Da haft 
du nun die zweyherley Schulen und Wege, zweyerley Weisheit 
gulernen ‚davon ich in der Præfation des dritten Buchs gefchrie» 
ben habe. Sanct Paulus hat diefen Unterfcheid auch beruͤh⸗ 
tet, Eph 3,0. 19. Cchriſtum lieb haben, ift beffer denn 
alles wiffen. Und der hohe Nutz folaer bald darauf? Auf 
daß ihr erfüllee werder mit allee GOttes⸗ Sülle, das ift, 
wie e8 Doctor Lutherus erfläret : Daß EOTT allein in 
euch regiere und würcke , und ihr fein Volk feyd. Siehe ob 
Lutherus allhie auch ein Enthuftaftift ? 


Conſirmatio Capitis I. | | 

Schule der bimmlifchen Weisheit. | 
DE HERRN fpricht, Joh. 14,v. 21. Wer mich lieb 
bat, dem willich mich offenbaren. Hie iſt die Schule 
der bimmlifchen Weisheit gegeiget ; wo fol die Offenbarung 
geſchehen? Ohne Zro:ifel im Hergen ; wodurch ? Durch die 
Liebe CHriſti. Was ſoll denn die Offenbarung ſeyn? Goͤtt⸗ 
liche Weisheit und Erkaͤnntniß. Iſt nicht aus dieſer Officina 
und Werckſtatt des Heiligen Geiſtes alles hergefloſſen, ii 

un 





APOLOGETICA _ 1215 


und ie andachtiges,ernfiliches, geiftreiches geredet und gefchries 
ben ? Und das hat nicht gefehehen Eönnen, wenn man nicht in 
fein eigen Hertz eingekehret iſt und fich von der Welt abgewandt 
hat. So bald aber ſolches geſchehen im Glauben und in der 
Liebe CHriſti, ſo hat ſich der Geiſt GOttes mit ſeinen Gaben 
ereignet, da hat der Baum, am Waſſer des Goͤttlichen Worts 
gepflantzet, ſeine Frucht gebracht, da hat GOtt der Allmaͤchtige 
das Licht ſeines Angeſichts uͤber die Heiligen erhoben, und ſie er⸗ 
leuchtet, obgleich die Gottloſen Pſal.4. v.7. geſagt haben: Wie 
ſoll uns dieſer weiſen, was gut iſt? wie dieſe heilige Ubung 
in allen Pſalmen zu ſpuͤren iſt. Summa, du wirſt aus GOttes 
Wort keinen Wusen haben, wenn du es nicht in dir ſelbſt andaͤch⸗ 
tig betrachten wirſt, du nenneſt denn dieſe Ubung Enthuſiaſterey, 
oder wie du wilt. 
Hier Fan wiederholet werden das Geber, ſo vorn im 3. Buch zu Ende 
des 1. Capitels zu finden. Eben diefes Fan auch in ben folgenden 
Capiteln geſchehen. eo 9 
Carur Il. 
Einkehrung zu GOtt. | | 
Ham muß und Ean es bey einem gläubigen Chriſten nicht 
anders feyn, denn daß der wahre lebendige Glaube ſtets 
mieder einkehre in GOtt zu feinem Urſprung; denn aus dem⸗ 
felben nimmt er fein eben, feine Staͤrcke, feine Krafft und Licht, 
feine Ruhe und Friede, und dag find die Würcfungen GOttes 
in unjern Hergen durch den Slauben. Da fiehe nun zu, daß 
Du den lieben GOtt mit deinem unruhigen Hergen und fleiſch⸗ 
lichen Lüften nicht verhinderfl. Dahin gehen alle folgende Car 
pitel, welche lauter Zeugniffe feyn, aus Taulero und andern heis 





. 


ligen Vaͤtern angezogen, | 
Carur I 
Glaubens Befchaffenheit. 

Dher ſieheſt du, daß der Glaube nicht eine bloſſe Wiſſen⸗ 

ſchafft ſey, ſondern eine lebendige, thaͤtliche, wuͤrckliche 
Krafft, dadurch der Heilige Geiſt ſeine Gaben wuͤrcket, (wie die⸗ 
ſelben Würckungen in dieſem Capitel gnugſam erklaͤret ſeyn;) 
und wer dieſelbe nicht empfindet, wird nicht viel vom Glauben 
wiſſen. | 
Bag Ca», 


1216 Buch VI. REPETITIO 





CaArur IV. . 
Der Chriften Wuͤrdigkeit. | 
MN welchem nun der Slaube feine Krafft ergeiget, denfelben 
PN) regieret er in aͤuſſerlichen Wercken, ſo zum wahren Got» 
tesdienit gehören, mit Anhörung Söttliches Worte, mit dem 
Gebrauch der hochwuͤrdigen Sacramenten, und mit ahdern 
Ehriftlichen Liebes ⸗Wercken; darum ordnet und difponirf 
auch der Glaube des Menſchen⸗Hertz, GOttes Willen zu er⸗ 
Eennen ‚und anzunehmen, was GOTT der HERN zu des 
Glaubens Probe zufchicket , laffet ihm gefallen alles, was 
GOTDT gefaͤllet, und hält das vor eine groffe Wuͤrdigkeit, 
wenn der Menfch den heiligen Willen SOTITES duldet 
und leidet, welcher allezeit zu unferer Seligkeit gerichtet ift. 
Das find denn edle Merdzeuge GOTTES, und wenn «8 _ 
Die Allerelendeſten auf Erden wären, die hält GOTT der 
HERR theuer und werth als feine Kleinodien und Schäße, 
Dis find die Heiligen , die GOTT höher achtet denn alle 
Welt⸗Gelehrten, Palm 16, ver, 3. Die finds, die in der 
Hand des ZERBET ein Sürfklicher Aut feyn und eine 
ſchoͤne Crone, wie der Prophet Jeſaias 62, v. 3. ſpricht: 
Eine ſoiche Seele ift die ſchoͤnſte Creatur, SOTITES; Luft 
und eine Freude der Engel, - 4 
CAPUTA R : 
2 Chriſtliche Gelaſſenheit. J 
Sy Ehe denn amallermeiften geſchiehet, wenn die Armuth 
des Geiſtes, die hertzgruͤndliche Niedrigkeit und Demuth 
wahrhafftig im Geiſt und Gemuͤth eingewurtzelt iſt. Denn 
dahinein ſencket ſich GOTT mit ſeiner Gnade, und hat ein 
Wohlgefallen an ſolcher Seele; denn wer ih GOTT gang 
ergiebet, dem giebt fih GOTT gang wieder, und ie mehr 
‚man feine eigene Nichtigkeit erfennet, ie mehr GOTTES 
Gnade und Erbarmung über einem Menfchen ruhet; und weil 
GOTTEGS Wille fo heilig ift, fo freuen fich die Liebhaber 
SOTTES, daß fie nah GOTTES Willen Trübfal 
leiden. . Daher der Geiftreiche Mann Taulerus folche nach 
denckliche Art gu veden führet ‚tie in dieſem Eapitel angesogen, 
welche Bein ungeuͤbter und Reifchlicher Menſch ſo bald verſtehen 


wird. * 
CAarur 


APOLOGETICA. RT 


Su Caırur VL 
Der @ltubigen Vereinigung, . 
Enn fie * des Menſchen Hertz und Rmuth dem heili⸗ 
gen und gnaͤdigen Willen GOttes gantz ergeben hat, und 
an ihm allein hanget, fo it auch des Menfchen Gemürb mit 
GOtt vereiniger, wie St. Paulus ſaget: Wer dem HErrn 
anhanget, der iſt ein Geiſt mit ihm r. Cor. 6, v. 17. ſo ev 
eignet ſich denn auch GOttes Liebe und Freude im Menſchen, 
und des Menſchen Geiſt empfindet ſolche goͤttliche Freude, daß 
er mit der heiligen Jungfrau Maria ſpricht: Mein Geiſt freiier 
ſich GOTTES meines Heylandes, Luc.1,v.47. wie ſolche 
goͤttliche Bewegung in Propheten und Pſalmen viel beſchrieben 
find. Wie auch der heilige Auguſtinus und andere folche goͤtl⸗ 
liche Motus und Bewegungen empfunden haben; gleicher weiſe 
auch das Hohe⸗Lied Salome · is von eitel ſolchen geiſtlichen und 
‚göttlichen Affecten zuſammen geſetzet iſt welches auch offt unſer 
lieber getreuer GOTT den Glaͤubigen empfinden laͤſſet zum 
Vorſchmack und Zeugniß des ewigen Lebens; wie ſolches der 
geiſtreiche Taulerus eben mit den angezogenen Worten beſchrei⸗ 
bet, welche ob fie dir gleich unbekannt feyn, finds Darum keine 
Lügen, und fo Du hiervon nichts geſchmecket haft, ift e8 eine An⸗ 
zeigung deiner Gottlofigkeit. Du muft aber lernen bedencken, 
warum GOTT dem Menfchen eine lebendige Seele, welche 
ein Geiſt ift, eingeblafen hat , nemlich, auf daß ih GOTT mit 
Derfelben vereinige, wie Sanct Paulus Nom. 8,9. 16. faat: 
Der Geift GOTTES giebt Zeugniß unferm Geift; 
Darum wird unfere Seele vom HErrn E-Hrifto genannt ein 
Licht ‚fo in ung ift, auf daßfie GOTT erleuchtes fie hat die 
Krafft des Verſtandes auf daß fie von GOTT gelehret 
werde; die. Krafft des Willens, auf daß fie GOTT bes. 
wege und ziehe; die Krafft des Gedächtniß,aufdah fe GOTT 
erinnere; die innerlichen Sinne, auf daß fie GOTT er⸗ 
greiffen Eönne, durch GOttes Gnade, ja ſchmecken die Freund» 
“ Jichkeit, Sütigkeit, Süßigkeit und Freude GOTTES. Wer 
Das nicht erkennet , ift wie ein Vieh, und erreichet das Ende ſei⸗ 
ner Schöffung nicht. Und das ift die Sülle GOTTKS, 
Damit ein gläubiger Liebhaber EHrifti foll erfüllet werden, wie 
Sankt Paulus Eph. 3, v. 19, lehret. Und ſo wir fehen , daß 
VI. Theil. Dhhh Re 





1218 BuhVL. | REPETITIO 


die Sottlofen mit der Fülle und Wuͤrckungen des Satans er⸗ 
füllet wezden„mit.aller Bosheit, roelche wider GOTT und feis 
nen heiligen Willen ſtreitet; folte eine gläubige Seele nicht 
mit Goͤttlichen Gaben und Wuͤrckungen erfüller werden? Und 
fo die geiftreichen Alten nad) ihrer Art, Verſtand und Gaben, 
hohe Reden davon führen, thun fiedaran nicht unrecht ‚denn fie 
zeden aus Erfahrung und lebendiger Praxi. 
Carur VII 


Der Seelen Würdigkeit. 





His der Einwohnung GOTTES entfpringet der hoͤchſte 


himmliſche Adel und Wuͤrdigkeit unferer Seele; denn 


GOTT würcker feine Goͤttliche Wercke in unferer Seele; 
und wenn wir GOTT daran verhindern, machen wir ung 
ſelbſt unwerth der groffen Freundlichkeit und Lieblichkeit GOt⸗ 
tes, die alle Holdſeligkeit und Kieblichkeit übertrifft. Das fol 
ung herglich leid feyn, und follen darüber trauren; denn der 
Heilige Geift wird auch in uns daruͤber betrübt, . 
Carur VII | 
Bereitung der Seelen durchs Creug. 
FITTES Wohnung ift ein erbrochenes Hertz, ein 


zerEnirfehter Geiſt, wie der Prophet Jeſaias cap. 66, ı 


v. 2. ſagt; und ein ſolch Hertz Fan ohne Creutz nicht bereitet 
werden. Denn die innerlicye Sanfftmuth Ean nicht erlanget 
werden ohnedie Erfahrung vieler Verachtung; und die Geduft 
Fan nicht geubet werden, ohne in vielen Unterdrückungen und 
Gewalt. Das ſchickt der liebe GOTT. alfo zu, aufdaß er ſei⸗ 
ne Wohnung bereite; denn fiehe, welch eine edle ABohnung 
hat die ewige GOttheit in CHriſto, in ſo hoher Gedult, heiligen 
Demuth und Sanfftmuth ; daffelbe hat uns dr HERR 
felbft gezeiget. 
Carur IX 
Die Reinigung des Hertzens. | 
SZ En der Glaube recht geübet wird, und lauter GOTT 
allein anhanget, und alle Ereaturen ausſchlieſſet, und 
ruhet allein in GOTT, fo it das Ders gereiniget, fo viel in dies 


ö 


| 


J 
— J 


fer Schwachheit möglich ift, fo wuͤrcket denn GOltes Ra | 


APOLOGETICA. 201219 


in einem folchen-Hergen. Bleibet aber das Dirk an den 
Ereaturen bangen ‚fo ift der Glaube und die "Bzfehrung von 
der Welt zu GOTT sichtrecht, da muß man —T* taͤglich uͤben 
in Verſchmaͤhung der Welt, und davon aussehen, um Ver⸗ 
gebung der Sünden bitten, und fich täglich bean. Es wird. 
hier nicht von unferer Nechtfertigung vor GOTT geredet, ſon⸗ 
dern wie eines Öerechtfertigten Leben feyn fol, daͤß er immer 
ftärcker und mannhaffter werde in CHriſto: und ift hier eine 
Probe befihrieben, ob auch der Glaube und Belehrung von der 
Welt zu GOTT rechtſchaffen ſey: So iftauch hie eine Probe 
der Liebe, ob ſie rechtſchaffen ſey, nach Art der Liebe GOttes, 
welche ſich uͤber alle Menſchen ergeuſſet, und gleich austheilet, 
welche auch alle Gaben, ſo GOTT dem Menſchen mittheilet, 
für ein gemein Guth achtet, und erfennet, daß die Gaben darum ı 
von GOTT gegeben , daß derfelben der gange Lrib und alle 
Glieder genieffen follen und mögen. Die Urfach ift diefe, daß 
folche Gaben von unferm einigen allgemeinen Haupt herflieffen 
u Nutz des gangen gemeinen geiftlichen Leibes CHriſti. 
Darum thur diejenigen unvecht, Die fich wegen folcher Gaben 
erheben , andere verachten, die Gaben ihnen zu eigen machen, 
da fie doch von unferm allgemeinem Haupt dem gangen Leib 
gegeben: Und fo wird ein jegliches Glied des Leibes CHriſti 
aller Gaben unfers Daupts theilhafftie. Darum fpricht. 
Zaulerus: Es muß würdlich und woefentlich alles 
in mich flieffer, was dis Aaupt in feinen Bliedern bat 
im Himmel und Erden, in Engeln und Menſchen. Denn 
fo EHriftus felbft unfer ift mit allen feinen Wohlthaten, fo iſt 
auch alles unfer, was er in feinen Sliedern wuͤrcket, auch was 
die Heiligen zu Dienfte der Kirchen GOTTES leiften koͤn⸗ 
nen. Wie 1. Cor. 3,9. 21, 22, gefchrieben ift: Es iſt 
alles euer, esfep Paulus oder Apollo, es ſey Bephas oder 
Die Welt, esfey Leben oder Tod ‚es fer das Gegenwaͤrtige 
oder das Zukünfftige, allesift euer ‚ibr aber ſeyd Criſti, 
CHriſtus aber iſt GOttes. | 
-Caprur X, 
Gnaden» Licht. 
YA BOTT der Almächtige mit feinem Gnaden⸗ Licht 
7 uns inwendig erleuchtet, iſt nicht fo gu verfichen, als 
bb h 2 wenn 





1220 — REPETITIO 


wenn dis ohne l, ohne GDTISE Wort und Heilis 
gen Geift gefhehe, ondern wenndas Hersift gläubig worden, 
und mit dem Heiligen Geiſt verſiegelt, und der Menſch ſich i in der 
Andacht uͤbet, und im Gebet, h erleuchtet ihn das söttliche 
Gnadenz Lira weiter, macher ihn geiftreicher und völliger im 
ee LHriſti, und himmliſcher Geheimniß, da wird- 
der Verſtand höher geführet, da wird Ders, Sinn und Muth 
durch die Liebe entzuͤndet, da wird ein Menfe immer mehr 
in das Bide GOTTES verkläref, wie Sanet Paulus 
ſpricht, 2. Cor. 2,0. 18, Es fpiegelt fich des ZERRTT 
Blarheit in uns allen mit aufgedecktem Angefiche, und 
wir werden verkläret in daffelbe Bild von einer Blarheit 
zur andern, als vom Beift des ZERRTT. Welche nun 
Dis noch nicht verftehen, denen’ hanget noch Die Decke des Un⸗ 
verſtandes vor ihren Augen, und haben nie das Licht des Evans 
gelii recht gefehen, noch den Bellen Schein ‚welchen GOTT 
in unfer Hertz gegeben, daß durch das Wort GOTTES 
entftünde die Krleuchtung von der Erkaͤnntniß der Blar⸗ 
heit GOTTES in dem Angeſicht IESU CArifti, 
2. Cor. 4, v. 6. Solte nun das Licht der Erkaͤnntniß, oder 
des Angeſichtes CHriſti in unſern Hertzen nicht taͤglich heller und 
klaͤrer werden, wie will denn das Bild GOTTES täglich 

erneuert werden? — 

CApur XL 
Unterſcheid des — und natuͤrlichen 


Lichts. 

So nun SOTTES Bild im Menſchen täglich verklaͤret 

wird, von einer Klarheit in Die andere, als vom Geift des 
HERAN, fo leuchtets auch in allen Kräfften der Seelen, in 
Gedancken, im Verſtand, im Willen, in Affecten, in Wor⸗ 
ten und Werken, in Andacht, im Gebet, in Danckbarkeit, in 
der Liebe ‚in Sanfftmuth, in Geduld, i in der. Furcht SHttes, 
im Urtheilenund Richten des Nächften, das ift alles des goͤtt⸗ 
lichen Lichts Effeet und Strahl. Was) nun diefem Kicht zumis 
der ift, das ift gericht auf das Aufferliche Anfehen , auf groffe 
Ehre, auf feheinbare gleißnerifche Wercke, auf Nichten und 
Verdammen des Naͤchſten, ohn ale Liebe; "das ift alles Fine ) 
ſterniß, denn es gehet nicht aus dem Gein GOttes, * 


APOLOGETICA. 1221 
aus dem Geiſt dieſer Welt, aus dem Fleiſch und aus der be⸗ 





truͤglichen argliſtigen Natur, NB. die allezeit zu ihr ſelbſt | 


geneiget ift, und in allen Dingen iyre.eigene Ehre und Luft 
fuchet. | Ä —* 
Carur XI 
Einkehrung in fich felbfk. 0 
Ste Fan nicht gebeffert und emendiret werden, denn 
durch fein eigen Erkaͤnntniß Durch fein fetbft eigen Prüfen 
oder Einkehrung in fein eigen Ders, dazu Sanct’Paulus ers 
mahnet: Kin ieglicher prüfe fein felbfE eigen Werd, 
alsdenn wird er an ihm felbfE Ehre haben, Sal. 6,0. 4. 
tem: Derfucher euch felbft, ob ıbr im Glauben und in 
CHriſto fepd, 2. Eor.ı3,0. 5. Und das iſt eine fondere groſſe 
Gottfeligeit, wenn man fich täglicy examiniret, und betrachtet, 
ob.einen auch in-allen Dingender Heilige Geifttreibe, und aus 
weldem Geiſt man rede und würde, Nicht ohn Urſach fpriche 
der Prophet, es foll fich ein jeder vorſehen vor feinem eigenen 
Geiſt. Haben doch ſolches auch Die Heyden, als Pythagoras : 
und andere, ihren Diſcipuln gelehret. Und was iſt die rechte 
Andacht anders, denn daß man feine Sinne und Gedancken 
zufammen fammlet, ſich von Ereaturen abfondert, GOTT 
allein ins Hertz faffet , zu dem Himmels » König eingehet, dem 
lieben GOTT ein Freuden: Opfferthut , in GOTT ruhet? 
Denn alle Unruhe unferer armen Seelen kommt von den 
Ereaturen, und Ean die Seele ihre Ruhe nicht haben ‚fie wende 
fich denn von denfelben ab zu GOTT, fo wird fie GOTT 
immer lieber und gar familiar, daß fie nicht leben Ean, fie habe 
denn denfelben gefuchet und gefunden, mit dern geredt, den fie 
lieb hat. Hat nicht der HERR EHeiftus folches felbft zum 
öfftern gethan, ſich der Welt entzogen, in die WBüften gegangen . 
zur Ruhe? welches mehr eine himmlifche Ruhe geweſen ift, 
als eine natürliche Ruhe. Darum fpriht der HENN: Gebe . 
in dein Baͤmmerlein, und fehleuß die Thür nach dir zır, 
Matth. 6,0.6. Und wo dis nicht ſeyn folle, wo will man mit 
dem Hohen: Lied Salomenis hin, und mit allen Meditationi- 
bus, Berrachtungen und Soliloquiis oder Hergens- Geſpraͤchen? 
Was find die reinen widerkaͤuende Thierkein anders im Gefeg 
- Mofis? ift das nicht Die Maria, Lazari Schwefter, die zu 
6h6 6 3 den 


222 Buch VL REPETITIO 
den Füffen des HERRN faß, und das beſte Theil erwehlet 


hatte, davon der HERR ſagt: Eins iſt noth! Luc. 10,0.42. 


Und wo wollen wir mit allen Loh⸗Pſalmen Davids bir, und 
mitdem langen ı 19. Pfalm? Wirkt du dein Hers u GOTT 
‚nicht richten und fchicken ‚fo wirft du nimmermehr einen wahr⸗ 
hafftigen Troft und himmlische Freude empfinden, wie du im 
5. Pſalm mercken kanſt. 
Caeur XIII 
Empfindung der Liebe OOttes. 


EL jealicher Liebhaber CHriſti foll wiffen und lernen , daß 


die Kiebe GOttes, davon die Heilige Schrift fo vielfältig 


run * 
esse Me ee 


redet, nicht iſt ein leblos, Erafftlos, fruchtlos Wort und Werck, 


ſondern iſt die allerſuͤſſeſte, lieblichſte, Freuden⸗reicheſte Bewe⸗ 
gung unſers Geiſtes und Gemuͤths, und iſt eine Frucht des Hei⸗ 
ligen Geiſtes; denn die Liebe Gttes iſt ausgegoſſen in 
unſer Hertz durch den Heiligen Geiſt, Rom. 5, v. 5. Wer iſt 
fo naͤrriſch und unandaͤchtig, der da meyne, dis ſey nur ein bloß 


Wort ohne Krafft und Leben? Iſt denn der Heilige Geiſt nicht ein 
Geiſt der Krafft GOttes? Doßdu aber dieſelbe Lebens⸗Krafft 
nicht empfindeſt, iſt deiner Grobheit, deines Unglaubens, deiner 

Gottloſigkeit Schuld. Hat dieſe Suͤßigkeit der Liebe GOttes 


nicht der heilige Mann empfinden, derda exclamirt und ruffet: 
Hertzlich lieb bab ich dich, ZERR, AERR meine Stärz 
ce, meine Burg, 2c. Pſal. 18,0.2 3. Was iſts, daß die Kir⸗ 
che finget: Daß wir hie moͤgen ſchmecken deine Sůßigkeit 
im Hertzen, und dürften fEets nach dir? Was iſt es, daß der 
HERR ChGriſtus ſagt: Wer mich lieb bat, dem will ich 
mich offenbaren? Sol, ı 4,0.21. Was iſt diefe Offenbarung 
anders ‚olseine kraͤfftige Empfindung der. Liebe, Freundlichkeit 
undEräfftigen Troftes unfers Liebhabers CHriſti JEſu? GOtt 
erbarme es, daß uns die Frucht und Krafft der Liebe GOttes 


ſo unbekannt iſt! Gewißlich, GOtt wird keinen kennen, der ihn 


nicht lieb hat, wie ı.Cor. 8, v. 3. geſchrieben iſt: So iemand 


GOTT lieber, deriftvon ihm erkannt. Ad) es iftein bos 
hes Werck ſich in der Liebe GOttes uͤben, daß wohl Sanct Pau⸗ 


lus allen Glaͤubigen wuͤnſchet, daß ſie erkennen moͤgen die 


Hoͤhe, die Tieffe, die Breite, die Länge der Liebe CHriſti: 


Denn Coriſtum lieb Haben fep befler , denn alles ae, 
Er phil. 


® 


De TEE. he 


APOLOGETICA. 1223 


— — — — — — — —— 
Epheſ. 3, v. 18.19. Dieweil nun dieſe hohe Gabe GOttes, 
ſo im Hohen⸗ Lied Salomonis fo holdſelig beſchrieben iſt Davon 
der HErr Cehriſtus auch redet Joh. n 6, v. 27. Der Oster bat 
euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaͤubet. Item: 
Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein 
Pater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, 
und Wohnung bep ihm machen, Cap. 14, d. 23. fo wenig 

bekannt iſt, fo wenig empfunden ‚ fo wenig geſchmecket wird, iſt 
es eine Anzeigung, daß die Menfchen-Kinder, fonderlich fo dieſes 
widerfprechen, in dee LBelt + Liebe gar müffen erfoffen feyn, 
nach der Probe 1.%0b.2,0. 15. So iemand die Welt lieb 
bat, in dem iſt die Liebe des Vaters nicht... Dis hat der. 
alte Taulerus nach feiner Art mit feinen Gleichniſſen erklaret, 
und brauchet dazu oft den Terminum der Vereinigung mit 
GOTT, welches doc) nichts anders ift, als daß der HERR 
fagt: Wir wollen zu ihm Eommen, und Wohnung bey 
ihm machen; Und der heilige Evangelift Johannes nennet 8 
die Bemeinfchafft, ſo wir haben mit GOTT, und GOTT 
mit uns/ 1.%05.1,0.6.7. Und fo der HERR der Allmaͤch⸗ 
tige, unſer Licht und Heyl, unſers Lebens Krafft, unſere Staͤrcke 
und alles iſt, iſt er denn nicht in ung und mit uns vereiniget? 
Was ift denn, das Sanct Johannes fagt: GOTT iſt die 

Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet m HGOTT, - 
und GOTTin ihm? 1. %0h.4,d. 16. Wehe dem Menfchen, 
in vn GOTT nicht ift, und der nicht in GOTT ift, undder 
fi) Die Ereatur- Liebe von GOttes Liebe laͤſſet abreiffen 5 ex 
wird diefen Schaden in Ewigkeit beweinen und befeuffzen, 

CArur XIV. 
Der Liebe GOttes Wuͤrckung. 
u? der Liebe GOttes willen muß ein Ehrift ein gedultiges 
Laͤmmlein ſeyn; denn die wahre Ruhe und Friede des 
Hertzens ift allein n GOTT, und in feiner Gnade und Liebe, 
Siebe zu, fagt Taulerus, daß dur immerdar in aller Wi 
derwärtigfeit ein Lämmlein bleibeft, wie ChHriſtus. 
Capurtr: XV. 
Probe der Einwohnung GOttes. 
Aus der hertzlichen und reinen Liebe GOttes entſpringet ein 
innerlich Geſpraͤch mit GOTT, als man lieſet im 
Sb 18, Pſalm. 


ı224' Buch VI. REPETTTIO 


18. Pſolm. Denn gleichwiedie Liebe und Freundfchafft zwi⸗ 


{chen frommen Menſchen ein Geſpraͤch zwiſchen ihnen verurſa⸗ 


chets alfo wenn du GOTT lieb haft, und hinwieder feinefiebe 


empfindeft, wirft du manch freundlich Wort in deinem Hertzen 


von GOtt vernehmen, welches nichts anders if, als GOttes 


Troſt, Freude, Friede, Staͤrcke, Krafft, Erkaͤnniniß, Licht, 


Verſtand, Weisheit, Andacht, Gnade unddergleichen. Das 

ſind die Goͤttlichen Wuͤrckungen in uns, und die Fruͤchte des Hei⸗ 
ligen Geiſtes: Daran erkennen wir, ſpricht der Evangeliſt 
1. Joh. 4,9 13. 15. daß wir in ihm bleiben, und er in uns, 


daß er unsvon feinem Beift gegeben bat. Welcher nun - 
bekennet, daß VERSUS GOttes Sohn iſt, in dembleiber 


GOTT, und er in GOTT. Es muß ein alberer Chriſt ſeyn, 


der da meynt, SOTT fen ſtillſchweigend bey ung, und lebe nicht 


in ungnoch bewege des Menfchen Geiſt nicht. Was iſts denn, 


das David faat? "Ich rieffäu dem HEERXRXM, und er ants 
wortete mir? Pſalm 34,05. Wo it die Antwort geſchehen? 
in Orient oder Occident? auſſer oder in feinem Hertzen und 
Geiſt? Was iſt denn das inwendige Zeuaniß des Heiligen Gei⸗ 
ſtes, welches unſerm Geiſt Zeugniß giebt. daß wir GOttes 
Rinder fepn, durch welchen wir ruffen, Abba lieber Vater! 
Roͤm.g8, v. 16. Wasiftes auch, daß der Prophet Hoſeas 2, v. 14. 


— 


ſagt: Ich will ſie locken, und in die Wuͤſte führen, und 


freundlich mit ihnen reden; oder wie es in ſeiner Sprache 
lautet, zu ihren Hertzen reden? Es redet der HERR im Wort 
nicht allein zu unſern Ohren, ſondern er redet zu unſern Hertzen. 
Wenn du des HErrn Stimme hoͤreſt: Rommt ber zu mir 
elle zc.fo redet Dr HERR mit deinem Hertzen und Geiſt aus⸗ 
wendig und inwendig. Wie offt faͤllet dir ein ſolch troͤſtich Wort 
ein, Dadurch Leib und Seele erfreuet wird? Ja aufalle unſere 
Gedancken antwortet der Hergenskündiger im Geift und in der 
Wahrheit, Wie fagt Dr HERR zu Paulo als er betet ? Laß 
die an meiner Gnade genügen; Denn meine Arafft iſt in 
den Schwachen mächtig. 2. Cor. ı2,d.9. Derobalben ſo 
muß EHrifi Wort nicht auffer und viel. taufend Meilweges 


fern von ung ſeynz und eben das nennet Taulerus das ewige ° 
Wort des Daters, welches in unferer Seelereder. Es iſt a 


ä 


kein heiliger Gedancke in uns, welchen der Heilige Geiſt nicht 


zuvor 


APOKOGETICAT nu“ n22r 


zuvor fehe und verſtehe, Piaimı 39, v. 2. Und wenn in Jeothen 
und Aenoſten uns GOTT feiner Zufage erinnert da erfpricht: 
Sürchte dich nicht, ich bin mit dir weiche nicht ich bin 
dein GOTT, Zef.41,0.10, Woredeterdenn mit ung? aufe 
fer oder in unferm Hertzen? Ich fage dir, wird GOTT fein 
ort, fo er ung offenbaret hat in der heiligen Schrifft , auch 
nicht in dir, mit die , und gu Deinem Hertzen reden, fo wirſt du. 
nicht groſſen Nutz vom Wort GOttes haben. In hohen An- 
fechtungen weiſet ſich es aus, ob das Wort im Dersen leben 
müffe odernicht; Denn GOTT dieKrafft veffelben ein we⸗ 
nig dem Hertzen entzeucht, GOTT! was fonnen denn alle 
Bücher und Künfte ausrichten ? Wer fan GOTT dem HErrn 
für die Krafft ſeines Worts, fo in unfern Hergen wuͤrcket, gnug⸗ 
fam dancken? Wer erkennet Diefes? Was hat GOTT mit 
Den heiligen Märtyrern geredet in ihrer Anfechtungund Todes 
Marter? Was redet ev mit Stepbano? Wo geſchah es, als. 
erdieberrliche Offenbarung fahe ? Apoſt. Geſch. 7,0. 55.56. 
Warlich, wirſt du GOTT nicht felbft hören reden in feinem 
Wort,und hörefidu EHDites Wort nicht als aus GOTTES 
Munde, und nimmeft es nicht zu Hertzen, NB. fo wirft du 
nimmermehr eine Lebens » Kraft Daraus empfinden. 
| CaArur XVI XVII und XVIM. t 
‚Die Liebe der Welt hindert die Würdung des 
Aeiligen Beiftes in uns: 
FBCH dürffte nicht etwas reden , das nicht EC Arifkus in 
a mir wuͤrckte, fagt Sanct Paulus zum Nom. ı 5, v. 18 
Soll aber EHriftus unfer einiges Haupt in uns als feinen 
Gliedern würcken, fo müffen roir fein Werck in ung nicht ver⸗ 
hindern , und wohl unterfcheiden lernen, was GOTT. in uns 
wuͤrcket, auf daß mir nicht die Wercke des Satans und unfers 
Bleifhes GOTT Aufchreiben: Der Heilige Geift wuͤrcket in 
uns eine Goͤttliche Traurigkeit über die Sünde ‚läffer Beinen 
Menſchen einen Befallen an ibm felber haben, Nom. ıs, 
d.ı. benimmt uns allen unfern Ruhm, unfere eigene Gerech⸗ 
tigkeit, und macht diefelbe mie eine ‘Blume verwelcken, und 
wuͤrcket ein mitleidig Erbarmen über aller Menfchen Gebre⸗ 
chen. Iſt es nicht alſo mit dir, fohaft du den Heiligen Geift 
nicht, das iſt, du laffeft dich denfelben nicht vegieren , verhin⸗ 
Sbhhr derſt 


1226 Buch VI. Das erfte Send » Schreiben. 


deritfein Werck in Dir. Wißf au dir aber die Welt mit ihrer 


Luſt und Uppigkeit, traureſt du daruͤber, ſo du wider deinen 


Willen darzu gezogen wirſt, und gereuet dich, daß du gehoͤret 


und gefehen haſt, und iſt dir alles leid, was GOTT zumider 
arfchehen ift, ſo empfindeft du den Heiligen Geift in dir, wel⸗ 
cher ift ein Geiſt der Zucht GOttes, der das Herk fremm 
machet und vor Sünden behütet. Summa, lebet CHriſtus 
und der Geiſt GOttes nicht in dir, fo bift du des Ehriftlichen 
Namens nicht werth: denn du bift CHrifti wahres Glied 
nicht, und er ift Dein aeiftliches Haupt nit. So er did) nicht 
Iebendig machet zu einem geiftlichen neuen Leben, fo haft du 
auch von der Fülle feiner Salbung nichts empfangens fo biftdu 


auch nicht EHrifti,denn du haft feinen Geiſt nicht; fo biſt du 


auch nicht GOttes Kind, denn du haft den Pindlichen Geiſt des 
himmliſchen Vaters nit: fo bift du nicht im Glauben CHriſto 
vermaͤhlet und verlobet, Deromegen wirft du m eingehen in 
die ewige Freude der Hochkeit. 


Zwer⸗ Send⸗Schreiben 


Seren Kohann Mendes, 


Be 


Darinuen er bezeuget, daß ſeine Buͤcher 


vor wahren Ehriftentyum mir dis Weigelii und 
dergleice chwermer Irrthümen zur 
| Ungebühr begüchtiget worden. 


Das erfte Send: Schreiben. 


S Hrwuͤrdiger, Dochachtbarer ‚und Hochgelehrter Here 
Doctor , günftiger vielgeliebter Here und werther 
Freund: Daß E E. mir diefe Sreundfchafft begeus | 

get, und die Cafumnien ‚fo zu Dangig wider mein Büchlein | 
vom wahren Ehriftenthum gang böslich ausgefprengt , mit 


wohlmeynend wiffend gemacht, auch darwider ein wahrhaftig 


und gründlich Schreiben abgehen laſſen, thue gegen diefelbe | 
mich hertzlich bedancken, mit freundlichem Erbisten ſolche bruͤ⸗ 


derliche Treuhertzigkeit, BRENNER nach, binwiederum 
zu 


Das erfte Send - Schreiben. 1227 


zu verſchulden. Und weil ich vermercke, Daß vielen Leuten fol» 
che Fchädliche Nachrede aRbereit eingebildet feyn folle, habe ich 
in Teutſcher Sprache auf E. E. brüderliches Schreiben ants 
worten wollen, Damit jedermann diefe meine Entfchuldigung les - 
fen koͤnne, ob E. & belieben möchte, diefelbe als eine Apolo- 
giam und Errettung meiner Unfchuld zu publiciren, Und iſt 
var nicht ohne, daß ich vorlängft vermercket, daß ſich die Welt 
wider ſolche eifferige Schriften heftig aefperret und aufgelehe 
net, fonderlich junge Reute, pm Exovres Ef a) Adnrneia ye- 
Yumwarwivd meög diangıew was Te ug) nans, das iſt: die 
nicht Gewohnbeit haben, und geübte Sinnen um Unter⸗ 
ſcheid des Guten und Boͤſen, Hrbr. 5,0. 14. Weil ich aber 
ein freudig Gewiſſen habevor dem HErrn aller Horgen Kündis 
ger, auch ein treu⸗ eifferigeg Intent, der groffen beharrlichen Un⸗ 
bußfertigkeit und Gottlofigkeit der Welt durch fold)e meine - 
Büchlein zu widerfprechen, (ob GOtt etlichen, wo night vielen, 
Gnade zur Buſſe hierdurch geben wolte) als habe ich viel ſolcher 
Ungewitter darüber ausgeftanden, und in groffer Gedult vor⸗ 
über gehen laſſen; denn ich wohl vermercker, daß etwas hierüber 
müfte gelidten feyn,fonderlich giftige Verſen⸗Stiche, weil der als . 
ten Schlangen dadurch auf den Kopff getreten ift. Unterdeffen 
habe ich erfahren, daß diefe meine geringe Schrifftlein bey ho⸗ 
bes und niedriges Standes Perfonen durd) GOttes Gnade 
viel Nutz gefchafft haben, derowegen auch etliche bey mir um 
Shus-Schrifft wider die Calumnianten angehalten, habe 
mid) aber bis hicher nichts bewegen laffen, weil ich gewiß bin, 
daß, wer in CHriſto leben will, und dem Heiligen Geiſt die Herr⸗ 
fehafft in feinem Hertzen gönnet, und nicht dem Fleiſch oder dem 
©atan,denfelben wird fein eigen Gewiſſen überzeugen,daß es als 
fo iftund feyn muß, und nicht anders, als die Büchlein melden: 
willer anders nicht mit einem Scheinzund Heuchel⸗ oder ges 
färbten Glauben ins Verderben fahren. Ach meinlieber Here 
Doctor, folte man nicht eifern wider Die Bosheit,dienun fo groß 
iſt, daß fie inden Himmel ſteiget und fchreyet, darauf entweder 
eine blutige und gifftige Suͤndfluth oder das Feuer zu Sodom, 
oder der Hunger zu Samaria und Ferufalem gehöre ? Nie— 
mand will den Abgrund aller Bosheit, die Erb⸗Suͤnde, recht 
erkennen lernen, Niemand voill erkennen, daß die Bosheit, 


fo 





1228. Buch VI. Das erſte Send⸗Schreiben. 


ſo im Hertzen iſt, und heraus gehet in die That, Wercke ſeyn des 


Satans und daß der boͤſe Geiſt ſelbſt da ift,da feine Wercke ſeyn. 


Niemand will ablaſſen von ſeinen boͤſen Gedancken, wie der 


Prophet Jeſaias am 5 5. Cap. v. 7. erfordert. Jedermann zaͤr⸗ 


telt und ſpielet mit feinen Sünden, da fie doch ein fo hefftig groß 
eingewurgelt Gifft ift, daß fiemit eifern Griffeln und ſpitzi⸗ 
gen Demanten indie Tafeln des Hertzens geſchrieben ſeyn, 
Ser. 17, v. 1. Warlich der Zorn GOttes wird fich mit ſchlech⸗ 
ter Heuchel⸗Buſſe nicht laſſen abwenden. Wo iſt das zubro⸗ 


chene Hertz? Wo ſind heiſſe Thraͤnen? Wo iſt das einſame 


Voͤgelein auf dem Dache, das da wachet und ſeuffzet? Wo iſt 
iemand, der wider den Riß ſtuͤnde, und ſich zur Mauer mache wis 
der den Zorn GOttes? Das waͤre beſſer, als daß man sch 


ge Reste und Buß⸗Prediger mit fectirifchen, Eeßerifchen Jramen 


beflecket, und um fich wirfft mit Enthufiafterey, Ißeigelianern, 
Oſiandriſten, Schmenckfetdiften, Papiften. Mit folchen Teus 
fels⸗Larven wird man bey weiten nicht das Neich GOttes from⸗ 
men Leuten aus dem Hergen reifen. Oder meynen Re,daß CHri⸗ 


fius zur rechten Hand GOttes fein Reich nicht mehr aufFrden 


habe inden Hergen ver Gläubigen? Meine geringe Büchlein, 


als auffeeliche Zeuaniß des inwendigen Reichs GOttes, Eünten 


leichtlich aus den Handen der Menfchen geriffer werden; aber 


dasinwendige Zeugniß des Geiſtes laͤſſet fich fo leicht nicht ause 


reifen, es wäre denn, daß der Geift CHriſti, der von ihm zeuget, 
in den Glaͤubigen Krafft-los oder ohnmaͤchtig worden ware. 


Und was plaget man ſich doch mit der Enthufiafterey ?' Kan 


man auch derfelbigen befchuldiger werden, wenn man mit der 


Schrift faget: Werder voll Geiftes, efüllet mit aller 


GOrtes-Külle? Eph.s. Sind denndie Prophetenund Apoftel 


Enthuſiaſten geweſen, da fie voll GOttes und vol&eiftesworden 


find,da fie mie Kraͤſften aus der Hoͤhe angethan, und mit dem 
Heil. Geiſt getaufft worden? Luche 4, v. 4a9. War St. Ste⸗ 
phanus auch ein Enthuſiaſt, als er vor dem Rath zu Jeruſalem 


voll Heiliges Geiſtes ward, und faheden Himmel offen und 


u 


die Herrlichkeit GGttes? Apoſt. Sch. 7, v. 55. 56. Das 

ben nicht alle Chriſten ſolche Verheiſſung, da der HErr ſpricht: 

Wir werden zu ihm kommen und — begahm ma⸗ 
re 


en? 30).14,0.23. tem: Wie vielme d mein 


. bimme 


Das erfte Send-Schreiben. 1229 
himmliſcher Vater den Heil. Geiſt geben allen, Die ihn dar⸗ 


um bitten, Luc. 1 1,0. 13. Haben wir nicht die herrlichen Mit⸗ 


tel darzu, das Wort GOttes, das Gebet, das hertzliche Verlan⸗ 
gen nach GOtt? Davon in meinem Lehr- und Troſt⸗Buͤchlein 
Das vierdte Eapitelvom Wort GOttes zu lefen. Iſt das Enthu⸗ 
fiofterey, wenn gefehret wird, man foll täglich in fich felbft gehen, 
ſein Elend bedencken,die zulünfftigeHennlichkeit betrachten, ich in 
GOtt erfreuen? Saget nicht der Propber: Ihr Übelehäter, 
gehet in euer Hertz, Zefa. 46,0.8. Der heilige David wird 
ein Enthuſiaſt fen, da erim 5. Pfal. v. 4. ſpricht: Fruͤhe will 
ich mich zu dir fehicken, und darauf mercken. Was find alle 
‚Meditationes und Soliloquia , der Hertzens⸗Geſpraͤche Augufti- 
ni, und anderer Heiligen GOttes auch zu Diefer Zeit? Aber 
weil folche heilige Exereitia und Übungen der Andacht vergeffen 
und verlofchen feyn, muß es bey den ungelehrten Sophiften En» 
thufiafterey heiffen. Was ſagt aber der Herr? Gebeindein 
Baͤmmerlein fehleußdie Thür nach dir zu, und beteim vers 
borgen, Matth.6,v. 6. Was iſt die Zukunfft des Reichs GOt⸗ 
tes, darum wir täglich bitten? Was hat man denn an diefer Leh⸗ 


re zu laͤſtern? Was plaget man fich denn auch mit den Weige⸗ 


lianern? Soll denn die Apoftolifche Negel nicht mehr. gelten: 
Prüfe alles, das Gute behalte? 1.Thefl.s,v. 21. Was ges 
ben mic) des Weigels Irrthuͤmer an, darüber ich gegen vorneh⸗ 
me Leute oft geflaget,daß er wider die Schrift, die Jufticiam im- 
purativam, Die zugerechnete Gerechtigkeit fpöttlich ausmachet,das 


durch Abraham vor GOtt ift gerecht erkannt, und St, Paulus. 


will von Feiner andern Gerechtigkeit wiſſen, als von der, die dem 
Blauben wird zugerechnet, Phil. 3,0, 9. Von der Perfon 
und menfchlichen Natur EHrifti,hat [Weigel einen gefährlichen 
Irrthum, item von der Auferftehung unfers Fleifcyes, wider 
das 15. Cap. der erften an die Eorinther, und was der unfehriffte 
mäßigen Händel mehrfeyn mögen + Denn ich feine Schrifften 
wenig gelefen. Mit Oſiandri Irrthum hab ich weniger als 


— 


nichts zu thun, wie mein Lehr⸗ und Troſt⸗Buͤchlein vom Glau⸗ 


ben, von Vergebung der Sünden, vonder Gerechtigkeit des 
Glaubens, neben andern meinen Schriften überflüßig bezeu⸗ 


gen, ABider den Schwengfeld habe ic) die Krafft des Goͤtt⸗ 


lichen Worts im ermeldten Büchlein deutlich, genug — 
F un 


1230 Buch VI. Dasandere Send⸗Schreiben. 


und die Lehre vom inmendigen neuen Menfchen ausder Schrift 
ausgeführet, Man wolledehum GOttes willen bedencken die 
Principia und Fundamenta meiner Buchlein vom wahren Chris 
ſtenthum: nemlich den unergründlichen Sünden-Fall,das vers 
fohene Bid GOttes, Dieneue Ereatur, das Leben CHriſti inden 
Glaͤubigen, den Streit des Fleiſches und Geiſtes, das zubroche⸗ 
ne Hers, die Nachfolge des Exempels CHriſti. Und mögen fie, 
meinefäfterer, wohl bedencken, was und men fie laͤſtern; oder mos 
gen die Gegen⸗Lehr beweifen, daß die CHriſtum angebören, 
ihr Sleifch nicht creutzigen follen ſamt den Luͤſten und Des 
gierden, Sal. 5,9.24. und daß der nicht eine neue Creatur 
ſeyn muͤſſe, der in CHriſto IEſu ſeyn will, 2. Cor. 5, v. 107 
und daß die, fo zu CHriſto kommen ſollem ſich nicht ſelbſt ver⸗ 
leugnen und ihr eigen Leben haſſen duͤrffen, Luc. 9,0. 24. 
Matth. 10, v. 33. Item, daß die auch den MNamen GOttes des 
HErrn wohl anruffen koͤnnen, die nicht abtreten vonder Un⸗ 
gerechtigkeit. Item, daß ohn⸗ Goͤttliche Traurigkeit eine 
Reue sur Seligkeit koͤnne gewuͤrcket werden, 2.Cor,7,0.:0, 
und daß die Liebe der Welt bey GOttes Liebe ſtehen koͤn⸗ 
ne, 1. Joh. 2, v. 19. Und daß der ein wahrer Chriftfeyn koͤnne, 
der die Fruͤchte des Geiſtes nicht habe, Dieweil fie meine 
Büchlein verwerffen, fo müffen fie auch meine Principia ver werf⸗ 
fen; und meil diefelbe bey ihnen falfch feyn muͤſſen, fo muß ja 
die Antithefis bey ihnen wahr feyn. Meine Poſtill, Pfalter, 
Eatechifmus und Auslegung der Paßion, find öffentliche Zeugs 
niß und Verantwortung meiner Unfchuld wider meine Läfterer, 
welche ich dem gerechten Gericht GOttes befehle,.und mit ih⸗ 
nen nicht tweiter zu gancken gedencke. E. E. wolle keinen Vers 
druß haben über meinem langen Schreiben; unterwerffe fol» 
ches derofelben hochverffändigen Cenfur, und bitte auf meine 
Unkoſten die Publication zu befördern. Erbiete mich zu allen 
möglichen beüderlichen Dienften, und befehle E. E. dem gnaͤ⸗ 
digen Schuß des Allerhöchften. Darum Zell, den 29. Mark, 
Anno 1620, — 


Das zweyte Send⸗Schreiben. 
(Hs Snade und mein Geberzuvor, Ehrenvefter, ünftis 
ger Here und Freund ; Daß ihr wegen meiner —— 
| nfeche 


Das andere Send-Schreiben. 1231 
Anfedytung habt,iit mir leid; ich bitte aber,ihr wollet nicht au fehr 


eifern, fondern an den 37. Pſalm dencken. Ich vor meine Per⸗ 


fon muß der tollen Heiligen lachen, daßfie ihr Seiftin Hoenifch 
gejaget bar. Iſt mein Werck aus Menfchen, fo wird es 
nicht befteben ; ifE es aber aus GOtt, ſo werden fie esnicht 
daͤmpffen fönnen, Ap. Geſch. 5,0. 38.39: Wenn ich nach Art 
ihres kalten Maul⸗Geſchwaͤtzes geſchrieben haͤtte, nach der Welt⸗ 
Art, ſo haͤtten ſie das ihre lieb: Nun es aber wider die Welt 


iſt, ſo haſſen ſie es, aber ohne alle Urfach und Verſtand. Ich 


habe in meinem Buͤchlein den Abgrund der Bosheit menſchli⸗ 
cher Hertzen angegriffen, und Dagegen die Aenderung und Beſ⸗ 


ferung derfelben gegeiget, nemlich die Regeneration und Wieder⸗ 


dergeburt: Wer es nun nicht will leiden‘, und fein eigen Hertz 


Daraus nicht will prüfen und erkennen lernen, noch hertz⸗ gruͤnd⸗ 


liche Buffe thun, demfelben ftehet es freys Ich habe aus Ehrifts 
licher Liebe mittheifen wollen, was mir GOtt gegeben, und weiß, 
daß es die Wahrheit ift, die den Menfchen zu feinem Selbfts 
Erkaͤnntniß und innerlichen Hertzens⸗Buſſe und Beſſerung fuͤh⸗ 
ret: Solt ich darum nicht etwas leiden? Ja, ich freue mich 
deſſen, und will tauſendmahl lieber mehr leiden, als daß ich mein 
Pfündlein vergraben ſolte. Wenn nun den Calumnianten et⸗ 


liche Reden in meinem Büchlein ungereimt fürfommen wären, . 


fo folten fie mein Gemüt und Meynung aus meinen andern 
Schrifften zuvor erkundiget haben, ehe fie mich läftern. Ges 
ftehe ihnen demnach nicht, Daß fie mir. aus ihren verbitterten 


Hertzen etwas auftichten, das mir nie in den Sinn fommen, 


und mein Wort, ihres Gefallens, nach ihrem Verſtand deuten 
und zwacken. ch will vor GOtt das meine verantworten; fie 
fehen zu, wie fie ihre Lafterung verantworten wollen. Es haben 
meine Bücer einen unberoeglihen Grund und Fundament, 
welcher iſt CHriſtus, mit feinem Berdienft und Wohlthaten, 
derfeibe ift Eräfftig und lebendig in allen feinen Gliedern. Dar⸗ 
aus entfpringet das Zeugniß des Gewiflens aller Gläubigen , 
daß fie die Wahrheit bekennen müffen, dieſelbe lieben und ans 
nehmen zu ihrer Bekehrung und Seligkeit; und ift eben das 


innerliche Zeugniß des Heiligen Beiftes, davon St, Paulus: 
redet Roͤm.8, v. 16. und St.Goh.1.Cp.ams,v. 10. Wer an: 


den Sohn OOttes glaͤubet, der bat diß Zengniß bey ibm. 
Darum 


s 
UMGEBEN NEBEN WI... VE... N... 


232 Buch VI. Das andere Send- Schreiben. 


Darum wird es ſo leicht nicht aus den Hergen der Gläubigen | 
geriffen werden, obgleich die Fladdergeiſter darwider pauften 


und rauſchen. Die wahre Buffe if nicht ein Maulgeſchwaͤtz, 
fo wenig alsder wahre Glaube; mo nun derfelbeift, da wird 
er fich nicht von folchen leichten Winden laffen megblafen, fon- 
dern wird überwinden. Es ſtehet das Reich GOttes nicht in 
Worten, fondern in der Brafft, 1.Cor.4,0.20. Auch iſt 
die wahre Theologia nicht ein zaͤnckiſch Maulgeſchwaͤtz, fondern 
eine wuͤrckliche, lebendige , Erafftige Gabe und Erleuchtung 
GOttes, Bewegung des Hergens durch den Heiligen Geift, 
welche ein jeder wahrer Ehrift ſelbſt empfindet und prüfet, Daß 


.. 


N 


es ſey die Kraft GOttes in ihm. Von einer foldyen Erleuch- 
tung des Geiſtes GOttes, welcher in dem Glauben mürcfet und 


thätig ift, veden meine Bücher ; deffen find die guten Herren 


nicht gewohnet, haben Feine Praxin und geiftliche Erfahrung. 
Hätten fie aber diß Zeugniß des Heil. Geiſtes in ihnen feibft, fo 


wuͤrden fie nicht alfo laftern und ſchmaͤhen, fondern der Geiſt der 


Wahrheit wurde fieanders leiten. Darum dauret mich ihre 


ungeiftliche Geiſtlichkeit; denn fie offenbaren mit ihren Schäns 


den ihr Herb. GOtt gebe,daß ſie das Urtheil des Herten nicht ° 
treffen möge: HErr haben wir nicht in deinem Efamen 
geweiſſaget? Matth.7,0.22. Mit welchen Worten der Herr 


ſtraffet alle die, ‚fo die Brucht und lebendige Krafft des Goͤttli⸗ 
ches Worts nicht allein nicht erkennen, fondern auch andern, die 
es erfannt-haben, aus den Hersen reiffen wollen, Was mögen 
doch dieſe Leute vor ein Wort GOttes haben? Soll es nur ein 
thoͤnend Ertz oder klingende Schelle ſeyn? 1. Cor. 13,0,7, 


Aber dieſes iſt in meinem Lehr⸗ und Troſt⸗Buͤchlein genugſam 


ausgefuͤhret. Sind demnach dieſe geringe Buͤchlein in vielen 
weitberuͤhmten Staͤdten nachgedruckt, als anfaͤnglich zu Jena, 


darnach zu Straßburg, und ietzo zu Moͤmpelgard und andern 
Orten. Daß aber dieſe hohe Geiſter ſich darwider aufblehen, 


muß ein boͤſer Wind ſeyn, der fie angewehet hat; und troͤſte mich 


damit, daß ich lauter allein das wahre Chriſtenthum, welches 


nicht in aͤuſſerlichen Schein und Worten ſtehet, ſondern in 
der neuen Geburt, geſuchet habe, auch nichts anders, als das 
wahre Erkaͤnntniß menſchliches Elendes, welches der Tauſende 
nicht erkennet, noch wegen der angebohrnen Blindheit —* 

er⸗ 


über Tauleri Theologie. 1230 


Hertzens erfennenfan: Auch nichts anders, als Die wahre hertz⸗ 
gründliche Bekehrung zu unferm Herten JEſu CHriſto und die 
würckliche Nachfolgung feines. heiligen Lebens in allen meinen 
Schriften lehre ‚bezeuge und bekenne, nad) Inhalt Goͤttlichen 
Boris , und mir Feines einigen Irrthums, fie haben Namen 
wie fie wollen, bemuftbin ; wie ic) weiter bievon an einen vor» 
nehmen Theologum und Profeflorem zu Wittenberg geſchrie⸗ 
ben habe, Wer ſich nun nicht will zu EHrifto,zu feinem Erkännte 
niß, und auf den Grund feines einenen Hertzens führen laſſen, 
der bleibe in feiner Blindheit und Hoffart. Ich habe das Mei⸗ 
ne gethan, und will GDtt die Lüjterer befehlen, der wird fie 
richten. In meinem Hergen und Gewiſſen bin ich frey und ges 
ſichert, daß fie mir Unrecht und Gewolt thun. Ich muß aber 
aucherfabten, was des Satans Engel fep,der die mit Faͤu⸗ 
ſten fehläger, die CHriſtum lieb haben, 2. Cor. 12,0.7. Ich 
babe mich in meinem Lehr und Troft - Büchlein gnugfam vers 
antwortet, auch in einem Schreiben nacher Wittenberg. Ber 
gehre mich in Fein weitläufftiia Gezaͤncke einzulaffen, ich habe 
wohlmebr zu thun, und kan die Zeit beffer anlegen. Der getreue, 
wahrhafftige und allein weife GOtt, zu welches Ehren alle meis 
ne Sachen gerichtet ſeyn, wird meine Ehre wohl retten; Dem 
habe ichs befohlen. Datum Zell, am4.M:ji, Annoı620o. 


Johann Arndts 


DBedenden 


über die 
Teutſche Theologia;— 
Was dero Kern und Inhalt, wie hoch 
daſſelbige Buͤchlein zu halten, ꝛc. 

Allen, die CHriſtum und ſein heiliges Wort lieb haben, 
GoOttes Erkaͤnntniß, Friede und Freude im . Geiſt! 
F Hriſtliche und liebe Brüder, es iſt Welt⸗ kuͤndig, daß ine 

nerhalb ſiebenzig Jahren viel hundert Buͤcher von der 
| Chriſtlichen Religion, Lehre und Glauben von unters 
.Theil. En 115 25 ſchied⸗ 


1234 Buch VI. Joh. Arndts Bedencken 
fchiedlichen Partheyen gefchrieben find, alfo daß eines Menfchen 


Reben nicht gnung ift, diefelben ale zu erfchopffen: Was aber. 


dem geiftlichen Leben und der wahren Buſſe damit gedienet 
fey, die vor allen Dingen folte getrieben, und ohn Unterlaß.ge- 
prediget werden, giebt die Erfahrung, und hat das Anfehen als 
ob der Satanfolche vieljährige Uneinigkeit in der Lehre erreget 
habe, die wahre Buſſe und das Chriſtliche Leben, in wel 
chem das wahre Ehriftenthum ſtehet, zu verhindern, wo nicht 
gar zu vertilgen , wie leider am Tage iſt. Denn man fehe die 
Belt an, ob fie nicht von Tage zu Tage Ärger wird, weil man 
fich gar auf Streit Sachen, auf Schreiben und Widerfprechen 


begiebt; Dagegen im Anfang des Chriſtenthums mehr auf 


die Buffe und auf ein beilig Chrifklich Keben gedrungen 
morden ift, aufdaß Ehrifti Lehre ing Leben verwandelt würde, 
Wie es denn feyn foll beyden wahren Chriſten; derowegen es 
augenfcheinlich , daß, Damit man verhoffer ietzo die reine Lehre 
und Ehriftliche Neligion zu erhalten, Dadurch verleuret man 
fie immer mehr und mehr, fintemal man die wahre Buſſe und 


das Ehriftliche Leben läffet alfo verlefchen, daß manfchier nicht 


mehr weiß, was rechte Buſſe iſt, und das neue Leben, welches 


ift das edle Keben EHrifti. Deromwegen ein geoffer Fehl iſt, 


daß man fich bemuͤhet die veine Lehre allein mit Schreiben und 
Difputiren in den Schulen und Kirchen zu erhalten, und des 
Chriftlichen Lebens vergiffet , da doch die reine Lehre nicht bleis 
bet oder bleiben fan bey den Unbußfertigen, welche CHriſto der 
ervigen Wahrheit und dem ewigen Licht mit ihrem Leben wis 
derſtreben. Das heiffet mit Worten vor die Lehre fireiten, 


und mit der That und Leben dawider ſtreiten: Jenes folte 
man thun, und Diefes nicht laffen, fonft wird mit der einem 


Hand gebauet, mit der andern eingeriffen. Und zwar - ı) was 
bat das Licht vor Gemeinſchafft mit der Sinfkerniß? 
und wie ſtimmet Chriſtus mit Belial? 2.Cor. 6, verf. 14, 


Das ift: Wie folte EHrifti Lehre Da rein bleiben, da der Teufe - 

fel das Keben vegieret? Oder wie folte dafelbft die reine Lehre 

EHrifti bleiben, da EHriftus felbft nicht bleibet und fein Leben? 

Waͤren wir rechte Chriften, nicht mit Worten , fondern mit ' 

der That und Wahrheit, das ewige Licht würde ung bald er⸗ 

leuchten, und im Glauben und Lehre einig machen, ICE | 
| in 


| 
| 


über Tauleri Theologia. 235 


lich iſt es, daß diejenigen mit dem Geift und Licht der ewigen 
Waohrheit koͤnnen erleuchtet werden, welche dem HERRN. 
EHrijto nicht folgen in ihrem Leben. 2) Denn der HERR 
hat roarlich nicht umfonft geſagt, Johann. am 8,b. 2. Ich 
bin das Licht der Welt, wer mir nachfolger, wandelte 
nicht im Finſterniß, fondern wird das Licht des Lebens 
haben. Ns Machfolgen ift von CHriſti Leben zu verſte— 
hen, und dis Licht des Acbens, ſo die wahren Nachfolger 
EHE haben werden iſt das Kicht der Erkaͤnntniß GOttes und 
der reinen Lehre, über welche man Sich fo viel Jahr ber gezancket 
har, da ieder Theil feine Lehre vor die ewige Wahrheit, das ift, 
vor CHriſtum felbft, ausgeben! daß man wohl ſiehet, wie Die 
Weiſſagung ChHriſti erfuͤllet ſey: Hie iſt Criſtus, bie iſt 
Cariftus: Maith. 24, v. 23. Wo iſt aber CHriſtus, ohne 
daſelbſt, da nicht allein fein Wort und Lehre, ſondern auch fein 
Leben iſt? Man hält bilig das Wort und Sacrament für 
Kennzeichen der Kirchen, aber mit demfelben decken fie, viel 
faͤſſche Chriſten, Die viel Worte und Sacramente gebraucht 
haben, aber nicht um ein Därlein beffer worden feyn: Darum 
muß man nothwendig auch dag dritte Kennzeichen hinzu thun, 
nemlich die Kiebe, welche nidyis anders iſt, dena dag edle Les 
ben CHriſti. Daran, ſpricht der HENN, wird man ers 
kennen daß ihr meine Jünger fepd: Johann. 13, ver 35. 
3) Was iſt es nun, daß man ſo hefftig ſtreitet vor CHriſt Lehre, 
und vergiſſet ſeines Lͤbens? Denn der HERR hat uns nicht 
allein befohlen, von ihme ſeine Lehre zu lernen, ſondern auch 
ſein Leben: Lernet von mir, ſpricht er, denn ich bin ſanfft⸗ 
muͤthig und von Hertzen demuͤthig: Matth. 11,0. 29. 
Als wolt er ſagen, an dieſen beyden Tugenden fahet an, und 
leget denſelben Grund, und bauet euer gantzes Leben darauf. 
Haͤtte man nun fo hefftig CHriſti Leben dem Volcke eingebils 
det, als hefftig man vor die Lehre gefteitten, e8 gienge in allen 
Ständen beffer zu. Gute und gründliche Streit» Bücher 
muß man haben, und verdienen fich Diejenigen wol um die Kira 
che ‚die falfche Lehr mit Grund Göttlichen Worts widerlegen, 
ihr Lob wird auch wohl bleibens Aber man muß es gleichwol 
nicht allein auf Bücher» Schreiben fegen, fondern es muß auch 
das Bold zu wahrer Buſſe getrieben werden, und die, fo 
| Siii 2 andere 


1236 Buch VI. ob, Arndts Bedencden 


andere lehren, müffen felbft das Leben Criſti an fid) nehmen, 
auf daß fie nicht andern den Weg zum Leben zeigen, und felbft 
nicht darauf wandeln. So muͤſte es auch mitdem Schreiben 
eine Maafje haben; denn die groffe Mengeder Bücher iftroider 
Die Art des Treuen Teftaments , welches nicht in ausmwendigen 
Buchftaben befteht,fondern im Geiſt: Der Geiſt iſt aber E Hr 
" ftiffeben, welches in der wahren Ehriften Ders gefchrieben iſt. 
Bas plaget man fichdenn mit den ungebligen vielen Büchern, 
gleich als wenn der Heilige Geift gar geftorben noAre, der die 
Hertzen lehret und erleuchtet ? 4) Jeicht vergeblich hat aguch St. 
Paulus befohlen zum Tit. am 3, v. 9. daßerfich des Streits 
über dem Geſetze entfehlagen folte: Davon beyde St. Paus 
lus und Titus auch hätten Fünnen groffe Streits Bücher ſchrei⸗ 
ber. Uber nein, er befiehler den Lehrern der Kirchen einen 
Betzer zu meiden ‚wenn er zwey⸗ Oder drepmal vermab» 
net ift ; Und feger Urſache: denn fie find in verkehrten Sinn 
gegeben. Daraus abzunehmen,daßden Rotten und Secten 
mit Schreiben wenig Abbruch gethan wird ; aber mit beilis 

‚ gem Leben wahrer Buffe, Eräfftigem Gebet möchten fie uͤber⸗ 
mwunden und getilget werden: Denn der Teufel fraget viel 
nach fchreiben und difputiten, wenn Feine Krafft des Lebens 
Tugend und Geber dabey if. Der Teufel hat nie einen 
ſcharffſinnigen Difputatorem geflohen, aber einen beiligen 
Mann hat er oft geflohen. Wird man nun nicht vom Leben 
EHrilti anfahen, und von wahrer Yuffe , und In EHrifti Fuß⸗ 
ftapffen treten, fo wird nimmermehr das wahre Licht die reine 
Lehre bey uns erhalten werden, wit werden auch nimmermeht 
inder Lehre einig werden, und zanckten wir uns auch bis an den 
Süngften Tag. Ja, ie weiter die wahre Buſſe und das edie 
Leben EHrifti von ung ift, ie weiter und mehr wird die reine 7 
Lehre, wahrer Glaube, der Heilige Geift und das ewige Licht 
don ung weichen, bis wir endlich das gange Chriftenthum gar | 
verlieren , wo es nicht bey dem meiften Hauffen allbereit vers 
lohren ift. Denn e8 helffen Feine Bücher zu Erhaltung rei> 
ner Lehre, wo das Leben nicht taugt, und wider die Lehre ſtrei⸗ 
ter; fintemal die Weisheit fleucht die Gottlofen, für und 
für aber giebt fie ſich in diebeiligen Seelen, und macher 
Propheten und GOttes Sreunde, ABeish, 7,0,27. Ja " A 

? wı 


über Tauleri Theologie. 1237 


till nody mehr ſagen: Die wahren Schaͤflein CHriſti, die 
EHrifto im Leben folgen, in der That und Wahrheit, die laͤſſet 
EHriftus, der einige gute getvene Hirte, nicht verführet werden; 
darum fie auch der vielen ungehligen Streit» "Bücher nicht ber 
dürffen, fie haben an wenigen und furgen genug, und brauchens 
nur zum Zeugniß ihres Dergens: Denn fie haben dag rechte 
Buch im Hergen ‚den Heiligen Geift, welcher in ihren Hertzen 
von EHrifto jeuget, und fie vor allem Irrthum bewahret, fo 
lange fie auf den Wegen des HErrn wandeln, dag iſt, im Les 
ben CHriſto folgen. Die Hergen der Menfchen folten unfere 
Bücher feyn, nicht mie Tinten gefehrieben, fondern mit 
dem lebendigen Geift GOttes; 2. Cor. 3, verf. 3. Das 
moͤchte ihnen beffer helffen zur Seligkeit, denn wenn die Welt 
voller Bücher gefchrieben würde. Waͤre nun wahre Buſſe und 
Das Leben Hrifti in ung, fo würde auch das wahre Richt darauf 
folgen, daß wir aufferhalb der H. Bibel wenig Bücher bedürfs 
ten. 5) Denn es hat ung ja unfer einiger und Hoher-Priefter 
den Heil. Geiſt verheiffen, der uns in.alle Wahrheit leiten ſolle. 
Nun verwerffen mir diefen unfern himmliſchen Doetor, indem 
wir unfere ange Sache und den Streit wider falſche Lehre auf 
fo ungehlich viel Bücher fegen, daß wir über derſelben groffen 
Menge fterben möchten: Und das iſt unfere Strafe. Darum 
die Klage GOttes im Propheten Ser. 2.cap.v. 13. nichtunbillig 
auf ung Fönnte gedeutet werden: Mich die leberdige Ouelle, 
verlaflen fie, und graben ihnen bie und da > innen die 
fein Waſſer geben. Das iſt, es find Menfchen, die mid) im 
innern Grund ihres Hertzens nicht fuchen , fondern nur ausıwens ° 
dig, und was in ihr Hertz kommt, ift alles von auffen ‚wie ein ' 
Megen oderzufällig Waſſer, das faulet und ftincket ‚und indem 
Grund haben fie nichts, denn es quillet nicht aus dem Grund des 
Hergens hervor; behelffen fich mit Büchern und vielen Schriff⸗ 
ten,und eitel ausmendigen Sottesdienft,und im innerften Gruns 
de des Hertzens, da er herausfpringen fol, ift nichts. So find ge⸗ 
artet beyde falfche Propheten und falfche Chriſten; denn daſſelbe 
Waſſer, weil esnicht aus der lebendigen Duelle entfpringet,bleie 
‚bet nicht bey den Menfchen,fondern fahrer hin, wie es herkommen 
it: Darum durftet niemand darnach, denn es iſt nicht lebendig 
Waſſer aus dem innerften Grund des Hergens, aus der Geifts 

SiıWh 4 Duelle 





1238 BuhVi. Joh. Arndts Bedencken 


—— —ñ —— — — —ñ — —— — ç — — — — 
Duelle und Liebes⸗Quelle entſprungen, fondern iſt eine guswen⸗ 
dige Pfuͤtze und ſaules zuſammen gefloſſenes Waſſer. Weil wir 
nun der Geiſt und Brunnen der Wahrheit verlaſſen, und auf fo 
viel Buͤcher fallen, auch gang und gar vom Leben E-Hrifti abwei⸗ 
chen ‚daß nichts mehr vom wahren Chriſtenthum faſt übrig iſt, 
dern der bloſſe Name ‚voie Fan doch dann das wahre Licht bey 


— 


uns bleiben? Und geht uns wegen der vielen Buͤcher, wie St. 


Paulus ſpricht 2. Tim. 3, v. 7. Semperdifcentes, nunquämad 


cognicionem veritatis-pervenientes; Das iſt: Kernen im⸗ 


merder, und können nimmermehr zur Krkänntniß der 


Wahrheit kommen. Denniemebr Bücher, ie mehr ferneng, 


Und das heiſſet Semper difcentes , immerderlernendes 6) Jun 


aber iſt die Wahrheit einig, und mas einigift, Darf ie nicht vie⸗ 


ler Bücher; und weil nun die Wahrheit einig ift, fomuß au 
zudem Einigen ein einiger Weg ſeyn. Die einige Wabrbeit 


aber iſt CHriſtus felbft, und er ſelbſt iſt auch der einige Weg dat- 
zu Dieſer einige Weg iſt nun fein Leben; wer dieſen Weg ge⸗ 
het, der koͤmmt zu der einigen Wahrheit, das iſt zu CHriſto ſeloſt, 
wie der HErr CHriſtus Joh.n 4, v. s. ſpricht: Ich bin der Weg, 


die Wahrheit und das Leben. Da meldet der HErr, daßer 


ſelbſt die Wahrheit ſey, und ſey auch der Weg darzu. Gien⸗ 


gen wir num dieſen Weg, und folgten dem HErrn CHriſto im Le⸗ 
ben nach ‚wie duͤrfften nicht viel Buͤcher und Wegweiſer, und 


wäre uns das einige Keben CHriſti an ſtatt vieler tauſend Buͤ⸗ 
ber, undE 8 iſtus, das ewige Licht, würde uns bald erleuchten, 


und im Glauben einig machen. 7) Denn St. Paulus ſpricht 
nicht ohne Urſach Epheſ. 5, v. 14. Wache auf, der du ſchlaͤffeſt, 
ſo wird dich CHriſtus erleuchten. Das meynet er alfo: Daß 


Die, ſo nicht aufwachen vom Schlaf dieſer Welt, von der Welt⸗ 


Sucht, von der Welt⸗Liebe, von dem Suͤnden⸗Schlaf, von der 
Fleiſches⸗ Luft, Augen⸗ Luft, hoffaͤrtigen Leben, vom Geitz ic, dies 
feiben koͤnnen nicht exteuchtet werden, fondern bleiben im Fine 
ſterniß und fahren mit den falfchen Propheten in die ewige Fin⸗ 
Reif. Darum iftsnichte, daß man falfche Lehre mit einem fal⸗ 
ſchen Leben will vertreiben, O nein ! fein Teufel treibet den ans 
dern aus. Es iſt das falſche eben ja fo mot ein Teufel, als die 
falſche Kehre, darum wird Feiner den andern vertreiben, Fa, 
te mehr das falfche Chriſtenthum zunehmen wird, ie En 
- au 


= 7 


en — — 


. über Tauleri Theologie. 1239 
auch falſche Lehre zunehmen. Denn der Feind wird auf das fal⸗ 
ſche Leben, als auf bequemen Acker, wohl wiſſen falſche Lehre zu 
ſaͤen. 8) Sehet das Exempel der Corinthier an, da fie nicht 
mehr folgten dem demuͤthigen Leben CHriſti und ſeinen Fußtapf⸗ 
fen, fondern fiengen an, ſich ihrer Gaben zu erheben, und einer 
‚über den andern zu fleigen, da kamen Spaltungen unter fie, 

und fie waren nicht mehr geiftlich, fondetn fleifchlich, und hats 
tenbad CHriſtum verlohren; denn einer war Pauliſch, der 
anderApollifeh,der dritte Cephiſch: 1. Cor. 1,0.1 2. Und das 
machten ihre hohen Gaben, denen die Corinthier nachſtrebten: 
Paulus war hoch im Erkaͤnntniß, Apollo maͤchtig in Spra⸗ 
chen, Cephas oder Petrus gewaltig in Wundern, alſo daß ſein 
Schatte Krancken heilete, und Teufel austrieb. Denen wol⸗ 
ten die Corinthier nach, und erhub ſich immer einer über den an⸗ 
dern in feinen Gaben, und dieſe Hoffart brachte Spaltungen. 
Welche hohe Etkaͤnntniß hatten, waren Pauliſch; welche be» 
-gabt waren mit mancherley Sprachen, waren Apollifch ; mels 
che die Gaben harten Wunder zuthun, waren Cephiſch. Wo 
war aber EHriftus? Ebenermaſſen wie unfere Gelehrten ietzo, 
‚welche nur daraufdeneken, wie einer den andern in Gaben übers 
‚treffe. Denen müfte man thun, wie St. Paulus den Corin⸗ 
thiern, der führete fie herunter in das demüthigfte Leben CHriſti, 
und fprad) : Kommt, ich will.euch einen beſſern Weg 3eis 
gen: Wenn ich mit Engel⸗ und Menſchen⸗ Zungenredete, 
und hätte allen Glauben, alle Erkaͤnntniß, wüfte alle Ge⸗ 
beimniß, und bätte der Kiebe nicht, fo wäre ich nichts, 
und wäre mir alles nichtsnüge: 1 .Cor.13,0.1.fag. Darum 
wer hoc) in der Lehre feyn will, der richtet bald Spaltung und 
Kegerey an: Wer aber hoch in der Liebe ift, richtet Beine Regerey 
an. Das heiffet : Scientia inflat, charitas zdificar. Das Wiffen 
blöfer auf, aber. die Kiebebeflert: 1. Cor. 8,0. 1. 9) Se 
het das Exempel Cornelii an, Apoft. Geſch. 10. wolte derfelbe 
die reine feligmachende Lehre haben, er mufte in wahrer Buffe, 
in Faften und Thränen GOtt darum bitten, da ward ihm Pe⸗ 
trus gefandt, der predigte ihme EHriftum. Und ſolches geuget 
- ©t. Lucas von andern Völkern mehr. Fa fehet St. Pauli 
Erempel an ; folte er mit dem ewigen Licht erleuchtet werden, 
und mit den andern Apoſteln, Die ex verfolget, einig werden im 
| Jii 4 Glau⸗ 





1240 Buch VI. Joh. ArndtsYedenden 


Giauben, fo mufte er niedergefchlagen werden, und treten ia das 
demüthige Leben CHriſti. Fa alle Propheten und Apoftel 
haben diefen Weg wandeln müffen. Solten die Apoftel von 
oben herab den Seit CHriſti empfahen, muften fiedas Leben 


ln ® 


Coriſti aufic) nehmen, alles verlaffen, abfagen allem, was fie 


hatten, und fich felbit verleugnen. Das war CHriſto nachge⸗ 
folget, und darauf folgete dag wahre Licht. 10) Nicht vergeb⸗ 
lich fprichr der HERR %05:8,0.31. So ihr bleiben wers 
det in meiner Rede, fo ſeyd ihr meine rechre Juͤnger, und 
werdet die Wahrbeit erkennen. Diß Bleiben in der 


Rede Chriſtt ift nicht allein von der Lehre gu veritehen, ſon⸗ | 
dern vornemlich vom Leben; Denn die bleiben nicht in der 


Rede EHrifti, die mit ihrem Leben von feiner Lehr abweichen. 
Daraus ift offenbar, daß die, fo nicht im Leben CHriſto folgen, 
Die Fonnen auch’ die Wahrheit nicht erkennen. Ja der Teufel 
der die gange Welt verführet, verblendet der Gottloſen 
Sinn, daß fie nicht feben Eönnen das belle Licht des 
Evangelii Dffenb. Job. 12, v. 9. 2. Cor. 4, v. 6. Und hinwie⸗ 


der fan er niemand verführen, der im Leben und Wegen CHriſti 


wandelt, Ja ware auch der Teufel felbft neben Adam in dies 


fem wahren demuͤthigen Leben CHriſti blieben, es waͤre nie keine 


Verfuͤhrung indie Welt kommen. Man ſagt, man ſolle auf die 


Lehre ſehen, und nicht auf das Leben. Der HErr CHriſtus 
ſpricht, nein, fondern, an ibren Srüchten follet ihr fie erken⸗ 


u 


nen, Matth. 7, 0.16.20. Denn anders Ichrenund andersieben 
it eben dag falſche Chriſtenthum. Denn folles rechtfeyn, und 


Bein falfches Weſen, fo muß das Leben eben das feyn, das die 
Lehre ift, und die Lehre muß auch das Leben fenn, ſo viel einem 
Menſchen aus Gnaden möglich ; oder es iſt ein falſch Phari⸗ 
ſaͤiſch Weſen, Finfterniß und nicht Licht. Und das meynet der 
HERR: Ihr ſeyd meine rechte Juͤnger / ſo ihr bleibet in 


meiner Rede, Darum ſpricht er, Matth. 23, verſ. 2.3. Auf 


Moſis Stuhl ſitzen die Phariſaͤer: Alles, was ſie euch heiſ⸗ 
fen, das thut, aber nach ihren Wercken ſollet ihr nicht 
thun. Da zeiget Der Herr an, daß die Pharifaer anders ges 


ll 


Ichree und anders gefebet haben, darum Bunten fir E-Hriftum, das 


wahre Licht, nicht erfennen, und wurden vom HErrn achtmal 


pheten 


verflucht. 11) Darum ſehet an alle Kegerey und falfche “Pros 


| 


\ 


ber Tauleri Theologie. 1241 


pheten,ob fie in den Aßegen und Leben&hrifti gewandelt haben ? 
Woͤrlich nicht; fondern inden ABeaen des Teufels. Warum 
folte ung fonjten der Herr auf ihr Leben gewieſen haben, daß 
wir firan ihren Srüchten erkennen folcen? Denn unmöglich 
iſt e8, Daß iemand Fonne das Licht des Lebens haben, der dem 
Heren EHrifto nicht folaet. Es fagt Bernhardus: Flumina gra- 
ti deorfum, non ſurſum flaunt ;die Ströme der Gnaden flieffen 
unter ſich, nicht über fich: Wie ſolte nun die Gnade des rechten 
Erkaͤnnthiß unfers GOttes und der reinen felismachenden Lehre 
bey den Menfchen bleiben, die nicht im demüthigen Leben CHri⸗ 
jti, fondern in den IBegen Fucifers wanden? Der Thurm 
zu Babel ift eirie gewaltige prefiguration ing neue Teftament, 
und bedeutet den geifflichen Stand, 1. B. Mof. ı ı, verſ. 4. 
Denn vie jene einen ſo hohen Thurm bauen wolten, derin den 
Himmel reichen foltex Alſo will ein jeder Geiftlofer mit feinen 
Büchern iego einen Thurm in Himmel bauen, darauf man 
hinan fteigen ſolle. Wie aber jenes aus eigner Klugheit vors 
genommen, alfo auch diefes 5 und wie dort der Bau Leute 
Sprache verwirret ward, alfo hatießo GOTT der geifklichen 
Baurkeute Sprache vermirret, daß Feiner den andern verfte- 
het, dahero ift man zerftreuer in fo viel Secten, wie dort in viel 
Sprachen und Zungen. Wie aber dort die närrifchen Leute 
gezwungen wurden abzuftehen von dem vorwißigen und unnoͤ⸗ 
thigen Gebaͤu: Alſo werden auch die geiftlichen Baus Keute 
von ihrem Gebaͤu, von Büchern und vielen Difpurationibus er⸗ 
bauet, abftehen müffen, und einen andern Weg fuchen ‚wollen 
fie ſich nicht felber neben ihren Zuhörern um ihre Seligkeit brin⸗ 
gen. Deromwegen iſt hohe Zeit, vaßmwirden lebendigen Glau⸗ 
ben, fidem operofam, und das edle Leben ESHrifti in fo vieler 
Leute Herb eingepflanget, anfahen, fo viel Bücher und Buch 
ftaben mit Tinten auf Pappier gefchrieben feyn, Das wäre Apo⸗ 
ſtoliſch und nicht Babhloniſch. Wie du nun, lieber Lefer, das 
edle Keben CArifti an dich nehmen folt, und den lebendigen 


thätigen Glauben, ja EHriftum durch den Glauben in dir alles 


font würcfen laffen, das wird dich dis Büchlein lehren, und dir 
den rechten Weg darzu zeigen. Du muft eg aber nicht eins 
mal, fondern oft durchlefen, und auf den tieffſinnigen Vers 


ftand, der Doch im Geift gig; und tieblich ift, gut Achtung ges 
is 


ben, 








— — 


— — 


— — — — 





| 


1242 Buch Vl. Joh. Arndts Bedencken 


—— — — — —— —— En nen. eu Ze 
ben, denn ie mehr du es leſen wirſt, ie beſſer es ſich ſelbſt erklaͤ⸗ 
ren wird. Fern aber dis Büchlein und feine Lehre in dein 
Reben wird verwandelt werden, wie eine Blume in ſeine 


Frucht, fo wirft Du bekennen müffen, Daß es Das rechte wahre . 
(ebendige Ehriftenthum fey, und fey Fein edler, Eöftlicher und - 


fieblicher Leben, denn eben dig, das Leben CHriſti. Ich habe 
zwar eine kartze Erklärung über dis Büchlein angefangen, 
mich ſelbſt darinn zu üben, und wo esnüß und noth feyn wird, 
will ichs gerne mittheilen. Es ift fieder Anno 34. in unferer 
Teutſchen Sprache nicht gedruckt, daß es beynahe untesgangen 
wäre. Solcher alten kurtzen Büchlein, die zu einem heiligen 


— 


Leben fuͤhren, liegen viel im Staube verborgen, wie Joſehh 
im Kercker; denn warlich vorzeiten auch Leute geweſen ſeyn, 
und diejenigen, ſo im Leben CHriſti gewandelt haben, ſind ſtets 
die Erleuchteſten geweſen, deren Ex⸗mpel hernoch die Moͤnche, 
Einſiedler und Cartheuſer mißbraucht haben. Wie aber Jo⸗ 
feph durch einen Traum aus feinem Gefängnis eriöfet , alſo 
werden durch Goͤttlich Eingeben folche Büchlein gefüchet ges 
funden, geliebet und berfür gegogen. Da aber Fofephiaus 
“feinem Gefaͤngniß erlöfet ward, hatte er einen alten knechtiſchen 
Kock an : Alſo tritt diefer alte Teutſche Chriſt⸗ liebende Then» 


Rock das ift,in einer alten groben Zeurfhen Sprache, und leh⸗ 


ſogus auch berfür in einem alten groben Teutſchen Bauren⸗ 


J 
r 


ver die Lehre CHriſti ins Leben verwandeln, oderwie EHriftus 


in ung leben, und Adam in uns fterben fol, fonderlich mie der 


Menſch mit GOTT folle vereiniger werden, welches ift des 


Menſchen Volkommenheit , und finis dotius Theologiz, Der 


Endzweck dev gangen Theologie. An diefer Einigkeit liegers 


alles, denn diefe Dereinigungmit GOtt iftdie neue Ereatur, 
dieneue Geburt, der Glaube, EHriftus in uns durd) den 


Glauben, CHriſti Leben in ung, CHriſti Einwohnung, des Hei⸗ 


tigen Geiſtes Erleuchtung, das Reich GOites in ung, dis iſt 
alles eins. Denn 1. wo der wahre Blaube if, da iſt CHri⸗ 


A 
N) 


' 


; 


ſtus, denn CHriſtus und der Glaube find nicht geſchieden. 
2, Wonun Chriftusift, daift auch fein Leben, denn CHriſtus 
und ſein Leben find nimmermehr gefebieden, 3. Wo nun 
Coriſti Leben ift, da ifteitel Liebe, denn EHrifti Leben ift nichts 
denn Liebe. 4. Wo Tarifti Liebe ift, da iſt Der 39 
| Beil J 


| | über Tauleri Theologie. | 1243 
Geiſt. 5. Wo aber der Heilige Geift it, da iſt das Reich 
Gottes, welches ift Friede und Freude in dem Heiligen 
Geiſt: Rom.1 4.17. 6. Hat nun ein Menfch eins, ſo hat er 
alles, hat er aber eins nicht, fohat er Feines. Denn hater von 
EHriftifeben nichts, fo hat er nichts von CHriſto, von Glau⸗ 
ben und vonder neuen Geburth: 7. So aber EHrifkusin dir 
mohnt und lebet, und wuͤrcket, fo ift alles das Gute, fo du thuft, 

‚nicht dein, fordern deines einwohnenden Königs in dir, als in 

feinem neuen Jeruſalem, und haſt dies nicht zuzuſchreiben, vers 
dienejt auch nichts damit, denn eg iſt nicht dein, fondern.es koͤmmt 
alles, was gut it, von GOtt in ung, nicht von uns n GOTT, 
Daß erunfer Schuldiger würde: Das iftdie rechte und wahre 

Theologia, fo diefer Theologus lehret. Und wenn ihn unfere 
iegige zarte närrifche Zunge alfo folte hören reden, fülte fie ihn 
wol nicht Fennen, und ihn verwerffen; darum um der ießigen 
wohlklingenden und liebEofenden Welt willen, die mehr auf 

Bierlichkeit der Reden fiehet, denn aufden Geift GOttes, und 

auf ein heilig Leben, hab ich ein wenig feinen Rock verbeffert, 

‚und feine Zunge erleichtert. Wie aber unter der ſchweren Zun⸗ 

‚ge Mofis ein gewaltiger Geiſt war, alſo ift es hie auch, ies 
fer Joſeph aber lehret dich nicht mit des Potiphars ABeibe buhs 
len, das ift, mit. diefer Welt, 1. B.Mof. 39, v. 125 fondern er 
lehret dich die Welt verlaffen, und das höchfte Guth ſuchen. 

- Denn die bey ihrem Chriſtenthum das Zeitliche füchen, ihren 
Geitz füllen, treiben feifchlihe Luft, Augen = Kuft, hoffärtiges 
Leben, die buhlen mit des Potiphars Weibe, welche Joſeph bey 
dem Rock ergreift, er aber ließ das Kleid fahren, und flohe von 
ihr. Alſo meynet iegt die weltlüftige, hoffärtige und fleifch, 

liche Welt auch, der himmliſche Joſeph, welcher HZESUS 

EHriftus, fol weltlicher Weiſe mit ihnen buhlen, und fie greif⸗ 

fet nach ihm, ein ieder hoffaͤrtiger, Welt » und Geld = füchtiger 

Scribent will ihn haben, und fpricht: Hie ift Cqriſtus, 

Matth.24, v. 23. Einieder falfcher, Welt⸗ſuͤchtiger Chriſt greifft 

nach ihm, und ſpricht; Ich bin auch ein Chriſt. Aber nein, 

der himmliſche Joſeph laͤßt ihnen fein Kleid, das iſt, den aufferlis 
chen Buchſtaben, Schein, Damen und Titul, er aber fleucht von 
ihnen, und wird von ihnen nicht ergriffen, es ſey dann, daß ſie in 
das Leben und Fußtapffen Chriſti treten,und darinnen wandeln, 


Damit 


1244 Buch VI. Joh. Arndts Bedencken über Tauleri:c. 


Damit du aber , lieber Ehrift, vom Autore diefes Buͤch⸗ 
feing Bericht haben mögeft , ſo ftchen in dem alten Teutſchen 
Sremplar, Anno 20. zu Wittenberg gedruckt, diefe Norte: 
Dis Büchlein hat der Allmächtige ewige GOTT aus 
gefprochen durch einen weifen, verftändigen, wahr: 
bafften, gerechten Menſchen, feinen Sreund, der da vor- 
seiten gewefen ift ein Teutfcher Kerr, ein Priefter und 
Cuftos in der Teutfchen Aerren Aaufe su Franckfurt, ind 
lebret vielfältigen lieblichen Unterſcheid Börtlicher 
Wabrbeit, und fonderlich wie, wo und wodurch man ers 
Eennen mögedie wahrbafften gerechten GOttes⸗ Sreuns 
de, und auch die ungerechten frepen falſchen Beifter, die 
der heiligen Rirche gar fehadlich find. Hiermit, lieber 
Leſer, nimm auf dismal für gut, verſtehe mich recht, urtheile 

auch nicht zu frühe, Ich befehle dich der Gnade 
GOttes, und bitte GOtt fuͤr mich 


Summa DEO Soli gloria, laus 
& honor. 


Dem groffen GOTT allein 
Soll alle Ehre ſeyn! 





| jan Sechs 


SCHERE; 
Sechs unterſchiedene 


Regiſter 
uͤber 
des ſel. Herrn Johann Arndts 
Buͤcher vom wahren Chriſtenthum. 


(NB. Die Regiſter über die Capitel find alsbald an ein 
iedes Buch zu Ende mit angehaͤnget worden, auſſer 
daß im fuͤnfften Buch, weil es in drey Tractaͤtlein bes 
ſtehet, ſie alsbald im Anfange eines ieden Tractaͤtleins 

geſetzet worden.) 


Das Regiſter über die Evangelia. 


Am 1. Advent. 
L Iß die eh des Autoris aufdas ı. Buch, und im 2. Buch dag 
5. Capitel, im 5 Buch des 2. Theils das 9. Capitel. 
Am 2Advent. 
Im 1. Bud) dag 7. Cop. Item in dem 1. Theil des 4. ARDE das 
4.Cap. Im 5. Buch —* 2. Theils dag 10. Capitel. 
3. Advent. 
Im 2 Bud) dag 47. und e Eapitel ; im 5. Buch des andern Theils 
das ı.Capitel. 


m 4. Adve 
Die Vorrede über das 2. Pe ; und im 2. Zu das 3. Kapitel, 


Am Zeil. Chrifts Tage. 
Im 2. Buch das 28. und 29. Gapitel ; im 5. Fach bes 2. Theils das 


4. Capitel. 
Am St. Stephans + Tage. 
Im 2. Buch das 30, und 31. Eapitel; Im 5. Buch des 1. Theils 
dag 11. Sapitel. 
Am Tage St. Johannis des Evangelıfien. 
Im 2. Bud) das 32. und 33. Capitel, im 5. Buch des 2. Theils das 
Rn und 8. Capitel. 
Am Sonntage nadyden Ehrift + Tage. 
Im 2. Buch dag 4. Capitel, und im 2. Theildeg 4, Sue bag 27. Cap. 
im 5. Buch des 1. Theils.dag 11. Kapitel, 
Am 


Regifter 

Am Neuen Jahrs⸗Tage. 

Im 2. Buch dag 1. und 2. Capitel. 
Am Sonntage nach Dem Neuen Jahr. 

Am 2. Buch dag 44.45-und 45, € :pitel. 

Am H drey Roͤnig⸗Tage. 
Im 2. Buch dag 26. und 27. Capitel. 

Am 1 Sonntage nach Epiphanien. 
Im nahe dag 35. 36. und 37. Capitel: im 5. Bud) des 2. wats das 
apitel 





Am 2. Sonntage nad) Epiphanien. 
Im 2. Buch dag ro. und 11. Copitel. 
Am 3. Sonntage nach Epiphanien: 
Im 2 Buch das 50. Capitel und im 3. Such das 20. Capitelim Bu, 
des 2. Theils das 13. Capitel. 
Am 4. Sonntage vadı p Epiphanien 
Im 1. Buch dag 15 Capitel, und im r. Theil des 4. Fuchedas' 5 — 
im 5. Buch des 2. Theils das 13 Capitel. 
Am 5. Sonntage nach Epiphanien. — 
Im 1. Buch dag 38. Capitel, und im 2. Buch das 12. Capitel. 
Am 6. Sonntage nach Epiphanien 
Sm 1. Buch das 3. Capitel/ und die Vorrede auf das 3. Buch. 
Am Sonntage Septuagefima. 
Im 1. Buch dag 21. Sapitel, und im 3. Buch dag 8. Enpied; im. 
5. Buch des 1. Theils dag 9. Capitel. 
Am Sonntage Sexagelima. 
Im 1. Buch das 6. Kapitel, und die Vorrederauf dag 4. Su; > im 
5. Buch des ı. Theils das 4. Capitel. 
Am Tage der Reinigung Mariaͤ. 
Sm 2. Buch dag 7. und 9. Capitel. 
Am Saftnzchtsz Sonntage Efto mihi oder Quinquagefima, 
Rene 13.14. und ı5 Capitel; im 5. Buch des 1. ea 
6. Copite 
Am 1. Faſten⸗ Sonntage ‚Invocavit. 
Im 1. Buch dag 39. und 40. Capitel; tem im 2. Buch bag 52 Cap. 
J Di deg 1. Theilg dag 5. und 11. Capitel, und im 2. Theil das 
13 Capite 
Am 2. Faſten⸗Sonntage, Reminiſcere. 
Im 2. Buch das 40. und 49. Capitel im 5. Buch des 1. Cheils dag. 
6. und 10. Capitel, und des 2. Theil dag 13. Gapitel. 
Am 3. Saften » Sonntage, Oculi 
Im 1. Buch das 10. 6 41.Capitel; Wieauch im 2 Buch dag 45. Cap. 
im 5. Bud) des 2. Theils dag ra. Capitel. 
Am 4. Saften: Sonntage, Lætare. 
Im 2. Buch das 51. Kapitel, und im 3. Buch das 10, Eapitel. 
Am 5. Saften- Sonntage, Judica, 
Ima. Buch das 16. 17. und 18. Capitel; ĩm 5. Buch des T. Theils das 
#3. und 11. Capitel. Am 


d 


* 


ee ih 


über die Kvangelin. 


Am 6. Saften z Sonntage, Palmarum. g 

Im 2. Buch das 19. 20. und 21. Capitel; im 4Buchdeg 2, Theile 
das g. Capitel. 
Am Tage Maris Verkuͤndigung. 
Im 2. Buch dag 22. und 23. Copitel. 
Am Oſter⸗ Sonntage. 
Im 2. Buch das 53.55. und, 56. Kapitel; im 5. Buch des 2, Theils 
das 1. Capitel. 





Am Oſter⸗Montage. 
Im 3. Buch das 1. 2. und 3. Capitel. | 
Am Ofterz Dienftage, 
Im 3. Buch das 4.5.und6 Iapitel. | 
 Amr. Sonntage nach Oſtern, Quafimodogeniti. 
Im 3. Bud) das 7.undg. Capitel. — 
Am 2. Sonntage nach Öftern, Mifericordias Domini, 
Im 2, Theil des 4 Buchs das 35. und 36, Kapitel. 
— Am 3. Sonntage nach Oſtern Jubilate, _ 
Im 1.Buc das 13.14 und 17. Kapitel; im 5. Buch deg 2. Theilg 
das 11. Eapitel. Zul | HUN 
Am 4. Sonntage nach Öftern, Canrate, 
Im 3. Buch dag 14. und 15. Cap. im 5. Buch deg 1. Theils das 9. Cap. 
Am 5. Sonntage nach Oſtern, Vocem jucunditatis. 
et oder Rogationum, 4 
Im 2. Buch das 34. Capitel; und im 3. Buch dag 19. Capitel;-im - 
5. Bud) des ı. Theils das 10 Capitel. g 
— Am Tage der Himmelfahrt CArıftt, 
Im r. Buch bag 42. Capitel ; und im 2. Buch das 55. Capitel. 
Am 6. Sonntage nach Oſtern, Exaudi. J 
Im ı. Buch das 15. Capitel, und im 2. Buch dag 35. und 36. Capitel. 
Am Pfingſt⸗ Sonntage. A 
Im 3. Buch dag 16.17. und 18. Capitel; im 5. Buch bes 2, Theilg 
dag 5. und 8. Eapitel. We, 
Am Pfingft; Montage. gi 
Im 2. Buch das 6. Capitel; und im andern Theil de8 4 Buchs dag 
‚5. und 6. Capitel; im 5. Buch des ı. Theilsdas 5.6. und 9. Cap. 
‚und des 2. Theils das 14. Capitel. 
- Am Pfingft- Dienftage. | 
m 2. Buch) dag 24. und 25. Eapitel. BR 
Am Sonntage Trinitatis. y 
Im 1. Buch dag 11. und34.Capitel; im 5. Buch Leg T. Theile das 
1.2. 3. und 6. Capitel, des andern Theils das ı 1. Capitel,, 
Am 1. Sonntage nach Trinitatıs.... i 
Im 3. Bud) daß 12. und 13. Capitel; Wie auch im 1. Theil deg 
4. Buchs das 6. Capitel; im 5. Buch des 2, Theils das 15. Capitel. 
Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Ar 
| Im ı Buch da8 28. Capitel, und im 2. Theil des 4. Buchs das 17.und 
18.Capitel, im 5. Buch des 2, Theils das 9, Capitel. ——— 
Am 


Regiſter 


Ans 3. Sonntage nach Trinitatis. 
Im 1. Buch das 4. und 8. Capitel; im 3. Buch des 1. Theils das 6. 
und 7. Capitel; und des andern Theils das 6. Capitel. 
Am 4. Sonntage nach Trinitatis 
Sm i. Buch dag 13. Capitel; und im3 Buch das 11. Capitel, 
Am Tage Johannis des Täuffers. 
Im 1. Buch das 23 Capitel; und im 2. Theil des 4 Buchs das 32.Eapitel. 
Am 5 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 1. Theil des 4. Buchs dag 3. Capitel; und daſelbſt im 2. Theil des 
Buchs dası. Eapitel; im 3. Buch des 1. Theils dag 10. Capitel. 
Am Tage Mariaͤ Heimſuchung 
Im 2, Theil des 4. Buche dad 23. 24. und 25. Eapitel, 
Am 6. Sonntage nach Trinitatis. 


— — — 





Im 2. Theil des 4. Buchs dag 31. 32. und 33. Cap. im 5. Bud) des 


1. Theil dag 6.7.und 8. Capitel. 
Am 7. Sonntage nach Teinitatis. 
Im 2. Buch des 41. 42. und 43. Capitel. 
Am 8. Sonntage nach Trinitatis 
Im 1. Buch dag 9. und 22. Capitel; im 5. Buch des 2. Theils das 
15. Capitel. Ah . 
Am 9. Sonntage nach Trinitatis. - > 
"m ı. Buch das 20. Capitel; und im 2 Theil des 4. Buchs das 
2.und 3. Capitel; im 5, Buch des erften Theils dag 9. Kapitel. 
Anm 10. Sonntage nad) Trinitatis. 
Im 2. Theil des 4. Buchs dag 19. 20. und 21. Cap. ira 5. Buch bed 
2. Theils dag 2. Eapitel. salz 
Am ı1. Sonntage nach Trinttatis. 2 
Sm 1. Buch das 19. 31. und 33.Cap. Im 5. Buch des 1. Theils das 
5.6.7. und 8. Capitel. | . 
Am 12. Sonntage nad) Trinitatis. 
Im 1. Buch das 2. Capitel; in 2. Theil des 4. Buchs dad 39. Capitel. 
Am 13. Sonntage nach Trinitatis. 
im 1. Buch das 25. und 26. Cap.und im 2. Theildeg 4. Buchs das 22. 
Cap. im 5. Buch des ı. Theils dag 1.2. 3. 8. und 9. Cap. 
Am 14. Sonntege nach Teinitatis i 
Im ge * 37. 38. und 39. Capitel; im 5. Buch des 2, Theils das 
Capitel. 
Am 15. Sonntage nach Trinitatis. 
Im r. Buch dag 16. Cap. und im 2. Theil des 4. Buchs das 15. Cap. 
im 5. Buch des 2. Theils dag 10. Capitel 
Am 16. Sonntage nach Trinitatis. 
Im 2. Buch das 57 Capitel. 
Anm 17 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 2. Theil des 4. Buchs dag 40. Capitel 
Am 13. Sonntage nach Teinitatis. 
Im 2. Buch das 24. Capitel und. im 2. Theil des 4. Buchs bag 12. und 
14. Capitel; im 5. Buch des 2. Theils das 8. Capitch * 





en Strache 


Anm Tage Michaelis. 
Jim ı 1 Buch das ı2 Capitel, und 3 Buch das zı und 22 Capitel 
Am 19 Sonntage nach Trinitstis, | 
Im 2 Theil des 4 Buchs das 13, 26 und 27 Cap. im 5 Buch des I Theils 
das 6 Capitel. 
Am 20 Sonntage nad) Trinitatis. 
Im 1 Buch das 18 und 32 Cap. im 5. B. de ı Theils das 6 und 9 Cap. und 
deg andern Theils das 7, 8,9, 10, 14 und 15 Capitel. 
Am 2ı Sonntage nach Trinitatis, * 
Im 1 Buchdas 5 Capitel, und im 3 Buch das 23 Capitel. 
Am 22 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 1 Buchdag 27 und 29: Undim 2 Theildes 4 Buchs das 3 Capitel,im 
5 Bud) deg erften Theils das 7 Capitel. 
Am 23 Sonntage nach Trinitatis. 
Im ı Buch dag ı Capitel, und im 2 Theil des 4 Buchs das 4und 52 
Am 24 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 2 Theil * 43. da89, ro und ıı Cap.im 5 Buch des a Theile das 9 
Gapite 
Am 25 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 1 Theil des 4Buchs dag ıund 2 Cap. tem dafelbft im 2 Theildeg 4 
„ Buche dag 7 Cap. und im 5 Buch de8 ı Theilsdagn Capitel, 
" Am 26 Sonntage nach Trinitatis. 
Im 2 Theil des 4 Buchs das 28 und 2y Cap. im 5 Buch des 2Theils das 
„. F014 und 15 Cap, 
Am 27 Sonntagenach Trinitatis. 


Die u auf dag 4 de und im 2 Theil des 4 Buchs das 30 und 38 
sapite 





— — — — — — 


Das Catechiſmus⸗ Regiſter, 


Darinnen gezeiget wird, wie die Hauptſtuͤcke 
des Catechiſmi in Johann Arndts Buͤchern vom wah⸗ 
ren Chriſtenthum erklaͤret zu finden, und wie alſo alle 
und iede Capitel zu der Catechiſmus⸗ 

Lehre zu 


Des J. Hauptſtuͤck, de — Gebot GOttes, 

handeln von der Liebe GOttes und von der Liebe des Naͤchſten. 

Davon iſt ſonderlich zu leſen im ı Buch da87, 24 25/ 261 27, 28,29, 
30 und 31 Capitel: und im 2Buch das 24,25,26, 27,28,29, 30, 31,323 
und 33 Cap. Item, im 3 Buch das 13, 14Und 21 Capitel. Wie auch im 2 
Theil des 4Buchs das 14, 15, 22, 23,24,25,26, 27,28,29, 301 31, 32, 
32,34, 35,36, 37 und 38 Cap, im 5 duch beg ı Theils das 1, 2, 8 Sapiteh 
und des 2 helle da? 3 Cap. 


Kekf Das 


— — 


Catechiſmus⸗Regiſter. 
Das U. Haupiſtuͤck, der Ehriftliche Glaube, ; 
Ichret, was und mie man recht glauben foll. J 
Davon iſt ſonderlich zu leſen im 1. Buch dag 1,2, 3, 5,6,9, 10, 12, 
13, 17, 18. 21, 23 32, 33,34, 35, 36, 37,38, und 39, Cap, Item im2 
Buch dad TI’ 2,3, 4, 5, 6, 2 8,9r IO,II, 12,15,16,17,18, und 22 Gap, 
Wie auch im 4 Buch alle 6 Kapitel des 1. Theils. Und im 2 Theil deffelben 
Buche daß 17 2, 31 4,5, 6, 7,8, 9, 10, 11, 12, 13, 16, 17,13, 19, 20, 21, 
23, 39 und 40 Capitel; imı Theil des z Buchs das 6,7, 8 Eapitel,umd im 
2 Theil das 1,4,5,9 und 10 Capitel. 
Das IL. Hauptſtuͤck, dag Heil. Vater Unſer, 
lehret wie wir andächtig beten fallen, | 
Davon if fonderlich zu lefen im T-Duch das 42 Capitel. Und in 
Buch dag 5,20, 34,35, 36: 27,38, 3% 40, 41,42, und 43&ap. tem im 
3 Bud) das 19 Cap. imı Theil des 5 Buchs das ıodap, | 
Das IV. Hauptſtuͤck, das Sacrament der heiligen N 
ö Tauffe. | 
Ichret, wie man foll gedultig leiden, fin Creuß tragen, den alten Adam 
creusigen, fich felbft verleugnen, die Welt verſchmaͤhen, etc. j 
Daven ift fonderlic) zu lefen im ı Buch dag 14, 15, 16 und 41 Ca⸗ 
pitel, und im 2 Buch daB 44, 45,40, 47, 48,49,59,5 11 57,53, 54, und 
s5 Cap. Item im 3 Buch dad 23 Cap, im TTheil des 5 Buchedas ı, 2, 
3, 6,7,8,9 Cap.und im2 Theildag ıı Capitel. 
Das V. Hauptſtuͤck, vonder Buffe, Beicht und | 
Abfolution. | 
lehret, wie man fol täglich Buffe thun ſich demuͤthigen, die Sünde bereu⸗ 
en, und dann, nebenjt dem wahren Glauben, den neuen Ges 
horſam üben, fein Reben beſſern, ꝛc. 
Davon ift fonderfich zu lefen im ı Buch daS 4, 8, 11, 19, 20/ 22 und 
40 Capitel. tem im 2Buchdag 7, 8, 9, 10,11, 21,22 und 23 Capitel. 
Wie auch im dritten Buch dag zo Eapitel, im 3 Theil des Buchs das 6 


Capitel. > 
Das VI Hauptſtuͤck das Sacrament des Altar oder heil. 
Abendmahlg, 
Ichret, wie ein Chrift im Guten durch die Genieffung des Leibes und Blu⸗ 
tes Chrifti geftärcfet und befräfftiget wird, 

Davon nebft dem, was oben vom Chriftlichen Glauben, fonderlich 
von dem andern Articul zu finden, auch Fan gelefen werden im 3 Buch das 
ı Capitel, nedft allen Vorreden über die 4 Bücher. Am andern Theildes 5 

Buche dag 5, 7,9, 10,12 Capitel. Und find alfo alles Bücher,mig 

ihren Capiteln zur Catechiſmus Poſtill dergeftalt nüglich 
zu gebrauchen, 


3 )ol or ; | 
& | | 
IN. Das, 


i 





Y 


Moe 


II, Rn 
Das erſte Bibel⸗Regiſter, 
Worinnen alle Haupt⸗Spruͤche, welche in 


den erſten vier Buͤchern uͤber den Capiteln ſtehen, 
als worauf ſich das gantze Capitel pfleget ſon⸗ 
derlich zu beziehen, nach der Ordnung 








| zu finden. 
Das J. Buch Mofe. Der Pfalter, Der Pfalter. 
Ap-Lvg  p-854Cap. LXX,v.7. psas Cap. CIF.Aa 2-96 
ar ZU 864 LXXYIL v4  so\CH Lv: 576 
vs 8644| v7 — 576 
©.9 870|LXXXIF, v. 2 143\CIA, v. 1 398 
v. 14 SI6\LXXXT, v.6 zo CAP,v ı 1009. 1026 
©,20 9 7 söo\CXFLv7 793 
22 9373| ©.8 460, CXF IH. v. 1 576 
2.24 9%] vu sSYCXAAIK,v. 2 508 
v.26 WEILKXAFT, v5 sIT\CXLY,v.8 sı2 
IX, v3 974, 9.6 537| Die Sprüche Sale» 
Das. Buch Moſe. v7 s37\ monig. 
AU, v. 48 44| vu Z82j1ll, v. 2 998 
Das 11. BuhMofe. |LXXXYIL, v.z 47\/ IH, vu 351 966 
A,v.r NEILXXAIK, v3 4533|) XAT,v, 2 204 
v.2 125) XCH, v. 4 587) Dag Hohelied Salo⸗ 
Das IP. Buch Moſe. ©. IR monig. 
IV, vr 205) ©.7 973 Il, v.2 424 
F,v.6 ıS0| vw. y7/,v.r 986 
Das V. Buch Moſe. v.14 1237| v.ı7 765 
AXII 0.4 wol wv.ıy 57\Y/UL,v.7 982 
Das Bud Hiob, v.16 1277| Der Prophet &; 
Al,v7 970 CV, v.6 1024 ſaias. 
Der Pſalter. G,v.> 964| XIT,v.3 296 
„v.12 2077 \CH, v.9 5a: ÄLI, v.ı7 667 
A7II,v. ı 9797| v. 10 372\XLH, v.3 646 
KIX,v.ı 8644) v.n 37:\XLIV,v.> 807 
NXAAL, v. n 841 v. 2 — —— 741 
KAXUI, vs Sol v. 372 XLPUllv, io 656 
KXAXI,v.9 4659\CIV,, v. 2 281. 8541 XLIX, v.« 528 
AYAVI v7 457) v2 8604| v.23 639 
XXXPI,v,4 Sal vg “ 596 LIII,v.4 ‚398 
XAXIM 7.6 441| ©.24 70-924 v7 79 
L, 94 Ta 9% 93'LP,w6 520 
Kkltb a Der 











Der Prophet Das Buch Jeſus |Cap. F,u.3 Er. 
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Der Prophet Je⸗ Po. atthaͤi 7 203 
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II, v. ı0 1000| 17 35 75 FAT alater. 
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V. 77 471 — D . . 
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Das Buchder Wei» |X77, v.8 er heſer. 
heit. vV. 24 go: 11, V. 26 759 
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FT, v.ıi® 329 ſchicht. 2.23 2 
V. 3291 XIV, v. 22 65] 9.24 2 
v. 20 329 XP, ©. | ie @piftslanbi 
XL.0.26 — —— 778 Die Epiftelan die 
v.27 #74 Di Epi —— Philipper. | 
Fe ie Cpiftelandie 14,0.9 7220 
ap * 5 Roͤmer. Die Epiſtel an die 
—————— — * 39 R Coloſſer 
207 V. 381% „, ls Ira 


Das Erſte 


— 











wie 


— ——— — — — mn — — ——— 


Die I. Epiſtel Petri. | Die 1. Kpiftel Jo⸗ 
Cap. II, v. II 


Die Kpiftel an die 
Eoloffer, 
Cap. 1,v.17 
I,v.3 
UL, v. 14 





P. 850) w2i 
498 V. v. 5 





— —— — — — — en 


p.813 hannis. 
56/Cap.IV,v.21 1.995 
824|V,v. 1 25 


1014| Die II. Epiftel Petei. | v-3 


| 987 
157| Die Epiftel an die 





I, v. x9 
Die J. Epiſtel an Thr| Die I. Epiſtel Io Hebraͤer. 
motheum. hannis. IV, v. 16 529 
Lv.5 148. 10161v. 5 232,788.8541%, v. 36 592 
v.13 ° 250] v.6 232|XII, v3 392 
v. 15 2501 v7 232| Die Kpiftel Jacobi. 
IV,v.8 259 ,v.15 176. 453-11,v. 12 600 
VLv.7 98 796. 1006|1V,v.9 1020 
Die II. Kpijtel an Tı-|IV, v.$ 445- 998 |V, v.7 607, 
motheum. vg 473! Die Öffenbahrung 
Lv.9 774| v.ıo 473 Johannis. 
v. 10 6981 v. 16 968. 1005|, v. 17 220 
III, v.5 511 v. 19 969 |V,v.I 421 


| iv. — 

Das andere Bibel⸗Regiſter, 
Worinnen alle andere in diefem Buch erklärte 
Spriiche nach ihren Capiteln und Verficuln 
ordentlich zu finden. 


Das. Buch Moſe.Das lJ. Buch Moſe. | Das l. Buch Mofe, 
Cep Lv.s p-864|Cap. V,v. 24: p. 329.19.|Cap. XIX, v. 17.33.178 








v9 872|VIl,v.21 32| v. 19 131 

v. 16 914 VIII, v.9 145| v.26 33 
v26 2.39.957.|IX,v. 21 I31|XXIV,v.64 82 
1101. 1105. 1177|XI],v.4 1241|XXVIlL,v. 12 627 
v.27 39.183| v.9 321XXIX, v. 18 609 
Il,v.2 1102XII, v. 1 220 70 
v. 8 504 617.746| v.25  _ 69 
v.9 1871 «3 11541XXXLv. 177 109 
v.19 945 /XIE, v.ı 746|XXXII, v.Io 114 
1], v.6 224. 1056|XIV, v. 14 33 v24 147 
v.$ 1107|XV,v- 1 8i91 v.28 68 
v.I5 2108. 11541XVl,v.13 953|XXXIl,v.4 409 
v. 17 878] v.14 053) XXXIV,v.I 143 

v. 22 1871xVvmi, v. 12 67xxxvii, r. 3z6 690 
v. 24 187.691] v. 20 561XXXIX V. I2 1243 
1V, v. 8 32% v27 II42'XLI,v.$ 715 
sterg DaB 


Das Andere 
Das V.Bud) moſe. 


Das I. Bud) Moſe. 
se — v.ia p. 690. |Cap. XXXU, v. 3. 


Das II. Buch der 
1050| Cronica. 


6537| v5 e EN. XX, v.ꝛi p.574 
ne An v.22 574 
; ofe. 
„Due Buch Ne 4 v.43 489 Das Bud Eſther. 
vv 531 Des Buch Joſua. y, v.⸗ 560.779 ° 
v.14 ss XVLvo— Das Buch Ziob 
V, v.2 235 Das Buch der Rich: — * 
% 9 Ban \v, Her. - v.2ı 100,183. 800 
VIL,v.ı2 404 V, v.20 
X, v.o BL, 'XX, v. 25 364 1% BR * 
XV,v. æi 935 Das 1. Buch Samuelis. has 23 er 
XV, v2 4 ],v.6 656.668 X 2 — 
\XX,v. 27 920 
— v.B 33 X) v.5 8 v.17 872 
XIX, v.13 69) v.6 572 | 857 
2 ws 2 XV, v.8 ———— IL,v.ı 928 
— re nos XXXVIL, v. 4 6y) 
— &|xvi,v.7 204 XXXVII, v.4 ir 
— A— 684 
XXVII, v. 4 — * 7— * 
r \y 3 
XXX, vu 552 XIX, v.24 s2| v.ıg 13 
XXXII, v.n 553 IR ’ —— 909 
XXKII, v.20 540 |Dasll. Such Samuelis-| | — fir 
XXXIV, v.6 22. 541 VI, v.22 am 
v. i9 X, v.g 374 Der Pfalten 
va⸗ 313X, v.3 2136117, v.x 574 
v.29 ‚86 |XıV, v. 25 81V, v4 711 
v.35 950 XV, x. 25 936 V, v.ı 582 
XI v.34 459|XVI,v.Io 88.408. Bahn vıo 435 
Das III. Buch Mofe. | Y- " VI, v3 575 
VI, v. iꝛ XV, v.33 368 1X. v. 19 69 
v.26 “ XXI, v.i 572 er v. t 665 
— V. i5 732 665 
Das I. Buch von den us v3 463. 1216 
Das IV. Bud) of: Königen XVIL, ve 574. I222 
2V.7 184 — s6e| ws; 659 
225 184 |]V, v. 25 903] v.26 158 
XI, v.i 107 x v. 5911 v. 27 158 
aXkıvs 108| v. * 763xxXx. v. 461. got 
Das V. Bu e. IXVIL vier 807| v.n 53 
— — — 7714| vis 42 
v.41 13|XX, v.24 68 XXI, v.2 41 
v.42 13 | XXI, v.6 248XXIV, v. 2 8 
v.43 33] v- 29 248| v. 9 6 
VI, v5 78 Das II. Buch von den —— — 
XxVm, v.ia 910 Königen. — * 
XXXII, v.a 1050 III, v. 15 573 97 
v.2 


1050| 1V,v.6 


6241 XXXT, v9 





. Derpfalter. Der Pfalter. | Der Pfalter: 

Df, YXXLv. 23». 651 ILXXXIV, v.3 P. 64. 426:CK, v.5 884 
AXX,v.1 1071j LXxXxXVI. 5 542 CXVl,v7 703 

4 S7OILXXXVUL, . 663 CXIX,v.z ‚785 806 
XXXIUL,v.6 gl v.3 667 . 1203 

v. 15 94| v4 662| v.72 785 
XXKIV,v.1 628| v.7 668) v. 98 585 

v. 2 6281 v.8 668 v.99 785 

v5 1224IXC, v.5 ayıl v.105 1052 

v:7 „Ge! v8 1200| v.145 330 

“9 129!XCI,v. I 474.574| v.146 330.335 
xXXvVlv.g 124' vg 4901 v. 147 3309 
XXXVl,v.4 450. $14IXCH, v. 2 1143| v. 188 339 

v. 33 3971 v3 572! v.149 529.530 
XXXVill.v.3 376| v.12 490) v- 159 * 
XXXIX, v.7 449v4 143' v.151 532 
XLI,v.ı 495 1XCIV,v.1 4539|. 152 533 

v.2 468.1057.1196| v.$ 493| v.104 576 
XLV,v. ıo 747) v.9 493| v:176 Zas : 

v.14 959) v. 10 493 CXXl,v.5 907 
XLIX, v. 21 10) v. 19 606 v.6 907 
L,v.2 637|e1, v⸗ goz|cXXIl,v.a 809 

v.5 279| v.Io 375 CXXX, v. 4 515 

v.5 427.506) v. I 375 CXXXIU, v.3 835 
L1,v.6 377! v2. STSICKXXV,v.7 44475 

v.9 133.332) v. 13 379 hun 

v. 72 1044 CHI, v. 12 898 CXXKVEYV.S 8399 

v.19 24527 v. 22 583,cxxv, v. i5438 
LVI, v.9 5570lv, v.5 871ICXLV,v.8 518 
GKll,v,rI ”94| v.6 8972| vı17 Jah 
Lxlllv,4 4644671 v. 10 880.881, CXLVII, v. 4 492 
LXV,v.3 9401 v. 11 882, CXLVII, v. 2.199- 

v.6 9481 v.ı2 882 | 570 

v8 948| v.33 884ICL,v.v. 3 539 

v.9 948| v. 14 835.887] Die Sprüche Salo⸗ 

v.Io 9481 v.ı5 887.889. 891 monis · 

v. 12 951. 8781 v. 16 89 l, x. 20 462 
LxVill,v.2 5731 vı7 892|VIl,v.8 381 
LXIX, v. 21 49| v.9 914.915|VI, v. 32 462.768 
LXX,v6 s27! v.25 936 1177 
LXXI, v.20 6681 v.26 936. 940| XXX, v.7 73 
LXXll,v.25 471.742| v.27 949) v. j 839 

794.1111| v. 28 950] Der Prediger Salo⸗ 
LXXIV, v. 12 631! v.29 951 monis · 
xxvii v.⸗ sög|cvı,v. 23 55211,v.2 472 

v. 11 665 ‚evil, v. 25 936) v.7 927 
LXXXIV, v.2 102,C1X,v.30 396, VIl,v.17 715 

Kkkka4 Das 








Bibel⸗Regiſter. 

















DasAndere 
Das Hohe HievSalo-, Der Prophet Jere |Der Prophet Daniel. 























monis- mias. Cap. IX.v.7 D-377 
Cap.l,v.i p-273|Cap.ll,v.13 p. 12371 v.24 1079 
v.15 316, 1081. 135Ill, v. | 1115) v.26 51 
Ilv.3 196| v. 12 359 1115Der Prophet Hoſeas. 

v. 14 1196 | IX, v. 4 630 Il, v. 8 58: 

Il;v.ı 144 1X, v. 2 712. 906 v4 122 

V,v. 8 766xlll,v. 22 3471 v. 19 258 

VIl, v.12 — — v. 6 193) v. 21 912 

XVII,v. 281. 12001 Der Prophet Joel. 
Der Prophet v.14 i 335 11, v.12 * 359 
Eſaias. v. * 665! vu 359 

l,v.16 133|XVIll,v.ıg 324! Der Prophet Jonas. 

Vi, v. 14 300. nur Xxx, v.7 671 IIl v. 5 * 

IX, v.6 16.199. 298 XXXI. v. 18 361 IV, v. i0 

Xlv.2 16. 1113| v.20 544|Der Drophetlliche 
v3 4911 25 1059 |V1,v,6 161 

ZXVII, v,16 313! v.33 1054 vil,yv.ı 630 : 
v.19 670) v. 44 5306| v7 931.632 

XXX, v.18 367 | XXX, v. 41 3699| wg 634.635 

XXXVLvı 74| 449,507| v.g 6,6 

XXXVIL,v.3 u9s XXXIII, v.io 39 637 

XL, v.2 315) v.25 9181 v9 310,942 
v.26 8961 Die Blaglieder —— Der Prophet Ha⸗ 

XLI, v.22 73 mis bacuc. 

XLI, v.2 19: |1,v.12 s84lll,v. : 632 
v.3  646.674.683|11, v.22 8 589 
v4 190 Ill, v2 650, 66; Der Prophet * 
V.8 435:439| v. 33 582 gaͤi. 

XLV, v.4 492| v.39 sorlll,v.g 958 
v7 493] Derprophet Kze- Der Prophet Za⸗ 

XLVllI,v.22 146 chiel. charias. 

Lv.4 335|1,v,10 947|Xll,v.ı0o 526,545 

LIll,v,6 1077 VI, v. io 346 ir 
vy 947 v.u 340|X1V,v,8 

LIVv13 1206 XVI, v. 14, 98! Der —— 

LV, v.i 526.745 |XX1,v.30 364 lachias. 

1058 xXXIIl, v. I so4ll,v.ı 512.513 
v2 1166| v.2t 1080 Ill, v. 14 1096 

LIX,7 3611079: XRXVI,v.26 1043 IV,v.2 922 

LXI. v. Icę zot Der Prophet Daniel. | Das Buch ver Weiß 

IXll,v2 1107.958jll,v.27 715 heit. 
v.3 1216 |1V,v.32 nollV,v.14 06 

LXV, v. 10 315.958 Vl,v.ıo 1095 , VI, v.5 89 

.24 so7| v. 12 408| v 22 — 
—— 507h, v.4 5571 v. 23 518 
LXVILv.i2 2041 v. 5 5571 v.26 —85 


Das 


Bibel -Regifter. 


Das Buch der Weiß—⸗ 














heit. Matchäi. Marthäi. 
* Vll. v. 27 p. 177|Cap. V, v. 23 P. 324. 446 Cap.Xl,v.45° ° p83 
28 4981 v25 324 735 

viil, v.Ig 2rıl v.26 2324| v.46 83.747 
ıl,v. 27 Ost v-44 167.193 | XIV, v. 37 653 
All,v.ıg 359| ve45 157.193|XV,v.28 779 
v.Ig so|Vl,v.6 532!XVl,v.3 905 
xlV,v.2 939| v.8 5o6| v.ıg 313 
v.3 939] v. 14 1861 v. 25 614 
xXVlv.2i 2981 v.aı 438 v.26 27 
v.25 2981 v.29 956|/XVI;v.2 862 
Das Buch Tobiaͤ v.33 686| v-5 56 
Xil,v.19 337 vll, v.7 424| v.15 713 
Das Buch Tefus v.8 424|XVII, v.6 10 
Sirach. v. 2 166) v.26 159 
Lv. i go2| v. 13 505.1097! v.35 159 
Il,v.23 369| v.14 454 505. |XIX, v.17 4,179: 443 
Kv.14 274| v.16 1240|XX,v. I 1097 
xvill,v. 12 s24| v.2o 2577| v. 28 388.458 
XXIV, v. 29 463. ı96| war 24 XXI,v.28 53 
v. 30 463.1196| v.22 217. 409 XXI, v. 30 588 
XL,v.i 924.388 |vIll,v.3 1069 XXIII, v. 2 1240 
v. 2 624! v. 20 386 v.3 1240 
XLIl, v.4 909| v.25 94] v.14 217 
v. 5 461. 917Ix, v. 2 264. 1003 1XXIV, v. 29 919 
v.B 767| v.ı2 44.45. 366,649|XXVv.21 1083 
v. 38 5841 v.13 44.46| v.26 837 
v.20 7) v.35 113: 
Es v.22 779|XXV], v.7 ggt 
FyengeliumSt. X, v. 30 670) v.26 1060 
Matthaͤi. v.37 321. 3v:38 417 
l.v  106.10781 v.38 1097| v4 95.532 
il,v.20 671 v. 42 200XXVII, v. 35 839 
Il,v.16 947 Xlv, 5 35.241] v. 45 921 
v.17 6.561. v. 25 8061 v. 46 419. 618 

IV,v.ı 660.684! v.28 68.1058] Evangelium St, 

v.3 6890| v.29 17.22. 61.432. Marci. 

v.4 838 439 618. 1045 |1,v. 15 233 
V,v,3 648.762 1097. 1235.1V1,v.5 779 
v.7 \ 332] v.30 62. 72.618 VIII, v.5 1056 
v.g 804 794.341. 1097| v.38 74 
v.9 885 XIIl, v. 24 1097 IXx, v.7 713 
vn 4051 v.25 2561X,v.52 779 
v‚12 4905| v.33 329|XIIl,v. 13 615 
v‚20 314| v.43 858xV, v.38 95 
v:22 3231 44 735XVI, v. 15 307 
Kkkk— Evan⸗ 


Evangelium — 








| Evangelium St. 


Evangelium um St, Evangelium: St, t | Evangelium St. St. 
Marci. Such. Johannis 
Cap. XVI,v.ı16 p.750/Cap.XVI,v.25 p· 356 Cap. VIlL,v.3ı p.1240 
Evangelium St. XVII, v.5 654| v. 36 751.1064 
Such v. 10 832. 1095| v:44 280 
1,v.27 747| v:2I 34518725] v. 51 699 
1, v.7 386 758.1217| v.56 1154 _ 
v.46 330 |XVII,v.5 54218, v-9 TIL. 
v.49 336 v.II 506, GE 755 
M,v. 38 &  v-22 743 XL, v.9 TU 
VI.v.19 530) v.42 779\ vıE 2836 
v. 35 167|XIX, v.8 135. 212; v.22 449 
v.37 „91| v.ıo 83. 303 XII, v. 25 82 
VI,v. 37 116) v. 41 1211 v. 28 309 
v.38 IIIG XX, v. 35 5881 v.35 253 
v. 50 789IXXL,v.1I9 6151 v.48 41 
VII,v.7 49| v.25 Ö 920 XIII, v.5 432 
v.48 7791RXIL,v.27 3389| v.I3 432 
X, v.23 21.88-198| v-32 653| v.15 199 
372| v»43 6271. v.35_ 364 14.1235 
v. 35 56| 44 430 XIV, v,6 80.255.562 
X,v.13 I9I| v.6X 192 1258 
v.20 201. 385. 717 XXIII. v. 32 1133 237.580 
v. 21 41716 v. 34 1371. v.21I 804. 1214 
v. 30 ſq. 209| v. 42 132 398 
v.42 742\ v. 46 429| v.23 303.1204 
Xl,v.23 54IXXIV, v.I5 344 398 
v.27 190° Evangelium St. IXV,v.2 1103 
v. 28 1990| Johannis. v.4 27.1086 
v.42 I1Lv.6 211) v.5, 214.339. 1086 
xi.v.g ‚521 v.14 77 357 
v.15 417! v. 16 = 31291 v.6 203 
v.37 14E 111, v.6 "1208| v. 13 458 
v. 4 2411 v. 16 212.968| v. 15 450 
v.49 747\ v. 19 788XVI, v. 2e 357 
v.5ı 747| v. 21 107.836 1XxVII, v.I 544 
v.54 905 11V, v. 21 s07| v.2 544 
XI, v.21 326 VLv. 10 — v.3 269. 1133 
V, v.2 11971 v. 27 1056| v.II 1203 
rn 262 Bet 32.84. Me 29 7531 v5 681 
372, 1088| v. .35 877:889:1058| v.17 1049 
v.33 1908| v.5t 224.1140| v.23 1203 
xV,v.12 3491 v.56 —— er 
v.13 349| v.62 222.784. 1182| v.29 373 
v.16 1057 |VI1,v. 38 231.526) Die Apoftel Ge⸗ 
v.19 374 |vUI,v.ı2 57.236.790 ſchicht. 
v. 20 1116 1232351, v. 1 


Das Andere 























574 
Die 





Biber ertifter. 


mn 
Die Apopel Ge Die Epiftel an die Die I. Epiſtel an die 
ſchicht. RKömer. Corinthier. 
Cap.1,v.7 p-s04| Cap. VII, v.33 317 |Cap.XV, v.23. p.1144 
M,v.3 10:4, 39 35 v.49 1 
IV, v.ıa 224! v.38 379 99° |xvi,v. 14 152. ı 
V, v.40 83 IX,v.3 512. <13 » 445 A 
v.4l 88 v8 245. 514 4 * 
VILv.55 as) v9 514) Die II Epiſtel andie 
Xv.2 2399| 723 115 Corinthier. 
v. 34 50* X v.14 5yoll, v.3 62 
XIu, v. 46 245 XL, v.33 43| v4 623 
v.48 246 Al), v.l 218 V.5 625.670 
Kiv,v.u 541 v. 19 691) v.7 626 
v. 949 | XII, v.8 162 111, v. 16 233 
XV Q v.g 162 v.17 49.177 
Xvil,v.26 2 v.ıo 162.163 V. 18 1042, fqe 
v.28  40.950.1206| Y-'* s7\ IV, v.4 439. 1240 
v.39 3041 XV, v.4 624) v.6 1047. 1220 
Die Epiſtel an dieDie. Epiſtel an die vr 1044 
Römer. Corinthier. * ie 
£,v. 16 3051 v.i a 
> l, v.ı2 1239 7 626.695 
2419 40v. 20 806 |V, v.ı 866 
I, v.4 205 lv.ıg 283.1209| V. 17 69.257 
v. I5 — 6 1.60) Y-21 315. 1063. IOBE 
III, v.23 347 | I, v.6 336 | VI, v.14 247.1234 
v.25 69) v7 3356| Vil,v.ı0 46.122. 262. 
4 v.28 ‘ MT v. zi 1219 ——— 118 
V, vi 20.10 4 IV. Vv. 20 201. 8 ‚Vv. 1088 
v5 467.633 619! V, v.ı2 A XO,v.7 67. 681 
1222) VI, v. u ng) 8 681 
V. 18 306 v.17 857. 479. 1103 v9 119, 650. 688 
—— nz 516 3217: XUI, v.5 1083.1208. 121 
v. 33, v9 729 ; » t 
vl,v.aa  1043.14.|vın,v. A ec 
v2 Alu a per: alater. 
v. 24 95.797 IX, v.7 nn II, v.20 1083 
VIII, v.⸗ 1037| X, v.13 691 1Y» v.6 31.1990 
v.l4 346| v. 10 1138 V. v.6 488. 1044 
v. i⸗ sa7| v.20 ad... 7 283 
v. 16 823.525.527| XIIT, v. 1 205. 215 24 61. er * 
v.19 920,949] Y-? 165.217 221. 566 
v.22 920 v.3 171. 217 v.25 68 
v. 24 64) V.4 202 1V, v.ı 1043 
v. 26 643.6751 V. 13 4435| v.2 192. 4428 
v.28 497. 754 XIV, v. i5 424| v.3 u 
v.28 692.64 XV, v.ıo 437. 1085| V-7 549 « 
v.2 1076| vw. 22 10.1981 v4 21.73 





mie 


Das Andere 
Die Epiftelandie DiesEpiftelandie | 2 Diel. Epiftel Petri. Petri. 














Galater. Coloſſer. cCap.Lv. 23 p. 1048 
Cap VI.v.15 p-201|Cap.I,v.27_ P. 1112 1059 
Die Epiltelandie | 28  ,a202pllivig 781 
Epheſer. UL,v.S 652| v.ı2 695 
3,7: 5 3571| v9 1042/11, v.4 1042 
v.22 1084-1161| v.ıı 785.1170.ig.| v. 21 306 
v.23 1084-161) v.14 572. 573. 576. IIV, v. 10 
I, v. 2 53. 1040 588V, v, 5 834 
v.3 1082 17 196| Die II. Epiftel Perri. 
v.4 1082 Die 1. Epifiel an die |1,v.4 72 
M,v.16 1043:1044) Theſſalonicher. v.g 240 
v.17 460/V,v.17 507 v.9 240. 241 
v.19 237. 1019. 1039. Diell. Epiftelandie | v.ı9 1052 
1043.1207.1214.| Theſſalonicher. v. 21 III0 
1217. 1222. ſeq. ıLv.7 J = 
IV,v.1: 139 I, v.9 218| v.13 
v.I3 240.725.1040| v.u 218 Diel. epiftel 
v.22 86) Diel. EpiftelanTis hannis. 
v.23 86. 874-1042 "motheum- u" 234 
"v.24 96. 1042 Lv. 5 200. 1191 |H,v.2 309 
v.26 159| v9 2321| v.15 75. 109.464- 
V,v. 1 81IV, v4 179 470. 796 
v2 1079| v. 8 10857! v. 16 21. 345 
v. 8 236|VI,v.3 1199| v 20 525. 1167 
v.14.236,256.1238| v.4 11991 v.24 1103 
v. 18 1228| v.7 1001 v.27 — 
VI, v. 16 689| v.ıı 107, v.2 482. 1106. 1144 
Die Epiftel andie | Diell. Epifielan Tu | v.q4 437 
Philipper- mothesm. v.9 27. 1038 
1,,v:6 6541, v, 6.735.1207. 1212| v.ıo 665. 1038. 
v. 11 163 IL v. 11 505 1185 
v. 21 66.707 v. 10 55] 14 «168.171 
v.29 720111,v.5 53V, v4 682° 
D,v-5 3811 v.7 1138. ſeq. v.7 63. 163 
Ye? 455| vı2 1094| v.9 0.458 
v.$8 310.381.432| v.ı6 1040|. v. 13 ın3 
11581 vı7 1040| v.ı6 163. 325- 
I,v.ı2 , 647.1171| Die Epiſtel an 1223 
v.x3 649. 171 Tieum. v. 20. ‚154. 165. ſed. 
v. 21 702 1,v. 16 52 181 
IV,v,7 7821l, v. 11 2101 v. 21 165 
v.13 94.1186] v.14 1082|V,v.3 150 
Di: Epiftelgndie |HI,v. 9 1236 v4 27.345.391 
Coloſſer. Diel, Epiftelpetri 503,716.753- 
1,v.20 487 |1,v.17 8 1064 
v:24 672| v.18 181 vw 10 196 





Die 


Bibel, Regifter. 


— — — —— — — — nn ze — 


Diel.£piftelSt. | Die Epiſtel an die Die OffenbahrungsSt. 











Sobannis,. : Hebraͤer. Johannis. 
Cap.V,v.20  P.345|CapıX, v. 29 P-47|II,v. 17 p. 222 
Die Epiftel andie |XL,v.z 639.750. |1II,v.20 116.228. 
Hebroͤer. 1044. 1065 "522.795 
L,v-.3 6. 1106|. .v.26 696 IV, v.7 947 
I,v.ı4 698 XII, v. I 598|V,v.$ 526 
IV, v. 12 1051| wII © 633: VI,v.I gIL 
v. 16 1091 ]|XMII,v.13 264] v. 14 695 
Vi,v. 2. 45! Die Kpifiel St. XII, v.1 re 
v.4 229 Jacobi. XIV,v.13 107 
v.6 7.51.1,v.6 1092] v. 11 123 
v.17 305 v.17 500.902.1XVIIl,v.4 355 
v.18 305 v. 18 1048 XXIL v. 2 36 
IX,v.14 120811, v. 17 1906| v. 11 869 

V. 


Regiſter aller denckwuͤrdigen Sachen, davon 
un dieſem Buch gehandelt wird, und dem ag ⸗ 
dachtigen Lefer vorkommen, . 
a > 
bel und Cain geiftlich im Menſchen i Pag, 32 
Abenomahl, was er: fe) 740. 1060. beffen. Fruchte 326. darmnen 
wird die Vereinigung mit GOtt beſtaͤtiget 1137, 1139. 1q,, die Ba 
Nieffung muß dabey eyn 740. daggeiftliche Abendmahl 
Abfall von GOtt 1177. ift die Verachtung feines Worts ee 
Abgötterey, was fie ſeh 438. deren ift die ganke Weit voll A 
Abraham ift ein Fürbild ber Abfterbung dev Welt 67. und ein Erempel 
der Gedult 616, infinerSchlacheiftver ** uud Streit des Geiſtes 


abgebildet 3 
Abſagen allem, wagıg ſey | — #9 | 
Abſalons Sünde und Fall 3 


Abſolution, was wahre Abfolntionfy er 
Abſterben fich) ſelbſt and der Welt, was es heiſſe 22.48. 66. 840. was ch 
ſey der Welt abgeftorben feyn 74: um Chriſti Willen muß man der Welt 
abfterben7i. 1183. als wie die Heiligen gethan 103. werder Welt abs 
ſtirbt, der lebet EDtt 731. und der erfreuet GOtt 90, wer in Ehrifto le⸗ 
ben will, muß der Welt abfterben 65. 66. 814 1187, Zeichen einer der 
Welt abgeftorbenen Seele 731 
Achabs heimliche Deutung wider die böfen Lüfte 68 
dam muß in um? flerben, fo Chriſtus in uns leben 67. bdeſſen Fall 
Zu 407. 1078 * die ſchrecklichſte Sune 8: des Satans Suͤnde 
sich 


Reeifter. 


—Itihr. 9 deſſen Leben in ung ift fihrecklich 344: 346. deſſen Weißheit 
in Benahmung der Thiere 945. deſſen Unaehorfamift kraͤfftig, aber 


Ehrifi Gehorſam noch Fräfftiger 310. aus Adam der$luchzıı. und 


alles Bofe, aus Chriſto alles Gute 15. In Adam find wir allegleich ° 


böfe 347. was wir in Adam verlohren, finden wir in Chrifto wieder 
498. Adamiſches Her abgebilder “ 346 
Yergerniß in der Lehre 10, erwecket bie Unarf der Menſchen ı0. iftvon 
Chriſto hartverboten u. Argerliche Wort beflecken die Seele "144 
Aeuſſerliche Dinge machen nicht felig 754. denn ein bofer Menſch Fanfie 
auch hun Re 755 
Affect der Liebe der reineſte und vollfommenfte nos. Affeeten der Glaͤu⸗ 
bigen find Wunderlich 658, fleiſchliche Affecten find zu verlaſſen 747 
Ntlgegenwart GOttes 324 
Allmacht GOttes ift unendlich 963, und nicht auszuſprechen 485. ers 
feheinet aus dem Lauffder Sonnen 918. und aug der Groffe des Meers 
935. 940, fol in uns Demuth wirken 130, deren Spiegel und rechter 
Gebrauch 484, 485. aus derſelben gehen alle Kraͤffte 484. aufderfelden 
ſtehet der Glaube und Hoffnung 631. und iſt in ODemuth zu ſehen 1053 
AYumofen find falſch, wenn Ehre dadurch geſuchet wird 217. ungleiche 
Allmofen rn) Ya Hull — 
Alte und neue Menſch, was er ſey 36. wie er in der Schrifft borgebildet 
werde 32. Vergleichung des alten und neuen Menſchen 877 deſſen 


nothwendiger Unterſcheid 343. der alte Menſch muß ſterben, der neue 


leben 32. die Verweſung des alten iſt des neuen Menſchen Leben 89. 
Siehe neuer Menſch 

Anbeten darff man Gtt alle Stunden 520, die Ehre der Anbetung ge⸗ 
hoͤret GOtt allein zu A 1090 


Unterer, wahre Anbeter nuͤtzet fich felber viel 5, finder GOtrallenthals 


ben im Geift und in der Wahrheit 508.517. und mag ihn alle Gtuns 
den anforechen 508 
Anblick GOttes, ein einkiger ift beffer, denn aller Creaturen Lieblichkeit 


u Me u —⏑——⏑ 


739. _ 


Andschtiger Menfch iſt GOttes Freund . ZI4E 
Anfechtungen, ihr Urfprung 656, Urfachen Zar. 661.669. Nutz 662. fie 
find alle gut zur Seligfeit 669, dierechte hohe Schule 662. Die geiftliche 
Hoͤlle, darein GOtt führet 595. Zeichen der Gnadeg7r. fie fommen aus 
GOttes Verhängnifi 667. und jagen zu GOtt 842. dadurch wird die 
Gedult gegründet 663. hohe geiftliche Anfechtungen 275. wie und 
woraus fie entfichen 668. wie man fich darein zu fihichen 656. Troſt dar⸗ 
wider 667.671. darinnen erkennet der Mensch fine Richtigkeit 659 
und lernt fich fein erfennen 843. darinnen ift allein bey Chrifto Rath und 
Troſt zu fischen 670. die Hoffnung, welche der Verzweifelung wider⸗ 
ſpricht durch ein Hein GSeuffzerlein 643. mit Trofifpruchen zur befeftigens 
663. und mehr um Gedult als Errettung zu bitten 653. dariñen ift auch 
in einem Fleinen SeuffzerGlaube undChriſtus 658. nd Gottes Geift 674 
Erempel der Anfechtungen bey den Heiligen und Chriſto 684, denn die 


—— 


groͤſten Heiligen haben die groͤſten Anfechtungen eräultet; und as | 


„.nällee y denckwürdigen Sachen. 


Gnaden bey bey GHtt blieben 67 671. Ungedult wird angefochtenen nicht zuge⸗ 
rechnet 659. Anfedytungen des Gebets, wie fie zu überwinden 430% 
innerliche Anfechtungen des Teufels durch ärgerliche Gedancken, 
und Troft darwider 679, fgg- Ehriftus ift bey uns in Anfechtungen 682+ 
deffen Vorbitte für ung 681, nach der Anfechtung wird man getroͤſtet 
676. wobey zu bemercfen, daß darinnen der Glaube nicht aufhore 683 


Tauleri Nachricht von Anfechtungen 676 
Angſt, Hoͤllen Anaft 657. Exempel der geängfketen Seelen 658 
Anr uffen was GOtt auruffen fey 142 
Anruͤhren, was GOtt anruͤhren heiſſe 1092 


Anſchauen GOttes, mit dieſes Leibes Augen Finnen wir GOtt nicht * 


Anſehen GOttes, was es iſt * 
Antworten, GOtt antwortet einer glaͤubigen Seele allezeit 561. wie er 


ſolches thue in ſeinem Wort 362.199. 
Apoſtel haben in Chriſto gelebet 202% 
Ardye Noa undihregeiftliche Deutung | 145 
Arm iſt gar ſehr ein Menfch 527,499. 


Armuth Ehrifti und deren Befchreibung 886. hat drey gradus 386, geifts 
lidye Armuth/ was fie ſey 761.499, fie wird durch Äufferlichen Reichthung 
nicht verhindert 762. fo viel ärmerdu biftindir, fo viel reicher in Chriſts 


833 

Artʒeney der Seelen 660 und der Sünden 54 

Afche, warum man ſich in A, Teſtament in Afchegefeßt 373 

Altrologia wird von vielen verworffen 7 ro. derfelben Mißbrauch ift zu ta⸗ 

deln zıo 

Aftronomia dee Himmels, der Lufft, Erden und Meer 924. Davon dei 
Autoris Mennuna 704. Item des Paracelfi' gor. fQ 


Auferftehung Chriſti ift ein Grund und Urfach unferer Auferfiehung 699, 
fg. derfelben Frucht in ung 23. 240, 456. 1039. ift die neue Geburt 17, 
drum muß fie geiftlich in ung feyn 34 

Auferftehung unferer Keiber eine fchöne Erndte 549. muß erfolgenum 
GOttes Wahrheit und Ehrifti Herrlichkeit willen 700. und um GOttes 
Gerechtigkeit willen 700, iq. auf folche folget das ewige Leben 701 
Erempel derer, die in diefem Leben von Todten auferwecket worden 


701 
Aufrichtigkeit eine Frucht der Liebe 199 9. 
Aug Apffel / ein Gleichniß davon 650 

Auge, wie es ſiehet 746, ſollen wir gen vinn — 896 

B. 
Abel iſt geiſtlich im Menſchen 32 
Babylas will mit feiner Kette begraben ſeyn 606 
Sabyloni cher Thurn, was er abbilder 1242 
Bäche Belial ? 609 
Balſam erfriſchet des Leibes Kräfte 891 
Barmhertzig ſeyn, was es heiffe 853 


\ arms 


— 


Regiſter. 


SsarmbersigPeit, woher ſie entſtehe 130. Barmhertʒigkeit Chriſti 


machet ſich ung zu eigen 298. Barmhertzigkeit GOttes 524. uͤber⸗ 
trifft alle vaͤterliche Barmhertzigkeit 352. 368. 544. iſt der Grund unſe⸗ 
ver Gerechtigleit 213. und ſtaͤrcket unſer Geber 556. darinnen iſt aller 
Troſt 622. und eine geſchwinde Cur 263 
Daum ift gans im Saamen versorgen 877. ohne Frucht iſt er nichts 322. 
Häum: wachfen aus dem fräfftigen Wort GOttes 392, find ein Spiegel 
der Liebe. 892. derfelben Safft 892, an demfelben find viel Wunder zu 
bedencken 891. Baum der Gerechtigkeit giebt feine Früchte umfonft 
191. Baum des Kebens und feine Srüchte234, Saum des Todes 
224, gifftiger Baum und feine Früchte g, 10 Verbotener Baum 
Bekehrung wird in 12, Argumentis erwieſen 233% fqg--ift ein lauter Gna⸗ 
den-Werck 361. kommt von oben herab 335. und vereiniget mit GOtt 


1116. muß aber von Hertzen geſchehen 363. und hat nur in dieſem Leben 


ſtatt 780. derſelben Frucht 380. alle Werde GOttes find zur Bekeh⸗ 
rung des Menfihen gerichtet 473: wie der Menſch von Chrifto bekehret 
wird 347. wie aberdie Belehrung ung Menſchen zugefihrieben wird 


361 
Beleidigern follman vergeben 171 
Beleidigung ded Nächften ift GOttes Beleidigung 180. 182, Niemand 


beleidiget ung, als wir feiber 845 
Belohnung der guten Wercke ro7 8. tie fie GOtt verheiſſen 1086 


Berge hat GOtt ſonderlich zerſtreuet 880. find der Eeden Zierde 879 
Gottes Schatzkammern 476, und natürliche Diſtillir Oefen 879. darin⸗ 
nen ſonderlich die himmliſche Influenz an den kraͤfftigen Kräutern geſpuͤ⸗ 
ver wird 979: die Berge GOttes Au 88o 

Beruf eine» wyuten 19, Beruff GOTTes ift herglich 774. wenn 
GOtt ruffet, dag ift die regte Seit 140, er cut ung ader zu ſich durch 
feine Gnade 359. durch Empfindung feiner Liebe 776. durch feine 
Wort und Werk 774. durch feine Drauungen 358. und in bung der 
Sanfftmuth und Gedult774. allgemeiner Beruff gehet über alle Ereas 


Al, 


turen 307. GOtt laͤſt ung nicht vergeblich zu fichruffen 33 
er⸗ 


Beſſerung Urfach zur Beſſerung 122. ohne Beſſerung geſchicht keine 
gebung 241. nichts zu gebrauchen, dag nicht beſſert 144 
Beſte foll dag liebſte feyn 63. 152. dag befie, fo ein Menſch thun fan und 
r ka 


N) Ai .'zI 
Beſtraffung der Brüder, wie fie vorzunehmen Ir 
Beten ift eines Chriften Eigenfchafft 525. vermehret die Gaben des Geiftes 

503. aber ohne Glauben beten ift groffe Sunde 511. recht beten 427 

gerne beten ift eine Anzeigung, daß man GOtt liebe 151. Frucht und 

Ruß des Betens 529. warum GOtt heiffe betenzoo. GDtt heiftung 

alle beten und fagt allen Erhorung zu 512. unfertwegen follman beten 

507, GOtt weißalleg, ehe wir beten 507. 508. 523, und bebarff Feiner 

Tangen Erzehlung 523. er weiß auch, was wir bedürffen, ebe wir anfan⸗ 
gen zu beten 508. warum man auch vor die Feinde beten foll 408. beten 
sorgen eigener Wuͤrdigkeit iſt ſo groſſe Sünde, als gar nicht beten Po 

egan⸗ 


- 


aller denckwuͤrdigen Sachen, 


beganaener Sünden 506. 515. denn wer wegen feiner Froͤmmigkeit beteg, 
ift ein Dieb 5 15. wicht beten iſt eine groffe Verachtung GOttes z00 mag 
vor groffer Schade daraus entfpringe 500, Ein nicht betender ift ver uns 
ſeligſte Menfch in Leben und Tod 501. dem Teufel und allen feinen Werz 
cken unterwerffen 501. Eiche noch mehr unter Geber. 

Beter, ein wahrer Beter erfennet GOtt 502. befenner GOttes Wahrheit 
503. bey einem Berlofen ift ale Sünde und Undanckbarfeit 501. und 





von ihm weicher CHriſtus, das ewige Licht 501 
Betruͤben, woruͤber man ſich betrüben fol 119 
Betten wachſen aus der Erden 8 


Bild CArıfir, wie man ihm ähnlich wird / 34 
Bıld BÖttes,2. 174.271. was es ſey im Menfchen 2. 1104. 1105. worins 
nen e8 beſtehe 3. 174. iſt des Menfchen höchfie Ehreund Wuͤrdigkeit 75. 
89.958. Gerechtigkeit und Leben 274. Bild der Heiligen Dreyeinigkeit 
in der Seelen2.3. Adel und Herrlichkeit des Bildes GOttes 76. deffen 
rechter Gebrauch 4. es wird in Demuth bewahret 6. der Menfeh ift nach 
demfelben erfchaffen 1101. welches aus der Drdnung der Greatur su lers 
nen 996.lq. warum aber der Menfch nach GOttes Bild erfchaffen 3.109. 
nemlich aus Liebe 967. Aus deſſen Bleichheit eine genaue Vereinigung 
entſtehet 1101. ſeqq. CHriſtus, ein volfommenes Bild GOttes 5. darins 
nen fol nichts denn GOtt leuchteh 5. dag Bild GOttes in dem Menfchen 
u zerflören,, hatder Satan groffe Liſt gebrauchet 274. wodurch es zer⸗ 
—* und des Satans eingepflantzet worden 274. des Bildes GDtteg 
Erneuerung in dem Menſchen 496.784: darinnen das gantze Chriſten⸗ 
thum beſtehet , 269. feq. 
Bıld des Satans 275.280. was es ſey 9. iſt ſchrecklich 279 
Bild der Boſſe 350. des eigen Lebens 230. des Glaubens und Demuth 
- 350. der verlohrnen Menfchen 349. natürlich, Bild eines Menfchen 334. 
bimmlifch und irdifc) Bild ri 
Blindheit in neiftlichen Sachen 1197. Blindheit und Finfterniß des Her⸗ 
tzens 233. fleifchliche Blindheit 224. natürliche Blindheit 278, 283 
lı — 


ı5 a 09 
Blumen⸗Geruch auf Chriſtum gedeutet 
Blur CArıftiund deſſen Rache 47. deſſen Krafft 50 
Bosheit des Hertzens 279. verborgene Bosheit im Menſchen 10 
Boten GOttes, die ungzu GOTT bringen. 477 
Braut CHriſti worzu fie bey ihrem Bräutigam koͤmmt 112 


4 
Brod iſt eine allgemeine Speife des gangen keibes 877. 888. deſſen Eigen⸗ 
ſchafften 888. darinnen erweiſet ſich GOtt als ein Vater 897. und als 
ein allmaͤchtiger HErr und weiſer Speiſe⸗Meiſter 887. im Brod iſt die 
gantze Natur eingeſchloſſen 888. und erinnert uns des rechten Brods 
des Lebens 889. das geſuͤndeſte Brod 122. das lebendige Brod 877. 
des Himmel⸗Brods mancherley Geſchmack 297. etliche Arten bed 
Seelen⸗Brods 1059. Thraͤnen⸗Brod 122. ift der Chriſten Brod 
‚ k 100 
Bruͤderſchafft/ zweyfache Bruͤderſchafft der Menſchen 1001 
Brunnen, ihr Urſprung 880.927. ber Brunnen 884, mange 
un 


Beaiffer 


und wunderliche Brunnen 882. Gnaden- Brunn, CHriflug 882. Brunn 
des Lebens a BINTISEHRE 
Buch des Lebens iſt CHriſtus 395. viel Bücher richten im Chriſtenthum 
nichts au® , | 123236. fg. 1238 
Bund EÖttes ind Herp geichrieben i 43 
Buffe, derſelben Befchreibung 379.fg. 1116. Maß fie fen 17. 21.24.45. 
1068. 1181. worinnen fie beſtehe 131. mie fie geſchehen müffe 358. mag 
dazu erfordert werde 1181. nemlich Erftattung 194. 186. der wahren 
Buffe Bilder 349.350. Eigenfchafften 17. deren fonderlich viere find 
372. derfelben Früchte 285. Funbament 344. Mittel 361. Stüde 350. 
Dorbild 131. Urfachen 241. 366. denn da find bewegliche Urſachen zur 
Buffe (1) GOttes Barmhergigfeit 352. (2) CHriſti Freundlichkeit 253. 
(3) die Drohung der zeitlichen Straffe 354. (4) der Tod 354. (5) das 
jünafte Gericht 355. (6) die ewige Höllen- Pein 356. (7) bie Freude 
des ewigen Lebens 356. die wahre Buffe ift nicht ein Mauls Gefhmwäg 
1232. fondern gehet aus dem Hergen 20.21. und iftein lauter Gnaden⸗ 
Werck 361. der Anfang des Chriſtenthums 285. bie rechte Beichte 133. 
Sie aͤndert den inwendigen Grund des Hertzens 21. bringer vollkom⸗ 
mene Vergebung der Sünden 1070. bringt mit ſich, daß ein Menſch ſich 
ſelbſt und der Welt abſtirbt 21. demuͤthiget bon Hertzen 374 har Schmer⸗ 
tzen daß ſie GOtt beleidiget hat 375. toͤdtet das Fleiſch 20 1180. ver⸗ 
achte: das Zetliche, vereiniget mit GOtt 378. wendet das Hertz wieder 
zu HD 360. und wendet groffe Straffen ab 354. die Buſſe zu verſte⸗ 
hen, iſt noth zu wiffen den Unterfcheid des alten und neuen Menfchen 343. 
warum füralen Dingen Buſſe zu predigen zıı. und GOTT von allen 
Menfchen Buſſe fordere 48. wie freundlich ung GOtt zur Buffe locke 
und durd) feine Güte darzu leite 358. da rufft GOtt allen Dienfchen zur 
Buſſe (1) inwendig durchs Gemiffen 308. (2) durch Drohungen 358. 
(3) Durd) feine Gnade 359. CHriſtiBlut ruffet ung zurBuffe 353. darum 
die Buffe nicht zu verfäumen 358. fondern man fol ſich ſteis darinnen 
üben 293. denn durch Buffe heilet ung GOtt 358. und fobald der Menſch 
Buffe thut, fo bald würdet CHriftug in ihm 209. ohne Buffe aber wird . 
die Sünde nicht vergeben 48.132.135. iſt CHriſtus und fein Verdienſt 
den Menfchen nichts nüge 23. 208. fan niemand zu CHriſto fommen 44.. 
45. noch erleuchtet werden 253. fondern iſt lauter Finfterniß 1197. eis 
gene fleifchliche Liebe hindert die Buffe 360. aͤuſſerliche Buſſe iſt nicht die 
rechte Buffe, ed muß alles aus dem Hergen gehen 23. Wiederfehr zur 
Buffe 1027. innerliche Hertzens⸗Buſſe 24.363 Heuchel-Bufle 365.1228. 
öffentliche Buffe der ganken Gemeine 363. ungleiche Buffe 206 
Bußfertiger iſt allein fähig des BerdienftesC Hrifi 46.50.97. Buffertige 
achten ſich aller Wohlthaten GOttes unwürdig 374. empfindenSchmerg, 
baß fie GOTT beleidiget haben 375. erlangen allein Vergebung 1185. 
find GOttes Tempel 1117. verzagen an allen ihren Kräfften 377. wer⸗ 
den allein erleuchtet 238. und mit GOtt vereiniget 378. muͤſſen Chriſti 
Sanfftmuth und Demuth aufnehmen 1181. Bußfertig Hertz 1185. Bild 
der Bußfertigen 374. GOtt nimmt allsbußfertige Sünder an 309 
Bußloſe srengigen CHriſtum aufs nens EC RA E 








aller denckwuͤrdigen Sachen. 








— — 





C. 


CAlumnien wider diß Buch 1174. ſq. 
Eatechifmus , beffen Stücke 738 


Ehriftift an allen Drten ein Ehrift 520. ift ein Herr über alles 380.381. über 
den Himmel 717. und ein Knecht unter alles 380. ift ein Pilger 1489. 
ein rechter WundersMenfch 1205. ein Siegs-Fuͤrſt 753. ein ſtets gruͤ⸗ 
nender Palm-Bdaum 138. Ein wahrer Chrii achtet fich nichts würdig 

als der Etraffe 373. eignet ihm ſelbſt EHriftum zu 299. melcher fein 

Ruhm ift 399. und inibmgefpüret wird 138. er freuet fich der Truͤbſal 
121. gebrauchet fich deg Zeitlichen als ein Srembling 98. mitSurcht 87. 
100. hält ſich für ben gröften Sünder 266. hoͤret CHriftum in ihm reden 
652. hat feine Luft nicht ander Welt 99. thus gutes um Liebe und niche 
um Dand willen 399. wandelt lieber den fchmalen ale breiten Meg 504. 
wird durch den Glauben ein Tempel EHrifti 320. wird nicht aus den Gas 
‚ben, fondern aus dem Glauben erfannt 200. ein Chriſt muß allezeit wa⸗ 
cker ſeyn 335. den Antrieb des Welt⸗Geiſtes und des Heil. Geiſtes unter 
fcheiden 1085. GOttes Wort ing Leben verwandeln 326. 329. fg. immer 
„ fterben lernen, daß er einmal wohl ſterhe 379. nichts meltliches begehren 
73.fein eigen Leben in diefer Welt haffen,und die Welt nach dem Exempel 
EHrifti verfchmähen lernen 78. fich felbft und der Welt abfterben und in 
EHrifto leben 65.71. und der weltlichen Gefellfchaft ſich entfchlagen 143. 
ſtets in dem Streit des Geiſtes und deg Fleifcheg begriffen feyn 93. täg> 
lich erneuert werden und wachen 61.322. von innen feyn wie non auffen 
133. Ein Ehrift foR betrübet ſeyn, aber nicht versagen 263. ein Laͤmmlein 
feyn 1223, die Einwohnung CHrifi prüfen 1112. täglih GOTT los 
ben 574. und zweyerley bitten 73. zum menigften des Tages einmal fich 
‚don Aufferlichen Dingen abwenden und in den Grund feines‘ Hertzens 
einkehren 793. Eines Ehriften Beruf 193. Königreich 754. Eines wah: 
— ger Chriſten rechte Art 775. hoͤchſte Sorge 334. Leben 54. 285. 293. 
. Ruhm 399. einiger und hoͤchſter Wunfch 73. 330, 466. 1127. deſſen 
Kennzeichen und Eigenfhafft ift das Gebet 525. woran ein Ehrift fol 
- erkannt werden 137. fg. 1191. Kennzeichen eines falſchen und wahren 
„ Ehriften 105. fein Chrift iſt ohne zwey Dinge 73. und für den falfchen 
„Zungen ſicher 402, Es iſt ſchwer ein rechter Chrift zu feyn 330. warum 
ein Ehrift trauren fol 120. 123. was er ſtets zu thun hat 344. wie man 
. ein rechter Chriſt iſt 326. wie ein Ehriftleben fol 141. mie er ſich bey den 
Gaben zuverholten 834. worüber er fich freuen oder betrüben fol 119. 
nicht GOttes Wort mwiffen, fondern thun, bemeifet einen Ehriften 33 1. 
Ehriften Name iſt über alles, was in der Welt ift, und hinwieder unter 

“ allen Dingen inderWeit-380.fqg. EinemChriften ift der Welt Pracht 

eintodter Schatte 73. ihm muß alled dienen und nicht fchaden 754. ihm 

iſt auch die Hölle unterworffen 717. in einem Ehriften befinden fich zwey 
toidermärtigeMenfchen 343. Worte beweifen keinen Ehriften, ſondern 

. das Leben 254. der Ehriften Freyheit 380. Opffer 116. Reinigkeit und 
Heiligkeit 139, Rechter Name 267. ———V 380. Wuͤrdigkeit 
2 und 


r 


Regifter 


— — 








— — — — — —ñ —ñ —— 
und Herrlichkeit 1204. fq. 1216. ihr Brod iſt ThränensBrod 100. ihr 
Leben iſt Creutz und Gedult 613. ihre Werde muͤſſen alle aus der neuen 
Gehurt gehen 16. 17.199. Alte Chriſten find Creutz⸗Traͤger 838. und 
Glieder des geiftlichen Leibes CHriſti r128.fq fie find ein klein Häuflein 
54. haben vielmeniger Entfebuldigung denn die Heyden gr. GDrr über 
die Ehriften auf mancherley Weife 799. viel Chriſten aber wenig Nach« 
folger Ehrifti gr. viel Chriſten verwerffen GOttes Wort und Gnade 247 
tooher e8 kommt, daß offt gröffere Suͤnden ben Chriſten als bey Heyden 
nefchehen 42. betrogene Ehriften 48. falfche Chriften - 53:87 

Chriſtenthum worinnen ed beſtehe 105. ſq. 117 269. ſeq. 1242. deffen 
Bundament 1027. fg. 1176. Probe 325. und vornehmſtes Stüd 1174. 
eg gleichet einem Spital 322.und man muß es im Hertzen haben 325.326, 
ſq. falſch Chriſtenthum 1185 ſq. der Welts Rinder Leben iſt ein folſch 
Chriſtenthum 53. wo nicht Chriſtliche Wercke, da iſt kein Chriſtenthum 
332. Das Fundament der Bücher vom wahren Chriſtenthum 1230. ſq. 

Chriſtlich Leben, was es fen 260. 269. 1195. ifl der rechte Gottesdienſt 
1094. des Geiftes Frucht 1095. die enge Pforte und ſchmale Wer 1097. 
ein geiftlicher Kampff wider die Sünde 276. und ift vonder Buffe anzu» 
fangen 292. wie das Chriflliche Leben zu verfichen 321. es bemeifer eis 
nen Chriſten 137. hat feine Gradus 724. und viel Verfolgung 1094, 
mas aber darwider dienet 1094. ſq. es muß von innen aus dem Kerken 
flieſſen 1174. wird im Creutz offenbahret 615. und durch Satan, Welt 
und Fleiſch verhindert 1035. 1234.08 unferfcheider GOttes und Teufels 
Kinder 1695. q. des Ehriftlichen Lebens muthwillige Verächter 1041. 
rechter Weg 384. Summa 1191. Vollkommenheit 732. Unvollfommens 
beit 1036. 1038. aufein Chriftlich Leben hat man in der erfien Kirchen 
gedrungen 1234. wo fein Chriftlich keben, da ift auch Chriſtus nicht 52. 
und ohne einem Chrifllichen Leben ift alle Weißheit umfonft 315. der nicht 
Chriftlich lebet, ift kein Chriſt 11786. unchrifllich Leben iſt eine Urſach fal⸗ 
fcher Lehre 244. 248. etliche ſchoͤne Regeln eines Chriftlichen kebens 259. 


fq. 199.19. 
EAriftus, 1178. if das Buch des Lebens auf zweyerleh Weife ae 
aröfte Geſchenck 300. 853. dag Leben aller Gläubigen 188. dag lebendige _ 
Brod 877. daß Licht unſers Lebens 57. 211. dag rechte Glaubengz und 
Lebens, Buch 385. 423. daB rechte Ziel 181. der glaͤubigen Seelen einige 
Liebe 466. ber Grund und Eckſtein 314. der Seelen Bräutigam ı113.1q. 
Krafft 767. und Ruhe 1117. der gröffefte Bote GOttes 853. der Weg, die 
Wahrhelt und dag Leben go. der Zweck der wahren Gottfeligfeit 382. 
des Glaubens Anfänger und Vollender io6T, des neuen Menfihen Le⸗ 
ben 60. die geiftliche Gnaden:Sonne 858.922. ein herrliches Licht 658. 
859. ein Fremdling in diefer Welt 102. ein Spiegel der Demuth und 
Gedult 423. der reinen unbefleckten Liebe 448. unſers Gebets 429. und . 
unfrer Sünde gar. erifl eine Zierde feiner Kirchen 860. ein vollfommen 
Bild GOttes 5. und ein ewiger Bater 199. Erift GOTT und Menſch 
1155. und feines Liebhabers Gnüge, Ehre, Gedult, Freude und Troft 
454. Er ift unfer Arge allein, und nicht wir felbft 209. 1158. und 


453, 
ih verderbten Natur YArgensp 90. Er ift unfer a 
u 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 

Buch 255. Doctor mit Lehr und Leben 56. Erlöfer 156. Erempel 199. 
1188. Gerechtigfeit 315. 1156. Gnaven: Stuhl 1156. Haupt 1156. 
Hehlbrunn 296. Hoberpriefter und König 1156 fq. Lehrer und Licht 391. 
Meifter 389. Mittler 1094. 1154. Nesel, Anfang und Ende 106. unſer 
Meg 255. 382. und unferer Seelen Speife 1056. CHriſtus iſt am 
Creutz aeopffert 1059. iſt bey ung, wenn wir an ihn gedenden 652. und 
iſt in unfern Anfechtunaen 682. iſt einem Laͤmlein gleich tor. ft in feinem 
Leiden der allergeduhtgfte 609. und wahrer GOtt im Creutz und Tod 
419. iftohne Betrug 190, und ung zum Geſchenck und Erempelgegeben 
1185. der gange Chriſtus ifl unfer; GOTT und Menſch, und alleg in 
ihm 300. und er it aan unfer Heyland und Mittler 1154. CHriftug 
ändert unfer Neck 496. er Ändert fich aber nicht um unfer Sünde willen 
833. er erftattet alles an unfer Statt 132. erleuchtet ale Menſchen 211. 
gieht vielmehr Troſt, denn die Sünde und Teuffel betrüben fönnen 624. 
bat ung alles verdicner 208. ſich ſelbſt verleugnet 88. all unfre Trübfal 
heylſam gemacht 616. fg. aller Menfchen Elend aufgenommen 694. die 
Sünde der Welt getragen 417. für ale Gläubige gebeten 653. und 
fih feiner Weißheit und Herrlichkeit geäuffert 297. fq. Er Flaget über 
groffe Hertzens⸗Angſt 393. über groffe Schwachheit 394. und über feine 
Merachtung 392. 394. Er lehret in dem Tempel unſers Hertzens 336. 
lehret der Welt Ehr und Ruhm verfchmähen 360. Er macht in ungen 
guten Willen 214. und macht ung in ihm fo rein, ale er felber ift 316. 
muß mit und durch den Glauben vereiniget werden 59. 338 und in ung 
reden, Feuchten, feyn und leben 35.739. Er nennet fich des Menſchen 
Sohn, und warum 458. Er fol allein die Ehre in unfer Seligfeit. behals 
ten 318. Er fienet in den Gläubigen 345. vergiebet nicht alein die Suͤn⸗ 
de, fondern befleidet ung auch mit feiner Gercchtigfeit rs fq, vergleichet 
fich einer Heufchrecfen und warum 394. wäfchet feinen füngern die Füffe, 
und warum 432. weichet von den Betloſen 501. weiferungauf des Him- 
melg Zeichen 712. wird die Seinen befennen vor often heiligen Engeln 
401. wird mit gottlofen eben verworffen, verfpottet und verleugnet 51. 
fg. wird ohne ein heilig Reben Faum erfannt und geprediget 254. wird uns 
fer durch den Glauben 739. Er zwinget niemand, fondern locket iederman 
freundlich durch feine Gnade 504. warum CHriſtus fommen 209. und zu 
Nazareth kein Wunder thun Finnen 778. was Chriſtus fey, und wozu er 
ung gefchendet worden 299.300. welche CHriſtus nicht vor die Seinen 
erfennet 24. AnCArtfto ift die ganke Schrift erfüllct 421. und GOtt 
geoffenbaret 6. Aus CHriſto haben mir alled Gutes 15. koͤmmt der 
Seegen über alleMenfhen 311. leuchtet GOttes Schönheit 482. und 
GOttes Gerechtigkeit, Liebe und Weißheit 422, Auſſer EArıfto iſt 
eitel Irrthum, Finſterniß, Lügen und Tod 283.384. nur äufferlicher 
Buchſtab der Schrift , und feine Krafft dee verborgenen Manna 220. 
was der Menfd) auffer und in EHrifto fey 17. wer auffer EHrifto ift, iſt 
auffer der Kirchen und Seligkeit 520. Bey CHriſto ift Vergebung dee 
Eünven zu füchen 1068. Durch CHriſtum wird der Vater geehret und 
gepriefen 5a 5. die menfcyliche Natur erneuert 16. Truͤbſal und Verach⸗ 
tung der Welt überwunden 392. RN Verlaͤumdung und falfche 

3 Zum 


Regifter 


Zungen 402. In CSriſto ift alle Güte und Gnade GOttes geoffenda« 
ret und ung gefchendet 541. inihm finden wir daß verlohrne Gut mwieber 
499 In EHrifto leben, was es heiffe 383. wie die heiligen Apoftelin EHris 
fto gelebet. 102. In CHriſto it die grofte Demuth im höchften Grad 423. 
und der neue Menfch abgebildet 57. in ihm ift unfere Bolfommenheit 
und Seligfeit 262.19. 337 und unfere Gerechtigkeit 28. inihmundim 
Glauben iſt ales But vollkommen, wenn er noch fo ſchwach iſt 263. In 
CHeiſto find wir alle gleich gut 347. find wir uͤberaus ſchoͤn und ohne Fle⸗ 
cken 481. zum ewigen Leben wieder erneuert 16. und wieder geiftlich les 
bendig 16. In EHrifto mohnet ale Fülle 1 157. in CHriſto zunehmen 240, 
wer in EHriftto will machfen und zunehmen, muß ſich vieler weltlichen | 
Herelihafft entfchlagen 143. und der Welt abfterben 65.66 
CHriſti Ankuͤnfft in der Seelen 1120. EHrifti Auferftehung fiehe Auferfte- 
bung CHriſti. CHriſti Barmhergigfeit 297. liebreiche Beywehnung 
1 129.unendliche Bezahlung, welche aller MenfchenSünde beareifft 309. 
und in ſeinem Blut und Tod il 315. CHriſti Blut ruffet uns zur Buſſe 3533. 
ſiehe Blut CHriſti. Chriſti Creutz ſiehe Creutz CHriſti. CHriſti Durft am 
Creutz, was er ſey 231. CHriſti Erhoͤhung 400. 1160.ſq. EHrifti Er⸗ 
kaͤnnniß, ſiehe Etkaͤnntnis Chriſti. CHriſti Erniedrigung,fiehe Erniedri⸗ 
gun; Chriſti. CHriſti Exempel, ſiehe Exempel CHriſti. Chriſti Gebet 
398. für uns iſt unſere Erhaltung,Stärcke und Sieg 544.19.702. EHri» | 
fti Geburt 884. CHriſti Gedult foll in ung Gedult würden 596. EHrifli 
Gehorfem, fiehe Gehorſam EHrifti. EHrifti Gerechtigkeit, fiehe Gerechs 
tigkeit EHrifti. CHriſti Gnaden⸗Wuͤrckung durchs Wort bey Lehrern 
und Zuhoͤrern 1130. CHriſti Heralichkeit ift unfer undaller Gläubigen 
Herrlichkeit 626. EHrifti Herrfchafft in feinen Gläubigen 1187. CHrifti 
Himmelfahrt und verfelben Früchte 456. Chriſti HobeaPriefterliches 
Amt fchlieffer keinen Menfihen aus 311.653. CHriſti Hoͤllen⸗Angſt 657 ; 
CHriſti och dem Fleifch ein bitter Ereuß, aber dem Geift ein fanffteg 
Joch 22. EHrifii Langmuth Freundlichfeit und Demuth 189. EHrifti 
Lehre, was fie fey 455. CHriſti Leben fiehe Leben CHriſti. EHriftikeib und 
Blut iſt das Verſohn⸗Opffer für unfere Suͤnde 1138. CHrifti geiftlicher | 
| 
1 

















Leib muß auch vol Schmergen werden, biß daß alle geifttiche Glieder ihm 
ähnlich werden 672. ChHriſti Leiden, fiche Leiden CHriſti. EHriftiiebe, 
fiehe Liebe CHriſti. CHriſti Menfchwerdung fiehe Menfhmwerdung CHri⸗ 
fti. EHrifti Mitteiden 681. CHriſti Mitler-Amt ein Gehülffe des Gebetd 
551. CHriſti Mund und Herk ohne Betrug 190. fein Mund wird die 
Seinigen befennen vor allen heiligen Engeln 401. ChHriſti Reich 1039. 
wie er fein Neich geiftlich verwaltet 1029. und in feinen Untertanen 
berefchet 1039. EHrifti Ruhm 339. der ift feine Liebe, Gehorſam und — 
Demuth 399. ſq. ChHriſti Schmach 264. iſt der gantzen Perſon und alfo ° 
GOtt felbft geſchehen 419. CHriſti Schmertzen, woher 417. 418. find 
unausdeacklich 418. ſollen des Fleiſches Wolluſt daͤmpffen 416.q. CHri⸗ 
Ki Schule 456. CHrifti leibliche Schwachheit 394. Seelen⸗Angſt 417. 
EHriftt Sieg iſt aller Glaͤubigen Sieg 672. 684. und gehet uͤher aler Men⸗ 
ſchen Sünde zır. CHriſti Sinn haben die Chriſten 15. wer nicht mit 
CHriſto eines Sinnes if, der iſt wider CHriſtum 45. CHriſti — 
dur 


aller denckwurdigen Sachen. 


s — — — | — 
durch dieſelben find mir geheiliget 537. CHrifti Tod, fiehe Tod CArifti. 
EHrifti groffe Trauriafeit 416, EHriti Tugenden 3g1. CHriNiVerads 
tung 386. iſt eine Argnen unferer Hoffart 394, Chriſti Verdienſt fiehe 
Herdienft CHrifti. EHrifti Vereinigung, fiche Vereinizunn Chriſti. Chri⸗ 
fi Verklärung ein Bild unferer Verklärung 826. Chriſti Bermäyfung mit 
der gläubigen Seelen 1121. und ihre Früchte 258, CHrifti Verſoͤhn⸗Amt 
und Genuathuung 1075. CHrifliinterthänigfeit 388. CHriſti Borkirte 
544. 681. CHrifti Weg und Gang 393.CHrifti Werde, wie fie zu betrach⸗ 
ten 1157. feine Wercke und Amt zur Rechten GOttes 1187 Chriſti Wuͤr⸗ 
ckungen in den Gläubigen 1172. Chriſti Wunden unſer Creutz⸗ Buch 339. 
EHrifti Zukunfft zum Gericht wuͤrcket in den Gläubigen Gedalt 594 
Cörper, himmliſche Coͤrper haben ihre fondere Krafft Ba ZER 
Eresturen, ihre Eigenfchafft 442. ihr Schöpfer und Erhalter HM BDTT 
993. ihr Leben ift GOites Ddemgsr. flefind erfchaffen zu GOttes Eh- 
ren 1101. und um des Menfchen willen 965. fie find GOttes Hände und 
Boten 850. keiter, die ung gu &Dtt führen 850. 1003. unfreLihrmetiier - 
in der Liebe GOttes 985. und Zeugen der Freundlichkeit GDtted 580. ſie 
find unbeſtaͤndig 1011. unferer Liebe zu gering 177. und dahernicht su 
lieben 109. fondern mit Furcht und Demuth zu gebrauchen 87. 98- 108. 
145.797. Ale Ereaturen loben GOtt 593. begehren nicht ſich felbft zu 
lieben 1007. dienen allen ohme Unterfcheid 1000, dem lieben GOTT 
ämfiger als der Menſch 994. fq. dem Menfchen aber, daß er GOtt wie⸗ 
der diene 992, führen zu GOtt 969. und wie 850. 852. haben ein Merck⸗ 
mahl der Gütigfeit GOttes 494. und ihr Gut um des Menſchen willen 
empfangen 973.fq. fie innen ung nicht wieder lieben 1007. lehren ung, 
daß ale Menfchen untereinander fich für einen halten follen 1000. ſq ma⸗ 
chen den Dienfchen GOtt verpflicht 973. reden mit uns Menichen 584: 
fchaden nicht, wenn fie nicht des Hertz gefangen halten 794. follen zum 
Lobe GOTTES leiten 853. thun alles auf GOttes Befehlgrr. ihun 
eigentlich) dem Menfchen nichts zu gut, fondern GOTT durch die Creatu⸗ 
ten 996. und zeugen von GOttes Liebe g07. ſq. werben aber dem Suͤn⸗ 
der zjůwider, wenn GDttzürnet 487. Äller Ereaturen Ende it GOttes 
Lob 570. ihr Gut iſt in G tt 964. ihre Bereinigung mit dem Menfchen 
994. ihr Werck ruhet im Menfchen 965. ihre Freude iſt im Menfchen 
971. inden Ereaturen ift nicht das hoͤchſte Gut 964. fondern find nur 
GOites Fußſtapffen 997. in ihnen iſt eine gewiſſe Ordnung 996. wozu 
die Ereaturen erſchaffen 108. warum alle Ereaturen aut 179. und fie 
GOtt zur Rache rüflet und fehaffet 488. 906. warum CHriftus fich allen 
Ereaturen unterworffen 387. was die Ereaturen GOttes zum Greuel 
und Fluch mache 108. durch die Erearuren redet GOtt mit ung 461. iede 
Creatur liebt GOtt mehr als fich ſelbſt 772. warum fie dem Menſchen 
dienen 1000. ſq. ihre Erhaltung und Dienft zeugen von GOtt 993. ihre 
Dienfte fan der Menſch nicht belohnen 991. wie man mit den Ereaturen 
umgeben ſoll 719. find mit Dandfaaung anzunehmen rooo. GOtt far‘ 
mehr ſtaͤrcken und troͤſſten denn die Ereaturen 853. die Betrachtung der 
Weisheit GOttes inden Ereaturen gehöret auch zum Ehriftenchum 851. 
Deus Ereatur, fiehe unten im. 





a Crea⸗ 


* 





Regiffer 


Creatur⸗Liebe foll nicht die innerfte Stätte der Seelen beſitzen 776. denn 
fie giebt feine Ruhe 1012. fondern macht ung zu Knechten 1012. und 
reigetzur Sünde 1193, der Ereaturskiebe foll die Liebe des Schöpfferd 
vorgezogen werben 176. wenn bie Creatur⸗Liebe ausgehet, fo gehet 
GOttes Liebe ein 796. und GOtt erfühet bie Seele, fo non ver Ereaturs 
Liebe ledig 777. denn der Ereaturen Lieblichkeit Fan der Menſchen Hertzen 
nicht fättigen 1132. wer daher auffer ven Ereaturen rubet, in dem ruhet 
GOTT : 644 

Creug ift das Salß unſers Fleiſches 845. und deffenTöbtung 1789, iſt cine 
Artzney unferer verderbien Natur gr. beffer denn alle Schäge der Welt 
554. denn egift GOttes Ehre 610. von GDtt zuvor verfehen 840. ein 
Zeichen der Liebe GOttes 601. 844. und der Önade und Barmhbergiafeif 
GOttes 602. 671. und fehr nuͤtzlich 6or. und gering gegen Ber heiligen 
Maͤrtyrer Creug 605. daher iſt es alles von GOtt willig an und aufzuneh⸗ 
men 694: 809. und ſich dem Willen GOttes gaͤntzlich zu übergeben 845. 
denn es bereitet allegeit zu fonderbaren Gnaden 781. führet zur Demuth 
804. offenbahret in uns das Chriſtliche Leben 615. und wird durch Ehrifit 
Creutz gelindert 602. des Ereunes Adel 840. Frucht 604. Nutzen 527. 
602. 610.612. und Urſach 641. wie dag Ereuß zu tragen 261. wohin als 
les Creutz gemeynet 775. und wozu e8nüße 460. Troft im Ereuß 601. fq, 
iſt GOttes Gegenwart 605. und Güte 537. GDtt leget bag Ereuß aus 
Liehe auf 40. handelt dadurch mit ung ald ein Vater 843. und thut ung 
im Ereuß nicht unrecht 608. dadurch werben wir fein zu GOtt gezogen 
838. GOttes BatersDerg lindert dag Ereuß 603. Demuth madıt willig 
zum Creuß 8e7. es willig leiden ift der Sieg799. im Creutz hat GOtt viel 
groͤſere Gedult mit ung, als wir felbft 603. ungebultines Klagenim 
Ereuß ift ein Zeichen, daß man der Welt noch nicht abgeftorben 815. 
zeitlich Ereuß eine geoffe Barmhergigfeit GOttes 610. unterm Ereutz ent⸗ 
ftehet Seelen-Hünger 1057. Geheimniß deg Heil, Creuge8 623. 333-T, 
Innerliches Ereug der Chriften 1187. Alles was in der Welt, ift ven 
Chriften ein Ereug gg. im Ereuß erhält ung die bloffe Hoffnung 544. es 
wird nelindert, wenn man auf EHrifti Gedult und Fünfftige ewige Herr⸗ 
lichkeit ſſehet 694. was da heiſt fein Ereug auffich nehmen 373. CHriſti 
und aller Heiligen Erempeldes&reuges 604 - 

Creutʒ CHriſti 22.88. 1088. was dagrechte Ereug und Joch CHriſti fey 
22.62. unter&Hrifti Ereug ſollen wir ung biegen g05. denn alles, was 
da till felig werden, muß unters Creug CHrifti 2o2. Chriſti gontzes tes 
ben in diefer Welt ein Ereuß 694. Chriſti Wunden unſer Creutz Buch) 839 - 

Creutzʒigen fein Fleiſch was es heiffe 201 

Creutz⸗Traͤger find alle wahre Ehriften 


338 
Eur, gefchmwinde Eur in GOttes Erbarmung 163. Proceß unfter geiftli- 
henku ” i 213 


D. 
Fr bat feine Herrlichkeit im Himmel 102. fein einiger Wunfeh 330. 
warum feine Inftramenta Mufica vergangen 


589 
Denmsh, woher ſie entſtehe 130. was wahre und hergliche Demuth ſey 
390 





aller denckwůͤrdigen Sachen. 


| eh BER NEL EN al RER 22 
390.433. 439. 762. nemlich fich nichts werth achten 114. oder ſich nach 
dem Erempel Chriſti verachten laffen 390. der Demuth Bild 350. Eis 
genfhafften go5. Fundament 432. Grad und Staffeln,derer 7.find 76T. 
763.fq. Rrafft431. Nutz 430. Probe 404. gründliche Urfachen, derer 
ſechs find 825. fegg. Demurk, iſt der Weg jur Erkaͤnntniß GOttes, 761. 
eine Srucht der Liebe 190. ein Grund aller guten Werd? 825. undandes 
rer Tugenden 435. eine Schatzkammer voller himmliſcher Güter 435. 
Demuth im hoͤchſten Grad in dem gecreupisten Chriſto 422. Demuth 
giebt Friede und hoͤret viel Schels Worte nicht 434.435: machet alles 
lieblih 424. und willfertig zum Ereuß 827. muß in Grund des Hertzens 
geleget werden 324. fie richtet niemand, fondern fic) felbft 433. 434. 
ftärcket dag Erfänntniß GOttes und Hoffnung 434. ſtehet nicht in Wors 
ten, fondern in der Krafft 775. und wuͤrcket Verſchwiegenheit 435. geiſt⸗ 

„liche Demuth vor GOtt, was fie fen 435. vier ſchoͤne Regeln von der Des 
muth 832. feq. durch Demuth wird der Satan überwunden und Ruhe 
im Herken erhalten 826. wer nicht alles in der Demuth (yut,raubet GOtt 
feine Ehre 437. Alle gute Wercke follen in der Demuch gefchehen 437. 
auffer welcher fie zu eitel Greueln und Abgoͤtterey werden 437. ohne Des 
muth taugt fein Gebet nicht 433. und koͤmmt keine Gnade 238 

Demöthigen, warum der Menſch müffegebemürhiget werden 845 

Demuͤthiger 121. demüthig Herg dürftet nach GOtt 827. demuͤthige See⸗ 

le liebet in GOtt alles, was GOtt liebet 433. in Demüthigen iſt wahrer 

Friede 328. in ihnen wohnet und wuͤrcket GOlt 745. 1102. leg. GOtt 
ſiehet auf die Demuͤthigen 775. der Demütbigen Liebe Art 433 

Dieb ift vor GOtt, der das Seftohlene nicht wiedergiebt 135 

Dienen, dem gedienet wird, ift ardffer, als der da dienet 975. Alle Erearus 

‚ven dienen dem Menfchen, daß er GOtt wiederum biene ‚992 

Dienft, GOtt bedarf Feines Menfchen Dienſt 989. Creaturen und Iren; 
fehensDienft Fonamt dem Menfchen zum beſten 989. Bergleihung der 
zweyerley Dienfte, der Ereaturen gegen ben Menfchen, und des Men⸗ 
fehen aenen GOTT 990. feq. dadurch wird die gange Welt mit GOTT 
und Menschen vereiniget 993. ſeq. 


Dienſtbarkeit, welche bie ſchwerſte . 157 
Diſputiren wider die Ketzer iſt noͤthig 251. der Teufel fragt nichts darnach 
1236. Mißbrauch des Diſputirens und der Streit⸗Schrifften 252 1236: 








was Difputiren offt vor boͤſes mit fich bringe 232.1199. 
- Donner, woher 909. iſt GOttes Stimme 921. worzu und der Donner 
dienen fol - 47% 


Drisungen COttes follen wir vor feinen Schertz halten 358. fie locken 
ung zur Buffe 


358 
Drey⸗Einigkeit, deren Befchreibung 1149. feg. deren Bild if der Menfch 


2.3. 
Dürre Zeit . 


881. 
Durſt CHriſti am Ereug, was 231. des geiſtlichen Durſtes Frucht 231 


E. 
game GOttes 1104. Eiche Bild GOttes 
1143 Edel⸗ 


Begifker 


— —— — — — — — — — men — 
Edelgeſteine find Früchte bed Waſſers 925. warum fie GOtt laſſe aus 

ber Erden wachen 928 
sehe, verfelben Mißbrauch 280. heilige Ehe in ber Unfchuld 279 
Ehre ſoll man GOtt dem Schoͤpffer wiedergeben 440. 1026. denn alle Eh⸗ 





re gebühret GOtt 4. und GDte ifl über alles zu ehren 1024. womit man 


GOtt ehre 1025. nichtg beffer als GOtt ehren 1025. ſq. denen fol man 


feind feyn, die GOtt nicht ehren 1016 
Ehre der Welt um EHrifti willen zu verachten . «7.390 
Ehrenſtand, mie ein Chrift darinnen fich zu verhalten 440 


Eigen⸗Ehre iſt ein Abfall von GOtt 442. Abgoͤtterey 437. aus dem Teu⸗ 
fel 197. der Ehre GOttes zuwider und ihr abgefagter Feind 1026. erfüls 
let andere Hergen mit Gifft 1027. hat viel Menfhen und Engel gefället 
197. raubet GOtt die Ehre 1026. und verderbet allegute Gaben 205. 
die ihre Ehre fuchen, leben nicht in EHrifto ka AR IR 

eigens Liebe ift verboten 89. iſt das hoͤchſte Gifft der Seelen und Wgöt⸗ 


teren 78. eine unordentliche Liebe 1008, ein innerlicher Abgott437. eine ° 


MWurgel aller Untugend und alled Boͤſen vor t. 1021. des Teufels-Fall 
197. iſt ſehr ſchaͤdlich 340. fg. 806. denn fie gebieret drey Laſter 1014. 
hindert die himmlifche Weißheit79. und an der wahren Buffe 360 ma⸗ 
het GOttes Feinde, und feger ſich an GOttes ftatt 1009. fg. macheteitel 
Unruhe79. und falſche Buß- Thränen $3. verderser auch Die hoͤch en 
Gaben des Menfhen 196. ſq. und verfehret den Willen des Menſhen 
2012. der Eigenzkiebe und ihrer boͤſen Früchte Beftreibung 80 derfelben 
Grund ift unbeſtaͤndig To21. GOttes Liebe und Eigenzkiebe find wider 
einander 30. Aus Eigensttebe entfteher Uneinigfeit zors. koͤmmt nichtige 
Freude, fo endlich in Traurigkeit verwandelt wird ro21. ja ewige Traus 
rigfeit 1023. was heiffe, fich felbft lieben 94. mer fich felbft lieber, vers 
leuret fich ſelbſt 90 
eigen; Wille, was er ift 340. iſt dem Menſchen fchädlich 345 
Einfalt, hoͤchſte Einfalt und Unſchuld 4 
Einigkeit entſpringet aus der Liebe 1002. darinnen beſtehet der Menſchen 


Staͤrcke -- 21003 
Einkehrung in fich felbitift der Glaube 741 
KEinfehrung infichfelbft 1221. Einfehrung su GOtt 1215 
Eins ift noth 743 


Einwohnung GOttes, derfelben Probe 1223. fg. mo GDFE eigentlich) 
wohne 771. 1102. nemlich in den Eienden, 459.460 und ineinergläus 
bigen Seelen 728. denn GOttes Statt ift in der Seelen 767. darum iſt 
SDttin uns 675. und wir in ihm 545. Erift allzeit bey ung, aber wir 
mercken esnicht allegeit 765. ift 10:8 näher, als wir ung felbfi 758 .802. 
iſt gern bey den Menfchen aus Liede 459. daher reder er in ung Auffer- 
ich und innerlich) 147.803. 1224 

Eitelkeit der Welt 472. 704. ſq. 

Slement, was es ſey 925. Ordnung ber vier Elementen 872. alle Ele⸗ 

mienten haben ihre Bewegung 930. wunderbare Verwandniß der Ele⸗ 
menten 926 


— ——— 


Elend, was Elend heiſt 528. menſchlich Elend 1190. warum der Menſch 


elend 


alller denkwürdigen Sachen. 

* — 
elend 115. in des Menſchen Elend verſencket ſich der Reichthum Goͤttli⸗ 
scher Gnaden 763. aller Menſchen Elend hat ChHriſtus auf ſich genom⸗ 
‚men 694. Elender ift klein in feinem Hergen zır. unſers Elendes Artz⸗ 
ney in 7. Bründen 621. (9. Troſt im Elend 527. iſt unfer Elend groß, 
ſo iſt GOttes Troft weit groͤſſer 621. denn die Elenden fiehet GOTT an 
vs 117.114. der Elendefte in feinem Hergen ift GOtt der liebfte 111. 
EHtt hatniemals einen Elenden veriaffen 675. er verſchmaͤhet fie nicht, 
fondern mohnet in ihnen 557. keines Elenden Hoffnung ift verlohren 650. 
eines andern Elend iftzu bedauren i 266 
Engel ihr Amt 588.628. ihe Dienft gegen den Menfchen 473. 474-956. 
ihre Gegenwart 703. der Engel Fall 197. in jenem Leben werden wirden 
Engeln aleich in der Verklärung, hier im Lobe GOttes 588 
Engel⸗Brod .....,628 
Enchuſiaſterey ſoll es ſeyn, wenn man auf ein innerlicheslebendiges Chris 
ſtenthum dringet ’ 1214.1228 
Erb, Schade ift fhredlich 275. und nicht auszuſprechen 11 
Erb⸗Suͤnde, was ſie ſey 275. der Abgrund aller Bosheit 1127. das Bild 
des Satans 281 
Erde, ein fruchtbares Element 874. iſt GOttes Speiſe⸗-Kammer 476.876. 
der Mittel⸗Punct der Welt 871. eine Schatz-Kammer der Mildigkeit 
GoOttes 870. und Zeuge der Allmacht und Weisheit GOttes 870. 873. 
wurde um der Suͤnde willen verflucht 878. don der Erde und ihrem 
Grund 970. fg. zweyerley Meynung hiervon 871. woran die Erde hans 
9: 872. derfelben Befeftigung zeuget von GOttes Weigheit 873. ihre 
Sruchtbarfeit 878. durch ihre Gemächfe giebt fie fchöne Erinnerung 873. 
fq. fiebenerley herrliche Geſchoͤpffe GOttes aug der Erde 383. GOTT 
ſchaffet noch heutiges Tagesder Menfchen Fleiſch und Blut aus der Ers 
den 877.fq. Application auf einerley LehrsPuncte von Befefligung der 
° f Erdeim Waffer 373. zufünfftige neue Erde 478.878 
Erd⸗Fruͤchte — 925 
Erd⸗GSewaͤchſe find vielfältige Zeugen GOttes 375. derſelben Anrede 874. 
- und Erneuerung 874 
" Erfinder der Dinge find nicht die Menfchen, fondern fie find nur Werd 
euge | .. 902 
Erhoͤrung derfelben HauptsGründe 537. 542.545. 547. 1094. Exempel 
der Ethorung 553. Einwurff und Anfechtung über die Erhirung 546. 
GOtt erhöret allegeit 309. 547: und gewiß 633. das Gebet der Elenden 

wird erhoͤret 533. fiehe auch Geber. Mr 
Erkaͤnntniß Chrifti 63. 235. ift der Grund des wahren Chriſtenthums 
1176. und der rechte Name eines Chriflen 267. es beſtehet nicht in Wor⸗ 
ten, ſondern in der Krafft 253. im lebendigen Glauben und feinen Fruͤch⸗ 
ten 240. Erfänntnig EHrifti in der Liebe 164. muß aus der Erfahrung 
gehen 164. 235. lebendiges Erfänntnig CHriſti 63. wird ohne ein heilig 
Leben nicht erlanget 254. CHriſtum erkennen, was es fey 234 
Erblaͤñtniß GOttes worinnen es beftehe 63.64. 127. 128. 129. 470.471. 
zweyerley Wege darzu 726. Belaffenheit iſt ein Weg dazu 728. fie iſt nicht 
ein bloſſes Wiſſen 128. was fie wuͤrcket 129. Fuͤncklein ag > ri 

nr 





Regifter 


kaͤnntniß GOttes 40 mie GOtt ausder Schoͤpffung aller Dinge zu erken; 
nen 961. ſq. wer GOtt recht erkenne, trauret, daß erihn beleidiget 48T. 
Keichthum des Erfänntnig GOttes In GOttes Lob 590. wie GOtt er⸗ 
kannt und gefehmecket werde 226. Erfänutniß GOttes Ändert das Ge; 
muͤth und pflanget Tugend 129, wird Durch Demuth geftärdet 434. Er» 
fännmißder Wahrheit koͤmmt aus Goͤttlichen ficht 1 85 
Erkoaͤnntniß fein felbft, 347. worinnen eg beftehe 344. Erfänntniß feines 
Elendes bringt GottesGnade 111. Erkaͤnntniß feines Unvermögens 377. 
feiner Unwoͤrdigkeit 372. Erkaͤnntniß der Suͤnden mweher fie entſtehe 
130. Erfänntniß der Sünden im Glauben bringer Gnade 213, ohne lol⸗ 
che Erfänntniß wird der Seelen nicht aeho!ffen. 626 
Erleuchtung geſchicht nicht ohne mahre Buſſe 239. 253. und ohne bie 
Nachfolge EHrifti 1235. Früchte der mahren Erleuchtung 229, ſie btingt 
mit ſich die Verſchmaͤhung der Welt 267. Es it GOttes Luft die Mens 
fchen zu erleuchten 788 
Erloͤſung flehet bey E Dit 691. der hat ihre Etunde verordnet 690, Erems 
pel der Erldfung 594. ſolche find anzufehen 665. ewige Erldfung 1077 
Erndte bes Meers und der Luft | 475 
Erneuerung iß aus Chriſto 16.198. gefchicht Durch die Reue 118. muß iaͤg⸗ 
lid geſchehen 61. darzu fan der Menſch nichts thun 339. ihre Frucht 118. 
Ermedrigung CHriſti 337. 388. 1158. derſelben unterſchiedliche Stücke 
1159. CHriſti gantzes Leben war eitel Demuth in Walen und Werden 
433. feine Niedrigkeit iſt nicht auszuſprechen 485. feine Unterthänigfeit 
338. feine Armuth 386 
Erſtattung gehöret zur Buſſe 184 
Evangelium, moher esben vielen Leuten nicht geſchmecket wird 222 
Ewig das Ewige iſt dem Zritlichen nicht nachzuſetzen 105. fq, ewige Herr⸗ 
lichkeit 703. ewige Bein und ewige Freude, mag fie wärden 119 
Ewige Leben, was es ſey 1061. deffen Anfang 1134. Befchreibung, worin⸗ 
"nen es beftehe 269. 106 Er. 1123. deſſen Bild 230. 1144. Freude 704. Vor⸗ 
ſchmack 766, ift EOttes Lob 500. des ewigen Lebens Urſprung ifl die Liebe 
968. dag ewige Leben ift eine Eendte 549. dann hier füen mir, im ewigen 
Beben erndten wir 348. Es ift auch ewige Freude 1018. der Schaf bed 
ewigen Lebens iſt in ung 1019 
Ewigkeit der Zeit und Ewigkeit Betrachtung würdet groſſe Weisheit zor. 
ihre Vergleichung | R R 641 
Exempel Chriſti 22. 598. 695. das lebendige Erempel CHrifti iſt unſers 
Lebens Fräfftige Artzney 173. und Regul 17.68 ift der rechte Wegzum 
ewigen Leben » IR “% 80 
Ey, cin ſchoͤn Gleichniß davon —* 872 
Eyd, theurer Eyd GOttes 304.305. begreiffet alle Sünden 304. il dag 
Band der Goͤttlichen Vereinigung. 1110 











— 


F. 

ZAſten, rechte Faſten 364. 366. allgemeinee Faſten und deſſen Beſchrei⸗ 
dung, 363. 365. Buß⸗Faſten und deſſen Krafft 364. Heuchel⸗Janen 218. 
363. ungleiches Faſien * 
ein⸗ 


— 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 


Feinde, Troſt wider die Feinde 410. warum vor bie Feinde zu beten 408 
Feindes ⸗Liebe, iſt eines Ehriften eigene Kunſt 167. und hoͤchſte Probe 
1193. warum die Feinde zu lieben 170.1q. 
Seindfchafft, natürliche Seindfchafft ver Menfchen wider GOtt 276 
Feuer, fremd Feuer iſt der falfhe Gottesdienſt 126. heilige Feuer 479 - 
Sinfterniß wird nom Licht vertrieben 859. ale Finfterniß iſt mider die 
Natur 919. Sinfterniß der Sonnen iſt eine Andeutung groffer Boß⸗ 
beit quf Erden 920, und ein Zorn-Spivgelgrg.fq. bedeutet innerliche 
Zinfterniß des Unglaubens gar. ſchwaͤcht die Ererne 920. verkuͤndi⸗ 
get und bringet allerley Jammer 919. obs natürliche Finiterniffe werden 
feyn, die vom jüngften Tage zugen 919. geifiliche Finſterniß 57.233. 
Finſterniß der menfchlichen Seelen, was 788. was Licht und Finſterniß 
ſey 233. Haß und Reid iſt Finſterniß 234 
FEirmament des Himmels hat Würdung im Menfchen 7ı4 
Flſche, aus der Fruchtbarkeit des Meers 929. mancherley Art der Fifche 


— 475 
Fleiſch, wird getoͤdtet durch wahre Buſſe 20. wie es uͤberwindet 93. des 
Fleiſches und Blutes Unart 83. des Fleiſches Leben, des Geiſles Tod 
122. ohne Todtung des Fleiſches iſt nichts gutes im Menſchen 69. die 
nach dem Fleiſch leben, gehören nicht ins Reich GOttes 1096 
Fleiſchliche Züfte find zu verlaffen 747. werden durch das Zeuerder Götts 
lichen Liebe vergebret 747 
Fluch, was eg fen 488. koͤmmt aus der Beleidigung der Gerechtigkeit GOt⸗ 
te8 488. unverbienter Fluch ſchadet nicht 396 
Sluͤſſe, was fie find 927 
Freude ift eine Frucht der Liebe GOttes 1018. und koͤmmt aus einem guten 
Eaamen 1017. ſq. alfo auch die Freude über dag Gute kömmt aug der 
giebe 192, denn mie Die Liebe, fo die Freude 1018. der Menſch freuet 
ſich allein deſſen, was er hat 970. ſq. worinne die wahre Freude ſey 119. 
der Öläubigen Freude 410. wahre beftändige Freude in GOtt 814.820. 
ift ein Vorſchmack des ewigen Lebens 1018. groͤſte Freude im Lobe 
GOites 589. Freude in Träbfal, woher 781. himmliſche Freude in 
Trübfalrzo wenn das Herg mir himmlifcher Freude erfüllee wird 1197. 
Freude ift eine Frucht der Trübfal 604, in derfelben fich freuen ift uͤber⸗ 
natürlich 121, Trübfal eines Ehriften ift Sreude 121. warum man fic) 
freuen oder betrüben fol ı19. Freunde der Cresturenift in Menfchen 
971. Freude aus Eigen⸗CKiebe, wag 1021. mird enplich in Traurig— 
feit verwandelt 1021. Freude der Welt, fiehe WeltsFreude. Ungleiche 
Freude 207. Freude des ewigen Lebens, woher 750. 1019. und 
worinn 357. weiche derliebreichen Freude mit EHriffo genieffen können 
1123. und welche der ewigen Freude nicht theilhafftig werden 356. 
Fleiſchliche Freude führet von GOtt 1022. Vergleichung der Gottlis 
en und fleifchlichen Freude 1022 
Steuden-@&el 891 
Freund lichkeit ift eine Frucht der Liebe 189. Freundlichkeit CAariftt 
189: locker zur Buſſe 353. hoͤchſte Freundlichkeit GOttes, daß er mit 
den gläubigen Seelen redet 561, iſt eine Aufmunterung zu GOttes u 
57 





i BRegiſter 


578. denn die Freundlichkeit und Guͤte GOttes erkennet der Menſch 
(:) an ihm felber 579. (2) an allen Creaturen 5830. (3) in der Erloͤ⸗ 
fung 580. (4) augder Berfehung 530. (5) im Ereug, da GOtt das 
Zeitliche entzeucht 58T. (6) an den Bofen 581 
Steyer Wille, wie zu verfichen 282 
Steyheit des Gewiſſens 9 751 
Frey⸗Staͤdte ben denen Juͤden und deren geiſtliche Deutung 133.134 
Friede der Seelen des Leides Ruhe 699. Friede der Welt iſt unbeſtaͤnbig 
79 Friede des Hertzens, ſo GOtt gantz gelaſſen 781. in demuͤthigen Her⸗ 
tzen wahrer Friede 828 
Friedens⸗ Bedanden GOttes 191 
Froͤlich ſeyn in GOtt iſt gut 219. warum ein Menſch nicht heilſamlich froͤ⸗ 
lich wird 119 
Fromm zu ſeyn hat der Menſch mehr Urſach, denn zu fündigen 375. GOtt 
ficher fich nach frommen Leuten um 364 








Froͤmmigkeit, unfere Froͤmmigkeit, woher 28 
Frucht, an derfelben wird ein jedes Ding erkannt 256.19. 
Fruchtbarkeit der Erden 878 
Fruͤhlings⸗Lied 


894 

Furcht, alles mit Furcht zw gebrauchen, zur Nothdurfft 98. 100. Furcht 
Gottes, ſiehe Gottesfurcht | 

Fuͤſſe waſchen, warum es der HErr bey feinen Füngern verrichtet 432 


G. 
Aben find nicht des Menſchen, ſondern GOttes 286. darum Fan fie 
GOTT alle Stunden wieder nehmen 287. warum fie gegeben wer⸗ 
den 201. 640. wie ein Chriſt fich Dabey zu verhalten 439.834. nemlich er 
darff ſich deßwegen nicht überheben 388. 1085. fondern er fol fie GOtt 
wieder zufchreiben, und daran nicht eitele Luft und Freude haben 834. fie 
auch nicht mehr als GOtt lieben 804. deñ hohe Gaben gelten nichts ohne 
die inwendige Frucht deg Geiftes und Gottesfurcht 385.737. und helffen 
auch nichts zur Seligfeit 201. bemeifen auch keinen Chriften 200. ſq. 
groffe Gaben ohne die Liebe nichtd 1194. warum die hoͤchſten Gaben vor 
GOtt nicht gelten 205.217. find demnach die äufferlichen Gaben dem 
Glauben und der Liebe nicht vorzuziehen 1194. Man fol feine Freude 
nicht an Gaben, fondern an GOtt haben 829. durch Mißbrauch der Ga⸗ 
ben wird die Seele ſchaͤndlich befleckt 832. die Natur wendet ſich von 
GOtt auf die Gaben 829. Welt s liebende Hergen Eleben anden Gaben 
852. wer mitden Gaben dern Nächften nicht dienet, der verleurt fie 837. 
eines andern Gaben nicht zu neiden 265. Gnaden⸗Gaben werden durchs 
Gebet erlanget 530. wie denn ohne Gebet Feine Gabe recht zu erlangen 
281. zweyerley Gaben, um welche der Menfch GOtt verpflichtet iſt 978- 
GOttes Gaben find nicht Worte ohne Erfahrung 837. und zeugen von 
GOttes Liebe 978. da die erfte ift die Liebe 983. Ein GOtt ⸗/ ergeben Hertz 
iſt aller Gaben GOttes fähig 819 
Gebet, was eg ſey 424. 627. 1089. iſt ein Geſpraͤch der Gläubigen Seelen 
mit GOTT 560.627. ein koͤſtlich Werck 1090. eine liebliche Converſa- 
uon 





- aller dendwürdigen Sachen, 

tion mit GOTT 1142. ein Kennzeichen und Merckmahl eines wahren 
Ehriften 525. 2090. eine Wuͤrckung des Heiligen Geifted 817. wie das 
Gebet gefchehen muß 1090. worauf im Gebet zu fehen 287. zum Gebet 
geböret Harren 1093. Unterlaffung des Gebets bringt groffen Schaden 
500. fq. 1210. GDtt fordert dag Gebet ernſtlich von ung 427. und heift 
alle beten 510. dag Gebet bedarff Feiner langen Wort und vielen Erzeh⸗ 
lung 524. brinat Freude und Friede 503. und der Engel Gemeinfchafft 
1092. bämpffet die fügner 411, führet zu GOtt 307. lindert die Todes⸗ 
Ansft 702.28 muß in Demuth und Liebe gefchehen,fonft taugts nicht 433. 
wie auch in der Liebe GOttes und Sreudigfeit des Glaubeng 109 1. es 
ſtaͤrcket und vereiniget mit GOtt 1092. untergiebt ſich GOttes Willen, 
und wartet der Hülffe ungezmeiffelt 1091. wehret vielen Sünden 532. 
wird in uns von GOtt gewürdet 545. Anfechtung des Gebete, mie fie zu 
überminden 430. Anleitung zum innigen Gebet 506. Yufmunterung 
. zum Gebet 502. Erhoͤrung des Gebets faget GOTT allen zu 510. 
Grund und UÜUrſach daß GOtt unfer Gebet gewiß erhoͤre 542. iſt (1) GOt⸗ 
tee Guͤte 542. (2) Wahrheit 543. (3) Vater⸗ und Mutter - Her 543. 
(4) EHrifti Borbitte 544. (5) Zeugniß des Heiligen Beiftes in ung 545. 
(6) GOttes Janwohnung in ung 545. (7) GOttes Würefung inung - 
545. (8) GOttes Dendz Zettel 540. EDTT ift leicht zu erbitten 819. 
Früchte des Gebet 428.535. ander Frucht deg Gebets ift nicht zu zweis 
feln 427. Fundament unferg Gchetg 540. Gehälffen unfers ſchwaͤchen 
Gebets 551.1093. find (1) Mittler-Amt Chriſti 551. (2) der H. Geiſt 
552. (3) GOttes Verheiſſung 552. (4) Exempel der Erhoͤrung 553. 
(5) Gottes Freundlichkeit 555. (6) GOttes Barmhergigkeit 556. 
(7) Snaden-Bund 557. Grund deg Gebers muß ſeyn (1) GOttes Gna⸗ 
de in EHrifio 529. (2) GOttes Gegenwart 532. (3) GOttes Wahrheit 
533. (4) GOttes ewiges Wort 533. Hinderniffe des Gebet, wie fie 
wegzunehmen 430. 1093. Krafft des Gebets 529.535.571.739. inAns 
fchauung deg Leidens CHriſti 429. Nothwendigkeit des Gebets 739. 
in unferm Beruff 531. wider die Hinderniffe der Gottſeligkeit 1098. zu 
dem neuen Menfchen 1209. Nuß bes Gebets 502.529. 531.535. Ort 
des Gebete 520. 532. es iſt an feinen gewiſſen Ort gebunden 517. 
Ubung des Gebets 531, fonderlich des innerlichen Gebets 428. Urfachen 
dee Gebets, warum EOtt bag Gebet befohlen 427. 429. 500. Zeit deB 
Gebets 521.532. GOttes Zeit ift alle Zeit Die Erhoͤrung betreffend 522. 
Durchs Geber erlanget man Schuß, Gnaden-Gaben 530 und den 
Glauben 503. durchs Gebet kommer Chriſti Lebens⸗Kraͤffte zu ung 530, 
nahet manzu GOtt 531. fuchet man Vergebung der Sünden 1068. wi⸗ 
derſtehen mir unferm Fleiſch und Blut und deg Teufels Reich 503. wird 
GOTT am beſten bewogen 542. Tauleri Zeuaniß bievon 542. Im Ge 
bet it Schuß 531. Sieg 505.530, auch wider die Verleumdung 413. 
Zroft 533. im Geber find viel Geheimnilfe 1209. waͤchſt der Glaube 
503. Ohne Geber Fan man BOTT und Chriſtum nicht erkennen 424, 
koͤmmt feine gedepliche Gabe und fein Troſt ing Herb 287.627. verlifche 
ber ©laube 500, und reird fein Troft und nichts erlanget 499. 530. GOt⸗ 
6:8 Güte waͤhret von Emigfeit,darım wird er unfer Geber nicht —— 
* 











Regifter 








—— 
fen 554. ber Betruͤbten Gebet iſt GOtt am allerangenehmſten 430 GSOtt 
bergiſt feines Gebets in ung nicht 546. niemand ſoll doE Gebet wegen ſei⸗ 
ner Unwuͤrdiakeit unterlaſſen 515. ein nüglich Tractätleln vom Geber, 
daß GOtt ſolches in ung würde 498. ſeq. Gebet CHriſti 702.817. für 


ung ift unfere Staͤrcke und Gieg 545. CHriſtus unfer Bet-Spiegel und 
Bet⸗Buch 428.420. Örbet Danielis 557. Heuchels@ebet 526, innerlich 
und übernatürlich Gebet 425. inwendiges Gebet des Hertzens 323.817, 


mündlich Gebet 425. recht Gebet 427.526. maß das rechte Gebet in 


Anfechtung ſey 674. ungleiches Gebet 206. vom rechten Verſtand des 
Pater Unſers 818. ſeq. maß wir im Vater⸗Unſer beten 287 
Gebot, die Summa derfelben N 148 
Sebrechen der andern, wie fie anzuſehen 791. wie fie zu beftraffen 812. 
ſollen unfer Epiegelfeyn 154 
Geburt, zweyerley Geburt, alt und neue 13.14. ift an Sara abgebildet 76. 
derſelben Früchte 15. denn welcherley Geift, ſolcherley Kind und Geburt 
15. neue Geburt was fie fey 13.17.26.1179. iftin und aus Chriſto 14, 
17.189.198. und höher denn die Natur g03. warum fie fo hoch nöthig 276, 
derfelbenSrucht 17. Mittel 14. Saame 14. Würdung 1179,fq. 1200.19. 
und Wohithaten 13. die aus der neuen Geburt find, haben ihre Inclina- 
tion von GOtt, nicht vom Geſtire 903. neugebohrner Menfch glaubet an 
CHriſtum und lebet in ihm 244. aus GOtt gebohren feyn, ift ein lebendi⸗ 
ges Werck 27. alle gute Wercke muͤſſen aus der neuen Geburt gefches 
16 


hen 
Gedoͤchtniß EHRE 


455 
Sedancken weiß GOrt alle 508. wie boͤſe Gedancken nicht ſchaden goy. wie 
man ſich in boͤſe Gedancken und fpititum blafphemiz ſchicken fol _660 


Gedult was fie fey 592 607.613. woher fir entftehe 130. ift ein Zeichen der 
Liebe gegen GOit 504. Gedult begreifft viel Tugenden in fich 514. behält 


alle Stände ruhig 610. gefaͤllt GOtt wohl 632. ſq gehoͤret wahren Liebha⸗ 


bern zu 799. flebet nicht in Werten fondern in derKrafft 775 überwindet 
die Laͤſterer 412. bewegl. Hauptzlirfachen der Gedult 592.607. ſq. Exem⸗ 
pelder Gedult, EHriftiund alter Heiligen 595_ 596. 608.618. 845. Der 
Gedult gradus oder Stuffen 846. Frucht und Belohnung 597. Spruͤche 
und Troft 613. ſq. EHrifti Hergens-Angft lehret ung Gedult 596, denn 
der gecreußigte EHriſtus iftein GeduleE:piegel 423. GOites unfehlbare 
Wahrheit und Verbeiffung fol in ung Gedult würchen 609. 629. ſeq. ders 


ur 


gleichen wuͤrcket auch GOttes Troft 600. Wiederbringung aller Dinge ° 


ftärcket die Gedult 593. in der Gedult iſt der beſte Sieg 406. des Hertzens 


Stiede 800. groffe Gedult GOttes 369. GOtt hat viel groͤſſere Gedult 


mit ung, als mir felbft im Ereuß 608 
Gedultig feyn, was ed heiffe 368. alles gedultig aufnehmen 344 
Gebeinmiß, die gröften find in der Offenbarung Johannis 712. we 

GOtt feine Geheimniffe offenbahret 805 


Gehorſam, innerlicher Gehorſam 323 
Gehorſam CHriſti iſt vollklommen und für ale Menſchen geſchehen 310. 
iſt viel kraͤfftiger als Adams Ungehorſam 310. durch denſelben iſt unſer 
Wille erneuert 469. Pa 

[i 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 


Geiſt muß das Fleiſch nicht lange herrſchen laſſen 96. und vom Geiſt ges 
ſchmecket werden 222. Geift und Glaube eing 93. wie Geiſt und Fleifch 
überwindet 93, Früchtedes Geiſtes muͤſſen ſich bey Chriften finden 321. 
ſq. falficher Ruhm des Glaubens ohne Frucht des Geilted 67. Neuer 
Geiſt 1044.1180. koͤmmt aus Chriſto 1180. Geiftzhungerige ſchme⸗ 

_ Een biehimmlifhe Spell _ . F BT) 

Geift, der Heil. Geiſt iſt ein Geiſt der Kindſchafft 1165. unfere Argrrey 
und Staͤrcke im Creuß 1114. unfere tägliche Helligung 1114. unfere 
Salbung 1114. unferer Seelen Leben 817. der Chriſten Merchzeichen 
1165. det Geruch und Krafft deskebeng 1714 fg. ein Gehuͤlffe des Gebets 
552. daß Siegel und Verfiherung des himmliſchen Erbes 1114. iſt nd; 
thig zum Chriftlichen Leben 138, iſt unter einem Geuffzerlein in Anfechs 
tung 674. der Heil. Geift bewegt die Seele 1099. bleibet nur bey der 
Frommen 1199. bringet Luft und Liebe zum Gefeb 1083. und die rechte 
Kinder⸗Art 1113. Er erneuert, reiniget und macht dag Herk frey 157. 
greifft in den Grund des Hergeng 1200. muß in ung feuffjen 739: flvaffet 
in uns das Boͤſe grı. tröſtet die traurigen Seelen 889. würdet ein neu 
Lehen 1083. und nicht auffer, fondern in ung 1206. des Heil. Geiftes Amt 
iſt troͤſten 526. ſeq. deffen Nusgieffung 1165. Befchreibung 1164. deffen 
Empfindung 807. und derfelben vielerlen Merckzeichen gr. ſq. deffen 
Gaben und Wohlthaten 1165. müffen nicht mit irdiſchen Hertzen ergrif⸗ 
fen werden 1198. deffen gnadenreiche Einwohnung 811. 1113. derfek 
ben find wir hochbendthiget 1113. deffen innere Lehre 1167 und innere 
Zeugniß 308: 545. 1231. deffen Probe im Menfchen 526. deffen Schule 











und was daraus koͤmmt 1168. deffen Wuͤrckung in den Gläubigen 525. 


1164. fg. 1225. ſq. daben zweyerley in acht zu nehmen 808. folche 
Wuͤrckung wirb durch die Welt ⸗Liebe — 1225. ſq. des Heil. Geis 
ſtes Wohnung 526. warum der Heil. Geiſt in Tauben⸗Geſtalt erſchienen 
47. wenn er ſein Amt am beſten verrichten kan 527. in welche Seele er 
oͤmmt 730. die Welt mit ihrer Kurtzweil treibt ihn aus 813. den Heili⸗ 
gen Geift empfangen, die die Welt verfhmähen 226. die Bewegungen 
des Welt s Geiftes und des Heiligen Geiſtes find zu unterſcheiden 1085 
Geis ift einegroffe Thorheit 5 : 101 
Selaͤſſen Hertz iſt der Weg zur Erkaͤnntniß Gttes 728 
Gelaſſenheit, Chriſtliche Gelaſſenheit 1216. muß man lernen 339 


Gelehrter und Heiliger wie fie unierfpieden 727.737. 1214. dietechten 


Gottedz Gelehrten — 1168 
Gemeinſchafft der Güter und Gaben des Heiligen Geiſtes 1129 
GSemuͤth, Goͤttlich Gemuͤth 192. irdiſch und ſchwer Gemuͤth 179. ledig Ge⸗ 

můuͤth gehet auf in GOtt 779 in einem filen Gemüth fan man mit GOtt 

reden 228. ſoll GOtt reden, ſo muß alles im ſtillem Gemuͤth ſchweigen gog 
Gerecht wird ein Chriſt durch den Glauben 23206 
Gerechtigkeit iſt allein GOttes Werck 1195; koͤmmt endlich ang Licht 636 
Gerechtigkeit, Liebe und Freude find bey einander 273. unfere Gerechtig⸗ 
keit iſt ewig 1079. und verſiegelt 108 1, kommt nicht aus den Wercken 28. 
332. ſondern allein aus und in Chriſto 28.8121203. denn fie iſt auf 
feine Ereatur gegründes, fondernauf GOTT, feine Barmhertzigkeit in 
Rum m Chriſto 


—_ 





Regifter 


— — — — — — — — 
CHriſto/ Gnade und Wahrheit 313. 317. Gewißheit unſerer Gerechtig⸗ 


leit 1079. der Chriſten Gercchtigfeit eine hehe Gierschtigfeit 316 
Gerechtigkeit CHriftiift höher in feinem Verdienſt, denn Adam in feiner 
Unſchuid 3 16. iſt unſer hoͤchſter Troſt 624. iſt vollkommen 1080. Genug» 


thuung der ſtrengen Gerechtigkeit von CHriſto geſchehen 1075. wie wir 


ſie uns eigen machen PR 1076 
Gerechtigkeit des Glaubens 1073. ihre Früchte 1195. 1203. und Dielen 
Gründe 319. 1073. fg. warum die Ösrechtigkeitdem Glauben zugefchries 
ben wird N kr : 1079 
Gerechtigkeit GOttes 524. ift in allen Dingen 487. und zu ſehen im ges 
creutzigten CHriſto 421. derſelben Loh 495. wider dieſelbe die Suͤnde 487. 
aus der Beleidigung der Goͤttlichen Gerechtigkeit koͤmmt der Fluch 488 
Gerichte GOttes ſind unerforſchlich 488. die Heiligen ſehen ihre Luſt dar⸗ 
an 490. vor GOttes Gerichte ſtehen, it ſchrecklich 324. juͤngſte Gerichte 
eine Urſach zur Buſſe ae 355 
Geſchencke, dag groͤſte Geſchenck iſt CHriſtus 360 
Seſchmack, der beſte Geſchmack 6— 
Geſellſchafft, der weltlichen ſoll man ſich entſchlagen 143. 1191. wie man 
ſich dabey zu verhalten * 813 
Geſetz der Natur 166. ift noch überblieben nad) dem Fall 282. und in 
aler Menfihen He:B gefchrieben 139. dag innerliche und äufferliche Ge⸗ 
fe muß übereinfommen — 39.738 
Geſpraͤch des Bräutigams Chriſti mit der Brauf 1122. des Glaubens 
mit der Barmhertzigkeit 565. ſq. der glaubigen Seele mit GOtt 561. fq. 
SR ‘\ 4223 

Gefundheit ein ebleg Gut 580 
Gewiffen ift der befte Beweisund Zeugniß 1016. undein lebendiger Zeugs 
der verdienten Straffe 376. des Gewiſſens Art 146. durch daſſelbe locket 
ung GOtt zur Buffe 308. groöite Ruhe und Unruheim Gewiſſen 145 
Glaube 738. 1061. 1181. was derfelbe fey 129.1063.1215. was der wahre 
Glaube fen 25-26. 49.52. 212. 258.327.741.1178. Glaube ifider Chri⸗ 
flen Stand Velej1oös. GOttes Sgame 29. die Grund⸗Veſte des Reichs 
im Menſchen 750. ein Kampff und Sieg 753. eine. Kraffi und Gabe GOt⸗ 
tes 128. der Sieg über die Welt 27.743. 1064. die Thüre, dadurch GOtt 
zum Menfchen eingehet 116. und der Weg zum inmendigen Schag eins 
zufehren 741. Glaube befreyet von allem Unheil 750. bemahrer den Mens 
fchen vor Sirrthum 1067. beweiſet einen Chriſten 145. 200. fg. bringet 
alles was zu: Seligfeit gehoͤret 1005. ſq. Grdult und Freude unferm 
Greuß 756. Herrlichkeit 753. Ruhe Friede und Freyheit dem Hertzen und 
Zroft im Creuß und Trübfal 1064. 1067. Er er dreifft die Troſt⸗Spruͤche 
und eigner ſie ihm zu 1182. und in Ehrifto ergreifft er alle Gnaden⸗Schaͤ⸗ 
Be 751. Ererlangetden Gegen 627. 1066. erleuchtet dag Nerg und Ders 


einiget mit CHrifto 237. erneuert 755. faffer aug dem Wort dag Ers 


kaͤñtniß GOttes tm herglichem Vertrauen 1062. gefaͤllet8SOtt mob! 632. 
gründet ſich auf GOttes Verbeiffung 1068. haͤlt das here file zı 1. halt 
fich feft an GOttes Grave 505. hat vollige Gnuͤge in CHhriſto 755. iſt ge⸗ 
wiß verſichert der gnaͤdigen Vergebung der Sünden 1007. macht Verei⸗ 


nigung 





aller denckwuͤrdigen Sachen. 


— — — 








nigung 1117. den Hertzens⸗Sabbath 742. und CHriſtum uns gantz zu 
eigen 1078. 1179. er macht zum Knecht durch die Liebe 756. er pflantzet 
rechte Liebe ein 780. reinige: dag Hertz von der Weitz Eitelkeit und Zus 
heigung deg Irdiſchen 778. und von wnordentlichen Affecten 780. er feßt 
. alle Creaturen zuruͤck und haͤngt allein GOtt an 1062. ſiehet auf den 


Dreyeinigen Gtt 1149. ſiehet allein CHriſtum an 567. 1062. ſoll alles 


im Menſchen durch die Liebe thun 15 1. ſiehet auf G ttes Allmaächt und 
Barmhertzigkeit 631. ſucht in CHrifto die Seligkeit, macht in demfelben 
gerecht 1063. vereiniget mit CHriſto 75 1.1065. verfichert und der Selig: 
eit 752. verlifhr, woman dag Gebet unterläft 500. und wächft hinge⸗ 

gen im Gebet 503. er wendet den Menfchen von ihm felbft ab zu Chri⸗ 


ſto 314. wuͤrcket allerley Früchte der Gerethtigfeit 320. fg 1185. wird 


a GOttes Verstdnung gegründef 1155. und wird nicht ohne Creutz gez 
ernet 660, Er zeucht EHriftum an mit feinem Verdienſt und erneuert 
den sangen Menfchen 28. 1066. des wahren Slaubeng Art und Eigen⸗ 
ſchafft 26. 49.257. 321.741. 1117. unterfchiedliche Beſchaffenheit 750; 


1215. Bild 350. des Glaubens Frucht im Herken 217.751. deſſen 
Sundament 540. Gefpräch mit der Barmhettzigkeit GOttes 565. lg: 


Gewißheit 26. Kampf 95. Krafft 26. 257.1118. in zwey Gleichnif? 
fen 1118. deſſen Probe 322.327. Saame 1061. Wuͤrckung 29. 1179: 
Aus dem wahren Slauben fleuft alle Tugend 743. Im Giauben ift als 
les vollkommen 363. und der gantze Schag des inmendigen Menſchen 
750. Im Glauben muß alles erfuͤllet ſeyn auch die Vorbilder N. Teftas 
ments 33. 35. und alles geicheheh 106. Durch den Glauben wird ChHri⸗ 
ſtus unfer, und wir mit ihm bersiniget 28.739. und werden gerecht 
1179. durch den Glauben wird die Welt⸗Liebe gedämpffet 106. was ed 
fiy, an GOtt und CHriſtum gläuben 327. wo der Glaube vornemllch 
feinen Sig hat 1778. Glaube, Hoffnung und Gedult muß beyeinander 
feyn 632. wo wahrer Glaube, ba iſt olleg, was zur Seligkeit gehoͤret 242: 
GOTT fol mar gläuben 1017. GOttes Augen fehen dufden Glauben 


814. warum dem Glauben die Hülffe, Gerechtigkeit und Seligkeit zuge⸗ 
ſchrieben wird 314. 779, und warum GOtt den Ölauben in uns wuͤr⸗ 


cke 315. dem Glauben iſt der natürliche Himmel und die gantze Welt uns 
terworffen 715. und mußihm Sünde, Tod und Hölle weichen 28. groß 
fer Unterfcheid unter dem wunderthätigen und feligmachenden Ölauben 
205. Glauben ohne Liebe ift nicht wahrhafftig 1199. falſchek Glaube 
48. falfcher Ruhm des Glaubens ohne Frucht des Geiſtes 67. unſer 
Glaube ift unvollkommen 647. es ſtehet bey GOtt wie ſtarck oder ſchwach 


er ung im Glauben haben wolle 646. Schwacher Glaube ergteifft 


EHriftum ja fo wohl als der ſtarcke 29.650. und hänget GOtt auch an 
327. Erhänget an der Barmbergigfeit GOttes wie ein Kind an der 


< Mutter Brüften 653. iſt GOtt angenehm, doch muß er machfen 1066. 1g: 


GOtt will den ſchwachen Glauben nicht vermwerffen 648. fq. darum forz 


get er für die Schwachgläubigen am allermeiften 549. und iſt hnen am 
nächften 654. Klage über den ſchwachenGlauben ift ein zeugniß des Glau⸗ 


bens 651.19. Troſt wider die Schwachheit des Glaubens durch Gleich⸗ 
hiſſe 646. Des Glaubens Art ſiehet man an den Heiligen, die haben 
Mmmm2 | groffe 


—— 





Regiſter 


— — — — — — — — — et — 
groſſe Schwachheit empfunden 651. CHriſtus will den Glauben erhal⸗ 
ten 682. und reichet dem fincfenden Glauben die Hand wie Perro 653. 
woher zu mercfen, daß der Glaube nicht aufhoret 683. mancherley Mitz 
telden Glauben zu ſtaͤrcken 654. gern glauben wollen iſt auch ein Glau⸗ 





be 649. Go0tt iſt nicht allein ein Anfänger, fondern auch ein Wollender 


dee Glaubens a > \ —— 653 

Glaͤubiger vermag alles 1065. einem Glaͤubigen fan niemand ſchaben 
342. die gläubige Seele It &D:tes Kammerdienerin 560. die Gläubis 
gen empfangen ihre Lebens » Kräffte von CHriſto, als ber ihr Leben 188. 
247. erben den Gegen Abrahams 318. fommen zur Gemeinfhafft des 
Reibes und Blutes Chriſti 1140 find allein der Vergebung fähig 50. 
and follen gefegnet ſeyn 35%. der Släubigen wunderliche Affe&ten 658. 
Zroft und Ruhm 319. und Bereinigung mit GOtt 1217. ihre Hertzen 
find GOttes Wohnung 734. in ihnen ifl noch Sünde und dag Fleiſch 
1036. CHriſtus hat für fir gebeten 653. GOtt redet mit ihnen durch 
Wort 562. und hat mit ihnen den GnabenzBund gemacht 306. drum 
zürnet er nicht mis ihnen, fleaffet fie auch nicht aus Zorn, fondern aus 
Liebe 


82, 
Gnade GOttes, , ohne welche fein gut Werd? gefchicht 832. was he fen 


540. wird offt verlohren 1056. GOttes Gnade ift allen gemein 30. befs 
fer denn aller Welt Gut 548. der Grund unfers Gebet8529. und unfes 
rer Seligfeit 317. ift ung in CHriſto geoffenbaret und gefchendet 541. 
GOttes Gnade koͤmmt nicht ohne Demuth 238. locket ung zur Buffe 


359.367. macht nicht ftolg, fondern demuͤthiget 348. fol in ung &edule 
mürcen 609. thut alles allein in ung 210. und wird doc) vom vielen vers 


reorffen 247. Alles mas wir thun ift GOttes Gnade 338. auffer wel⸗ 


cher ales Sünde iſt 3225. derfelben bedürffen wir alle Augenblic 362. 


es find ihrer aber nur zerknirſchte Herken fähin 466. mancherley Gnade 


) 


GHttes 351. 367. vorlauffende Gnade, was fiefey5os. dienochgrdfe 


fere Gnade Gttes über die Sünde 352. Reichthum Göttlicher Gnade 


verfencket fich in des Dienfchen Elend 763. An GOttes Gnadehältder 


Glaube fich feft 565. wie wir bey GOtt Gnade erlangen mögen 832. 


GOtt wid ung hier feine Gnade nicht verfagen 385. welchen er aber fei« 


ne Gnade entzeucht 246. Aus GOttes Gnade koͤmmt das Leben 529. 


wozu ung GOtt allein aefchickt macht | 341 
GSnaden Bund GSttes mit allen Gläubigen gemacht 306. und in der 


| 


Tauffe wiederholer 306. 1179. ſtaͤrcket unfer Gebet 557 
Gnaden⸗Fluß koͤmmt vom Haupt auf die Glieder 1130 
Gnaden⸗ Gaben werben durch Gebet erlangte ; - 530 


Gnaden⸗CLicht EOttes, fiehe in Licht. 

Gnaden: Verheiffung GOttes m 1057 

Gnadens Wahl 654. wie fie gefchehen 246. darinnen ift unfer Glaube 
gegruͤndet 654 

Gnaͤdig ſeyn, was es heiſſe — Ss 367 

GOTT, was er ſey 128. 152. 232. was er iſt, das iſt er weſentlich 762. 
ſein Name 106. der Dreyeinige GOtt 1149. der Unterſcheid zwiſchen 


SATT und GOttes Bilde 273. GOtt iſt alles Gut weſentlich 4. 179. 
ein 





aller denckwuͤrdigen Sachen. 

ein mefentlich mittheilendes Gut 369, 443. ded Menfchen hoͤchſtes Gut 
.152. ein vollkommenes Gut 469. ein Urfprung alles Wefens und Lebens 
der Creaturen 961. der einige Urfprung,dahin alles twieder fommen muß 
725.744. ®Dtt ift ale Tugend im hoͤchſten Grad 542. das Leben 538. 
. der Menfchen Herrlichkeit 959. die höchſte Freude und Licht 227. die 
Liebe ſelbſt 53%. 1127. ein Licht 857. ſq. ein GOtt des Troſtes 622. 
eiwig 962. reiner und fubtiler als der Himmel 966. unendlich 961. 962. 
unſer hoͤchſter Ruhm 399. unferer Seligfeit Anfang, Mittel und Ende 
213. ift in CHriſto offenbaret6. iſt und fol alles in uns Menfchen ſeyn 
5. 585. ift ein edler Gaft 228. ift begierig unſers Heyls 745. iſt Fein 
Anfeher ver Perfon 204. fondern hat fie alle gleich lieb 5 12. 5 13. iſt nicht 
fchuldig an eines Menfchen Berdammniß 42. ift allezeit bereit in ung zu 
- würden 779. ift daber allein zu ſuchen und zu lieben 757.797, eriftein 
nergehrend Feuer 354. aber dod) nicht rachgierig 189. er iftaroß und 


Hein , Hoch und niedrig 485. iſt in und, und mir in GD:t545. iſt uns al⸗ 


len gegenmwärtigz1s. GOit Ändert fih um unfert willen nicht 833. er 
durchdringet alleg 509. er erfreuet alles 950. beffer ald ale Creaturen 
. 797.fordertnichtaroffe Kunft,hohe und ſchwere Dinge von ung 149.165. 
gehet ung entgegen g18. und gehet gern mit ung um, ung zu lehren 335. 
giebt fich ung aus Liebe 968. handelt mit ung, mie wir nit dem Nächften 
handeln 325. hatniemaig einen Elendenverlaffen oder verfehmähet 695. 

heilet unfere Wunden und Pfeile 376. er kan nicht genug gefeben und ge⸗ 

lobet werden 452 584. er fennet alle Hergen 509. liehet alle feine Wers 
de 966. locket zur Buſſe 358. ordnet alteg zu unferm Beften 493. redet 
mit ung durch) alle Ereaturen 461. und freundlich,ob uns gleich bie Men⸗ 
ſchen läftern 405. er richtet alles nad) dem Hergen und inwendigen Geift 
. 204. fiehet von feiner Hoheit in unfere Niedrigfeit 775. verlanget nach 
uns774 weiß und regieret ale8953.fq 962. will ung allegerne felig 
: haben 422. und würcket in demuthigen und ruhigen Hergen 745: GOt⸗ 
tes Allinache,, fiche Allmacht GOttes. GOttes Antwort in uns 1191. 
Gottes Barmhertzigkeit, ſiehe Barmbergigkeit GOttes. GOttes 
Beruff, ſiehe Beruff GOttes. GOttes Ehre ſoll man im Glauben des 
foͤrdern und vertheidigen 1016. ſiehe auch Ehre GOttes. GOttes Ein⸗ 
wohnung ſiehe Einwohnung GOttes. GOttes Erkaͤnntniß, ſiehe 
Erkaͤnntmß GOttes. GOttes Fuͤrſehung, nach welcher er alles ſiehet 
und für alles forget 948. fq. 953. fg. gebet ſonderlich auf die Glaͤubi⸗ 
. gen 954 und würdet Glauben, Hoffnung und Gedult 592. 954 Ni. 
Goites Gerichte, fiehe Gerichte GOttes. GOttes Guͤte Guͤtigkeit, 
ſiehe Güte, Guͤtigkeit GOttes. GOttes Hertz und Gedancken 192. 
GOttes Hoheit offenbaret unſere Nichtigkeit g06. GOttes Liebe, 
ſiehe Liebe GOttes. GOttes Lieblichkeit ft unendlich und unaus⸗ 
ſprechlich 464. GOttes Offenbarung in der Seelen 765. GOttes 
Opffer 393. GOttes Race, ſiehe Rache GOttes. GOttes Schoͤn⸗ 


beit, ſiehe Schönheit GOttes. GOttes Speiſe 892. GOttes Suͤſe | 


ſigkeit, fiebe Süßigfeit GDtter. EOttes Troft, fiche Troſt GOttes. 
GOttes Weisheit, fiche Weieheit GOttes. GOttes Mille, fiche 
Wille GOties. GOttes Wuͤrckung, wodurd fie verhinder werbe 796. 

Mmummz3 808. 


Regiſter 














808. ſol GOTT wuͤrcken, muͤſſen wir ruhen von der Welt 745. GOttes 


Zorn, ſiehe Zorn GOttes. Warum GOTT ein lebendiger GOꝛt heiſ⸗ 


ſe538. warum er ſich leichtlich verſohnen laſſe 582. Aus und in GOtt 


find alle Dinge 182. aus GOtt if volle Gnuͤge bier und dort 1133. in 
Hit finden wir alles 179. unfere Luft und volige Gnüge 772. 1132, 


1143. GOttes iſt alles, det Creatur nichts 442. GOtt fol man fih gang 


gegeben g4r. ihm allein dienen 955. und einig anhangen 378. dor GOtt 
treten duͤrffen, iſt was groſſes 587. ſoll GOST eingehen, muß die Welt 


aussehen 223. foll er rehden, fo muß alles in ung ſchweigen 809. die 


Seele, fo leer ven der Weltzkiche, iſt GOttes Werckſtatt 746. 784. die 


füfe Frucht der Gegenwart GOltes 1134. wie Gtt ſich von uns wende 
und mit ung zuͤrne 518. zweyerley Weiſe GOtt zu ſuchen 757. wie ein 


Menſch in GOtt gezogen werde 761. von wem GOtt nicht gefunden wer⸗ 
te 79. was GOtt im Menfhen anflagt 280. wenn GDttrufft, da iſt die 


rechte Zeit 140. wilt du GDit werth feyn, fo ſey dir ſelbſt unwerth 70 | 


Gottesdienft im A. und R. Teſtament 127. wahrer Gottesdienſt 126. fg. 
1190. werinnen er beilche 127. 162. nemlid) in 3. Stücken 127. muß im 
nergenfeyn,nicht äuferlich 135. 324. warum es Gottesdlenſt heiffe 136. 
wenu wir GOtt von Nerken Bienen, fohat GOtt feinen Rutzen davon, 
fondern wir 136.190.994. denn GOtl darff keines Menfchen Dienft 989. 


wenn der Menfch aufhöret GOtt zu dienen, verleurer ex fein ſeliges Le⸗ 


a 991: falfeher Gottesdienſt und deffen Straffe 126. vergeblicher 
Gottesdien 


Bottesfurcht, Gottſeligkeit, 118. iſt ein Begriff des gangin Ehriflichen 
Lebens 260. woher ſie entſtehe 131. fie behuͤtet für Sünden und Uppigkeit 


der Welt 178.813. daͤmpffet die Welt⸗Liebe, Dadurch fie fonft verlohren 
‚wid 106. ſchmuͤcket und zieret alled 385. Motiven zur Bottfeligfeit 260. 


ohne dieſelbe find alle Gaben nichts 385. ift auchfeinmahresticht 806 _ 


Gottloſe haben feinen Frieden 146. Eorumen bald um 4x2. find ferne vom, 

Geſetz 531. vertreiben den Heil. Geil 254. werden nicht erleuchtet 255, 

Gottloſigkeit zerſtoͤret den Gottesdienſt und wahre Religion 253. derſel⸗ 
ben groſſe Straffe rs 


vor 198 
Goͤtze, inwendiger Goͤtze 323. vor was für einen Goͤtzen man füch huͤten 

el 3 7 052439 
Gras ein herrlich Geſchoͤpff GOttes 885. GOttes Güte im Gewaͤchs * 


Graſes 886. ſchoͤne Erinnerung bey dem Gras 
Eirund ; Veſte unſers Heyls 


534 
Gut, was gut ſey und heiffe 196. alles was wir Gutes thun iſt GOttes 739. 








m in. — 








denn derMenfch Lan Gutes nicht gedencken, vielweniger hun 214. Gutes 


thun in ber Liebe, iſt eines Chriften Ruhm 399. alles Gute in GOtt zu 
lieben 761. und ihm zuzuſchreiben 2086. Pas hoͤchſte Gut des Men 
chen und aled Gut iſt GOTT 152. 962. fy. deffen Beweis 533. daß. 


hoͤchſte Gut iſt auch die Liebe CHriſti 467. wie das Gut erfannt, und in | 
der Seelen geſchmecket werde 469. und in unferer Seelen ſich ereigne | 


765. mit dem Höchflen Gut bat müffen unfere Verderbung verbeffert 


werden 59, durch Die hoͤchſte Bezahlung muß auch dag höchfte Gut ers | 
} 63 | 


fauffer feyu 317. Trkaͤnniniß des hoͤchſten Guts 3 
' E Güte, 


} 
4 


1 


+, 


| 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 


— ——— — — — 
Gäte, Guͤtigkeit GOttes iſt die himmliſche Speiſe 229. ein Grund der 
Erhöhung 542. ſehr groß und ungausſprechlich 581. und ein Troſt im 
Ereuß537. GOttes Gütiafeit keuchtet in ver Erlöfung und Wiedergez 
burt und aug der Berfehung 5go. und im Creutz 581. leitet zur Buſſe 
358. waͤhret von Ewigkeit 554. und wird aug feinen Wohlthaten erz 
kannt 473. der Schmack Goͤttlicher Güre iſt ein Vorfhuruckdeg ewigen 
Lebens 583. und niemand weiß, war GDttift, ohne der feine Guͤtigkeit 
gefchmecket hat 470. deren haben alle Creaturen ein Merckmahl 529. 
was es verhintere, daß fie von Menfchen nicht gerchmecket werde 470. 
warum GOTT nicht müde wird ung Gutes zuthun 459. GOTT thut 
mit Luft ung Buntes —— 7 
Guͤtigkeit der Kinder GOttes | - a1: Ä 
Güter, warum fie geneben werden 640. GOtt theilet uns ſeine Güter aus 
Liebe aus, daß wir ſie aus Liebe wieder ſollen austheilen 484. daher fie 
auch aus Liebe zu nehmen 967. edle Güter EA 








i N. x Na 
Sr woher 909 
et hand follen mir dem lieben GOtt feyn ann +4. .790 
aß der Wilt, woher Grs. Haß und Neid iſt Finfterniß 234 
Daſſen fich ſelbſt und fein Leben, mas es heiff: ar. 34. 373. iſt fehr noͤthig 
198. wie es zu erlangen 78. warum man fich felbft haſſen müffe 94. tuet - 
ſich ſelbſt nicht baffet, gefaͤllt GOtt nice DREH N, 
Zeilige, ſo Chtiſti Leben an fih genommen 102. find zu allen Zriten gelaͤ⸗ 
ftert worben 403. wie ihre Exempel anzufeben 403. mag vor ein Unter⸗ 
ſcheid zwifchen einem Heiligen und Gelehrten „27 737.1213. 
Zeiligkeit, ſelbſt erwehlte Heiligkeit erreget GOttes Zorn und Nache 126. 
ZerrlichEeit, ewige Herrlichkeit 703. übermindet alles Hertzeleid 400. 
Herrlichkeit sus CHriſti Königreich und Prieſterthum 753 fq. 
Herz, was es in Heil. Schrifft fey 272. if die X3erckitattdes Wort GOt⸗ 
tes 1196. muß der Schrift Krafft fühlen 736. in der Buffe geändert 
werben 363. fan nur GOtt ändern 282. mie es zerriſſen werden fol 366. 
und man zum Grund des Hertzens aeführet werde 736. der gläubigen 
Menfihen Ders iſt GOttes Wohnung und Himmel 120.734. und GOt⸗ 
tes Saͤiten⸗Spiel 573. wohin das Hertz ſoll gerichtet feyn 109. 1221. 
nemlich allein zu GOtt und ihm allein anzuhangen 808. was zu beden⸗ 
den, daß dag Hertz zu GOtt gerichtet werde 506. das gantze Herzz iſt 
GDtt zu geben 738. welchen Kerken die himmliſche Speife ſchmecke 222. ' 
zerknirſchtes iſt allein der Gnaden fähig 366. der in feinem Hertzen der 
Elendeſte iſt GOtt der Liebfte 131. GOtt bat alter Menſchen Hergen in 
feinen Händen 408. 409. und kennet alle Hertzen 509. er firherauf das 
- Hertz 349. und daher richtet er auch olles nach dem Hertzen 330.328. 
drenerley Her 349. Udamifches viehiſches Herabgebiidet 346. groffe 
Docheit des Hergend279. tief: Verderbung des Hertzens 330, welche 
erſt dort wird offenbar werden ro, Hertzens Bersinigung 496. Her⸗ 
tzens Neinigung 1238. Vater⸗Hertz GOttes 351.543 


Nummg Her⸗ 


Regiſter 











Zertzens ⸗ Sabbath 255. 522.7 35 . wie dag Hertz in ſuillen Sabbath zu 


bringen 498 
Heuchel⸗Buſſe und Heuchel⸗ Faſten 218. 365. 366 
Heuchler, was er ſey 216. mem er gleich iſt 837. welche Heuchler find x 
Heuſchrecke/ detſelben vergleichet fih der HErr, und warum 


394 
haben-eine Eatſchuldigung 40. wie ſehr ſie vom Teufel 
det ſind 


Zeydniſche Stzrifften bringen Heydniſchen Geiſt 1049 
Aummtel, was er ſey 864. iſt das fubtilefte Corpus 865, allenthalben oben 
867, rund und feiner Corruption unterwerffen 864. fq, iſt ein Zeuge 


GOttes und ber Wohnung der Seligen 864. fq. mit allenKräfftender 


Gläubigen Gebet unterworffen 715. muß den Menfchen dienen 474. wie 
die Himmel die Ehre Gttes erjehlen gor. des Himmels Groͤſſe unbe⸗ 
greiffiich 898. und ein Bild der groffen Barmhergigfeit GOttes 898. 
Gott will/daß wir die Augen follen gen Himmel heben 869. Erfchafz 
fune und Wefen — 864. des Himmels Feſte 867. deſſen 
Fruͤchte 912. Groͤſſe Hoͤhe und Weite 866. deſſen Kräfte g19. die uns 
terften Kräffte ber Erden bangen an den obern Kräfften des Himmels 
913. die. Runde des Himmels 366. beffen Würdung zweyerley (1) übers 


natuͤrliche 906. (2) natuͤrliche 908. geiſtliche Deutung des Himmels 


865. fq. verborgener Himmel 867. zukuͤnfftiger neuer immel = 

Ainmelreich, wer nicht tüchtig Ban fey ‘ ? sk 

Himmels + Richter bringen Veränderung 

Simmelss Zeichen 905. auf diefelben weiſet ung EHriflug 712, bafie 
dürfen fich Wiedergebohrne nicht fürchten 712 

Hirſch, ein ſchoͤn Gleichniß davon 842 

Hoffart iſt der Acker und Saame der Ketzerey 256. ein Anfang aller an 
den 274. und ein greulicher Fall und ſchreckliche Straffe 442, fie ba 





\ 
WE DEZ EEE LEN — 


Engel und Menfchen gefället 197. und verberbet auch die beften Be 


de 825. Aus Hoffart koͤmmt die groͤſte Blindheit und Thorbeit 443. 
darmider foll die Verachtung Chriſti eine Artzney ſeyn 394. geiſtliche 


Hoffart, wie man ſich dafuͤr hüten ſoll 286. dreyerley Unart folcher Ben 
fart,und Aränen darwider 


286 
Aoffärtige find des Teufels Werckzeuge 835. und die groͤſten un 


rrt 


Hoffnung was fie fen 639. hat GOtt zum Grunde 641. — — 
probiret 640. der Hoffnung Eigenſchafft 639. ſq. Gegenwurff 641. 
Grund 631. Kampff 641. und Probe 642. 643. bloſſe Hoffnung erhält 
ung im Creutz und läßt nicht zu ſchanden meiden 644. und widerfpricht 
der ——— durch ein flein Seuffzerlein in Anfechtung 643. un: 
fere Hoffnung müffen wir durch güldene Troſt⸗Epruͤche befeſtigen 663. 
warum Hoffnung nicht Laffe zu ſchanden werden 633. 639, fq. keines 
Elenden Hoffnung iſt verlohren 650. faliche Hoffnung . u 

Holdſeligkeit eine Frucht der Liebe 


Zölle ift deu Ehriften untertworffea 717. geiflliche Hoͤlle, baren Oi fi | 


tet 656. ewige Hoden: Bein 


Sie 


1 


aller Senden Sachen, 
Hoͤllen ⸗Angſt 657. wer in der Hoͤllen ⸗Angſt, ift ein Glied CHrift 658 





EDtr erlöfer gewiß auß der Holen - Angſt 664. underhält ung darins 


nen, ob wire gleich nicht empfinden 6 
Zonig , woraus es merde 884. geiſtlich Honig 885 
Aölffe, unfere Hilfe aus GOttes Erbarmung 296, GOtt hilfft aus der 

Noch auf mancherlen Weife 595. der Goͤttlichen Hulffe Verzug 638. 

ift ein Eilen zur Erlöfung 689. und dienet ung zu groſſe FOREN: 2 
drey Troft » Gründe hievon 688.1 
Aungerig, warum wir hungerig und durſtig ſind 687 


5, 


MAcob iſt ein Exempel ber —5 114. der Sinmiifäe Jacob at a 
—8 ung gedienet 70. wer nicht Jacob iſt, wird Fein Iſrael 


JEſus if ung alles 301. diefer Name begreifft ale Wohlthaten in ich 1078 


Ignatii Wunich 606 
Immanuel, was diefer Name bezeuget N RE 
Inſulen im Meer 937. find gemeiniglich mit Felfen umgeben 937 
Joh Chrifli, mas eg ſey 21. 62. 1181. iR dem Slelfch ein bitfer DR 
dem Geift fanfft 22.61. unterdas Jod CHriſti muß alles, was im ee 


fchen ift 61 
Joch des Teufels 118t 
Irdiſch Gemuͤth, ſchwer Gemuth 179 
Irre gehet ein jeder der nicht in den Wegen EHritiwandelt 248 


Irrthum, was eo fey, und woher fo viel entſtehe 247.394. dazu — pi 
Weiſeſten der Welt am meiſten geneiget 


Juͤden ihre Sünden vor der Babyloniſchen Gefaͤngniß 629. ihre Verfor | 
—9 - 


ckuna rühret von Unbußfertigkeit her 


eo Verſtockung 244.19. 

ulius Cefar wird von einem Sternfeher gewarnet 713 

Juͤnger CHriſti ſeyn, mag es heiſſe 165 
8 | | 


Käse, woher 
Kampf des Geiſtes in Abrahams Schlacht vorgebildet 33. geiflier 
innerlicher Kampff und Streit 294: Kampff des Glaubens 95.673. und 
ber Hoffnung 641. Rampff wider die Erb⸗GSuͤnde 276. oder unſere boͤſe 
Natur 60, wider die bofen Lüfte 1073. wider eignes Fleiſch und. lut 503. 
und das Reich des Teufels 503, auf den Kampff folger der Sieg 672. 
Kaͤmpffen iſt beffer als verdammt werden 506 
Keger, wider ſie difpurirenund ſchreiben, iſt nsthigundgutzgt. mee 
gerey Same 256 
Kınd, mo ein Kind iſt da muß die Ruthe feyn 597. Kinder foll man zum 
Lobe GOttes gewoͤhnen 575 
Kinder GOttes machet die Wiedergeburt rogr. wie wir Kinder GHnB 
werden 499. welche GOTT amı liebſten find 643. 660. Kinder GOttes 
lieben 5 a 170. thun auch GOttes Werd 332. haben — 
roſſe Schwachheiten | 3 
* Mumm; Rind⸗ 


Regiſter 








— 





Kindfchaffts Ning { RINGE 
Kirche, warum wir zur Ricchen gehen 521. ber Kirchen Kennzeichen 1235 
Kleider und Betten wachſen aus der Erben 877. warum bie Füden die 
Kieider zerriſſen 365° 
Knecht der wachende Knecht ar. Knechte fo vor GOttes Tifche Reben 589 
Zoͤntgreich, worinnen das geiflliche Königreich eines Chriſten Beftche 753 
Kriffte des Menſchen 275.281.976. ber Menfü) fan ihm felber niche 
heiffen 208. kan aus eignen Kräften nichts thun 341. noch das geringſte 
feiden 843. ſondern muß an feinen eignen Kräften versagen 377: da 
fan und willer von Natur nichts guts 209. von ihm nichts guts gedens 
den, vielmeniger hun 274. fan auch wegen groffer Schwachheit die 
himmlifche Eur nicht annehmen 297. durch fein? Krafft hindert ſich der 
Menſch an feiner Seligkeit 339. dazu er nichts thun fan 208. der Menfch 
ift auſſer CHriſto nichts 283. und hat nichts, darum fol er ihm auch 
nichtgzufhreiben 484. in welchem Verftand die Schrifft dem Menfchen 
was zufchrefbet 214. was dag befle, daß er thun Fan 115. dieguten 
Fruͤchte ſind nicht fein eigen, fondern GDtteg DB hr 
Krancke, geiftlich > Kıande Wer 4x 
Kranckheit aus dem Geſtirn 713. groſſe Kranckheit erfordert groſſe Ar: 
b 296 


nel) j 29 
Kräuter find ein Zeugniß der Güte und Weisheit GOttes 375. Signatur 
ber Kräuter 975. Eräfftige Kraͤuter auf ben Bergen 879. der taufende 
Theilder Kraft, fo in den Kräutern, iſt unergruͤndet 0876 
Kunft, groſſe Kunſt fodert GOtt nicht Bon ung 105.201. wird auch von 
ihm nicht angeſehen * 1194 


Sat ‚ eines eingigen Pandes Wohlthaten find ungehlich 476 
DLangmuth iſt eine Srucht der Liebe 188. Langmuth CHriſti 189. Exem⸗ 
pel ber Langmuth, GDtted und der Heyden 172.173. Fein Menſch hat 
fo groſſe Langmuth als GOtt ——— 579 
Laſter aller Laſter 241. abſcheuliche Laſter unter den Chriften 42. bie La; 
fer ſoll man haſſen, die Perſon beweinen 266 
Laͤſtrer werden bald zu ſchanden gro. fallen in ihr eigen Schwerdt 412 
und werden durch Gedult überwunden 402. wenn ung die Menfchen laͤ⸗ 
ern , redet GOtt freundhich mit ung 5 405 
eben, mad des Menfchen Leben fey 355. nemlich ein Weg zum Tode 324, 
und db» Zeit der Bekehrung zu GOtt und Abwendung bom Irdiſchen 779 
wird in Sünven und Eiend zugebracht 705. dreyerley Grad des Lebens 
539.unſers Lebens Nichtigkeit 140. unſer furgeg Leben if nichts gegen der 
ereigen Herrlichkeit 624: werlänger Luſt zuleben hat, der hat länger Luft 
zu ſaͤndigen 705. fg. fein Leben Heben, ift fein Leben verlieren 32, unfers 
Lebens Artzney fol Cheiſt Leben und Leyden fenn 383. das £eben eine Pre⸗ 
be nicht bee Lehre, fondern Der Verfon 257. Ehrifikich Leben fuche dro> 
ben in C. Einfaͤltige haben offt viel Gnade Chriſtlich zu leben 1034. Ewr- 
ges Leben ſuche im E Geiſtlich, Gottlih und himmliſch Leben 283. 
geiſtlich Leben 1180. 1207. woher es feinen Urſprung nimmt 1180. iſt 
Zautz todt im natürlichen Menſchen 277. und des Flaſches Errug 73 Ai 
ſtehet 


-aller denfwürdigen Zachen. 





fiehet im Glauben und in der Liebe 171. Heilig Leben, woher 717.19. 
mworinnen es beitebet 1200,19, e8 bemeifer einen Chriſten 254. zween 
Wege darzu 330. Früchte eines heil, Lebens 329. ehne ein heilig Leben 
wird Chriſtus kaum Halb erkannt und geprediget 254. des Lebens Keilig- 


feit fortzupflantzen 718. Neues Keben 1081. iſt eine Frucht des Tores 


und Auferfiehung CHrifti 17. dem Fleiſch aber iſt es ein bitter Creutz 61. 
des alten Menſchen Tod 89. und wird vom Geiſt GOttes gewuͤrdet 
1083. des neuen Lebens Krafft iſt aus dem Haupt Chriſto 1084- weiche 
alle lieder von ihm Haben 1084. dee neuen Lebens Urſach 18. Fleiſches 
Leben des Geiſtes Tod 122. hindert dag Reich GOttes 1096. das alte 
Heben muf man hoffen 1188. das boͤſe Leben der Menfchen ift weitz 


läufftig 719. durch gottlos eben wird CHriſtus vermorffen 52. und | 
GOTT verachtet 55. des Teufels Leben 66. dag Neben der ichigen 


Welt iftaar wider CHriftum 53. ſq. worinnen es beſtehe 53 


Beben CHriſti was es ſey 54. 62. 455. wie es in und ſey 34. 344. 1044. 
wie es anzunehmen 1241. dag edle Leben Chriſti 66. CHriſti gantzes Leben 
war eitel Demuth 432. dad Leben EHrifi iſt Armuth, Verachtung und 
Schmerken 386. das rechte Buch der Chrißen 103. bem Fleiſch ein bitter 
Creutz, dem geiftlichen Menfchen ein fanfftes Soc) 6r. muß in einem 
Chriſten gefpühret werden 138. ſoll unſers Lebens Artzuey 383. und Regel 

ſeyn 106. ſollen auch Lehrer an ſich haben 1235. CHriſti Lehr und Leben 
muͤſſen beyſammen feyn T234.1q. EHrifii Leben ſoll unfer Leben aͤhnlich 
werden gı. von EHriſti Leben muß man anfangen ſoll das Leben erhalten 
werden 1236. Epiegel des Lebens Chriſti 381. was ung daſſelbe lehret 


391. daffelbe betra hten iſt beſſer denn alle Runft 381.CHriſti des Haupts 


und ſeiner Glieder Leiden und Leben 1129. EHrifti Geiſt und Leben iſt in 
allen Gliedern 1129. was heiſſe in EHrifto leben 383. EHriftusmuß in 
ung leben 17. edler Menſch, indem Chriſtus lebet 59. in welchen Men: 
ſchen Chriſtus lebet 439. mie die Lebens⸗Kraͤffte CHriſti zu uns kommen 
330. in EHrifto fol man zunehmen 240. wer CHriſto im Leben folget, der 
' ift erleuchtet 236.238. wer EHriſto im Leben, Glauben und fteter Buffe 
nicht folget, der fan von der Blindheit feines Hergeng nicht erlöfet wer⸗ 
den, auch CHriſtum nicht recht erkennen 232.59. die nicht mit EHrifto 
lehen, die leben nichtim Richt, fondern im Finfterniß 235. ie weiter von 
CHriſto und feinem Leben, je weiter vom Licht und Finflerniß 239. fq. 
Lebendig merden wir burch EHriftum 16 
Leeres leidet die Rasur nicht | ‚746.808. 
Lehre, fo heilig, ift heilig zu bewahren 1199. berfelben Lauterkeit wird nicht 
mit difputiren erhalten 252. Icbendige Lehre des Heil. Geifles 383. in: 
wendig werden wir recht gelehrt 1206. reine Lehre hilfft nichtg ohne ein 
heilig Reben 718. auf Lehre und Leben foll man Achtung geben 1240. 
beydes, reine Lehre und reines Leben ‚ ſoll man erhalten 1234. falfche 
Lehre ruͤhret von einem unchriflichen Leben her 244.248. uud wird mit 
falſchem Beben nit vertrieben 1238 
Leib des Menſchen ift der Seelen Ebenbild 271. undein heil, Tempel GOt⸗ 
tes 272. ft auch von CHriſto erfaufft 701. mag GOtt dem Leih entzeucht, 
legt er der Seelen zu 547. vertlaͤrter Leib ein Echmuck auf die himmliſche 


och; 


= 


vi 


Regifter 


as ar EEE a 5 a ee 
Hochzeit703. Verklärung unferer Leiber 702. iſt eine groffe Herrlich⸗ 
feit 793 
Beiden ift von EHrifto geheiliget 597. bag Leiden ber Eeelen fehr nuͤtzlich 
841. groß Gut im Leiden verborgen 839. willig leidenift der Sieg 799. 
Gemeinfhaflt der Leiden und Schmergen 1130. ſq. Unterfcheibde? Leis 
dens um uus ſelbſt und um GOttes willen 841. die Seele vol GOttes, 
ber Leib voll Leidens 806, Thorheit derer, die nichts leiden wollen 389. 
10.” eine boͤſe Rede nicht leiden will, machts nur ärger. 406 
Beiden Chriſti go5. iftdreyerlen 393. leiblich Leiden iſt unausfprechlich 
418. Chriſtlich Seiden ift cin Zeichen der Liebe GOttes 458. fol in ung 
Buſſe und Gedult würden 46. und in die Ubung gebracht werden 05. 
Geheimniß des Leidens CHrifti 455. wie ed anzufehen 1155. des kei: 
dens Chriſti Frucht 18. in uns 46. unfer Leiden If CHriſti Leiden 625. 
CHriſto im keiden ähnlich werden, iſt der hoͤchſte Gewinn in dieſer Welt 
420. was Chriſti bloſſer Leib am Ereutz uns lehren ſoll 339 
Leutſeligkeit Titi N lee 560 
Licht ein edles But 580. deſſen Urfprung, und mag es fen 854. iftin allen 
Gresturen 862. und eine Zierde derfelben 358. fleuſt überflüßia aus der 
Sonnen 857. giebt allen Dingen Ordnung 357. zeuget von GOtt 855. 
und von ber Verklärung unferer Leiber 851. Eigenfchafften des lichts 
359. auffer bem Licht ift eitel Finſterniß 860. dreyerley Licht 855. das 
überverftänbliche Richt 356. Unterfcheid des natürlichen und Gnaden⸗ 
Lichts 783. Licht der Natur 39. deffen Wercke 791. des natürlichen 
Fichte noch ein klein Füncklein im Menfthen 277. Gnaden Licht GOt⸗ 
tes 140 1219.fq. deffen Wuͤrckung 1220. es leuchtet in allen Kräfften 
1220, auß diefem Gnaden Richt koͤmmt Erfänntnif der Wahrheit 785. 
und Verachtung dee zeitlichen 785. GOtt läffer fein Gnabden Richt im 
Fin derniß aufgeben 635. Soll das Gnadenzkicht fcheinen, muß das na⸗ 
weliche untergehen 783. Finſterniß der Sünden und Unruhe der Sin⸗ 
nen daͤmpffen das Gnaden⸗Licht 786. mancherley Licht, fo aus dem 
Licht CHriſto kommt 858. der Seelen Licht iſt GOtt 788. das ewige 
Licht in dem Menfchen, dag Licht des Lebens worden im Verſtand 495. 
Es iſt GOttes Luft die Menfchen gu erleuchten 788. was Licht und Sins 
ſterniß fin 233. was falſch und wahres Licht 62. des wahrhafftigen Lichts 
Art 791. Wercke 791. tie das wahre Licht alle Menſchen erleuchtet 
211. falſch Licht 219. ohne Goltſeligkeit iſt kein wahres Goͤttliches Licht 
806. die nicht in Chriſto leben, leben nicht im Licht 235 
Lichter des Himmels bringen Veränderung 713 
Kiebe insgemein ift eine edle Tugend 445. die ardfte Tugend 148.194. 


N 


195.445. undwarum 192, iſt angenehm o80. der reineſte und nıllfoms . 


menfle Affet 71105. dieSumma des Chriſtlichen Lebens 1291. eine 
Frucht der neuen Geburt 63, ein Kennzeichen der Kinder GOttes 163. 
ein Bild bes ewigen Lebens 166. eine Urfach aller Dinge 1110. und 
Urfprung alles im Menfchen ro13. ift fein ſchwer Were oder Gebot 150, 
die Liehe beweifet einen Ehriften 154. bringt Ruhe 134. erlanger alles 
von GOtt 451. hoͤret nicht auf 180. koͤmmt dem Menfchen felbften zum 
beften 999. machet alle Dinge lieblich 150. undleicht 988. macht ein 

en 


} 


- 


|! 


— 


4 aller denckwuͤrdigen Sacher, 


Beten 449. macht Schmergen 418. macht den Menfchen frey im Hergen 
159. und die-geringfien Werde groß 199. fuchet nicht das ihre 190, 
theilet ſich mit 1005, dereiniget mit dem Geliebten 457. 1005: verwan⸗ 
delt den Willen 1006. und wird deg Öefeges Erfüllung genennet 163. der 
Liebe Natur und Eigenschaft 161.163. ihre Befländigfeit 193. Frucht 
110.161. 1017. höchfter Grad 407. derfelben Krafft 445. Lauterfeit 
445: Mangel 155. Probe 1219. Urſach 163.193. Spiegel der allges 
meinen Liebe 157. bie Liebe foll alles in dem Menfchen thun ısı. Aus 
ber Liebe koͤmmt alles gutes 166. und iſt alles zu thun 445.818. denn 
was nicht aus der Liebe gehet, ift nicht aus GOtt 165. was aber aus der 
Liebe gebet, gefaͤllet GOtt 15 1. An der Liebe hanget dag gange Geſetz 166. 
und erfennet man einen Chriflen 137. Durd) bie, Liebe erfennet man 
Gott und Chriſtum 164. In der Liebe iſt alles, GOtt, Engel und Men: 
ſchen 203. Friede 169. dag ſeligſte Leben 183. Verwandniß GOttes 166. 
in der Liebe kan man irren 446. fol man beten 446. ohne Liebe iſt alles 
vergeblich 216. alle Gaben nichts werth 150. alle Wercke und Tugend 
todt 171. 188,193. dag Gebet untüchtig 168.451. undeiner ein todtes 
Glied der Kirchen 205. lieben ift leichter denn haffen 193. in der Liebe 
ſollen alle Menfchen ein Menfch feyn roor. wo nicht Liebe, da iſt auch 
feine Freude 273. 629. auch GOtt nicht und fein Gutes 196.629. wie 
auch Fein Glaube 188. was Paulus durch Die Liebe verſtehe 195. und 
. Warum er fie fo hoch erhebet 195. nad) der Liebe fol man fireben 194. 
Band ber Liebe im Menfhen 998. ewige Liebes: Flamme verlefchet 
. nicht 153. warum GHDrt die natürliche Liebes - Flamme erhalte 292. 
warum manc)e Weisheit und Tugendlieben 447. toie die Liebe verloh⸗ 
ren wird 1004. nichts iſt zu lieben, das unwuͤrdiger 1006. Chriſtliche 
Liebe iſt das rechte neue Leben 202. Unterſcheid der Heydniſchen und 
Chriſtlichen Liebe 167. Eigen⸗Liebe, ſiehe droben im E. Kiebeder 
Feiude, ſiehe Feindes⸗biebe. Nichts beſſers als gute Liebe, nichts 
uͤblers als boͤſe Liebe 1004. Tugend iſt nichts anders als gute Liebe 
1004. reine Liebe, wie ſie zu verſtehen 195. 448. 449. derſelben Eigen» 
fchafft 216. Liebe von reinem Hertzen 148. Liebe von gutem Gewiſ⸗ 
fen und ungefärbten Glauben 149. um die reine Liebe fol man GOtt bits 
‚ten 153. Chriſtus ift ein Spiegel der reinen unbefleckten Liebe 448. 
hertzliche und brünftige Liebe 167. Bräderliche Liebe gı2. wahre 
Liebe iſt ein Urſprung alles Guten 449. wird durch den Heil. Geiſt regie⸗ 
ret 448. derfelben Art und Eigenſchafften 448: 449. 1194. der Unter⸗ 
fcheid ber wahren und falfchen Liebe wohl zu lernen 446. die Liebe der 
Boͤſen foll man meiden 446. Falſche Liebe 195.218.219. aus Eigen: 
Nutz 447. falfche Liebe der Kunft 447. ſchwache Liebe 447. unteine 
Liebe brinaetunreine Früchte 447. Liebe der Wels, ſiehe Weli⸗Liebe. 
Liebe des Zeitlichen gebieret Traurigkeit . 123 
Liebe CHriſti gegen uns was fie ift 1128. fie ift das hoͤchſte Gut 466. 
vollfommen 647. wird im Ölauben geſchmecket 129. EHriftigroffe Kicbe 
297.603. bie allervolfommenfte Liebe ift in dem gecreußigten Chriſto 
‚466. alß in welchem alle Eigenſchafften der Liebe find 450° 
Liebe CAriftida wir CAriftum lieben, überwinder die Welt und > d m 
5 riſtt 


— — —— 


Regiſter 


CHriſti Liebe in ung 453. CHriſtum lieb haben iſt ſeine Sanfftmuth und 
Demurh lieb haben 237. und heiſſet, in CHriſto leben 71. welches beſſer 











ift als viel von ihm reden koͤnnen 726. ohne die Liebe CHriſti iſt das Leben 


eitel Bittetrkeit/ ja per Tod 4603. Zeichen der Liebe CHriſti in ung 453: 


mie wir CHriſti Lichhaber ſeyn muͤſſen 451 wer CHriſtum nicht liebet, 


gehoͤret ihm nicht an 165 
Liebe GEttes gegen uns, was fie ſey 800. davon zeugen alle Crea⸗ 
turen 460. ſq. fonderlich die Sonne, und auch die abfiheulichften Würs 
me 461. größer Zeuge und Zeugniß der Liebe GOttes iſt GOttes Sohn 
und feine Menſcawerdung 181. fq 458. 462.968. ingleichen der Tod 
CHrilti.459. Zeugen folcher Liebe find auch feine Wohlthaten 479. Eie 
ift allgemein 158.796: einig 193. Eie iſt bag atlerbefte und hoch e Gut 
465. eine Wurßel alles Guten 1011. die gröfte und erfie Gahe 978: 
und nichts hoͤhers zu finden 979. Sie iſt ein Licht 1013; die himmliſche 
MWeicheit 79, eine Urſach der Einigfeit 457. 1014. 1015. berlirfprung 
aler Haben 978: und des ewigen Lebens 968 Sie iſt zu erkennen aus 
dem Baterzund Mutter⸗Hertzen 543; und zu eben indem Gecieußigfen 
CHriſto 422. 466. iſt auch da, wenn er flraffer 981. GOttes Liebe bedatff 
feiner Ereatur 1011. behüter für Sünden ‘178 bringet abes mit fich 
1019. machet eine ruhige Seele 79. reiget GOtt nieder zu lieben 984. 
rufft ung durch ade Creaturen 402. troͤſtet ung 460. follin ung Gedult 
wuͤrcken 598. Sie umgiebt uns und läufft ung nach 452. uno wir koͤn⸗ 
nen ung derfelben nicht erwehren 479. die ewige Lieb: GOttes entzuͤn⸗ 
det unfer Herß 496. machet ung alles liebiich und leicht 466. höchtie Lies 
be GOttes 459. der Liebe GOttes ſchoͤn Argument 479. Empfindung 
1232. welche feine Zunge ausreden fan 467. ber Liebe GOltes Funda⸗ 
ment 540. Krafft 467. Kieblichfeit und Freundlichkeit 178. Probe 158. 
181. 1193. Urkund in fünfferlen Werchen 457. Würdung 1223. EOtt 
bemweifet ung durd; alle Creaturen feine Liebe 1929. giebt fich und aus 


Liebe dank 968. hat unfere Liebe theuer genug bezahlet 478. liebet uns 


allegleich 158. lieber den Menfchen über alle Greaturen 978. verſa maͤ⸗ 

bet Feines Menfchen Liebe 980. mie ſehr GOtt unfere Seele liebe 458. 

Un die Liebe GOttes follen wir uns eingig und allein Balten 17%. die kan 

uns feine Creatur nehmen 178. Aus Ottes Liebe Eömmt,aroffe Freu⸗ 

—2 und quillt Gebult 781. In der Liebe GOttes iſt des Hertzens 
riede 


800 
Liebe GOttes, Damit wir GOtt lieben 1192. iſt aller Creatur⸗Liebe 


vorzuziehen 176. fg. denn GOTT IR lieblicher den alter Creagtuten 


Liebe 463; der Menfch fol feine Liebe feinem andern als GOTT geben 


995, denn nichts iſt unſecer Liebe fo wuͤrdig als GOTT 479: 1007: da 
hingegen alle Ereaturen unferer Liebe zu gering find 177. die Liebe, als 
der edelfte Affect, gebuͤhret GOtt 176; die erſte und hoͤchne Liebe iſt GOtt 


ee 983. 1007.100%. und man foll GOit am henfien und ohne 


nterlaß lieben 984. alle Creaturen ermahnen ung datzu 984. 1029. die 
gange Natur lehret es ung 937. GOTT iſt eingig und altern zu leben 
830. und alles in GDtt zu lieben ggr. Esift nichts beſſers als SOTE 


zu lieben 177. denn in folcher Liebe ift alles begriffun zog, und hindert 
: ' 


feine 





aller denckwuͤrdigen Sachen. _ 
feiner den andern daran 1020. Zeichen der Liebe GOttes in ung 427. 
derfelben Frucht ift Freude in G tt 1017.19. wie folche Frucht lieblich 
wird 986. in dem Menſchen iſt dag, Beſte die Liebe gegen GOtt 985. und 
nichts böherg, denn die Liebe gegen GOtt 980. welche fol einfäitig und 
nicht einennügig feyn 987. reine Liebe GSttes 148. GHDtt fan nicht ges 
nug geliebet werden 982. wie wir GOtt lieben follen 985. wer GOtt lie⸗ 
ben will, muß auch Menichen leben 165. denn GOttes Liebe iſt auch des 
Naͤchſt en Liebe, oder fie ift falfch 181. mer GOtt licher, der hat auch feine 
Wercke lieb, auch Die Straffe 155. ſq. meynets mit ieberman gut 177. 
und betet gerne 15:. Ein wahrer kiebhaber GOttes lieber nur, was GOtt 
liebet 152. und wird von allen Creaturen geliebet 797. wie die Llebe 
GOttes in uns angezündet werde 479. aus GOttes und Creatur; Liebe 
entfpringet alles im Menfchen 1013. ducch Liebe kan der Menſch feiner 
Verpflichtung gegen SOTT genug ıhun 979. der Ertaturen Dienft ift 
nicht. falſch, darum foll auch unfere Liebe gegen GOtt nicht falſch feyn 
a der Menfch ift gar erfaltet in der Liebe GOttes 478. kein Menſch 

ft entfchuldiget, daß er GOtt nicht liebet 987. ſq. im Grund ift zu prüs 
fen, was von ung am hoͤchſten geliebet werde 776 
Liebe des Naͤchſten und bie Liebe GOttes Fan nicht gefrennet werden IBT: 
von beyder fiebe 148. 181. von der Liebe des Nächften infonberheit 157. 
woher fie entfiche 130. derfeiben Band 182. Gebot 159. Gründe 163. 
Srüchte 188. q. Lob 152. 163. und bewegliche Urfachen 163. 1192. 
Solche Liebe beweifet lebendige Glieder des geiftlichen Leibes Chriſti 168. 
duldet die Gebrechen des Naͤchſten 154. iſt mehr um des Nächften als ih: 
ten Schaden befümmert 183. warum fih alle Menfchen lieben follen 
998. ber Naͤchſte Ein GOTT zu lieben 176. warum ber Nächfte zu lies 
ben 161. 996. wenn wir mit unferm Nächften handeln, ſoll alles in der- 





Liebe gefchehen 151. wo nicht Liebe des Nächften, daift GOtt nicht 155. 
unordentliche betrogene Liebe bes Naͤchſten 446. 447 
Lieblichkeit des HErrn, mer fie ſchmecket, hat alled „1123 
Cied über des Hoben Liedes Eap. 7.0. 11. 12. — 769 
CLob GOttes Ändert und bewegt das Gemuͤth 572. iſt ein Borfhmac 
des ewigen Lebens 590, dag Ende aller Ereaturen 570. der Seelen 
Luft und Freude, umfere Ehre und Nuß 577. fq. unfer Sieg 591. GOt⸗ 
tes Lob Fan niemand erreichen 584. GDTT loben ift das berrlichke 
Merck 583. der Menfchen höchfte und Englifche Herrlichkeit 587. 
darum if koͤſtlich GOTT loben 1143. es lindert, ja fieget über ale 
le Trübfal 569. daher ein Chriſt taͤglich GOTT loben foll und mars- 
um 574. des Lobes GOttes beilfamer- Nut 568, 627. ſeq. hohe, 
Urfachen und Anmahnungen 576: feq. 578. 583. 586. durchs Lob 
GOttes koͤmmt viel Segen zu ung, und. wir in die Gemeinfchafft 
der heiligen Engel 577.578.588: In GDttes Kobe ift die hoͤchſte Freu— 
des 589. und wächfer dag Erfänntniß 590, daher ift GOttes Lob zu preis 
fen 1017. wie denn die heiligen Seelen unerfättlid) find ver Liebe und 
Lobes GOttes 463. GOttes Werd fan man nicht genug loben 594. 
Ein Menſch fan GOtt allezeit loben in der Stille ſeines Herkeng 570% 
GOTT lodende find Knechte GOttes vor feinem Tifche 539. Mau E 
bende 


Regiſter 


— 


en a — — 
bendes Hertz und Mund des Heil, Geiſtes Saͤitenſpiel 588. ſq. mie alle 
Creaturen GOtt loben 583. Kinder ſoll man zu GOttes Lob gewoͤhnen 








575 
ob Geſaͤnge mit glaͤubigem Hertzen geſungen, haben groſſe Krafft 570. 


begreiffen die groͤſen Wunder GOttes in ſich und den Sieg über die 


Seinde 571. Ruh, Srucht der Longefänge 569: ſq. Erempel derer die 
Kongefänge im A. und N. Teament gefungen 


571 
Euffe, ein edles Gut 580. dutchgehet alle Elemente 926, Erndte der Lufft 
a ? 475 
xuͤgenmaͤuler und ihre Straffe 415. mider fie erhält und GOttes Krafft 


"413. und bedecket ung für ihren Mord s Pfeilen 414 
LCuͤgner find Teufels: Kinder . 2 230 
Butt GOttes die Menfihen zu erleuchten 788. boͤſe Luſt ift ber verbotene 

Baum 99. die nicht zu verbergen, fondern zu tödten 68, böſe Lüfte find 


Shore des Satans 260, Welt⸗Luſt fiheider von GOtt und vereiniget 


mit dem Catan 1145 


M. > 
Sir ran hilfft viel in Schiffahrten 939. ziehet Eifen an fi 156. dei 


rechte Magnet j 94t 

Maria Magdalena iſt geiſtlich die bußfertige Seele116 
Maͤrtyrer Sreudigfeit und ſchmaͤhlicher Tod 605. geiſtliche Märtyter 677. 
wie fie in ihren Gedancen bey GOtt find 677. falſche Märtyrer 218: 
ungleihe Maͤrlyrer ; — 207 
Mänler, böfer Maͤuler ploͤtzlicher Untergang 409. Troſt wider boͤſe Maͤu⸗ 


ler EN. 410 
Meer iſt aller Waſſer Mutter 927. und aller Waſſer Tod 936. iſt hoͤher 
denn die Erde 935: GOttes Speiſe⸗Kammer 938. es haͤlt feine Ord⸗ 


nung 929. hat feinen gewiſſen Terminum 9330bezeuget GOttes All⸗ 


macht 940. des Meers Abzund Zulauff 930. ſq. Eigenfchafften 936. 
Erndte 475. Fruchtbarkeit 929. grauſame Gröſſe 936. inwendiger 
Motor 933. der Mond iſt nicht eigentlich die Urſach der Bewegung des 
Meers 931. keine Gewalt koͤnte bem Meer wehren, wenns GDtt nicht 
thaͤte 935. drum fan GOTT dag ungefiüme Meer bald füllen 943. 


EHtr hat die groͤſten Wunder im Meer gerhan 942. Es wohnen fo viel 


Menfchen Im Meer, als auf Erden 937. ſq. geiftliche Deutung auf 
zweyerley Meer, Angſt⸗Meer diefeg Lebens 940. fg. Gnadens Meer mit 
reichen Troft 942 
Meer⸗Thiere, derfeiben groffe Menge 58 
Menſch, deſſen Beſchreibung 144.935. wie weislich und fünflich er von 
GoStt erſchaffen 976. wozu er erfchaffen 76.830. nicht zu dieſem ſon⸗ 
dern zum ewigen Keben 75.76. 128. nemlich zu GOttes Ebenbilde 3. 4. 
1101, und zu GOttes Lob 577. GOttes Rathſchluß hiervon 1105. 
345. der Menſch iſt ein Bild der Drey⸗Einigkeit 3. die edelfte Creatur 
964. das Ende aller Creaturen 997, ein dürrer Baum £ +3. die Fleine 
Melt, und ein Begriff der groffen Welt 955, ein Schatte 113, 441. 


iſt auſſer CHriſto nichts ag3. durch die Sunde in Thorheit gerathen 
499 ı 


ER ae Mn 


— 






aller denckwuͤrdigen Sachen. 


499. iſt GOtt am hoͤchſten verpflichtet 969. 973. Feiner Wohlthat GOt⸗ 
teswerth 115. und doch mehr werth als die ganke Welt 974. ift fchuldig 
GoOtt zudancken vor aßer Ereaturen Gut 130. der Menfch dienet GOtt 
nicht fo emfig, als die Creaturen ihm dienen 994. ſq. hat feine Entſchul⸗ 
digung, weil ihm Leben und Tod fürgelegt 98. übertrifft alle Thiere mit 
Bosheit 333. Er fol GOtt reprefentiren 957. fich nichts werth achten 
113. fih sn GOtt halten, weil er zu deffen Ebenbild erfchaffen 967. des 
Menſchen Fuͤrtrefflichkeit 956. hoͤchſte Ehre und Wuͤrdigkeit 958. und 
Schoͤnheit 956. erfte Pflicht 999. natürlich Bild 334. tieffe Verderbung 
1073. zwey Ziel 181. an dem Menfchen hat GOtt groffe und fonderlis 
che Luſt 3. 966. darum mwiller auch feine Wohnung in ihmhaben 1102. 
in demjelben ſoll SOTT alles feyn 5. Aug Vergleichung der Greaturen 
erkennet der Menſch feine Wuͤrdigkeit 971. jeder follauf fich ſelbſt ſehen 
363. denn es iſt feiner beffer denn der andere 89, des Menſchen Sinn 
und Gedancken haben ihre Speife vom Geſtirn 902. Sg. warum GOTT 
ung zu vernänfftigen Creaturen erfchaffen 1025. warum der Menfch 
elend 115. warum er müffe gedemüthiget merben 845. was er auffer 
und in CHriſto it 27. ebdler Menſch, in dem Chriſtus lebet 59. in wels 
chen Menfchen Chriſtus leder 439. was der Menſch fürnemlich beden⸗ 
cken foll, damit fein Herg zu GOtt gerichtet werde 506. was er bewei⸗ 
nen fol 115. was des Menfchen eigen iſt 113. wenn der Menfih infeis 
nen Augen groß und klein 377. wenn er aufhdret GOTT zu dienen, 
verleuret er fein ſeliges Leben 991. wie ein Menſch täglich muß gebeffert 
erden 120. woher der Menſch feine meifte Weisheit hat 972. des Men⸗ 
(chen vergift GOTT nicht 949. um bed Menfchen willen hat alle Ereas 
tur ihr Gut empfangen 973. fg. ‚in welchem der Ereaturen Werde ru⸗ 
hen 965. und alle ihre Freude haben 971. Alles dem Menfchen zu Nutz, 
auch fein Gottesdienft 989. 994. zwifhen GOTT und Menſch if eine 
natürliche Verpflichtung 983. der Menfch ift lauter Finſterniß, CHri⸗ 
flug lauter Licht arı. was den Menfchen bindert, daß er GOttes Guͤ⸗ 
tigkeit nicht empfinden fan 470. dreyerley Stände im Menfchen 976. 
Menfchen follen ſich untereinander vor einen Menfchen halten 1000. ſaq. 
Menfchen find nicht Erfinder der Dinge , fondern nur Werckzeuge 902. 
ihre groffe Undandbarfeit 476. der Menfchen Fleiſch und Buut(ihaffer 
GOtt noch heutiges Tages aug der Erden 887. ſq. wer wider Menfchen 
ſuͤndiget, beleidiget GOtt 192. zweyerley Menſchen in ung wider ein, 
ander 93.343. geiſtlich und Fleiſchlich Menſch 62. 93.439. GOt⸗ 
tes⸗Menſch und Welt⸗Menſch 107. Welt: Menfch eine arme Erea- 
tur 100, Thieriſche Menſch 11. mweifer und kluger Menfch 100. der 
neue Menſch in der Schrift abgebildet 30. der alte Menſch muß 
ſterben, wennder neue lebenfoll 20. Inwendige Menſch, Lehre da⸗ 
von 736. fgg. ift den Menfchen unbekannt 1041. fg. und doch in der 
neuen Geburt gegründet 1042 
Menſchen⸗Kraͤffte, fiche Kräffte des Menfchen 
Wenfchwerdung CArifti 59. 1058. 1155. iſt ein groß Zeugniß und hoch · 
fies Werd der Liebe GOttes 181. fq. 458. 968. Urfachen derfelben 
59. 337. 499. 530. 1154. 1186. Da Rathſchluß hiervon 1154 
* nun dr 


4 


Begiffer 
derſelben Fruͤchte 455. Sie iſt der fuͤrnehmſte Grund der Vereinigung 


GOttes mit dem Menſchen 1113. dadurch die menſchliche Natur er; 
neuert worden 198. bie Gemeinſchafft ber Natur in CHriſto 1157. CHri⸗ 





fti Geburt 884 
Mepbibofeih ein Bild der Bußfertigen 374 
Metallen und Mineralien find Früchte ded Waffers 925 
Wißtrauen thut &Dit aroffe Unehre an 953 
Mitleiden mit den Schwachen 145. rühret aus Liebe her 182.192. 
Mitleiden CHriſti 192 


Wittel, was fie find, wie ſie im Nothfall nicht verdammen, ſo man fie nicht 


brauchen kan 521 
Monat, jeder Menat hat ſeine eigene Früchte "915 
Mond muß dem Menfchen dienen 474. zeuget von GOttes Güte 129. des 

Monden Gröffe 897. Licht 914. Zur und Abnehmen 914. und deffen 

Nutz 914. Wohlthaten, fo ung SOtt durch ven Lauff des Monden erzeiz 


get 913. nach dem Monden werden die Zeiten ausgetheilet 915 
Mörder Akt im Hertzen 323 
Morgenroͤthe was fie iſt 384 
Moſis Geſetz und Opffer in Geiſt verwandelt 135 
Muſic, woher fie erfunden 972 


5) Achfolge CHriſti in wahrer Buſſe 56. CHriſti Nachfolger werden als 
in erleuchtet 236. wer CHriſto nicht folgen will, muß dem Satan 
olgen 42 
Naͤchſter, was ihm zu Nutz gefchicht, gefaͤllt GOtt wohl 836. iſt die Probe, 
ob wir Dt lieben 158. von des Naͤchſten Liebe, ſiehe Liebe des Naͤchſten. 
Kracht bringet Ruhe 474 
Name , was unfer Name fen dabey uns GOtt ruffet 492.der rechte Name eis 
nes Chriſten 267. Neuer Name,ven niemand kennet, denn der ihn hat 223 
Narren, woraus fie GOtt machet 112 
Natur leidet nichts leeres 746. lehret ung GOtt lieben 987. 1029. die ganz 
ge Natur hänget an einandergt2. GOtt wuͤrcket durch die Ratur 711 
was der Menſch verſchuldet, muß zuvor die Natur leiden 74. der vers 
derbten Natur Conterfeyt 333. und Wiederhringung 338. die böfe 
Natur fält von GOtt in Eigen Liebe 830. Kampff und Streit unfter 
böfen Ratur6o. Licht der Natur, fiehe unter Licht. Menfchlich: Nas 


tur wird durch CHriſtum erneuert 15 
Neid iſt Finſterniß N 234 
Neu, mie alles neu gemacht im verganglichen Werfen 702 ° 


Neue Erestur, fiehe in Ereatur. 
Kleve Geburt , fiehe Geburt. 
ever Menſch, was er ſey 86. 343. 1042. wird in der Schrifft vorgebildet 
32. und in CHrifto abgebildet 57. auf ihn geher diegange Schrift 68.. 
wird erfuͤllet mit allerley GOttes⸗Fuͤlle 1043- inwendiger neuer Menſch 
1042. ſeq. iſt das neue Herg 1043. Diener GOtt froͤlich und willig 1045. 
und freuet ſich nicht in der Welt, fondern in CHrifto 75. ig Ei 
i eben 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 


—i — — — — 7 
Leben iſt CHriſtus 50. 1043. 1046. des neuen Menſchen Gebet 1047. 
Speiſe und Nahrung 1056. ſeqq. geiftliche Ubungen 1045. ſeqq. welche 
ihm find eitel Luft und Freude 1047. darinnen iſt ſein Wachsthum 1047. 
das neue Leben dem Fleiſch ein bitter Creutz Gr. was der neue Menſch bes 
trachtet und bedencket 1046. Suamen des neuen Menſchen in der Wir 
dergeburt 108. iſt GOttes Wort —— 

Nichts iſt die Materia, daraus GOtt elwas macht 112 

Nichtigkeit unſers Lebens 140. 826. ſollen wir erkennen lernen 394. wer 
das nicht thut, begehet die groͤſte Suͤnde 441. aus der Nichtigkeit macht 
GOtt Herrlichkeit 112. unſere Nichtigkeit wird durch GOttes Huͤlffe 

80 











fenbaret 


O. 

ge ergbicket den Menſchen . 8grT 

Ohr, wie es höret 746 

Opffer Moſis geiftlic), und warum bie Priefter bavon effen muͤſſen 134 

Opffer eines Ehriften 116. ungleiche Dpffer 206. wahre geiflliche Opffer 

. 162. Heydniſche Opffer führen zus Gemeinfchafft der Teufel _ 1139 
Ort macht weder felig noch unfelig 


a 1% 

P. RG 

Almbaum, geiſtlich 13? 
Parsdieß , maß eg beiffe vor 
Pein, woher die ewige Dein a4t 


Pericles iſt langmuͤthig gegen feine Laͤſterer 172 . 
Perle ſo irdiſch, muß verlaſſen ſeyn wenn man will die himmliſche Haben 83 
Philofophia, welche die beſte 55 26 
Phocion, will ſich nicht raͤchen 173 
Plagen ſchaden den Kindern GOttes nicht 907. wider ſie ſoll man beten 


| 907 
Predigen fanniemand mit Nutz ohne dem Heil. Geift 1130 
Priefter, geiflliche Priefter 116. Herrlichkeit des geiſtlichen er 
110.754 

Prognoftica des Ungewitters 934 
Pſalmen auf allerlen Faͤlle gerichtet 373. Pfalmen im hoͤhern Chor 573. 
Unterfcheid der Pfalmen geben unterſchiedene Kräffte 573. warum Pfals 
men goldene Kleinod heiffen R 587 


Yen! und Pein der Holen 356. woher bie Dvaal der Seelen 4 
Ovelle ber Brunnen 880, fletigwährender Quvell ein Bild des ewi⸗ 


gen Lebeus 882 
SYE He in SOrt zu Sefhten En 41a 
Rache GOttes 412. deren Befchreibung 489. ihr an fein Menfch 


entflieben 354. warum GOtt ein GOtt der Rache genennet werde 490. 
Erempel der wunderlichen Rache GOttes 489. GOttes Rache über Die 
Verleumder 410. warum GOtt die Ereaturen zur Rache ruͤſte 488 
Rechtfertigung iſt ein Wer GOttes 341. woher ſie entſpringet 1401 
Mnanz2 Rede 


Regifter 


Rede, Goͤttliche Rebe inung 146. in flilem Hertzen fan man mit GDtt res 
Regen | 910 (ben 228 
Regenbogen ’ 910 
Regierimg GOttes . 410 
Reich Gottes 351. iſt ein groffes Gut 819. Feingemiffer Ort 518. es if 
in ung 518. 727. deſſen Verhinderung j 119 
Reiche Beute diefer Welt haben Feine Ruhe 123. und gleichenden Maul⸗ 
thieren 124 
Reichthum iſt eine Probe. des Menfchen 98. hindert an ihm felbft die 
»eiftliche Armuth gar nicht it 762 
Reinigung , nach der innerlichen Reinigung fol man feuffjen 138 
Reue, woher fie entfiche. 327. Wahre und falſche Reue was 772.773. wahr 
re Reue was fie fey 814. fie kommt aus der Demuth 827. beffert das Les 
- ben 117. der Suͤnde ſoll man ſich reuenlaffen 370. Bild der Reue 350 
Richten, unzeitiges unnuͤtzes Richten 286. was das hochmuͤthige Rich⸗ 
ten fen 812. richten rc ſelbſt 791. ſiehe Urtheil 
355 


Kichter ie ber Thür 

Ruf GOtte 140 

Su. ift nicht in zeitlichen Dingen zu fuchen 649. hoͤchſte und beſtaͤndige 
Ruhe allein in GOtt 79. und in der Bereinigung mit GOtt 6.7. wahre 
Ruhe und Troft 145. wie zu ſuchen 542. wer auffer den Ereaturen ruhet, 
berruhet in GOtt 644. groͤſte Ruhe und Unruhe im Gewiſſen 154. bie 
Nacht bringt Ruhe | ze 474. (745.19. 

Ruhig fol der Menfch feyn 745. denn in ruhigen Hergen würde GOrE 

Ruhm eines Chriftenift, gutes thun in der Liebe 399.unfer Ruhm foll allein 
GOtt feyn 399. EHrifti wahres Glied feyn,ift auch ein hoher Ruhm 400. 
unfer hoͤchſter Troſt und Ruhm 319. durch Liebe, Demuth und Gedult 
fiegen, ift ein groffer Kuhm 400. welche den gröften Ruhm im Himmel 
haben 399. unſers Ruhms Verrichtung 811. fallherRufm 226 

Rühmen ſich der Schwachheit, iſt — denn der Staͤrcke ſich ruͤhmen 650 

= * 











Grat bes Hertzens 255.323.735 
’ Side, warum man fie im A. Teſt. angezogen 373 
Sacraments wahre Frucht - 217 
Saͤttenſpiel GOites ift unfer Her, Geifl und Mund 573 


Salbung des Geiſtes ‘ Ä N 
Saanie Gotles bringer Goͤttliche Früchte 144. in einem Saamen He 
der gantze Baum verborgen 877. Saame der neuen Geburt 14. Teufels 
Saame will heraus i a1 
Sanfftmuth gehoͤret CHriſto und feinen wahren Liebhabern 799. mabse 

Sanfftmuth und Gütigfeit 82 
Sanfftmuth EAriftt 173 
Sara ein Bild der alten und neuen Geburt 67 
Satan ift ein Menfchen-Feind 679. hindert Chriſtllchekehr undkeben 1035. 
warum er ein GOtt diefer Welt genennet wird 438. warum alles boͤſe, 
mas der Satan thut 155. SatansBild 9. Eingeben673. Fall 442; 
Handwerck 1173. dreyfaches Kunft-Stüd 1035. groſſe Macht 3 des 
Wen⸗ 


aller denckwuͤrdigen Sachen. 


———— — —— 
Menſchen Hertz 477. feurige Pfeile und Troſt darwider 673. 630 deſſen 
groſſe Weisheit den Menſchen zu vergifften 296. fein Regiment und Ty⸗ 
ranney 1040. des Satans Thore zum menfchlichen Hertzen find die 
fleiſchlichen Luͤſte 200 wie Satan den Menſchen zum Fall gebracht 197. 
was heiſſe, im Satan leben 59, und das Reich des Satans überwinden 
94. Satan fan nichts thun ohne GOttes Verhängniß 660. ter EHrifto 
nicht folgen wild, muß dem Satan folgen 42. Unheil, fodie Gemein⸗ 
ſchafft des Satand bringe 11745. wie man daraus erlöfet werde 1146. 
Eiche auch Teufel i 


Schäflein, ein Gleichniß hiervon 362 
Schaͤmen ſich des HEren Chriſti, was es ſey 74 
Schande uͤberfaͤllt endlich die Spotter 637 


Schatte, was er fen 441. Gleichniß hiervon 2277 
Schatz der beſte iſt GOit in CHriſto 742. des Menſchen inwendiger Schatz 
734. 1210. wie darzu zu gelangen 741. ſq. wieder zu ſuchen 1213. wenig 
eennen ihren inwendigen Schatz 734. zu deſſen Erfänntniß gehoͤret 


Ruhe der Seelen 735. Schaͤtze der Kinder GOttes 267 
Schiffuhrten, deren erſter Erfinder 938. Magnet hilfft viel in Schiffahr⸗ 
ten 939 
Schild GOttes 410 
Schtm GOttes 411 


Schmach, dabey ſoll man ſich ber Schmach CHriſti erinnern 1129 
Schmieden, welche Leute wuͤrdig ſeyn, die himmliſche Suͤßigkeit zu ſchme⸗ 
cken 220. wer GOtt ſchmecken will, muß ſich mit GOtt vereinigen 470. 
wie SORT erkannt und geſchmecket werde 226 
Schmuck, ungleiher Schmud | 206 
Schnee, moher 908 
Schönheit GOttes, 481.772. übertrifft alte erfchaffene Schönbeit 481. 
wird aus CHrifto leuchten 482. Plato hat fie aus den Creaturen gefchlof- 
fen 482. GOtt iſt das allerſchoͤnſte und lieblichſte Wefen 463 
Schöpffer, bemfelben ift.alle Ehre zu geben 1024. denn er alles zu ung 
ferm Dienft gefhaffen n 476 
Schöpfung, mas aus berfelben von GOtt gefchloffen wird 961. feqq. 
geiſtliche und neue Schöpffung 334 
Schriffe, die Heil, Schrift ift gang in CHriſto erfület 421. gehet auf den 
Menichen 35.68. und fein Herg 1178. mußim Glauben und in ungers 
fület werden 33.1183. ſeq. warum die Heil. Schrift kurtz iſt 256. ber 
Buchſtabe der Schrift muß im Geiſt erfüllet werben 36. wer nur den 
Buhfaben der Schriffe hat 220. wenn der eigentlihe Sinn in der Heil. _ 
Schrifft zu faffen 1207. ohne dem lauten ift fie nicht zu verflehen 35 
Schule deg Heil.Geiftee 1168. und der himmliſchen Weisheit 1214 
Schut Göttes 41 ı Schutz⸗Schluß des Autoris wider diekaͤſterer 1201. ſ. 
Schwachen iſt GOtt am naͤchſten 654 
Schwachheit iſt auch in den Kindern GOttes 283. Schwachheit des 
Rachſten iſt mit Gedult zu tragen 154. es iſt beſſet ſich der Schwachheit 
ruͤhmen, denn Staͤrcke 650 
Schwachglaͤubigbeit 29. Siehe ſchwachen Glauben in ©. 
Rnunz Seele 


Regiſter 

Seele, was ſie ſey 270. ift CHriſti Braut 959. 1118. welche Seele eine ſol⸗ 
che Braut iſt 83. fie iſt die fhinfle Ereatur 956. und edler, denn ale 
Creaturen772. Sie it GOttes Braut 772. GOttes Spiegel 109. 270. 
GOttes Werckftatt 784. der Seelen Adel766. Angſt, woher gıı. der 
Eeelen Bereitung durchs Ereug 1218. Seelen-Durft 1056. Eigenſchaff⸗ 
ten 39. ihre Freude unausſprechlich 1120. ber Seelen Srenbett 260. 
Frlede, der des feibes Ruhe 699. ihre Gleichförmigkeit mit GOTT im 
Stande der Unſchuld 270. 469. 1218. Herrlichkeit 1119. Hunger 156. 
Kräffte 1217. deren fonderlich drey ſind 3. der Seelen Licht 857. Noth 
275. Ruhe, welche gehdret zum Erkänniniß der innerlichen 735. der 
Seelen Schönheit 957. welche iſt EHriftußg58. der Seelen Epeife 224. 
welche iſt Chriſtus 1056. GOites Gnaden⸗ Verheiſſung und Krafft im 
Wort 1058. der Seelen groſſer Verluſt 467. ihre Unſterblichkeit, wie die 
Creaturen davon zeugen 975. ihre hoͤchſte Wuͤrdigkeit 771. 1121. Seele 
wird von GOtt geſchmuͤcket 959. ſpricht allezeit GOtt an 279. iſt GOtt 
näher als fie ihr ſelber 758. muß mit dem Einigen vereiniget werben 793. 
iſt gantz GOtt zu geben 725. ruhet am beſten in GOtt 143. und feiner 
Gnade 462. Seele bed Menſchen iſt groß und klein 231. leere Seele 
fuͤllet GOtt, 470. die Seele vor das Sterbliche geben, iſt Thotheit 76. 
77. fie kan nichts ſaͤttigen denn GOtt 230. GOttes Wohnung if der 
Seelen708. Offenbarung GOttes in der Seelen 765. die Seele voll 
GOttes, der Leih voll Leidens go6. Ruhe der Seelen 703, davon Cypria- 

ni Spruch 739. beſtehet in Abwendung von der Welt 729. in GOtt 143. 
Geele fol nicht bangen an irdifchen Dingen 975. ſoll feyn FDktes 
Stuhl 975. was eine innige Seele erfennet, fiebet, empfindet und ſchme⸗ 
cket 426. weiches die ſchoͤnſte Seele 759. fcheußliche Seele 759 melde 
Dinge ver Seele dienen und ſie lehren 790. wie die Seele zu GOTTna⸗ 
het 793. und wie hoch ſie von GOtt geliebet werde 457. wie der Seelen 
Grund zu ſuchen und zu finden 758 

Segen, eine Frucht der Liebe | 

Selig, woher der Seligen ihre Freude 759. felig Herb 73 
Seligkeit it anfeinen Drt verbunden 520. liegt an GOttes Gnade 737 
wird durch gute Tage leicht und offt verfcherget 601. diehschfte Selig; 
feit 1106. ſicherſter Weg zur Seligkeit 333. unfer Glaube verfichers 
ung ber Seltafcit \ | 7532 
Senffsen der Heiligen 766. Seuffzen zu EHrifte 797 
Sieg ftehet im Leiden 265. Sieg der Seelen iſt Erhaltung des gangen 
ncuen Menſchen94. EHriftus will Sieg aeben 634. rechter Siena 225. 
‚ ber befte Sieg ift, durch Gedult und Leiden überreinden 406. groͤſter Sieg 
fich ſelbſt überwinden . 94 
Sodoma geiſtlich im Menfchen 33 
Sonne ifides Himmels zierde und ſchoͤnſte Creatur 855. 860.916. fg. viel 
ersjfer als fie fiheinet 897.917. iſt allen andern Lichtern vorzuziehen 
860. erleuchtet die Welt55$. hat überflüßiges Licht 867. ınuß den Mens 
ſchen dienen 474. zeuget von GOttes Liebe 461. 856.921. und vom in⸗ 
nırlichen Licht der Seelen 857. der Sonnen kauff 899.916. machet das 
Jahr 916, aus ihrem Lauff erfiheinge GOttes Allmacht, —— 
eit 





198 





aller denckwuͤrdigen Sachen. 


— NEE FE. BETTER — — — — 
heit 918. Wohlthaten, fo SHE durch die Sonne erzeiget 67. warum die 
Sonne fo klein ſcheinet 907. wenn ſie Winter und Sommer macht 916. 

Sonnen⸗Finſterniß, ſiehe Finſterniß * 
Speiſe ver Thiere und Vögel 876. himmliſche Speiſe, was fie ſey 229. 
warum ſie vielen nicht ſchmecket, 222. wem ſie ſchmecket 230 
Spötter uͤberfaͤht endlich Schande 637 
Städte Untergang: woher 630 
Sterben muß ein Ehrift immer lernen, daß er einmal mohl flerbe 378. 
Fein Menſch fiirbt ohngefehr707. wir flerben täglich geiftlich und leib⸗ 
795 


i . 795 
Sterne, was fie fenn 896. ihre Bewegung 899. Einfluß 903. Fruͤchte 
908. Lauff 898. Würckung 900, ieder Stern hat feinen Segen 475. der 
Hleinefte geoöffer ald.der Erdboden 897. fie follen ung zur Betrachtung 
der Engel führen 900 
Straffen, was fie find 107. find allegeif geringer den unfere Sünden 607. 
GOttes Wohlthaten allezeit aröffer, denn die Straffe 608. die Straffe 
nimmt ein Liebhaber GOttes mit Liebe an 981. denn fie aefchicht nicht 
zu unferm Verderben 370. Straffe der Gottlofen 413. lebendiger Zeus 
ge der verdienten Straffe 376 
ee Sleifhes und des Geifted 1189. wo Streit, da iſt keine Herr⸗ 
yaft 95 
Streits Schrifften , ihr Mißbrauch 252 
Sünde, was fie fen zır. ift wider GOttes Gerechtigkeit 487. ein unaus⸗ 
fprechlich Abel 417. bringe Furcht und Schrecken 376. ſcheidet und tren⸗ 
net von HOtt 1116. wird ohne Buß nicht vergeben 48. 241. der Suns 
den noͤthiges Erfännniß 626. Gifftigfeit 352. Greulichkeit 352. Groͤſſe 
und Vielfältigkeit 352. Uefprung ift der böfe Wille 58. welches bie 
Haupt-Sünde 443. ber Sünden dienen iſt ſehr ſchwer 157. Verwilli⸗ 
gun in die Sünde iff verdammlich 683. die Sünde Fan feine Creatur 
austilgen 281. oroffe Undanckbarkeit in alen Sünden 376. woher bey 
ben Chriſten greffere Sünden gefchehen als bey den Heyden 42. Ein; 
wohnende Sünde verdammet nicht, fondern bie herrfchende 95. 96. mit 
einer jeden Sünde wird GOtt beleidiget 375. dadurch werden aud) die 
Ereaturen beleidiget und zur Mache gerüflet 487. ducch die Sünde iſt der 
Menſch aller Wohlthaten GOttes verluftig worden 374. Argnen wider 
die Sünde 45 um ber Suͤude willen ift kein Menfch zu haffen, fondern 

zu beflagen 266. Sünde bereuen und Gnade bitten ift der Menfchen Des 
ſtes 115. in täalichen Sünden muß man Zuflucht zu EHrifto nehmen 
3072.1g. Sünm ı fönnen nicht fo fehr betrüben, CHriſtus, die Lebens⸗ 
Duelle, kan mit geinem Trof vielmehr erfreuen 624. EHrifti Sieg über 
ale Sünden 311. GOtt will unferer Sünde nicht mehr gedencken 305, 
warum er diefeg thun will 305. warum GOtt der Sünden vergiſt 133, 
ohne Sünde fft niemand 1038 
Simdeny $all, 1177. woraus und wohin der Menfch durch die Sünde 
gefallen 1107 
Suͤßigkeit, wer die hlmmliſche Suͤßigkeit ſchmecket 220 
Suͤßigkeit GOttes iſt unendlich und unausſprechlich 464. übertrifft alle 
Annng Crea⸗ 











Regifter 
Greaturen Lieblichfeit 1131. und wird in GOtt ergebenen Hertzen * 
11 








noſſen 


T. 
GOttes, ſind ſechs faq. 


| 454.199, | 
Tauffe und verfelben Frucht 18.326.739. in der Tauffe gefchicht die 


Heriöbnif CHrifli und der Seelen 1134. kommen wir zur Erbfchafft 
GOttes 1136. werden EHrifo eingepfrepfft 1134. ſq. und als Slieber. 
eingelelbst 1135. ja wir ziehen CHriſtum an 1136. es wirddarinnen 
auch ber Gnahen⸗Bund wicderhohlet 


30 
Tauleri Lob und Theologia 736. 1233. 1244. feiner Prebigten Endzweck 


239, 
Tempel GOttes in und 72% 
Teftsment, A. Teſtaments Vorbilder müffen im Glauben erfüllet werden 

33. R. Teftament muß im neuen Menfchen erfüller werden 33 


Teufel hat über Feine Creatur Macht 668: nerführet durch gufe Tage 840. 
verfucht ale Menfchen 680. a2. des Teufeld Fall 407: des Teufeld 
Einraunen $o2. Teufels⸗Leben, was es fen 63. fein Saame und Gifft 
im Menfchen 278. fonderlich in der Seelen 280. des Teufels Saame 
will heraus 28 1. feine Unart in den Undefebrten 58. fein Werck im Mens 
ſchen 469. dem Teufel fol. man twiderfireben 803. 826. ſich vom Zeufel 
uͤberwinden laffen, ift erbärmlich 826. Siehe aud) Satan 

Teufels » Kinder, woher \ 


; 9 
Thau, fein Urfprung und Nutz 984. 911. ift ein Bild des Ftiedens 885 

Mehlthau 91* 
Theologia, was ſie eigentlich ſey 370.470. Theologia habirualis725. Ends 


zweck der rechten Theologia 1242, welches techt Theologifche Sachen, 
bie fleifig zu treiben 1211 


Theologus, wie einer wird 727 
Thiere geben GOttes Allmacht und Weisheit zu erkennen 946. warum 
GoOtt bie Thiere erſchaffen 893. der Thiere Eigenſchafft und Namen 945. 
Adams Weisheit in Benamung der Thiere 945. Regiſter der Thlere, de⸗ 
rer in Heil. Schrifft gedacht wird 946. GOtt verſorget alle Thiere 949. 
jedes hat feine ſondere Speife, welche zu fuchen GOtt einem jeden einges 
pflanget 949. q. Thiere übertreffen die Menfchen an der Tugend 333. 


aller Thiere Unart in den Menfchen 333. der 4. Thiere im Ezechiel und 
Sohanne Bedeutung | 


— 974 
Thierifhe Menfch NT ee x ıt 
Thorbeit, in Thorheit ift ber Menfch durch bie Sünde nerathen 449 
Thränen, unfere Thränen durch CHriſti Ihränen geheiliget 557 
Thraͤnen⸗Brod 122 
Thuͤr, durch welche GOtt eingehet in uns 116 


Titus thut ſeinen Feinden gutes 173 
Tod iſt dreyerley 66. iſt allen gemein 706. und ein Gewinn 707. wenn ung 
GEOtt durch den Tod wegnimmt, thut er ung groſſe Barmhertzigkeit 708. 
Tod macht ung alle gleich 100. jedermann fürcht fich vor dem Tode 698. 
Artzney wider den Tod 698. Troft darwider 698. Macht des Todes 648. 
ewiger Tod durch den Fall Udd 275.356. geiſtlicher Tod & $ 

v 


— — 


aller denckwürdigen Sachen, 


Tod sem —— er zeldeden 306. muß in uns a 34 Ber 
des ode riſti 23. 46. 240. 423. 698. 1039. Frucht des Tode 
CHriſti ift die neue Geburt — 18 

Todes + Stunde iſt ung verborgen, und warum 2,393 

Todefchlag, geiftlicher Todiſchlag 134. Hertzens Todtſchlag 323 ° 

Toͤdtung des Sleifches it hoͤchſtnoͤthig 69 





Trauren, warum ein Chriſt trauren fol 120. 123. 
Traurig, Goͤttlich traurig ſeyn iſt gut 119.267. warum der Menſch nicht 
kan recht heilſamlich traurig ſeyn 112 


Traurigkeit/ woher ſie kommt 1018. 811. geiſtliche Traurigkeit 1190. iſt 
die geiſtliche Hoͤlle 666. wird von EOtt gewuͤrcket 46. wie ſie zu dulten 


261. ſq. Artzney darwider 664. heilſame Traurigkeit 146. 262 
Traurigkeit der Welt, was fie ſey und woher fie kͤmmt 122. 123.261 
Treue gegen den Naͤchſten, woher ſie entſtehet 130 


eo für Berrübte 667. ewiger Troft wuͤrcket Gedult 595. unzeitiger 
h 2 


- ro 5 

Troft — 5* groͤſſer denn unfer Jammer 625. wie dieſes ee ge. 
neſſen 2 

Troſt SOttes in Truͤbſal 600, groͤſſer denn unſer Elend 620. giebt Safft 
und Krafft 624. iſt im Wort 1060, iſt die himmliſche Speis und Tranck 
229. begreifft viel gröſſere Güter in ſich, denn all unſer Elend iſt 624. 
leuchtet in dem Exempel der Heiligen 623. rechter Troft allein aus GOtt 
225. wird offt verlohren 1057. GDttes inwendiger Troft 802. GOTT 
tröfter gewiß 634. warum ung GOtt feinen Troft entzeucht 661. wie die 
E:iisiehung des Trofleg zu dulten 261. ſq. wer den Troft GOttes ſchme⸗ 
den wi, muß den irdiſchen fahren laffen 235. wie ein Chriſt den Troſt 


SO ies auf fich ziehen fol 303 
Troſtloſigkeit und deren Ruß 662 
Troft; Duelle in Chriſto 625 


Tröbfal iR durch CHriſtum geheiliget 420. und heilfam gemacht 610. fq. 
gegen alle Trübfal iſt Troft verordnet 620. fiebenfältiger Troſt in Truͤb⸗ 
fal 631. der Trübfal Frucht ift die Freude 604. 695. Trübfal find Schäs 
Be der Heiligen 696. Trübfal von lofen Menfchen iſt Vaters Zorn 636. 
in Trübfal fol man CHrifto ähnlich werden 393. weil fie ung zuvor ges 
faget, gedultigfegn 593. ber Gläubigen Trübfal von GOtt 600. 607. 
a die Stunde der Truͤbſal verfehen 689. mie auch) den Aue: 

rühfa gI 

Trunckenheit, geiftliche Trunckenheit 1124 

—— haben auch die Heyden geliebet 237. ſie iſt ein Licht 235. wahre 

ugend aus Liebe und Geiſt 743. der rechten Tugend Urſprung 790. der 

3. Haupt Tugenden Art und ihre Verwandniß 383. ihre ſchoͤne Einig⸗ 
feit 258. Tugend wird aus Widerwaͤrtigkeit gebohren 145. iſt ihr ſelbſt 
Lohn 184. warum fie zu lieben 152. niemand Fennet fie, ohne der fie au: 
uͤbet 235. der Tugend hoͤchſter Grad 174, die vechte Chriftliche Zugend 
732. ift im hoͤchſten Brad GOtt 543 
Tyrannen haben ir Ziel umd Zeit 691 


Nnnas5 V. Va⸗ 


Regifter 








V. 
Ater, Eigenſchaͤfft eines Vaters 622 
Vater⸗ Hertz GOttes 621 
Vaterland iſt nicht die Welt 104 
Pater unfer, deffen Auslegung 813.19. 


Uberfluß ıft nicht zur Woluft zu gebrauchen 99 
Aüberwinden vie Welt, was es heiſt 94. ſich ſelbſt, eine groſſe Tugend 174 
iſt aber ſehr ſchwer 454 
Verachtung, iſt eine Probe der Demuth 264. welche Chriſten mit Danck⸗ 
fagung angehmen 396. Troſt darwider 264. 395. 397. CHriſti Klage 
über Verachtung 2, 392. 
Verachtung GOttes 103. und feine Worts, was ſie iſt 1198 
Verblendung eine gerechte Straffe 249 
Verdammniß der Menſchen/ an derſelben iſt GOtt nicht ſchuldig 42 
Verdammte werden wuͤnſchen zu nicht zu werden 1024. woher der Ver⸗ 
dammten Leid 759. hoͤchſter Schmertz in ihnen 1023 
Verderbens Srube Ban 630 
Verdienft CHriſti ift algemein 307. gröffer denn aller Menſchen Suͤnde 
303. bafftet nicht in einem unverſoͤhnlichen Hertzen 159. bat allein bey 
den Buffertigen ſtatt 97. wird durch Unbußfertigfeit verhindert 211 und 
ohne Buffe nicht zugerechnet 23.208. Hoheit bee Verdienſts CHriſti 231 
Vereinigung mit CHriſto 767. 1203. Bereinigung Chriſti mit der Sees 
te geſchicht Durch Die nelklide Bermählung 1118. Vereinigung der geifts 
lichen Glieder am Leibe CHrifti 280 
Vereinigung mit GOtt/ oder GOttes Vereinigung mit dem Menſchen 
1103. 1108. iſt nach dem Fall getrenner,aber durch die Gnade wieder an⸗ 
gerichtet 1102. wie der Glaͤudige mit GOtt vereiniget werde 379. in fols 
cher Bereinigung iſt die hochſſe Ruhe 6.7. Vollkommenheit 337. 1222. 
dieſe Vereinigung wird bewieſen durch dag Ebenbild ıro4. denn fein 
Bild kat fich mit den Menfchen vereiniget 1105. Vollkommene Vers 
einigung mit GOtt 1106. ift die hoͤchſte Seligkeit 11060. das Band fols 
cher Bereinigung 1106. wodurch folched Band aufgelöfet wird 1107. 
durchs Wort wird fie wieder angerichtet 1107. Sie geſchicht durchs Wort 
und Sacrament 1108. ſq. Berheiffung von der Vereinigung 1109. defz 
fen Band ift GOttes Eyd ırıo. deffen Urfund ift GOttes Gegenwart in 
den berrübten Hergen ı 1 ro. und die Menſchwerdung CHriſti 1111. die 
Vereinigung mit GOtt it aus den 3. Gnaden⸗Wercken GOttes zu pruͤ⸗ 
fen 1112. iq. fie geſchicht durch Buſſe und wahre Bekehrung zu GOTT 
1115. wunderliche Vereinigung 1121. ſie wird gemacht durch Liebe und 
Gegen⸗Liebe 1127. geſchicht durch Begierde des hoͤchſten Gutes 1131. 
die Vereinigung erſtrecket ſich ins ewige Leben 1144. ſolcher Vereini⸗ 
gung Befeſtigung 1143. Beſtaͤtigung 1137. und Pfand 1137.fq. 
Vereinigung mit dem Satan 75 
Verfolgung, in derfelben will ung niemand kennen denn GOtt 414 
Vergebung aller Sünde 1069. fg. wodurch fie erwecket wird’ 130, woher 
fie fommıe 134, 1077. wie fie muß aefuchet werden 1063. voflfommene 
Bergedung der Sünden 1070, aus Önaden ohne Verdienſt 107 r ER 

' elben 








EEE 


aller x denckwuͤrdigen Sachen. 


felben Frucht ift Friede 107. Ind 107. in berfelben if iſt die Strafe aufgehoben 1077. 
Gstt wiederrufft aber feine gnädige Vergebung, wenn mir nicht verge⸗ 
ben wollen 158 
Vergebung genen den Nächften eine Frucht der Liebe 189 
Vergeffen, was GOtt in ung vergift und nicht vergift 546 
Verheiffung der Belohnung 1086. ber Ginade 1057. allgemeine Der 
heiſſungen gehen auf alle Menſchen ri 
Verkauffen, roie alles zu verfauffen und zu verlaſſen 
— unferer Leiber 861. Verklärung CHtiſti ein Bild unferer 8 
klaͤrun 
Verleugnen ſich ſelbſt iſt ſehr noͤthig 198. und ſehr ſchwer 831. m 
ein Menſch ſich verleugnen muß, und mas es ſey 87.88. 372. wie EHris 
fluß verleugnet wird 52. wie CHriffus fich ſelbſt verleugnet 88 
Derleumper, bes Teufels Jagd⸗Hunde 413. man fol fie wicht Hören 402. 
falien in ihre eigene Grube 410. GOtt flreitet wider Die Werleumber 413. 
Sieg rider die Berleumber 413 
Verleumdung eine Probe der Demuth 404.407. darwider foll man bes 
ten 494. Verleumdung, ein helifch Ungemitter und Teufels Comoͤdia 
405. derfeiben verborgene Urſach 406 
Vermaͤhlung mit CHrifte, was es ſey 1121. und ihre Früchte 258 
Dernunfft 977 
Verſchmaͤhung der Welt, woher fie koͤmmt 471 
Verſoͤhnung mit GOtt 1076. mit dem Nächften 180. 1073. 1193. bringt 
Ruhe 184 mie fie gefchehen foll 184. ift nicht zu verfäumen 334. denn 
GOtt nim̃t keine Berföhnung an ohne bie Verföhnung des Rächkten 185 
Verſtockung, woher 245. 246. ift eine gerechte Straffe 245. — 
hiervon, wie fie zu verſtehen 
Verſuchen, der Teufel verfucht alle Menfchen 686. doch iſt ihm ein 8ã 
geſetzt 68T. warum und GOtt verſuchen laͤſt 
Vertragung des Naͤchſten iſt eine Frucht der Lielbe 
Verwandelung des Liebenden in das Geliebte iſt lieblich 1005. Ein —* 
wird in was edlers verwandelt 1006 
Unbarmhertʒigkeit, darüber zuͤrnet GOtt am meiſten 160 
Unbußfertige creugigen CHriſtum aufs neue 47. ihnen ifl CHriſti Ver⸗ 
dienſt nichts nuͤtze 49. wie auch der Troſt 285. ihr ſchrecklich Urtheil 43 
Unbußfertigkeit hindert Chriſti Verdienſt und Artzney 211. verhindert 
das gantze Reich GOttes und ewige Seligkeit 242. hat das Leiden 
EHrifti ſchwer gemacht 413 
Unchriftlich Leben eine Urſach falfcher Lehre 244. 248 
Undandbarkeit gegen die Liebe GOttes 1189. ber Menfchen * Un 
danckbarkeit durch ein Gleichniß angedeutet 476. ift die hoͤchſte Unehre 
GOttes 581 
Ungedult, ihr Schade 510. wird den Angefochtenen nicht zugerechnet 659 











Unglaubens Art und Schaden 511 
Unruhe, woher 67.123.145 
Unſchuld, hoͤchſte Unſchuld 5 
Unſichtbares Wefen übertrifft weit die ſichtbare Welt 474 


Unſterb⸗ 


Regifter 





UnfterblichPeie , falfche Unfterblichkeit | 219 
Untugend , warum fie ju haffen 153 
Unverföhnlichen hilfe CHriſti Berbienft nicht 


Unwerth wer ſich ſelbſt unwerth, der ift GOtt wertb 
— ſchadet nichts 177. deſſen Erkaͤnntniß iſt der * 
ahrheit 
eh aus dem Meer 929. ben dem Brunnen 882. jeugen von et 
e3 Vorforge 
Yelltommenheit‘ worinnen ſie beſtehe 106. „32. in Chriſto unfere Be 
kommenheit 263. ſeq. 1203. Vollkommenheit des Menfchen befteher in 
der Vereinigung mit GOtt 337. nach der Bollfommenheit fol man ſtre⸗ 


ben 50, ton der Vollkommenheit im Glauben und Leben '1036 
Vorſehung GÖttes 948.953 
Vorforge GOttes 524.948.953 


Urtheil verkehrt Urtheil 227. gbermuͤthigen Urtheils Schande 790. wie 
man den Naͤchſten urtheilen foll 791. wem die urtheilenden Menfchen 
gleich find 291. wie fleiſchlich Urtheil abzuleiten goo ein jeder traͤgt fein 
mh bey ſich 376. nicht der Welt, ſondern GOttes Urtheil — iz 

665 
IB. ⸗ 
NAhrheit iſt einig 1238. bricht durch 408. und koͤmmt endlich and 
Licht 636. der Weg zur Wahrheit 763 

Wahrheit GOttes iſt ein Grund des Gebets 533. und ber Erseins 
543. und flärcket bie Gedult 

Wallfiſche 

Waſſer, was es ſey 923. des Waſſers Ort 924. Früchte 924.927. BR 
Baum giebt feine Früchte 926. 1q. jedes Waffer führet ein verborgen 
Sal 937. Wunder in den Früchten des Waſſers 228. im Waffer beſtehet 
die Erde g72,fg. Waſſer ein edles Gut 5go. kommen aus dem Meer881 

Waſſer > Släffe, warum fie vertrocknen 881 

Weg zu Chriſto in Demuth 82. zwey Wege, ı einer in Adam, der andere in 
Do 505. ber rechte Weg 382. fchöner Weg GOttes 383. a 

errlichkeit 

Wein — die Traurigen 389. ſtaͤrckt die Kancken 90. und — 
die Alten 

Meinen, man hat mehr Urſache zu weinen, als zu lachen 

Weite, der weiſeſte und närrifchte 179. bie Weiſeſten diefer Welt find sum 
Irrthum am meiften geneigt 

Weisheit, woher die wahre Weisheit 735. natürliche Weisheit, wo 
902. iedifche Weisheit ift Eigen⸗Ehr 79. himmlische Weisheit 79. Liebe 
zur Weisheit verfchmähet die Wolluſt 72. die rechte Weisheit allein aus 
GOtt 225. bie — —— 443.453. bie Seele hat anfangs voll⸗ 
kommene Weisheit gehabt 498 

Weisheit GOttes iſt ewig 962. unendlich 962. erſcheinet aus dem ger 
935. und and der Natur 914. Spienel und Bild feiner Weisheit 403, 


deren Beſchteihung und wunderliche Regierung GOttes 492. — 
⸗ 


aller denckwüůrdigen Sachen. 


. Weisheit in dem gecreugigten CHriſto 423. das Lob göttlicher Weisheit - 
495. hoͤchſte Weisheit EDttes in dee Menfchen Wiederbringung 495. 
auf GOttes Weicheit und Demuth zu fehen 105 3. denn es muß aller gez 
fchehen , wie ed GOtt ordnet, und das iſt die hoͤchſte Weisheit GOttes 
427.494. was ung in Wercken GOttes naͤrriſch deucht, ift dag allerwei⸗ 
fere 495. GOtt weiß Rath, wo keine Huͤlffe ift 954 

Mele it den Chriſten ein Exilium 101. fie iſt um des Menſchen willen ers 
fhaffen 67. 970. Welt ift den himmliſchen Gemüthern bitter 224. muß 
in ung überwunden werden 345. man fol fie verlaffen 124. wir bringen 
nichts aug derWelt 124. an der Welt hat ein Chriſt Feine Luft 99. die 
die Welt verfchmähen, empfahen den Heil, Geift 239. je weiter von der 
Melt,je näher zu GOtt 737 von der Welt zu ruhen, (ol &Dtt in ung wuͤr⸗ 
cken 744. der Welt abfterben, ſuche Adflerben. Der Belt Art 74. fie haſſet, 
die ihr abgeſtorben find 73. wie man von der Welt überwunden wird 75 

Welt⸗Freude eine Lock» Speife des Teufels g13. führet von GOtt 1022. 
tilgervie Furcht GOttes 118. groffer Schade der Seelen aug der Weltz 
Sreude 178. Gottesfurcht und Welt Freude find wider einander 120 

— und ihre Art 225. ihr gottloſes Leben 53. fie find todt in 

ünden 103 

Welt⸗Liebe undihr Betrug 464. gehoͤret zur alten Creatur 75. läffet feine 
himmlische Gedanden zu 101. wird. bag Feuer zu Sodom 108. hindert 
GOttes Wuͤrckung 795. 808. und die Würdung des Heil, Geiſtes 1225. 
muß audgehen,foll GOttes Liebe eingehen 796. die Seele, foleer von der 
Welt⸗Liebe, iſt GOttes Werckſtatt 746. vor Welt⸗Liebe ſoll man fich bes 
wahren 797. Welt⸗Liebe machet zum Vieh ro. wird doch mehr als 
GOtt geliebet 225. warum ein Menfc) die Welt lieb. hat 178. der Welt⸗ 

Liebe Frucht 108 
Welt⸗Pracht iſt ben Ehriften ein Schatte 73 

Merde, wenn fie GOtt gefallen 833. ſeq. müffen ausber neuen Geburt 
gehen 16.199 und in GOtt gefhan werden 790. welche Werde GOtt 
gefallen 136. welches «Bein gute Wercke find 1084. und in der Demuth 

efihenen 834. ſegq. GOtt fordert nicht hohe Werde von ung 149. gute 
ercke 835. aus denfelben koͤmmt nicht Gerechtigkeit 25. 832. welche 
erde zu GOtt gethan find 336. Kennzeichen der wahren Wercke der 
Liebe 790. GOtt fol dadurch geehret werden 1096. untüchtige Werde _ 

: 207. innerliche gute Wercke 1087. äufferliche gute Wercke haben die 
Berheiffung 1088. der guten Wercke Belohnung 1087. Schein Werde 
gefallen GOtt nicht i 837 

Widerwaͤrtige Dinge nehmen einander nicht an 221 

Wiederbringung aller Dinge Härcket die Gedult 594 

Wiedergeburt 384. machet neue Ereaturen und Kinder GOttes 1081. 
durch diefelbe werden wir gereiniger zur Gemeinfchaffe GOttes 1135. 
fiehe neue Geburt \ 

Mille kan nicht gezwungen werben 977. CHriftus machet in und den guten 
Millen 214. denguten reinen Willen nimmt GOtt vor die That an 260, 
262.derWille mar im Stande der Unfchuld dem Willen GOttes gleichfoͤr⸗ 


mig 271. GOttes Wille allezeit gut deg Menfchen Wille alezeis bofe hr I. 
er 








Regifker 


böfer Wille, was 58. freyer Wille, wie zu verſtehen 282. Eigen-Wile 
ſchaͤdlich 340. wie unfer Wille wird erneuert 496 © 
Mille GOttes ift gnädig und gut 512. ermeifet fich gegen ale Menfchen 
513. GOttes anädiger Wille ung felig zu machen in dem gecreußigten 
CHriſto 422. GOttes geneigter Wille 524. nichts ohne GOttes Willen 
842. GOttes Wille eine Urſach der Gedult 592. demfelben fol man folgen 
1016. wen GOttes Wille gefällt, dem gefällt alles ' 773 
Winde und ihre Würcfung 475. 911. Namen der vier Winde 912 
Wohlthaten, alt Wohlthaten ſtehen in dreyen 969. hohe Wohlthaten 
GOttes 375. bewegen zur Gedult 609. zweyerley Wohlthaten GOttes 
473. leibliche Wohlthaten 473. ſq. geiſtliche Wohlthaten 477.585 
Wohnung GOttes ſeyn if eine groſſe Herrlichkeit 1204. Lutheri Worte 





hievon 1204 
Wolcken, was fie find. 475. woher fiefommen 908 
Wolluſt ein ſtarcker Wein 131 


Wort SOttes /ein goͤttlicher lebendiger Saame 31. 1048. 1050. ein Wort 


der Wahrheit 1048. des Glaubens Saame 106r. der SeelenSpeiſe 224. 
1051. eine Regel unſers Glaubens, Lebens und Creutzes 568. ein Licht 
105 2. das Band der göttlichen Vereinigung 1113. GOttes Wagen 1108 
ein Grund bed Gebets 533. GOttes Weisheit 1050. ein Brunn aller 
Weisheit 1050. des Himmels Feſte 376. erhält ales 952. wird durch den 
Glauben fräfftig und lebendig 30.31. heiliget und reiniget unfer Hertz 
1049. würdet Gedult 594. und Troft 628. geſchmecket, bringet Freude 
und Troft 661. vereiniget mit GOtt 1052. wird täglich erfüller 1182. 
muß in ung erfüllet werden 1184. ſoll in ung lebendig werden 31. ſchme⸗ 
cket WeltzReuten nicht 221. iſt noch immer Eräfftig 885. 1051. 1148. noch 
mehr Würckungen des Worts GOttes 1052. warum es gegeben worden 
244. ie es zu hören 326. weñ ed ein todter Buchſtabe 31. Fleiß und Ernſt 
zuGottes Wort 330. warum GOttes Wort wiſſen und hoͤren nicht genug 
ſey 330. es iſt mit dem Glauben zu faſſen 1053. wie eg zu betrachten in der 
Droh- und Gnaden-Predigt 1053. bey der Offenbarung des Worts iſt 
GOttes Einwohnung zu ſpuͤren 1110. das Wort GOttes iſt ein erleuch⸗ 
tendes Wort 1709. GOtt iſt in und mit dem Wort gegenwärtig 1109. 
deffen Fortpflangung ift die Vereinigung mit GOtt 1108. beffen Ver⸗ 
achtung ift Abfall von GOtt 1108. um die Erhaltung feines Worts fol 
man beten 1198. was GOttes Wort in der Heil. Schrift iſt 1200 
Wunderwerck Coriſti geiftlich in ung 35. warum JEſus zu Nazareıh 
feine Wunder thun koͤnnen 778 


Wuͤrdigkeit, eigene Wuͤrdigkeit hilfft nichts 516 
Wuͤrme find Zeugen der Liebe Gites 461 
3. 

Aha Erkaͤnntniß vom Glauben und Buſſe 212 


Seichen des Himmels 905. Warnungs-Zeichen 906. ungleiche we 
| Ba 

Seit, derfelben Drbnung und Revolution 904, Zeitin weltlichen Geſchaͤff⸗ 
ten \ 905 
Zeit⸗ 








aller denckwuͤrdigen Sachen. 








Zeitliche Dingemit Furcht zu gebrauchen 9 98.100 man foll apa nicht 
641 


daran haͤngen 794. warum im Zeitlichen keine Ruhe 

Zeugen, fo die Unbußfertlgen verdammen 41. zwey Zeugen GOttes 850 

Zorn GOttes 532. dem Fan niemand entfliehen 354. woher er verurſa⸗ 
chet werde 107. wie er befchaffen fen gegen die Settlofen und gegen die 
Glaͤubigen 582. wie ſich GOtt von ung wende und mit uns zuͤrne 518. 
wie body GOtt erzuͤrnet wird, wenn man dad Zeitliche dem Ewigen vor⸗ 
jeucht 105. wenn GDit erzürnet mird , fo werden alle Ereaturen x 
Sünder jumider 

Zuͤchtigung GOttes ruͤhret aus Liebe hergsr. darwider ſoll der — 
nicht zuͤrnen 981 

Zungen , faliche Zungen ein ſchwer Creutz der Chriſten 402. indem fein 
Chriſt dafür fiher gor. daraus macht GOtt offt eine koͤſtliche Artzney 
407. 408. mie die falfchen Zungen zu überwinden 414. GOttes —* nr 
der die bofen Zungen 41 I. 414. Troſt darwider 

Surechnung des Verdienſts Chriſti hat nur bey den Bußfertigen ftatt nz 


Das Negifter der Gebete, 


Worinnen alle Gebete, welche m den erſten 4. 
Büchern nad) einem jeden Eapitel fiehen, mit ihrem 
Innhalt, nach jan der Bücher und Kapitel, 
su finden. 


(NB, WoeinP. fteher, da wird angedeutet, daß daffelbe Gebet aus 
des ſel. Autoris Paradieß⸗Gaͤrtlein genommen, und Die darzu ges 
feste Zahl deutet an, wo es im gedachtem Geber, uch —— 
Edition in Leipzig gedruckt, 34 finden. ) 


Das erfte Buch, 














Eap. 1. Gebet um Erneuerung des Goͤttlichen Ebenbildes pag.7 
2. Um die Erlöfung von dem alten Menfchen 12 
3. Um die neue Geburt 19 
4. Um wahre Buffe 24 
5. Um den wahren Glauben 30 
6. Um die Liebe des Goͤttlichen Worts 37:P. pag: 43 
7. Um ein reines und guteg Gewiffen 44 


8: Um wahre Buſſe 
9. Hier tft kein Gebet, —*— dag nachfolgende gehoͤret hleher 

ER Gebet um Ehrift lich $e 55 

ı1. Um die Nadifolgung — 64. P. pag. a270 

12. Um die Abſterbung der Welt 70 

13. Um rechten Gebrauch der Welt 77 

9 pt um bie Verſchmaͤhung der Welt 84. P. p 239. 
15. m 


—— — — — — — — — — nn, 
15. Um die Verleugnung ſein ſelbſt 90, Pp. 202 
16. Um den Sieg überg Fleifd und deffen Lüfte 97 
17. Um Verachtung bes Zeitlichen, und Liebe des Emigen 104 
138. Um Bewahrung vor Wein Liebe 110 
19. Um Erkaͤnntniß ſeines Elendes und der Gnade GOttes 117 
29. Um Berfehmähung der Welt ⸗Luſt uf 
21. Um den rechten Gottesvienft 
22. Um Erhaltung und Zunehmung im Glauben, Cheiftlichen dh 
den und Heil. Wandel 141,9. p. 101 
23. Um die Bewahrung vor der Befleckung der Welt 147 
24. Um vie Liebe GOttes und des Naͤchſten 156 


Regifter 





25. Um Chriftliche Barmpersigfeit gegen den Nächten 160. P. 101 
6. Um Chriſtliche Freundlichkeit gegen den Naͤchſten 169. P. p. 104 


2 
27. Fuͤr unſere Feinde 175. P p. 98 
28. Um die Liebe GOttes und des Naͤchſten 180 
29. Um die Berföhnung mit dem Nächten 137 
30. Um bie Früchte der Liebe 194 
31. Um die geiftliche Reinigung 200 
32. Um den Liebethätigen Glauben 203 
33. Um ein gläubiges Hertz 207 
34. Um geiftliche Hülffe an der Seelen 215 
35. Um wahre Weisheit 219 
56. Gebet um die Krafft des Worts GOttes in der Seelen 231 
37. Um bie Bewahrung vor Finfternig und vor der Ausfhlieffung aus 

dem Reich GOttes 243 
38. Um wahre Erleuchtung 249 
39. Um rechtfchaffene Bohrer der Kicchen 


0. 


258 
u. — in allen Stuͤcken ein ehiſchaffenes Chriſtenthum gu 


führ 
41. Bier if fein Geber, fondern das. droben beym 1. und 2. Gapitel 


ſtehet, gehoͤret hieher 


a2. Gebet um Vermeidung geifllicher Hoffart 288 
Das andere Buch. 

Cap.ı 2. Danckſagung vor die Schendung des Sohnes GOttes P-3oa 
2. Gebet um Vergebung der Sünden 

3. Um die Gerechtigkeit des Glaubens 319 
4. Um Sruchtbarfeit in guten Werden 328 
5. Um dag Wort GOttes — 336 
6. Um die Bereinigung mit GOtt ' | 

7. Um ein neu Leben 348 
8. Um wahre Befehruug 357 
9. Um wahre Buffe 371 
10. Um die rechte Kae der wahren Buffe 379 
11. Um ein neu 9 * 382 
12. Um den rechten Weg der Gottſeligkelt 384 


Ale ee 


. 15. 


der Gebete. | * 
Um die Berfhmähung der Welt Herrlichkeit 389 


13. 
‚14. Um die Verſchmaͤhung weltliher&hre 391 
Um die gedultige Ertragung der Verachtung der Welt 397 
16. Um die Verherrlichung der Gläubigen 401 
17. Gebet wider die Laͤſſerer und Luͤgenmaͤuler 415 
18. Um Daͤmpffung der fleiichlihen Woluͤſte 420 
19. Um Vermeidung der Sünde 423 
20. Wider die Nachlaͤßigkeit im Gebet und um Erhoͤrung des Gebets 431 
21. Um wahre Demuih 436 
22. Wider die Noffart und geiftliche — je 
23. Ummahre Demuth 444.P.p. 18 
24. Um berliche oe Liebe 45 1. P.P. 13 
25. Um rechte wahre Liebe Chriſti 456 
26. Um die Einwohnung und Vereinigung GOttes 465 
27. Um die Offenbarung Chriſti in der Seelen 468 
28. Um lebendige Erkaͤnntniß GOttes 472 
29. Um rechte Erfänntniß der Wohlthaten GOttes 480 
30. Um rechte Betrachtung der Schönheit Gottes 483 
31. Um die wuͤrckende Allmacht GOttes 486 
32. Um die Gerechtigkeit GOttes und derſelben Wuͤrckung 491 
33. Um Erfänntaiß der Weisheit GOttes 497 
34. Nat 12. kurtze Gebetlein 
(1) Um die Erlangung der verlohrnen Guͤther 500 
(2) Um Aufmunterung zum Gebet 502 
(3) Wieder um Aufmunterung zum Gebet 504 
(4) Um die Gnade auf dem engen Wege zu gehen 506 
(5) Daß man ein rechter Anbeter feyn möge 508 
(6) Um Gelaffenheit im Gebet 510 
(7) Um wahren Glauben 511 
(8) Um Erkaͤnntniß der 66 Liebe GOttes 514 
(9) Um Gnade recht zu beten —* 


(10) Um Erkaͤnntniß der Allgegenwart GOttes 
(11) Um Erkaͤuntniß, daß man GOtt an allen Orten und zu allen 


Zeiten anbeten fönne 523 

(12) Um Uufmunterung den rechten Weg zu gehen 525 
35. Gebet um den Geifl des Gebets 528 
36. Um GDttes Gnade und Barmbergigkeit, welche iſt das Sundas 
ment unferd Gebets 536. P.p-34 


37. Aufmunterung der Seelen zum Troft wegen gemiffer Erhörung 


550 
Gebet um brünflige Andacht und bie Gabe des Gebets 558. P.p- 29 


33. 

39. Um beftändige Gnade mit GOtt ein Geſpraͤch zu halten 565 

40. Um Aufmunterung mit GDtt oft und überall zu veden 567 

41. Um Gnade GDrt recht zuloben und zu preifen 575 

42. Preiß und Lob GOttes und feiner herrlichen Werde 586 


43. Xob » Geber zu GOtt 


591 
Ooo 0 44. 66 


Regifter. 


44. Gebet um Chriſtliche Gebult 599 
45. Um gettlichen Troft in Trübfal - 606 
46. Um Ehrifiliche Gedult * nt 613 
47. Ein andere um wahre Gedult 619 P.p.25 
48. Um Erfänntniß des wahren Troſts 62 
49. Um glaͤubiges Vertrauen auf goͤttliche Wahrheit 638 
50. Um wahre beſtaͤndige Hoffnung 645.P. p. 16 
51. Um den wahren ſeligmachenden Glauben 654. P.p.8 
52. Um görtlichen Troft in Traurigfeit 666 
53. Fürbitte zu GOtt nor Angefodytene 678 
54. Gebet wider die Anfechtung ded Satand 635.9.p. 330 
55. Creuß: Gebet, wenn GOtt die Huͤlffe lange vereuch 692.8. p.353 
56. Gebet um Gedult in groſſem Creutz 69696. P. p.350 
57. Um einen ſeligen Tod 709 
58. Um rechten Gebrauch des Geſtirns EN _ 717 
Das dritte Buch. 
Cap. Tr. Gebet um bie gnädige Eintwohnung GOttes p. 749 
2. Um die Ruhe der Seelen in Chriſto 48-P.p.56 
3. Um den wahren Glauben und um Erfänntniß beffen de aicheie 756 
4. Um Gnade GOtt vor den hoͤchſten Schatz und Guth zu halten PER 
5. Um rechte Demuth des Hertzens 764. 
6. Um GOttes anädige Gegenwart in der Seelen 768 
7. Um anädige Einwohnung GOttes —— 
8. Um Gnade dem goͤttlichen Beruff zu folgen 777 
9 Um Staͤrckung und Übungdes Glaubens | 7.982 
10, Um wahre Erleuchtung und Erkaͤnntniß der Wahrheit 787 
11. Um Vermeidung des undhriftlichen Nichteng 792 
12. Um rechten Gebrauch ver Ereaturen 795 
13. Im Wermeidung der Welt ⸗Liebe 798 
a Um Chriftliche Gedult in Creutz und Leiden 801 
BR das Einfprechen und Offenbarung Chrifti in der Seelen 807 
m des Heil. Geiſtes Wuͤrckung in ung 810 
Um rechte Annehmung der innerlichen Beſtraffung 812 


18. Danckſagung vor die Sendung des Heil. Geiſtes  815.P.p.236. 
19. Das Heil. Vater Unfer tröftlich ausgelegt 821. P. p. 5 


20. Um Aufmunterung zur wahren Demuth 


828 
2 1 Um Gnade SHtc alein anzuhangen und fich ſelbſt zu verleugnen 831 


2. Um Gnadeim lau uben und Demuth gute Werde zu hun 838 


2 = Um Erkaͤnntniß dgg Beheimniſſes des Creutzes 846 


Des vierdten Buchs Erſter Theil. 


Eap.r. Um rechten Gebrauch der Sonnen und um das innerliche Licht 
der Seelen⸗ p. 803 


2. Gebet 





| der Gebete. 


2. Geberum himmlifchen Sinn und um den feligen Himmel 869 
3. Yufmunterung Ir Freude im HErrn bey der Frühlings -Zeit, 





Geſangs⸗ weile | 894 

4. Geber um Gnade, GOTT aus Som, Mond und Sternen zu 
erkennen | . 922 

5. Danckſagung, daß GOTT Waffer und Meer gefchaffen, und Geber 
vom Meer 943 

6. Um feſtes Vertrauen auf GOttes Vorforge 960 
Des vierdten Buchs Anderer Theil, 

Cap. 1. Gebet um rechtes ErkaͤnntnißGOttes 662 
2. Um die Erwehlung des hoͤchſten Gutes 964 
3. Um Gnade HDtt allein recht zu dienen 966 
4. Um Erneuerung deg göttlichen Ebenbildeg - 967 
5. Um Gnade fi) GOtt ganz und gar zu ergeben 969 
6. Um Gnade EDtt mit Leib und Seel zu preifen 970 
7. Um Bewahrung vor dem Mißbrauch) der Freude über ben Creas 
furen | 973 

8. UmeindandbaresHerg 974 
9. Wieder um ein dandbares Herß 976 
10. Dandfagung um feine Erfchaffung 977 
11. Umrechte Gegen Liebe zu GOtt 979 
12. Um Entsündungberkiebe gegen GOtt 981 
13. Um Gnade GOtt auch in der Züchtigung zu lieben . 982 
14. Um Gnade GOtt ohn Unterlaß zu leben 984 
15. Im Gnade EStt aufıichtig ohne Heuchelen zulicben - 936 
16. Um Gnade einfruchtbarerkiebess Baum zu feyn 987 
17. Um Gnade GOtt hergzlich zu lieben 989 
38. Um Gnade EDtt recht zudienen 990 
19. Um Vergebung, baß man der Creaturen gemißbrauchet 992 
20. Danckſagung vor die Erhaltung der Ereaturen. Ä 993 
21. Gebet um Önade GDtt emfig zu dienen | 995 
22. Um Liebe zu GOtt und dem Nachften, -. 996 
23. Um Erneuerung des goͤttlichen Ebenbilde 997 
24. Um Liebe gegen ven Nächften Re \ 999 
25. Um Gnade inder Erneuerung ben Nächften zulichen 1002 
26. Um Ehriftliche Einigkeit 1003 
27. Um gute Liebe 1004 
28. Um die Liebe GOttes ale des hoͤchſten Gutes "1006 
29. Um die Liebe GOttes abermal 1007 
30, Um Gnade , GDtt über alle Dinge zuerfl zu Heben 1009 
31. Um Vermeidung der Eigen Liebe ioro 
32. Um Austilgung der Selbft: und Eigen s Licbe 1012 
33. Um rechte GOttes⸗Liebe und Vermeidung der Eigen: Liebe 1014 
34. Um Austilgung der unorbentlichen Eigen + Liebe 1015 
35, Um Erkänniniß feiner Schuldigfeit gegen GOtt 107 


D00 92 36. Um 


4 





36 
37 
33 
39 
40 


Gap. 11. Danckſagung vor bie gnäbige Dffenbarung deg 


Regiſter der Gebete. 


‚ Um die wahre Liebe GOttes 

. Um Vermeidung der Welt Freude 
, Um fein ſelbſt Haß 

, Um Gnade &Dtt recht zu ehren 

. Um Vermeidung eigner Ehre 


Des fünfften Buchs erſter Theil. 


. red und Gnade recht Chriftlich darnach zu leben. 


Andrer Theil. 


1020 
1023- 
1024 
1026 
1027 


Hort GOt⸗ 
| 1098 


Cap. 7 Gebet und Dandfagung vor die Geiftliche Vermaͤhlung 


CVHriſti mit unſerer Seelen 


ERDE 





1125. 


P. P. 124 











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